Top Left Link Buttons

2016

Yearly Archives

Helga Zepp-LaRouche spricht beim Raisina-Dialog in Neu-Delhi

(*Präsentation auf Englisch)

Eine Konferenz in Neu-Delhi befaßte sich mit den physischen, wirtschaftlichen, menschlichen und digitalen Verbindungen in Asien und den Herausforderungen dieses Jahrhunderts

Das indische Außenministerium hat vom 1.-3. März 2016 in Neu-Delhi gemeinsam mit der Observer Research Foundation (ORF) erstmals den Raisina-Dialog veranstaltet. Im Mittelpunkt der Konferenz mit mehr als 600 Gästen aus mehr als hundert Ländern stand die Notwendigkeit internationaler Partnerschaften zur wirksamen Bewältigung der Herausforderungen dieses Jahrhunderts.

Unter den Rednern waren Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, darunter Minister verschiedener Regierungen, andere hochrangige Regierungsvertreter und Politiker sowie führende Persönlichkeiten aus Handel und Industrie, Sicherheitsexperten sowie Vertreter der Medien und des akademischen Lebens. Zu den Rednern der Eröffnungssitzung gehörten die Außenminister Indiens und Bangladeshs, Sushma Swaraj und Abdul Hassan Mahmud Ali, und mehrere ehemalige Staatspräsidenten: Hamid Karzai (Afghanistan), Chandrika Bandaranaike Kumaratunga (Sri Lanka) und Sir James Mancham (Seychellen); außerdem sprachen bei der Konferenz der indische Außenamtssekretär Subrahmanyam Jaishankar, mehrere weitere Minister der indischen Regierung sowie der frühere chinesische Außenminister Li Zhaoxing, der Senior Vice President des Seidenstraßenfonds Ding Guorong, viele weitere amtierende oder frühere Politiker und nicht zuletzt Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts.

Die Sitzungen der dreitägigen Konferenz behandelten verschiedene Aspekte. Unter dem Titel „Wohin geht die Europäische Union?“ befaßten sich die Redner, darunter zwei Abgeordnete des Europäischen Parlaments, mit der Herausforderung der Eurozone durch die Flüchtlingskrise und den Terrorismus. Die meisten Redner machten den Mangel an Solidarität unter den Mitgliedstaaten für die Krise verantwortlich, aber in der anschließenden Diskussion konnte Helga Zepp-LaRouche darauf hinweisen, daß der einzige Weg zur Lösung der Flüchtlingskrise eine Art Marshallplan zum Wiederaufbau der durch die ständigen Kriege zerstörten Region sei. Auch wenn die Redner hierauf nicht direkt antworteten, hinterließ ihr Beitrag doch großen Eindruck und wurde am Nachmittag von einem Redner einer anderen Diskussionsrunde und in vielen Gesprächen am Rande der Konferenz aufgegriffen.

In der Diskussionsrunde „Einen Kontinent verbinden: eine asiatische Union“ forderte Helga Zepp-LaRouche in ihrem Konferenzbeitrag Indien, China und Rußland auf, den Entwicklungsprozeß der Neuen Seidenstraße „hoffentlich gemeinsam mit vielen anderen“ nach Südwestasien und Nordafrika zu erweitern, als das einzige Mittel, die Welt vor der drohenden Gefahr eines thermonuklearen Krieges zu bewahren. „Die neue Vereinbarung zwischen US-Außenminister Kerry und dem russischen Außenminister Lawrow über eine Waffenruhe in Syrien ist möglicherweise eine entscheidende Wende in der gesamten strategischen Lage, vorausgesetzt, daß insbesondere China, Rußland und Indien sofort mit den Länder Südwestasiens zusammenarbeiten, um ein umfassendes Aufbauprogramm umzusetzen, nicht nur für die vom Krieg zerstörten Länder Syrien, Irak und Afghanistan, sondern für die gesamte Region von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien. Mit der Reise Präsident Xis in die Region – nach Iran, Ägypten und Saudi-Arabien – ist nun die Verlängerung der Seidenstraße auf dem Tisch.“ In der anschließenden Diskussion konnte sie ihre Ausführungen noch ergänzen und die Debatte auf die strategische Ebene heben.

