Top Left Link Buttons

tobi

Author Archives

Erfolgreiche Konferenz des Schiller-Instituts in Lyon und Essen: Europa muß die Chancen der Neuen Seidenstraße ergreifen!

Programm in PDF

Wiesbaden, 26.10.2016  –  Die 2013 vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping angestoßene Initiative der Neuen Seidenstraße bietet Europa enorme Chancen, seine Existenzkrisen zu überwinden und sich der Entwicklungsdynamik in Asien und der Mehrheit der Entwicklungsländer anzuschließen. Bisher wird dieses Potential in der transatlantischen Welt nicht genügend erkannt, die strategischen Neukonstellationen werden in den Medien eher als Bedrohung dargestellt. Deshalb veranstaltete das Schiller-Institut Konferenzen über die Neue Seidenstraße in zwei wichtigen europäischen Städten: im französischen Lyon, dem historischen Endpunkt der alten Seidenstraße und heute auch des ersten Güterzuges von Wuhan auf der „Eisernen Seidenstraße“, und in Deutschland in Essen im Ruhrgebiet, nahe bei Duisburg, dem ersten Haltepunkt dieser eurasischen Bahnstrecke und größten Binnenhafen Europas. Die chinesische Tageszeitung People’s Daily brachte am 24. Oktober einen Bericht über die Essener Konferenz, in dem Frau Zepp-LaRouche mit den Worten zitiert wird, das chinesische Seidenstraßenprogramm sei die „wichtigste Friedensinitative auf der Welt”, die dazu beitragen werde, die Zusammenarbeit verschiedener Nationen zu stärken, eine „Win-win”-Situation zu erreichen und die regionalen Konflikte auf einer höheren Ebene zu lösen. In Kürze wird eine Dokumentation beider Konferenzen erscheinen.

Weiterlesen

Lyon: De Gaulle hätte bei der Neuen Seidenstraße mitgemacht!

Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Oktober in Lyon gemeinsam mit dem Club China EM Lyon FOREVER, einer Absolventenvereinigung der renommierten Lyoner Wirtschaftshochschule Ecole de Management (EM), die auch eine Zweigstelle in Shanghai hat, ein Seminar über die Perspektiven der Seidenstraße. Das Seminar war Teil einer Offensive des Schiller-Instituts, die europäischen Länder – insbesondere Frankreich und Deutschland – dazu zu bewegen, daß sie sich an Chinas Projekt der Neuen Seidenstraße beteiligen. Redner der Konferenz waren die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, Professor Shi Ze vom China Institute of International Affairs, Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité und führendes Mitglied der Partei Solidarité et Progrès, sowie Jean Christoph Vautrin, der Präsident des Club China EM Lyon FOREVER. Lyon ist die Endstation einer Zugverbindung nach China, die dreimal pro Woche 11.300 km in sechs Ländern durchquert, dabei achtmal die Lokomotive und dreimal die Spurweite wechselt.

Helga Zepp-LaRouche fragte in ihrer Eröffnungsrede in Lyon: „Was würde Charles de Gaulle heute tun, um das französische Volk vor den beispiellosen Gefahren auf der Welt, nämlich der Zwillingsgefahr potentieller nuklearer Konfrontation zwischen Amerika und Rußland und der akuten Möglichkeit einer Kernschmelze des transatlantischen Finanzsystems, zu beschützen?“ Da von Menschen gemachte Politik an diesen Gefahren schuld sei, könne man sie auch überwinden, indem man einen radikal anderen politischen Kurs einschlägt. Sie stellte dann Lyndon LaRouches „Vier Kardinalgesetze“ zur Lösung der Probleme vor, um dann ähnlich wie zwei Tage später in Essen die Entwicklung und Aussichten der Dynamik der Neuen Seidenstraße und Weltlandbrücke darzustellen.

Sie berichtete über Chinas atemberaubende wirtschaftliche Entwicklung, mit der in wenigen Jahrzehnten rund 700 Millionen Chinesen aus extremer Armut gehoben wurden, und betonte, es gehe bei der Neuen Seidenstraße nicht bloß um den Austausch von Waren, sondern auch von wissenschaftlichen Kenntnissen, Technologien und Kultur, um die beteiligten Nationen zu transformieren. Dann beschrieb sie die Serie von Gipfeltreffen in Ostasien – das Treffen der G-20 in Hangzhou (China), das Ostasien-Wirtschaftsforum in Wladiwostok (Rußland) und das ASEAN-Treffen in Vientiane (Laos) – bei denen innerhalb von sechs Wochen eine enorme Zahl von Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, die von eigens dafür gegründeten Finanzinstitutionen wie der AIIB und der NDB verwirklicht werden.

Sie zitierte aus der wunderbaren Rede an die deutsche Jugend, in der de Gaulle 1962 in Ludwigsburg sagte, die Menschen sollten danach streben, „daß Fortschritt ein gemeinsames Gut wird, sodaß er zur Förderung des Schönen, des Gerechten und Guten beiträgt.“ Sie  verwies auf die „tiefe Affinität“ zwischen der europäischen humanistischen Tradition und dem konfuzianischen Konzept der Selbstvervollkommnung des Menschen. „Was ist heute unser Ziel? Reichen wir uns die Hand, um Afrika durch die Erweiterung der Seidenstraße zu industrialisieren, und sicherzustellen, daß alle Kinder auf dem Planeten Zugang zur universellen Bildung erhalten.“

Prof. Shi Ze erläuterte in der darauffolgenden Rede, die neue Seidenstraße kopiere nicht bloß die alte Seidenstraße. Sie übernehme, was an jener positiv war, verwende es aber in der heutigen Welt als eine Strategie für Kooperation und Frieden, wobei das grundlegende kulturelle Konzept das der Harmonie in der Vielfalt sei. Chinas Rolle habe sich in jüngster Zeit verändert: es sei nicht mehr bloß eine Handelsmacht, sondern ein Investor. Das schaffe ein enormes Potential für die Zusammenarbeit zwischen Europa und China. Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere wünschten eine finanzielle Kooperation mit China. Schon jetzt gebe es 700 Mrd. Yuan an Swaps zwischen den Europäern und den Chinesen. Shi Ze betonte besonders die enge Partnerschaft zwischen China und Frankreich, seit Präsident de Gaulle ein Jahrzehnt früher als andere westliche Länder diplomatische Beziehungen zu Beijing aufnahm. Er betonte, es sei ungemein wichtig, gemeinsam in Afrika in Infrastruktur, Energie, Verkehr usw. zu investieren, so wie dies eine gemeinsame französisch-chinesische Erklärung von 2015 fordert.

Christine Bierre, Chefredakteurin der Zeitung Nouvelle Solidarité, sagte, paradoxerweise mache Präsident Hollande gegenüber China offenbar eine viel bessere Politik als im eigenen Land. Als privilegierter Verbündeter Chinas seit 1964 – dank de Gaulle – teile Frankreich wichtige Hochtechnologie im Austausch für Aufträge im Rahmen der rasanten Wirtschaftsentwicklung Chinas.

So werden in China Airbus-Maschinen montiert und beide Länder arbeiten seit 30 Jahren bei der Kernenergie eng zusammen. Am 30.6.2015 schlossen sie ein Abkommen über den gemeinsamen Bau von Reaktoren in Drittländern. Bierre schlug vor, im Geist von Gottfried Leibniz’ großer eurasischer Wissenschaftsstrategie aus dem 17. Jahrhundert die Kooperation bei der Raumfahrt, neuen Kernkraftgenerationen (Fusion, Kugelhaufenreaktor, Thorium-Salzschmelze-Reaktor, Spaltungs-Fusions-Hybridreaktor), der Modernisierung der Bahnverbindungen sowie Gemeinschaftsprojekten in Afrika zu stärken. All dies mache eine Rückkehr Frankreichs zu einer klaren Industrieorientierung für die Zukunft erforderlich.

Abschließend stellte Jean-Christophe Vautrian, Präsident des Club China EM (Ecole de Management) Lyon FOREVER, die Aktivitäten seiner Absolventenvereinigung vor, die Konferenzen und andere Veranstaltungen über chinesische Wirtschaftspolitik, Geschichte und Kultur organisiert.

Essen: “Win-Win” für Deutschland mit der Neuen Seidenstraße

Zur Konferenz des Schiller-Instituts, die am 21. Oktober im Essener „Haus der Technik“ stattfand, sprach der Gesandte der chinesischen Botschaft in Berlin, Herr Zhang Junhui, über den Fortschritt der Neuen Seidenstraße und über den Wunsch der chinesischen Regierung, dabei enger mit Deutschland zusammenzuarbeiten, zumal beide Länder die größten Volkswirtschaften an den beiden Enden der Seidenstraße sind.

bridge-edited-essen-conference-pics_17

Eröffnet wurde die Konferenz von der Vorsitzenden des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, später sprach der französische Präsidentschaftskandidat Jacques Cheminade. Beide betonten, Europa müsse Imperialismus und Geopolitik aufgeben, und Frankreich und Deutschland sollten am politischen und wirtschaftlichen Erbe de Gaulles und Adenauers anknüpfen, die die jahrhundertelangen Kriege und Konkurrenz zwischen beiden Ländern beendeten, indem sie sich auf Kooperation im Interesse beider Seiten konzentrierten.

Helga Zepp-LaRouche sagte, die Neue Seidenstraße sei das größte Industrie- und Infrastrukturprogramm der Geschichte, Europa dürfe die Chance der Beteiligung daran nicht verstreichen lassen. Tatsächlich beruhe Chinas „Wirtschaftswunder“ der letzten 40 Jahre auf den gleichen realwirtschaftlichen Prinzipien wie das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.

Prof. Shi Ze vom Chinesischen Institut für Internationale Studien betonte, die Beteiligung an der Neuen Seidenstraße stehe allen Ländern offen. Deutschland sei Chinas wichtigster Handelspartner in Europa mit einem Volumen von 163 Mrd. Euro in Jahr 2015, und 1700 chinesische Unternehmen sind in Deutschland präsent. Chinas Effizienz mit Deutschlands Qualität zu verbinden und das „Made in China“ mit „Made in Germany“ zu harmonisieren – das sei das Ziel der Seidenstraßenpolitik. Der Bau von Straßen und Pipelines und die Modernisierung der Landwirtschaft entlang der gesamten Seidenstraße schaffe Chancen für die deutschen Unternehmen.

