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Helga Zepp-LaRouche bei „World Today“

Helga Zepp-LaRouche wurde am 6. Juni in der Sendung „World Today“ auf ChinaPlus, der

englischen Website von China Radio International, interviewt.

Sie können den ganzen Podcast auf englisch hier anhören.

CHINAPLUS: Der chinesische Präsident Xi Jinping ruft China und die europäischen Länder auf, den Konsens und die Zusammenarbeit zu erweitern, um gemeinsam die globalen Herausforderungen zu bewältigen. Er machte diese Bemerkungen bei einem virtuellen Gipfel mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das chinesische Staatsoberhaupt sagt, was die Welt braucht, ist gegenseitiger Respekt und eine aufrichtige Zusammenarbeit zwischen den Nationen.

XI JINPING [durch Übersetzer]: Derzeit bleibt die globale Pandemie-Situation ernst. Die Aussichten auf eine wirtschaftliche Erholung sind ungewiss, und es ist noch ein langer Weg zu gehen. Die Welt braucht mehr denn je gegenseitigen Respekt und enge Zusammenarbeit statt Misstrauen oder ein Nullsummenspiel.

CHINAPLUS: Während des Treffens drückten die deutschen und französischen Regierungschefs ihre Unterstützung für den Abschluß des EU-China-Investitionsabkommens aus und fügten hinzu, daß sie hoffen, daß der 23. EU-China-Gipfel so bald wie möglich stattfinden wird. Mehr dazu hören wir von Helga Zepp-LaRouche, der Gründerin des Schiller-Instituts, einer globalen politischen und wirtschaftlichen Denkfabrik mit Sitz in Deutschland. Danke, daß Sie heute bei uns sind, Helga.

HELGA ZEPP-LAROUCHE: Ja, hallo; guten Tag.

CHINAPLUS: Was ist Ihr wichtigstes Fazit dieses virtuellen Gipfels, und wie beurteilen Sie den allgemeinen Tenor des Treffens?

ZEPP-LAROUCHE: Ich denke, zusammenfassend kann man sagen, daß das Treffen sehr konstruktiv und auch dringend notwendig war, denn es gab in letzter Zeit einige Schwierigkeiten, nachdem das Europäische Parlament das Investitionsabkommen zwischen der EU und China blockiert hatte. Daher denke ich, daß es sehr positiv ist, daß die Möglichkeit diskutiert wurde, es wiederzubeleben. Frau Merkel hat gesagt, daß sie das Abkommen so schnell wie möglich wieder aufleben lassen möchte. Und Präsident Macron sagte, daß er den Abschluss des Investitionsabkommens zwischen China und der EU unterstützt. Also, ich denke, es war sehr nützlich und produktiv.

CHINAPLUS: In Anbetracht der jüngsten Sanktionen der EU gegen China und deren Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes findet das Gipfeltreffen zu einem zunehmend angespannten Zeitpunkt in den Beziehungen zwischen der EU und China statt. Wird dieser Aufruf also zu einer Veränderung der EU-Beziehungen zu China führen? Und möglicherweise zu einer Entschärfung der Konfrontation zwischen den beiden Seiten?

ZEPP-LAROUCHE: Ja, ich denke, das wird er, und ich denke, es ist auch wichtig, daß dies nur vier Tage nach den hysterischen Äußerungen des litauischen Außenministers Landsbergis geschieht, der am Freitag letzter Woche ein Ende der deutsch-französischen Dominanz in der EU gefordert hatte. Er wolle eine einheitliche EU-Politik gegenüber China, was in seinen Worten gegen China bedeutet. Er sagte sogar, er wolle Büros in Taiwan einrichten. Dies war also eine klare Absage an die Position von Landsbergis, und deshalb war das sehr nützlich.

CHINAPLUS: Wie ist Ihre Einschätzung der aktuellen EU-Politik gegenüber China im allgemeinen? Denken Sie, daß sich die harte Haltung, die die EU in letzter Zeit gegenüber China eingenommen hat, ändern muß? Wie wir wissen, ist China im vergangenen Jahr zum weltweit größten Handelspartner der EU geworden und hat damit die USA überholt. Europäische Wirtschaftsunternehmen haben ihre Hoffnung geäußert, daß die EU die Zusammenarbeit mit China verstärken wird, anstatt sie abzulehnen und sich abzukoppeln.

ZEPP-LAROUCHE: Ja, ich denke, eine solche Veränderung ist wirklich sehr dringend, denn, wie von Präsident Xi Jinping erwähnt, hat es die Welt mit einer sehr ernsten Pandemie zu tun; wir haben eine Welthungersnot biblischen Ausmaßes, wie der Leiter des Welternährungsprogramms, Beasley, es nennt; wir haben eine Hyperinflationsgefahr in den westlichen Ländern. Wie Sie an der Situation in Afghanistan sehen können, braucht es eine dringende Zusammenarbeit für die wirtschaftliche Entwicklung in der gesamten Region Südwestasien, denn sonst besteht die Gefahr einer neuen Explosion des Terrorismus, und auch das Drogenproblem ist sehr groß.

Es gibt somit viele gemeinsame Ziele der Menschheit in einer Welt, die sehr zerbrechlich ist, und deshalb denke ich, daß es im Interesse der gesamten Menschheit nur zu begrüßen ist, wenn diese drei wichtigen Länder – China, Frankreich und Deutschland – Schritte unternehmen, um die Gräben zu überwinden und enger zusammenzuarbeiten.

CHINAPLUS: Wir sehen, daß viele europäische Politiker die Differenzen zwischen China und der EU hervorheben, aber Präsident Xi ruft China und die EU auf, sich an die Normen des gegenseitigen Respekts zu halten und mit Differenzen angemessen umzugehen. Wurden die Differenzen zwischen den beiden Seiten bei den Gesprächen also angesprochen? Und wie können die beiden Seiten ihre Differenzen ausräumen?

ZEPP-LAROUCHE: Ich denke, einige der Unterschiede wurden deutlich angesprochen. Zum Beispiel betont China immer die Notwendigkeit, sich an die UN-Charta und das Völkerrecht zu halten, während einige westliche Politiker immer von einer regelbasierten Ordnung sprechen, die sich bei näherer Betrachtung als eine ziemlich willkürliche Definition zur Verfolgung der Interessen einiger Gruppen herausgestellt hat. Ich denke, das wurde angesprochen – zumindest läßt sich das aus dem Protokoll herauslesen. Von chinesischer Seite wurde ebenfalls betont, daß es nicht die Absicht Chinas ist, irgendjemand anderen zu verdrängen, sondern sich auf seine eigene Entwicklung zu konzentrieren. Es gab dabei einen Aspekt in den Diskussionen, den ich für besonders vielversprechend hielt. Nämlich, daß man anscheinend eine gemeinsame Mission ins Auge gefaßt hat, um Ländern und Menschen dabei zu helfen, bilaterale oder trilaterale Differenzen zu überwinden. In diesem Fall lag der Fokus auf Afrika, wobei China und Deutschland und Frankreich zusammenarbeiten würden. Deutschland hat zum Beispiel geäußert, daß man überlege, der Partnerschaftsinitiative für die Entwicklung Afrikas beizutreten. Präsident Xi hat nicht nur auf die ernste Situation Afrikas aufgrund der Pandemie und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Nöte hingewiesen, sondern er hat auch gesagt, daß Afrika das größte Entwicklungspotential hat. Er hat das auch bei früheren Gipfeltreffen mit afrikanischen Staatsoberhäuptern betont, und ich denke, das ist absolut richtig. Der afrikanische Kontinent hat eine sehr junge Durchschnittsbevölkerung, was bedeutet, daß Afrika ein Wirtschaftsmotor für die nächsten Generationen werden kann, wenn Arbeitsplätze und wirtschaftliche Möglichkeiten geschaffen werden. Dieser positive Blick auf Afrika fehlt im allgemeinen in Europa, und ich denke daher, daß die Bevölkerungen in Deutschland und Frankreich und anderen europäischen Ländern von der optimistischen Perspektive, die China gegenüber Afrika einnimmt, nur profitieren können. Das kann nur einen positiven Effekt haben.

