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Eine neue Renaissance

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Internet-Konferenz: Die Existenz der Menschheit hängt jetzt von der Schaffung eines neuen Paradigmas ab!

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Internet-Konferenz des Schiller-Instituts

25. und 26. April 2020

 

Konferenzbericht lesen

 

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Panel 1

“Warum die Geopolitik dringend durch ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen abgelöst werden muß”

Panel Moderator: Dennis Speed, Schiller Institut USA

Helga Zepp-LaRoucheGründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts
„Die Verbrechen und der Untergang des britischen Liberalismus und das neue Paradigma der Zukunft der Menschheit“

Hier Helga Zepp-LaRouches Rede lesen

Ich begrüße alle, die aus der ganzen Welt diese Internet-Konferenz verfolgen. Ich denke, Sie alle sind sich bewußt, daß die Menschheit gerade jetzt mit einer enormen, beispiellosen Krise konfrontiert ist, die nicht nur droht, vielen Millionen Menschen durch Krankheit und Hunger das Leben zu kosten, viele der bisher als selbstverständlich angenommenen Institutionen hinwegzufegen, größere Teile der Welt auch kulturell in ein finsteres Zeitalter zu stürzen, sondern die auch zu einem thermonuklearen Krieg führen kann, der potentiell die Auslöschung der Menschheit zur Folge haben könnte.

Diese Krise ist weitreichender als die des 14. Jahrhunderts, als die Schwarze Pest ein Drittel der Bevölkerung von Indien bis nach Island hinwegraffte, denn sie betrifft den gesamten Globus. Sie ist schwerwiegender als die Große Depression der 1930er Jahre, weil sie potentiell mehr wirtschaftliche Substanz zerstören kann, und falls es zum Krieg kommen sollte, wäre dies endgültiger als die Weltkriege des 20. Jahrhunderts, weil dann wahrscheinlich der Einsatz von thermonuklearen Waffen im Spiel wäre.

Durch die Globalisierung und Internationalisierung vieler Systeme, von Nuklearwaffen bis zum Internet, sitzt die Weltbevölkerung in einem Boot, und im Unterschied zu früheren Epochen, in denen Teile der Welt kollabierten, während gleichzeitig andere Regionen kulturelle Hochphasen erlebten, wird es dieses Mal keine Teillösungen geben. Wir sind wie nie zuvor in unserer Geschichte herausgefordert, uns als Gemeinschaft auf neue Prinzipien zu einigen, die die langfristige Überlebensfähigkeit unserer Gattung garantieren können.

Darum geht es bei dieser Konferenz: Wie können wir die Ursachen für diese Krise identifizieren, sie eliminieren und ein neues Kapitel in der Universalgeschichte aufschlagen, das unsere Existenz aus dem Spannungsfeld der Geopolitik, aus der Atmosphäre von Aggressionen und Mißtrauen der gegenwärtigen strategischen Konstellationen herausführt und auf eine Ebene der Vernunft hebt, die der Identität der Menschheit als kreativer Gattung angemessen ist?

Manche werden sich fragen, warum ich inmitten einer Pandemie und einer Finanzkrise von der Gefahr eines Nuklearkrieges spreche? Weil die ebenso ungeheuerlichen wie bösartigen Anschuldigungen, die von den britischen Geheimdiensten MI6 und MI5, ihrem Propagandaorgan, der Londoner Henry Jackson Society, dem Atlantic Council sowie diversen „Cluster-Agenten“ auf beiden Seiten des Atlantik gegen China erhoben werden – China trage die Schuld für die Covid-19-Pandemie, weil es entweder den Rest der Welt nur mit Verzögerung informiert habe oder gar biologische Kriegsführung gegen den Westen führe – auf nichts anderes hinauslaufen als darauf, ein Feindbild für einen solchen Krieg aufzubauen. Die Unverschämtheit, mit der die Henry Jackson Society, der harte Kern der liberalen Neocons und britischen Kriegspartei, auf beiden Seiten des Atlantik Kompensationen in Billionenhöhe allein für die G7-Staaten fordert, kann nur als Provokation betrachtet werden, die das Vorfeld eines strategischen Showdowns aufbauen soll.

 

Reaktion des Empire

Das ist die ebenso hysterische wie letztlich desperate Reaktion eines Empires, das erkennt, daß es am Ende ist und daß die Welt nie wieder zu den ohnehin sich auflösenden strategischen Ausrichtungen einer unipolaren Welt und des sogenannten „Washingtoner Konsenses“ und der „regelbasierten Ordnung“ zurückkehren wird, wie sie vor dem Ausbruch von Covid19 zumindest noch als Fassade aufrecht erhalten werden konnte.

Die Rechnung der Kriegspartei, die nach dem Kollaps der Sowjetunion vorschnell das „Ende der Geschichte“ erklärte, was mit der Illusion verbunden war, man müsse China nur die Mitgliedschaft in der WTO verschaffen, dann würde es sich quasi automatisch in eine liberale Demokratie britischer Prägung entwickeln, und alle anderen Staaten – einschließlich der islamischen Staaten – würden durch eine Politik des Regimewechsels entweder durch Farbrevolutionen oder Interventionskriege ebenfalls in westliche Demokratien verwandelt, ist nicht aufgegangen.

Auf die welthistorische, einmalige Kulturleistung Chinas, nicht nur 850 Millionen seiner eigenen Bevölkerung aus der Armut zu befreien, sondern mit dem Projekt der Neuen Seidenstraße auch den Entwicklungsländern zum ersten Mal eine Perspektive zur Überwindung der bis zum heutigen Zeitpunkt durch den IWF fortbestehenden Kolonialpolitik und der daraus resultierenden Armut zu geben, reagierten die diversen Sprachrohre des Britischen Empire mit ungläubigem Entsetzen. Nachdem die westlichen Medien rund vier Jahre lang das größte Infrastrukturprogramm der Geschichte ignoriert hatten, eskalierten plötzlich die Attacken auf die „autokratischen Regime“, China, Rußland, etc. durch die gleichen Medien, die sich im Einvernehmen mit dem Coup-Versuch des britischen Geheimdienstes seit 2015 an der „Hexenjagd“ gegen Trump profilierten.

Als jedoch die Zahlen im März und April belegten, daß China die Pandemie nicht nur effektiver eindämmen, sondern die wirtschaftlichen Folgen der Krise bisher wesentlich leichter überwinden konnte als die westlichen Staaten, die aufgrund der Privatisierung des Gesundheitssektors völlig unvorbereitet auf die Pandemie waren, wurde der Ton gegenüber China schrill. Die „regelbasierte Ordnung“ der westlichen Demokratien, die einzige, die eine „demokratische Legitimität “ habe, sei schon seit längerem am Wanken, nun drohe der Zusammenbruch, während Beijing eine „Strategie der uneingeschränkten Kriegsführung“ verfolge.

 

Das liberale System ist gescheitert

Tatsache ist: Das liberale System des Britischen Empire ist krachend gescheitert. Das heißt aber nicht, daß die damit verbundenen Kräfte in ihrer Agonie nicht noch enormen Schaden anrichten können, wie z.B. einen Weltkrieg anzetteln.

Es ist höchste Zeit, die Begriffe richtig zu stellen, wie Konfuzius sagen würde. Wenn es darum geht, eine Liste der Verschuldungen und Kompensationen für die gegenwärtige Krise aufzustellen, dann ist es die der Auswirkungen des britischen Liberalismus, dessen Protagonist Winston Churchill nach dem Zweiten Weltkrieg die Hauptverantwortung dafür trug, daß dem Bretton-Woods-System der wichtigste Aspekt fehlte, den Franklin D. Roosevelt beabsichtigt hatte – nämlich ein Kreditmechanismus für die Überwindung des Kolonialismus und die Industrialisierung des Entwicklungssektors.

Damit wurde die Kontrolle des Britischen Empire über die sogenannte Dritte Welt in der Nachkriegsperiode perpetuiert, ein Zustand, der sich nach der Beendigung des Bretton-Woods-Systems durch Nixon im August 1971 in sukzessiven Deregulierungen der Finanzmärkte, dem berüchtigten outsourcing in Billigproduktionsländer und den Kreditkonditionalitäten des IWF dramatisch verschärfte. Diese gesamte Politik hatte nur einen Zweck: die kolonialistische Ausbeutung beizubehalten und jegliche ernsthafte Entwicklung dieser Länder zu verhindern.

Wie konnte irgend jemand in den sogenannten „fortgeschrittenen Ländern“ – wie fortgeschritten sie sind, sehen wir jetzt in der Corona-Krise -, auch nur für einen Augenblick annehmen, daß die grausame Armut in Afrika, Lateinamerika und einigen Ländern Asiens selbstverständlich oder gar selbstverschuldet sei? Wenn der Westen in den vergangenen 70 Jahren das gleiche getan hätte, was China seit den 1960er Jahren, aber besonders in den letzten gut zehn Jahren in Afrika tut, nämlich Eisenbahnen, Dämme, Kraftwerke und Industrieparks zu bauen, dann wäre ganz Afrika heute auf dem Entwicklungsstand von Südkorea oder Singapur oder besser!

Afrika hat heute so gut wie kein Gesundheitssystem, so gut wie kein Infrastrukturnetz, die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser oder Elektrizität, weil das Britische Empire dies bewußt unterdrückt hat, durch den IWF und die Weltbank, durch den WWF, der den Schutz irgendwelcher Insektenarten im Zweifelsfall für wichtiger erachtet als das Leben von Millionen von Menschen! Wenn man den Gesamteffekt dieser Politik betrachtet, kommt man auf eine sehr große Millionenzahl von Menschen, deren Leben durch Hunger und nicht behandelte Krankheiten verkürzt wurde! Im Gegensatz zu dem Mythos, daß das Britische Empire mit der Unabhängigkeit der Kolonien und der Übergabezeremonie Hongkongs am 30. Juni 1997 endgültig zu Ende gegangen sei, besteht es fort, und zwar in Form der neoliberalen monetaristischen Kontrolle des Weltfinanzsystems, einer Kontrolle, die immer die Quintessenz von Imperien war.

Reine Propaganda dieses Empires ist auch, daß sich die „Länder der Dritten Welt gar nicht entwickeln wollen“, Realität ist, daß selbst das Konzept der UN-Entwicklungsdekaden faktisch mit der Abschaffung von Bretton Woods beseitigt und durch die Idee der Bevölkerungsreduktion ersetzt wurde. Die kruden Ideen des Club of Rome von den angeblichen Grenzen des Wachstums, die menschenfeindlichen Vorstellungen von John D. Rockefeller III. auf der UN-Bevölkerungskonferenz in Bukarest 1974 oder das skandalöse Dokument, Henry Kissingers NSSM 200 aus dem gleichen Jahr, waren nur schale Abgüsse der Behauptungen des bösen Pfaffen Malthus, dem Schreiberling der British East India Company, der seinerseits wiederum die Ideen des venezianischen „Ökonomen“ Giammaria Ortes plagiarisierte hatte.

Lyndon LaRouche reagierte auf diesen Paradigmenwandel, indem er 1973 begann, in einer Serie von Studien auf die Auswirkungen der Politik des IFW hinzuweisen: daß die dadurch verschärfte Unterernährung, Unterdrückung des Immunsystems, Mangel an Hygiene etc. zur Entstehung von globalen Pandemien führen würden. Nach den Tausenden von Reden und Schriften LaRouches, die in den fünf Jahrzehnten seither auf fünf Kontinenten verbreitet wurden, kann niemand sagen, die gegenwärtige Pandemie sei nicht vorhersehbar gewesen! Vor allem weil das ganze Lebenswerk von LaRouche auch darin bestand, konkrete Entwicklungsprogramme auszuarbeiten, die sie hätten verhindern können!

 

Die ideologischen Wurzeln

Der tiefer liegende Grund, warum das liberale Paradigma, das der bisherigen transatlantischen „regelbasierten Ordnung“ zugrunde liegt, gescheitert ist, und warum dessen Establishment sich als so vollkommen unfähig erwiesen hat, die Gründe für dieses Versagen zu reflektieren, hängt mit der axiomatischen Basis und den allgemein akzeptierten Annahmen über das Menschenbild sowie dem Staats- und Wissenschaftsbegriff dieses Paradigmas zusammen.

Nachdem zur Zeit der italienischen Renaissance zum ersten Mal Staatsideen und -formen entstanden waren, die die bewußte Förderung der kreativen Fähigkeiten eines wachsenden Anteils der Bevölkerung und die Rolle des wissenschaftlichen Fortschritts als Quelle des gesellschaftlichen Reichtums beinhalteten, lancierte die feudale Oligarchie des damals führenden Empires, Venedig, eine bewußte Gegenoffensive, bei der Paolo Sarpi als führender Vordenker dieser venezianischen Oligarchie seine Lehre ins Feld führte, aus der sich schließlich die Aufklärung und der Liberalismus entwickelten. Dies war das Konzept, die wissenschaftliche Debatte zu kontrollieren, aber die Wißbarkeit und Entdeckung von wirklichen universellen Prinzipien zu leugnen, das prometheische Potential notfalls auch gewaltsam zu unterdrücken, den Menschen auf die Ebene der sinnlichen Erfahrung zu reduzieren und die Rückständigkeit der „menschlichen Natur“ zum Dogma zu machen.

Aus dieser Tradition entwickelte sich die mechanistische Wissenschaftstradition von Galilei Galileo, Isaac Newton, der Spiel- und Informationstheorie John von Neumans und Norbert Wieners bis zu den Algorithmen, die dem Derivatehandel der heutigen Kasino-Wirtschaft zugrunde liegen. Das empirische und materialistische Dogma und degradierte Menschenbild von Thomas Hobbes, Thomas Malthus, Jeremy Bentham, John Locke und John Stuart Mill ist bis heute die Basis des britischen Liberalismus und das Virus, das mehr zum heutigen Zustand der Welt beigetragen hat, als irgend etwas anderes.

Die oligarchische Denkweise des Britischen Empires, die allen Menschen, vor allem aber allen farbigen Menschen den göttlichen Funken der Kreativität verweigert, kommt in zahlreichen Schriften und Äußerungen in aller Deutlichkeit zum Ausdruck, wenn man nur danach Ausschau hält – vom berüchtigten Wunsch Prinz Philips, als tödlicher Virus wiedergeboren zu werden, damit er dazu beitragen könne, die Überbevölkerung der Menschheit zu reduzieren, bis zu der verabscheuungswürdigen Anschauung, die Adam Smith 1759 in seiner Theorie der ethischen Gefühle zum Ausdruck brachte:

„Die Verwaltung des großen Systems des Universums, … die Sorge um das allgemeine Glück der Menschen… ist die Sache Gottes und nicht der Menschen. Dem Menschen wird ein viel bescheidenerer Bereich zugeteilt, aber einer, der der Schwäche seiner Kräfte und der Enge seines Begriffsvermögens viel besser entspricht, der seines eigenen Glücks, des Glücks seiner Familie, seiner Freunde, seines Landes…. Die Natur hat uns zu diesen [Bestimmungen] weitgehend durch die ursprünglichen und unmittelbaren Instinkte gebracht. Hunger, Durst, die Leidenschaft, welche die beiden Geschlechter vereinigt, die Freude am Vergnügen und die Furcht vor Schmerz veranlassen uns, diese Mittel um ihrer selbst willen einzusetzen, ohne irgendwelche Rücksicht darauf, daß sie auf jene wohltätigen Ziele hinführen, welche der große Lenker der Natur durch sie herbeiführen wollte.“

Da diese Eigenschaften alle gleichermaßen auf die Tiere zutreffen, ist es aus dieser Sicht natürlich auch in Ordnung, die Herde regelmäßig zu keulen, so wie die Spartaner die Heloten töteten, wenn sie dachten, sie würden zu viele werden. Dieses menschenverachtende Menschenbild wird durch reinen Rassismus verstärkt, wie es Bertrand Russell in The Prospects of Industrial Civilization (1923, dt.: „Die Kultur des Industrialismus und ihre Zukunft“) so unverschämt ausgedrückt hat:

„Die weiße Bevölkerung der Welt wird bald nicht mehr zunehmen. Die asiatischen Rassen werden länger leben, und die Neger noch länger, bevor ihre Geburtenrate so weit zurückgeht, daß ihre Zahl ohne Hilfe von Krieg und Pest stabil bleibt… Solange das nicht geschieht, können die vom Sozialismus angestrebten Vorteile nur teilweise realisiert werden, und die weniger produktiven Rassen werden sich gegen die produktiveren mit Methoden verteidigen müssen, die abstoßend sind, auch wenn sie notwendig sind.“

Genau diese rassistische Ideologie war die Rechtfertigung für den Kolonialismus, den Sklavenhandel, die Opiumkriege, und wenn man ehrlich ist, auch letztlich der Grund für die monumentale Gleichgültigkeit, die sich auch in breiten Teilen der Bevölkerung zeigt, wenn sie die Nachrichten über die Heuschreckenplage in Afrika und einigen Staaten Asiens hören, die vor zwei Monaten noch mit dem Einsatz von nur 75 Millionen Dollar hätte eliminiert werden können.

Und daß sich an der grundsätzlichen Bejahung der Eugenik bei den Vertretern dieses Empires nichts geändert hatte, unterstrich noch einmal der Kolumnist des Daily Telegraph, Jeremy Warner, Anfang März in einem Artikel:

„Um es ganz klar zu sagen: aus einer völlig unvoreingenommenen wirtschaftlichen Perspektive könnte sich COVID-19 langfristig sogar als leicht vorteilhaft erweisen, indem er unverhältnismäßig viele ältere Abhängige ausmerzt.“

 

Ein Vier-Mächte-Bündnis gegen das Empire

Diese barbarischen Prämissen des liberalen Dogmas, deren Existenz zuzugeben einfach nicht zum guten Ton in den sogenannten entwickelten Ländern gehört, sind der Grund, warum Lyndon LaRouche schon vor vielen Jahren gefordert hat, daß es der Kombination der vier wirtschaftlich und militärisch wichtigsten Staaten der Welt – USA, China, Rußland und Indien – bedarf, um die dringend notwendige Reorganisation der Weltordnung vorzunehmen. Diese Neuordnung muß aber beginnen mit der expliziten und endgültigen Absage an das Menschenbild und die politischen Implikationen dieses liberalen Dogmas. Das Britische Empire in all seinen Erscheinungsformen, vor allem aber in der Form seiner Kontrolle des Finanzsystems, muß beendet werden.

Diese vier Nationen, die USA, China, Rußland und Indien, müssen dringend eine Notkonferenz einberufen und ein Neues Bretton-Woods-System beschließen, das die volle Absicht Roosevelts verwirklicht, nämlich ein Kreditsystem zu schaffen, das die Industrialisierung des Entwicklungssektors ein für allemal garantiert. Das sollte anfangen mit der Verwirklichung eines Weltgesundheitssystems, das in jeder einzelnen Nation dieses Planeten ein Gesundheitssystem aufbaut, angefangen mit einem Crash-Programm für die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie, was aber sehr schnell denselben Standard erreichen muß, der für Hill-Burton in den USA galt oder für das deutsche und französische Gesundheitssystem vor der Privatisierung in den 1970er Jahren. Wie Roosevelt es in seiner Rede zu Lage der Nation 1941, der berühmten Erklärung der „Vier Freiheiten“, formulierte, wo es heißt:

„Die dritte dieser Freiheiten ist die Freiheit von Not. Das bedeutet, weltweit gesehen, wirtschaftliche Verständigung, die jeder Nation gesunde Friedensverhältnisse für ihre Einwohner gewährt – überall auf der Welt.“

First Lady Eleanor Roosevelt unternahm es als ihre persönliche Mission, dafür zu sorgen, daß diese Vier Freiheiten in die Universelle Menschenrechts-Deklaration der UN einflossen.

Lyndon LaRouche definierte 1984 in seinem „Entwurfsmemorandum für ein Abkommen zwischen den USA und der UdSSR“ die Prinzipien und Grundlagen der von ihm vorgeschlagenen SDI (Strategischen Verteidigungsinitiative), die am 23. März 1983 von Präsident Reagan zur offiziellen Politik der USA gemacht und der Sowjetunion wiederholt zur Kooperation für ein umfassendes nukleares Abrüstungsprogramm angeboten wurde. Dies verkörpert die Überzeugung, die ein absolut entscheidender Aspekt seiner Lebensarbeit ist und die Mission dieser Organisation darstellt.

Der 1. Artikel dieses Papiers, dessen Prinzipien ebenso gelten für die Kooperation der vier Nationen und aller Staaten, die sich dieser neuen Partnerschaft anschließen wollen, lautet:

„Die politische Grundlage für einen dauerhaften Frieden muß sein: a) die bedingungslose Souveränität jedes einzelnen Nationalstaates und b) die Zusammenarbeit zwischen souveränen Nationalstaaten zur Förderung unbegrenzter Möglichkeiten zur Teilhabe an den Vorteilen des technischen Fortschritts zum gegenseitigen Nutzen aller und jedes einzelnen.

Das wichtigste Merkmal der gegenwärtigen Umsetzung einer solchen Politik des dauerhaften Friedens ist ein tiefgreifender Wandel in den monetären, wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den herrschenden Mächten und den relativ untergeordneten Nationen, die oft als ,Entwicklungsländer’ eingestuft werden. Wenn die Ungerechtigkeiten, die nach dem modernen Kolonialismus fortbestehen, nicht allmählich beseitigt werden, kann es keinen dauerhaften Frieden auf diesem Planeten geben. Insofern als die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion anerkennen, daß der Fortschritt der Produktivkräfte der Arbeiterschaft auf dem gesamten Planeten im lebenswichtigen strategischen Interesse beider Seiten liegt, sind beide Mächte in diesem Maße und auf diese Weise durch ein gemeinsames Interesse verbunden.

Dies ist der Kern der politischen und wirtschaftlichen Praxis, die für die Förderung eines dauerhaften Friedens zwischen diesen beiden Mächten unverzichtbar ist.“

 

Kann die Welt der Krise entkommen?

Angesichts der eskalierenden Kampagne gegen China, angestoßen von den britischen Geheimdiensten MI6 und MI5, bei der sich Personen aus dem Umfeld von Präsident Trump, wie Außenminister Pompeo, Peter Navarro, der Direktor für Handels- und Industriepolitik, Senator Lindsay Graham und der TV-Moderator Tucker Carlson beinah stündlich in ihren Anschuldigungen gegen Chinas angebliche Vergehen in der Coronakrise zu überbieten suchen, und bei der diverse Demonstrationen einer show of force durch die Streitkräfte der USA und der NATO nur durch die Covid19-Infektionen von Teilen ihrer Truppen eingeschränkt zu werden scheinen, stellt sich die existentielle Frage, wie die Welt aus dieser gefährlichen Zuspitzung herauskommen kann. Sind wir dazu verdammt, daß das Überholen der bisher dominierenden Macht durch die bisher zweite Macht zum Krieg führt, wie dies schon zwölf Mal in der Geschichte geschehen ist?

Die Kombination von Corona-Pandemie, Welthunger-Pandemie, drohendem Finanzkrach, Weltdepression der Realwirtschaft ist so gigantisch, daß es für jeden rationalen Menschen klar sein muß, daß die Menschheit aus dieser Krise nur herauskommen kann, wenn das wirtschaftliche Potential der USA und Chinas – unterstützt von den anderen Industriestaaten – gemeinsam eingesetzt und gesteigert wird, um die notwendigen Kapazitäten an medizinischer Versorgung, Infrastruktur, Industrie- und Nahrungsmittelproduktion zu schaffen. Es ist im existentiellen Interesse eines jeden Individuums und einer jeden Nation, auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Wir müssen einen weltweiten Chor schaffen, der dies verlangt!

Der Konflikt zwischen den USA und China existiert nur, wenn sich die Kräfte in beiden US-Parteien durchsetzen, die sich der Tradition von H.G. Wells‘ Open Conspiracy sehen, d.h. daß die USA das Modell des Britischen Empire als Basis einer anglo-amerikanisch kontrollierten unipolaren Ordnung akzeptieren. Diese Linie von H.G Wells wurde fortgesetzt von William Yandell Elliott, dem Mentor von Kissinger, Brzezinski, Samuel Huntington bis zu den Neocons des Project for a New American Century (PNAC). Wenn sich die USA hingegen auf ihre wirkliche Tradition der Unabhängigkeitserklärung gegen das Britische Empire und des Amerikanischen Systems der Ökonomie von Alexander Hamilton erinnern, dann gibt es eine große Affinität zum chinesischen Wirtschaftsmodell, das viele Prinzipien von Hamilton, Friedrich List und Henry C. Carey enthält, wie überhaupt der Vater des modernen China, Sun Yat-sen, sehr vom amerikanischen System geprägt war.

Bei dem dringenden Notgipfel der USA, Chinas, Rußlands und Indiens sowie bei der dann umgehend notwendigen Gründungskonferenz des Neuen Bretton-Woods-Systems können die Staatschefs deshalb anknüpfen an den Geist der ursprünglichen Bretton-Woods-Konferenz, bei der der chinesische Chefdelegierte, H.H. Kung, den Vorschlag Sun Yat-sens für eine „Internationale Entwicklungs-Organisation“ präsentierte. Kung, ein Schwager Sun-Yat-sens, sagte in seiner Rede in Bretton Woods:

„China freut sich auf eine Periode großer wirtschaftlicher Entwicklung und Expansion nach dem Krieg. Dazu gehört neben der Entwicklung und Modernisierung der Landwirtschaft auch ein Programm zur Industrialisierung in großem Maßstab. Es ist meine feste Überzeugung, daß ein wirtschaftlich starkes China eine unabdingbare Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Friedens und die Verbesserung des Wohlergehens der Welt ist. Nach dem Ersten Weltkrieg schlug Dr. Sun Yat-sen einen Plan für die, wie er es nannte, ,internationale Entwicklung Chinas’ vor. Er betonte das Prinzip der Zusammenarbeit mit befreundeten Nationen und die Nutzung ausländischen Kapitals für die Entwicklung von Chinas Ressourcen. Dr. Suns Lehre bildete die Grundlage der nationalen Politik Chinas. Amerika und andere Mitglieder der Vereinten Nationen werden, so hoffe ich, eine aktive Rolle bei der Unterstützung der Nachkriegsentwicklung Chinas übernehmen.“

Wie gesagt, Roosevelt unterstützte die Internationalisierung dieser Entwicklungspolitik während der Verhandlungen, er betrachtete die Anhebung des Lebensstandards weltweit als den Schlüssel für globale Stabilität und sah in der Internationalisierung des „New Deal“ den Weg dazu.

 

Internationale Kooperation

Die vier wichtigsten Nationen der Welt, die USA, China, Rußland und Indien, müssen jetzt mit einem Neuen Bretton-Woods-System und gemeinsam mit allen Nationen, die dazu bereit sind, ein neues Paradigma in der internationalen Kooperation zwischen den Staaten etablieren, das von den gemeinsamen Zielen der Menschheit geleitet wird. Das vierte von Lyndon LaRouches Gesetzen definiert die qualitativ höhere ökonomische Plattform, die höhere Ebene der Vernunft, der coinicidentia oppositorum des Nikolaus von Kues, auf der die Widersprüche der geopolitischen Konfrontation überwunden werden.

Die internationale Kooperation von Wissenschaftlern, die sich ausschließlich auf verifizierbare universelle physikalische Prinzipien stützt, muß das Primat der Ideologie- und Interessen-basierten Politik ersetzen. Die Erforschung der life sciences, das bessere Verständnis, was die Charakteristika des Lebens und seiner Entstehung im Universum verursacht, ist die Voraussetzung für die Bekämpfung des Coronavirus und aller anderen potentiellen virologischen, bakteriellen und anderen Krankheitsprozessen. Als Teil des Weltgesundheitssystems müssen international kooperierende medizinische Forschungszentren aufgebaut werden, in denen auch junge Wissenschaftler aus den Entwicklungsländern ausgebildet werden. Eine grundlegende Erfahrung der Coronavirus-Pandemie ist, daß die Gesundheitsversorgung ein Gemeingut sein muß und nicht der Profitmaximierung privater Interessen dienen darf. Die Resultate dieser Forschungen werden deshalb sofort allen Universitäten, Krankenhäusern und medizinischen Fachkräften in allen Nationen zur Verfügung gestellt.

Ein weiterer Bereich, in dem internationale Kooperation zu den unverzichtbaren gemeinsamen Zielen der Menschheit gehört, ist die Erreichung der Energie- und Rohstoffsicherheit, die durch die Beherrschung der thermonuklearen Kernfusion und des damit zusammenhängenden Fusions-Fackel-Verfahrens gegeben sein wird. Das internationale ITER-Projekt in Cadarache in Südfrankreich – ein Tokamak-Kernfusionsreaktor und internationales Forschungsprojekt, bei dem bereits 34 Staaten kooperieren – ist ein guter Anfang, aber die Finanzierung des ITER und anderer Modelle der Kernfusion muß massiv erhöht werden. Eine der zentralen Entdeckungen LaRouches ist der unmittelbare Zusammenhang zwischen der im Produktionsprozeß angewandten Energieflußdichte und der relativen potentiellen Bevölkerungsdichte. Die Realisierung der Kernfusion ist nicht nur für die Bevölkerung auf der Erde, sondern auch für die bemannte Raumfahrt unerläßlich.

Die Weltraumforschung selbst ist der Bereich, der ohne internationale Kooperation gar nicht denkbar ist und der wie kein anderer Wissenschaftsbereich auf positive Weise demonstriert, was die Pandemie in negativer Weise tut: daß wir tatsächlich die eine Gattung sind, die von der Zukunft her bestimmt ist und deren langfristige Überlebensfähigkeit davon abhängen wird, daß wir die Gesetze des Universums – also der mindestens zwei Billionen Galaxien, die das Hubble-Teleskop bisher verifizieren konnte – besser verstehen und beherrschen lernen, wobei die Verteidigung gegen Asteroiden, Meteore und Kometen nur eines unter vielen wichtigen Elementen ist. Für die Entwicklungsländer ist die uneingeschränkte Teilnahme an den Forschungsprojekten die beste Methode, durch ein leapfrogging in Wissenschaft und Technologie die Voraussetzung für Ökonomien zu schaffen, die allen ihren Bürgern ein gutes und sicheres Leben ermöglichen können.

Nikolaus von Kues schrieb schon im 15. Jahrhundert, daß alle Entdeckungen in den Wissenschaften sofort den Vertretern aller Länder zur Verfügung gestellt werden müßten, um die Entwicklung keines einzigen unnötigerweise aufzuhalten. Er befand auch, daß Konkordanz im Makrokosmos nur möglich ist, wenn sich alle Mikrokosmen auf bestmögliche Weise entwickeln. Das neue Paradigma, das wir für die Kooperation zwischen den Nationen gestalten müssen, muß von dem einen Interesse der Menschheit ausgehen, an dessen Verwirklichung alle Nationen und Kulturen gewissermaßen kontrapunktisch wie bei einer Fuge ineinandergreifen und sich dynamisch zu höheren Stufen einer anti-entropischen Entwicklung empor bringen.

Sind wir als menschliche Zivilisation in der Lage, in diesem fortgeschrittenen Augenblick den Tsunami von Pandemie, Hungerskatastrophe, Finanzkrach, Depression und Weltkriegsgefahr abzuwenden? Dann braucht die Welt diesen Gipfel der vier Nationen jetzt!

Wenn ein solcher Gipfel all diese Veränderungen ankündigen würde – ein neues Bretton-Woods-System, die vier Großmächte, die sich zusammenschließen, um das globale Entwicklungsprogramm aufzubauen, wie es in der Studie Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke dargestellt ist, ein Weltgesundheitssystem, ein internationales Crashprogramm in der Kernfusion und verwandten Forschungsbereichen, eine massive Verbesserung der internationalen Weltraumzusammenarbeit und nicht zuletzt ein Dialog der klassischen Traditionen aller Nationen mit dem Ziel, eine neue Renaissance der klassischen Kulturen zu entfachen, auf ähnliche, aber noch schönere Weise, wie die große italienische Goldene Renaissance die Schrecken des finsteren Zeitalters des 14. Jahrhunderts überwunden hat – dann kann eine neue Ära der Menschheit geboren werden!

Gibt es die begründete Hoffnung, daß wir die jetzige profunde Krise der Menschheit überwinden können? Absolut! Wir sind die einzige bisher im Universum bekannte kreative Gattung, deren Fähigkeit, immer wieder neue Prinzipien dieses Universums zu entdecken, eine Affinität unserer kreativen Geistestätigkeit zu diesen Gesetzen impliziert.

Ein Gedanke, der diese optimistische Perspektive erhellt, ist ein Aspekt der Weltraumforschung, der sich mit dem anscheinend beschleunigten Alterungsprozeß unter der Bedingung der Schwerelosigkeit und der Veränderung dieses Prozesses bei Hypergravitation beschäftigt. Ein besseres Verständnis dieser Space Gerontology ist offensichtlich entscheidend für die Zukunft der bemannten Raumfahrt bis zum Mars und im interstellaren Bereich, und es ist zu erwarten, daß sich die Fähigkeit des Menschen, ein längeres gesundes Leben zu haben, dadurch erheblich erhöhen wird.

Wenn man bedenkt, daß Schubert nur 31 Jahre alt wurde, Mozart 35, Dante 36, Schiller 45, Shakespeare 52 und Beethoven nur 56 Jahre, dann kann man sich einen Begriff davon machen, wieviel die Genies der Zukunft mit einer Lebenserwartung von 120 oder 150 Jahren zur Entwicklung der Menschheit beitragen können!

Schließen Sie sich daher uns an, um dem Britischen Empire ein Ende zu bereiten, und lassen Sie uns eine wahrhaft menschliche Zukunft für die Menschheit schaffen!

Hier Lyndon LaRouches Reden lesen (1997 und 2007)

Was die Vereinigten Staaten heute tun müssen

Lyndon LaRouche 1997

Der Kongreß repräsentiert nicht die Vereinigten Staaten; sie sind sich nicht ganz sicher, wen sie heutzutage repräsentieren, da sie ihre Wähler in letzter Zeit nicht besucht haben, oder? Der Präsident ist die institutionelle Verkörperung der Vereinigten Staaten in den internationalen Beziehungen. Das Außenministerium kann das nicht tun; das Justizministerium kann das nicht tun; kein anderes Ministerium kann das tun: nur der Präsident der Vereinigten Staaten kann nach unserer Verfassung die Vereinigten Staaten als Ganzes vertreten. Ihre gesamte Persönlichkeit. Ihr wahres Interesse. Ihr ganzes Volk.

Nun, es gibt nur eine andere Macht auf diesem Planeten, die gegenüber anderen Mächten so dreist sein kann, und das ist die [Volks-]Republik China. Gegenwärtig ist China mit einem großen Infrastrukturprojekt beschäftigt, an dem meine Frau und andere seit einigen Jahren beteiligt sind. Es gibt eine große Reform in China, die eine schwierige Reform ist. Sie versuchen, ein Problem zu lösen; das heißt aber nicht, daß es kein Problem gibt. Aber sie versuchen, es zu lösen.

Wenn sich also die Vereinigten Staaten – der Präsident der Vereinigten Staaten – und China an der Förderung dieses Projekts beteiligen, das manchmal als „Seidenstraßenprojekt“, manchmal als „Landbrückenprojekt“ bezeichnet wird; wenn dieses Projekt der Entwicklung von Entwicklungskorridoren durch Eurasien, nach Afrika, nach Nordamerika ausgeweitet wird, dann ist dieses Projekt genug Arbeit, um den gesamten Planeten in einen wirtschaftlichen Aufschwung zu versetzen…

Wir haben es hier also mit einer Reihe von Projekten zu tun, die nicht nur Verkehrsprojekte sind, wie die Transkontinentale Eisenbahn in den Vereinigten Staaten, die in den späten 1860er und 1870er Jahren der Präzedenzfall für diese Idee war. Vielmehr sind es  Entwicklungskorridore, bei denen das Gebiet von 50 bis 70 Kilometern beiderseits der Eisenbahnverbindung, der Pipeline usw. entwickelt wird – mit Industrie, mit Bergbau, mit all diesen Dingen, und das bezahlt die Transportverbindung. Wegen all der reichen wirtschaftlichen Aktivität – alle paar Kilometer entlang dieser Verbindung ist etwas los, irgendeine wirtschaftliche Aktivität, Menschen arbeiten, Menschen bauen Dinge, Menschen tun Dinge, um diesen Planeten umzugestalten, in großen Projekten des Infrastrukturaufbaus, die uns große Industrien, neue Industrien, neue Landwirtschaft und andere Dinge geben, die wir dringend brauchen – ist es nicht notwendig, daß irgend jemand auf diesem Planeten, der in der Lage ist zu arbeiten, arbeitslos ist! So einfach ist das. Und dieses Projekt ist das Mittel dazu.

Wenn die Nationen, die mit China übereinstimmen – zu denen jetzt Rußland, Iran, Indien und andere Nationen gehören -; wenn sie sich für dieses Projekt engagieren, das sie jeden Tag aufbauen; wenn die Vereinigten Staaten, d.h. der Präsident der Vereinigten Staaten, Clinton, diese Bemühungen weiterhin unterstützt, wie er es zumindest politisch getan hat, was haben Sie dann? Die Vereinigten Staaten und China und eine Reihe anderer Länder haben sich zusammengetan. Gegen die größte Macht auf diesem Planeten, das Britische Empire, genannt British Commonwealth. Das ist der Feind.

Und wenn eines schönen Tages, sagen wir, an einem Sonntagmorgen, nach einem Treffen am Wochenende, der Präsident der Vereinigten Staaten, der Präsident Chinas und ein paar andere Leute sagen: „Wir haben an diesem Wochenende auf der Grundlage unserer Berater und der Fakten festgestellt, daß das internationale Finanz- und Währungssystem hoffnungslos bankrott ist. Und wir müssen in unserer Verantwortung als Staatsoberhäupter diese bankrotten Institutionen im öffentlichen Interesse einer Konkurssanierung unterziehen. Und es liegt in unserem Interesse, als Nationen dabei zusammenzuarbeiten, um zu verhindern, daß auf diesem Planeten Chaos entsteht.“ Dann ist das Ergebnis sicherlich, daß eine solche Ankündigung an einem strahlenden Sonntagmorgen die Eierköpfe im Washingtoner Fernsehen in helle Aufregung versetzen wird…

 

Lyndon LaRouche 2007

Wir müssen ein neues Währungssystem schaffen. Und das habe ich vorgeschlagen: Wenn die Vereinigten Staaten – und das ist nicht unmöglich -; wenn die Vereinigten Staaten Rußland, China und Indien einen Vorschlag vorlegen würden, um die Bildung einer neuen internationalen Währungsordnung mitzutragen, dann könnte das Wirklichkeit werden. Das Problem ist, daß die meisten Nationen, wie z.B. die west- und mitteleuropäischen und andere Teile der Welt, nicht in der Lage sind, auf diese Weise unabhängig zu handeln, um eine solche Initiative zu ergreifen. Wenn man jedoch die Vereinigten Staaten und Rußland dazu bringt, die beiden größten Nationen der entwickelten Welt oder ehemals entwickelten Welt, und sie mit China und Indien kombiniert, den beiden asiatischen Nationen, die den größten Anteil an der Weltbevölkerung stellen – dann hat man eine Kombination, die für gemeinsame Aktionen zusammen mit den Nationen Südamerikas, zum Beispiel, und Europa und anderswo Feuerschutz bieten kann.

Zur Zeit ist weltweit eine unkalkulierbare Krise im Gange. Keine Finanzkrise, kein Finanzskandal als solcher. Kein Skandal im gewöhnlichen Sinne. Es ist eine Krise, bei der es darum geht, wer die Welt regieren wird. Wird es eine Gruppe von Nationen sein, oder wird es das im Entstehen begriffene neue Britische Empire sein, bzw. das wiederauferstehende Britische Empire, das nie wirklich verschwunden war, das die Vereinigten Staaten ablöst und seine Weltherrschaft durch Globalisierung etabliert?

Deshalb müssen wir folgendes tun: Das gegenwärtige monetäre System der internationalen Finanzen ist bankrott. Es gibt keinen Weg, wie es zu seinen eigenen Bedingungen reformiert werden und überleben kann. Jeder Versuch, dieses System beizubehalten, würde einen vollständigen Abstieg in ein neues finsteres Zeitalter bedeuten, vergleichbar mit dem, was Europa im 14. Jahrhundert mit dem Zusammenbruch einiger Lombardbanken in Italien erlebte. Das würde geschehen.

Daher besteht die Lösung darin, ein neues internationales Währungssystem zu schaffen. Das könnte auf der Grundlage der besonderen Bestimmungen der US-Verfassung geschehen.

Bedenken Sie, daß das US-System kein monetaristisches System ist. Das US-System beruht verfassungsmäßig auf einem Kreditsystem, das auf der verfassungsmäßigen Autorität der US-Regierung über die Ausgabe und Kontrolle ihres eigenen Geldes beruht.

In anderen Teilen der Welt wurden die Finanzsysteme der Länder weitgehend vom anglo-holländischen liberalen System kontrolliert, indem dieses System über sein Netz privater Banken, die sogenannten Zentralbanken, den Regierungen faktisch Vorschriften macht und über sie herrscht. Wir haben also ein imperiales Weltfinanzsystem, dessen Zentrum seit Februar 1763 im wesentlichen das Britische Empire ist.

Dagegen ist das einzige System, das heute noch von großer Bedeutung ist, die Alternative: die Bestimmungen der US-Verfassung, die den US-Dollar als Kreditmechanismus der US-Regierung festschreiben. Das heißt, in unserem System – wenn es funktioniert, und offensichtlich hat es nicht immer so funktioniert – schaffen wir Kredit durch eine Abstimmung im Kongreß, im wesentlichen durch das Repräsentantenhaus. Der Präsident der Vereinigten Staaten handelt dann auf der Grundlage der Autorität dieses Bundesgesetzes, um die Währung als Kredit gegen die Vereinigten Staaten selbst auszugeben.

Nun besteht die Hauptfunktion dieses Kredits nicht nur darin, Geld zu drucken. Die Funktion dieses Kredits besteht darin, Kapital für langfristige Kapitalinvestitionen bereitzustellen, insbesondere im öffentlichen Sektor, die aber auch in den privaten Sektor hineinfließen – im öffentlichen Sektor vor allem große Infrastrukturprojekte für die Länder und den Bund. Dieser Kredit hat im Sinne der modernen Volkswirtschaft in der Regel eine Laufzeit von 25-50 Jahren.

Wir haben also ein gegenwärtiges Weltfinanzsystem, das nicht funktioniert. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch ihre Verfassung bekräftigen und mit drei anderen Sponsorländern und anderen Ländern eine Vereinbarung treffen, dann können wir sofort ein neues internationales Finanzsystem schaffen, das das gesamte bestehende System in eine Konkurssanierung bringt, um die Kontinuität der wesentlichen Funktionen zu erhalten und ein Programm für reales Netto-Wirtschaftswachstum und Entwicklung einzuleiten.

Der Kern des ganzen wäre auf lange Sicht eine langfristige Investition in die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur und die Entwicklung der Volkswirtschaften in verschiedenen Teilen der Welt – eine Reihe kooperativer Vertragsvereinbarungen mit einer Laufzeit von 25 bis 50 Jahren zur Schaffung von Kapitalbildung, um die Welt so zu erziehen, wie Roosevelt es beabsichtigt hatte, wenn er am Ende des Krieges gelebt hätte. Daher müssen die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit ihrer eigenen Verfassung reformiert werden, indem sie eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern – insbesondere führenden Ländern – anbieten, um ein neues Weltsystem zu schaffen; eine neue Version des alten Bretton-Woods-Systems, das für Wiederaufbauprogramme von 25-50 Jahren langfristiger Investitionen in der ganzen Welt sorgen würde…

 

Dmitrij Polyanskij, Erster Stellvertreter des Ständigen Vertreters Rußlands bei den Vereinten Nationen
„Rußland hält es für seine Pflicht, Hilfe zu leisten“

Hier die Rede lesen

Vielen Dank, sehr geehrte Kollegen, vielen Dank, Frau LaRouche, für Ihren interessanten Vortrag, da sind viele Dinge zu verarbeiten, und ich bin mir sicher, daß wir das tun werden. Ich bin, wie Sie wissen, Diplomat, und als Diplomat drückt man sich etwas anders aus. Ich kann also Ihrem Vortrag einige Bemerkungen aus einer politischen und diplomatischen Perspektive hinzufügen.

Es ist absolut klar, daß COVID-19 sehr ernste Probleme geschaffen hat; vor allem geht es um die Rettung von Menschenleben, die Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit, der biomedizinischen Sicherheit, und die Erhaltung der menschlichen Umwelt, die angenehm sein und keine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen sollte.

Es ist absolut klar geworden, daß kein einziger Staat, egal wie mächtig und wohlhabend, über alle Instrumente zur Bekämpfung der Pandemie verfügt. Um die Epidemie einzudämmen, mußte jeder drastische Maßnahmen ergreifen, die für die Volkswirtschaft schädlich sein können. Wir kennen das ganze Ausmaß der Konsequenzen noch nicht, mit denen die meisten Länder der Welt konfrontiert sind, das muß noch ermittelt werden. Auch ein halbes Jahr, nachdem wir zuerst vom Coronavirus gehört haben, verfügt bisher noch niemand über einen Impfstoff und wirksame Vorschläge für Behandlung.

 

Keine Zeit für Vorwürfe

Wir können absolut gewinnen, aber dies ist nicht die Zeit für Vorwürfe und Stigmatisierungen, es ist eine Zeit für Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. Es ist auch nicht die Zeit für einen Wettstreit – wer hat was getan und wer war erfolgreicher als andere. Dies ist kein Schönheitswettbewerb. Es ist wirklich eine Zeit, zu helfen, Erfahrungen auszutauschen und einander zuzuhören und Wege zur Zusammenarbeit zu finden, um sich dieser in der neueren Zeit beispiellosen Herausforderung für die ganze Menschheit zu stellen.