Über die Bedeutung von Chinas Programm „Gürtel und Straße“ für Afrika sprach in Essen der äthiopische Generalkonsul aus Frankfurt/M., Mehreteab Mulugeta Haile. Mit einer auf Infrastrukturaufbau gestützten wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie hat sein Land seit 25 Jahren erstaunliche Erfolge erzielt, wobei China Äthiopien entscheidende Unterstützung leistet, u.a. durch zinsgünstige Kredite. So wurde gerade am 5. Oktober die erste Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Addis Abeba und dem Hafen Dschibuti eröffnet, die den Transport äthiopischer Im- und Exporte von sieben Tagen auf nur noch zehn Stunden verkürzt. Dies ist nur das erste Teilstück eines geplanten landesweiten Bahnnetzes, das Äthiopien mit allen Nachbarstaaten verbinden soll.

Die Diskussion nach Konsul Mehreteabs Vortrag drehte sich insbesondere darum, daß Europa gemeinsam mit China zur Entwicklung Afrikas beitragen muß, da dies die einzige Möglichkeit ist, die starke Migrationswelle nach Europa – die viele Todesopfer fordert – zu beenden. Cheminade sagte, Frankreich und Deutschland müßten sich dies zur gemeinsamen Aufgabe machen. Helga Zepp-LaRouche fügte hinzu, man solle auch Italien einbeziehen, zumal Regierungschef Matteo Renzi kürzlich die Neue Seidenstraße unterstützte. Shi schlug vor, da es bisher noch keine institutionelle Zusammenarbeit gebe, zur Förderung dieser neuen Orientierung einen geeigneten neuen Mechanismus einzurichten.

Generalkonsul Mehreteab unterstützte dies nachdrücklich: statt „Entwicklungshilfe“, die unter dem Vorwand von „Menschenrechten“ an politische Bedingungen geknüpft wird, brauche Afrika Technologietransfer und Infrastruktur: „Gebt uns keinen Fisch, bringt uns lieber das Fischen bei.“ Europa solle Chinas Beispiel folgen, das Investitionen, Technologie und günstige Kredite zu international üblichen Bedingungen bereitstelle.

Cheminade erinnerte daran, daß bereits ein vordringliches Projekt auf dem Tisch liegt, zu dessen Finanzierung und Verwirklichung Europa und China viel beitragen können, nämlich die Wiederauffüllung des Tschadsees. Die beste Methode dafür sei das Transaqua-Projekt zur Umleitung eines kleineren Teils des Wassers im Kongobecken in den Tschadsee.

Die Zuhörer in Essen genossen auch eine Auszeit von der technik- und industriefeindlichen „grünen“ Ideologie, die in der deutschen Öffentlichkeit vorherrscht. Die vier weiteren deutschen Redner neben Helga Zepp-LaRouche befaßten sich damit, wie Deutschland am Aufbau der Neuen Seidenstraße mitwirken und gleichzeitig selbst vom neuen Paradigma profitieren kann.

Prof. Reinhart Poprawe, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik an der RWTH Aachen und Ehrenprofessor der Tsinghua-Universität in Beijing, sagte, China sei heute nicht mehr der Hauptproduzent von Billigwaren für die Welt, sondern mache sehr schnelle Fortschritte in verschiedenen Pionierbereichen der Forschung, wo es Deutschland, Japan und die USA eingeholt hat. Poprawe sieht Deutschland mit seinem Programm „Industrie 4.0“ in guter Ausgangsposition, um mit Chinas ehrgeizigem Programm „China 2020“ zu kooperieren.

Prof. Dieter Ameling, ehemaliger Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, der etliche hohe Positionen in der deutschen Stahlindustrie innehatte, beschrieb die Perspektive einer engen Zusammenarbeit zwischen der Eisen- und Stahlindustrie in Deutschland und China, das inzwischen ein großer Stahlerzeuger geworden ist. Ameling warnte eindringlich, wenn die deutsche Regierung ihre energiefeindliche Politik beibehalte, werde die energieintensive Industrie in Länder abwandern, wo der Strompreis nicht durch eine „Energiewende“ künstlich überteuert wird. Strom in Deutschland koste schon doppelt soviel wie in den USA und 50% mehr als in Frankreich. Ameling kritisierte auch die verbreitete falsche Sichtweise, die CO2-Emissionen seien am Klimawandel schuld.

Prof. Reinhold Meisinger von der Technischen Hochschule Nürnberg, seit vielen Jahren auch an der Tongji-Universität in Shanghai tätig ist, berichtete ausführlich über die revolutionäre Magnetbahntechnik des Transrapid, die zwar in Deutschland entwickelt wurde, bisher aber nur in Shanghai kommerziell genutzt wird. Ein Teil der neuen Schnellbahnstrecken in China sei so angelegt, daß künftig darauf auch Magnetbahnen verkehren können. Allerdings wäre der Stromverbrauch eines landesweiten Magnetbahnnetzes in China viel zu hoch für „erneuerbare“ Energien, deshalb baue China Wasser- und Kernkraft stark aus.

Willy Pusch berichtete von dem Projekt der von ihm vertretenen „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e.V.“ für einen Güterbahntunnel zur Umgehung des Mittelrheintals, eines wesentlichen Teils der Bahnstrecke Rotterdam-Genua. Der vorgeschlagene 118 km lange Westerwald-Taunus-Tunnel – doppelt so lang wie der neue Gotthardtunnel in der Schweiz – könnte bis zu viermal mehr Fracht bewältigen als die heutige, sehr alte Bahnstrecke. Gleichzeitig wäre es eine enorme Entlastung der Bürger im Rheintal zwischen Bonn und Mainz, die vor allem nachts unter dem unerträglichen Lärm der Güterzüge leiden.

Musikalisch eingeleitet wurden die beiden Sitzungen der Konferenz vom Gu Feng Ensemble, bestehend aus den chinesischen Musikerinnen Lini Gong (Gesang), Ya Dong (an der Pipa, der chinesischen Laute) und Zhenfang Zhang (an der Erhu, der chinesischen Spießgeige), die mehrere traditionelle chinesische Instrumentalstücke und Lieder vortrugen: Jin she kuang wu („Tanz der goldenen Schlange“), Mo li hua („Jasminblüte“), Xiao beilou („kleiner Tragekorb“) und Song wo yizhi meiguihua („Schenk mir eine Rose”). Franz Schuberts „Ständchen“, das für diese Konferenz eigens für die Begleitung durch die chinesischen Instrumente arrangiert worden war, wurde zum ersten Mal in dieser Form aufgeführt – ein Beispiel für den  Dialog der Kulturen durch die Neue Seidenstraße.

Präsentationen

 

Helga Zepp-LaRouche

Transkript von Helga Zepp-LaRouche


Prof. Shi Ze


Zhang Junhui


Jacques Cheminade


Willi Pusch


Prof. Dr. Dieter Ameling


Prof. Dr. Reinhart Poprawe


Panle 1 – Diskussion


Mehreteab Mulugeta Haile


Prof. Dr. Reinhold Meisinger


Panel 2 – Diskussion


 


EIN NEUES PARADIGMA FÜR DIE GEMEINSAMEN ZIELE DER MENSCHHEIT!

PDF unterladen >>

von Helga Zepp-LaRouche

Es ist unerläßlich, daß die in diesen Tagen zusammenkommende Vollversammlung der Vereinten Nationen an die Fortschritte anknüpft, die der G20-Gipfel unter der Führung Chinas in Hangzhou erreicht hat. Die Weichen für eine neue Finanzarchitektur sind gestellt; die Chance, daß alle Nationen am Ausbau der Neuen Seidenstraße auf der Basis einer Win-Win-Kooperation teilnehmen, daß die Produktivität der Weltwirtschaft auf der Basis von Innovation gesteigert und so die Armut und Kriegsfolgen überwunden werden können, ist vorhanden wie nie zuvor.

Das Hauptproblem besteht jedoch darin, daß der „Westen“ am Status quo der unipolaren Welt und des neoliberalen Finanzsystems festhalten will, obwohl beides längst unhaltbar geworden ist. Der Aufstieg Asiens bedeutet, daß nicht eine Nation die Regeln bestimmen kann, sondern Lösungen durch Dialog und Verhandlungen gefunden werden müssen. Und das neoliberale System befindet sich in einer existentiellen Krise.

Der eine Zwilling der Globalisierung – die Politik der Regimewechsel und angeblich „humanitären“ Interventionen – hat Millionen von Menschen das Leben gekostet, unsägliches Leid für viele weitere Millionen gebracht, ganze Regionen zerstört, der Ausbreitung des Terrorismus einen Nährboden geliefert und riesige Flüchtlingswellen in Bewegung gesetzt. Alleine die Kriege gegen den Irak und Afghanistan haben laut einer Untersuchung von Professor Neta Crawford von der Brown University bisher fünf Billionen
Dollar gekostet – und mit welchem Ergebnis?

Der andere Zwilling – das System der Profitmaximierung der „too big to fail“-Banken, die angeblich zu groß sind, als daß man sie untergehen lassen dürfte – hat zu einer unerträglichen Öffnung der Schere zwischen Reich und Arm geführt. Und wenn gewisse Banken die volle Summe als Strafe für ihre kriminellen Methoden zahlen müssen, können sie Insolvenz anmelden, weil ihre Kapitaldecke nicht ausreicht. Eine neue Kernschmelze droht, die noch katastrophalere Folgen hätte als der Kollaps von Lehman Brothers 2008, weil die Instrumente der Zentralbanken nicht mehr greifen.

Zwei Berichte, die in Großbritannien veröffentlicht wurden, bieten daher eine hervorragende Gelegenheit zur Bewertung und Korrektur der bisherigen Politik. Nach dem Chilcot-Bericht, der Tony Blair die Schuld für den illegalen und auf Lügen aufgebauten Irakkrieg zuwies, veröffentlichte ein Ausschuß des britischen Parlaments jetzt eine nicht minder vernichtende Anklage gegen den früheren Premierminister David Cameron bezüglich des Krieges gegen Libyen, der auf einer fehlerhaften Einschätzung erfolgt sei und zu einem „politischen und wirtschaftlichen Kollaps, Kämpfen zwischen Milizen und Stämmen, humanitären und Flüchtlingskrisen, weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, zur Verbreitung von Waffen des Gaddafi-Regimes in der ganzen Region und zum Erstarken von ISIS“ geführt habe. In dem Bericht heißt es zur entsprechenden Rolle der USA:

„Die Vereinigten Staaten waren entscheidend bei der Ausweitung der Bestimmungen der Resolution 1973 über die Durchsetzung einer Flugverbotszone auf ‘alle notwendigen Maßnahmen’ zum Schutz der Zivilbevölkerung. In der Praxis führte dies zur Durchsetzung einer ‘Fahrverbotszone’ und zu der unterstellten Befugnis, die gesamte Führung und Kommunikation der libyschen Regierung anzugreifen.“

In die gleiche Überprüfung der bisherigen Politik gehören natürlich die Implikationen der 28 Seiten des offiziellen Berichtes der Untersuchungskommission des US-Kongresses, der die Umstände der Anschläge des 11. September 2001 beleuchtet, und des sogenannten JASTAGesetzes, die eine vollkommen neue Untersuchung erfordern.