CHINAPLUS: Ein weiterer zentraler Faktor, der für die Beziehungen zu China heutzutage entscheidend ist, sind die USA. Wir haben festgestellt, dass es immer häufiger zu einem Wechselspiel zwischen den USA und der EU kommt, wobei Washington versucht, seine europäischen Verbündeten gegen China aufzuhetzen. Glauben Sie, daß der vom Gipfel ausgehende Ruf ein Signal von Frankreich und Deutschland ist, daß man sich nicht auf die bipolare Konfrontation mit den USA einlassen will?

ZEPP-LAROUCHE: Ich würde das denken, denn wie Sie wissen, hat gerade der G7-Gipfel stattgefunden, zu dem Biden nach England gereist war, und wo versucht wurde, die Verbündeten auf eine Haltung gegen Rußland und China einzuschwören. Aber Bundeskanzlerin Merkel hatte in der letzten Zeit immer betont, daß sie nicht in die eine oder andere Richtung gedrängt werden wolle oder sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Sie tritt für eine multilaterale Weltordnung ein. Ich denke also, daß dies definitiv ein positives Signal ist. Man würde hoffen, dass die Europäer wirklich verstehen, daß es in ihrem Eigeninteresse liegt, eine solch ausgewogene Sichtweise zu verfolgen, um es mal so auszudrücken.

CHINAPLUS: Einige Beobachter glauben, daß die USA mehr Macht über die EU haben als Deutschland und Frankreich zusammen, so daß die Änderung der Haltung Deutschlands und Frankreichs keinen großen Unterschied in der China-Politik der EU machen wird. Wie sehen Sie das?

ZEPP-LAROUCHE: Die EU ist im Moment sehr uneinig. So will der niederländische Regierungschef Rutte Orban und Ungarn aus der EU rauswerfen. Dann hat Slowenien gerade die EU-Ratspräsidentschaft für die nächsten sechs Monate übernommen, und es unterstützt eindeutig Ungarn und die ungarische Ansicht, keine kulturellen Interventionen, keine Einmischung in ihre Werteordnung zu dulden, denn die westeuropäischen Länder wollen nur ihre liberalen Ansichten durchzusetzen, während die osteuropäischen Länder traditioneller sind. Frau von der Leyen hat auch Slowenien angegriffen, und dann gibt es noch die uneinigen baltischen Staaten und Polen. Ich denke, die EU ist im Moment überhaupt nicht in einer starken Position. Ich bin ich mir ziemlich sicher, in Zukunft werden die Eigeninteressen dieser Länder dominieren. Für Deutschland, für Frankreich und auch für die anderen europäischen Länder sind die Beziehungen zu China und das wirtschaftliche Interesse in einer Welt, die in Aufruhr ist, eindeutig ein Stabilitätsfaktor. Das hat auch die deutsche Industrie zum größten Teil ausgedrückt. Ich gehe davon aus, daß sich auch die Vereinigten Staaten ändern könnten.

Die Vereinigten Staaten haben in den letzten 20 Jahren eine Politik verfolgt, die nicht wirklich im Interesse der Vereinigten Staaten selbst war, wie man an den Geschehnissen in Afghanistan sehen kann, wo 20 Jahre lang ein Krieg geführt wurde und absolut nichts dabei herauskam, außer Elend, Tod und eine Menge Kosten. Vielleicht können also auch die Vereinigten Staaten anfangen, sich zu ändern und erkennen, daß Kooperation mehr in ihrem Interesse ist als Konfrontation. Ich weiß, daß dies im Moment nicht die dominierende Politik ist, aber die Dinge ändern sich sehr schnell. Ich würde wirklich hoffen, daß das Neue Paradigma der internationalen Beziehungen in den Köpfen der politischen Führer ankommt, denn Konfrontation kann nur zu einer Katastrophe führen.

Jedenfalls glaube ich, daß wir uns in einem Wandel befinden; wir befinden uns in einem historischen Moment des dramatischen Wandels. Vieles hängt von guten Initiativen ab, die Menschen haben, um die Situation zum Besseren zu beeinflussen.

CHINAPLUS: OK, vielen Dank, Helga. Das war Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts, einer globalen politischen und wirtschaftlichen Denkfabrik mit Sitz in Deutschland.


Helga Zepp-LaRouche im Interview mit dem chinesischen Fernsehsender CGTN

Am 3. Juli wurde Helga Zepp-LaRouche im Rahmen der CGTN-Sendung Asia Today zur Lage in Afghanistan interviewt. Moderator Zhong Shi berichtete, daß es in der nordafghanischen Provinz Badakhshan zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Streitkräften der Regierung und den Taliban kam, nachdem sich die US-Streitkräfte aus ihrem Hauptmilitärstützpunkt zurückgezogen haben. Sie können die ganze Sendung in englisch hier ansehen.

ZHONG SHI: Ich möchte jetzt auch Helga Zepp-LaRouche zuschalten, die Präsidentin und Gründerin des Schiller-Instituts, einer Denkfabrik zu politischen und wirtschaftlichen Themen mit Sitz in Deutschland. Frau Zepp-LaRouche, willkommen in der Sendung. Ich freue mich, Sie heute hier begrüßen zu können.

Das Pentagon sagt, die Rückgabe des Stützpunktes Bagram an die afghanischen Sicherheitskräfte sei ein wichtiger Meilenstein beim Abzug der US-Streitkräfte. Die Frage ist nun, was für ein Meilenstein das für Afghanistan sein wird? Wie wird sich das auf die Fähigkeit des Landes auswirken, gegen die Taliban zu kämpfen?

HELGA ZEPP-LAROUCHE: Ich denke, die Lage ist sehr ernst. Es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs, nicht nur zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, sondern auch auf Grund der Tatsache, auf die der russischen Außenminister Lawrow gestern hinwies, daß sich jetzt ISIS-Kräfte im Norden Afghanistans sammeln. Ich denke, es besteht die Gefahr, daß der Krieg weitergeht, wobei diesmal Afghanen Afghanen töten. Deswegen brauchen wir meines Erachtens einen anderen Ansatz – etwas ganz anderes, als einfach abzuziehen und den Ort so zu lassen, wie er ist.

