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Aufbau der Wirtschaft statt Geopolitik und Malthusianismus

Das Schiller-Institut veranstaltete am 13. und 14. Juni in Paris eine internationale Konferenz zum Thema „Wiederaufbau der Welt in der BRICS-Ära“.

von Christine Bierre und Alexander Hartmann

Am 13. und 14. Juni sprachen in Paris hochrangige Vertreter aus drei der fünf Länder der BRICS-Gruppe (Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika) und mit ihr kooperierender Staaten auf einer außergewöhnlichen internationalen Konferenz des Schiller-Instituts mit dem Titel „Wiederaufbau der Welt in der BRICS-Ära“.

An dem zweitägigen, intensiven Austausch beteiligten sich mehrere hundert Franzosen und Delegationen aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Spanien, Italien, Australien, Polen, Rumänien, Rußland, China, Peru sowie weiteren Staaten. Die Versammelten erkannten, daß dies nicht „eine Konferenz von vielen“ war, sondern daß sie selbst Teil eines internationalen Kampfes für ihr eigenes Überleben und das der ganzen Menschheit sind, und sie beschlossen daher, ihr Schicksal aktiv selbst mitzugestalten.

Die Konferenz sollte den frischen Wind des Fortschritts, der von den BRICS und ihren Verbündeten ausgeht, nach Frankreich und ganz Europa holen und die Europäer anregen, sich gegen eine Weltordnung zu erheben, die nichts mehr zu bieten hat außer der Rückkehr zu Imperien, Kriegen aller gegen alle und der systematischen Ausplünderung der Völker und des öffentlichen Besitzes. Sie wandte sich auch scharf gegen den Malthusianismus, der im Zusammenhang mit dem Schwindel vom „menschengemachten Klimawandel“ und der Ende des Jahres in Frankreich geplanten Weltklimakonferenz (COP21) verbreitet wird. Dieser Malthusianismus ist der Todfeind der Entwicklung der BRICS und der ganzen Welt.

Da es an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, auf sämtliche Konferenzbeiträge im einzelnen einzugehen, die auf der Internetseitehttp://newparadigm.schillerinstitute.com/de/ umfassend dokumentiert werden, konzentrieren wir uns im folgenden auf die zentralen Punkte der Konferenz.

Krieg – oder Frieden durch wirtschaftliche Entwicklung

Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, eröffnete die Konferenz und beschrieb die vor uns liegenden Gefahren: eine Finanzkrise, aus der sehr schnell die Implosion des Finanzsystems folgen kann, wenn die Griechenlandkrise Ende Juni ihren Höhepunkt erreicht, sowie die wachsende Gefahr eines Krieges, sogar eines thermonuklearen Krieges, gegen Rußland und China. Der Ursprung dieser Kriegspolitik im anglo-amerikanischen Lager liege in der neokonservativen Ideologie des „Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert“ (Project for a New American Century, PNAC), wonach verhindert werden müsse, daß sich irgendeine Macht auf der Welt herausbildet, die die globale Macht der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung des Britischen Empire gefährden kann.

In diesem Kontext sprach ihr Ehemann, der amerikanische Staatsmann und Ökonom Lyndon LaRouche, per Video zu der Konferenz und unterstützte den Protest der früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sowie des amtierenden Außenministers Frank-Walter Steinmeier gegen die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zum jüngsten G-7-Gipfel einzuladen.

Aber Zepp-LaRouche beschrieb auch optimistisch die BRICS und das von Chinas Präsidenten Xi Jinping und der Eurasischen Union vorangetriebene Projekt der Neuen Seidenstraße als Alternative zu diesen Gefahren. Das Schiller-Institut arbeite schon seit mehr als 25 Jahren am Aufbau dieser Alternative, seit es diese nach dem Fall der Berliner Mauer erstmals vorgeschlagen hatte: eine internationale Friedensordnung für das 21. Jahrhundert auf der Grundlage des Aufbaus von Infrastrukturkorridoren durch ganz Eurasien.

Rußland, China und Indien

Vertreter aus Rußland, China und Indien vermittelten den Konferenzteilnehmern eine greifbare Vorstellung einer „polyzentrischen“ Welt, dem Embryo der neuen, gerechteren Weltwirtschaftsordnung, die die BRICS fordern und die jetzt in atemberaubendem Tempo entsteht. Der iranische Botschafter in Frankreich, Seine Exzellenz Ali Ahani, übermittelte eine Botschaft, in der er andeutete, daß die Islamische Republik Iran „zu einer Kooperation mit den BRICS-Staaten willens und bereit ist und ihre Hilfe und Unterstützung bei der Lösung der regionalen und weltweiten Probleme anbietet“.

Seit April hat Rußland die turnusmäßige Präsidentschaft der BRICS inne, und Leonid Kadyschew, Botschaftsrat an der russischen Botschaft in Paris, beschrieb die Prioritäten, die die russische Präsidentschaft beim bevorstehenden Gipfeltreffen der BRICS am 9. und 10. Juli in Ufa verkünden wird.

Noch vor diesem Gipfel werden die Neue Entwicklungsbank (NDB) und das Notfall-Reserve-Arrangement (CRA), die beim BRICS-Gipfel 2014 im brasilianischen Fortaleza beschlossen wurden, auf den Weg gebracht sein, berichtete Kadyschew, der Ratifizierungsprozeß schreite sehr gut voran. Dann soll ein Fahrplan beschlossen werden, der konkrete Investitionen in Infrastrukturprojekte und eine neue Achse der Zusammenarbeit in Bereichen wie Bergbau, Energie und Kommunikation definiert.

Professor Shi Ze vom China Institute of International Studies (CIIS) beschrieb dann die Kombination von Zielen, die China mit der Neuen Seidenstraße verfolgt: Abbau des internen wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen den östlichen und den westlichen Regionen Chinas und Verbesserung des Außenhandels mit den westlichen Nachbarn (Zentralasien, Indien und Rußland), die zur Deckung von Chinas gewaltigem Energiebedarf für seine Entwicklung beitragen können. Aber wie Prof. Shi betonte, ist die Strategie „Ein Gürtel, eine Straße“ auch ein Beitrag Chinas zur Welt in der konfuzianischen Tradition, da die Entwicklung des eurasischen Kontinents eine „neue Wachstumslokomotive für die Welt“ schaffen und Frieden und Sicherheit weltweit fördern werde.

Dem folgte ein sehr wichtiger Beitrag des indischen Botschafters H.H.S. Viswanathan, Senior Fellow der Observer Research Foundation und Koordinator für alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit den BRICS. Er verurteilte den „völlig anachronistischen Charakter“ des Weltwährungsfonds (IWF), der Weltbank und des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen angesichts der Tatsache, daß die BRICS 25% des Weltwirtschaftsprodukts stellen, aber nur über 11% der Stimmrechte im IWF verfügen.

Daher hätten die BRICS, nachdem sie als Gruppe anfangs die vorhandene Weltordnung verbessern wollten, nun beschlossen, selbst die Agenda der aktuellen Weltordnung zu bestimmen. Die Gründung der NDB und des CRA bestätige das, da sie als die ersten globalen Institutionen seit 200 Jahren ohne Beteiligung des Westens gegründet wurden.

Der BRICS stehe eine glänzende Zukunft bevor, sagte Botschafter Viswanathan, erinnerte aber daran, daß die Gruppe „in Arbeit und kein Endprodukt“ sei.

Lösungen für die Schulden Griechenlands und Afrikas

Ein zentrales Thema der Konferenz war das Problem der Schulden und des Aufbaus einer produktiven Wirtschaft im Unterschied zu dem Finanzsystem, das die transatlantische Wirtschaft beherrscht. Die Frage ist, welche Form die Weltwirtschaft in der BRICS-Ära haben muß, um die Welt wirklich menschlich zu machen.

Jacques Cheminade, Präsident von Solidarité und Progrès, eröffnete den zweiten Tag der Konferenz, der sich der Frage „Staatskredit und Schuldenerlaß, die politische Herausforderung an Europa“ widmete. Er führte zahlreiche Beispiele für ein Weltfinanzsystem an, das „verrückt und kriminell geworden ist“: die Forderung der EU, daß Länder auch Prostitution und Glücksspiel in ihr Wirtschaftsprodukt mit einrechnen, die inzestuösen Beziehungen zwischen den Banken und dem „siebten Kontinent“ GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon), den Hochfrequenzhandel ohne juristische Überwachung, Schattenbanken „in alternativen Finanzmärkten und 800.000 Milliarden Dollar an Derivat-Forderungen“.

Wir müssen wieder eine Welt des realen Wachstums schaffen, sagte Cheminade. Es sei besser, auf dem Zug der BRICS mitzufahren, als zurückzubleiben oder, noch schlimmer, sie als Feinde zu behandeln, wie es die Oligarchen möchten. Unsere wahre Herausforderung sei es jedoch, „zum Impuls der BRICS einen Überschuß an Kraft und einen größeren Horizont hinzuzufügen“. Cheminade beschrieb in diesem Zusammenhang Lyndon LaRouches Maßstab für eine produktive Wirtschaft, für den der russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow einst die Einheit „La“ (für „LaRouche“) vorgeschlagen habe. Das bedeute, zu verstehen, daß der Mensch „kein geopolitisches Tier ist, das versucht, gegen andere Menschen Territorien zu erobern und sich Rohstoffe zu sichern“, sondern ein kreatives Wesen, das in der Lage ist, universelle Prinzipien zu entdecken und die Gesellschaft durch Anwendung höherer Technologien zum Besseren zu verändern.

Griechenland: ein stiller Putsch ist im Gang

Das krasse Gegenbeispiel zu dieser Sichtweise ist das brutale Verhalten der Oligarchie gegenüber Griechenland. Stelios Kouloglou, Europaabgeordneter der griechischen SYRIZA-Partei, berichtete in bewegenden Worten, wie die Troika – Weltwährungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und Europäische Union (EU) – die Frage der Schulden dazu nutzen will, die neugewählte griechische Regierung zu stürzen.

Die Lage sei vergleichbar mit der von Chile unter Allende, sagte Kouloglou. Bevor Pinochet mit seinen Panzern die Macht übernahm, hatte US-Präsident Nixon der CIA gesagt: „Sorgt für einen Aufschrei der Wirtschaft!“ Und die Banken stoppten alle Kredite an Chile. Heute würden Putsche nicht mehr mit Panzern, sondern mit Banken durchgeführt („not with tanks, but with banks“). Sobald SYRIZA an die Macht gekommen war, habe „Herr Draghi“ von der EZB „ohne die geringste Rechtfertigung die wichtigste Finanzierungsquelle der griechischen Banken gesperrt und sie durch die Notfall-Liquiditätshilfe (Emergency Liquidity Assistance, ELA) ersetzt, ein Kreditfenster, das viel teurer ist und wöchentlich erneuert werden muß. Wie ein Damoklesschwert hängt sie über den Köpfen der griechischen Führung.“

Kouloglou machte bei der Gelegenheit auch eine bitteren Bemerkung über Frankreich: „Von den Kräften im Stich gelassen, auf deren Unterstützung es gesetzt hatte, wie z.B. der französischen Regierung, kann Griechenland aus seiner unterlegenen Position heraus das große Problem des Landes, die unerträgliche Schuldenlast, nicht lösen. Der Vorschlag einer internationalen Konferenz wie der, die 1953 Deutschland von der Hauptlast seiner Schulden-Reparationen befreite, was den Weg für das Wirtschaftwunder freimachte, wurde in einem Meer von Drohungen und Ultimaten ertränkt.“ In diesem spannungsgeladenen Klima, sagte Kouloglou, sei Rußlands positive Antwort auf Griechenlands Wunsch, der BRICS-Bank beizutreten, „von der öffentlichen Meinung in Griechenland wirklich mit einem Stoßseufzer der Erleichterung und mit Optimismus“ aufgenommen worden.

