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Eine neue Renaissance

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Internet-Konferenz: Die Existenz der Menschheit hängt jetzt von der Schaffung eines neuen Paradigmas ab!

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Einladung zur

Internet-Konferenz des Schiller-Instituts

am 25. und 26. April 2020

Diese Konferenz findet in einer Zeit statt, die unsere moralische Überlebensfähigkeit herausfordert. Schon vor dem Ausbruch der doppelten Krise mit der Coronavirus-Pandemie und dem laufenden Finanzkollaps war offensichtlich, daß die alte Weltordnung – der Versuch, nach dem Zerfall der Sowjetunion eine unipolare Welt zu schaffen – auseinander bricht. Mit der Ausbreitung der Pandemie und der Wende der Zentralbanken zum „Hubschraubergeld“ sind wir nun an dem Punkt angelangt, vor dem Lyndon LaRouche im August 1971 gewarnt hatte, als er prognostizierte, daß die monetaristische Politik der frei schwankenden Wechselkurse, die Präsident Nixon nach der Aufgabe des Bretton-Woods-Systems verfolgte, zu einer neuen Depression und zur Gefahr eines neuen Faschismus führen würde. Seit 1974 warnten LaRouche und sein Wissenschaftsteam wiederholt und veröffentlichten zahlreiche Studien über die Gefahr des Wiederauftretens alter Krankheiten und neuer Pandemien als Folge der Sparpolitik der Weltbank und des IWF für den Entwicklungssektor.

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Ein großer Teil der sogenannten „westlichen Welt“ liegt in Trümmern. Der Abbau eines ehemals hervorragenden Gesundheitssystems um des privaten Profits willen, der jetzt die Kurzsichtigkeit des liberalen Establishments deutlich macht, ist nur eines der vielen Symptome eines gescheiterten Systems. Die offen demonstrierte mangelnde Solidarität innerhalb dieses westlichen Bündnisses in Krisenzeiten, wie sie sich in der Kluft zwischen den USA und der EU, aber auch zwischen der EU und ihren Mitgliedstaaten zeigt, ist ein weiteres solches Symptom – ganz zu schweigen von der herablassenden Mißachtung der Souveränität und Menschenleben in den Nationen des Entwicklungssektors. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie war die moralische Krise der EU angesichts der EU-Politik zur Flüchtlings- und Migrantenkrise für die ganze Welt offensichtlich geworden.

Auf der anderen Seite bietet Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative (BRI) zum ersten Mal in der Geschichte den Entwicklungsländern eine echte Perspektive, Armut und Unterentwicklung zu überwinden. Seit ihrem Start im Jahr 2013 haben sich dieser Initiative 153 Länder angeschlossen. Vergleicht man die BRI oder „Neue Seidenstraße“ mit den konkreten Entwicklungsplänen für alle Kontinente, die von LaRouche und seiner Bewegung seit den 1970er Jahren ausgearbeitet wurden, so findet man eine enge Wesensverwandtschaft, die in Studien wie Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke, einem Aufbauplan für die globale Entwicklung unseres Planeten, angemessen zum Ausdruck kommt. Dies bildet auch die wirtschaftliche Plattform für das notwendige neue Paradigma in den internationalen Beziehungen, ohne das die doppelte Pandemie von COVID-19 und der 1,8 Billiarden Dollar schweren Krebsgeschwulst der globalen Finanzspekulation nicht überwunden werden kann.

Leider ist es offensichtlich, daß ein großer Teil des liberalen Establishments weder bereit ist, über die Gründe für das Scheitern ihres Systems nachzudenken, noch mit dem neuen System der Zusammenarbeit, das das BRI anbietet, zu kooperieren – selbst nicht unter den Bedingungen einer Pandemie und eines finanziellen Zusammenbruchs. Aber eine Fortsetzung der geopolitischen Konfrontation unter diesen Bedingungen gefährdet die Existenz der gesamten menschlichen Zivilisation.

Helga Zepp-LaRouche hat deshalb den langjährigen Vorschlag ihres verstorbenen Mannes Lyndon LaRouche erneuert, daß nur die Kombination der vier mächtigsten Länder – USA, China, Rußland und Indien – die Agenda für ein neues Paradigma auf den Tisch legen kann. Sie fordert einen Sondergipfel der Präsidenten dieser vier Länder, um die dringende Reorganisation des bankrotten Finanzsystems durch ein neues Bretton-Woods-System einzuleiten und um eine neue Ebene der internationalen Zusammenarbeit in strategischen Fragen, wissenschaftlichen Bemühungen, der physischen Wirtschaft und eine kulturelle Renaissance zu schaffen.

Das Schiller-Institut wird am 25. und 26. April über das Internet eine internationale Konferenz abhalten, die Spitzenexperten aus diesen Bereichen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammenbringt, um mit einem internationalen Live-Publikum über die Prinzipien zu diskutieren, auf denen das neue Paradigma basieren muß, um die dauerhafte Existenz der menschlichen Spezies zu garantieren.

 

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Ablauf und Programm der Konferenz

Die Internetkonferenz wird für registrierte Teilnehmer per Livestream übertragen. Die Redner werden per Video verbunden und haben während der Podiumsdiskussionen die Möglichkeit zum Dialog miteinander. Die Konferenzteilnehmer können live in schriftlicher Form Fragen stellen und mitdiskutieren, möglicherweise können Fragen auch direkt per Videoschaltung gestellt werden. An der Bereitstellung einer  Simultanübersetzung wird gearbeitet.


Samstag, 25. April
17:00 Uhr MEZ

Panel 1: “Warum die Geopolitik dringend durch ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen abgelöst werden muß”

 

Diese Vortragsrunde wird über die Prinzipien diskutieren, auf denen eine neue strategische Ordnung basieren muß: die gemeinsamen Ziele der Menschheit, Souveränität aller Nationen und gegenseitiger Nutzen aller Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft. Diese Prinzipien finden sich in den besten Beiträgen der universellen Kulturgeschichte, aber auch in den wissenschaftlichen, physikalischen Prinzipien des Universums und der großen klassischen Kunst. Diese Prinzipien müssen sich in der Definition des Interesses der Menschheit von dem Standpunkt aus widerspiegeln, wo die Entwicklung unserer Gattung in hundert Jahren sein muß. Dieser Blick in die Zukunft muß entscheiden, in welcher Weise wir eine neue wirtschaftliche Plattform, eine neue Sicherheitsinfrastruktur, neue Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und einen Dialog der klassischen Kulturen gestalten.


21:00 Uhr MEZ

Panel 2: “Kreativität als das charakteristische Merkmal der menschlichen Kultur: die Notwendigkeit einer klassischen Renaissance”

Die Dekadenz, die in weiten Teilen der Kultur der westlichen Welt Einzug gehalten hat, ist selbst ein Anzeichen für das Ende des Systems. Ein Kult der Häßlichkeit beherrscht heute vieles, was als Kunst gilt. Sinnlose Gewalt und Perversion in der sogenannten Unterhaltungsindustrie haben sicherlich dazu beigetragen, eine populäre Kultur zu formen, die von Massenmorden, Drogensucht und Kulturpessimismus geprägt ist.

Die Ablösung des Finsteren Zeitalters des 14. Jahrhunderts, das in der Literatur von Boccaccio und in Gemälden von Bruegel und Bosch beschrieben wird, durch den kulturellen Optimismus und das neue Menschenbild der Goldenen Renaissance in Italien und anderen Teilen Europas ist ein gutes Beispiel dafür, daß der menschliche Einfallsreichtum schreckliche Krisen überwinden und an ihrer Stelle neue Ideen und große Kunstwerke schaffen kann.

Eine Wiederbelebung der klassischen Kunst ist heute die unabdingbare Voraussetzung dafür, daß die Menschheit ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte aufschlagen kann. Eine Renaissance der klassischen Musik und ein Dialog der besten klassischen Traditionen aller Kulturen müssen den Grundstein für eine neue Renaissance legen. Werke wie die von Dante, Leonardo da Vinci, Bach, Mozart, Beethoven, Verdi, Du Fu, Shakespeare, Schiller, Tagore, Huang Gongwang, Rembrandt und Goya, um nur einige zu nennen, enthalten Prinzipien, welche die Kreativität des menschlichen Geistes inspirieren und so universell sind wie die Prinzipien der Naturwissenschaften. Die Kenntnis dieser Künste ist die Grundlage für die ästhetische Erziehung des Menschen. Wie Lyndon LaRouche wunderschön schrieb, ist Liebe das Wesen jeder großen Kunst.

In diesem Beethoven-Jahr können wir durchaus die innere Kraft gewinnen, diese Krise zu meistern, indem wir seinen Geist heraufbeschwören und wie dieser große Komponist denken.

 


Sonntag, 26. April
17:00 Uhr MEZ

Panel 3: “Für  ein besseres Verständnis der Funktionsweise unseres Universums”

Existentielle Bedrohungen für die Menschheit wie die gegenwärtige COVID-19-Pandemie können nur durch die strikte Anwendung von Maßnahmen der Seuchenbekämpfung überwunden werden, wofür China einen neuen Maßstab geschaffen hat. Gleichzeitig muß man die biologische und virologische Grundlagenforschung (optische Biophysik) ausweiten, um zu verstehen, was Leben wirklich ist und was das Zusammenspiel zwischen dem nicht lebenden Bereich, der Biosphäre und der menschlichen Noosphäre ist. Wesentlich sind die Gedanken von Kepler, Leibniz, Wernadskij und Gurwitsch im Sinne einer „Harmonie des Universums“.

Lyndon LaRouche nannte diesen Ansatz die „Strategische Verteidigung der Erde“, die sowohl die Verteidigung des Planeten gegen Asteroiden und Kometen als auch den Kampf gegen Pandemien umfaßt. Dies erfordert die Entwicklung neuer Technologien mit höheren Energieflußdichten, wie z.B. fortgeschrittene Kerntechnik, Energie- und Teilchenstrahlung, Weltraumwissenschaft, Supraleiter, neue Materialien, nichtmechanische Produktionsprozesse und Robotik. Angesichts der Zwillingsviren COVID-19 und Monetarismus ist es heute wichtiger denn je, optimistisch zu sein hinsichtlich des menschlichen Potentials, gegen den malthusianischen Pessimismus, der den Menschen als Raubtier und Umweltverschmutzer betrachtet, den Aufbau einer besseren Welt durchzusetzen.

Wie LaRouche in vielen Bereichen gezeigt hat, ist es das kreative Potential der menschlichen Gattung, das in unbegrenzter Weise die Schaffung immer höherer wissenschaftlicher und technischer Plattformen und die Entdeckung der Gesetzmäßigkeiten des Universums ermöglicht. Die Erforschung des Weltraums ist die konkrete Herausforderung an unsere menschliche Identität, die das beste unseres Potentials zur Entdeckung und Inspiration einer Schicksalsgemeinschaft entfachen wird.

 


21:00 Uhr MEZ

Panel 4: “Die Wissenschaft der physischen Ökonomie”

Wenn sich in dieser Zusammenbruchskrise etwas gezeigt hat, dann ist es das völlige Versagen dessen, was an den Universitäten gewöhnlich als Ökonomie gelehrt wird. Lyndon LaRouches Erkenntnis des Betrugs hinter den Theorien von Norbert Wiener und John von Neumann, die noch heute die Welt der Statistiken und Algorithmen beherrschen, schuf die Grundlage für die Entwicklung seiner Wissenschaft der physischen Ökonomie. Sie basiert auf den Ideen von Leibniz, List und den geistigen Vätern des Amerikanischen Systems der Ökonomie, Alexander Hamilton, Henry Clay und Henry C. Carey, entwickelt sie aber auf der Grundlage der physikalischen Konzepte von Bernhard Riemann und Albert Einstein weiter. Lyndon LaRouches Bilanz als Wirtschaftsprognostiker ist außergewöhnlich.

Es ist bemerkenswert, daß das chinesische Wirtschaftsmodell viel mit dem Amerikanischen System gemeinsam hat, was auch mit der Rolle von Sun Yat-sen und den besseren Zeiten der amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit zusammenhängt.

Die physische Wirtschaft ist kein spezialisierter Wissenschaftszweig, sondern umfaßt die Gesamtheit menschlichen Wissens, da sie sich auf die Kreativität der Menschen als solche bezieht. Was wir heute brauchen, ist eine völlige Neudefinition, was Wirtschaftswissenschaft eigentlich ist, wofür neue Plattformen der Weltraumwissenschaft und Weltraumwirtschaft als Orientierung dienen können.

Die Konferenz wird auch die stolze Gelegenheit sein, die Veröffentlichung des ersten Bandes der geplanten Ausgabe von LaRouches sämtlichen Werken, Collected Works of Lyndon LaRouche, zu präsentieren, der einige seiner grundlegenden Schriften zur physischen Ökonomie enthalten wird.

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Webcast: Pandemie-Anleihen offenbaren westliche Dekadenz – LaRouches visionäres Krisenmanagement gefordert!

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Zerstörung Beethovens im Beethovenjahr 2020?

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In einem vielbeachteten Appell erklärte Helga Zepp-Larouche, Vorsitzende des internationalen Schiller-Institutes, daß die Zerstörung der Oper „Fidelio“ von L. van Beethoven  in einer Aufführung in Darmstadt einem Dammbruch gleichkomme.

Hier wurde nicht nur durch die Regie der Sinn der Oper , sondern sogar  auch die Musik entstellt.

„Die Grenze des Zumutbaren ist endgültig überschritten“, erklärte Frau Zepp- LaRouche.

Wenn dieser Zerstörung nicht Einhalt geboten würde, wird sich die ganze Welt über den „Eurotrash“ lustig machen, wie dieses Genre inzwischen in vielen Ländern genannt wird.

Dieser Appell erregte schon international Aufsehen, wie z.B. in den USA, Italien und Holland.

Wir bitten Sie, den nachfolgenden Appell zu unterstützen, zu veröffenlichten und zu verbreiten.

Hier als PDF im A4 Format zum Herunterladen.
Hier als PDF im A3 Format zum Herunterladen.

Von der Unfähigkeit, Musik zu komponieren

Ein Offener Brief an die Klassikliebhaber Deutschlands im Beethoven-Jahr: Die Grenze des Zumutbaren ist endgültig überschritten!

Von Helga Zepp-LaRouche

 

Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben,
Bewahret sie!
Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!

Friedrich von Schiller

 

Das erste, was man über die Aufführung von Beethovens Fidelio im Staatstheater Darmstadt in einer Inszenierung von Paul Georg Dittrich und einer musikalischen Bearbeitung des Finales durch Annette Schlünz sagen kann: Sie ist grottenschlecht. Grottenschlecht vom musikalischen, vom künstlerischen, vom philosophischen und vom menschlichen Standpunkt. In einer langen Reihe von stupiden, geschmacklosen, repetitiven Aufführungen des Regietheaters, wie sie seit mehr als einem halben Jahrhundert (!) auf die Bühne gebracht werden – zunächst beschränkt auf das Theater, und seit Jahren auch der Oper angetan -, war diese Aufführung der absolute Tiefpunkt.

