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Internationaler Aufruf an die Jugend: Das Zeitalter der Vernunft liegt in den Sternen!

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Das Schiller-Institut kündigte eine weltweite Mobilisierung an, angefangen mit Aktionstagen am 10. und 12. September, um „die Jugend der Welt daran erinnern, daß der Klimawahn völlig im Widerspruch zur wahren Identität des Menschen als einer weltraumfahrenden Gattung steht, die mit Hilfe der Raumfahrttechnologie jedes Problem, einschließlich des Klimawandels, angehen kann“. Für diese Aktionstage verfaßte die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, das folgende Flugblatt, das in Lateinamerika, in Europa, in Afrika, in Asien und in den Vereinigten Staaten verbreitet wird.

 

Es gibt eine richtig gute Nachricht: Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen, das intellektuell und moralisch unbegrenzt vervollkommnungsfähig ist! Wir können das tun, wozu weder die Esel noch die Affen in der Lage sind, wir können ohne Begrenzung immer wieder neue wissenschaftliche Prinzipien des Universums, in dem wir leben, entdecken! Und diese qualitativen Entdeckungen führen dazu, daß wir – im Gegensatz zu den Eseln und Affen – immer wieder neu definieren können, was Ressourcen sind, die deshalb unbegrenzt sind, und daß wir die Lebensgrundlagen der Menschheit so immer weiter verbessern können!

Wir erleben gerade nie dagewesene faszinierende wissenschaftliche Revolutionen: Die Chinesen erkunden mit ihren Chang’e-Mondmissionen die erdabgewandte Seite des Mondes und planen, in der Zukunft Helium-3 als Treibstoff für die kommende Fusionsökonomie auf der Erde abzubauen, und nächstes Jahr soll eine Mars-Mission die Bedingungen für Terraforming auf dem Roten Planeten erkunden. Die Inder erkunden mit ihrer Chandrayaan-2– Mission am Südpol des Mondes das Eis in den immer im Schatten liegenden Kratern und damit eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Leben auf dem Mond. Die ESA arbeitet an ganz konkreten Plänen der internationalen Kooperation für ein permanentes Monddorf! Die USA knüpfen mit ihrem Artemis-Programm an Kennedys Apollo-Programm an, und sowohl Rußland als auch die USA und China sehen in atombetriebenen Raumschiffen die richtige Wahl für künftige Flüge zu Mars und tief ins All!

Das Tolle an der Raumfahrt ist, daß sie beweist, daß wir nicht in einem geschlossenen System leben, in dem die Rohstoffe begrenzt und die mörderischen Ansichten von Thomas Malthus, Julian Huxley, Bertrand Russell und Prinz Philip richtig wären, sondern daß wir im Gegenteil in einem anti-entropischen Universum leben. Die Raumfahrt ist der unwiderlegbare Beweis, daß das Universum so beschaffen ist, daß es den adäquaten Hypothesen des menschlichen Geistes „gehorcht“, daß es also eine absolute Kohärenz gibt zwischen den von der Vernunft hervorgebrachten, immateriellen Ideen und den physischen Gesetzen dieses Universums, und daß diese Ideen die Speerspitze der anti-entropischen Dynamik des Universums sind.

In jüngster Zeit gab es dafür bahnbrechende Beweise: Rund 100 Jahre, nachdem Einstein seine Thesen über die Existenz von Gravitationswellen und Schwarzen Löchern aufgestellt hat, konnten jetzt die Änderung der Raumzeit bewiesen und kurz darauf mit Hilfe von acht über die ganze Erde verteilten Radioskopen die ersten Bilder der Umgebung eines Schwarzen Lochs aufgenommen werden, dessen Masse 6,5 Milliarden mal größer ist als die der Sonne und das sich 55 Millionen Lichtjahre entfernt im Zentrum der Galaxie M87 befindet. Es gibt noch so vieles in unserem Universum zu entdecken, in dem es laut Hubble-Teleskop mindestens zwei Billionen Galaxien gibt! Die Raumforschung eröffnet die immer tiefere Einsicht, wie die Gesetzmäßigkeit unseres Universums funktioniert und welche Rolle wir Menschen darin spielen!

Damit steht der lebensbejahende Kulturoptimismus, der mit der Idee der Menschheit als weltraumfahrender Gattung einhergeht, in völligem Gegensatz zu der künstlich geschürten Weltuntergangsstimmung, die von den Aposteln des bevorstehenden Weltuntergangs – wie Prinz Charles und dem Hedgefonds-Covergirl Greta – verbreitet wird. Dabei stehen hinter dem Greta-Hype ganz schnöde Interessen: Das transatlantische Finanzsystem steht vor einem gravierenderen Crash als 2008, und die Finanzhaie und Heuschrecken der City of London und der Wall Street versuchen, mit der Lenkung möglichst aller Investitionen in grüne Technologie einen letzten großen Reibach zu machen, bevor es zur Systemkrise kommt.

Ein genauerer Blick auf die Geldgeber von Gretas extrem ambitionierter und gut geölter Terminplanung, der Exitinction Rebellion (XR) und Fridays for Future (F4F) enthüllt, daß diese Bewegung von den reichsten Menschen dieser Erde finanziert wird, zu denen u.a. Bill Gates, Warren Buffett, George Soros und Ted Turner gehören. Fakt ist, daß die Nutznießer des Klima-Hypes und des Grünen New Deal die Banken und Hedgefonds sind.

Die Zielscheibe dieser beispiellosen Manipulation seid Ihr, die Kinder und Jugendlichen dieser Welt! Sollte es Euch nicht zu denken geben, daß Eure angebliche „Rebellion“ von der gesamten Mainstream-Medienlandschaft und dem gesamten liberalen Establishment unterstützt wird? Dabei ist die abscheuliche Idee, daß die Manipulation des Paradigmenwandels einer ganzen Gesellschaft mit der Indoktrinierung der Kinder anfangen muß, nichts Neues. Bereits 1951 schrieb Lord Bertrand Russell in seiner Schrift The Impact of Science on Soiety (dt. Wissenschaft wandelt das Leben):

„Politisch wird wahrscheinlich die Massenpsychologie zur wichtigsten Disziplin werden… Das Aufkommen der modernen Propagandamethoden hat ihre Bedeutung wesentlich gesteigert… Es steht zu hoffen, daß eines Tages jeder jeden zu allem überreden kann, wenn er seinen Patienten nur jung genug in die Hand bekommt und vom Staat mit Geld und dem erforderlichen Apparat versehen wird.“ Man müsse die Kinder nur möglichst unterhalb des Alters von zehn Jahren erreichen und sie davon überzeugen, daß der Schnee schwarz sei.

Was mit der apokalyptischen Panikmache von Leuten wie AOC („Wir haben nur noch 12 Jahre“) oder dem Chef des britischen Commonwealth, Prinz Charles („Wir haben nur noch 18 Monate!“) erreicht werden soll, ist eine induzierte radikale Veränderung in der Lebensgestaltung der Menschen: Alles soll aufgegeben werden, was wir in den letzten 250 Jahren unter Fortschritt verstanden haben, und wir sollen zu einem technologischen Niveau zurückkehren, wie es vor der industriellen Revolution existiert hat. Das bedeutet aber auch, daß dann die Anzahl der Menschen, die mit diesem Niveau erhalten werden können, auf etwa eine Milliarde oder weniger zurückgeht.

Es würde bedeuten, daß die Entwicklungsländer überhaupt keine Perspektive hätten, jemals Armut, Hunger, Epidemien und einem verkürzten Leben zu entkommen, ja es wäre Genozid an einer unvorstellbar großen Anzahl von Menschen! Wenn der „Klimaforscher“ Mojib Latif meint, der westliche Lebensstil lasse sich nicht auf alle Menschen in der Welt übertragen, und Barack Obama sich angesichts der vielen Jugendlichen in Afrika entrüstet, wo man hinkäme, wenn jeder von ihnen ein Auto, eine Klimaanlage und ein großes Haus haben wolle, dann verbirgt sich dahinter die menschenverachtende Arroganz von Mitgliedern der absolut privilegierten, obersten Klasse. Genau diese Sicht der Kolonialherren ist dafür verantwortlich, daß Afrika und weite Teile Lateinamerikas immer noch unterentwickelt sind und viele Hunderte von Millionen Menschen unnötig früh sterben.

Für die Entwicklungsländer bedeutet die Pseudoreligion des anthropogenen Klimawandels Genozid, aber für die Seele der Jugendlichen dieser Welt ist der damit induzierte Kulturpessimismus ein Gift, das die Zuversicht in die menschliche Kreativität zerstört. Wenn alles zum Problem wird und plötzlich mit Schuld beladen ist – Fleisch essen und Essen überhaupt, Autofahren, Fliegen, Heizung, Kleidung, ja Leben an sich -, dann zerstört dies jegliche Entdeckerfreude, jede Begeisterungsfähigkeit für das Schöne und alle Hoffnung für die Zukunft. Und wenn jeder Mensch sowieso nur ein zusätzlicher Parasit ist, der die Umwelt zerstört, dann kommen eben nicht wenige zu solchen misanthropischen Schlüssen wie die Schützen der Massaker von Christchurch und El Paso, die in ihren „Manifesten“ Umweltgründe für ihre Taten angeführt haben.

Umgekehrt liegt in dem wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt, der mit der Raumfahrt verbunden ist, der Schlüssel für die Überwindung aller scheinbaren Begrenzungen unserer gegenwärtigen Existenz auf der Erde. „Terraforming“ – also die Schaffung menschenfreundlicher Bedingungen -, wird dann nicht nur auf dem Mars und dem Mond möglich, sondern auch hier auf der Erde, und in der Zukunft auf vielen Himmelskörpern in unserem Sonnensystem und vielleicht darüber hinaus.

