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Frankfurter Seminar: „Pessimist zu sein, ist zu einfach“

„Die Wirtschafts- und Flüchtlingskrisen mit der Neuen Seidenstraße lösen!“ – Unter diesem Titel fand am 23. März ein halbtägiges Seminar statt, das vom Wiesbadener Verlag EIR in Zusammenarbeit mit dem äthiopischen Generalkonsulat in Frankfurt veranstaltet wurde.

Das Publikum setzte sich zu einem guten Drittel aus Angehörigen diplomatischer Vertretungen in Frankfurt zusammen, insgesamt waren – dem Thema des Seminars angemessen – mit allen Teilnehmern etwa 20 Nationen präsent. Mit Ausnahme des äthiopischen Generalkonsuls waren die Redner von weither angereist – aus Italien, aus Schweden, aus dem Tschad, und Hussein Askary kam direkt aus Kairo, wo er wenige Tage zuvor im Beisein des ägyptischen Verkehrsministers die erste arabischsprachige Übersetzung des EIR-Berichts über die Weltlandbrücke der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Parallel zum Frankfurter Seminar fand übrigens auch in Jemen ein Seminar zum selben arabischsprachigen Bericht statt – quasi unter dem Bombenhagel saudischer Luftangriffe auf jemenitische Städte.

Das Seminar wurde eröffnet mit einer Grundsatzrede von Helga Zepp-LaRouche, der Vorsitzenden des internationalen Schiller-Instituts und Bundesvorsitzende der BüSo, gefolgt von Hussein Askary, dem Arabien-Redakteur von EIR in Stockholm, danach sprach Mehreteab Mulugeta Haile, Generalkonsul der Föderalen Demokratischen Republik Äthiopien. Reden von Marcello Vichi und Andrea Mangano, beide führend beteiligt am Transaqua-Projekt, schlossen den ersten Teil des Seminars ab. Mohamad Bila vom Vorstand der Tschadsee-Kommission und Ulf Sandmark vom Schiller-Institut in Stockholm eröffneten den zweiten Teil, dem dann über zwei Stunden intensive Diskussionen folgten. Das gesamte Seminar wurde moderiert von Claudio Celani vom EIR-Verlag.

Eingeleitet wurde der Diskussionsteil mit Ausführungen Helga Zepp-LaRouches zur anhaltenden Rolle des Britischen Empires im globalen Finanzsektor und vor allem in führenden Institutionen der internationalen „Umweltbewegung” wie dem Club of Rome und dem World Wildlife Fund, die vehement große Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte wie Transaqua bekämpfen. Das stark wankende transatlantische Finanz- und Wirtschaftssystem mit London im Zentrum ist in seinem Versuch, die nicht länger zu haltende globale Vorrangstellung selbst durch Kriege und sogar einen neuen Weltkrieg zu behaupten, eine Bedrohung der gesamten Menschheit im Zeichen der atomaren Überrüstung! Dazu passe, daß der Umwelt-Guru von Bundeskanzlerin Merkel, Joachim Schellnhuber (Träger des Ordens „Commander of British Empire”) eine maximale Weltbevölkerung von einer Milliarde anstrebe. Die Alternativen liegen auf dem Tisch, betonte Helga Zepp-LaRouche, wie im Falle des ersten, 1976 veröffentlichten Afrika-Programms einer Arbeitsgruppe um Lyndon LaRouche schon seit 40 Jahren; Wenn man wirklich wolle, könnten der Hunger in Afrika in einem halben Jahr und die Armut auf dem Kontinent innerhalb von fünf Jahren beseitigt und in 10-20 Jahren ein würdiger Lebensstandard für alle Afrikaner erreicht werden, sagte Helga Zepp-LaRouche.

In seiner Antwort auf eine Frage aus dem Publikum nach seiner Ägyptenreise sagte Hussein Askary dann, es gebe ganz klar eine neue Dynamik in der internationalen Politik, und die Entwicklungen in Ägypten seien Teil der sich ausbreitenden Revolte gegen das westliche System. Wenn man 25 Jahre zurückblicke, als die Idee der „Neuen Seidenstraße” von Helga Zepp-LaRouche in die Diskussion gebracht wurde, und mittlerweile die offizielle chinesische Politik hinter demselben Konzept sehe, werde diese neue Dynamik sichtbar.

Ägypten selbst, so erläuterte er weiter, stehe unter Bedrohung durch Terrorismus von innen und durch finanzielle Kriegsführung von außen, habe deshalb auch enorme Probleme, die es aber bisher im Griff hat, weil die Ägypter eine Vision des Fortschritts haben und sich nicht abhängig machen von äußeren Finanzquellen. Immerhin gebe es 400,000 Ingenieure im Lande, das Potential für eine breite wirtschaftliche Entwicklung sei also vorhanden.

Mohamad Bila erwähnte auf eine Frage zum Stand des Tschadsee-Projekts die vielen Widerstände, auf die das Transaqua-Konzept in den letzten 30 Jahren auch in Afrika selbst gestoßen sei, erläuterte dann aber, daß es bei diesem Konzept nicht nur um Wasser für den Tschadsee gehe, sondern um ein umfassendes Entwicklungsprojekt für gesamt Zentralafrika. Die Region habe keine nennenswerte Infrastruktur – weder Straßen noch Strom, andererseits sei Wasser im Kongo und seinen Zuflüssen reichlich vorhanden. Das Wasserprojekt sei Teil eines größeren Programms für die gesamte Region, nur so könne man es verwirklichen, sagte Bila.

Claudio Celani wies in diesem Zusammenhang auf die zerstörerische Rolle der Terroristen von Boko Haram in der Region um den Tschadsee hin, wo sie für lange Zeit die wichtigsten Verkehrsverbindungen unterbrochen hatten, jetzt aber durch die unter nigerianischer Führung stehende militärische Eingreiftruppe von sechs afrikanischen Staaten niedergekämpft wurden, so daß die Sicherheitslage wieder unter Kontrolle und somit eine der wichtigsten Bedingungen für die Verwirklichung des Transaqua-Projekts erfüllt sei.

Der äthiopische Generalkonsul demontierte in einem Diskussionsbeitrag die westliche Propaganda über die angebliche Rohstoffgier der Chinesen in Afrika mit dem nüchternen Hinweis, sein Land besäße gar kein Öl und kein Gas, auf das China scharf sein könne, sondern unterstütze das Land als Entwicklungspartner ohne Vorbedingungen.

Ulf Sandmark berichtete in der Diskussion über seine erste Reise nach Syrien 2014, die darauf folgende Arbeit am Phönix-Aufbauplan für das Land und das große Interesse, das dieser Plan während des zweiten Syrien-Besuchs auch in den Landesmedien fand. Dieser Plan wie auch der Landbrückenbericht von EIR in englischer und jetzt auch arabischer Sprache müsse, so Sandmark, gewissermaßen zum Lehrbuch für alle werden, die eine neues Paradigma schaffen wollen; überall müßten sich Arbeitsgruppen bilden und regelmäßig zusammentreffen, und vor allem müsse der Druck auf die politischen Eliten massiv erhöht werden, damit sich die Dinge zum Besseren ändern.
Kamil Maqsou verlas als Vertreter der syrisch-orthodoxen Gemeinde in der Schweiz eine Erklärung, in der er darauf hinwies, daß ein erheblicher Teil der syrischen Flüchtlinge Christen sind, die ihr Land verlassen, um der Verfolgung durch den Islamischen Staat zu entgehen.

Gegen Ende der Diskussion kam aus dem Publikum die Frage, wieviel Zeit noch bleibe zur Umsetzung der vorgestellten Programme; die akute Gefährlichkeit der Krise sei ja nicht zu übersehen, die Ereignisse von Brüssel machten die Dringlichkeit nur noch deutlicher. Hierauf antwortete Helga Zepp-LaRouche, in der Tat gehe es ja nicht nur um die Seidenstraßenpläne, da sei ja schon viel auf dem Wege, es gehe eben auch um den Ausstieg aus dem unhaltbaren westlichen Finanz- und Wirtschaftssystem, das Bankenwesen müsse sich gemäß dem Glass-Steagall-Standard umorientieren, ehe alles in sich zusammenbreche und möglicherweise in Chaos und Krieg münde. Die Alternativen zum transatlantischen System müsse man jetzt aus den Schubladen herausholen und verwirklichen – niemand könne unbeteiligter Beobachter bleiben, weil wir alle eben auf einem Pulverfaß säßen, das jede Sekunde explodieren könne. Optimistisch könne man nur in die Zukunft blicken, wenn man von diesen Alternativen ausgehe, sagte Helga Zepp-LaRouche.

Dem schloß sich Marcello Vichi an, indem er sagte, man müsse Optimist sein, denn Pessimist zu sein, sei wirklich zu einfach, zumal heutzutage. In seiner Firma Bonifica (die den Transaqua-Plan erstellt hat) habe er seine Mitarbeiter jedenfalls immer daran erinnert, sie würden für Optimismus bezahlt und nicht für Pessimismus.

Im Schlußwort des Seminars, bei dem es viel Applaus für die Redebeiträge gegeben hatte, richtete Helga Zepp-LaRouche einen Appell an alle Teilnehmer, mitzuwirken an einer neuen Renaissance, an einer Massenbewegung für Entwicklung, wobei das Beste jeder Kultur, die deutsche und europäische Klassik ebenso wie der chinesische Konfuzianismus, die Gupta- und Vedenperioden Indiens, und die besten Traditionen Persiens und Afrikas eingebracht würden. Schließlich sage man ja, die gesamte menschliche Entwicklung komme letztendlich aus Äthiopien. Wenn man all das mobilisiere, werde man die barbarische Kultur von heute überwinden.


Die Neue Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit

Den folgenden Beitrag verfaßte die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, für eine bedeutende amerikanisch-chinesische Konferenz und Ausstellung in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Veranstalter dieser „2016 Global Chinatown Conference Seattle Summit & Global Fortune Innovation Development Promotion Fair” war der North America China Council. Die Rede wurde am 21. Februar 2016 auf Video aufgenommen und am 24. Februar bei der Konferenz gezeigt.


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Teilnehmer dieser sehr wichtigen Konferenz,

ich bin sehr froh, über die Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit zu Ihnen sprechen zu können. Es ist das schöne Charakteristikum des Menschen, daß wir anders als die Tiere nicht gezwungen sind, immer weiter den ausgetretenen Pfaden zu folgen und eine Generation nach der anderen zu wiederholen, was die anderen vor uns getan haben. Was uns von allen anderen Gattungen auf diesem Planeten unterscheidet, ist, daß wir die Lage von oben in ihrer Gesamtheit betrachten können, wir können sie analysieren, und wenn etwas falsch läuft, dann haben wir die Freiheit, das zu ändern und ein neues Paradigma zu schaffen.

Kriegsgefahr

Und die Welt braucht dringend ein neues Paradigma, denn wenn man sich das alte betrachtet, was sehen wir da? Es gibt einen neuen Kalten Krieg, der jeden Augenblick in einen heißen Krieg umschlagen kann. Es könnte zu einer großen Konfrontation zwischen der NATO und Rußland und China kommen, die sich schon bald zu einem neuen Weltkrieg entwickelt. Viele Experten beschreiben die Lage heute als gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der Kubakrise.

Die NATO rüstet an der russischen Grenze in einem Ausmaß auf, wie man es nicht mehr gesehen hat, seit die Nazis 1941 die Sowjetunion überfielen. Rußland reagiert, indem es schweres militärisches Gerät einschließlich taktischer Nuklearwaffen an seine westlichen Grenzen verlegt. Und wenn die türkische Krise eskaliert und die Türkei Bodentruppen nach Syrien schickt – wo die jüngsten Vereinbarungen zwischen US-Außenminister John Kerry und Rußlands Außenminister Sergej Lawrow ein kleiner Hoffnungsstrahl sind -, wenn die Türkei im kurdischen Norden Syriens einmarschiert, dann kann es sehr schnell zu einem Krieg zwischen einem NATO-Mitgliedsland, der Türkei, und Rußland kommen.

