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Dringender Appell von Papst Leo XIV.: „Haltet ein! Bereut! Ehe es zu spät ist!“ Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung!

von Helga Zepp-LaRouche

Von all den wichtigen und dringenden Reden, die in der jüngsten Zeit von Politikern und Experten vieler Länder mit der Absicht gehalten worden sind, die Eskalation der strategischen Lage zu einer gattungsvernichtenden Katastrophe zu verhindern, ist die Intervention von Papst Leo XIV. mit seiner Enzyklika Magnifica Humanitas (1) und den Ansprachen bei seiner jüngsten Reise nach Spanien (2) nach bestem Ermessen die mit Abstand wichtigste. Wenn Historiker später einmal die Frage untersuchen werden, was – hoffentlich – den entscheidenden Ausschlag gegeben hat, die westliche Zivilisation mitten in einer tiefen spirituellen und kulturellen Krise zur Umkehr zu bringen, dann werden sie auf diese Rolle des Papstes stoßen, und die Bereitschaft einer genügend großen Anzahl von Gläubigen und Menschen, die guten Willens waren, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und eine Änderung der Politik durchzusetzen.

Ohne auch nur ein einziges Mal Namen der Schuldigen nennen zu müssen, definiert Papst Leo mit absoluter Klarheit die Strukturen der Sünde, die heute die existentiellen Bedrohungen für die Menschheit darstellen, deren konkreten Bezug jeder erkennen kann und die dringend beseitigt werden müssen. Gleichzeitig zeigte er aber auch den erreichbaren Ausweg aus der Krise auf, nämlich daß die Menschen sich an das höchste Ideal des christlichen Menschenbildes erinnern und es verwirklichen. Gerade weil die Mainstream-Medien diese Texte des Papstes weitgehend unterdrücken, muß deshalb von Christen und friedliebenden Menschen ein politisches Klima geschaffen werden, in dem kein Politiker, der wiedergewählt werden will, es sich leisten kann, seine Ignoranz über diese Schriften und Reden eingestehen zu müssen. Dazu ist es zunächst natürlich nötig, daß möglichst jeder diese Enzyklika sowie Ansprache-Texte nicht nur liest, sondern studiert.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich der erste Multimilliardär auf der Basis einer AI-Fiktion zum ersten Billionär erklärt, warnt diese Enzyklika vor einem neuen Turmbau zu Babel, bei dem ein neuer Götzendienst dem Profit huldigt und die Schwachen opfert – einer Entmenschlichung, die den anderen als Mittel benutzt, einer uralten und doch immer neuen Versuchung, die heute in einer technischen Verkleidung daherkommt. Und zeitgleich mit dem Inkrafttreten des EU-Migrationspakts am 12. Juni, der schnellere Verfahren zur Abschiebung von Flüchtlingen an den Außengrenzen der EU und damit eine massive Einschränkung des Asylrechts bewirkt, hält Papst Leo die christlichen Prinzipien dagegen, gemäß derer die Migrationsfrage statt dessen behandelt werden müßte.

Wenn man die Enzyklika und die Reden des Papstes in Spanien zusammen betrachtet, dann stellen sie eine vollständige Abrechnung mit der gesamten Politik des liberalen Westens dar, und dies mit einer Klarheit, die alle Politiker, die einen Amtseid auf das Gemeinwohl geschworen haben – und vor allem die, deren Parteien das Wort „christlich“ im Namen führen -, veranlassen müßte, eine 180-Grad-Kehrtwende in ihrer Politik vorzunehmen.

Nie wieder Krieg!

Zu den verschiedenen Aspekten dieser Politik, die alle Bausteine des neuen Turmbaus zu Babel sind, gehören der Götzendienst gegenüber dem Profit auf Kosten der Ärmsten, ebenso wie die Finanzinteressen, die Spannungen und Konflikte fördern, weil es die Kriegsindustrie in Gang hält, die Unterstützung von modernen Formen der Sklaverei, bei der Kinderarbeit Routine ist und wo die Gesundheit von Heranwachsenden dem Profit einer oberen Klasse geopfert wird, deren Konsumverhalten man früher Prasserei genannt hätte, während es den Armen am nötigsten fehlt. Dazu gehört ebenfalls ein neuer Kolonialismus, der nicht mehr nur die Körper der Menschen versklavt, sondern auch Daten und Informationen über sie, von Gesundheitsdaten bis zu epidemiologischen Profilen, genetischen Graphiken und demographischen Informationen.

In der Enzyklika beklagt der Papst die „Normalisierung des Krieges“ und erinnert an die machtvolle Rede von Papst Paul VI. 1965 vor der UN-Generalversammlung: „Nie wieder Krieg! Nie Wieder Krieg!“ (3) Trotz eines tiefen Wunsches nach Frieden seien die vergangenen 60 Jahre seitdem von Konflikten gekennzeichnet gewesen, die mit erstaunlicher Brutalität ausgetragen wurden, mit unzähligen zivilen und unschuldigen Opfern, Massenvertreibungen, sozialen Destabilisierungen und lang anhaltenden Wunden. Heute könne man einen besorgniserregenden Paradigmenwandel beobachten, bei dem Aufrüstung und Krieg als ein Instrument der internationalen Politik wieder öffentlich propagiert würden, während die ethischen Prinzipen, die dem früher entgegen gestanden hätten, systematisch unterminiert würden. Begehren nach territorialer Expansion, die man für überwunden hielt, kehrten wieder, und ein bestürzender Verlust an historischer Erinnerung trete in Erscheinung, zu dem Grad, wie Zeitzeugen des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges verschwänden. – Nein, hier sprechen weder Wladimir Putin noch Sergej Lawrow, sondern Papst Leo XIV. – Und so werde der Krieg kulturell vorbereitet durch simplistische Narrative und ein Freund-Feind-Denken, Desinformation und die Einflößung von Furcht.

Unter der Überschrift „Entgrenzte Gewalt“ thematisiert der Papst das Anwachsen des Militärisch-Industriellen Komplexes: „Die Rüstungsindustrie und die Länder, die Waffen liefern, profitieren von einem Markt, der gerade dank der Konflikte gedeiht. In diesem Sinne gibt es auch eine wirtschaftliche Logik, die dazu beiträgt, Spannungen in verschiedenen Regionen der Welt zu schüren.“ Und weiter unter Abschnitt 194: „In der Vergangenheit hatte die Erkenntnis der Bedrohung durch Waffen, die die gesamte Menschheit vernichten können, Bemühungen um Entspannung und Abrüstungsverhandlungen begünstigt. Leider haben wir diesen Horizont hinter uns gelassen, und die Entwicklung der Atomwaffenarsenale – einschließlich der Aussicht auf eine ,taktische‘ Verwendung – läßt den Einsatz solcher Waffen als eine immer weniger entlegene Möglichkeit erscheinen.“

Die Enzyklika konstatiert, daß wir in einer Zeit bemerkenswerter geistiger und kultureller Blindheit leben, und eine Form des historischen Nihilismus befördere die Illusion, „daß sich die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts nicht mehr wiederholen können. In Wirklichkeit tauchen dieselben Dynamiken unter neuen Formen wieder auf… In vielen Ländern, auch im Globalen Süden, werden erhöhte Militärausgaben als einzige Antwort auf eine ungewisse Zukunft oder auf vermeintliche Bedrohungen dargestellt, während die tatsächlichen Kosten auf die Armen abgewälzt werden, die zusehen müssen, wie die Mittel für Gesundheitsversorgung, Bildung und soziale Dienste schwinden.“

Leo zitiert die Enzyklika Quadragesimo Anno von Papst Pius XI., die die Konzentration der Wirtschaftsmacht in den Händen weniger verurteilt, und er bezieht sich auf Papst Paul VI., indem er vor den Gefahren außerordentlichen wissenschaftlichen, technologischen und ökonomischen Fortschritts warnt, wenn dieser nicht mit einem entsprechenden ethischen und sozialen Fortschritt einhergeht.

Das Mißverständnis der KI

Ganz besonders gilt dies für die KI, deren Beurteilung und Kritik der Hauptfokus der Enzyklika gewidmet ist. Zunächst erklärt Leo, ausgehend von der seit vielen Jahrzehnten geführten Debatte, ob Computer die Kreativität des Menschen irgendwann einmal überholen könnten, zu der Neuauflage dieser Diskussion bezüglich der KI:

„99. Es ist nicht möglich, eine eindeutige und umfassende Definition von Künstlicher Intelligenz zu geben. Fest steht jedoch, daß das Mißverständnis zu vermeiden ist, diese ,Intelligenz‘ mit der menschlichen gleichzusetzen. Diese Systeme ahmen bestimmte Funktionen der menschlichen Intelligenz nach. Dabei übertreffen sie sie oft an Geschwindigkeit und Rechenleistung und bieten somit in zahlreichen Bereichen konkrete Vorteile. Diese Leistungsfähigkeit hat jedoch ausschließlich mit der Datenverarbeitung zu tun: Sogenannte Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen: Sie unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situationen und sie nehmen die Last der Konsequenzen nicht auf sich. Sie können Sprache, Verhalten und Beurteilungen imitieren, sie können Empathie oder Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie damit bewirken, denn sie bewegen sich nicht in jenem affektiven, relationalen und geistigen Horizont, in dem der Mensch zur Weisheit gelangt. Auch wenn diese Werkzeuge als ,lernfähig‘ dargestellt werden, unterscheidet sich ihre Art des Lernens von der einer menschlichen Person. Es handelt sich nicht um die Erfahrung eines Menschen, der sich vom Leben formen läßt und im Laufe der Zeit durch Entscheidungen, Fehler, Vergebung und Treue wächst; vielmehr ist es eine statistische Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert.“

Papst Leo XIV. argumentiert vom Standpunkt der augustinischen Tradition, von dem aus es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissen zu geben braucht, und zitiert Papst Franziskus, der „anerkennt, daß es wichtig ist, der wissenschaftlichen Forschung Gehör zu schenken und einen ernsthaften und aufrichtigen Austausch unter Wissenschaftlern zu fördern, und dabei die Vielfalt der Meinungen zu berücksichtigen“.

Es gibt das Recht, nicht auswandern zu müssen

Weniger aufrichtig hingegen waren laut der italienischen Zeitung La Veritá und des französischen Figaro die liberalen Medien, die die Ansprachen des Papstes in Spanien recht unvollständig wiedergegeben hätten, indem sie nur über seine Aufrufe zur Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration berichteten, während sie den Teil der Ansprachen ausgeblendet hätten, in denen der Papst das Recht der Menschen verteidigte, nicht auswandern zu müssen und die Notwendigkeit betonte, die Fluchtursachen zu bekämpfen.