Herr Kouloglou erhielt von den 450 Teilnehmern großen Applaus. „Wir werden Widerstand leisten“, schloß er seine Rede, dabei müsse man schnell handeln: „Gute Wünsche für die griechische Regierung reichen nicht mehr. Die Solidarität, die sie verdient, muß sich in Taten ausdrücken. Die Zeit läuft uns davon.“

Karel Vereycken ergänzte Kouloglous Ausführungen mit einer kurzen Darstellung der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 – bei der Deutschlands Schulden gegenüber den ausländischen Gläubigern stark reduziert und neu geordnet wurden – als ein Beispiel, wie man mit dem Schuldenproblem umgehen müßte.

Der EIR-Redakteur Dean Andromidas, der soeben Griechenland besucht hatte, berichtete über seine Eindrücke. Seine Schlußfolgerung lautete: Griechenland wehrt sich. Was es von uns braucht, sind nicht gute Ratschläge, sondern Unterstützung.

Der Mythos der Unabhängigkeit Afrikas

Diogène Senny, der Generalsekretär der Panafrikanischen Bewegung UMOJA, zeigte auf, wie Afrika durch eine „schlau eingefädelte Rückeroberungspolitik der neokolonialen Kräfte“ in Schulden gestürzt wurde. Diese Schulden seien – ähnlich wie die Schulden Griechenlands – als „illegal, illegitim und sittenwidrig“ zu betrachten.

Mehrere Phänomene hätten dazu beigetragen, die afrikanische Auslandsverschuldung aufzublähen: 1. private Schulden in Form überschüssiger Eurodollars und Petrodollars, die seit Anfang der 60er Jahre und nach dem Ölschock 1973 nach Afrika geflossen seien; 2. öffentliche Schulden in Verbindung mit „Entwicklungshilfe“, wo Hilfen anderer Staaten daran gebunden waren, daß Aufträge an Unternehmen aus diesen Staaten vergeben wurden; 3. multilaterale Schulden gegenüber IWF und Weltbank. Zwischen 1970 und 1980 wuchsen Afrikas Auslandsschulden auf 89 Mrd. Dollar.

Nach Angaben der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) erhielt Afrika zwischen 1970 und 2002 insgesamt 540 Mrd.$ an Krediten, 550 Mrd.$ wurden zurückbezahlt, dennoch liegen die Schulden heute immer noch bei 295 Mrd.$. Studien des Komitees für den Schuldenerlaß für die Dritte Welt (CADTM) zeigen, daß im Jahr 2012 aus Schwarzafrika 5% des BIP als Gewinne ausländischer Konzerne und für Schuldendienst herausflossen, aber nur 1% des BIP als Entwicklungshilfe hineinflossen.

„Wer hilft da wem?“ fragte Senny. Die Überprüfung und Streichung der Schulden, für die UMOJA kämpfe, seien „keine Bitte um Großzügigkeit der Gläubiger, sondern eine Entschädigung und ein Akt der Gerechtigkeit für Menschen, die verraten wurden“.

Der malthusianische Klimaschwindel

Ein Schwerpunkt der Konferenz war der Kampf gegen die menschen- und wissenschaftsfeindlichen Ziele der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Paris (COP21). COP21 ist ein massiver Vorstoß Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, über den Schwindel der angeblichen „menschengemachten Klimaerwärmung“ eine weltweite Entvölkerungspolitik durchzusetzen – was unmittelbar gegen die Entwicklungspolitik der BRICS-Staaten gerichtet ist. Im letzten Abschnitt der Konferenz sprachen mehrere Redner, die verschiedene Aspekte dieses Klimaschwindels widerlegten.

Schon in ihrer Eingangsrede hatte Helga Zepp-LaRouche das eigentliche Ziel dieser Politik angeprangert. Der jüngste G-7-Gipfel in Deutschland habe die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2030 beschlossen, berichtete sie. Das bedeute, daß man sich dann nur noch auf Wind- und Solarkraft stützen könne, weil ja auch die Kernkraft abgelehnt werde. In der Praxis bedeute dies, daß man das Programm des Herrn Schellnhuber – dem Umweltberater der Bundesregierung vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung – umsetzen will. „Und wenn man erkennt, daß es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Energieflußdichte im Produktionsprozeß und der Zahl der Menschen, die mit dieser Energieflußdichte versorgt werden können, dann muß man zu dem Schluß gelangen, daß die Zahl der Menschen, die damit erhalten werden können, bei etwa einer Milliarde Menschen liegt.“

Frau LaRouche wies auch auf das ominöse Treffen Präsident Obamas mit Sir David Attenborough unmittelbar vor dem G-7-Gipfel hin. Attenborough ist einer der Hauptberater der britischen Krone in Umwelt- und Energiefragen und bekannt dafür, daß er die Menschheit mit einer Krankheit vergleicht. Attenborough sei mit dem Optimum Population Trust/Population Matters verbunden, der fordere, die Zahl der Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts auf die Hälfte zu reduzieren – das wären 3,5 Milliarden!

Zepp-LaRouche stimmt vollkommen mit Jean Zieglers Charakterisierung überein, der das gegenwärtige System der Globalisierung als „kannibalistisch“ bezeichnet hat. Sie zitierte Friedrich Schillers Schrift Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon, in der Schiller Sparta als das oligarchische Modell darstellt und sagt, daß im oligarchischen Modell Heloten beseitigt werden können – man dürfe sie töten, wenn es zu viele von ihnen gibt.

Diese Haltung vertrete auch Bertrand Russell, der in seinem Buch The Impact of Science on Society (1952, dt.: Wissenschaft wandelt das Leben) in bester malthusianischer Tradition schreibe: „Während der Flitterwochen der Industrialisierung war dieses Verfahren mehr oder weniger richtig; wenn sich aber die Bevölkerungszunahme nicht mehr erheblich verlangsamen läßt, dann verliert dieser Einwand an Bedeutung… Der Krieg hat sich bisher, wie bemerkt, als enttäuschender Versager erwiesen, aber vielleicht ist der bakteriologische Krieg wirkungsvoller. Würde man in jeder Generation einmal den Schwarzen Tod über die Welt schicken, dann dürften die Überlebenden fröhlich weiterzeugen, ohne die Welt allzu eng zu machen… Es würden sich zwar etwas unangenehme Zustände entwickeln, aber was macht das schon? Die in Wahrheit hochherzigen Leute sind gegen das Glück immun, vor allem, wenn es das Glück anderer ist.“

Globale Erwärmung nicht nachgewiesen

Der vierte Konferenzabschnitt befaßte sich mit der Beziehung der Menschheit zur Natur und konkret dem Klima. Benjamin Deniston vom Wissenschaftsteam des LaRouche-Aktionskomitee in den Vereinigten Staaten zeigte die galaktischen Einflüsse auf den Wasserkreislauf der Erde auf und präsentierte Vorschläge, wie sich auf dieser Grundlage die Dürre in den Vereinigten Staaten durch Vermehrung und Steuerung der Niederschläge bekämpfen läßt.

Nach ihm sprachen François Gervais, Professor an der François-Rabelais-Universität und kritischer Berichterstatter des Weltklimarates (IPCC), und Professor Carl-Otto Weiss, Berater des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE) und früherer Direktor und Professor an der Physikaliasch-Technischen Bundesanstalt. Beide kamen zu dem gleichen Schluß, daß es derzeit keinen Erwärmungstrend im Weltklima gibt, sondern vielmehr eine schon seit 20 Jahren langsam voranschreitende Abkühlung, und daß die Temperaturen auf der Erde nicht das Resultat menschlicher Aktivitäten sind, sondern durch solare und terrestrische Zyklen bestimmt sind. „Bestätigt das reale Klima die virtuellen Klimamodell?“ fragte Prof. Gervais. Das sei eine ganz entscheidende Frage, nicht zuletzt, weil die Weltbank ein 89.000-Mrd.-$-Programm fordere, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken und die Temperaturerhöhung bis 2030 unter 2° zu halten! Tatsächlich gibt es aber gar keine Übereinstimmung zwischen der Temperaturentwicklung und dem Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre.

In seinem Schlußwort kommentierte Jacques Cheminade diese letzten Vorträge: Um die Menschen zu beherrschen, verbreite die Oligarchie die Vorstellung, daß der Mensch für die Natur gefährlich und die Zeit etwas Absolutes sei, daß alle Gattungen erhalten werden müssen und daß die Ressourcen knapp seien. Aber wenn man ins Museum gehe, könne man sehen, wie sich alles im Lauf hunderttausender Jahre veränderte. „Die Idee einer Welt, die sich nicht ändert, ist eine vollkommen infantile Vorstellung, die uns manipulierbar macht… Einstein hat gezeigt, daß die Zeit relativ ist. Das einzig Beständige ist der Wandel, sagt Heraklit, ähnlich wie die Veden.“ Veränderung sei aber etwas Positives, sie gebe uns eine Zukunft. Mit einer derartigen Unterschätzung der Natur werde die Reduzierung der Bevölkerung gerechtfertigt. „Wenn wir uns einer Politik unterwerfen, so zu bleiben, wie wir sind, dann führt dies zum Kollaps der Kultur.“

Helga Zepp-LaRouche erinnerte in ihrem Schlußwort, mit dem die Konferenz endete, an ihren jahrzehntelangen Kampf gegen den Malthusianismus. Schon bei der Bevölkerungskonferenz 1974 habe sie den Plan für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage des Friedens durch Entwicklung präsentiert. „David Rockefeller präsentierte seinen Plan der angepaßten Technologien, was damals eine neue Politik war… Ich sagte damals David Rockefeller: ,Sie sind hundertmal schlimmer als Hitler.’“ Nun versuche Schellnhuber, die katholische Kirche für die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft zu gewinnen. „Das bedeutet, daß die Tragfähigkeit der Erde auf nur noch eine Milliarde Menschen reduziert würde.“

Trotzdem sei sie optimistisch: „Ich denke, wir sind die einzige Organisation, die die Menschheit tausend Jahre oder sogar eine Milliarde Jahre in die Zukunft führen kann… Wir müssen das Leben so organisieren, daß die Menschheit eine Zukunft hat.“


Zepp-LaRouche stellt chinesische Weltlandbrücken-Studie vor

Die chinesische Ausgabe der EIR-Studie The New Silk Road Becomes The World Land-Bridge („Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“) wurde am 29. September von der Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, bei einem Symposium in Beijing, das vom Chongyang Institute for Financial Studies der Renmin-Universität veranstaltet wurde, offiziell vorgestellt. Das Chongyang-Institut ist auch Mitherausgeber der chinesischen Ausgabe der Studie.

Das Chongyang-Institut wurde vor einigen Jahren von Absolventen der Renmin-Universität gegründet und betrachtet sich als eine Denkfabrik jener neuen Art, wie sie Präsident Xi Jinping kürzlich gefordert hat, der damit sicherstellen will, daß er die besten Analysen über die gegenwärtige Weltlage und wichtige politische Empfehlungen erhält, während China und die Welt in eine neue Ära der internationalen Beziehungen eintreten. Wang Wen, der Dekan des Chongyang-Instituts, und Fu Jianming, der Vizepräsident der Phoenix Publishing & Media Group, die die chinesische Ausgabe des Berichtes verlegt hat, eröffneten die Veranstaltung, an der etwa 70 Gäste teilnahmen, darunter mindestens 15 Journalisten.