Rußland ist bereit, sich dieser Herausforderung gemeinsam mit unseren Partnern zu stellen. Deshalb halten wir es, während wir alle notwendigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus auf nationaler Ebene ergreifen, auch für unsere Pflicht, den anderen, unseren Partnern Hilfe zu leisten. Deshalb haben wir schon in einem sehr frühen Stadium der Ausbreitung des Coronavirus, Anfang Februar, China, das damals sehr stark betroffen war, persönliche Schutzausrüstungen und medizinisches Material gespendet. Mehrmals wurden Teams russischer Ärzte und Virologen nach Italien und Serbien entsandt, die sich zu der Zeit in einem fortgeschritteneren Stadium der Pandemie befanden.

Jetzt kämpft unser Land selbst mit aller Kraft gegen die Pandemie. Deshalb begrüßen wir auch jede Hilfe, die meinem Land geleistet werden kann, und wir arbeiten in dieser Hinsicht mit vielen Ländern zusammen – mit China, mit den europäischen Ländern, mit den Vereinigten Staaten.

Wie Sie wissen, haben wir Anfang April eine Flugzeugladung mit humanitärer Fracht nach New York geliefert, und wir sagten, daß dies ganz ohne Hintergedanken getan haben und daß wir selbst später jede Hilfe annehmen würden, wenn wir sie für notwendig halten, was, wie wir schon damals wußten, unvermeidlich eintreten mußte. So wird Kooperation organisiert. Noch einmal, das ist kein Schönheitswettbewerb, es ist keine Situation, in der einer sagt, wir hatten Erfolg und andere sind durch die Prüfung gefallen. Das ist der falsche Zeitpunkt dafür. Es ist eine Zeit, in der man die Bereitschaft zeigt, Unterstützung zu bieten und einander helfend die Hand zu reichen. So sollten sich alle verantwortlichen globalen Akteure verhalten.

Sobald sich die Lage in China zu stabilisieren begann, leistete China der ganzen Welt Hilfe, auch Rußland, und wir begrüßen diese Hilfe sehr. Wir halten das für normal. Kürzlich wandten sich einige afrikanische Staaten an Rußland und baten um Hilfe bei der Bekämpfung der Pandemie. Wir erwägen diese Bitten in Moskau, und ich bin mir absolut sicher, daß wir ihnen zu Hilfe kommen werden, sobald wir einen größeren Durchbruch bei unserem eigenen Kampf gegen die Pandemie erreicht haben. Das ist es, was wir derzeit tun. Es ist auch sehr wichtig zu betonen, daß wir der Überzeugung sind, daß die Antwort auf diese globale Bedrohung auch global sein sollte. Es wäre ein Fehler, die Dinge zu fragmentieren und auf die nationalen Grenzen zu beschränken.

 

Wichtige Rolle der Vereinten Nationen und der WHO

Wir sind auch fest davon überzeugt, daß die Vereinten Nationen hier eine zentrale Rolle spielen müssen. Es ist wichtig, daß wir alle die WHO als wichtigste spezialisierte UN-Behörde unterstützen und ihr helfen, globale Maßnahmen zu koordinieren, und auf ihre Empfehlungen hören. Die WHO ist in diesen letzten Monaten das Zentrum aller Informationen über die Pandemie geworden. Ich glaube, daß jeder, der die Chronologie ihrer Handlungen, Erklärungen und konkreten Entscheidungen studiert, überzeugt sein wird, daß die WHO effizient war. Darüber hinaus spiegelt sich die Tatsache, daß die WHO bei der Bekämpfung der Pandemie eine wichtige Rolle gespielt hat und weiterhin spielt, in der kürzlich verabschiedeten Konsensresolution der UN-Generalversammlung und in der Abschlußerklärung des G20-Sondergipfels wider. Man sollte auch nicht das Dokument der Gruppe der 77 und Chinas vergessen, in dem die koordinierende Rolle der Weltgesundheitsorganisation bei den weltweiten Bemühungen betont wird. Wir müssen sicherstellen, daß über diese Organisation universelle medizinische Versorgung gewährleistet ist. Noch einmal, dies ist eine Zeit, zusammenzustehen, und nicht, andere zu beschuldigen oder ein Land zu stigmatisieren, weil es etwas getan hat oder nicht getan hat. Wir sollten wirklich die WHO unterstützen, wir sollten sie jetzt zu einem Grundpfeiler unserer Bemühungen zur Bekämpfung des Virus machen, jetzt und vielleicht auch zu einem späteren Zeitpunkt, da es viele Vorhersagen darüber gibt, daß diese Pandemie schon bald weitere Folgen haben wird.

Es ist offensichtlich, daß die Ausbreitung des Coronavirus sehr schlimme Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Wie ich schon sagte, ist es sehr schwierig, den Schaden und die Konsequenzen für die Entwicklung der Weltwirtschaft und für die Wirtschaft bestimmter Länder nach der Pandemie einzuschätzen. Natürlich wirkt sich die Pandemie auch sehr schädlich auf Unternehmen, Handel und Investitionen sowie Wechselkurse aus. Wir stecken immer noch mitten drin, deshalb können wir noch nicht wirklich anfangen, die Schäden zu beseitigen und funktionierende Lösungen zu finden.

Man sieht auch, daß das, was geschieht, die Nachfrage nach verschiedenen Produkten so gesteigert hat, daß einige Länder sie nicht mehr erfüllen können. Es ist also auch ein Zeitpunkt für Koordination. Wir glauben, daß die G20 diese Rolle spielen sollte, sie sollte am Steuer sitzen bei der Ausarbeitung einer Wirtschaftsagenda, um uns allen zu helfen, einen gemeinsamen Rahmen für gegenseitige wirtschaftliche Antworten zu schaffen, um nach diesen durch die Pandemie verursachten schweren Schocks die Weltwirtschaft neu aufzuladen.

Es ist auch, ich wiederhole es, eine Zeit für eine tiefe und offene Solidarität, unabhängig von politischen Agenden und Präferenzen. Wir müssen vor allem den Entwicklungsländern unsere Aufmerksamkeit widmen, die vor enormen Herausforderungen stehen und die vor allen anderen unterstützt werden sollten.

 

Die Rolle der Medien

Ich möchte noch ein weiteres Thema ansprechen, das zu berücksichtigen ist. Es ist auch wichtig, daß die Medien und sozialen Netzwerke sich verantwortlich verhalten. Denn wir sprechen vor allem über die Wirkung des Coronavirus auf das Gesundheitssystem und auf die Wirtschaft. Aber es ist sehr schwierig, den Schaden einzuschätzen, der dem Geist, den Wahrnehmungen der Mediennutzer zugefügt wird – denen, die sich jetzt in Selbstquarantäne befinden. Sie hungern wirklich nach allen Informationen, die für sie erreichbar sind. Deshalb ist es in dieser Zeit besonders wichtig, daß die Massenmedien Zurückhaltung üben und eine verantwortliche Haltung einnehmen, daß sie keine fake news und nicht verifizierte Informationen verbreiten. Die Konsequenzen davon können wirklich tiefgreifend sein. Wir messen dem große Bedeutung bei, und wir versuchen in Rußland, auf nationaler Ebene alle diese fake news zu bekämpfen, die da verbreitet werden. Wir versuchen, dem Informationen entgegenzusetzen, die sich wirklich als gut und zuverlässig für die Öffentlichkeit erwiesen haben.

Es ist auch sehr wichtig, zu bewerten – und das ist vielleicht eine Frage für Philosophen: Wie wird sich das auf das menschliche Verhalten auswirken? Werden wir wieder Hände schütteln? Werden wir uns umarmen, wenn das Coronavirus vorüber ist? Oder werden Menschen psychologisch versuchen, engeren Kontakt zu vermeiden? Werden sie auch nach dem Ende des Virus weiter soziale Distanz wahren? Denn das könnte das Verhalten der Menschheit verändern, und das könnte auch sehr schwerwiegende, ernste Auswirkungen auf konkrete Einzelpersonen haben, die vielleicht verletzlicher sind und von der Gesellschaft umarmt werden wollen, und auf die Sozialisierung. Wir müssen darüber nachdenken und dürfen in dieser Hinsicht nicht in Extreme verfallen, nicht vom zivilisierten Verhalten der Menschheit abrücken.

 

Persönliche Kontakte sind notwendig

Und noch etwas: Wir sollten die Situation vermeiden, wo die ganze Welt nur noch online ist. Denn jetzt haben sich diese Online-Dienste natürlich als sehr nützlich erwiesen, und sie sind wirklich sehr gefragt. Das ist normal; das ist sehr gut, weil es eine Menge Ressourcen spart. Aber das sollte nicht den Kontakt von Mensch zu Mensch ersetzen. Ich kann Ihnen sagen, daß es in der Diplomatie viele Dinge gibt, die nur über persönliche Kontakte bewerkstelligt werden können. Es gibt eine Menge vertraulicher Gespräche, die man nicht online führen kann. Schon jetzt sind der aufrichtigen Kommunikation und Diskussion von Themen viele Grenzen gesetzt, weil wir uns bisher nicht persönlich treffen können und wir auf diese elektronischen Kommunikationsmittel angewiesen sind. Auch hier sollten wir nicht ins Extrem verfallen, denn es ist zwar sehr verlockend, einen Großteil unserer Aktivitäten online abzuwickeln und viele Treffen zu organisieren, ohne einander physisch anzuschauen und die Emotionen des anderen zu spüren. Das ist sehr praktisch, aber es ist auch sehr falsch. Ich denke, wir müssen uns auch dieser Falle bewußt sein, die die Welt nach der Pandemie erwarten kann.

Ich werde nicht noch länger sprechen. Für die Zeit, in der ich hier bin, werde ich bereitstehen, alle Fragen zu beantworten. Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß in der chinesischen Sprache – China wurde hier bereits mehrmals erwähnt und wird sicher noch oft erwähnt werden – das Wort „Krise“ ein Zeichen enthält, das auch „Chance“ bedeutet. Das ist sehr weise: daß jede Krise auch eine Chance ist, nicht nur eine Herausforderung. Wir müssen also noch stärker aus dieser Krise hervorgehen, und wir müssen zusammenarbeiten und bestimmte Dinge vergessen, die uns aufgrund irgendeiner Emotion oder falsch interpretierter Information wichtig erschienen. Wir müssen auf das Ende sehen; wir müssen das Licht am Ende des Tunnels sehen. Wir müssen verstehen, daß nur Zusammenarbeit, Koordinierung und globale Reaktion das sind, was die Menschheit jetzt braucht. Es ist nicht die Zeit, sich zu streiten und zu zanken und mit dem Finger auf andere zu zeigen und sie zu beschuldigen. Es ist eine Zeit, um zu helfen, eine Zeit, mitfühlend zu sein, eine Zeit, großzügig zu sein. Es ist die Zeit, einander wirklich zuzuhören und der Welt, die diese Lösungen dringend braucht, gemeinsame, praktikable Lösungen vorzuschlagen.

Vielen Dank, und ich wünsche Ihrer Konferenz einen großen Erfolg. Ich danke Ihnen.

 

Botschafter Huang Ping, Generalkonsul der Volksrepublik China in New York
„Für eine bessere Zukunft – Vorgeschlagene Prinzipien, die für friedliche und produktive Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China notwendig sind“

Hier die Rede lesen

Meine Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, an dieser vom Schiller-Institut veranstalteten Videokonferenz teilzunehmen. Wir treffen uns zu einer herausfordernden Zeit, in der die COVID-19-Pandemie den Globus verwüstet. Viele Familien haben unter dieser Krankheit gelitten und Angehörige verloren. Unzählige Mitarbeiter des Gesundheitswesens kämpfen an vorderster Front gegen das Virus. Zu Beginn möchte ich allen vom Unglück geplagten Familien mein tiefes Beileid und denen, die in dieser äußerst schwierigen Zeit noch immer Ämter bekleiden, meine hohe Anerkennung aussprechen.

China gehörte zu den ersten Ländern, die von COVID-19 hart getroffen wurden. Unter dem plötzlichen Angriff des unbekannten Feindes waren die chinesische Regierung und das chinesische Volk unerschrocken und reagierten entschlossen. Seit Beginn des Ausbruchs haben wir das Wohlergehen des Volkes ganz in den Mittelpunkt gestellt. Wir handeln nach dem allgemeinen Grundsatz, das Vertrauen zu vertiefen, die Einheit zu stärken, eine wissenschaftlich fundierte Kontrolle und Behandlung sicherzustellen und gezielte Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben das ganze Land mobilisiert, kollektive Kontroll- und Behandlungsmechanismen eingerichtet und mit Offenheit und Transparenz gehandelt.

Was wir führten, war ein Volkskrieg gegen das Virus. Mit harten Anstrengungen und unter großen Opfern gelang es China, als eines der ersten Länder den Ausbruch einzudämmen. Die Ansteckung innerhalb des Landes wurde weitgehend gestoppt. Die bestätigten Fälle sind auf etwa tausend zurückgegangen, und bei den täglich noch einigen Dutzend neuen Fällen handelt es sich hauptsächlich um importierte Fälle.

Inzwischen ist es China gelungen, in seiner Wirtschaft und Gesellschaft Schritt für Schritt wieder eine normale Ordnung herzustellen. Im ganzen Land haben 98,6% der großen Industriebetriebe die Produktion wieder aufgenommen, und im Durchschnitt sind 89,9% der Beschäftigten bereits wieder erwerbstätig – eine bedeutende Kraft, um die Weltwirtschaft wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

 

China leistet tatkräftige Hilfe

Seit dem Ausbruch von COVID-19 beteiligt sich China in offener, transparenter und verantwortungsvoller Weise aktiv an den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung der Krankheit. China hat die WHO rechtzeitig auf den neuesten Stand gebracht, die Genomsequenz des Virus veröffentlicht und seine Erfahrungen mit der Prävention und Behandlung vorbehaltlos weitergegeben. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen Hilfe angeboten, was von der WHO und der internationalen Gemeinschaft weithin anerkannt wurde. Präsident Xi Jinping führte Telefongespräche mit 29 Staats- und Regierungschefs und Vorsitzenden internationaler Organisationen und nahm am außerordentlichen G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs zu COVID-19 teil. Premierminister Li Keqiang telefonierte auch mit mehreren ausländischen Staatsführern und nahm am Sondergipfel der ASEAN Plus Drei zu COVID-19 teil. Zwischen dem 1. März und dem 10. April exportierte China rund 7,12 Milliarden Schutzmasken, 55,57 Millionen Schutzanzüge, 3,59 Millionen Infrarot-Thermometer, 20.100 Beatmungsgeräte und 13,69 Millionen Schutzbrillen. Bis zum 12. April haben wir 14 medizinische Expertengruppen in zwölf Länder entsandt, und die chinesischen Medizinexperten hielten 83 Videokonferenzen mit ihren Kollegen aus 153 Ländern ab, um die betroffenen Länder bei der Reaktion auf die Epidemie zu unterstützen.

Gleichzeitig kümmern wir uns stets um die Sicherheit und Gesundheit der chinesischen Bürger in Übersee. Die gesamte diplomatische Front wurde mobilisiert und unverzüglich in Bewegung gesetzt, um grundlegende Informationen über chinesische Staatsbürger im Ausland und ihre Schwierigkeiten zu sammeln. Wir haben sie in eine gemeinsame Kampagne gegen das Virus durch gegenseitige Hilfe eingebunden. Wir halfen ihnen, Zugang zu lokalen Gesundheitsdienstleistern und durch Ferndiagnose zu denen in China zu erhalten. Wir entsandten gemeinsame Einsatzgruppen, um Dienste und Unterstützung anzubieten. Wir richteten einen besonderen konsularischen Schutzmechanismus ein und planten Flüge, um chinesische Staatsbürger, die wegen des Ausbruchs im Ausland gestrandet waren, nach Hause zu bringen. Wir finden Wege, um Probleme für ausländische Studenten zu lösen, und lieferten Gesundheitspakete an alle Studenten aus, die sie brauchten. Vor kurzem bestand eine wichtige Aufgabe meines Generalkonsulats darin, minderjährige chinesische Schüler in unserem Konsularbezirk bei Ad-hoc-Rückflügen nach China zu unterstützen. Obwohl New York City das Epizentrum ist und ein hohes Infektionsrisiko am Flughafen besteht, wenn Schülern und Studenten beim Einsteigen geholfen wird, haben viele meiner Kollegen diese Aufgabe ohne Zögern übernommen.

Meine Damen und Herren,

die Pandemie wütet nach wie vor auf der ganzen Welt. Mehr als 200 Länder und Regionen sind betroffen, über zwei Millionen Menschen sind infiziert und mehr als 160.000 starben. Es ist wahrscheinlich, daß sich die Pandemie in Afrika, Südasien, Lateinamerika und anderen unterentwickelten Regionen weiter ausbreitet und weitere Opfer fordert. Länder, die den Höhepunkt des ersten Ausbruchs hinter sich haben, müssen wachsam gegenüber der zweiten Welle des Ausbruchs sein.

Selbst wenn wir aus der Pandemie herauskommen, könnten wir einem Dominoeffekt ausgesetzt sein: wirtschaftliche Rezession, soziale Unruhen, Nahrungsmittelkrise, Flüchtlingswellen und sogar internationale Konflikte. Einige Leute sagen, dies sei die größte Krise der menschlichen Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Menschen auf der ganzen Welt sind beunruhigt und erwarten, daß die internationale Gemeinschaft gemeinsam Lösungen erarbeiten kann.

 

Die Krise gemeinsam überwinden

Als die beiden größten Volkswirtschaften der Welt rücken China und die Vereinigten Staaten in den Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit, ob sie Länder dazu bringen können, diese Krise zu überwinden.

Wie Sie wissen, befinden sich die Beziehungen zwischen China und den USA in einer beispiellos schwierigen Phase. Die Vereinigten Staaten sehen in China einen wichtigen strategischen Konkurrenten und verfolgen eine Chinapolitik der umfassenden Eindämmung und Unterdrückung durch die „ressortübergreifende Strategie“. Infolgedessen ist diese Beziehung zunehmend der Gefahr einer Entgleisung ausgesetzt. Es muß noch viel überwunden werden, damit die beiden Länder ihre Differenzen aufgeben und sich auf die Zusammenarbeit konzentrieren können. Da die Auswirkungen der Krise auf die Welt sich rasch entwickeln, ist es notwendig, unsere Herangehensweise an die wachsenden Beziehungen zwischen China und den USA zu überdenken, und zwar nicht nur im Interesse der beiden Länder, sondern im Interesse der ganzen Welt.

Ich möchte Ihnen drei Punkte zu bedenken geben.

Erstens verdeutlicht die Epidemie die gegenseitige Abhängigkeit zwischen China und den Vereinigten Staaten. Keine Seite kann die Herausforderungen ohne die Unterstützung der anderen überleben.

Im 21. Jahrhundert ist es ein unaufhaltsamer Trend, daß die verschiedenen Länder immer stärker miteinander verflochten sein und somit mehr gemeinsame Interessen und Herausforderungen haben werden. Die menschliche Gesellschaft ist in der Tat zu einer Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft geworden. Angesichts globaler Herausforderungen wie Infektionskrankheiten, Klimawandel und Terrorismus können selbst Großmächte wie China und die Vereinigten Staaten nicht im Alleingang kämpfen. In seinem jüngsten Telefongespräch mit Präsident Trump betonte Präsident Xi, die beiden Länder sollten ihre Anstrengungen bündeln, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Vorbereitung und Reaktion auf Seuchenausbrüche verstärken und zum Aufbau einer Beziehung beitragen, die auf Konflikt- und Konfrontationsverzicht, gegenseitigem Respekt und einer für alle Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit beruht.

Dies zeigt die Richtung für die künftige Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen auf. Mit Blick auf die Zukunft müssen beide Seiten die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Global Governance in den Bereichen öffentliche Gesundheit, Wirtschaft und Finanzen stärken und gemeinsame Präventions- und Kontrollnetze aufbauen. Wir sollten bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten zusammenarbeiten, die Makropolitik besser koordinieren, um dem Abwärtsdruck auf die Weltwirtschaft entgegenzuwirken und Stabilität und Wohlstand in der Welt zu erhalten.

Zweitens unterstreicht die Epidemie die tiefe Freundschaft zwischen Chinesen und Amerikanern, die die Hauptströmung unserer Beziehungen darstellt.

Da das Virus in China und den USA seinen Tribut fordert, haben sich unsere beiden Völker dafür entschieden, sich gegenseitig zu unterstützen, anstatt für das Geschehen am anderen Ufer des Pazifik gleichgültig zu sein. Als China in tiefer Not war, haben uns Menschen aus verschiedenen Bereichen der amerikanischen Gesellschaft geholfen, wofür wir immer aufrichtig dankbar sind. Jetzt sind die USA zum Epizentrum der Welt geworden, mit fast 900.000 diagnostizierten Corona-Fällen und mehr als 50.000 Toten. Das chinesische Volk versteht, welche Schwierigkeiten das amerikanische Volk durchmacht, und wir sind bereit, im Gegenzug nach besten Kräften Hilfe anzubieten. Unvollständigen Statistiken zufolge spendeten chinesische staatliche Stellen auf allen Ebenen, Unternehmen und Wohltätigkeitsorganisationen den USA 2,46 Milliarden Masken – das sind sieben Masken für jeden Amerikaner -, dazu fast 5000 Beatmungsgeräte, 258 Millionen medizinische Handschuhe, 29,3 Millionen chirurgische Schutzanzüge und 3,13 Millionen Schutzbrillen. In den letzten Wochen haben wir von der amerikanischen Bevölkerung zahlreiche aufrichtige Anerkennungen erhalten.

Ich glaube, daß die Freundschaft unserer beiden Völker durch die Bewährungsprobe dieses Kampfes noch stärker werden wird. Unsere beiden Regierungen müssen der Mehrheit unserer beiden Völker Beachtung schenken und gleichzeitig diese Beziehung ausbauen. Wir dürfen uns nicht von einigen Extremisten fangen lassen, die immer wieder Zwietracht und Entkoppelung zwischen unseren beiden Nationen säen.

Drittens zeigt die Epidemie, daß die Beziehungen zwischen China und den USA immer noch mit komplizierten Problemen belastet sind. Bei der Lösung der Probleme und Differenzen müssen wir aufhören, an die dunkle Seite des Menschen zu appellieren, und die gute Seite sehen.

Seit dem Ausbruch dieser Epidemie, insbesondere nachdem die Lage in den USA ernst wurde, bemerken wir in den Vereinigten Staaten viele negative Stimmen über China. Einige Leute beschuldigten China, den Ausbruch zu verschleiern, einige erfanden sogar die Geschichte, daß das Virus aus einem chinesischen Labor stamme, und schworen, China zur Rechenschaft zu ziehen. Einige Leute stigmatisierten China und diskriminierten ethnische Chinesen.

Ich möchte darauf hinweisen, daß es in der internationalen Gemeinschaft einige unterschiedliche Ansichten über den Ursprung des Virus gibt. Die Rückverfolgung des Virus ist ein schwieriges wissenschaftliches Problem und sollte von Fachleuten mit wissenschaftlichen Beweisen sorgfältig geprüft werden. COVID-19 ist ein völlig neues Virus, und sein Ausbruch kommt unerwartet. Alle Nationen brauchen etwas Zeit, um die Situation zu verstehen und darauf zu reagieren. Im frühesten Stadium war es China aufgrund der kleinen Zahl unbekannter Fälle unmöglich, die Welt zu warnen. Einige Länder verwechselten das COVID-19 anfänglich auch mit einer Erkältung oder Lungenentzündung. Infektionskrankheiten können in jedem Land und in jeder ethnischen Gruppe ausbrechen.

Wir müssen unser Bestes tun, um bei dieser Pandemie eine Diskriminierung irgendeines Landes und irgendeiner Gruppe zu verhindern. Auch amerikanische Bürgerinnen und Bürger könnten sich im Ausland zunehmend Diskriminierung ausgesetzt sehen, wenn sich die Situation hier verschlimmert. Andere Länder zu beschuldigen und zum Sündenbock zu machen, Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit zu schüren, wird weder dazu beitragen, die Welt in die Lage zu versetzen, mit der Epidemie und ihren Auswirkungen fertig zu werden, noch wird es dazu beitragen, uns bei der Bewältigung anderer globaler Herausforderungen in der Zukunft zu vereinen. Es wird nur Chaos in der Weltordnung säen und Völkern rund um den Globus noch mehr Schaden zufügen.

 

Die Krise ist auch eine Chance

Meine Damen und Herren, der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy hat schon vor langer Zeit erkannt: „Wenn man das Wort ,Krise‘ auf Chinesisch schreibt, besteht es aus zwei Zeichen – das eine steht für Gefahr, das andere steht für Chance.“ Die COVID-19-Krise hat in der Tat beispiellose Herausforderungen für die Welt mit sich gebracht, aber sie bietet den Ländern auch beispiellose Möglichkeiten, neue Wege zu beschreiten. Ich glaube, wenn wir eine langfristige Perspektive einnehmen, mutig, kooperativ und innovativ bleiben, dann werden wir in der Lage sein, die Herausforderungen zu überwinden, die Krise in Chancen zu verwandeln und eine bessere Zukunft für China und die Vereinigten Staaten und für die menschliche Gemeinschaft zu eröffnen.

Ich danke Ihnen.

Diskussion

Jacques Cheminade, Vorsitzender von Solidarité et Progrès, ehem. französischer Präsidentschaftskandidat
„Ein Europa, dessen man sich nicht schämen muß“

Hier die Rede lesen

Vor einigen Tagen hatte ich ein Gespräch mit dem Schweizer Autor Jean Ziegler über die Notfallinitiativen, die ergriffen werden müssen, um ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen aufzubauen. Er unterstützt unsere Ziele voll und ganz, weil er schon immer ein Verfechter von Gerechtigkeit und Nahrung für alle ist und weil er überzeugt ist, daß auch die stärksten Mauern durch ihre Risse fallen werden.

In diesem Zusammenhang waren wir uns sofort einig, daß Europa in seiner heutigen Verfassung ein hoffnungsloser Fall ist, eine verlorene Sache, für die man sich schämen muß. Die Flüchtlingslager in der Türkei oder in Libyen – faktisch Konzentrationslager, die von Hunger und Pandemien bedroht sind – sprechen schon an sich eine klare Sprache gegen uns. Angesichts der Tatsache, daß die europäischen Nationen in der universellen Sinfonie – einer harmonischen „Tianxia“, wie die Chinesen sagen würden – ihren Part spielen müssen, besteht unsere Aufgabe nun darin, die richtigen Instrumente zu beschaffen, damit wir den Part eines Europas spielen können, dessen man sich nicht schämen muß.

Weil es nicht viel Zeit verdient, werde ich nur kurz darüber sprechen, was die Europäische Union derzeit tut oder meistens nicht tut. Sie verhält sich wie ein führerloser Haufen oligarchischen Gesindels. Die jüngsten Tagungen des Europäischen Rates beweisen trotz der Abwesenheit des Vereinigten Königreichs, daß immer noch derselbe Geist des „Teile und Herrsche“ und der Unterwerfung unter die Diktatur des Geldes herrscht.

Um aus diesem verabscheuungswürdigen und selbstzerstörerischen Schlamassel herauszukommen, müssen wir in uns das Beste unserer kulturellen und wirtschaftlichen Traditionen wachrufen, zum Vorteil aller europäischen Nationen und aller anderen Nationen der Welt. Ist das utopischer Idealismus? Nein, ganz im Gegenteil. Denn es ist gerade die egoistische Ideologie, die von allen geteilt wird, diese „realistische und pragmatische“ Ideologie, die unser gemeinsames Immunsystem, unsere öffentliche Gesundheit und unser finanzielles Immunsystem zerstört hat. Das Ergebnis ist, daß wir angesichts der Pandemie keine oder viel zu wenig Masken, Tests und Beatmungsgeräte hatten und unfähig waren, etwas vorherzusehen, was unsere Staatsführungen für unvorhersehbar hielten.

Diese gesamte Führung ist gescheitert, wie lauter Hamlets, nicht als Individuen, sondern weil ihre Anpassung an die individualistische, egoistische Geldgier unserer Gesellschaft dazu führte, daß ihre Ohnmacht durch Fahrlässigkeit kriminelle Ausmaße annahm. Regieren heißt vorhersagen, und nicht vorhersagen führt einen zum Scheitern. Leonardo da Vinci fügt ironisch hinzu: „Wer nicht vorhersagt, der jammert schon.“

Lassen Sie uns also kurz betrachten, was die Europäische Union und die europäischen Staaten getan haben. Um es mit einem Beispiel zu sagen: Sie haben unseren Krankenhäusern kurzfristige finanzielle Vorschriften gemacht – „just in time“ – und ruinierten damit deren Fähigkeit, richtig zu reagieren. In Wirklichkeit sollten die Staaten selbst wie gute öffentliche Krankenhäuser funktionieren, die sich der kollektiven Verantwortung, der Wahrhaftigkeit und der Fürsorge für alle verschrieben haben, und statt bloß Zahlen und Statistiken in Geldeinheiten sollten sie Ideen und Initiativen liefern, wie wir einfach menschlicher werden.

So war das erste, was Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), der wahren Streitmacht der Europäischen Union, zu sagen hatte: „Ein Schuldenerlaß ist undenkbar. Vielleicht dauert es viele Jahrzehnte, bis die Schulden zurückgezahlt werden, aber sie müssen zurückgezahlt werden.“

Nun werfen die Europäische Union und die europäischen Staaten, wie die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, mit Milliarden und Abermilliarden von Euro um sich – zum Teil, um die Produzenten zu retten und die Verbraucher durch mehr Schulden während dieser Pandemie zu unterstützen, aber das meiste davon dient nur dazu, mehr von der Droge Geld in die Finanzkreisläufe der Oligarchie zu pumpen. Einfach ausgedrückt, sie geben elektronische Impulse, die sie Geld nennen, hauptsächlich um einen Bankrott des gesamten Systems zu vermeiden. Es handelt sich hier nicht mehr um eine sogenannte „Marktwirtschaft“, sondern um eine Marktwirtschaft ohne Markt, in der alle Spieler weiter mit Chips und Murmeln spielen, die von den Zentralbanken verteilt werden.

Seien wir präzise: Früher war die EZB durch ihre eigenen Regeln gezwungen, Wertpapiere von den Banken zurückzukaufen – aber nur die mit einer bestimmten Bonität! Das bedeutete Staatsanleihen oder AAA- oder A-Anleihen erster Qualität. Nun beschloß sie eigenmächtig, hochverzinsliche Schuldverschreibungen, Schrottanleihen zum Scheitern verurteilter Unternehmungen, zurückzukaufen. Die EZB rettet also alles mit elektronischem Falschgeld, ähnlich wie die amerikanische Federal Reserve!

Darüber hinaus haben die Finanzminister der Europäischen Union am 9. April beschlossen, ein Fazilitätspaket von 540 Milliarden Euro zu schaffen – 240 Milliarden vom Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), 200 Milliarden von der Europäischen Investitionsbank und 100 Milliarden von der Kommission. Aber das meiste davon ist geliehenes, sogenanntes gehebeltes Geld, das auf den Märkten geborgt wird! Dieses Geld fließt größtenteils zurück in den Finanzkreislauf, indem sie das geborgte Geld weiterverleiht, die EZB dient somit als eine Art „Kreditgeber der letzten Instanz“ für die Finanzbetrüger!
Die europäischen Staaten ihrerseits habe massive Hilfspakete organisiert: 410 Milliarden Euro für Frankreich, 1100 Milliarden für Deutschland, 475 Milliarden für das Vereinigte Königreich, vergleichbar mit den 2200 Milliarden Dollar der Vereinigten Staaten. Das meiste davon basierte worauf? Auf neuen Krediten und der Stundung von Zahlungen, womit mehr Schulden angehäuft werden, ohne die Mittel zu schaffen, sie zurückzuzahlen!

Um es über die stumpfen Formalitäten hinaus verständlich zu machen: Die Pandemie hat den finanziellen Schwindel, der auf einem wahnsinnigen Schneeball-Schuldensystem beruht, nur aufgedeckt, sie war ein Auslöser für den Crash, aber nicht die eigentliche Ursache! Die finanzielle Situation vor der Pandemie war schuld daran, daß nichts getan wurde, um sie zu verhindern: weil es keinen kurzfristigen Gewinn brachte.

Als die Pandemie dann kam, gab es keine Masken, keine Beatmungsgeräte, keine Tests, und die einzig mögliche Lösung zu ihrer Bekämpfung war die Isolation der Bevölkerung. Das mußte getan werden, und es wurde getan, aber auf inkompetente Art und Weise, ohne wirkliche Zusammenarbeit zwischen den europäischen Nationen, was in der Folge die Wirtschaft blockierte. Und die „Lösung“ bestand darin, noch mehr elektronisches Falschgeld zu verbreiten, um ein Gegengewicht zum Stillstand der Wirtschaft zu schaffen und jeden Bankrott zu verhindern, hauptsächlich zum Nutzen der Betrüger! Noch mehr Schulden, um ein überschuldetes System zu retten, und das meiste davon, um die Insider-Haie zu retten! So kam es zu einer Erholung an der Wall Street durch das Management der Blase aller Blasen, jedoch ohne Chance auf eine echte, physische wirtschaftliche Erholung im Rahmen eines solchen Systems.

Doch das Schlimmste kommt erst noch: Weil es nicht genug Geld gibt, um weiterzumachen, plant die Europäische Kommission, entweder 1000 Milliarden Euro auf den Märkten zu leihen oder den europäischen Gemeinschaftshaushalt als Garantie zu nehmen, um 1500 Milliarden sogenannte „ewige Schulden“ zu drucken, wobei man nur die Zinsen zahlt, was durch eine Ökosteuer finanziert werden soll, und das Kapital wird nie zurückgezahlt.

Wir sind wirklich an Bord des Narrenschiffs, auf dem arrogante Kapitäne so tun, als könnten sie den Eisbergen Befehle erteilen, und Banker wie der Gouverneur der Bank von Frankreich, François Villeroy de Galhau, ständig verzweifelt wiederholen: „Ihr müßt das Geld zurückzahlen.“ Gemeint sind natürlich nicht die Zocker britischen Stils und ihre Partner, sondern wir alle, Erzeuger wie Verbraucher.

Laßt uns aus diesem Schlamassel herauskommen! Diese Europäische Union und die Regierungen ihrer Mitgliedstaaten sind oligarchischer Müll, laßt uns wiederaufbauen im Geist der 30 glorreichen Jahre und des Wirtschaftswunders des europäischen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, damit wir besser werden, was nötig ist, um die Herausforderung zu meistern.

 

Der Vorteil des anderen

Der Ausgangspunkt ist, daß das beste Gegenmittel gegen jede Pandemie die internationale Zusammenarbeit ist. Das bedeutet menschliche Solidarität zum Aufbau eines „Win-Win-Systems“, wie es der chinesische Präsident in vielen seiner Reden definiert hat.

Die Europäische Union und ganz allgemein die Staaten der westlichen Seite unserer Hemisphäre verfolgen leider einen entgegengesetzten Kurs. Ein Beweis dafür sind der ekelhafte Kampf unter den Staaten darum, wer die Masken kaufen kann, die ihnen allen wegen ihrer egoistischen Politik fehlten, und die Unfähigkeit so vieler Menschen, zu verstehen, warum es notwendig ist, die Maske anzuziehen, wenn denn eine zur Verfügung steht: nicht zu unserem eigenen Schutz, sondern um die anderen vor unseren Tröpfchen zu schützen.

Diese beiden Beispiele beweisen, daß der Begriff des „Vorteils des anderen“ aus dem Westfälischen Frieden, der die Grundlage für den Frieden zwischen den Nationen bildet – und der dem konfuzianischen Prinzip entspricht, daß das, was man für die anderen tut, einen selbst auf den Weg zum ren bringt -, daß dieser grundlegende Begriff der Zivilisation in unserem Europa des 21. Jahrhunderts irgendwie verloren gegangen ist. Unsere Aufgabe besteht also nicht nur darin, für den anderen alles Gute zu tun, was wir uns wünschen, daß er für uns tun könnte, sondern die besten Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß er oder sie das Gute für alle schafft. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, daß China, Rußland und Kuba die Länder waren, die Italien zu Hilfe eilten, während in Frankreich und Deutschland und erst recht in den Vereinigten Staaten viele egoistische Stimmen dies als „Propagandaaktion“ abtaten, obwohl ihre Länder selbst so wenig getan hatten.

An zweiter Stelle steht die unerbittliche Verpflichtung, die Wahrheit zu sagen, die mit dem Vorteil des anderen symbiotisch ist. Unsere offiziellen Europäer sind zu Lügnern geworden. Weil wir nicht in der Lage waren, genügend Masken herzustellen oder zu kaufen, hat man in Frankreich und in den Vereinigten Staaten anfangs so getan, als seien sie gar nicht notwendig. Die Sprecherin der französischen Regierung behauptete sogar, sie seien für uns Laien zu schwierig zu tragen, sogar für sie selbst. Schuld an solchen Lügen ist nicht der Charakter dieser unangenehmen Frau, sie sind das Resultat einer Finanzwelt, in der man Lügen für einen cleveren Schachzug hält, um auf Kosten aller anderen zu gewinnen. Das Lügen ist zu einer perversen Kunst geworden.

Drittens kann man – wenn man der Welt und den anderen direkt ins Auge schaut, inspiriert von der Verpflichtung zur Wahrheit und zum Gemeinwohl – sehr wohl vorausschauen, anders als alle unsere westlichen Regierungen über das Coronavirus behaupten. Es ist sogar noch schlimmer: Sie tun so, als sei es unmöglich gewesen, dieses Unerwartete vorauszusehen, aber gleichzeitig machen sie der chinesischen Regierung Vorwürfe, sie habe die Bedeutung dieses Unerwarteten, das ihnen selbst entgangen ist, nicht vorausgesehen! Schlimmer noch, es läuft eine Kampagne, China zum Sündenbock zu machen und zu beschuldigen und sogar zu verklagen, hohen Schadenersatz zu zahlen!

Vorauszusehen bedeutet, die Konsequenzen dessen abzuschätzen, was man tut oder unterläßt, und das ist die Aufgabe einer Regierung. Wenn man diese Folgen und damit die eigene Verantwortung abschätzt, kann man einen Phasenwechsel prognostizieren. Nicht durch Ableitung, Induktion oder Extrapolation aus dem Bestehenden, sondern durch Abschätzen der Auswirkungen von Handlungen auf die Zukunft.

Das ist es, was die Pasteurschen Epidemiologen und Virologen „Sentinel-Medizin“ nannten, eine Medizin, die sich auf die Raumzeit der Kranken bezieht, die mit den Augen der Zukunft auf die Zusammenhänge zwischen ihrer physischen Umgebung und ihrer Krankheit blickt. Immer in Erwartung von Veränderungen, Überraschungen. Wer aber stattdessen die menschlichen Prioritäten zugunsten einer linearen Statistik des finanziellen Profits aufgibt, der ist dazu verdammt, politische Verbrechen zu begehen.

Engagement zum Vorteil des anderen, Wahrhaftigkeit und Voraussicht sind gefragt: dann sind das, was sie „Schwarze Schwäne“ nennen, zu erwartende Folgen katastrophaler Entscheidungen für die Menschheit.

Aus diesem Grund konnte Lyndon LaRouche, der sich voll und ganz dem Schicksal der Menschheit verpflichtet fühlte, die katastrophalen Folgen der Entkoppelung von Dollar und Gold am 15. August 1971 vorhersehen. Er sah, daß damit eine Ära der finanziellen und moralischen Deregulierung eingeleitet wurde, die globale Pandemien zur Folge hätte, wenn nichts getan wird, um den Kurs der Gesellschaft zu ändern. Er schrieb verschiedene Warnungen zu diesem Thema, über die andere Redner sprechen werden, aber solche Warnungen wurden aus finanzieller Gier heraus nicht in Betracht gezogen.

Dann kam der Washingtoner Konsens, eine Verabredung der westlichen Mächte, die noch nicht entwickelten Staaten zu zwingen, ihre Schulden auf Kosten ihrer Infrastrukturprojekte in Gesundheitswesen, Bildung und Verkehr zurückzuzahlen – eine Schuld, die durch die Anhäufung von Zinseszinsen viel höher wurde als die geliehene Summe. Durch einen solchen Prozeß wurden sie „unterentwickelt“.

Dieses kriminelle Verhalten hat zu der gegenwärtigen Lage geführt und verlangt von uns im Westen, zusammen mit China und Rußland, ein sofortiges Eingreifen, um ein von oben durchorganisiertes Programm für eine globale Mobilisierung gegen eine Pandemie zu starten.

Genau das hat Mauro Ferrari, der Präsident des Europäischen Forschungsrates der EU, versucht, er wollte ein solches wissenschaftliches Programm zur Bekämpfung des Virus durchsetzen, aber er mußte am 8. April, mitten in der Pandemie, zurücktreten, weil die europäischen Behörden sein Programm nicht einmal in Erwägung zogen. Wir selbst vom Schiller-Institut schlagen „LaRouches Apollo-Mission“ vor, um die globale Pandemie zu besiegen (vgl. Neue Solidarität 18-20/2020), weil die Regierungen zwar vorgeben, wie in einem Krieg zu mobilisieren, aber nicht fähig oder nicht willens sind, Strategien zu entwerfen, Mobilisierungen vorzuschlagen oder anders zu denken.

 

Vier Viren

Die Wahrheit ist, daß sie Gefangene von mindestens vier Viren sind, die ihre menschenfeindliche Politik inspirieren oder ihre möglichen Kampfabsichten lähmen.

Diese vier Viren, die zusammengenommen die Viren aller auf Sklaverei oder Schuldknechtschaft gegründeten Imperien darstellen, sind: das Finanzvirus, das malthusianische Virus, das geopolitische Virus und das bürokratische Virus. Jegliche internationale Zusammenarbeit für das Gemeinwohl erfordert die Ausrottung solcher Viren, die in unserer europäischen Geschichte verschiedene Sprachen und Akzente gesprochen haben, heute aber definitiv britisch sind, wie Helga Zepp-LaRouche vorhin erläutert hat.

Das finanzielle Virus sollte für die meisten von uns offensichtlich sein. Es gibt keine finsteren Mächte an irgendwelchen finsteren Orten, die unseren Untergang planen – wir werden ausgeraubt, wie es das Britische Empire tut und immer getan hat in seiner Welt, in der „die Sonne nie untergeht“. Es basiert auf der Verwaltung abscheulicher, illegitimer Schulden, nie auf nützlichen Programmen zur Schaffung von Entwicklungsplattformen, sondern auf dem ewigen Besitz von Finanzvermögen.

Ein solches System ist unfähig, die Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien zu fördern, die, wenn sie als Technologien entwickelt werden, eine Erhöhung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte bewirken. Der Zusammenhang zwischen diesem Potential und der Energieflußdichte war Lyndon LaRouches grundlegende Entdeckung. Das heutige Europa ist unfähig, die Mittel zur Verfügung zu stellen, um auch nur seine eigene Bevölkerung auf dem gegenwärtigen Niveau zu erhalten: Die Bedürfnisse zur Erhaltung der gegenwärtigen Bevölkerungsdichte Europas übersteigen das Potential, das zur Verbesserung der zukünftigen Dichte notwendig wäre. So stellte LaRouche wissenschaftlich fest, daß der Westen im Rahmen seiner gegenwärtigen Funktionsweise dem Untergang geweiht ist: Die EZB oder die amerikanische Federal Reserve mögen Billionen an Falschgeld produzieren, aber niemals Masken, Atemgeräte, Stahl, Brücken, Flugzeuge, Werkzeuge und Maschinen im allgemeinen – sie sind unfähig, Kredite für eine bessere Zukunft zu vergeben, weil ihre Augen auf die sterilen Nüstern der Vergangenheit gerichtet sind, statt auf die Köpfe derjenigen, die in der Vergangenheit die Voraussetzungen für eine Zukunft geschaffen haben.

Das zweite Virus ist der Malthusianismus, der soziale Ausdruck des Finanzvirus. Es stützt sich auf die angebliche „Tatsache“, daß die Welt aus begrenzten Ressourcen bestehe und daß eine Produktion, die in einem arithmetischen Verhältnis wächst, während die Bevölkerung exponentiell und geometrisch zunimmt, nur in einer völligen Erschöpfung der Ressourcen enden könne, ähnlich wie ein Virus oder wie ein Krebsgeschwür – genau das, was der Club of Rome über uns Menschen zu sagen hatte. Deshalb müssen die Menschen angeblich ihren Konsum und ihre Fortpflanzung einschränken, um sich an die begrenzten Ressourcen anzupassen.

Kann das wahr sein? Ja, wenn man die Welt als ein relativ unveränderliches Ganzes definiert, das begrenzte Ressourcen produziert – ja, das ist die Welt der Finanzoligarchie! Das ist ein entropisches Universum, in dem der zweite Hauptsatz der Thermodynamik regiert, der in geschlossenen Systemen gültig ist. Gesellschaftlich bedeutet das wiederum ein Umfeld, das durch die Herrschaft der Finanzoligarchie definiert ist!

Aber das reale Universum als Ganzes ist anders: Es befindet sich in ständiger Expansion und gehorcht nicht dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, der nur in einem geschlossenen System gilt. Der Mensch steht in Übereinstimmung mit dem Entwicklungsgesetz des Universums, weil er aufgrund seiner schöpferischen Fähigkeit Mensch ist: Er hebt auf die Ebene neuer Ressourcen, was auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe nur Abfall war. Das eigentliche Fundament der Wissenschaft ist diese Fähigkeit jenseits von Induktion, Deduktion und dem aristotelischen Prinzip der Widerspruchsfreiheit Lösungen für bestehende Probleme zu finden – wie Einstein sagte, mit einem höheren Denken als dem, das diese Probleme hervorgebracht hat.