In der Tat war die sechstägige Reise von Papst Leo nach Spanien, die ihn nach Madrid, Barcelona, Gran Canaria und Teneriffa führte, eine Intervention von außergewöhnlicher historischer Bedeutung. Denn die politische Debatte in Spanien ist auch heute noch, 87 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs, extrem polarisiert, und Themen wie die Rolle der Kirche und Migration sind weiterhin mit großen Emotionen besetzt. Vor diesem Hintergrund war die Art und Weise, wie der Papst die Migrationsfrage auf eine hohe Ebene setzte, bezüglich der internen Lage in Spanien sehr wichtig, und darüber hinaus wegweisend für ganz Europa. Vergleicht man den erwähnten Migrationspakt der EU, der just am letzten Tag der Papstreise in Kraft trat, mit der angemahnten Migrationspolitik von Leo XIV., so könnte es keinen größeren Gegensatz geben. Während die EU die Menschen so schnell wie möglich abzuwimmeln versucht und in sogenannte „Auffanglager“, die Papst Franziskus als „Konzentrationslager“ zu bezeichnen pflegte, einsperren will, die auf jeden Fall Gefängnissen gleichen, hat der Papst eine ganz andere, humane Sicht des Problems. In seiner Ansprache vor dem spanischen Parlament betonte er:

„Die Rede von der Menschenwürde darf nicht abstrakt bleiben, wenn so viele Menschen dazu gezwungen sind, für Frieden, Sicherheit und eine Zukunft alles zu verlassen. Auch die tragische Migrationskrise stellt heute eine Anfrage an das Gewissen der Nationen und an die ethischen Grundlagen der internationalen Ordnung dar. Zahlreiche Männer, Frauen und Kinder sind aufgrund oft dramatischer Umstände gezwungen, aus ihren Gemeinschaften wegzugehen und ihre Angehörigen, ihre Geschichte und ihre Bindungen dort zurückzulassen. Dies ist weit mehr als eine rein demografische oder wirtschaftliche Frage: Es handelt sich um eine vorrangig moralische und rechtliche Angelegenheit. Wo immer ein Mensch aufgrund seiner nationalen, ethnischen, religiösen oder sprachlichen Herkunft oder aufgrund seiner wirtschaftlichen oder sozialen Lage diskriminiert wird, wird der universale Grundsatz der gleichen Würde aller Menschen ernsthaft verletzt.“ (4)

Im weiteren zitierte er dann aus seiner Enzyklika Magnifica Humanitas:

„81. Ein entscheidender Prüfstein für soziale Gerechtigkeit ist heute die Situation der Migranten, der Flüchtlinge und all jener, die aufgrund von Armut, Gewalt, Klimawandel und Umweltkatastrophen zur Flucht gezwungen sind. Die Weise, wie eine Gesellschaft mit ihnen umgeht, zeigt, ob ihr Gerechtigkeitsbegriff von Angst oder von Geschwisterlichkeit geleitet ist. Papst Franziskus forderte dazu auf, in den Migranten nicht einfach ein zu bewältigendes Problem zu sehen, sondern ,ein lebendiges Abbild des Gottesvolkes auf dem Weg‘; Menschen mit Würde, Ressourcen und Träumen, die ein Recht darauf haben, mit Respekt behandelt zu werden, und die darum bitten, ein aktiver Teil der Gesellschaften zu werden, die sie aufnehmen. Soziale Gerechtigkeit beinhaltet in diesem Bereich mindestens zwei sich ergänzende Verpflichtungen. Einerseits gilt es, das Recht auf Hoffnung derer zu wahren, die zur Flucht gezwungen sind, indem sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten gewährleistet werden. Andererseits gilt es auch das Recht zu fördern, in Frieden und Sicherheit in der eigenen Heimat zu bleiben, indem die tiefgreifenden Ursachen angegangen werden, die zur Migration zwingen, einschließlich jener, die mit wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Klimakrise zusammenhängen. Wenn diese Rechte geachtet werden, kann Migration zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden.“

Aufforderung zum Handeln

Die westlichen Regierungen sind hiermit aufgefordert, den dringenden Appell von Papst Leo XIV. zum Anlaß zu nehmen, die unmenschliche und vom wirtschaftlichen Standpunkt vollkommen inkompetente Migrationspolitik, wie sie im EU-Migrationspakt zum Ausdruck kommt, sofort zurückzunehmen. Statt dessen muß eine auf Augenhöhe basierende Kooperation mit den Nationen des Globalen Südens auf die Tagesordnung gesetzt werden, die ernsthaft daran geht, die Fluchtursachen zu beseitigen.

Das Recht, „in Frieden und Sicherheit in der eigenen Heimat zu bleiben, indem die tiefgreifenden Ursachen angegangen werden, die zur Migration zwingen“, ist relativ einfach zu verwirklichen, wenn der politische Wille dazu aufgebracht wird. Was die Nationen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas brauchen, ist eine wirkliche industrielle und landwirtschaftliche Entwicklungspolitik, die zum Ziel hat, das volle Potential dieser Länder zum Wohl ihrer eigenen Bevölkerung zu entwickeln. Der Globale Süden, der in Wirklichkeit die Globale Mehrheit von rund 85 Prozent der Menschheit repräsentiert, ist derzeit ohnehin dabei, die Periode von 500 Jahren Kolonialzeit hinter sich zu lassen und vor allem in Kooperation mit China die Infrastrukturprojekte und Investitionen in Schlüsseltechnologien zu verwirklichen, die es diesen Staaten ermöglichen werden, die Wertschöpfungsketten vollständig im eigenen Land zu verwirklichen. Anstatt an einem inhumanen neokolonialistischen Denken festzuhalten, sind die Regierungen Europas und der USA aufgerufen, sich umgehend für eine internationale Kooperation bereit zu erklären, die die vollständige Überwindung von Armut und Unterentwicklung aller Staaten auf dieser Erde zum Ziel hat.

So wird z.B. Afrika bis zum Jahre 2050 eine Bevölkerung von circa 2,5 Milliarden Menschen, also eine Milliarde mehr als heute haben. Dies bedeutet, daß es im ureigensten Interesse Afrikas ebenso wie Europas ist, in den nächsten 25 Jahren eine Milliarde produktiver Arbeitsplätze auf dem afrikanischen Kontinent zu schaffen. Auch wenn die meisten anderen Regionen der Welt negative demographische Prognosen haben, sind überall effektive Programme zur Armutsüberwindung notwendig, wenn soziale Explosionen zwischen der Klasse der Milliardäre und verarmten Milliarden von Menschen verhindert werden sollen.

Das Schiller-Institut hat dazu konkrete Entwicklungsprogramme ausgearbeitet, wie durch klar definierte Investitionsprogramme in grundlegende Infrastruktur, Energieproduktion und -verteilung und Kommunikation die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können, die Nationen des Globalen Südens zu industrialisieren, und wie durch die Kooperation zwischen den BRICS-Staaten, Industriestaaten des Nordens und den Entwicklungsländern im Rahmen von Joint Ventures das Ziel der Fluchtursachenbekämpfung effektiv erreicht werden kann. (5) (6)

Damit kann die Forderung der Enzyklika Populorum Progressio erfüllt werden, daß wahrer Frieden nur durch soziale Gerechtigkeit und die Überwindung weltweiter Ungleichheit, „deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit“, erreicht werden kann. Die Forderung von Papst Paul VI., dem Autor dieser Enzyklika: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“ ist das dringende Gebot der Stunde!

In seiner Ansprache vor dem spanischen Parlament forderte Papst Leo XIV. genau diese Form der internationalen Kooperation:

„Keine Nation kann eine Herausforderung dieser Größenordnung alleine bewältigen. Daher ist eine koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerläßlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann. Wenn die institutionelle Reaktion nahbar, gerecht und koordiniert ausfällt, sind Grenzen nicht länger Orte der Verlassenheit, sondern können zu Räumen werden, in denen die Menschenwürde verantwortungsvoll geschützt wird.“

In seiner Enzyklika, die den durchaus programmatisch aufzufassenden Namen Magnifica Humanitas – „Die großartige Menschheit“ – trägt, bezieht sich der Papst ganz konkret auf das höchste Ideal der griechischen Klassik und folgt damit der augustinischen Idee, daß deren Übereinstimmung mit der christlichen Offenbarung bedeutet, daß es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissen zu geben braucht. „23. Die Kirche betrachtet all jene, die aufrichtig nach ,Wahrheit, Güte und Schönheit‘ suchen, als Weggefährten und als ,wertvolle Verbündete‘ bei der Verteidigung der Würde jedes Menschen und bei der Bewahrung der Schöpfung“, heißt es weiter. In Übereinstimmung mit diesem Ideal des „Wahren, Guten und Schönen“ definiert die Enzyklika Kunst und Kultur, wenn sie authentisch sind, als eine Schutzmauer gegen die „Normalisierung des Bösen“. Und wie nötig hat dies die gegenwärtige menschliche Gesellschaft, in der letztlich nur als satanisch zu bezeichnende Phänomene beinah die gesamte sogenannte Unterhaltungsumwelt dominieren zu scheinen. Papst Leo spricht einigen Kunstwerken, wie Beethovens Neunter Symphonie, einen „fast prophetischen Wert“ zu, als „Sehnsucht nach Einheit“.

Der vielleicht wichtigste Gedanke besteht darin, daß Papst Leo in Erinnerung an Papst Paul VI. dazu aufruft, eine „Zivilisation der Liebe“ zu schaffen:

„Heute müssen wir diese Vision mit Nachdruck wiederbeleben: Die Zivilisation der Liebe ist keine naive Utopie, sondern ein anspruchsvolles Projekt. Sie besteht darin, Nächstenliebe in Strukturen der Gerechtigkeit zu verwandeln, Geschwisterlichkeit institutionelle Formen annehmen zu lassen und den anderen – sei es eine Person oder ein Volk – als einen notwendigen Verbündeten für den Aufbau des Gemeinwohls zu betrachten. Wie uns die Enzyklika Fratelli tutti in Erinnerung ruft, kann nur diese soziale Liebe, die fähig ist, zu einer Kultur und zur Norm zu werden, eine stabile internationale Ordnung hervorbringen und das Zusammenleben von einer bloßen bewaffneten Koexistenz in eine Schicksalsgemeinschaft verwandeln.“

Es sollte allen Menschen in den Staaten des sogenannten Kollektiven Westens – also Menschen, die in einem von liberalen Werten dominierten System leben, das sowohl die amerikanische Behörde ICE wie den EU-Migrationspakt als Antwort auf die Flüchtlingskrise hervorgebracht hat -, zu denken geben, daß sowohl das Oberhaupt der katholischen Kirche als auch die Regierung Chinas zur prinzipiell gleichen Schlußfolgerung gelangen, daß nur eine die Menschheit als Schicksalsgemeinschaft begreifende Einheit die Basis für den Frieden sein kann.

Die Enzyklika Magnifica Humanitas ist der dringende Appell von Papst Leo XIV. zur Umkehr. Die Entwicklungsprogramme des Schiller-Instituts zeigen den konkreten Weg, wie die Flüchtlingskrise überwunden werden kann. Was die Menschheit jetzt braucht, ist eine Bewegung für die Idee: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“!

Anmerkungen

1. https://www.vatican.va/content/leo- XIV./de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

2. https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-06/wortlaut-papstpredigt-in-las-palmas-de-gran-canaria.html

3. https://zeitschrift-vereinte-nationen.de/publications/PDFs/Zeitschrift_VN/VN_1965/Heft_6_1965/05_Rede_Papst_Paul_VI._6-1965.pdf; https://www.domradio.de/artikel/als-erster-papst-sprach-paul-vi-1965vor-den-vereinten-nationen

4. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/giugno/documents/20260608-spagna-parlamento.html

5. https://cloud.schillermeet.de/s/BQZXjgHWf78MJW5?dir=/&editing=false&openfile=true; Sonderbericht auf Deutsch hier erhältlich: https://www.eir.de/produkt/e-book-pdf-china-europa/

6. „Die Welt braucht 1,5 Milliarden neue, produktive Arbeitsplätze – Der LaRouche-Plan zur Wiederbelebung der US- und Weltwirtschaft“, in Neue Solidarität Nr. 23-28/2020; Sonderdruck „Entwicklungsoffensive bedeutet: Milliarden neue Arbeitsplätze, keine Flüchtlinge, kein Krieg“,https://www.eir.de/produkt/e-book-pdf-entwicklungsoffensive-bedeutet/


Das Iran-Abkommen kann für die Welt eine Wende bedeuten!

Von Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des Schiller Instituts,

16 Juni 2026

Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran ist zweifellos ein historischer Durchbruch, indem sie die Feindseligkeiten zwischen beiden Seiten beendet, die Straße von Hormus wieder öffnet und hoffentlich auf diese Weise verhindert, dass die Weltwirtschaft weiter in eine Depression abgleitet. Das Ergebnis dieses Krieges, der mehr als dreieinhalb lange, zermürbende Monate dauerte, ist eine erheblich veränderte strategische Lage, in der noch nicht entschieden ist, ob der Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden übergehen kann, oder ob er nur eine Pause sein wird, bis die nächste, möglicherweise noch schlimmere Runde von Kämpfen ausbricht.