Die Entstehung eines neuen Paradigmas

Zepp-LaRouche erläuterte ihre eigene Rolle bei der Entstehung der Idee, die heute in China unter dem Begriff „Ein Gürtel, eine Straße“ bekannt ist. Sie berichtete, wie sie und ihr Ehemann, der Ökonom und Staatsmann Lyndon LaRouche, nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion die Serie von Entwicklungsprogrammen, an denen sie bereits seit Jahrzehnten gearbeitet hatten, zu einem Programm erweiterten, das den gesamten eurasischen Kontinent miteinander verbinden würde.

Dies sollte geschehen durch ein System von Hochgeschwindigkeitsbahnen, die die landeingeschlossenen und gerade erst unabhängig gewordenen Nationen Zentralasiens sowie die unterbevölkerten und unterentwickelten Regionen Zentralrußlands in den internationalen Handel einbinden würden. Auf diese Weise entstünde ein Landkorridor für den Handel und wirtschaftliche Entwicklung zwischen Europa und Asien. Diesen Korridor bezeichneten die LaRouches damals als die „Eurasische Landbrücke“.

Diskussionen mit Vertretern der chinesischen Regierung Anfang der 1990er Jahre führten schließlich zu einer Konferenz in Beijing, die 1996 vom chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie veranstaltet wurde, berichtete Frau Zepp-LaRouche. An dieser Konferenz nahmen führende Experten aus China und 34 weiteren Ländern teil. Auch sie selbst habe damals einen Vortrag über die Umsetzung dieses Projektes gehalten. Die asiatische Finanzkrise 1997 und die Rubelkrise 1998 hätten aber damals weitere Schritte zur Verwirklichung verhindert. Erst im September 2013 habe Chinas Präsident Xi Jinping die Idee in seiner berühmten Rede an der Nasarbajew-Universität in Kasachstan wieder aufgegriffen, in der er die Schaffung eines Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße forderte, um Europa und Asien zu einen.

Das Konzept der Neuen Seidenstraße weise in die Richtung eines neuen Paradigmas für die Menschheit, erklärte Frau Zepp-LaRouche ihren Hörern, und führe weg von der Geopolitik, die im vergangenen Jahrhundert bereits zwei Weltkriege herbeigeführt habe. Diese müsse ersetzt werden durch die Idee der gemeinsamen Ziele der Menschheit, was sich in Xi Jinpings „Win-win-Politik“ widerspiegele. Auch wenn heute der Ausdruck „Ein Gürtel, eine Straße“ die gängige Bezeichnung des chinesischen Projektes sei, hob Frau LaRouche die Bedeutung des Vorbildes der Seidenstraße hervor: „Wir sollten bei dem Ausdruck Neue Seidenstraße bleiben“, sagte sie, da er diese kulturelle Vision der Kooperation ausdrücke, die sich in der alten Seidenstraße manifestierte.

Sie ging dann auf die Krise im Nahen Osten und den massiven Strom von Flüchtlingen aus den vom Krieg zerstörten Ländern nach Europa ein, der durch die US-Politik unter Bush und Obama erzeugt wurde. Erst in jüngster Zeit hätten viele europäische Nationen erkannt, daß die Politik geändert werden muß und die Ursachen der Flüchtlingskrise beseitigt werden müssen. Es reiche nicht aus, die islamistischen Extremisten militärisch zu bekämpfen, man müsse auch einen wirklichen wirtschaftlichen Wiederaufbau in der Region in Gang bringen, die jetzt vollkommen zerstört sei vom Krieg, um den jungen Menschen, die jetzt zum gewalttätigen Dschihad verleitet werden, eine Zukunft zu bieten.

„Wir können die Seidenstraße in den Nahen Osten verlängern“, sagte sie, „und Zentren der Entwicklung schaffen. Wir können die Wüsten zum Blühen bringen und neue Städte bauen. Die Neue Seidenstraße kann eine Friedensordnung für das 20. Jahrhundert werden. Wenn uns das gelingt, dann wird dies ein neues Zeitalter der Zivilisation einleiten – und wenn es scheitert, werden wir in ein neues finsteres Zeitalter eintreten.“

40 katastrophale Jahre rückgängig machen

Der Leiter des EIR-Büros in Washington, Bill Jones, beschrieb dann die erstaunlichen Chancen, die sich der Welt – einschließlich den Vereinigten Staaten – durch die Umsetzung des Projekts der Neuen Seidenstraße eröffnen. Er erinnerte daran, daß Lyndon LaRouche schon 1975 die Gründung einer Internationalen Entwicklungsbank gefordert hatte, um Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt zu finanzieren, und daß der damalige Außenminister Guyanas, Fred Wills, gemeinsam mit LaRouche 1976 einen Aufruf an die UN-Vollversammlung veröffentlicht hatte, in dem sie eine Neue Gerechte Weltwirtschaftsordnung und ein Schuldenmoratorium für die Entwicklungsländer forderten.

„Aber es gab weder eine neue Weltwirtschaftsordnung noch ein Schuldenmoratorium“, sagte Jones. Statt dessen sei die Welt in eine Phase der inflationären Expansion des Weltfinanzsystems eingetreten, das nun einen Umfang von mehr als zwei Billiarden Dollar an – unbezahlbaren – Schulden akkumuliert habe. „Präsident Xis Initiative einer Seidenstraße zu Land und zur See bietet nun die Möglichkeit, diesen gefährlichen Trend umzukehren.“

Jones fuhr fort: „ Die Welt steht erstaunt vor Chinas Entwicklung der letzten Jahrzehnte, und nun bietet China der übrigen Welt eine vergleichbare Entwicklung an.“

Jones wies auch darauf hin, daß die US-Administration zwar keineswegs begeistert sei über dieses Projekt, es aber doch ein wachsendes Verständnis in den Vereinigten Staaten gebe, insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten und der Kommunen sowie in industriellen Kreisen, die schwer unter der Wirkung der Finanzkrise leiden, daß das, was China tut und der übrigen Welt anbietet, einen Hoffnungsstrahl in einer ansonsten verheerenden wirtschaftlichen Lage biete.

Anerkennung der Experten

Auf diese beiden Vorträge folgten Bemerkungen von acht führenden chinesischen Gelehrten, die den Bericht studiert hatten. Sie waren absolut begeistert. Prof. Bao Shixiu, ein ehemaliger Professor für Militärstrategie an der Akademie der Militärwissenschaften der Volksbefreiungsarmee, sagte, es sei die Aufgabe des Tages, die Länder der Region durch die Initiative der Neuen Seidenstraße zu einem Prozeß der regionalen Entwicklung zusammenzuführen. „Das hängt auch mit der Idee der verantwortungsbewußten Regierungsführung [good governance] zu tun“, sagte Prof. Bao, „und wir alle haben ein gutes Gefühl bei diesem Konzept. Wir werden dadurch eine gute Nachbarschaft herstellen und anfangen, eine gemeinsame eurasische Bestimmung aufzubauen.“ Das sei auch schon die Idee gewesen, die dem Vorschlag der Eurasischen Landbrücke zugrunde lag, die das Schiller-Institut in den 1990er Jahren vorgeschlagen hatte, sagte er.

Ding Yifan, der frühere stellv. Direktor des Instituts für Weltentwicklung des Staatsrats der Volksrepublik China hob die Bedeutung der wirtschaftlichen Konzepte LaRouches hervor, die der Studie zugrunde liegen. „Ich kenne das Schiller-Institut nun schon seit vielen Jahren und habe sehr viel von den Ideen gelernt. Das Institut vertritt spezielle Ideen zur Wirtschaft, welche die physikalische Ökonomie betonen. Um die Gesetze einer gesunden Wirtschaft darzustellen, hat Lyndon LaRouche den Begriff der Negentropie entwickelt“, sagte Ding Yifan.

„Helga Zepp-LaRouche hat das Konzept der Eurasischen Landbrücke als Kriegsvermeidungskonzept vorgeschlagen“, fügte Ding hinzu. „Das neue Konzept ,ein Gürtel, eine Straße’ hat in der ganzen Welt große Aufmerksamkeit gefunden… Wir dürfen nicht zulassen, daß alles vom Kapital bestimmt wird, wir müssen das Kapital kontrollieren.“

Shi Ze vom Chinesischen Institut für Internationale Studien erklärte, wie die Probleme der heutigen Welt vom geopolitischen Denken hervorgerufen werden. „Die Geopolitik hat uns in die gefährliche Lage geführt, in der wir uns heute befinden. Das Ziel dieses Berichtes ist es, ein Konzept zu entwickeln, das an die Stelle der Geopolitik treten kann. Und ich habe ein solches Konzept in diesem Buch gefunden“, sagte Shi. „Andererseits haben wir den wirtschaftlichen Aspekt dieses Berichtes, der die Schaffung von Infrastruktur betont. Wir müssen den Infrastrukturbedarf der anderen Länder betrachten“, sagte er. „Ich bin zuversichtlich in Bezug auf die Entwicklung der Landbrücke, und ich glaube, daß Frau LaRouche in ihren Ideen große Fortschritte gemacht hat.“

Tao Qingmei von der Beijing Long Way Foundation wies darauf hin, daß der Bericht auch die Frage einer neuen Ordnung und neuer Beziehungen zwischen den Nationen anspricht. „Dieses Buch reflektiert die Ansichten amerikanischer Experten, die ich wirklich respektiere. Wir sollten über eine Welt auf der Basis der neuen Beziehung zwischen den Nationen nachdenken.“

Wang Xiangsui, der Direktor des Zentrums für Strategische Studien der Beijinger Universität für Luft- und Raumfahrt bezeichnete die Studie als „einen Weg in die Zukunft“ und sagte: „Wir müssen heute von einer regionalen Perspektive ausgehen, die Wirtschaft, Politik und Kultur umfaßt. China lernt von den anderen Ländern. Und dieses Buch ist in dieser Hinsicht sehr wichtig.“

Zhang Jianping, der Direktor der Abteilung für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, unterstrich den Aspekt der Zusammenarbeit in der Seidenstraßen-Initiative und ihre Offenheit für alle Länder. Auch wenn es von amerikanischer Seite Skeptizismus in Bezug auf das Seidenstraßenprojekt gebe, sehe er eine gewisse Änderung in der amerikanischen Haltung gegenüber der AIIB. Europa hingegen sei absolut enthusiastisch über das Projekt. Nach Zhangs Einschätzung ist der EIR-Bericht, der, wie er hervorhob, das Ergebnis von 20 Jahren Arbeit ist, ein wichtiges Element bei der Förderung der Idee der Neuen Seidenstraße in den Vereinigten Staaten.

Zhao Changhui von der China Export-Import Bank lobte den Verlag dafür, daß er die Studie veröffentlicht hat. Das Projekt der Seidenstraße sei eine „Jahrtausend-Initiative… Wenn wir den Bericht lesen, müssen wir uns fragen, was wir dazu beitragen können. Er veranlaßt uns, über unsere eigenen Pflichten nachzudenken.“ Die Gelehrten müßten eine langfristige Sicht entwickeln, wie sie in diesem Bericht enthalten sei.

Lui Ying, der Direktor der Abteilung für Kooperative Forschung des Chongyang-Instituts, wies darauf hin, daß der Bericht aus einer globalen Perspektive verfaßt wurde – einer modernen globalen Perspektive, zu der auch eine Weltraumperspektive gehöre. „Bei diesem Bericht geht es mehr darum, die Zukunft vorherzusagen, als bloß die Vergangenheit zu erklären“, sagte Liu.

Alle Teilnehmer der Veranstaltung erhielten ein Exemplar der Studie. Das Chongyang-Institut hat bereits tausend Exemplare für Mitarbeiter und zum Verbreiten in Wissenschaftskreisen in ganz China erworben.

