Bericht vom 164. wöchentlichen Treffen der Internationalen Friedenskoalition
Die 164. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 24. Juli begann mit einer Einführung von Helga Zepp-LaRouche, der Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der IPC, die auf sehr wichtige aktuelle Äußerungen des pensionierten Vier-Sterne-Generals der deutschen Luftwaffe, Harald Kujat, hinwies. Für ihn wie für sie sei es unbegreiflich, wie die Regierungen der Welt die Lehren der Geschichte so sehr außer Acht lassen können, daß sie ernsthaft einen Dritten Weltkrieg in Betracht ziehen könnten. Sie bezog sich dabei konkret auf die Drohung eines US-Angriffs auf unterirdische iranische Anlagen tief im Pickaxe Mountain, „außerhalb der Reichweite von Bunkerbrecher-Bomben… Was dort im Raum steht, ist die Möglichkeit, daß eine Atomwaffe eingesetzt werden könnte.“
Durch die Blockade der Straße von Hormus und der Meerenge von Bab el-Mandab am Eingang zum Roten Meer, die beide für den Transport zahlreicher Güter wie Rohöl und Ölprodukte, Flüssigerdgas und Düngemittel von entscheidender Bedeutung sind, „ist eine weltweite Hungerkrise vorprogrammiert“. Sie erwähnte auch das „seltsame Abkommen“ von US-Präsident Trump mit Saudi-Arabien, das angeblich Unterstützung bei der Entwicklung der Kernenergie in dem Land vorsieht, von Saudi-Arabien jedoch auch die Unterzeichnung der Abraham-Abkommen mit Israel verlange, was die Saudis auf keinen Fall tun werden. Leider seien wir nach 164 Wochen IPC-Sitzungen „näher an einem Atomkrieg als zu Beginn“.
Jack Gilroy ist ein regelmäßiger IPC-Teilnehmer, der Veterans for Peace, Pax Christi – New York State und Pax Christi International vertritt. Er betonte gleich zu Beginn, die Menschen könnten nicht länger mit der Realitätsverleugnung leben, was die Kriegsgefahr angeht. Er erinnerte daran, wie Präsident John F. Kennedy während der Kubakrise vertraute Freunde wie Norman Cousins hinter den Kulissen als Vermittler zu Papst Johannes XXIII. einsetzte. Anschließend berichtete er über den aktuellen Stand des Schreibens seiner Organisation an den amerikanischen Erzbischof Wester, das gerade verschickt wurde.
Im Schatten von Jonathan Pollard
Jose Vega, unabhängiger Kandidat für den 15. Kongreßwahlkreis von New York in der Bronx, informierte die Teilnehmer über Abschnitt 219 des Verteidigungshaushalts (National Defense Authorization Act, NDAA) für 2027. Dieser Abschnitt, „Amerikanisch-Israelische Initiative zur Zusammenarbeit im Bereich der Verteidigungstechnologie“, müsse eigentlich „Jonathan-Pollard-Initiative“ heißen, weil damit Israels Militär Geheimdienstinformationen erhielte, wie sie dieser Spion einst für Israel gestohlen hatte, wofür er wegen Spionage im Gefängnis saß. Das NDAA wurde mit diesem unsinnigen Abschnitt sei inzwischen leider vom Repräsentantenhaus verabschiedet worden, jetzt konzentriere sich der Kampf auf den Senat, der noch nicht zugestimmt hat. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schreibe sich diesen Abschnitt persönlich als Verdienst zu; angeblich werde Israel damit vom „Hilfsempfänger“ aus den USA zum offiziellen „Partner“. Die landesweite Kontroverse um den Plan sei den Bemühungen der IPC und des ehemaligen Kongreßabgeordneten Dennis Kucinich zu verdanken, die ihn aufgedeckt haben. Vega erwähnte viele Journalisten und Podcaster aus dem linken wie rechten politischen Spektrum, die darüber berichtet haben. Sogar die bekannte „linke“ demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez aus dem 14. Wahlbezirk von New York (zu dem Teile der Bronx und von Queens gehören) habe sich geäußert.
Professor Clifford Kiracofe vom Washington Institute for Peace and Development erklärte, warum Anrufe und E-Mails an gewählte Volksvertreter wichtig sind. Handgeschriebene Postkarten seien vielleicht das wirksamste Kommunikationsmittel, weil sie unmittelbar zugänglich und persönlich sind (Briefe an den Kongreß werden aus Sicherheitsgründen oft erst spät geöffnet). Er erläuterte auch, wie der umstrittene Abschnitt 219 im Vermittlungsverfahren zwischen Repräsentantenhaus und Senat gestrichen werden könnte.
Zur Notwendigkeit einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, wie sie Zepp-LaRouche vorgeschlagen hat, betonte er: „Es ist äußerst wichtig, daß wir diese Vision vor Augen haben.“ Er erinnerte daran, daß der Philosoph Friedrich Nietzsche eine wichtige Triebkraft hinter dem Aufstieg des Militarismus im 19. Jahrhundert war, daß es damals aber auch viele diplomatische Konferenzen gab. Das bräuchten wir heute wieder.
Die Moderatorin Anastasia Battle teilte die Nummer der Vermittlungsstelle des Kongresses mit, damit US-Bürger die Büros ihrer Abgeordneten und Senatoren anrufen können.