In seiner Anthropologie der Astronautik schreibt der deutsch-amerikanische Raumfahrtpionier Krafft Ehricke:

„Das Konzept der Raumfahrt trägt eine enorme Wirkung in sich, weil sie den Menschen in praktisch jedem Aspekt seiner physischen und geistigen Existenz herausfordert. Die Idee, zu anderen Himmelskörpern zu reisen, reflektiert im höchsten Grade die Unabhängigkeit und die Beweglichkeit des menschlichen Geistes. Sie verleiht den technischen und wissenschaftlichen Unternehmungen des Menschen höchste Würde. Und vor allem berührt sie die Sichtweise seiner Existenz selbst. Infolgedessen mißachtet die Idee der Raumfahrt nationale Grenzen, sie weigert sich, Unterschiede der historischen oder ethnischen Herkunft anzuerkennen, und sie durchdringt das Gewebe des einen soziologischen oder politischen Glaubensbekenntnisses so schnell wie das des nächsten.“

Wir brauchen heute dieses kulturoptimistische Menschenbild und die damit verbundene leidenschaftliche Liebe zur Menschheit als der einzigen bisher bekannten kreativen Gattung! Die Tatsache, daß wir uns im Weltraum ausbreiten können, bedeutet, daß wir die engen Grenzen eines nur auf die Erde beschränkten Denkens überwinden können. „Dort in den Sternen beginnt der lang ersehnte Eintritt des Menschen in das Zeitalter der Vernunft, wenn unsere Gattung die letzten kulturellen Überreste des Animalischen in uns abwirft“, wie es Lyndon LaRouche formulierte.

Es ist ein unglaubliches Privileg, jetzt jung zu sein, nach den Sternen zu greifen und eine Epoche der Menschheit mitzugestalten, die zum ersten Mal in der Geschichte das unbegrenzte Potential unserer Gattung entfalten kann!

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts

zepp-larouche@eir.de


Webcast: Zeit für Optimismus – 50 Jahre Mondlandung und weltweite Kooperation für den Fortschritt

Helga Zepp-LaRouche spricht in ihrem Webcast vom 13. Juli über eine „Auflockerung am Himmel“ in der strategischen Lage, ausgelöst durch die Diplomatie beim G20-Gipfel und dem Treffen zwischen Trump und Kim an der koreanischen Grenze. Allerdings stehen diesem möglichen Bruch in der unipolaren geopolitischen Weltordnung nach wie vor die Machenschaften des Britischen Empire entgegen, das militärische Provokationen gegen Iran und China lanciert und, noch wichtiger, einen menschenfeindlichen, grünen Zukunftspessimismus verbreitet.

Während sich der Westen selbst zerlegt, befindet sich Asien im Aufwind, wobei das auffälligste Zeichen hierfür Asiens Betonung der Raumfahrt ist. China und Indien betreiben beide ehrgeizige Mondprojekte, und Trumps Absicht, daß amerikanische Astronauten bis 2024 wieder auf dem Mond landen werden, eröffnet die Möglichkeit für eine breite wissenschaftliche Kooperation. Das sei das beste Gegengift zum Pessimismus der „Grenzen des Wachstums“, worauf sich die grüne Bewegung gründet, so Zepp-LaRouche. Die menschliche Kreativität könne immer neue Horizonte erschließen, wie der Weltraumpionier Krafft Ehricke mit seiner visionären Idee des „extraterrestrischen Imperativs“ und Lyndon LaRouche in seinen Schriften aufgezeigt haben.

Der 50. Jahrestag der Mondlandung kann dazu dienen, die Menschen erneut für die Zukunft zu begeistern, und genau das fürchten die neoliberalen imperialen Netzwerke in London am meisten.


Webcast: Trump-Kim-Treffen bringt den „Geist von Singapur“ zurück

Helga Zepp-LaRouche sagte in ihrem Webcast am 1. Juli, daß das Treffen zwischen Präsident Trump und dem nordkoreanischen Staatsführer Kim Jong-un in der Entmilitarisierten Zone Koreas den „Geist des Singapur-Treffens“ vom letzten Jahr wiederbelebt habe, gleichzeitig zeige es das Potential für positive Entwicklungen, wenn Präsidenten wichtiger Nationen gemeinsam handeln. Das Treffen, das nach Gesprächen zwischen Trump, Putin, Xi, Abe und Moon am Rande des G20-Gipfels zustande kam, zeige außerdem, wie erfolgreich Politik auf Ebene der Präsidenten sein kann. Trump hat mit dem Kim-Treffen die anglophilen neokonservativen Kriegsfalken in seiner eigenen Administration ausmanövriert, und, wie die grotesk feindseligen Reaktionen der Demokraten zeigen, auch diese.

Während der G20-Gipfel es versäumte, etwas gegen die wachsende Wirtschafts- und Finanzkrise zu unternehmen – Zepp-LaRouche sagte, das G20-Format sei dafür auch gar nicht geeignet –, wird im neusten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) die Gefahr der Verschuldung angesprochen, vor allem der Unternehmensschulden und die Auswirkungen, die Zahlungsausfälle solcher Schulden auf Banken haben könnte. Es sei noch immer möglich, Lyndon LaRouches Vier Gesetze zur Überwindung der Krise umzusetzen. Die positiven Zeichen der Trump-Xi- und Trump-Putin-Treffen unterstreichen die Wichtigkeit der Idee von LaRouches Vier-Mächte-Abkommen, um ein neues Weltfinanzsystem zu etablieren.


Zepp-LaRouche spricht in Beijing bei Konferenz über Dialog der asiatischen Zivilisationen

Die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, ist soeben von einem zehntägigen Besuch aus China zurückgekehrt, in dessen Rahmen sie öffentliche Vorträge hielt und zahlreiche private Gespräche führte. Die Reise begann mit ihrer Teilnahme an der „Konferenz über den Dialog der asiatischen Zivilisationen“ vom 15.-16.5. in Beijing, wo Präsident Xi Jinping die Hauptrede hielt. Zepp-LaRouche hielt im Rahmen der Konferenz eine zehnminütige Rede mit dem Titel „Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft“, die bereits im Rahmen der Konferenzbeiträge veröffentlicht wurde (siehe unten).

Sie betonte anschließend, wie beeindruckt die Teilnehmer aus anderen asiatischen Ländern von Chinas Wirtschaftswachstum und phänomenalen Erfolgen bei der Armutsbekämpfung und Überwindung der wirtschaftlichen Rückständigkeit waren.

Zepp-LaRouche hatte zudem zahlreiche Treffen mit hochrangigen Vertretern vieler Spitzeninstitutionen, mit denen sie seit den 90er Jahren in Kontakt steht. Der Hintergrund waren die aktuellen schweren Spannungen zwischen China und den USA wegen des Zusammenbruchs der Handelsgespräche, der Huawei-Affäre und anderer Fragen. Die Besorgnis über die Angriffe auf Huawei wächst, da man darin einen Versuch sieht, Chinas High-Tech-Entwicklung zu verhindern. Die Sanktionen treffen aber auch andere von Huawei abhängige Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika. Viele suchen bei der Lösung dieser Probleme Hilfe von der LaRouche-Bewegung.

Zepp-LaRouche hielt auch eine Rede am Chongyang-Institut für Finanzstudien der Renmin-Universität in Beijing und besuchte Nanjing, wo sie sich mit dem Herausgeber der chinesischen Ausgabe des Sonderberichts Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke traf. Gerade ist die zweite Auflage des chinesischen Berichts erschienen, den der Verlag als eines der wichtigsten Bücher betrachtet. Eine Übersetzung des zweiten Berichts (The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge, Vol. II) ist in Vorbereitung.

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Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft

Von Helga Zepp-LaRouche

Es ist das Charakteristikum von Zeitenwenden, daß die meisten Zeitgenossen keinen Begriff von dem haben, was gerade passiert. Nur diejenigen Visionäre, die eine klare Idee vom positiven Potential der Zukunft haben, können an den Verzweigungspunkten so in den Prozeß eingreifen, daß potentielle Katastrophen abgewandt werden und statt dessen wirklich eine neue Epoche der Menschheit eingeleitet wird.

Wir befinden uns in einem solchen Phasenwechsel: Die alte Weltordnung, wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickelt hat, befindet sich in einem Prozeß der Auflösung, aber wie die neue Ordnung aussehen wird, ist noch keineswegs entschieden. Wir befinden uns sogar in einer Periode, in der das Völkerrecht außer Kraft gesetzt scheint, weil es derzeit weder die UNO noch eine andere Institution zu geben scheint, die dem Völkerrecht Geltung verschaffen kann.

Aber unleugbar ist das Pendel, das in den letzten Jahrhunderten die westliche Zivilisation bevorzugte, auch wenn Asien für Jahrtausende einen herausragenden, und für lange Zeit sogar führenden Platz in der Universalgeschichte einnahm, längst dabei, zurückzuschlagen. Dafür sprechen eindeutig die demographische Entwicklung Asiens, völlig neue strategische Interventionen wie die BRI und klare Zielsetzungen, wie z.B. das Konzept „Made in China 2025“ oder die Perspektive, die Präsident Xi Jinping für China bis 2050 gesetzt hat.

Daraus ergeben sich enorme Chancen für Asien, und vielleicht auch eine völlig neue Form der Verantwortung, die die Inspiration beflügeln sollte, Konzepte zu erarbeiten, wie die Menschheit als Ganze vorangebracht werden kann. Präsident Xi Jinping hat offensichtlich genau diesen Ansatz im Blick, wenn er von der Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit spricht. Wir erleben soeben einen kostbaren Moment, denn noch niemals in der Geschichte war die bewußte Gestaltung einer neuen Epoche mit der Idee der einen Menschheit als höherer Idee so klar als Aufgabe definiert. Wenn wir eine menschlichere Ordnung schaffen wollen, muß sie auf den besten Konzepten aufbauen, die die verschiedenen Kulturen hervorgebracht  haben, und diese müssen gewissermaßen einen ontologischen Charakter haben, denn an ihnen darf nichts zufälliges oder zeitgeistmäßiges sein, wenn sie das Dharma – den moralischen Kodex – bestimmen sollen, dem die geistigen Führer und mit ihnen die asiatischen Gesellschaften in diesem neuen Kapitel der Universalgeschichte folgen.

Es ist auch offensichtlich, daß der Anstoß für die Definition dieses „rechtschaffenen Weges“ aus den alten Traditionen Asiens kommen muß, wie z.B. dem Konfuzianismus, Buddhismus oder Jainismus, die ganz eindeutig mit der Verpflichtung zur lebenslangen Selbstkultivierung und moralischen Veredlung des Menschen verbunden sind. Denn auch wenn der Westen in seinen klassischen und Renaissance-Perioden des Humanismus den gleichen Anspruch hatte, so ist diese Idee der ethischen Verbesserung des Menschen als Lebenszweck geradezu das Gegenteil zum westlichen liberalen Modell, das jede Bevormundung durch moralische Ansprüche oder die Höherwertigkeit einer Philosophie gegenüber einer anderen emphatisch ablehnt.