Es ist wahr, echte Wissenschaft ist anti-entropisch. Europa ist in diesem Sinne zu einem Problem an sich geworden, eine entropische Schachtel voller Bürokraten. Es ist lächerlich, ja, aber seine Folgen sind es nicht: alle Malthusianismen, in welcher Form auch immer, führen zu Rassismus, Kriminalität und Selbstzerstörung.

Das dritte Virus ist das geopolitische Virus, der Eine-Welt-Ausdruck des Finanz- und des Malthusianismus-Virus. Es ist die Politik der Londoner City und der Wall Street, des Erbes des Britischen Empire von Venedig und Amsterdam. Für die heutigen Neokonservativen auf beiden Seiten des Atlantiks ist das politische Universum ein Schlachtfeld, auf dem Feinde zum Kampf gegeneinander verdammt sind, wobei der Sieger alle Macht und alles Geld auf Kosten der Verlierer erbeutet, egal, was die Schlacht an Zerstörungen oder Menschenleben kostet. Das sogenannte „Global Britain“, im Sinne der Henry Jackson Society: finanzielle Globalisierung, Malthusianismus und Geopolitik, mit immer denselben Ideologien und kriminellen Methoden, auch wenn es heute „fünf Augen“ hat, anstatt nur eines mit einem Monokel. Eine solche Welt, die nicht in der Lage ist, mehr menschliches Potential zu erzeugen, führt unausweichlich zum Krieg, um mehr von den begrenzten Ressourcen zu erobern.

Die letzte Form, die dies annimmt, ist das bürokratische Virus. Es ist das typische Virus der Europäischen Union, das Virus der Lakaien, das Virus einer freiwilligen Knechtschaft. Es ist eine Ordnung, die sich auf eine fertige Welt stützt, wie die Welt der anderen drei Viren ist es immer einer äußeren Macht unterworfen und von Natur aus gegen die Entstehung und Entwicklung jeder kreativen Idee. Furchtsam und durch seine Furcht Diener der anderen drei Viren. Jedes Verwaltungssystem wird, wenn es nicht von einem starken politischen Willen geleitet wird, süchtig nach dieser bösen Tendenz, sich zu unterwerfen. Das liegt in der Natur der Europäischen Union, die, wie De Gaulle einmal sagte, einem externen Leiter unterworfen ist, nämlich der Herrschaft des Britischen Empire in seiner anglo-amerikanischen Form, mit dem Euro als Juniorpartner eines internationalen Dollars – nicht Dollar als Währung der amerikanischen Nation, sondern als die der Weltmärkte, der Männer, die die Welt berauben, wie Nicholas Shaxson es treffend beschrieben hat.

Gegen dieses zerstörerische Universum hat der berühmte Professor Didier Raoult, bekannt für Hydroxychloroquin, etwas sehr Interessantes zu sagen. In einem Interview mit Le Monde Ende März war es das folgende:
„Ich denke, es ist an der Zeit, daß die Ärzte zusammen mit den Philosophen und den Menschen, die eine menschliche und religiöse Inspiration teilen, auf die Ebene der moralischen Reflexion zurückkehren, auch wenn einige es lieber als Ethik bezeichnen, und daß wir uns der Mathematiker entledigen müssen, die in diesem Bereich nur Meteorologen sind.“

Dies gilt sowohl für Entscheidungen über Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit als auch für die Definition der internationalen Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Statistik und Mathematik definieren einen nützlichen Bereich geschaffener Gebilde, sie können aber niemals etwas Neues hervorbringen, indem sie die Spielregeln brechen, was für den Menschen entweder neue physikalische Prinzipien, Entdeckungen von Prinzipien oder Formen der sozialen Solidarität bedeutet. Mathematik und Verwaltungsvorschriften als Mittel zu verwenden, um in Zeiten wie der unsrigen die lebenswichtigen Entscheidungen zu treffen, ist daher ein Verbrechen gegen die Kreativität. Die Europäische Union und die Organisationsform unserer Staaten als Einheiten, die weder der menschlichen Solidarität noch den schöpferischen Kräften gehorchen, machen uns zu Opfern der Viren, die ich beschrieben habe – tödlichen Viren.

 

Eine Renaissance Europas

Deshalb spreche ich heute zu Ihnen – um zu einer Renaissance Europas in einem wahren Konzert der Nationen aufzurufen. Denken Sie einen Moment darüber nach: Lassen Sie uns jetzt Cervantes und Goya in Erinnerung rufen, Erasmus und Comenius, Rembrandt und Leonardo, Rabelais und Dante, Schiller und Leibniz und so viele andere, allen voran Beethoven in seinem Jahr. Wir brauchen sie, um ein wahres Europa zu inspirieren, das bis nach China und Amerika blickt, um eine Brücke zu sein und keine Sackgasse zum Friedhof. Wir brauchen eine neue, junge, engagiertere und menschlichere Führung, die wiederum unser Wissen braucht. Laßt uns über uns nachdenken und gemeinsam handeln, um Burkina Faso, Niger, Nigeria, Somalia, Kenia, Tschad, Simbabwe vor dem kommenden Hunger, dem Tod und den Heuschrecken zu retten, laßt uns wieder Patrioten und Weltbürger sein, mit einer erneuerten Leidenschaft für unsere Nationen, um das Bessere von ihnen zum Vorteil der anderen zu nutzen, für ein Win-Win-Projekt der Zivilisation, eine Weltlandbrücke vom Atlantik zum Chinesischen Meer im Osten und nach Amerika im Westen.

Von meinem Balkon aus sehe und höre ich Menschen, die einander die Hände reichen und Beifall klatschen, um ihre Solidarität mit denjenigen zum Ausdruck zu bringen, die für uns sorgen. Die Fürsorge für unsere Nationen sind Lyndon LaRouches Vier Gesetze. Viele von uns werden mehr zu diesen Gesetzen sagen, um gegen alle Mißbräuche die menschliche Kreativität zu fördern und zu nähren. Nicht als einen Kodex oder eine Formel, die man nachspricht, sondern als eine Macht, die uns aus dem Bereich des menschlichen Denkens, aus der Noosphäre herausfordert.

Wir sind es unseren Menschen in den Krankenhäusern, unseren Landwirten, unseren Industriearbeitern, unseren alten und oft verlassenen Mitmenschen, dem Potential der Behinderten und der arbeitenden Armen, unseren Nachbarn auf allen Kontinenten schuldig, aus diesen Vier Gesetzen die Hauptwege zu unserer Zukunft zu machen und ein Europa zu gestalten, für das wir uns nicht mehr schämen müssen. Lassen Sie uns gemeinsam die Impfstoffe gegen unsere vier Viren finden, um Großes zu erreichen, lassen Sie uns schnell die Blockade lösen und frei sein.

 

Michele Geraci, Ökonom, ehem. Staatssekretär Wirtschafts- und Entwicklungsministerium, Italien
„Eine Menschheit: Eine Sicht aus Italien“

Hier die Rede lesen

Ich danke Ihnen vielmals. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Ich werde in den nächsten 15 Minuten mehr oder weniger kurz über einige der heißen Themen nachdenken. Ich möchte aus einigen meiner Erfahrungen schöpfen, die ich, wie Sie gerade erwähnt haben, bis vor kurzem als Mitglied des italienischen Kabinetts gemacht habe, und auch in meiner Eigenschaft als einer der Hauptenthusiasten für den Beitritt Italiens zur Belt-&-Road-Initiative mit China, nach meinen zehn Jahren in China.

Was ich in meinem Jahr in der italienischen Regierung erlebt habe, ist, daß wir es mit einer ernsten Krise zu tun hatten. Es gibt ein großes Dilemma, das den Fortschritt in unserer Gesellschaft aufhält, nämlich das Dilemma zwischen den kompetenten und den repräsentativen Nestern unter den Kabinettsmitgliedern. Bis heute ist die Annahme, daß Politiker, die offensichtlich eine Zustimmung des Volkes erhielten, ihre Rolle als Politiker einnehmen und auf der Grundlage der Analyse, dem Input der Menschen, die in den Ministerien arbeiten, den Direktoren und so weiter, ihre Entscheidungen treffen. Dieses Modell setzt nicht voraus, daß ein Politiker über besondere Kenntnisse in einem bestimmten Fach verfügt.

In der Vergangenheit hatten wir mehr Stabilität in der Regierung, sodaß ein Politiker tatsächlich einige Jahre in den Ministerien tätig war, wo er sich nach und nach ein gewisses Fachwissen auf seinem Gebiet aneignen konnte. In den letzten fünf Jahren haben wir jedoch erlebt, daß die Regierung jedes Jahr oder alle anderthalb Jahre gewechselt hat. Nehmen Sie mein Beispiel – 15 Monate in der Regierung. Nun, dieser Zeitraum reicht offensichtlich nicht aus, um es einem Politiker zu erlauben, sich einigermaßen Kompetenz und Fähigkeiten anzueignen, wegen der häufigen Wechsel. Sie müssen sich also auf die Direktoren, die Angestellten, die Beamten verlassen.

Diese stehen jedoch vor einem anderen, vor dem entgegengesetzten Problem: Sie sind seit vielen Jahren da – zehn Jahre, 15 Jahre, keine Anreize mehr, keine Beförderung, kein Bonus, keine Belohnung. Sie können nicht viel weiter aufsteigen, sie können nicht absteigen, sie können nicht entlassen werden. Sie haben also sehr wenig Anreiz für Effizienz und Produktivität. Aber auch das hat in der Vergangenheit gut funktioniert, denn die Veränderungen der externen Variablen waren nicht so häufig und so intensiv wie heute.

Wenn ich mir also anschaue, wie die Regierung vor 10, 15, 20 Jahren arbeitete: Ein Politiker blieb lange dort, der Beamte wußte auch ohne allzu viel Anreiz zumindest genug, er gab es an die Politiker weiter, diese hatten Zeit, es zu lernen, und das System funktionierte ziemlich gut.

Aber die Geschwindigkeit, mit der sich heutzutage die externen Variablen verändern, erlaubt es den Menschen nicht, innerhalb des Zeitrahmens ihrer Routine schnell genug zu lernen. Und dies führt zu einem sehr ernsten Mangel an Kompetenz sowohl bei den Politikern als auch bei den Beamten. Und natürlich haben die Politiker in ihrem politischen Entscheidungsprozeß nichts, an das sie sich halten können, sie haben keine Daten, keine Analysen, auf deren Grundlage sie Entscheidungen treffen können, und deshalb sind wir in eine Welt eingetreten, die ich als eine Welt der Randomisierung im politischen Entscheidungsprozeß bezeichnen würde.

Die Frage, die wir uns gestellt haben, lautet also: Sollten die Politiker Experten sein? Und wie ziehen wir die Grenze dazu, daß sie das Volk vertreten sollten – egal welchen Hintergrund sie haben, sie mögen gut oder gar nicht gebildet sein, aber solange sie gewählt werden, sollten sie Minister sein? Wie kommen wir zu einer Lösung für dieses Dilemma, angesichts der Tatsache, daß wir Experten brauchen, wir sie aber in der notwendigen Politiker- oder Beamtenschicht nicht haben – und ich spreche hier ganz allgemein. Natürlich gibt es auf beiden Ebenen auch sehr gute Leute, aber im allgemeinen ist dies das Problem, das wir erleben.

Nun, wenn man nicht genug weiß, stützt man seine Entscheidung auf Gefühle, auf alte Geschichten, die einem erzählt wurden und über die man gelesen hat, als man noch Zeit hatte, es zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Und so neigt man dazu, nicht nur Entscheidungen, sondern auch Aussagen zu machen, die nichts mit der Realität zu tun haben.

 

Das Verhältnis zu China

Und nun komme ich auf das Beispiel einer wachsenden Stimmung gegen China, die wir sogar in der italienischen öffentlichen Debatte in Europa und in der öffentlichen Debatte im Westen sehen. Dafür gibt es viele Gründe, auf die ich nicht näher eingehen möchte, weil sie gut bekannt sind.

Der eine Grund, auf den ich Sie nur aufmerksam machen möchte, ist dieses Mißverhältnis zwischen Wissen und Zeit zum Lernen, das es den Menschen nicht erlaubt, genug zu erfahren. Und das war in gewisser Weise auch eines der Hauptziele, warum ich so sehr darauf gedrängt habe, daß Italien dem MOU [der Absichtserklärung] über Belt & Road beitritt. Denn ungeachtet des wirtschaftlichen Nutzens durch die Beteiligung an diesem Infrastrukturprojekt ist es uns zumindest gelungen, daß die italienische Öffentlichkeit über China in einem Ausmaß diskutiert, wie sie es noch nie zuvor getan hatte. In den letzten zwölf Monaten haben die Medien und die Politiker China wieder in den Mittelpunkt ihrer Diskussionen gerückt.

Nun, 90% von dem, was ich dabei höre, ist völlig falsch, aber man muß einen Schritt nach dem anderen tun. Zumindest diskutieren wir über China, wir diskutieren über Gürtel und Straße, wir diskutieren über die Auswirkungen dieser globalen Veränderungen, über künstliche Intelligenz, über technologische Entwicklung, über den Klimawandel. Glauben Sie mir, die Menschen waren auch früher darüber empört, sogar auf Regierungsebene, aber man ist damit nicht seiner wahren Natur gemäß umgegangen.

Diese Stimmung gegen China, die ich sehe, beunruhigt mich also einerseits, weil ich sehe, wie sie zunimmt, und jeder schreibt darüber, was andere vorher gesagt haben, ohne viel darüber nachzudenken. Auf der anderen Seite bin ich optimistisch, denn weil es auf mangelndem Wissen beruht, hoffe ich, daß mit zunehmendem Wissen, wenn die Menschen Zeit haben, zu lernen, zu studieren und vielleicht an Veranstaltungen wie der heutigen teilzunehmen, sie veranlaßt werden, ihre Kritik zurückzunehmen und sich wenigstens eine Meinung zu bilden, die auf Fakten und Analysen beruht. Und genau das versuchten wir auf westlicher, italienischer und EU-Ebene an den Diskussionstisch zu bringen: Analyse, Fakten, Daten, nicht nur Konzepte, die auf alten Geschichten basieren, die natürlich falsch sind.

Nun möchte ich das Beispiel des Virus bringen:  Man hört vom „schwarzen Schwan“. Ich vergleiche das eher mit dem „grauen Elefanten im Wohnzimmer“, wie die Engländer sagen: ein riesiges Tier, unübersehbar, dennoch die Menschen ignorieren es. Entweder tun sie so, als ob sie es nicht sähen, oder sie sind unfähig, es zu erkennen, aber es ist ein Ereignis, das da war. Und genau das ist in Italien wirklich passiert. Als wir gegen Ende Januar zum ersten Mal von der Situation in Wuhan erfuhren, hatten wir in Italien noch jede Menge Zeit, um zu planen – die Ausgangsbeschränkungen, die wirtschaftlichen Maßnahmen, die finanziellen Maßnahmen, und wie wir über all das mit der Europäischen Union, der EZB, der Europäischen Kommission diskutieren könnten. Aber heute, Ende April, drei Monate später, diskutieren wir immer noch darüber, was zu tun ist, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, ob wir die App für die Ermittlung von Kontaktpersonen verwenden sollen oder nicht – drei Monate später! Und während das Ganze im November und Dezember vielleicht für China ein „schwarzer Schwan“ war, weil man dort mit so etwas vielleicht nicht gerechnet hat, war es für uns in Europa ein „grauer Elefant“. Wir hatten sogar das Glück, in die Zukunft sehen zu können, wir mußten uns nur anschauen, was in China oder in Korea geschieht!

Aber das taten wir nicht. Der große graue Elefant sitzt da, doch die Menschen wenden ihren Kopf ab und wollen ihn nicht sehen. Und warum? Wegen dieser tief verwurzelten Vorstellung, die ich bei vielen meiner Kollegen erlebe, die auf die Idee hinausläuft: „Was immer China tut, ist falsch. Es gibt absolut nichts, was wir von China lernen könnten. Wenn wir Vergleiche anstellen, sollten wir China erst gar nicht einbeziehen – geschweige denn solche Fragen stellen.“

Und dies ist wirklich eines der schwerwiegendsten Probleme, mit denen wir in unserer Gesellschaft konfrontiert sind. Denn das vermischt sich mit dem psychologischen Problem, einzugestehen, daß das Problem, das wir hier in unseren Ländern haben, hauptsächlich auf unsere eigenen Fehler zurückzuführen ist. Stattdessen müssen wir wie beim Geschichtenerzählen externe Ursachen finden, wir müssen ein Monster erschaffen, das nicht wir sind, sondern jemand anderes, damit wir es bekämpfen können, wir können ihm die Schuld zuweisen, wir können es bekämpfen, und dann können wir der Held sein, der das Problem löst.

Natürlich ist so etwas nur Einbildung, und es löst die Situation nicht. Es mag eine gewisse Unterstützung in der Bevölkerung schaffen, denn die Menschen werden der Geschichte glauben. Eine große Mehrheit der Menschen wäre geneigt, der Geschichte vom Monster und vom Helden Glauben zu schenken, und das verstärkt den Konsens der Politiker, es verstärkt das Mißverständnis in der Bevölkerung und nimmt unseren Ländern den letzten Rest der Möglichkeit, tatsächlich auf die wahre Ursache des Problems zu reagieren. Es ist also fast so, als würden wir in einem Roman leben, in dem die Illusionen platzen.

 

Kein Wettstreit der Modelle

Das ist es, was wir in diesen wenigen Monaten gesehen haben. Wenn ich noch einmal unsere westlichen Werte mit den chinesischen Werten vergleiche, dann ist das, was es uns wirklich – vielleicht manchmal objektiv – schwer macht, es zu akzeptieren, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der bekanntlich das Individuum an erster Stelle steht, wo der Traum ein individueller Traum ist. Der „amerikanische Traum“ ist ein individueller Traum, es ist der Traum eines Menschen. In China ist es ein kollektiver Traum, es ist der Traum der Gesellschaft für das Land als Ganzes. Und ja, es gibt natürlich ein Element des Individuums, und die Menschen machen sich das natürlich zunutze, aber der allgemeine Trend, der große Unterschied, den ich festgestellt habe, ist der zwischen dem kollektiven und dem individuellen Traum.

Es fällt uns also nicht nur schwer, zu akzeptieren, etwas von diesem Modell zu lernen, das sich von unserem so sehr unterscheidet, wir fürchten, daß dieses Modell uns, etwa in Europa, erobern könnte. Aber tatsächlich findet man kaum Anzeichen dafür, daß China sein soziales, wirtschaftliches und politisches Modell wirklich nach Europa exportieren will. Denn natürlich wissen sie, daß das niemals funktionieren würde.

Aber es bringt uns in eine Krise, denn wir fragen uns jetzt, ob der Freihandel funktioniert oder nicht. Funktioniert das Gelddrucken oder funktioniert es nicht? Funktioniert die Europäische Union oder funktioniert sie nicht? Bisher habe ich zum Beispiel gesehen, daß die Europäische Union gut darin ist, Probleme zu lösen, die überhaupt erst durch die Existenz der Europäischen Union entstanden sind. Es handelt sich also um eine Meta-Lösung für ein Problem. Es gibt keinen offensichtlichen marginalen Nutzen, vielleicht sogar einschließlich des Vorgehens von Mario Draghi während der Euro-Krise. Ja, er hat die Krise gestoppt, aber es gab die Krise nur, weil wir eine gemeinsame Währung hatten. Andere Länder mit eigenen Währungen brauchten keine Lösung der Europäischen Union, sie haben sie mit ihren eigenen Mitteln gelöst, und fast alle haben es relativ gut gemacht.

Was uns also wirklich in Europa am meisten „auf die Nerven geht“, wenn ich so sagen darf, ist dieser weltanschauliche Konflikt um das „Modell“ – „Demokratie“ oder nicht, Kollektiv contra Individuum. Daß wir vielleicht anfangen zu begreifen, daß es dem durchschnittlichen Chinesen ziemlich egal ist, was für ein Gesellschaftsmodell wir ihm verkaufen wollen. Ich habe gesehen – natürlich mit ein paar Ausnahmen -, daß die Chinesen im allgemeinen glücklich sind. Sie legen Wert auf andere Werte. Sie legen Wert auf andere Dinge, nicht auf die Dinge, die wir tun.

Und das war und ist wirklich mein persönliches Bestreben, als ich in der Regierung war und jetzt, da ich wieder in der akademischen Welt bin: zu versuchen, unseren Leuten zu sagen, daß nicht jeder unsere Werte vollständig teilt. Bestimmte Werte mögen universell sein, ja, aber sie dringen in unterschiedlichem Maße durch verschiedene Schichten bis zum einzelnen durch.

Ich schließe mit einer Wiederholung dessen, was Helga vorhin gesagt hat:  Wir brauchen wahrscheinlich eine Renaissance. Wir müssen 400, 500, 600 Jahre zurückblicken, und von da aus kann unsere europäische Gesellschaft wirklich wieder auferstehen. Das ist etwas, wofür ich mich seit einigen Jahren einsetze, und ich freue mich sehr, es heute wieder zu hören. Das ist eine kulturelle Herausforderung, aber es ist auch ein Kulturgut, das wir haben und das wir nutzen müssen. Und es ist auch eine der möglichen Antworten auf die Herausforderungen der künstlichen Intelligenz, die viele Arbeitsplätze in vielen Bereichen vernichten könnte; aber vielleicht fällt es ihr schwer, diese soft skills, die Künste und die Kreativität zu übernehmen.

Gürtel und Straße können hoffentlich dazu beitragen, zwei Welten einander näher zu bringen und das gegenseitige Wissen und Verständnis zu mehren. Und wenn das Wissen zunimmt, nimmt das subjektiv wahrgenommene Risiko ab; und dann sind die Menschen, ähnlich wie bei der Geldanlage, eher bereit, Schritte zu unternehmen, sich einander anzunähern und vielleicht mehr Geschäfte miteinander zu machen, mehr Austausch zu betreiben, und sie würden mehr auf die Chancen anstatt auf die Gefahren schauen.

Damit möchte ich es belassen und stehe bereit für Fragen und Antworten. Ich danke Ihnen vielmals.

 

Daniel Burke, unabhängiger Kandidat für den Senator-Sitz in New Jersey, USA, 2020
„Die Welt braucht eine agapische, wissenschaftliche Hypothese darüber, was die Menschheit ist“

Hier die Rede lesen

Hallo, mein Name ist Daniel Burke. Ich bin ein unabhängiger LaRouche-Kandidat für den US-Senat in New Jersey. Ich bin 33 Jahre alt, meine Frau und ich haben eine zweijährige Tochter, und ich bin seit acht Jahren Mitglied der LaRouche-Bewegung.

Meine Botschaft richtet sich an die Studenten und Jugendlichen, die an dieser Konferenz teilnehmen. Vor vier Wochen nahm Frau Helga Zepp-LaRouche an einer Videokonferenz mit 70 Personen aus zwölf verschiedenen Ländern teil, etwa die Hälfte von ihnen waren Studenten und Jugendliche. Sie appellierte an sie, eine internationale Jugendbewegung aufzubauen. Seitdem haben wir eine Reihe von Kursen, Lesungen und Videokonferenzen mit jungen Menschen in verschiedenen Sprachen abgehalten und sie in diese Veranstaltung einbezogen. Helfen Sie uns also beim Aufbau dieser Jugendbewegung, um die Zehntausende und Hunderttausende von Studenten und Jugendlichen zu inspirieren, die wir brauchen, um die Regierungen der Welt dazu zu bringen, unseren Ansatz zu übernehmen.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und versetzen Sie Ihr geistiges Auge ins Cockpit der NASA-Sonde Voyager I, die 2012 das Sonnensystem verlassen hat. Lassen Sie Ihre Phantasie den hellsten Himmel der Erfindung erklimmen, wie Shakespeare es ausdrückte. Denken Sie von dort aus.

Was ist die menschliche Gattung, von der wir sagen, daß jedes Individuum unveräußerliche Rechte hat? Unveräußerliche Rechte worauf? Was ist dieses Ding, unser Geist, der, wie jedermann zustimmt, von der Schule und der Gesellschaft mißbraucht und herabgewürdigt wird?

Die LaRouche-Bewegung ist nicht nur dazu da, Menschen von populären Annahmen zu befreien. Die Nationen brauchen ein neues Organisationsprinzip, eine neue wissenschaftliche Hypothese darüber, was die Menschheit ist und sein wird. Und sie muß agapisch sein – liebevoll, im göttlichen Sinne.

Ist es wahr, daß wir unbedeutende Staubkörnchen in einem kalten, amoralischen Universum sind? Ein Krebsgeschwür an Mutter Natur, das alle Strafe verdient, die wir erhalten? Wenn Sie diese Vorstellung ablehnen, was Sie tun sollten – was sind wir dann in Wirklichkeit? Die Kraft, die das Wesen des Menschen ausmacht, aller menschlichen Individuen, ist die bewußte Kreativität: eine in keiner Tierart vorhandene Fähigkeit, unsere Macht in und über unser Universum zu vergrößern, indem wir seine Gesetze aufdecken – Gesetze, die für die bloßen Sinne nicht wahrnehmbar sind.

Aber nun denkt man, wie schwierig es ist, seine persönlichen Entscheidungen – wie zum Beispiel, welche Kleidung man morgens anziehen soll – nach so tiefgründigen Grundsätzen zu treffen. Es ist nicht leicht, die Träume ernst zu nehmen, die alle Menschen irgendwann in ihrer Jugend teilen, nämlich Armut, Krieg, Hungersnot und Krankheit zu beenden. Es scheint, als hätten alle diese Träume aufgegeben. Wer bin ich, zu sagen, daß ich es besser weiß? Und das alles klingt nach viel Arbeit, und Sie können sicher sein, daß es dafür wenig persönliche Belohnungen, sondern eher große Schwierigkeiten geben wird.

Trotzdem, überlegen Sie, was gesünder für Ihre Seele ist. Sollten Sie lieber auf die herablassende Stimme des Zynismus hören, die Ihnen befiehlt: „Ein einzelner kann nie etwas ändern. Tröste dein angeschlagenes Ego mit dem Smartphone. Der Algorithmus macht dich frei! Sorge dich nicht um Dinge jenseits des Tellerrands.“

Oder sollten Sie diejenigen akzeptieren, die sagen: „Ich habe die Lösung“, aber es stellt sich heraus, daß es eine Endlösung ist? Sie sagen: „Ich kann alle Probleme der Menschheit lösen! Laßt einfach die Menschheit aussterben!“

Nein! Ich bitte Sie, sich der LaRouche-Bewegung anzuschließen. Packt den Teufel an seinen Hörnern, greift die korrupten und dummen Axiome an, die es den Faschisten der City und der Wall Street ermöglichten, die Kontrolle zu erlangen. Beweisen Sie sich die wahre Natur der Menschheit.

Als Patrioten in jedem Land, die zum Wohle aller Länder handeln, bitten wir Sie, sich uns anzuschließen, um sicherzustellen, daß es eine wachsende Kraft gibt, mit Studenten, Arbeitern, Wissenschaftlern, Lehrern, Bauern, Ärzten, Krankenschwestern, Dichtern, Künstlern, die alle ein neues Paradigma fordern, und die notwendigen Maßnahmen, um es zu verwirklichen, angefangen mit LaRouches Vier Wirtschaftsgesetzen.

Dann werden wir in 50 Jahren, wenn ich 83 Jahre und meine Tochter 52 Jahre alt sein werden, das größte Wachstum in der menschlichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft erlebt haben, das es in der Geschichte je gegeben hat. Und wir können darüber nachdenken, daß unsere eigenen Beiträge dazu vielleicht unverzichtbar waren.

In zwei Wochen, am 9. Mai, werden wir die zweite internationale Jugendvideokonferenz abhalten. Helfen Sie uns, sie zu organisieren. Arbeiten Sie mit uns zusammen, um eine möglichst große Zahl von Menschen zu einem sinnvollen aktiven Handeln für dieses neue Paradigma zu mobilisieren. Sie können sich für die Jugendvideokonferenz über den Link auf dem Bildschirm anmelden.

Ich möchte mit einem Zitat von Helen Keller schließen: „Ich lasse mich niemals durch den Mangel am Guten entmutigen. Ich lasse mir niemals Hoffnungslosigkeit einreden. Zweifel und Mißtrauen sind nicht mehr als Panik einer ängstlichen Phantasie, die das unerschütterliche Herz erobert und der große Geist überwindet.“

 

Diskussion mit Zepp-LaRouche, Cheminade, und Geraci

Helga Zepp-LaRouche
“Vorstellung der LaRouche Legacy Foundation

Hier die Rede lesen

Lassen Sie mich nur ganz kurz sagen: Wir haben die Stiftung „LaRouche Legacy Foundation“ zu dem Zweck gegründet, das Werk meines Mannes zu erhalten und der ganzen Welt zugänglich zu machen. Wir wollen seine Gesammelten Werke veröffentlichen, und das ist eine Mammutaufgabe! Jeder, der Lyn gekannt hat, weiß, er hat an einem guten Tag 80 bis 100 Seiten geschrieben, druckreif! Mit allen Fußnoten, mit allem, was normalerweise die Redaktion macht, und ich habe es noch nicht gezählt, aber wenn diese Reihe der Gesammelten Werke auf 50, 60, ja sogar 100 Bücher heranwächst, wäre ich nicht überrascht.

Dann haben wir alle Videos. Wir haben die Briefe, die Memoranden, die internen Mitteilungen an wichtige Personen auf der ganzen Welt, in Regierungen und so weiter. Es handelt sich also um eine gigantische Arbeit, die meiner Meinung nach im Hinblick auf die historische Bedeutung von Lyndon LaRouche absolut entscheidend ist. Ich will es nicht als Tragödie bezeichnen, aber ich will es einen unglaublichen Zufall nennen, daß sich jetzt, ungefähr ein Jahr nach seinem Tod am 12. Februar letzten Jahres, all das erfüllt, was er viele, viele Male in Reden und Konferenzansprachen gesagt hat. Und wenn Sie sich nun den Zusammenbruch des ganzen Systems anschauen: Er hat das viele Male gesagt, in vielerlei Formen und mit vielen Prädikaten. Und ich weiß, daß viele Leute sagten: „Ja, das ist LaRouche, er übertreibt immer, dazu wird es nie kommen.“ Aber jetzt sind wir hier! Wenn Sie lesen, was Lyn in den 70er, 80er, 90er und 2000er Jahren gesagt hat, werden Sie überrascht sein.

Dieser erste Band enthält nur einige seiner wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Werke – So, You Wish To Know All About Economics?, The Science of Christian Economy, Earth’s Next Fifty Years und einige andere Schriften. Ich möchte Sie wirklich dringend bitten, sich ein Exemplar dieses Buches zu besorgen und sich eine Freude damit zu machen, jeden neuen Band zu erwerben, sobald er herauskommt, was die Legacy Foundation mindestens zweimal im Jahr tun möchte, vielleicht sogar schneller. Ich möchte, daß Sie dazu beitragen, damit wir diese Arbeit beschleunigen können. Machen Sie es sich zu Ihrer eigenen Herzensangelegenheit, Lyndon LaRouches Vermächtnis zu bewahren.

Ich habe letztes Jahr ein Video gedreht, um Ihnen einige der Überlegungen zu vermitteln, warum ich dies für wichtig halte. Vielleicht können wir jetzt das Video sehen, und dann werde ich einige abschließende Bemerkungen machen.

 

Reflexionen über Nikolaus von Kues und Lyndon LaRouche

(Helga Zepp-LaRouche im Video:)

Hallo Ihnen allen. Viele von Ihnen haben an der herausragenden Gedenkveranstaltung für meinen Mann, Lyndon LaRouche, teilgenommen oder sich inzwischen das Video angesehen, und dann haben Sie einen Vorgeschmack davon bekommen, was für einen schönen Geist mein Mann wirklich hatte und wie wichtig die Ideen für die heutige Welt sind. Ich würde ihn sogar auf eine Ebene mit den größten Denkern stellen, die es vielleicht einmal in jedem Jahrhundert gibt und die durch ihren intellektuellen Beitrag das gesamte Wissen ihrer Zeit verändern und den Grundstein für künftige Generationen legen. Ich stelle ihn also auf eine Ebene mit Platon, Nikolaus von Kues, Kepler, Leibniz, Einstein, weil er zu allen Werken dieser großen Denker etwas Einzigartiges beigetragen hat: die LaRouche-Denkmethode. Und ich bin absolut davon überzeugt, daß es, wenn wir jetzt seine Gesammelten Werke veröffentlichen würden – was eine gigantische Aufgabe ist, weil er einer der produktivsten Schriftsteller seiner Zeit war -, die gleiche Wirkung hätte wie die Einführung Platons in die italienische Renaissance.

Lassen Sie mich Ihnen nun erklären, was ich damit meine.

Die italienische Renaissance wurde durch viele Faktoren vorbereitet, durch das Werk von Dante, Petrarca, vielen Bildhauern und großen Malern, aber was wirklich den Funken auslöste, der die Renaissance zu dem machte, was sie tatsächlich wurde, war die Einführung Platons und des Denkens von Nikolaus von Kues.

Nikolaus von Kues gehörte zu einem Kreis humanistischer Denker, die überzeugt waren, daß man auf die Originaldokumente aller Zeiten, aller Ereignisse, auf die Handschriften zurückgreifen mußte. In dieser Eigenschaft wurde er vom Papst ausgesandt, um herauszufinden, ob die Frage des Filioque in den frühen Dokumenten der ersten Konzile der Kirche auftaucht. Beim Filioque ging es um die Frage, die die orthodoxe und die katholische Kirche gespalten hatte: Das war die Frage, ob der Logos nur vom Vater ausgeht, was der Glaube der orthodoxen Kirche war, oder ob er auch vom Sohn – filioque – ausgeht. Nun fuhr Nikolaus nach Byzanz, und er fand alle Handschriften der frühen Konzile der Kirche, in denen das Filioque tatsächlich enthalten war.

Das war ein vollständiger Durchbruch, denn damit konnte er die Väter der orthodoxen Kirche überzeugen, zu den Konzilen von Ferrara und Florenz zu kommen. So reiste er 1437-38 mit einer ganzen Delegation von etwa 700 Personen, dem Kaiser von Byzanz, dem Patriarchen und vielen Gelehrten, aus Griechenland zu diesen Konzilen.

Schon unterwegs sprach er mit Leuten wie Georgius Gemistos Plethon, dem 83jährigen Berater des [byzantinischen] Kaisers und wichtigsten Platon-Gelehrten in Griechenland. Er wollte ernsthaft Platon wieder bekannt machen, eine Renaissance in Griechenland erschaffen und Aristoteles widerlegen. Er war der Meinung, daß Aristoteles die Ideen Platons völlig falsch dargestellt hatte oder nicht fähig war, sie zu verstehen. Er sagte, Aristoteles sei mit dem Christentum völlig unvereinbar.

So bedeutete der Dialog zwischen Nikolaus und allen diesen Gelehrten, daß Nikolaus bereits auf dieser Reise einen Durchbruch erreichte. Es gelang ihm, eine neue Denkmethode zu entwickeln, worüber er sich sehr bewußt war, er sagte: „Ich sage jetzt etwas, was noch kein Mensch je zuvor gedacht hat.“ Und das war das Prinzip der coincidentia oppositorum, das ist die Idee, daß das Eine einen höheren Wert und eine höhere Ordnung hat als das Viele, und daß der menschliche Geist immer Widersprüche überwinden kann, indem er auf einer höheren Ebene eine Vernunftebene entwickelt, die einen Weg zur Lösung von Problemen bietet, die auf der niedrigeren Ebene nicht gelöst wurden.

Diese Idee war in der Tat der völlige Durchbruch im Denken. Denn Aristoteles hatte gesagt: Es kann nicht sein, daß etwas wahr ist und daß das Gegenteil davon ebenfalls wahr ist. Alle diese Denker einschließlich Nikolaus sagten dagegen, dies sei eine niedrigere Ebene des Denkens, weil man auf der Ebene der Widersprüche bleibt, während Nikolaus in der Apologia Docta Ignorantia – seiner Replik auf einen Heidelberger Gelehrten, Johannes Wenck – sagte, Aristoteles sei wirklich eine sehr niedrige Ebene des Denkens, wie die Ratio eines Tieres, aber nicht besser, während die Methode, die von Platon entwickelt wurde und die ich jetzt weiterentwickle, wie das kreative Denken ist, das sich seiner selbst bewußt ist. Es ist, als stünde man auf einem hohen Turm, und von diesem Standpunkt aus kann man den Suchenden, das Gesuchte wie auch den Prozeß des Suchens sehen, was einen ganz anderen Zugang eröffnet.

Nun traf diese Delegation in Ferrara ein, und es gab viele Vorträge u.a. von Cesarini, dem Cusa seine De Docta Ignorantia gewidmet hatte, und alle diese Gelehrten hörten dann Plethon und Bessarion, der Erzbischof von Nizäa war, und sie wurden zum ersten Mal mit dem gesamten Werk Platons bekannt gemacht, das im übrigen Europa mit Ausnahme Griechenlands nach dem Fall des antiken Griechenlands, nach dem Peloponnesischen Krieg völlig verloren gegangen war. Es gab einige wenige Exemplare in einigen Klöstern, aber niemand konnte Griechisch lesen, und als Petrarca versuchte, Griechisch zu lernen, fand er niemanden, der ihn unterrichten konnte, so daß er nie Zugang dazu hatte. Aber er wußte, daß dieser Mann, Platon, äußerst wichtig sein mußte, weil Augustinus sich in seinen Schriften auf Platons Werke bezog.

Diese Vorträge lösten eine unglaubliche intellektuelle Gärung aus, und glücklicherweise befand sich unter den Zuhörern jemand aus einer sehr wohlhabenden Familie, nämlich Cosimo de’ Medici, und der finanzierte ein Eilprogramm für die Übersetzung der Werke Platons.

Die Kombination der Schriften von Cusa und das Erscheinen der gesamten Werke Platons legte den Grundstein für den Paradigmenwechsel, der das Mittelalter von der Neuzeit trennte. Das Mittelalter war geprägt von Scholastik, Aristotelismus, Hexenglaube und Aberglauben, aber dann tauchten die neuen Ideen auf, das neue Paradigma, ein neues Menschenbild und die völlig neue Vorstellung, daß es die Möglichkeit einer unendlichen Vervollkommnung jedes menschlichen Wesens gab, daß wir mit Wissenschaft und Technik die Gesetze des Universums studieren konnten und daß dies die Grundlage für die Verbesserung des Lebensstandards, eine Zunahme der Bevölkerung sein würde. Es war also eine vollständige Revolution, und sie legte den Grundstein für alles Gute, das in den nächsten 600 Jahren aus der europäischen Geschichte hervorging.

Ich bin fest davon überzeugt, daß die Veröffentlichung der Gesammelten Werke von Lyndon LaRouche heute eine ähnliche, vielleicht sogar noch stärkere Wirkung haben würde. Denn wie sieht es heute aus? Wir haben im Westen eine große kulturelle Krise. Es gibt einen Zusammenbruch der moralischen Werte, die Wissenschaften sind vom Utilitarismus und von der Idee des Profits beherrscht. Viele Wissenschaftler sind nur Brotgelehrte, sie arbeiten für ihr Gehalt, aber sie versuchen nicht, die Wahrheit zu finden. Ich denke, das ist an allen Fakultäten der Welt ein bekanntes Phänomen, daß man, wenn man genug Geld bekommt, alles veröffentlicht, was von einem erwartet wird.

Nun, der kulturelle Zusammenbruch des Westens ist für jedermann offensichtlich: die Drogenepidemien, die schreckliche Jugendkultur, die Häßlichkeit in der sogenannten Kunst und viele andere solcher Phänomene. Ich bin also absolut überzeugt, wenn wir jetzt so schnell wie möglich Lyns Gesammelte Werke veröffentlichen, würde dies eine unglaubliche Begeisterung auslösen, weil das Ferment bereits existiert. Denn während sich der Westen in einem finsteren Zeitalter befindet, gilt das nicht für die ganze Welt, denn die Neue Seidenstraße, die von China gefördert wird und ihren Ursprung in China hat – dieser Geist der Neuen Seidenstraße hat sich bereits in etwa 126 Ländern durchgesetzt, die sich der Belt & Road Initiative angeschlossen haben und die die Idee haben, daß es eine völlig neue Zeit geben wird, in der Armut und Unterentwicklung überwunden werden können.

Ich habe erst vor drei Wochen am Asian Dialogue of Civilizations in Beijing teilgenommen, der ein außergewöhnliches Ereignis war. 47 Nationen nahmen daran teil, und sie alle waren sehr stolz auf die alten asiatischen Zivilisationen, die viele tausend Jahre – 5000 und mehr – zurückreichen, und sie waren sich der Tatsache bewußt, daß viele dieser Zivilisationen die Wiege der ganzen Menschheit sind.

Jetzt sind sie überzeugt, daß das Asiatische Jahrhundert kommt oder sogar schon begonnen hat, und daß sich der Westen in einem Zustand des Niedergangs befindet. Ich denke, daß das, was die Asiaten tun, großartig ist, es ist eine große Inspiration – aber ich denke auch, daß wir Europa und die Vereinigten Staaten nicht dem Zusammenbruch überlassen dürfen, sondern daß wir einen Ansatz brauchen, bei dem alle Länder und alle Kontinente gleichzeitig gedeihen. Und ich bin absolut davon überzeugt, daß dies nur möglich ist, indem sich alle Länder dem neuen Paradigma anschließen, und wir dann gemeinsam mit den Afrikanern Afrika entwickeln und die Unterentwicklung in Lateinamerika, in Asien und allen unterentwickelten Teilen der Vereinigten Staaten und Europas überwinden.

Wir brauchen einen Dialog der Kulturen, der die besten Traditionen aller klassischen Kulturen zurückbringt; aber vor allem brauchen wir das fortschrittlichste Denken aller Zeiten, das Denken von Lyndon LaRouche, das eine ähnliche grundlegende Renaissance in den Wissenschaften und Künsten und eine ganz ähnliche Diskussion über das Menschenbild auslösen wird, so wie es in der italienischen Renaissance geschah – diesmal für die Zukunft der gesamten Menschheit.

Wenn Sie das für eine lohnende Idee halten, dann möchte ich Sie bitten: Seien Sie großzügig und helfen Sie uns, damit das funktioniert. Sie können auf vielfältige Weise helfen. Kontaktieren Sie uns, und wir werden eine Aufgabe für Sie finden, damit Sie an diesem spannenden Projekt teilnehmen können. Denken Sie aber auch daran, daß wir dafür Ihre finanzielle Unterstützung brauchen – aber tun Sie das in dem Geist, daß jetzt die Zeit gekommen ist, die neue Epoche der Zivilisation zu gestalten, die hoffentlich das Zeitalter sein wird, in dem die Menschen als wahrhaft menschliche Wesen miteinander in Beziehung treten, daß die Zukunft der Menschheit so sein wird wie die Beziehungen zwischen Wilhelm von Humboldt und Friedrich Schiller oder zwischen Albert Einstein und Max Planck – und daß die Nationen in einem völlig neuen Geist miteinander in Beziehung treten werden, etwas, das Nikolaus von Kues den spiritorum universorum nannte, das ist der Geist der Neuen Seidenstraße, und daß die Werke meines geliebten Mannes der entscheidende Funke sind, der dies möglich macht. (Ende des Videos)

 

Gehet hinaus und mehret euch

Wir wollen Exemplare der Bücher an viele internationale Bibliotheken verschicken, deshalb brauchen wir dafür Unterstützung. Wenn diese Bücher den Studenten für ihre Studien zur Verfügung stünden, bin ich absolut sicher, daß die von meinem Mann entwickelte spezifische Methode sich verbreiten würde – wir werden in den nächsten Stunden und auch morgen mehr darüber hören: die spezifische LaRouche-Methode des Denkens, die das fortschrittlichste Denken ist, das die Menschheit bisher hervorgebracht hat.

Nun mögen Sie sagen: „Sie sagt das, weil sie ihren Mann geliebt hat.“ Das ist es auch, aber es ist mehr als das. Ich bin sicher, daß der Beitrag, den Lyndon LaRouche geleistet hat, von größter Bedeutung für die Lösung der heutigen Weltprobleme ist. Und deshalb möchte ich, daß Sie das Buch kaufen, daß Sie darüber nachdenken, wie Sie helfen können, und daß Sie darüber nachdenken, die Ideen meines Mannes zu verbreiten. Sie werden schockiert sein, wenn Sie sehen, was er gesagt hat, und wie früh er es gesagt hat. Wie Sie bei den beiden Videos von ihm gehört haben, die Dennis am Anfang abgespielt hat, ist vieles von dem, was er gesagt hat, so aktuell, als hätte er es in dieser Minute gesagt. Und diese einzigartige Fähigkeit, vorausschauend zu handeln, eine richtige Prognose zu stellen und dann eine Lösung zu finden, das ist etwas, was viele, viele Menschen auf der ganzen Welt studieren müssen. Das ist es, was ich Ihnen sagen möchte.

 

Band I der Gesammelten Werke von Lyndon LaRouche ist soeben erschienen und kann bei der LaRouche Legacy Foundation erworben werden.

Fortsetzung der Diskussion

Panel 2

“Für  ein besseres Verständnis der Funktionsweise unseres Universums”

Panel Moderator: Jason Ross

LaRouche-Wissenschaftsteam: Megan Beets, Benjamin Deniston, Jason Ross
„Zur Verteidigung der menschlichen Gattung“

Hier die Rede lesen

Jason Ross: Ben, Megan und ich haben unseren Vortrag „Zur Verteidigung der menschlichen Gattung“ genannt.