Als Hans Neuenfels im Sommer 1966 als 25 Jahre alter Dramaturg am Trierer Theater als Werbung für das „1. Happening in Rheinland-Pfalz“ ein Flugblatt verteilen ließ, wo er auch die Frage stellte: „Warum schänden Sie nicht kleine Mädchen?“, befand er sich durchaus in Übereinstimmung mit den Überzeugungen der 68er Bewegung, wie man spätestens seit Cohn- Bendit weiß. Seitdem – seit 53 Jahren! – kopulieren diverse Nackte, Rockerbanden, Schizophrene oder Nazi-Kostümierte auf den Bühnen und haben erfolgreich die Stücke und Kompositionen der klassischen Dichter und Komponisten bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Originalität sieht anders aus.

Die Darmstädter Fidelio-Inszenierung präsentiert nicht nur eine Multimedia-Mischung von ästhetischen Abgeschmacktheiten, Brechtschen Entfremdungseffekten und einer Überlagerung der musikalischen Szenen des ersten Teils mit einer die ganze Bühne ausfüllenden Leinwand, auf die Bilder und Filmausschnitte projiziert werden. Diese sollen den zeitgeschichtlichen Hintergrund illustrieren, vor dem acht Inszenierungen von 1805 bis heute stattgefunden haben. Der Gesamteindruck ist chaotisch, die Sänger, die gegen diese Clip-Gewitter ansingen müssen, beginnen einem leid zu tun, so wie Leonore, die die ganze Zeit wie ein kopfloses Huhn um die Bühne herumlaufen muß.

Aber die wirkliche Monstrosität ereignet sich im zweiten Teil, als das Finale, die großartige Freiheitshymne der Oper, durch Einschübe von Kompositionen im Stil der Neuen Musik von Annette Schlünz martialisch regelrecht zerhackt wird. Schlünz beschreibt die von ihr komponierten Einschübe im Programmheft folgendermaßen:

„Nach und nach ist so ein ,Heil-Chor’ entstanden, der teilweise verstummt oder in dem nur einzelne Stimmen oder Wörter stehen geblieben sind. Manchmal radikalisiere ich auch Beethovens Instrumentation, um seine Ideen noch zu verstärken oder ich wiederhole einzelne Takte und stoppe dann plötzlich. Ein ganz großer Wunsch von mir war es, Fremdklang mit einzuflechten und die Musik an manchen Stellen einzufärben. Die Trompetenfanfare, die schon vor Beginn der Vorstellung vom Balkon des Staatstheaters erklingt, greife ich auf und erweitere sie: Das ist das Signal, das zum Aufbruch ruft. Einige Instrumente und Musiker, die aus dem Orchesterklang herausfallen, werden sozusagen abtrünnig und bringen etwas Neues herein. Das F-Dur Ensemblestück – ein fantastisches Stück Musik mit einer Sakralität und Geschlossenheit, an die ich mich nie heranwagen würde – lasse ich hingegen unberührt wie einen Edelstein stehen. Das anschließende Zwischenspiel mit meiner Musik, bei der unterschiedliche Klänge inklusive der Stimmen von acht Vokalsolistinnen durch den Raum geschickt werden, bricht die Beethoven’sche Klangwelt vollends auf.“

Vom Standpunkt der malträtierten Zuschauer hatte der von Schlünz zwischengeschobene Krach, bei dem Sänger und Instrumentalisten aus Plätzen mitten im Publikum und von allen Seiten ihren ohrenbetäubenden Mist hinausposaunten, mit Musik nicht mehr das geringste zu tun: Die Grenze zur Körperverletzung war eindeutig überschritten.

Wie emotional gestört Schlünz ist, wird aus ihren nächsten Sätzen deutlich:

„Beim Hören habe ich mir oft vorgestellt, ich würde an den Reglern eines Mischpults sitzen und die Geschwindigkeit noch weiter hochdrehen. Und da würde ich Beethoven einfach mal unterstellen, daß er beim Komponieren im Sinn hatte, fast etwas zu überdrehen. Das ist eine regelrechte Jubelmaschine! Mich erinnert das an Kinder, die vor Aufregung völlig überschnappen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Gefühle im Griff behalten sollen.“

Wenn hier irgend etwas übergeschnappt ist, dann ist es die von Schlünz hier demonstrierte Erbärmlichkeit, ihre emotionale Impotenz, das Erhabene des Sieges der Liebe zwischen Leonore und Florestan zu begreifen. Mehr noch, sie kann diese Größe offensichtlich nicht ertragen, ihre Vorstellung, mittels der Regler eines Mischpults die Geschwindigkeit der Musik hochdrehen zu wollen, ist der gleiche unkontrollierbare Ausraster, mit dem die Mörder des Ibykus sich selbst verraten, nachdem der Chor der Erinnyen die höhere Macht der Poesie im Theater von Korinth wachgerufen hat. Kleine, niedrig gesinnte Geister können weder große Ideen noch erhabene Gefühle ertragen.

Das großartige Finale des Fidelio, in dem Beethoven die Überwindung der Tyrannei durch den Mut der Gattenliebe zelebriert, ist Ausdruck der edelsten Humanität, bei der Liebe, Mut und Freiheitswille ihren musikalischen Ausdruck finden. In der Arie Leonores heißt es zuvor: „Ich wanke nicht, mich stärkt die Pflicht der Gattenliebe.“ Beethoven wählte den Stoff der Oper als im Sinne Schillers gelungene Idealisierung einer historischen Begebenheit, der Befreiung des Helden der Amerikanischen Revolution und französischen Republikaner, Marquis de La Fayette, durch seine Frau Adrienne. Darin kommt Beethovens eigene republikanische Gesinnung zum Ausdruck, wozu in der damaligen Zeit immer noch feudaler Strukturen und napoleonischer Feldzüge selber schon persönlicher Mut und Freiheitswille gehörte.

Für die gestörte Emotionalität der Vertreter der Frankfurter Schule und des liberalen Zeitgeistes sind solche zutiefst menschlichen Gefühle nicht mehr zugänglich. Der Regisseur Paul-Georg Dittrich sagt in seinem Interview im Programmheft in aufschlußreicher Weise, daß ihm das Finale vorkommt „wie eine Feier, bei der man gar nicht weiß, was eigentlich gefeiert wird“. Wenn Dittrich und Schlünz das nicht wissen, heißt das aber noch lange nicht, daß sie das Recht hätten, auch den normalen Menschen den Zugang dazu durch die Dekonstruktion der Komposition Beethovens zu zerstören.

Im Geiste des „Kongreß für kulturelle Freiheit“

Aber genau das war von Anfang an die Absicht der diversen Strömungen, in deren Tradition sich Dittrich, Schlünz und die ganze Inszenierung in Darmstadt befinden, einem Amalgam aus Adorno, der Eisler-Brecht-Schule und des Kongresses für kulturelle Freiheit. In einem bemerkenswerten Anflug wahrheitsgerechter Berichterstattung berichtete die FAZ am 12.11. 2017 in dem Artikel „Die CIA und die Kultur: Wie man die großen Wörter klaut“ über die Ausstellung anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Skandals, als 1967 bekannt wurde, daß die gesamte gigantische Operation des Kongresses für kulturelle Freiheit eine von der CIA finanzierte Operation als Teil des Kalten Krieges war. Und dann das für die FAZ schon beinahe sensationelle Eingeständnis über das Ganze: „Die beunruhigende Pointe ist, daß der Geheimdienst dabei nicht einfach eine sinistre Reaktion beförderte, sondern eben jenem Linksliberalismus zum Durchbruch verhalf, der bis heute den Mainstream-Standard der westlichen Intellektuellen bildet.“

Die Darmstädter Fidelio-Inszenierung ist gewissermaßen die Endmoräne dieses Prozesses. Angefangen hatte er mit dem Wandel der amerikanischen Nachkriegspolitik. Nach dem unzeitigen Tod Roosevelts, unter dessen Führung die USA im Zweiten Weltkrieg mit der Sowjetunion im Kampf gegen den Faschismus verbündet waren, geriet der intellektuell wesentlich kleinere Truman schnell unter den Einfluß Churchills. Mit seiner berüchtigten Fulton-Rede am 5. März 1946 läutete dieser den Kalten Krieg ein. Damit gewannen die Vorläufer jener Elemente im amerikanischen Sicherheitsapparat, vor denen Eisenhower später als dem Militärisch-Industriellen Komplex warnte und die heute oftmals verkürzt als „Tiefer Staat“ bezeichnet werden, die Oberhand.

Der nunmehr ausgerufene Kalte Krieg erforderte, daß die tiefen Emotionen, die Amerikaner und Russen aufgrund der Kriegserfahrung verbanden und wie sie im Treffen an der Elbe in Torgau ihren Höhepunkt fanden, durch ein antirussisches Sentiment ersetzt werden mußten. Es mußte ein neues Feindbild aufgebaut und die gesamte Axiomatik des Denkens in der Bevölkerung entsprechend geändert werden. Für die USA bedeutete dies, die Grundannahmen in der Bevölkerung zu ändern, die zur Unterstützung der Politik Roosevelts beigetragen hatten. Für Europa und insbesondere Deutschland mußten die Wurzeln der europäischen humanistischen Kultur, die die kulturelle Identität jenseits der zwölf Jahre Schreckensherrschaft ausmachten, zerstört und durch ein Konstrukt ersetzt werden – die Dekonstruktion der klassischen Kultur.

Das Instrument, das für diesen Zweck geschaffen wurde, war der „Kongreß für kulturelle Freiheit“ (CCF), ein gigantisches Programm der psychologischen Kriegsführung, das von den Geheimdienstkreisen um Allan Dulles unter der Leitung von Frank Wisner, dem damaligen Chef des Büros für politische Koordination im US-Außenministerium, ins Leben gerufen wurde. Später wurde der CCF in die Abteilung für verdeckte Operationen verlagert. Die Operation dauerte offiziell von 1950 bis 1967, als die New York Times am 27. April 1967 veröffentlichte, daß der CCF eine Operation des CIA war – eine Enthüllung, die sich zum größten Kulturskandal des 20. Jahrhundert entwickelte. Der CCF operierte in 35 Staaten, gab 20 Magazine heraus, und tatsächlich steuerte der CIA praktisch jede Kunstausstellung und kulturelle Veranstaltung. In Europa gab es in dieser Zeit so gut wie keinen Schriftsteller, Musiker, Maler, Kritiker oder Journalisten, der nicht in irgendeiner Form mit diesem Projekt in Verbindung stand – mal wissentlich, mal ohne eine Ahnung zu haben.

Die Orientierung dieser Kulturprojekte war im wesentlichen die gleiche wie die der Frankfurter Schule, deren führende Vertreter während der Zeit des Nationalsozialismus in den USA im Exil waren und dort teilweise in den Sold der amerikanischen Geheimdienste getreten waren, wie Herbert Marcuse und andere. Auf jeden Fall paßten die Ansichten der Frankfurter Schule perfekt in das Programm des CCF. Theodor Adorno vertrat z.B. die absurde und ignorante Auffassung, daß der Idealismus Friedrich Schillers direkt zum Nationalsozialismus geführt habe, weil er einen radikalen Standpunkt eingenommen habe. Deshalb sei es nötig, die Schönheit vollkommen aus der Kunst zu entfernen. In seinem Aufsatz „Kulturkritik und Gesellschaft“, 1949 geschrieben, gipfelte seine misanthropische Sichtweise in dem vielzitierten Satz: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“

In Darmstadt auch hier nichts Neues: Im Programmheft zur Fidelio-Aufführung vertritt ein George Steiner exakt die gleiche Meinung: „Ist es möglich, daß im klassischen Humanismus selbst, in seiner Neigung zur Abstraktion und zum ästhetischen Werturteil, ein radikales Versagen angelegt ist? Kann es sein, daß Massenmord und jene Gleichgültigkeit gegenüber den Greueln, die dem Nazismus Vorschub geleistet hat, nicht Feinde oder Negationen der Zivilisation sind, sondern ihr gräßlicher aber natürlicher Komplize?“

Was hier in Reinformat zum Ausdruck kommt, ist exakt die psychologische Kriegsführung des CIA-gesteuerten CCF, der die Wurzeln der humanistischen Identität in der deutschen Bevölkerung zugunsten einer anglo-amerikanischen kulturellen Werteskala ausreißen sollte.

Eine Frage des Menschenbilds

Um es noch einmal auf den Punkt zubringen: Es gibt keinen größeren Gegensatz als den, der zwischen dem erhabenen Menschenbild des Humanismus und der klassischen Kunst und dem barbarischen Menschenbild der Nationalsozialisten existiert. Das Menschenbild der Klassik sieht den Menschen als prinzipiell gut an, als das einzig vernunftbegabte Geschöpf, das die in ihm angelegten Potentiale durch die ästhetische Erziehung zu einem harmonischen Ganzen, zu einem schönen Charakter, wie Wilhelm von Humboldt es ausgedrückt hat, vervollkommnen kann. Die klassischen Kunstwerke in der Dichtung, den bildenden Künsten und der Musik zelebrieren diese schöne Menschlichkeit und sind selbst wiederum Inspiration für die kreativen Fähigkeiten der Leser, Zuschauer und Zuhörer.

Das Menschenbild der Nationalsozialisten hingegen mit seiner Blut-und-Boden-Ideologie geht von einer rassistischen, chauvinistischen und sozialdarwinistischen Ideologie der Überlegenheit der arischen Rasse aus. Zu behaupten, die Tatsache, daß sowohl die Klassik als auch der Nationalsozialismus in Deutschland vorgekommen sind, beweise, daß es einen inneren Zusammenhang zwischen diesen vollkommen gegensätzlichen Vorstellungen gäbe, ist genau so absurd wie die Behauptung, aus der amerikanischen Verfassung seien geradewegs die Interventionskriege der Regierungen Bush und Obama entstanden oder aus der Überzeugung der Johanna von Orleans die französische Kolonialpolitik. Diese Behauptungen stammen in Wirklichkeit aus der Giftküche der CIA, zu deren Rezepten spätestens seit den Zeiten des CCF die „notwendige Lüge“ und die „glaubhafte Abstreitbarkeit“ gehören, wovon die Welt in jüngster Vergangenheit mit dem andauernden Coup gegen Präsident Trump durch den britischen Geheimdienst in Zusammenarbeit mit dem „Tiefen Staat“ wieder genügend viele Kostproben bekommen hat.

Die Frage, wie es vom hehren Ideal der deutschen Klassik zum Absturz unter der Herrschaft der Nationalsozialisten kommen konnte, ist eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Um sie zu beantworten, ist die gesamte Ideengeschichte seitdem notwendig, vom Angriff der Romantik auf die Klassik und der damit beginnenden Auflösung der klassischen Form über den beginnenden Kulturpessimismus, der mit der Konservativen Revolution als Antwort auf die Ideen von 1789 und der politischen Restauration des Wiener Kongreß einzusetzen begann, über Schopenhauer und Nietzsche, die Bewegung des Jungen Europa vor dem Ersten Weltkrieg bis hin zum Ersten Weltkrieg und seinen Folgen.