Aber auch wenn man sich die Spannungen im Südchinesischen Meer und die zunehmende Eskalation um die Koreanische Halbinsel anschaut, sind diese Situationen extrem gefährlich und besorgniserregend. Wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt zu einer Eskalation in einem dieser regionalen Konflikte kommt und dort Nuklearwaffen eingesetzt werden, was keineswegs ausgeschlossen ist, dann wäre es die Logik eines solchen Krieges, daß dies in einen umfassenden und totalen thermonuklearen Krieg mündet, der offensichtlich zur Vernichtung der menschlichen Gattung führen würde.

Finanzkrach

Es gibt einen zweiten Aspekt dieser Krise. Wir stehen am Rande eines neuen Zusammenbruchs des Finanzsystems, neben dem die Krise von 2008 verblassen würde. William White, der frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat gerade das Offensichtliche ausgesprochen: daß nämlich die ausstehenden Schulden auf der Welt insgesamt unbezahlbar sind und daß wir, wie in den Jubeljahren vieler Religionen in den letzten 5000 Jahren, alle diese unbezahlbaren Schulden abschreiben müssen. Die Alternative wäre, sofort Franklin D. Roosevelts Glass-Steagall-Trennbankengesetz wieder in Kraft zu setzen. Sonst geschieht, was White so formuliert: „Entweder man macht es auf geordnete Weise oder es kommt zu einem chaotischen Zusammenbruch.“

Die stufenweise Kernschmelze des Finanzsystems läuft schon seit Anfang des Jahres. Die Marktmechanismen funktionieren nicht mehr, und die berühmten „Werkzeuge“, die noch in der Krise von 2008 verwendet wurden – quantitative Erleichterung [Gelddrucken], Bail-out, Bail-in, sogar negative Zinsen – erweisen sich nicht nur als unwirksam, sondern sogar als kontraproduktiv, weil dadurch die deflationäre Spirale, die jetzt den gesamten transatlantischen Sektor und sogar Japan erfaßt hat, beschleunigt wird.

Flüchtlingskrise

Der dritte Aspekt der strategischen Krise ist die beispiellose Flüchtlingskrise, die vor allem vom Nahen Osten, aber auch von Afrika ausgeht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen und Hunger, allein aus Syrien mehr als 5 Millionen. Der Direktor des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, sagte, wenn wir den Kurs nicht ändern, dann kämen schon bald eine Milliarde Menschen aus den Kriegsgebieten.

Nun, ich will hier nicht noch mehr Aspekte der Krise anführen, was ich sehr leicht tun könnte. Aber wenn Sie nur diejenigen in Betracht ziehen, die ich erwähnt habe, dann ist klar, daß wir es mit einer beispiellosen Zivilisationskrise zu tun haben.

Das neue Paradigma existiert bereits

Die gute Neuigkeit ist jedoch, daß das neue Paradigma bereits existiert. Im September 2013 hat Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße zur offiziellen Politik Chinas erklärt. In der Tradition der alten Seidenstraße, über die Waren und Kultur, aber auch Technik ausgetauscht wurden, soll dies, wie er sagt, auf einer „Win-Win“-Kooperation beruhen, indem man einfach das chinesische Wirtschaftswunder auf alle Länder ausdehnt, die sich daran beteiligen möchten.

Nun, jeder, der in China war, wird bestätigen, daß das chinesische Wirtschaftswunder insbesondere in den letzten 30 Jahren atemberaubend ist. China hat in 30 Jahren eine Entwicklung vollzogen, für die die Industrieländer der transatlantischen Regionen 150 oder 200 Jahre gebraucht haben. China hat 800 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und verfolgt das Ziel, auch den Westen des Landes zu entwickeln, um die Armut bis zum Jahr 2020 vollkommen zu beseitigen.

Das Projekt der Neuen Seidenstraße ist schon jetzt das größte Entwicklungsprogramm, das es jemals auf der Erde gegeben hat. Schon jetzt sind 600 Milliarden Dollar dafür vorgesehen, und die Chinesen wollen in den kommenden Jahren umgerechnet eine Billion Dollar in anderen Ländern investieren. In den zweieinhalb Jahren, seit Xi Jinping die Seidenstraße ankündigte, entwickelt sie sich mit atemberaubendem Tempo: 60 Länder sind bereits daran beteiligt. Seit dem 16. Januar hat die AIIB (Asiatische Infrastuktur-Investitionsbank) in Beijing ihre Arbeit aufgenommen und vergibt Kredite an Länder, die sie benötigen. Die Chinesen haben Bauprojekte begonnen, darunter der Bau der transkontinentalen Eisenbahn von Yiwu und Chongqing nach Europa, und kooperieren mit den Ländern entlang der Strecke. Sie bauen den Hafen von Piräus und die Schnellbahn Jakarta-Bandung aus. Am 15. Februar traf der erste Güterzug mit 32 Containern aus Yiwu in Teheran ein – das Resultat eines vorherigen Besuchs von Xi Jinping im Iran.

2015 investierte China in 49 Ländern entlang der Neuen Seidenstraße („Ein Gürtel, eine Straße“). Sie investierten nach Angaben des Handelsministeriums 14,8 Mrd. Dollar in 3987 Projekte! Sie haben Verträge mit 60 Ländern geschlossen… Alle diese Projekte werden schon in diesem Jahr, 2016, einen erstaunlichen wirtschaftlichen Nutzen entfalten. Deshalb ist die Darstellung, die chinesische wirtschaftliche „Abschwächung“ sei für die Turbulenzen im transatlantischen Sektor verantwortlich, völliger Unsinn.

Präsident Xi Jinping hat Präsident Obama beim APEC-Gipfel im Oktober 2014 angeboten, daß China und die Vereinigten Staaten auf der Grundlage einer solchen „Win-Win“-Perspektive zusammenarbeiten sollten. Und genau das ist die Lösung.

Eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert

Aber warum stehen wir dann am Rande des Dritten Weltkrieges?

Man muß dazu zurückgehen in das Jahr 1991, in die Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion, denn damals bestand eine wirkliche Chance, eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Aber sie wurde verpaßt. Diese Möglichkeit bestand, weil der Feind – der Kommunismus, die Sowjetunion – weg war; aber man hat sie nicht genutzt.

Das Schiller-Institut machte damals jedoch einen Vorschlag, den wir die Eurasische Landbrücke nannten: die Neue Seidenstraße. Das war die Idee, die Bevölkerungs- und Industriezentren in Europa durch „Entwicklungskorridore“ mit denen in Asien zu verbinden und so die Produktivität der landeingeschlossenen Gebiete des eurasischen Kontinents anzuheben.

Wir haben das vorgeschlagen. Das wäre die Grundlage einer Friedensordnung gewesen, und wir haben uns in den 25 Jahren seither in Hunderten von Konferenzen und Seminaren dafür eingesetzt. Und deshalb waren wir sehr froh, als das von Xi Jinping auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Obwohl damals versprochen wurde, die NATO nicht bis an Rußlands Grenzen zu erweitern (wie der damalige amerikanische Botschafter in Moskau, Jack Matlock, oft bestätigt hat), setzte sich dann die Wolfowitz-Cheney-Doktrin durch. Das war die Idee: die Vereinigten Staaten sind jetzt die einzige verbliebene Supermacht, und es muß sichergestellt werden, daß nie wieder ein anderes Land oder eine Gruppe von Ländern diesen Status der Vereinigten Staaten als einzige Supermacht in Frage stellt.

Nun, die Entwicklung der letzten 25 Jahre demonstriert auch sehr klar, daß dies nicht die Realität ist. Es gibt aufstrebende Länder, allen voran China und Indien, Rußland gewinnt seine militärische Stärke zurück. Und deshalb ist die Vorstellung, daß eine unipolare Welt möglich sei, einfach nicht realistisch.

Aber auch eine multipolare Welt ist nicht die Lösung, denn die Idee einer multipolaren Welt bleibt immer noch in der Geometrie der Geopolitik, und diese Geopolitik war die Ursache der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

Zusammenfallen der Gegensätze

Wir brauchen daher ein neues Paradigma, das die Geopolitik auf einer höheren Ebene überwindet. Nikolaus von Kues, der herausragende Denker des 15. Jahrhunderts, hat grundsätzlich aufgezeigt, daß wirkliche Lösungen niemals auf heterogenen Teillösungen beruhen können, sondern das Gemeinsame der Probleme aufgreifen müssen, durch die Methode der coincidentia oppositorum, des Zusammenfallens der Gegensätze. Das ist das Prinzip, daß das Eine von einer höheren Ordnung ist als das Viele, und daß es auf dieser höheren Ebene der Vernunft möglich ist, eine Lösung zu entwickeln, in der die Widersprüche der niederen Ebene nicht existieren.

Man kann ein neues Paradigma schaffen, einen ebenso epochalen Paradigmenwandel wie den nach dem Finsteren Zeitalter, dem Mittelalter, das von der Scholastik beherrscht war, von den Peripatetikern, von der aristotelischen Idee, daß die Dinge nicht gleichzeitig A und Nicht-A sein können und daß es immer ein Widerspruch zwischen A und B gäbe.

Die Veränderung, die Nikolaus von Kues durch diese neue Denkmethode einleitete, führte in die Neuzeit der Naturwissenschaften, der Klassischen Kunst, zur neuen Rolle des Individuums – zu all dem, was die menschliche Kreativität durch ihre unbegrenzte Fähigkeit zur Erfindung und zur Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien zur treibenden Kraft im Universum macht.

Ein ebensolcher fundamentaler Paradigmenwandel, wie er das Mittelalter von der Neuzeit trennt, ist auch heute notwendig. Wir müssen einen evolutionären Sprung machen, weg von der Geopolitik, hin zu den gemeinsamen Zielen der Menschheit. Und dazu brauchen wir offensichtlich eine Vision: Wo soll die Menschheit in hundert Jahren sein? In tausend oder sogar 10.000 Jahren? Wenn man den enormen Fortschritt bedenkt, den die Menschheit in den letzten 10.000 Jahren gemacht hat – von annähernd Steinzeitverhältnissen bis heute, wo wir in der Lage sind, mit kleinen Smartphones Konferenzgespräche zu führen, bei denen Sie Ihre Partner in aller Welt sehen können, um nur ein kleines Beispiel zu nennen -, sollten wir da nicht in der Lage sein, die Probleme der Menschheit auf einer völlig anderen Ebene zu lösen?

Sollten wir nicht in der Lage sein, vom Rande des Abgrunds thermonuklearen Krieges umzukehren und einander die Hände zu reichen, um die Probleme wie Kriege, Hunger und Terrorismus zu lösen? Als Präsident Xi kürzlich in Südwestasien war, in Saudi-Arabien, Ägypten und im Iran, bot er die Neue Seidenstraße – die Politik von „Gürtel und Straße“ – als eine Arche Noah für die Flüchtlingskrise an.

Das Schiller-Institut veranstaltete schon 2012 eine Konferenz in Frankfurt a.M., wo wir einen umfassenden Plan zur Entwicklung des gesamten Nahen Ostens von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien vorlegten, um wirkliche wirtschaftliche Entwicklung für diese Region zu schaffen, als Perspektive zur Überwindung von Armut, Krieg, und um das Rekrutierungsfeld für den Terrorismus zu beseitigen.