Der Planet wird derzeit von einem winzigen Stück RNA, das nur 30.000 Basenpaare lang ist, heimgesucht und als Geisel gehalten. Bei all der Ungewißheit und Verwirrung über Tests, soziale Distanzierung, Masken und Behandlungen sind viele Fehler und verpaßte Gelegenheiten erkennbar, seit das neue Coronavirus auf den Menschen übergesprungen ist. Aber was ist mit den verpaßten Gelegenheiten in den Jahren und Jahrzehnten vor seinem Erscheinen?

Einstein_Planck

Nationaal Archief, Den Haag: Max Planck und Albert Einstein bei einem Treffen der Physik-Nobelpreisträger 1931.

 

Vor über 50 Jahren betrat der Mensch den Mond und erweiterte damit für immer den Horizont des Möglichen. Vor 75 Jahren öffnete sich das Atom dem wissenschaftlichen Denken und ermöglichte eine Fülle von Energie, die um viele Größenordnungen größer war als das, was mit Molekülkräften – wie Kohle, Öl und Gas – erzeugt werden konnte.

Vor über 100 Jahren erkannte der Mensch die Existenz einer neuen, erstaunlichen Welt von Quantenphänomenen und begann, Ideen zu entwickeln, um diesen neuen Bereich zu verstehen und zu nutzen (Abbildung 1).

Vor über 400 Jahren schuf Johannes Kepler die moderne Naturwissenschaft durch seinen Glauben an die Kraft menschlicher Ideen, die Ursachen der Natur zu begreifen; er ging über den bloßen Augenschein hinaus und stellte zum ersten Mal Hypothesen darüber auf, was die Planeten in Bewegung setzt.

Wie konnte eine Gattung, die zu so viel fähig ist, von einem Virus erschüttert werden?

Dazu müssen wir nicht die Erfolge von Wissenschaft und Kultur untersuchen, sondern die Unfähigkeit der menschlichen Gattung, falsche und destruktive Denkaxiome auszumerzen, die uns seit Jahrtausenden plagen, auch wenn sie je nach Epoche ein anderes Aussehen hatten.

Die entscheidendsten Konzepte sind die über unser eigenes Selbstverständnis, über die menschliche Gattung, unseren Charakter und unser Potential.

Bedenken wir die folgenden Gegensätze:

  1. a) „Der menschliche Geist ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und steht daher mit der Schöpfung so im Einklang, daß unsere Ideen physische Kraft annehmen, um immer bessere Kenntnisse über die Welt um uns herum zu erreichen.“

„Es gibt keinen menschlichen Verstand. Der freie Wille ist eine Täuschung, denn unser Gehirn ist mit seiner biochemischen Natur bestimmt von den Gesetzen der Physik, die eines Tages in der Lage sein werden, zumindest potentiell unsere Gedanken und Entscheidungen zu erklären. Menschliches Denken läßt sich durch mechanische Systeme nachbilden; echte Künstliche Intelligenz ist möglich.“

  1. b) „Der Mensch ist eine außergewöhnliche Gattung! Im Gegensatz zu allen anderen bekannten Lebewesen können wir unser Verhältnis zur Natur so verändern, daß wir unsere potentielle Bevölkerung vergrößern und unsere Lebensqualität – physisch und kulturell – von Generation zu Generation verbessern. Wir können die Natur von ihrem Ausgangszustand, als der Mensch auf den Plan trat, verbessern.“

„Der Mensch ist eine schreckliche Gattung! Anders als jedes andere bekannte Lebewesen treiben wir andere Arten in die Ausrottung und verschmutzen und veröden den Planeten mit unserer übermäßigen Bevölkerung. Wir müssen das Wachstum beenden und zur Natur zurückkehren.“

  1. c) „Wir schaffen Ressourcen, indem wir neue Prinzipien und Prozesse entdecken, die das latente Potential in dem, was vorher nutzlos erschien, freisetzen können. Uran ist dank unserer Entdeckungen kein Gestein, sondern ein Brennstoff.“

„Wir verbrauchen Ressourcen in unserem ständigen Streben nach materiellen Annehmlichkeiten, um die Bedeutungslosigkeit unseres schrecklichen, bösen Lebens zu übertünchen.“

  1. d) „Die Menschheit ist die schönste Gattung. Die Welt braucht mehr Menschen!“

„Die Menschheit ist die schlimmste Gattung. Die Welt braucht weniger Menschen!“

Den meisten von uns gehen Varianten solcher Gedanken im Kopf herum. Wir gehen davon aus, daß die jeweils erste Sichtweise in Wissenschaft, Kunst und Kultur zutrifft.

Lyndon LaRouche erkannte den Konflikt zwischen diesen beiden gegensätzlichen, unvereinbaren Sichtweisen der Welt und sah das Coronavirus kommen – als ein Potential – und sagte, was zu tun sei. Das Schiller-Institut sah es kommen und sagte, was zu tun sei.

Heute geht uns das Coronavirus im Kopf herum, aber wir könnten jederzeit einer Vielzahl von anderen Schrecken zum Opfer fallen, gegen die die Erde keinen Schutz hat: andere neue Viren, ein Komet, der auf unserem Planeten einschlägt, die Sonne, die einen koronalen Massenausstoß auslöst und unser Stromnetz ausbläst, oder auch nur die eigentlich einfache Aufgabe, sauberes Wasser und angemessene sanitäre Einrichtungen für die über zwei Milliarden unserer Mitmenschen bereitzustellen, denen diese Sicherheit fehlt.

Wir brauchen ganz akut ein globales Gesundheitssystem – nicht nur in Form einer Gruppe medizinischer Experten und kleiner medizinischer Teams, sondern die Ressourcen, das Engagement und die Absicht, überall auf der Welt eine grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur zu schaffen, die zur Aufrechterhaltung einer gut funktionierenden Gesundheitsinfrastruktur erforderlich ist. Das Schiller-Institut hat einen vorläufigen Vorschlag erarbeitet, wie das erreicht werden kann, er wurde auf der Website des Schiller-Instituts veröffentlicht. Sie finden ihn unter dem Titel „LaRouches ,Apollo-Mission’ zur Bekämpfung der globalen Pandemie: Aufbau eines Weltgesundheitssystems!“ (vgl. Neue Solidarität 18-20/2020).

Doch lassen wir nun für einen Moment unsere irdischen Sorgen hinter uns. Wir wollen nun grundlegende Gedanken fassen, die wir über uns als Gattung anstellen müssen, wenn wir unser Auge zum Himmel richten, der voller Verheißungen und Gefahren ist, und von diesem Standpunkt aus auf uns selbst herabschauen. Wie können die Nationen bei der strategischen Verteidigung der Erde auf breitester Ebene zusammenarbeiten?

 

Strategische Verteidigung der Erde

 Ben Deniston: Der Begriff „Strategische Verteidigung der Erde“ wurde erstmals 2011 in der russischen Presse erwähnt, als ein direkter Bezug auf die Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), den Vorschlag für ein gemeinsames strategisches Raketenabwehrprogramm der USA und der UdSSR aus der Reagan-Ära, um die Bedrohung durch die „Gegenseitig zugesicherte Zerstörung“ zu beenden.

Vielen Menschen in aller Welt ist Lyndon LaRouche vielleicht am bekanntesten für seine führende Rolle bei seiner Entwicklung des Konzepts der SDI und seine Schlüsselposition als hochrangiger Gesprächskanal zwischen den Regierungen der USA und der UdSSR. Allerdings waren nicht alle der gleichen Auffassung, wie die SDI umgesetzt werden sollte, daher ist es entscheidend, LaRouches einzigartige Konzeption für sein SDI-Programm hervorzuheben und zu zeigen, wie dieses Grundprinzip heute bei der Strategischen Verteidigung der Erde genauso gültig ist wie in den 1980er Jahren – denn diese Politik leitet sich von einem wissenschaftlichen Prinzip ab, das den aktuellen Stand der langfristigen Entwicklung der menschlichen Gattung ausdrückt.

Bei LaRouches SDI-Politik ging es nicht nur um Abwehrsysteme, um die Bedrohung durch thermonukleare Waffen zu beenden, sondern auch um die Formulierung der notwendigen politischen und wirtschaftlichen Strategie, um einen dauerhaften und stabilen Frieden und ein dauerhaftes Überleben für zukünftige Generationen zu gewährleisten.

 

Lassen wir Herrn LaRouche dies in seinen eigenen Worten sagen. In einer Rede auf einer Konferenz des Schiller-Instituts im September 2000 definierte Herr LaRouche seine SDI wie folgt (Lyndon LaRouche im Video):

„Dies ist die Politik, die als strategische Verteidigungsinitiative bekannt wurde. Jetzt ist es wichtig zu verstehen, was die ursprüngliche SDI war. Im Gegensatz zu der Idiotie, die man heute in der Presse über Raketenabwehr hört – was man in der Presse hört, ist Idiotie, von Leuten, die schlimmer als Idioten sind; sie wissen nichts über Raketenabwehr…

Ich sagte, was wir tun müssen, ist etwas ganz anderes. Wir sind in der Lage, Systeme zu entwickeln, neuartige physikalische Systeme, die wirksam mit thermonuklearen Raketen fertig werden könnten, d.h. die sie dauerhaft und wirksam technisch obsolet machen. Aber das war nicht der ganze Umfang meines Vorschlags. Der Vorschlag lautete: Anstatt die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten in diese verrückte Spiel mit dem Untergang namens SALT I und ABM zu verwickeln, warum finden wir nicht einen Ausweg aus dem Konflikt an sich? Und wie? Denn die sowjetische Wirtschaft, wie auch die Wirtschaft der USA, bricht zusammen. Die gegenwärtige US-Wirtschaftspolitik und die gegenwärtige sowjetische Wirtschaftspolitik laufen auf einen Zusammenbruch dieser Volkswirtschaften hinaus, einen physischen Zusammenbruch.

Warum ändern wir also nicht die Politik? Warum greifen wir nicht auf Kennedys Weltraumprogramm zurück und tun das, was wir unter Kennedy bewiesen haben? Denken Sie daran, daß die Vereinigten Staaten nach Schätzungen, die Mitte der 1970er Jahre gemacht wurden, durch jeden Cent, den sie in Kennedys Weltraumprogramm investierten, mehr als 10 Cent zusätzliches Bruttosozialprodukt erhielten.

Der Punkt ist: Produktivitätssteigerungen entstehen direkt durch Verbesserungen in der Technologie, die von grundlegenden wissenschaftlichen Entdeckungen abgeleitet sind, und je höher die Rate, mit der man grundlegende physikalische Entdeckungen in die Praxis umsetzt, desto größer ist die Rate der Produktivitätssteigerung pro Kopf der Bevölkerung und pro Quadratkilometer Fläche.

Wie ich damals sagte, bestand das gleiche Problem sowohl im sowjetischen System wie auch in unserem eigenen, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Die Vereinigten Staaten erzielten kein ausreichendes Netto-Wachstum der physischen Produktivität, um die Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Deshalb brauchten wir ein Programm für einen schnellen, wissenschaftlich getriebenen technischen Fortschritt, zusammen mit einer Mission wie der Mondmission. Die Mondmission würde durch Spillover-Effekte einen technischen Fortschritt erzeugen, der die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wieder in positives Terrain bringt, was das Netto-Wachstum betrifft.

Die sowjetische Wirtschaft funktioniert aus anderen, aber ähnlichen Gründen nicht. Wenn also die Sowjetunion ihre enormen militärisch-wissenschaftlich-technischen Fähigkeiten in die Zusammenarbeit mit uns zum globalen technischen Fortschritt einbringen würde, und wenn wir uns auf die Entwicklungsländer – Südamerika, Afrika, Asien – konzentrieren, um das zu tun, was Roosevelt vorschlug, was für diese Länder getan werden sollte, dann würde der Nutzen eines solchen Programms zweierlei bewirken: Er würde beide Volkswirtschaften zusammen mit Europa wieder auf die Habenseite bringen, und es wäre auch eine Möglichkeit, eine globale Agenda zur Lösung des Konfliktproblems zu schaffen. Das war die SDI in ihrer ursprünglichen Form.“

Deniston: Auch wenn es den Konflikt zwischen den USA und der UdSSR heute in dieser Form nicht mehr gibt, sind andere geopolitische Spannungen entstanden, und der Kern von LaRouches Doktrin ist heute ebenso gültig und notwendig.

Wie Jason darstellte, hat die Menschheit in den letzten hundert Jahren ein enormes Wachstum erlebt – eine relativ geringe Zeitspanne im Vergleich zur Geschichte unserer Biosphäre, unseres Planeten, unseres Sonnensystems, unserer Galaxie und darüber hinaus.

In den letzten hundert Jahren ist die Menschheit in eine neue Phase eingetreten, in der dieselben technologischen Fähigkeiten und wissenschaftlichen Entdeckungen, die ein enormes Wachstum und enormen Fortschritt gebracht haben, auch eine neue historische Situation geschaffen haben, wo die Menschheit nun die Fähigkeit besitzt, sich selbst durch Krieg und Konflikte vollständig zu vernichten. Die Menschheit kann nicht nur keine großen militärischen Konflikte zwischen Nationen wie in der Vergangenheit mehr zulassen, sondern sie kann auch nicht mehr die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen dulden, die zu diesen Konflikten geführt haben, wie Herr LaRouche in der LaRouche-Doktrin dargelegt hat. Ein historischer Wandel ist notwendig, den Helga Zepp-LaRouche als den Wechsel in ein „neues Paradigma“ identifiziert hat.

Aber diese relativ neue historische Realität, in der sich die Menschheit befindet, bringt noch einen weiteren tiefgreifenden Aspekt mit sich. Was wissen wir wirklich über das Leben in unserem Universum? Die allermeisten Tierarten, die es auf diesem Planeten gegeben hat, gibt es nicht mehr. Schätzungen gehen davon aus, daß über 99% aller Tierarten, die entstanden sind, auch wieder ausgestorben sind – über fünf Milliarden Arten sind verschwunden.

Interessanterweise haben wir Beweise dafür, daß es sich dabei nicht nur um einen Vorgang auf der Erde oder im Sonnensystem handelt, sondern daß irgendwie auch unsere gesamte Galaxie darin einbezogen ist. 500 Millionen Jahre zurückreichende Belege über das Entstehen und Aussterben von Arten weisen ein zyklisches Muster auf, das den periodischen Wechselbeziehungen unseres Planeten zu unserer Galaxie entspricht, was darauf hindeutet, daß die Entwicklung des Lebens auf der Erde irgendwie auch ein galaktischer Prozeß ist.

Das Vergänglichkeitsprinzip ist eine unbestreitbare Tatsache der evolutionären Entwicklung der Biosphäre. Allein aufgrund dieses Prinzips ist sicher, daß auch alle heute auf dem Planeten existierenden Tierarten irgendwann in der Zukunft aussterben, wenn der evolutionäre Prozeß weitergeht.

Es gibt nur eine Ausnahme, nur eine Lebensform, die sich davon abhebt und die alles ausdrückt, was über dieses Prinzip der Biosphäre hinausgeht: die Existenz des Menschen, die in einzigartiger Weise eine besondere schöpferische Kraft ausdrückt, die man in keinem tierischen Leben findet.

Dieselbe Wissenschaft und Technologie, die uns die Fähigkeit gibt, uns in Konflikten selbst zu zerstören, gibt der Menschheit auch die Fähigkeit, als einzige Gattung auf diesem Planeten den biologischen Evolutionsprozeß der Biosphäre zu transzendieren und darüber hinaus zu gehen. Wie Herr LaRouche sagte: die Menschheit ist die einzige potentiell unsterbliche Gattung.

Im Geiste von LaRouches SDI sprechen wir somit Jahre später über die gleiche Politik in Form der Strategischen Verteidigung der Erde: einer Politik zur Überwindung der wirtschaftlichen und politischen Ursachen, die den Konflikten zugrunde liegen, durch gemeinsame Programme zur Förderung der Wissenschaft und des Technologieaustauschs, wobei die gemeinsamen Bedrohungen, denen sich die gesamte Menschheit gegenüber sieht, im Mittelpunkt stehen.

Genauso wie die SDI konzipiert wurde, um die führenden Mächte gegen die gemeinsamen Bedrohungen durch thermonukleare Raketen zu vereinen, soll die Strategische Verteidigung der Erde die Menschheit gegen die gemeinsamen Bedrohungen vereinen, denen alle Bewohner dieses Planeten ausgesetzt sind – vom Weltraumwetter bis zu Asteroideneinschlägen, vom kosmischen Klimawandel bis zu Kometeneinschlägen, von Pandemien bis zu katastrophalen Erdbeben und Vulkanismus. So ist die Menschheit in jeder Hinsicht im Kampf gegen die Gefahren vereint, denen das Leben auf diesem kleinen Planeten durch die Einflüsse unseres Sonnensystems und der Galaxie und noch darüber hinaus ausgesetzt ist.

 

Sprechen wir über das Wetter

Megan Beets: Lassen Sie uns ein wenig über das Wetter sprechen. Wir neigen dazu, das Wetter – einschließlich gefährlicher extremer Wetterereignisse – als ein lokales Phänomen zu betrachten. Wenn man etwas weiter schaut, erkennt man, daß es sich eigentlich um ein planetares Phänomen handelt, da die Wetterzyklen auf einem Teil der Erde die auf einem anderen Teil der Erde beeinflussen. In Wirklichkeit gibt es aber beim Wetter nichts Lokales oder auch nur Planetares. Unsere Erde schwimmt, zusammen mit den anderen Planeten des Sonnensystems, in einer von der Sonne geschaffenen Umgebung. Ein Phänomen dieser Umgebung ist der Sonnenwind, ein ständiger Fluß geladener Teilchen, die von der Sonne ausströmen, das interplanetare Magnetfeld erzeugen und das Magnetfeld der Erde modulieren.

Sonnenflecken

NASA: Wir verfolgen den Sonnenzyklus anhand der Anzahl und Polarität der Sonnenflecken – dunkle Bereiche auf der Sonnenoberfläche, die Orte intensiver Aktivität sind.

 

Warum ist das wichtig? Die Sonne verändert sich! Sie ist ein dynamischer Körper, von dem wir eigentlich nicht mehr verstehen als ein Baby. Ein Beispiel: Ungefähr alle elf Jahre durchläuft die Sonne einen Zyklus zunehmender und abnehmender Aktivität, in dessen Verlauf sich die Polarität ihres Magnetfeldes umkehrt. Wir verfolgen den Sonnenzyklus anhand der Anzahl und Polarität der Sonnenflecken, bei denen es sich, wie Sie in Abbildung 2 sehen, um dunkle Bereiche auf der Sonnenoberfläche handelt, die Orte intensiver Aktivität sind.

 

Beobachtungen_400_Jahre

NASA: Die Beobachtungen der letzten 400 Jahre zeigen einen klaren elfjährigen Zyklus sowie einen längerfristigen Zyklus mit sehr niedrigen Tiefstwerten, den sog. „Großen Minima“.

 

 

Hier (Abbildung 3) sehen Sie ein Diagramm über die Anzahl der Sonnenflecken im Laufe der Zeit, das bis Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreicht, mit einem klaren 11-Jahres-Zyklus mit Maximum und Minimum. Allerdings ist nicht jeder Sonnenzyklus gleich, und es gibt einen längerfristigen Zyklus mit sehr niedrigen Tiefstwerten, die sogenannten Großen Minima, in denen über einen längeren Zeitraum fast keine Sonnenflecken auftreten, und sehr hohe Höchstwerte mit deutlichen Großen Maxima.

Sonneneruptionen

NASA: Zwei Phänomene des Weltraumwetters: Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe.

 

 

Betrachten wir die Perioden des Sonnenmaximums, wenn die Sonne am aktivsten ist. Zwei Weltraumwetterphänomene, die als Teil dieser erhöhten Aktivität auftreten, sind Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe. Sonneneruptionen (Flares) sind intensive Energieblitze auf der Sonnenoberfläche, die Ausbrüche elektromagnetischer Strahlung freisetzen (Abbildung 4, links). Koronale Massenauswürfe (coronal mass ejections, CMEs) sind oft mit Flares verbunden und schleudern große Plasmawolken in den Weltraum hinaus (Abbildung 4 rechts).

Die Energie von Flares kann den Funkverkehr auf und um die Erde stören, aber die größere Gefahr geht von CMEs aus. Wenn ein CME die Erde trifft, induziert er eine Schwingung im Magnetfeld und verursacht einen geomagnetischen Sturm. Dieser kann schwach sein und das schöne Schauspiel der Polarlichter erzeugen. Wenn er jedoch stark ist, können Ströme in der elektrischen Infrastruktur induziert werden und sogar Transformatoren zum Durchbrennen bringen, was zu Stromausfällen im Stromnetz ganzer Kontinente führen kann – und das könnten wir mit unseren derzeitigen Fähigkeiten über mehrere Jahre hinweg nicht reparieren. 1859 wurde die Erde von einem sehr großen CME, dem sogenannten Carrington-Ereignis heimgesucht, bei dem noch in Äquatornähe Polarlichter zu sehen waren und Telegraphendrähte von induziertem Strom glühten. Wenn ein CME dieser Größenordnung heute die Erde träfe, müßten wir mit weitflächigen und langanhaltenden Stromausfällen rechnen, auf die wir derzeit nicht vorbereitet sind.

Forbush-Abnahme

Bei den sog. „Forbush-Abnahmen“ verhindert intensive magnetische Aktivität, daß die galaktische kosmische Strahlung in die Erdatmosphäre gelangt: Kp-Index der geomagnetischen Aktivität der Erde (oben) und Zählung der kosmischen Strahlung in Thule/Grönland (unten) in der Zeit vom 7.-13. März 2011. Markiert sind zwei geomagnetische Stürme, die solche Forbush-Abnahmen ausgelöst haben.

 

 

Eine weitere Auswirkung von CMEs ist ein Phänomen, das als Forbush-Abnahme bezeichnet wird, wenn intensive magnetische Aktivität von der Sonne den Eintritt galaktischer kosmischer Strahlung in die Erdatmosphäre vorübergehend blockiert. Hier (Abbildung 5) sehen Sie zwei plötzliche Abfälle des kosmischen Strahlungsflusses als Folge von zwei geomagnetischen Stürmen im März 2011. Erste Studien deuten darauf hin, daß die daraus resultierende Veränderung der Ionisierung der Atmosphäre und die damit verbundene latente Wärmefreisetzung wiederum die Temperaturdifferenz zum Erdboden erhöhen kann, was sich auf die Konvektionsströmungen auswirkt und möglicherweise Zyklone verstärkt. Man nimmt an, daß dies beim Hurrikan Katrina im Jahr 2005 der Fall gewesen ist.

Kosm_Strahlung_Temperatur

Betrachtet man die langfristige Veränderung des Zustroms galaktischer kosmischer Strahlung, so ergibt sich eine erstaunlich starke Korrelation mit der Temperaturentwicklung: Je stärker der Zustrom der galaktischen kosmischen Strahlung, desto kälter ist es auf der Erde (Grafik nach Kirkby, 2008).

 

 

Das Phänomen der atmosphärischen Ionisierung, das durch den galaktischen kosmischen Strahlungsfluß verursacht wird, führt nachweislich zu einer Zunahme der Wolkenkondensationskerne und damit zu einer verstärkten Wolkenbedeckung – die Galaxie vergrößert die Wolkendecke auf der Erde. Dies ist ein wichtiger Faktor für die globale Temperatur. Tatsächlich gibt es eine sehr interessante Korrelation zwischen dem 140 Millionen Jahre dauernden Zyklus des Durchgangs unseres Sonnensystems durch die Spiralarme der Galaxie – Regionen mit deutlich höherem kosmischen Strahlungsfluß – und den langfristigen Zyklen der Erwärmung und Abkühlung des Planeten, wie es hier der Zyklus der Eiszeiten andeutet (Abbildung 6). Die Sonne steuert nicht nur das Wetter auf unserem Planeten, sondern wir müssen uns auch fragen, was wiederum die Aktivität unserer Sonne moduliert. Was geschieht in der galaktischen Umgebung, in der sie schwimmt?

 

Kometen- und Asteroidenabwehr

Ben Deniston: Eine weitere existentielle Bedrohung, vor der alle Bewohner dieses Planeten derzeit keinen Schutz haben, sind unvermeidliche zukünftige Asteroiden- und Kometeneinschläge auf die Erde. Ein Großteil der Welt wurde 2013 auf diese Realität gestoßen, als überraschend ein sehr kleiner Asteroid in der Atmosphäre über dem russischen Tscheljabinsk explodierte. Niemand wußte vorher, daß sich dieser kleine Asteroid vor dem Einschlag auf Kollisionskurs mit der Erde befand, weil wir bisher nur einen relativ kleinen Prozentsatz der Asteroiden in der Umgebung des inneren Sonnensystems lokalisieren und verfolgen können.

Asteroiden

Es gibt Hunderttausende von unidentifizierten und nicht verfolgten kleineren Asteroiden, die bei einem Einschlag auf der Erde große Schäden auslösen können.

 

 

Es wurden beträchtliche Anstrengungen unternommen, um die meisten der größeren Asteroiden zu lokalisieren und zu verfolgen, aber es gibt immer noch Hunderttausende von unidentifizierten und nicht verfolgten kleineren Asteroiden da draußen (Abbildung 7). Dabei handelt es sich um Asteroiden, die größer sind als derjenige, der über Rußland explodiert ist, und die ein Gebiet von der Größe einer Stadt oder einer Nation bis hin zur Größe eines Kontinents verwüsten könnten.

Und selbst wenn wir einen Asteroiden, der sich auf einer Flugbahn zur Erde befindet, rechtzeitig entdeckten, verfügt die Menschheit derzeit über keine Verteidigungssysteme, um ein solch bedrohliches Objekt abzulenken.

Eine verwandte Bedrohung geht von langperiodischen Kometen aus, die den größten Teil ihrer Zeit in den entlegensten Gebieten des Sonnensystems verbringen, weit jenseits unserer Ortungsmöglichkeiten. Langperiodische Kometen kommen zwar wesentlich seltener vor, sind jedoch im allgemeinen viel größer, viel schwieriger zu entdecken und extrem schwierig abzulenken.

Während man davon ausgeht, daß die potentiellen Gefahren durch erdnahe Asteroiden weitgehend auf lokale bis kontinentale Auswirkungen beschränkt sind, wäre ein Einschlag eines langperiodischen Kometen wahrscheinlich ein globales Extinktionsereignis.

Es gibt Möglichkeiten, die Verteidigungsfähigkeit der Menschheit gegen diese Bedrohungen zu erhöhen, und das führt uns direkt zurück zu LaRouches SDI-Prinzip. Die gemeinsamen Wissenschaftsprogramme, die unsere Möglichkeiten zur Verteidigung der Erde im Weltraum erweitern, sind auch dieselben Programme, die das notwendige Wirtschaftswachstum erzeugen können, um die Ursachen von Konflikten und Kriegen zu beseitigen.

Wie es in der LaRouche-Doktrin von 1984 heißt, ist das wichtigste Programm in dieser Hinsicht ein Mehrgenerationen-Projekt zur Besiedelung von Mond und Mars, basierend auf Fusionstechnologien, während gleichzeitig der Technologieaustausch und der Export von Investitionsgütern in die weniger entwickelten Regionen der Erde ausgeweitet werden, um sicherzustellen, daß die Voraussetzungen für dauerhaften Frieden und dauerhaftes Überleben erfüllt sind und die Ursachen künftiger Konflikte vor deren Entstehen beseitigt werden können.

Auch diese Perspektive der Strategischen Verteidigung der Erde zwingt uns, unseren gemeinsamen Platz in unserem Sonnensystem innerhalb unserer Galaxie zu erkennen und die Aktivitäten auf unserem kleinen Planeten aus dieser Perspektive zu definieren.

 

Was sind eigentlich Viren?

Megan Beets: Der russische Wissenschaftler Wladimir Wernadskij schrieb in der Einleitung seines Werkes Die Biosphäre von 1927: „Die Geschichte der Biosphäre unterscheidet sich … massiv von der des übrigen Planeten, und die Rolle, die sie im planetaren Mechanismus spielt, ist ganz außergewöhnlich. Sie ist ebenso sehr oder sogar noch mehr die Schöpfung der Sonne als ein Ausdruck irdischer Prozesse.“

Ein Untersuchungsgegenstand, der uns einen einzigartigen Einblick in die Rolle außerirdischer Faktoren bei der Entwicklung der Biosphäre und ihrer Evolution geben könnte, sind die Viren. Viren sind ein relativ neues Studienobjekt für die Menschheit, sie wurden erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt. Seitdem ist jedoch unbestreitbar, daß Viren untrennbar mit dem Leben verbunden sind – sie sind in der gesamten Biosphäre anzutreffen und können jede Art von Organismus infizieren. Um einen Eindruck von ihrer Allgegenwart zu vermitteln: In jedem Teelöffel Meerwasser befinden sich Millionen von Viruspartikeln; Milliarden von Viren schweben in den Luftströmungen hoch in der Atmosphäre; im menschlichen Körper gibt es neben einem Mikrobiom von Billionen von Bakterien auch ein Virom von wahrscheinlich Billionen von Viren, die als regulärer Teil unseres Organismus in uns leben, von denen einige ein wesentlicher Bestandteil unseres Immunsystems sind.

Viren spielen eine wichtige Rolle bei einem Phänomen, das als horizontaler Gentransfer bezeichnet wird. Normalerweise stellen wir uns vor, daß genetisches Material von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben wird, aber beim horizontalen Gentransfer wird genetisches Material von einem Organismus auf das Genom eines anderen, nicht verwandten Organismus übertragen und in dessen Genom eingebaut. Es ist bekannt, daß dies bei Einzellern regelmäßig vorkommt, aber Studien in den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, daß ein horizontaler Gentransfer auch zwischen vielen Arten höher entwickelter Lebewesen wie Pflanzen, Pilzen und Tieren stattfindet. Es gibt zwar noch keine konkreten Zahlen, aber einige Forscher gehen davon aus, daß über hundert Gene im menschlichen Genom irgendwann vor langer Zeit durch Viren dorthin übertragen wurden, darunter auch Gene, die mit dem Stoffwechsel und der Reaktion des Immunsystems zusammenhängen. Diese Vorstellung widerspricht dem in Lehrbüchern verwendeten „Lebensbaum“ mit seinen getrennten, parallelen Ästen und stellt einen viel stärker in sich vernetzten Evolutionsprozeß dar.

Pandemiezyklen

Influenza-Pandemien während der vergangenen Sonnenzyklen: Die Influenzapandemien von 1946, 1957, 1968 und 1977 sind hier dem etwa elfjährigen Sonnenzyklus gegenübergestellt. (Quelle: Tapping, Mathias und Surkan, Canadian Journal of Infectious Diseases 2001.)

 

 

Betrachten wir dies nun im Zusammenhang mit dem Sonnensystem und der galaktischen Umwelt. Einige hochinteressante Forschungsarbeiten wurden in den 1980er Jahren über die saisonalen Grippepandemien angestellt, die wie viele andere mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängende saisonale Phänomene jedes Jahr etwa gleichzeitig auf der Nordhalbkugel ausbrechen, dann über die Tropen auf die Südhalbkugel und im nächsten Jahr wieder zurück in den Norden wandern. Ein Element, das die Forscher interessierte, war der Rhythmus des Ausbruchs neuer Grippestämme, der, wenn man auf das vergangene Jahrhundert zurückblickt, eine interessante, wenn auch nicht vollständige Korrelation mit dem elfjährigen Sonnenzyklus zeigt (Abbildung 8).

Pandemien_Sonnenflecken

 

Pandemien treten nicht nur tendenziell häufiger in Perioden großer Sonnenmaxima auf, die anomalen Pandemiejahre während des solaren Minimums waren Perioden, in denen die Erde aufgrund heller Supernovae einen höheren Zufluß kosmischer Strahlung von außerhalb unseres Sonnensystems erhielt.

 

 

Wenn wir jedoch einen längeren Zeitraum, nämlich 300 Jahre, betrachten, sehen wir den möglichen Fingerabdruck eines galaktischen Treibers. Pandemien treten nicht nur tendenziell häufiger in Perioden großer Sonnenmaxima auf, sondern es ist auch der Fall, daß die anomalen Pandemiejahre während des solaren Minimums Perioden waren, in denen die Erde aufgrund heller Supernovae einen höheren Zufluß kosmischer Strahlung von außerhalb unseres Sonnensystems erhielt (Abbildung 9).

Ein Fragezeichen, das die an diesen Studien beteiligten Forscher hinterlassen haben, ist der mögliche Mechanismus. Es ist bekannt, daß Viren durch bestimmte Lichtfrequenzen aktiviert und deaktiviert werden. Man hat auch beobachtet, daß bei einigen Astronauten auf der Internationalen Raumstation latente Virusinfektionen plötzlich aktiv geworden sind. Diese Forschungen sind zwar noch recht vorläufig und erfordern weitere Untersuchungen, doch es ist unbestreitbar, daß die hier erwähnten Anomalien auf eine höhere Kausalität und einen höheren Regelmechanismus der Lebensentwicklung auf der Erde hindeuten als bloß chemische Reaktionen auf der Erde.

Man kann wohl mit Sicherheit sagen, daß wir, nachdem wir uns nur in 20 der letzten paar Millionen Jahre menschlicher Existenz mit Lebensvorgängen außerhalb der Erdumgebung beschäftigt haben – wie z.B. auf der ISS – und in unserem Verständnis der Wissenschaft vom Leben bestenfalls Kleinkinder sind. In den 80er Jahren forderte Lyndon LaRouche massive Investitionen in die Forschung auf dem Gebiet der optischen Biophysik: elektromagnetische Strahlung als Teil der Physik der Lebensprozesse, d.h. wir müssen über ein rein chemisches Verständnis von Leben hinausgehen.

Das ist keine Option. Wenn wir die Zivilisation mehr und mehr von der Erde weg und in den Weltraum verlagern, werden wir uns zwangsweise mit Lebensprozessen auseinanderzusetzen haben, die mit der galaktischen Umwelt interagieren. Eine neue Betrachtungsweise der Wissenschaft vom Leben ist unbedingt erforderlich.

 

Eine gemeinsame Mission der Menschheit

Jason Ross: Mit Blick auf die unmittelbare Situation sollten wir darüber nachdenken, wie viele Anstrengungen wir brauchen, um unsere Institutionen und unser Denken mit dieser weltraumorientierten Sichtweise in Einklang zu bringen.

Denken Sie zum Beispiel daran, wie begrenzt die gängigen Vorstellungen der Militärplaner sind. Können wir uns mit den vorhandenen Raketen gegen Asteroiden verteidigen? Können Bomben das Leben einer Mutter retten, die keine angemessene Behandlung erhalten kann und nach einer COVID-19-Infektion an Sauerstoffmangel stirbt?

Wir werden einen oder mehrere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 entwickeln, aber welche Form wird ein Impfstoff gegen Asteroiden haben? Wie können wir uns gegen weitverbreitete, tragische Denkmuster feien? Wie kann die Tragödie dauerhaft überwunden werden?

LaRouche betonte, daß ein wesentlicher Schritt zur Schaffung einer gesunden Kultur auf diesem Planeten ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Chinas, Rußlands und Indiens ist, um ein wirklich neues Paradigma der internationalen Beziehungen zu schaffen. Wir brauchen einen globalen Ansatz zur Bekämpfung von COVID-19, mit dem ein wirklich globales Gesundheitssystem aufgebaut werden kann; und das schließt nicht nur Beatmungsgeräte und Schutzkleidung ein, sondern auch die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, die zur Beseitigung der Armut und zur Schaffung der sanitären, optimistischen und wissenschaftlichen Voraussetzungen für das nächste Kapitel der menschlichen Zukunft erforderlich ist.

Die Welt braucht dringend ein neues Paradigma für die internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft, basierend auf der Verteidigung und dem Wachstum der Menschheit, ohne das Gift alter, fragwürdiger und falscher Ideen. Die Forschungsfinanzierung der Biowissenschaften darf sich nicht auf die Großzügigkeit einiger weniger Milliardäre verlassen und darf auch nicht allein auf Profit basieren – man denke nur an die Milliarden, die mit dem Elend der Opioid-Seuche verdient werden, und dagegen die ziemlich mangelhafte Finanzierung der Erforschung von Coronaviren und anderen Pflanzen- und Tierkrankheiten, die uns jederzeit treffen könnten. Die staatliche Finanzierung muß drastisch erhöht werden, damit die Ergebnisse dieser Forschung dem öffentlichen Wohl zukommen.

Fortschritte bei der Beherrschung des Universums sind die einzige wirklich gültige Bedeutung von „Verteidigung“; wenn wir nun weiter voranschreiten, müssen wir sicherstellen, daß dies unsere gemeinsame Mission ist.

 

Dr. Jean-Pierre Luminet, Astrophysiker, vormals am National Center of Scientific Research
„‚Freie Erfindung‘ in kreativer Entdeckung“

Hier die Rede lesen

Hallo, in diesem kurzen Vortrag möchte ich über freie Erfindungen sprechen und darüber, wie die derzeitige wissenschaftliche Methode, wenn man sie für bare Münze nimmt, dazu neigt, diese zu bremsen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb der Dichter und Philosoph Paul Valéry in seinen Notizbüchern: „Ereignisse sind der Schaum der Dinge. Aber es ist das Meer, das mich interessiert.“

Dieser Aphorismus läßt einen schwindeln. Es sagt alles darüber aus, was der Physiker unter dem dürren Gerippe der Gleichungen sucht – ebenso wie das, was der Dichter unter dem samtenen Mantel seiner Worte sucht. Als Symbol der Tiefe ist das Meer der Verwahrer des Wesentlichen. Aber was ist das Wesentliche? Für den gewöhnlichen Wissenschaftler ist es die „Realität“ der Welt – wenn der Ausdruck überhaupt etwas bedeutet. Aber ist für den theoretischen Physiker, ebenso wie für den Künstler und den Schöpferischen im allgemeinen, nicht die wirkliche Realität der Welt das Leben des Geistes, der sich von den flüchtigen Effekten der äußeren Ereignisse distanziert?

In Valérys Gedanken ist die Tiefe des Meereslebens reich genug, um auch die zartesten und flüchtigsten Manifestationen der Erfahrung aufzunehmen. „Ein kleiner Schaum, ein offenes Ereignis in der Dunkelheit des Meeres“, stellte er fest. Der Kontrast zwischen dem Meer und dem Schaum drückt die auffällige Diskrepanz aus zwischen der Einheit, die mit Dauerhaftigkeit assoziiert wird, und dem Zufall, der mit Vergänglichkeit assoziiert wird. In anderen Zusammenhängen, wie dem, an dem ich gerade arbeite – nämlich in der modernen theoretischen Physik, die versucht, die Gesetze der Gravitation und der Quantenmechanik zu vereinheitlichen -, drückt sie vielmehr eine Komplementarität aus, bei der die Bestandteile nicht mehr ungeordnet, sondern kohärent sind.

Ich nehme als Beispiel eine brillante Hypothese, die der große Physiker John Wheeler in den 1950er Jahren aufgestellt hat. Die kreativsten Köpfe arbeiten oft nach dem Analogieprinzip. Wheeler stellte sich vor, daß auf der mikroskopischen Ebene die Geometrie der Raumzeit nicht fixiert ist, sondern sich ständig ändert und Quantenfluktuationen unterliegt. Man kann sie mit der Oberfläche eines aufgewühlten Meeres vergleichen. Von weit oben gesehen erscheint das Meer glatt. In niedrigeren Höhen beginnen wir Bewegungen wahrzunehmen, die seine Oberfläche aufrühren, welche jedoch kontinuierlich bleibt. Doch bei genauer Betrachtung ist das Meer unruhig, fragmentiert, diskontinuierlich. Wellen steigen auf, brechen, schleudern Wassertropfen hoch, die zurückfallen. In ähnlicher Weise würde die Raumzeit nach unseren Maßstäben glatt erscheinen, aber wenn man sie auf ultra-mikroskopischer Ebene untersucht, würde ihr „Schaum“ in Form von flüchtigen Ereignissen wahrnehmbar werden: Elementarteilchen, Mikro-Wurmlöcher, sogar ganze Universen. So wie die hydrodynamische Turbulenz durch Kavitation Blasen erzeugt, so würde die raumzeitliche Turbulenz aus dem Quantenvakuum dauerhaft das entstehen lassen, was uns als die Realität der Welt erscheint.

All dies ist überaus poetisch, das bedeutet aber nicht, daß es physikalisch korrekt ist. 50 Jahre nach seiner Formulierung wird über Wheelers Konzept des Quantenschaums immer noch diskutiert; es haben sich andere Ansätze zur „Quantengravitation“ entwickelt, mit Vorschlägen für verschiedene Sichtweisen der Raumzeit auf ihrer tiefsten Ebene – dem Meer – und ihrer Manifestationen auf allen Größen- und Energieskalen – dem Schaum. Auch wenn noch keine von ihnen zu einer kohärenten Beschreibung geführt hat, so haben diese verschiedenen Theorien doch zumindest das Verdienst, zu zeigen, daß die wissenschaftliche Erforschung der Natur ein gewaltiges Abenteuer des Geistes ist. Die Fragmente der Wirklichkeit unter dem Schaum der Sterne zu entziffern, bedeutet, sich von den Grenzen des Sichtbaren zu lösen, sich von irreführenden Darstellungen zu befreien, ohne jemals zu vergessen, daß die Früchte des wissenschaftlichen Ansatzes unterirdisch von anderen Disziplinen des menschlichen Geistes wie Kunst, Poesie und Philosophie gespeist werden.

Damit sind wir wieder bei Paul Valéry. Die Voraussicht, die aus seinen Worten spricht, sollte uns nicht überraschen, wenn wir seinen Werdegang kennen. Valéry war neugierig auf alles und interessierte sich besonders dafür, wie große Wissenschaftler geistig arbeiten. Er selbst war voller Ideen, und um sich keine entgehen zu lassen, füllte er rastlos die Seiten seines Notizbuches. In den 1920er Jahren traf er mehrmals mit Albert Einstein zusammen, den er bewunderte und der ihn bewunderte. Der immer zu Späßen aufgelegte Vater der Relativitätstheorie erinnerte sich später an eine öffentliche Debatte am Collège de France mit Paul Valéry und dem Philosophen Henri Bergson: „In der Diskussion fragte mich Valéry, ob ich nachts aufstehe, um eine Idee aufzuschreiben. Ich antwortete: Aber man hat doch nur ein oder zwei Ideen im Leben.“

Als Einstein seinerseits einen anderen Dichter, Saint-John Perse, nach seiner Arbeitsweise befragte, war er mit der Erklärung, die er erhielt, nicht unzufrieden: „Aber für den Gelehrten ist es dasselbe. Der Mechanismus der Entdeckung ist weder logisch noch intellektuell… Es beginnt mit einem Sprung der Phantasie.“ Saint-John Perse nannte dies 1960 in seiner Nobelpreisrede für Literatur das „gemeinsame Mysterium“.

 

Erfahrung und Methoden gewinnen noch keine Erkenntnis

Einstein hat später von der ursprüngliche Rolle der Phantasie bei der wissenschaftlichen Kreativität gesprochen. In diesem Stadium ist es faszinierend, die eingegangene Wette zu betrachten, daß die freie Erfindung auf die grundlegenden Konzepte stößt, die uns erlauben, die Welt zu interpretieren. Schon Einstein vertrat die Auffassung, daß die Prinzipien einer globalen Theorie nicht allein aus der Erfahrung bzw. aus der wissenschaftlichen Methode im strengen Sinne des Wortes gewonnen werden können. Einstein sagt: „Wir wissen heute, daß die Wissenschaft nicht allein aus der unmittelbaren Erfahrung entstehen kann und daß es unmöglich ist, beim Bau des Wissenschaftsgebäudes auf die freie Erfindung zu verzichten, deren Nützlichkeit wir nur im Nachhinein im Lichte unserer Erfahrung überprüfen können. Meine Überzeugung ist, daß wir in der Lage sind, dank rein mathematischer Konstruktionen die Konzepte und die sie verbindenden Gesetze zu finden, welche die Türen zum Verständnis von Naturphänomenen öffnen können.“

Um die Frage der poetischen Aussage Paul Valérys aufzugreifen, in ihren Möglichkeiten, aber auch in ihren Grenzen angesichts des Feldes von Gleichungen, die sich unserer gewöhnlichen Sprache entziehen: Dies muß der Zweck einer wahren Wissenschaftskultur sein –  ganz im Gegensatz zu der schädlichen Mode der Zeit, die eher darin besteht, Tabellen mit Zahlen, Formeln, Codes und irreführenden Statistiken anzuhäufen und sie jungen Menschen einzutrichtern, die etwas lernen und verstehen wollen. Wahre Wissenschaftskultur muß mutig anerkennen, daß die Welt, die uns umgibt und formt, ein schwindelerregendes Geheimnis ist, und versuchen, es weniger unaussprechlich zu machen. Indem sie diese Fremdartigkeit akzeptiert, wird es für die Öffentlichkeit und insbesondere für junge Menschen von Nutzen sein, ein paar feste Steine aufzusammeln, zumindest für einen kurzen Augenblick, in dem sich das Universum weiterbewegt. Wie der große Johannes Kepler 1605 an einen Astronomenkollegen schrieb: „Wir kommen voran, indem wir uns in einem Traum vorwärts tasten, ganz ähnlich wie weise, aber unreife Kinder.“

Wie andere große Erneuerer in der Wissenschafts- und Ideengeschichte bietet Kepler ein lehrreiches Vorbild dafür, wie man die Welt ohne vorgefaßte Meinung konzipieren kann. 1975 veröffentlichte der Philosoph Paul Feyerabend sein Werk Wider den Methodenzwang, dessen Hauptthese, gestützt durch zahlreiche historische Beispiele, lautet, daß die klassische wissenschaftliche Methode nicht nur nicht der einzig gültige Weg zur Erlangung von Wissen ist, sondern daß sie, zu strikt angewandt, Kreativität und Innovation behindert. Die Wissenschaft sei ein im wesentlichen anarchistisches Unterfangen in dem Sinne, daß der Ursprung unserer Ideen von überall her kommen kann, aus Kunst, Literatur, Poesie, Philosophie und sogar aus der Mythologie. Ein theoretischer Anarchismus sei daher menschlicher und eher dazu geeignet, den Fortschritt zu fördern als Doktrinen, die auf Recht und Ordnung basieren. Ich würde jedoch nicht so weit gehen wie die extremen Feyerabend-Schüler, die sagen „alles ist gut“, „alles ist gleichwertig“, was zu einem absoluten Kulturrelativismus führt, der zum Beispiel ein Lied von Schubert und einen Song von Madonna auf die gleiche Stufe stellt. Wie in allen Dingen besteht die Weisheit darin, den richtigen Weg zwischen beiden zu wählen.