Wie also müssen die Prinzipien beschaffen sein, die das neue Paradigma der werdenden Gemeinschaft der Menschheit auf so sicheren Grund stellt, das sie sowohl den Erfordernissen der modernen Naturwissenschaft als auch denen des neuen Systems der internationalen Beziehungen gerecht werden?

Die Prinzipien der friedlichen Koexistenz

Diese Frage muß auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Ein guter Anfangspunkt sind die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, Panchsheel, wie sie zum ersten Mal formell in dem Handels- und Verkehrs-Abkommen zwischen der Tibet-Region Chinas und Indien vom 29. April 1954 niedergelegt worden sind. In der Präambel heißt es, daß die beiden Regierungen sich auf die folgenden Prinzipien geeinigt haben:

  1. Gegenseitiger Respekt für die territoriale Integrität und Souveränität des Anderen,
  2. Gegenseitiger Nichtangriff,
  3. Gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Anderen,
  4. Gleichheit und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen, und
  5. Friedliche Koexistenz.

Die erste Konferenz der unabhängigen asiatischen und afrikanischen Staaten in Bandung erweiterte unter der Führung des chinesischen Regierungschefs Zhou Enlai und des indischen Ministerpräsidenten J. Nehru die fünf Prinzipien in die zehn Prinzipien von Bandung. Die gleichen Prinzipien wurden als völkerrechtliches Kernstück auf der Konferenz der Blockfreien-Bewegung 1961 in Belgrad unterstrichen. China hat mit der BRI diese Konzeption der Beziehung zwischen den Nationen zum ersten Mal als die Basis einer globalen Neuordnung definiert, die für alle Nationen offen ist. Präsident Xi betonte in seiner Eröffnungsrede auf dem ersten Belt & Road-Forum im Mai 2017:

„Wir sind bereit, Entwicklungsstrategien mit anderen Ländern zu teilen, aber wir haben nicht die Absicht, uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, unser Gesellschaftssystem und Entwicklungsmodell zu exportieren oder anderen unseren Willen aufzuzwingen.“

Diese Prinzipien der friedlichen Koexistenz haben ihre tiefen Wurzeln in mehreren asiatischen Kulturen. Einige dieser Konzepte sind philosophischer Natur, andere sind Teil theologischer Überlegungen. Es geht in diesem Beitrag um die Identifikation der Ansätze, die die Menschheit vorangebracht haben und die für die Völkerverständigung von morgen relevant sind. Das ist auch der Ansatz, den Präsident Xi bei seinen Auslandsbesuchen wählt. So betonte er bei seinem Besuch in Neu Delhi im Jahre 2014 in einer Rede vor der indischen Elite:

„Schon in antiken Zeiten kam man in China zu der Einsicht, daß ein kriegerischer Staat, so groß er auch sein mag, letztlich scheitern muß. Frieden ist von überragender Bedeutung. Harmonie ohne Gleichförmigkeit und universellen Frieden gilt es zu erringen. Die chinesischen Konzepte vom „universellen Frieden“ und „universeller Liebe“ sind den indischen Konzepten von ,Vasudhaiva Kutumbakum’ (die Welt als eine Familie) und ,Ahimsa’ (keine Verletzung zufügen) sehr ähnlich.“

Die Konzepte der Upanischaden

So finden sich in den antiken Schriften Indiens, den Vedischen Texten, den Upanischaden, und der klassischen Sanskrit-Literatur viele bedeutende Konzepte, die sowohl eine religiöse als auch eine praktische, politische Bedeutung haben. So beinhaltet z.B. das von Xi erwähnte Prinzip des Ahimsa, der Respekt für alle anderen Kreaturen, nicht nur den Verzicht auf jedwede Gewalt, sondern auch, den anderen in keiner Weise zu verletzen, weder verbal noch geistig. Es ist zudem eine Methode der Kriegsvermeidung und Konfliktlösung selbst für komplexe Herausforderungen in der realen Welt.

In den Sammlungen der Rigveda, der ältesten vollständig überlieferten Literatur überhaupt, welche jahrhundertelang mit Hilfe ausgefeilter Mnemotechniken mündlich überliefert worden sind, finden sich grundlegende Gedanken zur kosmischen Ordnung, die letztlich auch die Richtschnur für das menschliche Handeln auf der Erde liefern. In den Upanischaden finden sich fünf Prinzipien, die die gleiche Grundausrichtung reflektieren.

Das grundlegendste Konzept ist das des allumfassenden Brahman:Ishawaram idam sarvam jagat kincha jagatvam jagat“ – „Alles, was existiert, wo immer es existiert, ist von der gleichen göttlichen Kraft durchdrungen.“ Dieser Gedanke findet sich in ähnlicher Form bei Leibniz und seiner Idee der Monade, daß nämlich in jeder Monade die ganze Gesetzmäßigkeit des Universums steckt.

Das zweite Prinzip ist, daß das „Brahman“, das kreative Prinzip, dessen Ausdruck die gesamte realisierte Welt ist, in jedem individuellen Bewußtsein, im „Atman“ steckt. Atman ist die Reflexion dieses allumfassenden Brahman; es ist das individuelle Bewußtsein, aber es ist im Grunde nicht vom Brahman getrennt. „Ishwara sarvabhutanam idise tishtati“– „Der Herr wohnt im Herzen jedes Individuums.“ Die Beziehung zwischen Atman und Brahman ist der Kern, um den sich die ganze vedische Lehre dreht. In der cusanischen Philosophie entspricht dies der Affinität des Makrokosmos und des Mikrokosmos, der es zu verdanken ist, daß eine immaterielle Kraft – eine Idee, die von der kreativen Vernunft erzeugt wird – eine Weiterentwicklung des physischen Universums bewirken kann.

Ein drittes vedisches Prinzip ist, daß alle Menschen wegen ihrer gemeinsamen Spiritualität Mitglieder einer Familie sind. Die Upanischaden sprechen von der Menschheit als amritashya putra, „Kinder der Unsterblichkeit“.

Das vierte Konzept der Upanischaden präsentiert die Idee der Wesenseinheit aller Religionen, aller geistigen Wege: „Ekoham svat virpra bahuda vadanti“– „Die Wahrheit ist Eins, der Weise nennt sie mit vielen Namen“. Diese Idee entspricht der „Sanatana Dharma“, der einen Religion, die über allen Religionen steht, die übrigens auch Nikolaus von Kues in seinem platonischen Dialog De Pace Fidei, den er unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels 1453 und den damit verbundenen blutigen Auseinandersetzungen verfaßt hat, zum Ausdruck bringt: Die Repräsentanten der verschiedenen Religionen und Nationen, die sich in diesem Dialog um Hilfe an Gott wenden, weil sie sich alle in seinem Namen in Kriegen gegenseitig töten, belehrt Gott, daß sie jenseits aller religiöser Traditionen und Lehren der verschiedenen Propheten alle in ihrer jeweiligen Nation und Religion auch Philosophen seien, und daher verstehen könnten, daß es über den Religionen den einen Gott und über den verschiedenen Traditionen die eine Wahrheit gebe. Übrigens hat auch der hinduistische Mönch Swami Vivekananda in seiner berühmten Rede vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago am 11. September 1893 das gleiche Argument angeführt: die Anhänger der verschiedenen Religionen stritten und bekämpften sich nur deswegen, weil ihre Sichtweise zu eng sei und sie nicht begriffen, daß das höchste Wesen unendlich ist.

Ein fünftes vedisches Konzept ist das des Wohles aller Wesen: „Bahujana shukhaya bahujana hitaya cha“ – die  hinduistische Philosophie sucht „das Wohl aller Menschen und aller Lebensformen auf diesem Planeten“. Die Verwandtschaft zur konfuzianischen Idee der harmonischen Entwicklung aller ist offensichtlich, so sagt Konfuzius explizit: „Der, wer Erfolg haben will, sollte anderen zum Erfolg verhelfen.“ Das ist natürlich die Grundidee der BRI und der Konzeption einer Win-Win-Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen.

Die konfuzianische Philosophie spricht auch aus dem Namen der neuen Ära, die mit dem zukünftigen japanischen Kaiser Naruhito beginnen soll: „Reiwa“, was wörtlich „Streben nach Harmonie“ bedeutet. Japanische Kommentatoren betonen, daß dieser Begriff auf die berühmte klassische Gedicht- Anthologie Manyoshu zurückgeht, aber wie der Gelehrte Wang Peng hervorhob, wurde der Begriff des „ling-he“ von alten chinesischen Kaisern als Name für ihr Regierungszeit benutzt, bedeutet in der chinesischen Gegenwart jedoch auch beste Wünsche für Frieden und Harmonie.

Die Idee einer harmonischen Entwicklung aller als Basis für eine Weltfriedensordnung ist also in mehreren asiatischen Kulturen angelegt, und steht damit in direktem Gegensatz zu der Idee, daß das Verhältnis zwischen Staaten eine Art Nullsummenspiel darstellt. Aber ihre Realisierung in der Praxis erfordert offensichtlich eine neue Entwicklungsstufe in der Evolution der Menschheit, das Zeitalter des geistigen Menschen, wie Sri Aurobindo es ausgedrückt hat, oder die zunehmende Dominanz der Noosphäre über die Biosphäre, in der Wladimir Wernadskij die gewissermaßen in der Naturgesetzlichkeit des Universums angelegte Bahn gesehen hat.

Das Universum hat eine inhärente Gesetzmäßigkeit, die es zu höheren Stufen der Entwicklung voranbringt, und Wernadskij sieht darin die kreative Vernunft des Menschen als essentiellen Bestandteil dieses Universums, als eine geologische Kraft, die seit der Existenz der Menschheit in der Evolution diese Höherentwicklung qualitativ vorantreibt. Lyndon LaRouche hat für die Wissenschaft der physikalischen Ökonomie mit seinem Begriff der relativen potentiellen Bevölkerungsdichte, die absolute Effizienz dieser Kreativität des Menschen, die ihn von allen bisher bekannten Lebewesen unterscheidet, den Beweis dafür geliefert.

Nun ist diese anti-entropische Höherentwicklung weder linear, noch das automatische Ergebnis objektiver Prozesse – etwa eines wie auch immer gearteten historischen oder dialektischen Materialismus -, sondern neben dem objektiven Effekt der Anwendung neu entdeckter universeller Prinzipien im Produktionsprozeß kommt der subjektiven intellektuellen und moralischen Höherentwicklung des Menschen ein maßgeblicher Anteil an diesem Prozeß zu.