Das war die Idee, einen „Krieg gegen die Wüsten“ auszurufen und durch die Entsalzung von Meerwasser mit Hilfe der Kernkraft neue, gewaltige Mengen sauberes Wasser zu erzeugen; durch Ionisierung die Feuchtigkeit der Atmosphäre anzuzapfen, um neue Land- und Forstwirtschaft zu entwickeln; Infrastruktur aufzubauen und die neuen Städte, die gebaut werden müssen, miteinander zu verbinden; und so die gesamte Region zu einer der blühendsten, schönsten der Welt zu machen.

Eine solche Perspektive wäre sehr einfach, wenn Rußland, China, Indien, der Iran und Ägypten und europäische Nationen wie Italien, Deutschland und Frankreich einander die Hände reichen und hoffentlich auch die Vereinigten Staaten zur Mitarbeit gewinnen würden, um diese Region zu entwickeln. Und das ist der einzige Weg, wie wir die Flüchtlingskrise beenden können: diesen Teil der Welt, und natürlich auch Afrika, zu entwickeln.

Mit einem „Seidenstraßen-Marshallplan“, wie man es nennen kann, und einer „Win-Win-Perspektive“ wäre das sehr einfach.

Die gemeinsamen Ziele der Menschheit

Nun, auch einige andere gemeinsame Ziele der Menschheit sind in nicht allzu ferner Zukunft erreichbar. So können wir beispielsweise Energie- und Rohstoffsicherheit erreichen. Das wäre möglich durch die Verwirklichung der Kernfusion, die jetzt sehr, sehr nahegerückt ist. Kürzlich gab es zwei große Durchbrüche: Der eine war in Deutschland in Greifswald, wo der Testreaktor, der Wendelstein-7X-Stellerator, ein Plasma eine Zehntelsekunde auf 80 Millionen Grad erhitzen konnte. Das Ziel in Greifswald ist, bis 2020 ein Plasma 30 Minuten lang stabil zu erhalten.

Am gleichen Tag kamen Berichte vom Institut für Plasmaphysik in Hebei, eine Provinz in der Nähe von Beijing, daß der EAST-Reaktor – der Experimentelle Fortgeschrittene Supraleitende Tokamak – bei einem Experiment ein Plasma bei 50 Millionen Grad 102 Sekunden lang erhalten konnte; das ist etwa die Hälfte dessen, was für die Verschmelzung von Deuterium und Tritium notwendig ist. Sie haben dort das Ziel, ein Plasma bei einer Temperatur von 100 Millionen Grad stabil zu halten. Die Resultate des EAST werden beim ITER in Frankreich, einem internationalen Gemeinschaftsprojekt, angewendet werden.

Die Fusionsenergie wird der Welt Kraft- und Energiesicherheit und Rohstoffsicherheit verschaffen, weil man mit dem damit verbundenen Plasmafackel-Verfahren praktisch jeden Müll in neue Isotope verwandeln und so neue Rohstoffe erzeugen kann!

Die chinesische Mondmission Chang’e-5, die 2017 ins All starten soll, hängt sogar schon mit der zweiten Generation der Kernfusion zusammen: Sie ist darauf ausgerichtet, als Vorbereitung für die zukünftige industrielle Nutzung des Mondes die ersten Proben von fusionsfähigem Helium-3 zurückzubringen. Helium-3 als Brennstoff wird auch eine neue Revolution der Energieerzeugung bedeuten, weil man damit den Strom viel effizienter erzeugen kann. Und es wird als Treibstoff auch die Raumfahrt revolutionieren.

Überhaupt ist die Raumfahrt allgemein eines der begeisterndsten gemeinsamen Ziele der Menschheit. Die Chinesen haben die Chang’e-4-Mission, die eigentlich als Reserve für die hocherfolgreiche Chang’e-3-Mission gedacht war, für eine Landung auf der Rückseite des Mondes 2018 umkonzipiert. Es wird das erste Mal sein, daß die Menschheit ein Objekt zur erdfernen Seite des Mondes schickt. Dadurch kann China ein Radioteleskop für Beobachtungen dorthin bringen, wo der Mond auf der erdabgewandten Seite vor möglichen störenden Radiowellen von der Erde abgeschirmt ist. Und dieser Teil des Mondes hat auch die höchste Konzentration an Helium-3.

Aber noch wichtiger ist, daß dies der Menschheit zum ersten Mal viel tiefere Einblicke in das Sonnensystem und darüber hinaus in unsere Galaxis und viele andere Galaxien da draußen geben wird.

Auch deshalb sollten sich die Vereinigten Staaten der Seidenstraße anschließen. Amerika braucht dringend eine modernisierte Infrastruktur. Die Vereinigten Staaten brauchen wahrscheinlich 80.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahnen. In China wurden schon 30.000 km gebaut, dies will man bis 2020 auf 80.000 km ausbauen. Man könnte in den Vereinigten Staaten auch neue, wunderschöne Städte bauen und neues Trinkwasser erzeugen, um die Dürre im Südwesten zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten sollten die NASA wieder mit Leben erfüllen, und es wäre ein Leichtes, einen Teil der Produktionsanlagen, die jetzt für die Rüstungsproduktion genutzt werden, für andere Hochtechnologie-Bereiche umzurüsten.

Und wenn die USA sich der Seidenstraße anschließen würden, dann könnten die Vereinigten Staaten auch ganz Süd- und Mittelamerika entwickeln und so die Flüchtlingskrise an ihrer Südgrenze abwenden. Schon jetzt sind elf Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich noch einmal genauso viele in verzweifelten Bedingungen südlich der Grenze.

Die Menschheit befindet sich jetzt an einer sehr wichtigen Wegscheide in ihrer Existenz, und wir müssen unser Denken auf eine weit höhere Ebene anheben, wenn unsere Gattung weiter existieren soll. Erwecken wir also den Amerikanischen Traum zu neuem Leben. Bauen wir die Neue Seidenstraße aus zu einer Weltlandbrücke, so wie wir es in einer Studie vorgeschlagen haben, die uns einen Bauplan gibt, um alle Teile der Welt zu entwickeln. Erneuern wir den Amerikanischen Traum und verbinden ihn mit dem Chinesischen Traum zu einem Traum für die ganze Menschheit.

 

 


Eine Resolution zur Verteidigung des Lebens von Milliarden Menschen: Wir sagen Nein zum CO2-Reduktionplan der Pariser COP21-Konferenz!

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Die folgende Resolution wurde am 2. November vom Schiller-Institut veröffentlicht, in der Absicht, weltweit schnell viele Unterstützungsunterschriften qualifizierter Fachleute, Politiker und Bürger zu sammeln.

Die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen hängen davon ab, daß die Agenda, die auf der Pariser UN-Klimakonferenz (COP21) im Dezember 2015 vorgelegt werden soll, zurückgewiesen wird. Die Pariser COP21-Initiative für eine rechtlich bindende Verpflichtung zur Senkung der CO2-Emissionen muß aus zwei Gründen zurückgewiesen werden:

1. Es ist eine wissenschaftliche Tatsache, daß menschliche Aktivitäten keinen katastrophalen Klimawandel auslösen, und

2. das geforderte Programm zur CO2-Reduzierung hat sehr reale, tödliche Konsequenzen.

Es gibt keine legitime Grundlage, die COP21-Konferenz überhaupt zu veranstalten. Sie muß sofort abgesagt werden!

Entgegen der Propaganda, die die Klimafanatiker mit einer extrem gut finanzierten, von oben organisierten Kampagne verbreiten, gibt es eine immense Menge stichhaltiger wissenschaftlicher Belege, die den Behauptungen über eine angeblich bevorstehende Klimakatastrophe aufgrund menschlicher Treibhausgas-Emissionen widersprechen und/oder sie widerlegen. So zeigen beispielsweise Satellitenmessungen, daß die globalen Durchschnittstemperaturen seit mehr als 18 Jahren nicht mehr angestiegen sind, obwohl die Menge menschlicher Treibhausgas-Emissionen immer schneller zugenommen hat. Dies unterstreicht die Tatsache, daß das Klima schlicht und einfach nicht so auf CO2-Konzentrationen reagiert, wie es die Panikmacher behaupten. Anders gesagt: Das Klimasystem der Erde ist nicht sehr empfindlich gegenüber Änderungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre.

Da viele Klimamodelle von der falschen Annahme einer solchen hohen CO2-Empfindlichkeit ausgehen, sind deren Vorhersagen durchweg falsch, und mit jedem Jahr weichen sie immer stärker von der Realität ab. Die graduellen Änderungen des Klimas, die in den letzten Jahrzehnten eingetreten sind, und die graduellen Änderungen, die auch in der Zukunft eintreten werden, sind und waren kein Grund zur Panik. Diese Änderungen sind zum größten Teil natürlich, und denkbare menschliche Einwirkungen wären nur relativ geringfügig. Eine gesunde und wachsende Weltwirtschaft kann sich leicht auf diese Änderungen einstellen.

Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß CO2 kein Schadstoff, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Biosphäre ist. Da der gegenwärtige CO2-Gehalt der Atmosphäre weit unter dem Optimum für das Pflanzenwachstum liegt, hat die vom Menschen verursachte CO2-Zunahme schon jetzt dazu beigetragen, die landwirtschaftliche Produktivität und das natürliche Pflanzenwachstum zu steigern – wodurch ein meßbar grünerer Planet entsteht.

Aber beim Pariser Klimagipfel geht es nicht nur darum, daß viele Länder möglicherweise Zeit und Ressourcen für ein Scheinproblem verschwenden, das nur in Computermodellen existiert. Die häßliche Wahrheit ist, daß die vorgeschlagenen Programme zur CO2-Reduktion weltweit die Armut vergrößern, die Lebensbedingungen verschlechtern und die Sterblichkeit erhöhen würden. Eine wachsende Weltbevölkerung wird keine verbesserten Lebensbedingungen entwickeln können, wenn nur Sonnen-, Wind- und andere sogenannte „grüne“ Energieformen genutzt werden.

Tatsache ist, daß dieser Plan von den heutigen Anhängern der Ideologie der Bevölkerungsreduzierung, die von Thomas Malthus bekannt gemacht wurde, intensiv gefördert wird. Organisationen wie der World Wildlife Fund/Worldwide Fund for Nature (WWF) haben wiederholt erklärt, daß die derzeitige Weltbevölkerung die „Tragfähigkeit“ der Erde um Milliarden von Menschen übersteige und daher um mehrere Milliarden reduziert werden müsse. Der gegenwärtige Vorstoß für ein Programm zur CO2-Reduzierung ist tief in dieser malthusianischen Ideologie verwurzelt. Aber Malthus lag schon im 18. Jahrhundert falsch, und seine heutigen Anhänger liegen ebenso falsch.

Energieintensives, wissenschaftliches, technisches und wirtschaftliches Wachstum ist für die menschliche Existenz unverzichtbar. Dies läßt sich an den Übergängen zu höheren Energieflußdichten pro Kopf und pro Flächeneinheit messen. Fortschritt, Wachstum und Entwicklung sind ein universelles Menschenrecht, und CO2-Emissionen sind derzeit für die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung ein wesentlicher Teil dieses Prozesses. Wenn bei der Pariser COP21-Konferenz rechtlich bindende Vorschriften zur CO2-Reduktion beschlossen würden, dann würde man damit den Lebensstandard von Milliarden Menschen absenken, die Sterblichkeit erhöhen, mehr Armut erzeugen und den Menschen ihr unveräußerliches Menschenrecht nehmen, eine bessere Zukunft für die gesamte Gesellschaft zu schaffen.

Das ist zutiefst unmoralisch.

Aus diesem Grunde müssen die Pläne der Pariser COP21-Konferenz zur CO2-Reduktion zurückgewiesen werden.

IHRE UNTERSCHRIFT

 

Bestätigung

 


Die Flüchtlingskrise ist nur zu lösen durch eine fundamentale Umkehr in der Wirtschaftspolitik!