Was jedoch die Befürworter der Methode zum Ausschluß jeder anderen Form des Denkens angeht, warum sollte man ignorieren oder vorgeben zu ignorieren, daß die schöpferische Phantasie von Wissenschaftlern unbestreitbar auf mythische Bilder zurückgreift? Zum Beispiel erscheinen die in allen Kulturen bekannten Erzeugungsprinzipien – das Begehren, der Baum, das Ei, das Wasser, die Leere, das Chaos – eindeutig als Archetypen des kosmogonischen Denkens, nämlich primitive und universelle Symbole, die zum „kollektiven Unbewußten“ gehören, um Jungs Terminologie zu verwenden. Der Begriff Archetyp wurde erstmals von Kepler verwendet: „Die Spuren der Geometrie prägen sich in der Welt ein, als sei die Geometrie eine Art Archetyp der Welt“, schrieb er 1606 in seiner Abhandlung De stella nova (Über den neuen Stern im Fuß des Schlangenträgers).

Es stimmt, daß die Werke der großen Denker auf dem Gebiet der Fundamentalphysik selten den philosophischen Hintergrund offenbaren, auf dem sie beruhen. Beim ersten Lesen ist man gewöhnlich versucht, ein Werk als extrem rationalistisch und als grundsätzlich skeptisch zu betrachten. In Wirklichkeit verbirgt sich hinter dem kritischen Geist des erfinderischen Physikers oft ein intensives Interesse an den dunklen Regionen der Wirklichkeit und der menschlichen Phantasie, die dem Begriff der Vernunft scheinbar entgegengesetzt sind. Das erkenntnistheoretische Werk von Wolfgang Pauli, einem der Väter der Quantenmechanik, wendet Skepsis auf die Skepsis selbst an, um aufzuspüren, wie Wissen aufgebaut ist, bevor wir zu einem rationalen Verständnis der Dinge gelangen.

Der Einfluß archetypischer Vorstellungen auf die Bildung wissenschaftlicher Theorien ist unbestreitbar. Wie wir bei Albert Einsteins Aussagen gesehen haben, kann sich der theoretische Physiker nicht mit einer rein empirischen Sichtweise zufrieden geben, der zufolge Naturgesetze nur aus experimentellen Material nach einem strengen Protokoll aufgestellt werden können. Vielmehr geht es um die Frage, welche Rolle Entscheidungen spielen, die man im Beobachtungsprozeß trifft, und um Rolle der Intuition. Die Brücke, die das anfänglich ungeordnete experimentelle Material verbindet, liegt in Urbildern, die im kollektiven Unterbewußten vorexistieren. Diese Archetypen sind nicht mit rational formulierten Ideen verbunden. Vielmehr handelt es sich um Formen oder Bilder mit einem starken emotionalen Gehalt, die nicht unmittelbar vom Denken festgehalten werden. Der „Fall Kepler“, dem Pauli ein Buch gewidmet hat, ist in dieser Hinsicht beispielhaft. Pauli benutzt das Beispiel von Keplers Übernahme des kopernikanischen Systems; laut Pauli übte das kopernikanische System Überzeugungskraft auf Kepler aus, weil er darin eine Übereinstimmung mit dem Dreieinigkeitssymbol, dem Archetypus des christlichen Denkens, fand.

Diese Konzeption der Naturerkenntnis, nach der die einheitliche Ordnung des Kosmos zunächst nicht rational formulierbar ist, weist uns im Kern auf Platon und den Neoplatonismus von Plotin und Proclus, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Bei Platon sind die Urbilder unveränderlich und existieren unabhängig vom menschlichen Bewußtsein (Platon verwendet den Begriff „Seele“). Immanuel Kants Anwendung einer Apriori-Form der Sinneswahrnehmung auf den geometrischen Raum ist ebenso zu beanstanden, denn dies führte ihn zu dem Argument, daß Euklids Postulate dem menschlichen Denken inhärent seien.

Die Archetypen der Psychologie sind jedoch nicht fixiert; sie können sich bezogen auf einen gegebenen Wissensstand weiterentwickeln. Der Kosmologe versucht, die unbestimmte Weite des Raumes mit Hilfe eines geometrischen Modells zu beschreiben. Mehrere Modelle sind möglich: die Beschreibung, zu der man gelangt, hängt insbesondere vom Schärfegrad ab, mit dem der physikalische Raum analysiert wird. Tatsächlich war der euklidische Raum lange Zeit der einzige den Mathematikern bekannte Raum. (Das war auch noch zu Kants Zeit der Fall, bevor die nicht-euklidischen Geometrien entdeckt wurden.) Darüber hinaus hat der Mensch eine instinktive Neigung, seine Sinneswahrnehmungen im Sinne der euklidischen Geometrie zu interpretieren. Man hat gezeigt, daß die halbkreisförmigen Bogengänge in unserem Innenohr, wo die Winkelbewegung des Kopfes in drei senkrechten Ebenen erfaßt wird, im Geist einen Raum mit lokal euklidischer Struktur hervorrufen. Es bedurfte also einer besonderen geistigen Anstrengung, um zu verstehen, daß Euklids Postulate nicht die einzig möglichen sind. Die Aussage, daß der Raum drei oder elf Dimensionen hat, daß er endlich oder unendlich, flach oder gekrümmt, einfach oder vielfach verbunden ist, ist keineswegs offensichtlich, ja sogar kontra-intuitiv! In diesem Fall muß die Idee notwendigerweise der rationalen Erfahrung vorausgehen.

Wir müssen daher in der Tat das, was ich als freie theoretische Erfindung bezeichnet habe, in den Mittelpunkt des Entdeckungsprozesses stellen. Wie der Dichter Novalis schrieb: „Theorien sind wie Angeln: nur wer sie auswirft, kann etwas fangen!“

Seit mehreren Jahrzehnten gehört es zu den Aufgaben des Schiller-Instituts, diese fruchtbare Denkweise über die Welt zu fördern, und ich freue mich, daß ich sie mit Ihnen teilen konnte. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Michel Tognini, Astronaut, Association of Space Explorers (Gründungsmitglied)
„Freundschaft zwischen Astronauten: Exemplarisches Vorbild für internationale Kooperation“

 

Walt Cunningham, Apollo-Astronaut
„Apollo 7 – Reflexionen eines Astronauten“

Hier die Rede lesen

Frage: Was mußten Sie tun, um sich als Astronaut zu qualifizieren?

Cunningham: Meine persönliche Einschätzung ist, daß man das wirklich nur machen sollte, wenn man bereit ist, ein wenig den Hals zu riskieren. Ich habe danach noch Jahre gebraucht, um das bei den Kampfpiloten wirklich klarzustellen. In meinem Buch habe ich einen Abschnitt über den Tag geschrieben, an dem ich beschloß, mich als Astronaut zu bewerben. Das war eines morgens, als ich dabei war, mit Mitte 20 meinen College-Abschluß zu machen. Ich war früher noch nicht auf dem College gewesen, ich war nach der High School in die Navy eingetreten, schaffte es, den zweijährigen Test zu bestehen, und wurde Kampfpilot. Ich war klug genug, zum Marinekorps statt zur Marine zu gehen, was ich nie bereut habe.

Aber in diesem Jahr ging ich aufs College, um einen Abschluß zu machen, und an diesem Morgen war ich im Wagen unterwegs zu meiner Arbeit bei der RAND Corporation. Zu der Zeit lief gerade der Countdown für Alan Shepard, das war 1961 oder 62 – 1961 glaube ich. Es war an der Ostküste, ich fuhr in meinem Auto, und wir hatten zu der Zeit noch nicht so viele Autobahnen in Los Angeles, ich ging zur UCLA (Universität von Kalifornien in Los Angeles). Es ging auf die letzten vier oder fünf Minuten (des Countdowns) zu, und ich mußte einfach am Straßenrand anhalten und parken, damit ich hören konnte, was vor sich ging. Ich konnte einfach nicht weiterfahren. Ich erinnere mich noch an den Countdown – 5, 4, 3, 2, 1, Abheben – und ich ertappte mich dabei, wie ich laut ausrief: „Du verdammter SOB!“ („Hurensohn“, gemeint im Sinne von „Glückspilz“, Red.) Ich ging zwar davon aus, daß ich allein war, aber sicherheitshalber schaute ich mich nochmal um, ob wirklich niemand auf dem Parkplatz war und mich anstarrte. In dem Augenblick beschloß ich, daß das genau das war, was ich tun wollte, ich erfüllte alle Voraussetzungen dafür.

Und 18 Monate später teilte ich mir ein Büro mit Alan. Es war wie der Eintritt in ein damals ganz ungewöhnliches, einzigartiges Leben. Das hat sich so entwickelt, wie es bei solchen Dingen oft der Fall ist. Als die ersten Menschen um die Welt segelten, war das anders als bei den Routinefahrten da draußen auf dem Ozean, zu denen sich das entwickelt hat.

 

Frage: Was hielten Sie von Präsident Kennedys Herausforderung, auf dem Mond zu landen? Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Cunningham: Das wird mit der Zeit immer interessanter. Ich kann nur für mich selbst sprechen, aber ich bin mir sicher, daß viele andere auch so denken. Wenn man älter und reifer wird, kann man einige dieser Dinge relativieren, über die man damals gar nicht nachgedacht hat; man hat sie einfach als selbstverständlich angesehen. Als er seine Rede hielt, erinnere ich mich, war das noch bevor ich von der NASA ausgewählt wurde. Ich wurde gleich bei der ersten Bewerbung angenommen. Aber ich kann mich gut daran erinnern; es war eine gute Rede. Das ist in die Geschichte eingegangen, und ich meine, das liegt daran, daß wir damals noch nicht so dachten wie heute. Man muß den Verstand reifen lassen, um eine Perspektive zu bekommen, was in der Geschichte vor sich geht. Es war eine einzigartige Periode in unserer Geschichte, in die die Menschen sich hier mit diesen Aktivitäten aufmachten.

Wenn man 500 Jahre zurückdenkt und sich ansieht, wie Menschen sich aufmachten, die Welt zu umsegeln – ich glaube, am Anfang waren es etwa 240 Menschen, und es gab vier Schiffe. Als es schließlich anderthalb oder zwei Jahre später geschafft war, waren nur noch 18 dieser ersten beteiligten Menschen am Leben. Aber sie hatten es rund um die Welt geschafft. Sie waren bereit, den Preis dafür zu zahlen. Sie haben unsere Gesellschaft vorangebracht. Davon gingen viele Impulse aus in der Gesellschaft. Das war vor 500 Jahren. Die Gesellschaft in der Welt profitiert davon, wenn man bereit ist, seinen Kopf zu riskieren, aber nicht, wenn man es irrational tut. Man muß sich dem, was man erreichen will, verpflichtet fühlen. Ich habe das sichere Gefühl, daß ich heute viel besser darüber sprechen kann als damals, denn man muß weise werden.

 

Frage:  Wie war das, einer der ersten Menschen im Weltraum zu sein?

Cunningham: Es heißt wohl, daß 25 oder 35% der Menschen auf die Schwerelosigkeit reagieren und sich am ersten Tag übergeben und so etwas. Aber sie waren alle entschlossen, sie würden trotzdem alle weitermachen. Die Leute haben auch viel Gewicht verloren. Unsere Mission war die längste Apollo-Mission, glaube ich, vielleicht gab es noch eine etwas längere Mission. Ich glaube, der größte Gewichtsverlust bei unserer Mission waren zehn Pfund oder so etwas in der Art. Die damalige Einstellung dieser Leute war eine andere als die heutige, denn wir waren alle militärische Kampfpiloten. Ob es der Welt gefällt oder nicht, es braucht eine gewisse Einstellung dazu, solche Aktivitäten zu rechtfertigen.

Aber ich muß Ihnen etwas erzählen – einer der Gründe dafür, warum unsere Mission ein solcher Erfolg war. Es hatte erst viel Kritik gegeben, weil Wally Schirra damals erkältet war. Aber eins muß ich Ihnen sagen, alles, was Wally operativ tun mußte, das hat er trotzdem getan. Es wurde viel hin und her geredet, weil er sich gerade von einer Erkältung erholte. Er ließ die Leute am Boden sogar glauben, daß wir alle eine Erkältung hatten. Wir hatten aber keine Erkältung, ich habe kein einziges Mal gehustet. Donn Eisele hat vielleicht ein oder zweimal gehustet, aber wir waren jung, er war ein sehr ernsthafter Typ. Und ob es uns jetzt gefällt oder nicht, ich glaube, er hat sehr gute Arbeit geleistet. Meiner Meinung nach war er ein guter Pilot.

Dieser Flug hat ihn damals, glaube ich, überrascht, denn es war eine elftägige Mission, und zu der Mission wurden noch vier weitere Aufgaben hinzugefügt. Am Boden hatten sie sehr große Vorbehalte, ob wir elf Tage schaffen würden; wir haben es geschafft. Ich kann mich an die letzten Tage erinnern, da hatten wir etwas Zeit zur Verfügung, und der Film ging uns aus. Heute werden ja ständig Fotos gemacht. Unser gesamter Film für die elf Tage für uns drei, die die Kamera benutzten, waren 500 Bilder. Heute macht man die bei einem einzigen Umlauf um die Erde. Der Welt ist nicht bewußt, daß 53% der Erdoberfläche von Wolken bedeckt sind. Ob es uns gefällt oder nicht, der größte Teil der Erde da draußen ist Ozean. Damals, und auch heute noch, sind wir fast vollständig von der Luft-Boden-Kommunikation abhängig. Heute gibt es schicke Geräte, so daß die Kommunikation zwischen Luft und Boden so ziemlich zu 100% funktioniert. Wir hatten die Luft-Boden-Kommunikation gerade einmal zu 4% unserer Zeit; man mußte dazu eine Direktverbindung herstellen können. Die Leute sagen: „O je, das war ja schrecklich!“ Nein, wir fanden das gut, weil wir so viel zu tun hatten, daß wir es für gut hielten, wenn wir nicht zu anderen Dingen gedrängt wurden. Aber wir brauchten eine bestimmte Menge an Informationen. Das waren 4% oder 4,5% der Zeit, in der wir Kommunikation hatten. Sie schauen mich an und sprechen mit mir in meinem Alter – ich bin 88 Jahre alt. Ich sage Ihnen, wir hatten eine großartige Mission, davon war ich schon damals ehrlich überzeugt.

 

Frage: Welchen Rat würden Sie jungen Leuten heute geben, die in den Weltraum fliegen wollen?

Cunningham: Ich sehe mich nicht in der Lage, die wirklich beste Antwort zu geben. Ich stecke immer noch in dieser Welt fest, wo das Wichtige ist, der beste Kampfpilot der Welt zu sein – zumindest mental. Aber es ist heute eine andere Art zu leben, und die Öffentlichkeit, jedenfalls die meisten, werden seit 50 Jahren darüber informiert. Ich kann nicht einmal sagen, ob es die meisten sind, aber viele wollen die Möglichkeit dazu haben. Man verkauft inzwischen Tickets an Leute, die mit dem Raumschiff da oben mitfliegen wollen.

Es tut mir leid, ich kann das nicht alles positiv sehen. Ich weiß, es hat seine positive Seite, aber ich lebe in einer anderen Welt. Ich denke, jeder kann sich glücklich schätzen, wenn er einer der heutigen Astronauten werden will. Aber um das zu erreichen, tut man gut daran, seine Fähigkeiten zu perfektionieren. Das sind viele verschiedene Fähigkeiten, die man heute braucht. Es gibt zum Beispiel eine ganze Reihe von Ärzten, die dort oben gewesen sind. Das ist gut. Auch mehrere Frauen – es gab übrigens auch einige Pilotinnen, die ich verdammt gut fand. Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet.

 

Frage: Was halten Sie davon, Risiken einzugehen und etwas zu tun, was manchmal fast unmöglich erscheint?

Cunningham: Man muß die Einstellung haben, die sich automatisch einstellt, wenn man Kampfpilot der Spitzenklasse ist. Man muß zumindest einer der besten Kampfpiloten sein, und das sage ich ganz konkret, oder zumindest fest daran glauben, daß man das ist. Die beste Einstellung ist: Wenn man jemanden angreift, ob zu Recht oder zu Unrecht, dann man muß das Selbstvertrauen haben, das einem sagt, daß man die Nase vorn haben wird, und man ist bereit, jeden Preis zu zahlen, um das zu erreichen.

 

Dr. Marie Korsaga, Astrophysikerin, Burkina Faso
„Die Notwendigkeit von Wissenschaftserziehung für die afrikanische Jugend“

Hier die Rede lesen

Mein Name ist Marie Korsaga, ich bin Astrophysikerin und komme ursprünglich aus Burkina Faso. Meine Forschung konzentriert sich auf die Verteilung von dunkler und sichtbarer Materie in Galaxien. Vereinfacht läßt sich sagen, daß die sichtbare Materie – d.h. die gewöhnliche Materie aus Protonen, Neutronen, Elektronen, alles, was mit unseren Geräten beobachtbar ist – nur etwa 5% des Universums ausmacht; der Rest ist unsichtbare Materie, die sich wie folgt verteilt: 26% dunkle Materie und 68% dunkle Energie. Mit Hilfe der dunklen Materie mit ihrer Gravitationskraft kann man die Tatsache erklären, daß die Galaxien nahe beieinander bleiben, während die dunkle Energie bewirkt, daß sich das Universum mit der Zeit schneller „ausdehnt“. Wir können also nicht von einem Verständnis des Universums sprechen, wenn wir nur etwa 5% seiner Bestandteile kennen. Um unser Universum zu verstehen, d.h. seine Entstehung und Entwicklung erklären zu können, ist es also unerläßlich, zu verstehen, was dunkle Materie und dunkle Energie sind.

Dunkle Materie, wie der Name schon sagt, ist etwas, das man selbst mit den raffiniertesten Teleskopen nicht sehen kann. Bisher wurden noch nie Teilchen der dunklen Materie nachgewiesen; dennoch spüren wir ihre Anwesenheit dank ihres Einflusses auf die Schwerkraft. Der Zweck meiner Forschung ist es, zu untersuchen, wie dunkle Materie innerhalb von Galaxien verteilt ist, um die Entstehung und Entwicklung unseres Universums und damit den Ursprung des Lebens auf der Erde besser zu verstehen.

Neben meiner Forschung interessiere ich mich auch für die Entwicklung der Astronomie in Afrika. Zu diesem Zweck arbeite ich im Office of Astronomy for Development (OAD) an einem Projekt, das darin besteht, die Astronomie als Entwicklungsfaktor fast überall auf der Welt, vor allem aber in den Entwicklungsländern zu nutzen, indem Projekte im Zusammenhang mit Bildung, Bildungstourismus usw. unterstützt werden.

Wenn wir über Bildung sprechen, ist es wichtig, daran zu erinnern, daß Afrika nach Angaben der Afrikanischen Union die jüngste Bevölkerung der Welt hat, mehr als 40% sind Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren, was in den nächsten zehn Jahren zu einer demographischen Explosion führen wird. Dieses Bevölkerungswachstum hat Nachteile, aber auch Vorteile. Die Kehrseite ist die Gefahr, daß diese jungen Menschen, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden – nämlich Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung für Jungen und Mädchen, insbesondere in den Naturwissenschaften -, statt zu einer Quelle der Entwicklung des Kontinents eher zu einer Quelle sozioökonomischer und politischer Instabilität und Konflikte werden, die den Kontinent weiter ins Elend stürzen. Die Vorteile sind jedoch so groß, daß dieses demographische Wachstum, wenn es durch ein gut entwickeltes Bildungssystem und von wirkungsvollen Maßnahmen auf Seiten der öffentlichen Politik wie auch des Privatsektors begleitet wird, eine große Quelle für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents auf wirtschaftlicher und politischer Ebene sein wird. Dazu ist es sehr wichtig, erhebliche Investitionen im Bereich der Bildung mit Schwerpunkt auf Innovation, Wissenschaft und Technologie zu tätigen. Es sei darauf hingewiesen, daß afrikanische Hochschulabsolventen heute ihren Abschluß vor allem in den Bereichen Literatur und Humanwissenschaften machen: MINT-Studenten (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Technik) machen laut Weltbank im Durchschnitt nur 25% der Abschlüsse aus. Zudem sind Frauen in diesen Bereichen unterrepräsentiert.

Ich selbst bin die erste Frau, die in Burkina Faso und sogar in ganz Westafrika in Astrophysik promoviert hat; das mag schmeichelhaft klingen, aber es offenbart eine ziemlich beunruhigende Diagnose, obwohl es ein Hoffnungsstrahl ist. Selbst wenn es in der Region ein Dutzend Doktoranden auf diesem Gebiet gibt, sind unter ihnen fast keine Frauen. Leider zeigt dies, daß wir von einer Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft noch weit entfernt sind, und es bleibt noch viel zu tun. Was wir brauchen, ist ein Mentalitätswandel und ein besserer Zugang für Frauen zur Wissenschaft, insbesondere für die Unterprivilegierten. Es ist nicht unbekannt, daß ein Berufsweg in der Astrophysik einen Studiengang in Physik erfordert, was für Frauen in unseren Gesellschaften nicht offensichtlich ist, denn die Mehrheit der Menschen ist der Meinung, die naturwissenschaftlichen Bereiche seien den Männern vorbehalten und die Frauen gehörten in den literarischen Bereich. Dies hat zur Folge, daß Frauen davon abgehalten werden, sich für ein langes Studium zu entscheiden, vor allem in wissenschaftlichen Bereichen, und selbst wenn sie sich für ein solches entscheiden, neigen sie dazu, bei den ersten Hindernissen aufgrund mangelnder Unterstützung aufzugeben. Ich kann für mich heute sagen, daß ich diese Barriere auf meiner Ebene durchbrochen habe, und ich möchte dieses Privileg nutzen, um so viele Mädchen wie möglich zu inspirieren und zu ermutigen, sich genauso zu entscheiden.

Es stimmt, daß heute von mehreren Regierungen Anstrengungen unternommen werden, um mit diesen Klischeevorstellungen aufzuräumen – zum Beispiel mit dem NEF (Next Einstein Forum) in Ruanda, einer Plattform für die Popularisierung der Wissenschaft, die Studentinnen durch Stipendien Möglichkeiten eröffnet, oder mit dem Netzwerk von Frauen in der Wissenschaft namens OWSD (Organisation für Frauen in der Wissenschaft für die Dritte Welt), das Mädchen und Frauen in den MINT-Bereichen Möglichkeiten bietet. Es gibt jedoch noch viel zu tun, denn die angemessene Repräsentation von Frauen in der Wissenschaft ist noch lange nicht erreicht. Über die Forschung hinaus beabsichtige ich, zur Ausbildung junger Menschen in der Wissenschaft in Burkina Faso und in Afrika im allgemeinen beizutragen, indem ich Kurse an Universitäten gebe und auch Masterstudentinnen und Doktorandinnen betreue. Ich habe auch vor, Maßnahmen zur Popularisierung der wissenschaftlichen Ausbildung im allgemeinen und der Astrophysik im besonderen in Ländern einzuleiten, in denen der Zugang zur Wissenschaft begrenzt ist. Dies wird dazu dienen, Mädchen und Jungen (insbesondere Mädchen) zur Aufnahme eines wissenschaftlichen Studiums zu motivieren.

Es gibt noch weitere zukünftige Initiativen, die ich in Zusammenarbeit mit anderen Forschern durchzuführen plane, nämlich die Einrichtung naturwissenschaftlicher Schulen in Afrika, die besonders Frauen gewidmet sind, die Organisation von Workshops, um Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit zu geben, über ihre inspirierende Arbeit zu sprechen und ihr Selbstvertrauen zu stärken, die Gründung eines Astronomie-Clubs für Kinder usw.

Die Astronomie ist nicht nur als Wissenschaft faszinierend, sondern sie kann auch als Entwicklungsinstrument eingesetzt werden, z.B. durch Bildung und Tourismus. Die Internationale Astronomische Union (UIA) ist sich dessen bewußt und unternimmt große Anstrengungen, um diese Entwicklungsperspektive in den Entwicklungsländern aufzugreifen und die von den Vereinten Nationen festgelegten Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Ein typisches Beispiel in Subsahara-Afrika hierfür ist Südafrika, wo die Installation von Teleskopen in mehreren Ortschaften nicht nur dazu beiträgt, die Wissenschaft beliebter zu machen und Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen, sondern auch die Wirtschaft und den Ausbau der Infrastruktur in diesen Ortschaften angekurbelt hat. Der aktuelle Kontext, in dem wir uns befinden, insbesondere die COVID-19-Pandemie, erinnert uns daran, welche wichtige Rolle die Wissenschaft in unserem Leben und unserem Bildungssystem spielen muß. Die afrikanischen Behörden müssen davon überzeugt werden, daß es mehr als notwendig ist, einen großen Teil der nationalen Haushalte für die Unterstützung und Förderung von Studium und Forschung aufzuwenden, denn Investitionen in das Humankapital sind ein sicheres Mittel für das Wachstum eines Landes.

Um unseren Kontinent aus der Unterentwicklung herauszuführen, müssen wir vor allem verstehen, daß wir unsere Programme viel effektiver umsetzen müssen. Die Konzentration auf Bildung und Ausbildung in Wissenschaft, Technologie und Innovation, insbesondere in der Weltraumwissenschaft, kann nicht nur das Humanpotential erhöhen, das eine Quelle nachhaltiger Entwicklung ist, sondern auch die Kontrolle über unsere Rohstoffe verbessern, was sich auf die Wirtschaft des ganzen Kontinents positiv auswirken würde. Afrika verfügt über eine immense Menge an Rohstoffen, die für den Ausbau der Industrie unerläßlich sind. Wir müssen dazu kommen, diese Ressourcen zuerst für unsere eigene Entwicklung auszubeuten, und zwar durch Frauen und Männer, die auf dem Kontinent ausgebildet werden, und mit entsprechenden kompatiblen Techniken.

 

Joe Pennacchio, Staatssenator in New Jersey, (2008- )
„Kernfusion zu einer Realität machen“

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Frage: Am Ende Ihrer Anhörung war eine Gruppe von High-School-Schülern anwesend, die teilgenommen hatten, sowie Leute von Universitäten, und Sie sagten, daß die Entwicklung der Fusion – Sie sagten, daß die Anhörung ebenso sehr für sie wie für alle anderen sei und daß die Entwicklung der Fusion ihr Leben grundlegend verändern werde. Was ist Ihre Vision für die nächsten 50 Jahre für diese jungen Menschen, für die nächsten beiden Generationen, wenn wir die Fusion erreichen? Falls wir heute die Entschlossenheit haben, die Fusion tatsächlich zu erreichen?

Sen. Penacchio: Nun, ich weiß nicht, ob das Wort „falls“ lautet. Nach dem, was ich gelesen habe, heißt es nicht „falls“, sondern „wenn“. Sie haben tatsächlich Parameter und Daten innerhalb der fünf Jahre, 2025, festgelegt, sie werden tatsächlich eine nachhaltige Fusionsreaktion haben, und sie glauben, daß sie dann 25 Jahre danach die erste kommerzielle Anwendung der Fusion haben können. Ich denke, daß dies mehr oder weniger mit dem übereinstimmt, was mit der Kernspaltung und deren Anwendung und Entwicklung geschehen ist. Ich würde mir wünschen – wenn Sie eine konzertierte Anstrengung in diese Richtung unternehmen, wenn wir unser Wissen mit dem Wissen teilen, das auf der ganzen Welt vor sich geht, insbesondere mit dem Tokamak-Reaktor und allen Ländern, die diesem [ITER-] Konsortium beigetreten sind – daß es schon früher sein wird.

Und es ist genauso wichtig für ihre Zukunft wie für meine. Ich bin 65 Jahre alt: Meine Zukunft wird nicht in zu vielen Jahrzehnten gemessen, wenn Gott es will. Aber ihre Zukunft wird in sehr viel mehr Jahrzehnten gemessen als meine. Also noch einmal: Stellen Sie sich eine saubere, sichere, erneuerbare Energiequelle vor, bei der wir nicht gegeneinander in den Krieg ziehen müssen, um sie zu bekommen, und bei der wir uns keine Sorgen machen müssen, einige der Gase einzuatmen, die bei der Erzeugung dieser Energien schädlich sein könnten.

 

Frage: Eine Idee, die Sie auch vorgebracht haben – Sie haben in der Anhörung gesagt, daß Politiker immer denken, sie seien für die guten Dinge verantwortlich, aber Ihre Position ist, daß es in Wirklichkeit Wissenschaftler sind, die die Geschichte verändert haben. Ich möchte Sie bitten, darüber zu sprechen; und auch über den Einfluß der Ideen der Amerikanischen Revolution, die der Wissenschaft sehr verpflichtet war, von Ben Franklin an – Ben Franklin, Alexander Hamilton und dann natürlich jemand, dessen Bild überall in Ihrem Büro hängt, Abraham Lincoln. Ich möchte Sie also bitten, sich dazu zu äußern, zur Frage des Amerikanischen Systems, zum Engagement für die Wissenschaft und zur Beziehung zwischen politischer Führung und wissenschaftlichem Fortschritt: Was ist die Verantwortung der Politiker, dies voranzubringen, und welche Rolle spielen die Bürger, dafür zu sorgen, daß dies geschieht?

 

Sen. Penacchio: Nun, die Entwicklung unseres Lebens, die Tatsache, daß es besser geworden ist – das ist durch die Wissenschaft geschehen. Es waren nicht die Politiker, die Cholera und Typhus, Pocken und Polio losgeworden sind: Es war die Wissenschaft. Es waren nicht die Politiker, die uns auf den Mond gebracht haben, es war die Wissenschaft. Aber es waren Politiker, die uns herausgefordert haben, und die einige dieser Ressourcen so umgelenkt haben, damit wir zum Mond fliegen und diese Infektionskrankheiten bekämpfen können. Wir können die Stimmung aller Amerikaner und der ganze Menschheit verbessern und heben!

Meine Aufgabe als Politiker ist es also, die öffentliche Politik zu gestalten und als Katalysator für einige der guten Dinge zu wirken, die die Wissenschaft tun kann. Und ein Teil dieses Prozesses ist natürlich wirtschaftlicher Natur, und wir glauben, daß wir durch die Erzeugung dieser Begeisterung für die Fusion auch eine Ressource in einem Staat kultivieren könnten, die wir nicht mehr gesehen haben, seit Princeton sich zum ersten Mal mit der Fusion beschäftigt hat.

Es ist also eine Win-Win-Win-Situation für alle um uns herum. Aus irgendeinem Grund haben wir diese Verantwortung an Paris und ihren Tokamak-Reaktor abgegeben. Und da ich ein egoistischer Politiker aus New Jersey bin, würde ich mir wünschen, daß wir sie zurückbekommen.

Die gute Nachricht ist, wie beim Tokamak-Reaktor und dem ITER, dem Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor, die von einem Konsortium aufgebaut wurden, ich hoffe, daß all dieses Material, all diese Wissenschaft in Echtzeit ausgetauscht wird: Auf diese Weise können wir es vorantreiben und für die Kinder, die an diesem Tag an dem Treffen teilnahmen, Wirklichkeit werden lassen.

 

Dr. Will Happer, Prof. em. für Physik, Princeton Universität
„Die wahre Geschichte der gegenwärtigen Wissenschaft“

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Ich bin Will Happer, pensionierter Professor für Physik an der Princeton University, wo ich viele Jahre gearbeitet habe. Dank der Treuhänder der Princeton University habe ich dort immer noch ein Büro. Davor war ich in meiner Jugend viele Jahre in New York City an der Columbia University, und meine Kinder wurden dort geboren.

Ich bin in Kernphysik und Atomphysik ausgebildet. Ich habe viel über Laserphysik gearbeitet. Am bekanntesten bin ich wohl für die Erfindung des Natrium-Leitsterns, mit dem die meisten modernen Teleskope atmosphärische Turbulenzen ausgleichen, sodaß man eine bessere Auflösung von Galaxien und anderen astronomischen Objekten erhalten kann.

Meine Karriere war eine Mischung aus Theorie und Experiment. Ich habe eine Menge Experimente gemacht. Einen beträchtlichen Teil meiner Zeit verbrachte ich mit der Arbeit an spinpolarisierten Gasen, spinpolarisierten Kernen, und ein Ergebnis davon war, daß wir gelernt haben, Helium-3 und Xenon-129 in so großen Mengen zu polarisieren, daß man sie in ausreichender Menge erbrüten konnte, so daß die Lungen von Menschen mit Magnetresonanztomographen betrachtet werden konnten, was vorher unmöglich gewesen war. Und so hat sich das zu einer interessanten diagnostischen Technik in der Medizin entwickelt, die bis heute andauert. Wir haben auf dieser Grundlage ein kleines Start-up-Unternehmen gegründet, das erfolgreich war und dazu beigetragen hat, die Karriere einiger unserer ehemaligen Studenten und promovierten Mitarbeiter in Gang zu bringen.

Ich glaube, man kann mich als einen klassischen Physik-Narren bezeichnen: Ich mag Physik, ich mag quantitative Dinge, ich mag Dinge, die man modellieren kann. Ich möchte, daß es Modelle sind, die man glauben kann!

 

Frage: Sie wurden von der Trump-Administration gebeten, ein Gremium zur Bewertung der Behauptungen des Klimawandels zu organisieren, aber dieses Gremium hat nie funktioniert. Was geschah dann?

Happer: Nun, das ist keine sehr komplizierte Idee. Fast jede andere wichtige Wissenschaft, Technologie oder Anstrengung unseres Landes wurde sorgfältig geprüft. Vor allem in der Verteidigung haben wir zum Beispiel, bevor wir etwas kaufen, eine so genannte „Überprüfung durch das Rote Team“, bei der Leute absichtlich versuchen, Löcher in dieses oder jenes Waffensystem oder in diese oder jene Theorie zu stoßen. Und dann müssen die Befürworter es verteidigen. Und wissen Sie, oft kommen sie mit einer Eins plus-Zertifizierung durch: Ich habe das verteidigt, was ich zu tun versuche, die besten Leute konnten es nicht zerpflücken, also bin ich stärker als am Anfang.

Wenn die Klimapolitik also wirklich so gut ist, warum haben sie dann Angst, aufzustehen und zu verteidigen, was sie tun, befragt zu werden, Fragen zu beantworten – alle anderen müssen das tun, warum sind sie anders?

Sie waren also absolut empört über den Gedanken, daß jemand überprüfen möchte, was sie tun. Alle anderen werden geprüft, aber sie sind von Prüfungen befreit. Es war also eine politische Frage. Sie riefen alle ihre Freunde im Senat und in ganz Amerika zusammen: „Wie kann diese böse Trump-Administration es wagen? Wir sind die größten Wissenschaftler, die jemals auf diesem Planeten gelebt haben, und wir retten den Planeten. Und hier sind diese Kerle, die uns fragen wollen, wie wir dieses Thermometer kalibrieren, wissen Sie? Wie können sie es wagen, das zu tun!“

Das war die Situation. Und ich glaube, der Präsident hat das verstanden, aber es gab damals viele, viele andere Fragen, und es schien einfach nicht das Richtige zu sein, diese aufzugreifen. Wahrscheinlich hatte er Recht…

Was uns das sagt, ist, daß Wissenschaftler immer sehr selbstkritisch sein müssen, daß Sie sich selbst immer in Frage stellen sollten, daß Sie Ihre Kollegen hinterfragen sollten. Haben Sie darüber nachgedacht? Könnte es dadurch verursacht worden sein, und nicht durch das, was Sie als Ursache behaupten? Und das ist es, was bei der Klimapolitik nicht passiert.

Die Klimapolitik ist völlig unempfindlich gegenüber Kritik. Man darf sie nicht kritisieren. Es ist, als würde man einen religiösen Glauben verleugnen. Es ist wirklich interessant: Die Sprache, die sie benutzen, ist ganz und gar religiös. „Sie verleugnen das Klima…“ Nun, was bedeutet „verleugnen“? Warum benutzen Sie dieses Wort im Zusammenhang mit einem wissenschaftlichen Gebiet? Also, es hat alle Merkmale eines religiösen Kultes, und das ist es, was es für viele Menschen geworden ist. Es gibt Ausnahmen; es gibt ehrliche Klimaforscher, aber sie werden von vielen Kultisten getäuscht.

 

Frage: Was ist Ihre Ansicht über die Natur der wissenschaftlichen Forschung? Wie werden Ihrer Meinung nach grundlegende Entdeckungen in der Wissenschaft gemacht?

Happer: Viele Menschen sind sich nicht bewußt, wie wichtig Zufälle bei der Entwicklung von Technologie und Wissenschaft gewesen sind. Wissen Sie, die Politiker denken, daß wir ein großes Programm aufstellen werden, daß wir viel Geld ausgeben werden und daß wir einen Krieg gegen den Krebs führen und Krebs heilen werden. Ich erinnere mich daran, als das geschah – das war damals in den 70er Jahren, und wir gaben viel Geld aus, und der Krebs ist immer noch da! Wir haben, Gott sei Dank, ein paar Fortschritte gemacht, aber das ist nicht die Art und Weise, wie man ein wirklich schwieriges Problem löst. Normalerweise wird es durch eine zufällige Entdeckung gelöst: Nehmen Sie zum Beispiel die Kernenergie, die Kernspaltungsenergie.

Seit der ersten Entdeckung des Kerns durch Ernest Rutherford war klar, daß bei Kernumwandlungen viel Energie im Spiel ist. Und als Rutherford gefragt wurde: „Werden Sie jemals Kraft erzeugen?“ Er sagte: „Jeder, der sagt, daß er aus der Kernphysik Kraft gewinnen wird, spricht von Schwarzbrennerei.“ Ich glaube, das war das Wort, das er benutzte: „Schwarzbrennerei“. Und er hatte Recht, denn zu der Zeit wußte niemand, daß es so etwas wie ein Neutron gab. Aber ein paar Jahre, nachdem er diese Aussage gemacht hatte, wurde das Neutron – zufällig – entdeckt. Zuerst dachte man, es sei eine seltsame Gammastrahlung, die die Gammastrahlung durchdringt, und so dauerte es lange, bis man erkannte, daß es sich um ein neues Elementarteilchen handelte, das nicht geladen war und daher leicht mit Kernen wechselwirken konnte – es gibt keine Coulomb-Kraft, die es fernhält. Das war also der erste Zufall.

Und dann nutzte Enrico Fermi das Neutron sehr schnell für kernphysikalische Studien, und er und sein Team in Rom leisteten in diesen ersten Jahren eine Menge aufregender Arbeit. Er erhielt den Nobelpreis für die Herstellung dessen, was er für transuranische Elemente hielt. Er hat den Nobelpreis verdient, er war so ein guter Kerl – aber es war ein Irrtum! Wissen Sie, was er wirklich tat, war die Uranspaltung zu verursachen, und erst als Lise Meitner und ihr Team in Berlin begannen, dieses bestrahlte Atomuran chemisch zu untersuchen, erkannten sie, daß es überhaupt keine Transurane sind. Es ist Barium und Kerne mit mittlerem Gewicht, die sich bei der Spaltung des Urankerns gebildet haben. Wieder ein Zufall.

Und so machten diese beiden Zufälle, die zufällige Entdeckung des Neutrons und die zufällige Entdeckung der Kernspaltung, die Kernkraft möglich, nicht nur Waffen, sondern auch zivile Energie.

Bei der Kernfusion ist das nicht geschehen. Ich denke, es könnte passieren: Irgend jemand wird eine zufällige Entdeckung machen, durch die etwas, was im Moment ein sehr, sehr schwieriges technisches Problem zu sein scheint, plötzlich machbar wird. Und deshalb bin ich dafür, die Arbeiten zur Fusion zu unterstützen. Aber man muß realistisch sein, daß es nicht hilft, das Budget um den Faktor zehn zu erhöhen, wenn man keine gute, neue Idee hat!

 

Frage: Welche Bereiche der wissenschaftlichen Forschung begeistern Sie heute am meisten?

Happer: Nun, Satelliten waren natürlich sehr wichtig für die Klimawissenschaft, denn wir haben jetzt die besten Daten, die zur Verfügung stehen, von Satellitenmessungen der atmosphärischen Temperaturen, Satellitenmessungen der Bewölkung, Satellitenmessungen des Strahlungshaushalts der Erde; das alles sind gute Sachen, und ich bin zu 100% dafür. Das ist ein Teil der Klimawissenschaft, auf den wir stolz sein können, und ich glaube, er erhält nicht genug Unterstützung.

Natürlich konzentriert sich das auf die Erde, nicht auf andere Planeten, aber die Art und Weise, wie das Klimasystem anderer Planeten funktioniert, ist auch interessant. Wissen Sie, die Venus ist ganz anders als die Erde, was zum größten Teil  daran liegt, daß sie ein ganzes Stück näher an der Sonne liegt, so daß sie doppelt so viel Sonneneinstrahlung hat wie die Erde. Aber es gibt interessante Systeme auf den anderen Planeten: Jupiter hat ein erstaunliches Klimasystem, wissen Sie, mit Wolken und dem großen roten Fleck. Es gibt also eine ganze Reihe von Zielen da draußen, an denen helle junge Leute arbeiten können und bei denen die Forschungssatelliten der NASA helfen können.

Das alles ist also sehr gutes Material. Ich denke, wenn Sie fragen, was die grundlegende Frage da draußen ist, dann ist es wirklich die dunkle Materie. Wissen Sie, es gibt diesen riesigen Teil der Materie im Universum, von dem niemand weiß, was er ist. Und sie ist offensichtlich vorhanden, aufgrund nicht sehr subtiler experimenteller Beobachtungen: Sie wissen, wie schnell sich Galaxien um ihr Zentrum drehen, sie drehen sich viel zu schnell, weil ein Teil dieser Masse – die dunkle Materie – fehlt. Und dann ist da noch die dunkle Energie.

Ich denke, das sind also die grundlegenden Grenzen. Und auch da glaube ich, daß dies wahrscheinlich ein Rätsel ist, das durch einen glücklichen Zufall gelöst wird. Wissen Sie, wir sollten unser Bestes tun, um Experimente zu entwerfen, aber unsere Augen offen halten für Unfälle. Ich glaube, so wird es geknackt werden.

Wenn Sie nicht über den Weltraum sprechen, dann würde ich mir das andere riesige Gebiet – wenn ich ein junger Mensch wäre – sehr genau anschauen: Biologie, Biophysik, Biochemie. Wir sehen, gerade im Falle von COVID, wenn wir flink wären, hätten wir einen Impfstoff oder ein Gegenmittel haben können. Und ich würde vermuten, daß die Zeit kommen wird, in der wir in der Lage sein werden, sehr, sehr schnell auf neue Viren zu reagieren und sie im Keim zu ersticken. Das können wir heute nicht tun, aber ich glaube, daß das in Zukunft durchaus möglich ist.

Aber es wird nicht automatisch geschehen: Die Menschen müssen daran arbeiten, es muß Zufälle geben. Auch dort hat es Zufälle gegeben. Ich denke, viele Ihrer Zuhörer wissen vielleicht von der CRISPR-Revolution, das war wieder ein Zufall in der Biologie, durch den dieser CRISPR-Mechanismus für die Genbearbeitung entdeckt wurde. Aber das lag daran, daß einige kluge Leute sich Daten angesehen und erkannt haben, daß etwas daran komisch ist, daß es nicht in das übliche Paradigma paßt, und sie haben es herausgefunden.

Ich glaube also, es gibt viel Platz für kluge junge Köpfe, die bereit sind, hart zu arbeiten, viel für die menschliche Existenz zu bewegen – und dabei eine gute Zeit zu haben, Sie wissen schon, Probleme zu lösen.

 

Dr. Guangxi Li, Arzt, Chinese Academy of Medical Sciences, Peking
„Die Behandlung von COVID-19 mit chinesischer Medizin“

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Hallo zusammen. Ich bin Guangxi Li. Ich bin von der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Heute wird sich mein Thema auf die Behandlung von COVID-19 durch die chinesische Medizin konzentrieren.

Wir alle wissen, daß sich der Ausbruch von COVID-19 seit Januar dieses Jahres inzwischen auf der ganzen Welt ausgebreitet hat, und es handelt sich mit Sicherheit um eine Pandemie für die Menschheit. Wir bekämpfen COVID-19 mit verschiedenen Ansätzen, aber in China haben wir die Theorie der traditionellen chinesischen Medizin und eine Geschichte der chinesischen Medizin, wir bekämpfen verschiedene Arten von Viren und die Pandemie nur mit Kräutern. Das ist wirklich, wirklich wirksam, und wir haben damit ziemlich viel Erfahrung.

Deshalb möchte ich heute einige unserer erfolgreichen Fälle vorstellen. Wir haben auch einige Daten, und wir werden diese Daten bald veröffentlichen.

Mein heutiger Vortrag lautet „Prävention akuter Lungenverletzungen – Grundlagen der COVID-19-Behandlung“. Wie wir alle wissen, werden die meisten Patienten, die an COVID-19 leiden, nur sehr leichte Symptome haben, oder es kann sogar sein, daß sie gar keine Symptome haben. Sie sind asymptomatische Patienten. Unserer Erfahrung nach gibt es mehrere Stadien: Das erste Stadium ist die Inkubationszeit, das sind etwa 1-14 Tage. Die zweite Woche der Erkrankung ist für uns das wichtigste Fenster, um eine akute Lungenverletzung zu verhindern.