Im Verlauf der Konferenz wurde Zepp-LaRouche immer wieder von dankbaren und besorgten Konferenzteilnehmern angesprochen, die über die Fragen diskutieren wollten, die sie in die Debatte gebracht hatte, insbesondere über die Kriegsgefahr und die Initiative der Neuen Seidenstraße.

Weitere Diskussionsrunden befaßten sich mit Themen wie „Asiens strategische Ordnung“, mit einer Debatte über den Einfluß von Kernwaffen auf die Stabilität in der Region, oder „Asiens Gewässer“, wobei es um den Ausbau der transnationalen Flußbecken und die Bedeutung von Energiekorridoren und internationalen Wasserstraßen ging. Mehrere Diskussionsrunden befaßten sich mit Sicherheitsfragen, dabei ging es um asymmetrische und unkonventionelle Bedrohungen für die nationale Sicherheit durch staatliche und nichtstaatliche Akteure, und die Frage, wie man darauf reagiert.

Wir werden in der kommenden Ausgabe noch ausführlicher über die Konferenz berichten.

kk


Arabische Tageszeitung: Helga Zepp-LaRouches Projekt der Neuen Seidenstraße wird Realität

Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheinende Tageszeitung Al-Ittihad druckte am 21. Januar eine Kolumne des Wissenschafts- und Technologieberaters Mohammed Aref über den Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Saudi Arabien, Ägypten und Iran ab, in welchem der Autor die Urheberschaft dieser neuen, visionären Politik dem Schiller-Institut und seiner Präsidentin, der „Seidenstraßen-Lady“ Helga Zepp-LaRouche, zugute hält.

Unter der Überschrift „Chinas 51. Jahrhundert“ (in Anlehnung an die 5000-jährige Geschichte Chinas) liefert Aref eine sehr poetische und aufregende Beschreibung der Reise von Präsident Xi in die Region, und von Chinas Betonung der Neuen Seidenstraße in seinen politischen Absichtserklärungen.

Mohammed Aref war im Jahr 1997 der erste arabische Journalist, der als damaliger Wissenschaftsredakteur der in London publizierten arabischen Tageszeitung Al-Hayat eine ganzseitige umfassende Rezension des von Helga Zepp-LaRouche initiierten EIR-Sonderberichts über die Eurasische Landbrücke verfasst hatte.

Nach der Entkräftung der Behauptungen, dass Chinas Wirtschaft sich im Abschwung befinde, fügte Aref hinzu: „China schreibt die Weltkarte neu, da es aus sieben Kontinenten sechs macht, indem es Asien und Europa zu einem gemeinsamen Kontinent zusammenfügt. ‚Die Welt erobern und sich gefügig machen wollen, ich habe gesehen, dass das misslingt‘, lautet eine chinesische Weisheit. Ähnliches drückt das chinesische Außenministerium in seiner vergangene Woche veröffentlichten Erklärung über Chinas Arabien-Politik aus, in dem die Seidenstraße wiedererweckt wird, die 2000 Jahre lang die chinesische und arabische Welt miteinander verband. Der Weg der chinesischen Weisheit ist wie eine ‚Seidenstraße‘, die die gigantische euro-asiatische Landmasse miteinander verbindet, die sich durch Infrastruktur für Landwirtschaft, Handel, Technologie, Wissenschaft und Kultur zu den Küsten des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans erstreckt.“

Im Schlussabschnitt der Kolumne erwähnt Mohammed Aref ausdrücklich die Urheberschaft des Schiller-Instituts: „’Die arabisch-asiatische Landbrücke: das schlagende Herz der Neuen Seidenstraße‘, war die Überschrift meines Berichtes in einer Londoner Zeitung aus dem Jahr 1997. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass dieses, vom Schiller-Institut entwickelte Projekt von China angenommen werden würde, und dass der chinesische Präsident es diese Woche in die arabische Region tragen würde. Im letzten September feierte man in Beijing die Veröffentlichung der chinesischen Ausgabe des Schiller-Institut-Berichts ‚Die Neue Seidenstraße wird zur Welt-Landbrücke‘. Im kommenden Monat wird die arabisch-sprachige Version des Berichts veröffentlicht, vorbereitet von Hussein Askary, einem irakischen Mitglied des Schiller-Instituts, das von der deutschen Gelehrten Helga LaRouche gegründet worden ist. Die Chinesen nennen sie die ‚Seidenstraßen-Lady‘, da sie durch hunderte von Konferenzen und wissenschaftlichen und politischen Seminaren der Neuen Seidenstraße den Weg geebnet hat, und weil sie ‚das Konzept der Eurasischen Landbrücke als Kriegsvermeidungsstrategie‘ geschaffen hat, so der chinesische Experte Deng Yifan.“

Al-Ittihad (auf Arabisch).