Den Zweck, Kulturpessimismus zu induzieren, verfolgten auch die diversen Musikprojekte des CCF. 1952 veranstaltete er ein einmonatiges Musikfestival in Paris mit dem Titel: „Meisterwerke des 20. Jahrhunderts“, bei dem über hundert Symphonien, Konzerte, Opern und Ballette von über 70 Komponisten des 20. Jahrhundert aufgeführt wurden. Das Boston Symphony Orchestra, das eine führende Rolle bei weiteren Projekten des CCF spielen sollte, eröffnete das Festival mit einer mehr als gewöhnungsbedürftigen Aufführung von Strawinskys Sacre du Printemps. Ebenfalls aufgeführt wurden die Atonalisten Arnold Schönberg (bei dem Adorno studiert hatte) und Alban Berg, dazu Paul Hindemith, Claude Debussy und Benjamin Britten, um nur einige zu nennen. Weitere Konferenzen zur Propagierung von atonaler und Zwölftonmusik folgten in Prato und Rom, die ausschließlich Avantgarde-Musik förderten. Bei all diesen gut finanzierten Veranstaltungen wurde es als selbstverständlich erachtet, daß alle so taten, als würde ihnen häßliche Musik gefallen.

Die „Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik“, ebenfalls unterstützt von der amerikanischen Militärregierung und dem CCF, brachte u.a. Schönberg, Webern und Bartok zur Aufführung. Dozenten wie Adorno, Olivier Messiaen und John Cage referierten über ihre Musiktheorie. Eine offizielle Beurteilung von Ralph Burns, Chef der OMGUS Cultural Affairs Branch, im Review of Activities über diese Kurse lautete: „Man war sich allgemein darüber einig, daß ein Großteil dieser Musik wertlos ist und besser nicht hätte gespielt werden sollen. Man bedauerte, daß Zwölftonmusik übermäßig viel Raum gegeben wurde. Ein Kritiker beschrieb die Konzerte als ,Triumph des Dilettantismus’.“

Es geht hier gar nicht darum, jemanden davon abzuhalten, atonale oder Zwölftonmusik oder welche Formen von Avantgarde-Musik auch immer zu komponieren oder anzuhören. Jeder nach seinem Geschmack. Es geht darum, daß durch die Idee der Gleichberechtigung aller Töne der temperierten chromatischen Skala die viel höheren Freiheitsgrade, die sich aus der polyphonen, harmonischen und kontrapunktischen Komposition, wie sie sich seit Bach über Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Schumann und Brahms entwickelt haben, massiv reduziert werden. Damit fallen die Mehrdeutigkeit der Noten und die Beziehungen zwischen den Tonarten, die Möglichkeit der enharmonischen Verwechslungen usw. weg: Die „Motivführung“ ist eine Form der Komposition, die aus einer einzigen musikalischen Idee heraus alle weiteren Themen, alle Sätze und schließlich die gesamte Komposition gesetzmäßig entwickelt. Diese Technik des Komponierens hat sich, wie Norbert Brainin, der Primgeiger des Amadeus-Quartetts, stringent dargelegt und in diversen Meisterklassen demonstriert hat, von Haydns „Russischen Quartetten“ op. 33 über Mozarts „Haydn- Quartette“ bis zu Beethovens späten Quartetten zu immer größerer Komplexität und Vollendung entwickelt.

Von diesem hohen Niveau, das die klassische Komposition mit Beethoven erreicht hatte, ist die sogenannte Moderne Musik – und es gibt durchaus gute moderne Kompositionen -, wenn sie diese Prinzipien aus dem Fenster wirft, ein Abstieg vergleichbar mit dem von einem sich antientropisch entwickelnden Universums von bisher mindestens zwei Billionen bekannten Galaxien herunter zur Vorstellung der flachen Erde.

So gut wie alle wirklich kreativen Menschen von Konfuzius bis Albert Einstein erkannten und nutzten die Wirkung von guter oder klassischer Musik zur Beförderung ihrer eigenen kreativen Fähigkeiten und zur ästhetischen Veredlung der Bevölkerung. Konfuzius machte die richtige Beobachtung, daß man an der Qualität der Musik den Zustand eines Staates ablesen könne. Die Versenkung in die Kompositionen großer klassischer Komponisten eröffnet den tiefsten Zugang zu den kreativen Fakultäten der menschlichen Seele und des Geistes. Wo sonst kann wie bei der klassischen Musik die Leidenschaft gestärkt und vertieft werden, die notwendig ist, über den eigenen kleinen Tellerrand hinauszublicken und sich mit den großen Gegenständen der Menschheit zu beschäftigen? Oder das Empfindungsvermögen ausgebildet werden, um die Forderung Schillers zu erfüllen, die er in der Rede zur Universalgeschichte aufstellt:

„Ein edles Verlangen muß in uns entglühen, zu dem reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen, auch aus unsern Mitteln einen Beitrag zu legen, und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen.“

Es ist genau diese Emotionalität der Liebe, die im Finale des Fidelio zum Ausdruck kommt: Liebe zum Gatten, Liebe zur Menschheit und die Idee der Freiheit in der Notwendigkeit, die Idee, mit Leidenschaft die Pflicht zu erfüllen und darin frei zu werden, was Schiller als die Qualitäten seines Ideals der schönen Seele und des Genies definiert hat. Es ist die Quintessenz der gesamten ästhetischen Methode der Klassik und Friedrich Schillers insbesondere: „Weil es die Schönheit ist, durch welche man zur Freiheit wandert.“

Verhurzt

Aber es ist genau dieser Freiheitsbegriff, dem die ganzen Verfechter von Regietheater, disharmonischer Musik und postmoderner Dekonstruktion den Kampf angesagt haben, weil er ihrem liberalen Konzept von „Freiheiten“ statt Freiheit entgegensteht. Also greifen sie hemmungslos in die schon reichlich zerfressene Mottenkiste von Brechtschen Verfremdungseffekten: Unterbrechungen, Filmclips, Spruchschilder, auf das Publikum gerichteter Kameraführung etc., um die Zuschauer so aus ihren Hör- und Denkgewohnheiten heraus zu „schocken“. Was in Darmstadt dabei heraus kommt, ist eine Mischung aus Clockwork Orange – man erinnere sich an die gewalttriefende Scheußlichkeit von Stanley Kubrick, die mit der Musik der 9. Symphonie Beethovens untermalt wurde – und der intellektuellen Tiefe Helene Fischers. Wenn Helene Fischer im roten Latex-Outfit zu orgiastischen Bewegungen ihren Song „Sag mal, spürst Du das?“ ins begeisterte Publikum hineinschnulzt, dann ist das ungefähr genau so subtil, wie wenn während des gesamten Finales auf der Bühne der Satz „Bewegt es Dich?“ in großen Neonlettern aufleuchtet. Offensichtlich meint der Regisseur Dittrich, daß das intellektuell herausgeforderte Publikum mit einer Holzlatte aufgeweckt werden müsse. Dazu dann das eingangs erwähnte Bombardement mit ohrenbetäubendem Krach durch im Zuschauerraum verteilte Instrumentalisten und Chormitglieder.

Das Publikum dankte für diesen Klamauk mit einem gequälten Mini-Applaus. Wenn es das Ziel der Inszenierung war, entweder das Publikum zum politischen Handeln in der Gegenwart aufzufordern oder die zeitgenössische Musik für ein „breiteres Publikum“ (Dittrich) zu öffnen, dann muß man in beiden Fällen sagen: Ziel verfehlt. Der bekannte „Hurz“-Sketch von Hape Kerkeling beschreibt die Reaktion der meisten Zuschauer – die sich offensichtlich schon zu lange an die Zumutungen des Regietheaters und den Kulturkrieg des CCF gewöhnt haben, der offensichtlich immer noch andauert – sehr treffend.

Abschließend sei ein Zitat von Alma Deutscher, die wirklich komponieren kann, erwähnt: „Wenn die Welt so häßlich ist, warum soll man sie dann noch häßlicher machen mit häßlicher Musik?“

Verteidigt die klassische Kultur!

Ehe das Vorbild von Frau Schlümpf Beispiel macht, noch andere klassische Kompositionen im Sinne von Hans Neuenfels zu „schänden“, soll diese Kritik im Beethoven-Jahr eine Debatte ins Leben rufen, die Klassik gegen solche Übergriffe zu verteidigen.

Das Beethoven-Jahr, in dem nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt eine große Anzahl von Beethovens Kompositionen aufgeführt werden, bietet die wunderbare Chance, daß wir uns an unsere bessere kulturelle Tradition in Deutschland erinnern, dem seit Jahrzehnten fortdauernden moralischen Abwärtstrend entgegenstellen und im bewußten Hören von Beethovens Musik die innere Kraft finden, unsere eigene Kreativität lebendig werden zu lassen.

Die Welt befindet sich derzeit in einem Epochenwandel, in der die bisherige, von den atlantischen Staaten dominierte Ära eindeutig zu Ende geht und sich der Schwerpunkt der Entwicklung nach Asien verlagert, wo es mehrere Völker gibt, die auf ihre zum Teil über 5000 Jahre alten Zivilisationen zu recht stolz sind und diese pflegen. Wenn Europa irgend etwas dazu beizutragen hat, um das entstehende neue Paradigma in der Welt in einem humanistischen Geist mit zu gestalten, dann ist es unsere Hochkultur der Renaissance und der Klassik.

Viele Wissenschaftler, Künstler und durchaus deutschlandfreundliche Menschen auf der ganzen Welt wundern sich ohnehin seit geraumer Zeit, was mit den Deutschen eigentlich los ist, daß sie sich so weit von ihrer Eigenschaft als Volk der Dichter und Denker entfernt haben. Wenn wir uns das Beethoven-Jahr verhunzen lassen – oder sollte man sagen, „verhurzen“ lassen? -, dann würde man Deutschland als Kulturnation wohl endgültig abschreiben.

Um Diskussionsbeiträge wird gebeten.

zepp-larouche@eir.de


Die tiefe moralische Krise des Westens, oder warum wir eine Renaissance der klassischen Kultur brauchen!

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Anläßlich des 259. Geburtstags von Friedrich Schiller:

Von Helga Zepp-LaRouche

Es ist typisch für das kurzsichtige Denken unserer Zeit, daß sich der BDI zwar derzeit darüber sorgt, daß es einen „Systemwettbewerb“ zwischen „unserem Modell der offenen Markwirtschaft und Chinas staatlich gelenkter Wirtschaft“ gebe, daß die Chancen des wirtschaftlichen Austauschs zwar genutzt, die Abhängigkeiten vom chinesischen Markt aber verringert werden sollten, daß selbst die mittelfristigen Wettbewerbschancen jedoch vollkommen ignoriert werden. Und diese haben offensichtlich nicht zuletzt mit den menschlichen Eigenschaften der künftigen Arbeitskräfte zu tun, also der heutigen Kinder und Jugendlichen. Der Westen befindet sich von diesem Standpunkt betrachtet in einer tiefen kulturellen Krise, die gerade das Resultat jener „westlichen Werte“ ist, die uns angeblich anderen Kulturkreisen so absolut überlegen machen sollen.
13 Tote und viele Verletzte bei einer Schießerei in einer Bar in Thousand Oaks in Kalifornien, in der Ian David Long, ein Veteran des US Marine Corps, Amok lief, sind nur das jüngste Beispiel in einem endlosen Alptraum in den USA, der so gut wie täglich eine Fortsetzung findet. 2015 gab es 209 Massenschießereien, 2017 bereits 346, und dieses Jahr schon über 300 – inzwischen gibt es schon Personen, die knapp zwei solcher Horrorsituationen entkommen sind.
Die liberalen Medien sind schnell bei der Hand, die vermeintlich Verantwortlichen zu finden: die National Rifle Association (NRA), und der zweite Zusatz zur amerikanischen Verfassung, nämlich das Recht, Waffen zu tragen. Aber diese Erklärung trägt nicht all den anderen Ausdrucksformen der Verrohung Rechnung, vor allem bei immer jüngeren Kindern. Beispielhaft sei hier nur der Fall eines 15jährigen in Florida erwähnt, der seine Mutter erwürgte, weil ihm ihre Kritik an seinen Schulnoten mißfiel, um sie dann in einer Schubkarre zu einem Lieferwagen zu fahren, mit dem er sie zu einer Kirche in der Nähe fuhr und dort unter einer Feuerstelle begrub. Mit Hilfe zweier Freunde inszenierte er dann einen Einbruch und machte laut seinen eigenen Worten einen „Grammy-gewinnenden Anruf an 911“, die allgemeine Notrufnummer in den USA.
Sogenannte „Roheitsdelikte“ finden nicht nur auf der anderen Seite des Atlantiks statt, in Berlin wurde kürzlich ein Zehnjähriger von einem anderen Zehnjährigen nach Vorankündigung auf einer Klassenfahrt vergewaltigt. Zwei Elfjährige hielten das Opfer fest, zwei unbeteiligte Schüler sahen zu.
Natürlich gab es schon immer schockierende Fälle kriminellen Verhaltens, aber niemand kann bestreiten, daß der durchweg ungehinderte Zugang selbst junger Kinder zu allen Formen der Gewalt und Pornographie im Internet bei dem gleichzeitigen Fehlen einer Erziehung, die ihnen ein inneres moralisches Urteilsvermögen vermitteln würde, zu einer katastrophalen Verrohung geführt hat.
Die Folge ist ein völlig verkommenes Menschenbild, insbesondere von Frauen und von Sexualität. Nimmt man noch die Fälle hinzu, in denen exzessives Videospielen zu einem mehr oder minder autistischen sozialen Verhalten geführt hat, dann ergibt sich für einen nicht geringen Anteil der nächsten Generationen eine sehr negative Perspektive bezüglich ihres kreativen Potentials.
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) gab soeben „angesichts der Verrohung der Umgangsformen und aktueller Ereignisse wie jüngst in Chemnitz“ eine Forsa-Umfrage in Auftrag, wie es um die Sicht von Eltern und Lehrern bezüglich der Werteerziehung in Deutschland bestellt sei. Über 90 Prozent beider Gruppen betonten, daß diese ihnen sehr wichtig sei, daß es aber bei der Umsetzung hapere. Andere Umfragen ergaben, daß die Gewalt gegen Lehrer ein erschreckendes Ausmaß angenommen habe. Lehrer würden zunehmend beschimpft, bedroht und attackiert, Ergebnisse der Umfragen ergaben, „daß der Ton in der Gesellschaft rauher wird, die Sprache verroht, Konflikte öfter und schneller eskalieren, Autoritäten nicht mehr anerkannt werden“. Es handele sich um ein „gesamtgesellschaftliches Phänomen“ und gehe keineswegs vorrangig von Menschen mit Migrationshintergrund aus.
Ob es sich um Veteranen handelt, die nach Kriegseinsätzen im Nahen Osten an Posttraumatischem Streßsyndrom leiden – in den USA begeht alle 65 Minuten einer dieser Veteranen Selbstmord -, oder um die virtuelle Erfahrung der Gewalt bei Videospielen oder sogenannter Unterhaltung, in beiden Fällen wird die Hemmschwelle gegenüber Gewalt bis hin zum Töten eines anderen Menschen auf gefährliche Weise heruntergesetzt. Und obwohl dieser Trend seit langem offensichtlich ist, wird in einer Gesellschaft, die so viel auf ihre „liberalen Werte“ hält – sprich: „Alles ist erlaubt“ – nichts unternommen, um diesem Absturz in die grenzenlose Dekadenz Einhalt zu gebieten.
Im völligen Kontrast dazu hat die chinesische Regierung kürzlich Hip-Hop-Musik und banale Quiz-Shows verboten, da die Schlagertexte ein degradierendes Frauenbild vermittelten und die Shows die Kreativität der Zuschauer verhinderten. Noch wichtiger: Präsident Xi Jinping betonte vor kurzem in einem Brief an acht Professoren der Zentralen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die außerordentliche Bedeutung der ästhetischen Erziehung für das gesunde Wachstum der Jugend Chinas, sowohl in physischer als auch geistiger Hinsicht. Die ästhetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines schöneren Geistes, sie erfülle die Studenten mit Liebe und fördere das Schaffen großer Kunstwerke.
In China geht die Bedeutung der ästhetischen Erziehung auf Konfuzius zurück, aber auch in der modernen Geschichte widmeten sich bedeutende Gelehrte und Erzieher der Anwendung dieser Methode mit dem Ziel der moralischen Veredlung der Schüler und Studenten.
Einer der Begründer der modernen Ästhetik, Wang Gouwei, ein Gelehrter am Qinghua-Institut für chinesische Studien, verschrieb sich der Erforschung des Elends der Menschen, das seiner Erkenntnis nach von der Begierde komme. Die Begehrlichkeit mache die Menschen unglücklich, sie treibe sie dazu an, Dinge haben zu wollen, was zu zwanghaften Verhalten führen könne, und beim Verlust der angestrebten Objekte zum innerlichen Unglücklichsein und zu äußerlichen sozialen Übeln führe. Ob es einen Weg gebe, diese Begehrlichkeit zu besiegen? Ja, sagt Wang Guowei, das sei die Schönheit.
Zu einer ähnlichen Ansicht war schon der ehemalige Präsident der Peking Universität, Cai Yuanpei, gekommen, der in einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb: „Ich glaube, daß die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine höhere moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die ästhetische Erziehung.“
In der gleichen philosophischen Tradition schrieb Zhu Guangqian in seiner Schrift: „Ästhetik erklärt“, daß die Probleme der Gesellschaft darin lägen, daß die Herzen der meisten Menschen schlecht seien. Um die Herzen der Menschen zu reinigen, müsse man den Geist und die Seele kultivieren, höhere und reinere Ziele setzen, als nur reich werden oder schöne Kleider oder eine hohe Regierungsposition haben zu wollen. Um den Geist einer Person zu läutern, müsse man zuerst ihr Leben verschönern.
Dieser Aufgabe ist das gesamte Werk Friedrich Schillers gewidmet; der Veredlung des Menschen durch die ästhetische Erziehung. Aber vor allem in seinen Ästhetischen Briefen, die er als Reaktion auf die absolute Verrohung der Französischen Revolution durch den Terror der Jakobiner geschrieben hatte, beschäftigte er sich mit der Frage, woher die Veredlung der Menschen kommen könne, wenn die Regierungen korrupt und die Massen verroht seien. Einzig und allein die große klassische Kunst sei dazu in der Lage, weil sie den unfehlbaren Schlüssel zu den höchsten Regungen der menschlichen Seele besitze und das höchste Ideal der Menschlichkeit überhaupt aufstellen könne. In der Vorrede zur „Braut von Messina“ führte Schiller aus, daß die große klassische Kunst in der menschlichen Seele eine Kraft wecke, die auch bleibe, wenn das Erleben des Kunstwerks bereits abgeschlossen ist.
Wenn der Westen mit seiner Kultur des „Alles ist erlaubt“ so weitermacht, dann ist schon jetzt klar, wer den „Systemwettbewerb“, von dem der BDI spricht, gewinnen wird. Denn China tut enorm viel, um die 5000 Jahre alte Kultur möglichst vielen Bürgern nahe zu bringen, und Xi Jinping setzt sich persönlich für die Verbreitung der konfuzianischen Philosophie in alle Poren der Gesellschaft ein.
Wir im Westen haben in jedem Fall ein riesiges Problem, weil wir seit dem durch den Kongreß für Kulturelle Freiheit, die Frankfurter Schule und die 68er bewirkten Paradigma- Wandel bereits mehrere Generation hatten, die sich bewußt gegen die Ideale unserer klassisch- humanistischen Tradition gerichtet haben. Trotzdem wird es nur möglich sein, die kulturelle und moralische Krise zu überwinden, wenn wir zu den Idealen von Nikolaus von Kues, Leibniz, Lessing, Schiller und von Humboldt, Bach und Beethoven – um nur einige zu nennen – zurückkehren und diese einschließlich der großen Werke der klassischen Kunst an die gegenwärtige und die kommenden Generationen vermitteln.
Sie, lieber Leser, können den 259. Geburtstag von Friedrich Schiller nicht besser feiern, als sich dem Schiller-Institut anzuschließen.
zepp-larouche@eir.de


Erfolgreicher Kulturabend des Schiller-Instituts in Dresden

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Am 21. April 2018 veranstaltete das Schiller-Institut einen Kulturabend in Dresden mit dem Titel „Dialog der Kulturen entlang der Neuen Seidenstraße“ und etwa 150 Teilnehmern.

Dauerhafter Frieden, Stabilität und gemeinsames Wohlergehen sollten natürlich im Mittelpunkt internationaler Beziehungen stehen. Dies beginnt aber nicht am Verhandlungstisch der Politiker, sondern in unser aller Herzen. Und was könnte die Seelen und Herzen unserer Völker nicht besser verbünden, als die Idee der Wahrheit, Freiheit und Schönheit. Und die schöne Kunst hat nach Lessing und Schiller die höchste Aufgabe: den Menschen zu rühren. Mit Musik und Poesie aus verschiedenen Ländern und Kulturen sowie Kurzreferaten wurde ein Zeichen des Optimismus gesetzt.

Es folgt das Grußwort des chinesischen Botschafters Shi, das dem Publikum zu Beginn vorgelesen wurde:

Grußwort von Botschafter Shi zum „Dialog der Kulturen entlang der Neuen Seidenstraße“ des Schiller Instituts

Es freut mich sehr, dass das Schiller Institut einen kulturellen Dialog rund um das Thema der neuen Seidenstraße veranstaltet. Als Chinas Staatspräsident Xi Jinping im Jahr 2013 die historische Initiative „Ein Gürtel, eine Straße“ vorstellte, gab es seitens der Internationalen Gemeinschaft breite Zustimmung und Unterstützung. In den vergangenen Jahren hat die Neue Seidenstraße als Wirtschafts- und Infrastrukturprojekt weltweit große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es handelt sich aber nicht nur um einen Wirtschaftskorridor, sondern auch um eine Straße des kulturellen Austauschs.

Historisch betrachtet begann die antike Seidenstraße mit dem Warenhandel, aber sie war weit über den Handel hinaus von Bedeutung und wurde zu einem Korridor der Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen der Welt. Entlang der Seidenstraße konnten sich die kulturellen Zentren der Menschheit miteinander über große Entfernung hinweg verständigen, und so konnten die großen Zivilisationen wie China, Indien, Arabien und Europa voneinander lernen und einander respektieren. Keine dieser Zivilisationen verlor damals auf Grund der Vernetzung durch die Seidenstraße ihre Unabhängigkeit und den Raum für eigene Entwicklung, ganz im Gegenteil. Das gegenseitige Lernen ermöglichte es den Ländern, Neues aufzunehmen und sich unter Beibehaltung der eigenen Besonderheiten mit neuer Kraft weiterzuentwickeln.

Im Zuge der weltweiten Globalisierung und Digitalisierung sind ein kulturübergreifender und überregionaler Austausch und die Zusammenarbeit immer wichtiger geworden. China möchte die „Ein Gürtel, eine Straße“ Initiative gemeinsam mit den Ländern entlang der Neuen Seidenstraße beraten, aufbauen und auch gemeinsam davon profitieren. Dadurch soll nicht nur die Wirtschaft in den Ländern entlang der Straße vorangebracht werden, sondern auch der kulturelle Austausch zwischen China und den anderen Ländern gefördert werden. Bis Ende 2017 hat China mit den Regierungen der Länder entlang der Neuen Seidenstraße bereits mehr als 300 Abkommen zum kulturellen Austausch unterzeichnet und dementsprechende Pläne umgesetzt. Multilaterale Kulturkooperationsmechanismen im Rahmen der Shanghai Cooperation Organisation, sowie zwischen China und den Ländern Osteuropas, den arabischen Ländern und den ASEAN-Staaten wurden bereits etabliert. Dies hat sicherlich dazu beigetragen, die Menschen entlang der Seidenstraße einander näher zu bringen.

Ich hoffe, dass die teilnehmenden Experten und Künstler sich im Rahmen dieses Dialogs offen und tiefgreifend austauschen können und wünsche Ihnen viel Erfolg.


Xinhua: Interview mit Helga Zepp-LaRouche

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31. Oktober 2017 – Am 23.10. erschien bei Xinhuanet auf Englisch ein Interview mit Helga Zepp-LaRouche unter der Überschrift „KPC-Nationalkongreß sichert den Chinesen eine glänzende Zukunft“. Sie erklärt, der „chinesische Traum“ einer Verjüngung der chinesischen Nation sei eine große Inspiration nicht nur für China, sondern für die ganze Welt (siehe http://news.xinhuanet.com/english/2017-10/23/c_136700504.htm).

Zepp-LaRouche wird darin zitiert: „Man spürt den Optimismus, der in China erzeugt wurde, wenn man mit den einfachen Menschen redet, auch jungen Menschen, das ist ein drastischer Gegensatz zu den kulturellen Problemen der sog. ,Jugendkultur’ in den Vereinigten Staaten und Europa.“ Sie sei in den letzten Jahren mehrmals nach China gereist und sehr beeindruckt von den Fortschritten Chinas. Sie begrüßte auch, daß Beijing neue Institutionen gegründet hat, um Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren.


Kondolenzbotschaft an das Alexandrow-Ensemble und an das russische Volk

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Im Namen des internationalen Schiller-Institutes möchte ich Ihnen unser tiefstes Mitgefühl über den tragischen Verlust der 92 Menschen aussprechen, die bei dem Flugzeugabsturz auf dem Weg nach Syrien ums Leben gekommen sind. Dieser Unfall ist umso mehr ein Grund zur Trauer, da die Musik und der patriotische Geist, der die Mitglieder des Alexandrow-Ensembles auszeichneten, dem syrischen Volk eine Botschaft der Hoffnung gebracht hätten – einem Volk, das seit über fünf Jahren unter der kriminellen Politik des Regimewechsels leidet und das unter völliger Mißachtung seiner Souveränität als Schachfigur in einem geopolitischen Spiel behandelt wird.

Das Alexandrow-Ensemble war Ausdruck der höchsten moralischen Werte Rußlands und spricht, wie klassischer Chorgesang im Allgemeinen, die Seele und das schöpferische Potential des Publikums an. Es ist daher besonders wichtig, daß der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu angekündigt hat, daß er Proben initiieren wird, um die besten Talente zur vollen Wiederherstellung des Alexandrow-Chores zu finden.

Die Ausbildung der Singstimme ist für jeden Menschen wichtig, da eine gut platzierte Stimme die schöpferische Absicht des Komponisten ausdrücken und direkt eben jenes Vermögen im Publikum ansprechen kann. Deshalb repräsentiert sie ein unentbehrliches Element harmonischer Charakterentwicklung. Lassen Sie mich deshalb die Idee mit Ihnen teilen, zusätzlich zum Wiederaufbau des Alexandrow-Ensembles Tausende von Alexandrow-Chören an Schulen in ganz Rußland aufzubauen, um Rußlands heroischen Beitrag zur Befreiung Syriens zu ehren und gleichzeitig die erhebende Wirkung des Chorgesangs in der jungen Generation zu verbreiten.

Es entsteht gerade ein Neues Paradigma, das sich in der Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion mit der Initiative der Neuen Seidenstraße zeigt, die eine vollkommen neue Art von Beziehungen zwischen Nationen darstellt. Damit aus diesem Neuen Paradigma eine neue Ära der Zivilisation wird, brauchen wir einen Dialog der besten Traditionen jeder Kultur. Das Wissen um das Beste einer anderen Kultur wird zur Liebe dieser Kultur führen; Fremdenfeindlichkeit und Haß werden so durch edlere Gefühle überwunden. Geopolitik wird in dieser neuen Ära für immer überwunden sein und die Hingabe an die gemeinsamen Ziele der Menschheit wird eine höhere Ebene der Vernunft schaffen.

Es soll uns allen Trost geben, daß der tragische Tod der Opfer des Flugzeugabsturzes durch ihre Unsterblichkeit dazu beitragen wird, diese bessere Welt zu schaffen.

 

Helga Zepp-LaRouche

Präsidentin des Internationalen Schiller-Institutes


Musikalische  Darbietung für das Alexandrow Ensemble und das Russische Volk

Members of the NYC Schiller Institute Community Chorus sing the Russian National Anthem outside the Russian Consulate in New York in honor of the passengers, many of them members of the Alexandrov Ensemble, who died when their plane crashed enroute to Syria, Sunday, December 25, 2016.

 

 


Ein Vorgeschmack auf die Renaissance

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Stephan Ossenkopp berichtet von einem „Dialog der Kulturen“, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete.


Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen für eine längst überfällige klassische Renaissance lebendig wurden. Das Schiller-Institut hatte zum „Dialog der Kulturen“ eingeladen, um „ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“ zu präsentieren.

Das schöne Kaminzimmer des Literaturhauses in der Berliner Fasanenstraße war mit 60 Gästen und 30 Mitwirkenden vollständig ausgebucht, als die ersten Töne aus Ludwig van Beethovens Kantate „Meeresstille und glückliche Fahrt“ erklangen. Die ungeheure Spannung, die sich aus dem Kontrast zwischen dem ruhigen und dem aufbrausenden Teil des Stücks ergibt, war die perfekte Einstimmung auf das gesamte vierstündige Programm, das dem Publikum zwei völlig gegensätzliche Paradigmen vor Augen führte, die derzeit im Wettstreit um die Zukunft liegen.