ZHONG SHI: Die Welt beobachtet nun, wie sich die Lage in Afghanistan entwickelt. Wir wissen, daß die Taliban in die Bereiche vordringen, aus denen sich die ausländischen Truppen zurückgezogen haben. Wenn die Vereinigten Staaten verfolgen, was gerade in Afghanistan passiert, wie würden Sie Joe Bidens Politik gegenüber Afghanistan nach dem Abzug der US-Truppen charakterisieren? Er hatte ja weitere Unterstützung zugesagt.

ZEPP-LAROUCHE: Da bin ich mir nicht so sicher. Es ist offensichtlich eine komplizierte Situation. Zwanzig Jahre Krieg und verlorene Leben und verlorenes Geld für nichts. Ich denke, daß der Rückzug aus Afghanistan ähnliche Gründe hat wie die Reduzierung der amerikanischen Logistik in anderen Teilen des Persischen Golfs. Meiner Meinung nach ist er Teil der neuen Konzentration auf den Pazifik, auf Rußland und China. Es ist also nicht per se eine Afghanistan-Politik, sondern eher eine Politik, die von geostrategischen Überlegungen geleitet wird. Ich glaube, auch das ist ein Weg in die Katastrophe.

Sehen Sie, in Afghanistan ist die Opiumproduktion im letzten Jahr um 45% gestiegen. Afghanistan produziert 85% des weltweiten Opiums. Wenn das einfach so bleibt, werden die Taliban diese Produktion mit Sicherheit steigern, um ihre militärischen Operationen zu finanzieren. Die vielen Süchtigen werden in den Straßen der Vereinigten Staaten und Europas sterben. In Afghanistan gibt es 3,5 Millionen Drogenabhängige, aber das zeigt nur, daß man einen ganz anderen Ansatz braucht, um dieses Problem zu lösen.

Militärisch ist Afghanistan nicht zu gewinnen. Das hat die Sowjetunion bewiesen, die es 10 Jahre lang versucht hat, und jetzt die Vereinigten Staaten und die NATO seit 20 Jahren. Ich denke, es ist höchste Zeit, umzudenken, daß man einen völlig anderen Ansatz braucht, als ständig nur das gleiche fortzusetzen.

ZHONG SHI: Wie Sie sagen, 20 Jahre Krieg wären umsonst, wenn Afghanistan schnell wieder im Chaos versinkt; dort, wo es sich vor dem Krieg befand. Manche befürchten, daß dies sehr wahrscheinlich zur Realität wird, sobald die ausländischen Truppen erst einmal weg sind. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, daß das passiert? Daß Afghanistan noch tiefer in einem Bürgerkrieg versinkt?

ZEPP-LAROUCHE: Wie ich schon sagte, wenn nichts unternommen wird, wird es ein Alptraum sein. Der Terrorismus wird zunehmen und sich nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus ausbreiten. Ich denke, es muß eine Änderung in der Herangehensweise geben. Die einzige Möglichkeit, die Situation zu stabilisieren, besteht darin, Afghanistan, aber auch der gesamten Region Irak, Syrien, Jemen, all diesen Ländern, die durch die endlosen Kriege zerstört wurden, eine echte wirtschaftliche Entwicklung anzubieten. [Alle diese Länder] könnte man als eine Region betrachten, und man sollte verstehen, daß der Terrorismus wie auch der Drogenhandel ein und dasselbe Problem ist, um das sich alle Länder kümmern sollten – die Vereinigten Staaten, Rußland, China, Iran, Indien. Sie alle sollten für eine wirtschaftliche Entwicklungsperspektive eintreten. Man könnte die Belt and Road Initiative, die Neue Seidenstraße, ausbauen. Der vorherige Präsident Karsai sagte, er sehe die einzige Hoffnung für Afghanistan in Entwicklung. Und der neue Name für Frieden ist Entwicklung, auch in Afghanistan. Mein Wunsch wäre, daß dies das Thema einer Sonderkonferenz des UN-Sicherheitsrates werden könnte. Präsident Putin hat ja ohnehin gefordert, daß die ständigen Fünf [Mitglieder] des UN-Sicherheitsrates zusammenkommen sollten. Das wäre einer der dringenden Punkte: Wie kann man verhindern, daß Afghanistan zu einer Quelle des Terrorismus, des Drogenhandels und einfach zu einem Albtraum für alle wird? Wie kann man aufhören, in Begriffen geopolitischer Konfrontation zu denken, und sich auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit konzentrieren? Ich denke, in Afghanistan scheiden sich die Wege. Es ist aber auch ein Scheideweg in der Geschichte der Menschheit.

ZHONG SHI: Dieses Thema wird von Tag zu Tag dringlicher. Helga Zepp-LaRouche, wir schätzen Ihre heutige Analyse sehr; vielen Dank, daß Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen.


Beijing begrüßt Helga Zepp-LaRouches „Erklärung von China-Kennern aus der ganzen Welt“

Das Büro der Sprecherin des chinesischen Außenministeriums veröffentlichte heute die folgende Erklärung:

In der Erklärung („Erklärung von China-Kennern aus der ganzen Welt“) des französischen Schiller-Instituts wird die jüngste Anti-China-Bewegung verurteilt.

Die chinesische Sprecherin Hua Chunying erklärte: „Sie [die Erkärung des Schiller-Instituts] spiegelt die rationale und gerechte Stimme scharfsichtiger Menschen der internationalen Gemeinschaft wider.“

Auf der regulären Pressekonferenz des Außenministeriums am 26. März fragte ein Reporter des CCTV Hauptsitzes: „Am 24. März veröffentlichte das Schiller-Institut auf seiner Webseite eine ‚Erklärung von China-Kennern aus der ganzen Welt‘, die von 34 Amtsträgern aus 18 Ländern, darunter ehemaligen Politikern, Diplomaten und Wissenschaftlern, gemeinsam unterzeichnet wurde. Die Erklärung verurteilt die derzeitige internationale Anti-China-Bewegung und ruft den Westen dazu auf, Chinas Entwicklungsleistungen und seine großartige Kultur anzuerkennen und sich auf Kooperation statt Konfrontation mit China einzulassen. Was ist der Kommentar Chinas?“

Hua Chunying: „Wir haben die oben erwähnte Erklärung zur Kenntnis genommen. Sie repräsentiert die rationale und gerechte Stimme weitsichtiger Menschen dieser Welt, verurteilt und weist die verrückten Worte und Taten der westlichen Anti-China-Kräfte zurück, die China mutwillig angreifen, verleumden und sogar Gerüchte gegen China unter Missachtung der Fakten in die Welt setzen.