Die Neue Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit

Den folgenden Beitrag verfaßte die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, für eine bedeutende amerikanisch-chinesische Konferenz und Ausstellung in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Veranstalter dieser „2016 Global Chinatown Conference Seattle Summit & Global Fortune Innovation Development Promotion Fair” war der North America China Council. Die Rede wurde am 21. Februar 2016 auf Video aufgenommen und am 24. Februar bei der Konferenz gezeigt.


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Teilnehmer dieser sehr wichtigen Konferenz,

ich bin sehr froh, über die Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit zu Ihnen sprechen zu können. Es ist das schöne Charakteristikum des Menschen, daß wir anders als die Tiere nicht gezwungen sind, immer weiter den ausgetretenen Pfaden zu folgen und eine Generation nach der anderen zu wiederholen, was die anderen vor uns getan haben. Was uns von allen anderen Gattungen auf diesem Planeten unterscheidet, ist, daß wir die Lage von oben in ihrer Gesamtheit betrachten können, wir können sie analysieren, und wenn etwas falsch läuft, dann haben wir die Freiheit, das zu ändern und ein neues Paradigma zu schaffen.

Kriegsgefahr

Und die Welt braucht dringend ein neues Paradigma, denn wenn man sich das alte betrachtet, was sehen wir da? Es gibt einen neuen Kalten Krieg, der jeden Augenblick in einen heißen Krieg umschlagen kann. Es könnte zu einer großen Konfrontation zwischen der NATO und Rußland und China kommen, die sich schon bald zu einem neuen Weltkrieg entwickelt. Viele Experten beschreiben die Lage heute als gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der Kubakrise.

Die NATO rüstet an der russischen Grenze in einem Ausmaß auf, wie man es nicht mehr gesehen hat, seit die Nazis 1941 die Sowjetunion überfielen. Rußland reagiert, indem es schweres militärisches Gerät einschließlich taktischer Nuklearwaffen an seine westlichen Grenzen verlegt. Und wenn die türkische Krise eskaliert und die Türkei Bodentruppen nach Syrien schickt – wo die jüngsten Vereinbarungen zwischen US-Außenminister John Kerry und Rußlands Außenminister Sergej Lawrow ein kleiner Hoffnungsstrahl sind -, wenn die Türkei im kurdischen Norden Syriens einmarschiert, dann kann es sehr schnell zu einem Krieg zwischen einem NATO-Mitgliedsland, der Türkei, und Rußland kommen.

Aber auch wenn man sich die Spannungen im Südchinesischen Meer und die zunehmende Eskalation um die Koreanische Halbinsel anschaut, sind diese Situationen extrem gefährlich und besorgniserregend. Wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt zu einer Eskalation in einem dieser regionalen Konflikte kommt und dort Nuklearwaffen eingesetzt werden, was keineswegs ausgeschlossen ist, dann wäre es die Logik eines solchen Krieges, daß dies in einen umfassenden und totalen thermonuklearen Krieg mündet, der offensichtlich zur Vernichtung der menschlichen Gattung führen würde.

