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Präsident Xi skizziert Chinas Entwicklungsperspektive für die nächsten 30 Jahre

Am 18. Oktober eröffnete Chinas Präsident Xi Jinping den 19. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) mit einer erfrischend optimistischen Rede. Er beschrieb darin eine ehrgeizige Strategie für den weiteren Fortschritt der chinesischen Volkswirtschaft als Beitrag zur Verwirklichung der „gemeinsamen Bestimmung der Menschheit und von dauerhaftem Frieden und Stabilität“ auf der Welt.

Da die europäischen Medien meist ein Zerrbild Xis liefern („Stalinist“, „brutaler Diktator“, „Welteroberungsdrang“ etc.), geben wir einige Kernaussagen seiner Rede wieder.

Angesichts der spektakulären Fortschritte Chinas in den letzten 30 Jahren ist zu erwarten, daß die von ihm dargelegten ehrgeizigen Ziele bis zur Hundertjahrfeier der Gründung der Volksrepublik China 2049 tatsächlich verwirklicht werden.

Xi begann mit einem Rückblick auf die Entwicklung der letzten fünf Jahre, seit er Generalsekretär wurde. Er erinnerte an die starke Ausweitung der Mittelschicht in der chinesischen Gesellschaft und an die großen Fortschritte in den vorher rückständigen zentralen und westlichen Landesteilen. Der erfolgreiche Kampf gegen die Armut sei „beeindruckend“. Seit Ende 2012 wurden etwa 60 Mio. Menschen aus der Armut befreit, und für die übrigen 43 Mio. Armen soll dies bis 2020 erreicht sein. (In den letzten 30 Jahren wurden 700 Mio. Chinesen über die Armutsgrenze gehoben, eine in der Geschichte beispiellose Errungenschaft.)

Gleichzeitig habe die Kommunistische Partei strikte Verhaltensregeln durchgesetzt, eine „Abschreckung vor Korruption“ geschaffen und so zwei Probleme gelöst, die eine Gefahr für sie waren. Zudem sei Chinas „Einfluß auf der Welt gestiegen wie nie zuvor“.

Für die Zukunft gab Xi ein dramatisch beschleunigtes Entwicklungstempo vor. China hat sich zwei Jahrhundertziele gesetzt:

1. bis 2020 eine mäßig wohlhabende Gesellschaft ohne extreme Armut schaffen, und
2. bis 2050 aus China ein „starkes, demokratisches, zivilisiertes, harmonisches und modernes sozialistisches Land machen“.

Von 2020-35 soll China die vollständige Modernisierung erreichen, um sich dann von 2035-50 in eine „großartige Gesellschaft“ zu verwandeln, womit China „neue Höhen erreicht“. Dann werde das Volk wohlhabender und sicherer leben, und China werde eine starke, demokratische, kulturell fortgeschrittene, harmonische und schöne Nation sein, und es werde ein vollwertiges aktives Mitglied in der Gemeinschaft der Nationen sein. Diese Ziele zu verwirklichen, werde „kein Spaziergang“ sein, unterstrich Xi, aber man werde es schaffen.

So wenig man anderen den eigenen Weg aufdrängen wolle, sei die KP niemals daran interessiert gewesen, ein fremdes Gesellschaftsmodell zu übernehmen, sondern man wolle einen der Geschichte und Kultur Chinas angemessenen „Sozialismus mit chinesischen Eigenschaften“ verwirklichen. Er ermunterte die Zuhörer (die Rede wurde live im ganzen Land gesendet), weiter die großen Traditionen des chinesischen Denkens aus seiner 5000jährigen Geschichte wiederzubeleben.

International werde China sich weiter öffnen und durch die Gürtel- und Straßen-Initiative die Zusammenarbeit fördern, um eine „Nationengemeinschaft mit einer von allen geteilten Zukunft“ zu schaffen. Jede Nation habe das „Recht, ihren eigenen Weg zu finden”, Entwicklung dürfe niemals „auf Kosten anderer“ angestrebt werden.
Xi sprach auch über Chinas jüngste wissenschaftliche Durchbrüche und über die notwendige Förderung des „Forschergeists“ in der Bevölkerung.