Die Unterzeichner der Erklärung haben entweder in China gelebt und gearbeitet oder sind regelmäßig für längere Aufenthalte nach China gereist. Sie alle haben Erfahrungen aus erster Hand und eine objektive Beobachtung Chinas. Viele von ihnen haben die bemerkenswerten Erfolge miterlebt, die China seit der Reform und Öffnung erzielt hat. Sie haben miterlebt, wie die Kommunistische Partei Chinas und die chinesische Regierung mit einem auf die Menschen ausgerichteten Ansatz 850 Millionen Chinesen aus der extremen Armut befreit haben. In jüngerer Zeit haben sie gesehen, wie 1,4 Milliarden Chinesen als Einheit verbunden die COVID-19-Epidemie besiegt haben. Ihre Aussage beweist einmal mehr, daß Sehen Glauben bedeutet.

Tatsächlich stellen viele ausländische Freunde, die seit vielen Jahren in China leben oder mit China zu tun haben, fest, daß je näher sie China kommen, sie desto mehr erkennen, daß China in Wirklichkeit weit entfernt oder sogar vollkommen entgegengesetzt zu dem Bild ist, das einige westliche Medien und Politiker zu zeichnen versuchen. Ich habe viele von Ausländern hochgeladene Videoclips gesehen, die sagten, daß sie erst nach ihrer Ankunft in China und nachdem sie das Land so gesehen haben, wie es ist, gemerkt haben, daß sie von ausländischen Medienberichten getäuscht worden waren. China war schon immer offen für die Welt. Wir heißen Menschen aus der ganzen Welt willkommen, um uns näher zu kommen und China zu verstehen. Wir hoffen, daß bestimmte Personen im Westen ihre Voreingenommenheit ablegen, zur Rationalität zurückkehren, ihr Denken befreien, die Wahrheit anhand von Fakten suchen und China aus einer objektiven Perspektive betrachten.“

Deutsche Übersetzung des Schiller-Instituts aus der englischen Übersetzung von:

Spokesperson’s Office of the Ministry of Foreign Affairs
Official release of China’s foreign policy
Authoritative interpretation of China’s position and attitude


Zepp-LaRouche spricht in Beijing bei Konferenz über Dialog der asiatischen Zivilisationen

Die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, ist soeben von einem zehntägigen Besuch aus China zurückgekehrt, in dessen Rahmen sie öffentliche Vorträge hielt und zahlreiche private Gespräche führte. Die Reise begann mit ihrer Teilnahme an der „Konferenz über den Dialog der asiatischen Zivilisationen“ vom 15.-16.5. in Beijing, wo Präsident Xi Jinping die Hauptrede hielt. Zepp-LaRouche hielt im Rahmen der Konferenz eine zehnminütige Rede mit dem Titel „Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft“, die bereits im Rahmen der Konferenzbeiträge veröffentlicht wurde (siehe unten).

Sie betonte anschließend, wie beeindruckt die Teilnehmer aus anderen asiatischen Ländern von Chinas Wirtschaftswachstum und phänomenalen Erfolgen bei der Armutsbekämpfung und Überwindung der wirtschaftlichen Rückständigkeit waren.

Zepp-LaRouche hatte zudem zahlreiche Treffen mit hochrangigen Vertretern vieler Spitzeninstitutionen, mit denen sie seit den 90er Jahren in Kontakt steht. Der Hintergrund waren die aktuellen schweren Spannungen zwischen China und den USA wegen des Zusammenbruchs der Handelsgespräche, der Huawei-Affäre und anderer Fragen. Die Besorgnis über die Angriffe auf Huawei wächst, da man darin einen Versuch sieht, Chinas High-Tech-Entwicklung zu verhindern. Die Sanktionen treffen aber auch andere von Huawei abhängige Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika. Viele suchen bei der Lösung dieser Probleme Hilfe von der LaRouche-Bewegung.

Zepp-LaRouche hielt auch eine Rede am Chongyang-Institut für Finanzstudien der Renmin-Universität in Beijing und besuchte Nanjing, wo sie sich mit dem Herausgeber der chinesischen Ausgabe des Sonderberichts Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke traf. Gerade ist die zweite Auflage des chinesischen Berichts erschienen, den der Verlag als eines der wichtigsten Bücher betrachtet. Eine Übersetzung des zweiten Berichts (The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge, Vol. II) ist in Vorbereitung.

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Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft

Von Helga Zepp-LaRouche

Es ist das Charakteristikum von Zeitenwenden, daß die meisten Zeitgenossen keinen Begriff von dem haben, was gerade passiert. Nur diejenigen Visionäre, die eine klare Idee vom positiven Potential der Zukunft haben, können an den Verzweigungspunkten so in den Prozeß eingreifen, daß potentielle Katastrophen abgewandt werden und statt dessen wirklich eine neue Epoche der Menschheit eingeleitet wird.

Wir befinden uns in einem solchen Phasenwechsel: Die alte Weltordnung, wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickelt hat, befindet sich in einem Prozeß der Auflösung, aber wie die neue Ordnung aussehen wird, ist noch keineswegs entschieden. Wir befinden uns sogar in einer Periode, in der das Völkerrecht außer Kraft gesetzt scheint, weil es derzeit weder die UNO noch eine andere Institution zu geben scheint, die dem Völkerrecht Geltung verschaffen kann.

Aber unleugbar ist das Pendel, das in den letzten Jahrhunderten die westliche Zivilisation bevorzugte, auch wenn Asien für Jahrtausende einen herausragenden, und für lange Zeit sogar führenden Platz in der Universalgeschichte einnahm, längst dabei, zurückzuschlagen. Dafür sprechen eindeutig die demographische Entwicklung Asiens, völlig neue strategische Interventionen wie die BRI und klare Zielsetzungen, wie z.B. das Konzept „Made in China 2025“ oder die Perspektive, die Präsident Xi Jinping für China bis 2050 gesetzt hat.

Daraus ergeben sich enorme Chancen für Asien, und vielleicht auch eine völlig neue Form der Verantwortung, die die Inspiration beflügeln sollte, Konzepte zu erarbeiten, wie die Menschheit als Ganze vorangebracht werden kann. Präsident Xi Jinping hat offensichtlich genau diesen Ansatz im Blick, wenn er von der Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit spricht. Wir erleben soeben einen kostbaren Moment, denn noch niemals in der Geschichte war die bewußte Gestaltung einer neuen Epoche mit der Idee der einen Menschheit als höherer Idee so klar als Aufgabe definiert. Wenn wir eine menschlichere Ordnung schaffen wollen, muß sie auf den besten Konzepten aufbauen, die die verschiedenen Kulturen hervorgebracht  haben, und diese müssen gewissermaßen einen ontologischen Charakter haben, denn an ihnen darf nichts zufälliges oder zeitgeistmäßiges sein, wenn sie das Dharma – den moralischen Kodex – bestimmen sollen, dem die geistigen Führer und mit ihnen die asiatischen Gesellschaften in diesem neuen Kapitel der Universalgeschichte folgen.

Es ist auch offensichtlich, daß der Anstoß für die Definition dieses „rechtschaffenen Weges“ aus den alten Traditionen Asiens kommen muß, wie z.B. dem Konfuzianismus, Buddhismus oder Jainismus, die ganz eindeutig mit der Verpflichtung zur lebenslangen Selbstkultivierung und moralischen Veredlung des Menschen verbunden sind. Denn auch wenn der Westen in seinen klassischen und Renaissance-Perioden des Humanismus den gleichen Anspruch hatte, so ist diese Idee der ethischen Verbesserung des Menschen als Lebenszweck geradezu das Gegenteil zum westlichen liberalen Modell, das jede Bevormundung durch moralische Ansprüche oder die Höherwertigkeit einer Philosophie gegenüber einer anderen emphatisch ablehnt.

