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Internationale Friedenskoalition #160, 26.06.2026, 17.00 Uhr

Steigt von eurem hohen Ross herunter und arbeitet zusammen!

160. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Steigt von eurem hohen Ross herunter und arbeitet zusammen!

26. Juni 2026
17.00 Uhr

Bitte verbreiten Sie die Einladung in Ihrem Freundes,- Bekannten und Kollegenkreis.

Diese Woche begrüßen wir Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der Internationalen Friedenskoalition; Mossi Raz, ehemaliges Mitglied der israelischen Knesset und ehemaliger Geschäftsführer von „Peace Now“; Dr. Taylor Haynes, nationaler Vorsitzender der Organization for Competitive Markets (OCM) und ehemaliger republikanischer Kandidat für das Amt des Gouverneurs von Wyoming und einen Bericht aus China sowie weitere Beiträge hören.

Bitte senden Sie uns so schnell wie möglich Berichte und Initiativen für die Tagesordnung zu.

Zur Anmeldung

„Ich sage schon seit langem, dass der Westen nur überleben und eine Katastrophe vermeiden kann“, so Helga Zepp-LaRouche am 24. Juni bei ihrem internationalen Webcast, „wenn es gelingt, die geopolitische Konfrontation zu beenden und mit der Globalen Mehrheit zusammenzuarbeiten.“

„Das Problem“, fuhr sie fort, „ist in Wirklichkeit, dass wir immer noch in Form eines Imperiums regiert werden. Die Menschen glauben, das Britische Empire sei nach dem Zweiten Weltkrieg verschwunden, aber … es ist der Apparat der Zentralbanken, der Versicherungsgesellschaften, der Rückversicherungsgesellschaften, der riesigen Megamilliardäre und Konzerne, die von einer sehr kleinen Clique von Menschen kontrolliert werden. Und wenn wir dieses System nicht ändern, indem wir zum Glass-Steagall-Gesetz zurückkehren und zu einem Wirtschaftssystem, das auf das Gemeinwohl der Menschen ausgerichtet ist, wird sich die Lage immer weiter verschlimmern … Ich weiß, dass es zwar in vielen Ländern viele gute Menschen gibt, doch die Strukturen sind jene, die Papst Johannes Paul II. am Ende des Kalten Krieges bekanntermaßen als ‚Strukturen der Sünde‘ bezeichnet hat.“

Nur wenige Stimmen haben diese Ansicht in den letzten Monaten eindringlicher zum Ausdruck gebracht als Papst Leo XIV., dessen Äußerungen und Schriften, so Zepp-LaRouche, „eine unverzichtbare Stimme darstellen, wenn die Menschheit eine nukleare Katastrophe vermeiden soll“.

In seiner Rede vom 22. Juni vor dem Welternährungsprogramm in Rom stellte Papst Leo fest, dass die Welt Konflikte leichter nährt als Menschen. Er fragte: „Welche Konfiguration der Weltordnung ist in der Lage, solche Zustände hervorzubringen, zu reproduzieren und … zu normalisieren?“

Die wachsende Kluft zwischen der untergehenden geopolitischen Weltordnung – und ihren anhaltenden Verbrechen – und einem sich abzeichnenden, gerechteren System war in den letzten Tagen und Wochen ein zentrales Diskussionsthema in einer Reihe von Foren, in denen sich führende Politiker aus China, Russland und anderen Ländern der Globalen Mehrheit trafen, um die globale strategische Lage zu erörtern.

Auf dem 12. jährlichen Forum der „Primakow-Lesungen“ in Moskau am 23. Juni beschrieb der russische Präsidentenberater Juri Uschakow den „sogenannten kollektiven Westen“ als eine Kraft, die „alles in ihrer Macht Stehende tut, um die nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte internationale Ordnung durch eine eigene Ordnung zu ersetzen, die auf den von ihr selbst geschaffenen Regeln basiert … Warum brauchen die Westler das? … Um ihre Vorherrschaft in Politik, Wirtschaft, Technologie und anderen Bereichen zu bewahren, die ihnen entgleitet. Um die Kontrolle über die Ströme des internationalen Handels, die Wertschöpfungsketten und die natürlichen Ressourcen zu behalten…“

Als wolle er Uschakows Argument untermauern, verhängte der US-Außenminister Marco Rubio weitere Sanktionen gegen das leidende Kuba, während das US-Militär den Philippinen im Rahmen des US-Aufrüstungsprozesses gegen China vier maritime Drohnen zur Verfügung stellte.

„Auch wenn das Gesetz des Dschungels vorübergehend vorherrschen mag“, sagte der chinesische Außenminister Wang Yi am Dienstag auf dem BRICS-Sicherheitsforum in Neu-Delhi, „ist es nicht nachhaltig.“

Helga Zepp-LaRouche fordert, eine „Bewegung von Weltbürgern aufzubauen, die für Entwicklung als neuen Namen für Frieden kämpfen … Wir brauchen bessere Menschen. Die Menschen müssen sich weiterentwickeln und wieder menschlicher werden und dürfen keine Strukturen der Sünde tolerieren. Und das kann nur durch eine Bewegung von Weltbürgern erreicht werden.“ Sie wird am Freitag, dem 26. Juni, eine Diskussion der Internationalen Friedenskoalition leiten. Verbreiten Sie ihre Erklärung: „Dringender Appell von Papst Leo XIV.: ‚Haltetein! Bereut! Ehe es zu spät ist!‘ Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung!“.

Papst Leo XIV. ruft in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas zum Handeln auf: „Die Zivilisation der Liebe ist keine naive Utopie, sondern ein anspruchsvolles Projekt, das darin besteht, Nächstenliebe in Strukturen der Gerechtigkeit umzusetzen, Brüderlichkeit institutionell zu verankern und andere – seien es Einzelpersonen oder Völker – als Verbündete zu betrachten, die für den Aufbau des Gemeinwohls notwendig sind. Wie uns die Enzyklika Fratelli tutti in Erinnerung gerufen hat, ist nur diese soziale Liebe fähig, zu einer Kultur und einer Norm zu werden und dadurch eine stabile internationale Ordnung herbeizuführen, die das bloße bewaffnete Nebeneinander in eine Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft verwandelt.“

Die Frage, vor der der Westen steht, ist, ob wir diesem Aufruf folgen werden – oder weiter an einer zusammenbrechenden geopolitischen Ordnung festhalten. Wie Zepp-LaRouche es formulierte: „Steigt von eurem hohen Ross herunter und kooperiert!“


Dringender Appell von Papst Leo XIV.: „Haltet ein! Bereut! Ehe es zu spät ist!“ Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung!

von Helga Zepp-LaRouche

Von all den wichtigen und dringenden Reden, die in der jüngsten Zeit von Politikern und Experten vieler Länder mit der Absicht gehalten worden sind, die Eskalation der strategischen Lage zu einer gattungsvernichtenden Katastrophe zu verhindern, ist die Intervention von Papst Leo XIV. mit seiner Enzyklika Magnifica Humanitas (1) und den Ansprachen bei seiner jüngsten Reise nach Spanien (2) nach bestem Ermessen die mit Abstand wichtigste. Wenn Historiker später einmal die Frage untersuchen werden, was – hoffentlich – den entscheidenden Ausschlag gegeben hat, die westliche Zivilisation mitten in einer tiefen spirituellen und kulturellen Krise zur Umkehr zu bringen, dann werden sie auf diese Rolle des Papstes stoßen, und die Bereitschaft einer genügend großen Anzahl von Gläubigen und Menschen, die guten Willens waren, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und eine Änderung der Politik durchzusetzen.

Ohne auch nur ein einziges Mal Namen der Schuldigen nennen zu müssen, definiert Papst Leo mit absoluter Klarheit die Strukturen der Sünde, die heute die existentiellen Bedrohungen für die Menschheit darstellen, deren konkreten Bezug jeder erkennen kann und die dringend beseitigt werden müssen. Gleichzeitig zeigte er aber auch den erreichbaren Ausweg aus der Krise auf, nämlich daß die Menschen sich an das höchste Ideal des christlichen Menschenbildes erinnern und es verwirklichen. Gerade weil die Mainstream-Medien diese Texte des Papstes weitgehend unterdrücken, muß deshalb von Christen und friedliebenden Menschen ein politisches Klima geschaffen werden, in dem kein Politiker, der wiedergewählt werden will, es sich leisten kann, seine Ignoranz über diese Schriften und Reden eingestehen zu müssen. Dazu ist es zunächst natürlich nötig, daß möglichst jeder diese Enzyklika sowie Ansprache-Texte nicht nur liest, sondern studiert.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem sich der erste Multimilliardär auf der Basis einer AI-Fiktion zum ersten Billionär erklärt, warnt diese Enzyklika vor einem neuen Turmbau zu Babel, bei dem ein neuer Götzendienst dem Profit huldigt und die Schwachen opfert – einer Entmenschlichung, die den anderen als Mittel benutzt, einer uralten und doch immer neuen Versuchung, die heute in einer technischen Verkleidung daherkommt. Und zeitgleich mit dem Inkrafttreten des EU-Migrationspakts am 12. Juni, der schnellere Verfahren zur Abschiebung von Flüchtlingen an den Außengrenzen der EU und damit eine massive Einschränkung des Asylrechts bewirkt, hält Papst Leo die christlichen Prinzipien dagegen, gemäß derer die Migrationsfrage statt dessen behandelt werden müßte.

Wenn man die Enzyklika und die Reden des Papstes in Spanien zusammen betrachtet, dann stellen sie eine vollständige Abrechnung mit der gesamten Politik des liberalen Westens dar, und dies mit einer Klarheit, die alle Politiker, die einen Amtseid auf das Gemeinwohl geschworen haben – und vor allem die, deren Parteien das Wort „christlich“ im Namen führen -, veranlassen müßte, eine 180-Grad-Kehrtwende in ihrer Politik vorzunehmen.

Nie wieder Krieg!

Zu den verschiedenen Aspekten dieser Politik, die alle Bausteine des neuen Turmbaus zu Babel sind, gehören der Götzendienst gegenüber dem Profit auf Kosten der Ärmsten, ebenso wie die Finanzinteressen, die Spannungen und Konflikte fördern, weil es die Kriegsindustrie in Gang hält, die Unterstützung von modernen Formen der Sklaverei, bei der Kinderarbeit Routine ist und wo die Gesundheit von Heranwachsenden dem Profit einer oberen Klasse geopfert wird, deren Konsumverhalten man früher Prasserei genannt hätte, während es den Armen am nötigsten fehlt. Dazu gehört ebenfalls ein neuer Kolonialismus, der nicht mehr nur die Körper der Menschen versklavt, sondern auch Daten und Informationen über sie, von Gesundheitsdaten bis zu epidemiologischen Profilen, genetischen Graphiken und demographischen Informationen.

In der Enzyklika beklagt der Papst die „Normalisierung des Krieges“ und erinnert an die machtvolle Rede von Papst Paul VI. 1965 vor der UN-Generalversammlung: „Nie wieder Krieg! Nie Wieder Krieg!“ (3) Trotz eines tiefen Wunsches nach Frieden seien die vergangenen 60 Jahre seitdem von Konflikten gekennzeichnet gewesen, die mit erstaunlicher Brutalität ausgetragen wurden, mit unzähligen zivilen und unschuldigen Opfern, Massenvertreibungen, sozialen Destabilisierungen und lang anhaltenden Wunden. Heute könne man einen besorgniserregenden Paradigmenwandel beobachten, bei dem Aufrüstung und Krieg als ein Instrument der internationalen Politik wieder öffentlich propagiert würden, während die ethischen Prinzipen, die dem früher entgegen gestanden hätten, systematisch unterminiert würden. Begehren nach territorialer Expansion, die man für überwunden hielt, kehrten wieder, und ein bestürzender Verlust an historischer Erinnerung trete in Erscheinung, zu dem Grad, wie Zeitzeugen des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges verschwänden. – Nein, hier sprechen weder Wladimir Putin noch Sergej Lawrow, sondern Papst Leo XIV. – Und so werde der Krieg kulturell vorbereitet durch simplistische Narrative und ein Freund-Feind-Denken, Desinformation und die Einflößung von Furcht.