Dazu nahmen drei Redner aus ihren jeweiligen Perspektiven Stellung: Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts, Harley Schlanger, Vorstandsmitglied im Schiller-Institut in den Vereinigten Staaten von Amerika, und Jochen Heibertshausen, Kontrabassist und Dirigent. So machten sowohl die Musik als auch die Vorträge dem Publikum deutlich, daß der weitaus größte Teil der Menschheit längst eine „Neue Welt“ aufbaut, die sich an einer gemeinsamen, positiven Zukunftsvision im Interesse aller Nationen und Völker ausrichtet. Nur in Deutschland herrscht noch eine gewisse „Flaute“, und keiner will so recht glauben, daß längst eine alles umwälzende Bewegung in die Welt getreten ist.

Das direkt im Anschluß an Beethovens Komposition mit Chor und Kammerorchester vorgetragene Werk „American Cantata“ folgte derselben Idee. Wie der Schöpfer des Werks, Benjamin Lylloff, in seiner Einleitung vortrug, geht es darin primär um die unveräußerlichen Rechte und Freiheiten des Menschen in Geist und Gesellschaft. Lylloff verband Teile aus Dvoraks Symphonie „Aus der Neuen Welt“ und des Spirituals „Going Home“ mit dem Text von Abraham Lincolns Gettysburg-Rede und Benjamin Franklins Siegelspruch „Rebellion to tyrants is obedience to God“ (Rebellion gegen Tyrannen ist Gehorsam gegenüber Gott).

Rede von Harley Schlanger, Vizepräsident des Schiller Institutes in den USA, bei der Konferenz des Schiller-Instituts „Dialog der Kulturen – Ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise“

Das neue Paradigma kommt

Helga Zepp-LaRouche wählte als Auftakt zu ihrem Vortrag noch ein weiteres Bild: Würde man die Nationen der Erde mit einem Chor gleichsetzen, dann singe Deutschland gerade in einem völlig falschen Takt. Anstatt das Muster der ungeheuren Veränderungen weltweit als chancenreich und positiv zu sehen, sähen die Deutschen überall nur Bedrohliches. Von Trump in Amerika bis Duterte in den Philippinen, von Putin in Rußland bis Xi in China sehe die deutsche Öffentlichkeit nichts als „Rüpel und Schurken“.

Dabei sehe die reale Welt vollkommen anders aus. Das System der Globalisierung gehe derzeit in Rekordzeit krachend unter, da es mit der Würde des Menschen überhaupt nicht vereinbar sei. Die Armut sei selbst in Europa unerträglich geworden, der Lebensstandard und die Lebenserwartung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht falle stetig ab, und die auf Lügen aufgebauten Regimewechsel-Interventionen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien etc. sorgten für endloses Chaos und Flüchtlingsströme. Die Ideologie, die dieses System hervorgebracht habe, kollidiere nun mit der Realität, sagte Frau LaRouche, nämlich, daß die Menschen sich in einem Zustand der Revolte befänden, die so lange anhalten werde, bis die begangenen Ungerechtigkeiten vollständig beseitigt seien.

Das neue Paradigma läßt gerade, fuhr Frau Zepp-LaRouche in ihrem Vortrag fort, unter dem geflügelten Wort der „Neuen Seidenstraße“ eine internationale Win-Win-Zusammenarbeit bei Infrastruktur, Grundlagenforschung und Wissenschaft entstehen. Der neue Faktor in dieser beispiellosen Dynamik sei nun Donald Trump, der für seine kommende Amtszeit als US-Präsident ein umfangreiches Infrastruktur-Aufbauprogramm für die Vereinigten Staaten, das Ende der Regimewechselpolitik und ein gutes Verhältnis zu Rußland und China angekündigt habe. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf Äußerungen der stellvertretenden chinesischen Außenministerin Fu Ying, die Trumps Infrastrukturplan als mögliches Verbindungsglied zur Neuen Seidenstraße bezeichnet hatte. Die USA hätten die Chance zu einer umfassenden Kurskorrektur, um sich nun an den vier Wirtschaftsprinzipien, die ihr Ehemann Lyndon LaRouche als Leitfaden aufgestellte hatte, zu orientieren.

In ihrem Vortrag wolle sie auf das vierte Prinzip, nämlich die menschliche Kreativität als Quelle allen Wohlstandes, besonderen Wert legen. China habe dies im Rahmen seiner Seidenstraßen-Initiative längst erkannt und deswegen sein Budget für die Kernfusion und die bemannte Raumfahrt enorm aufgestockt, um die Grundlagen für die neue Ära einer Helium-3-basierten Realwirtschaft zu legen, in der Energie- und Rohstoffsicherheit gewährleistet seien.

Die zukünftige Rolle des Menschen im Universum sei aber von niemandem so umfassend ausgestaltet worden wie von dem deutschen Raumfahrt- und Technikpionier Krafft Arnold Ehricke, aus dessen Schriften vom „extraterrestrischen Imperativ“ Frau Zepp-LaRouche zitierte. Das Potential des Menschen und des Kosmos, in dem er lebt, sei grenzenlos, und deswegen grenzenlos vervollkommnungsfähig. Das Ideal, das sich das Schiller-Institut für die Zukunft vorstelle, sei, daß alle Kinder eine universelle Bildung im Sinne von Wilhelm von Humboldt genießen können, um die von Friedrich Schiller so bezeichnete „schöne Seele“ zu entwickeln, für die Pflicht und Neigung, wie beim Genie, in eins fallen würden. Ihre Antwort auf die vielen Fragen des Publikums zum Vortrag war die Herausforderung, sich wie Moses Mendelssohn möglichst viele Wissensgebiete anzueignen, um sich so die höhere Ebene der Vernunft, auf der die konstruktive Zusammenarbeit aller Nationen möglich ist, zu erschließen. Sie bat das Publikum, diese Alternative des neuen Paradigmas bekannter zu machen und selbst zu Veranstaltern und Multiplikatoren zu werden.

Was bedeutet die Wahl Trumps wirklich?

Mit Harley Schlanger kam jemand zu Wort, der seit rund vier Jahrzehnten auf der Seite der Ideen Lyndon LaRouches in der US-amerikanischen und internationalen Politik tätig ist. Er kennt wesentliche Elemente, die die Wahl Donald Trumps am 8. November überhaupt möglich gemacht haben. Wir hätten es mit dem Phänomen des Erwachens breiter Schichten des amerikanischen Bevölkerung zu tun. Man wisse zumindest sehr genau, was man nicht mehr wolle: Kriege, Bankenrettung, Arbeitslosigkeit und ein unbezahlbares Bildungs- und Gesundheitssystem. Wut und Frust auf 16 Jahre Bush und Obama hätten sich bei dieser Wahl entladen. Auch wenn noch nicht ganz klar sei, was Trump ab dem 20. Januar, wenn er ins Amt eingeführt wird, tun werde, habe er bei den Dankensreden an seine Wähler immerhin neben dem Infrastrukturprogramm auch die Rückkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem und die Wiederbelebung von Wissenschaft und Raumfahrt in den USA angekündigt.

Diese wachere Art zu denken habe viel mit dem historischen Einfluß von herausragenden kreativen Persönlichkeiten wie Percy Shelley, Abraham Lincoln und Alexander Hamilton zu tun. Shelley hatte den Dichter als wahren Gesetzgeber bezeichnet, weil nur der Dichter verstünde, nach welchen Ideen das Volk in einer Krise hungrig seien. Wir lebten in einer Phase des fundamentalen Umbruchs, machte Harley Schlanger deutlich, in der die Menschen neue fundamentale Vorstellungen anzunehmen in der Lage wären. Unsere Aufgabe sei es, diese Gelegenheit zu nutzen, um LaRouches Prinzipien in den USA zu verankern. Die Deutschen hätten keinen Grund mehr, in ihrem Pessimismus zu verharren, denn, auch wenn sie es noch nicht glauben könnten, sei das alte System, zu welchem auch das „Merkel-Regime“ gehöre, besiegbar.

Furtwängler als Chance

„Für mich war er Beethoven“, zitierte der Kontrabassist Jochen Heibertshausen eine der berühmtesten Opernsängerinnen, Maria Callas, die dies über den Dirigenten Wilhelm Furtwängler gesagt hatte, dessen Aufführungen sie im Italien der Nachkriegszeit erlebte. Für Heibertshausen ist Furtwängler einfach der beste Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen, da für Furtwängler die Wahrhaftigkeit im musikalischen Kunstwerk und seiner Aufführung der leitende Gedanke gewesen sei – ein Begriff, der aus der heutigen Kultur verbannt worden ist. Ein Kunstwerk sei nur lebendig, wenn es organisch sei, wenn der Dirigent seine emotionalen Entscheidungen stets für das Ganze fälle, und nicht seinen eigenen Gefühlsrausch nach vorne stelle.

Furtwängler habe, so Heibertshausen, die Parameter des Klanges wie kein zweiter in ihrer Gesamtheit beherrscht. Mit Ausschnitten aus historischen Aufnahmen von u.a. Schuberts vierter und Beethovens erster und dritter Symphonie führte er die „unerreichten Interpretationen“ Furtwänglers vor die Ohren der Zuhörer. Das „Geheimnis“ Furtwänglers sei eigentlich sein Festhalten an der Tugend und dem Streben nach dem Menschlichen, sagt Heibertshausen.

Heute herrsche eine „Kultur der Unruhe“, in der jeder dem Erfolg hinterher jage. Das habe etwas damit zu tun, daß in der Nachkriegsordnung Deutschlands eine Vernichtung der Geistigkeit betrieben wurde, in der auch Wilhelm Furtwängler schwer angegriffen und in den Entnazifizierungsprozessen geradezu gekreuzigt worden ist, während „Das Wunder Karajan“ (so hieß es 1938 in Berlin), der sogar zweimal der NSDAP beitrat, dieser Prozedur enthoben wurde und plötzlich eine Blitzkarriere hinlegte. Heute, so Heibertshausen, würde das Genie von Furtwängler dringend gebraucht, weshalb er derzeit auch eine Internetplattform mit Furtwängler-Zitaten und Hörbeispielen aufbaue.

Musikalische Grüße aus Asien

Zum musikalischen Programm des Nachmittags gehörten auch noch die von der aus Japan stammenden Mezzosopranistin Mayumi Nakamura gesungenen Lieder „Oyasumi“ und „Hatsu Koi“, und das von der in China geborenen Sopranistin Lini Gong vorgetragene Schubert-Lied „Das Veilchen“, die allesamt vom Publikum mit freudigem Applaus belohnt wurden.

In der Gesamtschau ist dieser „Dialog der Kulturen“ des Schiller-Instituts ein lebendiges Forum um die Ideen und Aktivitäten für den Paradigmenwandel zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung, in der die kreativen Kräfte der Menschheit zur raschen vollen Entfaltung gelangen können. Denn, so sagte Frau Zepp-LaRouche in ihrem Schlußwort, selbst wenn Krieg und Hunger nun überwunden werden können, geht es um eine sich immer weiter entwickelnde Zukunftsvision, in der wir uns darauf verständigen können, wie wir als Menschheit die kommenden hundert, tausend, sogar zehntausend Jahre gestalten wollen.

von Stephan Ossenkopp

 


Deutschlands Potential beim Ausbau der Weltlandbrücke

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Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts, eröffnete am 21. Oktober mit dem folgenden Vortrag die Essener Konferenz „Deutschlands Chancen mit der Neuen Seidenstraße“.


Sehr verehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, sehr geehrter Herr Gesandter,

ich bin sehr froh, daß die Veranstaltung mit dieser wunderbaren Darbietung chinesischer Kunst angefangen hat, weil ich glaube, daß die Kunst am besten geeignet ist, um die Herzen der Menschen zu öffnen für neue Ideen.

Wir veranstalten diese Konferenz hier in Essen und haben gerade vor zwei Tagen eine ähnliche Konferenz in Lyon stattfinden lassen, zusammen mit dem „Club Chine EM Lyon FOREVER“ – die EM ist eine der größten Managerschulen Frankreichs -, und wir haben damit die Absicht ausgedrückt, daß vor allem die Zusammenarbeit von Deutschland und Frankreich für die Neue Seidenstraße eine neue Perspektive für Europa auf die Tagesordnung setzen kann. Wir wollen durch das Veranstalten von vielen Konferenzen in vieler Hinsicht das politische, wirtschaftliche und kulturelle Potential bekannter machen, das in der Politik der neuen Seidenstraße liegt, denn die Neue Seidenstraße, die sich schon jetzt in sehr großem Tempo praktisch entwickelt, ist mit großen Schritten dabei, ein Projekt der Völkerverständigung zu werden und sich zur Weltlandbrücke zu entwickeln.

Natürlich geht es bei der Neuen Seidenstraße um ein enormes Potential an geschäftlichen „opportunities“, also geschäftlichen Beziehungen, aber es geht eigentlich noch um etwas viel wichtigeres. Es geht hier nicht nur um die Verbindung der Kontinente der Welt durch Infrastruktur und Entwicklungskorridore, und um Innovationen als Wissenschaftsmotor für die Weltwirtschaft, mit dem Ziel der Anhebung der Produktivität. Sehr viel tiefer gehend und grundsätzlicher geht es darum: Kann sich die Menschheit angesichts all der Krisen, mit denen wir im Augenblick konfrontiert sind, eine Ordnung auf dieser Welt geben, in der die Menschen friedlich zusammenleben können? Ist es der Menschheit möglich, die höhere Ebene der Vernunft zu definieren, oder sind wir gezwungen, auf den jetzt betretenen Pfaden gegen die Wand zu knallen und die Zivilisation vielleicht nicht für immer zu haben?

Ich glaube, daß es möglich ist, diese Ebene der Vernunft zu finden und auch wirksam werden zu lassen. Genauso wie die alte Seidenstraße während der Han-Dynastie vor etwa 2000 Jahren ein Austausch war nicht nur von Gütern, sondern eben auch Technologien, Kultur, Philosophie, und damals zu einer enormen Verbesserung des Lebensstandards geführt hat von allen Nationen und Regionen, die mit der alten Seidenstraße kooperiert haben, genauso, denke ich, wird es möglich sein, eine neue Seidenstraße, eine neue völkerverbindende Politik auf die Tagesordnung zu setzen.

Existentielle Gefahren

Aber ich kann über die Vorzüge dieses neuen Paradigmas nicht sprechen, ohne nicht wenigstens ganz kurz zu identifizieren, wie groß die Gefahren sind, mit denen die Welt im Augenblick konfrontiert ist, und warum meiner Meinung nach die Neue Seidenstraße nicht eine Option ist, sondern eine Notwendigkeit, wenn wir nicht wirklich in einer Katastrophe enden wollen.