Wie also müssen die Prinzipien beschaffen sein, die das neue Paradigma der werdenden Gemeinschaft der Menschheit auf so sicheren Grund stellt, das sie sowohl den Erfordernissen der modernen Naturwissenschaft als auch denen des neuen Systems der internationalen Beziehungen gerecht werden?

Die Prinzipien der friedlichen Koexistenz

Diese Frage muß auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Ein guter Anfangspunkt sind die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, Panchsheel, wie sie zum ersten Mal formell in dem Handels- und Verkehrs-Abkommen zwischen der Tibet-Region Chinas und Indien vom 29. April 1954 niedergelegt worden sind. In der Präambel heißt es, daß die beiden Regierungen sich auf die folgenden Prinzipien geeinigt haben:

  1. Gegenseitiger Respekt für die territoriale Integrität und Souveränität des Anderen,
  2. Gegenseitiger Nichtangriff,
  3. Gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Anderen,
  4. Gleichheit und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen, und
  5. Friedliche Koexistenz.

Die erste Konferenz der unabhängigen asiatischen und afrikanischen Staaten in Bandung erweiterte unter der Führung des chinesischen Regierungschefs Zhou Enlai und des indischen Ministerpräsidenten J. Nehru die fünf Prinzipien in die zehn Prinzipien von Bandung. Die gleichen Prinzipien wurden als völkerrechtliches Kernstück auf der Konferenz der Blockfreien-Bewegung 1961 in Belgrad unterstrichen. China hat mit der BRI diese Konzeption der Beziehung zwischen den Nationen zum ersten Mal als die Basis einer globalen Neuordnung definiert, die für alle Nationen offen ist. Präsident Xi betonte in seiner Eröffnungsrede auf dem ersten Belt & Road-Forum im Mai 2017:

„Wir sind bereit, Entwicklungsstrategien mit anderen Ländern zu teilen, aber wir haben nicht die Absicht, uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, unser Gesellschaftssystem und Entwicklungsmodell zu exportieren oder anderen unseren Willen aufzuzwingen.“

Diese Prinzipien der friedlichen Koexistenz haben ihre tiefen Wurzeln in mehreren asiatischen Kulturen. Einige dieser Konzepte sind philosophischer Natur, andere sind Teil theologischer Überlegungen. Es geht in diesem Beitrag um die Identifikation der Ansätze, die die Menschheit vorangebracht haben und die für die Völkerverständigung von morgen relevant sind. Das ist auch der Ansatz, den Präsident Xi bei seinen Auslandsbesuchen wählt. So betonte er bei seinem Besuch in Neu Delhi im Jahre 2014 in einer Rede vor der indischen Elite:

„Schon in antiken Zeiten kam man in China zu der Einsicht, daß ein kriegerischer Staat, so groß er auch sein mag, letztlich scheitern muß. Frieden ist von überragender Bedeutung. Harmonie ohne Gleichförmigkeit und universellen Frieden gilt es zu erringen. Die chinesischen Konzepte vom „universellen Frieden“ und „universeller Liebe“ sind den indischen Konzepten von ,Vasudhaiva Kutumbakum’ (die Welt als eine Familie) und ,Ahimsa’ (keine Verletzung zufügen) sehr ähnlich.“

Die Konzepte der Upanischaden

So finden sich in den antiken Schriften Indiens, den Vedischen Texten, den Upanischaden, und der klassischen Sanskrit-Literatur viele bedeutende Konzepte, die sowohl eine religiöse als auch eine praktische, politische Bedeutung haben. So beinhaltet z.B. das von Xi erwähnte Prinzip des Ahimsa, der Respekt für alle anderen Kreaturen, nicht nur den Verzicht auf jedwede Gewalt, sondern auch, den anderen in keiner Weise zu verletzen, weder verbal noch geistig. Es ist zudem eine Methode der Kriegsvermeidung und Konfliktlösung selbst für komplexe Herausforderungen in der realen Welt.

In den Sammlungen der Rigveda, der ältesten vollständig überlieferten Literatur überhaupt, welche jahrhundertelang mit Hilfe ausgefeilter Mnemotechniken mündlich überliefert worden sind, finden sich grundlegende Gedanken zur kosmischen Ordnung, die letztlich auch die Richtschnur für das menschliche Handeln auf der Erde liefern. In den Upanischaden finden sich fünf Prinzipien, die die gleiche Grundausrichtung reflektieren.

Das grundlegendste Konzept ist das des allumfassenden Brahman:Ishawaram idam sarvam jagat kincha jagatvam jagat“ – „Alles, was existiert, wo immer es existiert, ist von der gleichen göttlichen Kraft durchdrungen.“ Dieser Gedanke findet sich in ähnlicher Form bei Leibniz und seiner Idee der Monade, daß nämlich in jeder Monade die ganze Gesetzmäßigkeit des Universums steckt.

Das zweite Prinzip ist, daß das „Brahman“, das kreative Prinzip, dessen Ausdruck die gesamte realisierte Welt ist, in jedem individuellen Bewußtsein, im „Atman“ steckt. Atman ist die Reflexion dieses allumfassenden Brahman; es ist das individuelle Bewußtsein, aber es ist im Grunde nicht vom Brahman getrennt. „Ishwara sarvabhutanam idise tishtati“– „Der Herr wohnt im Herzen jedes Individuums.“ Die Beziehung zwischen Atman und Brahman ist der Kern, um den sich die ganze vedische Lehre dreht. In der cusanischen Philosophie entspricht dies der Affinität des Makrokosmos und des Mikrokosmos, der es zu verdanken ist, daß eine immaterielle Kraft – eine Idee, die von der kreativen Vernunft erzeugt wird – eine Weiterentwicklung des physischen Universums bewirken kann.

Ein drittes vedisches Prinzip ist, daß alle Menschen wegen ihrer gemeinsamen Spiritualität Mitglieder einer Familie sind. Die Upanischaden sprechen von der Menschheit als amritashya putra, „Kinder der Unsterblichkeit“.

Das vierte Konzept der Upanischaden präsentiert die Idee der Wesenseinheit aller Religionen, aller geistigen Wege: „Ekoham svat virpra bahuda vadanti“– „Die Wahrheit ist Eins, der Weise nennt sie mit vielen Namen“. Diese Idee entspricht der „Sanatana Dharma“, der einen Religion, die über allen Religionen steht, die übrigens auch Nikolaus von Kues in seinem platonischen Dialog De Pace Fidei, den er unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels 1453 und den damit verbundenen blutigen Auseinandersetzungen verfaßt hat, zum Ausdruck bringt: Die Repräsentanten der verschiedenen Religionen und Nationen, die sich in diesem Dialog um Hilfe an Gott wenden, weil sie sich alle in seinem Namen in Kriegen gegenseitig töten, belehrt Gott, daß sie jenseits aller religiöser Traditionen und Lehren der verschiedenen Propheten alle in ihrer jeweiligen Nation und Religion auch Philosophen seien, und daher verstehen könnten, daß es über den Religionen den einen Gott und über den verschiedenen Traditionen die eine Wahrheit gebe. Übrigens hat auch der hinduistische Mönch Swami Vivekananda in seiner berühmten Rede vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago am 11. September 1893 das gleiche Argument angeführt: die Anhänger der verschiedenen Religionen stritten und bekämpften sich nur deswegen, weil ihre Sichtweise zu eng sei und sie nicht begriffen, daß das höchste Wesen unendlich ist.