Unter der Überschrift „Entgrenzte Gewalt“ thematisiert der Papst das Anwachsen des Militärisch-Industriellen Komplexes: „Die Rüstungsindustrie und die Länder, die Waffen liefern, profitieren von einem Markt, der gerade dank der Konflikte gedeiht. In diesem Sinne gibt es auch eine wirtschaftliche Logik, die dazu beiträgt, Spannungen in verschiedenen Regionen der Welt zu schüren.“ Und weiter unter Abschnitt 194: „In der Vergangenheit hatte die Erkenntnis der Bedrohung durch Waffen, die die gesamte Menschheit vernichten können, Bemühungen um Entspannung und Abrüstungsverhandlungen begünstigt. Leider haben wir diesen Horizont hinter uns gelassen, und die Entwicklung der Atomwaffenarsenale – einschließlich der Aussicht auf eine ,taktische‘ Verwendung – läßt den Einsatz solcher Waffen als eine immer weniger entlegene Möglichkeit erscheinen.“

Die Enzyklika konstatiert, daß wir in einer Zeit bemerkenswerter geistiger und kultureller Blindheit leben, und eine Form des historischen Nihilismus befördere die Illusion, „daß sich die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts nicht mehr wiederholen können. In Wirklichkeit tauchen dieselben Dynamiken unter neuen Formen wieder auf… In vielen Ländern, auch im Globalen Süden, werden erhöhte Militärausgaben als einzige Antwort auf eine ungewisse Zukunft oder auf vermeintliche Bedrohungen dargestellt, während die tatsächlichen Kosten auf die Armen abgewälzt werden, die zusehen müssen, wie die Mittel für Gesundheitsversorgung, Bildung und soziale Dienste schwinden.“

Leo zitiert die Enzyklika Quadragesimo Anno von Papst Pius XI., die die Konzentration der Wirtschaftsmacht in den Händen weniger verurteilt, und er bezieht sich auf Papst Paul VI., indem er vor den Gefahren außerordentlichen wissenschaftlichen, technologischen und ökonomischen Fortschritts warnt, wenn dieser nicht mit einem entsprechenden ethischen und sozialen Fortschritt einhergeht.

Das Mißverständnis der KI

Ganz besonders gilt dies für die KI, deren Beurteilung und Kritik der Hauptfokus der Enzyklika gewidmet ist. Zunächst erklärt Leo, ausgehend von der seit vielen Jahrzehnten geführten Debatte, ob Computer die Kreativität des Menschen irgendwann einmal überholen könnten, zu der Neuauflage dieser Diskussion bezüglich der KI:

„99. Es ist nicht möglich, eine eindeutige und umfassende Definition von Künstlicher Intelligenz zu geben. Fest steht jedoch, daß das Mißverständnis zu vermeiden ist, diese ,Intelligenz‘ mit der menschlichen gleichzusetzen. Diese Systeme ahmen bestimmte Funktionen der menschlichen Intelligenz nach. Dabei übertreffen sie sie oft an Geschwindigkeit und Rechenleistung und bieten somit in zahlreichen Bereichen konkrete Vorteile. Diese Leistungsfähigkeit hat jedoch ausschließlich mit der Datenverarbeitung zu tun: Sogenannte Künstliche Intelligenzen machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Leib, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht in Beziehungen, wissen nicht von ihrem Inneren her, was Liebe, Arbeit, Freundschaft und Verantwortung bedeutet. Sie haben auch kein moralisches Gewissen: Sie unterscheiden nicht zwischen Gut und Böse, sie erkennen nicht den eigentlichen Sinn von Situationen und sie nehmen die Last der Konsequenzen nicht auf sich. Sie können Sprache, Verhalten und Beurteilungen imitieren, sie können Empathie oder Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie damit bewirken, denn sie bewegen sich nicht in jenem affektiven, relationalen und geistigen Horizont, in dem der Mensch zur Weisheit gelangt. Auch wenn diese Werkzeuge als ,lernfähig‘ dargestellt werden, unterscheidet sich ihre Art des Lernens von der einer menschlichen Person. Es handelt sich nicht um die Erfahrung eines Menschen, der sich vom Leben formen läßt und im Laufe der Zeit durch Entscheidungen, Fehler, Vergebung und Treue wächst; vielmehr ist es eine statistische Anpassung auf der Grundlage von Daten und Rückmeldungen, die zwar sehr effektiv sein kann, aber kein inneres Wachstum impliziert.“

Papst Leo XIV. argumentiert vom Standpunkt der augustinischen Tradition, von dem aus es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissen zu geben braucht, und zitiert Papst Franziskus, der „anerkennt, daß es wichtig ist, der wissenschaftlichen Forschung Gehör zu schenken und einen ernsthaften und aufrichtigen Austausch unter Wissenschaftlern zu fördern, und dabei die Vielfalt der Meinungen zu berücksichtigen“.

Es gibt das Recht, nicht auswandern zu müssen

Weniger aufrichtig hingegen waren laut der italienischen Zeitung La Veritá und des französischen Figaro die liberalen Medien, die die Ansprachen des Papstes in Spanien recht unvollständig wiedergegeben hätten, indem sie nur über seine Aufrufe zur Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration berichteten, während sie den Teil der Ansprachen ausgeblendet hätten, in denen der Papst das Recht der Menschen verteidigte, nicht auswandern zu müssen und die Notwendigkeit betonte, die Fluchtursachen zu bekämpfen.

In der Tat war die sechstägige Reise von Papst Leo nach Spanien, die ihn nach Madrid, Barcelona, Gran Canaria und Teneriffa führte, eine Intervention von außergewöhnlicher historischer Bedeutung. Denn die politische Debatte in Spanien ist auch heute noch, 87 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs, extrem polarisiert, und Themen wie die Rolle der Kirche und Migration sind weiterhin mit großen Emotionen besetzt. Vor diesem Hintergrund war die Art und Weise, wie der Papst die Migrationsfrage auf eine hohe Ebene setzte, bezüglich der internen Lage in Spanien sehr wichtig, und darüber hinaus wegweisend für ganz Europa. Vergleicht man den erwähnten Migrationspakt der EU, der just am letzten Tag der Papstreise in Kraft trat, mit der angemahnten Migrationspolitik von Leo XIV., so könnte es keinen größeren Gegensatz geben. Während die EU die Menschen so schnell wie möglich abzuwimmeln versucht und in sogenannte „Auffanglager“, die Papst Franziskus als „Konzentrationslager“ zu bezeichnen pflegte, einsperren will, die auf jeden Fall Gefängnissen gleichen, hat der Papst eine ganz andere, humane Sicht des Problems. In seiner Ansprache vor dem spanischen Parlament betonte er:

„Die Rede von der Menschenwürde darf nicht abstrakt bleiben, wenn so viele Menschen dazu gezwungen sind, für Frieden, Sicherheit und eine Zukunft alles zu verlassen. Auch die tragische Migrationskrise stellt heute eine Anfrage an das Gewissen der Nationen und an die ethischen Grundlagen der internationalen Ordnung dar. Zahlreiche Männer, Frauen und Kinder sind aufgrund oft dramatischer Umstände gezwungen, aus ihren Gemeinschaften wegzugehen und ihre Angehörigen, ihre Geschichte und ihre Bindungen dort zurückzulassen. Dies ist weit mehr als eine rein demografische oder wirtschaftliche Frage: Es handelt sich um eine vorrangig moralische und rechtliche Angelegenheit. Wo immer ein Mensch aufgrund seiner nationalen, ethnischen, religiösen oder sprachlichen Herkunft oder aufgrund seiner wirtschaftlichen oder sozialen Lage diskriminiert wird, wird der universale Grundsatz der gleichen Würde aller Menschen ernsthaft verletzt.“ (4)

Im weiteren zitierte er dann aus seiner Enzyklika Magnifica Humanitas:

„81. Ein entscheidender Prüfstein für soziale Gerechtigkeit ist heute die Situation der Migranten, der Flüchtlinge und all jener, die aufgrund von Armut, Gewalt, Klimawandel und Umweltkatastrophen zur Flucht gezwungen sind. Die Weise, wie eine Gesellschaft mit ihnen umgeht, zeigt, ob ihr Gerechtigkeitsbegriff von Angst oder von Geschwisterlichkeit geleitet ist. Papst Franziskus forderte dazu auf, in den Migranten nicht einfach ein zu bewältigendes Problem zu sehen, sondern ,ein lebendiges Abbild des Gottesvolkes auf dem Weg‘; Menschen mit Würde, Ressourcen und Träumen, die ein Recht darauf haben, mit Respekt behandelt zu werden, und die darum bitten, ein aktiver Teil der Gesellschaften zu werden, die sie aufnehmen. Soziale Gerechtigkeit beinhaltet in diesem Bereich mindestens zwei sich ergänzende Verpflichtungen. Einerseits gilt es, das Recht auf Hoffnung derer zu wahren, die zur Flucht gezwungen sind, indem sichere und legale Wege, würdige Aufnahmebedingungen und echte Integrationsmöglichkeiten gewährleistet werden. Andererseits gilt es auch das Recht zu fördern, in Frieden und Sicherheit in der eigenen Heimat zu bleiben, indem die tiefgreifenden Ursachen angegangen werden, die zur Migration zwingen, einschließlich jener, die mit wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Klimakrise zusammenhängen. Wenn diese Rechte geachtet werden, kann Migration zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden.“

Aufforderung zum Handeln

Die westlichen Regierungen sind hiermit aufgefordert, den dringenden Appell von Papst Leo XIV. zum Anlaß zu nehmen, die unmenschliche und vom wirtschaftlichen Standpunkt vollkommen inkompetente Migrationspolitik, wie sie im EU-Migrationspakt zum Ausdruck kommt, sofort zurückzunehmen. Statt dessen muß eine auf Augenhöhe basierende Kooperation mit den Nationen des Globalen Südens auf die Tagesordnung gesetzt werden, die ernsthaft daran geht, die Fluchtursachen zu beseitigen.

Das Recht, „in Frieden und Sicherheit in der eigenen Heimat zu bleiben, indem die tiefgreifenden Ursachen angegangen werden, die zur Migration zwingen“, ist relativ einfach zu verwirklichen, wenn der politische Wille dazu aufgebracht wird. Was die Nationen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas brauchen, ist eine wirkliche industrielle und landwirtschaftliche Entwicklungspolitik, die zum Ziel hat, das volle Potential dieser Länder zum Wohl ihrer eigenen Bevölkerung zu entwickeln. Der Globale Süden, der in Wirklichkeit die Globale Mehrheit von rund 85 Prozent der Menschheit repräsentiert, ist derzeit ohnehin dabei, die Periode von 500 Jahren Kolonialzeit hinter sich zu lassen und vor allem in Kooperation mit China die Infrastrukturprojekte und Investitionen in Schlüsseltechnologien zu verwirklichen, die es diesen Staaten ermöglichen werden, die Wertschöpfungsketten vollständig im eigenen Land zu verwirklichen. Anstatt an einem inhumanen neokolonialistischen Denken festzuhalten, sind die Regierungen Europas und der USA aufgerufen, sich umgehend für eine internationale Kooperation bereit zu erklären, die die vollständige Überwindung von Armut und Unterentwicklung aller Staaten auf dieser Erde zum Ziel hat.