Es gab zahlreiche und ausführliche Berichte in der Wirtschaftspresse über die Konferenz, in denen hervorgehoben wurde, daß dies die erste Analyse des chinesischen Projektes durch „amerikanische Gelehrte“ sei. Allgemein anerkannt wurde in diesen chinesischen Berichten die Rolle von Helga Zepp-LaRouche und des Schiller-Instituts als wesentliche Initiatoren des Projekts in den 1990er Jahren.

Die Teilnahme von acht hochrangigen chinesischen Gelehrten an der Konferenz sowie die Förderung durch das Chongyang-Institut für Finanzstudien unterstreichen die Tatsache, daß die EIR-Studie in China nun allgemein anerkannt ist als eine maßgebliche Quelle für chinesische Gelehrte bei der Arbeit am Projekt „Ein Gürtel, eine Straße“. Die Wirtschaftkonzepte, für die sich Lyndon LaRouche seit inzwischen mehr als 50 Jahren eingesetzt hat, gehören nun zum „Handwerkszeug“ der intellektuellen Kreise dieses bevölkerungsreichsten Landes der Welt.

William Jones


Deutschlands entscheidende Rolle für die Neue Seidenstraße

von Helga Zepp-LaRouche

Die Neue Seidenstraße ist nicht nur eine sehr wichtige wirtschaftliche Initiative. Als Win-Win-Perspektive ist sie auch als eine Antwort auf die zwei größten gegenwärtigen Gefahren zu verstehen: Die Gefahr eines Finanzkollapses des transatlantischen Sektors und die Gefahr eines globalen Krieges. Wenn die Troika weiter darauf besteht, daß Griechenland die Schulden in voller Höhe zahlt – Schulden in Höhe von 360 Mrd. Dollar, die Griechenland nie und nimmer zahlen kann – dann wird diese harte Linie die Derivatblase des europäischen und amerikanischen Bankensystems zum Platzen bringen. Vor zwei Tagen hat die Schulden-Wahrheits-Kommission des griechischen Parlaments festgestellt, daß die Schulden Griechenlands illegitim, sittenwidrig und unbezahlbar sind.

Der unkontrollierte Kollaps der Schulden kann verhindert werden, wenn es zu einer Schuldenneuverhandlung in der Tradition des Londoner Schuldenabkommens von 1953 über die damaligen deutschen Schulden käme, das die Voraussetzung für das deutsche Wirtschaftswunder schuf, und wenn eine Kreditpolitik in Gang gesetzt würde in der Tradition der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg spielte. Das bedeutet, man muß zur Tradition des Industriebankings eines Hermann Abs oder Alfred Herrhausens zurückkehren, die wiederum in der Tradition des Begründers des Amerikanischen Systems der Ökonomie, Alexander Hamilton, stehen.

Der deutschen Wirtschaft kommt in der gegenwärtigen Lage eine Schlüsselstellung zu, da es viele Leute gibt – in der Industrie, in Bundeswehrkreisen und zwei ehemalige Bundeskanzler, Schmidt und Schröder, sowie Außenminister Steinmeier -, die inzwischen begreifen, daß die G7 in ein geopolitisches Werkzeug der Konfrontation mit Rußland verwandelt worden ist. Und viele von ihnen sehen, daß Deutschland genau wie Rußland Ziel dieser geopolitischen Konfrontation ist. Denn die deutsche Industrie hat einen Rückgang der Exporte nach Rußland um 28 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres zu verzeichnen. Und trotz der Schwächung der deutschen Volkswirtschaft durch den Ausstieg aus der Atomkraft vor vier Jahren stellt Deutschland immer noch die Zugmaschine innerhalb Europas dar. Wenn jetzt Deutschland die Sanktionen beenden würde, indem man zugibt, daß der Grund für die Krise nicht bei Rußland, sondern im Drängen der EU zu einem Assoziierungsabkommens (mit der Ukraine) liegt, dann kann diese Krise beendet werden.

Das kommende Gipfeltreffen des Europäischen Fonds für strategische Investitionen am 29. Juni, an dem auch [Chinas Premierminister] Li Keqiang teilnehmen wird, könnte einen Ausweg weisen, in dem man die Ko-Finanzierung einer Verlängerung der Neuen Seidenstraße nach Südeuropa übernimmt. Bereits 2012 hat das Schiller-Institut ein umfassendes Programm für große Infrastrukturprojekte im Mittelmeerraum veröffentlicht, als eine Verlängerung der Neuen Seidenstraße in alle südeuropäischen Länder. Es basierte im Wesentlichen auf den zehn Infrastrukturkorridoren, die von der EU bereits 1994 in Kreta beschlossen, aber auf Grund der Austeritätspolitik nie realisiert worden waren. Das war auch Thema großer Konferenzen in Bukarest und Belgrad 2013 und 2014, an denen auch Premierminister Li Keqiang teilnahm. Wenn dieses Programm umgesetzt wird, könnte Griechenland die Brücke von Europa zu den BRICS-Nationen werden, die sich auf die Fundamente der griechisch-chinesischen Zusammenarbeit in der Antike zur Zeiten der historischen Seidenstraße und die Verbindung dieser beiden großen Kulturen gründet.

Qualität und Dichte der Infrastruktur sind die Voraussetzung für die Produktivität einer Volkswirtschaft. Eine moderne Volkswirtschaft sollte 50 Prozent ihrer Ausgaben in die Infrastruktur investieren. Wir sprechen hier nicht über bloße Verbindungen zwischen zwei Orten A und B, sondern von Korridoren, die Hochgeschwindigkeitsbahnen, Wasserwege, Autobahnen, Energieerzeugung und Verteilung sowie Kommunikationsnetze beinhalten, weil das alles zusammen die Bedingungen schafft, unter denen die Entwicklung industrieller und landwirtschaftlicher Produktion stattfindet.

Ziel dieser Korridore ist die Erhöhung der Produktivität der Bevölkerung. Die Verbindung der verschiedenen Anfangspunkte der Neuen Seidenstraße in Yiwu, in Lianyungang oder auch anderen Städten nach Duisburg ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, daß Geschwindigkeit und Effizienz des Transports um so wichtiger werden, je höher Entwicklungsgrad und Produktivität einer Volkswirtschaft sind. Dann arbeiten Fertig- und Halbfertigprodukte wie in einer komplexen Maschine zusammen, in der jedes Teil als Teil eines harmonischen Ganzen funktioniert. Die Dichte der Infrastruktur im Ruhrgebiet, in Baden Württemberg oder dem Rhein-Main-Gebiet könnte als Vorbild für die Balkanregion, Süditalien oder die ägäische Halbinsel dienen.

Um die Welt mit Xi Jinpings Win-Win-Seidenstraßen-Strategie aus der geostrategischen Konfrontation herauszuführen, ist die Einbindung der deutschen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Da Deutschland in der Staatengemeinschaft, gemessen an allen eingereichten Patenten, den vierten Platz einnimmt – und das mit nur 80 Mio. Einwohnern -, ist es die mittelständische Industrie, gerade aus dem höchst innovativen Maschinenbausektor, die die Welt aus der gegenwärtigen Krise befreien kann. Das Schiller-Institut hat eine 370seitige Studie mit dem Titel. „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“ produziert, die einen entscheidenden Entwurf darstellt, wie in den nächsten zehn Jahren die Unterentwicklung großer Gebiete der Erde überwunden werden kann. Dies sind die Korridore, die die Welt verbinden werden – von der südlichsten Region Chiles, quer durch die Amerikas über die Beringstraße und dann weiter bis zur Südspitze Afrikas.

Das bedeutet Zusammenarbeit in Industrien hoher Energieflußdichte wie Biophysik oder Weltraumforschung. Dieses Projekt gewährt unbegrenzte Möglichkeiten der Win-Win-Zusammenarbeit der ganzen Welt. Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb schon vor 300 Jahren:

“Durch einzigartige Entscheidung des Schicksals, wie ich glaube, ist es dahin gekommen, daß die höchste Kultur und die höchste technische Zivilisation der Menschheit heute gleichsam gesammelt sind an zwei äußersten Enden unseres Kontinents, in Europa und China, das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert. Vielleicht verfolgt die höchste Vorsehung dabei das Ziel – während die zivilisierten und gleichzeitig am weitesten voneinander entfernten Völker sich die Arme entgegenstrecken – alles, was sich dazwischen befindet, allmählich zu einem vernunftgemäßen Leben zu führen.“

Diese Vision gilt heute für die ganze Welt. Zusammen können wir eine neue Ära in der Menschheitsgeschichte beginnen, in der die menschliche Spezies ein für alle Mal die Geopolitik überwinden und zu ihrer wahren Natur als einzig kreative Gattung in dem uns bekannten Universum finden kann.


Zepp-LaRouche spricht bei Seidenstraßenkonferenz in Yiwu/China

Beim „Internationalen Forum der Städte des Wirtschaftsgürtels der Neuen Seidenstraße“, das vom 18.-19. Juni in Yiwu in der chinesischen Provinz Zhejiang stattfand, sprach Helga Zepp-LaRouche vor mehreren hundert chinesischen und internationalen Gästen über die strategische Weltlage. Das Forum wurde vom Chongyang-Institut für finanzpolitische Studien an der Renmin Universität, dem zur Tageszeitung Global Timesgehörenden Webportal Huanqiu.com und der Stadtverwaltung von Yiwu organisiert. Führende chinesische Akademiker, ein Vertreter des Auswärtigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, mehrere ehemalige Staatsoberhäupter und zahlreiche Diplomaten aus aller Welt besuchten die Konferenz.

Zepp-LaRouche war eingeladen, in einer der Diskussionsrunden ihre Einschätzung der Reaktionen europäischer Länder auf das Projekt der Neuen Seidenstraße – „Ein Gürtel, eine Straße“ – abzugeben. Bei ihrer Vorstellung betonten die Gastgeber, sie habe als erste die Idee der Neuen Seidenstraße nach Europa gebracht. Zepp-LaRouche warnte vor der Gefahr eines allgemeinen Finanzkollapses, falls die Troika eine Staatspleite und einen Ausschluß Griechenlands aus der EU erzwingen sollte, dazu kämen noch die Folgen der Rußland-Sanktionen. Bei der Lösung müsse Deutschland auf jeden Fall eine maßgebliche Rolle spielen.

Zepp-LaRouche schlug vor, beim bevorstehenden europäisch-chinesischen Gipfeltreffen des Europäischen Strategischen Investitionsfonds, bei dem auch Chinas Premierminister Li Keqiang sprechen wird, die gemeinsame Finanzierung der Neuen Seidenstraße zu beschließen. Sie unterstrich das Konzept der Infrastrukturkorridore beim Aufbau eines neuen Verkehrswegenetzes, um die Produktivität und den Lebensstandard der Völker entlang der Neuen Seidenstraße anzuheben. Das Ruhrgebiet und die Hightech-Industriezentren in Baden-Württemberg und der Rhein-Main-Region seien Beispiele dafür, was entlang der Seidenstraßen-Route entwickelt werden könnte.

Zepp-LaRouche schloß ihre Rede mit einem Zitat aus Gottfried Wilhelm Leibniz’ China-Schrift Novissima Sinica: Die beiden Enden des eurasischen Kontinents sollten einander die Hände reichen, damit alle dazwischen liegenden Länder und Regionen eine höhere Ebene erreichen können.

Es gab begeisterte Reaktionen, sowohl von den anderen Rednern der Sitzung aus Kasachstan, Spanien, Polen, der Ukraine und China, als auch vom Publikum. In der Diskussion kam auch die Notwendigkeit einer neuen Finanzarchitektur zur Sprache, und Zepp-LaRouche unterstrich die Bedeutung der neuen Finanzierungsprinzipien der Asiatischen Infrastruktur-Entwicklungsbank (AIIB) und der Neuen Entwicklungsbank (NEB/NDB) der BRICS.

