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Helga Zepp-LaRouche

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WEBCAST MIT HELGA ZEPP-LAROUCHE – 19. SEPTEMBER 2018


Webcast mit Helga Zepp-LaRouche – 5. September 2018

Willy Wimmer: 2018 wird uns wohl als letztes Friedensjahr in Europa in Erinnerung bleiben


Xi Jinping, die ästhetische Erziehung und Afrika – und die tiefe moralische Krise des Westens

Von Helga Zepp-LaRouche

Während das politische Establishment in Europa immer noch meint, im Besitz der allein seligmachenden Weisheit zu sein, was die angebliche Überlegenheit der „westlichen Werte“ angeht, haben mehr und mehr sogenannte „normale Bürger“ längst gemerkt, daß es eine immer tiefere Kluft gibt zwischen der offiziellen Darstellung der Ereignisse durch Politik und Medien, und der Realität, wie sie sich in den verschiedensten Aspekten des Lebens darstellt. So manchen beschleicht die Ahnung, daß die negative Medienberichterstattung über China und die Neue Seidenstraße vielleicht auch Fake News sind. In der Tat haben wir es bei den sogenannten „westlichen Werten“ und dem Konzept der „Neuen Seidenstraße“ mit dem Aufeinanderprallen zweier diametral entgegengesetzter Wertvorstellungen und einem völlig unterschiedlichen Menschenbild zu tun.

Seitdem sich China seit rund zehn Jahren und verstärkt in den letzten fünf Jahren im Rahmen seiner Seidenstraßen-Initiative in vielen Infrastrukturprojekten engagiert, u.a. Eisenbahnlinien, Industrieparks, Wasserkraftwerke und Industrialisierung der Landwirtschaft in Afrika, hat viele afrikanische Staatschefs ebenso wie die Bevölkerung ein völlig neues Selbstbewußtsein erfaßt: Sie sehen zum ersten Mal die realistische Chance, Armut und Unterentwicklung in absehbarer Zukunft zu überwinden. Dank der chinesischen Hilfe setzen sich eine ganze Reihe afrikanischer Staaten das Ziel, mittelfristig einen sehr guten Lebensstandard für die gesamte Bevölkerung zu erreichen.

Am Vorabend des FOCAC-Gipfels (Forum on China-Africa Cooperation), zu dem 53 afrikanische Staats- und Regierungschefs in Beijing erwartet werden, gab der Botschafter Ghanas in China, Edward Boateng, in einem Kommentar in Global Times dem Geist der Neuen Seidenstraße Ausdruck, der den afrikanischen Kontinent erfaßt hat: „Die Chinesen sind überzeugt, daß es für ein Land wie Ghana möglich ist, innerhalb einer Generation in eine technologisch entwickelte, moderne Volkswirtschaft transformiert zu werden.“

Boateng hat in dem einen Jahr, seitdem er in China akkreditiert ist, mehr als 16 Provinzen und viele Städte besucht, um den Erfolg des „chinesischen Wirtschaftswunders“ zu studieren und um dann in dem GT-Kommentar das Resümee zu ziehen: „Ich glaube, daß Ghana China als Spiegel benutzen kann, um widerzuspiegeln, wie wir einen ähnlich erfolgreichen Entwicklungsweg einschlagen können. Dabei betone ich vor allem, daß China in ein bedeutendes wirtschaftliches und technologisches Powerhouse transformiert worden ist, und wie es gleichzeitig in der Lage war, klare Aspekte seiner reichen Kultur zu erhalten.“ Boateng unterstrich, daß dazu der Aufbau einer starken Industriebasis, Investitionen in das menschliche Kapital, eine verbreitete Disziplin, eine ernsthafte Herangehensweise an die Lösung von Problemen auf allen Ebenen, unermüdliche Innovation, Wirtschaftswachstum und der Ausbau von Infrastruktur beigetragen haben, und daß eine aufgabenbezogene Disziplin und ein Vertrauen in die traditionellen kulturellen und humanistischen Werte zu der Geisteshaltung gehören, von deren Inspiration Ghana sehr profitieren könne. Er erinnerte daran, daß Ghana als erstes afrikanisches Land das Joch des Kolonialismus abgeworfen habe und dessen Gründungspräsident, Dr. Kwame Nkrumah, der Vater des Panafrikanismus gewesen sei, der sich tief in das Bewußtsein Afrikas und der Afrikaner eingegraben habe.