Finanzkrach

Es gibt einen zweiten Aspekt dieser Krise. Wir stehen am Rande eines neuen Zusammenbruchs des Finanzsystems, neben dem die Krise von 2008 verblassen würde. William White, der frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat gerade das Offensichtliche ausgesprochen: daß nämlich die ausstehenden Schulden auf der Welt insgesamt unbezahlbar sind und daß wir, wie in den Jubeljahren vieler Religionen in den letzten 5000 Jahren, alle diese unbezahlbaren Schulden abschreiben müssen. Die Alternative wäre, sofort Franklin D. Roosevelts Glass-Steagall-Trennbankengesetz wieder in Kraft zu setzen. Sonst geschieht, was White so formuliert: „Entweder man macht es auf geordnete Weise oder es kommt zu einem chaotischen Zusammenbruch.“

Die stufenweise Kernschmelze des Finanzsystems läuft schon seit Anfang des Jahres. Die Marktmechanismen funktionieren nicht mehr, und die berühmten „Werkzeuge“, die noch in der Krise von 2008 verwendet wurden – quantitative Erleichterung [Gelddrucken], Bail-out, Bail-in, sogar negative Zinsen – erweisen sich nicht nur als unwirksam, sondern sogar als kontraproduktiv, weil dadurch die deflationäre Spirale, die jetzt den gesamten transatlantischen Sektor und sogar Japan erfaßt hat, beschleunigt wird.

Flüchtlingskrise

Der dritte Aspekt der strategischen Krise ist die beispiellose Flüchtlingskrise, die vor allem vom Nahen Osten, aber auch von Afrika ausgeht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen und Hunger, allein aus Syrien mehr als 5 Millionen. Der Direktor des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, sagte, wenn wir den Kurs nicht ändern, dann kämen schon bald eine Milliarde Menschen aus den Kriegsgebieten.

Nun, ich will hier nicht noch mehr Aspekte der Krise anführen, was ich sehr leicht tun könnte. Aber wenn Sie nur diejenigen in Betracht ziehen, die ich erwähnt habe, dann ist klar, daß wir es mit einer beispiellosen Zivilisationskrise zu tun haben.

Das neue Paradigma existiert bereits

Die gute Neuigkeit ist jedoch, daß das neue Paradigma bereits existiert. Im September 2013 hat Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße zur offiziellen Politik Chinas erklärt. In der Tradition der alten Seidenstraße, über die Waren und Kultur, aber auch Technik ausgetauscht wurden, soll dies, wie er sagt, auf einer „Win-Win“-Kooperation beruhen, indem man einfach das chinesische Wirtschaftswunder auf alle Länder ausdehnt, die sich daran beteiligen möchten.

Nun, jeder, der in China war, wird bestätigen, daß das chinesische Wirtschaftswunder insbesondere in den letzten 30 Jahren atemberaubend ist. China hat in 30 Jahren eine Entwicklung vollzogen, für die die Industrieländer der transatlantischen Regionen 150 oder 200 Jahre gebraucht haben. China hat 800 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und verfolgt das Ziel, auch den Westen des Landes zu entwickeln, um die Armut bis zum Jahr 2020 vollkommen zu beseitigen.

Das Projekt der Neuen Seidenstraße ist schon jetzt das größte Entwicklungsprogramm, das es jemals auf der Erde gegeben hat. Schon jetzt sind 600 Milliarden Dollar dafür vorgesehen, und die Chinesen wollen in den kommenden Jahren umgerechnet eine Billion Dollar in anderen Ländern investieren. In den zweieinhalb Jahren, seit Xi Jinping die Seidenstraße ankündigte, entwickelt sie sich mit atemberaubendem Tempo: 60 Länder sind bereits daran beteiligt. Seit dem 16. Januar hat die AIIB (Asiatische Infrastuktur-Investitionsbank) in Beijing ihre Arbeit aufgenommen und vergibt Kredite an Länder, die sie benötigen. Die Chinesen haben Bauprojekte begonnen, darunter der Bau der transkontinentalen Eisenbahn von Yiwu und Chongqing nach Europa, und kooperieren mit den Ländern entlang der Strecke. Sie bauen den Hafen von Piräus und die Schnellbahn Jakarta-Bandung aus. Am 15. Februar traf der erste Güterzug mit 32 Containern aus Yiwu in Teheran ein – das Resultat eines vorherigen Besuchs von Xi Jinping im Iran.