Angesichts des horrenden Leids, das diese verfehlte Politik verursacht hat – den Millionen von Toten und Verwundeten, traumatisierten Kindern und Soldaten (durchaus auch bei den angreifenden Nationen), Zerstörung von Städten, Dörfern, Infrastruktur und unersetzbaren Kulturgütern –, ist es nicht nur angebracht, sondern eine moralische Bringschuld, daß die Staaten, die sich in diversen „Koalitionen der Willigen“ an diesen Kriegen beteiligt haben, den politischen Prozeß in ihren Parlamenten aufarbeiten und sich am Wiederaufbau der zerstörten Regionen voll und ganz beteiligen. Dadurch werden die Toten nicht wieder lebendig, aber das Eingeständnis der Schuld und die beherzte Wiedergutmachung würde den heute lebenden Menschen die Hoffnung auf eine Zukunft geben.

Der Status quo ist nicht zu halten. Ein enormer Vertrauensverlust der Bevölkerung in der transatlantischen Welt ist das Resultat der beiden Zwillinge der Globalisierung. Rechtspopulistische bis rechtsextreme Parteien gewinnen massiven Zulauf, die Verhältnisse der 1930er Jahre drohen sich in neuer Form zu wiederholen, die EU zerbröckelt; die Flüchtlingskrise wird durch die Sicherung der Außengrenzen der EU nicht gelöst, sondern nur verlagert und aus den Nachrichten entfernt. Die amerikanische Wirtschaft kollabiert und die Gesellschaft dort ist zerrissen und von Gewalt erfaßt wie nie zuvor. Entweder dieser Prozeß führt zu einer Eskalation der Konfrontation gegen Rußland und China und zur Auslöschung der Menschheit in einem großen Krieg – oder die führenden Politiker des Westens haben die moralische Integrität, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren.

Die Weichen sind gestellt

Um zu der positiven Aussage des Anfangs dieses Appells zurückzukehren: Die Weichen für den Ausweg aus dieser zivilisatorischen Krise sind seit dem G20-Gipfel gestellt. China hat nicht nur eine neue Ebene der Zusammenarbeit präsentiert, die nicht auf Geopolitik sondern auf einer Politik im gegenseitigen Interesse basiert, sondern es hat zusätzlich die Industrialisierung Afrikas und anderer Länder mit geringem Einkommen versprochen und damit einen Lösungsweg aufgezeigt, wie sowohl die Flüchtlingskrise als auch das Umfeld des Terrorismus beseitigt werden können. Offensichtlich erfordert der Ausbau der Neuen Seidenstraße in den Nahen Osten und nach Afrika Wachstumsraten von 7-10 Prozent.

Und prompt meldet sich der Club of Rome mit einem neuen Bericht mit dem zynischen Titel „Ein Prozent [Wachstum] ist genug“, was in der Konsequenz auf eine Bevölkerungsreduktion hinausläuft – eine faschistische Politik, für die der Club of Rome berüchtigt ist. Die UN betonte kürzlich in einer Stellungnahme, daß Afrika mindestens 7-8% Wirtschaftswachstum braucht. Wenn einer der Autoren, Jorgen Randers aus Norwegen, die abstruse Aussage macht: „Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt“, weil sie 30mal soviel Energie verbrauche wie ein Mädchen in einem Entwicklungsland, dann zeigt dies, auf der Basis welchen Menschenbildes der Club of Rome argumentiert, nämlich einem bestialischen.

Der Mensch ist aber im Gegensatz zu allen anderen Lebewesen fähig, sein kreatives Potential immer wieder zur Entdeckung neuer Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten des Universums einzusetzen – das nennt man wissenschaftlichen Fortschritt –, und diesem unbegrenzten Vervollkommnungsprozeß des menschlichen Geistes entsprechen die Gesetze des physischen Universums, das sich zu immer höheren Energieflußdichten entwickelt. Wir befinden uns nicht in einem geschlossenen System auf der Erde, wie der Club of Rome und ähnliche Organisationen behaupten, sondern unser Planet ist integraler Teil des Sonnensystems, der Galaxis und des Universums, und die Weltraumforschung ist dabei, diese immer mehr zu entdecken. Diese Forschung bringt uns viele Vorteile auf der Erde, und deshalb ist es phantastisch, daß China auf dem G20-Gipfel gerade die Einbeziehung der Entwicklungsländer in die am weitesten entwickelten Forschungsergebnisse angekündigt hat.

Die Menschheit ist an einem Scheidepunkt angelangt. Wenn wir auf ausgetretenen Pfaden wandeln, mit einer Politik des „weiter so“, dann droht die Welt vollends aus den Fugen zu geraten. Wenn wir uns hingegen auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit einigen können – eine Wirtschafts- und Finanzordnung, die dem Gemeinwohl der ganzen Menschheit dient und ein menschenwürdiges Leben für jeden Menschen auf dieser Erde ermöglicht, die Sicherung von Rohstoffen und Energie durch entwickelte Technologien wie die Kernfusion, die Erforschung des Weltalls zur Sicherung unseres Planeten, eine Renaissance der klassischen Kulturen –, dann können wir eine neue, bessere Epoche in der Geschichte unserer Gattung einläuten.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen ist der würdige Ort, an dem das neue Paradigma der einen Menschheit, jenseits der Differenziertheit der Nationen, etabliert und zelebriert werden muß.


Presseerklärung

28. Juni 2016 – Auf der zweitägigen internationalen Konferenz des Schiller-Instituts in Berlin versammelten sich mehr als 300 Gäste aus 24 Nationen und vier Kontinenten zu einem intensiven und fundierten Dialog darüber, wie die unmittelbare Weltkriegsgefahr gestoppt und statt dessen ein neues Paradigma weltweiter Zusammenarbeit und Entwicklung auf Grundlage eines Dialogs der Zivilisationen und der einzigartigen menschlichen Kreativität geschaffen werden kann. Die Konferenzteilnehmer waren extrem besorgt über die eskalierende geopolitische Konfrontation des Westens gegen Rußland und China und die daraus resultierende Gefahr eines thermonuklearen Krieges. In einer Resolution forderten sie ein sofortiges Ende der Sanktionen gegen Rußland und Syrien. Die Beendigung des Krieges in Syrien und der Wiederaufbau dieses kriegszerrütteten Landes wie auch der Gesamtregion Südwestasiens war einer der Schwerpunkte der Konferenz. Sehr eindringlich äußerte sich hierzu per Videobotschaft Frau Dr. Bouthaina Shaaban, Beraterin und Sprecherin der Präsidentschaft der Syrischen Arabischen Republik, die anschließend per Livestream Fragen aus dem Publikum beantwortete.

Die Konferenzteilnehmer waren auch zu einem gemeinsam von NICE e.V. und dem Schiller-Institut ausgerichteten „Musikalischen Dialog der Kulturen“ eingeladen, der als Konzert mit freiem Eintritt in einer Gemeindekirche stattfand. Vor fast 500 Zuhörern führten die Camerata Geminiani, der Chor des internationalen Schiller-Instituts und andere Musiker klassische Werke in der Verdi-Stimmung auf, und zwei weitere Chöre präsentierten Volkslieder aus Rußland, der Ukraine und China. Es wurde deutlich, daß nur durch die Schaffung eines neuen Paradigmas für die Menschheit, eine Renaissance des Schönen, mit der die kulturellen Höhepunkte der jeweiligen Zivilisationen bekannt gemacht und gefördert werden, die Menschheit vor dem Abgrund gerettet werden kann.

Die Konferenz-Panels

Das erste von fünf Panels „Die strategische Krise ist gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges“ wurde eingeleitet von Helga Zepp-LaRouche, Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts. Weitere Redner waren Chas Freeman, ehemaliger US-Botschafter in Saudi-Arabien, Oberst i.R. Alain Corvez, ehemaliger Berater des französischen Verteidigungs- und Innenministeriums, OTL a.D. Ulrich Scholz, ehemaliger Luftwaffenoffizier, NATO-Planer und Dozent über Luftkampfführung, sowie der amerikanische Ökonom und Staatsmann Lyndon LaRouche.

Sprecher des zweiten Panels „Die Krise des transatlantischen Finanzsystems und ihre Lösung“ waren Jacques Cheminade, französischer Präsidentschaftskandidat, Marco Zanni, Leiter der M5S-Delegation im Ausschuß des Europaparlaments für Wirtschafts- und Währungsfragen, Daisuke Kotegawa vom Canon Institute und ehemaliger Vertreter Japans beim Weltwährungsfonds, und Leonidas Chrysanthopoulos, ehemaliger Botschafter Griechenlands in Polen, Kanada und Armenien und ehemaliger Generalsekretär der Organisation für Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation.

Im dritten Panel „Die Neue Seidenstraße – Inbegriff des neuen Paradigma“ sprachen Dr. Ren Lin von der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CSS) mit der „Ein Gürtel, eine Straße“-Politik Chinas als Forschungsschwerpunkt, S.E. Hamid Sidig, Botschafter und Außerordentlicher Repräsentant der Islamischen Republik Afghanistan in Deutschland, und Egbert Drews, Vorstandsmitglied der Marwiko AG, Berlin.

Die Konferenzberatungen am Sonntag setzten das Panel über die Neue Seidenstraße fort, mit besonderer Betonung der Syrien-Krise und der Notwendigkeit, die geopolitische Konfrontation und

den vom Ausland finanzierten Terrorismus zu beenden. Nach einem vorbereiteten Videobeitrag über die Lage in Syrien von Frau Dr. Bouthaina Shaaban hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu einem bewegenden 30minütigen Livedialog direkt aus Damaskus mit Frau Dr. Shaaban, die dazu aufrief, statt Krieg und Zerstörung ein neues Paradigma kreativer menschlicher Entwicklung („eine intellektuelle Seidenstraße“) zu schaffen.