Kolonialistisches Denken im Westen

Natürlich hätten die Europäer seit langem und wie China jetzt seit zehn Jahren den afrikanischen Kontinent infrastrukturell und industriell entwickeln können. Was sie daran hinderte, war ein Fortbestehen des kolonialistischen Denkens, wie es in den brutalen Kreditauflagen des IWF und der eine Entwicklung unterdrückenden Politik der Weltbank zum Ausdruck kam. Während China und die afrikanischen Staaten die sie tief verbindende Freundschaft betonen, scheinen die wenigen Europäer, die allmählich angesichts der gigantischen Veränderungen in Afrika aufwachen, aber bestenfalls Sorge zu haben, daß China und andere asiatische Staaten sich den Zugang zu Afrikas Rohstoffen sichern.

Der deutsche Entwicklungsminister Müller kritisierte während seiner jüngsten Afrikareise, die ihn durch sieben Staaten führte, die Afrikapolitik der EU und der deutschen Regierung, die bisher nur darin bestanden habe, Mauern gegen die Flüchtlinge zu errichten: „In den nächsten zehn Jahren wird in Afrika mehr gebaut als in ganz Europa in den letzten hundert Jahren“, betonte Müller. In Mosambik habe er gesehen, über welch große Ressourcen dieser Kontinent verfüge, die Chinesen, Indien, Japan und die Amerikaner seien schon hier, nur die Deutschen nicht, die viele Chance liegen ließen.

Bundeskanzlerin Merkel, die zur gleichen Zeit Senegal, Nigeria und Ghana bereiste, wo sie mit Müller zusammentraf, hatte dort nach einem Treffen mit Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo die plötzliche Erkenntnis, daß die EU nur eine wohlhabende Zukunft haben werde, wenn man die Frage der Migration und die Frage einer Partnerschaft mit Afrika „managen“ könne; sie glaube nicht, daß der Zusammenhalt der EU andernfalls garantiert werden könne.

Nun bleibt aber zu sehen, was dieses „Managen“ konkret bedeutet, und ob es über die zynische bisherige Politik, nur Abkommen mit afrikanischen Regierungen über den Stopp der Migration und den Bau von Lagern, die Papst Franziskus schon mit Konzentrationslagern verglichen hat, hinausgeht. Wenig Gutes verheißt der jüngste Vorschlag des Sonderbeauftragten der deutschen Regierung für afrikanische Angelegenheiten, Günter Nooke, der allen Ernstes einen neuen Kolonialismus vorschlägt (Reuters, 29.8.): „Warum schafft man da nicht Sonderentwicklungszonen, in denen die Staaten für 50 Jahre ihre Hoheitsrechte abgeben und vielleicht die EU den Rechtsrahmen für Investitionen von Firmen aus dem Ausland garantiert?”

Noch ungeheuerlicher ist allerdings der Artikel „Auf dem Weg nach ,Eurafrika’“ im Bayernkurier vom 26. August, der im wesentlichen die absolut horrenden Thesen des jüngsten Buchs von Stephen Smith La Ruee vers L’Europe („Ansturm auf Europa: Das junge Afrika auf dem Weg zum Alten Kontinent“) nachleiert. Afrika erlebe das „rasendste Bevölkerungswachstum“, das die Welt je gesehen habe, es gebe eine „Bevölkerungsexplosion“ und einen „Jugendüberschuß“; mit ihrer Entwicklungshilfe „schießen sich die reichen Länder selbst ins Bein“, wird Smith zitiert, „indem sie den armen Ländern helfen, die Wohlstandsschwelle zu erreichen, die den Menschen erlaubt, sich überhaupt auf den Weg zu machen, schütten sie eine Prämie auf die Migration aus.“ Für die „Rückkehr zum Protektorat“ (so wie es auch Nooke fordert), in der er die einzige Möglichkeit sieht, die „Migranten-Sturmflut“ abzuwehren, sieht er durchaus Ansätze in den EU-Bemühungen um Verträge mit afrikanischen „Diktatoren“.