In diesen stürmischen Tagen der Weltpolitik zeigen sich zwei grundsätzlich verschiedene Typen von politischen und finanzpolitischen Führungskräften: diejenigen, welche, von einem optimistischen Menschenbild geleitet, eine klare Vision für die Zukunft der Menschheit präsentieren, und diejenigen, deren Krämerseelen gar keinen Platz lassen für irgendein Menschenbild, sondern nur rückwärtsgewandt ihre Macht und Schulden aus der Vergangenheit zu verteidigen suchen, obwohl sie längst nicht mehr zu verteidigen sind. In den dramatischen Veränderungen der kommenden Wochen werden wir die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, nur lösen können, wenn es gelingt, die europäischen Nationen und die Vereinigten Staaten für das neue Paradigma zu gewinnen, das die Wirtschaftspolitik der BRICS-Staaten und der „Win-Win-Perspektive“ der Neuen Seidenstraße Chinas darstellt.

In der Flüchtlingskrise, die in vielen EU-Staaten aus dem Ruder läuft und den mangelnden Zusammenhalt der EU verdeutlicht, zeigen sich Spuren beider Tendenzen. Nachdem Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem „Wir schaffen das!“ ein positives Signal in einer aufgrund der in Griechenland, auf dem Balkan und in Italien einströmenden Flüchtlingszahlen unhaltbaren Situation gegeben hatte, ruderten Schäuble und de Maizière gleich darauf wieder zurück. Schäuble, der von allem Möglichen geplagt ist, nur nicht von wirtschaftlichem Sachverstand, beschwor angesichts der anfänglich mit der Aufnahme der Flüchtlinge verbundenen Kosten sogleich seine „Schwarze Null“ und forderte die Einsparung der willkürlichen Summe von 500.000 Euro in anderen Resorts. Die dahinterstehende gleiche Mentalität eines Zuchtmeisters, die schon in der brutalen Haltung gegenüber der griechischen SYRIZA-Regierung zutage getreten war, hatte wohl mehr den Zweck, die Bevölkerung, die soeben eine großherzige Haltung gegenüber den Flüchtlingen demonstriert hatte, gegen diese aufzuwiegeln, immer nach dem Motto: entweder Kitas oder Flüchtlingsheime.

Wesentlich zielführender äußerten sich hingegen mehrere Vertreter der Industrieverbände, von Ulrich Grillo vom BDI bis zu Ingo Kramer und Alexander Wilhelm vom BDA, die auf die großen Vorteile für die deutsche Wirtschaft hinwiesen, die die Zuwanderung von Arbeitskräften angesichts der 600.000 offenen Stellen im Arbeitsmarkt haben würde. Wilhelm betonte, es gebe keinerlei Anzeichen, daß die Flüchtlinge irgend jemandem einen Job wegnehmen würden.

So positiv es ist, daß die Regierung zwei Milliarden Euro für Sprachprogramme der zu integrierenden Flüchtlinge ausgeben will, so sehr ist der neue, von de Maizières Ministerium ausgearbeitete 150seitige Gesetzesentwurf auf Abschreckung ausgerichtet, der den Asylbewerbern u.a. ein menschenwürdiges Existenzminimum absprechen und durch Sachwerte ersetzen und für einen großen Teil der Schutzsuchenden nichts zur Verfügung stellen will außer Reiseproviant und einer Bahnkarte zurück in das Land, in dem sie die EU zum ersten Mal betreten haben. Den Autoren dieses Maßnahmenkatalogs fehlt offensichtlich jedes Verständnis für den strategischen Hintergrund, die menschliche Dimension oder die Lösungsmöglichkeit für diese Krise.

Ein noch weit zerrisseneres Bild gibt die EU ab, die in dieser Lage noch einmal mit nicht zu überbietender Deutlichkeit vor Augen führt, daß es kein „europäisches Volk“ gibt, sondern lediglich eine supranationale oligarchische Bürokratie, die außer dem menschenverachtenden Frontex-Programm zur Abschreckung von Flüchtlingen und Regeln – die zunehmend keiner befolgt – kaum etwas zu bieten hat.

Schauplatzwechsel. Am vergangenen Donnerstag wurde die lange durch Vermutungen angekündigte Zinswende durch den Offenmarktauschuß der Federal Reserve der USA noch einmal verschoben, und die Zinsen bleiben damit, seit nunmehr fast sieben Jahren, fast bei null Prozent. Die Erklärung, die die Fed-Vorsitzende Janet Yellen dafür abgab, wird durch die Fakten Lügen gestraft. Yellen machte „starken Gegenwind aus dem Ausland“ – ein Synonym für die jüngsten Turbulenzen auf dem chinesischen Aktienmarkt – für ihre Entscheidung verantwortlich.

Mehrere Ökonomen, vom Chefökonom der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, bis zum Chef der indischen Zentralbank, Raghuram Rajan, wiesen sofort auf die Unstimmigkeiten dieses Arguments hin. Während die Fed die Wachstumsprognose für die USA von 3% auf 2,1% herabstufte, wurde die Prognose für China lediglich von 7% auf 6,9% reduziert, in Wirklichkeit war es also die Schwäche der US-Wirtschaft, und nicht Chinas, dessen Realwirtschaft stabiles Wachstum vorweist, die Yellen motivierte. Während China seine westliche Region durch die Strategie der Neuen Seidenstraße entwickelt, auf eine innovationsgetriebene Wirtschaft setzt und weltweit mit zahlreichen Staaten in zukunftsweisende Projekte investiert, haben die USA eine monetaristische Leistungsbilanz, die von den Kursen von wesentlichen Aktiva, wie Aktien, Immobilien, Anleihen, Beteiligungen, etc. bestimmt ist. Anders ausgedrückt, solange die Illusion aufrechterhalten bleibt, daß die Spekulationswerte der Wall Street anerkannt werden, reden wir über viele Billionen Dollar – kommt es aber zum Crash, stellt sich heraus, daß alles nur heiße Luft war, virtuelles Geld.

Den wirklichen Grund krähten zuvor die Hähne vom Dach, von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bis zur Welt und diversen Analysten: Schon ein minimaler Zinsanstieg von 0,25% hätte das gesamte Kartenhaus des transatlantischen Finanzsystems zum Einsturz gebracht. Und diese Gewißheit ist nunmehr lediglich um kurze Zeit verschoben, die Wall Street, und das europäische Bankensystem sind hoffnungslos bankrott.

Das Perfide an der scheinbar endlosen Verlängerung der Krankheit besteht darin, daß die faktische Nullzinsen- und bald Negativ- Zinsenpolitik die Sparguthaben und Rentenansprüche auffrißt, was die Sparkassen in den Ruin treibt. Wenn es zum unkontrollierten Kollaps kommt, was jederzeit möglich ist, wäre die Folge ein Absturz ins Chaos, mit nicht auszudenkenden strategischen Konsequenzen.

Glücklicherweise sind die Alternativen bereits vorbereitet. Auf der bevorstehenden Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York wird deutlich werden, daß das chinesische Angebot an die USA und andere wichtige Nationen, beim Ausbau der Neuen Seidenstraße gemeinsam mit China und den BRICS-Staaten in einer Win-Win-Perpektive zusammenzuarbeiten, tatsächlich die wichtigste politische Initiative der Gegenwart darstellt. Im Vorfeld des Besuchs von Präsident Xi Jinping in den USA wurden bereits Verträge dazu abgeschlossen, daß China eine Schnellbahn von Los Angeles nach Las Vegas bauen wird, was vielleicht nicht gerade die beste denkbare Strecke ist, aber den Beginn einer Kooperation dieser beiden Länder im Bereich der Infrastruktur markiert. Im Vorfeld der Vollversammlung treffen sich auch die Vorstandsvorsitzenden der wichtigsten Großunternehmen Chinas und der USA. Die chinesische Presseagentur Xinhua wiederholte explizit das Angebot Xi Jinpings an die USA, gemeinsam am Ausbau der Seidenstraße zu arbeiten.

Präsident Putin wird in seiner Rede vor der UN die Völkergemeinschaft zu einer Koalition gegen den Terrorismus einladen, der sich Kontinentaleuropa mit seiner Unterstützung der russischen Militäroperation in Syrien gegen ISIS praktisch schon angeschlossen hat. Führende Politiker Deutschlands, Frankreichs und Italiens unterstrichen in den letzen Tagen diese strategische Wende mit Äußerungen, weder die Bedrohung durch ISIS noch die Ukraine-Krise noch die Flüchtlingskatastrophe könnten ohne Rußland gelöst werden. Putin hat mit der Entsendung russischer Truppen nach Syrien, dem Angebot eines Treffens unter vier Augen mit Obama im Rahmen der UN-Vollversammlung und der Vereinbahrung zwischen den Außenministern Lawrow und Kerry über eine militärische Zusammenarbeit Rußlands und der USA in Syrien bereits eine neue Dynamik in Gang gesetzt.

Alle diese Entwicklungen gehen in die richtige Richtung. Es ist allerdings unerläßlich, die zugrundeliegenden Ursachen zu beseitigen, die letztlich sowohl für den drohenden transatlantischen Finanzkrach wie die Flüchtlingskrise verantwortlich sind. Diese liegen in dem Versuch, an einer unipolaren Welt festzuhalten, was nur eine diplomatische Umschreibung für die Idee eines Welt- Empires ist, das den Regeln einiger weniger Banken und Konzerne unterworfen und auf die Profitmaximierung für eine kleine Finanzoligarchie durch Spekulationen auf Kosten des Gemeinwohls ausgerichtet ist. Regierungen von Staaten, die sich diesem Welt-Empire nicht unterordnen wollten, wurden durch Kriege, die auf Lügen basierten, hinweggefegt – deshalb die Flüchtlingskrise.

Die beste Chance liegt in der Beendigung der Kasinowirtschaft der Wall Street und der City of London durch die Wiedereinführung des Glass-Steagall-Trennbankengesetzes in den USA und dann in der Folge notgedrungen auch in Europa. Im US-Kongreß und -Senat sind bereits zwei textgleiche Gesetzesvorlagen eingebracht, die immer mehr Unterstützung finden. Die Wiedereinführung von Glass-Steagall ist unter diesen Bedingungen das heißeste Thema im amerikanischen Wahlkampf und die einzige Hoffnung, daß ein chaotischer Kollaps in den nächsten Wochen verhindert werden kann, indem der Giftmüll der Banken rechtzeitig vorsorglich entsorgt wird.

Wenn dies geschieht, stehen alle Tore offen, damit die USA und die europäischen Nationen gemeinsam mit den BRICS-Staaten die Politik der Neuen Seidenstraße für den wirtschaftlichen Aufbau Südostasiens und Afrikas auf die Tagesordnung setzen.

Ob die menschliche Gattung das moralische Potential hat, sich angesichts der möglichen Selbstauslöschung durch eine neuen thermonuklearen Krieg, durch den selbstverschuldeten Absturz ins Chaos und durch kulturelle Dekadenz aus diesem alten Paradigma zu befreien und bewußt eine neue Ära der Menschheitsgeschichte einzuleiten, wird sich in den nächsten Wochen, u.a. in Manhattan, entscheiden.