Michel Raimbaud (ehemaliger französischer Botschafter in der arabischen Welt, Afrika und Lateinamerika und ehemaliger Direktor des Französischen Amts für den Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen) hatte zuvor das Panel mit einem leidenschaftlichen Appell eröffnet, den Frieden in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht wiederherzustellen – in Syrien und überall sonst. Hussein Askary, Arabien-Korrespondent von EIR, präsentierte ein Video über den Wiederaufbau von Aleppo im Kontext der Neuen Seidenstraße, gefolgt von einem Beitrag von Prof. Talal Moualla, Aufsichtsrat des Syrischen Entwicklungsfonds und Vorstandsdirektor des Projekts „Transformation des syrischen kulturellen Erbes“ im syrischen Kultusministerium. Abgeschlossen wurde die Vortragsrunde von Bereket Simon, Vorsitzender der Commercial Bank of Ethopia und Berater des äthiopischen Premierministers, und einer Videobotschaft von Fouad Al-Ghaffari, Vorsitzender des Beratenden Komitees für die Koordinierung mit den BRICS-Staaten aus dem kriegsgeschüttelten Jemen.

Sprecher des vierten Panels „Die Pioniergebiete der Wissenschaft: Die neue Wirtschaftsplattform auf der Grundlage der Kernfusion und die Zukunft der Menschheit im Weltraum“ waren Adeline Djeutie, ehemalige Mitarbeiterin der IAEA und jetzt selbständige Beraterin in Wien, Alain Gachet, Vorsitzender von Radar Technologies International aus Frankreich, und Rainer Sandau, Technischer Direktor für Satelliten und Weltraumanwendungen der Internationalen Akademie der Astronautik (IAA).

Nach einer musikalischen Einleitung mit klassischer Musik erläuterte der Geiger Gian Marco Sanna, Gründer und künstlerischer Leiter des Camerata-Projekts in London, im letzten Panel die Bedeutung der wissenschaftlichen Stimmung von A=432 Hz („Verdi-Stimmung“), für die sich das Schiller-Institut seit Jahrzehnten einsetzt. Hussein Askary präsentierte die „Elefantenuhr“ als Beispiel der Schönheit der islamischen Renaissance und deren Beziehung zur alten Seidenstraße. Danach kamen die Podiumsredner mit Frau Zepp-LaRouche und Lyndon LaRouche zu einer abschließenden Diskussionsrunde darüber zusammen, wie eine globale Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit erreicht werden kann. Die Hauptaussage dabei war, daß die derzeitige tödliche Gefahr für die Zivilisation nur abgewendet werden kann, wenn das schöpferische Potential in jedem einzelnen Menschen gefördert wird.

Für weitere Informationen:

Frau Leona Meyer-Kasai, Schiller-Institut, Berlin, mail: konferenz2016@schiller-institut.de

Konferenzprogramm PDF

 


TASS-Interview mit Zepp-LaRouche: USA und Europa brauchen Neue Seidenstraße dringender als Asien

Die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche – in China als „Seidenstraßen-Lady“ bekannt, da sie sich zusammen mit ihrem Ehemann Lyndon LaRouche als erste in Europa für die Politik der Neuen Seidenstraße eingesetzt hat -, gab am 31. Mai der offiziellen russischen Nachrichtenagentur TASS ein Interview. In der Einleitung zu dem Interview heißt es: „Eine wachsende Zahl von Ländern und anderen Kräften weltweit erkennt, daß die Sanktionen [gegen Rußland] keine Zukunft haben und daß eine globale Kooperation notwendig ist. Helga Zepp-LaRouche, die Präsidentin des Schiller-Instituts, äußerte diese Meinung in einem Interview mit TASS.“


TASS: Wie bewerten Sie die gegenwärtige internationale Lage?

Zepp-LaRouche: Es gibt derzeit zwei vollkommen entgegensetzte Dynamiken auf der Erde. Auf der einen Seite konvergieren Putins sehr erfolgreiche militärische Flankenaktionen, wie seine Intervention in Syrien, die das Potential für einen Frieden geschaffen hat, mit seinen verschiedenen diplomatischen Interventionen in Asien, die den chinesischen Seidenstraßen-Initiativen parallel laufen. Diese Bemühungen bedeuten eine Win-Win-Perspektive für jetzt schon mehr als 70 teilnehmende Länder.

Auf der anderen Seite betreiben die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die EU und die NATO eine extrem gefährliche Konfrontation gegen Rußland und China, was die Welt in eine vielschichtige Krise gestürzt hat, die gefährlicher ist als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.

TASS: In welchen Bereichen ist dies besonders aktiv, und in welchen nicht?

Zepp-LaRouche: Im Falle Syriens sind die Kooperation zwischen Außenminister Lawrow und US-Außenminister Kerry sowie die Kooperation zwischen Rußland und den USA in Genf sehr positiv. Aber solange die USA ihre Politik des Regimewechsels nicht aufgeben, bleibt die Situation gefährlich. Präsident Putin hat sich als ein brillanter Stratege erwiesen. Dies macht zuversichtlich, daß es den Kriegstreibern in der NATO nicht gelingen wird, Rußland in eine Falle zu locken und ihnen einen Vorwand für einen präventiven Angriff zu liefern.

TASS: In welchen Bereichen muß die Kooperation zwischen dem Westen und Rußland verstärkt werden? Und warum?

Zepp-LaRouche: Die Realität ist, daß der gesamte transatlantische Sektor bankrott ist und kurz vor einem noch größeren Kollaps steht als 2008. Nach seinem sehr wichtigen Besuch in Rußland hat Japans Ministerpräsident Abe beim jüngsten G7-Gipfel nachdrücklich auf diesen Umstand hingewiesen, aber Präsident Obama hat ihm widersprochen und betont, daß der „Aufschwung voranschreitet“, was angesichts der Negativzinsen der Zentralbanken und der Debatte über das „Helikoptergeld“ absurd ist.

Deshalb braucht der Westen noch mehr als Asien eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nach Art der Politik „Ein Gürtel, eine Straße“ und der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Eurasien von Wladiwostok bis Lissabon eint, aber auch die Vereinigten Staaten einlädt, sich an dieser Perspektive zu beteiligen. Eine Katastrophe kann nur vermieden werden, wenn es uns gelingt, die Geopolitik zu überwinden und ein neues Paradigma auf Grundlage einer globalen Entwicklungspartnerschaft und den gemeinsamen Zielen der Menschheit zu erreichen.

TASS: Warum behindert der Westen, trotz der offensichtlichen Bedrohung durch Terrorismus, Cyberkriminalität und andere internationale Herausforderungen, die Kooperation mit Rußland?

Zepp-LaRouche: Fast alle wichtigen Konflikte beruhen auf dem Versuch des anglo-amerikanischen Empire, eine unipolare Welt zu erhalten, obwohl es diese schon gar nicht mehr gibt. Immer mehr Kräfte auf der Welt erkennen, daß sie existentielle Entscheidungen treffen müssen, und daß dem Interesse ihrer Länder weit besser gedient ist, wenn die Sanktionen und die Konfrontation gegen Rußland und China beendet werden. Die Tatsache, daß Rußland und China eine starke strategische Partnerschaft – mit Indien als drittem Partner – geschlossen haben, hat das strategische Gleichgewicht der Welt verändert. Immer mehr Länder sehen es als vorteilhafter an, für ihre Entwicklung zusammenzuarbeiten, als unter dem Joch militärischer Konfrontation zu stehen. Wir stehen an einer Wegscheide der Geschichte, und in solchen Momenten kommt es auf die Führung an, wie wir sie bei Präsident Putin sehen.

Quelle: http://tass.ru/mezhdunarodnaya-panorama/3325807

 

 

 


Frankfurter Seminar: „Pessimist zu sein, ist zu einfach“

„Die Wirtschafts- und Flüchtlingskrisen mit der Neuen Seidenstraße lösen!“ – Unter diesem Titel fand am 23. März ein halbtägiges Seminar statt, das vom Wiesbadener Verlag EIR in Zusammenarbeit mit dem äthiopischen Generalkonsulat in Frankfurt veranstaltet wurde.

Das Publikum setzte sich zu einem guten Drittel aus Angehörigen diplomatischer Vertretungen in Frankfurt zusammen, insgesamt waren – dem Thema des Seminars angemessen – mit allen Teilnehmern etwa 20 Nationen präsent. Mit Ausnahme des äthiopischen Generalkonsuls waren die Redner von weither angereist – aus Italien, aus Schweden, aus dem Tschad, und Hussein Askary kam direkt aus Kairo, wo er wenige Tage zuvor im Beisein des ägyptischen Verkehrsministers die erste arabischsprachige Übersetzung des EIR-Berichts über die Weltlandbrücke der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Parallel zum Frankfurter Seminar fand übrigens auch in Jemen ein Seminar zum selben arabischsprachigen Bericht statt – quasi unter dem Bombenhagel saudischer Luftangriffe auf jemenitische Städte.

Das Seminar wurde eröffnet mit einer Grundsatzrede von Helga Zepp-LaRouche, der Vorsitzenden des internationalen Schiller-Instituts und Bundesvorsitzende der BüSo, gefolgt von Hussein Askary, dem Arabien-Redakteur von EIR in Stockholm, danach sprach Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Föderalen Demokratischen Republik Äthiopien. Reden von Marcello Vichi und Andrea Mangano, beide führend beteiligt am Transaqua-Projekt, schlossen den ersten Teil des Seminars ab. Mohamad Bila vom Vorstand der Tschadsee-Kommission und Ulf Sandmark vom Schiller-Institut in Stockholm eröffneten den zweiten Teil, dem dann über zwei Stunden intensive Diskussionen folgten. Das gesamte Seminar wurde moderiert von Claudio Celani vom EIR-Verlag.