Offensichtlich ist sich der Bayernkurier knapp sieben Wochen vor der Landtagswahl nicht zu schade, ganz im Geiste Björn Höckes mobil zu machen. Also mit anderen Worten: Entwicklungshilfe geschweige denn Investitionen sollen unterbleiben, die Menschen lieber arm bleiben und möglichst früh sterben. Und mit diese „christlichen Werten“ will der Bayernkurier Wahlhelfer für die CSU sein?

Ganz anders dagegen die führende Nachrichtenagentur Chinas, Xinhua, die am 31. August als die Top-Meldung des Tages berichtete, daß Präsident Xi Jinping in einem Brief an die Professoren der Chinesischen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die Bedeutung der ästhetischen Erziehung für die gesunde physische und geistige Entwicklung der Jugend betont habe. Die ästhetische Erziehung spiele eine wichtige Rolle in der Ausformung eines schönen Geistes, einer schönen Seele.

Auch wenn die Scheinwelt, die die Mainstream-Medien in Deutschland aufrecht zu erhalten suchen, es nie vermuten ließe: Die Welt bewegt sich mit schnellen Schritten in die Richtung, die Lyndon LaRouche und die mit ihm verbundene Assoziation seit Jahrzehnten zu verwirklichen sucht. So verwirklicht China heute die Politik, die wir schon 1980 in einem Buch zur Industrialisierung Afrikas veröffentlicht und seitdem in vielen Konferenzen präsentiert haben, u.a. im Landtagswahlkampf der BüSo 2009 mit dem Slogan: „Hessens Zukunft liegt in Afrika!

Und die Betonung der ästhetischen Erziehung durch Präsident Xi beweist auch die Richtigkeit der These der Autorin in einer Rede in New York im April 2017, daß es eine große Affinität zwischen dem Menschenbild und der Methode der ästhetischen Erziehung zwischen Konfuzius und Friedrich Schiller gibt. Der Unterschied besteht darin, daß China seine klassische Tradition hoch hält, während wir uns in Deutschland weit von unserer klassisch- humanistischen Kultur entfernt haben. Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu spät – wir müssen nur Nikolaus von Kues, Kepler, Leibniz, Bach, Beethoven, Schiller, von Humboldt, um nur einige zu nennen, im Geist und in den Seelen unserer Jugend lebendig werden lassen und mehr Betonung auf ihre ästhetische Erziehung legen als auf Karriere, möglichst viel Geld zu verdienen, und die Befriedigung aller Begierden im Hier und Jetzt. Wenn Sie, verehrter Leser, diesen Zeilen beipflichten können, dann sollten sie bei dem Schiller-Institut aktiv werden.
zepp-larouche@eir.de


WEBCAST MIT HELGA ZEPP-LAROUCHE – 29. AUGUST 2018


Webcast mit Helga Zepp-LaRouche – 22. August 2018


Internationale Petition für ein Neues Bretton Woods-System

Internationale Petition des Schiller-Instituts:

Die Staatschefs der Vereinigten Staaten, Rußlands, Chinas und Indiens müssen handeln!

Ein großer Teil der Welt befindet sich in katastrophaler Unordnung: Es besteht die akute Gefahr einer neuen Finanzkrise; ein Handelskrieg könnte verheerende Folgen haben; die Flüchtlingskrise unterstreicht das Leid der Menschen in Afrika und Südwestasien ebenso wie die Uneinigkeit der EU; die demographische Entwicklung in den Vereinigten Staaten verschlechtert sich alarmierend. Für die meisten einfachen Bürger ist es sehr schwer zu sehen, wie alle diese verschiedenen Probleme wirksam angepackt werden können.