Das erste ist die Fieberperiode. Das ist Tag 1 bis Tag 7, im Grunde genommen die erste Woche des Krankheitsbeginns. Der Patient hat in der Regel leichtes bis schweres Fieber, also 37,5°Celsius bis über 39,1°C. Es kann also sein, daß ein Patient nur ein sehr leichtes Fieber hat, dann bleibt er an dieser Linie stehen, aber andere Patienten können dann ein ziemlich hohes Fieber entwickeln. Das dritte Stadium ist die akute Lungenverletzungsperiode. Wenn wir ein Fieber nicht behandeln können, dann können die Patienten auch in den Lungenbläschen (Alveolen) eine akute Verletzung entwickeln. Dann brauchen wir einen therapeutischen Ansatz, insbesondere müssen wir die Patienten intubieren…

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Guangxi Li, Abb. 1: Gesamtkarte der Behandlung mit chinesischen Methoden: Entscheidend ist es, die Erkrankung schon im Frühstadium zu bekämpfen, um zu verhindern, daß der Patient „von der Klippe stürzt“.

 

 

Dies hier (Abbildung 1) ist im Grunde eine Gesamtkarte der Behandlung mit chinesischen Methoden. Was wir tun müssen, ist, die Behandlung frühzeitig zu beginnen. Es gibt mehrere Indikationen für die schweren Fälle. Hier nehmen die hohe Temperaturerhöhung und der trockene Husten zu, und der Patient entwickelt Dyspnoe (Atemnot), und das bedeutet, daß der Patient den Weg einer akuten Lungenverletzung einschlagen kann. Das ist also ein sehr gefährlicher Indikator.

Wir müssen also den Patienten frühzeitig behandeln, wenn es noch nicht zu spät ist. Wenn wir erst damit beginnen, wenn ein Patient bereits einen akuten Lungenschaden entwickelt hat, dann behandeln wir ihn über einen wirklich sehr langen Behandlungszeitraum, und die Mortalität ist hoch. Das Beste ist also, wenn wir ein gutes Ergebnis erzielen wollen, daß wir in einem frühen Stadium eingreifen.

Außerdem müssen wir die Übertragung kontrollieren. Also – testen, testen, testen. Dann können wir herausfinden, wer das Virus hat, und dann isolieren wir die Patienten. Genau das haben wir getan.

Das „Fieberfenster“ ist also sehr, sehr wichtig, wie ich bereits sagte. Im Moment haben wir kein bestätigtes antivirales Medikament, das bei diesen Patienten wirklich wirkt. Wenn sie anhaltendes Fieber haben, kann sich der Zustand der Patienten sehr verschlechtern, und sie fallen von der Klippe. Die beste Methode, die wir gesehen haben, ist die chinesische Medizin.

Zur chinesischen Medizin: Nach einer chinesischen Philosophie will man das Virus eigentlich nicht abtöten. Wir wollen unsere Immunantwort gegen das Virus regulieren, das Virus angreifen. Im Grunde kann der Körper das Virus tatsächlich selbst töten. Der Hauptgrund, warum die Patienten sterben, ist, daß sie eine Art von Zytokinsturm entwickeln, und dieser Zytokinsturm wird sie umbringen. Hier ist eine Formel, die wir für unsere Patienten verwenden (Abbildung 2). Im Grunde genommen ist das erste wichtige Medikament der Ginseng.

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Guangxi Li, Abb. 2: Formel für ein Medikament der traditionellen chinesischen Medizin, das sich bei der Bekämpfung von COVID-19 im Frühstadium zur Vermeidung von Lungenschäden als wirksam erwiesen hat.

 

 

Die Verwendung der aktuellen westlichen Medizin, die wir getestet haben, ist nicht wirklich hilfreich, um diese Art von Sturm zu verringern, indem wir uns selbst regulieren, um uns an das neue Virus anzupassen.

Und dann überwachen wir den Fieberverlauf der Patienten. Wir überwachen ihre Sauerstoffsättigung. Wir überwachen ihren Husten und ihre Kurzatmigkeit. So können wir die akute Lungenverletzung verhindern.

Wenn wir also den Patienten nicht in einem frühen Stadium heilen konnten und der Patient möglicherweise ein ARDS (akutes Lungenversagen) entwickelt, dann verwenden wir eine Art Beatmungsgerät, sogar die ECMO (extrakorporale Membranoxygenierung).

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Guangxi Li, Abb. 3: CT-Aufnahme der Lunge eines 76jährigen Patienten im Frühstadium mit Fieber und Müdigkeit: die hellere Verfärbung zeigt ein mäßiges Lungeninfiltrat.

 

 

Es gibt einige Fälle, die ich gerne besprechen möchte. Hier (s. Abbildung 3) ist ein Patient, 76 Jahre alt, er hatte zwei Tage lang Fieber, und hier ist die CT-Aufnahme (Computertomographie). Sie können das mäßige bilaterale Lungeninfiltrat sehen. Wir haben ihn mit Medikamenten behandelt. Vier Tage später hatten wir einen weiteren Patienten mit nicht viel besseren Symptomen; hier ist ein weiterer, wir sehen diesen Mann (er zeigt CT-Aufnahmen weiterer Patienten).

Wir stellten fest, daß sich diese Krankheit von anderen Pneumonien sehr unterscheidet, sie kann die Lungen infiltrieren, und sie kann in sehr kurzer Zeit verschwinden, wenn wir die Patienten rechtzeitig behandeln. So erholte sich der Patient, obwohl er ziemlich viele Morbiditäten und andere Komplikationen aufwies, dennoch nach etwa einer Woche. Er erhielt keine Behandlung mit westlichen Medikamenten, kein antivirales Medikament. Es gibt noch einige andere Patienten, aber ich will nicht zu viel darüber sprechen.

Die Patienten könnten hier bei anhaltendem Fieber, vielleicht nach einer Woche, einen akuten Lungenschaden entwickeln.

Hier ist ein weiterer Fall, auf den ich eingehen möchte. Der Patient ist Marathonläufer, und er hat einen akuten Lungenschaden bekommen, und man kann das bilaterale Infiltrat sehen. Als wir die chinesische Medizin einsetzten, stoppte sie das Fieber, der Patient konnte sich nach der chinesischen Medizin erholen; aber das funktioniert nicht mit der westlichen Medizin. In diesem Fall hatte der Patient tatsächlich einen akuten Lungenschaden, er hatte bereits einen Lungenschaden entwickelt, wie es die Untersuchung zeigt.

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Guangxi Li, Abb. 4: Untersuchung eines COVID-19-Patient mit akutem Lungenschaden: der O2-Wert liegt bei 65, die Sättigung nur bei 81.

 

 

Hier ein anderer Fall (Abbildung 4). Als der Patient den akuten Lungenschaden hatte, lag sein O2-Wert bei etwa 65 und seine Sättigung bei nur 81. Offensichtlich handelt es sich um einen sehr schweren Lungenschaden. Und wir verwendeten chinesische Medizin und sonst nichts – keine Art von Air Trapping oder ähnliches, alle diese Dinge -, um den Husten zu stoppen. Und der Patient erholte sich nach einer Woche Behandlung mit chinesischer Medizin. Wie Sie an der CT-Untersuchung sehen können, war es sehr schwerwiegend: Fast 90% seiner Lunge waren infiltriert, sie war beschädigt.

Also, die grundlegenden Dinge, die ich zusammenfassen möchte: Der Mechanismus dieses COVID-19 ist die Entwicklung eines akuten Lungenschadens. Wenn der Patient keinen akuten Lungenschaden hat, ist das ein Segen. Die einzigen Patienten, die wir behandeln müssen, sind diejenigen, die einen akuten Lungenschaden entwickeln.

Sie können diese letzte Abbildung aus dem New England Journal of Medicine über den akuten Lungenschaden sehen: Die rechte Seite zeigt eine abnormale Alveole nach COVID-19. Kürzlich konnte man jene Patienten sehen, bei denen die Alveolen gebrochen waren, und wir haben ziemlich viel Lungeninfiltrat, es tritt Flüssigkeit aus, hier ist es schlimmer.

Wir müssen die Patienten also im Frühstadium behandeln, deshalb setzen wir die chinesische Medizin ein, um das Fieber und die Entzündung zu stoppen und den Husten zu stoppen. Danach brauchen wir bei einigen Patienten vielleicht immer noch Sauerstoffunterstützung mit einer Beatmungshilfe. Man sollte keine antiviralen Medikamente oder Antibiotika verwenden.

Das ist also mein Vortrag. Ich danke Ihnen. Ich beantworte gerne Fragen.

 

Diskussion

Panel 3

“Kreativität als das charakteristische Merkmal der menschlichen Kultur: die Notwendigkeit einer klassischen Renaissance”

Panel Moderatoren: Kesha Rogers und Dennis Speed

Beethoven: „An die Ferne Geliebte“, op. 98
John Sigerson (Tenor), Margaret Greenspan (Klavier)

 

Lyndon LaRouche
„Ich habe darauf bestanden, daß Musik intelligibel ist“

Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des Schiller-Instituts

 

William Warfield
„Eine poetisch-musikalische Gabe“

Eugene Simpson, Prof. (em.) für Gesang und Chorliteratur, Rowan Universität (New Jersey), Gründungskurator der Hall Johnson Collection
„Hall Johnson und der Dvorak-Traum: Vom Spiritual zum Kunstlied“

 

Prof (em.) Willis Patterson, Bassbariton; stellv. Dekan, University of Michigan School of Music, Theatre & Dance
„Die Präsenz des klassischen Prinzips in der Volksmusik“

 

John Sigerson, Musikalischer Direktor des Schiller-Instituts, Co-Autor des Handbuchs für die Grundlagen von Stimmung und Register
„Die physische Macht der klassischen Musik und Poesie“

 

Diane Sare, Gründerin und Co-Leiterin des Schiller Institute NYC Chorus, New York
„Über den Einsatz des Chores in der Politik“

 

Grußbotschaft
Gregory Hopkins, Gründer und Künstlerischer Direktor, Harlem Opera Theater

 

Teng Jimeng, Prof. Amerika-Studien an der Pekinger Foreign Studies Universität
„Konfuzius lebt in China durch Tugend und Altruismus“

Diskussion

Panel 4

“Die Wissenschaft der physischen Ökonomie”

Panel Moderator: Dennis Speed 

Dennis Small, USA, Direktor des Schiller-Instituts in Ibero-Amerika
„LaRouches Erbe: Die Begründung der modernen Wissenschaft der Physischen Ökonomie“

 

Sébastien Périmony, Schiller-Institut, Frankreich
„Wenn Afrika zu den Sternen aufblickt“

 

Cedric Mbeng Mezui, Gabun, Autor, Denkfabrik FinanceAfrica
„Das Potential Afrikas freisetzen – die Ideen Alexander Hamiltons“

 

Phillip Tsokolibane, LaRouche-Bewegung Südafrika
„Afrika muß eine Wirtschaftsmacht werden – zum Wohle der gesamten Menschheit

 

Yang Yan, Konsulin für Politische Fragen, Botschaft der VR China, Paris (Frankreich)
„Französisch-chinesische Kooperation in Afrika“

 

Amerikanische Landwirte:
Bob Baker, Koordinator des Schiller-Instituts für Landwirtschaftsfragen, USA;
Joe Maxwell, ehem. stell. Gouverneur von Missouri, Mitbegründer der Family Farm Action Alliance;
Tyler Dupy, Direktor der Viehzüchtervereinigung von Kansas;
Frank Endres, Kalifornien, 63 Jahre Mitglied der National Farmers Organisation;
Bill Bullard, Montana, CEO R-CALF USA;
Jim Benham, Indiana, Mitglied des nationalen Vorstands der National Farmers Union;
Mike Callicrate, Kansas, Viehzüchter.
„Ernährung für die Zukunft: Essen ist ein moralisches Recht. Ein Dialog mit amerikanischen Farmern“

 

Prof. Mario Roberto Morales, Guatemala, Autor, Träger des nationalen Literaturpreises ‚Miguel Angel Asturias‘ 2007
„Produktive versus spekulative Wirtschaft: Ein Blick aus Zentralamerika“

 

Jack Lynch, USA, Berater, ehem. Vize-Präsident der First Midwest Bank of Illinois
„Glass-Steagall wieder einführen“

 

Daisuke Kotegawa, Japan, Ökonom, Direktor des Canon Institute, ehem. Beamter des japanischen Finanzministeriums, ehem. Exekutivdirektor des IWF Japan
„Das Versagen, die Gründe des Finanzkollaps von 2008 anzugehen, führte zum Zusammenbruch der Öffentlichen Gesundheit“

 

Ellen Brown, USA, Präsidentin des Instituts für Öffentliches Bankwesen
„Produktiver Kredit statt räuberische Schulden“

 

Joycelyn Elders, ehem. Gesundheitsministerin der USA
„Gesundheitsministerin a.D. Joycelyn Elders fordert zu mehr Solidarität auf!“

 

Diskussion

Weitere Beiträge

Antonio „Butch“ Valdes, Vorsitzender der LaRouche-Gesellschaft der Philippinen übermittelte der Konferenz den folgenden Videobeitrag
„Die Rolle der Philippinen bei der Wiederherstellung der amerikanisch-chinesischen Freundschaft“

Hier die Rede lesen

Herzliche Grüße von der Philippine LaRouche Society. Danke sehr, daß wir hier mitteilen dürfen, wie wir von hier aus eine bedeutende Rolle in den globalen Friedensbestrebungen spielen.

Für die meisten von uns, die sowohl die internationalen als auch die lokalen politischen Entwicklungen beobachten, war das vergangene Jahrzehnt höchst beunruhigend, da sich durch die zunehmenden Spannungen zwischen den Supermächten viel Unheil angekündigt hat.

Der Sturz der ukrainischen Regierung im Jahr 2014 durch den CIA und die anschließende Einkreisung Rußlands und Chinas durch Obamas Strategie des „Schwenks nach Asien“ waren große Schritte der westlichen Alliierten hin zum Aufbau einer militärischen Dominanz über jeden, der es wagt, sich ihnen in den Weg zu stellen.

Etwa zur gleichen Zeit war die Zerstörung Syriens in vollem Gange, mit Hilfe des künstlich aufgebauten Islamischen Staats und der Söldner-Terroristen, die man schon beim Sturz Gaddafis in Libyen eingesetzt hatte, in der Absicht, Präsident Assad zu stürzen und durch eine Marionettenregierung zu ersetzen. Aber sie hatten nicht damit gerechnet, daß der russische Präsident Putin und der chinesische Präsident Xi Jinping zusammenarbeiten würden, um die Briten und Obama machtvoll davon abzuhalten, die Welt im Schnellverfahren in einen Krieg zu stürzen.

Machen wir einen zeitlichen Sprung ins heute. Sie hatten auch nicht damit gerechnet, daß in einem Klientelstaat – eine bessere Beschreibung ist „willfähriger Staat“ – ein Patriot in das Präsidentenamt unserer Republik einziehen würde, und das mit überwältigender Mehrheit. Duterte machte keine Versprechungen, außer den Terrorismus und die Drogenkartelle zu bekämpfen. Er sollte sein Vokabular etwas verfeinern, aber er sagt: „Meine Bewunderer tolerieren meine Schimpfwörter gerne“ – weil er den Zorn verkörpert, den das Bündnis der zu Unrecht gewählten Regierungsbeamten mit den oligarchischen Konzernen, die verzweifelte Lebensbedingungen schaffen, so lange unterdrückt hat.

Doch nichts hat das Land so sehr geeint wie der Vorfall, als er kurz nach seiner Wahl, noch vor seinem Amtsantritt, einen Anruf von Obama erhielt, der ihn an die Verpflichtungen erinnerte, die die Vorgängerregierung mit ihm über das Truppenbesuchsabkommen und das Gesetz zur verstärkten Verteidigungszusammenarbeit eingegangen war, was die Philippinen faktisch zum nächstgelegenen US-Militärstützpunkt zu China und folglich zum ersten Angriffsziel im Falle einer nuklearen Konfrontation zwischen den beiden Großmächten machte.

Was Duterte offenbar besonders wütend machte, abgesehen von Obamas herablassendem Ton, war dessen Drohung, die von den USA für die Philippinen bereitgestellte Hilfe in Höhe von 700 Millionen Dollar zurückzuziehen, wenn sich unser Präsident diesem Diktat nicht unterwürfe. Duterte erwiderte mit den Worten: „Er kann sein Geld behalten und zur Hölle fahren! Wir sind nicht mehr ihre Kolonie.“

Ich glaube, danach haben sich viele Filipinos in den neugewählten Staatschef verliebt. Bis zum heutigen Tag, nach den ersten vier Jahren seiner sechsjährigen Amtszeit, genießt er immer noch eine Beliebtheits- und Zustimmungsrate von 87%. Zum ersten Mal seit so vielen Jahrzehnten, einschließlich der Regierung Marcos und denen davor, fühlen sich die philippinischen Menschen wie eine wahrhaft souveräne Nation.

Diese angespannte Beziehung hat uns unweigerlich Rußland und China nähergebracht. Doch die Beziehungen zu den USA verbesserten sich nach der Wahl eines weiteren phänomenalen Staatschefs, Präsident Donald Trump. Es lohnt sich zu erwähnen, daß unabhängig davon, ob Präsident Duterte die Konsequenzen seines Handelns kannte, als er unsere Unabhängigkeit bekräftigte, wir von der LaRouche-Gesellschaft der Philippinen nicht anders konnten, als gegenüber unseren Wählern und unseren Freunden in der Regierung unsere Zustimmung zu diesem Handeln auszudrücken. Wir wußten sofort, daß die Philippinen eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von Frieden in der südostasiatischen Region spielen würden.

Aber das wußten auch die Söldner der CIA, von George Soros und des „Tiefen Staates“ oder wie auch immer man sie nennt. Sie begannen eine unerbittliche Kampagne zur Diffamierung des Präsidenten, indem sie die gekaufte Opposition und die Mainstream-Medien benutzten, um Duterte zu beschuldigen, er sei eine Marionette Chinas und habe das Land in die „Schuldenfalle“ geführt – wobei sie bequemerweise ignorierten, daß wir uns dank des IWF und der Geldverleiher der Welt schon seit vier Jahrzehnten in einer solchen Falle befanden.

Die Dämonisierung Chinas ist gut inszeniert, ironischerweise auch unter den sogenannten „linken“ Elementen, deren Schlachtruf es früher war, den amerikanischen Imperialismus zu Fall zu bringen, die nun aber massiv gegen Chinas angebliche Expansionspläne und Absichten demonstrieren, die Philippinen anzugreifen und zu besetzen – jetzt rufen die „Linken“ ihre amerikanischen Imperialisten auf, die armen philippinischen Fischer zu schützen!

Trotz all dieser geopolitischen Machenschaften von Figuren aus der Finanzoligarchie, Manipulatoren der Wall Street, Politikern und einer Schar anderer britischer Agenten beobachten wir, daß Trump die Stellung hält und sich nicht in Intrigen ziehen läßt, die von Leuten in seinem eigenen Kabinett oder den Mainstream-Medien in Bezug auf die Absichten Chinas und Rußlands gegenüber den Vereinigten Staaten ausgeheckt werden. Durch sein selbstbewußtes Auftreten wird deutlich, daß seine Beziehung zu Putin und Xi Jinping weit davon entfernt ist, antagonistisch zu sein – was ein gutes Zeichen für die ganze Welt ist.

Aber wir alle wissen, daß sich die Situation seit kurzem drastisch verschlechtert hat. Die Pandemie wird die Philippinen ebenso wenig verschonen wie viele andere Länder der Dritten Welt, die sich in einer ähnlichen Lage befinden. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Bedingungen werden sich für alle Länder vom Schlechten zum Schlechteren entwickeln. Dies ist nicht gut für die Weltbevölkerung, aber definitiv ein Auftrieb für die Absichten derer, die sie zerstören wollen.

Ohne die 2013 gestartete Belt & Road Initiative Chinas – das globale Infrastrukturprogramm, das größte Projekt der Geschichte, das Menschen je für die Menschheit entworfen haben und das alle sieben Kontinente mit Hochtechnologie-Verkehrssystemen zu Lande verbindet, mit inzwischen 150 Nationen, die sich anschließen möchten -, ohne das wird es kein alternatives Projekt dieser Größenordnung geben, das den enormen Anstrengungen derer etwas entgegensetzt, die wie der mythische Gott Zeus die Sterblichen vernichten wollen.

Diese Sterblichen, die in nur 30 Jahren aus ärmlichen Verhältnissen zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen sind; ein Volk mit dem ausgedehntesten Eisenbahnsystem der Welt, so groß, daß damit das gesamte weltweite Eisenbahnnetz verdoppelt wurde; ein Land, das begonnen hat, dem afrikanischen Kontinent bei der Entwicklung zu helfen, wo die am meisten ausgebeuteten Menschen auf dem Planeten leben, beim Bau einer Eisenbahn von Südafrika nach Ägypten über eine Strecke von etwa 14.500 Kilometern, was ungefähr dem Dreifachen der Länge von New York bis Kalifornien entspricht; ein Land, das seine ganze Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen über die Armutsgrenze erhob: All das taten sie nicht, indem sie andere Länder besetzten, sie haben auch nicht andere eingeschüchtert, damit sie ihre Waren zu kaufen, oder ihre Währungen kontrolliert oder 600 Militärbasen auf der ganzen Welt errichtet, um anderen ihren Willen aufzuzwingen.

Sie taten das, was auch andere große Denker und Staatsmänner getan hätten, wie Alexander Hamilton, Benjamin Franklin, Abraham Lincoln, Franklin Roosevelt, John F. Kennedy und Lyndon LaRouche. Es gibt ein Sprichwort, das lautet: Der Baum, der viele Früchte trägt, zieht jene an, die ihn mit Steinen bewerfen.

Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben zwei Möglichkeiten: Die eine ist, denen zu folgen, deren Weltsicht auf Geopolitik beruht, indem man sich in Erwartung eines weltweiten atomaren Konflikts gedankenlos auf die Seite derer schlägt und mit denen verbündet, von denen man glaubt, sie hätten größere militärische Macht.

Die andere Möglichkeit ist, mit China, Rußland, Indien und über hundert anderen Ländern, einschließlich der Philippinen, zusammenzuarbeiten an einer globalen kollektiven Anstrengung zur Eindämmung der verheerenden Auswirkungen eines anhaltenden Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems, einschließlich der aktuellen Pandemie, durch die der menschlichen Bevölkerung Millionen Tote drohen. Im wahrsten Sinne des Wortes liegen das Vertrauen der Welt und acht Milliarden Menschenleben in den Händen eines Donald Trump: Seine Zeit zur Entscheidung ist knapp, denn die Feinde der Menschheit betreiben massiven Aufwand, um ihn daran zu hindern, das Richtige zu tun.

Wir auf den Philippinen werden tun, was wir können, um unsere Entscheidungsträger zu beeinflussen, nicht in die Falle der Dämonisierung Chinas zu tappen. Wir sind zuversichtlich, daß die lokale Opposition und die linken Elemente unser Volk nicht überzeugen konnten, daß China die Philippinen übernommen hat. Im Gegenteil, es sind die Schiffe der US-Marine, die unsere Häfen ansteuern und dort anlegen, ohne daß sie dafür eine Genehmigung benötigen.

Genauso wie Trump das Haupthindernis für den Dritten Weltkrieg ist, ist Dutertes Präsenz ein Hindernis für den „Tiefen Staat“, uns als Ausgangsbasis für einen Präventivschlag gegen China zu benutzen. Es ist sicher, daß diese beiden Staatschefs auf ihrer Liste von Dämonen ganz oben stehen.

Wir schließen uns Helga Zepp-LaRouche, der gesamten LaRouche-Bewegung, Freunden und dem Rest der Welt an bei diesem Weckruf, den alle hören sollen, daß dort, wo es eine große Krise gibt, es auch eine große Chance gibt, die notwendigen Veränderungen für den Erfolg unserer Zivilisation zu erringen. Es ist unsere Pflicht als Menschen, uns der schöpferischen Kräfte würdig zu erweisen, die uns von unserem Schöpfer gegeben wurden. Wir in den Philippinen verpflichten uns, im Geist wahrer Nächstenliebe unseren Teil zu tun, um die Menschheit vor der Selbstzerstörung zu bewahren, im Namen von Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Entwicklung, so wahr uns Gott helfe. Ich danke Ihnen.

 

Professor Bassam El-Hachem, Professor am Sozialwissenschaftlichen Institut der Libanesischen Universität in Beirut
„Krise und Hoffung: ein Bericht aus dem Libanon“

Hier die Rede lesen

Frau Helga Zepp-LaRouche, meine Freunde vom Schiller-Institut, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich grüße Sie herzlich aus Byblos im Libanon, und gerade auf den Libanon werde ich mich in meinen Ausführungen konzentrieren.

Mein Land befindet sich in einer schrecklichen wirtschaftlichen und sozialen Krise. Das ist bekannt, denn wir kennen Cheminade und Christine Bierre in Paris seit Jahren. Aber wir leiden im Kleinen unter den globalen Problemfragen, mit denen sich die Konferenz befaßt. Dazu gehört auch die Krise eines beispiellosen Volksaufstandes, der am 17. Oktober begonnen hat und der trotz der gegenwärtigen Abriegelung bis heute unaufhaltsam seinen Lauf nimmt.

Ich habe nur 5 oder 7 Minuten Zeit, also will ich gleich auf den Kern der Sache eingehen, ich werde einige Punkte auf der Liste anführen.

Was die Krise und die Zusammenbruchskrise im Libanon betrifft, so gibt es drei Hauptaspekte.

Erstens zeichnet sich ein finanzieller und wirtschaftlicher Zusammenbruch ab, mit einer Staatsverschuldung, die nahe an der astronomischen Zahl von 90 Milliarden Dollar liegt, was 170% des BIP entspricht, gekoppelt mit einem sehr hohen Schuldendienst, der 10-11% des BIP entspricht, und mit einem Haushaltsdefizit, das 2019 bis zu 16% des BIP betragen wird, aber auch mit einem gravierenden Defizit in der Zahlungsbilanz verbunden ist.

Zweitens verschlechtern sich die realen Lebensbedingungen in Libanon kontinuierlich, so weit, daß eine endemische Stagnation der Löhne zu einer Verschlechterung der Kaufkraft der Einkommen geführt hat, was mit einer Erhöhung der Steuern auf importierte Produkte einhergeht, die fast 80% der im Libanon konsumierten Produkte ausmachen. Und ab Sommer 2019 begann die Kürzung der Pensionen und Renten des öffentlichen Dienstes und der Streitkräfte. Hinzu kommt eine Arbeitslosenquote in der Größenordnung von 30-33% der im Libanon lebenden Arbeitskräfte, insbesondere unter der Jugend, die junge Libanesen ins Exil treibt.

Und das dritte ist der skandalöse Verfall der Infrastruktur und der von ihr erbrachten Dienstleistungen, Strom wird abgestellt und fällt aus.

Was die treibenden Kräfte dieser Krise anbelangt, sehe ich folgendes, es sind drei Elemente.

Erstens gibt es das grundlegende Problem der Korruption an der Macht, deren Hauptkoordinaten sich seit Anfang der 90er Jahre bis auf einige kleinere Anpassungen seit 2005 nicht geändert haben. Abgesehen von kleinen Änderungen hat die Korruption eigentlich nie aufgehört.

Zweitens herrscht seither eine im wesentlichen rentenkapitalistische Wirtschafts- und Finanzpolitik, die Verschuldung begünstigt und Kapital anzieht, das in Staatsanleihen zu jährlichen Zinssätzen angelegt wird, die zeitweise die sehr beunruhigende Schwelle von 40-45% erreicht haben. Dies führte zu einem Anstieg der Staatsverschuldung, zur Anhäufung von Privatvermögen durch simple Unterschlagung zum Nachteil des öffentlichen Interesses und anschließend zum Ruin der Landwirtschaft und der Industrie, die von potentiellen Investoren zugunsten reiner Finanzinvestitionen verlassen wurden.

Das dritte ist natürlich der Krieg in Syrien mit seinen schädlichen Auswirkungen auf die libanesische Wirtschaft, mit dem Zustrom – zusätzlich zu den Palästinensern in den letzten 60 Jahren -, der Tragödie all der Flüchtlinge, die vor dem Krieg in Syrien fliehen, sowie seine schädlichen Auswirkungen auf die libanesische Wirtschaft. Es ist eine riesige Masse von Syrern, die vor dem Krieg fliehen, etwa eine Million Menschen, die zu den vier Millionen Einwohnern des Libanon hinzugekommen sind. Dies führte einerseits zu einer unhaltbaren Lage für die libanesischen Arbeitskräfte und für den Markt für lokale Produkte, und zum anderen zu einer beispiellosen Sperrung der Landroute, die für den Transport der libanesischen Produktion sowohl der Industrie als auch der Landwirtschaft, nach Jordanien und insbesondere in alle Länder des Arabischen Golfs, vor allem aber auf den irakischen Markt, unersetzlich ist.

Zu den Hindernissen, die dem Ausweg aus der Krise im Wege stehen, läßt sich folgendes sagen:

  1. eine Politik der Vereinigten Staaten, die Gegner einer Lösung sind. Es ist die systematische Politik der Vereinigten Staaten mit wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen, die an die Stelle der Kanonenboote vergangener Zeiten treten, vorzugsweise im Dienste Israels, die das Land der Zeder erstickt und die Banken unter Druck setzt.
  2. Druck, der in ähnlicher Weise von derselben Supermacht ausgeübt wird, um dieses Land zu zwingen, den Verlauf der Land- und Seegrenzen zu Israel und dem besetzten Palästina zu ändern, was zur Folge hat, die Fortschritte des Libanon bei der Öl- und Gasförderung im Mittelmeer so weit wie möglich zu verzögern.
  3. verbieten uns die Vereinigten Staaten von Amerika durch ihre Handlanger auch jegliche Wiederaufnahme des Dialogs mit der syrischen Regierung – die mit Hilfe ihrer Freunde und Verbündeten, insbesondere Rußland, Iran und der libanesischen Hisbollah, ausgehalten hat -, was jegliche Lösung für unseren wirtschaftlichen Fortschritt behindert. Das hängt mit dem Transit unserer Waren durch syrisches Territorium zusammen, sowie mit dem Wunsch, daß die 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge, die wegen des Krieges im eigenen Land seit 2011 in den Libanon geflohen sind, so bald wie möglich zurückkehren.
  4. sind am Horizont Hoffnungsschimmer auf einen Ausweg zu sehen, aber nicht auf Hilfe von außen. Der IWF steht unter großem Druck der USA, dem Libanon die erforderlichen Kredite zur Bewältigung seiner Krise nicht zu gewähren.

Was sind Hoffnungsschimmer, um uns aus der Krise herauszuführen? Damit möchte ich schließen, aber ohne Hilfe von außen kann es uns nicht gelingen, sie in die Tat umzusetzen:

  1. eine mögliche Rückführung öffentlicher Gelder, die von Kriminellen, die wir nicht mehr ignorieren, geraubt wurden, in Form von Einlagen auf Auslandskonten, deren Umfang etwa 160 bis 200 Milliarden Dollar betragen dürfte. Das sind hinterzogene Steuergelder außerhalb des Libanon.
  2. die Neutralisierung regionaler Faktoren. Ich sprach gerade von der palästinensischen Frage und der syrischen Frage, das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die regionale Einmischung von der libanesischen Szene auszuschließen, sei es durch den Iran oder Israel, Saudi-Arabien und so weiter.
  3. muß eine Umstrukturierung unserer Wirtschaft die produktiven Sektoren der physischen Wirtschaft, nämlich Landwirtschaft, Industrie und Technologie, zum Nachteil des Profitsystems begünstigen.

All dies, und damit möchte ich schließen, wird wahrscheinlich nicht möglich sein, es sei denn im Zusammenhang mit einer Neugründung der Beziehungen zwischen den Nationen, für die das Schiller-Institut und Lyndon LaRouche kämpfen, auf der Grundlage einer Win-Win-Situation und einer neuen, ausgewogeneren Finanz- und Wirtschaftsordnung, die dem gefährlichen, bis zum äußersten gehenden Hegemonismus der US-Methoden ein Ende setzt und an seiner Stelle allen Nationen, großen und kleinen, eine Stimme bei der Gestaltung der Weltpolitik gibt. Deshalb sind wir heute hier vereint, um über eine solche Alternative nachzudenken. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 


Webcast: Pandemie-Anleihen offenbaren westliche Dekadenz – LaRouches visionäres Krisenmanagement gefordert!

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Zerstörung Beethovens im Beethovenjahr 2020?

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In einem vielbeachteten Appell erklärte Helga Zepp-Larouche, Vorsitzende des internationalen Schiller-Institutes, daß die Zerstörung der Oper „Fidelio“ von L. van Beethoven  in einer Aufführung in Darmstadt einem Dammbruch gleichkomme.

Hier wurde nicht nur durch die Regie der Sinn der Oper , sondern sogar  auch die Musik entstellt.

„Die Grenze des Zumutbaren ist endgültig überschritten“, erklärte Frau Zepp- LaRouche.

Wenn dieser Zerstörung nicht Einhalt geboten würde, wird sich die ganze Welt über den „Eurotrash“ lustig machen, wie dieses Genre inzwischen in vielen Ländern genannt wird.

Dieser Appell erregte schon international Aufsehen, wie z.B. in den USA, Italien und Holland.

Wir bitten Sie, den nachfolgenden Appell zu unterstützen, zu veröffenlichten und zu verbreiten.

Hier als PDF im A4 Format zum Herunterladen.
Hier als PDF im A3 Format zum Herunterladen.

Von der Unfähigkeit, Musik zu komponieren

Ein Offener Brief an die Klassikliebhaber Deutschlands im Beethoven-Jahr: Die Grenze des Zumutbaren ist endgültig überschritten!

Von Helga Zepp-LaRouche

 

Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,
Bewahret sie!
Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!

Friedrich von Schiller

 

Das erste, was man über die Aufführung von Beethovens Fidelio im Staatstheater Darmstadt in einer Inszenierung von Paul Georg Dittrich und einer musikalischen Bearbeitung des Finales durch Annette Schlünz sagen kann: Sie ist grottenschlecht. Grottenschlecht vom musikalischen, vom künstlerischen, vom philosophischen und vom menschlichen Standpunkt. In einer langen Reihe von stupiden, geschmacklosen, repetitiven Aufführungen des Regietheaters, wie sie seit mehr als einem halben Jahrhundert (!) auf die Bühne gebracht werden – zunächst beschränkt auf das Theater, und seit Jahren auch der Oper angetan -, war diese Aufführung der absolute Tiefpunkt.

Als Hans Neuenfels im Sommer 1966 als 25 Jahre alter Dramaturg am Trierer Theater als Werbung für das „1. Happening in Rheinland-Pfalz“ ein Flugblatt verteilen ließ, wo er auch die Frage stellte: „Warum schänden Sie nicht kleine Mädchen?“, befand er sich durchaus in Übereinstimmung mit den Überzeugungen der 68er Bewegung, wie man spätestens seit Cohn- Bendit weiß. Seitdem – seit 53 Jahren! – kopulieren diverse Nackte, Rockerbanden, Schizophrene oder Nazi-Kostümierte auf den Bühnen und haben erfolgreich die Stücke und Kompositionen der klassischen Dichter und Komponisten bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Originalität sieht anders aus.

Die Darmstädter Fidelio-Inszenierung präsentiert nicht nur eine Multimedia-Mischung von ästhetischen Abgeschmacktheiten, Brechtschen Entfremdungseffekten und einer Überlagerung der musikalischen Szenen des ersten Teils mit einer die ganze Bühne ausfüllenden Leinwand, auf die Bilder und Filmausschnitte projiziert werden. Diese sollen den zeitgeschichtlichen Hintergrund illustrieren, vor dem acht Inszenierungen von 1805 bis heute stattgefunden haben. Der Gesamteindruck ist chaotisch, die Sänger, die gegen diese Clip-Gewitter ansingen müssen, beginnen einem leid zu tun, so wie Leonore, die die ganze Zeit wie ein kopfloses Huhn um die Bühne herumlaufen muß.

Aber die wirkliche Monstrosität ereignet sich im zweiten Teil, als das Finale, die großartige Freiheitshymne der Oper, durch Einschübe von Kompositionen im Stil der Neuen Musik von Annette Schlünz martialisch regelrecht zerhackt wird. Schlünz beschreibt die von ihr komponierten Einschübe im Programmheft folgendermaßen:

„Nach und nach ist so ein ,Heil-Chor’ entstanden, der teilweise verstummt oder in dem nur einzelne Stimmen oder Wörter stehen geblieben sind. Manchmal radikalisiere ich auch Beethovens Instrumentation, um seine Ideen noch zu verstärken oder ich wiederhole einzelne Takte und stoppe dann plötzlich. Ein ganz großer Wunsch von mir war es, Fremdklang mit einzuflechten und die Musik an manchen Stellen einzufärben. Die Trompetenfanfare, die schon vor Beginn der Vorstellung vom Balkon des Staatstheaters erklingt, greife ich auf und erweitere sie: Das ist das Signal, das zum Aufbruch ruft. Einige Instrumente und Musiker, die aus dem Orchesterklang herausfallen, werden sozusagen abtrünnig und bringen etwas Neues herein. Das F-Dur Ensemblestück – ein fantastisches Stück Musik mit einer Sakralität und Geschlossenheit, an die ich mich nie heranwagen würde – lasse ich hingegen unberührt wie einen Edelstein stehen. Das anschließende Zwischenspiel mit meiner Musik, bei der unterschiedliche Klänge inklusive der Stimmen von acht Vokalsolistinnen durch den Raum geschickt werden, bricht die Beethoven’sche Klangwelt vollends auf.“

Vom Standpunkt der malträtierten Zuschauer hatte der von Schlünz zwischengeschobene Krach, bei dem Sänger und Instrumentalisten aus Plätzen mitten im Publikum und von allen Seiten ihren ohrenbetäubenden Mist hinausposaunten, mit Musik nicht mehr das geringste zu tun: Die Grenze zur Körperverletzung war eindeutig überschritten.

Wie emotional gestört Schlünz ist, wird aus ihren nächsten Sätzen deutlich:

„Beim Hören habe ich mir oft vorgestellt, ich würde an den Reglern eines Mischpults sitzen und die Geschwindigkeit noch weiter hochdrehen. Und da würde ich Beethoven einfach mal unterstellen, daß er beim Komponieren im Sinn hatte, fast etwas zu überdrehen. Das ist eine regelrechte Jubelmaschine! Mich erinnert das an Kinder, die vor Aufregung völlig überschnappen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Gefühle im Griff behalten sollen.“

Wenn hier irgend etwas übergeschnappt ist, dann ist es die von Schlünz hier demonstrierte Erbärmlichkeit, ihre emotionale Impotenz, das Erhabene des Sieges der Liebe zwischen Leonore und Florestan zu begreifen. Mehr noch, sie kann diese Größe offensichtlich nicht ertragen, ihre Vorstellung, mittels der Regler eines Mischpults die Geschwindigkeit der Musik hochdrehen zu wollen, ist der gleiche unkontrollierbare Ausraster, mit dem die Mörder des Ibykus sich selbst verraten, nachdem der Chor der Erinnyen die höhere Macht der Poesie im Theater von Korinth wachgerufen hat. Kleine, niedrig gesinnte Geister können weder große Ideen noch erhabene Gefühle ertragen.

Das großartige Finale des Fidelio, in dem Beethoven die Überwindung der Tyrannei durch den Mut der Gattenliebe zelebriert, ist Ausdruck der edelsten Humanität, bei der Liebe, Mut und Freiheitswille ihren musikalischen Ausdruck finden. In der Arie Leonores heißt es zuvor: „Ich wanke nicht, mich stärkt die Pflicht der Gattenliebe.“ Beethoven wählte den Stoff der Oper als im Sinne Schillers gelungene Idealisierung einer historischen Begebenheit, der Befreiung des Helden der Amerikanischen Revolution und französischen Republikaner, Marquis de La Fayette, durch seine Frau Adrienne. Darin kommt Beethovens eigene republikanische Gesinnung zum Ausdruck, wozu in der damaligen Zeit immer noch feudaler Strukturen und napoleonischer Feldzüge selber schon persönlicher Mut und Freiheitswille gehörte.

Für die gestörte Emotionalität der Vertreter der Frankfurter Schule und des liberalen Zeitgeistes sind solche zutiefst menschlichen Gefühle nicht mehr zugänglich. Der Regisseur Paul-Georg Dittrich sagt in seinem Interview im Programmheft in aufschlußreicher Weise, daß ihm das Finale vorkommt „wie eine Feier, bei der man gar nicht weiß, was eigentlich gefeiert wird“. Wenn Dittrich und Schlünz das nicht wissen, heißt das aber noch lange nicht, daß sie das Recht hätten, auch den normalen Menschen den Zugang dazu durch die Dekonstruktion der Komposition Beethovens zu zerstören.

Im Geiste des „Kongreß für kulturelle Freiheit“

Aber genau das war von Anfang an die Absicht der diversen Strömungen, in deren Tradition sich Dittrich, Schlünz und die ganze Inszenierung in Darmstadt befinden, einem Amalgam aus Adorno, der Eisler-Brecht-Schule und des Kongresses für kulturelle Freiheit. In einem bemerkenswerten Anflug wahrheitsgerechter Berichterstattung berichtete die FAZ am 12.11. 2017 in dem Artikel „Die CIA und die Kultur: Wie man die großen Wörter klaut“ über die Ausstellung anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Skandals, als 1967 bekannt wurde, daß die gesamte gigantische Operation des Kongresses für kulturelle Freiheit eine von der CIA finanzierte Operation als Teil des Kalten Krieges war. Und dann das für die FAZ schon beinahe sensationelle Eingeständnis über das Ganze: „Die beunruhigende Pointe ist, daß der Geheimdienst dabei nicht einfach eine sinistre Reaktion beförderte, sondern eben jenem Linksliberalismus zum Durchbruch verhalf, der bis heute den Mainstream-Standard der westlichen Intellektuellen bildet.“

Die Darmstädter Fidelio-Inszenierung ist gewissermaßen die Endmoräne dieses Prozesses. Angefangen hatte er mit dem Wandel der amerikanischen Nachkriegspolitik. Nach dem unzeitigen Tod Roosevelts, unter dessen Führung die USA im Zweiten Weltkrieg mit der Sowjetunion im Kampf gegen den Faschismus verbündet waren, geriet der intellektuell wesentlich kleinere Truman schnell unter den Einfluß Churchills. Mit seiner berüchtigten Fulton-Rede am 5. März 1946 läutete dieser den Kalten Krieg ein. Damit gewannen die Vorläufer jener Elemente im amerikanischen Sicherheitsapparat, vor denen Eisenhower später als dem Militärisch-Industriellen Komplex warnte und die heute oftmals verkürzt als „Tiefer Staat“ bezeichnet werden, die Oberhand.

Der nunmehr ausgerufene Kalte Krieg erforderte, daß die tiefen Emotionen, die Amerikaner und Russen aufgrund der Kriegserfahrung verbanden und wie sie im Treffen an der Elbe in Torgau ihren Höhepunkt fanden, durch ein antirussisches Sentiment ersetzt werden mußten. Es mußte ein neues Feindbild aufgebaut und die gesamte Axiomatik des Denkens in der Bevölkerung entsprechend geändert werden. Für die USA bedeutete dies, die Grundannahmen in der Bevölkerung zu ändern, die zur Unterstützung der Politik Roosevelts beigetragen hatten. Für Europa und insbesondere Deutschland mußten die Wurzeln der europäischen humanistischen Kultur, die die kulturelle Identität jenseits der zwölf Jahre Schreckensherrschaft ausmachten, zerstört und durch ein Konstrukt ersetzt werden – die Dekonstruktion der klassischen Kultur.

Das Instrument, das für diesen Zweck geschaffen wurde, war der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ (CCF), ein gigantisches Programm der psychologischen Kriegsführung, das von den Geheimdienstkreisen um Allan Dulles unter der Leitung von Frank Wisner, dem damaligen Chef des Büros für politische Koordination im US-Außenministerium, ins Leben gerufen wurde. Später wurde der CCF in die Abteilung für verdeckte Operationen verlagert. Die Operation dauerte offiziell von 1950 bis 1967, als die New York Times am 27. April 1967 veröffentlichte, daß der CCF eine Operation des CIA war – eine Enthüllung, die sich zum größten Kulturskandal des 20. Jahrhundert entwickelte. Der CCF operierte in 35 Staaten, gab 20 Magazine heraus, und tatsächlich steuerte der CIA praktisch jede Kunstausstellung und kulturelle Veranstaltung. In Europa gab es in dieser Zeit so gut wie keinen Schriftsteller, Musiker, Maler, Kritiker oder Journalisten, der nicht in irgendeiner Form mit diesem Projekt in Verbindung stand – mal wissentlich, mal ohne eine Ahnung zu haben.