Neue Seidenstraße verspricht Italiens Häfen große Zukunft

Der Vorsitzende des italienischen Reederverbands Confitarma, Mario Matteoli, hält die Neue Seidenstraße für eine große Wachstumschance vor allem für Italiens Häfen, da diese der bevorzugte Zugang für Waren aus Asien nach Europa wären, während heute noch Schiffsladungen überwiegend in Nordeuropa gelöscht werden, bevor sie weiter nach Zentral-und Südeuropa gelangen.

„Das Belt-and-Road-Projekt ist natürlich herausfordernd und beängstigend zugleich,“ sagte Matteoli, „aber ich denke, die italienischen Akteure sollten sich dieser großen Gelegenheit bewußt sein, denn anstatt am Ende der Kette zu sein, könnten wir die Richtung der Warenflüsse umkehren. Viele Industriebetriebe im Norden Italiens importieren Waren aus Häfen in Deutschland und den Niederlanden, aber die neuen Infrastrukturprojekte könnten diesen Trend umkehren, und Italien könnte dann die Eingangsstelle für Waren zur Weiterverteilung in den Norden werden… Wir als Reeder müssen uns [an der Neuen Seidenstraße] beteiligen, um für die zukünftigen Generationen eine bessere Welt zu schaffen.“


Türkei will Teil der Neuen Seidenstraße sein

„China ist in jeder Beziehung ein wichtiges Land. Es ist ein Land, mit dem wir unsere Beziehungen entwickeln und gemeinsam die historische Seidenstraße wiederbeleben möchten,“ erklärte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu am 28.10. in einer Rede in Sanliurfa im Südosten der Türkei, meldete Xinhua.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan war prominenter Teilnehmer an dem Belt and Road Forum im Mai 2017 in China, und sein Hauptberater Emin Onon soll vor einigen Tagen zum türkischen Botschafter in China ernannt worden sein. In der regierungsnahen Zeitung Daily Sabah erschien am 27.10 ein Artikel, worin es heißt, daß die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der Türkei im letzten Jahrzehnt an Fahrt gewonnen hätten, und diese Zusammenarbeit werde von weiteren gemeinsamen Investitionsprojekten profitieren, um das Potential der Neuen Seidenstraße auszunutzen.

Daily Sabah erwähnt folgende bereits angelaufene oder geplante Projekte: Verhandlungen über den Bau der Schnellbahnstrecke Edirne-Kars, das Abkommen mit Chinas staatlichem Atomenergiekonzern über den Bau eines dritten Kernkraftwerks in der Türkei sowie die Förderung der direkten Finanzierung von Handel und Investitionen in den Landeswährungen. Der Vorsitzende der türkischen Tochtergesellschaft der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC Turkey) Bank, Xu Keen, erläuterte Daily Sabah gegenüber, man wolle die Marktuntersuchung in Osteuropa und in der Region des Schwarzen Meers stärken und gleichzeitig als Hauptpartner bei Infrastrukturprojekten wie Kraftwerken, Bahnstrecken, Autobahnen u.a. in der Türkei und den angrenzenden Regionen auftreten.

Auch der größte Baukonzern Chinas, PowerChina, hat letzten Mai seine eurasische Regionalniederlassung in Istanbul eingerichtet, wobei es laut Daily Sabah hieß: „Die Türkei ist eines der wichtigsten Länder an der Neuen Seidenstraße und hat wichtige regionale Vorteile.“


Erster direkter Güterzug zwischen China und der Ukraine

Am 29.10. startete der erste Güterzug von Urumqi, Xinjiang, der westlichsten Provinz Chinas, nach Poltawa in der Ukraine, beladen mit Ölbohranlagen des Xinjiang Beiken Energy Engineering. Nach Darstellung des stellvertretenden Konzernmanagers Chung Jinmin verläuft die Strecke durch Kasachstan und Rußland und verkürzt die Transportzeit von mehr als 2 Monaten auf dem Seeweg auf 15 Tage.