So wird z.B. Afrika bis zum Jahre 2050 eine Bevölkerung von circa 2,5 Milliarden Menschen, also eine Milliarde mehr als heute haben. Dies bedeutet, daß es im ureigensten Interesse Afrikas ebenso wie Europas ist, in den nächsten 25 Jahren eine Milliarde produktiver Arbeitsplätze auf dem afrikanischen Kontinent zu schaffen. Auch wenn die meisten anderen Regionen der Welt negative demographische Prognosen haben, sind überall effektive Programme zur Armutsüberwindung notwendig, wenn soziale Explosionen zwischen der Klasse der Milliardäre und verarmten Milliarden von Menschen verhindert werden sollen.

Das Schiller-Institut hat dazu konkrete Entwicklungsprogramme ausgearbeitet, wie durch klar definierte Investitionsprogramme in grundlegende Infrastruktur, Energieproduktion und -verteilung und Kommunikation die Voraussetzungen dafür geschaffen werden können, die Nationen des Globalen Südens zu industrialisieren, und wie durch die Kooperation zwischen den BRICS-Staaten, Industriestaaten des Nordens und den Entwicklungsländern im Rahmen von Joint Ventures das Ziel der Fluchtursachenbekämpfung effektiv erreicht werden kann. (5) (6)

Damit kann die Forderung der Enzyklika Populorum Progressio erfüllt werden, daß wahrer Frieden nur durch soziale Gerechtigkeit und die Überwindung weltweiter Ungleichheit, „deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit“, erreicht werden kann. Die Forderung von Papst Paul VI., dem Autor dieser Enzyklika: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“ ist das dringende Gebot der Stunde!

In seiner Ansprache vor dem spanischen Parlament forderte Papst Leo XIV. genau diese Form der internationalen Kooperation:

„Keine Nation kann eine Herausforderung dieser Größenordnung alleine bewältigen. Daher ist eine koordinierte, solidarische und wirksame Reaktion unerläßlich, die den Migranten Schutz, Aufnahme und echte Integrationschancen gewährleisten kann. Wenn die institutionelle Reaktion nahbar, gerecht und koordiniert ausfällt, sind Grenzen nicht länger Orte der Verlassenheit, sondern können zu Räumen werden, in denen die Menschenwürde verantwortungsvoll geschützt wird.“

In seiner Enzyklika, die den durchaus programmatisch aufzufassenden Namen Magnifica Humanitas – „Die großartige Menschheit“ – trägt, bezieht sich der Papst ganz konkret auf das höchste Ideal der griechischen Klassik und folgt damit der augustinischen Idee, daß deren Übereinstimmung mit der christlichen Offenbarung bedeutet, daß es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissen zu geben braucht. „23. Die Kirche betrachtet all jene, die aufrichtig nach ,Wahrheit, Güte und Schönheit‘ suchen, als Weggefährten und als ,wertvolle Verbündete‘ bei der Verteidigung der Würde jedes Menschen und bei der Bewahrung der Schöpfung“, heißt es weiter. In Übereinstimmung mit diesem Ideal des „Wahren, Guten und Schönen“ definiert die Enzyklika Kunst und Kultur, wenn sie authentisch sind, als eine Schutzmauer gegen die „Normalisierung des Bösen“. Und wie nötig hat dies die gegenwärtige menschliche Gesellschaft, in der letztlich nur als satanisch zu bezeichnende Phänomene beinah die gesamte sogenannte Unterhaltungsumwelt dominieren zu scheinen. Papst Leo spricht einigen Kunstwerken, wie Beethovens Neunter Symphonie, einen „fast prophetischen Wert“ zu, als „Sehnsucht nach Einheit“.

Der vielleicht wichtigste Gedanke besteht darin, daß Papst Leo in Erinnerung an Papst Paul VI. dazu aufruft, eine „Zivilisation der Liebe“ zu schaffen:

„Heute müssen wir diese Vision mit Nachdruck wiederbeleben: Die Zivilisation der Liebe ist keine naive Utopie, sondern ein anspruchsvolles Projekt. Sie besteht darin, Nächstenliebe in Strukturen der Gerechtigkeit zu verwandeln, Geschwisterlichkeit institutionelle Formen annehmen zu lassen und den anderen – sei es eine Person oder ein Volk – als einen notwendigen Verbündeten für den Aufbau des Gemeinwohls zu betrachten. Wie uns die Enzyklika Fratelli tutti in Erinnerung ruft, kann nur diese soziale Liebe, die fähig ist, zu einer Kultur und zur Norm zu werden, eine stabile internationale Ordnung hervorbringen und das Zusammenleben von einer bloßen bewaffneten Koexistenz in eine Schicksalsgemeinschaft verwandeln.“

Es sollte allen Menschen in den Staaten des sogenannten Kollektiven Westens – also Menschen, die in einem von liberalen Werten dominierten System leben, das sowohl die amerikanische Behörde ICE wie den EU-Migrationspakt als Antwort auf die Flüchtlingskrise hervorgebracht hat -, zu denken geben, daß sowohl das Oberhaupt der katholischen Kirche als auch die Regierung Chinas zur prinzipiell gleichen Schlußfolgerung gelangen, daß nur eine die Menschheit als Schicksalsgemeinschaft begreifende Einheit die Basis für den Frieden sein kann.

Die Enzyklika Magnifica Humanitas ist der dringende Appell von Papst Leo XIV. zur Umkehr. Die Entwicklungsprogramme des Schiller-Instituts zeigen den konkreten Weg, wie die Flüchtlingskrise überwunden werden kann. Was die Menschheit jetzt braucht, ist eine Bewegung für die Idee: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“!

Anmerkungen

1. https://www.vatican.va/content/leo- XIV./de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

2. https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-06/wortlaut-papstpredigt-in-las-palmas-de-gran-canaria.html

3. https://zeitschrift-vereinte-nationen.de/publications/PDFs/Zeitschrift_VN/VN_1965/Heft_6_1965/05_Rede_Papst_Paul_VI._6-1965.pdf; https://www.domradio.de/artikel/als-erster-papst-sprach-paul-vi-1965vor-den-vereinten-nationen

4. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/speeches/2026/giugno/documents/20260608-spagna-parlamento.html

5. https://cloud.schillermeet.de/s/BQZXjgHWf78MJW5?dir=/&editing=false&openfile=true; Sonderbericht auf Deutsch hier erhältlich: https://www.eir.de/produkt/e-book-pdf-china-europa/

6. „Die Welt braucht 1,5 Milliarden neue, produktive Arbeitsplätze – Der LaRouche-Plan zur Wiederbelebung der US- und Weltwirtschaft“, in Neue Solidarität Nr. 23-28/2020; Sonderdruck „Entwicklungsoffensive bedeutet: Milliarden neue Arbeitsplätze, keine Flüchtlinge, kein Krieg“,https://www.eir.de/produkt/e-book-pdf-entwicklungsoffensive-bedeutet/


Radio Television Serbia sendet Bericht über Berliner Konferenz des Schiller-Instituts

24. Juni 2026 (EIRNS) – In der Morgensendung des nationalen Rundfunk- und Fernsehsenders Radio Television Serbia (RTS) am 22. Juni präsentierte die Redakteurin Dr. Jasminka Simić einen 4-minütigen Videobericht über die Konferenz des Schiller-Instituts vom 30. bis 31. Mai 2026 in Berlin, an der sie als Rednerin teilgenommen hatte. 

Zur dringenden Notwendigkeit einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, mit der sich die Konferenz beschäftigte, zitiert sie Helga Zepp-LaRouche, Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Professor Zhang Weiwei (Direktor des China-Instituts an der Fudan-Universität in Shanghai), Pino Arlacci (früherer stellv. UN-Generalsekretär), den Rechtsanwalt und Autor Dr. Wolfgang Bittner, Charles Onana (Politikwissenschaftler aus Kamerun) und den früheren französischen Präsidentschaftskandidaten Jacques Cheminade.

Simic unterstreicht die Bedeutung der strategischen Perspektive von Lyndon LaRouche: „Als der amerikanische Präsident Nixon im Sommer 1971 feste Wechselkurse durch flexible Wechselkurse ersetzte, sagte der amerikanische Ökonom und Gründer des Schiller-Instituts, Lyndon LaRouche, voraus, dass die Fortsetzung des liberalen Kurses zwangsläufig zu einer neuen Systemkrise, einer Depression und der Gefahr eines Krieges führen würde, sofern nicht ein völlig anderes Wirtschaftssystem eingeführt würde.“

Abschließend berichtet Simić über Helga Zepp-LaRouches Kampagne für die Schaffung einer „Bewegung von Weltbürgern”. Diese basiere auf dem Konzept der „Übereinstimmung der Gegensätze“, das der deutsche Philosoph und Mathematiker Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert entwickelt hat. „Das bedeutet, dass wir zwar gegensätzliche Ansichten vertreten, aber dieselben Herausforderungen der modernen Gesellschaft teilen – von der Pandemie bis hin zu nuklearen Bedrohungen –, was uns untrennbar mit einem neuen Paradigma in den internationalen Beziehungen verbindet, das auf der Idee der Einheit der Menschheit beruht.“

Auf der Webseite des Schiller-Instituts finden Sie das Archiv mit allen Beiträgen der zweitägigen Konferenz.


Das Iran-Abkommen kann für die Welt eine Wende bedeuten!

Von Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des Schiller Instituts,

16 Juni 2026

Die Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran ist zweifellos ein historischer Durchbruch, indem sie die Feindseligkeiten zwischen beiden Seiten beendet, die Straße von Hormus wieder öffnet und hoffentlich auf diese Weise verhindert, dass die Weltwirtschaft weiter in eine Depression abgleitet. Das Ergebnis dieses Krieges, der mehr als dreieinhalb lange, zermürbende Monate dauerte, ist eine erheblich veränderte strategische Lage, in der noch nicht entschieden ist, ob der Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden übergehen kann, oder ob er nur eine Pause sein wird, bis die nächste, möglicherweise noch schlimmere Runde von Kämpfen ausbricht.

Klar ist jedoch, dass die größte Militärmacht der Welt, die Vereinigten Staaten, nicht in der Lage war, eine mittelgroße Macht wie den Iran zu besiegen. Weder ein Regimewechsel noch die Ausschaltung des ballistischen Raketensystems noch die Beseitigung des iranischen Atomprogramms konnten erreicht werden, dank der unerwarteten Widerstandsfähigkeit der iranischen Bevölkerung, die sich, ungeachtet ihrer aktuellen politischen Ausrichtung, stattdessen um ihre Identität als jahrtausendealter Zivilisationsstaat – Persien! – scharte. Obwohl er erhebliche Verluste erlitten hat, ist der Iran dennoch der klare Sieger dieses Krieges, nicht zuletzt, weil er nun erkannt hat, welchen bedeutenden Einfluss er durch die Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt. Diese Kontrolle über eine der Engstellen der Weltwirtschaft ist von nun an ein Faktor in der strategischen Lage, den niemand ignorieren kann. Auch die Tatsache, dass die USA nicht in der Lage waren, die Golfstaaten, in denen US-Stützpunkte liegen, zu verteidigen, wird dauerhafte Folgen für die Sicherheitsarchitektur Südwestasiens haben.