Die Orientierung dieser Kulturprojekte war im wesentlichen die gleiche wie die der Frankfurter Schule, deren führende Vertreter während der Zeit des Nationalsozialismus in den USA im Exil waren und dort teilweise in den Sold der amerikanischen Geheimdienste getreten waren, wie Herbert Marcuse und andere. Auf jeden Fall paßten die Ansichten der Frankfurter Schule perfekt in das Programm des CCF. Theodor Adorno vertrat z.B. die absurde und ignorante Auffassung, daß der Idealismus Friedrich Schillers direkt zum Nationalsozialismus geführt habe, weil er einen radikalen Standpunkt eingenommen habe. Deshalb sei es nötig, die Schönheit vollkommen aus der Kunst zu entfernen. In seinem Aufsatz „Kulturkritik und Gesellschaft“, 1949 geschrieben, gipfelte seine misanthropische Sichtweise in dem vielzitierten Satz: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“

In Darmstadt auch hier nichts Neues: Im Programmheft zur Fidelio-Aufführung vertritt ein George Steiner exakt die gleiche Meinung: „Ist es möglich, daß im klassischen Humanismus selbst, in seiner Neigung zur Abstraktion und zum ästhetischen Werturteil, ein radikales Versagen angelegt ist? Kann es sein, daß Massenmord und jene Gleichgültigkeit gegenüber den Greueln, die dem Nazismus Vorschub geleistet hat, nicht Feinde oder Negationen der Zivilisation sind, sondern ihr gräßlicher aber natürlicher Komplize?“

Was hier in Reinformat zum Ausdruck kommt, ist exakt die psychologische Kriegsführung des CIA-gesteuerten CCF, der die Wurzeln der humanistischen Identität in der deutschen Bevölkerung zugunsten einer anglo-amerikanischen kulturellen Werteskala ausreißen sollte.

Eine Frage des Menschenbilds

Um es noch einmal auf den Punkt zubringen: Es gibt keinen größeren Gegensatz als den, der zwischen dem erhabenen Menschenbild des Humanismus und der klassischen Kunst und dem barbarischen Menschenbild der Nationalsozialisten existiert. Das Menschenbild der Klassik sieht den Menschen als prinzipiell gut an, als das einzig vernunftbegabte Geschöpf, das die in ihm angelegten Potentiale durch die ästhetische Erziehung zu einem harmonischen Ganzen, zu einem schönen Charakter, wie Wilhelm von Humboldt es ausgedrückt hat, vervollkommnen kann. Die klassischen Kunstwerke in der Dichtung, den bildenden Künsten und der Musik zelebrieren diese schöne Menschlichkeit und sind selbst wiederum Inspiration für die kreativen Fähigkeiten der Leser, Zuschauer und Zuhörer.

Das Menschenbild der Nationalsozialisten hingegen mit seiner Blut-und-Boden-Ideologie geht von einer rassistischen, chauvinistischen und sozialdarwinistischen Ideologie der Überlegenheit der arischen Rasse aus. Zu behaupten, die Tatsache, daß sowohl die Klassik als auch der Nationalsozialismus in Deutschland vorgekommen sind, beweise, daß es einen inneren Zusammenhang zwischen diesen vollkommen gegensätzlichen Vorstellungen gäbe, ist genau so absurd wie die Behauptung, aus der amerikanischen Verfassung seien geradewegs die Interventionskriege der Regierungen Bush und Obama entstanden oder aus der Überzeugung der Johanna von Orleans die französische Kolonialpolitik. Diese Behauptungen stammen in Wirklichkeit aus der Giftküche der CIA, zu deren Rezepten spätestens seit den Zeiten des CCF die „notwendige Lüge“ und die „glaubhafte Abstreitbarkeit“ gehören, wovon die Welt in jüngster Vergangenheit mit dem andauernden Coup gegen Präsident Trump durch den britischen Geheimdienst in Zusammenarbeit mit dem „Tiefen Staat“ wieder genügend viele Kostproben bekommen hat.

Die Frage, wie es vom hehren Ideal der deutschen Klassik zum Absturz unter der Herrschaft der Nationalsozialisten kommen konnte, ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Um sie zu beantworten, ist die gesamte Ideengeschichte seitdem notwendig, vom Angriff der Romantik auf die Klassik und der damit beginnenden Auflösung der klassischen Form über den beginnenden Kulturpessimismus, der mit der Konservativen Revolution als Antwort auf die Ideen von 1789 und der politischen Restauration des Wiener Kongreß einzusetzen begann, über Schopenhauer und Nietzsche, die Bewegung des Jungen Europa vor dem Ersten Weltkrieg bis hin zum Ersten Weltkrieg und seinen Folgen.

Den Zweck, Kulturpessimismus zu induzieren, verfolgten auch die diversen Musikprojekte des CCF. 1952 veranstaltete er ein einmonatiges Musikfestival in Paris mit dem Titel: „Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“, bei dem über hundert Symphonien, Konzerte, Opern und Ballette von über 70 Komponisten des 20. Jahrhundert aufgeführt wurden. Das Boston Symphony Orchestra, das eine führende Rolle bei weiteren Projekten des CCF spielen sollte, eröffnete das Festival mit einer mehr als gewöhnungsbedürftigen Aufführung von Strawinskys Sacre du Printemps. Ebenfalls aufgeführt wurden die Atonalisten Arnold Schönberg (bei dem Adorno studiert hatte) und Alban Berg, dazu Paul Hindemith, Claude Debussy und Benjamin Britten, um nur einige zu nennen. Weitere Konferenzen zur Propagierung von atonaler und Zwölftonmusik folgten in Prato und Rom, die ausschließlich Avantgarde-Musik förderten. Bei all diesen gut finanzierten Veranstaltungen wurde es als selbstverständlich erachtet, daß alle so taten, als würde ihnen häßliche Musik gefallen.

Die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, ebenfalls unterstützt von der amerikanischen Militärregierung und dem CCF, brachte u.a. Schönberg, Webern und Bartok zur Aufführung. Dozenten wie Adorno, Olivier Messiaen und John Cage referierten über ihre Musiktheorie. Eine offizielle Beurteilung von Ralph Burns, Chef der OMGUS Cultural Affairs Branch, im Review of Activities über diese Kurse lautete: „Man war sich allgemein darüber einig, daß ein Großteil dieser Musik wertlos ist und besser nicht hätte gespielt werden sollen. Man bedauerte, daß Zwölftonmusik übermäßig viel Raum gegeben wurde. Ein Kritiker beschrieb die Konzerte als ,Triumph des Dilettantismus’.“

Es geht hier gar nicht darum, jemanden davon abzuhalten, atonale oder Zwölftonmusik oder welche Formen von Avantgarde-Musik auch immer zu komponieren oder anzuhören. Jeder nach seinem Geschmack. Es geht darum, daß durch die Idee der Gleichberechtigung aller Töne der temperierten chromatischen Skala die viel höheren Freiheitsgrade, die sich aus der polyphonen, harmonischen und kontrapunktischen Komposition, wie sie sich seit Bach über Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann und Brahms entwickelt haben, massiv reduziert werden. Damit fallen die Mehrdeutigkeit der Noten und die Beziehungen zwischen den Tonarten, die Möglichkeit der enharmonischen Verwechslungen usw. weg: Die „Motivführung“ ist eine Form der Komposition, die aus einer einzigen musikalischen Idee heraus alle weiteren Themen, alle Sätze und schließlich die gesamte Komposition gesetzmäßig entwickelt. Diese Technik des Komponierens hat sich, wie Norbert Brainin, der Primgeiger des Amadeus-Quartetts, stringent dargelegt und in diversen Meisterklassen demonstriert hat, von Haydns „Russischen Quartetten“ op. 33 über Mozarts „Haydn- Quartette“ bis zu Beethovens späten Quartetten zu immer größerer Komplexität und Vollendung entwickelt.

Von diesem hohen Niveau, das die klassische Komposition mit Beethoven erreicht hatte, ist die sogenannte Moderne Musik – und es gibt durchaus gute moderne Kompositionen -, wenn sie diese Prinzipien aus dem Fenster wirft, ein Abstieg vergleichbar mit dem von einem sich antientropisch entwickelnden Universums von bisher mindestens zwei Billionen bekannten Galaxien herunter zur Vorstellung der flachen Erde.

So gut wie alle wirklich kreativen Menschen von Konfuzius bis Albert Einstein erkannten und nutzten die Wirkung von guter oder klassischer Musik zur Beförderung ihrer eigenen kreativen Fähigkeiten und zur ästhetischen Veredlung der Bevölkerung. Konfuzius machte die richtige Beobachtung, daß man an der Qualität der Musik den Zustand eines Staates ablesen könne. Die Versenkung in die Kompositionen großer klassischer Komponisten eröffnet den tiefsten Zugang zu den kreativen Fakultäten der menschlichen Seele und des Geistes. Wo sonst kann wie bei der klassischen Musik die Leidenschaft gestärkt und vertieft werden, die notwendig ist, über den eigenen kleinen Tellerrand hinauszublicken und sich mit den großen Gegenständen der Menschheit zu beschäftigen? Oder das Empfindungsvermögen ausgebildet werden, um die Forderung Schillers zu erfüllen, die er in der Rede zur Universalgeschichte aufstellt:

„Ein edles Verlangen muß in uns entglühen, zu dem reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen, auch aus unsern Mitteln einen Beitrag zu legen, und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen.“

Es ist genau diese Emotionalität der Liebe, die im Finale des Fidelio zum Ausdruck kommt: Liebe zum Gatten, Liebe zur Menschheit und die Idee der Freiheit in der Notwendigkeit, die Idee, mit Leidenschaft die Pflicht zu erfüllen und darin frei zu werden, was Schiller als die Qualitäten seines Ideals der schönen Seele und des Genies definiert hat. Es ist die Quintessenz der gesamten ästhetischen Methode der Klassik und Friedrich Schillers insbesondere: „Weil es die Schönheit ist, durch welche man zur Freiheit wandert.“

Verhurzt

Aber es ist genau dieser Freiheitsbegriff, dem die ganzen Verfechter von Regietheater, disharmonischer Musik und postmoderner Dekonstruktion den Kampf angesagt haben, weil er ihrem liberalen Konzept von „Freiheiten“ statt Freiheit entgegensteht. Also greifen sie hemmungslos in die schon reichlich zerfressene Mottenkiste von Brechtschen Verfremdungseffekten: Unterbrechungen, Filmclips, Spruchschilder, auf das Publikum gerichteter Kameraführung etc., um die Zuschauer so aus ihren Hör- und Denkgewohnheiten heraus zu „schocken“. Was in Darmstadt dabei heraus kommt, ist eine Mischung aus Clockwork Orange – man erinnere sich an die gewalttriefende Scheußlichkeit von Stanley Kubrick, die mit der Musik der 9. Symphonie Beethovens untermalt wurde – und der intellektuellen Tiefe Helene Fischers. Wenn Helene Fischer im roten Latex-Outfit zu orgiastischen Bewegungen ihren Song „Sag mal, spürst Du das?“ ins begeisterte Publikum hineinschnulzt, dann ist das ungefähr genau so subtil, wie wenn während des gesamten Finales auf der Bühne der Satz „Bewegt es Dich?“ in großen Neonlettern aufleuchtet. Offensichtlich meint der Regisseur Dittrich, daß das intellektuell herausgeforderte Publikum mit einer Holzlatte aufgeweckt werden müsse. Dazu dann das eingangs erwähnte Bombardement mit ohrenbetäubendem Krach durch im Zuschauerraum verteilte Instrumentalisten und Chormitglieder.

Das Publikum dankte für diesen Klamauk mit einem gequälten Mini-Applaus. Wenn es das Ziel der Inszenierung war, entweder das Publikum zum politischen Handeln in der Gegenwart aufzufordern oder die zeitgenössische Musik für ein „breiteres Publikum“ (Dittrich) zu öffnen, dann muß man in beiden Fällen sagen: Ziel verfehlt. Der bekannte „Hurz“-Sketch von Hape Kerkeling beschreibt die Reaktion der meisten Zuschauer – die sich offensichtlich schon zu lange an die Zumutungen des Regietheaters und den Kulturkrieg des CCF gewöhnt haben, der offensichtlich immer noch andauert – sehr treffend.

Abschließend sei ein Zitat von Alma Deutscher, die wirklich komponieren kann, erwähnt: „Wenn die Welt so häßlich ist, warum soll man sie dann noch häßlicher machen mit häßlicher Musik?“

Verteidigt die klassische Kultur!

Ehe das Vorbild von Frau Schlümpf Beispiel macht, noch andere klassische Kompositionen im Sinne von Hans Neuenfels zu „schänden“, soll diese Kritik im Beethoven-Jahr eine Debatte ins Leben rufen, die Klassik gegen solche Übergriffe zu verteidigen.

Das Beethoven-Jahr, in dem nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt eine große Anzahl von Beethovens Kompositionen aufgeführt werden, bietet die wunderbare Chance, daß wir uns an unsere bessere kulturelle Tradition in Deutschland erinnern, dem seit Jahrzehnten fortdauernden moralischen Abwärtstrend entgegenstellen und im bewußten Hören von Beethovens Musik die innere Kraft finden, unsere eigene Kreativität lebendig werden zu lassen.

Die Welt befindet sich derzeit in einem Epochenwandel, in der die bisherige, von den atlantischen Staaten dominierte Ära eindeutig zu Ende geht und sich der Schwerpunkt der Entwicklung nach Asien verlagert, wo es mehrere Völker gibt, die auf ihre zum Teil über 5000 Jahre alten Zivilisationen zu recht stolz sind und diese pflegen. Wenn Europa irgend etwas dazu beizutragen hat, um das entstehende neue Paradigma in der Welt in einem humanistischen Geist mit zu gestalten, dann ist es unsere Hochkultur der Renaissance und der Klassik.

Viele Wissenschaftler, Künstler und durchaus deutschlandfreundliche Menschen auf der ganzen Welt wundern sich ohnehin seit geraumer Zeit, was mit den Deutschen eigentlich los ist, daß sie sich so weit von ihrer Eigenschaft als Volk der Dichter und Denker entfernt haben. Wenn wir uns das Beethoven-Jahr verhunzen lassen – oder sollte man sagen, „verhurzen“ lassen? -, dann würde man Deutschland als Kulturnation wohl endgültig abschreiben.

Um Diskussionsbeiträge wird gebeten.

zepp-larouche@eir.de


Die tiefe moralische Krise des Westens, oder warum wir eine Renaissance der klassischen Kultur brauchen!

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Anläßlich des 259. Geburtstags von Friedrich Schiller:

Von Helga Zepp-LaRouche

Es ist typisch für das kurzsichtige Denken unserer Zeit, daß sich der BDI zwar derzeit darüber sorgt, daß es einen „Systemwettbewerb“ zwischen „unserem Modell der offenen Markwirtschaft und Chinas staatlich gelenkter Wirtschaft“ gebe, daß die Chancen des wirtschaftlichen Austauschs zwar genutzt, die Abhängigkeiten vom chinesischen Markt aber verringert werden sollten, daß selbst die mittelfristigen Wettbewerbschancen jedoch vollkommen ignoriert werden. Und diese haben offensichtlich nicht zuletzt mit den menschlichen Eigenschaften der künftigen Arbeitskräfte zu tun, also der heutigen Kinder und Jugendlichen. Der Westen befindet sich von diesem Standpunkt betrachtet in einer tiefen kulturellen Krise, die gerade das Resultat jener „westlichen Werte“ ist, die uns angeblich anderen Kulturkreisen so absolut überlegen machen sollen.
13 Tote und viele Verletzte bei einer Schießerei in einer Bar in Thousand Oaks in Kalifornien, in der Ian David Long, ein Veteran des US Marine Corps, Amok lief, sind nur das jüngste Beispiel in einem endlosen Alptraum in den USA, der so gut wie täglich eine Fortsetzung findet. 2015 gab es 209 Massenschießereien, 2017 bereits 346, und dieses Jahr schon über 300 – inzwischen gibt es schon Personen, die knapp zwei solcher Horrorsituationen entkommen sind.
Die liberalen Medien sind schnell bei der Hand, die vermeintlich Verantwortlichen zu finden: die National Rifle Association (NRA), und der zweite Zusatz zur amerikanischen Verfassung, nämlich das Recht, Waffen zu tragen. Aber diese Erklärung trägt nicht all den anderen Ausdrucksformen der Verrohung Rechnung, vor allem bei immer jüngeren Kindern. Beispielhaft sei hier nur der Fall eines 15jährigen in Florida erwähnt, der seine Mutter erwürgte, weil ihm ihre Kritik an seinen Schulnoten mißfiel, um sie dann in einer Schubkarre zu einem Lieferwagen zu fahren, mit dem er sie zu einer Kirche in der Nähe fuhr und dort unter einer Feuerstelle begrub. Mit Hilfe zweier Freunde inszenierte er dann einen Einbruch und machte laut seinen eigenen Worten einen „Grammy-gewinnenden Anruf an 911“, die allgemeine Notrufnummer in den USA.
Sogenannte „Roheitsdelikte“ finden nicht nur auf der anderen Seite des Atlantiks statt, in Berlin wurde kürzlich ein Zehnjähriger von einem anderen Zehnjährigen nach Vorankündigung auf einer Klassenfahrt vergewaltigt. Zwei Elfjährige hielten das Opfer fest, zwei unbeteiligte Schüler sahen zu.
Natürlich gab es schon immer schockierende Fälle kriminellen Verhaltens, aber niemand kann bestreiten, daß der durchweg ungehinderte Zugang selbst junger Kinder zu allen Formen der Gewalt und Pornographie im Internet bei dem gleichzeitigen Fehlen einer Erziehung, die ihnen ein inneres moralisches Urteilsvermögen vermitteln würde, zu einer katastrophalen Verrohung geführt hat.
Die Folge ist ein völlig verkommenes Menschenbild, insbesondere von Frauen und von Sexualität. Nimmt man noch die Fälle hinzu, in denen exzessives Videospielen zu einem mehr oder minder autistischen sozialen Verhalten geführt hat, dann ergibt sich für einen nicht geringen Anteil der nächsten Generationen eine sehr negative Perspektive bezüglich ihres kreativen Potentials.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gab soeben „angesichts der Verrohung der Umgangsformen und aktueller Ereignisse wie jüngst in Chemnitz“ eine Forsa-Umfrage in Auftrag, wie es um die Sicht von Eltern und Lehrern bezüglich der Werteerziehung in Deutschland bestellt sei. Über 90 Prozent beider Gruppen betonten, daß diese ihnen sehr wichtig sei, daß es aber bei der Umsetzung hapere. Andere Umfragen ergaben, daß die Gewalt gegen Lehrer ein erschreckendes Ausmaß angenommen habe. Lehrer würden zunehmend beschimpft, bedroht und attackiert, Ergebnisse der Umfragen ergaben, „daß der Ton in der Gesellschaft rauher wird, die Sprache verroht, Konflikte öfter und schneller eskalieren, Autoritäten nicht mehr anerkannt werden“. Es handele sich um ein „gesamtgesellschaftliches Phänomen“ und gehe keineswegs vorrangig von Menschen mit Migrationshintergrund aus.
Ob es sich um Veteranen handelt, die nach Kriegseinsätzen im Nahen Osten an Posttraumatischem Streßsyndrom leiden – in den USA begeht alle 65 Minuten einer dieser Veteranen Selbstmord -, oder um die virtuelle Erfahrung der Gewalt bei Videospielen oder sogenannter Unterhaltung, in beiden Fällen wird die Hemmschwelle gegenüber Gewalt bis hin zum Töten eines anderen Menschen auf gefährliche Weise heruntergesetzt. Und obwohl dieser Trend seit langem offensichtlich ist, wird in einer Gesellschaft, die so viel auf ihre „liberalen Werte“ hält – sprich: „Alles ist erlaubt“ – nichts unternommen, um diesem Absturz in die grenzenlose Dekadenz Einhalt zu gebieten.
Im völligen Kontrast dazu hat die chinesische Regierung kürzlich Hip-Hop-Musik und banale Quiz-Shows verboten, da die Schlagertexte ein degradierendes Frauenbild vermittelten und die Shows die Kreativität der Zuschauer verhinderten. Noch wichtiger: Präsident Xi Jinping betonte vor kurzem in einem Brief an acht Professoren der Zentralen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die außerordentliche Bedeutung der ästhetischen Erziehung für das gesunde Wachstum der Jugend Chinas, sowohl in physischer als auch geistiger Hinsicht. Die ästhetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines schöneren Geistes, sie erfülle die Studenten mit Liebe und fördere das Schaffen großer Kunstwerke.
In China geht die Bedeutung der ästhetischen Erziehung auf Konfuzius zurück, aber auch in der modernen Geschichte widmeten sich bedeutende Gelehrte und Erzieher der Anwendung dieser Methode mit dem Ziel der moralischen Veredlung der Schüler und Studenten.
Einer der Begründer der modernen Ästhetik, Wang Gouwei, ein Gelehrter am Qinghua-Institut für chinesische Studien, verschrieb sich der Erforschung des Elends der Menschen, das seiner Erkenntnis nach von der Begierde komme. Die Begehrlichkeit mache die Menschen unglücklich, sie treibe sie dazu an, Dinge haben zu wollen, was zu zwanghaften Verhalten führen könne, und beim Verlust der angestrebten Objekte zum innerlichen Unglücklichsein und zu äußerlichen sozialen Übeln führe. Ob es einen Weg gebe, diese Begehrlichkeit zu besiegen? Ja, sagt Wang Guowei, das sei die Schönheit.
Zu einer ähnlichen Ansicht war schon der ehemalige Präsident der Peking Universität, Cai Yuanpei, gekommen, der in einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb: „Ich glaube, daß die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine höhere moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die ästhetische Erziehung.“
In der gleichen philosophischen Tradition schrieb Zhu Guangqian in seiner Schrift: „Ästhetik erklärt“, daß die Probleme der Gesellschaft darin lägen, daß die Herzen der meisten Menschen schlecht seien. Um die Herzen der Menschen zu reinigen, müsse man den Geist und die Seele kultivieren, höhere und reinere Ziele setzen, als nur reich werden oder schöne Kleider oder eine hohe Regierungsposition haben zu wollen. Um den Geist einer Person zu läutern, müsse man zuerst ihr Leben verschönern.
Dieser Aufgabe ist das gesamte Werk Friedrich Schillers gewidmet; der Veredlung des Menschen durch die ästhetische Erziehung. Aber vor allem in seinen Ästhetischen Briefen, die er als Reaktion auf die absolute Verrohung der Französischen Revolution durch den Terror der Jakobiner geschrieben hatte, beschäftigte er sich mit der Frage, woher die Veredlung der Menschen kommen könne, wenn die Regierungen korrupt und die Massen verroht seien. Einzig und allein die große klassische Kunst sei dazu in der Lage, weil sie den unfehlbaren Schlüssel zu den höchsten Regungen der menschlichen Seele besitze und das höchste Ideal der Menschlichkeit überhaupt aufstellen könne. In der Vorrede zur „Braut von Messina“ führte Schiller aus, daß die große klassische Kunst in der menschlichen Seele eine Kraft wecke, die auch bleibe, wenn das Erleben des Kunstwerks bereits abgeschlossen ist.
Wenn der Westen mit seiner Kultur des „Alles ist erlaubt“ so weitermacht, dann ist schon jetzt klar, wer den „Systemwettbewerb“, von dem der BDI spricht, gewinnen wird. Denn China tut enorm viel, um die 5000 Jahre alte Kultur möglichst vielen Bürgern nahe zu bringen, und Xi Jinping setzt sich persönlich für die Verbreitung der konfuzianischen Philosophie in alle Poren der Gesellschaft ein.
Wir im Westen haben in jedem Fall ein riesiges Problem, weil wir seit dem durch den Kongreß für Kulturelle Freiheit, die Frankfurter Schule und die 68er bewirkten Paradigma- Wandel bereits mehrere Generation hatten, die sich bewußt gegen die Ideale unserer klassisch- humanistischen Tradition gerichtet haben. Trotzdem wird es nur möglich sein, die kulturelle und moralische Krise zu überwinden, wenn wir zu den Idealen von Nikolaus von Kues, Leibniz, Lessing, Schiller und von Humboldt, Bach und Beethoven – um nur einige zu nennen – zurückkehren und diese einschließlich der großen Werke der klassischen Kunst an die gegenwärtige und die kommenden Generationen vermitteln.
Sie, lieber Leser, können den 259. Geburtstag von Friedrich Schiller nicht besser feiern, als sich dem Schiller-Institut anzuschließen.
zepp-larouche@eir.de


Erfolgreicher Kulturabend des Schiller-Instituts in Dresden

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Am 21. April 2018 veranstaltete das Schiller-Institut einen Kulturabend in Dresden mit dem Titel „Dialog der Kulturen entlang der Neuen Seidenstraße“ und etwa 150 Teilnehmern.

Dauerhafter Frieden, Stabilität und gemeinsames Wohlergehen sollten natürlich im Mittelpunkt internationaler Beziehungen stehen. Dies beginnt aber nicht am Verhandlungstisch der Politiker, sondern in unser aller Herzen. Und was könnte die Seelen und Herzen unserer Völker nicht besser verbünden, als die Idee der Wahrheit, Freiheit und Schönheit. Und die schöne Kunst hat nach Lessing und Schiller die höchste Aufgabe: den Menschen zu rühren. Mit Musik und Poesie aus verschiedenen Ländern und Kulturen sowie Kurzreferaten wurde ein Zeichen des Optimismus gesetzt.

Es folgt das Grußwort des chinesischen Botschafters Shi, das dem Publikum zu Beginn vorgelesen wurde:

Grußwort von Botschafter Shi zum „Dialog der Kulturen entlang der Neuen Seidenstraße“ des Schiller Instituts

Es freut mich sehr, dass das Schiller Institut einen kulturellen Dialog rund um das Thema der neuen Seidenstraße veranstaltet. Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping im Jahr 2013 die historische Initiative „Ein Gürtel, eine Straße“ vorstellte, gab es seitens der Internationalen Gemeinschaft breite Zustimmung und Unterstützung. In den vergangenen Jahren hat die Neue Seidenstraße als Wirtschafts- und Infrastrukturprojekt weltweit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es handelt sich aber nicht nur um einen Wirtschaftskorridor, sondern auch um eine Straße des kulturellen Austauschs.

Historisch betrachtet begann die antike Seidenstraße mit dem Warenhandel, aber sie war weit über den Handel hinaus von Bedeutung und wurde zu einem Korridor der Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen der Welt. Entlang der Seidenstraße konnten sich die kulturellen Zentren der Menschheit miteinander über große Entfernung hinweg verständigen, und so konnten die großen Zivilisationen wie China, Indien, Arabien und Europa voneinander lernen und einander respektieren. Keine dieser Zivilisationen verlor damals auf Grund der Vernetzung durch die Seidenstraße ihre Unabhängigkeit und den Raum für eigene Entwicklung, ganz im Gegenteil. Das gegenseitige Lernen ermöglichte es den Ländern, Neues aufzunehmen und sich unter Beibehaltung der eigenen Besonderheiten mit neuer Kraft weiterzuentwickeln.

Im Zuge der weltweiten Globalisierung und Digitalisierung sind ein kulturübergreifender und überregionaler Austausch und die Zusammenarbeit immer wichtiger geworden. China möchte die „Ein Gürtel, eine Straße“ Initiative gemeinsam mit den Ländern entlang der Neuen Seidenstraße beraten, aufbauen und auch gemeinsam davon profitieren. Dadurch soll nicht nur die Wirtschaft in den Ländern entlang der Straße vorangebracht werden, sondern auch der kulturelle Austausch zwischen China und den anderen Ländern gefördert werden. Bis Ende 2017 hat China mit den Regierungen der Länder entlang der Neuen Seidenstraße bereits mehr als 300 Abkommen zum kulturellen Austausch unterzeichnet und dementsprechende Pläne umgesetzt. Multilaterale Kulturkooperationsmechanismen im Rahmen der Shanghai Cooperation Organisation, sowie zwischen China und den Ländern Osteuropas, den arabischen Ländern und den ASEAN-Staaten wurden bereits etabliert. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, die Menschen entlang der Seidenstraße einander näher zu bringen.

Ich hoffe, dass die teilnehmenden Experten und Künstler sich im Rahmen dieses Dialogs offen und tiefgreifend austauschen können und wünsche Ihnen viel Erfolg.


Xinhua: Interview mit Helga Zepp-LaRouche

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31. Oktober 2017 – Am 23.10. erschien bei Xinhuanet auf Englisch ein Interview mit Helga Zepp-LaRouche unter der Überschrift „KPC-Nationalkongreß sichert den Chinesen eine glänzende Zukunft“. Sie erklärt, der „chinesische Traum“ einer Verjüngung der chinesischen Nation sei eine große Inspiration nicht nur für China, sondern für die ganze Welt (siehe http://news.xinhuanet.com/english/2017-10/23/c_136700504.htm).

Zepp-LaRouche wird darin zitiert: „Man spürt den Optimismus, der in China erzeugt wurde, wenn man mit den einfachen Menschen redet, auch jungen Menschen, das ist ein drastischer Gegensatz zu den kulturellen Problemen der sog. ,Jugendkultur’ in den Vereinigten Staaten und Europa.“ Sie sei in den letzten Jahren mehrmals nach China gereist und sehr beeindruckt von den Fortschritten Chinas. Sie begrüßte auch, daß Beijing neue Institutionen gegründet hat, um Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren.


Kondolenzbotschaft an das Alexandrow-Ensemble und an das russische Volk

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Im Namen des internationalen Schiller-Institutes möchte ich Ihnen unser tiefstes Mitgefühl über den tragischen Verlust der 92 Menschen aussprechen, die bei dem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Syrien ums Leben gekommen sind. Dieser Unfall ist umso mehr ein Grund zur Trauer, da die Musik und der patriotische Geist, der die Mitglieder des Alexandrow-Ensembles auszeichneten, dem syrischen Volk eine Botschaft der Hoffnung gebracht hätten – einem Volk, das seit über fünf Jahren unter der kriminellen Politik des Regimewechsels leidet und das unter völliger Mißachtung seiner Souveränität als Schachfigur in einem geopolitischen Spiel behandelt wird.

Das Alexandrow-Ensemble war Ausdruck der höchsten moralischen Werte Rußlands und spricht, wie klassischer Chorgesang im Allgemeinen, die Seele und das schöpferische Potential des Publikums an. Es ist daher besonders wichtig, daß der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu angekündigt hat, daß er Proben initiieren wird, um die besten Talente zur vollen Wiederherstellung des Alexandrow-Chores zu finden.

Die Ausbildung der Singstimme ist für jeden Menschen wichtig, da eine gut platzierte Stimme die schöpferische Absicht des Komponisten ausdrücken und direkt eben jenes Vermögen im Publikum ansprechen kann. Deshalb repräsentiert sie ein unentbehrliches Element harmonischer Charakterentwicklung. Lassen Sie mich deshalb die Idee mit Ihnen teilen, zusätzlich zum Wiederaufbau des Alexandrow-Ensembles Tausende von Alexandrow-Chören an Schulen in ganz Rußland aufzubauen, um Rußlands heroischen Beitrag zur Befreiung Syriens zu ehren und gleichzeitig die erhebende Wirkung des Chorgesangs in der jungen Generation zu verbreiten.

Es entsteht gerade ein Neues Paradigma, das sich in der Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion mit der Initiative der Neuen Seidenstraße zeigt, die eine vollkommen neue Art von Beziehungen zwischen Nationen darstellt. Damit aus diesem Neuen Paradigma eine neue Ära der Zivilisation wird, brauchen wir einen Dialog der besten Traditionen jeder Kultur. Das Wissen um das Beste einer anderen Kultur wird zur Liebe dieser Kultur führen; Fremdenfeindlichkeit und Haß werden so durch edlere Gefühle überwunden. Geopolitik wird in dieser neuen Ära für immer überwunden sein und die Hingabe an die gemeinsamen Ziele der Menschheit wird eine höhere Ebene der Vernunft schaffen.

Es soll uns allen Trost geben, daß der tragische Tod der Opfer des Flugzeugabsturzes durch ihre Unsterblichkeit dazu beitragen wird, diese bessere Welt zu schaffen.

 

Helga Zepp-LaRouche

Präsidentin des Internationalen Schiller-Institutes


Musikalische  Darbietung für das Alexandrow Ensemble und das Russische Volk

Members of the NYC Schiller Institute Community Chorus sing the Russian National Anthem outside the Russian Consulate in New York in honor of the passengers, many of them members of the Alexandrov Ensemble, who died when their plane crashed enroute to Syria, Sunday, December 25, 2016.

 

 


Ein Vorgeschmack auf die Renaissance

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Stephan Ossenkopp berichtet von einem „Dialog der Kulturen“, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete.


Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen für eine längst überfällige klassische Renaissance lebendig wurden. Das Schiller-Institut hatte zum „Dialog der Kulturen“ eingeladen, um „ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“ zu präsentieren.

Das schöne Kaminzimmer des Literaturhauses in der Berliner Fasanenstraße war mit 60 Gästen und 30 Mitwirkenden vollständig ausgebucht, als die ersten Töne aus Ludwig van Beethovens Kantate „Meeresstille und glückliche Fahrt“ erklangen. Die ungeheure Spannung, die sich aus dem Kontrast zwischen dem ruhigen und dem aufbrausenden Teil des Stücks ergibt, war die perfekte Einstimmung auf das gesamte vierstündige Programm, das dem Publikum zwei völlig gegensätzliche Paradigmen vor Augen führte, die derzeit im Wettstreit um die Zukunft liegen.

Dazu nahmen drei Redner aus ihren jeweiligen Perspektiven Stellung: Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts, Harley Schlanger, Vorstandsmitglied im Schiller-Institut in den Vereinigten Staaten von Amerika, und Jochen Heibertshausen, Kontrabassist und Dirigent. So machten sowohl die Musik als auch die Vorträge dem Publikum deutlich, daß der weitaus größte Teil der Menschheit längst eine „Neue Welt“ aufbaut, die sich an einer gemeinsamen, positiven Zukunftsvision im Interesse aller Nationen und Völker ausrichtet. Nur in Deutschland herrscht noch eine gewisse „Flaute“, und keiner will so recht glauben, daß längst eine alles umwälzende Bewegung in die Welt getreten ist.

Das direkt im Anschluß an Beethovens Komposition mit Chor und Kammerorchester vorgetragene Werk „American Cantata“ folgte derselben Idee. Wie der Schöpfer des Werks, Benjamin Lylloff, in seiner Einleitung vortrug, geht es darin primär um die unveräußerlichen Rechte und Freiheiten des Menschen in Geist und Gesellschaft. Lylloff verband Teile aus Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und des Spirituals „Going Home“ mit dem Text von Abraham Lincolns Gettysburg-Rede und Benjamin Franklins Siegelspruch „Rebellion to tyrants is obedience to God“ (Rebellion gegen Tyrannen ist Gehorsam gegenüber Gott).

Rede von Harley Schlanger, Vizepräsident des Schiller Institutes in den USA, bei der Konferenz des Schiller-Instituts „Dialog der Kulturen – Ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“

Das neue Paradigma kommt

Helga Zepp-LaRouche wählte als Auftakt zu ihrem Vortrag noch ein weiteres Bild: Würde man die Nationen der Erde mit einem Chor gleichsetzen, dann singe Deutschland gerade in einem völlig falschen Takt. Anstatt das Muster der ungeheuren Veränderungen weltweit als chancenreich und positiv zu sehen, sähen die Deutschen überall nur Bedrohliches. Von Trump in Amerika bis Duterte in den Philippinen, von Putin in Rußland bis Xi in China sehe die deutsche Öffentlichkeit nichts als „Rüpel und Schurken“.

Dabei sehe die reale Welt vollkommen anders aus. Das System der Globalisierung gehe derzeit in Rekordzeit krachend unter, da es mit der Würde des Menschen überhaupt nicht vereinbar sei. Die Armut sei selbst in Europa unerträglich geworden, der Lebensstandard und die Lebenserwartung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht falle stetig ab, und die auf Lügen aufgebauten Regimewechsel-Interventionen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien etc. sorgten für endloses Chaos und Flüchtlingsströme. Die Ideologie, die dieses System hervorgebracht habe, kollidiere nun mit der Realität, sagte Frau LaRouche, nämlich, daß die Menschen sich in einem Zustand der Revolte befänden, die so lange anhalten werde, bis die begangenen Ungerechtigkeiten vollständig beseitigt seien.

Das neue Paradigma läßt gerade, fuhr Frau Zepp-LaRouche in ihrem Vortrag fort, unter dem geflügelten Wort der „Neuen Seidenstraße“ eine internationale Win-Win-Zusammenarbeit bei Infrastruktur, Grundlagenforschung und Wissenschaft entstehen. Der neue Faktor in dieser beispiellosen Dynamik sei nun Donald Trump, der für seine kommende Amtszeit als US-Präsident ein umfangreiches Infrastruktur-Aufbauprogramm für die Vereinigten Staaten, das Ende der Regimewechselpolitik und ein gutes Verhältnis zu Rußland und China angekündigt habe. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen der stellvertretenden chinesischen Außenministerin Fu Ying, die Trumps Infrastrukturplan als mögliches Verbindungsglied zur Neuen Seidenstraße bezeichnet hatte. Die USA hätten die Chance zu einer umfassenden Kurskorrektur, um sich nun an den vier Wirtschaftsprinzipien, die ihr Ehemann Lyndon LaRouche als Leitfaden aufgestellte hatte, zu orientieren.

In ihrem Vortrag wolle sie auf das vierte Prinzip, nämlich die menschliche Kreativität als Quelle allen Wohlstandes, besonderen Wert legen. China habe dies im Rahmen seiner Seidenstraßen-Initiative längst erkannt und deswegen sein Budget für die Kernfusion und die bemannte Raumfahrt enorm aufgestockt, um die Grundlagen für die neue Ära einer Helium-3-basierten Realwirtschaft zu legen, in der Energie- und Rohstoffsicherheit gewährleistet seien.

Die zukünftige Rolle des Menschen im Universum sei aber von niemandem so umfassend ausgestaltet worden wie von dem deutschen Raumfahrt- und Technikpionier Krafft Arnold Ehricke, aus dessen Schriften vom „extraterrestrischen Imperativ“ Frau Zepp-LaRouche zitierte. Das Potential des Menschen und des Kosmos, in dem er lebt, sei grenzenlos, und deswegen grenzenlos vervollkommnungsfähig. Das Ideal, das sich das Schiller-Institut für die Zukunft vorstelle, sei, daß alle Kinder eine universelle Bildung im Sinne von Wilhelm von Humboldt genießen können, um die von Friedrich Schiller so bezeichnete „schöne Seele“ zu entwickeln, für die Pflicht und Neigung, wie beim Genie, in eins fallen würden. Ihre Antwort auf die vielen Fragen des Publikums zum Vortrag war die Herausforderung, sich wie Moses Mendelssohn möglichst viele Wissensgebiete anzueignen, um sich so die höhere Ebene der Vernunft, auf der die konstruktive Zusammenarbeit aller Nationen möglich ist, zu erschließen. Sie bat das Publikum, diese Alternative des neuen Paradigmas bekannter zu machen und selbst zu Veranstaltern und Multiplikatoren zu werden.

Was bedeutet die Wahl Trumps wirklich?

Mit Harley Schlanger kam jemand zu Wort, der seit rund vier Jahrzehnten auf der Seite der Ideen Lyndon LaRouches in der US-amerikanischen und internationalen Politik tätig ist. Er kennt wesentliche Elemente, die die Wahl Donald Trumps am 8. November überhaupt möglich gemacht haben. Wir hätten es mit dem Phänomen des Erwachens breiter Schichten des amerikanischen Bevölkerung zu tun. Man wisse zumindest sehr genau, was man nicht mehr wolle: Kriege, Bankenrettung, Arbeitslosigkeit und ein unbezahlbares Bildungs- und Gesundheitssystem. Wut und Frust auf 16 Jahre Bush und Obama hätten sich bei dieser Wahl entladen. Auch wenn noch nicht ganz klar sei, was Trump ab dem 20. Januar, wenn er ins Amt eingeführt wird, tun werde, habe er bei den Dankensreden an seine Wähler immerhin neben dem Infrastrukturprogramm auch die Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem und die Wiederbelebung von Wissenschaft und Raumfahrt in den USA angekündigt.

Diese wachere Art zu denken habe viel mit dem historischen Einfluß von herausragenden kreativen Persönlichkeiten wie Percy Shelley, Abraham Lincoln und Alexander Hamilton zu tun. Shelley hatte den Dichter als wahren Gesetzgeber bezeichnet, weil nur der Dichter verstünde, nach welchen Ideen das Volk in einer Krise hungrig seien. Wir lebten in einer Phase des fundamentalen Umbruchs, machte Harley Schlanger deutlich, in der die Menschen neue fundamentale Vorstellungen anzunehmen in der Lage wären. Unsere Aufgabe sei es, diese Gelegenheit zu nutzen, um LaRouches Prinzipien in den USA zu verankern. Die Deutschen hätten keinen Grund mehr, in ihrem Pessimismus zu verharren, denn, auch wenn sie es noch nicht glauben könnten, sei das alte System, zu welchem auch das „Merkel-Regime“ gehöre, besiegbar.

Furtwängler als Chance

„Für mich war er Beethoven“, zitierte der Kontrabassist Jochen Heibertshausen eine der berühmtesten Opernsängerinnen, Maria Callas, die dies über den Dirigenten Wilhelm Furtwängler gesagt hatte, dessen Aufführungen sie im Italien der Nachkriegszeit erlebte. Für Heibertshausen ist Furtwängler einfach der beste Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen, da für Furtwängler die Wahrhaftigkeit im musikalischen Kunstwerk und seiner Aufführung der leitende Gedanke gewesen sei – ein Begriff, der aus der heutigen Kultur verbannt worden ist. Ein Kunstwerk sei nur lebendig, wenn es organisch sei, wenn der Dirigent seine emotionalen Entscheidungen stets für das Ganze fälle, und nicht seinen eigenen Gefühlsrausch nach vorne stelle.

Furtwängler habe, so Heibertshausen, die Parameter des Klanges wie kein zweiter in ihrer Gesamtheit beherrscht. Mit Ausschnitten aus historischen Aufnahmen von u.a. Schuberts vierter und Beethovens erster und dritter Symphonie führte er die „unerreichten Interpretationen“ Furtwänglers vor die Ohren der Zuhörer. Das „Geheimnis“ Furtwänglers sei eigentlich sein Festhalten an der Tugend und dem Streben nach dem Menschlichen, sagt Heibertshausen.

Heute herrsche eine „Kultur der Unruhe“, in der jeder dem Erfolg hinterher jage. Das habe etwas damit zu tun, daß in der Nachkriegsordnung Deutschlands eine Vernichtung der Geistigkeit betrieben wurde, in der auch Wilhelm Furtwängler schwer angegriffen und in den Entnazifizierungsprozessen geradezu gekreuzigt worden ist, während „Das Wunder Karajan“ (so hieß es 1938 in Berlin), der sogar zweimal der NSDAP beitrat, dieser Prozedur enthoben wurde und plötzlich eine Blitzkarriere hinlegte. Heute, so Heibertshausen, würde das Genie von Furtwängler dringend gebraucht, weshalb er derzeit auch eine Internetplattform mit Furtwängler-Zitaten und Hörbeispielen aufbaue.

Musikalische Grüße aus Asien

Zum musikalischen Programm des Nachmittags gehörten auch noch die von der aus Japan stammenden Mezzosopranistin Mayumi Nakamura gesungenen Lieder „Oyasumi“ und „Hatsu Koi“, und das von der in China geborenen Sopranistin Lini Gong vorgetragene Schubert-Lied „Das Veilchen“, die allesamt vom Publikum mit freudigem Applaus belohnt wurden.

In der Gesamtschau ist dieser „Dialog der Kulturen“ des Schiller-Instituts ein lebendiges Forum um die Ideen und Aktivitäten für den Paradigmenwandel zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung, in der die kreativen Kräfte der Menschheit zur raschen vollen Entfaltung gelangen können. Denn, so sagte Frau Zepp-LaRouche in ihrem Schlußwort, selbst wenn Krieg und Hunger nun überwunden werden können, geht es um eine sich immer weiter entwickelnde Zukunftsvision, in der wir uns darauf verständigen können, wie wir als Menschheit die kommenden hundert, tausend, sogar zehntausend Jahre gestalten wollen.

von Stephan Ossenkopp

 


Deutschlands Potential beim Ausbau der Weltlandbrücke

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Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts, eröffnete am 21. Oktober mit dem folgenden Vortrag die Essener Konferenz „Deutschlands Chancen mit der Neuen Seidenstraße“.


Sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, sehr geehrter Herr Gesandter,

ich bin sehr froh, daß die Veranstaltung mit dieser wunderbaren Darbietung chinesischer Kunst angefangen hat, weil ich glaube, daß die Kunst am besten geeignet ist, um die Herzen der Menschen zu öffnen für neue Ideen.

Wir veranstalten diese Konferenz hier in Essen und haben gerade vor zwei Tagen eine ähnliche Konferenz in Lyon stattfinden lassen, zusammen mit dem „Club Chine EM Lyon FOREVER“ – die EM ist eine der größten Managerschulen Frankreichs -, und wir haben damit die Absicht ausgedrückt, daß vor allem die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich für die Neue Seidenstraße eine neue Perspektive für Europa auf die Tagesordnung setzen kann. Wir wollen durch das Veranstalten von vielen Konferenzen in vieler Hinsicht das politische, wirtschaftliche und kulturelle Potential bekannter machen, das in der Politik der neuen Seidenstraße liegt, denn die Neue Seidenstraße, die sich schon jetzt in sehr großem Tempo praktisch entwickelt, ist mit großen Schritten dabei, ein Projekt der Völkerverständigung zu werden und sich zur Weltlandbrücke zu entwickeln.

Natürlich geht es bei der Neuen Seidenstraße um ein enormes Potential an geschäftlichen „opportunities“, also geschäftlichen Beziehungen, aber es geht eigentlich noch um etwas viel wichtigeres. Es geht hier nicht nur um die Verbindung der Kontinente der Welt durch Infrastruktur und Entwicklungskorridore, und um Innovationen als Wissenschaftsmotor für die Weltwirtschaft, mit dem Ziel der Anhebung der Produktivität. Sehr viel tiefer gehend und grundsätzlicher geht es darum: Kann sich die Menschheit angesichts all der Krisen, mit denen wir im Augenblick konfrontiert sind, eine Ordnung auf dieser Welt geben, in der die Menschen friedlich zusammenleben können? Ist es der Menschheit möglich, die höhere Ebene der Vernunft zu definieren, oder sind wir gezwungen, auf den jetzt betretenen Pfaden gegen die Wand zu knallen und die Zivilisation vielleicht nicht für immer zu haben?