71 Jahre nach Kriegsende in Europa ist das, was eigentlich undenkbar erschien – die Möglichkeit eines großen Krieges – in greifbarer Nähe, wenn der deutsche Außenminister Steinmeier kürzlich sagte, er kann eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Rußland nicht mehr ausschließen; wenn der amerikanische Vizepräsident Biden sagt, die USA würden eine Cyberattacke auf Rußland planen, zum „bestmöglichen Zeitpunkt“, wegen angeblicher russischer Manipulationen des amerikanischen Wahlkampfs, was von Konstantin Kosatschew, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates in Rußland, als die größte Bedrohung seit der Kubakrise bezeichnet wurde; wenn die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa sagt, daß die Obama-Administration eine „Politik der verbrannten Erde“ gegenüber Rußland und den USA betreibt; und wenn auf dem 7. Xiangshan-Forum in Beijing vor einer Woche russische und chinesische Militärs warnten, daß die Obama-Administration sehr weit fortgeschritten sei bei der Vorbereitung eines Erstschlages gegen diese beiden Länder auf der Basis der „Prompt Global Strike“-Doktrin!

Niemand kann behaupten, daß Europa nicht noch weitere Krisen hat. Europa, die EU nach dem Brexit: die Zukunft ist etwas unklar. Die Flüchtlingskrise hat die Fundamente Europas erschüttert, das Ansehen der EU in der Behandlung der Flüchtlingskrise ist weltweit absolut gesunken, wie ich mich selber vielfältig überzeugen mußte. Wir stehen vor einem neuen Finanzkrach wie 2008, nur diesmal potentiell viel gravierender, wobei die Krise der Deutschen Bank nur die Speerspitze ist. Und jeder weiß, daß wenn die Deutsche Bank mit ihren 42 Billionen ausstehender Derivatkontrakte bankrott gehen würde, daß dann alle die Banken, die angeblich zu groß sind zum Untergehen, die „too-big-to-fail“-Banken, mit involviert wären. Und wie ein Ex-Vorstandsmitglied einer großen europäischen Bank mir vor wenigen Tagen sagte: Wenn der Sturm losbricht und die Regierungen es nicht schaffen, die Sache unter Kontrolle zu bringen, dann werden die großen Verlierer diejenigen sein, die durch ehrliche Arbeit ihre Lebensersparnisse erarbeitet haben. Wir werden ein anderes Europa haben, voll von Unregierbarkeit – und Chaos und Revolution steht an.

Ich will das nur als das Szenario andeuten, daß wenn wir den Kurs nicht ändern, die Gefahr besteht, daß wir wirklich in eine nicht dagewesene Krise hineinkommen.

Chinas Fortschritt

Nun, da alle diese Krisen das Resultat von menschengemachter Politik sind, können wir auch optimistisch sein, daß wir, wenn wir diese Politik ändern, diese Krisen überwinden können.

Von den westlichen Medien wurde kaum berichtet, welch dramatische Veränderung sich in den letzten drei Jahren entwickelt hat, seit der chinesische Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße auf die Tagesordnung gesetzt hat. Es hat sich damit eine vollkommen neue Perspektive ergeben, die sich mit einer enormen Dynamik entwickelt, wo bereits über 70 Nationen kooperieren.

China selbst – und das werden die meisten von Ihnen wissen, entweder durch direkte Reisen oder Berichte – hat seit den Wirtschaftsreformen von Deng Xiaoping eine unglaubliche Entwicklung vollzogen, von einem vollkommen unterentwickelten Land zu einem Land, das im Grunde schon teilweise eine Industrienation ist.

Und interessanterweise geschah das chinesische Wirtschaftswunder nach denselben Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, nämlich die Prinzipien, die damals von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) angewandt wurden und den Ideen des deutschen Ökonomen Friedrich List nahestehen, der interessanterweise in China der bekannteste und beliebteste deutsche Ökonom ist.

China hat in 40 Jahren das an Entwicklung nachvollziehen können, wofür die Industrienationen bis zu 200 Jahre gebraucht haben. China hat längst aufgehört, auf Billigproduktion zu setzen, sondern ist bereits Weltmarktführer in vielen Bereichen, z.B. bei Schnellbahnsystemen. China hat bis Ende 2015 20.000 km Schnellbahn entwickelt, es wird bis 2025 38.000 km Schnellbahnen haben und jede große Stadt in China auf diese Weise verbunden haben. Es hat in der Digitalisierung der Industrie viele westliche Staaten überholt und ist marktführend in weiteren Bereichen.

China hat in dieser Zeit 700 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und ich behaupte, daß es kein Land gibt, das soviel für die Menschenrechte getan hat, wie eben China, denn die Armut ist die größte Menschenrechtsverletzung, und demzufolge ist das ein großer Beitrag für die menschliche Zivilisation, das getan zu haben. China hat soeben ein Weißbuch dazu veröffentlicht, daß es die extreme Armut auf der ganzen Welt überwinden will, China selbst hat nur noch drei Prozent extreme Armut und ist fest entschlossen, das bis 2020 zu überwinden.

Auf dem gerade stattgefundenen G-20-Gipfel in Hangzhou, der von China ausgerichtet wurde, hat China angekündigt, die globale Wirtschaft auf Innovation zu basieren, auf eine „Win-Win“-Kooperation, und China hat die Ambition, bis 2020 eine innovative Nation zu werden – meiner Meinung nach ist es das schon -, eine international führende innovative Nation, bis 2030 und ein „world powerhouse“ bis 2050. Die Innovation sei die primäre Antriebskraft der Wirtschaft, und China ist entschlossen, den Vorteil von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt in allen Bereichen zu eskalieren, in der modernen Landwirtschaft, in der Informationstechnologie, beim Umweltschutz, bei der Ozean- und Raumfahrtindustrie, im Bereich der Gesundheit und Dienstleistungen.

Präsident Xi Jinping hat den chinesischen Wissenschaftlern aufgetragen, in vier Bereichen fundamentale Durchbrüche zu erzielen. Erstens die Frage, was ist die Struktur der Materie? Zweitens die Frage, was ist die Evolution des Universums? Drittens, was ist der Ursprung des Lebens, und viertens, was ist die Natur des Bewußtseins?

Es überrascht vielleicht einige, aber diese chinesische Wirtschaftstheorie ist ganz nah an dem, was wir die physikalische Wirtschaft nennen, wie sie sich von Leibniz her entwickelt hat und wie sie weiterentwickelt wurde von Friedrich List, von Matthew und Henry C. Carey – die Wirtschaftsberater von Lincoln – und Wilhelm von Kardorff, der der Hauptwirtschaftsberater von Bismarck war und dem es zu verdanken ist, daß Bismarck sich von einem Anhänger der feudalen Freihandelstheorie zu einem Vertreter der physikalischen Theorie verwandelt hat und Deutschland zur Industrienation hat werden lassen.

Die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums nach dieser Theorie, die von (Lyndon) LaRouche, den wir hier auch bei uns haben, meinem Ehemann, weiterentwickelt wurde, besagt, daß die Quelle des gesellschaftlichen Reichtums weder die Kontrolle der Handelsbeziehungen ist – also etwa TPP oder TTIP -, und auch nicht „billig kaufen, teuer verkaufen“, und auch nicht der Besitz an Rohstoffen, und schon gar nicht der Handel mit Derivaten und anderen spekulativen Produkten, sondern ausschließlich das kreative Potential des menschlichen Geistes und die Anwendung des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts im Produktionsprozeß, der die Produktivität anhebt und damit zur Quelle der Verbesserung des Lebensstandards, der Lebenserwartung wird.

China hat mit den Staaten entlang der Seidenstraße einen umfassenden Plan entwickelt für die wissenschaftliche und technologische Kooperation, und wird gemeinsame Forschungslabors und -zentren einrichten, Technologietransfer organisieren, den Austausch von 150.000 wissenschaftlichem Personal, 5000 junge Wissenschaftler, und das Ziel ist explizit, die Produktivität in den kooperierenden Ländern anzuheben.

Beim G-20-Gipfel hat Präsident Xi Jinping angekündigt, die Durchbrüche beim wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt sofort an die Entwicklungsländer weiterzugeben, um deren Entwicklung nicht aufzuhalten.

Dieses Ideal wurde meines Wissens zum ersten Mal im 15. Jahrhundert von Nikolaus von Kues vorgestellt, der ebenfalls sagte, die menschlichen Erfindungen sind für die menschliche Gattung so wichtig, daß man sie sofort in einen internationalen Pool stellen sollte, an dem dann alle teilnehmen können, damit ihre Entwicklung nicht aufgehalten wird.

Das größte Aufbauprogramm der Geschichte

Die chinesische Seidenstraßen-Konzeption ist das größte Infrastruktur- und Industrieprogramm, das jemals auf der Erde existiert hat. Schon jetzt gibt es 30 Staatsverträge zwischen China und anderen Nationen, 70 Nationen kooperieren, insgesamt betrifft es bereits 4,4 Milliarden Menschen. Die Gesamtsumme der Investitionen beträgt 1,4 Billionen $, das ist zwölf Mal soviel wie der Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg, nach heutiger Kaufkraft bemessen.

Es ist eine Perspektive für die wirtschaftliche Transformation der Erde für die nächsten 30-40 Jahre und betrifft keineswegs nur die Handelsrouten nach Europa und Afrika. Zwar ist der Name „Seidenstraße“ von dem deutschen Geologen Ferdinand von Richthofen 1877 so geprägt worden, aber tatsächlich ist Seidenstraße ein Synonym für die Integration der Regionen und Routen für einen Austausch von Wissenschaft und Technologie, und was damals Seidentechnologie war – wie produziert man Seide, wie produziert man Porzellan -, das sind heute die modernsten Technologien, etwa die Frage der Kernfusion oder der Raumfahrttechnologie.

Es ist offensichtlich, daß die Zukunft für Deutschland in der Kooperation mit diesem Projekt liegt, denn Deutschland hat etwas, was in der ganzen Welt hochgeschätzt wird, und das ist der deutsche Mittelstand, der im Grunde am meisten beiträgt für Innovationen. Die Entwicklung Deutschlands, das ja bekanntermaßen kaum Rohstoffe hat, hat nur deshalb eine hohe Produktivität und hohen Lebensstandard erreichen können, weil wir immer eine sehr hohe Rate von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt hatten, und eine sehr hohe Exportrate. Es ist der deutsche Mittelstand, wo die meisten Erfindungen und Patente gemacht werden, woher 85% der Ausgaben für das Gemeinwohl kommen, und es ist der deutsche Mittelstand, der am meisten profitieren würde bei der Kooperation mit China – nicht nur Direktinvestitionen Deutschlands in China und Chinas in Deutschland, sondern vor allen Dingen bei Joint Ventures in den verschiedenen Projekten in Drittländern.

Rasante Veränderungen

In den letzten sechs Wochen hat diese Veränderung ein enormes Tempo erreicht, und wir haben es mit einer vollkommen neuen Ausrichtung zu tun.

Anfang September war in Wladiwostok das Wirtschaftsforum, das die Neue Seidenstraße Chinas mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) unter der Führung Rußlands integriert hat. Es waren Ministerpräsident Abe von Japan da, (Südkoreas) Präsidentin Park, mit großen Wirtschaftsdelegationen.

Das ging sofort weiter unmittelbar danach in Hangzhou beim G-20-Gipfel, wo China ein neues Modell für die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Nationen präsentiert hat, fokussierend auf die UN-Charta, mit der Betonung von Souveränität und Respekt für andere wirtschaftliche und soziale Modelle. Präsident Xi sagte bei dieser Gelegenheit, das alte Modell ist nicht länger tragfähig, wir brauchen jetzt eine innovationsgelenkte Strategie. Wir werden die Spitze in Wissenschaft und Technologie bilden, und Grundlagenforschung betreiben, um die wissenschaftlichen und technologischen Probleme, die die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung hemmen, zu lösen. Wir werden die Vermarktung von Forschung und Entwicklung beschleunigen, und die strategisch aufsteigenden Branchen fördern, und die Industrie auf ein mittleres bis hohes Niveau der Wertschöpfungskette anheben.

Diese Philosophie wurde dann weiter diskutiert bei dem direkt danach stattfindenden Gipfel der ASEAN-Staaten in Laos, die wirklich eine strategische Orientierung auf China vollzogen und z.B. die chinesische Position beim Konflikt im Südchinesischen Meer übernommen haben, und die in einer gemeinsamen Erklärung sagten, die Entwicklung Chinas sei eine Chance für die gesamte Region. (Der philippinische) Präsident Duterte hat gerade bei seinem Besuch in China gesagt, daß er jetzt die Beziehung zu China priorisieren wird.

Bei der ebenfalls kurz später stattfindenden Konferenz der BRICS-Staaten in Goa, die das Kernstück der eurasischen Integration sind, wurden die gemeinsamen Interessen betont, und die bestehenden Spannungen wurden kleingeredet. Und damit ist im Grunde klar: Die asiatische Dynamik nimmt weiter zu.

Das Tempo dieser strategischen Neuausrichtung zeigt ganz klar, daß das Zentrum der Weltpolitik sich nach Asien verschoben hat. Als der erste Pilotzug vor fünf Jahren aus China kam, war das noch eine große Überraschung, inzwischen kommen pro Woche 20 Züge aus den verschiedenen Wirtschaftsregionen, von Zhenjiang, Lianyungang, Harbin, Yiwu, Wuhan, Chengdou, Chongqing, nach Duisburg, Hamburg, Rotterdam, Lyon, Madrid. Die ost- und zentraleuropäischen Länder haben längst die Vorzüge davon erkannt, mit China zusammenzuarbeiten, denn China hat jetzt in die Transportkorridore investiert, die zwar 1994 von der EU auf ihrer Konferenz in Kreta beschlossen wurden, die aber aufgrund der Austeritätspolitik der Troika nie verwirklicht wurden. China hat den Hafen von Piräus ausgebaut oder ist dabei, ihn auszubauen, es baut die Eisenbahnlinie von Serbien nach Ungarn, es verbindet den Oder-Elbe-Donau-Kanal mit den europäischen Wasserwegen. Die Regierungen Griechenlands, Serbiens, Ungarns, der Tschechischen Republik, Italiens, der Schweiz und Portugals haben ausgedrückt, daß sie den Weg in die Zukunft in der Kooperation mit der chinesischen Seidenstraße sehen.

Gleichzeitig hat sich ein paralleles Bankensystem entwickelt, die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), der sofort 70 Nationen als Gründungsmitglieder beigetreten sind, obwohl die USA enormen Druck gemacht haben, das nicht zu tun, darunter so enge Verbündete wir Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan, Australien und Kanada.

Gleichzeitig hat sich die New Development Bank (NDB) der BRICS entwickelt, die ihre Tätigkeit aufgenommen hat, der Seidenstraßenfonds, der Maritime Seidenstraßenfonds, die Bank der Shanghai Cooperation Organization, das Contingent Reserve Arrangement (CRA), das gegründet wurde, um spekulative Attacken abzuwehren. Und allen Städten und Regionen, die mit diesen Projekten zusammenarbeiten, ist vollkommen klar, daß es ihnen Vorteile bringt. Z.B. ist Duisburg, das ja einmal eine Stahlstadt war und eine große Wirtschaftsflaute erlebt hat, jetzt wieder im Aufschwung, weil Duisburg als größter Binnenhafen Europas eben enorm von der Seidenstraße profitiert.