Aber alle diese scheinbar so unterschiedlichen Krisen haben im Kern eine gemeinsame Ursache. Als US-Präsident Nixon 1971 die festen Wechselkurse des Bretton-Woods-Systems aufgab, warnte Lyndon LaRouche, eine Fortsetzung der damals eingeführten monetaristischen Politik werde unvermeidlich die Gefahr einer neuen Depression und eines neuen Faschismus heraufbeschwören, wenn keine neue, gerechtere Weltwirtschaftsordnung geschaffen wird. Auf Nixons Maßnahme folgte die schrittweise Deregulierung des Finanzsystems in Richtung Neoliberalismus, was die Industrialisierung des Entwicklungssektors verhinderte und im sogenannten entwickelten Sektor die Profite der Spekulanten auf Kosten des Gemeinwohls steigerte. Die daraus resultierende Krise des Finanzsystems 2008 wurde nicht gelöst, weil die Ursachen der Krise nicht beseitigt wurden. Statt dessen setzten die Finanzinstitutionen des britisch-imperialen Systems durch, daß ihr System zur Maximierung ihrer eigenen Profite aufrecht erhalten wurde.

Wie Lyndon LaRouche schon seit vielen Jahren betont, gibt es nur eine einzige Kombination von Nationen, die mächtig genug ist, um das gegenwärtige, hoffnungslos bankrotte neoliberale System abzulösen, und das ist ein Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien. Es würde bei weitem die größte politische, wirtschaftliche und militärische Macht auf der Welt darstellen und wäre daher in der Lage, ein Neues Bretton-Woods-System zu schaffen, in dem souveräne Regierungen wieder die Kontrolle über ihre eigene Kreditschöpfung haben und Vereinbarungen untereinander treffen können, um Investitionen in die langfristige Entwicklung von Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft zum gemeinsamen Wohl ihrer Völker zu fördern.

Das Potential für ein solches Bündnis existiert definitiv. Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative trägt wesentlich zur Ausbildung eines ganz neuen Wirtschaftssystems bei, das auf der Win-Win-Kooperation zwischen immer mehr Ländern gründet und in vielen dieser Länder unglaublich schnell zur Überwindung der Armut führt. Neue Organisationen wie die BRICS, die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) und andere regionale Organisationen streben alle in Richtung einer neuen Wirtschaftsordnung, die auf der Entwicklung aller basiert.

Auch wenn dies für viele nicht offensichtlich ist: Das Amerikanische System der Ökonomie nach den Prinzipien Alexander Hamiltons, dessen Wiedereinführung Präsident Trump versprochen hat, ist dem chinesischen Wirtschaftsmodell eng verwandt und beruht auf den gleichen Ideen wie die Initiative der Neuen Seidenstraße. Die Präsidenten Rußlands, Chinas und Indiens haben bereits ihre Absicht erklärt, bei den Projekten von Gürtel und Straße in Eurasien, Afrika und Lateinamerika zu kooperieren.

Wenn US-Präsident Trump von dem britisch gesteuerten Putsch befreit ist – dem sog. „Russiagate“ (das zunehmend zum „Muellergate“ wird, mit Strafermittlungen gegen die Betreiber dieses Putschversuchs) -, kann er sein Versprechen wahrmachen, wieder gute Beziehungen zu Rußland und China herzustellen.

Der einzige Weg, die vielen Probleme der Welt zu lösen, ist die sofortige Schaffung eines Neuen Bretton-Woods-Systems, eines neuen internationalen Kreditsystems, das es ermöglicht, die Produktivität der Arbeitskraft zu steigern und die Realwirtschaft heraufzustufen. Sobald ein solches Vier-Mächte-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien existiert, können sich auch alle anderen Nationen diesem neuen System anschließen, nach den Grundprinzipien der Souveränität und dem gegenseitigen Respektieren der
unterschiedlichen Gesellschaftssysteme.