Am ersten Konferenztag sprach William Jones von EIR aus Washington darüber, daß die USA nach einer Entmachtung Obamas eine positive Zusammenarbeit mit China beginnen müssten. Zepp-LaRouche und Jones wurden vom lokalen Fernsehsender in Yiwu interviewt, und der landesweite Sender CCTV, mit 100 Mio. Zuschauern, übernahm Ausschnitte daraus.

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Die Krise, die Neue Seidenstraße und Indiens Rolle

Beim Raisina-Dialog in Neu-Delhi, einer Konferenz mit 600 Teilnehmern aus rund 40 Ländern, die gemeinsam vom indischen Außenministerium und der Observer Research Foundation in Neu-Delhi veranstaltet wurde, hielt die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche am 2. März den folgenden Vortrag.

von Helga Zepp-LaRouche

Vielen Dank. Ich möchte den Organisatoren dieses ausgezeichneten Forums danken, daß sie mir Gelegenheit geben, hier zu sprechen. Denn ich denke, die meisten Menschen wissen, daß die Menschheit sich heute in einer ihrer schwersten Krisen befindet, vielleicht sogar in der wichtigsten Krise unserer gesamten Geschichte. Viele Analysten beschreiben die strategische Lage als gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der Kubakrise. Das transatlantische Finanzsystem steuert auf eine neue Krise zu, schlimmer als 2008, und die Flüchtlingskrise in Europa ist nicht nur eine wirklich schreckliche humanitäre Krise, sondern sie droht auch die EU zu sprengen.

So stellt sich die Frage: Sind wir als menschliche Zivilisation in der Lage, die falsche Politik, die uns in diese Krise hineingeführt hat, zu korrigieren, oder sind wir dazu verurteilt, die Fehler zu wiederholen, die aufgrund der Geopolitik zu zwei Weltkriegen im 20. Jahrhundert geführt haben?

Aber zum Glück erleben wir auch, daß sich ein vollkommen neues Paradigma herausbildet. Unter der Führung der BRICS-Länder entwickelt sich ein völlig neues Geflecht von Beziehungen zwischen den Staaten, auf der Grundlage gemeinsamer Interessen, wirtschaftlicher Kooperation und der Zusammenarbeit in Hochtechnologie-Bereichen wie der Kernfusion, der Erforschung des Weltraums und damit einem besseren Verständnis der physikalischen Prinzipien unseres Universums.

Das chinesische Programm der Neuen Seidenstraße – „Ein Gürtel, eine Straße“ – ist ein Angebot, in allen Ländern, die bei dieser Win-Win-Perspektive kooperieren wollen, das chinesische Wirtschaftswunder zu wiederholen. Schon jetzt beteiligen sich 65 Staaten an diesem neuen Modell der Zusammenarbeit, und es ist dabei, die Geopolitik und damit die Ursache des Krieges zu überwinden – vielleicht für immer.

Die neue Vereinbarung zwischen US-Außenminister Kerry und dem russischen Außenminister Lawrow über eine Waffenruhe in Syrien kann eine entscheidende Wende in der gesamten strategischen Weltlage sein, vorausgesetzt, daß insbesondere China, Rußland und Indien sofort mit den Ländern Südwestasiens zusammenarbeiten, um ein umfassendes Aufbauprogramm umzusetzen – nicht nur für die vom Krieg zerstörten Länder Syrien, Irak und Afghanistan, sondern für die gesamte Region von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien. Mit Präsident Xis Reise in die Region – in den Iran, nach Ägypten und Saudi-Arabien – ist nun die Verlängerung der Seidenstraße auf dem Tisch.

Das Schiller-Institut veröffentlichte eine 370 Seiten lange Studie mit dem Titel „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“ (in englischer Sprache, eine deutsche Kurzfassung erschien unter dem Titel Die BRICS-Staaten: Wirtschaftsaufbau statt Selbstzerstörung), die auch schon auf Chinesisch, Arabisch und demnächst auf Koreanisch verfügbar ist. Es handelt sich um einen Plan für einen umfassenden Aufbau der gesamten Weltwirtschaft. Die Studie enthält einen ganz konkreten Plan für Südwestasien. Diese Region zwischen Asien, Europa und Afrika hat also ein gewaltiges Entwicklungspotential mit großen menschlichen und natürlichen Ressourcen, und sie hat eine einzigartige Lage.

Der Plan der „Fünf Meere“, den Präsident Assad 2004 ankündigte, kann auch heute noch als Referenzpunkt dienen für ein Infrastrukturnetz zwischen dem Mittelmeer, dem Indischen Ozean, dem Roten Meer, dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer, das die Region in einen blühenden Umschlagsplatz für den stark ansteigenden Handel zwischen Asien, Europa und Afrika machen kann.

Zwei große Entwicklungskorridore – ein Ost-West- und ein Nord-Süd-Korridor – werden nicht nur Hochgeschwindigkeitsbahnen, Autobahnen, Pipelines, Wasserprojekte, Industrien und Landwirtschaft umfassen; mit modernen Technologien wie Kernkraft zur Entsalzung großer Mengen von Meerwasser und Ionisierung der Atmosphäre können wir die Wüsten begrünen und große Teile der Wüste für die Landwirtschaft und die Besiedelung durch den Menschen erschließen.

Mehr als Eisenbahnverbindungen

Die Neue Seidenstraße, die sich bereits von Chongqing und Yiwu bis Teheran erstreckt, wo vor drei Wochen der erste Zug der Seidenstraße eintraf, kann von dort über Bagdad, Amman und Akaba und durch einen Tunnel nach Scharm-el-Scheich im Süden des Sinai nach Kairo verlängert werden. Die Route überquert den Euphrat, wo die alten Handelsrouten in moderne Korridore verwandelt werden können, vom Hafen Basra am Persischen Golf im Irak in nordwestlicher Richtung nach Aleppo. Die bestehenden Eisenbahnen entlang des Euphrat im Irak und von Aleppo nach Deir ez-Zor am Euphrat in Syrien sollten modernisiert werden, und von dort sollte eine neue Strecke nach Bagdad gebaut werden, die an die Hauptarterie der Seidenstraße anschließt.

Auch dieser Korridor sollte nicht bloß aus einer Eisenbahnstrecke bestehen, sondern Einrichtungen für Verkehr, Energieerzeugung und -verteilung sowie Kommunikation miteinander verbinden und so die Voraussetzungen für den Aufbau von Industrien und neuen Städten schaffen.

Ein Landweg bis Zahedan an der iranisch-pakistanischen Grenze, der Indien mit dem iranischen Eisenbahnnetz verbindet, wird demnächst fertiggestellt werden. Weitere Strecken sind (aus Zeitgründen nur ganz kurz):

  • von Deir ez-Zor nach Todmor-Palmyra, Damaskus und Beirut,
  • eine Nord-Süd-Verbindung von Syrien zu den Industriezonen am Suezkanal,
  • eine Nord-Süd-Eisenbahn von Damaskus nach Mekka und Medina,
  • ein Tunnel unter der Bab-el-Mandeb-Straße von Dschibuti zur Arabischen Halbinsel,
  • sowie Verbindungen nach Europa, zum Schwarzen Meer und nach Rußland.

Indien hat sehr gute Beziehungen zu praktisch allen Ländern der Region und wurde bereits von Rußland und China gebeten, eine Vermittlerrolle bei solchen Entwicklungsprojekten zu spielen. Wie Premierminister Modi sagte, sind 65% der indischen Bevölkerung jünger als 35 Jahre, und dies ist der größte Reichtum des Landes. Diese jungen Menschen brauchen nicht nur eine Vision, die dabei hilft, die Produktivität der indischen Landwirtschaft durch den Einsatz von Elektrizität, Wasser, Düngemitteln, hochwertigem Saatgut usw. zu steigern, damit die Zahl der in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen halbiert und mehr Land landwirtschaftlich genutzt werden kann. Aber man kann Indiens Jugend auch dafür begeistern, die Beteiligung an der wirtschaftlichen Transformation Südwestasiens und Afrikas als Aufgabe anzunehmen und auf diese Weise eine Zukunft für die gesamte Menschheit zu schaffen.

Eine solche Entwicklungsperspektive zu verwirklichen, ist der einzige Weg, die Flüchtlingskrise zu beenden, die Volkswirtschaften Europas und der Vereinigten Staaten wiederzubeleben und ganz Asien zu entwickeln.


Helga Zepp-LaRouche spricht beim Raisina-Dialog in Neu-Delhi

(*Präsentation auf Englisch)

Eine Konferenz in Neu-Delhi befaßte sich mit den physischen, wirtschaftlichen, menschlichen und digitalen Verbindungen in Asien und den Herausforderungen dieses Jahrhunderts

Das indische Außenministerium hat vom 1.-3. März 2016 in Neu-Delhi gemeinsam mit der Observer Research Foundation (ORF) erstmals den Raisina-Dialog veranstaltet. Im Mittelpunkt der Konferenz mit mehr als 600 Gästen aus mehr als hundert Ländern stand die Notwendigkeit internationaler Partnerschaften zur wirksamen Bewältigung der Herausforderungen dieses Jahrhunderts.

Unter den Rednern waren Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft, darunter Minister verschiedener Regierungen, andere hochrangige Regierungsvertreter und Politiker sowie führende Persönlichkeiten aus Handel und Industrie, Sicherheitsexperten sowie Vertreter der Medien und des akademischen Lebens. Zu den Rednern der Eröffnungssitzung gehörten die Außenminister Indiens und Bangladeshs, Sushma Swaraj und Abdul Hassan Mahmud Ali, und mehrere ehemalige Staatspräsidenten: Hamid Karzai (Afghanistan), Chandrika Bandaranaike Kumaratunga (Sri Lanka) und Sir James Mancham (Seychellen); außerdem sprachen bei der Konferenz der indische Außenamtssekretär Subrahmanyam Jaishankar, mehrere weitere Minister der indischen Regierung sowie der frühere chinesische Außenminister Li Zhaoxing, der Senior Vice President des Seidenstraßenfonds Ding Guorong, viele weitere amtierende oder frühere Politiker und nicht zuletzt Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts.

Die Sitzungen der dreitägigen Konferenz behandelten verschiedene Aspekte. Unter dem Titel „Wohin geht die Europäische Union?“ befaßten sich die Redner, darunter zwei Abgeordnete des Europäischen Parlaments, mit der Herausforderung der Eurozone durch die Flüchtlingskrise und den Terrorismus. Die meisten Redner machten den Mangel an Solidarität unter den Mitgliedstaaten für die Krise verantwortlich, aber in der anschließenden Diskussion konnte Helga Zepp-LaRouche darauf hinweisen, daß der einzige Weg zur Lösung der Flüchtlingskrise eine Art Marshallplan zum Wiederaufbau der durch die ständigen Kriege zerstörten Region sei. Auch wenn die Redner hierauf nicht direkt antworteten, hinterließ ihr Beitrag doch großen Eindruck und wurde am Nachmittag von einem Redner einer anderen Diskussionsrunde und in vielen Gesprächen am Rande der Konferenz aufgegriffen.