Ich glaube, daß es möglich ist, diese Ebene der Vernunft zu finden und auch wirksam werden zu lassen. Genauso wie die alte Seidenstraße während der Han-Dynastie vor etwa 2000 Jahren ein Austausch war nicht nur von Gütern, sondern eben auch Technologien, Kultur, Philosophie, und damals zu einer enormen Verbesserung des Lebensstandards geführt hat von allen Nationen und Regionen, die mit der alten Seidenstraße kooperiert haben, genauso, denke ich, wird es möglich sein, eine neue Seidenstraße, eine neue völkerverbindende Politik auf die Tagesordnung zu setzen.

Existentielle Gefahren

Aber ich kann über die Vorzüge dieses neuen Paradigmas nicht sprechen, ohne nicht wenigstens ganz kurz zu identifizieren, wie groß die Gefahren sind, mit denen die Welt im Augenblick konfrontiert ist, und warum meiner Meinung nach die Neue Seidenstraße nicht eine Option ist, sondern eine Notwendigkeit, wenn wir nicht wirklich in einer Katastrophe enden wollen.

71 Jahre nach Kriegsende in Europa ist das, was eigentlich undenkbar erschien – die Möglichkeit eines großen Krieges – in greifbarer Nähe, wenn der deutsche Außenminister Steinmeier kürzlich sagte, er kann eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Rußland nicht mehr ausschließen; wenn der amerikanische Vizepräsident Biden sagt, die USA würden eine Cyberattacke auf Rußland planen, zum „bestmöglichen Zeitpunkt“, wegen angeblicher russischer Manipulationen des amerikanischen Wahlkampfs, was von Konstantin Kosatschew, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates in Rußland, als die größte Bedrohung seit der Kubakrise bezeichnet wurde; wenn die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa sagt, daß die Obama-Administration eine „Politik der verbrannten Erde“ gegenüber Rußland und den USA betreibt; und wenn auf dem 7. Xiangshan-Forum in Beijing vor einer Woche russische und chinesische Militärs warnten, daß die Obama-Administration sehr weit fortgeschritten sei bei der Vorbereitung eines Erstschlages gegen diese beiden Länder auf der Basis der „Prompt Global Strike“-Doktrin!

Niemand kann behaupten, daß Europa nicht noch weitere Krisen hat. Europa, die EU nach dem Brexit: die Zukunft ist etwas unklar. Die Flüchtlingskrise hat die Fundamente Europas erschüttert, das Ansehen der EU in der Behandlung der Flüchtlingskrise ist weltweit absolut gesunken, wie ich mich selber vielfältig überzeugen mußte. Wir stehen vor einem neuen Finanzkrach wie 2008, nur diesmal potentiell viel gravierender, wobei die Krise der Deutschen Bank nur die Speerspitze ist. Und jeder weiß, daß wenn die Deutsche Bank mit ihren 42 Billionen ausstehender Derivatkontrakte bankrott gehen würde, daß dann alle die Banken, die angeblich zu groß sind zum Untergehen, die „too-big-to-fail“-Banken, mit involviert wären. Und wie ein Ex-Vorstandsmitglied einer großen europäischen Bank mir vor wenigen Tagen sagte: Wenn der Sturm losbricht und die Regierungen es nicht schaffen, die Sache unter Kontrolle zu bringen, dann werden die großen Verlierer diejenigen sein, die durch ehrliche Arbeit ihre Lebensersparnisse erarbeitet haben. Wir werden ein anderes Europa haben, voll von Unregierbarkeit – und Chaos und Revolution steht an.

Ich will das nur als das Szenario andeuten, daß wenn wir den Kurs nicht ändern, die Gefahr besteht, daß wir wirklich in eine nicht dagewesene Krise hineinkommen.

Chinas Fortschritt

Nun, da alle diese Krisen das Resultat von menschengemachter Politik sind, können wir auch optimistisch sein, daß wir, wenn wir diese Politik ändern, diese Krisen überwinden können.

Von den westlichen Medien wurde kaum berichtet, welch dramatische Veränderung sich in den letzten drei Jahren entwickelt hat, seit der chinesische Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es hat sich damit eine vollkommen neue Perspektive ergeben, die sich mit einer enormen Dynamik entwickelt, wo bereits über 70 Nationen kooperieren.

China selbst – und das werden die meisten von Ihnen wissen, entweder durch direkte Reisen oder Berichte – hat seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping eine unglaubliche Entwicklung vollzogen, von einem vollkommen unterentwickelten Land zu einem Land, das im Grunde schon teilweise eine Industrienation ist.

Und interessanterweise geschah das chinesische Wirtschaftswunder nach denselben Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, nämlich die Prinzipien, die damals von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angewandt wurden und den Ideen des deutschen Ökonomen Friedrich List nahestehen, der interessanterweise in China der bekannteste und beliebteste deutsche Ökonom ist.

China hat in 40 Jahren das an Entwicklung nachvollziehen können, wofür die Industrienationen bis zu 200 Jahre gebraucht haben. China hat längst aufgehört, auf Billigproduktion zu setzen, sondern ist bereits Weltmarktführer in vielen Bereichen, z.B. bei Schnellbahnsystemen. China hat bis Ende 2015 20.000 km Schnellbahn entwickelt, es wird bis 2025 38.000 km Schnellbahnen haben und jede große Stadt in China auf diese Weise verbunden haben. Es hat in der Digitalisierung der Industrie viele westliche Staaten überholt und ist marktführend in weiteren Bereichen.

China hat in dieser Zeit 700 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und ich behaupte, daß es kein Land gibt, das soviel für die Menschenrechte getan hat, wie eben China, denn die Armut ist die größte Menschenrechtsverletzung, und demzufolge ist das ein großer Beitrag für die menschliche Zivilisation, das getan zu haben. China hat soeben ein Weißbuch dazu veröffentlicht, daß es die extreme Armut auf der ganzen Welt überwinden will, China selbst hat nur noch drei Prozent extreme Armut und ist fest entschlossen, das bis 2020 zu überwinden.

Auf dem gerade stattgefundenen G-20-Gipfel in Hangzhou, der von China ausgerichtet wurde, hat China angekündigt, die globale Wirtschaft auf Innovation zu basieren, auf eine „Win-Win“-Kooperation, und China hat die Ambition, bis 2020 eine innovative Nation zu werden – meiner Meinung nach ist es das schon -, eine international führende innovative Nation, bis 2030 und ein „world powerhouse“ bis 2050. Die Innovation sei die primäre Antriebskraft der Wirtschaft, und China ist entschlossen, den Vorteil von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt in allen Bereichen zu eskalieren, in der modernen Landwirtschaft, in der Informationstechnologie, beim Umweltschutz, bei der Ozean- und Raumfahrtindustrie, im Bereich der Gesundheit und Dienstleistungen.

Präsident Xi Jinping hat den chinesischen Wissenschaftlern aufgetragen, in vier Bereichen fundamentale Durchbrüche zu erzielen. Erstens die Frage, was ist die Struktur der Materie? Zweitens die Frage, was ist die Evolution des Universums? Drittens, was ist der Ursprung des Lebens, und viertens, was ist die Natur des Bewußtseins?

Es überrascht vielleicht einige, aber diese chinesische Wirtschaftstheorie ist ganz nah an dem, was wir die physikalische Wirtschaft nennen, wie sie sich von Leibniz her entwickelt hat und wie sie weiterentwickelt wurde von Friedrich List, von Matthew und Henry C. Carey – die Wirtschaftsberater von Lincoln – und Wilhelm von Kardorff, der der Hauptwirtschaftsberater von Bismarck war und dem es zu verdanken ist, daß Bismarck sich von einem Anhänger der feudalen Freihandelstheorie zu einem Vertreter der physikalischen Theorie verwandelt hat und Deutschland zur Industrienation hat werden lassen.

Die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums nach dieser Theorie, die von (Lyndon) LaRouche, den wir hier auch bei uns haben, meinem Ehemann, weiterentwickelt wurde, besagt, daß die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums weder die Kontrolle der Handelsbeziehungen ist – also etwa TPP oder TTIP -, und auch nicht „billig kaufen, teuer verkaufen“, und auch nicht der Besitz an Rohstoffen, und schon gar nicht der Handel mit Derivaten und anderen spekulativen Produkten, sondern ausschließlich das kreative Potential des menschlichen Geistes und die Anwendung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts im Produktionsprozeß, der die Produktivität anhebt und damit zur Quelle der Verbesserung des Lebensstandards, der Lebenserwartung wird.

China hat mit den Staaten entlang der Seidenstraße einen umfassenden Plan entwickelt für die wissenschaftliche und technologische Kooperation, und wird gemeinsame Forschungslabors und -zentren einrichten, Technologietransfer organisieren, den Austausch von 150.000 wissenschaftlichem Personal, 5000 junge Wissenschaftler, und das Ziel ist explizit, die Produktivität in den kooperierenden Ländern anzuheben.

Beim G-20-Gipfel hat Präsident Xi Jinping angekündigt, die Durchbrüche beim wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt sofort an die Entwicklungsländer weiterzugeben, um deren Entwicklung nicht aufzuhalten.

Dieses Ideal wurde meines Wissens zum ersten Mal im 15. Jahrhundert von Nikolaus von Kues vorgestellt, der ebenfalls sagte, die menschlichen Erfindungen sind für die menschliche Gattung so wichtig, daß man sie sofort in einen internationalen Pool stellen sollte, an dem dann alle teilnehmen können, damit ihre Entwicklung nicht aufgehalten wird.

Das größte Aufbauprogramm der Geschichte

Die chinesische Seidenstraßen-Konzeption ist das größte Infrastruktur- und Industrieprogramm, das jemals auf der Erde existiert hat. Schon jetzt gibt es 30 Staatsverträge zwischen China und anderen Nationen, 70 Nationen kooperieren, insgesamt betrifft es bereits 4,4 Milliarden Menschen. Die Gesamtsumme der Investitionen beträgt 1,4 Billionen $, das ist zwölf Mal soviel wie der Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg, nach heutiger Kaufkraft bemessen.

Es ist eine Perspektive für die wirtschaftliche Transformation der Erde für die nächsten 30-40 Jahre und betrifft keineswegs nur die Handelsrouten nach Europa und Afrika. Zwar ist der Name „Seidenstraße“ von dem deutschen Geologen Ferdinand von Richthofen 1877 so geprägt worden, aber tatsächlich ist Seidenstraße ein Synonym für die Integration der Regionen und Routen für einen Austausch von Wissenschaft und Technologie, und was damals Seidentechnologie war – wie produziert man Seide, wie produziert man Porzellan -, das sind heute die modernsten Technologien, etwa die Frage der Kernfusion oder der Raumfahrttechnologie.

Es ist offensichtlich, daß die Zukunft für Deutschland in der Kooperation mit diesem Projekt liegt, denn Deutschland hat etwas, was in der ganzen Welt hochgeschätzt wird, und das ist der deutsche Mittelstand, der im Grunde am meisten beiträgt für Innovationen. Die Entwicklung Deutschlands, das ja bekanntermaßen kaum Rohstoffe hat, hat nur deshalb eine hohe Produktivität und hohen Lebensstandard erreichen können, weil wir immer eine sehr hohe Rate von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt hatten, und eine sehr hohe Exportrate. Es ist der deutsche Mittelstand, wo die meisten Erfindungen und Patente gemacht werden, woher 85% der Ausgaben für das Gemeinwohl kommen, und es ist der deutsche Mittelstand, der am meisten profitieren würde bei der Kooperation mit China – nicht nur Direktinvestitionen Deutschlands in China und Chinas in Deutschland, sondern vor allen Dingen bei Joint Ventures in den verschiedenen Projekten in Drittländern.

Rasante Veränderungen

In den letzten sechs Wochen hat diese Veränderung ein enormes Tempo erreicht, und wir haben es mit einer vollkommen neuen Ausrichtung zu tun.

Anfang September war in Wladiwostok das Wirtschaftsforum, das die Neue Seidenstraße Chinas mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) unter der Führung Rußlands integriert hat. Es waren Ministerpräsident Abe von Japan da, (Südkoreas) Präsidentin Park, mit großen Wirtschaftsdelegationen.

Das ging sofort weiter unmittelbar danach in Hangzhou beim G-20-Gipfel, wo China ein neues Modell für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Nationen präsentiert hat, fokussierend auf die UN-Charta, mit der Betonung von Souveränität und Respekt für andere wirtschaftliche und soziale Modelle. Präsident Xi sagte bei dieser Gelegenheit, das alte Modell ist nicht länger tragfähig, wir brauchen jetzt eine innovationsgelenkte Strategie. Wir werden die Spitze in Wissenschaft und Technologie bilden, und Grundlagenforschung betreiben, um die wissenschaftlichen und technologischen Probleme, die die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung hemmen, zu lösen. Wir werden die Vermarktung von Forschung und Entwicklung beschleunigen, und die strategisch aufsteigenden Branchen fördern, und die Industrie auf ein mittleres bis hohes Niveau der Wertschöpfungskette anheben.

Diese Philosophie wurde dann weiter diskutiert bei dem direkt danach stattfindenden Gipfel der ASEAN-Staaten in Laos, die wirklich eine strategische Orientierung auf China vollzogen und z.B. die chinesische Position beim Konflikt im Südchinesischen Meer übernommen haben, und die in einer gemeinsamen Erklärung sagten, die Entwicklung Chinas sei eine Chance für die gesamte Region. (Der philippinische) Präsident Duterte hat gerade bei seinem Besuch in China gesagt, daß er jetzt die Beziehung zu China priorisieren wird.

Bei der ebenfalls kurz später stattfindenden Konferenz der BRICS-Staaten in Goa, die das Kernstück der eurasischen Integration sind, wurden die gemeinsamen Interessen betont, und die bestehenden Spannungen wurden kleingeredet. Und damit ist im Grunde klar: Die asiatische Dynamik nimmt weiter zu.

Das Tempo dieser strategischen Neuausrichtung zeigt ganz klar, daß das Zentrum der Weltpolitik sich nach Asien verschoben hat. Als der erste Pilotzug vor fünf Jahren aus China kam, war das noch eine große Überraschung, inzwischen kommen pro Woche 20 Züge aus den verschiedenen Wirtschaftsregionen, von Zhenjiang, Lianyungang, Harbin, Yiwu, Wuhan, Chengdou, Chongqing, nach Duisburg, Hamburg, Rotterdam, Lyon, Madrid. Die ost- und zentraleuropäischen Länder haben längst die Vorzüge davon erkannt, mit China zusammenzuarbeiten, denn China hat jetzt in die Transportkorridore investiert, die zwar 1994 von der EU auf ihrer Konferenz in Kreta beschlossen wurden, die aber aufgrund der Austeritätspolitik der Troika nie verwirklicht wurden. China hat den Hafen von Piräus ausgebaut oder ist dabei, ihn auszubauen, es baut die Eisenbahnlinie von Serbien nach Ungarn, es verbindet den Oder-Elbe-Donau-Kanal mit den europäischen Wasserwegen. Die Regierungen Griechenlands, Serbiens, Ungarns, der Tschechischen Republik, Italiens, der Schweiz und Portugals haben ausgedrückt, daß sie den Weg in die Zukunft in der Kooperation mit der chinesischen Seidenstraße sehen.

Gleichzeitig hat sich ein paralleles Bankensystem entwickelt, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), der sofort 70 Nationen als Gründungsmitglieder beigetreten sind, obwohl die USA enormen Druck gemacht haben, das nicht zu tun, darunter so enge Verbündete wir Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan, Australien und Kanada.

Gleichzeitig hat sich die New Development Bank (NDB) der BRICS entwickelt, die ihre Tätigkeit aufgenommen hat, der Seidenstraßenfonds, der Maritime Seidenstraßenfonds, die Bank der Shanghai Cooperation Organization, das Contingent Reserve Arrangement (CRA), das gegründet wurde, um spekulative Attacken abzuwehren. Und allen Städten und Regionen, die mit diesen Projekten zusammenarbeiten, ist vollkommen klar, daß es ihnen Vorteile bringt. Z.B. ist Duisburg, das ja einmal eine Stahlstadt war und eine große Wirtschaftsflaute erlebt hat, jetzt wieder im Aufschwung, weil Duisburg als größter Binnenhafen Europas eben enorm von der Seidenstraße profitiert.

China hat Europa das Angebot gemacht, voll bei der Industrialisierung Afrikas zu kooperieren. Und was sollte uns eigentlich daran hindern, gemeinsam mit dieser Dynamik Asiens den Balkan zu entwickeln, Südeuropa, das durch die Troika-Politik in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen ist? Die Industrie von Griechenland z.B. hat sich mit der Politik der Troika um ein Drittel reduziert. Mit China und der Seidenstraße könnte das alles aufgebaut werden. Gleichzeitig muß auch der Nahe Osten dringend wiederaufgebaut werden, und natürlich Afrika.

Falsche Ideologie

Was sollte uns also hindern, auf diese Angebote einzugehen? Die Antwort ist klar, daß einige Länder – die USA und Großbritannien – auf einer unipolaren Welt bestehen, obwohl diese unipolare Welt schon längst nicht mehr existiert. Die Gefahr besteht, daß die transatlantische Welt in die sogenannte „Thukydides-Falle“ hineinfällt, d.h., im Aufstieg Asiens eine geopolitische Bedrohung zu sehen, anstatt die Chance zu erkennen, daß bei einer „Win-Win“-Kooperation alle zusammenarbeiten.

Die Propaganda gegen die Neue Seidenstraße ist enorm. So hat am 12. September das Said-Zentrum (Said Business School) der Oxford-Universität einen Bericht veröffentlicht, der behauptet, daß die immensen Investitionen Chinas in Infrastruktur – vor allem in der letzten Dekade von 10,8 Billionen Dollar-Äquivalent – der Grund seien für den baldigen Kollaps Chinas und der Weltwirtschaft. Es handelt sich da offensichtlich um einen desperaten Versuch, die Seidenstraße zu verleumden, und die Argumentation ist die der typischen Investmentbanker, zu sagen, daß Investitionen in die Infrastruktur nicht genügend Profit abwerfen.

Chinesische Offizielle haben dieses Argument schon widerlegt und gesagt, daß China eben eine andere Risikobeurteilung hat als westliche Ratingagenturen, und daß sie das Potential eines Landes in der Zukunft betrachten, während die Banker die Vergangenheit betrachten.

In der Geschichte der Industrialisierung eines jeden Landes, ganz egal, ob es sich um Deutschland, USA, Rußland oder irgendein anderes Land dreht, war die Entwicklung der Infrastruktur immer die conditio sine qua non für die Transformation in eine moderne Ökonomie.

Die Idee, daß man den Ertrag von Infrastrukturinvestitionen an dem direkten Ertrag mißt, wie z.B. der Mautgebühr bei privatisierten Autobahnen, ist offensichtlich absurd. Es geht dabei um den Anstieg der Produktivität der ganzen Nation, und je höher der Grad der Entwicklung ist, desto dichter muß das Infrastruktur-Netzwerk sein.

Wenn man also Infrastruktur mitzählt – Energie, Wasser, Kommunikation, Erziehung, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung -, dann ist vollkommen klar: je höher die Infrastrukturdichte, desto höher ist die Produktivität, der Lebensstandard der Bevölkerung, die Lebenserwartung. Und je fortschrittlicher die Industrie ist, um so mehr ist der Zeitfaktor relevant, weshalb wir absolut der Meinung sind, daß die Transrapid-Technologie eine Technologie der Zukunft bleibt, und wir werden heute nachmittag einen Vortrag zu diesem Thema hören.

Die Researcher der Oxford-Universität haben dann die Katze aus dem Sack gelassen, warum sie so einen lächerlichen Bericht veröffentlichen: Sie sagen nämlich, daß auf keinen Fall das chinesische Modell das Modell werden soll für andere Entwicklungsländer, schon gar nicht für Pakistan, Nigeria oder Brasilien. Das dürfte kein Vorbild werden.

Aber alle Prognosen, daß China (wirtschaftlich) kollabiert, sind vollkommen absurd, die gerade veröffentlichten Wachstumszahlen – Bruttoinlandsprodukt 6,7%, was genau der Vorhersage entspricht, Industrieproduktion 6,1% – welches Land in Europa würde sich über 6,1% nicht freuen? – Konsumanstieg 10%, Elektrizitätsverbrauch 4,8%, was nicht zuletzt der fortlaufenden Elektrifizierung der westlichen Gebiete Chinas zu verdanken ist.

Die Haltung dieser Investmentbanker gegen Infrastruktur ist einer der Gründe, warum wir in Deutschland einen Investitions-Rückstau haben von etwa 2 Billionen, und marode Brücken, schlechte Straßen usw. Das ist auch der Grund, warum die IWF-Konditionalitäten der letzten 50 Jahre die Infrastrukturentwicklung der Dritten Welt verhindert haben, und warum wir heute so große Flüchtlingsströme etwa aus Afrika haben, die nach Europa kommen wollen.

Kulturelle Renaissance

Es gibt ein weiteres falsches Argument, daß China eigentlich nur den anglo-amerikanischen Imperialismus ersetzen wolle durch einen chinesischen Imperialismus. Ich denke, das sind Projektionen der Leute, die diese Argumente machen, die sich einfach nicht vorstellen können, daß es heute ein Land gibt, das ein positives Modell für die Organisation der Verhältnisse auf dieser Erde hat.

Dazu muß man aber wissen, daß China nicht nur eine 2500 Jahre alte konfuzianische Tradition hat, sondern im Augenblick eine gewaltige Renaissance von konfuzianischem Denken in China auf allen Ebenen der Gesellschaft stattfindet. Dazu gehört z.B. das Ideal der lebenslangen Selbstvervollkommnung, die Idee, daß jeder Mensch eine Shuntse werden soll, ein Gelehrter. Dazu gehört die Idee der harmonischen Entwicklung aller Nationen, und das entspricht exakt der „Win-Win“-Idee von Xi Jinping, und es entspricht auch, wenn wir in Europa etwas weiter in der Geschichte zurückgehen, den Ideen von Nikolaus von Kues, der im 15. Jahrhundert bereits sagte, daß es eine Harmonie im Makrokosmos nur geben kann, wenn sich alle Mikrokosmen harmonisch und im gegenteiligen Vorteil zueinander entwickeln. Es gibt eine tiefere Affinität zwischen Konfuzianismus und Humanismus in Europa, als die meisten Menschen realisieren.

Das Problem ist nicht China, sondern das Problem ist, daß wir in Europa diese Traditionen vergessen haben oder beiseite geschoben haben: das Menschheitsideal, das assoziiert war mit der italienischen Renaissance, mit der École Polytechnique in Frankreich oder der deutschen Klassik. Wer hat heute noch das optimistische Menschenbild von Wilhelm von Humboldt, der sagte, daß das Ziel der Ausbildung der schöne Charakter sein soll? Wer hat noch die Ideen von Friedrich Schiller, der sagte: Jeder Mensch hat das Potential, eine schöne Seele zu werden, für den Leidenschaft und Pflicht, Freiheit und Notwendigkeit das gleiche ist? Und der einzige Mensch, auf den das zutrifft, ist das Genie, aber Schiller meinte, alle Menschen haben das Potential zum Genie.

Das heißt, wir haben uns von diesen humanistischen Idealen entfernt, bzw. es betrifft nur noch einen sehr kleinen Teil der deutschen Bevölkerung. Und wenn wir unsere Jugendkultur betrachten, kann niemand bezweifeln, daß die einem sehr weit fortgeschrittenen Grad der Verrohung unterliegt; Häßlichkeit ist überall zu sehen, Gewaltverherrlichung, Lehrer haben Angst vor ihren Schülern, der BDI hat vor einigen Jahren veröffentlicht, daß 25% der 15jährigen nicht anstellbar sind, weil sie keinerlei Interesse haben.

Es ist zum ersten Mal in der Geschichte in Europa und Amerika so, daß wir anscheinend akzeptieren, daß die nächste Generation schlechter dastehen wird als die jetzige. Für Jugendliche bedeutet das, daß sie keine Zukunft haben, keinen Grund, zu lernen und zu studieren.

Und das ist ganz anders in China. Die junge Generation in China hat die Erfahrung des chinesischen Wirtschaftswunders gemacht, und die meisten – nicht alle natürlich, aber die meisten – haben ein enorm optimistisches Selbstbild von sich selbst und ihrem Land.

Das heißt, auch in dieser Hinsicht könnten Europa und Deutschland mit der Seidenstraße kooperieren, damit unsere Jugendlichen wieder eine Perspektive bekommen. Deutschland ist die wichtigste Ökonomie in Europa, und ich denke, wenn wir es schaffen, daß Deutschland ganz bewußt Ja sagen würde, offiziell, zur Kooperation mit der Neuen Seidenstraße, daß das vielleicht der entscheidende Schritt wäre, den Deutschland tun könnte für die Erhaltung des Weltfriedens.

Gemeinsame Ziele der Menschheit

Es geht um ein vollkommen neues Paradigma, um eine vollkommen neue Ära in der Geschichte der Menschheit. Es geht um die Idee, daß die Menschheit als ganze eine höhere Ordnung repräsentiert als alle Nationen. Wenn wir auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit fokussieren, das, was Xi Jinping „Schicksalsgemeinschaft“ nennt oder „Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit“, dann, denke ich, ist alles möglich.

Was sind diese gemeinsamen Ziele?

Zum Beispiel die Industrialisierung Afrikas. Wenn Deutschland und Europa mit China kooperieren würden, mit Japan und Indien, die sich auch bereits in Afrika engagieren, können wir es schaffen, daß nicht mehr Zehntausende von Menschen entweder in der Sahara verdursten oder im Mittelmeer ertrinken, weil sie vor Krieg und Hunger weglaufen.

Wir könnten den Nahen Osten und den Mittleren Osten wieder aufbauen, was unsere moralische Verpflichtung ist, denn wir haben Kriege erlaubt, von denen jeder weiß, daß sie auf Lügen aufgebaut waren.

Wir könnten im Grunde allen Kindern den Zugang zur universellen Bildung geben und damit das wirkliche kreative Potential der Menschheit freisetzen.

Wir müssen uns auf neue wissenschaftliche Revolutionen konzentrieren: das Prinzip des Lebens, die kreative Fähigkeit des menschlichen Geistes als physische Kraft im Universum. Wir müssen die Prozesse im Sonnensystem besser verstehen lernen, in der Galaxie, im Universum als ganzem.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Astronauten, Kosmonauten, Taikonauten stellen, die alle berichten, daß wenn man auf die Erde vom Weltraum herabschaut, die Erde nur ein kleiner blauer Planet ist, der keine Grenzen hat, der aber auch unendlich verletzbar ist.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Krafft Ehricke stellen, dem deutschen Raketenforscher und Weltraumforscher, der die drei Gesetze der Astronautik genannt hat:

Das erste Gesetz: daß unter dem Naturrecht dieses Universums nichts und niemand dem Menschen irgendwelche Beschränkungen auferlegt, außer er selbst.

Zweitens: Das rechtmäßige Betätigungsfeld des Menschen ist nicht nur die Erde, sondern das ganze Sonnensystem und soviel vom Universum, wie er unter den Naturgesetzen erreichen kann.

Und drittens: Indem er sich im Universum ausbreitet, erfüllt der Mensch seine Bestimmung als Element des Lebens, ausgestattet mit der Macht der Vernunft und der Weisheit des Moralgesetzes in sich.

Die Infrastrukturentwicklung der Neuen Seidenstraße bedeutet deshalb nicht nur die Erschließung der landeingeschlossenen Regionen der Erde, sondern auch die Erschließung der näheren Umgebung des Weltraums. Das chinesische Mondprogramm plant mit Chang’e 4 und 5 die Landung von Raumfahrzeugen auf der erdabgewandten Seite des Mondes in zwei Jahren, mit der Absicht, später dort Helium-3 abzubauen für eine zukünftige Fusionsökonomie auf der Erde, was letztendlich der Menschheit Energie- und Rohstoffsicherheit bringen wird.

Gerade gab es das erfolgreiche Andocken des Raumfahrzeugs Shenzhou-11 an der Tiangong-Raumstation, wo jetzt zwei chinesische Taikonauten 30 Tage lang experimentieren werden. China wird in wenigen Jahren eine permanente Raumstation haben, schon 2020 oder 2022.

D.h. die Zusammenarbeit bei der Raumfahrt ist einer der wichtigsten Bereiche der gemeinsamen Ziele der Menschheit, weil sie den Menschen praktisch an allen Fronten seiner physischen und geistigen Existenz herausfordert und im höchsten Grade die Unabhängigkeit es menschlichen Geistes widerspiegelt und die Philosophie seiner Existenz überhaupt berührt.

Ich denke, daß wir nur in dieser Zukunftsorientierung und auf dieser Ebene der Vernunft die Herausforderungen, mit denen wir jetzt auf der Erde konfrontiert sind, bestehen können. Aber ich denke, wir können es.

 


Unsterblichkeit im Präsidentenamt

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Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Januar ein Konzert zum Gedenken an US-Präsident John F. Kennedy in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale.

Von Dennis Speed

„Ich war 23 Jahre alt, als das neue Jahrhundert anbrach. Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Eine neue Epoche stehe unmittelbar bevor, so glaubten viele, die Jahrhundertwende werde sich als Wende der Menschheitsgeschichte erweisen. Man berief sich auf die jüngsten Errungenschaften der Naturwissenschaften und prophezeite, daß die Zukunft auch in sozialer Hinsicht große Fortschritte bringen werde. Die Zeiten, da Armut und Hunger endgültig verschwunden wären, würden nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie die Leute sonst beim Beginn eines neuen Jahres Besserung geloben, so schien diesmal alle Welt entschlossen zu sein, auch den Weg in ein neues Jahrhundert mit guten Vorsätzen zu pflastern. Wer hätte damals voraussehen können, daß die kommenden Jahrzehnte die unvorstellbaren Schrecken zweier Weltkriege mit sich bringen würden mit ihren Konzentrationslagern und ihren Atombomben?“
Pablo Casals, „Licht und Schatten auf einem langen Weg“
Wer sich darin hineinversetzt, wird von diesen so wahren Beobachtungen des großen Musikers ergriffen sein. Wenn unsere Zivilisation überleben soll, dann brauchen wir Voraussicht, dann ist es unsere Pflicht, die Zukunft zu gestalten, und daher auch, sie zu kennen. Frei nach den Worten von Abraham Lincoln, der wie John F. Kennedy ermordet wurde, in seiner unsterblichen Ansprache von Gettysburg: Wir führen einen 150jährigen Krieg, der auf die Probe stellt, ob eine Nation wie die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere auf den gleichen Grundsätzen gegründete Nation dauerhaft Bestand haben kann. Die Ermordung von Amerikas Präsidenten und Staatsmännern war die bevorzugte kriminelle Methode der Gegner der Vereinigten Staaten, um sie als positives Vorbild zu zerstören. So war es bei John F. Kennedy, so war es bei dessen Bruder Robert und so war es bei Martin Luther King.
Das Schiller-Institut hat sich die Herausforderung, die Fähigkeit der Vorausschau für das kurz- und langfristige Überleben der Zivilisation zu wecken und auszuweiten, zu seiner besonderen Aufgabe gemacht. Diese Mission führte am 19. Januar nach Boston. Der Chor des Schiller-Instituts, verstärkt durch zusätzliche Sänger und ein Orchester, das vor allem aus Freiwilligen des New England Conservatory of Music bestand, führte in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale vor etwa 1200 Gästen Mozarts Requiem auf – auf den Tag genau 50 Jahre nach der feierlichen Totenmesse, die 1964 auf besonderen Wunsch der Familie John F. Kennedys zum Gedenken an den ermordeten Präsidenten an gleicher Stelle zelebriert worden war.
Ein Jahr, nachdem er sich im Oktober 1962 in der Kubakrise gegen die finsteren Mächte wie Lord Bertrand Russell durchgesetzt hatte, die einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion führen und „gewinnen“ wollten, wurde John F. Kennedy in Dallas ermordet. Dieser Mord, zusammen mit denen an seinem Bruder Robert und an Martin Luther King, wirkt noch heute wie ein böser Geist auf Amerika. Vier Generationen ist es nicht gelungen, die Folgen dieser Morde zu überwinden. Denn dazu gibt es nur einen einzigen verläßlichen Weg: Man muß die Menschen über ihre vorgefaßten und beschränkenden Erwartungen erheben. Die Menschen brauchen keine „Fakten“ über das, „was geschehen ist“, sie brauchen das Feuer der Erkenntnis, nur das kann Amerikas Trauma heilen. Keine Predigten, Slogans und Verwünschungen werden einem verschreckten Volk Mut geben. Nur wenn es seine eigene Stimme im Spiegel in einer großen künstlerischen Aufführung erlebt, können die Verzweifelnden auf eine höhere Ebene aufsteigen, wo sie zur eigenen Überraschung ihre Seele finden.
John Sigerson, der Dirigent und Musikdirektor des Schiller-Instituts, wurde in einem Interview mit der Zeitschrift der Bostoner Diözese The Pilot gefragt, ob er glaube, daß „klassische Musik eine Änderung unserer Kultur bewirken kann?“ Sigersons Antwort lautete: Nein, es sei vielmehr die Gegenüberstellung des „Musikalischen“ mit dem „Nichtmusikalischen“ – in diesem Falle die Auszüge aus Reden Kennedys, die an ausgewählten Stellen zwischen den Sätzen des Requiem vorgeführt wurden, die den Zuhörer provozieren, sein Denken zu verändern und die Musik dann anders zu erleben.
Nach der Aufführung in Virginia am 22. November, dem Jahrestag der Ermordung des Präsidenten, nutzte das Schiller-Institut damit zum zweiten Male die geistige und therapeutische Kraft von Mozarts Requiem, um den Amerikanern ihre Erkenntnisfähigkeit zurückzugeben. Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, sagte dazu in ihren Bemerkungen, eine solche Wiederbelebung der Klassik sei notwendig, um die Amerikaner zu inspirieren, Kennedys Mission wiederaufzugreifen, in einer Situation, in der die Welt wieder am Rande eines thermonuklearen Krieges steht.

Die Vorbereitung des Publikums

Matthew Ogden bereitete das Publikum als Moderator auf die Musik vor, verschiedene Kurzbeiträge von Rednern, Grußbotschaften und Zitate dienten dazu, das Publikum auf die tiefere Bedeutung dieser Aufführung vorzubereiten – „nicht in der Zeit, sondern in der Idee“, wie der Philosoph Nikolaus von Kues sagte. Zweieinhalb Stunden lang wurde die virtuelle Realität der üblichen Gehirnwäsche durch eine Popkultur, in der im Sinne Nietzsches „alles erlaubt“ ist, durchbrochen. Wieder einmal wurden jene widerlegt, die gegen das Programm eingewendet hatten, das Publikum könne sich nicht so lange konzentrieren. Es mußte erst auf das Hörerlebnis vorbereitet werden. Aber warum?
Wie der große Dirigent Wilhelm Furtwängler sagte: Um ein richtiges Urteil fällen zu können, braucht man vor allem genug Zeit. Diese notwendige Voraussetzung war erfüllt, bevor der erste Ton erklang, und deshalb konnte das Publikum auf einer höheren Ebene reagieren, als es sonst selbst bei der besten Aufführung möglich gewesen wäre.
Zur Vorbereitung des Publikums sollte man aber noch mehr sagen. Sie war insgesamt eine gründliche und konsequente politische Intervention, sogar ein politischer Kampf. In den sechs Wochen vor der Aufführung wurde in der gesamten Region Boston intensiv dafür mobilisiert. Ein Teil des Publikums war durch Anzeigen im Boston Globe und anderen Medien aufmerksam geworden. Viele hatten auch durch die Zeitung der katholischen Diözese, The Pilot, von dem Konzert erfahren. Mehrere Bostoner Schulen und Hochschulen waren vertreten, ebenso verschiedene Seniorenzentren und Bürgerorganisationen. Flugblätter und Plakate in chinesischer, vietnamesischer, spanischer, portugiesischer, englischer und französischer Sprache hatten für das Konzert geworben. Mehrere Konsulate waren unter den Gästen vertreten, ebenso mehrere Landtagsabgeordnete aus Maine und Rhode Island. Grußbotschaften übersandten der irische Staatspräsident Michael D. Higgins, der Bostoner Stadtrat Steven Murphy und der Tenor Nicholas Di Virgilio, der einzige noch lebende Solist der Requiem-Aufführung vor 50 Jahren.
Etliche Zuhörer konnten sich noch an diese Aufführung erinnern – die Heiligkreuz-Kathedrale ist im mehrheitlich katholischen Boston für viele Menschen „ihre“ Kirche. Der frühere Bostoner Bürgermeister Ray Flynn, der auch zeitweise amerikanischer Botschafter beim Vatikan war und ebenfalls bei der Aufführung von 1964 im Publikum gewesen war, brachte in einem Grußwort seine Freude und Dankbarkeit als Bostoner Bürger zum Ausdruck, daß diese Aufführung an jenes historische Ereignis erinnerte.

Die Frage der Stimmung

Der Chor des Schiller-Instituts, die Solisten Nataly Wickham (Sopran), Heather Gallagher (Mezzosopran), William Ferguson (Tenor), Ron Williams (Bariton) sowie das vor allem aus Freiwilligen vom New England Conservatory of Music bestehende Orchester meisterten ihre Aufgabe bravourös und präsentierten Mozarts Requiem als eine einheitliche Gesamtidee. Dank dieser einheitlichen Gesamtwirkung der Aufführung flossen die Worte Präsident Kennedys mit Mozarts Idee von Unsterblichkeit, in die sie eingefügt waren, zu einem Dialog über den Triumph dieser Unsterblichkeit über den Tod zusammen, in den auch das Publikum mit einbezogen war.
Das Werk wurde in der bei den Aufführungen des Schiller-Instituts üblichen wissenschaftlichen Stimmung (c’=256 Hz bzw. a’=427-432 Hz) aufgeführt. Das ist fast ein Viertelton tiefer ist als die heute verbreitete Stimmung (440-448 Hz). Manche nennen das die „tiefe“ Stimmung, das ist jedoch nicht ganz richtig, denn die heute verwendete, höhere Stimmung ist schlicht falsch. Mozarts Requiem wurde in der niedrigeren Stimmung und für sie komponiert.
Der Dirigent Anthony Morss, ein Unterstützer des Schiller-Instituts, der bei verschiedenen Experimenten zur Demonstration der notwendigen Rückkehr zu dieser sog. „Verdi-Stimmung“ mitgewirkt und dirigiert hat, verfaßte für das Programmheft der Aufführung einen Aufsatz zu diesem Thema.

Kunst als Notwendigkeit

Die Frage, warum der Mensch die Kunst braucht – nicht nur moralisch, sondern auch ganz real -, stand im Mittelpunkt der kurzen Bemerkungen von Helga Zepp-LaRouche an das Publikum: „Es ist dringend notwendig, heute der Aufführung von Mozarts Requiem für John F. Kennedy vor 50 Jahren in dieser Kathedrale zu gedenken. Wir müssen dringend den Geist der göttlichen Schönheit von Mozarts Werk wieder hervorrufen, damit wir wieder den Zugang zu der besseren Welt finden, die Kennedy und Mozart verkörpern.“
Wie Mozart, Beethoven und Beethoven verkörpere der „Dichter der Freiheit“ Friedrich Schiller, nach dem das von ihr vor 30 Jahren gegründete Institut benannt ist, den Sieg der Unsterblichkeit über den Tod, genauso wie Kennedys Apollo-Projekt. Dank Kennedys Optimismus konnten alle Amerikaner und mit der erfolgreichen Mondlandung alle Menschen auf der Welt wissen, daß der menschliche Geist – anders als der Körper, in dem er eingeschlossen ist – keine Grenzen kennt.
Es war gesetzmäßig, daß diese Aufführung den „Zugang zur besseren Welt“ öffnete, von dem Helga Zepp-LaRouche sprach. Es konnte nicht anders sein, schließlich gehörte für John F. Kennedy die Wertschätzung und Förderung der klassischen Kunst und Künstler zu den Grundlagen seiner Präsidentschaft, auch wenn man das in den seither vergangenen Jahrzehnten oft übersehen hat. Wer kennt beispielsweise die folgenden Worte Kennedys, mit denen er am 26. Oktober 1963, knapp einen Monat vor seinem Tod, an den in jenem Jahr verstorbenen Dichter Robert Frost erinnerte?
„Unsere nationale Stärke ist wichtig, aber der Geist, der unsere Stärke inspiriert und lenkt, ist genauso wichtig. Darin liegt die besondere Bedeutung von Robert Frost… Es ist kein Zufall, daß Robert Frost Dichtung und Macht miteinander in Verbindung brachte, denn er sah in der Dichtung das Mittel, die Macht vor sich selbst zu schützen. Wenn Macht den Menschen zur Arroganz führt, erinnert ihn die Dichtkunst an seine Grenzen. Wenn Macht die Grenzen seiner Rücksichten einschränkt, erinnert ihn die Dichtkunst an den Reichtum und die Vielfalt seiner Existenz. Wenn Macht korrumpiert, läutert die Dichtkunst. Denn die Kunst formuliert die grundlegenden menschlichen Wahrheiten, die als Prüfstein unseres Urteils dienen müssen.“

Heute und damals

Es gab ein paar wichtige Unterschiede zwischen der Aufführung 1964 und der von heute. Eine Besonderheit war, daß Mozarts Requiem 1964 in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal überhaupt im Rahmen eines katholischen Hochamtes aufgeführt wurde.
Und ein weiterer wichtiger Unterschied: Das Gedächtniskonzert 2014 stellte besonders hohe Ansprüche an die Musiker, das Werk einsichtsvoll dazustellen, weil das Denkvermögen der Bevölkerung in diesen letzten 50 Jahren immer mehr unterhöhlt wurde – insbesondere durch die obszönen Kakophonien der „Unterhaltungskultur“ (die letzten Regierungen eingeschlossen).
In dem Zusammenhang muß man darauf hinweisen, daß der Chor aus Laienmusikern des Schiller-Instituts bestand, deren tägliche Arbeit meistens im Einsatz für die politischen Ziele der LaRouche-Bewegung besteht. Zunächst hatten auch etliche halbprofessionelle und professionelle Sänger aus Boston ihre freiwillige Mitwirkung zugesagt, viele ließen sich davon jedoch durch eine Verleumdungskampagne einiger örtlicher Politiker gegen das Schiller-Institut wieder abbringen. Aber andere ließen sich davon nicht beeindrucken und sangen trotzdem mit.
Dabei verhehlten die Organisatoren bei den Vorbreitungen zu der Aufführung keineswegs, „wer sie sind“, sondern betonten immer wieder ausdrücklich, warum gerade das Schiller-Institut und Lyndon und Helga LaRouche dieses Gedächtniskonzert unbedingt veranstalten wollten – und warum kein anderer im heutigen Amerika auf diese Idee kommt.
Um diese Frage zu beantworten, muß man eine zweite stellen, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat, die aber im Grunde dieselbe ist: Warum haben viele scharfe, manchmal sogar gnadenlose Beobachter des menschlichen Charakters wie Charles de Gaulle, Douglas MacArthur und Eleanor Roosevelt in Kennedy trotz seiner Schwächen einen so außergewöhnlichen Menschen erkannt? Warum sahen solche anspruchsvollen Kritiker des menschlichen Charakters, aber genauso auch unzählige „einfache“ Amerikaner in Kennedy einen amerikanischen Präsidenten, der in hervorragender Weise geeignet war, den Fortschritt nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern der ganzen Menschheit zu fördern?
Kennedy hat in seiner Rede zu seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 diese Frage praktisch selbst beantwortet. Man erkennt an ihr, was ihn von allen Präsidenten unterscheidet, die nach ihm kamen. Er beschreibt die Aufgaben, die er mit seiner Regierung bewältigen will, so „die Bürde eines langen Kampfes in der Dämmerung, Jahr für Jahr, fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Bedrängnis…, gegen die gemeinsamen Feinde aller Menschen: Tyrannei, Armut, Krankheit und der Krieg an sich“. Dann sagt er:
„All das wird nicht in den ersten hundert Tagen vollendet werden. Es wird auch nicht in den ersten tausend Tagen vollendet werden, auch nicht in der Amtszeit dieser Regierung, vielleicht auch nicht zu unserer aller Lebenszeit. Aber laßt uns anfangen.“
Kennedy sah dem Schicksal ins Auge und handelte danach. Auch wenn es so vieles gab, dessen Verwirklichung er nicht mehr selbst erleben konnte, konnte Kennedy in den tausend Tagen seiner Regierung die Welt vor der atomaren Vernichtung retten und die Menschheit zum Mond führen. Diese Fähigkeit, aus den revolutionären Prinzipien der Amerikanischen Verfassung und Unabhängigkeitserklärung die richtigen Ziele und Beiträge für den Fortschritt des Landes abzuleiten, wie es Lincoln und Kennedy mit ihren Regierungen taten, war bei den Nachfolgern seit Kennedys Ermordung einfach nicht vorhanden, und die Vision fehlte.
Die Regierung Obama betreibt heute, genauso wie die Regierung Bush vor ihr, sogar genau das Gegenteil. Die Amerikaner müssen dafür sorgen, daß ihr Land zu diesen Prinzipien zurückkehrt, und man muß die Bevölkerung kulturell dazu in die Lage versetzen.
Das ist der Grund, warum das Schiller-Institut ganz besonders dazu berufen war, diese Konzerte vom 22. November 2013 und vom 19. Januar 2014 zur Erinnerung an Präsident John F. Kennedy vorzuschlagen, zu organisieren und aufzuführen. Sein Vorbild darf nicht verschwinden. Mut und Intelligenz hängen miteinander zusammen. Kennedy wurde seinem eigenen Maßstab des Mutes in der Not gerecht – streben wir ihm nach!

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