Wir, die Unterzeichner, appellieren an Präsident Trump, Präsident Putin, Präsident Xi Jinping und Premierminister Modi, sofort ein Gipfeltreffen einzuberufen, um ein solches Neues Bretton-Woods-System zu schaffen.

https://schillerinstitute.nationbuilder.com/nbw_petition


WEBCAST MIT HELGA ZEPP-LAROUCHE – 15. AUGUST 2018


WEBCAST MIT HELGA ZEPP-LAROUCHE – 8. AUGUST 2018


Webcast: Webcast mit Helga Zepp-LaRouche – 1. August 2018


BRICS-Staaten im Zentrum einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung! Beispiellos in der Geschichte: Wie China die Welt verändert!

Von Helga Zepp-LaRouche

Inspiriert vom sagenhaften Aufstieg Chinas findet derzeit eine strategische Neuausrichtung der Schwellen- und Entwicklungsländer statt, bei der Schritt für Schritt eine auf völlig anderen Prinzipien basierende Weltwirtschaftsordnung entsteht. Während der Westen vergebens versucht, das alte Paradigma des neoliberalen Wirtschaftssystems aufrecht zu erhalten, arbeiten mehr und mehr Nationen mit den BRICS-Staaten, der Shanghai Cooperation Organization (SCO) und weiteren regionalen Organisationen im Rahmen der Neuen Seidenstraßen-Initiative auf der Basis einer Win-Win-Kooperation zusammen und demonstrieren, daß die Welt viel menschlicher gestaltet werden kann, als es die EU mit ihrer barbarischen Flüchtlingspolitik vorexerziert.

„Ich will das chinesische Modell. Weil das, was China erreicht hat, unglaublich ist. Die Art und Weise, wie sie die Armut überwunden haben, hat es noch nie in der Geschichte gegeben!“ – dies sind die Worte des soeben neu gewählten Premierministers Pakistans, Imran Khan, der gleichzeitig ankündigte, er werde jeden positiven Schritt Indiens hinsichtlich der Verbesserung des Verhältnisses zu Pakistan mit zwei Schritten seinerseits beantworten. Genau dies war auch die Stimmung beim soeben beendeten zehnten Jahresgipfel der BRICS – also Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika – in Johannesburg, der vollkommen vom Geist der Neuen Seidenstraße geprägt war, der nichts weniger besagt, als daß alle Nationen dieser Welt das Recht auf Entwicklung auf der Basis des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts haben und daß eine neue Ära der Menschheit angebrochen ist.

Der chinesische Präsident Xi Jinping betonte in seiner Rede vor der Konferenz, an der auch Indonesien, die Türkei, Argentinien und sehr viele Staatschefs afrikanischer Staaten teilnahmen, die internationale Gemeinschaft befinde sich an einem Scheideweg und müsse eine völlig neue Art der internationalen Beziehungen aufbauen. Mit einem begeisternden Kulturoptimismus, der in Europa völlig abhanden gekommen ist, betonte Xi die entscheidende Rolle des wissenschaftlichen Fortschritts als Motor des wirtschaftlichen Aufbaus: „Wissenschaft und Technik als die primären Produktivkräfte generieren eine unerschöpfliche Kraft, die den Fortschritt der menschlichen Zivilisation vorantreibt.“ Die Menschheit habe riesige Sprünge von einer landwirtschaftlichen zur industriellen Zivilisation gemacht und stünde nun erneut vor neuen wissenschaftlichen und technologischen Revolutionen und industriellen Transformationen, und wenn die Staaten die Chancen ergriffen, die sich für sie böten, könnten sie ein dynamisches Wirtschaftswachstum und damit ein besseres Leben für ihre Menschen erreichen.