Klar ist jedoch, dass die größte Militärmacht der Welt, die Vereinigten Staaten, nicht in der Lage war, eine mittelgroße Macht wie den Iran zu besiegen. Weder ein Regimewechsel noch die Ausschaltung des ballistischen Raketensystems noch die Beseitigung des iranischen Atomprogramms konnten erreicht werden, dank der unerwarteten Widerstandsfähigkeit der iranischen Bevölkerung, die sich, ungeachtet ihrer aktuellen politischen Ausrichtung, stattdessen um ihre Identität als jahrtausendealter Zivilisationsstaat – Persien! – scharte. Obwohl er erhebliche Verluste erlitten hat, ist der Iran dennoch der klare Sieger dieses Krieges, nicht zuletzt, weil er nun erkannt hat, welchen bedeutenden Einfluss er durch die Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt. Diese Kontrolle über eine der Engstellen der Weltwirtschaft ist von nun an ein Faktor in der strategischen Lage, den niemand ignorieren kann. Auch die Tatsache, dass die USA nicht in der Lage waren, die Golfstaaten, in denen US-Stützpunkte liegen, zu verteidigen, wird dauerhafte Folgen für die Sicherheitsarchitektur Südwestasiens haben.

Ein großes Lob gebührt zweifellos in erster Linie dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif, der entscheidend zur Vermittlung zwischen den USA und dem Iran beitrug und sich für Diplomatie statt Krieg als Mittel zur Konfliktlösung einsetzte, ebenso wie vielen anderen Kräften der Region, die versuchten, eine Eskalation zu einer globalen Katastrophe zu verhindern.

Das große Damoklesschwert, das über allem schwebt, ist offensichtlich die Reaktion Israels, des anderen großen Verlierers in dieser Situation, das selbst im zweiten Krieg innerhalb eines Jahres, mit Unterstützung der stärksten Militärmacht, keines seiner Kriegsziele erreichen konnte. Premierminister Netanjahu wird derzeit von Oppositionsführern und sogar von Mitgliedern seines eigenen Kabinetts wegen seines Versagens heftig angegriffen, und der große Knackpunkt ist der Teil des Abkommens, der einen Waffenstillstand im Libanon vorsieht, welchen Israel gänzlich ablehnt. Israel wird sich jedoch des veränderten internationalen Klimas bewusst werden müssen, in dem sich die überwiegende Mehrheit der Weltöffentlichkeit gewandelt hat und sogar eine wachsende Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung der Meinung ist, dass Israel im Umgang mit den Palästinensern und dem Iran viel zu weit gegangen ist. Präsident Trump versucht derzeit, seine Interessen abzuwägen zwischen seinen finanziellen Unterstützern, die eine noch härtere Linie gegenüber dem Iran befürworten, und den Falken in der Republikanischen Partei, die wollen, dass über das gesamte Abkommen im Kongress abgestimmt wird, um es blockieren zu können, und auf der anderen Seite Trumps alter MAGA-Basis, deren Unterstützung er zunehmend verliert, weil sie das Gefühl haben, dass er seine Wahlversprechen verraten hat, und er muss angesichts der in wenigen Monaten anstehenden Zwischenwahlen seine Gewinne und Verluste abwägen.

Was ist also zu tun, um sicherzustellen, dass das Abkommen Bestand hat und ein dauerhafter Frieden gesichert werden kann? Die Antwort lautet, dass eine echte Vision der wirtschaftlichen Entwicklung für die gesamte Region Südwestasiens ernsthaft auf die Tagesordnung gesetzt werden muss: der vom Schiller-Institut vorgeschlagene „Erweiterte Oasenplan“.

Nur wenn die Bevölkerung aller Länder der Region, insbesondere die Jugend, die Aussicht auf ein endgültiges Ende des Krieges und eine glänzende Zukunft in Wohlstand haben, gibt es einen Anreiz für einen dauerhaften Frieden. (1)

Die tiefgreifendere Antwort darauf liegt darin, dass man den größeren strategischen Kontext der Versprechen zur Beendigung aller Kriege berücksichtigen muss. Trump steht vor dem Konflikt um die Zwischenwahlen. Während die Krise in Südwestasien offensichtlich eine Geschichte hat, die Tausende von Jahren zurückreicht, und die Situation sehr komplex und facettenreich ist, muss diese Krise – wie der Ukraine-Krieg und fast jeder andere Konflikt der Gegenwart – als Teil der geopolitischen Gesamtlage betrachtet werden. Diese ist geprägt von den scheiternden Bemühungen des von der Anglosphäre dominierten kollektiven Westens, nach dem Ende des Kalten Krieges eine unipolare Weltvorherrschaft zu errichten. Dieser Versuch erwies sich als sehr kurzlebig, weil die Kombination aus sechs NATO-Osterweiterungen – unter Verletzung sämtlicher gegenteiliger Versprechen – und der Politik von Regimewechsel, Farbrevolutionen, einseitigen Sanktionen und Interventionskriegen insbesondere in den Ländern des Globalen Südens einen enormen Rückschlag hervorgerufen hat. Sie akzeptierten die NATO-Darstellung all dieser Ereignisse nicht, sondern erkannten das offensichtliche Ziel einer Neuauflage einer imperialen und neokolonialen Ordnung. Da der historisch beispiellose Aufstieg Chinas es den Ländern des Globalen Südens erstmals ermöglicht, 500 Jahre Kolonialismus zu überwinden, versuchen sie, eine neue Wirtschaftsordnung zu errichten, die ein gerechteres und gleichberechtigtes System für alle schafft.

Daher steht bei allen Konflikten immer auch die Dynamik im Hintergrund, dass der Westen seine Dominanz in der strategischen Lage erhalten und – wie es manche Politiker formulieren – „Russland ruinieren“ und China mindestens „eindämmen“ will. Dies entspricht jedoch nur den Interessen einiger weniger in den Establishments einiger westlicher Länder, nicht jedoch den Eigeninteressen der Menschen in Europa und den USA.

Der jüngste Krieg in Südwestasien hat es in unbestreitbarer Deutlichkeit gezeigt: Die alte Weltordnung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg und dann erneut nach dem Ende des Kalten Krieges etabliert wurde, zerfällt. Es ist daher von höchster strategischer Bedeutung, eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch zu bringen, die die Interessen jedes Landes auf dem Planeten berücksichtigen muss. Die Situation ist vergleichbar mit den Umständen des Westfälischen Friedens, der 150 Jahre Religionskriege in Europa beendete, weil die Kriegsparteien erkannten, dass bei einer Fortsetzung des Krieges niemand mehr am Leben bleiben würde, um einen Sieg zu genießen. So gelangten sie zu der Erkenntnis, dass man, um Frieden zu haben, die Interessen des anderen respektieren muss, und zwar Aller anderen!

Es liegen bereits mehrere Initiativen auf dem Tisch, die das Verständnis widerspiegeln, dass die Weltordnung dringend umgestaltet werden muss, wie beispielsweise das neue Weißbuch des chinesischen Staatsrats Gerechtere und ausgewogenere globale Governance: Chinas Grundsätze, Vorschläge und Maßnahmen, das eine Verbesserung der internationalen Ordnung auf der Grundlage der Idee einer Zukunftsgemeinschaft der Menschheit vorschlägt.

Aus einem ganz anderen Hintergrund kommend, aber im Wesentlichen zu derselben Erkenntnis gelangend, dass eine Reform dringend notwendig ist, hat Papst Leo XIV. gerade eine neue Enzyklika Magnifica Humanitas veröffentlicht, die nicht nur die gegenwärtigen Tendenzen zum Bau eines neuen „Turms zu Babel“ kritisiert, sondern auch einen sehr substanziellen Vorschlag dazu liefert, nach welchen Prinzipien ein neues System errichtet werden muss, das der großartigen menschlichen Spezies würdig ist. (2) Die Autorin hat Zehn Prinzipien vorgeschlagen, die berücksichtigt werden sollten, um zu konzipieren, wie eine solche neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur aussehen könnte. (3)

Deshalb sollte man mehr tun, als das soeben zwischen den USA und dem Iran erzielte Abkommen nur zu kommentieren und darüber zu spekulieren, ob die Lage im Libanon und die Weigerung Israels, sie als Teil der Vereinbarung anzuerkennen, sich doch als entscheidender Faktor erweist, der das Abkommen zum Scheitern bringt.

Wenn der „Erweiterte Oasenplan“ von mehreren Ländern der Region auf die Tagesordnung gesetzt wird, kann er der erste Schritt sein, um die ganze Welt in ein neues Paradigma zu führen, in dem Krieg als Mittel der Konfliktlösung – eine existenzielle Frage im Zeitalter thermonuklearer Waffen – überflüssig wird und eine gerechte Ordnung verwirklicht wird, die das Wohlergehen aller Nationen ermöglicht.

1. Webseite des Schiller-Instituts zum „Oasis“-Plan, https://schillerinstitute.com/the-oasis-plan-the-larouche-solution-for-southwest-asia/

2. https://schillerinstitute.com/de/blog/2026/06/17/dringender-appell-von-papst-leo-xiv-haltet-ein-bereut-ehe-es-zu-spaet-ist-der-neue-name-fuer-frieden-heisst-entwicklung/

3. https://schillerinstitute.com/de/blog/2022/11/30/zehn-prinzipien-fuer-eine-neue-internationale-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur/


UN-Niederlage: eine Chance zur Neuausrichtung – Deutschland muss mit dem Globalen Süden kooperieren!

Presseerklärung von Helga Zepp-LaRouche

Von einem tiefergehenden historischen Standpunkt aus betrachtet, ist die Abstimmungsniederlage Deutschlands bei der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine dringend notwendige Chance für die Neuausrichtung der deutschen Politik. Die Verfasserin fordert seit Langem, dass der Globale Süden angesichts der festgefahrenen  geopolitischen Konfrontation zwischen der NATO und Russland und China seine Stimme lauter und energischer in die internationale Debatte einbringen müsse – und genau dies haben diese Staaten mit ihrer Abwahl Deutschlands getan. Die deutschen Institutionen sollten dieses Ergebnis nutzen zu einer ehrlichen Analyse einer offensichtlich vollkommen gescheiterten Außenpolitik und eine Neudefinition im wirklichen Interesse Deutschlands.

Der erste Reflex von Außenminister Wadephul und den meisten Medienkommentaren geht allerdings noch in die seit langem gepflegte Richtung des sich in die Tasche Lügens: natürlich war wieder Russland schuld, dann noch die Bürokratie, man habe zu spät damit angefangen, sich zu bewerben, etc. etc. Andere, wie die FAZ, kommentierten, die UN sei ohnehin nicht so wichtig, und der hessische Minister für Bundes-, Europa- und Internationale Angelegenheiten, Manfred Pentz von der CDU, forderte sogar eine Kürzung der deutschen Finanzbeiträge für die UN als Konsequenz.

Das einzige, was Deutschland wirklich helfen wird, ist ein nüchterner Blick auf die Ursachen für die „herbe Enttäuschung“, die nur für diejenigen als Überraschung kommen konnte, die bisher hoch auf ihrem eurozentrischen Ross gesessen haben. Denn der Stimmungsumschwung in der internationalen Perzeption gegenüber der deutschen Politik ist seit einigen Jahren in vollem Gang. Ein durchaus positives Deutschland-Bild, das in so gut wie der ganzen Welt früher einmal herrschte und bei dem Deutschland als das Volk von Bach und Beethoven, Goethe, Schiller und den von Humboldts, als Volk der Ingenieurskunst und Erfinder gesehen wurde, ist seit geraumer Zeit abhandengekommen.

Die faktisch bedingungslose Unterstützung des israelischen Vorgehens in Gaza, das den Internationalen Strafgerichtshof veranlasste, Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Netanjahu und den ehemaligen israelischen Verteidigungsminister Joaw Gallant auszustellen, hat dem Ansehen Deutschlands einen Schaden zugefügt, der so lange zunehmen wird, wie die Regierungen in Berlin bei ihrer Haltung bleiben.