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche betonte in ihrem Webcast vom 26.10., wie wichtig es sei, die Ukraine an weiteren Belt-and-Road-Projekten zu beteiligen, um so die Grundlage zur Überwindung der gefährlichen Krise zu schaffen. Sie erwähnte außerdem das kürzliche Treffen des chinesischen Außenministers Wang Yi und seines ukrainischen Amtskollegen Pavlo Klimkin, auf dem beide erklärten, bei der Belt and Road Initiative eng zusammenzuarbeiten. Helga Zepp-LaRouche weiter:

„Dies fordern wir seit Jahren: Der einzige Weg, die Ukraine-Krise zu lösen… und um die Einheit der Ukraine wiederherzustellen, ist der Bau der Eurasischen Landbrücke bzw. der Neuen Seidenstraße vom Atlantik zum Pazifik, wodurch eine höhere Ebene der Kooperation erreicht wird, die alle Konflikte lösen könne. Deswegen ist dies eine sehr vielversprechende Entwicklung.“


China will Bolivien bei Industrialisierung helfen

In einem Interview mit der bolivianischen Tageszeitung El Deber vom 2. Oktober hat der chinesische Botschafter in La Paz, Liang Yu, nachdrücklich betont, daß China Bolivien auf jede erwünschte Weise dabei helfen wolle, zu einer wohlhabenden Industrienation inmitten eines sich entwickelnden Südamerikas zu werden.

Die Beziehung beider Länder „tritt in eine neue Periode breiter und schneller Entwicklung ein… Die Zusammenarbeit in Bereichen wie Produktionskapazitäten, Bergbau und Energie, Infrastruktur, Bau von Schnellstraßen, Flughäfen, Bahnstrecken und Wasserkraftanlagen sowie Zusammenarbeit und Austausch in Bereichen wie Luftfahrt, Telekommunikation, Wissenschaft, Technologie und Umweltschutz zu erweitern, wird die Industrialisierung Boliviens voran bringen. Die Wertsteigerung bolivianischer Produkte wird sich beschleunigen und die eigene Entwicklung vorankommen.“

Unter den bereits angelaufenen Projekten, die Botschafter Liang nannte, ist ein von China finanziertes und gebautes Schnellstraßennetz von 1300 km Länge im gesamten Land, das eine strategische Grundlage für die Verkehrsinfrastruktur in Bolivien darstelle. Es wurde auch ein Abkommen über den Bau eines Stahlwerks in der Nähe von Boliviens riesigen Eisenerzvorkommen in El Mutun unterzeichnet, das nach seiner Fertigstellung Bolivien zum größten Stahlproduzenten Lateinamerikas machen werde – ein gigantischer Schritt in der Industrialisierung Boliviens.

Nicht zuletzt hat China auch etwa 30 Stipendien an talentierte Studenten für ein Studium in China vergeben, die meisten davon in der Nuklearwissenschaft, der Raumfahrt u.a.

Auf die Frage nach Chinas eigenem Interesse an dieser Entwicklung antwortete Liang Yu: „Ohne eine zügige Entwicklung aller Entwicklungsländer kann die Welt nicht prosperieren. In Zukunft will China die Zusammenarbeit mit Bolivien und anderen Länder Lateinamerikas in ähnlichen produktiven und wissenschaftlich-technologischen Bereichen noch ausdehnen.“


Chile: „Ohne China geht‘s nicht!“

Der chilenische Vizebauminister hat in einem Gespräch mit China Hoy die Rolle Chinas bei Chiles Integration mit der Welt betont und erklärt, daß Chile als Länderbrücke Südamerikas nach China dienen könnte. Außerdem könne die gemeinsame Vision beider Länder eine Interessengemeinschaft schaffen, insbesondere im Bereich der Infrastruktur. Chile möchte und brauche Chinas Expertise beim Bau von Infrastruktur-Großprojekten und verwies dabei auf den Agua-Negra-Tunnel unter den Anden, der Teil eines biozeanischen Korridors zwischen dem chilenischen Pazifikhafen Coquimbo und dem brasilianischen Atlantikhafen Porto Alegre werden soll. „Es gibt einfach niemand anderen, der in der Lage ist, Tunnel in einer Höhe von 4500 m zu bauen!“

Galilea sagte auch, solche Großprojekte benötigten in ihrer Bauphase Technologien und Produktionsprozesse, bei denen die Chinesen weltweit führend seien. Neben dem Agua-Negra-Projekt gebe es noch eine Reihe weiterer Projekte, bei denen Chinas Beteiligung erwünscht sei, wie bei dem Paso de las Leñas Tunnel in der zentralen O‘Higgins-Region Chiles. Über diese und andere Projekte wird bereits zwischen Chile und China verhandelt.