Eingeleitet wurde der Diskussionsteil mit Ausführungen Helga Zepp-LaRouches zur anhaltenden Rolle des Britischen Empires im globalen Finanzsektor und vor allem in führenden Institutionen der internationalen „Umweltbewegung” wie dem Club of Rome und dem World Wildlife Fund, die vehement große Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte wie Transaqua bekämpfen. Das stark wankende transatlantische Finanz- und Wirtschaftssystem mit London im Zentrum ist in seinem Versuch, die nicht länger zu haltende globale Vorrangstellung selbst durch Kriege und sogar einen neuen Weltkrieg zu behaupten, eine Bedrohung der gesamten Menschheit im Zeichen der atomaren Überrüstung! Dazu passe, daß der Umwelt-Guru von Bundeskanzlerin Merkel, Joachim Schellnhuber (Träger des Ordens „Commander of British Empire”) eine maximale Weltbevölkerung von einer Milliarde anstrebe. Die Alternativen liegen auf dem Tisch, betonte Helga Zepp-LaRouche, wie im Falle des ersten, 1976 veröffentlichten Afrika-Programms einer Arbeitsgruppe um Lyndon LaRouche schon seit 40 Jahren; Wenn man wirklich wolle, könnten der Hunger in Afrika in einem halben Jahr und die Armut auf dem Kontinent innerhalb von fünf Jahren beseitigt und in 10-20 Jahren ein würdiger Lebensstandard für alle Afrikaner erreicht werden, sagte Helga Zepp-LaRouche.

In seiner Antwort auf eine Frage aus dem Publikum nach seiner Ägyptenreise sagte Hussein Askary dann, es gebe ganz klar eine neue Dynamik in der internationalen Politik, und die Entwicklungen in Ägypten seien Teil der sich ausbreitenden Revolte gegen das westliche System. Wenn man 25 Jahre zurückblicke, als die Idee der „Neuen Seidenstraße” von Helga Zepp-LaRouche in die Diskussion gebracht wurde, und mittlerweile die offizielle chinesische Politik hinter demselben Konzept sehe, werde diese neue Dynamik sichtbar.

Ägypten selbst, so erläuterte er weiter, stehe unter Bedrohung durch Terrorismus von innen und durch finanzielle Kriegsführung von außen, habe deshalb auch enorme Probleme, die es aber bisher im Griff hat, weil die Ägypter eine Vision des Fortschritts haben und sich nicht abhängig machen von äußeren Finanzquellen. Immerhin gebe es 400,000 Ingenieure im Lande, das Potential für eine breite wirtschaftliche Entwicklung sei also vorhanden.

Mohamad Bila erwähnte auf eine Frage zum Stand des Tschadsee-Projekts die vielen Widerstände, auf die das Transaqua-Konzept in den letzten 30 Jahren auch in Afrika selbst gestoßen sei, erläuterte dann aber, daß es bei diesem Konzept nicht nur um Wasser für den Tschadsee gehe, sondern um ein umfassendes Entwicklungsprojekt für gesamt Zentralafrika. Die Region habe keine nennenswerte Infrastruktur – weder Straßen noch Strom, andererseits sei Wasser im Kongo und seinen Zuflüssen reichlich vorhanden. Das Wasserprojekt sei Teil eines größeren Programms für die gesamte Region, nur so könne man es verwirklichen, sagte Bila.

Claudio Celani wies in diesem Zusammenhang auf die zerstörerische Rolle der Terroristen von Boko Haram in der Region um den Tschadsee hin, wo sie für lange Zeit die wichtigsten Verkehrsverbindungen unterbrochen hatten, jetzt aber durch die unter nigerianischer Führung stehende militärische Eingreiftruppe von sechs afrikanischen Staaten niedergekämpft wurden, so daß die Sicherheitslage wieder unter Kontrolle und somit eine der wichtigsten Bedingungen für die Verwirklichung des Transaqua-Projekts erfüllt sei.

Der äthiopische Generalkonsul demontierte in einem Diskussionsbeitrag die westliche Propaganda über die angebliche Rohstoffgier der Chinesen in Afrika mit dem nüchternen Hinweis, sein Land besäße gar kein Öl und kein Gas, auf das China scharf sein könne, sondern unterstütze das Land als Entwicklungspartner ohne Vorbedingungen.

Ulf Sandmark berichtete in der Diskussion über seine erste Reise nach Syrien 2014, die darauf folgende Arbeit am Phönix-Aufbauplan für das Land und das große Interesse, das dieser Plan während des zweiten Syrien-Besuchs auch in den Landesmedien fand. Dieser Plan wie auch der Landbrückenbericht von EIR in englischer und jetzt auch arabischer Sprache müsse, so Sandmark, gewissermaßen zum Lehrbuch für alle werden, die eine neues Paradigma schaffen wollen; überall müßten sich Arbeitsgruppen bilden und regelmäßig zusammentreffen, und vor allem müsse der Druck auf die politischen Eliten massiv erhöht werden, damit sich die Dinge zum Besseren ändern.
Kamil Maqsou verlas als Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde in der Schweiz eine Erklärung, in der er darauf hinwies, daß ein erheblicher Teil der syrischen Flüchtlinge Christen sind, die ihr Land verlassen, um der Verfolgung durch den Islamischen Staat zu entgehen.

Gegen Ende der Diskussion kam aus dem Publikum die Frage, wieviel Zeit noch bleibe zur Umsetzung der vorgestellten Programme; die akute Gefährlichkeit der Krise sei ja nicht zu übersehen, die Ereignisse von Brüssel machten die Dringlichkeit nur noch deutlicher. Hierauf antwortete Helga Zepp-LaRouche, in der Tat gehe es ja nicht nur um die Seidenstraßenpläne, da sei ja schon viel auf dem Wege, es gehe eben auch um den Ausstieg aus dem unhaltbaren westlichen Finanz- und Wirtschaftssystem, das Bankenwesen müsse sich gemäß dem Glass-Steagall-Standard umorientieren, ehe alles in sich zusammenbreche und möglicherweise in Chaos und Krieg münde. Die Alternativen zum transatlantischen System müsse man jetzt aus den Schubladen herausholen und verwirklichen – niemand könne unbeteiligter Beobachter bleiben, weil wir alle eben auf einem Pulverfaß säßen, das jede Sekunde explodieren könne. Optimistisch könne man nur in die Zukunft blicken, wenn man von diesen Alternativen ausgehe, sagte Helga Zepp-LaRouche.

Dem schloß sich Marcello Vichi an, indem er sagte, man müsse Optimist sein, denn Pessimist zu sein, sei wirklich zu einfach, zumal heutzutage. In seiner Firma Bonifica (die den Transaqua-Plan erstellt hat) habe er seine Mitarbeiter jedenfalls immer daran erinnert, sie würden für Optimismus bezahlt und nicht für Pessimismus.

Im Schlußwort des Seminars, bei dem es viel Applaus für die Redebeiträge gegeben hatte, richtete Helga Zepp-LaRouche einen Appell an alle Teilnehmer, mitzuwirken an einer neuen Renaissance, an einer Massenbewegung für Entwicklung, wobei das Beste jeder Kultur, die deutsche und europäische Klassik ebenso wie der chinesische Konfuzianismus, die Gupta- und Vedenperioden Indiens, und die besten Traditionen Persiens und Afrikas eingebracht würden. Schließlich sage man ja, die gesamte menschliche Entwicklung komme letztendlich aus Äthiopien. Wenn man all das mobilisiere, werde man die barbarische Kultur von heute überwinden.


Landbrücken-Konferenz des Schiller-Instituts in New York

„Der Bau einer Weltlandbrücke – die wahre Humanität der Menschheit verwirklichen“ war das Thema der internationalen Konferenz des Schiller-Instituts, die am 7. April in New York City stattfand. Sie zeigte das Potential der Vereinigten Staaten, sich aus der verheerenden Geopolitik und dem Wirtschaftskollaps zu befreien und zu ihrer traditionellen Identität als produktive Nation zurückzukehren. An der 15 Stunden langen Konferenz nahmen 300 Gäste aus vielen Teilen der USA sowie einem Dutzend Ländern aus Asien, Afrika und Europa teil.

Helga Zepp-LaRouche hielt zur Eröffnung eine umfassende und inspirierende Rede, worin die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit im Mittelpunkt stand. Sie ging in viele Details, besonders zur Flüchtlingskrise in Südwestasien, Nordafrika und Europa und der Notwendigkeit für einen „Marshall-Plan der Seidenstraße“. Lyndon LaRouche, der die Kampagne für einen solchen Paradigmenwechsel seit Jahrzehnten anführt, betonte die Bedeutung des individuellen menschlichen Geistes, der Prinzipien entdecken könne, die der Menschheit Fortschritte ermöglichen. Albert Einstein sei ein ideales Beispiel für eine Persönlichkeit in der Gesellschaft, die zu solchen Entdeckungen fähig ist.

helga-IV-april-VII

Andere Redner in der Vormittagssitzung waren der frühere US-Justizminister unter Präsident Johnson, Ramsey Clark, der ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg hielt, der chinesische Journalistikprofessor Li Xiguang von der Universität Tsinghua, der mit zahlreichen Abbildungen die weiten Gebiete von Chinas Seidenstraßenprojekt „Gürtel und Straße“ beschrieb, sowie der ägyptische Generalkonsul in New York, Ahmed Farouk. Dieser schilderte enthusiastisch den Bau des Neuen Suezkanals, der von den Ägyptern selbst finanziert in Rekordzeit bewältigt wurde, und die geplanten drei Entwicklungszonen. Das erinnerte viele im Publikum an frühere Großprojekte in den USA – wie den Hoover-Damm oder die TVA.

In der zweiten Sitzung rief Kesha Rogers von der amerikanischen LaRouche-Bewegung alle dazu auf, aktiv dafür zu arbeiten, daß auch die USA wieder zu ihrer Pionierrolle für Fortschritt zurückkehrt , vor allem, indem die NASA wieder an ihre größten Zeiten anknüpft. Dazu sprachen zwei frühere NASA-Mitarbeiter, Tom Wysmuller zum Thema „Warum bemannte Raumfahrt?“ und Dr. Feng Hsu über Sonnenforschung.

Die abschließende Sitzung war ein außergewöhnlicher Dialog großer Kulturen mit musikalischen Beiträgen (italienische Belcanto-Gesangsstücke und deutsche Kunstlieder, ein gesungenes Gedicht des Bengalen Rabindranath Tagore und klassische chinesische Musik auf alten Saiteninstrumenten). Hinzu kamen zwei Vorträge – von Prof. Ben Wang vomChina Institute über „Die Einheit von Kalligraphie, Dichtung, Malerei und Musik in der chinesischen Kunst“ sowie der bekannten italienisch-amerikanischen Gesangspädagogin Carmela Altamura über „Verdis Opern und Italiens Risorgimento-Bewegung“.

panel-II_0

Die Konferenz wurde vor allem in der chinesischen und russischen Presse prominent aufgegriffen. Die amtliche russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte am 8. April Auszüge aus einem Interview mit Helga Zepp-LaRouche. Die Meldung erschien in mehreren großen russischen Medien, darunter die Webseite des VerteidigungsministeriumsZvezda-TV, Federal News Agency, sowie bei RT auf Spanisch.