Denn während die Verbrechen der Nationalsozialisten erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der allgemeinen Bevölkerung voll bekannt und bewusst wurden, fanden und finden die Verbrechen Israels in Gaza und zunehmend auch im Westjordanland und Libanon im grellen Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit statt. Dass Deutschland auf Druck Israels selbst der Verlängerung des Mandats für das Palästinenserhilfswerk UNWRA im Dezember 2025 nicht zugestimmt hat und mit brutaler Repression gegen pro-palästinensische Proteste in Deutschland selbst vorgegangen ist, hat das Deutschland-Bild weiter verdunkelt.

Überall wird über die Doppelmoral gesprochen, die hierzulande herrscht. Berlin betont andauernd, Verfechter des Völkerrechts zu sein, aber Merz findet die Entführung eines gewählten Staatsoberhauptes in Venezuela als „zu komplex“, um dazu Stellung zu beziehen, er brauche „Zeit“, um es beurteilen zu können. Inzwischen sind es fünf Monate, ohne dass er zu einem Ergebnis gekommen wäre. Beim ersten unprovozierten Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran im Juni 2025 fand Merz die unsäglichen Worte, Israel mache „die Drecksarbeit für uns alle“, beim zweiten derartigen Angriff der USA und Israels, dessen Folgen die Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohen, bleibt er zurückhaltend und meint nur, dass sei nicht unser Krieg.

So gut wie niemand in den Staaten des Globalen Südens stimmt dagegen in das endlos wiederholte Mantra ein, Russland habe die Ukraine in einem unprovozierten Krieg angegriffen. Zu sehr erkannten diese Ländern im Vorgehen der NATO die Parallele zu ihrer eigenen Unterdrückung durch die Kolonialmächte, und  sie haben darüber hinaus eine sehr wache Erinnerung daran, wer ihnen in ihrem Unabhängigkeitsstreben damals zur Hilfe kam – nämlich die Sowjetunion und China

Wofür aber in Berlin ganz offensichtlich bisher jegliche Antennen fehlen, ist ein Gespür für den tektonischen Epochenwandel, der sich derzeit weltweit vollzieht. In der Zeit der deutschen Wiedervereinigung und am Ende des Kalten Krieges hatte Deutschland durchaus die Sympathie der vormals so genannten Entwicklungsländer. Diese ging Schritt für Schritt verloren, zu dem Grade wie Deutschland und die Staaten des kollektiven Westens versuchten, die unipolare Weltordnung mit Farbrevolutionen, Regimewechseln, unilateralen Sanktionen und Interventionskriegen durchzusetzen.

Die Kombination aller Aspekte dieser imperialen und neokolonialistischen Politik hat eine gewaltige Gegenreaktion ausgelöst, in deren Verlauf sich diese Länder zunehmend dem Einfluss des kollektiven Westens zu entziehen suchen. Der in der Geschichte beispiellose wirtschaftliche Aufstieg Chinas und seine auf Win-Win-Kooperation angelegte Politik bietet den Staaten des Globalen Südens die Chance, die Periode von 500 Jahren Kolonialismus endgültig zu überwinden.

Die Abstimmungsniederlage in der UN ist der überfällige Weckruf an Deutschland, sich endlich aus seinem bejammernswerten Zustand als Kolonie der Anglosphäre zu befreien – die ganze Welt lacht über unsere Nicht-Reaktion auf die von Biden angekündigte Sabotage der Nordstream-Pipelines –  und sich dauerhaft auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen. Dies kann nur die Kooperation mit den Staaten der Globalen Mehrheit – das sind 85% der Menschheit – auf Augenhöhe, als gleichberechtigte Partner, bedeuten. Anstatt rassistische Chimären zu verbreiten, wie Joseph Borrells Fiktion vom europäischen Garten, der vom Dschungel umgeben sei, sollten wir Afrika, Asien und Lateinamerika dabei helfen, ebenfalls schöne Gärten zu schaffen. Dann könnten wir übrigens ganz nebenbei dafür sorgen, dass unsere Brücken rechtzeitig instandgesetzt werden, die Industrie wieder den Anschluss findet und unsere Schüler wieder etwas lernen.

Dann hätte, wenn auch unabsichtlich, Annalena Baerbock durch ihren erschlichenen Vorsitz bei der UN-Vollversammlung, durch den sie die Niederlage bei der Abstimmung verkünden musste, doch noch etwas Positives zur deutschen Politik beigetragen.


„Handeln Sie genauso wie Nikolaus von Kues!“

Die folgende Erklärung wurde am 9. März von Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts, zur sofortigen und weiten internationalen Verbreitung und Unterstützung veröffentlicht. Wir ermutigen Religionsführer aller Glaubensrichtungen sowie Menschen guten Willens, diesen Offenen Brief zu unterzeichnen, um den für den Weltfrieden notwendigen Dialog der Zivilisationen dringend voranzutreiben.
(Das Formular zum Einsenden Ihrer Unterschrift finden Sie am Ende des Beitrags.)

Heiliger Vater,

ich schreibe Ihnen in dieser für die Menschheit so schweren Stunde, da Sie möglicherweise der einzige sind, der hoffentlich noch einen Absturz in den „unwiderruflichen Abgrund“ verhindern kann, wie Sie sich selbst ausgedrückt haben: eine Eskalation des unprovozierten Krieges gegen den Iran zu einem potenziell globalen Atomkrieg, der alles Leben auf der Erde beenden würde.

In letzter Zeit hat sich die Lage der Welt radikal verschlechtert: Das Völkerrecht wird als nicht mehr existent betrachtet, die „regelbasierte Ordnung“ entpuppt sich als Farce, und das Prinzip „Macht schafft Recht“ wird zum Privileg der Mächtigen erhoben. Infolgedessen leiden bereits Milliarden von Menschen unter einer dramatischen Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen, und unzählige Menschen haben bereits mit ihrem Leben bezahlt. Noch besorgniserregender ist jedoch: Wenn der Gang der Ereignisse nicht geändert wird, könnte es zur schlimmste Sünde kommen – zur Auslöschung der menschlichen Spezies infolge satanischer Wahnvorstellungen.

Millionen einfache Menschen fragen sich verzweifelt, was sie tun können, um den Lauf der Geschichte zu ändern, wenn viele Regierungen – insbesondere im Westen – offensichtlich nicht in der Lage sind, ihrer Verpflichtung nachzukommen und Schaden von den Menschen abzuwenden, wofür sie eigentlich verantwortlich sind. Wo sind die Institutionen, die in dieser späten Stunde Abhilfe schaffen können?

Ein positiver, vielleicht sogar entscheidender Schritt, um das Bewusstsein der Welt zu wecken, wäre, wenn Sie, Eure Heiligkeit, gemeinsam mit Patriarch Kirill von Moskau und Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel den mutigen Schritt unternehmen und alle religiösen Führer sowie alle Menschen guten Willens, Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen, aufrufen, sich für die Verteidigung des Friedens einzusetzen – ganz im Geiste des Konzils von Florenz und der von Nikolaus von Kues herbeigeführten Einheit der Kirche, als er die Delegationen der orthodoxen Kirche zu den Konzilien von Florenz und Ferrara zusammenbrachte.

In Ihrer Angelus-Predigt am 25. Oktober letzten Jahres haben Sie die Bedeutung des großen Philosophen und Kardinals Nikolaus von Kues und seine Vorstellung von der Coincidentia Oppositorum als notwendige Denkweise hervorgehoben, um „die Gegensätze in der heutigen Welt zusammenzuhalten“. Dieselbe Denkweise lag auch seinem wunderschönen Dialog De Pace Fidei („Über den Frieden im Glauben“) zugrunde, den er als Antwort auf die Eroberung Konstantinopels verfasste. Damit hob er das Denken der Menschen seiner Zeit auf die höchstmögliche Ebene, insbesondere die Erkenntnis, dass es nur einen Gott und eine Wahrheit gibt, die Gläubigen aller Religionen ungeachtet ihrer unterschiedlichen Riten und Praktiken erkennbar ist.

In einer Zeit, in der die Gefahr eines Weltkriegs besteht und einige im Schutze der Religion für ein baldiges Armageddon argumentieren, muss die Stimme der Vernunft erhoben und die Frage gestellt werden, die die Vertreter von 17 Nationen und Religionen in „De Pace Fidei” an Gott richteten: Es kann nicht sein, dass Menschen sich im Namen Gottes gegenseitig umbringen.

In diesem Moment äußerster Dringlichkeit sollten in der ganzen Welt die Glocken aller Kirchen zu läuten beginnen, in allen Moscheen sollte der Adhan ertönen, in allen Synagogen sollte das Schofar geblasen werden, um die Menschheit vor ihrer endgültigen Tragödie zu bewahren.

Wenn sich die Kirchen des Westens und des Ostens in einem ersten Schritt zusammenschlössen und sich täglich aktiv für den Weltfrieden einsetzten, könnte dies die Mehrheit der Menschen dazu bewegen, sich ebenfalls für den Frieden einzusetzen und die Weltgeschichte verändern. So könnte der Willen Gottes erfüllt werden, der die Welt sicherlich nicht geschaffen und den Menschen die Vernunft geschenkt hat, damit sie aus Mangel daran zerstört wird.

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin des Schiller-Instituts


Kämpfen wir für die Schönheit der menschlichen Seele!

Von Helga Zepp-LaRouche

Das abgrundtiefe Ausmaß der Verderbtheit der Kundschaft des verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein sendet Schockwellen um den ganzen Globus. Den Menschen wird langsam klar, daß diese Form der modernen Sklaverei nicht nur eine große Gruppe von Millionären und Milliardären betrifft, die danach streben, Billionäre zu werden, sondern daß Teile des Establishments – die oberen Ränge des inneren Kreises – diese weitreichende moderne Sklaverei toleriert, ja sogar befürwortet haben.

Die Menschen erkennen, daß nicht nur die auffällig vielen Milliardäre waren, die diese Verbrechen vertuschten, sondern auch die Establishments in praktisch allen Regierungen des kollektiven Westens, indem sie jahrzehntelang keinerlei Ermittlungen durchführten.

Es ist wichtig zu verstehen, daß die Einstellung der Täter, die unzählige junge Frauen, Mädchen und Kinder sexuell mißbrauchten, dieselbe Einstellung ist wie die hinter der räuberischen Wirtschaftspolitik der internationalen Finanzinstitutionen, sowohl gegenüber den Entwicklungsländern als auch gegenüber den ärmeren Teilen der eigenen Gesellschaft, und daß dieselbe Einstellung auch für die skrupellose Profitgier im Militärisch-Industriellen Komplex verantwortlich ist, wo Profit gleichbedeutend mit Krieg und dem Töten von Millionen Menschen ist. Tatsächlich sind es oft ein und dieselben Personen, die in diesen verschiedenen Bereichen das Sagen haben.

Wenn man sich fragt, warum die Welt heute in einem so schrecklichen Zustand ist – mit offenem Völkermord, der Zerstörung der Gesundheitssysteme und der völligen Mißachtung menschlichen Lebens und menschlicher Werte –, dann muß man erkennen, daß all das auf die Einstellung dieser Milliardäre zurückzuführen ist, die Billionäre werden möchten.

Wenn man mit solch unglaublichen Greueltaten konfrontiert wird, gibt es zwei mögliche Reaktionen. Die eine ist, mit Verzweiflung zu reagieren und sich schließlich an eine Gesellschaft anzupassen, die nicht mehr menschlich ist. Oder man sagt, „Genug ist genug, eine Grenze hat Tyrannenmacht“, und beschließt, eine neue weltweite Renaissance zu schaffen.

Die Verfasserin hat „Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ verfaßt, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigen muß – nicht als endgültiger Wortlaut, sondern als Denkanstoß, wie eine solche neue Architektur geschaffen werden kann.1 Das Zehnte Prinzip lautet:

„Die Grundannahme des neuen Paradigmas ist, daß der Mensch grundsätzlich gut ist und fähig ist, die Kreativität seines Geistes und die Schönheit seiner Seele unendlich zu vervollkommnen, und daß er die am weitesten entwickelte geologische Kraft im Universum ist, was beweist, daß die Gesetzmäßigkeit des Geistes und die des physischen Universums in Übereinstimmung und Kohäsion stehen und daß alles Böse das Ergebnis eines Mangels an Entwicklung ist und daher überwunden werden kann.“

Derzeit entsteht eine neue Weltwirtschaftsordnung, an der die überwiegende Mehrheit der Länder des Globalen Südens beteiligt ist. Die europäischen Länder und die USA dürfen sich diesen Bemühungen nicht widersetzen, sondern müssen sich mit den Entwicklungsländern zusammenschließen und gemeinsam daran arbeiten, die nächste Epoche der Entwicklung der Menschheit zu einer Renaissance der höchsten und edelsten Ausdrucksformen der Kreativität zu gestalten!