2015 investierte China in 49 Ländern entlang der Neuen Seidenstraße („Ein Gürtel, eine Straße“). Sie investierten nach Angaben des Handelsministeriums 14,8 Mrd. Dollar in 3987 Projekte! Sie haben Verträge mit 60 Ländern geschlossen… Alle diese Projekte werden schon in diesem Jahr, 2016, einen erstaunlichen wirtschaftlichen Nutzen entfalten. Deshalb ist die Darstellung, die chinesische wirtschaftliche „Abschwächung“ sei für die Turbulenzen im transatlantischen Sektor verantwortlich, völliger Unsinn.

Präsident Xi Jinping hat Präsident Obama beim APEC-Gipfel im Oktober 2014 angeboten, daß China und die Vereinigten Staaten auf der Grundlage einer solchen „Win-Win“-Perspektive zusammenarbeiten sollten. Und genau das ist die Lösung.

Eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert

Aber warum stehen wir dann am Rande des Dritten Weltkrieges?

Man muß dazu zurückgehen in das Jahr 1991, in die Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion, denn damals bestand eine wirkliche Chance, eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Aber sie wurde verpaßt. Diese Möglichkeit bestand, weil der Feind – der Kommunismus, die Sowjetunion – weg war; aber man hat sie nicht genutzt.

Das Schiller-Institut machte damals jedoch einen Vorschlag, den wir die Eurasische Landbrücke nannten: die Neue Seidenstraße. Das war die Idee, die Bevölkerungs- und Industriezentren in Europa durch „Entwicklungskorridore“ mit denen in Asien zu verbinden und so die Produktivität der landeingeschlossenen Gebiete des eurasischen Kontinents anzuheben.

Wir haben das vorgeschlagen. Das wäre die Grundlage einer Friedensordnung gewesen, und wir haben uns in den 25 Jahren seither in Hunderten von Konferenzen und Seminaren dafür eingesetzt. Und deshalb waren wir sehr froh, als das von Xi Jinping auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Obwohl damals versprochen wurde, die NATO nicht bis an Rußlands Grenzen zu erweitern (wie der damalige amerikanische Botschafter in Moskau, Jack Matlock, oft bestätigt hat), setzte sich dann die Wolfowitz-Cheney-Doktrin durch. Das war die Idee: die Vereinigten Staaten sind jetzt die einzige verbliebene Supermacht, und es muß sichergestellt werden, daß nie wieder ein anderes Land oder eine Gruppe von Ländern diesen Status der Vereinigten Staaten als einzige Supermacht in Frage stellt.

Nun, die Entwicklung der letzten 25 Jahre demonstriert auch sehr klar, daß dies nicht die Realität ist. Es gibt aufstrebende Länder, allen voran China und Indien, Rußland gewinnt seine militärische Stärke zurück. Und deshalb ist die Vorstellung, daß eine unipolare Welt möglich sei, einfach nicht realistisch.

Aber auch eine multipolare Welt ist nicht die Lösung, denn die Idee einer multipolaren Welt bleibt immer noch in der Geometrie der Geopolitik, und diese Geopolitik war die Ursache der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

Zusammenfallen der Gegensätze

Wir brauchen daher ein neues Paradigma, das die Geopolitik auf einer höheren Ebene überwindet. Nikolaus von Kues, der herausragende Denker des 15. Jahrhunderts, hat grundsätzlich aufgezeigt, daß wirkliche Lösungen niemals auf heterogenen Teillösungen beruhen können, sondern das Gemeinsame der Probleme aufgreifen müssen, durch die Methode der coincidentia oppositorum, des Zusammenfallens der Gegensätze. Das ist das Prinzip, daß das Eine von einer höheren Ordnung ist als das Viele, und daß es auf dieser höheren Ebene der Vernunft möglich ist, eine Lösung zu entwickeln, in der die Widersprüche der niederen Ebene nicht existieren.

Man kann ein neues Paradigma schaffen, einen ebenso epochalen Paradigmenwandel wie den nach dem Finsteren Zeitalter, dem Mittelalter, das von der Scholastik beherrscht war, von den Peripatetikern, von der aristotelischen Idee, daß die Dinge nicht gleichzeitig A und Nicht-A sein können und daß es immer ein Widerspruch zwischen A und B gäbe.

Die Veränderung, die Nikolaus von Kues durch diese neue Denkmethode einleitete, führte in die Neuzeit der Naturwissenschaften, der Klassischen Kunst, zur neuen Rolle des Individuums – zu all dem, was die menschliche Kreativität durch ihre unbegrenzte Fähigkeit zur Erfindung und zur Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien zur treibenden Kraft im Universum macht.