Ein großes Lob gebührt zweifellos in erster Linie dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif, der entscheidend zur Vermittlung zwischen den USA und dem Iran beitrug und sich für Diplomatie statt Krieg als Mittel zur Konfliktlösung einsetzte, ebenso wie vielen anderen Kräften der Region, die versuchten, eine Eskalation zu einer globalen Katastrophe zu verhindern.

Das große Damoklesschwert, das über allem schwebt, ist offensichtlich die Reaktion Israels, des anderen großen Verlierers in dieser Situation, das selbst im zweiten Krieg innerhalb eines Jahres, mit Unterstützung der stärksten Militärmacht, keines seiner Kriegsziele erreichen konnte. Premierminister Netanjahu wird derzeit von Oppositionsführern und sogar von Mitgliedern seines eigenen Kabinetts wegen seines Versagens heftig angegriffen, und der große Knackpunkt ist der Teil des Abkommens, der einen Waffenstillstand im Libanon vorsieht, welchen Israel gänzlich ablehnt. Israel wird sich jedoch des veränderten internationalen Klimas bewusst werden müssen, in dem sich die überwiegende Mehrheit der Weltöffentlichkeit gewandelt hat und sogar eine wachsende Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung der Meinung ist, dass Israel im Umgang mit den Palästinensern und dem Iran viel zu weit gegangen ist. Präsident Trump versucht derzeit, seine Interessen abzuwägen zwischen seinen finanziellen Unterstützern, die eine noch härtere Linie gegenüber dem Iran befürworten, und den Falken in der Republikanischen Partei, die wollen, dass über das gesamte Abkommen im Kongress abgestimmt wird, um es blockieren zu können, und auf der anderen Seite Trumps alter MAGA-Basis, deren Unterstützung er zunehmend verliert, weil sie das Gefühl haben, dass er seine Wahlversprechen verraten hat, und er muss angesichts der in wenigen Monaten anstehenden Zwischenwahlen seine Gewinne und Verluste abwägen.

Was ist also zu tun, um sicherzustellen, dass das Abkommen Bestand hat und ein dauerhafter Frieden gesichert werden kann? Die Antwort lautet, dass eine echte Vision der wirtschaftlichen Entwicklung für die gesamte Region Südwestasiens ernsthaft auf die Tagesordnung gesetzt werden muss: der vom Schiller-Institut vorgeschlagene „Erweiterte Oasenplan“.

Nur wenn die Bevölkerung aller Länder der Region, insbesondere die Jugend, die Aussicht auf ein endgültiges Ende des Krieges und eine glänzende Zukunft in Wohlstand haben, gibt es einen Anreiz für einen dauerhaften Frieden. (1)

Die tiefgreifendere Antwort darauf liegt darin, dass man den größeren strategischen Kontext der Versprechen zur Beendigung aller Kriege berücksichtigen muss. Trump steht vor dem Konflikt um die Zwischenwahlen. Während die Krise in Südwestasien offensichtlich eine Geschichte hat, die Tausende von Jahren zurückreicht, und die Situation sehr komplex und facettenreich ist, muss diese Krise – wie der Ukraine-Krieg und fast jeder andere Konflikt der Gegenwart – als Teil der geopolitischen Gesamtlage betrachtet werden. Diese ist geprägt von den scheiternden Bemühungen des von der Anglosphäre dominierten kollektiven Westens, nach dem Ende des Kalten Krieges eine unipolare Weltvorherrschaft zu errichten. Dieser Versuch erwies sich als sehr kurzlebig, weil die Kombination aus sechs NATO-Osterweiterungen – unter Verletzung sämtlicher gegenteiliger Versprechen – und der Politik von Regimewechsel, Farbrevolutionen, einseitigen Sanktionen und Interventionskriegen insbesondere in den Ländern des Globalen Südens einen enormen Rückschlag hervorgerufen hat. Sie akzeptierten die NATO-Darstellung all dieser Ereignisse nicht, sondern erkannten das offensichtliche Ziel einer Neuauflage einer imperialen und neokolonialen Ordnung. Da der historisch beispiellose Aufstieg Chinas es den Ländern des Globalen Südens erstmals ermöglicht, 500 Jahre Kolonialismus zu überwinden, versuchen sie, eine neue Wirtschaftsordnung zu errichten, die ein gerechteres und gleichberechtigtes System für alle schafft.

Daher steht bei allen Konflikten immer auch die Dynamik im Hintergrund, dass der Westen seine Dominanz in der strategischen Lage erhalten und – wie es manche Politiker formulieren – „Russland ruinieren“ und China mindestens „eindämmen“ will. Dies entspricht jedoch nur den Interessen einiger weniger in den Establishments einiger westlicher Länder, nicht jedoch den Eigeninteressen der Menschen in Europa und den USA.

Der jüngste Krieg in Südwestasien hat es in unbestreitbarer Deutlichkeit gezeigt: Die alte Weltordnung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg und dann erneut nach dem Ende des Kalten Krieges etabliert wurde, zerfällt. Es ist daher von höchster strategischer Bedeutung, eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch zu bringen, die die Interessen jedes Landes auf dem Planeten berücksichtigen muss. Die Situation ist vergleichbar mit den Umständen des Westfälischen Friedens, der 150 Jahre Religionskriege in Europa beendete, weil die Kriegsparteien erkannten, dass bei einer Fortsetzung des Krieges niemand mehr am Leben bleiben würde, um einen Sieg zu genießen. So gelangten sie zu der Erkenntnis, dass man, um Frieden zu haben, die Interessen des anderen respektieren muss, und zwar Aller anderen!

Es liegen bereits mehrere Initiativen auf dem Tisch, die das Verständnis widerspiegeln, dass die Weltordnung dringend umgestaltet werden muss, wie beispielsweise das neue Weißbuch des chinesischen Staatsrats Gerechtere und ausgewogenere globale Governance: Chinas Grundsätze, Vorschläge und Maßnahmen, das eine Verbesserung der internationalen Ordnung auf der Grundlage der Idee einer Zukunftsgemeinschaft der Menschheit vorschlägt.

Aus einem ganz anderen Hintergrund kommend, aber im Wesentlichen zu derselben Erkenntnis gelangend, dass eine Reform dringend notwendig ist, hat Papst Leo XIV. gerade eine neue Enzyklika Magnifica Humanitas veröffentlicht, die nicht nur die gegenwärtigen Tendenzen zum Bau eines neuen „Turms zu Babel“ kritisiert, sondern auch einen sehr substanziellen Vorschlag dazu liefert, nach welchen Prinzipien ein neues System errichtet werden muss, das der großartigen menschlichen Spezies würdig ist. (2) Die Autorin hat Zehn Prinzipien vorgeschlagen, die berücksichtigt werden sollten, um zu konzipieren, wie eine solche neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur aussehen könnte. (3)

Deshalb sollte man mehr tun, als das soeben zwischen den USA und dem Iran erzielte Abkommen nur zu kommentieren und darüber zu spekulieren, ob die Lage im Libanon und die Weigerung Israels, sie als Teil der Vereinbarung anzuerkennen, sich doch als entscheidender Faktor erweist, der das Abkommen zum Scheitern bringt.

Wenn der „Erweiterte Oasenplan“ von mehreren Ländern der Region auf die Tagesordnung gesetzt wird, kann er der erste Schritt sein, um die ganze Welt in ein neues Paradigma zu führen, in dem Krieg als Mittel der Konfliktlösung – eine existenzielle Frage im Zeitalter thermonuklearer Waffen – überflüssig wird und eine gerechte Ordnung verwirklicht wird, die das Wohlergehen aller Nationen ermöglicht.

1. Webseite des Schiller-Instituts zum „Oasis“-Plan, https://schillerinstitute.com/the-oasis-plan-the-larouche-solution-for-southwest-asia/

2. https://schillerinstitute.com/de/blog/2026/06/17/dringender-appell-von-papst-leo-xiv-haltet-ein-bereut-ehe-es-zu-spaet-ist-der-neue-name-fuer-frieden-heisst-entwicklung/

3. https://schillerinstitute.com/de/blog/2022/11/30/zehn-prinzipien-fuer-eine-neue-internationale-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur/


Internationale Friedenskoalition #159, 19.06.2026, 17.00 Uhr

Möge die gesamte Menschheit verkünden: „Entwicklung ist der neue Name des Friedens!“

159. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Möge die gesamte Menschheit verkünden: „Entwicklung ist der neue Name des Friedens!“

19. Juni 2026
17.00 Uhr

Bitte verbreiten Sie die Einladung in Ihrem Freundes,- Bekannten und Kollegenkreis.

Diese Woche werden wir von Helga Zepp-LaRouche, der Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der Internationalen Friedenskoalition, von Dr. Abdullah Ahsan, Professor für vergleichende Zivilisationsforschung (mit Lehrtätigkeit in Malaysia und der Türkei) und Dr. Mohammad A. Toor, Vorsitzender des Kuratoriums des Pakistan American Congress und Präsident der „American Pakistan Physicians for Justice“, und weiteren Persönlichkeiten begleitet.

Bitte senden Sie uns so schnell wie möglich Berichte und Initiativen für die Tagesordnung zu.

Zur Anmeldung

EILMELDUNG:  Am Mittwochabend unterzeichnete US-Präsident Donald Trump im Schloss von Versailles die neue 14-Punkte-Absichtserklärung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, während der iranische Präsident Masoud Peseschkian digital unterzeichnete. Für Freitag ist in der Schweiz eine Zeremonie angesetzt, bei der ein Waffenstillstand sowie weitere Bedingungen vereinbart und der Beginn von 60 Tagen weiterer Verhandlungen festgelegt werden sollen.

Die Welt steht an einem Wendepunkt. Wir hoffen, dass die angekündigten Pläne umgesetzt werden. Gleichzeitig ist der einzige Weg nach vorn für die Menschheit die Umsetzung großangelegter wirtschaftlicher Entwicklung der gesamten Region im Sinne des von der LaRouche-Bewegung vorgeschlagenen Oasenplans. Dies ist auch auf internationaler Ebene notwendig, angesichts der wirtschaftlichen Schockwellen, die den Zerfallsprozess in den Volkswirtschaften des westlichen Systems noch verstärken.

Der Ansatz des erweiterten Oasenplans drückt die konkrete Umsetzung des Prinzips „Frieden durch Entwicklung“ aus. In diesem Zusammenhang wurden heute zwei wichtige neue Erklärungen veröffentlicht. In Peking hielt Außenminister Wang Yi eine Pressekonferenz ab, in der er China als Gestalter des Weltfriedens und als Mitwirkenden an der globalen Entwicklung bezeichnete und ein neues Weißbuch veröffentlichte: „Gerechtere und ausgewogenere globale Regierungsführung: Chinas Prinzipien, Vorschläge und Maßnahmen“.

Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts und Chefredakteurin von EIR, veröffentlichte ein neues Papier mit dem Titel „Dringender Appell von Papst Leo XIV.: ‚Haltet ein! Bereut! Ehe es zu spät ist!‘ Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung!“ Zepp-LaRouches Dokument, das über die Enzyklika Magnifica Humanitas des Papstes und seine jüngsten Reden in Spanien berichtet, ruft zum Handeln auf.