Für die chinesische und andere asiatische Kulturen ist es mit Sicherheit ein enormer Vorteil für die anfangs gestellte Aufgabe der bewußten Gestaltung eines neuen Paradigmas der Menschheit, daß die Entwicklung des moralischen Charakters in der Philosophie des Konfuzius das wichtigste Ziel der Bildung in weiten Teilen Asiens war. Denn trotz des erheblichen Rummels um die Digitalisierung der Wirtschaft und die Rolle der Künstlichen Intelligenz in künftigen ökonomischen Plattformen wird es immer die Frage der moralischen Qualität des Menschen bleiben, die darüber entscheidet, ob die neuen Technologien zum Wohl der Menschheit oder zu bösen Zwecken eingesetzt werden.

Die Bedeutung der ästhetischen Erziehung

Von erstrangiger strategischer Bedeutung ist deshalb der Brief, in dem Xi Jinping vor einigen Monaten gegenüber acht Professoren der Zentralen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die außerordentliche Bedeutung der ästhetischen Erziehung für die geistige Entwicklung der Jugend Chinas betonte. Die ästhetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines schönen Geistes, sie erfülle die Studenten mit Liebe und fördere das Schaffen großer Kunstwerke.

In China gibt es dank des kontinuierlichen Einflusses des Konfuzianismus – nur von den zehn Jahren der Kulturrevolution unterbrochen – eine Jahrtausende andauernde Tradition, in der die Entwicklung eines moralischen Charakters das höchste Ziel der Erziehung repräsentiert. Es gilt deshalb in China als selbstverständlich, daß die Beachtung der öffentlichen Moral und Bekämpfung schlechter Eigenschaften in der Bevölkerung die Voraussetzung für eine hochentwickelte Gesellschaft darstellt. So forderte z.B. noch der Thronbericht über die Erziehungsziele des akademischen Ministeriums der Qing-Regierung von 1906, vor allem die öffentliche Moral (gongde) und die konfuzianische Tugendlehre als Lehrinhalt weiterzuvermitteln, damit sich „jeder um den anderen sowie um sich selbst kümmert, und den Staat sowie die eigene Familie liebt“.

Ein Schlüssel zum Verständnis der besonderen Bedeutung der ästhetischen Erziehung im heutigen China aber liegt nicht nur in den Lehren des Konfuzius, der der Beschäftigung mit Poesie und guter Musik eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung des moralischen Charakters zugewiesen hatte, sondern der Gelehrte, der das moderne Bildungssystem Chinas mehr beeinflußt hat als jeder andere: der erste Erziehungsminister der provisorischen Republik China, Cai Yuanpei. Er hatte dank außerordentlicher Intelligenz und Fleiß bereits mit 15 Jahren den akademischen Titel xiucai erworben, mit 24 Jahren den höchsten Titel jingshi, und wurde 1894 zum bianxiu. Damit hatte er bereits mit 26 Jahren die höchste Stufe der Akademikerkarriere der Qing-Dynastie erreicht. Er verfügte über exzellente Kenntnisse der klassischen Schriften und war für seinen schönen klassischen Stil berühmt.

Während dieser Zeit war Cai genauso wie die gesamte chinesische Elite erschüttert darüber, daß China im Krieg gegen Japan eine Niederlage erlitt, und überhaupt bei jeder Invasion seit den Opiumkriegen den kürzeren zog, hohe Reparationszahlungen leisten und Rechte an die Invasoren abtreten mußte. Es wurde unter Intellektuellen diskutiert, wie Japan, das jahrhundertelang als rückständig galt, durch die Meiji-Restauration hatte so stark werden können, und man suchte aus dieser Transformation Lehren zu ziehen.

Man machte auch die Korruption der Qing-Dynastie für diese als Schmach empfundenen Niederlagen verantwortlich. Cai war überzeugt, daß der Staat nur überleben würde, wenn sich im Bewußtsein der Bevölkerung etwas ändern würde, und daß diese Verbesserung nur durch verbesserte Inhalte der Erziehung erreicht werden könne. Cai begann sich zunächst mit dem japanischen und dann mit europäischen Bildungssystemen auseinanderzusetzen. Schließlich reiste er nach Frankreich und Deutschland, wo er von 1907 bis 1911 in Leipzig studierte, wo er Zivilisations- und Kulturgeschichte des Abendlandes belegte, bevor er 1912 von Sun Yat-sen zum Erziehungsminister berufen wurde.

Cai unternahm tiefgehende Studien der ästhetischen Schriften von Alexander Gottlieb Baumgarten, Immanuel Kant und Friedrich Schiller, ebenso wie des Bildungskonzepts Wilhelm von Humboldts. Inspiriert durch die exzellenten Studien zur Philosophiegeschichte von Wilhelm Windelband und das direkte Studium von Kant, Schiller und von Humboldt erkannte er sehr schnell, daß Schillers Konzeption der ästhetischen Erziehung sich nicht nur in völliger Affinität mit der konfuzianischen Morallehre befand – sein Begriff der „schönen Seele“ entsprach völlig der konfuzianischen Idee des „junzi“ -, sondern daß Schiller auch über diese Fragen mit größerer Klarheit und von einem erhabeneren Standpunkt sprach als alle früheren oder zeitgenössischen Philosophen. „Die umfassende Theorie Friedrich Schillers und die Idee der ästhetischen Erziehung brachte allen große Klarheit“, schreibt Cai. „Seit jener Zeit kann uns die europäische Idee der ästhetischen Erziehung vieles liefern, auf das wir uns bei der Entwicklung unseres eigenen Verständnisses dieses Gegenstands beziehen können.“

Cai Jianguo zitiert Cai Yuanpei weiter: „In Deutschland hat mich die ästhetische Erziehung sehr beeindruckt. Ich möchte alle meine Kräfte dafür einsetzen, um sie zu befördern.“ Cai schuf dafür den chinesischen Begriff „meiju“, den es zuvor in dieser Sprache nicht gegeben hatte.

Schiller hatte die „Ästhetischen Briefe“ als Antwort auf das Scheitern der Französischen Revolution verfaßt und darin die Auffassung vertreten, daß von jetzt ab jede Verbesserung im Politischen nur aus der Veredlung des Individuums kommen könne. Nur wenn der Mensch sich über das vergängliche Glück der Sinnenwelt erhebt, und nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft, nicht nur für die Gegenwart, sondern für die Zukunft, nicht für den körperlichen Genuß, sondern für die geistige Kreativität einsetzen wolle, könne der Staat prosperieren. In den „Briefen“ und weiteren bahnbrechenden ästhetischen Schriften entwickelte Schiller, warum diese Veredlung des Charakters durch die Versenkung in die große klassische Kunst erreicht werden kann.

Cai Yuanpei erkannte die frappierende Übereinstimmung zwischen der Lehre des Konfuzius und der Ästhetik Schillers. Das Versenken in Dichtung, Musik und Malerei während der Mußestunden erweckt im Betrachter ein ästhetisches Vergnügen, in dem weder ein Begehren, noch eine Ablehnung der sinnlichen Welt liegt, sondern der Geschmack gebildet und die Emotionen veredelt werden. Das ästhetische Empfinden umfaßt Schönheit und Erhabenheit, und schlägt so eine Brücke von der sinnlichen Welt zur Vernunft. Jeder Mensch hat ein Gemüt, aber nicht jeder ist befähigt, große und edle Taten hervorzubringen, deshalb muß dieses Gemüt als Triebkraft stärker werden, indem man es veredelt.

1912 schrieb Cai die „Thesen zur neuen Erziehung“ und das „Lehrbuch über die moralische und charakterliche Vervollkommnung für die weiterführende Schule“, in dem er das menschliche Gewissen als den wesentlichen Ratgeber für das Verhalten charakterisierte. In einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb er: „Ich glaube, daß die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine höhere moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die ästhetische Erziehung.“

Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß Cai als Präsident der Universität Beijing diese Institution zu international anerkannten wissenschaftlichen Erfolgen führte, und dabei viele Anregungen von Wilhelm von Humboldt aufgriff, der in der Berliner Universität die Einheit von Forschung und Lehre und die charakterliche Schönheit als Erziehungsziel etabliert hatte. Aufgrund von Cais Ansehen wurde die Universität in Beijing bald zum Anziehungspunkt für viele junge chinesische Wissenschaftler, die aus dem Ausland zurückkamen, ebenso wie von ihm die Inspiration für viele weitere Kunsthochschulen und Akademien ausging.

Die große Gemeinschaft der Welt

Von größter Bedeutung für das Verständnis der Politik Präsident Xi Jinpings und seiner Idee der „Zukunftsgemeinschaft der Menschheit“ ist meiner Auffassung nach auch die Konzeption Cai Yuanpeis, daß der Staat wie eine größere Familie ist, weswegen das Interesse des Staates den Interessen der Einzelfamilie vorgeordnet sein muß, denn das Gedeihen des Staates war für ihn die Voraussetzung für das Glück der Bürger. Aber ebenso stand für ihn das Interesse der Welt als der Heimat aller Lebewesen über dem Interesse des einzelnen Staates. Cai schrieb: „Bevor die ,große Gemeinschaft’ der Welt verwirklicht wird, kann das Interesse der Gesellschaft mit dem der Welt nicht identisch sein.“ Er betonte auch, daß man bei der Erfüllung der Pflicht dem Staat gegenüber darauf achten müsse, daß sie nicht zur Pflicht der Welt gegenüber in Widerspruch stehe. Er erträumte eine „große Gemeinschaft“ der gesamten Welt (datong shijie), die friedlich und harmonisch ohne Klassenunterschiede und Staatsgrenzen, ohne Armee und Krieg, gestaltet wäre. Alle Menschen würden einander in dieser Weltgemeinschaft verstehen und einander helfen. Cai sah im „Dialog der Kulturen“ den Weg zu diesem Ziel: „Ich habe häufig gedacht, daß eine Nation die Kultur anderer Völker unbedingt aufnehmen muß. Dies ist so wie der Körper eines Menschen, der ohne Atmen der Luft der Außenwelt, ohne Essen und Trinken nicht wachsen kann.“ Ja, er sah in dieser Begegnung der Kulturen die absolute Voraussetzung der Höherentwicklung: „Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Geschichte, so sieht man, daß die Auseinandersetzung unterschiedlicher Kulturen immer zur Entstehung einer neuen führt.“