Afghanistan will regionale Seidenstraße für Frieden und Wohlstand

Bei seiner Rede auf dem 12. Silk Road Mayors Forum in Kabul am 20. Oktober hat sich der afghanische
Präsident Ashraf Ghani für die Idee der Neue Seidenstraße ausgesprochen. Von der Nachrichtenagentur
Pajhwok Afghan News wird er wie folgt zitiert:
„Die Wiederbelebung der Seidenstraße und des Lapislazuli-Korridors würde die Entwicklung unter den
Nachbarländer beleben, und Afghanistan, das nie isoliert war, würde mit der Welt in Kontakt bleiben.”

afghanistan-corridor

Er betonte zudem die kulturelle und antike Bedeutung der Seidenstraße und wie dieser Korridor eine
wichtige Rolle bei der Ausdehnung der Weltzivilisation gespielt hat.
Das Silk Road Mayors Forum bringt jährlich Bürgermeister, Diplomaten und andere Repräsentanten aus
Ländern entlang der Seidenstraße sowie große Hilfsorganisationen zusammen, um gemeinsame Themen
aus den Bereichen Finanzierung, Diplomatie und Kultur zu diskutieren.


Die Überraschungen des Jahres 2017 aus weltpolitischer Sicht

The presentation by Helga Zepp-LaRouche at an event hosted by Kiwanis Club Linz.

 

 

 

 


Kondolenzbotschaft an das Alexandrow-Ensemble und an das russische Volk

Im Namen des internationalen Schiller-Institutes möchte ich Ihnen unser tiefstes Mitgefühl über den tragischen Verlust der 92 Menschen aussprechen, die bei dem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Syrien ums Leben gekommen sind. Dieser Unfall ist umso mehr ein Grund zur Trauer, da die Musik und der patriotische Geist, der die Mitglieder des Alexandrow-Ensembles auszeichneten, dem syrischen Volk eine Botschaft der Hoffnung gebracht hätten – einem Volk, das seit über fünf Jahren unter der kriminellen Politik des Regimewechsels leidet und das unter völliger Mißachtung seiner Souveränität als Schachfigur in einem geopolitischen Spiel behandelt wird.

Das Alexandrow-Ensemble war Ausdruck der höchsten moralischen Werte Rußlands und spricht, wie klassischer Chorgesang im Allgemeinen, die Seele und das schöpferische Potential des Publikums an. Es ist daher besonders wichtig, daß der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu angekündigt hat, daß er Proben initiieren wird, um die besten Talente zur vollen Wiederherstellung des Alexandrow-Chores zu finden.

Die Ausbildung der Singstimme ist für jeden Menschen wichtig, da eine gut platzierte Stimme die schöpferische Absicht des Komponisten ausdrücken und direkt eben jenes Vermögen im Publikum ansprechen kann. Deshalb repräsentiert sie ein unentbehrliches Element harmonischer Charakterentwicklung. Lassen Sie mich deshalb die Idee mit Ihnen teilen, zusätzlich zum Wiederaufbau des Alexandrow-Ensembles Tausende von Alexandrow-Chören an Schulen in ganz Rußland aufzubauen, um Rußlands heroischen Beitrag zur Befreiung Syriens zu ehren und gleichzeitig die erhebende Wirkung des Chorgesangs in der jungen Generation zu verbreiten.

Es entsteht gerade ein Neues Paradigma, das sich in der Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion mit der Initiative der Neuen Seidenstraße zeigt, die eine vollkommen neue Art von Beziehungen zwischen Nationen darstellt. Damit aus diesem Neuen Paradigma eine neue Ära der Zivilisation wird, brauchen wir einen Dialog der besten Traditionen jeder Kultur. Das Wissen um das Beste einer anderen Kultur wird zur Liebe dieser Kultur führen; Fremdenfeindlichkeit und Haß werden so durch edlere Gefühle überwunden. Geopolitik wird in dieser neuen Ära für immer überwunden sein und die Hingabe an die gemeinsamen Ziele der Menschheit wird eine höhere Ebene der Vernunft schaffen.

Es soll uns allen Trost geben, daß der tragische Tod der Opfer des Flugzeugabsturzes durch ihre Unsterblichkeit dazu beitragen wird, diese bessere Welt zu schaffen.