Zepp-LaRouche schreibt:

„Von all den wichtigen und dringenden Reden, die in der jüngsten Zeit von Politikern und Experten vieler Länder mit der Absicht gehalten worden sind, die Eskalation der strategischen Lage zu einer gattungsvernichtenden Katastrophe zu verhindern, ist die Intervention von Papst Leo XIV. mit seiner Enzyklika Magnifica Humanitas (1) und den Ansprachen bei seiner jüngsten Reise nach Spanien (2) nach bestem Ermessen die mit Abstand wichtigste. Wenn Historiker später einmal die Frage untersuchen werden, was – hoffentlich – den entscheidenden Ausschlag gegeben hat, die westliche Zivilisation mitten in einer tiefen spirituellen und kulturellen Krise zur Umkehr zu bringen, dann werden sie auf diese Rolle des Papstes stoßen, und die Bereitschaft einer genügend großen Anzahl von Gläubigen und Menschen, die guten Willens waren, sich seine Worte zu Herzen zu nehmen und eine Änderung der Politik durchzusetzen. …

… Gleichzeitig zeigte er aber auch den erreichbaren Ausweg aus der Krise auf, nämlich daß die Menschen sich an das höchste Ideal des christlichen Menschenbildes erinnern und es verwirklichen….

… Wenn man die Enzyklika und die Reden des Papstes in Spanien zusammen betrachtet, dan stellen sie eine vollständige Abrechnung mit der gesamten Politik des liberalen Westens dar, und dies mit einer Klarheit, die alle Politiker, die einen Amtseid auf das Gemeinwohl geschworen haben – und vor allem die, deren Parteien das Wort „christlich“ im Namen führen -, veranlassen müßte, eine 180-Grad-Kehrtwende in ihrer Politik vorzunehmen….“

Zepp-LaRouche zitiert die Ezyklika Magnifica Humanitas:

„ 81. Ein entscheidender Prüfstein für soziale Gerechtigkeit ist heute die Situation der Migranten, der Flüchtlinge und all jener, die aufgrund von Armut, Gewalt, Klimawandel und Umweltkatastrophen zur Flucht gezwungen sind….  Andererseits gilt es auch das Recht zu fördern, in Frieden und Sicherheit in der eigenen Heimat zu bleiben, indem die tiefgreifenden Ursachen angegangen werden, die zur Migration zwingen, einschließlich jener, die mit wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Klimakrise zusammenhängen. Wenn diese Rechte geachtet werden, kann Migration zu einer Gelegenheit der Begegnung und der gegenseitigen Bereicherung zwischen den Völkern werden.“

Zepp-LaRouche unterstreicht: „Anstatt an einem inhumanen neokolonialistischen Denken festzuhalten, sind die Regierungen Europas und der USA aufgerufen, sich umgehend für eine internationale Kooperation bereit zu erklären, die die vollständige Überwindung von Armut und Unterentwicklung aller Staaten auf dieser Erde zum Ziel hat.“

Sie schliesst: „Die Enzyklika Magnifica Humanitas ist der dringende Appell von Papst Leo XIV. zur Umkehr. Die Entwicklungsprogramme des Schiller-Instituts zeigen den konkreten Weg, wie die Flüchtlingskrise überwunden werden kann. Was die Menschheit jetzt braucht, ist eine Bewegung für die Idee: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden“!“

Die kommende Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am Freitag, dem 19. Juni, bietet die Gelegenheit, darüber zu beraten.


EIR-Krisenforum am 15. Mai: Der Iran-Krieg und der „kontrollierte Zerfall“ der Weltwirtschaft


Freitag, 15. Mai 2026, 17.00 Uhr

Das Krisenforum wird auf Youtube auf englisch ausgestrahlt. Übersetzungen ins Deutsche, Französische und Spanische finden auf der Zoomplattform statt.


Sitzung A
Moderator:
Dennis Speed

  • Helga Zepp-LaRouche (Deutschland): Chefredakteurin, Executive Intelligence Review
  • S.E. Abolfazl Pasandideh (Iran): Botschafter der Islamischen Republik Iran in Mexiko
  • Prof. Richard Falk (USA): Professor Emeritus für Völkerrecht und -praxis an der Princeton University
  • Sanjay Tripathi (Indien): FIETE, M.Tech (Informatik), MBA (Finanzwesen), ehemaliger Regierungsbeamter, tätig im Ministerium; derzeit Mitglied verschiedener globaler Organisationen.
  • Prof. Lier Pires Ferreira (Brasilien): Forscher, BRICS-Zentrum (Núcleo BRICS – NuBRICS), Fluminense Federal University, Niterói

Dialog zwischen den Diskussionsteilnehmern

Sitzung B
Moderator:
Dennis Speed

  • Dennis Small (USA): Iberoamerika-Redakteur, Executive Intelligence Review
  • S.E. Donald Ramotar (Guyana): Ehemaliger Präsident von Guyana
  • David Hundeyin (Nigeria): Investigativjournalist, Gründer von The Spearhead
  • Frank Bornschein (Deutschland): Stadtrat, Schwedt

Dialog zwischen den Diskussionsteilnehmern


EIR veranstaltet am Freitag, dem 15. Mai 2026, um 17 Uhr MEZ ein Krisen-Forum: „Der Iran-Krieg und der ‚kontrollierte Zerfall‘ der Weltwirtschaft“.

Es ist nun zweieinhalb Monate her, seit am 28. Februar die Straße von Hormus gesperrt wurde, ein vorhersehbares – manche würden sagen beabsichtigtes – Ergebnis des unprovozierten Angriffskriegs der USA und Israels gegen den Iran. Sollte dieser Krieg noch mehrere Monate andauern, ist es wahrscheinlich, dass die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale gerät, die zu einer umfassenden globalen Depression führt, mit einer Explosion von Armut, Hunger, Zusammenbruch der Industrie, Vertreibungen und Zwangsmigration – sowie einem garantierten hyperinflationären Platzen der globalen Finanzblase von 2,4 Billiarden Dollar.

Im Vergleich dazu würde die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre verblassen. Eine Parallele wäre am ehesten das Finstere Zeitalter des 14. Jahrhunderts mit der berüchtigten Pest, die bis zur Hälfte der Bevölkerung Europas auslöschte.

Die Ursache ist die massive Zerstörung der Grundlagen des physischen Überlebens von Milliarden von Menschen, die bereits in vollem Gange ist, ausgelöst durch die Sperrung der Straße von Hormus, durch die früher 20 % der weltweiten Ölexporte und 30 % der Düngemittelversorgung transportiert wurden. Dies hat schon jetzt verheerende, nichtlineare Auswirkungen:

• Der stellvertretende Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms Carl Skau berichtet: „Voraussichtlich werden weitere 45 Millionen Menschen wegen steigender Lebensmittel-, Öl- und Transportkosten in akute Hungersnot stürzen, wodurch die weltweite Zahl über das derzeitige Rekordniveau von 319 Millionen steigen würde… Dies würde das Ausmaß des Hungers weltweit auf einen historischen Höchststand treiben, und das ist eine schreckliche, schreckliche Aussicht.“

• Viele arme Länder in Ostafrika sind zu mehr als 85 % auf Düngemittel-Importe angewiesen. Schätzungen zufolge würde eine 10-prozentige Reduzierung des Düngemitteleinsatzes dort zu einem Rückgang der Reis-, Mais- und Weizenernte um bis zu 25 % führen, was verheerende Folgen für die Menschen hätte.

• Die Preise für Diesel in den USA – das Lebenselixier der amerikanischen Landwirtschaft – sind seit Kriegsbeginn um mehr als 50 % in die Höhe geschossen, mit Folgen für die gesamte Volkswirtschaft.

• Die deutsche Industrie-Wirtschaft befindet sich im freien Fall durch die kombinierten Auswirkungen der Sabotage der Nord-Stream-Pipeline und nun der Knappheit an Benzin und insbesondere an Kerosin infolge des Iran-Kriegs.

Wir betonen die physische Wirtschaft, weil die produktive Tätigkeit des Menschen tatsächlich ein lebendiger Prozess ist, wie der renommierte amerikanische Ökonom Lyndon LaRouche wissenschaftlich bewiesen hat. Wenn ein wesentlicher Bereich dieses Prozesses zerstört wird, tendiert das Ganze dazu, auf nichtlineare Weise zusammenzubrechen. Manche Beobachter beschreiben dies vereinfacht als „Lieferketten-Effekt“.

Auch die wahren finanziellen Kosten des Krieges sind erschütternd – nach Schätzungen von EIR wahrscheinlich über 4 Billionen Dollar. Der amtierende Rechnungsprüfer des Pentagons teilte dem US-Kongress am 29. April mit, die Operation „Epic Fury“ habe etwa 25 Milliarden Dollar gekostet, aber das sind nur die Kosten für US-Operationen und Munition bis zum 60. Tag, Schäden an Militärbasen waren ausdrücklich ausgenommen. Rechnet man diese sowie die israelischen Militärausgaben hinzu, steigt die Gesamtsumme auf etwa 200 Milliarden Dollar. Hinzu kommen Sachschäden in Höhe von rund 1 Billion Dollar im Iran und in den Golfstaaten. Der IWF schätzt in seinem „Regional Economic Outlook“ vom April, dass durch den Krieg bis zu 2 % des globalen BIP vernichtet werden – was allein für das Jahr 2026 einen Verlust an globaler Wirtschaftsleistung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar bedeutet.

Somit sind 4 Billionen Dollar wahrscheinlich noch das Minimum der tatsächlichen Kosten des Krieges bis heute.

Wie viele produktive Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, wenn man diese Mittel in Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie investieren würde? Wie viele Brücken, Häfen und Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken könnten gebaut werden? Wie viele Leben könnten wir durch mehr Investitionen in Krankenhäuser, Schulen und Arzneimittel retten?

Auf längere Sicht: Der Krieg tötet Hunderttausende direkt und durch zunehmende Nahrungsmittel- und Energieschocks, und in den nächsten zwei bis drei Jahren müssen Hunderte von Millionen Menschen Hunger leiden. Durch die Vernichtung von Produktionskapital und die Verwendung von 4 Billionen Dollar für Zerstörung und dann Wiederaufbau anstatt für Entwicklung könnte er die potenzielle Weltbevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts um eine halbe bis eine Milliarde Menschen verringern. Die folgenschwersten Opfer des Krieges könnten die Menschen sein, die ohne ihn in eine produktivere Weltwirtschaft hineingeboren worden wären.

All dies ist eindeutig unnötig – aber ist es vielleicht auch eine bewußte malthusianische Entvölkerungspolitik, die vom internationalen Finanz-Establishment der Londoner City und der Wall Street umgesetzt wird? Mitte der 1970er Jahre veröffentlichte der New Yorker Council on Foreign Relations – noch heute die führende außenpolitische Denkfabrik des US-Establishments und die Schwesterorganisation des britischen Royal Institute of International Affairs – eine umfangreiche Studie mit dem Titel Projekt der 1980er Jahre, die ausdrücklich den „kontrollierten Zerfall“ der Weltwirtschaft forderte, um die schwindende politische Kontrolle aufrechtzuerhalten. Im November 1978 erklärte der damalige Vorsitzende der US-Notenbank Paul Volcker in einer Rede in England, dass „ein kontrollierter Zerfall der Weltwirtschaft ein legitimes Ziel für die 1980er Jahre ist“ – und Volcker erhöhte daraufhin im Dezember 1980 die US-Zinsen auf das verheerende Niveau von 21,5 %.

Die wahren wirtschaftlichen Kosten des Iran-Kriegs und die alternativen Strategien zum Aufbau einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur für die Welt werden das zentrale Thema sein, das von hochqualifizierten Experten beim EIR-Krisenforum am 15. Mai erörtert wird.


Welche Art von Frieden wollen wir?