In der Diskussionsrunde „Einen Kontinent verbinden: eine asiatische Union“ forderte Helga Zepp-LaRouche in ihrem Konferenzbeitrag Indien, China und Rußland auf, den Entwicklungsprozeß der Neuen Seidenstraße „hoffentlich gemeinsam mit vielen anderen“ nach Südwestasien und Nordafrika zu erweitern, als das einzige Mittel, die Welt vor der drohenden Gefahr eines thermonuklearen Krieges zu bewahren. „Die neue Vereinbarung zwischen US-Außenminister Kerry und dem russischen Außenminister Lawrow über eine Waffenruhe in Syrien ist möglicherweise eine entscheidende Wende in der gesamten strategischen Lage, vorausgesetzt, daß insbesondere China, Rußland und Indien sofort mit den Länder Südwestasiens zusammenarbeiten, um ein umfassendes Aufbauprogramm umzusetzen, nicht nur für die vom Krieg zerstörten Länder Syrien, Irak und Afghanistan, sondern für die gesamte Region von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien. Mit der Reise Präsident Xis in die Region – nach Iran, Ägypten und Saudi-Arabien – ist nun die Verlängerung der Seidenstraße auf dem Tisch.“ In der anschließenden Diskussion konnte sie ihre Ausführungen noch ergänzen und die Debatte auf die strategische Ebene heben.

Im Verlauf der Konferenz wurde Zepp-LaRouche immer wieder von dankbaren und besorgten Konferenzteilnehmern angesprochen, die über die Fragen diskutieren wollten, die sie in die Debatte gebracht hatte, insbesondere über die Kriegsgefahr und die Initiative der Neuen Seidenstraße.

Weitere Diskussionsrunden befaßten sich mit Themen wie „Asiens strategische Ordnung“, mit einer Debatte über den Einfluß von Kernwaffen auf die Stabilität in der Region, oder „Asiens Gewässer“, wobei es um den Ausbau der transnationalen Flußbecken und die Bedeutung von Energiekorridoren und internationalen Wasserstraßen ging. Mehrere Diskussionsrunden befaßten sich mit Sicherheitsfragen, dabei ging es um asymmetrische und unkonventionelle Bedrohungen für die nationale Sicherheit durch staatliche und nichtstaatliche Akteure, und die Frage, wie man darauf reagiert.

Wir werden in der kommenden Ausgabe noch ausführlicher über die Konferenz berichten.

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Arabische Tageszeitung: Helga Zepp-LaRouches Projekt der Neuen Seidenstraße wird Realität

Die in den Vereinigten Arabischen Emiraten erscheinende Tageszeitung Al-Ittihad druckte am 21. Januar eine Kolumne des Wissenschafts- und Technologieberaters Mohammed Aref über den Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Saudi Arabien, Ägypten und Iran ab, in welchem der Autor die Urheberschaft dieser neuen, visionären Politik dem Schiller-Institut und seiner Präsidentin, der „Seidenstraßen-Lady“ Helga Zepp-LaRouche, zugute hält.

Unter der Überschrift „Chinas 51. Jahrhundert“ (in Anlehnung an die 5000-jährige Geschichte Chinas) liefert Aref eine sehr poetische und aufregende Beschreibung der Reise von Präsident Xi in die Region, und von Chinas Betonung der Neuen Seidenstraße in seinen politischen Absichtserklärungen.

Mohammed Aref war im Jahr 1997 der erste arabische Journalist, der als damaliger Wissenschaftsredakteur der in London publizierten arabischen Tageszeitung Al-Hayat eine ganzseitige umfassende Rezension des von Helga Zepp-LaRouche initiierten EIR-Sonderberichts über die Eurasische Landbrücke verfasst hatte.

Nach der Entkräftung der Behauptungen, dass Chinas Wirtschaft sich im Abschwung befinde, fügte Aref hinzu: „China schreibt die Weltkarte neu, da es aus sieben Kontinenten sechs macht, indem es Asien und Europa zu einem gemeinsamen Kontinent zusammenfügt. ‚Die Welt erobern und sich gefügig machen wollen, ich habe gesehen, dass das misslingt‘, lautet eine chinesische Weisheit. Ähnliches drückt das chinesische Außenministerium in seiner vergangene Woche veröffentlichten Erklärung über Chinas Arabien-Politik aus, in dem die Seidenstraße wiedererweckt wird, die 2000 Jahre lang die chinesische und arabische Welt miteinander verband. Der Weg der chinesischen Weisheit ist wie eine ‚Seidenstraße‘, die die gigantische euro-asiatische Landmasse miteinander verbindet, die sich durch Infrastruktur für Landwirtschaft, Handel, Technologie, Wissenschaft und Kultur zu den Küsten des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans erstreckt.“

Im Schlussabschnitt der Kolumne erwähnt Mohammed Aref ausdrücklich die Urheberschaft des Schiller-Instituts: „’Die arabisch-asiatische Landbrücke: das schlagende Herz der Neuen Seidenstraße‘, war die Überschrift meines Berichtes in einer Londoner Zeitung aus dem Jahr 1997. Ich hätte mir niemals träumen lassen, dass dieses, vom Schiller-Institut entwickelte Projekt von China angenommen werden würde, und dass der chinesische Präsident es diese Woche in die arabische Region tragen würde. Im letzten September feierte man in Beijing die Veröffentlichung der chinesischen Ausgabe des Schiller-Institut-Berichts ‚Die Neue Seidenstraße wird zur Welt-Landbrücke‘. Im kommenden Monat wird die arabisch-sprachige Version des Berichts veröffentlicht, vorbereitet von Hussein Askary, einem irakischen Mitglied des Schiller-Instituts, das von der deutschen Gelehrten Helga LaRouche gegründet worden ist. Die Chinesen nennen sie die ‚Seidenstraßen-Lady‘, da sie durch hunderte von Konferenzen und wissenschaftlichen und politischen Seminaren der Neuen Seidenstraße den Weg geebnet hat, und weil sie ‚das Konzept der Eurasischen Landbrücke als Kriegsvermeidungsstrategie‘ geschaffen hat, so der chinesische Experte Deng Yifan.“

Al-Ittihad (auf Arabisch).


Die Neue Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit

Den folgenden Beitrag verfaßte die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, für eine bedeutende amerikanisch-chinesische Konferenz und Ausstellung in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Veranstalter dieser „2016 Global Chinatown Conference Seattle Summit & Global Fortune Innovation Development Promotion Fair” war der North America China Council. Die Rede wurde am 21. Februar 2016 auf Video aufgenommen und am 24. Februar bei der Konferenz gezeigt.


Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Teilnehmer dieser sehr wichtigen Konferenz,

ich bin sehr froh, über die Seidenstraße als neues Paradigma für die Menschheit zu Ihnen sprechen zu können. Es ist das schöne Charakteristikum des Menschen, daß wir anders als die Tiere nicht gezwungen sind, immer weiter den ausgetretenen Pfaden zu folgen und eine Generation nach der anderen zu wiederholen, was die anderen vor uns getan haben. Was uns von allen anderen Gattungen auf diesem Planeten unterscheidet, ist, daß wir die Lage von oben in ihrer Gesamtheit betrachten können, wir können sie analysieren, und wenn etwas falsch läuft, dann haben wir die Freiheit, das zu ändern und ein neues Paradigma zu schaffen.

Kriegsgefahr

Und die Welt braucht dringend ein neues Paradigma, denn wenn man sich das alte betrachtet, was sehen wir da? Es gibt einen neuen Kalten Krieg, der jeden Augenblick in einen heißen Krieg umschlagen kann. Es könnte zu einer großen Konfrontation zwischen der NATO und Rußland und China kommen, die sich schon bald zu einem neuen Weltkrieg entwickelt. Viele Experten beschreiben die Lage heute als gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der Kubakrise.

Die NATO rüstet an der russischen Grenze in einem Ausmaß auf, wie man es nicht mehr gesehen hat, seit die Nazis 1941 die Sowjetunion überfielen. Rußland reagiert, indem es schweres militärisches Gerät einschließlich taktischer Nuklearwaffen an seine westlichen Grenzen verlegt. Und wenn die türkische Krise eskaliert und die Türkei Bodentruppen nach Syrien schickt – wo die jüngsten Vereinbarungen zwischen US-Außenminister John Kerry und Rußlands Außenminister Sergej Lawrow ein kleiner Hoffnungsstrahl sind -, wenn die Türkei im kurdischen Norden Syriens einmarschiert, dann kann es sehr schnell zu einem Krieg zwischen einem NATO-Mitgliedsland, der Türkei, und Rußland kommen.

Aber auch wenn man sich die Spannungen im Südchinesischen Meer und die zunehmende Eskalation um die Koreanische Halbinsel anschaut, sind diese Situationen extrem gefährlich und besorgniserregend. Wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt zu einer Eskalation in einem dieser regionalen Konflikte kommt und dort Nuklearwaffen eingesetzt werden, was keineswegs ausgeschlossen ist, dann wäre es die Logik eines solchen Krieges, daß dies in einen umfassenden und totalen thermonuklearen Krieg mündet, der offensichtlich zur Vernichtung der menschlichen Gattung führen würde.

Finanzkrach

Es gibt einen zweiten Aspekt dieser Krise. Wir stehen am Rande eines neuen Zusammenbruchs des Finanzsystems, neben dem die Krise von 2008 verblassen würde. William White, der frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), hat gerade das Offensichtliche ausgesprochen: daß nämlich die ausstehenden Schulden auf der Welt insgesamt unbezahlbar sind und daß wir, wie in den Jubeljahren vieler Religionen in den letzten 5000 Jahren, alle diese unbezahlbaren Schulden abschreiben müssen. Die Alternative wäre, sofort Franklin D. Roosevelts Glass-Steagall-Trennbankengesetz wieder in Kraft zu setzen. Sonst geschieht, was White so formuliert: „Entweder man macht es auf geordnete Weise oder es kommt zu einem chaotischen Zusammenbruch.“

Die stufenweise Kernschmelze des Finanzsystems läuft schon seit Anfang des Jahres. Die Marktmechanismen funktionieren nicht mehr, und die berühmten „Werkzeuge“, die noch in der Krise von 2008 verwendet wurden – quantitative Erleichterung [Gelddrucken], Bail-out, Bail-in, sogar negative Zinsen – erweisen sich nicht nur als unwirksam, sondern sogar als kontraproduktiv, weil dadurch die deflationäre Spirale, die jetzt den gesamten transatlantischen Sektor und sogar Japan erfaßt hat, beschleunigt wird.

Flüchtlingskrise

Der dritte Aspekt der strategischen Krise ist die beispiellose Flüchtlingskrise, die vor allem vom Nahen Osten, aber auch von Afrika ausgeht. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bereits 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Kriegen und Hunger, allein aus Syrien mehr als 5 Millionen. Der Direktor des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab, sagte, wenn wir den Kurs nicht ändern, dann kämen schon bald eine Milliarde Menschen aus den Kriegsgebieten.

Nun, ich will hier nicht noch mehr Aspekte der Krise anführen, was ich sehr leicht tun könnte. Aber wenn Sie nur diejenigen in Betracht ziehen, die ich erwähnt habe, dann ist klar, daß wir es mit einer beispiellosen Zivilisationskrise zu tun haben.

Das neue Paradigma existiert bereits

Die gute Neuigkeit ist jedoch, daß das neue Paradigma bereits existiert. Im September 2013 hat Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße zur offiziellen Politik Chinas erklärt. In der Tradition der alten Seidenstraße, über die Waren und Kultur, aber auch Technik ausgetauscht wurden, soll dies, wie er sagt, auf einer „Win-Win“-Kooperation beruhen, indem man einfach das chinesische Wirtschaftswunder auf alle Länder ausdehnt, die sich daran beteiligen möchten.

Nun, jeder, der in China war, wird bestätigen, daß das chinesische Wirtschaftswunder insbesondere in den letzten 30 Jahren atemberaubend ist. China hat in 30 Jahren eine Entwicklung vollzogen, für die die Industrieländer der transatlantischen Regionen 150 oder 200 Jahre gebraucht haben. China hat 800 Millionen Menschen aus der Armut befreit, und verfolgt das Ziel, auch den Westen des Landes zu entwickeln, um die Armut bis zum Jahr 2020 vollkommen zu beseitigen.