Die Verwirklichung dieser Vision durch die Dynamik und den „Geist der Neuen Seidenstraße“ ist für die Zukunft absolut erkennbar. Die Prinzipien, die den „rechtschaffenen Weg“ für das Neue Paradigma bestimmen müssen, sind keine statischen Axiome, sondern sie bestehen aus den Chancen, die sich aus der ästhetischen Erziehung eventuell aller Menschen ergeben. In einer Welt, in der die Ökonomie nicht nach den Prinzipien der Profitmaximierung und größtmöglichen Befriedigung der individuellen Gier funktioniert, sondern nach der bestmöglichen Förderung der Kreativität der Menschen als dem Motor eines sich anti-entropisch entwickelnden Universums – wenn also gewissermaßen die „kosmische „Ordnung“ das politische, ökonomische und kulturelle Leben inspiriert -, dann sind die Träume des Konfuzius, von Schiller, Cai Yuanpei, Xi Jinping und Lyndon LaRouche die politischen Gesetzgeber der Menschheit. So wie Tagore es in seinem berühmten Dialog mit Einstein ausdrückte: „Wenn unser Universum in Harmonie mit den Menschen ist, empfinden wir das Ewige, das wir als Wahrheit kennen, als Schönheit.“

 


Chandra Muzaffar: Die Macht der Neuen Seidenstraße

Dr. Chandra Muzaffar, Präsident der Internaionalen Bewegung für eine Gerechte Welt (JUST) in Malaysia, der bereits einen bewegenden Nachruf auf Lyndon LaRouche geschrieben hat, hat eine ebenso eindrucksvolle Betrachtung verfaßt, welche Macht die Belt and Road Initiative inzwischen entfaltet hat. Er schreibt:

„Die Belt and Road Initiative (BRI), auch bekannt als Ein-Gürtel-Eine-Straße-Projekt (OBOR), dürfte sich als die obor (in indonesisch oder malaiisch die Flamme) erweisen, die einer neuen Geschichtsepoche den Weg bahnt.“

Er beschreibt die gewaltigen Infrastrukturprojekte in 65 Ländern, aber setzt hinzu:

„Das ist mehr als Infrastruktur im herkömmlichen Sinn… Es besteht kein Zweifel, daß OBOR den Austausch zwischen Kulturen und Staaten über die nationalen Grenzen hinweg befördern wird. Dies dürfte zu einer besseren Kenntnis und Wertschätzung der kulturellen und religiösen Vielfältigkeit führen. Größere Würdigung der Unterschiede und Ähnlichkeiten, die Religionen und Kulturen auszeichnen, könnte eine Atmosphäre schaffen helfen, die zu sozialer Harmonie beiträgt.“

Er beschreibt, wie die antike Seidenstraße nicht nur Waren, sondern auch Ideen und Religionen beförderte. Diese Art Globalisierung wurde von einer zweiten Globalisierung abgelöst, als Kolumbus und Vasco da Gama die Schiffahrtsrouten nach Asien eröffneten, die jedoch zur Kolonialzeit und zu „hegemonialer Globalisierung“ ausarteten, schreibt Muzaffar.

„Als dritte Welle der Globalisierung ist OBOR strikt gegen Hegemonie,“ so Muzaffar weiter. „Die chinesische Führung betrachtet die Beziehungen zwischen den OBOR-Staaten als Partnerschaft. Sie hat nicht die Absicht, ihren Willen anderen Staaten aufzuzwingen. Die Probe aufs Exempel hierfür war die Frage der Ostküsten-Bahnanbindung, bei der Malaysia verschiedene Einwände gegen den Vertrag erhob, der zwischen einem chinesischen Unternehmen und der vorigen malaysischen Regierung geschlossen wurde und der den nationalen Interessen eindeutig abträglich war. Nach anstrengenden Verhandlungen wurde der Vertrag zum Vorteil beider Seiten umfassend abgeändert.“

Er schließt:

„OBOR ist die beste Hoffnung, die wir haben, um eine gerechte und gleichberechtigte Welt zu schaffen, die nicht von einigen wenigen beherrscht wird… Dies ist vielleicht der zwingendste Grund, warum die Bürger dieser Welt mit all ihrer Energie danach trachten sollten, die Flamme am Leben zu erhalten.“


Kulturaustausch: Für ein Neues ‚Jemen felix‘ !

Jemen liegt am Kreuzungspunkt der Maritimen Seidenstraße in unmittelbarer Nachbarschaft des Horns von Afrika und könnte durch eine Einbindung in diese neues Entwicklungspotential entfalten. Zum Seminar „Felix-Jemen statt Völkermord“ klicken Sie hier.

Die Deutsch-jemenitische Gesellschaft e.V. veröffentlichte in ihrem Jahrbuch 2019  den folgenden Artikel von Elke Fimmen über das Seminar des Schiller-Instituts und INSAN im Oktober 2018 in Berlin. Kontakt: Dr. Marie-Christine Heinze, Heinzeatdjg-ev.de

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Webcast – Zweites Belt and Road Forum führt Weltwirtschaft in neue Dimension

Helga Zepp-LaRouche hat das soeben beendete Belt and Road Forum in Beijing zu einem „großen Erfolg“ erklärt, wofür vor allem die große Anzahl der Teilnehmer aus der ganzen Welt und die neu geschlossenen Verträge sprechen. Die aktive Beteiligung einiger europäischer Regierungen sei ihrer Ansicht „sehr interessant“. Schon 1997 habe Lyndon LaRouche darauf bestanden, daß sich die USA an der Eurasischen Landbrücke beteiligen müßten. Wenn man sich vor Augen führte, was gerade in Beijing stattgefunden habe, werde wieder einmal klar, wie prophetisch Herr LaRouche die künftigen Erfordernisse der Menschheit erkannt hat.

Jetzt, wo Präsident Trump das gegen ihn gerichtete Russiagate öffentlich als einen „Putschversuch“ dargestellt hat, um ihn aus dem Amt zu entfernen, so Frau Zepp-LaRouche, sei absehbar, daß die Rolle der Briten als Drahtzieher des Coups offenbar werden wird. Da die Leute, die hinter dem Coup gegen Trump steckten, die gleichen Netzwerke seien, die mit massiven Verleumdungen gegen Lyndon LaRouche vorgegangen sind, betonte Helga Zepp-LaRouche, daß der Kampf für LaRouches Rehabilitierung für das Überleben der USA entscheidend sei.

So wie die Wiederbelebung von Platons Schriften durch Nikolaus von Kues für die italienische Renaissance ausschlaggebend war, so werde die Beschäftigung mit den wissenschaftlichen und philosophischen Schriften LaRouches den Erfolg des neuen Paradigmas heute sicherstellen können. Die außerordentliche internationale Anstrengung, mit der die großartigen Abbildungen eines „Schwarzen Lochs“ gelungen sind, ist ein weiterer Ausdruck des Prinzips, daß man alle sog. Axiome immer von einem höheren Standpunkt hinterfragen müsse. Internationale Kooperation in der Raumfahrt ist ein entscheidendes Mittel, um die Jugend von heute für echte Wissenschaft und die Schaffung einer besseren Zukunft zu begeistern.

Lesen Sie auch Helga Zepp-LaRouches Artikel „Roads to the West—Geopolitical Spectacles Make it Impossible to See the Solutions,” erschienen am 17. April 2019 in der Beijing Review.

Wie immer gilt Ihnen Dank, daß Sie die Arbeit des Schiller-Instituts verfolgen.Wir schreiben Geschichte, und Sie sind ein Teil davon!


Für die Rehabilitierung der schönsten Seele in der Geschichte Amerikas!

Es gibt in der Geschichte der USA meines Wissens keine Person, bei der eine größere Diskrepanz besteht zwischen dem Bild, das das neoliberale Establishment und die sogenannten Mainstream-Medien von ihm durch jahrzehntelange Verleumdungen und Geheimdienstoperationen aller Art geschaffen haben, und der Realität des Menschen Lyndon LaRouche. Und das will nach der über zweijährigen „Hexenjagd“ gegen Präsident Trump eine Menge heißen. Sowohl in der Gefahr, die seine Gegner für die Existenz der USA als Republik und damit für die Welt darstellen, als auch in der existentiellen Bedeutung seiner Ideen für die Zukunft Amerikas liegt der Grund, warum die vollständige Rehabilitierung von Lyndon LaRouche gleichbedeutend mit dem Schicksal Amerikas ist.

Natürlich werden die meisten denken, daß ich als Witwe von Lyndon LaRouche nach 41 Jahren Ehe nicht objektiv in meinem Urteil über ihn bin, aber ich sage es trotzdem: Lyn war der kreativste Mensch seiner Zeit. Es gab so gut wie kein relevantes Wissensgebiet, sei es in den Naturwissenschaften, der klassischen Musik und Dichtung, Geschichte oder Philosophie, in dem er sich nicht mit den besten Experten messen konnte oder sie sogar noch übertraf. Er war einer der wenigen Ökonomen weltweit, die diesen Titel überhaupt verdienen, denn er stellte die „physische Ökonomie“, wie sie sich seit Leibniz entwickelt hatte, durch Anwendung der Theorien von Bernhard Riemann, Wladimir Wernadskij und Albert Einstein auf eine wissenschaftliche Basis. Seine Analyse des monetaristischen Weltfinanzsystems basierte auf dieser Theorie der physischen Ökonomie, die ihn in die Lage versetzte, alle wesentlichen Fehlentwicklungen seit den 50er Jahren präzise zu prognostizieren.

Schon 1975 entwarf er ein neues internationales Kreditsystem – die Internationale Entwicklungsbank -, das er im Laufe der Jahre zu einem Neuen Bretton-Woods-System vertiefte. Während der letzten 50 Jahre war er federführend bei der Ausarbeitung von umfassenden Entwicklungs- und Industrialisierungs-Programmen für fünf Kontinente, die heute im Ausbau der Neuen Seidenstraße zur Weltlandbrücke, an dem inzwischen 126 Staaten beteiligt sind, ihren Widerhall finden. Ab 1976 nahm er insgesamt acht Mal am US- Präsidentschaftswahlkampf teil, sieben mal davon in der Demokratischen Partei. Diese verschiedenen Kampagnen waren nicht einzelne Wahlkämpfe, sondern der zusammenhängende Versuch, nicht nur das Präsidentenamt selbst, sondern auch die Institutionen der Präsidentschaft, als das durch den Unabhängigkeitskrieg erkämpfte Amerikanische System, aus der Kontrolle des Britischen Empires zu befreien, in die es seit dem Tod Franklin Roosevelts prinzipiell geraten war.