Bericht vom 158. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Unter dem Motto „Welche Art von Frieden wollen wir?“ veranstaltete die Internationale Friedenskoalition (IPC) am 12. Juni ihre 158. wöchentliche Onlinesitzung. Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin der IPC und des Schiller-Instituts, eröffnete die Veranstaltung mit der provokanten Feststellung, unser Handeln heute werde darüber entscheiden, ob sich die Welt in eine gute oder schlechte Richtung entwickle. US-Präsident Trump habe unzählige Male ein „kurz bevorstehendes“ Friedensabkommen angekündigt, doch der Abschuß eines US-Hubschraubers habe neue Kämpfe ausgelöst. Trumps Vorstellung, die USA würden die vollständige Kontrolle über Irans Öl- und Gasvorkommen übernehmen, sei lächerlich.

In Europa trieben viele Regierungen die Aufrüstung voran, doch der NATO-Oberbefehlshaber in Europa, US-General Alexus Grynkewich, habe erklärt, daß Rußland keinen Konflikt will. Andere Militärführer warnten, daß Europa „in den Krieg schlafwandelt“, während die NATO versuche, sich von 27 auf 40 Mitgliedsstaaten auszuweiten. Zepp-LaRouche warnte, in Deutschland sei das Militär immer mehr mit Rekrutierungskampagnen und ähnlichem präsent.

Dagegen sei Papst Leo XIV. eine wichtige Stimme für den Frieden, ähnlich wie Chinas Präsident Xi Jinping. Der Papst habe kürzlich Spanien besucht, vor dem Parlament und vor 600.000 jungen Menschen gesprochen und eine christliche Antwort auf die Migrationskrise auf den Kanarischen Inseln gefordert. Alle sollten Leos neue Enzyklika Magnifica humanitas: Über die Bewahrung des Menschen in Zeiten der künstlichen Intelligenz lesen.1 Der Papst kritisiere Milliardäre, deren einziges Ziel es sei, Billionäre zu werden, und Leute, die ihre „Türme zu Babel“ errichten wollen. Er lehne den Klassenkampf ab, sondern fördere das chinesische Konzept „Li“, die Harmonie in der Welt. Die Enzyklika fördere eine eher klassische Vorstellung von „Wahrheit und Schönheit“ und stelle fest: „Der neue Name für Frieden ist Entwicklung.“

Am 3. Juli werde Leo in Philadelphia eine Videobotschaft zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA übermitteln und die Amerikaner auffordern, sich mehr mit der wahren Geschichte und Mission ihres Landes auseinanderzusetzen. Dagegen sei der geplante „Käfigkampf“ im Weißen Haus das denkbar schlechteste Niveau zur Feier der Unabhängigkeit. Die unabhängige Präsidentschaftskampagne von Diane Sare werde sich bei einer Veranstaltung am 5. Juli in Philadelphia mit all dem befassen.

Die Behauptung, die USA seien nur ein Land der Greueltaten, sei eine von den Briten durchgesetzte Geschichtsfälschung. Die USA seien gegründet worden, um die Herrschaft der „Blaublüter und Monarchien“ zu beenden und das Gemeinwohl zu fördern, wo „alle Menschen gleich geschaffen sind“, mit einer Verpflichtung zu „Leben, Freiheit und dem Streben nach Glückseligkeit“. Die Briten hätten immer versucht, dies zu untergraben, indem sie den US-Bürgerkrieg schürten und Amerika in das gegenwärtige Chaos stürzten. Dagegen müßten wir die wahre amerikanische Tradition wiederbeleben.

Der nächste Redner war Oberst a.D. Alain Corvez aus Frankreich, der sagte, die USA und Israel verhielten sich wie Schurkenstaaten, die der Welt ihren Willen aufzwingen wollen, doch ein Großteil der Welt sei dagegen. Der Iran widersetze sich aktiv und werde von vielen Ländern unterstützt, darunter mächtige Staaten wie China und Rußland. Präsident Trumps innenpolitische Unterstützung sei im „freien Fall“, er gehe auf Schwierigkeiten bei der Kongreßwahl zu und sehe sich an mehreren Fronten blockiert. Die USA müßten erkennen, daß sie nicht der „Weltpolizist“ sind. Corvez warnte, Israel könnte versuchen, jede Friedensvereinbarung zu sabotieren.

Die Europäer sollten wieder russische Ressourcen akzeptieren und Frieden anstreben. Rußland sei ein riesiges Land, das kein neues Territorium braucht. Merz, Starmer, Macron und andere hätten versagt und seien von ihrer eigenen Bevölkerung abgekoppelt. Die EU arbeite gegen die Interessen Europas und habe den Großteil ihrer Unterstützung verloren. Wegen ihrer Mißerfolge suchten diese Regierungen die Konfrontation mit Rußland als einzigen Weg, um an der Macht zu bleiben. Rußland könnte der Ukraine leicht vernichtende Schläge versetzen, halte sich jedoch zurück.

Anschließend berichtete María Josefa Rodríguez Hernández vom Schiller-Institut aus Spanien über ihre Aktivitäten während des Papstbesuchs. Ihre dynamische kleine Gruppe hielt ein Banner für den Dialog der Zivilisationen hoch und verteilte ein Flugblatt von Zepp-LaRouche. Der Papst habe Spanien an seine Leistung zur Vereinigung verschiedener Bevölkerungsgruppen durch die Übersetzerschule in Toledo unter Alfons dem Weisen im späten 13. Jahrhundert erinnert. Vor 600.000 Jugendlichen habe er zu einer neuen Menschlichkeit der Nächstenliebe aufgerufen. Spanien forderte mit seiner kompromißlosen Haltung u.a. zum Völkermord in Gaza die bestehende Weltordnung heraus. In einer Ansprache an den Globalen Norden und Globalen Süden habe der Papst gefordert, in „unser gemeinsames Zuhause“ zu investieren – durch Bildung, Forschung und die Zivilgesellschaft. Er sprach von der Bedeutung Afrikas und unserer Verantwortung, die Armut zu bekämpfen. Zepp-LaRouche kommentierte, das Engagement des Papstes sei von größter Bedeutung für die Welt und unerläßlich für den Frieden. Corvez pflichtete bei und fügte hinzu, wir müßten die Bedürfnisse und Sorgen der anderen berücksichtigen.

Pater Harry Bury, Gründer der Friedensgruppe Twin Cities Nonviolent, sagte, die Ereignisse auf der Welt brächen ihm das Herz, gäben ihm aber auch Hoffnung. Die neue Enzyklika erinnere ihn an die Bedeutung jedes einzelnen Menschen und daran, daß man den Beitrag jedes einzelnen zur Gesellschaft würdigen müsse. Manchmal würden Menschen als „böse“ abgestempelt, um Gewalt zu rechtfertigen, doch es gebe keine bösen Menschen auf der Welt, sondern nur Menschen, die Bildung bräuchten. Die Geschichte lehre uns, daß Gewalt nicht zum Frieden führt. Pater Bury segnete den Papst und Lyndon und Helga LaRouche.

Ray McGovern, ehemaliger CIA-Analyst und Mitbegründer der „Veteran Intelligence Professionals for Sanity“, zeigte ein kurzes Video und sprach ebenfalls über die Bedeutung der Enzyklika mit ihrem Aufruf zur Vergebung. Er lobte auch die Enzyklika von Papst Johannes XXIII. aus dem Jahr 1963, Pacem in Terris.2 US-Präsident Kennedy und der sowjetische Staatschef Chruschtschow hätten sie zur Förderung des Friedens aufgegriffen. Kennedy habe die Enzyklika als Grundlage für seine berühmte Friedensrede an der American University im Juni 1963 verwendet, und Chruschtschow veröffentlichte Kennedys Rede dann in der Prawda und Iswestija. Der Papst habe diese Enzyklika in der äußerst gefährlichen Zeit 1963 verfaßt, heute befänden wir uns wieder in immer gefährlicheren Zeiten.

Die unabhängige Präsidentschaftskandidatin Diane Sare dankte Zepp-LaRouche für ihre Ausführungen zur wahren Geschichte der USA und ihre Rolle in der Welt. Sie wies die falsche Vorstellung zurück, die USA seien nur gegründet worden, um reichen weißen Sklavenhaltern Macht zu verschaffen. Die Gründerväter hätten klar festgestellt, daß „alle Menschen gleich geschaffen sind“.

Die jüngsten Wahlen hätten gezeigt, daß die zionistische Lobby AIPAC an Einfluß verliert. Der kritische republikanische Abgeordnete Thomas Massie sei zwar besiegt worden, aber viele andere ließen sich nicht aufhalten, wie der demokratische Abgeordneten Ro Khanna und der ägyptisch-amerikanische Arzt Adam Hamawy, der in New Jersey für den Kongreß kandidiert. Insbesondere junge Amerikaner lehnten eine pro-zionistische Politik ab, wie den jüngsten Vorstoß im Kongreß, die Geheimdienste der USA und Israels zusammenzulegen, wobei Ex-CIA-Chef Mike Pompeo auch den britischen MI-6 einbeziehen wolle. Sare las bewegende Zitate aus Präsident George Washingtons Abschiedsrede von 1796 vor, worin er zu „Frieden und Harmonie mit allen“ aufruft.3 Sare zitierte auch aus einem Artikel Lyndon LaRouches von 1998, „Als Franklin Roosevelt unterbrochen wurde“, die einzige legitime Rolle des Staates bestehe darin, den Einzelnen zu fördern.4 Zepp-LaRouche fügte später hinzu, es gebe viele Regierungsformen auf der Welt, aber wenn eine Regierung den Charakter des einzelnen verbessert, dann sei das eine gute Regierung.

Co-Moderator Dennis Small bezog sich auf Zepp-LaRouches „Zehn Prinzipien“,5 wo es heißt, der Mensch sei „von Grund auf gut und in der Lage, die Kreativität seines Geistes und die Schönheit seiner Seele unendlich zu vervollkommnen“. Papst Leo habe in Spanien gesagt: „Das Verlangen nach Güte, Schönheit und Wahrheit ist tief in der DNA der Menschheit verwurzelt… Das sind tiefgründige Ideen, die nicht ignoriert werden dürfen.“ Zepp-LaRouche antwortete, Leo habe eine Affinität zu Nikolaus von Kues, der sagte, alles Böse sei ein Mangel an Entwicklung. Kues habe die statische, manichäische Vorstellung kritisiert, das Böse sei immer da und es gebe einen permanenten Kampf zwischen Gut und Böse. Später fügte sie hinzu, auch wenn der Papst in der Enzyklika keine Namen nenne, bringe er „jede einzelne Struktur der Sünde auf den Punkt“. Alles deute auf die „Epstein-Klasse“ hin, und der Papst gebe uns die Fähigkeit, die aktuelle Geschichte zu beurteilen. Diese Enzyklika sei das notwendige moralische Korrektiv für die Welt und ein Werkzeug, um nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart zu verstehen.

            eir

Anmerkungen

1. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

2. https://www.vatican.va/content/john-xxiii/de/encyclicals/documents/hf_j-xxiii_enc_11041963_pacem.html

3. https://www.senate.gov/artandhistory/history/resources/pdf/Washingtons_Farewell_Address.pdf

4. https://larouchepub.com/lar/2020/4707-where_fdr_was_interrupted-lar.html

5. https://schillerinstitute.com/de/blog/2022/11/30/zehn-prinzipien-fuer-eine-neue-internationale-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur/


Internationale Friedenskoalition #158, 12.06.2026, 17.00 Uhr

Welche Art von Frieden streben wir an?

158. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Welche Art von Frieden streben wir an?

12. Juni 2026
17.00 Uhr

Bitte verbreiten Sie die Einladung in Ihrem Freundes,- Bekannten und Kollegenkreis.