 

Helga Zepp-LaRouche

Präsidentin des Internationalen Schiller-Institutes


Musikalische  Darbietung für das Alexandrow Ensemble und das Russische Volk

Members of the NYC Schiller Institute Community Chorus sing the Russian National Anthem outside the Russian Consulate in New York in honor of the passengers, many of them members of the Alexandrov Ensemble, who died when their plane crashed enroute to Syria, Sunday, December 25, 2016.

 

 


Ein Vorgeschmack auf die Renaissance

Stephan Ossenkopp berichtet von einem „Dialog der Kulturen“, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete.


Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen für eine längst überfällige klassische Renaissance lebendig wurden. Das Schiller-Institut hatte zum „Dialog der Kulturen“ eingeladen, um „ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“ zu präsentieren.

Das schöne Kaminzimmer des Literaturhauses in der Berliner Fasanenstraße war mit 60 Gästen und 30 Mitwirkenden vollständig ausgebucht, als die ersten Töne aus Ludwig van Beethovens Kantate „Meeresstille und glückliche Fahrt“ erklangen. Die ungeheure Spannung, die sich aus dem Kontrast zwischen dem ruhigen und dem aufbrausenden Teil des Stücks ergibt, war die perfekte Einstimmung auf das gesamte vierstündige Programm, das dem Publikum zwei völlig gegensätzliche Paradigmen vor Augen führte, die derzeit im Wettstreit um die Zukunft liegen.

Dazu nahmen drei Redner aus ihren jeweiligen Perspektiven Stellung: Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts, Harley Schlanger, Vorstandsmitglied im Schiller-Institut in den Vereinigten Staaten von Amerika, und Jochen Heibertshausen, Kontrabassist und Dirigent. So machten sowohl die Musik als auch die Vorträge dem Publikum deutlich, daß der weitaus größte Teil der Menschheit längst eine „Neue Welt“ aufbaut, die sich an einer gemeinsamen, positiven Zukunftsvision im Interesse aller Nationen und Völker ausrichtet. Nur in Deutschland herrscht noch eine gewisse „Flaute“, und keiner will so recht glauben, daß längst eine alles umwälzende Bewegung in die Welt getreten ist.

Das direkt im Anschluß an Beethovens Komposition mit Chor und Kammerorchester vorgetragene Werk „American Cantata“ folgte derselben Idee. Wie der Schöpfer des Werks, Benjamin Lylloff, in seiner Einleitung vortrug, geht es darin primär um die unveräußerlichen Rechte und Freiheiten des Menschen in Geist und Gesellschaft. Lylloff verband Teile aus Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und des Spirituals „Going Home“ mit dem Text von Abraham Lincolns Gettysburg-Rede und Benjamin Franklins Siegelspruch „Rebellion to tyrants is obedience to God“ (Rebellion gegen Tyrannen ist Gehorsam gegenüber Gott).

Rede von Harley Schlanger, Vizepräsident des Schiller Institutes in den USA, bei der Konferenz des Schiller-Instituts „Dialog der Kulturen – Ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“

Das neue Paradigma kommt

Helga Zepp-LaRouche wählte als Auftakt zu ihrem Vortrag noch ein weiteres Bild: Würde man die Nationen der Erde mit einem Chor gleichsetzen, dann singe Deutschland gerade in einem völlig falschen Takt. Anstatt das Muster der ungeheuren Veränderungen weltweit als chancenreich und positiv zu sehen, sähen die Deutschen überall nur Bedrohliches. Von Trump in Amerika bis Duterte in den Philippinen, von Putin in Rußland bis Xi in China sehe die deutsche Öffentlichkeit nichts als „Rüpel und Schurken“.

Dabei sehe die reale Welt vollkommen anders aus. Das System der Globalisierung gehe derzeit in Rekordzeit krachend unter, da es mit der Würde des Menschen überhaupt nicht vereinbar sei. Die Armut sei selbst in Europa unerträglich geworden, der Lebensstandard und die Lebenserwartung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht falle stetig ab, und die auf Lügen aufgebauten Regimewechsel-Interventionen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien etc. sorgten für endloses Chaos und Flüchtlingsströme. Die Ideologie, die dieses System hervorgebracht habe, kollidiere nun mit der Realität, sagte Frau LaRouche, nämlich, daß die Menschen sich in einem Zustand der Revolte befänden, die so lange anhalten werde, bis die begangenen Ungerechtigkeiten vollständig beseitigt seien.