Seien Sie ein aktiver Faktor in dieser Entscheidung und kein Zaungast


Weltlandbrücken-Report auf chinesisch in Beijing vorgestellt

Bei einer Pressekonferenz am 29. September wurde die chinesische Ausgabe der EIR-Studie „The New Silk Road Becomes The World Land-Bridge“ in Beijing vorgestellt. Bei der von der Nachrichtenagentur EIR gemeinsam mit dem Chongyang Institute for Financial Studies der Renmin-Universität durchgeführten Veranstaltung stellten die Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, und der Leiter des Washingtoner EIR-Büros, William Jones, die Studie vor. Unter den etwa siebzig Zuhörern befanden sich fünfzehn Vertreter chinesischer Medien, einige Funktionsträger von Regierungsbehörden und Vertreter diverser Denkfabriken. Zusätzlich kommentierten neun führende Gelehrte die Studie und ihre Bedeutung für Chinas „Ein Gürtel, eine Straße“-Projekt (OBOR). Das Chongyang-Institut hatte sich bereit erklärt, als Mitherausgeber der Studie aufzutreten.

In ihren Ausführungen verwies Helga Zepp-LaRouche auf die über zwanzigjährige Arbeit des Schiller-Instituts an diesem Projekt und seiner Durchsetzung, die jetzt zu der chinesischen Veröffentlichung geführt habe. Dies sei eine einzigartige Chance, den Lauf der Geschichte zu ändern, sagte Frau Zepp-LaRouche. „Wir müssen die Geopolitik hinter uns lassen und der Menschheit ein neues Paradigma eröffnen.“

In den Kommentaren der Wissenschaftler wurde der Bericht überschwenglich gelobt. Einer berichtete, er kenne nun das Schiller-Institut seit vielen Jahren und habe sehr viel von den Ideen gelernt: „Das Institut vertritt sehr spezielle Ideen über Wirtschaft, die die physikalische Ökonomie betonen. Um die Gesetze der Wirtschaft darzustellen, hat Lyndon LaRouche den Begriff der Negentropie entwickelt. Wir können dem Kapital nicht erlauben, alles zu bestimmen. Wir müssen das Kapital kontrollieren.“ Ein anderer Sprecher verwies auf die vom Mainstream abweichende Herangehensweise mit ihrer Betonung der Infrastruktur: „Frau LaRouche hat mit ihren Ideen großen Fortschritt hervorgerufen.“ Ein weiterer führte aus, daß das OBOR-Projekt den Beginn einer neuen Weltordnung darstelle und man den Unterschied zu der von den USA angeführten Ordnung weiter studieren müsse. Ein Wissenschaftler der Chinesischen Planungsbehörde unterstrich die Einzigartigkeit der Studie, lobte die Anstrengungen, die zu ihrer Veröffentlichung unternommen wurden und forderte seine Kollegen auf, die darin zur Anwendung gekommene Methode der Analyse zu beherzigen. Wiederum ein anderer, der gerade am vorhergehenden Abend die Studie zuende gelesen hatte, lobte die internationale Perspektive und bemerkte, es gehe in ihr eher um eine Vorhersage der Zukunft, als um die Erklärung der Vergangenheit.

Der Vorstellung folgte eine lebhafte Diskussion und viele Teilnehmer drängten sich am Ende um die Autoren, um ein signiertes Exemplar der Studie zu erstehen. Das Chongyang-Institut hat bereits eintausend Exemplare für Mitarbeiter und zum Verbreiten in Wissenschaftskreisen in ganz China erworben.


Der Kampf für die „Neue Seidenstraße“

Ein geschichtlicher Rückblick

Die von der heutigen chinesischen Regierung unter Präsident Xi Jinping verfolgte Politik der „Neuen Seidenstraße“ wurde schon Anfang der 1990er Jahre von Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche und ihren Mitarbeitern als Konzept entwickelt und in zahllosen Publikationen und Veranstaltungen propagiert. Hier eine Auswahl der wichtigsten Aktivitäten.

    • August 1990: Das Schiller-Institut veröffentlicht noch vor der Wiedervereinigung Deutschlands ein Sofortprogramm für den wirtschaftlichen Aufbau Ost- und Westeuropas, das unter dem Stichwort „Produktives Dreieck Paris-Berlin-Wien“ bekannt wird. Es wird in alle osteuropäischen Sprachen übersetzt und auf zahllosen Konferenzen und Foren in vielen Ländern Europas vorgestellt und diskutiert.
    • November 1991: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird das Konzept des „Produktiven Dreiecks“ zur Idee der wirtschaftlichen Integration Eurasiens durch große Infrastrukturkorridore erweitert. In Berlin findet die internationale Konferenz „Das Produktive Dreieck: Mittelpunkt eines gesamteurasischen Infrastrukturprogramms und Lokomotive einer neuen, gerechten Weltwirtschaftsordnung“ statt.
    • März 1992: Parlamentarier und Vertreter verschiedener politischer Parteien aus Polen, der Ukraine, Ungarn, Deutschland, Italien und Frankreich kommen in Deutschland zu einer Arbeitstagung des Schiller-Instituts unter dem Thema „Frieden heißt Entwicklung. Die Notwendigkeit eines eurasischen Infrastruktur-Aufbauplans“ zusammen.
    • 1993: Die erste Informationsschrift über das Schiller-Institut in chinesischer Sprache erscheint.
    • März 1995: In Duisburg findet die Konferenz „Eine moderne Seidenstraße als Brücke zum Weltfrieden“ statt. Hauptredner ist der frühere Präsident Ugandas, Godfrey Binaisa.
    • Mai 1996: Eine Delegation des Schiller-Instituts unter Leitung von Helga Zepp-LaRouche ist zu einem Internationalen Symposium über die „Wirtschaftliche Entwicklung der Regionen entlang der neuen Eurasischen Landbrücke“ in China eingeladen, an dem 400 Delegierte aus 34 Ländern und Vertreter von 13 internationalen Organisationen teilnehmen.
    • November 1996: Wesentliche Beiträge der Konferenz werden in der EIRNA-Studie „Die eurasische Landbrücke: Die ,neue Seidenstraße’ als Motor weltweiter wirtschaftlicher Entwicklung – Alternative zu Globalisierung und ,nachindustrieller’ Arbeitslosigkeit“ veröffentlicht.
    • Februar 1998: EIRNA veröffentlicht die Studie „Die Neue Seidenstraße – Der Aufbau Eurasiens und eine radikale Reform des Weltfinanzsystems als Schlüssel zu weltweitem Wirtschaftswachstum“.
    • Oktober 1998: Vom 27. Oktober bis zum 1. November 1998 ist Helga Zepp-LaRouche für das Schiller-Institut Ehrengast und Hauptrednerin eines sechstägigen „Reisesymposiums“ über die Eurasische Landbrücke, das nacheinander in vier chinesischen Städten abgehalten wird. Veranstalter sind die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften und die Provinzregierungen von Jiangsu und Hebei.
    • November 1998: Am 14. November 1998 entsteht die Initiative „Frauen für die Seidenstraße“. Der Gründungsaufruf ist u.a. unterzeichnet von Helga Zepp-LaRouche; Livia Turco, Kabinettsministerin für soziale Solidarität, Rom, Italien; Amelia Boynton Robinson, Bürgerrechtlerin, USA; Prof. Dr. Natalja Witrenko, Wirtschaftswissenschaftlerin und Abgeordnete des Ukrainischen Parlaments.
    • Mai 1999: Am 26. Mai kommen in Paris 150 Politiker, Gewerkschafter, Akademiker, Diplomaten, Medienvertreter und Bürger zu einer Konferenz des Schiller-Instituts über „Die Eurasische Landbrücke für Frieden: Frankreich als Katalysator zwischen Ost und West“ zusammen.
    • September 2007: Die Idee der „Eurasischen Landbrücke“ wird durch Verbindung zahlreicher Infrastrukturprojekte in aller Welt zum Konzept der „Weltlandbrücke“ erweitert. In Kiedrich findet eine internationale Konferenz des Schiller-Instituts zum Thema: „Die Weltlandbrücke wird Realität – Der Wiederaufbau nach dem Finanzkrach“ statt . Mehrere Reden beschäftigen sich mit Teilprojekten zur Weltlandbrücke, z.B. einer detaillierten Darstellung der Beringstraßen-Verbindung und einem Tunnelprojekt zwischen Sizilien und Tunesien.
    • Februar 2009: In Rüsselsheim findet eine internationale Konferenz des Instituts mit 320 Teilnehmern aus 34 Ländern statt. Im Zentrum stehen ein neuer LaRouche-Vorschlag zur Bildung einer Viermächte-Allianz von USA, Rußland, China und Indien zur Neugründung des Weltwirtschafts- und -währungssystems.
    • 2010: Das Schiller-Institut erarbeitet eine Videodokumentation über die Projekte der „Weltlandbrücke“
    • November 2012: Helga Zepp-LaRouche initiiert die Konferenzreihe „Ein neues Paradigma für das Überleben der Zivilisation“, deren Ziel es ist, die derzeitige Ausrichtung der Weltpolitik auf eine geopolitische Konfrontation zwischen dem Westen einerseits und Rußland und China andererseits durch eine Kooperation im Interesse der gemeinsamen Ziele der Menschheit zu ersetzen.
    • Oktober 2013: Chinas Präsident Xi Jinping verkündet beim APEC-Gipfel seine Politik der „neuen Seidenstraße“ – die Schaffung eines Netzes von Verbindungen zur Unterstützung des Baus von „Wirtschaftskorridoren“ in verschiedenen Subregionen.
    • Februar 2014: Eine von Helga Zepp-LaRouche angeführte Delegation des Schiller-Instituts, besucht China. Frau Zepp-LaRouche war in ihrer Funktion als Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts zu Vorträgen in mehr als einem Dutzend Denkfabriken und Universitätsinstituten eingeladen, über das Projekt der Neuen Seidenstraße zu referieren.
    • November 2014: EIR veröffentlicht den umfangreichen 400 Seiten-Bericht „The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge” mit detaillierten Projekten und Vorschlägen zur Finanzierung der Weltlandbrücke.
    • September 2015:  Bei einer Pressekonferenz mit dem Chongyang Institute for Financial Studies an der Renmin-Universität in Beijing stellt Helga Zepp-LaRouche die chinesische Ausgabe des EIR-Berichtes „The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge” vor.
    • März 2016: Der ägyptische Verkehrsminister Dr. Saad El Geyoushi unterstützt mit einer Veranstaltung im ägyptischen Verkehrsministerium in Kairo die Veröffentlichung der arabischen Ausgabe des EIR-Berichtes „The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge”.
    • Juni 2016: Das Schiller-Institut organisierte in Berlin die Konferenz „Für eine gemeinsame Zukunft der Menschheit und eine Renaissance der klassischen Kulturen“, an der über 300 Gäste aus 24 Nationen und vier Kontinenten teilnahmen.
    • Mai 2017: Helga Zepp-LaRouche wurde zum Seidenstraßen-Forum in Beijing eingeladen und sprach dort beim 5. Global Think Tank Summit zum Thema „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“.
    • Juni 2017: EIR veröffentlicht den überarbeiteten deutschen Bericht „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“.
    • November 2017: Die Studie „Extending the New Silk Road to West Asia and Africa”, worin der Aufbau des Nahen Ostens und Afrikas im Mittelpunkt steht, wird bei der Konferenz des Schiller-Instituts am 25./26.11.2017 in Bad Soden vorgestellt.
    • Juni 2018: das Schiller-Institut veröffentlicht den englischsprachigen zweiten Band „The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge: A Shared Future for Humanity”, in dem auf die Fortschritte der Belt&Road-Initiative Chinas in den letzten Jahren, Region für Region, eingegangen und in vielen Karten dokumentiert wird.
    • Am 24. Oktober 2018 sprach Helga Zepp-LaRouche in Moskau bei einer Konferenz zum Thema „China, die chinesische Zivilisation und die Welt: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, die vom Institut für Fernoststudien der Russischen Akademie der Wissenschaften und vom Akademischen Rat für umfassende Studien des zeitgenössischen China veranstaltet wurde.