Die Videos der Konferenzbeiträge finden Sie hier.


Ägyptisches Verkehrsministerium unterstützt Veröffentlichung der arabischen Ausgabe des EIR-Reports zur Weltlandbrücke

Mit einer Veranstaltung zur Veröffentlichung der arabischen Ausgabe des EIR-Sonderberichts Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke am Sitz des ägyptischen Verkehrsministeriums in Kairo zeigte sich heute die Unterstützung führender ägyptischer Kreise für dieses Projekt. Verkehrsminister Dr. Saad El Geyoushi persönlich leitete das Seminar und stellte Hussein Askary als EIR-Spezialisten für Südwestasien und Repräsentanten des Schiller-Instituts vor. Sowohl in seinen einleitenden Worten als auch in seinem Kommentar zu Askarys Vortrag ließ Dr. El Geyoushi keinen Zweifel an seiner völligen Übereinstimmung mit der Idee der neuen Seidenstraße und den Plänen der ägyptischen Regierung aufkommen, Ägyptens Verkehrsnetz in die Dynamik der neuen Seidenstraße zu integrieren.

Er verkündete außerdem die Absicht der ägyptischen Regierung, 1 Billion ägyptische Pfund (100 Mrd.$) in Straßen und Eisenbahnlinien zu investieren – nicht nur, um das Verkehrsnetz des Landes zu entwickeln, sondern auch, um eine entsprechende Verbindung zu Asien und – noch wichtiger – nach Süden zum übrigen Afrika herzustellen.

179

175

178

Zur Linken des Ministers Hussein Askary, Südwestasienexperte der Nachrichtenagentur EIR ( Executive Intelligence Review) und Repräsentant des Schiller-Instituts
Quelle: soutalomma.com

Die Räumlichkeiten waren überfüllt mit Top-Experten und Beratern des Ministeriums, sowie Vertretern anderer Institutionen und verschiedener ägyptischer Fernsehsender und Zeitungen. Der chinesisch-arabische Fernsehsender CCTV-Arabic war anwesend und machte ein Interview mit Askary, der auch von zwei weiteren Fernsehsendern interviewt wurde.

Berichte über die Veranstaltung in den Medien sind heute, einen Tag danach, noch spärlich, da das Treffen am Vorabend sich bis in die späten Abendstunden hinzog.

In den kommenden Tagen sind weitere Seminare und Fernsehtermine geplant. Ein vollständiger Bericht wird nachgereicht.

 

EIR-Sonderberichts Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke

Der EIR-Sonderbericht Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke ist hier erhältlich >>


Programm zum Wiederaufbau Südwestasiens und zur Entfesselung der Kreativität

Die arabische Fassung des EIR-Berichts über die Neue Seidenstraße und Weltlandbrücke, der von Hussein Askary übersetzt wurde, wird ab Mitte März in gedruckter Form vorliegen und kann im EIR-Webshop (eirshop.de) erworben werden. Der Bericht enthält ein zusätzliches Kapitel über den Wiederaufbau Südwestasiens und ein spezielles Vorwort von Helga Zepp-LaRouche, datiert vom 26. Februar 2016. Wir zitieren es im Wortlaut:

„Es mag ein erfreulicher Zufall oder eine göttliche Fügung sein, daß die arabische Übersetzung des Buches über die Weltlandbrücke zu dem Zeitpunkt erscheint, an dem die Aussicht auf eine Waffenruhe in Syrien Realität wird. Die Einigung zwischen US-Außenminister John Kerry und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow hat das Potential, einen fünf Jahre andauernden Krieg, der Hunderttausende Menschenleben kostete, zu beenden. Angesichts der enormen Unwägbarkeiten der Region sollte aber auch klar sein, daß ein bloßer Vertrag über die Einstellung der Kämpfe zu anfällig sein wird, um Bestand zu haben und neue Provokationen der für den Krieg verantwortlichen Kräfte zu überstehen.

Der einzige Weg, einen dauerhaften Frieden zu garantieren, ist der, sofort mit einem umfassenden Entwicklungsplan für ganz Südwestasien zu beginnen, mit einem integrierten Plan für Infrastrukturentwicklung, der nicht nur die kriegszerstörten Städte und Dörfer wieder aufbaut, sondern eine grundsätzlichere Herangehensweise wählt, um diese Region, die eine der Wiegen der menschlichen Zivilisation war und zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte die entwickeltsten Kulturen der Zeit beherbergte, wieder zu einer der fortschrittlichsten Regionen der Welt zu machen. Das Ziel muß sein, die Kreativität der Menschen der Region zu entfesseln und ihre Produktivität auf die Ebene Europas, der Vereinigten Staaten oder Chinas anzuheben.

Das ist absolut möglich, insbesondere durch Mitwirkung Rußlands, Chinas und Indiens, der starken Nachbarn, die zusammen mit den Ländern der Region diese Entwicklung bewerkstelligen können. Wenn die in diesem Bericht vorgeschlagenen Entwicklungsprojekte umgesetzt werden und man damit buchstäblich morgen anfängt, damit diese Friedensdividende in der Region für alle Seiten sichtbar wird, dann kann der Waffenstillstand in Syrien und die Umsetzung eines, wie man es nennen könnte, „Seidenstraßen-Marshallplans“ – doch ohne irgendwelche Anklänge an einen Kalten Krieg – eine Wende für die ganze Welt schaffen.

In einem Augenblick, in dem aus der Flüchtlingskrise eine beispiellose humanitäre Krise zu werden droht, welche den Zusammenhalt und vielleicht sogar die Existenz der Europäischen Union sprengt, ist eine Vision der Hoffnung auf die Entwicklung Südwestasiens und Afrikas der einzige Ausweg, um die Lage zu wenden. In einem Augenblick, in dem das Finanzsystem der transatlantischen Welt kurz vor dem Zusammenbruch steht, ist die Entwicklungsperspektive für den Wiederaufbau des Nahen und Mittleren Ostens, der zur Brücke zwischen Asien, Europa und Afrika wird, der einzige wirtschaftliche Wachstumsmotor, der verhindern kann, daß Europa und die USA im Chaos versinken.

Das Schicksal der Menschheit hängt also von der Realisierung dieses Programms ab.“

eir


„Das allerwichtigste ist die Beschäftigung mit der menschlichen Kreativität“

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts hielt vor dem Kultur- und Businessforum „Ost-West-Dialog“ in Baden-Baden am 24. April die folgende Rede.

Auch wenn das vielleicht nicht so offensichtlich ist: Wir haben es strategisch mit zwei vollkommen unterschiedlichen Systemen zu tun.

Das eine System basiert auf geopolitischer Expansion, auf Monetarismus, auf Profitmaximierung einiger weniger. Wenn dieses System sich durchsetzen sollte, dann kann das zur Auslöschung der menschlichen Gattung führen.

Zum Glück gibt es ein völlig anderes System, von dem Sie sicher einiges wissen, aber Sie kennen vielleicht nicht die volle Dimension: daß nämlich seit dem letzten Juli ein völlig paralleles Wirtschafts- und Finanzsystem am Entstehen ist, das zwar auch nicht ohne Probleme ist, das aber eine ganz andere Orientierung hat. Es basiert auf der Zukunft und auf der Kreativität der Menschen.

brics

Abb. 1: Die fünf Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten

Dieses Bild (Abbildung 1) ist vom Fortaleza-Gipfel der BRICS-Staaten in Brasilien letztes Jahr, und Sie sehen an der zweiten Stelle, neben Präsident Putin, Narendra Modi, den Premierminister von Indien. Dieser sagte: Die BRICS sind die erste Allianz in der Geschichte der Menschheit, die nicht auf der Basis der gegenwärtigen Kapazitäten definiert ist, sondern in Bezug auf das zukünftige Potential all dieser Nationen.

Insbesondere durch die Initiativen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping sind die Neue Seidenstraße und die Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts der Rahmen eines neuen Wirtschafts- und Finanzsystems, das sich rapide entwickelt.

Dazu gehört vor allem ein neues Finanzsystem. Das besteht aus der AIIB, der New Development Bank, der Bank der Shanghai Cooperation Organization, der Bank der SAARC-Staaten, dem New Silkroad Development Fund, dem Maritime Silkroad Fund. Diese Banken repräsentieren einen fundamentalen Bruch mit der Kasinowirtschaft der Wall Street und der City of London, denn diese Banken sind ausschließlich auf die Entwicklung der Realwirtschaft, der Infrastruktur und des Gemeinwohls ihrer Staaten orientiert.

Xi Jinping hat wiederholt betont: Diese neue Finanzarchitektur ist keine chinesische imperiale Konkurrenz zur amerikanischen imperialen Struktur, sondern sie ist ein inklusives Konzept, bei dem alle Nationen mitmachen sollen – Amerika, die Europäer. Das ist eine „Win-Win-Idee“, zum gegenseitigen Vorteil von allen, die sich beteiligen.

Ich behaupte, daß unsere zukünftige Existenz als menschliche Gattung davon abhängen wird, ob es uns gelingen wird, Amerika und Europa zu gewinnen, mit diesen BRICS-Staaten zu kooperieren.

Nun befürchten manche Menschen in Rußland, daß China zuviel Einfluß in dieser Entwicklung hat, weil es natürlich eine großartige wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 30 Jahren hingelegt hat. Aber ich möchte ganz kurz aufzeigen, daß auch Rußlands ideenmäßiger Anteil am Zustandekommen dieses neuen Modells beachtlich ist.

elb

Abb. 2: Der Vorschlag der Eurasischen Landbrücke von 1991

Dies (Abbildung 2) ist ein Plan für die Eurasische Landbrücke, den wir – das Schiller-Institut – 1991 vorgeschlagen haben, als die Sowjetunion sich aufgelöst hat. Das war gedacht als Friedensordnung für das 21. Jahrhundert, indem man Infrastrukturkorridore von Europa nach Asien baut.