 

Erfolge veranlassen Verfolgung

 

Nachdem Elemente jenes Apparates, der irreführenderweise oft als „Deep State“ bezeichnet wird, bei dem es sich aber um die tiefe Penetration der amerikanischen Institutionen durch die Geheimdienste des Britischen Empires handelt, LaRouche wegen seiner nonkonformistischen Denkweise bereits in den 60er Jahren auf dem Bildschirm hatten, inszenierte dieser Apparat ab 1982 eine Kampagne gegen ihn, die nach der selben Methode aufgebaut war wie das „Russiagate“ gegen Präsident Trump. Vom Standpunkt dieses anglophilen Establishments hatte LaRouche den Rubikon überschritten: Er schlug nicht nur strategische Konzepte zur Lösung der Krise um die Pershing II/SS20-Mittelstreckenraketen und der Krise des globalen Finanzsystems vor, es begannen auch Staatschefs mehrerer Nationen, diese Konzepte umzusetzen.

Als der damalige mexikanische Präsident López Portillo am 1. September 1982 Elemente von LaRouches Plan für die wirtschaftliche Integration Lateinamerikas – dem Programm „Operation Juarez“ – umzusetzen begann und Kapitalkontrollen gegen die Kapitalflucht aus dem Peso einführte, herrschte in der Wall Street eine halbe Stunde lang absolute Panik. Man befürchtete, daß Lateinamerika die „Schuldenbombe“ einsetzen würde, um eine Reorganisation der Schuldenzahlungen zu erzwingen. Gleichzeitig war LaRouche im Einverständnis mit der Reagan-Administration mit Moskau in sogenannte „Backchannel- Verhandlungen“ eingetreten, um die Chancen für ein neues strategisches Abkommen auszuloten. Sein Vorschlag, das NATO-Konzept der gegenseitig garantierten Zerstörung (Mutual Assured Destruction, MAD) durch eine gemeinsame Neutralisierung von Atomwaffen und ein gegenseitig garantiertes Überleben (Mutual Assured Survival, MAS) zu ersetzen, wurde im Prinzip ein Jahr später von Präsident Reagan am 23. März 1983 offiziell zur amerikanischen Politik erklärt. In der gleichen Periode traf sich LaRouche mit Indira Gandhi, die die Absicht hatte, das von ihm vorgeschlagene Programm für eine 40jährige Entwicklungsperspektive für Indien umzusetzen.

Die Kräfte des Britischen Empires sahen in diesen Initiativen – dem Versuch, eine dauerhafte Friedenspolitik mit Rußland umzusetzen, und dem Konzept, die Unterentwicklung des Entwicklungssektors durch konkrete Industrialisierungs-Programme zu überwinden – eine existentielle Bedrohung ihres Systems. Am 27. August 1982 schickte die britische Regierung einen Brief an das FBI, in dem sie eine Untersuchung von LaRouche forderten. Auch wenn dieser Brief immer noch unter Verschluß ist, erinnert die Antwort des damaligen Spionageabwehrchefs des FBI, James Nolan, an die, wie sich inzwischen herausgestellt hat, haltlosen Anschuldigungen von Comey, Clapper, Brennan und Co. gegenüber Trump. Nolan schrieb, es sei „vollkommen plausibel“ (entirely plausible), daß die Sowjets LaRouche benutzten, um „sowjetische außenpolitische Ziele“ (Soviet foreign politcy objectives) zu befördern. Ab Januar 1983 wurde dann der schon genannte Apparat von Henry Kissinger und seinen Spießgesellen im Foreign Intelligence Advisory Board, unter totalem Schutz und auf Anweisung des damaligen Vizepräsidenten George H.W. Bush, gegen LaRouche in Gang gesetzt.

Nachdem Vertreter des LaRouche-Flügels in der Demokratischen Partei 1986 bei den Vorwahlen in Illinois die Positionen zwei und drei gewannen und derselbe Robert S. Mueller, der später durch das Russiagate gegen Trump berüchtigt wurde, die Verfolgung von LaRouche übernommen hatte, eskalierte die Attacke. Am 6. Oktober starteten 400 FBI- Agenten und Sicherheitskräfte mit gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern einen Überraschungsangriff auf die Büros und das Anwesen LaRouches. Einer der Agenten gab später zu, daß es die Absicht war, LaRouche im Verlaufe dieses Überfalls zu töten, was nur verhindert wurde, weil das Weiße Haus Präsident Reagans eingeschaltet wurde. Die nachfolgende juristische Verfolgung wurde vom ehemaligen Justizminister Ramsey Clark als ein „breiteres Spektrum an vorsätzlichem, systematischem Fehlverhalten und Machtmißbrauch über einen längeren Zeitraum zur Vernichtung einer politischen Bewegung und ihres Anführers“ bezeichnet, als es „bei jedem anderen Bundesverfahren zu meinen Lebzeiten oder nach meinem Wissen” zur Anwendung gekommen sei. Clark sagte auch: „Das Ziel kann nur so verstanden werden, daß man sie vernichten will. Es ist mehr als eine politische Bewegung, es ist mehr als eine politische Persönlichkeit, auch wenn es das beides ist. Sondern es ist ein fruchtbarer Motor der Ideen, ein gemeinsamer Zweck: denken, studieren und analysieren, um Probleme zu lösen, ohne Rücksichtnahme auf die Auswirkungen auf den Status quo oder auf herrschende Interessen. Die Absicht, die man bezweckte, war, das um jeden Preis zu vernichten… Was den umfassenden, hartnäckigen Einsatz von Strafverfolgung, Medien und Nichtregierungsorganisationen betrifft, die sich auf die Vernichtung eines Feindes konzentrieren, muß dieser Fall an erster Stelle stehen.“

Nachdem der erste, in Boston angestrengte Prozeß fehlgeschlagen war, weil die Verteidigung eine schmutzige Operation bei der Beweisführung seitens der Regierung nachweisen konnte, wurde dieselbe Anklage – was juristisch verboten ist – im Schnellverfahren im berüchtigten Gericht in Alexandria erneut erhoben und abgehandelt. Bei diesem Freisler-Prozeß kam LaRouche nicht einmal zu Wort und wurde für eine angebliche Wirtschaftsstraftat zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Dieser Umstand wurde, begleitet von einer beispiellosen internationalen Verleumdungskampagne in den Mainstream-Medien und unterstützt von privaten Stiftungen, dazu benutzt, LaRouche in der ganzen transatlantischen Welt zu brandmarken.

 

LaRouches Einsatz für die Entwicklung der Welt

 

Das größte Verbrechen besteht nicht nur in der Verletzung der Menschenrechte und Freiheitsberaubung von LaRouche und seinen Mitarbeitern – einem absoluten Schandfleck im Ansehen der USA bis zum heutigen Tag -, sondern vor allem darin, daß durch dieses Vorgehen verhindert wurde, daß sich die Bevölkerung in den USA und Menschen in anderen Ländern unbefangen mit LaRouches Ideen beschäftigen konnten. Damit wurde die Umsetzung seiner Lösungen verhindert, und es ist keine Übertreibung zu sagen, daß als Konsequenz Millionen von Menschen das Leben verloren haben, etwa durch die so verhinderte Industrialisierung der Entwicklungsländer. So gehörte z.B. die infrastrukturelle Entwicklung des afrikanischen Kontinents seit 1976 zu den Herzensangelegenheiten meines Ehemanns. Ein Gesamtplan für Afrika wurde zum erstenmal auf einer Konferenz in Paris vorgestellt, der 1980 in Buchform veröffentlicht wurde.

Die Entwicklung Afrikas war immer ein wesentlicher Programmpunkt seiner Präsidentschaftskampagnen, ebenso wie Gegenstand zahlreicher internationaler Konferenzen und Seminare mit Repräsentanten vieler afrikanischer Staaten in zahlreichen europäischen Staaten. So schrieb der damalige Executive Director der NAACP im Bundesstaat Oklahoma, Reverend Wade Watts, 1992, also als LaRouche unschuldig im Gefängnis saß, in einem Beitrag für die Festschrift für LaRouche zu dessen 70. Geburtstag:

„Er sagte, wenn er Präsident der Vereinigten Staaten würde, würde er die Wüste Sahara in Afrika wie eine Rose erblühen lassen. Er sagte, er würde Seen bauen, um das Wasser einzufangen, wenn es fällt, er würde Kanäle vom Tschadsee in die Sahara schneiden und ein Bewässerungsprogramm starten, er sagte, er würde auch Kanäle vom Nil bis zur Sahara schneiden, und sie könnten genug Nahrung erzeugen, um 85% der gesamten Welt zu ernähren. Er sagte, er würde Traktoren, Mähdrescher, Planierraupen und moderne landwirtschaftliche Geräte dorthin bringen und dafür sorgen, daß diese Afrikaner nicht mehr die alten Holzpflüge und Ochsen benutzen müssen. Er sagte, er würde ein Düngemittelprogramm starten und Fruchtwechsel einführen und den Schädlingen den Krieg erklären und sie mit Substanzen bekämpfen, die für den Menschen nicht schädlich sind. Er sagte, daß Länder, die etwas in Afrika tun, das normalerweise nicht tun, um den Afrikanern zu helfen, sondern um sie auszubeuten. Ich fragte mich, woher er seinen Verstand hatte. Er sagte Dinge für die Zukunft voraus, die sich manchmal wie ein Uhrwerk erfüllten.“

In einem Beitrag zu seinem 75. Geburtstag, am 8.9.1997, fügte Reverend Watts hinzu: „Sie sprachen auch über Äthiopien und die Hauptstadt Adis Abeba, und Sie sagten, es gebe außerhalb der Hauptstadt nur jeweils 40 Meilen nach Norden, Süden, Osten und Westen befestigte Straßen, danach verwandelten sie sich in Feldwege und Viehwege. Und das in einer Zeit, in der Äthiopien in Not war.“

Dank der chinesischen Investitionen hat nun die Industrialisierung Afrikas ernsthaft begonnen, aber viele Kinder und Erwachsene sind in der Zwischenzeit verhungert und viele Flüchtlinge bei dem Versuch, Europa zu erreichen, umgekommen. Auch das geht auf das Konto der Verfolger von LaRouche.