Laßt uns daher eine internationale Bewegung von Weltbürgern ins Leben rufen, die gemeinsam daran arbeiten, die nächste Phase in der Evolution der Menschheit, eine neue Epoche, zu gestalten! Weltbürger aller Länder, vereinigt euch!

Es hat sich herausgestellt, daß die Vorstellung, daß der Mensch von Natur aus gut ist, sehr umstritten ist und von vielen Menschen angezweifelt wird. Aber der Mensch ist natürlich mit einem freien Willen ausgestattet und kann mindestens bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, ob er ein Mensch werden will, der sich selbst vervollkommnet, oder ob er sich bewußt für das Böse entscheidet.

Ich denke, daß es nur sehr wenige Menschen sind, die sich bewußt dafür entscheiden, böse zu sein und auf satanische Weise zu handeln. Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist gut, wenn man sie läßt, aber sie sind so sehr von den Lasten ihres Alltags niedergedrückt, daß sie weder die Zeit noch die Mittel haben, alle ihnen gegebenen Möglichkeiten zu entfalten.

Doch jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns angesichts des modernen Sklavensystems, das uns die Epstein-Klasse aufgezwungen hat, an die Ideen erinnern müssen, die Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell zum Ausdruck gebracht hat:

„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht! Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last – greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel, und holt herunter seine ew‘gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst. Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, wo Mensch dem Menschen gegenübersteht – zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben. Der Güter höchstes dürfen wir verteid‘gen gegen Gewalt. Wir steh‘n vor unser Land, wir steh‘n vor unsre Weiber, unsre Kinder!“

Genau die gleiche Idee findet sich in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:

„Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit. Um diese Rechte zu sichern, werden unter den Menschen Regierungen eingerichtet, die ihre gerechte Macht aus der Zustimmung der Regierten ableiten. Wenn eine Regierungsform diesen Zielen zuwiderläuft, hat das Volk das Recht, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solchen Grundsätzen beruht und deren Macht in einer Form organisiert ist, die ihm am ehesten geeignet erscheint, seine Sicherheit und sein Glück zu gewährleisten.“

Um eine solche Form des Oligarchentums zu besiegen, brauchen wir eine neue Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Der Schlüssel dazu ist das Konzept der ästhetischen Erziehung, das Friedrich Schiller entwickelt hat, als er sah, wie die Französische Revolution – die anfangs ein sehr hoffnungsvolles Unterfangen war und allen republikanischen Kreisen in Europa Hoffnung gab, das Beispiel der Amerikanischen Revolution könne in Europa wiederholt werden – durch den Jakobinerterror ruiniert wurde. Als Reaktion auf diese Erfahrung schrieb Schiller seine Ästhetischen Briefe und sagte: „Der große Moment findet ein kleines Geschlecht.“ Objektiv waren alle Voraussetzungen gegeben, aber subjektiv war das Volk zu kleingeistig. Er entwickelte die Ästhetische Erziehung als Methode zur Veredelung des Volkes, um sicherzustellen, daß nie wieder ein solches Scheitern kommen würde.

In den Briefen stellt er die Frage, woher die Veränderung kommen soll, wenn die Regierungen korrupt und verdorben sind und die Mehrheit der Menschen zu schwach und niedergedrückt ist, um die Veränderung herbeizuführen. Schiller beantwortete dieses Dilemma mit der Idee, daß die Veränderung nur durch Schönheit und klassische Kunst kommen kann, die den Menschen in seinen Momenten der Muße erhebt: Indem man immer wieder dem höchsten Ideal des Menschen ausgesetzt ist – wie es in den klassischen Kompositionen von Bach oder Beethoven zum Ausdruck kommt, in der Schönheit und den erhabenen Vorstellungen der Dramen von Shakespeare und Schiller, in der lyrischen Zärtlichkeit der Gedichte von Shelley und Heine, in dem hohen Maß an Selbstbewußtsein in den Gemälden von Rembrandt oder in dem erhebenden Geist der großen Kathedralen –, wird man zu einem besseren Menschen, vorausgesetzt, man nimmt die in diesen Werken zum Ausdruck kommende schöpferische Kraft zum Kompaß für die eigene Selbstvervollkommnung. Vor allem aber braucht es das Gefühl der Agapē, der selbstlosen Liebe zur Menschheit, sowohl als Leitstern für unser gesamtes Leben als auch als konkrete Orientierung in der Haltung gegenüber unseren Mitmenschen.

Schiller entwickelte von allen Dichtern und Philosophen das edelste Menschenbild, indem er die Idee definierte, daß jeder Mensch das Potential hat, eine schöne Seele zu werden – ein Mensch, für den Freiheit und Notwendigkeit, Leidenschaft und Pflicht eins sind und der seine Gefühle so weit geschult hat, daß er ihnen blind vertrauen kann, weil sie ihm niemals etwas anderes raten werden als das, was die Vernunft gebietet.

Der einzige Mensch, der diese Bedingung erfüllt, ist das Genie, denn nur das Genie verändert die Gesetze auf gesetzmäßige Art und Weise, indem es neue Freiheitsgrade und neue Konzepte in Wissenschaft und Kunst schafft.

Wir brauchen jetzt eine Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Sie müssen in einen Dialog der Zivilisationen treten, in dem diese durch das Kennenlernen der Schönheit und der Wunder von Poesie, Musik, Malerei und aller anderen Kunstformen der anderen Zivilisationen – durch die Entdeckung neuer Dimensionen der Architektur unseres Universums – sich gegenseitig inspirieren und durch den Dialog untereinander etwas noch Schöneres als alle bestehenden Kulturen und Zivilisationen schaffen werden.

Wir veröffentlichen diesen Bericht, um der Bevölkerung zu zeigen, wie ein und dieselbe Denkweise private Verbrechen, kriminelle Geschäftsmethoden und Kriegspolitik motiviert. Aber diese können wir nur besiegen, wenn wir die schöne Vision dessen aufrichten, was Menschen erreichen können, indem sie sich in dem Bestreben vereinen, die Menschenwürde zu retten.

Wenn wir uns als internationale Bewegung von Weltbürgern um dieses Konzept vereinen, dann werden wir in wenigen Jahren auf das obszöne Spektakel der Epstein-Klasse als letzte Phase des oligarchischen Systems zurückblicken können – als das letzte beschämende Kapitel einer Zeit, in der sich Menschen noch nicht wie Menschen verhalten haben. Wir werden bewiesen haben, wie solche Unmoral durch Entwicklung überwunden werden kann.

Schließen Sie sich also unserer Bewegung der Weltbürger an, und lassen Sie uns freudig und entschlossen eine neue, schönere Ära der Menschheit schaffen, die dem gerecht wird, was die menschliche Gattung wirklich ist – nämlich die einzige kreative Gattung, die bisher im Universum bekannt ist.

Anmerkung

  1. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur,
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.

Nach dem US-Angriff auf den Iran: Hat der Dritte Weltkrieg schon begonnen?

von Helga Zepp-LaRouche

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts eröffnete das Online-Krisenforum am 2. März mit den folgenden Bemerkungen. (Übersetzung aus dem Englischen.)

Sehr geehrte Damen und Herren, Weltbürger aus vielen Ländern, ich heiße Sie herzlich willkommen. Wir treffen uns hier in einem Moment, der wahrscheinlich der schwerwiegendste in der Weltgeschichte ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat. Mit dem unprovozierten Angriff der Vereinigten Staaten auf die Republik Iran sind wir nun in eine Eskalationsspirale geraten, die innerhalb kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg eskalieren könnte.

Es ist daher dringend erforderlich, daß alle Bürger guten Willens mobilisieren, um ihre Regierungen und Parlamente in allen Ländern der Welt aufzufordern, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen und zur Diplomatie zurückzukehren.

Laut einem Bericht von Reuters teilte das Pentagon dem US-Kongreß kurz vor dem Angriff mit, es gebe keine Anzeichen dafür, daß der Iran die Vereinigten Staaten zuerst angreifen werde. Es handelte sich also um einen Angriffskrieg. Mit dem Angriff auf den Iran und der Ermordung des Obersten Führers Ajatollah Chamenei – der nun zum Märtyrer erklärt wurde – kam diese Tötung der Ermordung des höchsten Führers des Christentums, des Papstes, gleich. Wir befinden uns nun in einer Dynamik, die zu einer Eskalation führen könnte, die, wenn sie nicht gestoppt wird, das Ende der Zivilisation in einem globalen Atomkrieg bedeuten würde, gefolgt von einem nuklearen Winter, in dem alles Leben auf der Erde ausgelöscht würde.

Wir schließen uns daher dem Appell von Papst Leo XIV. an, seinem Aufruf an die Welt, an alle Nationen, sich ihrer moralischen Verantwortung für die Suche nach Frieden zu erinnern. Der Papst sagte nach seinem jüngsten Sonntags-Angelus: „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen erreichen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog. Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie von enormem Ausmaß richte ich einen eindringlichen Appell an die beteiligten Parteien, die moralische Verantwortung zu übernehmen, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwindbaren Abgrund wird. Möge die Diplomatie ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker gefördert werden, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnen. Und beten wir weiterhin für den Frieden“, so der Papst.1

Der Angriff der USA auf den Iran ist eine Wiederholung des Angriffs der USA auf den Irak im Jahr 2003, wo nun durch die Aussagen aktiver Beteiligter zu 100% belegt ist, daß alle verantwortlichen US-Beamten im Voraus wußten, daß Saddam Hussein weder über Massenvernichtungswaffen verfügte noch eine Bedrohung für andere Länder darstellte. Es handelte sich um einen vorsätzlichen, mutwilligen Massenmord. Ebenso basierte der Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran im Juni 2025 auf Lügen, daß der Iran angeblich innerhalb weniger Tage über Atomwaffen verfügen werde, wobei die Fatwa des obersten religiösen Führers Chamenei ignoriert wurde, daß das Ziel, Atomwaffen zu besitzen, im Widerspruch zum islamischen Recht stehe und daher nicht verfolgt werde.

Bei ihrem jüngsten Angriff gaben die Vereinigten Staaten wieder vor, in Genf mit dem Iran zu verhandeln, während sie einen Angriff vorbereiteten, den Trump Quellen zufolge bereits viele Tage zuvor beschlossen hatte. Verschiedenen Berichten zufolge, darunter einem des Analysten John Helmer, hatte der Iran in den Verhandlungen den Bedingungen für die Urananreicherung zugestimmt und wahrscheinlich auch zugestimmt, die Hisbollah, die Iraker und die Huthis nicht mehr zu unterstützen. Offenbar war es für den Iran inakzeptabel, sein Raketenprogramm aufzugeben, das er offensichtlich als entscheidend für seine Selbstverteidigung ansah.

Diesen Quellen zufolge warnte General Daniel Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Präsident Trump, ein konventioneller Angriff auf den Iran und auf die Nuklearanlagen und Raketenvorräte werde nicht erfolgreich sein, und riet daher zu einem „Balanceakt”.

Unterdessen ist die Meldung eingetroffen, daß die kürzlich vom Pentagon durchgeführte Krisensimulation „2035 Overmatch Brief” Quellen zufolge gezeigt hat, daß chinesische Hyperschallraketen den US-Flugzeugträger USS General Ford versenken könnten. Und das französische Magazin Journal du Dimanche berichtete laut anderen Kontakten, daß die Chinesen diese CM-302-Raketen an den Iran geliefert haben. Die Frage sei, ob die Chinesen auch den Schlüssel zu deren Einsatz lieferten. Andere Quellen berichten, die Iraner hätten elektronische Störgeräte erhalten, um den Start amerikanischer F-35-Kampfflugzeuge vom Flugzeugträger zu verhindern.