Ein ebensolcher fundamentaler Paradigmenwandel, wie er das Mittelalter von der Neuzeit trennt, ist auch heute notwendig. Wir müssen einen evolutionären Sprung machen, weg von der Geopolitik, hin zu den gemeinsamen Zielen der Menschheit. Und dazu brauchen wir offensichtlich eine Vision: Wo soll die Menschheit in hundert Jahren sein? In tausend oder sogar 10.000 Jahren? Wenn man den enormen Fortschritt bedenkt, den die Menschheit in den letzten 10.000 Jahren gemacht hat – von annähernd Steinzeitverhältnissen bis heute, wo wir in der Lage sind, mit kleinen Smartphones Konferenzgespräche zu führen, bei denen Sie Ihre Partner in aller Welt sehen können, um nur ein kleines Beispiel zu nennen -, sollten wir da nicht in der Lage sein, die Probleme der Menschheit auf einer völlig anderen Ebene zu lösen?

Sollten wir nicht in der Lage sein, vom Rande des Abgrunds thermonuklearen Krieges umzukehren und einander die Hände zu reichen, um die Probleme wie Kriege, Hunger und Terrorismus zu lösen? Als Präsident Xi kürzlich in Südwestasien war, in Saudi-Arabien, Ägypten und im Iran, bot er die Neue Seidenstraße – die Politik von „Gürtel und Straße“ – als eine Arche Noah für die Flüchtlingskrise an.

Das Schiller-Institut veranstaltete schon 2012 eine Konferenz in Frankfurt a.M., wo wir einen umfassenden Plan zur Entwicklung des gesamten Nahen Ostens von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien vorlegten, um wirkliche wirtschaftliche Entwicklung für diese Region zu schaffen, als Perspektive zur Überwindung von Armut, Krieg, und um das Rekrutierungsfeld für den Terrorismus zu beseitigen.

Das war die Idee, einen „Krieg gegen die Wüsten“ auszurufen und durch die Entsalzung von Meerwasser mit Hilfe der Kernkraft neue, gewaltige Mengen sauberes Wasser zu erzeugen; durch Ionisierung die Feuchtigkeit der Atmosphäre anzuzapfen, um neue Land- und Forstwirtschaft zu entwickeln; Infrastruktur aufzubauen und die neuen Städte, die gebaut werden müssen, miteinander zu verbinden; und so die gesamte Region zu einer der blühendsten, schönsten der Welt zu machen.

Eine solche Perspektive wäre sehr einfach, wenn Rußland, China, Indien, der Iran und Ägypten und europäische Nationen wie Italien, Deutschland und Frankreich einander die Hände reichen und hoffentlich auch die Vereinigten Staaten zur Mitarbeit gewinnen würden, um diese Region zu entwickeln. Und das ist der einzige Weg, wie wir die Flüchtlingskrise beenden können: diesen Teil der Welt, und natürlich auch Afrika, zu entwickeln.

Mit einem „Seidenstraßen-Marshallplan“, wie man es nennen kann, und einer „Win-Win-Perspektive“ wäre das sehr einfach.

Die gemeinsamen Ziele der Menschheit

Nun, auch einige andere gemeinsame Ziele der Menschheit sind in nicht allzu ferner Zukunft erreichbar. So können wir beispielsweise Energie- und Rohstoffsicherheit erreichen. Das wäre möglich durch die Verwirklichung der Kernfusion, die jetzt sehr, sehr nahegerückt ist. Kürzlich gab es zwei große Durchbrüche: Der eine war in Deutschland in Greifswald, wo der Testreaktor, der Wendelstein-7X-Stellerator, ein Plasma eine Zehntelsekunde auf 80 Millionen Grad erhitzen konnte. Das Ziel in Greifswald ist, bis 2020 ein Plasma 30 Minuten lang stabil zu erhalten.