Das Projekt der Neuen Seidenstraße ist schon jetzt das größte Entwicklungsprogramm, das es jemals auf der Erde gegeben hat. Schon jetzt sind 600 Milliarden Dollar dafür vorgesehen, und die Chinesen wollen in den kommenden Jahren umgerechnet eine Billion Dollar in anderen Ländern investieren. In den zweieinhalb Jahren, seit Xi Jinping die Seidenstraße ankündigte, entwickelt sie sich mit atemberaubendem Tempo: 60 Länder sind bereits daran beteiligt. Seit dem 16. Januar hat die AIIB (Asiatische Infrastuktur-Investitionsbank) in Beijing ihre Arbeit aufgenommen und vergibt Kredite an Länder, die sie benötigen. Die Chinesen haben Bauprojekte begonnen, darunter der Bau der transkontinentalen Eisenbahn von Yiwu und Chongqing nach Europa, und kooperieren mit den Ländern entlang der Strecke. Sie bauen den Hafen von Piräus und die Schnellbahn Jakarta-Bandung aus. Am 15. Februar traf der erste Güterzug mit 32 Containern aus Yiwu in Teheran ein – das Resultat eines vorherigen Besuchs von Xi Jinping im Iran.

2015 investierte China in 49 Ländern entlang der Neuen Seidenstraße („Ein Gürtel, eine Straße“). Sie investierten nach Angaben des Handelsministeriums 14,8 Mrd. Dollar in 3987 Projekte! Sie haben Verträge mit 60 Ländern geschlossen… Alle diese Projekte werden schon in diesem Jahr, 2016, einen erstaunlichen wirtschaftlichen Nutzen entfalten. Deshalb ist die Darstellung, die chinesische wirtschaftliche „Abschwächung“ sei für die Turbulenzen im transatlantischen Sektor verantwortlich, völliger Unsinn.

Präsident Xi Jinping hat Präsident Obama beim APEC-Gipfel im Oktober 2014 angeboten, daß China und die Vereinigten Staaten auf der Grundlage einer solchen „Win-Win“-Perspektive zusammenarbeiten sollten. Und genau das ist die Lösung.

Eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert

Aber warum stehen wir dann am Rande des Dritten Weltkrieges?

Man muß dazu zurückgehen in das Jahr 1991, in die Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion, denn damals bestand eine wirkliche Chance, eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen. Aber sie wurde verpaßt. Diese Möglichkeit bestand, weil der Feind – der Kommunismus, die Sowjetunion – weg war; aber man hat sie nicht genutzt.

Das Schiller-Institut machte damals jedoch einen Vorschlag, den wir die Eurasische Landbrücke nannten: die Neue Seidenstraße. Das war die Idee, die Bevölkerungs- und Industriezentren in Europa durch „Entwicklungskorridore“ mit denen in Asien zu verbinden und so die Produktivität der landeingeschlossenen Gebiete des eurasischen Kontinents anzuheben.

Wir haben das vorgeschlagen. Das wäre die Grundlage einer Friedensordnung gewesen, und wir haben uns in den 25 Jahren seither in Hunderten von Konferenzen und Seminaren dafür eingesetzt. Und deshalb waren wir sehr froh, als das von Xi Jinping auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Obwohl damals versprochen wurde, die NATO nicht bis an Rußlands Grenzen zu erweitern (wie der damalige amerikanische Botschafter in Moskau, Jack Matlock, oft bestätigt hat), setzte sich dann die Wolfowitz-Cheney-Doktrin durch. Das war die Idee: die Vereinigten Staaten sind jetzt die einzige verbliebene Supermacht, und es muß sichergestellt werden, daß nie wieder ein anderes Land oder eine Gruppe von Ländern diesen Status der Vereinigten Staaten als einzige Supermacht in Frage stellt.

Nun, die Entwicklung der letzten 25 Jahre demonstriert auch sehr klar, daß dies nicht die Realität ist. Es gibt aufstrebende Länder, allen voran China und Indien, Rußland gewinnt seine militärische Stärke zurück. Und deshalb ist die Vorstellung, daß eine unipolare Welt möglich sei, einfach nicht realistisch.

Aber auch eine multipolare Welt ist nicht die Lösung, denn die Idee einer multipolaren Welt bleibt immer noch in der Geometrie der Geopolitik, und diese Geopolitik war die Ursache der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts.

Zusammenfallen der Gegensätze

Wir brauchen daher ein neues Paradigma, das die Geopolitik auf einer höheren Ebene überwindet. Nikolaus von Kues, der herausragende Denker des 15. Jahrhunderts, hat grundsätzlich aufgezeigt, daß wirkliche Lösungen niemals auf heterogenen Teillösungen beruhen können, sondern das Gemeinsame der Probleme aufgreifen müssen, durch die Methode der coincidentia oppositorum, des Zusammenfallens der Gegensätze. Das ist das Prinzip, daß das Eine von einer höheren Ordnung ist als das Viele, und daß es auf dieser höheren Ebene der Vernunft möglich ist, eine Lösung zu entwickeln, in der die Widersprüche der niederen Ebene nicht existieren.

Man kann ein neues Paradigma schaffen, einen ebenso epochalen Paradigmenwandel wie den nach dem Finsteren Zeitalter, dem Mittelalter, das von der Scholastik beherrscht war, von den Peripatetikern, von der aristotelischen Idee, daß die Dinge nicht gleichzeitig A und Nicht-A sein können und daß es immer ein Widerspruch zwischen A und B gäbe.

Die Veränderung, die Nikolaus von Kues durch diese neue Denkmethode einleitete, führte in die Neuzeit der Naturwissenschaften, der Klassischen Kunst, zur neuen Rolle des Individuums – zu all dem, was die menschliche Kreativität durch ihre unbegrenzte Fähigkeit zur Erfindung und zur Entdeckung neuer physikalischer Prinzipien zur treibenden Kraft im Universum macht.

Ein ebensolcher fundamentaler Paradigmenwandel, wie er das Mittelalter von der Neuzeit trennt, ist auch heute notwendig. Wir müssen einen evolutionären Sprung machen, weg von der Geopolitik, hin zu den gemeinsamen Zielen der Menschheit. Und dazu brauchen wir offensichtlich eine Vision: Wo soll die Menschheit in hundert Jahren sein? In tausend oder sogar 10.000 Jahren? Wenn man den enormen Fortschritt bedenkt, den die Menschheit in den letzten 10.000 Jahren gemacht hat – von annähernd Steinzeitverhältnissen bis heute, wo wir in der Lage sind, mit kleinen Smartphones Konferenzgespräche zu führen, bei denen Sie Ihre Partner in aller Welt sehen können, um nur ein kleines Beispiel zu nennen -, sollten wir da nicht in der Lage sein, die Probleme der Menschheit auf einer völlig anderen Ebene zu lösen?

Sollten wir nicht in der Lage sein, vom Rande des Abgrunds thermonuklearen Krieges umzukehren und einander die Hände zu reichen, um die Probleme wie Kriege, Hunger und Terrorismus zu lösen? Als Präsident Xi kürzlich in Südwestasien war, in Saudi-Arabien, Ägypten und im Iran, bot er die Neue Seidenstraße – die Politik von „Gürtel und Straße“ – als eine Arche Noah für die Flüchtlingskrise an.

Das Schiller-Institut veranstaltete schon 2012 eine Konferenz in Frankfurt a.M., wo wir einen umfassenden Plan zur Entwicklung des gesamten Nahen Ostens von Afghanistan bis zum Mittelmeer und vom Kaukasus bis zum Golf von Persien vorlegten, um wirkliche wirtschaftliche Entwicklung für diese Region zu schaffen, als Perspektive zur Überwindung von Armut, Krieg, und um das Rekrutierungsfeld für den Terrorismus zu beseitigen.

Das war die Idee, einen „Krieg gegen die Wüsten“ auszurufen und durch die Entsalzung von Meerwasser mit Hilfe der Kernkraft neue, gewaltige Mengen sauberes Wasser zu erzeugen; durch Ionisierung die Feuchtigkeit der Atmosphäre anzuzapfen, um neue Land- und Forstwirtschaft zu entwickeln; Infrastruktur aufzubauen und die neuen Städte, die gebaut werden müssen, miteinander zu verbinden; und so die gesamte Region zu einer der blühendsten, schönsten der Welt zu machen.

Eine solche Perspektive wäre sehr einfach, wenn Rußland, China, Indien, der Iran und Ägypten und europäische Nationen wie Italien, Deutschland und Frankreich einander die Hände reichen und hoffentlich auch die Vereinigten Staaten zur Mitarbeit gewinnen würden, um diese Region zu entwickeln. Und das ist der einzige Weg, wie wir die Flüchtlingskrise beenden können: diesen Teil der Welt, und natürlich auch Afrika, zu entwickeln.

Mit einem „Seidenstraßen-Marshallplan“, wie man es nennen kann, und einer „Win-Win-Perspektive“ wäre das sehr einfach.

Die gemeinsamen Ziele der Menschheit

Nun, auch einige andere gemeinsame Ziele der Menschheit sind in nicht allzu ferner Zukunft erreichbar. So können wir beispielsweise Energie- und Rohstoffsicherheit erreichen. Das wäre möglich durch die Verwirklichung der Kernfusion, die jetzt sehr, sehr nahegerückt ist. Kürzlich gab es zwei große Durchbrüche: Der eine war in Deutschland in Greifswald, wo der Testreaktor, der Wendelstein-7X-Stellerator, ein Plasma eine Zehntelsekunde auf 80 Millionen Grad erhitzen konnte. Das Ziel in Greifswald ist, bis 2020 ein Plasma 30 Minuten lang stabil zu erhalten.

Am gleichen Tag kamen Berichte vom Institut für Plasmaphysik in Hebei, eine Provinz in der Nähe von Beijing, daß der EAST-Reaktor – der Experimentelle Fortgeschrittene Supraleitende Tokamak – bei einem Experiment ein Plasma bei 50 Millionen Grad 102 Sekunden lang erhalten konnte; das ist etwa die Hälfte dessen, was für die Verschmelzung von Deuterium und Tritium notwendig ist. Sie haben dort das Ziel, ein Plasma bei einer Temperatur von 100 Millionen Grad stabil zu halten. Die Resultate des EAST werden beim ITER in Frankreich, einem internationalen Gemeinschaftsprojekt, angewendet werden.

Die Fusionsenergie wird der Welt Kraft- und Energiesicherheit und Rohstoffsicherheit verschaffen, weil man mit dem damit verbundenen Plasmafackel-Verfahren praktisch jeden Müll in neue Isotope verwandeln und so neue Rohstoffe erzeugen kann!

Die chinesische Mondmission Chang’e-5, die 2017 ins All starten soll, hängt sogar schon mit der zweiten Generation der Kernfusion zusammen: Sie ist darauf ausgerichtet, als Vorbereitung für die zukünftige industrielle Nutzung des Mondes die ersten Proben von fusionsfähigem Helium-3 zurückzubringen. Helium-3 als Brennstoff wird auch eine neue Revolution der Energieerzeugung bedeuten, weil man damit den Strom viel effizienter erzeugen kann. Und es wird als Treibstoff auch die Raumfahrt revolutionieren.