Die Zeit bis zum 3. und 5. Juli gehört uns. Schließen Sie sich diesen Freitag der Internationalen Friedenskoalition an. Die Redner sind: Helga Zepp-LaRouche (Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der Internationalen Friedenskoalition), Diane Sare (unabhängige US-Präsidentschaftskandidatin), María Josefa Rodríguez Hernández (Spanien, Aktivistin des Schiller-Instituts) sowie Pater Harry Bury (seit 70 Jahren katholischer Priester, lebenslanger Friedensaktivist und aktiv bei „Twin Cities Nonviolent“ sowie der US-Vereinigung katholischer Priester).

Bitte senden Sie uns so schnell wie möglich Berichte und Initiativen für die Tagesordnung zu.

Zur Anmeldung

Vor dreiundsechzig Jahren, am 10. Juni 1963, stellte Präsident John F. Kennedy in seiner Festansprache an der American University eine entscheidende Frage:

„Welche Art von Frieden meine ich und welche Art von Frieden suchen wir? Nicht eine Pax Americana, die der Welt durch amerikanische Kriegswaffen aufgezwungen wird. Nicht den Frieden des Grabes oder die Sicherheit des Sklaven. Ich spreche von echtem Frieden, der Art von Frieden, die das Leben auf der Erde lebenswert macht, der Art, die es Menschen und Nationen ermöglicht, zu wachsen, zu hoffen und ein besseres Leben für ihre Kinder aufzubauen – nicht nur Frieden für die Amerikaner, sondern Frieden für alle Männer und Frauen, nicht nur Frieden in unserer Zeit, sondern Frieden für alle Zeiten.“

Die Probleme der Welt, so betonte Kennedy damals, seien kein kosmisches Schicksal, sondern Folge menschlichen Handelns:

„Unsere Probleme sind von Menschen gemacht – daher können sie auch von Menschen gelöst werden… Kein Problem des menschlichen Schicksals ist für den Menschen unüberwindbar. Die Vernunft und der Geist des Menschen haben oft das scheinbar Unlösbare gelöst, und wir glauben, dass sie es wieder tun können… Frieden muss nicht undurchführbar sein, und Krieg muss nicht unvermeidlich sein.“

Das Bild heute sieht jedoch düster aus. Gestern Abend kündigte das US-Zentralkommando „Selbstverteidigungs“-Schläge gegen iranische Luftabwehr-, Bodenkontroll- und Radaranlagen in der Nähe der Straße von Hormus an, als Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Hubschraubers der US-Armee. Das Pentagon konnte nicht bestätigen, dass es sich um eine absichtliche Handlung des Iran handelte. Es könnte auch eine versehentliche Kollision mit einer iranischen Shahed-Drohne gewesen sein.

Die Behauptung der „Selbstverteidigung“ ist, wie wir berichten, eine Fiktion: Die US-Seeblockade iranischer Häfen ist per Definition ein Kriegshandlung, und iranische Gegenmaßnahmen gegen deren Durchsetzung sind per Definition Akte der Selbstverteidigung. Der Iran reagierte mit Angriffen auf das Hauptquartier der 5. US-Flotte in Bahrain und auf den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti in Jordanien.

Jenseits der libanesischen Grenze senden israelische Drohnen Aufnahmen weinender Kinder, um Zivilisten aus ihren Häusern zu locken – eine Taktik, die die IDF bereits in Gaza angewandt hat. Der israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, schlägt vor, die Ehefrauen und Kinder mutmaßlicher Hisbollah-Mitglieder zusammenzutreiben und sie in israelische Gefängnisse zu werfen, die für systematische Folter und sexuellen Missbrauch berüchtigt sind.

Die Ukraine und Russland bekriegen sich weiter. Die „Koalition der Willigen“ – Starmer, Macron, Merz, Selenskyj – traf sich am Sonntag in London, um ihren Kurs zu bekräftigen.

Nichts davon entspricht dem, wozu Kennedy 1963 aufrief.

Der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ist nur noch wenige Wochen entfernt. Gestern veröffentlichten wir den Aufruf der LaRouche-Organisation „Amerika mit 250: Werden wir jetzt, wie einst, unserem Land zu Hilfe kommen?“ Darin stellt die LaRouche-Organisation den geplanten Wrestling-Kampf auf dem Rasen des Weissen Hauses am 14. Juni, der als offizielle Feier der Gründung der amerikanischen Republik inszeniert wird, dem Kontinentalkongress von Juni und Juli 1776 gegenüber. Dies sei die „intensivste Beratung über die Prinzipien der Selbstverwaltung“ gewesen, „die es in der Geschichte seit mindestens der Zeit Athens vor zweitausend Jahren gegeben hat“. Die TLO schlägt einen neuen, „Transkontinentalen Kongress über die unveräußerlichen Rechte des Menschen“ vor. Der Aufruf bezieht sich auf Präsident John Quincy Adams’ Warnung vom 4. Juli 1821, dass Amerika, wenn es ins Ausland gehe, um Monster zu suchen und zu vernichten, „zur Diktatorin der Welt werden könnte. Es wäre nicht länger Herr über seinen eigenen Geist.“

Gegen die Architektur des Krieges entsteht eine Architektur des Friedens – unvollständig, umstritten, aber sichtbar. Der erste amerikanische Papst, Leo XIV., wird am 3. Juli auf der Independence Mall in Philadelphia die Liberty Medal des National Constitution Center in einer live-Übertragung aus dem Vatikan erhalten. Die Wahlkampfveranstaltung der unabhängigen US-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare findet am 5. Juli, ebenfalls in Philadelphia statt. Helga Zepp-LaRouches Aufruf zu einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur gewinnt weitere Unterstützung, und die Konferenz des Schiller-Instituts am 30/31. Mai in Berlin „Das Ende von 500 Jahren Kolonialismus: Für einen Dialog der Zivilisationen“ – liefert einen zukunftsgerichteten Rahmen dafür.

Kennedy schloss seine Rede an der American University mit folgenden Worten:

„[W]ir werden unseren Teil dazu beitragen, eine Welt des Friedens zu schaffen, in der die Schwachen sicher und die Starken gerecht sind. Wir stehen dieser Aufgabe nicht hilflos gegenüber und haben auch keine Hoffnung auf ihren Erfolg. Zuversichtlich und ohne Furcht arbeiten wir weiter – nicht auf eine Strategie der Vernichtung hin, sondern auf eine Strategie des Friedens.“

Der Kontinentalkongress sah sich im Juni und Juli 1776 mit derselben Frage konfrontiert, vor der auch Sie heute stehen: ob das Volk bereit wäre, die Arbeit zu leisten, die der Frieden erfordert. Papst Leo XIV. wird diese Frage am 3. Juli vom Vatikan aus an die Nation richten, die ihr 250-jähriges Bestehen feiert, und sie mit seiner eigenen Stimme erneut aufwerfen. Diane Sare wird sie am 5. Juli in Philadelphia ebenfalls zur Sprache bringen.


Das Ende der 500jährigen Kolonialepoche – für einen Dialog der Zivilisationen

Einladung zur Internationalen Konferenz des Schiller Instituts, 30./31. Mai, Berlin

Das Ende der 500jährigen Kolonialepoche – für einen Dialog der Zivilisationen

Die dringende Notwendigkeit einer neuen globalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur

Samstag, 30.5.

10 Uhr: Die dringende Notwendigkeit einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur

  • Helga Zepp-LaRouche (Deutschland), Gründerin des Schiller-Instituts: 
    „Wir lassen die europäischen Zivilisation nicht untergehen!“
  • Professor Zhang Wei (China), Direktor des China Institute der Fudan-Universität: „Aufbau einer gewinnbringenden multipolaren Weltordnung“
  • Pino Arlacchi (Italien), ehemaliger stellvertretender UN-Generalsekretär:
    „Sind wir sicher, dass der kommende wirtschaftliche Sturm global sein wird?“
  • Chas Freeman (USA), ehemaliger Botschafter der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien:
    „Die Geburt, der Tod und die perspektivische Wiedergeburt der Weltordnung“ (per Video)
  • Sanjay Tripathi (Indien), ehem. Souveränität und Konsens der Regierten Beamter in indischen Ministerien:
    „Die dringende Notwendigkeit einer neuen globalen Sicherheit“
  • Dr. Wolfgang Bittner (Deutschland), Autor: „Souveränität, Neutralität, Kultur“

14:30 Uhr: Souveränität und Konsens der Regierten

  • Jacques Cheminade (Frankreich), ehemaliger Präsidentschaftskandidat, Präsident von Solidarité et Progrès: „Ein Neubeginn zur Verhinderung des Aussterbens der Menschheit“
  • Jürgen Schöttle (Deutschland), Ingenieur: „Wirtschaftliche Energieversorgung und Souveränität sind untrennbar“
  • Patrick Baab (Deutschland), Journalist und Autor: „Staatsstreich in Permanenz. Die Zensur-Industrie und das Verwertungsmodell des Digitalen Kriegs-Kapitalismus.“
  • Oberstleutnant a.D. Ralph Bosshard (Schweiz), ehemaliger militärischer Berater des OSZE-Generalsekretärs
  • Dr. Jasminka Simić (Serbien), Redakteurin, Radio-Television Serbien, Belgrad:
    „Die von China inspirierte neue Form der Kooperation zwischen den Staaten des globalen Südens aus serbischer Sicht“
  • Dr. Theodore Postol (USA), emeritierter Professor für Wissenschaft, Technologie und nationale Sicherheit am Massachusetts Institute of Technology (per Video)

19 Uhr: Konzert und Dialog der Zivilisationen – Künstler aus China, Russland, Deutschland, Albanien, u.a. präsentieren Musik und Dichtung verschiedener Kulturen.

Sonntag, 31.5.

10 Uhr: Das Ende von 500 Jahren Kolonialismus – Teil 1

  • Harley Schlanger (USA), 250 Jahre Jubiläum Amerikanische Revolution
  • H.E. Eskindir Yirga Asfaw (Äthiopien), Botschafter Äthiopiens
    “Ethiopia – The Uncolonized/ independent/ Beacon and Its Path to Prosperity”
  • S.E. Majid Nili (Iran), Botschafter der Islamischen Republik Iran
  • Daud Azimi (Afghanistan), Vorstandsmitglied der Afghanische Nationale Friedensfront (Peace National Front of Afghanistan, PNF)
  • Videobotschaft einer Gruppe junger Ugander

14 Uhr: Das Ende von 500 Jahren Kolonialismus – Teil 2

  • Charles Onana (Frankreich/Kamerun), Politikwissenschaftler und Autor
  • Purnima Anand (Indien), Präsidentin des BRICS Forum Indien
  • Abbey Makoe (Südafrika), Journalist, Gründer des Global South Media Network (per Video)
  • Dr. Jérôme Ravenet (Frankreich), Professor für Philosophie, Sinologe (per Video)
  • Wolfgang Riess (Deutschland), „Die Zukunft der Automobilindustrie“
  • Mrutjuanjai Mishra (Indien), Journalist (Kommentator bei Times of India)



Als mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 der Kalte Krieg endete, erklärte der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama dies zum „Ende der Geschichte“. Diese Aussage sollte sich als die vielleicht kurzlebigste und falscheste Prognose der Geschichte herausstellen. Nur 35 Jahre nach dieser These befindet sich die Welt in einem beispiellosen tektonischen Umbruch: Nicht nur haben die Nationen des Globalen Südens das Diktat einer unipolaren Weltordnung auf der Basis der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zurückgewiesen, auch die transatlantische Beziehung selbst befindet sich spätestens seit dem Anspruch Trumps auf Grönland in Auflösung. Das Völkerrecht ist aufgehoben, es gilt die Machtpolitik, Drohungen, „eine ganze Zivilisation auszuschalten“, bleiben unter den westlichen Regierungen unwidersprochen, und es ist ein Verlust an Menschlichkeit zu verzeichnen, der die Grundpfeiler der internationalen Ordnung untergraben hat.