Ein fünftes vedisches Konzept ist das des Wohles aller Wesen: „Bahujana shukhaya bahujana hitaya cha“ – die  hinduistische Philosophie sucht „das Wohl aller Menschen und aller Lebensformen auf diesem Planeten“. Die Verwandtschaft zur konfuzianischen Idee der harmonischen Entwicklung aller ist offensichtlich, so sagt Konfuzius explizit: „Der, wer Erfolg haben will, sollte anderen zum Erfolg verhelfen.“ Das ist natürlich die Grundidee der BRI und der Konzeption einer Win-Win-Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen.

Die konfuzianische Philosophie spricht auch aus dem Namen der neuen Ära, die mit dem zukünftigen japanischen Kaiser Naruhito beginnen soll: „Reiwa“, was wörtlich „Streben nach Harmonie“ bedeutet. Japanische Kommentatoren betonen, daß dieser Begriff auf die berühmte klassische Gedicht- Anthologie Manyoshu zurückgeht, aber wie der Gelehrte Wang Peng hervorhob, wurde der Begriff des „ling-he“ von alten chinesischen Kaisern als Name für ihr Regierungszeit benutzt, bedeutet in der chinesischen Gegenwart jedoch auch beste Wünsche für Frieden und Harmonie.

Die Idee einer harmonischen Entwicklung aller als Basis für eine Weltfriedensordnung ist also in mehreren asiatischen Kulturen angelegt, und steht damit in direktem Gegensatz zu der Idee, daß das Verhältnis zwischen Staaten eine Art Nullsummenspiel darstellt. Aber ihre Realisierung in der Praxis erfordert offensichtlich eine neue Entwicklungsstufe in der Evolution der Menschheit, das Zeitalter des geistigen Menschen, wie Sri Aurobindo es ausgedrückt hat, oder die zunehmende Dominanz der Noosphäre über die Biosphäre, in der Wladimir Wernadskij die gewissermaßen in der Naturgesetzlichkeit des Universums angelegte Bahn gesehen hat.

Das Universum hat eine inhärente Gesetzmäßigkeit, die es zu höheren Stufen der Entwicklung voranbringt, und Wernadskij sieht darin die kreative Vernunft des Menschen als essentiellen Bestandteil dieses Universums, als eine geologische Kraft, die seit der Existenz der Menschheit in der Evolution diese Höherentwicklung qualitativ vorantreibt. Lyndon LaRouche hat für die Wissenschaft der physikalischen Ökonomie mit seinem Begriff der relativen potentiellen Bevölkerungsdichte, die absolute Effizienz dieser Kreativität des Menschen, die ihn von allen bisher bekannten Lebewesen unterscheidet, den Beweis dafür geliefert.

Nun ist diese anti-entropische Höherentwicklung weder linear, noch das automatische Ergebnis objektiver Prozesse – etwa eines wie auch immer gearteten historischen oder dialektischen Materialismus -, sondern neben dem objektiven Effekt der Anwendung neu entdeckter universeller Prinzipien im Produktionsprozeß kommt der subjektiven intellektuellen und moralischen Höherentwicklung des Menschen ein maßgeblicher Anteil an diesem Prozeß zu.

Für die chinesische und andere asiatische Kulturen ist es mit Sicherheit ein enormer Vorteil für die anfangs gestellte Aufgabe der bewußten Gestaltung eines neuen Paradigmas der Menschheit, daß die Entwicklung des moralischen Charakters in der Philosophie des Konfuzius das wichtigste Ziel der Bildung in weiten Teilen Asiens war. Denn trotz des erheblichen Rummels um die Digitalisierung der Wirtschaft und die Rolle der Künstlichen Intelligenz in künftigen ökonomischen Plattformen wird es immer die Frage der moralischen Qualität des Menschen bleiben, die darüber entscheidet, ob die neuen Technologien zum Wohl der Menschheit oder zu bösen Zwecken eingesetzt werden.

Die Bedeutung der ästhetischen Erziehung

Von erstrangiger strategischer Bedeutung ist deshalb der Brief, in dem Xi Jinping vor einigen Monaten gegenüber acht Professoren der Zentralen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die außerordentliche Bedeutung der ästhetischen Erziehung für die geistige Entwicklung der Jugend Chinas betonte. Die ästhetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines schönen Geistes, sie erfülle die Studenten mit Liebe und fördere das Schaffen großer Kunstwerke.

In China gibt es dank des kontinuierlichen Einflusses des Konfuzianismus – nur von den zehn Jahren der Kulturrevolution unterbrochen – eine Jahrtausende andauernde Tradition, in der die Entwicklung eines moralischen Charakters das höchste Ziel der Erziehung repräsentiert. Es gilt deshalb in China als selbstverständlich, daß die Beachtung der öffentlichen Moral und Bekämpfung schlechter Eigenschaften in der Bevölkerung die Voraussetzung für eine hochentwickelte Gesellschaft darstellt. So forderte z.B. noch der Thronbericht über die Erziehungsziele des akademischen Ministeriums der Qing-Regierung von 1906, vor allem die öffentliche Moral (gongde) und die konfuzianische Tugendlehre als Lehrinhalt weiterzuvermitteln, damit sich „jeder um den anderen sowie um sich selbst kümmert, und den Staat sowie die eigene Familie liebt“.

Ein Schlüssel zum Verständnis der besonderen Bedeutung der ästhetischen Erziehung im heutigen China aber liegt nicht nur in den Lehren des Konfuzius, der der Beschäftigung mit Poesie und guter Musik eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung des moralischen Charakters zugewiesen hatte, sondern der Gelehrte, der das moderne Bildungssystem Chinas mehr beeinflußt hat als jeder andere: der erste Erziehungsminister der provisorischen Republik China, Cai Yuanpei. Er hatte dank außerordentlicher Intelligenz und Fleiß bereits mit 15 Jahren den akademischen Titel xiucai erworben, mit 24 Jahren den höchsten Titel jingshi, und wurde 1894 zum bianxiu. Damit hatte er bereits mit 26 Jahren die höchste Stufe der Akademikerkarriere der Qing-Dynastie erreicht. Er verfügte über exzellente Kenntnisse der klassischen Schriften und war für seinen schönen klassischen Stil berühmt.