China hat Europa das Angebot gemacht, voll bei der Industrialisierung Afrikas zu kooperieren. Und was sollte uns eigentlich daran hindern, gemeinsam mit dieser Dynamik Asiens den Balkan zu entwickeln, Südeuropa, das durch die Troika-Politik in große wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen ist? Die Industrie von Griechenland z.B. hat sich mit der Politik der Troika um ein Drittel reduziert. Mit China und der Seidenstraße könnte das alles aufgebaut werden. Gleichzeitig muß auch der Nahe Osten dringend wiederaufgebaut werden, und natürlich Afrika.

Falsche Ideologie

Was sollte uns also hindern, auf diese Angebote einzugehen? Die Antwort ist klar, daß einige Länder – die USA und Großbritannien – auf einer unipolaren Welt bestehen, obwohl diese unipolare Welt schon längst nicht mehr existiert. Die Gefahr besteht, daß die transatlantische Welt in die sogenannte „Thukydides-Falle“ hineinfällt, d.h., im Aufstieg Asiens eine geopolitische Bedrohung zu sehen, anstatt die Chance zu erkennen, daß bei einer „Win-Win“-Kooperation alle zusammenarbeiten.

Die Propaganda gegen die Neue Seidenstraße ist enorm. So hat am 12. September das Said-Zentrum (Said Business School) der Oxford-Universität einen Bericht veröffentlicht, der behauptet, daß die immensen Investitionen Chinas in Infrastruktur – vor allem in der letzten Dekade von 10,8 Billionen Dollar-Äquivalent – der Grund seien für den baldigen Kollaps Chinas und der Weltwirtschaft. Es handelt sich da offensichtlich um einen desperaten Versuch, die Seidenstraße zu verleumden, und die Argumentation ist die der typischen Investmentbanker, zu sagen, daß Investitionen in die Infrastruktur nicht genügend Profit abwerfen.

Chinesische Offizielle haben dieses Argument schon widerlegt und gesagt, daß China eben eine andere Risikobeurteilung hat als westliche Ratingagenturen, und daß sie das Potential eines Landes in der Zukunft betrachten, während die Banker die Vergangenheit betrachten.

In der Geschichte der Industrialisierung eines jeden Landes, ganz egal, ob es sich um Deutschland, USA, Rußland oder irgendein anderes Land dreht, war die Entwicklung der Infrastruktur immer die conditio sine qua non für die Transformation in eine moderne Ökonomie.

Die Idee, daß man den Ertrag von Infrastrukturinvestitionen an dem direkten Ertrag mißt, wie z.B. der Mautgebühr bei privatisierten Autobahnen, ist offensichtlich absurd. Es geht dabei um den Anstieg der Produktivität der ganzen Nation, und je höher der Grad der Entwicklung ist, desto dichter muß das Infrastruktur-Netzwerk sein.

Wenn man also Infrastruktur mitzählt – Energie, Wasser, Kommunikation, Erziehung, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung -, dann ist vollkommen klar: je höher die Infrastrukturdichte, desto höher ist die Produktivität, der Lebensstandard der Bevölkerung, die Lebenserwartung. Und je fortschrittlicher die Industrie ist, um so mehr ist der Zeitfaktor relevant, weshalb wir absolut der Meinung sind, daß die Transrapid-Technologie eine Technologie der Zukunft bleibt, und wir werden heute nachmittag einen Vortrag zu diesem Thema hören.

Die Researcher der Oxford-Universität haben dann die Katze aus dem Sack gelassen, warum sie so einen lächerlichen Bericht veröffentlichen: Sie sagen nämlich, daß auf keinen Fall das chinesische Modell das Modell werden soll für andere Entwicklungsländer, schon gar nicht für Pakistan, Nigeria oder Brasilien. Das dürfte kein Vorbild werden.

Aber alle Prognosen, daß China (wirtschaftlich) kollabiert, sind vollkommen absurd, die gerade veröffentlichten Wachstumszahlen – Bruttoinlandsprodukt 6,7%, was genau der Vorhersage entspricht, Industrieproduktion 6,1% – welches Land in Europa würde sich über 6,1% nicht freuen? – Konsumanstieg 10%, Elektrizitätsverbrauch 4,8%, was nicht zuletzt der fortlaufenden Elektrifizierung der westlichen Gebiete Chinas zu verdanken ist.

Die Haltung dieser Investmentbanker gegen Infrastruktur ist einer der Gründe, warum wir in Deutschland einen Investitions-Rückstau haben von etwa 2 Billionen, und marode Brücken, schlechte Straßen usw. Das ist auch der Grund, warum die IWF-Konditionalitäten der letzten 50 Jahre die Infrastrukturentwicklung der Dritten Welt verhindert haben, und warum wir heute so große Flüchtlingsströme etwa aus Afrika haben, die nach Europa kommen wollen.

Kulturelle Renaissance

Es gibt ein weiteres falsches Argument, daß China eigentlich nur den anglo-amerikanischen Imperialismus ersetzen wolle durch einen chinesischen Imperialismus. Ich denke, das sind Projektionen der Leute, die diese Argumente machen, die sich einfach nicht vorstellen können, daß es heute ein Land gibt, das ein positives Modell für die Organisation der Verhältnisse auf dieser Erde hat.

Dazu muß man aber wissen, daß China nicht nur eine 2500 Jahre alte konfuzianische Tradition hat, sondern im Augenblick eine gewaltige Renaissance von konfuzianischem Denken in China auf allen Ebenen der Gesellschaft stattfindet. Dazu gehört z.B. das Ideal der lebenslangen Selbstvervollkommnung, die Idee, daß jeder Mensch eine Shuntse werden soll, ein Gelehrter. Dazu gehört die Idee der harmonischen Entwicklung aller Nationen, und das entspricht exakt der „Win-Win“-Idee von Xi Jinping, und es entspricht auch, wenn wir in Europa etwas weiter in der Geschichte zurückgehen, den Ideen von Nikolaus von Kues, der im 15. Jahrhundert bereits sagte, daß es eine Harmonie im Makrokosmos nur geben kann, wenn sich alle Mikrokosmen harmonisch und im gegenteiligen Vorteil zueinander entwickeln. Es gibt eine tiefere Affinität zwischen Konfuzianismus und Humanismus in Europa, als die meisten Menschen realisieren.

Das Problem ist nicht China, sondern das Problem ist, daß wir in Europa diese Traditionen vergessen haben oder beiseite geschoben haben: das Menschheitsideal, das assoziiert war mit der italienischen Renaissance, mit der École Polytechnique in Frankreich oder der deutschen Klassik. Wer hat heute noch das optimistische Menschenbild von Wilhelm von Humboldt, der sagte, daß das Ziel der Ausbildung der schöne Charakter sein soll? Wer hat noch die Ideen von Friedrich Schiller, der sagte: Jeder Mensch hat das Potential, eine schöne Seele zu werden, für den Leidenschaft und Pflicht, Freiheit und Notwendigkeit das gleiche ist? Und der einzige Mensch, auf den das zutrifft, ist das Genie, aber Schiller meinte, alle Menschen haben das Potential zum Genie.

Das heißt, wir haben uns von diesen humanistischen Idealen entfernt, bzw. es betrifft nur noch einen sehr kleinen Teil der deutschen Bevölkerung. Und wenn wir unsere Jugendkultur betrachten, kann niemand bezweifeln, daß die einem sehr weit fortgeschrittenen Grad der Verrohung unterliegt; Häßlichkeit ist überall zu sehen, Gewaltverherrlichung, Lehrer haben Angst vor ihren Schülern, der BDI hat vor einigen Jahren veröffentlicht, daß 25% der 15jährigen nicht anstellbar sind, weil sie keinerlei Interesse haben.

Es ist zum ersten Mal in der Geschichte in Europa und Amerika so, daß wir anscheinend akzeptieren, daß die nächste Generation schlechter dastehen wird als die jetzige. Für Jugendliche bedeutet das, daß sie keine Zukunft haben, keinen Grund, zu lernen und zu studieren.

Und das ist ganz anders in China. Die junge Generation in China hat die Erfahrung des chinesischen Wirtschaftswunders gemacht, und die meisten – nicht alle natürlich, aber die meisten – haben ein enorm optimistisches Selbstbild von sich selbst und ihrem Land.

Das heißt, auch in dieser Hinsicht könnten Europa und Deutschland mit der Seidenstraße kooperieren, damit unsere Jugendlichen wieder eine Perspektive bekommen. Deutschland ist die wichtigste Ökonomie in Europa, und ich denke, wenn wir es schaffen, daß Deutschland ganz bewußt Ja sagen würde, offiziell, zur Kooperation mit der Neuen Seidenstraße, daß das vielleicht der entscheidende Schritt wäre, den Deutschland tun könnte für die Erhaltung des Weltfriedens.

Gemeinsame Ziele der Menschheit

Es geht um ein vollkommen neues Paradigma, um eine vollkommen neue Ära in der Geschichte der Menschheit. Es geht um die Idee, daß die Menschheit als ganze eine höhere Ordnung repräsentiert als alle Nationen. Wenn wir auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit fokussieren, das, was Xi Jinping „Schicksalsgemeinschaft“ nennt oder „Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit“, dann, denke ich, ist alles möglich.

Was sind diese gemeinsamen Ziele?

Zum Beispiel die Industrialisierung Afrikas. Wenn Deutschland und Europa mit China kooperieren würden, mit Japan und Indien, die sich auch bereits in Afrika engagieren, können wir es schaffen, daß nicht mehr Zehntausende von Menschen entweder in der Sahara verdursten oder im Mittelmeer ertrinken, weil sie vor Krieg und Hunger weglaufen.

Wir könnten den Nahen Osten und den Mittleren Osten wieder aufbauen, was unsere moralische Verpflichtung ist, denn wir haben Kriege erlaubt, von denen jeder weiß, daß sie auf Lügen aufgebaut waren.

Wir könnten im Grunde allen Kindern den Zugang zur universellen Bildung geben und damit das wirkliche kreative Potential der Menschheit freisetzen.

Wir müssen uns auf neue wissenschaftliche Revolutionen konzentrieren: das Prinzip des Lebens, die kreative Fähigkeit des menschlichen Geistes als physische Kraft im Universum. Wir müssen die Prozesse im Sonnensystem besser verstehen lernen, in der Galaxie, im Universum als ganzem.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Astronauten, Kosmonauten, Taikonauten stellen, die alle berichten, daß wenn man auf die Erde vom Weltraum herabschaut, die Erde nur ein kleiner blauer Planet ist, der keine Grenzen hat, der aber auch unendlich verletzbar ist.

Wir müssen uns auf den Standpunkt von Krafft Ehricke stellen, dem deutschen Raketenforscher und Weltraumforscher, der die drei Gesetze der Astronautik genannt hat:

Das erste Gesetz: daß unter dem Naturrecht dieses Universums nichts und niemand dem Menschen irgendwelche Beschränkungen auferlegt, außer er selbst.

Zweitens: Das rechtmäßige Betätigungsfeld des Menschen ist nicht nur die Erde, sondern das ganze Sonnensystem und soviel vom Universum, wie er unter den Naturgesetzen erreichen kann.

Und drittens: Indem er sich im Universum ausbreitet, erfüllt der Mensch seine Bestimmung als Element des Lebens, ausgestattet mit der Macht der Vernunft und der Weisheit des Moralgesetzes in sich.

Die Infrastrukturentwicklung der Neuen Seidenstraße bedeutet deshalb nicht nur die Erschließung der landeingeschlossenen Regionen der Erde, sondern auch die Erschließung der näheren Umgebung des Weltraums. Das chinesische Mondprogramm plant mit Chang’e 4 und 5 die Landung von Raumfahrzeugen auf der erdabgewandten Seite des Mondes in zwei Jahren, mit der Absicht, später dort Helium-3 abzubauen für eine zukünftige Fusionsökonomie auf der Erde, was letztendlich der Menschheit Energie- und Rohstoffsicherheit bringen wird.

Gerade gab es das erfolgreiche Andocken des Raumfahrzeugs Shenzhou-11 an der Tiangong-Raumstation, wo jetzt zwei chinesische Taikonauten 30 Tage lang experimentieren werden. China wird in wenigen Jahren eine permanente Raumstation haben, schon 2020 oder 2022.

D.h. die Zusammenarbeit bei der Raumfahrt ist einer der wichtigsten Bereiche der gemeinsamen Ziele der Menschheit, weil sie den Menschen praktisch an allen Fronten seiner physischen und geistigen Existenz herausfordert und im höchsten Grade die Unabhängigkeit es menschlichen Geistes widerspiegelt und die Philosophie seiner Existenz überhaupt berührt.

Ich denke, daß wir nur in dieser Zukunftsorientierung und auf dieser Ebene der Vernunft die Herausforderungen, mit denen wir jetzt auf der Erde konfrontiert sind, bestehen können. Aber ich denke, wir können es.

 


Unsterblichkeit im Präsidentenamt

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Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Januar ein Konzert zum Gedenken an US-Präsident John F. Kennedy in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale.