Xi fuhr fort, in Afrika lägen mehr Entwicklungsländer als in irgendeinem anderen Kontinent, und deshalb habe es ein größeres Entwicklungspotential als irgendeine andere Region der Welt. Die BRICS würden deshalb die Kooperation mit Afrika verstärken und diese Zusammenarbeit zum Modell für den Ausbau der Süd-Süd-Beziehungen werden lassen. Diese Intensivierung werde beim bevorstehenden Forum für China-Afrika-Kooperation im September in Beijing noch eine Steigerung erfahren und die Integration mit der Wirtschaftsgürtel-Initiative weiterführen. Auch der indische Premierminister Modi führte aus, für seine Regierung habe die Erhaltung des Friedens und die Entwicklung Afrikas die höchste Priorität. Es wurde auch die Eröffnung eines Mahatma Gandhi-Nelson Mandela-Zentrums bekanntgemacht. Präsident Putin kündigte in seiner Rede an, Rußland werde auf dem afrikanischen Kontinent „das Licht anmachen“ und ihn mit Energie versorgen, vor allem im Bereich der Kernenergie, wo Rußland inzwischen der technologische Führer in der Welt sei.

Die Steigerung des Handels zwischen China und Afrika in den letzten 40 Jahren ist enorm: von 765 Millionen $ im Jahre 1978 hat der Warenaustausch 2017 bereits 170 Milliarden $ erreicht und wird demnächst bei 400 Milliarden $ pro Jahre liegen. Insgesamt steigt die wirtschaftliche Bedeutung der BRICS-Staaten rasant an, im vergangenen Jahr betrug das gesamte Bruttoinlandsprodukt dieser Staaten mehr als 17 Billionen $ und damit mehr als das der EU. Präsident Xi hatte vor dem Gipfel neben den Vereinigten Arabischen Emiraten auch Senegal, Ruanda und Südafrika Staatsbesuche abgestattet, gefolgt von Mauritius im Anschluß an den Gipfel. Modi seinerseits besuchte Uganda, Ruanda und Südafrika. Die Regierungen Chinas und Indiens haben auch gemeinsame Investitionen in Afrika im Kontext der Neuen Seidenstraßen-Initiative beschlossen.

Ein weiterer Baustein der neuen Wirtschaftsordnung ist das Konzept „BRICS-Plus“, womit eine Plattform für die wirtschaftliche Assoziation weiterer Staaten und Regionen und die Verstärkung der Kooperation in wirtschaftlicher, aber auch strategischer Hinsicht ausgebaut wird. Es ist u.a. die Absicht der teilnehmenden Länder, durch eine immer größere Anzahl von Mitgliedsstaaten die Stimmrechte dieses Blocks beim IWF zu stärken und damit Schlüsselentscheidungen zu beeinflussen.
Kooperation oder Konfrontation

Xi Jinping vertrat im Rahmen des Gipfels auch emphatisch die Ansicht, mit einem deutlichen Hinweis auf Donald Trumps Androhungen von Zöllen auf Importe, daß es in einem Handelskrieg keinen Gewinner geben könne. Man stünde vor der Wahl zwischen Kooperation und Konfrontation, zwischen gegenseitigem Vorteil und der Möglichkeit, seinen Nachbarn zum Bettler zu machen, aber diejenigen, die diesen Kurs verfolgten, würden sich am Ende nur selber schaden.

Ebendieser Effekt ist bereits seit den Sanktionen gegen Rußland zu beobachten, die viele Experten in diesem Land für ein Glück im Unglück halten, da sie Rußland gezwungen haben, viele Bereiche der Produktion, die während der Schocktherapie der Jelzin-Jahre abgebaut worden waren, wieder aufzubauen und gleichzeitig die Beziehung zu China und Asien insgesamt zu vertiefen. Ebenso wie die (vom US-Kongreß erzwungenen) Sanktionen der USA und der EU gegen Rußland hat Trumps Drohgebärde bezüglich der Importzölle gegen China den offensichtlich von ihren Autoren in ihrer Arroganz übersehenen Effekt, daß sie das Zusammenrücken der BRICS-Plus-Staaten und ihren Wunsch nach einer gerechteren und ausgewogeneren Wirtschaftsordnung noch beschleunigen.