 

 


Unsterblichkeit im Präsidentenamt

Das Schiller-Institut veranstaltete am 19. Januar ein Konzert zum Gedenken an US-Präsident John F. Kennedy in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale.

Von Dennis Speed

„Ich war 23 Jahre alt, als das neue Jahrhundert anbrach. Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Eine neue Epoche stehe unmittelbar bevor, so glaubten viele, die Jahrhundertwende werde sich als Wende der Menschheitsgeschichte erweisen. Man berief sich auf die jüngsten Errungenschaften der Naturwissenschaften und prophezeite, daß die Zukunft auch in sozialer Hinsicht große Fortschritte bringen werde. Die Zeiten, da Armut und Hunger endgültig verschwunden wären, würden nun nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wie die Leute sonst beim Beginn eines neuen Jahres Besserung geloben, so schien diesmal alle Welt entschlossen zu sein, auch den Weg in ein neues Jahrhundert mit guten Vorsätzen zu pflastern. Wer hätte damals voraussehen können, daß die kommenden Jahrzehnte die unvorstellbaren Schrecken zweier Weltkriege mit sich bringen würden mit ihren Konzentrationslagern und ihren Atombomben?“
Pablo Casals, „Licht und Schatten auf einem langen Weg“
Wer sich darin hineinversetzt, wird von diesen so wahren Beobachtungen des großen Musikers ergriffen sein. Wenn unsere Zivilisation überleben soll, dann brauchen wir Voraussicht, dann ist es unsere Pflicht, die Zukunft zu gestalten, und daher auch, sie zu kennen. Frei nach den Worten von Abraham Lincoln, der wie John F. Kennedy ermordet wurde, in seiner unsterblichen Ansprache von Gettysburg: Wir führen einen 150jährigen Krieg, der auf die Probe stellt, ob eine Nation wie die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere auf den gleichen Grundsätzen gegründete Nation dauerhaft Bestand haben kann. Die Ermordung von Amerikas Präsidenten und Staatsmännern war die bevorzugte kriminelle Methode der Gegner der Vereinigten Staaten, um sie als positives Vorbild zu zerstören. So war es bei John F. Kennedy, so war es bei dessen Bruder Robert und so war es bei Martin Luther King.
Das Schiller-Institut hat sich die Herausforderung, die Fähigkeit der Vorausschau für das kurz- und langfristige Überleben der Zivilisation zu wecken und auszuweiten, zu seiner besonderen Aufgabe gemacht. Diese Mission führte am 19. Januar nach Boston. Der Chor des Schiller-Instituts, verstärkt durch zusätzliche Sänger und ein Orchester, das vor allem aus Freiwilligen des New England Conservatory of Music bestand, führte in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale vor etwa 1200 Gästen Mozarts Requiem auf – auf den Tag genau 50 Jahre nach der feierlichen Totenmesse, die 1964 auf besonderen Wunsch der Familie John F. Kennedys zum Gedenken an den ermordeten Präsidenten an gleicher Stelle zelebriert worden war.
Ein Jahr, nachdem er sich im Oktober 1962 in der Kubakrise gegen die finsteren Mächte wie Lord Bertrand Russell durchgesetzt hatte, die einen Atomkrieg gegen die Sowjetunion führen und „gewinnen“ wollten, wurde John F. Kennedy in Dallas ermordet. Dieser Mord, zusammen mit denen an seinem Bruder Robert und an Martin Luther King, wirkt noch heute wie ein böser Geist auf Amerika. Vier Generationen ist es nicht gelungen, die Folgen dieser Morde zu überwinden. Denn dazu gibt es nur einen einzigen verläßlichen Weg: Man muß die Menschen über ihre vorgefaßten und beschränkenden Erwartungen erheben. Die Menschen brauchen keine „Fakten“ über das, „was geschehen ist“, sie brauchen das Feuer der Erkenntnis, nur das kann Amerikas Trauma heilen. Keine Predigten, Slogans und Verwünschungen werden einem verschreckten Volk Mut geben. Nur wenn es seine eigene Stimme im Spiegel in einer großen künstlerischen Aufführung erlebt, können die Verzweifelnden auf eine höhere Ebene aufsteigen, wo sie zur eigenen Überraschung ihre Seele finden.
John Sigerson, der Dirigent und Musikdirektor des Schiller-Instituts, wurde in einem Interview mit der Zeitschrift der Bostoner Diözese The Pilot gefragt, ob er glaube, daß „klassische Musik eine Änderung unserer Kultur bewirken kann?“ Sigersons Antwort lautete: Nein, es sei vielmehr die Gegenüberstellung des „Musikalischen“ mit dem „Nichtmusikalischen“ – in diesem Falle die Auszüge aus Reden Kennedys, die an ausgewählten Stellen zwischen den Sätzen des Requiem vorgeführt wurden, die den Zuhörer provozieren, sein Denken zu verändern und die Musik dann anders zu erleben.
Nach der Aufführung in Virginia am 22. November, dem Jahrestag der Ermordung des Präsidenten, nutzte das Schiller-Institut damit zum zweiten Male die geistige und therapeutische Kraft von Mozarts Requiem, um den Amerikanern ihre Erkenntnisfähigkeit zurückzugeben. Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, sagte dazu in ihren Bemerkungen, eine solche Wiederbelebung der Klassik sei notwendig, um die Amerikaner zu inspirieren, Kennedys Mission wiederaufzugreifen, in einer Situation, in der die Welt wieder am Rande eines thermonuklearen Krieges steht.

Die Vorbereitung des Publikums

Matthew Ogden bereitete das Publikum als Moderator auf die Musik vor, verschiedene Kurzbeiträge von Rednern, Grußbotschaften und Zitate dienten dazu, das Publikum auf die tiefere Bedeutung dieser Aufführung vorzubereiten – „nicht in der Zeit, sondern in der Idee“, wie der Philosoph Nikolaus von Kues sagte. Zweieinhalb Stunden lang wurde die virtuelle Realität der üblichen Gehirnwäsche durch eine Popkultur, in der im Sinne Nietzsches „alles erlaubt“ ist, durchbrochen. Wieder einmal wurden jene widerlegt, die gegen das Programm eingewendet hatten, das Publikum könne sich nicht so lange konzentrieren. Es mußte erst auf das Hörerlebnis vorbereitet werden. Aber warum?
Wie der große Dirigent Wilhelm Furtwängler sagte: Um ein richtiges Urteil fällen zu können, braucht man vor allem genug Zeit. Diese notwendige Voraussetzung war erfüllt, bevor der erste Ton erklang, und deshalb konnte das Publikum auf einer höheren Ebene reagieren, als es sonst selbst bei der besten Aufführung möglich gewesen wäre.
Zur Vorbereitung des Publikums sollte man aber noch mehr sagen. Sie war insgesamt eine gründliche und konsequente politische Intervention, sogar ein politischer Kampf. In den sechs Wochen vor der Aufführung wurde in der gesamten Region Boston intensiv dafür mobilisiert. Ein Teil des Publikums war durch Anzeigen im Boston Globe und anderen Medien aufmerksam geworden. Viele hatten auch durch die Zeitung der katholischen Diözese, The Pilot, von dem Konzert erfahren. Mehrere Bostoner Schulen und Hochschulen waren vertreten, ebenso verschiedene Seniorenzentren und Bürgerorganisationen. Flugblätter und Plakate in chinesischer, vietnamesischer, spanischer, portugiesischer, englischer und französischer Sprache hatten für das Konzert geworben. Mehrere Konsulate waren unter den Gästen vertreten, ebenso mehrere Landtagsabgeordnete aus Maine und Rhode Island. Grußbotschaften übersandten der irische Staatspräsident Michael D. Higgins, der Bostoner Stadtrat Steven Murphy und der Tenor Nicholas Di Virgilio, der einzige noch lebende Solist der Requiem-Aufführung vor 50 Jahren.
Etliche Zuhörer konnten sich noch an diese Aufführung erinnern – die Heiligkreuz-Kathedrale ist im mehrheitlich katholischen Boston für viele Menschen „ihre“ Kirche. Der frühere Bostoner Bürgermeister Ray Flynn, der auch zeitweise amerikanischer Botschafter beim Vatikan war und ebenfalls bei der Aufführung von 1964 im Publikum gewesen war, brachte in einem Grußwort seine Freude und Dankbarkeit als Bostoner Bürger zum Ausdruck, daß diese Aufführung an jenes historische Ereignis erinnerte.

Die Frage der Stimmung

Der Chor des Schiller-Instituts, die Solisten Nataly Wickham (Sopran), Heather Gallagher (Mezzosopran), William Ferguson (Tenor), Ron Williams (Bariton) sowie das vor allem aus Freiwilligen vom New England Conservatory of Music bestehende Orchester meisterten ihre Aufgabe bravourös und präsentierten Mozarts Requiem als eine einheitliche Gesamtidee. Dank dieser einheitlichen Gesamtwirkung der Aufführung flossen die Worte Präsident Kennedys mit Mozarts Idee von Unsterblichkeit, in die sie eingefügt waren, zu einem Dialog über den Triumph dieser Unsterblichkeit über den Tod zusammen, in den auch das Publikum mit einbezogen war.
Das Werk wurde in der bei den Aufführungen des Schiller-Instituts üblichen wissenschaftlichen Stimmung (c’=256 Hz bzw. a’=427-432 Hz) aufgeführt. Das ist fast ein Viertelton tiefer ist als die heute verbreitete Stimmung (440-448 Hz). Manche nennen das die „tiefe“ Stimmung, das ist jedoch nicht ganz richtig, denn die heute verwendete, höhere Stimmung ist schlicht falsch. Mozarts Requiem wurde in der niedrigeren Stimmung und für sie komponiert.
Der Dirigent Anthony Morss, ein Unterstützer des Schiller-Instituts, der bei verschiedenen Experimenten zur Demonstration der notwendigen Rückkehr zu dieser sog. „Verdi-Stimmung“ mitgewirkt und dirigiert hat, verfaßte für das Programmheft der Aufführung einen Aufsatz zu diesem Thema.

Kunst als Notwendigkeit

Die Frage, warum der Mensch die Kunst braucht – nicht nur moralisch, sondern auch ganz real -, stand im Mittelpunkt der kurzen Bemerkungen von Helga Zepp-LaRouche an das Publikum: „Es ist dringend notwendig, heute der Aufführung von Mozarts Requiem für John F. Kennedy vor 50 Jahren in dieser Kathedrale zu gedenken. Wir müssen dringend den Geist der göttlichen Schönheit von Mozarts Werk wieder hervorrufen, damit wir wieder den Zugang zu der besseren Welt finden, die Kennedy und Mozart verkörpern.“
Wie Mozart, Beethoven und Beethoven verkörpere der „Dichter der Freiheit“ Friedrich Schiller, nach dem das von ihr vor 30 Jahren gegründete Institut benannt ist, den Sieg der Unsterblichkeit über den Tod, genauso wie Kennedys Apollo-Projekt. Dank Kennedys Optimismus konnten alle Amerikaner und mit der erfolgreichen Mondlandung alle Menschen auf der Welt wissen, daß der menschliche Geist – anders als der Körper, in dem er eingeschlossen ist – keine Grenzen kennt.
Es war gesetzmäßig, daß diese Aufführung den „Zugang zur besseren Welt“ öffnete, von dem Helga Zepp-LaRouche sprach. Es konnte nicht anders sein, schließlich gehörte für John F. Kennedy die Wertschätzung und Förderung der klassischen Kunst und Künstler zu den Grundlagen seiner Präsidentschaft, auch wenn man das in den seither vergangenen Jahrzehnten oft übersehen hat. Wer kennt beispielsweise die folgenden Worte Kennedys, mit denen er am 26. Oktober 1963, knapp einen Monat vor seinem Tod, an den in jenem Jahr verstorbenen Dichter Robert Frost erinnerte?
„Unsere nationale Stärke ist wichtig, aber der Geist, der unsere Stärke inspiriert und lenkt, ist genauso wichtig. Darin liegt die besondere Bedeutung von Robert Frost… Es ist kein Zufall, daß Robert Frost Dichtung und Macht miteinander in Verbindung brachte, denn er sah in der Dichtung das Mittel, die Macht vor sich selbst zu schützen. Wenn Macht den Menschen zur Arroganz führt, erinnert ihn die Dichtkunst an seine Grenzen. Wenn Macht die Grenzen seiner Rücksichten einschränkt, erinnert ihn die Dichtkunst an den Reichtum und die Vielfalt seiner Existenz. Wenn Macht korrumpiert, läutert die Dichtkunst. Denn die Kunst formuliert die grundlegenden menschlichen Wahrheiten, die als Prüfstein unseres Urteils dienen müssen.“