Nun berichten auch viele Analysten, die mit den militärischen Aspekten der Ereignisse bestens vertraut sind, daß die Bestände an US-Abfangraketen nur für etwa ein bis zwei Wochen reichen – während Präsident Trump nun angekündigt hat, daß dieser Krieg etwa vier Wochen dauern wird – und daß die amerikanischen Munitionsvorräte wegen der massiven Waffenlieferungen an Israel zur Zerstörung Gazas sowie an die Ukraine auf einen sehr kurzen Zeitraum, vielleicht ein bis zwei Wochen, geschrumpft sind.

Es wird auch berichtet, daß offenbar bei den jüngsten Treffen von Ministerpräsident Netanjahu mit Trump in Miami mitgeteilt wurde, Israel betrachte die iranischen Raketen als existenzielle Bedrohung und habe keine andere Wahl, als anzugreifen und dagegen Atomwaffen einzusetzen, unabhängig davon, ob die USA damit einverstanden sind oder nicht.

Natürlich sind sich Rußland und China all dessen sehr bewußt. Wenn Israel Atomwaffen gegen den Iran einsetzt, werden Rußland und China dann tatenlos zusehen können, wie eines ihrer BRICS-Länder zerstört wird?

Die Vorgeschichte
Machen wir einen Schritt zurück und betrachten, wie es zu dieser Situation gekommen ist.

Ich denke, wir müssen bis ins Jahr 1991 zurückgehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges erkannten die Vereinigten Staaten – und das ist erst 35 Jahre her – und alle anderen, daß es eine realistische Möglichkeit für eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert gab. Und viele Menschen – Hans-Friedrich Genscher, Gorbatschow, Jack Matlock und viele andere – haben darüber gesprochen. Sie erkannten, daß es eine Chance für eine neue Friedensordnung gab. Die Menschen sprachen von einem „gemeinsamen europäischen Haus“, einer Sicherheitsordnung von Wladiwostok bis Lissabon. Es war sogar die Rede davon, daß Rußland der NATO beitreten könnte, da es plötzlich keinen Feind mehr gab.

Aber diese historische Chance, eine dauerhafte Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen, wurde verpaßt, weil die Neokonservativen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien beschlossen, eine unipolare Welt auf der Grundlage der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zu schaffen, wobei sie das Britische Empire als Vorbild nahmen. Dies ging einher mit Farbrevolutionen, der sechsmalige Osterweiterung der NATO – entgegen dem Versprechen, „keinen Zentimeter“ nach Osten vorzustoßen –, Regimewechsel in vielen Ländern und den berüchtigten Interventionskriegen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usw.

All diese Versuche resultierten in einem dramatischen Rückschlag; die Länder des Globalen Südens, die heute eine Globale Mehrheit von 85% der Menschheit repräsentieren, beschlossen, ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zu behaupten und durchzusetzen. Dies wurde im wesentlichen durch den Aufstieg Chinas und durch Bemühungen wie die Gürtel- und Straßen-Initiative und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ermöglicht, die versuchen, ein neues Wirtschaftssystem zu schaffen.

Die jüngsten Sicherheitsdoktrinen der Vereinigten Staaten, wie die Nationale Sicherheitsstrategie und andere US-Doktrinen, lassen keinen Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten auch in der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung beabsichtigen, die dominierende Kraft in der Welt zu sein, und offensichtlich entschlossen sind, diese Bemühungen um die Schaffung eines Systems der gleichberechtigten Partnerschaft für alle zunichte zu machen.

Das Erstaunliche ist, daß die europäische „Koalition der Willigen“ – Großbritannien, Frankreich und Deutschland – nun nicht den Angriff der USA auf den Iran kritisiert, einen unprovozierten Akt der Aggression, der einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt, sondern sie behaupten, man müsse die Vergeltungsmaßnahmen des Iran gegen US-Stützpunkte in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens verurteilen. Sie behaupten sogar, in solchen Situationen könne nicht immer das Völkerrecht anwenden. Damit stehen sie sogar im Widerspruch zu den Demokraten in den USA, die Trumps Angriff scharf verurteilen. Haben diese drei europäischen Regierungen ihren moralischen Kompaß verloren, wenn sie argumentieren, in diesem Fall könne das Völkerrecht außer acht gelassen werden?

Der Kurs muß geändert werden!
Sagen wir es ganz klar: Wir befinden uns möglicherweise bereits mitten im Dritten Weltkrieg und müssen daher dringend den Kurs umkehren und zur Diplomatie zurückkehren. Das ist es, was wir tun müssen! Ich bitte daher die Teilnehmer dieser Konferenz – also Sie alle –, einen dringenden Appell an alle Regierungen, Parlamente, den UN-Sicherheitsrat und die UN-Generalversammlung zu richten, zum Völkerrecht und zur Diplomatie zurückzukehren. Diese Rückkehr zur Diplomatie muß im Geiste des Westfälischen Friedens erfolgen, der zustande kam, weil die Kriegsparteien erkannten, daß niemand mehr einen Sieg genießen könnte, wenn sie den Krieg fortsetzen, weil alle tot wären.

Gilt das nicht auch heute, im Zeitalter der thermonuklearen Waffen, wo niemand mehr am Leben sein wird, wenn es so weitergeht? Wir stehen daher vor einer Bewährungsprobe für die Menschheit. Sind wir moralisch fähig zu überleben? Wir müssen die dringende Notwendigkeit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf diesem Planeten berücksichtigt.

Ich habe Zehn Prinzipien verfaßt,2 in denen ich darlege, worum es bei solchen Verhandlungen gehen muß. Dazu gehört dringend eine geordnete Neuordnung des völlig bankrotten Weltfinanzsystems, wie mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche in dem Videoclip, den Sie zu Beginn gesehen haben, gewarnt hat.

Laßt uns daher das schönste Menschenbild hervorrufen, das jeder von uns in sich trägt und an das er jemals gedacht hat, um mit Mut und Liebe für die Menschheit zu handeln! Fordern wir die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und verantwortungsbewußt zu handeln, denn unsere Existenz als Menschheit steht auf dem Spiel. Vielen Dank.

Anmerkungen

  1. Angelus, Papst Leo XIV., Petersplatz am 01.03.2026, Website des Vatikans.
  2. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.


Austritt aus der NATO! Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA erfordert neue Sicherheitsarchitektur

Die folgende Erklärung wurde vom Schiller-Institut zur sofortigen internationalen Verbreitung veröffentlicht. Sie wurde als Aufruf zum Handeln in diesen Zeiten des Wandels und neuer strategischer Möglichkeiten verfasst, und Einzelpersonen werden aufgefordert, sich ihr anzuschließen. Darüber hinaus werden Webseitenbetreiber und Zeitschriften aufgefordert, diesen Artikel ganz oder teilweise unter Angabe der Quelle „Schiller-Institut“ zu veröffentlichen.

Von Helga Zepp-LaRouche, 8. Dezember 2025

Obwohl die kürzlich veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) der USA von einigen führenden Kreisen in Europa mit einer Mischung aus Zähneknirschen, Wutanfällen und Verzweiflung aufgenommen wurde, sollte sie unter den gegebenen Umständen als nützlicher Auslöser einer längst überfälligen Krise betrachtet werden. Sie stellt einen Bruch mit der Sicherheitsdoktrin der Biden-Regierung hinsichtlich der Führungsrolle der USA in einer unipolaren Weltordnung zugunsten einer ausgewogeneren Politik gegenüber Russland dar. Gleichzeitig befürwortet sie jedoch die zum Scheitern verurteilte Strategie, China einzudämmen und insbesondere seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern des Globalen Südens, vor allem in der westlichen Hemisphäre, zu unterbinden. Angesichts der heutigen Bedingungen einer finanziellen Kernschmelze des transatlantischen Systems hat das neue Dokument die Möglichkeit geschaffen, die eigenen Sicherheitsinteressen rational neu zu bewerten und die internationale Sicherheitsarchitektur neu zu gestalten.

Das Dokument verbietet ausdrücklich die weitere Expansion der NATO – damit ist ein Beitritt der Ukraine zur NATO faktisch vom Tisch, da die sogenannte „Koalition der Willigen“ eine solche Mitgliedschaft gegen den Willen der USA nicht durchsetzen kann. Damit ist im Prinzip auch das Konzept einer „Globalen NATO“ beendet, ebenso wie die diesbezügliche „Interoperabilität“ der EU mit dieser Globalen NATO natürlich entfällt.

Anstatt sich nur darüber zu echauffieren, daß man keinen „Rat von außen“ benötige, so Außenminister Wadephul, sollten die Europäer lieber den zugegebenermaßen unsanften Weckruf des NSS-Papiers ernst nehmen, daß der europäische Kontinent in 20 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein werde, wenn sich die gegenwärtigen Trends des wirtschaftlichen Niedergangs fortsetzen. Es warnt sogar vor einer „zivilisatorischen Auslöschung“.

Der größte Fehler, den wir in Europa jetzt machen könnten, wäre eine arrogante Zurückweisung dieser Warnung, indem wir sie nur als weiteren Beweis der Unberechenbarkeit von Präsident Trump abqualifizieren. Denn die „zivilisatorische Auslöschung“ Europas droht nicht nur bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik – massive Austerität in allen sozialen Bereichen zugunsten einer gewissenlosen Rüstungsindustrie -, diese Auslöschung droht sogar kurzfristiger bei dem absolut ebenso verantwortungslosen wie aussichtslosen Versuch, Rußland eine „strategische Niederlage“ beizufügen.

Die neue US-NSS bietet die dringend benötigte Gelegenheit, aus der NATO auszutreten, denn diese verfolgt eine Strategie, die mit den fundamentalen Sicherheitsinteressen Deutschlands schon seit geraumer Zeit nicht mehr übereinstimmt. Die NATO hat sich seit dem Ende des Kalten Krieges, als sie sich eigentlich genauso wie der Warschauer Pakt 1991 zugunsten einer damals absolut möglichen Friedensordnung für das 21. Jahrhundert hätte auflösen müssen, von einem vormals defensiven Verteidigungsbündnis in eine offensive Allianz verwandelt.

Das Faß zum Überlaufen brachte nun eine Ankündigung des ranghöchsten NATO-Militärs, dem Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses Admiral Giuseppe Cavo Dragone, als er in einem Interview eine „aggressivere Reaktion der NATO auf den Krieg in der Ukraine“ forderte. Denkbar sei auch ein „Präventivschlag“ der NATO gegen Rußland, der natürlich als „Verteidigungsmaßnahme“ zu verstehen sei. George Orwell läßt grüßen: „Angriff ist Verteidigung, Krieg ist Frieden!“

Präsident Putin antwortete mit unmißverständlicher Deutlichkeit: Rußland habe keinerlei Absicht, einen Krieg mit Europa zu beginnen; das habe er bereits hunderte Male betont. Sollte Europa allerdings selbst einen solchen Krieg auslösen, sei Rußland „sofort bereit“, und ein solcher Konflikt würde sehr schnell zugunsten Rußlands beendet, anders als bei dem „chirurgischen“ Vorgehen in der Ukraine. Noch direkter war der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow in einem Interview mit Eva Peli am 30. Oktober in Moskau, in dem er konstatierte, wenn es in Europa zu einem großen Krieg kommt, werde Europa aufhören zu existieren.

Während zwischen der amerikanischen und der russischen Regierung ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, den Krieg in der Ukraine auf dem Verhandlungsweg zu beenden, setzt die europäische „Koalition der Willigen“, bestehend aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, den baltischen Staaten und der EU-Kommission, weiterhin darauf, Rußland eine „strategische Niederlage“ zuzufügen. Es muß jedem denkenden Menschen klar sein, daß dies gegenüber der inzwischen stärksten Nuklearmacht der Welt unmöglich ist, wenn man nicht zugleich das Ende der Menschheit in Kauf nehmen will.