Während dieser Zeit war Cai genauso wie die gesamte chinesische Elite erschüttert darüber, daß China im Krieg gegen Japan eine Niederlage erlitt, und überhaupt bei jeder Invasion seit den Opiumkriegen den kürzeren zog, hohe Reparationszahlungen leisten und Rechte an die Invasoren abtreten mußte. Es wurde unter Intellektuellen diskutiert, wie Japan, das jahrhundertelang als rückständig galt, durch die Meiji-Restauration hatte so stark werden können, und man suchte aus dieser Transformation Lehren zu ziehen.

Man machte auch die Korruption der Qing-Dynastie für diese als Schmach empfundenen Niederlagen verantwortlich. Cai war überzeugt, daß der Staat nur überleben würde, wenn sich im Bewußtsein der Bevölkerung etwas ändern würde, und daß diese Verbesserung nur durch verbesserte Inhalte der Erziehung erreicht werden könne. Cai begann sich zunächst mit dem japanischen und dann mit europäischen Bildungssystemen auseinanderzusetzen. Schließlich reiste er nach Frankreich und Deutschland, wo er von 1907 bis 1911 in Leipzig studierte, wo er Zivilisations- und Kulturgeschichte des Abendlandes belegte, bevor er 1912 von Sun Yat-sen zum Erziehungsminister berufen wurde.

Cai unternahm tiefgehende Studien der ästhetischen Schriften von Alexander Gottlieb Baumgarten, Immanuel Kant und Friedrich Schiller, ebenso wie des Bildungskonzepts Wilhelm von Humboldts. Inspiriert durch die exzellenten Studien zur Philosophiegeschichte von Wilhelm Windelband und das direkte Studium von Kant, Schiller und von Humboldt erkannte er sehr schnell, daß Schillers Konzeption der ästhetischen Erziehung sich nicht nur in völliger Affinität mit der konfuzianischen Morallehre befand – sein Begriff der „schönen Seele“ entsprach völlig der konfuzianischen Idee des „junzi“ -, sondern daß Schiller auch über diese Fragen mit größerer Klarheit und von einem erhabeneren Standpunkt sprach als alle früheren oder zeitgenössischen Philosophen. „Die umfassende Theorie Friedrich Schillers und die Idee der ästhetischen Erziehung brachte allen große Klarheit“, schreibt Cai. „Seit jener Zeit kann uns die europäische Idee der ästhetischen Erziehung vieles liefern, auf das wir uns bei der Entwicklung unseres eigenen Verständnisses dieses Gegenstands beziehen können.“

Cai Jianguo zitiert Cai Yuanpei weiter: „In Deutschland hat mich die ästhetische Erziehung sehr beeindruckt. Ich möchte alle meine Kräfte dafür einsetzen, um sie zu befördern.“ Cai schuf dafür den chinesischen Begriff „meiju“, den es zuvor in dieser Sprache nicht gegeben hatte.

Schiller hatte die „Ästhetischen Briefe“ als Antwort auf das Scheitern der Französischen Revolution verfaßt und darin die Auffassung vertreten, daß von jetzt ab jede Verbesserung im Politischen nur aus der Veredlung des Individuums kommen könne. Nur wenn der Mensch sich über das vergängliche Glück der Sinnenwelt erhebt, und nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft, nicht nur für die Gegenwart, sondern für die Zukunft, nicht für den körperlichen Genuß, sondern für die geistige Kreativität einsetzen wolle, könne der Staat prosperieren. In den „Briefen“ und weiteren bahnbrechenden ästhetischen Schriften entwickelte Schiller, warum diese Veredlung des Charakters durch die Versenkung in die große klassische Kunst erreicht werden kann.

Cai Yuanpei erkannte die frappierende Übereinstimmung zwischen der Lehre des Konfuzius und der Ästhetik Schillers. Das Versenken in Dichtung, Musik und Malerei während der Mußestunden erweckt im Betrachter ein ästhetisches Vergnügen, in dem weder ein Begehren, noch eine Ablehnung der sinnlichen Welt liegt, sondern der Geschmack gebildet und die Emotionen veredelt werden. Das ästhetische Empfinden umfaßt Schönheit und Erhabenheit, und schlägt so eine Brücke von der sinnlichen Welt zur Vernunft. Jeder Mensch hat ein Gemüt, aber nicht jeder ist befähigt, große und edle Taten hervorzubringen, deshalb muß dieses Gemüt als Triebkraft stärker werden, indem man es veredelt.

1912 schrieb Cai die „Thesen zur neuen Erziehung“ und das „Lehrbuch über die moralische und charakterliche Vervollkommnung für die weiterführende Schule“, in dem er das menschliche Gewissen als den wesentlichen Ratgeber für das Verhalten charakterisierte. In einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb er: „Ich glaube, daß die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine höhere moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die ästhetische Erziehung.“

Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß Cai als Präsident der Universität Beijing diese Institution zu international anerkannten wissenschaftlichen Erfolgen führte, und dabei viele Anregungen von Wilhelm von Humboldt aufgriff, der in der Berliner Universität die Einheit von Forschung und Lehre und die charakterliche Schönheit als Erziehungsziel etabliert hatte. Aufgrund von Cais Ansehen wurde die Universität in Beijing bald zum Anziehungspunkt für viele junge chinesische Wissenschaftler, die aus dem Ausland zurückkamen, ebenso wie von ihm die Inspiration für viele weitere Kunsthochschulen und Akademien ausging.

Die große Gemeinschaft der Welt

Von größter Bedeutung für das Verständnis der Politik Präsident Xi Jinpings und seiner Idee der „Zukunftsgemeinschaft der Menschheit“ ist meiner Auffassung nach auch die Konzeption Cai Yuanpeis, daß der Staat wie eine größere Familie ist, weswegen das Interesse des Staates den Interessen der Einzelfamilie vorgeordnet sein muß, denn das Gedeihen des Staates war für ihn die Voraussetzung für das Glück der Bürger. Aber ebenso stand für ihn das Interesse der Welt als der Heimat aller Lebewesen über dem Interesse des einzelnen Staates. Cai schrieb: „Bevor die ,große Gemeinschaft’ der Welt verwirklicht wird, kann das Interesse der Gesellschaft mit dem der Welt nicht identisch sein.“ Er betonte auch, daß man bei der Erfüllung der Pflicht dem Staat gegenüber darauf achten müsse, daß sie nicht zur Pflicht der Welt gegenüber in Widerspruch stehe. Er erträumte eine „große Gemeinschaft“ der gesamten Welt (datong shijie), die friedlich und harmonisch ohne Klassenunterschiede und Staatsgrenzen, ohne Armee und Krieg, gestaltet wäre. Alle Menschen würden einander in dieser Weltgemeinschaft verstehen und einander helfen. Cai sah im „Dialog der Kulturen“ den Weg zu diesem Ziel: „Ich habe häufig gedacht, daß eine Nation die Kultur anderer Völker unbedingt aufnehmen muß. Dies ist so wie der Körper eines Menschen, der ohne Atmen der Luft der Außenwelt, ohne Essen und Trinken nicht wachsen kann.“ Ja, er sah in dieser Begegnung der Kulturen die absolute Voraussetzung der Höherentwicklung: „Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Geschichte, so sieht man, daß die Auseinandersetzung unterschiedlicher Kulturen immer zur Entstehung einer neuen führt.“