Aber zum Glück gelang es der imperialistischen Mafia nicht vollends, den Einfluß von LaRouches Ideen einzudämmen. Auch wenn angesichts des hohen Lebensalters, das meinem Ehemann vergönnt war, viele seine Mitstreiter in vielen Ländern der Welt bereits verstorben sind, so ist die Zahl der einfachen wie einflußreichen Menschen, die im Verlaufe des letzten halben Jahrhunderts mit ihm und seinem Werk in Berührung gekommen sind, extrem beeindruckend. Sprecher und Teilnehmer bei zahllosen Konferenzen auf fünf Kontinenten zu vielfältigen Themen – von einer gerechten neuen Weltwirtschaftsordnung bis zu der Notwendigkeit einer Renaissance der klassischen Kultur -, Tausende von Prominenten, die sich während seiner Gefangenschaft für seine Freilassung und Rehabilitierung eingesetzt haben, darunter zahlreiche ehemalige Staatschefs und Minister, ehemalige Generalstabschefs und Gewerkschaftsführer, Kardinäle, Bischöfe, Wissenschaftler und Künstler, haben ihrerseits seine Ideen in vielfältige Kanäle fließen lassen.

Mein Ehemann hat ein enormes Gesamtwerk hinterlassen, in dem seine begeisternden Visionen für die nächsten 50 Jahre der Menschheit und darüber hinaus ebenso zum Ausdruck kommen wie seine bahnbrechenden wissenschaftlichen, künstlerischen und philosophischen Konzeptionen. Die Veröffentlichung soll so schnell wie möglich erfolgen. Aber er wirkte und wirkt nicht nur durch seine Schriften, denen er mit dem Furor des Genius bis ins hohe Alter oftmals 60-80 Seiten pro Tag, druckreif und mit allen Fußnoten versehen, hinzufügte. Einen unmeßbaren und enormen Effekt hatte er nicht nur in öffentlichen Reden, sondern vor allem im persönlichen Gespräch, wobei oft schon ein einziges genügte, um das Leben des Gesprächspartners für immer zu berühren. Zahlreiche Beiträge zu den Festschriften für die „runden“ Geburtstage während der letzten 30 Jahre und in jüngster Zeit eine Flut von Kondolenzschreiben anläßlich seines Ablebens spiegeln den tiefen Effekt wider, den er auf viele Menschen auf der ganzen Welt hatte.

 

Ein philosophischer Kopf

 

Zahllosen Menschen, die das Glück hatten, ihn persönlich kennenzulernen, eröffnete er den Zugang zu ihrer eigenen Kreativität, in einer Weise, wie es nur die Genies in der Geschichte vermochten. „Danke, Sie haben mein Leben verändert“, ist die Botschaft an ihn in die Ewigkeit von Tausenden. Viele brachten zum Ausdruck, sie hätten vielleicht auch ohne ihn Platon, Augustinus, Nikolaus von Kues, Leibniz, Schiller, Bach, Beethoven, Kepler, Gauß, Einstein oder Wernadskij kennengelernt – um nur einige in der langen wissenschaftlichen, geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Tradition zu nennen, deren Ideen sein Lebenselement waren -, aber diese Denker, Dichter und Komponisten wären ihnen ohne LaRouche niemals so ans Herz gewachsen und sie wären ohne sein weit über akademische Verstocktheit in die Tiefe gehendes Verständnis und seine ihm eigene philosophische Dimension niemals auf die gleiche Weise zum Wesen dieser Großen vorgedrungen. Es ist nicht zuviel gesagt: Lyndon LaRouche hat eine Wiederbelebung und Vertiefung des Verständnisses der besten Traditionen der klassischen Kunst und des wissenschaftlichen Erbes der westlichen Zivilisation hervorgebracht. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Mensch der Renaissance.

Weitsichtig erkannte er in den 60er Jahren, als die „Flower-Power-Bewegung“ auf weitgehend unvorbereitete Zeitgenossen traf, daß die Rock-Sex-Drogenkultur das kognitive Potential der Gesellschaft zerstören würde, und 1977 veröffentlichte er die Warnung, daß die Drogenepidemie die USA ruinieren würde.

Es fehlt hier der Raum, all die kostbaren Einsichten und Entdeckungen auch nur anzudeuten, die Lyndon LaRouche den Zeitgenossen und der Nachwelt schenkte. Stellvertretend seien hier nur einige genannt.

Der große russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow schlug vor, in der Tradition, daß die von großer Entdeckern gefundenen wissenschaftlichen Erkenntnisse nach den Namen ihrer Entdecker benannt werden – also z.B. Ampere nach dem französischen Mathematiker und Physiker André-Marie Ampère, Volt nach dem italienischen Physiker Allessandro Volta, etc. -, daß LaRouches Entdeckung der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte als Maßstab für die physische Ökonomie mit dem Namen „La“ bezeichnet werden sollte.

Norbert Brainin, der Gründer und Primgeiger des legendären Amadeus-Quartetts, sagte meinem Mann nicht nur, er lese täglich in seinen Werken, sondern er schrieb ihm ins Gefängnis:

„Irgendwie kann ich nicht umhin, in diesem Zusammenhang der Revolution in der Geschichte der musikalischen Komposition, die von Haydn und Mozart im späten 18. Jahrhundert herbeigeführt wurde, darüber nachzudenken, daß es eine Zeit gab, in der Haydn und Mozart die einzigen Menschen auf der Welt waren, die sich dieser entscheidenden Entwicklung, der Einführung dieses strengen Prinzips der Motivführung (thematische Entwicklung), bewußt waren; die Parallele zur heutigen Zeit ist, daß es auch heute nur noch zwei Menschen gibt, die sich dieses revolutionären Durchbruchs bewußt sind, nämlich Sie und ich. Ich denke, das verheißt Gutes für die Zukunft. Mit all meiner Liebe, Dein Norbert.“

Lyndon LaRouche besaß die ebenfalls von Brainin als Voraussetzung für das Genie so sehr geschätzte Qualität der „truthseeking“, des von Friedrich Schiller so bezeichneten „philosophischen Kopfes“, der, wie Schiller sagt, die Wahrheit mehr liebt als sein System. Ich kenne keinen Menschen, auf den das folgende Zitat aus Schillers Schrift zur Universalgeschichte mehr zutrifft als auf Lyn:

„Wie ganz anders verhält sich der philosophische Kopf! – Ebenso sorgfältig, als der Brotgelehrte seine Wissenschaft von allen übrigen absondert, bestrebt sich jener, ihr Gebiet zu erweitern und ihren Bund mit den übrigen wieder herzustellen – herzustellen, sage ich, denn nur der abstrahierende Verstand hat jene Grenzen gemacht, hat jene Wissenschaften von einander geschieden. Wo der Brotgelehrte trennt, vereinigt der philosophische Geist. Frühe hat er sich überzeugt, daß im Gebiete des Verstandes, wie in der Sinnenwelt, alles in einander greife, und sein reger Trieb nach Übereinstimmung kann sich mit Bruchstücken nicht begnügen. Alle seine Bestrebungen sind auf Vollendung seines Wissens gerichtet; seine edle Ungeduld kann nicht ruhen, bis alle seine Begriffe zu einem harmonischen Ganzen sich geordnet haben, bis er im Mittelpunkt seiner Kunst, seiner Wissenschaft steht und von hier aus ihr Gebiet mit befriedigtem Blick überschauet. Neue Entdeckungen im Kreise seiner Tätigkeit, die den Brotgelehrten niederschlagen, entzücken den philosophischen Geist. Vielleicht füllen sie eine Lücke, die das werdende Ganze seiner Begriffe noch verunstaltet hatte, oder setzen den letzten noch fehlenden Stein an sein Ideengebäude, der es vollendet. Sollten sie es aber auch zertrümmern, sollte eine neue Gedankenreihe, eine neue Naturerscheinung, ein neu entdecktes Gesetz in der Körperwelt den ganzen Bau seiner Wissenschaft umstürzen: so hat er die Wahrheit immer mehr geliebt, als sein System, und gerne wird er die alte mangelhafte Form mit einer neuern und schönern vertauschen. Ja, wenn kein Streich von außen sein Ideengebäude erschüttert, so ist er selbst, von einem ewig wirksamen Trieb nach Verbesserung gezwungen, er selbst ist der Erste, der es unbefriedigt auseinanderlegt, um es vollkommener wieder herzustellen. Durch immer neue und immer schönere Gedankenformen schreitet der philosophische Geist zu höherer Vortrefflichkeit fort, wenn der Brotgelehrte in ewigem Geistesstillstand das unfruchtbare Einerlei seiner Schulbegriffe hütet.