Der ungarische Außenminister Szijjarto beschuldigt diese europäischen Kräfte nach dem jüngsten Treffen der NATO-Außenminister in Brüssel, sie versuchten, die Friedensbemühungen zu verhindern und Europa in einen Krieg mit Rußland hineinzuziehen. Der ungarische Ministerpräsident Orban warnte am Samstag in Kecskemet sogar, europäische Spitzenpolitiker hätten bereits beschlossen, gegen Rußland in den Krieg zu ziehen. Eine große ungarische Delegation werde in den kommenden Tagen Moskau besuchen.

Ungeachtet der Tatsache, daß man in Deutschland bei jeder Aussage über den Ukraine-Krieg das Mantra wiederholen muß, es handle sich um einen „unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins“, wenn man nicht als dessen Marionette bezeichnet werden will, besteht überall in den Staaten des Globalen Südens und unter amerikanischen Experten wie Jeffrey Sachs, John Mearsheimer, Ray McGovern, Chas Freeman und vielen anderen mehr die uneingeschränkte Auffassung, daß es die fünffache Ostausdehnung der NATO um 1000 km war – entgegen dem Versprechen am Ende des Kalten Krieges, die NATO „keinen Zoll“ nach Osten auszudehnen -, die den Krieg ausgelöst hat. Anfang 2022 war mit offensiven Waffensystemen in der Nähe der russischen Grenze faktisch eine umgekehrte Kuba-Krise entstanden, und Putins Appelle nach rechtlich bindenden Sicherheitsgarantien wurden schlichtweg ignoriert.

Der Krieg hätte schon im März 2022 mit dem Istanbul-Abkommen zwischen Putin und Selenskyj zu Ende kommen können, was bekanntermaßen von Boris Johnson sabotiert wurde. Jetzt nach fast vier Jahren zermürbendem Krieg und dem Verlust von Millionen Menschen ist nicht mehr zu leugnen, was der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Harald Kujat, mehrfach betont hat: daß die Ukraine zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen sei, die strategische Lage zu wenden – und jetzt schon gar nicht, wo ganze Frontabschnitte zusammenbrechen, Frontsoldaten und zwangsrekrutierte Ukrainer scharenweise desertieren und international Militärexperten darüber offen diskutieren, daß der Krieg verloren ist. Wenn der ranghöchste NATO-Offizier jetzt von Präventivschlägen spricht, ist dies im höchsten Maße verantwortungslos und kommt einem Aufruf zum kollektiven Selbstmord gleich.

In den beinahe vier Jahren, in denen dieser Zermürbungskrieg stattfindet, haben weder die EU-Kommission noch die europäischen Staatschefs auch nur ein einziges Mal den Versuch unternommen, den Krieg auf dem Verhandlungsweg zu beenden. Im Gegenteil, als eine diplomatische Lösung zwischen Putin und Selenskyj im März 2022 mit der Istanbul-Vereinbarung praktisch schon vereinbart war, haben Europa, und damals natürlich Biden, kommentarlos zugesehen, wie diese Chance von Boris Johnson hintertrieben wurde. Und jetzt, wo die berechtigte Aussicht besteht, daß der Krieg von Trump und Putin beendet und das Verhältnis zwischen den beiden größten Atommächten normalisiert werden kann, redet die NATO von Präventivschlägen!

Die NATO ist kein atlantisches Verteidigungsbündnis mehr, sondern versteht sich als militärischer Arm, um die nach dem Ende des Kalten Krieges angestrebte unipolare Weltordnung zu verteidigen. Doch diese ist längst abgelöst durch die Partnerschaft zwischen den Staaten des Globalen Südens, die sich nicht länger den imperialen und kolonialen Strukturen des kollektiven Westens unterwerfen wollen, sondern mit ihren Organisationen BRICS und SCO eine neue Weltwirtschaftsordnung bauen, die auf Souveränität und gegenseitige gleichberechtigte Entwicklung aufgebaut ist. Wir dürfen diese neue Weltordnung, die 500 Jahre Kolonialzeit zu Ende bringt und es den Nationen der Globalen Mehrheit zum ersten Mal erlaubt, Armut und Unterentwicklung zu überwinden, nicht bekämpfen, sondern wir müssen mit diesen Staaten kooperieren und damit ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufschlagen!

In diesen Zeiten eines epochalen Wandels haben mehrere regionale Krisen das Potential, zu einem großen Krieg zu eskalieren. Zu der nach wie vor andauernden Katastrophe im Nahen Osten ist seit kurzem noch eine neue, hochgradig gefährliche Eskalation zwischen Japan und China dazugekommen. Nachdem jetzt Premierministerin Takaichi die völkerrechtlich unbestreitbare Ein-China-Politik in Frage und sogar eine militärische Intervention Japans in Taiwan in den Raum gestellt hat, wächst im gesamten indopazifischen Raum die Sorge vor dem erneut erwachten Militarismus in Japan, der dem in Europa ganz genau gleicht und die furchtbarsten Erinnerungen an das gemeinsame Vorgehen der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg wachruft, das 27 Millionen Tote in der Sowjetunion und 35 Millionen Tote in China zu verantworten hat.

Wenn wir auch nur irgendetwas aus den beiden Weltkriegen gelernt haben, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, da anzuknüpfen, wo wir am Ende des Kalten Krieges die falsche Abzweigung genommen haben.

Damals gab es keinen Gegner mehr, man hätte also sehr einfach eine neue internationale Friedensordnung errichten können. Heute, 35 Jahre später, ist der völlige Irrtum der ebenso arroganten wie kurzlebigen Prognose des „Endes der Geschichte“ unübersehbar, ebenso wie der enorme Bumerangeffekt, den der Versuch hatte, eine unipolare Weltordnung zu errichten.

Deutschland muß seinen Austritt aus der NATO bekanntmachen und gleichzeitig eine neue Konferenz in der Tradition des Westfälischen Friedens einberufen, bei der eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur erarbeitet wird, die die Interessen einer jeden Nation auf diesem Planeten berücksichtigen muß.

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat mit seiner Globalen Governance-Initiative bereits einen ähnlichen Ansatz vorgeschlagen. Ebenso hat Präsident Putin die Idee einer eurasischen Sicherheitsarchitektur ins Gespräch gebracht. Hoffnung gibt auch, daß in Deutschland junge Menschen an einem Schulstreik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht teilnehmen, weil sie weder Lust haben, in einem Krieg als Kanonenfutter zu dienen, noch auf Menschen in fremden Ländern zu schießen.

Wir sind an einem Punkt in der Universalgeschichte der Menschheit angekommen, an dem wir nicht nur ein halbes Jahrtausend Kolonialismus hinter uns lassen müssen, sondern auch die Geisteshaltung, der wir zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert zu verdanken haben: die Geopolitik. Wir müssen die barbarische Vorstellung, wir bräuchten immer einen Feind und der Mensch sei des Menschen Wolf, wie Thomas Hobbes als Ideologe des Britischen Empire behauptete, ein für alle Mal hinter uns lassen. Genau dieses barbarische Menschenbild kommt in dem Werbevideo der NATO From Foresight to Warfight zum Ausdruck, in dem es heißt: „Krieg wird immer eine wesentliche menschliche Bestrebung bleiben, die Manipulation der Emotionen und des Verständnisses wird genauso wichtig wie die militärische Verhinderung des Zugangs zu unseren Territorien, der menschliche Geist an sich wird das eigentliche Schlachtfeld sein…“

Wer dieses Video anschaut und nicht dieser kranken Weltanschauung eine Absage erteilen will, der hat den Kampf um seinen eigenen Geist bereits verloren. Wir sind die einzige bekannte Gattung im Universum, die mit kreativer Vernunft ausgestattet ist, und die gilt es jetzt einzusetzen, indem wir die Idee der einen Menschheit voranstellen, wenn wir uns eine neue Ordnung geben.

zepp-larouche@eir.de


Offener Brief von Helga Zepp-LaRouche: „Cusas Denken aufgreifen und eine neue Renaissance für unsere heutige Welt einleiten“

Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hat den folgenden offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Vertreter aller Religionen und Kulturen weltweit dazu aufruft, einen Dialog zur Lösung der strategischen Krisen der Menschheit zu beginnen, inspiriert von Nikolaus von Kues’ Methode des „Zusammenfalls der Gegensätze“, wie sie kürzlich von Papst Leo XIV. in seiner Ansprache vor Pilgern auf dem Petersplatz am 25. Oktober betont wurde. Relevante Dokumentationsmaterialien finden Sie weiter unten.

Sehr geehrte Damen und Herren!

In der heutigen Welt, die von Kriegsgefahr, geopolitischen Spannungen, Hungersnöten, Armut und kulturellen Krisen geprägt ist, kam eine der wichtigsten und ermutigendsten Interventionen von Papst Leo XIV. in seiner Jubiläumsaudienz am 25. Oktober 2025 vor Zehntausenden von Pilgern. Der Heilige Vater stellte in seiner Predigt Nikolaus von Kues, den Kardinal und herausragenden Denker des 15. Jahrhunderts, als jemanden vor, dessen Denkweise es dem Menschen ermöglicht, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu sehen und einen Weg zu finden, selbst die schwierigsten Probleme zu lösen.

Der ausführliche Verweis des Papstes auf Nikolaus von Kues und dessen Konzept der „coincidentia oppositorum“, des Zusammenfalls der Gegensätze, ist von höchster strategischer Bedeutung, da es den Schlüssel dazu liefert, für jedes Problem stets eine Lösung auf einer höheren Ebene zu finden als der, auf der das Problem entstanden ist. Cusa entwickelte in seiner „De Docta Ignorantia“ und anderen Schriften das Argument, dass der Mensch als „imago viva dei“, als lebendiges Abbild Gottes, immer seine schöpferischen Kräfte („vis creativa“) nutzen kann, um das höhere „Eine“ zu finden, das von größerer Kraft und Größe ist als das „Viele“. Diese Denkweise ermöglicht es dem menschlichen Verstand, zuerst an die Einheit der Menschheit zu denken und dann an deren Vielfalt, um auf diese Weise ansonsten scheinbar unlösbare Konflikte zu überwinden.

Der Papst erklärte, dass Nikolaus in den unruhigen Zeiten des 15. Jahrhunderts weder die Einheit der Kirche noch die Aussicht auf Frieden in einer Zeit sehen konnte, in der das Christentum von äußeren Kräften bedroht war. Aber Nikolaus verstand, dass „es Gegensätze gibt, die zusammengehalten werden müssen, und dass Gott ein Geheimnis ist, in dem alles, was in Spannung steht, seine Einheit findet… Welch großes Geschenk für die Kirche!“, sagte der Papst. „Welche Einladung zur Erneuerung des Herzens!“ Von Nikolaus, so fuhr er fort, könne die Kirche lernen, Raum zu schaffen, Gegensätze miteinander versöhnen und auf das zu hoffen, was noch nicht sichtbar ist.

Wir möchten Sie auf diese äußerst wichtige Intervention von Papst Leo XIV. aufmerksam machen, da sie einen neuen Ansatz für die oben genannten Herausforderungen bietet. Seit Jahrzehnten haben mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche, das Schiller-Institut und ich diesen Ansatz von Cusa stets gefördert, ein Umstand, den der amerikanische Pater Harry Bury kürzlich in einer wichtigen Stellungnahme hervorgehoben hat.

Das Schiller-Institut möchte Sie einladen, einen Dialog zwischen Vertretern verschiedener Religionen, aber auch zwischen Wissenschaftlern, Denkfabriken und generell Menschen guten Willens zu beginnen, um Cusas Methode des Zusammenfalls der Gegensätze auf die dringenden Probleme der gegenwärtigen Situation anzuwenden. So wie Nikolaus von Kues der wichtigste intellektuelle Einfluss für die Goldene Renaissance des 15. Jahrhunderts war, können wir sein Denken aufgreifen und eine neue Renaissance für unsere heutige Welt einleiten.