Gleichzeitig sind die Nationen des Globalen Südens entschlossen, die Periode von 500 Jahren Kolonialzeit endgültig zu überwinden und ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zu verwirklichen, eine Perspektive, die ihnen Chinas Aufstieg und seine Globalen Initiativen der Zusammenarbeit ermöglichen.

Die imperialen Kräfte der alten Ordnung sehen in eben diesem Aufstieg die größte geopolitische Bedrohung – eine Dynamik, die letztlich allen derzeit aufgeflammten Konflikten zu Grunde liegt. Dies gilt auch für den illegalen Angriffskrieg gegen den Iran, dessen Fortsetzung sogar zum Einsatz von Nuklearwaffen und zur Eskalation zu einem Weltkrieg führen könnte.

Umso dringender ist es, eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf die Tagesordnung zu setzen, die in der Tradition des Westfälischen Friedens die Interessen aller Staaten auf dieser Erde berücksichtigen muss. Wir müssen in der Lage sein, die existenzielle Frage für die Menschheit zu beantworten: Können wir uns eine internationale Ordnung geben, die unser langfristiges Überleben als einzige bisher bekannte mit kreativer Vernunft ausgestattete Gattung garantiert? Oder sind wir moralisch nicht in der Lage, die Mechanismen zu beseitigen, die kurzfristig zur Auslöschung der Menschheit führen können?

Die Konferenz in Berlin soll diese Frage mit dem gleichen Optimismus angehen, den Papst Leo XIV. bei seiner jüngsten Reise nach Afrika demonstriert hat. Die Nationen des Globalen Südens müssen bei der Neugestaltung der Weltordnung eine gleichberechtigte Stimme haben. Afrika ist der Kontinent mit der positivsten demografischen Kurve und wird bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen anwachsen. Also brauchen eine Milliarde mehr Menschen in Afrika eine Milliarde neue produktiver Arbeitsplätze in den nächsten 25 Jahren! Wenn die europäischen Staaten mit den BRICS dabei konstruktiv zusammenarbeiten, wird es nicht nur möglich sein, Armut und Unterentwicklung im Globalen Süden ein für alle Mal zu überwinden, sondern auch alle Staaten an den Errungenschaften der neuen Industriellen Revolution teilhaben zu lassen. Neue Revolutionen in Wissenschaft und Technologie werden es den Menschen ermöglichen, die in ihnen angelegten Potentiale vollständig zu entwickeln, so wie es bisher in der Geschichte nur wenigen Privilegierten gestattet war.

Ob es uns bewusst ist oder nicht: Wir sitzen als Menschheit alle in einem Boot. Die Existenz von thermonuklearen Waffen, Internet, Pandemien etc. bedeutet, dass unser Schicksal engstens verknüpft ist: Entweder gehen wir zusammen unter, oder wir schaffen gemeinsam ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen, das vom Prinzip der Coincidentia Oppositorum (dem Zusammenfall der Gegensätze) des Nikolaus von Kues geprägt ist und das die Idee der einen Menschheit postuliert.

Deshalb müssen wir den Reichtum der verschiedenen Kulturen und Zivilisationen bewusst machen und in einem vielfältigen Dialog zwischen ihnen die schönsten Perlen all dessen beleuchten, was die Menschheit bisher in ihrer Universalgeschichte in Kunst und Wissenschaft, in Musik, Dichtung, Malerei und Philosophie hervorgebracht hat. Wir brauchen eine neue Renaissance, die aus dem Dialog des Besten aller Kulturen und Zivilisationen hervorgeht, und genauso wie z.B. die Goldene Renaissance in Italien die Schrecken des 14. Jahrhundert überwunden hat, können wir so eine neue Ära der Menschheit einläuten, in der die Kinderkrankheiten der Menschheit, wie Oligarchismus und Kriege als Mittel der Konfliktlösung, überwunden werden.

Samstag, 30.5.

10 Uhr: Die dringende Notwendigkeit einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur

19 Uhr: Konzert: Dialog der Zivilisationen 

Sonntag, 31.5.

10 Uhr: Das Ende von 500 Jahren Kolonialismus


Die Registratur wurde geschlossen, wenn Sie spontan teilnehmen wollen, rufen Sie bitte Frau Wolff unter 0152 – 0244 2989 an.


UN-Niederlage: eine Chance zur Neuausrichtung – Deutschland muss mit dem Globalen Süden kooperieren!

Presseerklärung von Helga Zepp-LaRouche

Von einem tiefergehenden historischen Standpunkt aus betrachtet, ist die Abstimmungsniederlage Deutschlands bei der Bewerbung um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat eine dringend notwendige Chance für die Neuausrichtung der deutschen Politik. Die Verfasserin fordert seit Langem, dass der Globale Süden angesichts der festgefahrenen  geopolitischen Konfrontation zwischen der NATO und Russland und China seine Stimme lauter und energischer in die internationale Debatte einbringen müsse – und genau dies haben diese Staaten mit ihrer Abwahl Deutschlands getan. Die deutschen Institutionen sollten dieses Ergebnis nutzen zu einer ehrlichen Analyse einer offensichtlich vollkommen gescheiterten Außenpolitik und eine Neudefinition im wirklichen Interesse Deutschlands.

Der erste Reflex von Außenminister Wadephul und den meisten Medienkommentaren geht allerdings noch in die seit langem gepflegte Richtung des sich in die Tasche Lügens: natürlich war wieder Russland schuld, dann noch die Bürokratie, man habe zu spät damit angefangen, sich zu bewerben, etc. etc. Andere, wie die FAZ, kommentierten, die UN sei ohnehin nicht so wichtig, und der hessische Minister für Bundes-, Europa- und Internationale Angelegenheiten, Manfred Pentz von der CDU, forderte sogar eine Kürzung der deutschen Finanzbeiträge für die UN als Konsequenz.

Das einzige, was Deutschland wirklich helfen wird, ist ein nüchterner Blick auf die Ursachen für die „herbe Enttäuschung“, die nur für diejenigen als Überraschung kommen konnte, die bisher hoch auf ihrem eurozentrischen Ross gesessen haben. Denn der Stimmungsumschwung in der internationalen Perzeption gegenüber der deutschen Politik ist seit einigen Jahren in vollem Gang. Ein durchaus positives Deutschland-Bild, das in so gut wie der ganzen Welt früher einmal herrschte und bei dem Deutschland als das Volk von Bach und Beethoven, Goethe, Schiller und den von Humboldts, als Volk der Ingenieurskunst und Erfinder gesehen wurde, ist seit geraumer Zeit abhandengekommen.

Die faktisch bedingungslose Unterstützung des israelischen Vorgehens in Gaza, das den Internationalen Strafgerichtshof veranlasste, Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Netanjahu und den ehemaligen israelischen Verteidigungsminister Joaw Gallant auszustellen, hat dem Ansehen Deutschlands einen Schaden zugefügt, der so lange zunehmen wird, wie die Regierungen in Berlin bei ihrer Haltung bleiben.

Denn während die Verbrechen der Nationalsozialisten erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs der allgemeinen Bevölkerung voll bekannt und bewusst wurden, fanden und finden die Verbrechen Israels in Gaza und zunehmend auch im Westjordanland und Libanon im grellen Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit statt. Dass Deutschland auf Druck Israels selbst der Verlängerung des Mandats für das Palästinenserhilfswerk UNWRA im Dezember 2025 nicht zugestimmt hat und mit brutaler Repression gegen pro-palästinensische Proteste in Deutschland selbst vorgegangen ist, hat das Deutschland-Bild weiter verdunkelt.

Überall wird über die Doppelmoral gesprochen, die hierzulande herrscht. Berlin betont andauernd, Verfechter des Völkerrechts zu sein, aber Merz findet die Entführung eines gewählten Staatsoberhauptes in Venezuela als „zu komplex“, um dazu Stellung zu beziehen, er brauche „Zeit“, um es beurteilen zu können. Inzwischen sind es fünf Monate, ohne dass er zu einem Ergebnis gekommen wäre. Beim ersten unprovozierten Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran im Juni 2025 fand Merz die unsäglichen Worte, Israel mache „die Drecksarbeit für uns alle“, beim zweiten derartigen Angriff der USA und Israels, dessen Folgen die Weltwirtschaft in den Abgrund zu reißen drohen, bleibt er zurückhaltend und meint nur, dass sei nicht unser Krieg.

So gut wie niemand in den Staaten des Globalen Südens stimmt dagegen in das endlos wiederholte Mantra ein, Russland habe die Ukraine in einem unprovozierten Krieg angegriffen. Zu sehr erkannten diese Ländern im Vorgehen der NATO die Parallele zu ihrer eigenen Unterdrückung durch die Kolonialmächte, und  sie haben darüber hinaus eine sehr wache Erinnerung daran, wer ihnen in ihrem Unabhängigkeitsstreben damals zur Hilfe kam – nämlich die Sowjetunion und China

Wofür aber in Berlin ganz offensichtlich bisher jegliche Antennen fehlen, ist ein Gespür für den tektonischen Epochenwandel, der sich derzeit weltweit vollzieht. In der Zeit der deutschen Wiedervereinigung und am Ende des Kalten Krieges hatte Deutschland durchaus die Sympathie der vormals so genannten Entwicklungsländer. Diese ging Schritt für Schritt verloren, zu dem Grade wie Deutschland und die Staaten des kollektiven Westens versuchten, die unipolare Weltordnung mit Farbrevolutionen, Regimewechseln, unilateralen Sanktionen und Interventionskriegen durchzusetzen.

Die Kombination aller Aspekte dieser imperialen und neokolonialistischen Politik hat eine gewaltige Gegenreaktion ausgelöst, in deren Verlauf sich diese Länder zunehmend dem Einfluss des kollektiven Westens zu entziehen suchen. Der in der Geschichte beispiellose wirtschaftliche Aufstieg Chinas und seine auf Win-Win-Kooperation angelegte Politik bietet den Staaten des Globalen Südens die Chance, die Periode von 500 Jahren Kolonialismus endgültig zu überwinden.

Die Abstimmungsniederlage in der UN ist der überfällige Weckruf an Deutschland, sich endlich aus seinem bejammernswerten Zustand als Kolonie der Anglosphäre zu befreien – die ganze Welt lacht über unsere Nicht-Reaktion auf die von Biden angekündigte Sabotage der Nordstream-Pipelines –  und sich dauerhaft auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen. Dies kann nur die Kooperation mit den Staaten der Globalen Mehrheit – das sind 85% der Menschheit – auf Augenhöhe, als gleichberechtigte Partner, bedeuten. Anstatt rassistische Chimären zu verbreiten, wie Joseph Borrells Fiktion vom europäischen Garten, der vom Dschungel umgeben sei, sollten wir Afrika, Asien und Lateinamerika dabei helfen, ebenfalls schöne Gärten zu schaffen. Dann könnten wir übrigens ganz nebenbei dafür sorgen, dass unsere Brücken rechtzeitig instandgesetzt werden, die Industrie wieder den Anschluss findet und unsere Schüler wieder etwas lernen.

Dann hätte, wenn auch unabsichtlich, Annalena Baerbock durch ihren erschlichenen Vorsitz bei der UN-Vollversammlung, durch den sie die Niederlage bei der Abstimmung verkünden musste, doch noch etwas Positives zur deutschen Politik beigetragen.


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