Kein gerechterer Beurteiler fremden Verdiensts als der philosophische Kopf. Scharfsichtig und erfinderisch genug, um jede Tätigkeit zu nutzen, ist er auch billig genug, den Urheber auch der kleinsten zu ehren. Für ihn arbeiten alle Köpfe – alle Köpfe arbeiten gegen den Brotgelehrten. Jener weiß alles, was um ihn geschieht und gedacht wird, in sein Eigentum zu verwandeln – zwischen denkenden Köpfen gilt eine innige Gemeinschaft aller Güter des Geistes; was Einer im Reiche der Wahrheit erwirbt, hat er allen erworben. – Der Brotgelehrte verzäunt sich gegen alle seine Nachbarn, denen er neidisch Licht und Sonne mißgönnt, und bewacht mit Sorge die baufällige Schranke, die ihn nur schwach gegen die siegende Vernunft verteidigt. Zu allem, was der Brotgelehrte unternimmt, muß er Reiz und Aufmunterung von außen her borgen: der philosophische Geist findet in seinem Gegenstand, in seinem Fleiße selbst, Reiz und Belohnung. Wie viel begeisterter kann er sein Werk angreifen, wie viel lebendiger wird sein Eifer, wie viel ausdauernder sein Mut und seine Tätigkeit sein, da bei ihm die Arbeit sich durch die Arbeit verjünget. Das Kleine selbst gewinnt Größe unter seiner schöpferischen Hand, da er dabei immer das Große im Auge hat, dem es dient, wenn der Brotgelehrte in dem Großen selbst nur das Kleine sieht. Nicht was er treibt, sondern wie er das, was er treibt, behandelt, unterscheidet den philosophischen Geist. Wo er auch stehe und wirke, er steht immer im Mittelpunkt des Ganzen; und so weit ihn auch das Objekt seines Wirkens von seinen übrigen Brüdern entferne, er ist ihnen verwandt und nahe durch einen harmonisch wirkenden Verstand; er begegnet ihnen, wo alle hellen Köpfe einander finden.“

Von all den vielen Bereichen seines intellektuellen Wirkens spielte die klassische Musik eine ganz besondere Rolle. Die wunderbare Altistin Gertrude Pitzinger inszenierte bei einem Besuch in ihrer Wohnung zu seinen Ehren eine Wiedergabe von Schumanns Lied „Er, der herrlichste von allen“, was ihre poetische und musikalische Weise war, ihre Wertschätzung für Lyn auszudrücken. Der große Tenor Carlo Bergonzi schrieb an Lyn anläßlich der von ihm ins Leben gerufenen internationalen Kampagne für die Rückkehr zur „Verdi-Stimmung“, die in den 80ern von Hunderten der besten Sängerinnen und Sänger auf der ganzen Welt unterzeichnet worden war:

„Ich habe mich gefreut, Sie letzten November in Busseto, in dem Haus, in dem Giuseppe Verdi lebte, zu treffen, bei der Vorstellung von Canto e Diapason zusammen mit Piero Cappucilli. Ihre Initiative, zur wissenschaftlichen Stimmung zurückzukehren, ist sehr wichtig für die Oper und insbesondere für junge Sänger, mit der sich meine Akademie der Verdi-Stimmen in Busseto sehr beschäftigt.“

LaRouche inspirierte viele klassische Chöre und Orchester in vielen Ländern und regte sie zur stetigen Vervollkommnung an, und nicht wenige junge Menschen entdeckten durch ihn die klassische Musik. Dies war eine Eigenschaft, ebenso wie seine Liebe zur klassischen Dichtung, die ihm die Bewunderung von Boleslaw Barlog eintrug, dem früheren Superintendenten der Berliner Theater und Freund Furtwänglers. Unendlich kostbar waren die vielen Musikabende und Workshops mit Sylvia Olden Lee, der ersten afroamerikanischen Repetitorin, die an der Metropolitan Oper angestellt wurde, und William Warfield, dem amerikanischen Baßbariton, aus deren Zusammenarbeit mit LaRouche das gegenwärtige Manhattan-Projekt, der Aufbau eines Chors in New York mit 1500 Chorsängern, beflügelt wurde. Wenn die USA aus ihrer tiefen moralischen Krise, die vor allem die junge Generation erfaßt hat, herauskommen wollen, ist es genau diese Tradition, die lebendig gemacht werden muß.

 

LaRouche muß rehabilitiert werden!

 

Man könnte noch unendlich viel über Lyndon LaRouche sagen. Das vielleicht wichtigste aber ist, daß hinter all seinen vielfältigen Tätigkeiten eine grenzenlose Liebe zur Menschheit steckte. Er war absolut selbstlos und unendlich großzügig, wenn es darum ging, das kreative Potential in seinen Mitmenschen zu befördern. Viele seiner Ideen und Programme sind heute dabei, verwirklicht zu werden. Seine Vorstellung eines globalen Wirtschaftsaufbaus mit dem Ziel, ein menschenwürdiges Leben für alle Menschen auf diesem Planeten zu schaffen, findet heute ein Echo in Chinas Programm für den Aufbau der Neuen Seidenstraße, was kein Wunder ist, wenn man die Konfuzius-Begeisterung Benjamin Franklins und die Affinität des chinesischen Wirtschaftsmodells mit dem Amerikanischen System Alexander Hamiltons vergleicht. Und das jüngst von Präsident Trump angekündigte Mond-Mars-Programm ist eine klare Reflexion der Vision, die LaRouche mit seinem Programm von 1988 „Die Frau auf dem Mars“ (The Woman on Mars – How a 40-year Mission to Colonize Mars would transform the United States) entworfen hat.

Wie schon anfangs gesagt: Es gibt keinen größeren Gegensatz zwischen dem Staatsmann, Ökonomen, Wissenschaftler und Menschen Lyndon LaRouche, und dem Bild, das die Boshaftigkeit der Knechte des Britischen Empires von ihm gezeichnet und verbreitet hat. Und infolgedessen gilt für ihn Schillers Charakterisierung aus dem Prolog zum Wallenstein: „Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt / Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte“, was auf die Verleumdung Wallensteins durch die Geschichtsschreibung der Habsburger anspielt.

Daß dieses Bild gerade gerückt wird, daß die beispiellose Verletzung der Menschenrechte und der Freiheit geahndet wird, und daß die Bürger Amerikas und der übrigen Welt unvoreingenommenen Zugang zu den Ideen Lyndon LaRouches haben, davon hängt meiner tiefsten Überzeugung nach die Möglichkeit ab, daß der Frieden im 21. Jahrhundert erhalten und gesichert werden kann und die USA wieder zu einem Leuchtturm der Hoffnung für die ganze Welt werden können.

Ich appelliere an Sie, unterzeichnen und verbreiten Sie die Petition zur vollständigen Rehabilitierung von Lyndon LaRouche!

Helga Zepp-LaRouche im April 2019


Interview über Italiens Führungsrolle im neuen Paradigma

 

In diesem Interview erläutert Claudio Celani die neue Rolle Italiens in der heutigen Welt. Er diskutiert die Absicht der Regierung, sich als Brücke zwischen den USA, Europa und China zu verstehen, sowie die Rolle des Schiller-Instituts in Italien sowohl in der jetzigen Regierung, als auch über die letzten Jahrzehnte.

 

 


Italien: Offener Brief an Präsident Trump zur Rehabilitierung von Lyndon LaRouche

Liliana Gorini, Vorsitzende von Movisol, der LaRouche-Bewegung in Italien, verfaßte den folgenden Offenen Brief an US-Präsident Trump:

Rehabilitieren Sie Lyndon LaRouche!

Herr Präsident,

Ich habe Ihnen in den letzten zwei Jahren mehrfach geschrieben, zuerst im Oktober 2017 zur Verteidigung von Christoph Kolumbus, dessen Statuen in vielen amerikanischen Städten zerstört wurden. Dank Ihrer Intervention wurde das gemeinsame kulturelle Erbe zwischen meinem Land, Italien, und den Vereinigten Staaten, das auf die italienische Renaissance zurückgeht, geschützt.

Ich habe Ihnen im vergangenen November erneut geschrieben, in einem Brief, in dem Sie gebeten werden, Ihr Wahlversprechen einzuhalten, das Glass-Steagall-Trennbankengesetz wieder in Kraft zu setzen und „nicht nur Amerika wieder großartig zu machen, sondern auch die ganze Welt“, und der von 217 Mitgliedern des italienischen und des Europäischen Parlaments sowie anderen gewählten Mandatsträgern und wichtigen Vertretern aus ganz Europa unterzeichnet wurde. Glass-Steagall ist Teil des Programms der Regierung von Giuseppe Conte in Italien, und Ministerpräsident Conte erwähnte es in seiner Eröffnungsrede vor dem italienischen Parlament als Schlüssel zum Schutz von Ersparnissen und zur Ermöglichung von Investitionen in die Realwirtschaft.

Heute schreibe ich Ihnen in einer weiteren Angelegenheit, die für Italien und für die Vereinigten Staaten sehr wichtig ist: die Rehabilitierung des amerikanischen Ökonomen und Wissenschaftlers Lyndon H. LaRouche, der am 12. Februar im Alter von 96 Jahren gestorben ist. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, 35 Jahre lang mit Herrn LaRouche zusammenzuarbeiten, und organisierte wichtige Konferenzen für ihn in Italien, darunter eine Konferenz zur Verdi-Stimmung in Mailand 1988 und eine weitere 1997 in Busseto, der Geburtsstadt von Giuseppe Verdi, bei der LaRouche zusammen mit den berühmten Verdi-Sängern Piero Cappuccilli (Bariton) und Carlo Bergonzi (Tenor) Redner war.

2007 und erneut 2009 war er offiziell vom italienischen Parlament, sowohl vom Senat als auch von der Abgeordnetenkammer in Rom, eingeladen. Er sprach vor dem Verteidigungsausschuß des Senats und vor dem Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer und warnte sie vor der Gefahr einer Finanzkrise, weil Zentralbanken in den USA und Europa die Finanzblase (Derivate und anderer „Giftmüll“) nährten, die 2008 platzte. Zu dieser Zeit hatte er auch eine Konferenz zusammen mit Giulio Tremonti, dem späteren Finanzminister der italienischen Regierung, zur Dringlichkeit eines neuen Bretton Woods und eines neuen Glass-Steagall-Gesetzes. Als die Krise im Jahr 2008 begann, sagten mir viele italienische Parlamentarier: „LaRouche hat mit seinen Prognosen und Vorschlägen immer den Nagel auf den Kopf getroffen, wir hätten auf ihn hören sollen.“

Als er 1986 von denselben britischen und „Deep-State“-Netzwerken – wie William Weld und Robert Mueller – einem Schauprozeß unterzogen und inhaftiert wurde, die nun eine vergleichbare Hexenjagd gegen Sie durchführen, um Ihre Präsidentschaft auf die eine oder andere Weise zu zerstören, schrieben 80 Mitglieder des italienischen Parlaments an Präsident Clinton und baten ihn, LaRouche freizulassen. Und die Bewährungskommission gewährte ihm Bewährung.

Trotzdem wurde LaRouche nie völlig rehabilitiert, und wenn seine Ideen und Vorschläge damals verwirklicht worden wären, dann wären wir heute nicht in einer so schwierigen wirtschaftlichen und strategischen Situation.

Ich fordere Sie daher auf, Herr Präsident, LaRouche zu rehabilitieren, auch zum Wohl meines Landes Italien, das ihn und seine Ideen stets mit dem höchsten Respekt betrachtet hat.

Hochachtungsvoll,
Liliana Gorini
Vorsitzende von MoviSol (Movimento internazionale per i Diritti Civili, Solidarietà)
Mailand, Italien

 

Sie können diesen Brief verbreiten und hier selbst die internationale Resolution zur Rehabilitierung von Lyndon LaRouche unterzeichnen.


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