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin, Schiller-Institut

5. November 2025


Zepp-LaRouche: „Eine neue internationale Jugendbewegung ist dringender denn je“

Im Mittelpunkt des zweiten Tages der Pariser Konferenz des Schiller-Instituts und der französischen Partei Solidarité et Progrès am 8. und 9. November stand der Aufbau einer internationalen Jugendbewegung, die sich um die bahnbrechenden Ideen von Lyndon LaRouche herum organisiert. Die intensive, ganztägige Kaderschule war „für die Jungen und die Motiviertesten unter euch“ konzipiert, wie es in der Einladung hieß. Es ging um Fragen wie: Was ist physische Wirtschaft und warum sollten wir sie studieren und lehren? Was bedeutet eine Kultur des Lebens und der Entdeckung? Wie können wir es jedem Menschen ermöglichen, seine Kreativität zu entwickeln und sie als Werkzeug für das Gemeinwohl einzusetzen? Wie könnte eine Kultur der Schönheit und Wahrheit aussehen?

Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hatte am Samstag zu Beginn des dritten Panels zum Thema „Jugend aus aller Welt für Frieden und gegenseitige Entwicklung“ die Herausforderung so formuliert:

„Ich denke, die Notwendigkeit, eine neue internationale Jugendbewegung zu schaffen, ist dringender denn je. Denn es ist ganz klar, dass wir im Hinblick auf den langen Bogen der Geschichte einen Punkt erreicht haben, an dem Historiker – wenn wir diese Zeit überstehen – zurückblicken und sagen werden, dass in dieser außergewöhnlichen Zeit die Entscheidung getroffen werden musste, entweder das System zu ändern oder nicht zu überleben. Denn noch nie zuvor in der Geschichte gab es eine Situation, in der die gesamte Zivilisation auf dem Spiel stand.“

Sie betonte das zentrale strategische Problem: „Solange wir diese geopolitische Konfrontation zwischen der NATO auf der einen Seite und Russland, China und möglicherweise anderen Ländern wie dem Iran und Nordkorea auf der anderen Seite aufrechterhalten, sitzen wir auf einem Pulverfass.“ Das könne die Welt an den Rand eines Atomkrieges bringen.

Sie fuhr fort: „Aber wenn man die Welt als Ganzes betrachtet, dann will man keinen geopolitischen Wettbewerb um Einfluss in Afrika zwischen dem Westen und China. Es ist genau das, was man nicht will. Was man will, ist ein kooperativer Ansatz, einschließlich gleichberechtigter Partner aus afrikanischen Nationen.

Gegen die Krise bieten „wir einen Plan an, mit dem wir eine internationale Jugendbewegung in Afrika und in so vielen Ländern wie möglich aufbauen wollen. Wir wollen überall, wo es möglich ist, Jugendbewegungen aufbauen – in Asien, in Lateinamerika… Dann werden wir diesen Plan für die Industrialisierung Afrikas und natürlich auch Lateinamerikas perfektionieren. Und dann gehen wir zur Industrie [im Westen] und sagen ihr, dass das die Optionen sind, in die sie investieren sollten.“

Zepp-LaRouche betonte, ein solcher Ansatz liege sowohl im Interesse des Westens als auch dem der Globalen Mehrheit: „Wenn Europa die Entscheidung treffen würde, Afrika zu industrialisieren, zusammen mit China und vielleicht Russland, Indien, Indonesien, Japan und Brasilien, dann kann es gelingen. Wir könnten den Kurs sehr schnell ändern.“

Sie schloss: „Das also ist meine Herausforderung an Sie und euch: Schließt euch jetzt sofort dieser Bewegung an und entscheidet euch, ein Teil davon zu sein.“


Die Notwendigkeit der Vision der Weltgemeinschaft, von Helga Zepp-LaRouche

Rede von Helga Zepp-LaRouche beim Kulturforum in Beijing

Die Weltgeschichte hat im Sinne der Dramentheorie Friedrich Schillers einen „punctum saliens“ erreicht, an dem gewissermaßen alle bisherigen Tendenzen an einen Punkt der Entscheidung gekommen sind: Hat die Menschheit, die dank thermonuklearer Waffen zum ersten Mal das Potential hat, sich und alles Leben auf der Welt auszulöschen, und die dank Internet zum ersten Mal einen nun seit 22 Monaten andauernden Genozid jeden Tag live miterleben kann, die moralische Fähigkeit zu überleben?

Es ist jedenfalls offensichtlich, daß die alte Weltordnung, so wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges herausgebildet hat, und mit ihr das Völkerrecht zerbrochen ist. Selbst die UN, deren Charta das wichtigste Dokument der Völkergemeinschaft ist und bleibt, ist dringend reformbedürftig, weil sie sich in ihrer gegenwärtigen Konstitution als unfähig erwiesen hat, auf Kriegsgefahr und Genozid adäquat zu reagieren.

Nun hat Präsident Xi Jinping mit seiner Idee der Zukunftsgemeinschaft der Menschheit und den vier Globalen Initiativen – die Globale Entwicklungsinitiative (GDI), die Globale Sicherheitsinitiative (GSI), die Globale Zivilisationsinitiative (GCI) und nun die Globale Governanz-Initiative (GGI) – ein Konzept vorgelegt, das ganz eindeutig die nächste Phase der menschheitsgeschichtlichen Evolution definiert.

Dieses Konzept hat mit dem Entstehen einer neuen Weltordnung durch die BRICS, die BRI und vor allem auf der Konferenz der SCO in Tianjin Gestalt angenommen und für die Globale Mehrheit der Menschheit eine ungeheuer optimistische Perspektive eröffnet, die 500jährige Epoche des Kolonialismus endgültig zu überwinden. Die chinesisch-russische Partnerschaft ist der Felsen, auf den die neue Weltordnung gebaut ist. Die Überwindung von Spannungen zwischen China und Indien, zwei Wiegen der Menschheit, die zusammen bereits 35% der Weltbevölkerung repräsentieren, ist der Wegweiser für den positiven Wandel zwischen allen Nationen, deren Beziehung durch Manipulationen aus der Kolonialzeit belastet sind.

Der tektonische Umbruch, der mit der Herausbildung einer neuen Weltordnung stattfindet, die auf der Tradition der fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz und der Blockfreien Bewegung gegründet ist und jetzt mit den vier Initiativen Xi Jinpings fortgesetzt wird, schafft offensichtlich die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden in der Welt. Die Attraktivität dieses Modells, das allen Nationen wirtschaftlichen Fortschritt und kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten bietet, reflektiert sich in der wachsenden Anzahl von Nationen des Globalen Südens, die sich als aktive und gleichberechtigte Teilnehmer verstehen. Wenn es nur diese Dynamik gäbe, stünde die Menschheit vor einer glänzenden, ungetrübten Zukunft.

Es wird aber alles darauf ankommen, einen Weg zu finden, wie die Nationen des vormals „kollektiven Westens“, der seit des Beginns der 2. Amtszeit Präsident Trumps, nicht mehr kollektiv ist, für die Kooperation mit der neuen entstehenden Weltordnung gewonnen werden können. Die Tatsache, daß es einer „Koalition der Willigen“ bedarf, die die Entscheidung im Konflikt um die Ukraine auf dem Schlachtfeld erzwingen wollen, zeigt, da sie selbst in Europa eine Minderheit darstellen, und selbst in dieser Koalition sind die Zustimmungsraten der jeweiligen Regierungen äußerst dürftig.

Die entstellende oder vollkommen abwesende Berichterstattung in den westlichen Mainstream-Medien über die entstehende neue Weltordnung, wie sie bei dem jüngsten SCO-Gipfel sichtbar wurde, hat zur Folge, daß die Bevölkerungen in den USA und Europa keinen Schimmer davon haben können. Statt dessen wird versucht, die Bevölkerung auf einen neuen Militarismus einzustimmen, mit Appellen wie „Deutschland muß kriegstüchtig werden“ (Pistorius), Deutschland muß die „konventionell stärkste Armee Europas“ aufbauen (Merz), und Rußland und China könnten „bis 2027 soweit erstarken, daß sie eine Konfrontation mit NATO und USA suchen“ (NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich).

Es wäre daher dringend, Wege zu finden, der Bevölkerung der europäischen Nationen die Gefahren eines neuen Militarismus und das Potential aufzuzeigen, das in der Kooperation mit der neuen Weltordnung liegt.

Sehr geeignet dazu wäre gerade angesichts der jüngsten Annäherung zwischen China und Indien der Ansatz, den Präsident Xi im Jahre 2014 in einer Rede in New Delhi wählte:

„Schon in antiken Zeiten kam man in China zu der Einsicht, daß ein kriegerischer Staat, so groß er auch sein mag, letztlich scheitern muß. Frieden ist von überragender Bedeutung. Harmonie ohne Gleichförmigkeit und universellen Frieden gilt es zu erringen. Die chinesischen Konzepte vom ,universellen Frieden‘ und ,universeller Liebe‘ sind den indischen Konzepten von ,Vasudhaiva Kutumbakum’ (die Welt als eine Familie) und ,Ahimsa’ (keine Verletzung zufügen) sehr ähnlich.“

Präsident Xis GCI bietet einen hervorragenden Ansatz, auch mit den Kulturen des Westens einen ähnlichen Dialog auf der Basis der entwickeltsten Konzepte und Ideen zu intensivieren.

Neben Gottfried Wilhelm Leibniz, der ein großer Bewunderer der chinesischen Kultur und Philosophie war, hatte Friedrich Schiller die schönste Idee einer visionären Idee einer vereinten Menschheit, die durch die ästhetische Erziehung und Selbstkultivierung zum höchsten Ideal der Menschheit mit einander verbunden ist. Schillers Erkenntnis, daß dieses Ideal durch die ästhetische Erziehung zu erreichen ist, hatte einen großen Einfluß in China dank der Intervention des Gelehrten Cai Yuanpei, dem ersten Erziehungsminister der provisorischen Republik Chinas und späteren Präsidenten der Beijing Universität. Cai Yuanpei führte das Konzept der ästhetischen Erziehung Schillers in das chinesische Bildungswesen ein und schuf dafür eigens ein neues Wort: „meiju“.

Gleichfalls inspiriert durch Schiller Idee, die in seiner Ode an die Freude– „Alle Menschen werden Brüder“-, zum Ausdruck kommt, entwarf er die Vision einer „großen Gemeinschaft“ der gesamten Welt, „datong shijie“, die friedlich und harmonisch, ohne Armee und Krieg, zusammenlebt. Cai sah im Dialog der Kulturen den Weg zur Erreichung dieses Ziels, daß eine Nation die Kulturen anderer Völker unbedingt aufnehmen müßte: „Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Geschichte, so sieht man, daß die Auseinandersetzung unterschiedlicher Kulturen immer zur Entstehung einer neuen führt.“

Es gilt also, in allen Kulturen und Zivilisationen jene Ideen und Entwürfe aufzuspüren, bei denen deren beste Geister, ihre größten Dichter und Denker Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft der einen Menschheit entwickelt haben. Diese Ideen sind nämlich heute im Westen fast vergessen, wenigstens bei den kriegstreiberischen Kreisen, die trotz der permanenten Beschwörung der „westlichen Werte“ keine Ahnung von den wirklich großen Ideen mehr haben. Ein Austausch über die schönsten Werke der verschiedenen Kulturen auf der Ebene der Völker wird nicht nur das Verständnis, sondern zugleich die Liebe zu ihnen erwecken.

Die chinesischen Initiativen haben bereits bewiesen, daß das Prinzip „Frieden durch Entwicklung“ wirklich tiefe Konflikte überwinden kann, wie man an der chinesischen Vermittlerrolle zwischen dem Iran und Saudi Arabien, oder kürzlich zwischen Pakistan und Afghanistan sehen kann. Es besteht also die berechtigte Hoffnung, daß es mit der Kombination von gemeinsamer wirtschaftlicher Entwicklung und dem Dialog der besten Traditionen der jeweiligen Kulturen auch gelingen wird, die europäischen Nationen und sogar Amerika in diese Weltgemeinschaft einzubeziehen! Auf jeden Fall ist dies ein Ziel, dem wir uns mit der ganzen Leidenschaft der Liebe zur Menschheit widmen sollten!


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