Am gleichen Tag kamen Berichte vom Institut für Plasmaphysik in Hebei, eine Provinz in der Nähe von Beijing, daß der EAST-Reaktor – der Experimentelle Fortgeschrittene Supraleitende Tokamak – bei einem Experiment ein Plasma bei 50 Millionen Grad 102 Sekunden lang erhalten konnte; das ist etwa die Hälfte dessen, was für die Verschmelzung von Deuterium und Tritium notwendig ist. Sie haben dort das Ziel, ein Plasma bei einer Temperatur von 100 Millionen Grad stabil zu halten. Die Resultate des EAST werden beim ITER in Frankreich, einem internationalen Gemeinschaftsprojekt, angewendet werden.

Die Fusionsenergie wird der Welt Kraft- und Energiesicherheit und Rohstoffsicherheit verschaffen, weil man mit dem damit verbundenen Plasmafackel-Verfahren praktisch jeden Müll in neue Isotope verwandeln und so neue Rohstoffe erzeugen kann!

Die chinesische Mondmission Chang’e-5, die 2017 ins All starten soll, hängt sogar schon mit der zweiten Generation der Kernfusion zusammen: Sie ist darauf ausgerichtet, als Vorbereitung für die zukünftige industrielle Nutzung des Mondes die ersten Proben von fusionsfähigem Helium-3 zurückzubringen. Helium-3 als Brennstoff wird auch eine neue Revolution der Energieerzeugung bedeuten, weil man damit den Strom viel effizienter erzeugen kann. Und es wird als Treibstoff auch die Raumfahrt revolutionieren.

Überhaupt ist die Raumfahrt allgemein eines der begeisterndsten gemeinsamen Ziele der Menschheit. Die Chinesen haben die Chang’e-4-Mission, die eigentlich als Reserve für die hocherfolgreiche Chang’e-3-Mission gedacht war, für eine Landung auf der Rückseite des Mondes 2018 umkonzipiert. Es wird das erste Mal sein, daß die Menschheit ein Objekt zur erdfernen Seite des Mondes schickt. Dadurch kann China ein Radioteleskop für Beobachtungen dorthin bringen, wo der Mond auf der erdabgewandten Seite vor möglichen störenden Radiowellen von der Erde abgeschirmt ist. Und dieser Teil des Mondes hat auch die höchste Konzentration an Helium-3.

Aber noch wichtiger ist, daß dies der Menschheit zum ersten Mal viel tiefere Einblicke in das Sonnensystem und darüber hinaus in unsere Galaxis und viele andere Galaxien da draußen geben wird.

Auch deshalb sollten sich die Vereinigten Staaten der Seidenstraße anschließen. Amerika braucht dringend eine modernisierte Infrastruktur. Die Vereinigten Staaten brauchen wahrscheinlich 80.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahnen. In China wurden schon 30.000 km gebaut, dies will man bis 2020 auf 80.000 km ausbauen. Man könnte in den Vereinigten Staaten auch neue, wunderschöne Städte bauen und neues Trinkwasser erzeugen, um die Dürre im Südwesten zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten sollten die NASA wieder mit Leben erfüllen, und es wäre ein Leichtes, einen Teil der Produktionsanlagen, die jetzt für die Rüstungsproduktion genutzt werden, für andere Hochtechnologie-Bereiche umzurüsten.

Und wenn die USA sich der Seidenstraße anschließen würden, dann könnten die Vereinigten Staaten auch ganz Süd- und Mittelamerika entwickeln und so die Flüchtlingskrise an ihrer Südgrenze abwenden. Schon jetzt sind elf Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich noch einmal genauso viele in verzweifelten Bedingungen südlich der Grenze.

Die Menschheit befindet sich jetzt an einer sehr wichtigen Wegscheide in ihrer Existenz, und wir müssen unser Denken auf eine weit höhere Ebene anheben, wenn unsere Gattung weiter existieren soll. Erwecken wir also den Amerikanischen Traum zu neuem Leben. Bauen wir die Neue Seidenstraße aus zu einer Weltlandbrücke, so wie wir es in einer Studie vorgeschlagen haben, die uns einen Bauplan gibt, um alle Teile der Welt zu entwickeln. Erneuern wir den Amerikanischen Traum und verbinden ihn mit dem Chinesischen Traum zu einem Traum für die ganze Menschheit.

 

 


Page 3 of 3123