Bekanntermaßen wurde das nicht verwirklicht, weil damals Margaret Thatcher und Bush senior Rußland von einer Supermacht in ein Rohstoffe produzierendes Land reduzieren wollten, indem die Schocktherapie angewandt wurde.

moskau1996

Abb. 3: Forum in Rußland mit Lyndon LaRouche im April 1996

Aber Herr Lyndon LaRouche – meine Ehemann – und ich waren oftmals in Rußland und haben diese Ideen präsentiert. Dies (Abbildung 3) war ein Forum 1996 mit dem ehemaligen sowjetischen Premierminister Walentin Pawlow sowie den Ökonomen und Akademiemitgliedern Gennadij Ossipow und Leonid Abalkin.

Dies ist ein Bericht über die Eurasische Landbrücke, der von dem Akademiemitglied Wladimir Miasnikow geschrieben wurde – 1997 war das -, und russische Wissenschaftler haben dieses Konzept bereits 1997 diskutiert.

moskau2001

Abb. 4: Konferenz mit Lyndon LaRouche in Moskau zu Ehren des verstorbenen Akademiemitglieds Pobisk Kusnezow 2001

Dies (Abbildung 4) war eine Konferenz 2001 zu Ehren von Pobisk Kusnezow, und da ging es darum, warum die Ideen von Wladimir Wernadskij die zukünftige eurasische Ordnung beherrschen müssen.

granberg2

Abb. 5: Alexander Granberg, Akademiemitglied und Initiator des geplanten Beringstraßen-Tunnels

Das ist (Abbildung 5) Alexander Granberg, Akademiemitglied und Vater der Beringstraßen-Verbindung – das ist die Idee, die Eurasische Landbrücke durch einen Tunnel durch die Beringstraße mit Alaska zu verbinden. Das ist wichtig zur Erschließung des Fernen Ostens Rußlands, wo die größten Rohstoffvorkommen der Welt unerschlossen unter Permafrost liegen, und es ist notwendig, Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen, die dort arbeiten, dort auch wohnen können.

umka

Abb. 6: Modell der geplanten Wissenschaftsstadt Umka

Deshalb ist z.B. eine solche arktische Stadt – Umka – als Modell geplant (Abbildung 6), und das ist dann auch eine Stufe für die Erschließung des Weltraums. Denn diese überdachten Städte in Sibirien können das Modell sein für überdachte Städte auf dem Mond oder später auch auf anderen Himmelskörpern.

Dmitrij Rogosin hat gerade darauf hingewiesen, daß die BRICS-Staaten allesamt Raumfahrtnationen und kosmische Staaten sind, und deshalb wird die Zukunft der Menschheit sehr stark bestimmt sein vom Wissen über das Sonnensystem und unsere Galaxis.

wuesten

Abb. 7: Vom Atlantik über Nordafrika, Südwest- und Zentralasien bis in die Mongolei zieht sich ein gigantischer Wüstengürtel um die Erde

Sie sehen hier (Abbildung 7) ein Bild von den Wüsten, die sich weltweit im Augenblick enorm schnell ausbreiten, und zwar von der Atlantikküste Afrikas bis nach China, und in Kalifornien und im Westen Amerikas.

Das oligarchische Modell – das System, das ich am Anfang genannt hatte – spekuliert darauf, daß das Wasser immer knapper und privatisiert wird, und daß man größtmöglichen Profit machen kann mit knappem Wasser. Die Wall Street hat in den letzten zehn Jahres weltweit alles aufgekauft, was mit Wasser zu tun hat: Seen, Aquifere, Chemikalien, um Wasser zu behandeln, einfach alles.

China auf der anderen Seite ist das einzige Land, das großangelegte Wassermanagementprogramme durchgeführt hat: den Dreischluchtendamm, der jetzt 22,5 GW Wasserkraft erzeugt und vielen Menschen das Leben rettet, und die Umleitung des Wassers vom Quellensystem der Jangtsekiang in den Norden, wo Wüste ist.

kosmos

Abb. 8: Unser Sonnensystem bewegt sich in einem 32-Millionen-Jahre-Zyklus gegenüber der Ebene der Galaxis auf und ab

Aber um die knappe Wasserversorgung der Menschen wirklich zu beheben, müssen wir uns die Vorkommnisse in der Galaxis und im Sonnensystem nutzbar machen, um mehr Wasser zu erzeugen. Sie sehen hier (Abbildung 8) eine Darstellung der 32 Millionen Jahre, in denen unser Sonnensystem sich in einer zyklischen Bewegung gegenüber der Ebene der Milchstraße auf und ab bewegt. Das hat einen enormen Effekt auf die kosmische Strahlung, die zur Wolkenbildung führt und durch Ionisierung der Feuchtigkeit in der Atmosphäre die ganzen Niederschläge herbeiführt. Die Beherrschung des Weltraums wird also zukünftig enorm wichtig sein für die Beherrschung der Probleme auf der Erde.

Tatsächlich wird die Neue Seidenstraße die letzte Phase der Infrastrukturentwicklung auf unserem Planeten abschließen, und die nächste Stufe wird die Erschließung des erdnahen Weltraums sein. Und genau wie die alte Seidenstraße Wohlfahrt und Kulturaustausch und Technologien zu allen Völkern gebracht hat, die sich beteiligt haben, so werden auch die Neue Seidenstraße und die Weltlandbrücke dieselbe wohltuende Wirkung haben für das Zusammenleben der Völker.

6

bb. 9: Projekte der Weltlandbrücke

Sie sehen hier (Abbildung 9) die Projekte, die die Weltlandbrücke als einheitliche Völkergemeinschaft verbinden werden. Und die neue Ordnung, die dann entstehen wird, wird bzw. muß von dem Gedanken von Wladimir Wernadskij bestimmt sein, daß die Noosphäre, der Teil der geistigen Kräfte und Tätigkeit des Menschen, immer mehr dominiert gegenüber der reinen Biosphäre, d.h., daß die menschliche Gattung sich wirklich zur Vernunft entwickelt. Das ist die Voraussetzung dafür, daß wir als menschliche Gattung, als kreative Gattung, überleben können.

mond

Abb. 10: Künstlerische Darstellung einer zukünftigen Mondsiedlung

Sie sehen hier (Abbildung 10) eine künstlerische Darstellung einer zukünftigen Mondsiedlung. China arbeitet darauf hin, Helium-3 auf dem Mond abzubauen für die zukünftige Kernfusionsökonomie auf der Erde. Wenn wir die Kernfusion erreicht haben, haben wir Energiesicherheit, denn das Helium-3 auf dem Mond reicht für einige zehntausend Jahre, und Rohstoffsicherheit, weil man dann die Rohstoffe durch das Torch-Verfahren in Ionen verwandeln kann, die sich dann zu neuen Rohstoffen zusammensetzen lassen.

Die Beschäftigung mit der menschlichen Kreativität ist das allerwichtigste, denn alles wird davon abhängen, ob wir den Sprung schaffen von einer Menschheit, die mehrheitlich noch im oligarchischen Denken gefangen ist – also bestimmt von Gier, Monetarismus, Habenwollen -, zu einer in ihrer Identität verwandelten kreativen Menschheit.

Die Menschen sind die einzigen Wesen, die immer wieder Neues denken können, was noch nie gedacht worden ist, und die die Identität der Menschheit im Kosmos neu definieren können. Und das ist die Voraussetzung dafür, daß wir die gegenwärtigen Gefahren überwinden können. Ich danke Ihnen sehr, wenn Sie sich um diese Frage der Kreativität kümmern, denn davon hängt unser aller Leben ab.


Ost-West-Dialog für den Aufbau der gemeinsamen Zukunft!

Ein Bericht vom diesjährigen russisch-deutschen Kultur- und Business-Forum in Baden Baden.

„Ost-West-Dialog“ – so lautete das diesjährige Thema des von der Agentur Art-Assemblee organisierten IV. Kultur- und Business-Forums. Zu der hochrangigen Veranstaltung vom 24.-26. April 2015 in Baden-Baden waren Politiker, Unternehmer, Experten, Wissenschaftler, Künstler und Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, darunter Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts. Ihre prominenten Redebeiträge, in denen sie eindringlich vor einer strategischen nuklearen Eskalation gegen Rußland und einem neuen Faschismus als Folge der Zusammenbruchskrise des transatlantischen westlichen Finanzsystems warnte, stießen auf große Resonanz, weil sie genau das ungeschminkt aussprach, was viele Teilnehmer dachten. Aber vor allem ihre Darstellung der neuen BRICS-Entwicklungsallianz als konstruktiver Ausweg aus der Krise für Europa und die USA setzte einen klaren Bezugrahmen für die Zukunft, eine optimistische Vision, die in Europa bislang überhaupt noch nicht in ihrem vollen strategischen Potential als existierender Lösungsweg verstanden wird.

Die Veranstaltung wurde von der russischen Regierung, der Bundesversammlung der Russischen Föderation, deutschen und russischen Industrie- und Unternehmerverbänden und IHKs sowie der interparlamentarischen Versammlung der GUS-Staaten und weiteren Institutionen unterstützt. Während bei früheren Konferenzen vor allem die deutsch-russischen Beziehungen im Vordergrund standen, war diesmal der Blick geweitet auf die eurasische Perspektive. Darüber hinaus hat Rußland im April den Vorsitz der BRICS-Nationen übernommen und richtet den BRICS-Gipfel in Ufa im Juli aus.

Mit Prof. Shi Ze, Direktor für strategische Energieforschung am Chinesischen Institut für Internationale Studien (CIIS) in Beijing, der im vergangenen Oktober bei der Jubiläumskonferenz des Schiller-Instituts in Frankfurt sprach, nahm erstmals ein prominenter Vertreter der BRICS-Staaten an der Baden-Badener Konferenz teil. Er stellte das Konzept der chinesischen Entwicklungsperspektive „Ein Gürtel, eine Straße“ dar. Diese erweitere die bisherige Zusammenarbeit in der Shanghai Cooperation Organisation. Shi Ze betonte, daß die chinesische Regierung diese „Neue Seidenstraße“ als eine kosmopolitische „win-win“-Kooperation für alle Staaten anbietet. China verfolge damit keine geopolitischen Interessen und versuche nicht, sich Einflußsphären aufzubauen. Es sei eine offene Politik gegenseitiger Kooperation und symbiotischer Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen. Das jeweilige politische System der beteiligten Nationen spiele dabei keine Rolle, sondern werde respektiert.

Rußlands Außenminister Lawrow übermittelte eine Grußbotschaft an die Konferenz, in der er die Bedeutung des Forums als „Plattform zur Diskussion von Themen der Zusammenarbeit in Europa“ all derer würdigte, die „an einer Festigung des Vertrauens und der gegenseitigen Verständigung interessiert“ sind. In einer „schwierigeren Weltsituation“ seien „die Projekte besonders wichtig, die auf die Erweiterung der gleichberechtigten und vom gegenseitigen Respekt geprägten Partnerschaft gerichtet sind“ und zum gegenseitigen Vorteil das gemeinsame Wohlergehen befördern.