Von Dennis Speed

„Ich war 23 Jahre alt, als das neue Jahrhundert anbrach. Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Eine neue Epoche stehe unmittelbar bevor, so glaubten viele, die Jahrhundertwende werde sich als Wende der Menschheitsgeschichte erweisen. Man berief sich auf die jüngsten Errungenschaften der Naturwissenschaften und prophezeite, daß die Zukunft auch in sozialer Hinsicht große Fortschritte bringen werde. Die Zeiten, da Armut und Hunger endgültig verschwunden wären, würden nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie die Leute sonst beim Beginn eines neuen Jahres Besserung geloben, so schien diesmal alle Welt entschlossen zu sein, auch den Weg in ein neues Jahrhundert mit guten Vorsätzen zu pflastern. Wer hätte damals voraussehen können, daß die kommenden Jahrzehnte die unvorstellbaren Schrecken zweier Weltkriege mit sich bringen würden mit ihren Konzentrationslagern und ihren Atombomben?“
Pablo Casals, „Licht und Schatten auf einem langen Weg“
Wer sich darin hineinversetzt, wird von diesen so wahren Beobachtungen des großen Musikers ergriffen sein. Wenn unsere Zivilisation überleben soll, dann brauchen wir Voraussicht, dann ist es unsere Pflicht, die Zukunft zu gestalten, und daher auch, sie zu kennen. Frei nach den Worten von Abraham Lincoln, der wie John F. Kennedy ermordet wurde, in seiner unsterblichen Ansprache von Gettysburg: Wir führen einen 150jährigen Krieg, der auf die Probe stellt, ob eine Nation wie die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere auf den gleichen Grundsätzen gegründete Nation dauerhaft Bestand haben kann. Die Ermordung von Amerikas Präsidenten und Staatsmännern war die bevorzugte kriminelle Methode der Gegner der Vereinigten Staaten, um sie als positives Vorbild zu zerstören. So war es bei John F. Kennedy, so war es bei dessen Bruder Robert und so war es bei Martin Luther King.
Das Schiller-Institut hat sich die Herausforderung, die Fähigkeit der Vorausschau für das kurz- und langfristige Überleben der Zivilisation zu wecken und auszuweiten, zu seiner besonderen Aufgabe gemacht. Diese Mission führte am 19. Januar nach Boston. Der Chor des Schiller-Instituts, verstärkt durch zusätzliche Sänger und ein Orchester, das vor allem aus Freiwilligen des New England Conservatory of Music bestand, führte in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale vor etwa 1200 Gästen Mozarts Requiem auf – auf den Tag genau 50 Jahre nach der feierlichen Totenmesse, die 1964 auf besonderen Wunsch der Familie John F. Kennedys zum Gedenken an den ermordeten Präsidenten an gleicher Stelle zelebriert worden war.
Ein Jahr, nachdem er sich im Oktober 1962 in der Kubakrise gegen die finsteren Mächte wie Lord Bertrand Russell durchgesetzt hatte, die einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion führen und „gewinnen“ wollten, wurde John F. Kennedy in Dallas ermordet. Dieser Mord, zusammen mit denen an seinem Bruder Robert und an Martin Luther King, wirkt noch heute wie ein böser Geist auf Amerika. Vier Generationen ist es nicht gelungen, die Folgen dieser Morde zu überwinden. Denn dazu gibt es nur einen einzigen verläßlichen Weg: Man muß die Menschen über ihre vorgefaßten und beschränkenden Erwartungen erheben. Die Menschen brauchen keine „Fakten“ über das, „was geschehen ist“, sie brauchen das Feuer der Erkenntnis, nur das kann Amerikas Trauma heilen. Keine Predigten, Slogans und Verwünschungen werden einem verschreckten Volk Mut geben. Nur wenn es seine eigene Stimme im Spiegel in einer großen künstlerischen Aufführung erlebt, können die Verzweifelnden auf eine höhere Ebene aufsteigen, wo sie zur eigenen Überraschung ihre Seele finden.
John Sigerson, der Dirigent und Musikdirektor des Schiller-Instituts, wurde in einem Interview mit der Zeitschrift der Bostoner Diözese The Pilot gefragt, ob er glaube, daß „klassische Musik eine Änderung unserer Kultur bewirken kann?“ Sigersons Antwort lautete: Nein, es sei vielmehr die Gegenüberstellung des „Musikalischen“ mit dem „Nichtmusikalischen“ – in diesem Falle die Auszüge aus Reden Kennedys, die an ausgewählten Stellen zwischen den Sätzen des Requiem vorgeführt wurden, die den Zuhörer provozieren, sein Denken zu verändern und die Musik dann anders zu erleben.
Nach der Aufführung in Virginia am 22. November, dem Jahrestag der Ermordung des Präsidenten, nutzte das Schiller-Institut damit zum zweiten Male die geistige und therapeutische Kraft von Mozarts Requiem, um den Amerikanern ihre Erkenntnisfähigkeit zurückzugeben. Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, sagte dazu in ihren Bemerkungen, eine solche Wiederbelebung der Klassik sei notwendig, um die Amerikaner zu inspirieren, Kennedys Mission wiederaufzugreifen, in einer Situation, in der die Welt wieder am Rande eines thermonuklearen Krieges steht.

Die Vorbereitung des Publikums

Matthew Ogden bereitete das Publikum als Moderator auf die Musik vor, verschiedene Kurzbeiträge von Rednern, Grußbotschaften und Zitate dienten dazu, das Publikum auf die tiefere Bedeutung dieser Aufführung vorzubereiten – „nicht in der Zeit, sondern in der Idee“, wie der Philosoph Nikolaus von Kues sagte. Zweieinhalb Stunden lang wurde die virtuelle Realität der üblichen Gehirnwäsche durch eine Popkultur, in der im Sinne Nietzsches „alles erlaubt“ ist, durchbrochen. Wieder einmal wurden jene widerlegt, die gegen das Programm eingewendet hatten, das Publikum könne sich nicht so lange konzentrieren. Es mußte erst auf das Hörerlebnis vorbereitet werden. Aber warum?
Wie der große Dirigent Wilhelm Furtwängler sagte: Um ein richtiges Urteil fällen zu können, braucht man vor allem genug Zeit. Diese notwendige Voraussetzung war erfüllt, bevor der erste Ton erklang, und deshalb konnte das Publikum auf einer höheren Ebene reagieren, als es sonst selbst bei der besten Aufführung möglich gewesen wäre.
Zur Vorbereitung des Publikums sollte man aber noch mehr sagen. Sie war insgesamt eine gründliche und konsequente politische Intervention, sogar ein politischer Kampf. In den sechs Wochen vor der Aufführung wurde in der gesamten Region Boston intensiv dafür mobilisiert. Ein Teil des Publikums war durch Anzeigen im Boston Globe und anderen Medien aufmerksam geworden. Viele hatten auch durch die Zeitung der katholischen Diözese, The Pilot, von dem Konzert erfahren. Mehrere Bostoner Schulen und Hochschulen waren vertreten, ebenso verschiedene Seniorenzentren und Bürgerorganisationen. Flugblätter und Plakate in chinesischer, vietnamesischer, spanischer, portugiesischer, englischer und französischer Sprache hatten für das Konzert geworben. Mehrere Konsulate waren unter den Gästen vertreten, ebenso mehrere Landtagsabgeordnete aus Maine und Rhode Island. Grußbotschaften übersandten der irische Staatspräsident Michael D. Higgins, der Bostoner Stadtrat Steven Murphy und der Tenor Nicholas Di Virgilio, der einzige noch lebende Solist der Requiem-Aufführung vor 50 Jahren.
Etliche Zuhörer konnten sich noch an diese Aufführung erinnern – die Heiligkreuz-Kathedrale ist im mehrheitlich katholischen Boston für viele Menschen „ihre“ Kirche. Der frühere Bostoner Bürgermeister Ray Flynn, der auch zeitweise amerikanischer Botschafter beim Vatikan war und ebenfalls bei der Aufführung von 1964 im Publikum gewesen war, brachte in einem Grußwort seine Freude und Dankbarkeit als Bostoner Bürger zum Ausdruck, daß diese Aufführung an jenes historische Ereignis erinnerte.

Die Frage der Stimmung

Der Chor des Schiller-Instituts, die Solisten Nataly Wickham (Sopran), Heather Gallagher (Mezzosopran), William Ferguson (Tenor), Ron Williams (Bariton) sowie das vor allem aus Freiwilligen vom New England Conservatory of Music bestehende Orchester meisterten ihre Aufgabe bravourös und präsentierten Mozarts Requiem als eine einheitliche Gesamtidee. Dank dieser einheitlichen Gesamtwirkung der Aufführung flossen die Worte Präsident Kennedys mit Mozarts Idee von Unsterblichkeit, in die sie eingefügt waren, zu einem Dialog über den Triumph dieser Unsterblichkeit über den Tod zusammen, in den auch das Publikum mit einbezogen war.
Das Werk wurde in der bei den Aufführungen des Schiller-Instituts üblichen wissenschaftlichen Stimmung (c’=256 Hz bzw. a’=427-432 Hz) aufgeführt. Das ist fast ein Viertelton tiefer ist als die heute verbreitete Stimmung (440-448 Hz). Manche nennen das die „tiefe“ Stimmung, das ist jedoch nicht ganz richtig, denn die heute verwendete, höhere Stimmung ist schlicht falsch. Mozarts Requiem wurde in der niedrigeren Stimmung und für sie komponiert.
Der Dirigent Anthony Morss, ein Unterstützer des Schiller-Instituts, der bei verschiedenen Experimenten zur Demonstration der notwendigen Rückkehr zu dieser sog. „Verdi-Stimmung“ mitgewirkt und dirigiert hat, verfaßte für das Programmheft der Aufführung einen Aufsatz zu diesem Thema.

Kunst als Notwendigkeit

Die Frage, warum der Mensch die Kunst braucht – nicht nur moralisch, sondern auch ganz real -, stand im Mittelpunkt der kurzen Bemerkungen von Helga Zepp-LaRouche an das Publikum: „Es ist dringend notwendig, heute der Aufführung von Mozarts Requiem für John F. Kennedy vor 50 Jahren in dieser Kathedrale zu gedenken. Wir müssen dringend den Geist der göttlichen Schönheit von Mozarts Werk wieder hervorrufen, damit wir wieder den Zugang zu der besseren Welt finden, die Kennedy und Mozart verkörpern.“
Wie Mozart, Beethoven und Beethoven verkörpere der „Dichter der Freiheit“ Friedrich Schiller, nach dem das von ihr vor 30 Jahren gegründete Institut benannt ist, den Sieg der Unsterblichkeit über den Tod, genauso wie Kennedys Apollo-Projekt. Dank Kennedys Optimismus konnten alle Amerikaner und mit der erfolgreichen Mondlandung alle Menschen auf der Welt wissen, daß der menschliche Geist – anders als der Körper, in dem er eingeschlossen ist – keine Grenzen kennt.
Es war gesetzmäßig, daß diese Aufführung den „Zugang zur besseren Welt“ öffnete, von dem Helga Zepp-LaRouche sprach. Es konnte nicht anders sein, schließlich gehörte für John F. Kennedy die Wertschätzung und Förderung der klassischen Kunst und Künstler zu den Grundlagen seiner Präsidentschaft, auch wenn man das in den seither vergangenen Jahrzehnten oft übersehen hat. Wer kennt beispielsweise die folgenden Worte Kennedys, mit denen er am 26. Oktober 1963, knapp einen Monat vor seinem Tod, an den in jenem Jahr verstorbenen Dichter Robert Frost erinnerte?
„Unsere nationale Stärke ist wichtig, aber der Geist, der unsere Stärke inspiriert und lenkt, ist genauso wichtig. Darin liegt die besondere Bedeutung von Robert Frost… Es ist kein Zufall, daß Robert Frost Dichtung und Macht miteinander in Verbindung brachte, denn er sah in der Dichtung das Mittel, die Macht vor sich selbst zu schützen. Wenn Macht den Menschen zur Arroganz führt, erinnert ihn die Dichtkunst an seine Grenzen. Wenn Macht die Grenzen seiner Rücksichten einschränkt, erinnert ihn die Dichtkunst an den Reichtum und die Vielfalt seiner Existenz. Wenn Macht korrumpiert, läutert die Dichtkunst. Denn die Kunst formuliert die grundlegenden menschlichen Wahrheiten, die als Prüfstein unseres Urteils dienen müssen.“

Heute und damals

Es gab ein paar wichtige Unterschiede zwischen der Aufführung 1964 und der von heute. Eine Besonderheit war, daß Mozarts Requiem 1964 in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal überhaupt im Rahmen eines katholischen Hochamtes aufgeführt wurde.
Und ein weiterer wichtiger Unterschied: Das Gedächtniskonzert 2014 stellte besonders hohe Ansprüche an die Musiker, das Werk einsichtsvoll dazustellen, weil das Denkvermögen der Bevölkerung in diesen letzten 50 Jahren immer mehr unterhöhlt wurde – insbesondere durch die obszönen Kakophonien der „Unterhaltungskultur“ (die letzten Regierungen eingeschlossen).
In dem Zusammenhang muß man darauf hinweisen, daß der Chor aus Laienmusikern des Schiller-Instituts bestand, deren tägliche Arbeit meistens im Einsatz für die politischen Ziele der LaRouche-Bewegung besteht. Zunächst hatten auch etliche halbprofessionelle und professionelle Sänger aus Boston ihre freiwillige Mitwirkung zugesagt, viele ließen sich davon jedoch durch eine Verleumdungskampagne einiger örtlicher Politiker gegen das Schiller-Institut wieder abbringen. Aber andere ließen sich davon nicht beeindrucken und sangen trotzdem mit.
Dabei verhehlten die Organisatoren bei den Vorbreitungen zu der Aufführung keineswegs, „wer sie sind“, sondern betonten immer wieder ausdrücklich, warum gerade das Schiller-Institut und Lyndon und Helga LaRouche dieses Gedächtniskonzert unbedingt veranstalten wollten – und warum kein anderer im heutigen Amerika auf diese Idee kommt.
Um diese Frage zu beantworten, muß man eine zweite stellen, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat, die aber im Grunde dieselbe ist: Warum haben viele scharfe, manchmal sogar gnadenlose Beobachter des menschlichen Charakters wie Charles de Gaulle, Douglas MacArthur und Eleanor Roosevelt in Kennedy trotz seiner Schwächen einen so außergewöhnlichen Menschen erkannt? Warum sahen solche anspruchsvollen Kritiker des menschlichen Charakters, aber genauso auch unzählige „einfache“ Amerikaner in Kennedy einen amerikanischen Präsidenten, der in hervorragender Weise geeignet war, den Fortschritt nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern der ganzen Menschheit zu fördern?
Kennedy hat in seiner Rede zu seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 diese Frage praktisch selbst beantwortet. Man erkennt an ihr, was ihn von allen Präsidenten unterscheidet, die nach ihm kamen. Er beschreibt die Aufgaben, die er mit seiner Regierung bewältigen will, so „die Bürde eines langen Kampfes in der Dämmerung, Jahr für Jahr, fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Bedrängnis…, gegen die gemeinsamen Feinde aller Menschen: Tyrannei, Armut, Krankheit und der Krieg an sich“. Dann sagt er:
„All das wird nicht in den ersten hundert Tagen vollendet werden. Es wird auch nicht in den ersten tausend Tagen vollendet werden, auch nicht in der Amtszeit dieser Regierung, vielleicht auch nicht zu unserer aller Lebenszeit. Aber laßt uns anfangen.“
Kennedy sah dem Schicksal ins Auge und handelte danach. Auch wenn es so vieles gab, dessen Verwirklichung er nicht mehr selbst erleben konnte, konnte Kennedy in den tausend Tagen seiner Regierung die Welt vor der atomaren Vernichtung retten und die Menschheit zum Mond führen. Diese Fähigkeit, aus den revolutionären Prinzipien der Amerikanischen Verfassung und Unabhängigkeitserklärung die richtigen Ziele und Beiträge für den Fortschritt des Landes abzuleiten, wie es Lincoln und Kennedy mit ihren Regierungen taten, war bei den Nachfolgern seit Kennedys Ermordung einfach nicht vorhanden, und die Vision fehlte.
Die Regierung Obama betreibt heute, genauso wie die Regierung Bush vor ihr, sogar genau das Gegenteil. Die Amerikaner müssen dafür sorgen, daß ihr Land zu diesen Prinzipien zurückkehrt, und man muß die Bevölkerung kulturell dazu in die Lage versetzen.
Das ist der Grund, warum das Schiller-Institut ganz besonders dazu berufen war, diese Konzerte vom 22. November 2013 und vom 19. Januar 2014 zur Erinnerung an Präsident John F. Kennedy vorzuschlagen, zu organisieren und aufzuführen. Sein Vorbild darf nicht verschwinden. Mut und Intelligenz hängen miteinander zusammen. Kennedy wurde seinem eigenen Maßstab des Mutes in der Not gerecht – streben wir ihm nach!

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