Das neue Paradigma läßt gerade, fuhr Frau Zepp-LaRouche in ihrem Vortrag fort, unter dem geflügelten Wort der „Neuen Seidenstraße“ eine internationale Win-Win-Zusammenarbeit bei Infrastruktur, Grundlagenforschung und Wissenschaft entstehen. Der neue Faktor in dieser beispiellosen Dynamik sei nun Donald Trump, der für seine kommende Amtszeit als US-Präsident ein umfangreiches Infrastruktur-Aufbauprogramm für die Vereinigten Staaten, das Ende der Regimewechselpolitik und ein gutes Verhältnis zu Rußland und China angekündigt habe. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen der stellvertretenden chinesischen Außenministerin Fu Ying, die Trumps Infrastrukturplan als mögliches Verbindungsglied zur Neuen Seidenstraße bezeichnet hatte. Die USA hätten die Chance zu einer umfassenden Kurskorrektur, um sich nun an den vier Wirtschaftsprinzipien, die ihr Ehemann Lyndon LaRouche als Leitfaden aufgestellte hatte, zu orientieren.

In ihrem Vortrag wolle sie auf das vierte Prinzip, nämlich die menschliche Kreativität als Quelle allen Wohlstandes, besonderen Wert legen. China habe dies im Rahmen seiner Seidenstraßen-Initiative längst erkannt und deswegen sein Budget für die Kernfusion und die bemannte Raumfahrt enorm aufgestockt, um die Grundlagen für die neue Ära einer Helium-3-basierten Realwirtschaft zu legen, in der Energie- und Rohstoffsicherheit gewährleistet seien.

Die zukünftige Rolle des Menschen im Universum sei aber von niemandem so umfassend ausgestaltet worden wie von dem deutschen Raumfahrt- und Technikpionier Krafft Arnold Ehricke, aus dessen Schriften vom „extraterrestrischen Imperativ“ Frau Zepp-LaRouche zitierte. Das Potential des Menschen und des Kosmos, in dem er lebt, sei grenzenlos, und deswegen grenzenlos vervollkommnungsfähig. Das Ideal, das sich das Schiller-Institut für die Zukunft vorstelle, sei, daß alle Kinder eine universelle Bildung im Sinne von Wilhelm von Humboldt genießen können, um die von Friedrich Schiller so bezeichnete „schöne Seele“ zu entwickeln, für die Pflicht und Neigung, wie beim Genie, in eins fallen würden. Ihre Antwort auf die vielen Fragen des Publikums zum Vortrag war die Herausforderung, sich wie Moses Mendelssohn möglichst viele Wissensgebiete anzueignen, um sich so die höhere Ebene der Vernunft, auf der die konstruktive Zusammenarbeit aller Nationen möglich ist, zu erschließen. Sie bat das Publikum, diese Alternative des neuen Paradigmas bekannter zu machen und selbst zu Veranstaltern und Multiplikatoren zu werden.

Was bedeutet die Wahl Trumps wirklich?

Mit Harley Schlanger kam jemand zu Wort, der seit rund vier Jahrzehnten auf der Seite der Ideen Lyndon LaRouches in der US-amerikanischen und internationalen Politik tätig ist. Er kennt wesentliche Elemente, die die Wahl Donald Trumps am 8. November überhaupt möglich gemacht haben. Wir hätten es mit dem Phänomen des Erwachens breiter Schichten des amerikanischen Bevölkerung zu tun. Man wisse zumindest sehr genau, was man nicht mehr wolle: Kriege, Bankenrettung, Arbeitslosigkeit und ein unbezahlbares Bildungs- und Gesundheitssystem. Wut und Frust auf 16 Jahre Bush und Obama hätten sich bei dieser Wahl entladen. Auch wenn noch nicht ganz klar sei, was Trump ab dem 20. Januar, wenn er ins Amt eingeführt wird, tun werde, habe er bei den Dankensreden an seine Wähler immerhin neben dem Infrastrukturprogramm auch die Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem und die Wiederbelebung von Wissenschaft und Raumfahrt in den USA angekündigt.