Dann formulierte Lawrow erneut das russische Angebot an Deutschland und Westeuropa, sich an der neuen Platform gesamteurasischer Entwicklung zu beteiligen: „Wir sind überzeugt, daß, um die Zusammenarbeit auf dem Kontinent auf ein prinzipiell neues Niveau zu verlagern, die Harmonisierung der europäischen und der eurasischen Integrationsprozesse zur Formierung eines einheitlichen humanitären und Wirtschaftsraumes vom Atlantik bis zum Pazifischen Ozean vorangehen soll.“

Dieses Konzept eines Wirtschaftsraumes „von Lissabon nach Wladiwostok“ unterstrich auch der Direktor der Abteilung für Europäische Kooperation im russischen Außenministerium, Iwan D. Soltanowskij, in seiner Ansprache zur Konferenzeröffnung. Er warnte vor einer Freund-Feind-Dynamik, die schlimmer sei als selbst zu Zeiten des Kalten Krieges, als ein sehr viel aktiverer Dialog zwischen Ost und West stattgefunden habe. Die EU habe sich als strategischer Partner Rußlands durch ihr Verhalten in der Ukrainefrage diskreditiert.

Rußlands Maßnahmen in der Krise

Rußland will mit Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Partnern weiter zusammenarbeiten, ist aber fest entschlossen, die eurasische Entwicklung voranzubringen. Das Land setzt, vor allem seit Beginn der illegitimen Sanktionen, in diesem Kontext auch auf die Mobilisierung und Entwicklung seiner eigenen Wirtschaftsressourcen. Die strategische Bedeutung von Energiewirtschaft und Kooperation wurde u.a. von dem Politologen Witalij W. Naumkin, Direktor des Instituts für Orientalistik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, dargestellt.

Aleksandr V. Murytschew,  Vizepräsident der Russischen Unternehmer- und Industriellen-Union, der auch den Koordinierungsrat des Finanz- und Bankenverbandes der Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) leitet, ging zunächst auf die Fortschritte im Zahlungsverkehr der Eurasischen Union ein und schilderte dann die gegenwärtige Lage der Wirtschaft in Rußland. Die unmittelbar durch die Sanktionen entstandenen Engpässe bei Nahrungs- und Arzneimitteln seien mittlerweile überwunden. Nun stünden vor allem die Ankurbelung der Industrieproduktion und die Mobilmachung intellektueller und materieller Ressourcen im Vordergrund. Bereiche wie Atomenergie und Weltraumfahrt würden vorangetrieben, ebenso wie die Infrastruktur, der zu Sowjetzeiten bedeutende Werkzeug- und Schwermaschinenbau, Schiffsbau und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Rußland befinde sich auf einem Weg der wirtschaftlichen Transformation und Strukturveränderung, und seiner Prognose nach werde 2016 die Talsohle durchschritten sein. Gold- und Devisenreserven seien in ausreichender Menge vorhanden und auch die Verfügbarkeit von Industriekrediten bessere sich, obwohl die immer noch hohen Zinsen der Zentralbank weiterhin ein Problem darstellten.

Andere Sprecher gingen auf verschiedene Initiativen der russischen Regierung ein, um besonders im Bereich Bau und Energie das Finanzwesen dem Bedarf der Realwirtschaft anzupassen, sowie für den Schutz der Bevölkerung vor dubiosen Finanzpraktiken zu sorgen.

Sanktionen treffen Deutschland

Natürlich sind dabei die deutsche Wirtschaft und vor allem der Mittelstand weiterhin sehr gefragt, und den über Jahrzehnten entwickelten deutsch-russischen Beziehungen kommt gerade jetzt in Zeiten von Sanktionen und einer Verschärfung der strategischen Krise eine besonders wichtige Rolle zu. Diese Zusammenarbeit muß dringend gestärkt werden, denn es läßt sich nicht länger vertuschen, daß die westliche Konfrontationspolitik gegen Rußland und die Sanktionen eine verheerende Wirkung haben – und zwar vor allem für die europäische und deutsche Wirtschaft! Die Tatsache, daß Deutschlands Exporte nach Rußland in den ersten zwei Monaten dieses Jahres aufgrund der Sanktionen um 35% eingebrochen sind, während gleichzeitig die USA ihre Exporte im selben Zeitraum um 20% steigern konnten, wie Prof. Klaus Mangold, Honorarkonsul der Russischen  Föderation in Baden-Württemberg und langjähriger Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, in seiner Konferenzrede ausführte, zeigt am prägnantesten, wie selbstmörderisch es für Deutschland und Europa ist, dem EU- und US-Kurs geopolitischer Konfrontation gegen Rußland weiter zu folgen. Mangold verurteilte die Sanktionen und die Einstellung offizieller Gesprächskanäle zwischen Europa und Rußland ebenso wie die neuen Provokationen der EU-Kommission gegen Gazprom. Dringend sei ein offizieller Dialog zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion erforderlich, auch wenn sich einige in der EU, wie die baltischen Staaten und Polen, dem widersetzen. Er forderte die Fortsetzung und Erweiterung der strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Rußland.

Gefährlichkeit der Lage wurde deutlich

Daß wirklich Eile und vor allem politischer Mut, das Ruder herumzureißen, geboten ist, wurde vor allem deutschen Industrievertretern und Unternehmern bei diesem Forum sehr deutlich. Für sie war es extrem wichtig, hautnah zu erfahren, wie strategisch bedrohlich die Entwicklungen in der Ukraine und die NATO-Ostausweitung in Rußland wahrgenommen werden, statt weiter auf die Propaganda der angeblich objektiven deutschen Medien hereinzufallen. So berichtete der frühere ukrainische Ministerpräsident Asarow bei einem privat organisierten Business-Frühstück per Video über die zunehmende Gesetzlosigkeit  in der Ukraine, über die man hierzulande praktisch nichts erfährt, während die Forderung nach der Freilassung von Julia Timoschenko damals die Schlagzeilen und Fernsehnachrichten beherrschte. Politiker und Journalisten würden in Serie umgebracht, es gebe willkürliche Enteignungen von Unternehmern, einen immer stärkeren Einfluß von Nazis in der Armee und eine dramatische Zerstörung der Wirtschaft des Landes seit dem Maidan-Putsch. Dieser Prozeß muß gestoppt werden, bevor ganz Europa destabilisiert wird und ein großer Krieg daraus erwächst.

Während der Konferenz erinnerte die Vorsitzende des Organisationskomitees des Baden-Badener Forums, Alla G. Gryaznova, Präsidentin der Finanzuniversität der Russischen Föderation, mehrfach in bewegender Weise an die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, dessen Ende sich am 8. Mai 2015 zum 70. Male jährt. Sie selbst hatte den Krieg miterlebt. Krieg sei das allerschrecklichste und müsse unbedingt durch Dialog und Kooperation verhindert werden, sagte sie. Frau Gryaznova unterstützte Helga Zepp-LaRouches Warnungen vor einem neuen Faschismus und der Gefahr des Weltkrieges und dankte ihr zugleich für die grundsätzlich positive Herangehensweise, daß die Probleme unseres zerbrechlichen Planeten zum Wohle der Menschheit durch Kreativität und guten Willen gelöst werden können.

Auch eine Fotoausstellung „Schriftsteller im Krieg“ aus dem Archiv der Literaturnaja Gazeta (der von Puschkin 1830 mitgegründeten ältesten periodischen Zeitschrift Rußlands) in den Konferenzräumen spannte den Bogen zwischen damals und heute. Eine weitere Ausstellung zum 70. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges, die europaweit mit Unterstützung von Art-Assemblee gezeigt werden wird, ist dem Denker, Dichter und Maler Alexander Sinowjew gewidmet, einem Bürger Rußlands und Deutschlands. Seine Frau, die Philosophin Olga Sinowjewa, Leiterin des Internationalen MSU Sinowjew Zentrum an der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau, sprach ebenfalls bei der Konferenz und ihre jüngste Tochter und ausgezeichnete Pianistin Xenia wirkte beim abendlichen Festkonzert mit. Polina Sinowjewa, ihre Schwester, schuf das Libretto und das Bühnenbild des Balletts „Der Schrei“, das am 15. Mai 2014 im umkämpften Odessa aufgeführt wurde.

Die Bedeutung der Kultur als Manifestation der Menschlichkeit statt Zerstörung und Häßlichkeit stand bei der Konferenz ganz oben auf der Tagesordnung. Stellvertretend für das sehr vielfältige Programm soll hier nur das Prague Festival Orchestra unter Leitung von Igor Rasumowski und die hervorragenden  jungen Opernsänger Sergej Murawjew (Tenor), Swjatoslaw Grabowski (Baß) und die Sopranistin Anna Zolotova genannt werden, denn es ist unmöglich, hier alle mitwirkenden Künstler, darunter bekannte russische Theaterschaupieler, Regisseure  und Dichter, zu würdigen.

Beim Konzert im Kurhaus und im Rahmen der Konferenz traten auch Kinderchöre auf, wie das Kindervolkskunstensemble Guselki. Es wurde 2006 gegründet und besteht aus Schülern im Alter von 7-15 Jahren.

Mit der Notwendigkeit, durch Kultur, Bildung, Fortschritte in der Medizin und karitative Aktivitäten das menschliche Potential in den Mittelpunkt der Schaffung einer humanistischen Gesellschaft zu stellen, beschäftigte sich auch die letzte Podiumsdiskussion der Konferenz unter dem Titel: Investition in die Zukunft. Helga Zepp-LaRouche zeigte mit ihrer Rede über die BRICS-Initiativen und die Rolle Rußlands, wie diese Zukunft aussehen kann. Sie unterstrich die menschliche Kreativität als entscheidenden Faktor für die Weiterentwicklung unseres Planeten und unseres Universums und zitierte die Aussage des stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Rogosin, die BRICS-Nationen seien allesamt Weltraum-Nationen. Hier liege, so Zepp-LaRouche, der Weg in die Zukunft, um die großen Herausforderungen meistern zu können und die Bestimmung der Menschheit zu erfüllen. (Den Wortlauf ihrer Ausführungen finden Sie in dieser Ausgabe).

Elke Fimmen


Page 34 of 39First...333435...Last