Bei einem Seminar des Chongyang Financial Institute an der Renmin-Universität in Beijing wies Putins Wirtschaftsberater Sergej Glasjew darauf hin, daß es angesichts des schlechten Zustands der westlichen Ökonomien, die immer noch einen starken Fokus auf die Spekulation statt der Realwirtschaft setzten, zu einer immer engeren Kooperation zwischen der Neuen Seidenstraßen-Initiative, den BRICS, der SCO und weiteren Organisationen käme. Wenn der Druck auf diese Staaten weiter anwachse, würde dies die Tendenz, den Handel nicht mehr in Dollar, sondern in den jeweiligen Währungen abzuwickeln, nur beschleunigen.

Aus dem Jahresbericht der chinesischen Regierung, den Premierminister Li Keqiang kürzlich bei einem Führungstreffen des Staatsrats präsentierte, wird deutlich, daß China binnenwirtschaftlich alles tut, um das Land gegen die Auswirkungen eines neuen Crashs des transatlantischen Finanzsystems zu schützen. Angesichts großer internationaler Herausforderungen werde China ein ganzes Paket von Maßnahmen für die Stärkung der Realwirtschaft umsetzen, darunter Steuererleichterungen für Investitionen in die Grundlagenforschung, 200 Milliarden $ für Infrastruktur, eine Förderung der Kreditvergabe an kleine und mittelständische Firmen sowie ein eindeutiges Vorgehen gegen „Zombie-Firmen“ und jegliche Form der Spekulation.

Die Dynamik, die sich jetzt um das chinesische Modell und die BRICS als Zentrum eines neuen globalen Wirtschaftssystems entwickelt, ist das Resultat einer jahrzehntelangen Politik von IWF und Weltbank, die mit ihren Forderungen nach sogenannten Strukturanpassungen und Konditionalitäten in den Entwicklungsländern nicht nur deren Entwicklung verhindert, sondern darüber hinaus einen gigantischen Kapitaltransfer dieser Staaten an die Banken des neoliberalen Finanzsystems organisiert haben. Aus dieser Politik, der wir unter anderem einen großen Teil der Flüchtlingskrise zu verdanken haben – neben den auf Lügen aufgebauten Kriegen in Südwestasien und Nordafrika -, haben die BRICS und viele Entwicklungsländer ebenso die Lehren gezogen wie aus der Asienkrise von 1997, in der Megaspekulanten wie George Soros die Währungen vieler asiatischer Staaten innerhalb von Tagen um bis zu 80% herunterspekulierten.

Wir im Westen haben genau die Wahl, die Xi Jinping identifiziert hat. Wir können die vielfältigen Angebote Chinas annehmen und gemeinsam mit den BRICS und anderen Staaten Afrika, Südwestasien, Lateinamerika industriell aufbauen helfen, und damit gleichzeitig eine Zukunftsperspektive für uns selbst verwirklichen. Das würde allerdings einen Abschied von der Kasinowirtschaft bedeuten und die Einführung eines Glass-Steagall-Trennbankensystems sowie die Schaffung von Nationalbanken und einem Neuen Bretton Woods-Kreditsystem erfordern.

Oder wir können versuchen, an dem gegenwärtigen hoffnungslos bankrotten, neoliberalen Finanzsystem festzuhalten, das auf die Profitmaximierung für das Establishment auf Kosten eines großen Teils der Bevölkerung und der Entwicklungsländer ausgerichtet ist. Dann haben wir die Wahl zwischen einem neuen Crash, diesmal weit schlimmer als 2008, und einem durch einen Dollarkollaps ausgelösten Finanzkrach, falls sich die Staaten des neuen entstehenden Wirtschaftsblocks gegen die Konfrontation seitens der USA gemeinsam wehren.

Wir haben die Wahl: entweder wir erinnern uns in den USA und Europa an unsere besten Traditionen, d.h. das Amerikanische System der Ökonomie von Alexander Hamilton und die Prinzipien des Wirtschaftswunders in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und die Tradition unserer klassischen Kultur – und dann arbeiten wir mit China und den BRICS zusammen an der Entwicklung der Welt, – oder wir sind selbst schuld, wenn unsere Kulturen sehr bald in den Museen Afrikas und Asiens ausgestellt werden, als Beispiele für Gesellschaften, die in moralischer Hinsicht nicht überlebensfähig waren.

zepp-larouche@eir.de


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