Larry Johnson, ehemaliger CIA-Geheimdienstmitarbeiter und Mitglied der „Veteran Intelligence Professionals for Sanity“ (VIPS), rechnete mit einen groß angelegten Angriff der USA auf den Iran, noch am Tag der IPC-Sitzung, aber nach Börsenschluß. Die Reaktion des Irans würde sich gegen Israel richten, u.a. gegen dessen Raffinerien, die Diesel und Flugbenzin produzieren. Es sei offensichtlich, daß Rußland und China den Iran unterstützen. Beide Länder seien daran interessiert, die Reaktion der USA auf ihre Waffentechnologie zu testen, und sie seien froh darüber, wenn die USA ihr Waffenarsenal aufbrauchen.
Zepp-LaRouche antwortete, wenn ein solcher US-Angriff „geschieht, dann befinden wir uns in einer neuen Geometrie der Zerstörung“.
Kiracofe bat Johnson um eine Einschätzung zu Pakistan. Johnson erklärte, die USA hätten jetzt dort großen Einfluß, unter anderem, weil Pakistan eine US-Finanzhilfe von 10 Milliarden Dollar beantragt hat. Viele in Pakistan seien überzeugt, daß der inhaftierte Ex-Präsident Imran Khan auf undemokratische Weise aus dem Amt gedrängt wurde. Die Berichte über inneren Zwist im Iran seien dagegen übertrieben und propagandistisch.
Kiracofe verwies auf sein 2024 erschienenes Buch Dark Crusade: The Israel Lobby and Christian Zionism“ („Finsterer Kreuzzug: die Israel-Lobby und der christliche Zionismus“). Er ging kurz auf die Geschichte des christlichen Zionismus ein, der in Rußland, China und dem Iran Bösewichte sieht, die besiegt werden müssen, damit die biblische Apokalypse eintritt. Die Briten hätten diese Bewegung für ihre geopolitischen Zwecke genutzt, in der typischen Art von Lord Palmerston, britischer Premierminister und Außenminister Mitte des 19. Jahrhunderts. „Ehrlich gesagt ist das ein Thema für die Spionageabwehr“, sagte Kiracofe und warnte, der selbsternannte „Kriegsminister“ Pete Hegseth und der US-Botschafter in Israel Mike Huckabee seien selbst christliche Zionisten. Alle etablierten Kirchen betrachteten diese Ideologie als Ketzerei, dennoch spiele sie in der US-Politik eine Schlüsselrolle, daher komme auch der Abschnitt 219 des NDAA.
Zepp-LaRouche betonte: „Die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten nun nach dem Vorbild Palmerstons handeln, ist kein Zufall.“ Als die Briten im 19. Jahrhundert erkannten, daß sie die USA militärisch nicht besiegen konnten, hätten sie sich auf die Strategie verlegt, Amerika davon zu überzeugen, eine britisch-imperiale Weltanschauung zu übernehmen. Das sei eine der Ironien der Geschichte, und es gebe noch weitere: „In Deutschland hat man kein Problem damit, sich dem Kampf gegen den Internationalen Gerichtshof und den Internationalen Strafgerichtshof anzuschließen.“
Johnson sagte abschließend: „Das einzige Land der Welt, das konsequent gegen jedes internationale Abkommen verstoßen hat, sind die Vereinigten Staaten … Es ist nicht China, das über 700 Militärstützpunkte auf der ganzen Welt verteilt hat.“ Dennoch hätten die Vereinigten Staaten die Illusion, daß „wir die Guten sind“.
Diskussion
Zepp-LaRouche erklärte, die UN-Vollversammlung sei der unmittelbare Brennpunkt für die internationale Zusammenarbeit im Dienste des Friedens. Sie wies darauf hin, daß die ASEAN-Staaten gerade eine Erklärung gegen den US-Krieg gegen den Iran abgegeben haben. Die BRICS-Staaten, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, würden alle von den Neokonservativen mit verschiedenen Formen der internen Destabilisierung ins Visier genommen.
Eine Britin, die regelmäßig an den IPC-Veranstaltungen teilnimmt, lobte die Arbeit der mutigen italienischen Juristin Francesca Albanese, die seit Mai 2022 UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete ist, und kündigte die Veröffentlichung von Albaneses neuem Buch an, When the World Sleeps: Stories, Words, and Wounds of Palestine („Während die Welt schläft: Geschichten, Worte und Wunden Palästinas“).
Ein Landwirt-Aktivist aus Missouri berichtete darüber, wie seine Organisation Materialien von EIR und der IPC in ihren Aktivitäten nutzt, und befürwortete die Praxis, beim US-Kongreß anzurufen.
Zepp-LaRouche sagte in ihren abschließenden Bemerkungen: „In Europa und in den Vereinigten Staaten findet ein unglaublicher Abbau der Bürgerrechte statt.“ Nötig seien jetzt internationale Verträge, um den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) für militärische Zwecke einzudämmen. Sie forderte die Teilnehmer auf, Jack Gilroys Brief an ihre jeweiligen religiösen Institutionen weiterzuleiten, und warnte: „Viele von ihnen sprechen eine Sprache, die nicht die Sprache des Friedens ist.“ Der Papst habe gesagt: „Der Weg in den Krieg ist ein Weg ohne Wiederkehr“, und das sollte sehr ernst genommen werden. Sie forderte alle auf, den Artikel von General Kujat möglichst weit zu verbreiten. eir