Die Verwirklichung dieser Vision durch die Dynamik und den „Geist der Neuen Seidenstraße“ ist für die Zukunft absolut erkennbar. Die Prinzipien, die den „rechtschaffenen Weg“ für das Neue Paradigma bestimmen müssen, sind keine statischen Axiome, sondern sie bestehen aus den Chancen, die sich aus der ästhetischen Erziehung eventuell aller Menschen ergeben. In einer Welt, in der die Ökonomie nicht nach den Prinzipien der Profitmaximierung und größtmöglichen Befriedigung der individuellen Gier funktioniert, sondern nach der bestmöglichen Förderung der Kreativität der Menschen als dem Motor eines sich anti-entropisch entwickelnden Universums – wenn also gewissermaßen die „kosmische „Ordnung“ das politische, ökonomische und kulturelle Leben inspiriert -, dann sind die Träume des Konfuzius, von Schiller, Cai Yuanpei, Xi Jinping und Lyndon LaRouche die politischen Gesetzgeber der Menschheit. So wie Tagore es in seinem berühmten Dialog mit Einstein ausdrückte: „Wenn unser Universum in Harmonie mit den Menschen ist, empfinden wir das Ewige, das wir als Wahrheit kennen, als Schönheit.“

 


Schiller-Institut wird Gründungsmitglied der CGTN-Denkfabrik

Chinas englischsprachige internationale Mediengruppe CGTN (China Global Television Network) gründete am 4.12. im Rahmen des dritten jährlichen Global Media Summit mit über 300 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft, Medien und Technologie den „CGTN Think Tank“. Die neue Denkfabrik wird „kooperative Beziehungen zu 50 renommierten Denkfabriken weltweit haben, um Einblicke in die Weltentwicklung zu geben und den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen zu fördern“, so eine Erklärung des Senders. Hier finden Sie ein Video zur Eröffnungszeremonie der Veranstaltung.

Zu den Gründungsmitgliedern, die an der Veranstaltung teilnahmen, gehörte Helga Zepp-LaRouche als Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts. Weitere prominente Mitglieder sind Leiter von Vereinigungen, die sich dem Dialog der Zivilisation widmen, Handelskammern und ähnlichen Institutionen.

Zepp-LaRouche sprach in der ersten Sitzung der Veranstaltung über das rasch zerfallende westliche Finanzsystem und die Dringlichkeit einer neuen Bretton-Woods-Konferenz zur Schaffung eines neuen Systems, das dem Geist der Neuen Seidenstraße entspricht.

Sie betonte, daß die Vereinigten Staaten und Europa mit der Belt & Road-Initiative bei der Industrialisierung Afrikas und beim Wiederaufbau Südwestasiens kooperieren müssen. Die Ausweitung der BRI zu einer globalen Weltlandbrücke, erklärte sie, schüfe auch eine Grundlage zur Ablösung der NATO. „Die NATO ist nicht nur ,hirntot’, sondern auch obsolet, weil sie nicht mehr dem Eigeninteresse der Mitgliedstaaten dient. Sobald wir eine globale Kooperation in der BRI haben, können wir auch eine neue internationale Sicherheitsarchitektur schaffen. Viele mögen glauben, daß das ein utopisches Konzept ist, aber es ist der einzige Weg aus einer existentiellen Krise für die gesamte Menschheit.“

Sie wurde auch vom englischsprachigen China Radio International (CRI) interviewt (http://chinaplus.cri.cn/podcast/detail/1/190097, ab der 13. Minute).

Zepp-LaRouche berichtete am 7.12., ihre chinesischen Gesprächspartner seien über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China und die abscheulichen Angriffe auf China aus den Vereinigten Staaten sehr verärgert, weil sie befürchten, daß das Verhältnis erst nach langer Zeit wieder repariert werden kann. Die meisten hätten keine Ahnung, daß das Absetzungsverfahren gegen Donald Trump in den USA faktisch ein Putsch ist. Auch über das Ausmaß der Finanzkrise und des drohenden Finanzkrachs seien sich die meisten nicht im klaren.

Daher konzentrierte Zepp-LaRouche sich in ihrem Interview mit CRI auf diese Themen.


Zepp-LaRouche und Cheminade sprechen auf Euro-Asien-Wirtschaftsforum 2019 in China

Das zweitägige Euro-Asien-Wirtschaftsforum 2019 in der historischen Stadt Xi’an versammelte über tausend Menschen aus 58 Nationen Europas und Asiens zu Vorträgen und Diskussionen zum Thema „Entwürfe für Verbindungen zur Welt und für Innovationen gewinnen die Zukunft“. Auf die Eröffnungsfeier am 10.9. folgten ein Plenum sowie viele parallele Treffen zu Themen von Finanzen und Kulturtourismus bis hin zu Wissenschaft und Technologie.

Die Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hielt vor rund hundert Teilnehmern die Hauptrede beim „Treffen der Denkfabriken“. Im weiteren Verlauf der Sitzung sprach auch Jacques Cheminade, der Vorsitzende der französischen Partei Solidarité et Progrès.

Zepp-LaRouches Vortrag zur Gürtel- und Straßen-Initiative (BRI) trug den Titel „Wie man dem Westen hilft, die BRI besser zu verstehen“. Ihre Erklärungen waren hochwillkommen, da viele über die heutigen Turbulenzen in der Welt beunruhigt sind; so sind die Destabilisierungsoperationen in Hongkong in aller Munde. Viele Chinesen fühlen sich angesichts der Anschuldigungen und Drohungen gegen ihr Land ungerecht behandelt.

Jacques Cheminade hielt einen Vortrag zum Thema „Eurasische und französische Win-Win-Kooperation für ein neues Wirtschaftsparadigma“. Er stellte fest, in der gegenwärtigen Situation, in der das Weltfinanzsystem zum Absturz verurteilt ist und ein neuer Kalter Krieg (und möglicherweise Atomkrieg) auszubrechen droht, „ist die BRI das einzige weltweite Projekt, das die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen den wichtigsten Zivilisationen sowohl konkret als auch vorausschauend fördert“.

Nach den Reden Zepp-LaRouches und Cheminades gab es wichtige Diskussionen mit dem Publikum. Am Rande der Konferenz wurde Zepp-LaRouche vom Regionalfernsehen interviewt.

Der italienische Ökonom Nino Galloni sprach in der zweiten Sitzung und erwähnte in seinen Ausführungen Lyndon LaRouches Wirtschaftswissenschaft.

Das Euro-Asien-Wirtschaftsforum wurde nach dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) 2005 gegründet. Seitdem finden alle zwei Jahre Treffen in Xi’an statt, die diesjährige Konferenz war die siebente. In dieser Zeit entstanden durch die Bemühungen des Forums rund 70 Projekte der „Chinesisch-Ausländischen Zusammenarbeit“, darunter die Transnationale Digitale Bibliothek. Es wird damit gerechnet, daß das diesjährige Treffen, an dem Parlamentarier, Akademiker, Unternehmer, Wissenschaftler und andere Experten teilnahmen, bedeutende Nachwirkungen haben wird.