Diese wachere Art zu denken habe viel mit dem historischen Einfluß von herausragenden kreativen Persönlichkeiten wie Percy Shelley, Abraham Lincoln und Alexander Hamilton zu tun. Shelley hatte den Dichter als wahren Gesetzgeber bezeichnet, weil nur der Dichter verstünde, nach welchen Ideen das Volk in einer Krise hungrig seien. Wir lebten in einer Phase des fundamentalen Umbruchs, machte Harley Schlanger deutlich, in der die Menschen neue fundamentale Vorstellungen anzunehmen in der Lage wären. Unsere Aufgabe sei es, diese Gelegenheit zu nutzen, um LaRouches Prinzipien in den USA zu verankern. Die Deutschen hätten keinen Grund mehr, in ihrem Pessimismus zu verharren, denn, auch wenn sie es noch nicht glauben könnten, sei das alte System, zu welchem auch das „Merkel-Regime“ gehöre, besiegbar.

Furtwängler als Chance

„Für mich war er Beethoven“, zitierte der Kontrabassist Jochen Heibertshausen eine der berühmtesten Opernsängerinnen, Maria Callas, die dies über den Dirigenten Wilhelm Furtwängler gesagt hatte, dessen Aufführungen sie im Italien der Nachkriegszeit erlebte. Für Heibertshausen ist Furtwängler einfach der beste Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen, da für Furtwängler die Wahrhaftigkeit im musikalischen Kunstwerk und seiner Aufführung der leitende Gedanke gewesen sei – ein Begriff, der aus der heutigen Kultur verbannt worden ist. Ein Kunstwerk sei nur lebendig, wenn es organisch sei, wenn der Dirigent seine emotionalen Entscheidungen stets für das Ganze fälle, und nicht seinen eigenen Gefühlsrausch nach vorne stelle.

Furtwängler habe, so Heibertshausen, die Parameter des Klanges wie kein zweiter in ihrer Gesamtheit beherrscht. Mit Ausschnitten aus historischen Aufnahmen von u.a. Schuberts vierter und Beethovens erster und dritter Symphonie führte er die „unerreichten Interpretationen“ Furtwänglers vor die Ohren der Zuhörer. Das „Geheimnis“ Furtwänglers sei eigentlich sein Festhalten an der Tugend und dem Streben nach dem Menschlichen, sagt Heibertshausen.

Heute herrsche eine „Kultur der Unruhe“, in der jeder dem Erfolg hinterher jage. Das habe etwas damit zu tun, daß in der Nachkriegsordnung Deutschlands eine Vernichtung der Geistigkeit betrieben wurde, in der auch Wilhelm Furtwängler schwer angegriffen und in den Entnazifizierungsprozessen geradezu gekreuzigt worden ist, während „Das Wunder Karajan“ (so hieß es 1938 in Berlin), der sogar zweimal der NSDAP beitrat, dieser Prozedur enthoben wurde und plötzlich eine Blitzkarriere hinlegte. Heute, so Heibertshausen, würde das Genie von Furtwängler dringend gebraucht, weshalb er derzeit auch eine Internetplattform mit Furtwängler-Zitaten und Hörbeispielen aufbaue.

Musikalische Grüße aus Asien

Zum musikalischen Programm des Nachmittags gehörten auch noch die von der aus Japan stammenden Mezzosopranistin Mayumi Nakamura gesungenen Lieder „Oyasumi“ und „Hatsu Koi“, und das von der in China geborenen Sopranistin Lini Gong vorgetragene Schubert-Lied „Das Veilchen“, die allesamt vom Publikum mit freudigem Applaus belohnt wurden.

In der Gesamtschau ist dieser „Dialog der Kulturen“ des Schiller-Instituts ein lebendiges Forum um die Ideen und Aktivitäten für den Paradigmenwandel zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung, in der die kreativen Kräfte der Menschheit zur raschen vollen Entfaltung gelangen können. Denn, so sagte Frau Zepp-LaRouche in ihrem Schlußwort, selbst wenn Krieg und Hunger nun überwunden werden können, geht es um eine sich immer weiter entwickelnde Zukunftsvision, in der wir uns darauf verständigen können, wie wir als Menschheit die kommenden hundert, tausend, sogar zehntausend Jahre gestalten wollen.

von Stephan Ossenkopp

 


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