Heute und damals

Es gab ein paar wichtige Unterschiede zwischen der Aufführung 1964 und der von heute. Eine Besonderheit war, daß Mozarts Requiem 1964 in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal überhaupt im Rahmen eines katholischen Hochamtes aufgeführt wurde.
Und ein weiterer wichtiger Unterschied: Das Gedächtniskonzert 2014 stellte besonders hohe Ansprüche an die Musiker, das Werk einsichtsvoll dazustellen, weil das Denkvermögen der Bevölkerung in diesen letzten 50 Jahren immer mehr unterhöhlt wurde – insbesondere durch die obszönen Kakophonien der „Unterhaltungskultur“ (die letzten Regierungen eingeschlossen).
In dem Zusammenhang muß man darauf hinweisen, daß der Chor aus Laienmusikern des Schiller-Instituts bestand, deren tägliche Arbeit meistens im Einsatz für die politischen Ziele der LaRouche-Bewegung besteht. Zunächst hatten auch etliche halbprofessionelle und professionelle Sänger aus Boston ihre freiwillige Mitwirkung zugesagt, viele ließen sich davon jedoch durch eine Verleumdungskampagne einiger örtlicher Politiker gegen das Schiller-Institut wieder abbringen. Aber andere ließen sich davon nicht beeindrucken und sangen trotzdem mit.
Dabei verhehlten die Organisatoren bei den Vorbreitungen zu der Aufführung keineswegs, „wer sie sind“, sondern betonten immer wieder ausdrücklich, warum gerade das Schiller-Institut und Lyndon und Helga LaRouche dieses Gedächtniskonzert unbedingt veranstalten wollten – und warum kein anderer im heutigen Amerika auf diese Idee kommt.
Um diese Frage zu beantworten, muß man eine zweite stellen, die auf den ersten Blick gar nichts damit zu tun hat, die aber im Grunde dieselbe ist: Warum haben viele scharfe, manchmal sogar gnadenlose Beobachter des menschlichen Charakters wie Charles de Gaulle, Douglas MacArthur und Eleanor Roosevelt in Kennedy trotz seiner Schwächen einen so außergewöhnlichen Menschen erkannt? Warum sahen solche anspruchsvollen Kritiker des menschlichen Charakters, aber genauso auch unzählige „einfache“ Amerikaner in Kennedy einen amerikanischen Präsidenten, der in hervorragender Weise geeignet war, den Fortschritt nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern der ganzen Menschheit zu fördern?
Kennedy hat in seiner Rede zu seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 diese Frage praktisch selbst beantwortet. Man erkennt an ihr, was ihn von allen Präsidenten unterscheidet, die nach ihm kamen. Er beschreibt die Aufgaben, die er mit seiner Regierung bewältigen will, so „die Bürde eines langen Kampfes in der Dämmerung, Jahr für Jahr, fröhlich in der Hoffnung, geduldig in Bedrängnis…, gegen die gemeinsamen Feinde aller Menschen: Tyrannei, Armut, Krankheit und der Krieg an sich“. Dann sagt er:
„All das wird nicht in den ersten hundert Tagen vollendet werden. Es wird auch nicht in den ersten tausend Tagen vollendet werden, auch nicht in der Amtszeit dieser Regierung, vielleicht auch nicht zu unserer aller Lebenszeit. Aber laßt uns anfangen.“
Kennedy sah dem Schicksal ins Auge und handelte danach. Auch wenn es so vieles gab, dessen Verwirklichung er nicht mehr selbst erleben konnte, konnte Kennedy in den tausend Tagen seiner Regierung die Welt vor der atomaren Vernichtung retten und die Menschheit zum Mond führen. Diese Fähigkeit, aus den revolutionären Prinzipien der Amerikanischen Verfassung und Unabhängigkeitserklärung die richtigen Ziele und Beiträge für den Fortschritt des Landes abzuleiten, wie es Lincoln und Kennedy mit ihren Regierungen taten, war bei den Nachfolgern seit Kennedys Ermordung einfach nicht vorhanden, und die Vision fehlte.
Die Regierung Obama betreibt heute, genauso wie die Regierung Bush vor ihr, sogar genau das Gegenteil. Die Amerikaner müssen dafür sorgen, daß ihr Land zu diesen Prinzipien zurückkehrt, und man muß die Bevölkerung kulturell dazu in die Lage versetzen.
Das ist der Grund, warum das Schiller-Institut ganz besonders dazu berufen war, diese Konzerte vom 22. November 2013 und vom 19. Januar 2014 zur Erinnerung an Präsident John F. Kennedy vorzuschlagen, zu organisieren und aufzuführen. Sein Vorbild darf nicht verschwinden. Mut und Intelligenz hängen miteinander zusammen. Kennedy wurde seinem eigenen Maßstab des Mutes in der Not gerecht – streben wir ihm nach!

Dringender Appell an die Vollversammlung der UN

Der folgende Aufruf wurde in New York bei der Eröffnung der UN-Vollversammlung verteilt.

Von Helga Zepp-LaRouche
Präsidentin des Schiller-Instituts

Wir alle wissen, daß die gegenwärtige ökonomische Ordnung dieser Welt einem sehr kleinen Teil der Menschen ein Leben in Saus und Braus ermöglicht, daß nur ein relativ kleiner Teil in angemessenem Wohlstand lebt, dagegen aber viele Menschen in menschenunwürdiger Armut darben und es sogar in großem Umfang das gibt, was Papst Franziskus kürzlich „versteckte Euthanasie“ genannt hat.

Nur wenige wissen, daß die Menschheit vor einigen Wochen um Haaresbreite der Gefahr der Auslöschung durch einen thermonuklearen Weltkrieg entkommen ist, denn genau das hätte die Konsequenz einer Eskalation nach einem Militärschlag gegen Syrien sein können.

Diese beiden existenzbedrohenden Gefahren für die menschliche Gattung sind letztlich das Resultat des ökonomischen Systems der Globalisierung, in dem „anonyme Entscheidungen“ – man könnte auch sagen, die Unterschriften der „Schreibtischtäter“- dazu führen, daß die einzigartige Würde und das Leben der Menschen dem Gott Mammon aufgeopfert wird.

Die diplomatische Initiative um Syrien weckt die Hoffnung, daß die Gefahr eines regionalen und vielleicht sogar weltweiten Krieges noch einmal abgewendet worden ist. Aber so dringend nötig Kriegsvermeidung ist, sie ist nicht genug. Wenn wir als Menschheit überhaupt eine Zukunft haben wollen, brauchen wir eine wirkliche Perspektive für den Frieden, ein völlig neues Paradigma, das die Geometrie der Konfliktlösung durch Krieg ein für allemal hinter sich läßt und durch die Definition der gemeinsamen Ziele der Menschheit ersetzt.

Ist es nicht im Interesse aller Menschen auf diesem Planeten, so schnell wie möglich Energie- und Rohstoffsicherheit zu erlangen und damit eine wesentliche Quelle für Hunger und Kriegsgefahr zu überwinden? Ist es deshalb nicht im Interesse aller Menschen und Nationen, gemeinsam das bestmögliche Crash-Programm für die Nutzung der thermonukleare Kernfusion in Gang zu setzen, vergleichbar dem „Manhattan Projekt“ während des Zweiten Weltkriegs zur Entwicklung der Atombombe, aber diesmal zu friedlichen Zwecken und zum Wohle aller Menschen?

Es ist ebenso allerhöchste Zeit, die berechtigte Forderung der Blockfreien Bewegung nach einer gerechten Weltwirtschaftsordnung wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Die Initiative des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping anläßlich der jüngsten Konferenz der SCO, den Ausbau der neuen Seidenstraße als Basis der friedlichen Zusammenarbeit aller Nachbarländer entlang dieser Route vorzuschlagen, kann der Beginn einer solchen neuen Ordnung sein. Der Vorschlag entspricht auch völlig dem Geist des Vorschlags der Eurasischen Landbrücke, mit dem das Schiller-Institut 1991 auf die Desintegration der Sowjetunion reagiert hatte und der inzwischen als Idee der völkerverbindenden Weltlandbrücke viele Freunde und Unterstützer in der ganzen Welt gefunden hat. Durch dieses weltumspannende Infrastruktur- und Entwicklungsprogramm würde die nächsthöhere ökonomische Plattform verwirklicht, die Hunger und Unterentwicklung für immer verschwinden lassen würde.

Wenn die in der UN-Vollversammlung vereinten Nationen beschließen, das zutiefst unmoralische und ungerechte System der Globalisierung durch eine Ordnung zu ersetzen, in der eine Allianz souveräner Republiken in der Tradition von John Quincy Adams im gemeinsamen Interesse der Menschheit zusammenarbeitet, dann kann die Zivilisation bewußt in die nächste Phase der Evolution eintreten.

Und warum sollte dies nicht möglich sein? Wir sind die einzigen Lebewesen, die aufgrund der Kreativität des Menschen die Existenzgrundlagen unserer Gattung immer wieder durch wissenschaftliche und technologische Erneuerungen bewußt verbessern und damit den Lebensstandard und die Lebenserwartung anheben können. Wir sind auch die einzige Gattung, die wissenschaftlich präzise bestimmen kann, wo die nächsthöhere Stufe der Erforschung der physischen Schöpfungsordnung liegen muß, damit wir als Gattung dauerhaft in unserem Universum existieren können.

Denn die Erde ist kein entropisches geschlossenes System, in dem die Ressourcen endlich wären, sondern unser Sonnensystem und unsere Galaxie sind nur ein winziger Teil des Universums, das sich antientropisch weiterentwickelt. Das Wunderbare unserer Schöpfungsordnung besteht gerade darin, daß es eine nachweisliche Übereinstimmung der Gesetze des Makrokosmos -des Universums – und des Mikrokosmos – unserer kreativen Vernunft – gibt, die sich in der physischen Macht der immateriellen Idee äußert.

Was wir heute mehr als alles andere brauchen, ist eine zärtliche Liebe zur Menschheit, eine kühne Vision von der Zukunft, die den Planeten aus der Perspektive der Astronauten und Kosmonauten betrachtet, die keine Grenzen, sondern eine Menschheit sehen, und die gleichzeitig den Blick auf die Sterne gerichtet haben.

Friedrich Schiller hat es gedichtet, und Ludwig van Beethoven in seiner 9. Sinfonie komponiert:

Alle Menschen werden Brüder,

Diesen Kuß der ganzen Welt,

Brüder überm Sternenzelt

Muß ein lieber Vater wohnen.

Die gequälte Menschheit braucht jetzt mutige Führer, die sich der Mission verschreiben, die Welt aus der Gefahrenzone der Zerstörung in die bessere Zukunft zu führen, die zum Greifen nahe ist!

 


Für eine Renaissance der klassischen Kultur

Von Helga Zepp-LaRouche

Was ist nur aus unserer Welt geworden? Top-Banker warnen vor dem „Weltuntergang“, was sie aber nicht daran hindert, gleichzeitig zweistellige Millionenbeträge an Boni in die Tasche stecken – so als ob das Totenhemd Taschen hätte. Politiker würden ihre Großmutter verkaufen, um „die Märkte“ zu beruhigen, während sie das Gemeinwohl, auf das sie ihren Amtseid geschworen haben, aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Regierungschefs, die in ihren eigenen Staaten soeben Demokratie und Verfassung erfolgreich ausgemerzt haben, sind unter dem Vorwand der Sorge um die Demokratie und Menschenrechte bereit, von einer „humanitären Intervention“ zur nächsten schnurstracks zur thermonuklearen Apokalypse voranzumarschieren.

Hunderte von Millionen von Menschen sind akut vom Tod durch Hunger, Mangel an sauberem Wasser und Krankheiten bedroht, während auf Kirchentagen die Verwendung von Biodiesel verteidigt wird und Umweltpäpste, die erfolgreich landwirtschaftliche Produktion und Wassermanagement verhindern und damit vielen Menschen das Leben nehmen, mit Bundesverdienstkreuzen dekoriert werden. „Die Gesellschaft“ toleriert seit Jahrzehnten, wie eine Barriere des zivilisierten Verhaltens nach der andern niedergerissen wird, und wundert sich dann, wenn sich Zwölfjährige pornographische Videos auf dem Handy zuschicken und diese dann auf dem Schulhof angucken; wenn es schon fast als normal angesehen wird, wenn Einzelpersonen in der U-Bahn oder Seitenstraßen von Jugendlichen „abgezogen werden“, unfreiwillig alle Wertgegenstände abgeben, um Schlimmeres zu verhindern? Könnte man vielleicht meinen, daß eine Gesellschaft, in der Teenager die gefährlichste Bevölkerungsgruppe darstellen, als gescheitert betrachtet werden sollte?

Man könnte diese Liste von Mißständen um viele Aspekte erweitern. Sicher sind die Gründe vieler Probleme in der falschen Axiomatik der Wirtschafts-, Militär- und Sozialpolitik zu suchen. Aber der vielleicht wichtigste Bereich, in dem die Entwicklung vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist, ist die Veränderung des kulturellen Paradigmas in der „westlichen Welt“ in den vergangenen Jahrzehnten.

Auch wenn in den Jahrzehnten des Wiederaufbaus in Deutschland sicher nicht alles perfekt war, so war doch der Vektor der Entwicklung positiv; es gab einen enormen Aufbauwillen, die später verleumdeten Sekundärtugenden Fleiß und Ehrlichkeit förderten das Gemeinwohl und vermittelten sozialen Zusammenhalt. In den Schulen wirkte durchaus noch das Humboldtsche Bildungsideal, das die charakterliche Schönheit der Schüler mindestens als einen Aspekt bei den Zielen der Erziehung betrachtete. Die klassische Kultur in der Musik, der Dichtung und den schönen Künsten spielte in allen Schulsparten, vor allem aber in den Gymnasien eine wichtige Rolle.

Daß dies seit langem nicht mehr so ist, daran haben viele Faktoren schuld: die dekonstruktive Rolle der Frankfurter Schule in Bezug auf die klassische Musik und Dichtung, der Kongreß für kulturelle Freiheit, das Regietheater, die Brandtschen Erziehungsreformen, die 68er-Bewegung, die Gegenkultur und Popkultur im allgemeinen. Das Resultat all dieser Einflüsse sind ein kulturelles Ödland, verschrumpelte Herzen, deren Empfindungsvermögen zurückgeblieben ist, und der Verlust des Urteilsvermögens bei vielen Mitmenschen, wo das Gefühl für Recht oder Unrecht einer allgemeinen Anpassung an die Mehrheitsmeinung Platz gemacht hat.

Wenn Schiller schon zu seiner Zeit – konkreter nach dem Scheitern der Französischen Revolution – fragen mußte: „Woher kommt es, daß wir noch Barbaren sind?“, um wieviel mehr würde er diese Frage heute voller Entsetzen stellen! Denn die Gegenwart demonstriert leider auch in einem anderen Punkt, daß er recht hatte, daß nämlich die Gesellschaft, die von einem höheren Niveau sich zurückentwickelt, verächtlicher ist als jene, die sich noch aus der Unterentwicklung zu befreien sucht. Im fünften der Ästhetischen Briefe schrieb Schiller:

„In seinen Taten malt sich der Mensch, und welche Gestalt ist es, die sich in dem Drama der jetzigen Zeit abbildet! Hier Verwilderung, dort Erschlaffung: die zwei Äußersten des menschlichen Verfalls, beide in einem Zeitraum vereinigt!

In den niederen und zahlreicheren Klassen stellen sich uns rohe gesetzlose Triebe dar, die sich nach aufgelöstem Band der bürgerlichen Ordnung entfesseln und mit unlenksamer Wut zu ihrer tierischen Befriedigung eilen… Die losgebundene Gesellschaft, anstatt aufwärts in das organische Leben zu eilen, fällt in das Elementarreich zurück.

Auf der anderen Seite geben uns die zivilisierten Klassen den noch widrigeren Anblick der Schlaffheit und einer Depravation des Charakters, die desto mehr empört, weil die Kultur selbst ihre Quelle ist. Ich erinnere mich nicht mehr, welcher alte oder neue Philosoph die Bemerkung machte, daß das Edlere in seiner Zerstörung das Abscheulichere sei, aber man wird sie auch im Moralischen wahr finden. Aus dem Natursohne wird, wenn er ausschweift, ein Rasender; aus dem Zögling der Kunst ein Nichtswürdiger.“

Schiller entwickelt dann in den weiteren Briefen, daß angesichts dieser Situation jede Verbesserung im Politischen nur durch die Verbesserung des Charakters des einzelnen kommen kann – eine Einsicht, die heute genauso wahr ist wie zu seinen Zeiten. Woher aber soll diese Veredlung kommen, wenn die Massen erschlafft sind und der Zustand des Staates barbarisch ist, fragt Schiller, und kommt im neunten Brief dann zu dem Punkt,

„zu welchem alle meine bisherigen Betrachtungen hingestrebt haben. Dieses Werkzeug ist die schöne Kunst, diese Quellen öffnen sich in ihren unsterblichen Mustern.

Von allem, was positiv ist und was menschliche Konventionen einführten, ist die Kunst wie die Wissenschaft losgesprochen, und beide erfreuen sich einer absoluten Immunität von der Willkür des Menschen.“

Der Schlüssel zur Überwindung der gegenwärtigen existentiellen Krise liegt deshalb darin, den Menschen den Zugang zu ihrer eigenen Kreativität zu eröffnen, in ihnen wieder den Götterfunken zu entfachen, der ihr menschliches Potential zur vollen Entfaltung bringt. Es gilt also, die Fakultät des menschlichen Geistes zu stärken, in der neue wissenschaftliche Entdeckungen gemacht werden, die die gleiche ist, in auch die klassische Kunst entsteht, in der musikalische oder poetische Ideen nach den Kriterien der klassischen Komposition entwickelt werden. Wenn der Mensch neue universelle Prinzipien in der Wissenschaft entdeckt, oder der Komponist oder Dichter die Regeln der klassischen Kompositionen berücksichtigt oder auf gesetzmäßige Weise erweitert, dann befindet sich die Kreativität eines erfindenden Geistes in völliger Konkordanz mit dem sich kreativ entwickelnden physikalischen Universum.

Wenn wir also aus der gegenwärtigen Krise herauskommen wollen, ist eine Renaissance der klassischen Kultur die absolute Voraussetzung. Deshalb unterstützen das Schiller-Institut und die Kulturzeitschrift Ibykus die Initiative von Lynn Yen und richtet die Bitte an alle Künstler und Freunde der klassischen Kunst, Teil einer weltweiten Bewegung zu werden, die für diese Renaissance so lange kämpft, bis wir das gegenwärtige dunkle Zeitalter überwunden haben, genauso wie die goldene Renaissance Italiens des 15. Jahrhunderts das dunkle Zeitalter des 14. Jahrhunderts überwunden hat, oder wie die deutsche Klassik die Zerstörung des Dreißigjährigen Krieges ersetzt hat.

Lesen Sie bitte hierzu auch: Offener Brief von Lynn Yen an klassische Künstler überall auf der Welt!


Offener Brief von Lynn Yen an klassische Künstler überall auf der Welt!

Friedrich Schiller hat einmal geschrieben, daß „es die Schönheit ist, durch welche man zur Freiheit wandert”. Er spricht hier nicht nur von bloßer äußerer Schönheit, sondern von der tieferen Schönheit des Geistes, eines Geistes, der schöner wird durch seine Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und gleichzeitig seine inneren, edelsten Absichten auszudrücken. Das ist das Geschenk und das Recht, das wir jungen Menschen auf der ganzen Welt, die die Zukunft der Menschheit sind, geben müssen. Das schulden wir ihnen, genauso wie den Dichtern in allen Formen von Kunst und Wissenschaft, die für uns die klassische Kultur geschaffen haben, nicht als Sammlung von Regeln, sondern als Prinzipien des Denkens, welche die Menschheit in ein besseres, produktiveres, glücklicheres Leben führen.

Am 13. Mai 2012 gab der Meisterpianist Tian Jiang ein Konzert im Stern-Auditorium der Carnegie Hall. Mehr als 1700 Schüler, Eltern und Lehrer aus über 80 öffentlichen Schulen aus New York City und Umgebung, von denen die meisten noch nie zuvor in der Carnegie Hall gewesen waren und viele vielleicht auch noch nie zuvor klassische Musik gehört hatten, teilten die Freude, die der Geist empfindet, wenn die Schönheit menschlicher Emotion und menschlichen Intellekts eins werden. In einem Programm mit Bach, Mozart, Beethoven, Brahms und Chopin, das fast zwei Jahrhunderte Komposition und fast zweieinhalb Stunden Aufführung umfaßte, gab es gebanntes Schweigen, langandauernden Applaus und stehende Ovationen eines Publikums, das nach der heute gängigen Meinung vermeintlich „unfähig ist, klassische Musik zu verstehen oder sich dafür zu interessieren.“ Selbst zwei- und dreijährige Kleinkinder lauschten aufmerksam während der gesamten Aufführung von Mozarts Fantasie in c-moll, Beethovens „Appassionata“ und Brahms’ Händel-Variationen.

Nach diesem Konzert erhielten wir zahlreiche Briefe von Lehrern, Eltern und Schülern, die um mehr Gelegenheiten zu solcher Nahrung für Geist und Seele baten. Daher dachten wir uns: Warum verwirklichen wir nicht den Wunsch und die Absicht, die Dr. Martin Luther King in seiner Rede bei der Entgegennahme des Nobelpreises so ausdrückte: „Ich habe die Kühnheit, daran zu glauben, daß Völker überall auf der Welt drei Mahlzeiten täglich für ihren Körper, Bildung und Kultur für ihren Geist und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihre Seele haben können.“

Die Stiftung für die Wiederbelebung der klassischen Kultur ruft alle klassischen und klassisch ausgebildeten Musiker auf der Welt auf, ihre Zeit einzubringen und sich zusammen mit uns daran zu beteiligen, der Jugend der Welt große klassische Kompositionen nach der strengen platonischen Ästhetik und besten Schillerschen Empfindung aufzuführen und zu lehren. Laßt uns in allen großen Städten Amerikas und darüber hinaus die Ausübung der klassischen Kultur wiederbeleben, zur Veredelung der Menschheit und aus Liebe zu unseren eigenen Kindern und zu allen Kindern.

— Lynn Yen
(Executive Director, Foundation for the Revival of Classical Culture, New York)

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