Überhaupt ist die Raumfahrt allgemein eines der begeisterndsten gemeinsamen Ziele der Menschheit. Die Chinesen haben die Chang’e-4-Mission, die eigentlich als Reserve für die hocherfolgreiche Chang’e-3-Mission gedacht war, für eine Landung auf der Rückseite des Mondes 2018 umkonzipiert. Es wird das erste Mal sein, daß die Menschheit ein Objekt zur erdfernen Seite des Mondes schickt. Dadurch kann China ein Radioteleskop für Beobachtungen dorthin bringen, wo der Mond auf der erdabgewandten Seite vor möglichen störenden Radiowellen von der Erde abgeschirmt ist. Und dieser Teil des Mondes hat auch die höchste Konzentration an Helium-3.

Aber noch wichtiger ist, daß dies der Menschheit zum ersten Mal viel tiefere Einblicke in das Sonnensystem und darüber hinaus in unsere Galaxis und viele andere Galaxien da draußen geben wird.

Auch deshalb sollten sich die Vereinigten Staaten der Seidenstraße anschließen. Amerika braucht dringend eine modernisierte Infrastruktur. Die Vereinigten Staaten brauchen wahrscheinlich 80.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahnen. In China wurden schon 30.000 km gebaut, dies will man bis 2020 auf 80.000 km ausbauen. Man könnte in den Vereinigten Staaten auch neue, wunderschöne Städte bauen und neues Trinkwasser erzeugen, um die Dürre im Südwesten zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten sollten die NASA wieder mit Leben erfüllen, und es wäre ein Leichtes, einen Teil der Produktionsanlagen, die jetzt für die Rüstungsproduktion genutzt werden, für andere Hochtechnologie-Bereiche umzurüsten.

Und wenn die USA sich der Seidenstraße anschließen würden, dann könnten die Vereinigten Staaten auch ganz Süd- und Mittelamerika entwickeln und so die Flüchtlingskrise an ihrer Südgrenze abwenden. Schon jetzt sind elf Millionen illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich noch einmal genauso viele in verzweifelten Bedingungen südlich der Grenze.

Die Menschheit befindet sich jetzt an einer sehr wichtigen Wegscheide in ihrer Existenz, und wir müssen unser Denken auf eine weit höhere Ebene anheben, wenn unsere Gattung weiter existieren soll. Erwecken wir also den Amerikanischen Traum zu neuem Leben. Bauen wir die Neue Seidenstraße aus zu einer Weltlandbrücke, so wie wir es in einer Studie vorgeschlagen haben, die uns einen Bauplan gibt, um alle Teile der Welt zu entwickeln. Erneuern wir den Amerikanischen Traum und verbinden ihn mit dem Chinesischen Traum zu einem Traum für die ganze Menschheit.

 

 


Die Notwendigkeit von Großprojekten: Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke

Den folgenden Vortrag hielt Helga Zepp-LaRouche am 2. Dezember 2015 vor Unternehmern und Managern am Canon Institute for Global Studies in Tokio. Er wurde aus dem Englischen übersetzt.


Sehr geehrte Damen und Herren,

allein schon die Vielzahl der brandgefährlichen Krisen rund um den Globus (Abbildung 1) läßt frühere Vorkriegssituationen vergleichsweise ruhig erscheinen. Der jüngste Abschuß eines russischen Kampfjets durch die Türkei, von dem informierte amerikanische Beobachter sagen, daß er ohne stillschweigende Unterstützung aus dem Weißen Haus niemalsgeschehen wäre, und die anschließende Unterstützung Präsident Obamas sowie der NATO für die türkische Aktion demonstrieren – angesichts der Tatsache, daß sich die Kernwaffenarsenale der Vereinigten Staaten und Rußlands in „Launch on warning“-Abschußbereitschaft mit einer Vorwarnzeit von wenigen Minuten befinden -, wie dicht wir davor stehen, daß aus dem neuen Kalten Krieg ein heißer Krieg wird.

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Abb. 1: Einschätzung der Krisengefahr in den Metropolen der Welt.

Die Tatsache, daß Rußland und China das amerikanische Raketenabwehrsystem in Osteuropa, die Doktrin „Prompt Global Strike“ und die Doktrin „Air-Sea Battle“ zu recht als gegen ihre Nationen gerichtete Erstschlagsdoktrinen betrachten, führt jetzt bereits zu einem neuen Rüstungswettlauf. Transatlantische Militärexperten warnen, die Lage sei noch gefährlicher als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, weil es weder Verhaltensregeln noch ein verläßliches „rotes Telefon“ zwischen den USA und Rußland gibt.

Dahinter steckt die übergreifende Dynamik, die dadurch entsteht, daß die Vereinigten Staaten darauf beharren, eine unipolare Welt aufrechtzuerhalten, während das aufstrebende Asien schon allein durch sein Gewicht eine multipolare Welt schafft. Die Warnungen von Experten wie dem früheren Vorsitzenden der Vereinten Stabschefs der USA, General Martin Dempsey, der Westen dürfe nicht in die „Thukydides-Falle“ tappen, werden anscheinend nicht beherzigt.

Weiterhin unterstreichen die Krisenlage in der Ukraine, die Spannungen im Südchinesischen Meer und die Barbarei satanischen Ausmaßes von ISIS und Boko Haram, in welcher tödlichen Gefahr sich die Menschheit befindet.

Ebenso existenzbedrohend ist die Aussicht auf einen neuen Crash des transatlantischen Finanzsystems, der noch dramatischer wäre als der Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008, weil den Zentralbanken keine Instrumente mehr dagegen verblieben sind.

Sind wir dazu verdammt, diesen Weg weiterzugehen, wenn alles darauf hindeutet, daß diese Konflikte wahrscheinlich entweder zu weltweitem Chaos oder zu einem thermonuklearen Weltkrieg mit der wahrscheinlichen Auslöschung der menschlichen Gattung eskalieren werden? Ist die Menschheit zu dumm, gleichgültig oder degeneriert, um einen politischen Kurs aufzugeben, selbst wenn dessen Scheitern unübersehbar geworden ist?

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Schon im 15. Jahrhundert sagte der berühmte deutsche Philosoph Nikolaus von Kues (Abbildung 2), daß komplizierte Probleme nicht durch eine heterogene Ansammlung von Teillösungen behoben werden können; vielmehr müsse man eine Lösung auf einer höheren Ebene finden, auf der sich die Widersprüche der unteren Ebene auflösen. Er nannte dies die Methode der coincidentia oppositorum, des Zusammenfallens der Gegensätze: die Idee, daß das Eine von einer höheren Ordnung ist als das Viele. Diese Methode müssen wir anwenden, um ein neues Paradigma in der Evolution der menschlichen Gattung zu definieren. Und es ist mehr als möglich, ein neues Paradigma zu definieren, das dem wahren Interesse aller Nationen und aller Gruppen entspricht.

Eine Bereitschaft, solche neuen Ideen zu erwägen, existiert gewöhnlich nur dann, wenn die Menschen erkennen, daß die Annahmen, die sie bis dahin lange Zeit für selbstverständlich hielten, plötzlich in ihren Grundfesten erschüttert sind. Und das ist genau der Moment, in dem wir uns jetzt überall auf der Welt befinden.

Das gilt ganz besonders für Deutschland, wo nun in vielen Kreisen eine qualitativ neue Debatte darüber stattfindet, daß die strategische Lage neu überdacht werden muß, ausgehend von der Erkenntnis, daß wir bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Politik „mit Höchstgeschwindigkeit vor die Wand fahren“ würden.

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Abb. 2: Kardinal Nikolaus von Kues

Vor allem ließ die Flüchtlingskrise die Illusion platzen, das Land wäre eine Insel der Stabilität und Kriege wären weit weg (Abbildung 3). Plötzlich gibt es eine öffentliche Debatte über die Ursachen dieser Flüchtlingskrise, die den Zusammenhalt der EU sprengt: die anglo-amerikanischen Kriege, die auf Lügen beruhten, die saudische Finanzierung des Terrorismus, die Ölgeschäfte der Türkei mit ISIS, etc.

All dies schafft eine Offenheit dafür, daß ein dramatischer Kurswechsel in der Politik notwendig ist! Wenn der Terrorismus dauerhaft ausgemerzt und die Flüchtlingskrise überwunden werden sollen, muß man bei den Operationen gegen ISIS dessen dezentralisierte Struktur in vielen Ländern berücksichtigen, aber militärische Mittel reichen nicht. Was man braucht, ist wirkliche Entwicklung!

Man muß einen umfassenden Wiederaufbauplan für Südwestasien und Afrika auf die Tagesordnung setzen. Nur wenn die jungen Menschen und insbesondere die jungen Männer eine Zukunftsperspektive haben, die Chance, eine Familie zu gründen, Wissenschaftler, Ärzte oder Architekten zu werden, kann das Rekrutierungsumfeld der Dschihadisten ausgetrocknet werden.

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Abb. 3: Syrische Flüchtlinge

Die einzige realistische Perspektive, dieses Ziel zu erreichen, besteht heute darin, die Strategie der Neuen Seidenstraße in den Nahen und Mittleren Osten und nach Afrika auszuweiten. Die Grundzüge dafür haben wir in der Studie „Die Neue Seidenstraße wird zum Weltlandbrücke“ (Abbildung 4) dargestellt, die die Grundlagen für ein globales Wiederaufbauprogramm definiert.

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Große Teile Südwestasiens wurden „in die Steinzeit zurückgebombt“ oder waren bereits Wüste. Ein umfassendes Infrastrukturprogramm für die ganze Region von Afghanistan bis zum Mittelmeer, vom Kaukasus bis zum Persischen Golf muß auf die Tagesordnung gesetzt werden (Abbildung 5). Wir müssen einen Krieg gegen die Wüsten ausrufen, es müssen große Mengen an Trinkwasser erzeugt werden durch Entsalzung von Meerwasser mit Hilfe von Kernenergie, Ionisierung der Feuchtigkeit in der Atmosphäre, Schaffung neuer Niederschlagsmuster für die Entwicklung der Landwirtschaft und Aufforstung. Infrastrukturkorridore mit integrierten Schnellbahnnetzen, Autobahnen und Wasserstraßen müssen gebaut werden, um die Voraussetzungen für Industrieansiedelung und den Bau neuer Städte zu schaffen.

Alle großen Staaten in der Nachbarschaft Südwestasiens haben ein fundamentales Sicherheitsinteresse daran, sich an einem solchen Ansatz zu beteiligen, und müssen daher in diesem Projekt ihre Kräfte bündeln: Rußland, wegen der engen Verbindung zwischen ISIS und den tschetschenischen Terrornetzwerken und wegen des Zustroms von Heroin aus Afghanistan nach Rußland; China, wegen der Verbindung zwischen ISIS und den Uiguren; Indien, weil es eine muslimische Bevölkerung von 120 Millionen Menschen hat und es in Mumbai und anderen Städten bereits Terroranschläge von Wahabiten und Salafisten gab. Der Iran und Ägypten, aber auch Deutschland, Frankreich und Italien, und realistisch betrachtet sicher auch die Vereinigten Staaten, haben ein fundamentales Interesse, dieses Problem zu lösen.

Alle Länder und Regionen würden von der Weltlandbrücke profitieren:

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Abb 4: Die Infrastrukturkorridore der Weltlandbrücke

1. Japan: Mit der Beteiligung an den Großprojekten der Weltlandbrücke würde Japan an die Tradition der Meiji-Restauration unter Okubo Toshimichi und Okuma Shigenobu (Abbildung 6) und ihrer von Alexander Hamilton und Friedrich List inspirierten Politik anknüpfen: nämlich die Entwicklung der Kreativität der menschlichen Arbeit und die staatliche Entwicklung von Wissenschaft und Technik als den Quellen des Wohlstands in der Gesellschaft – eine Tradition, die nach dem Zweiten Weltkrieg vom MITI [Ministerium für Internationalen Handel und Industrie] und vom Mitsubishi Global Infrastructure Fund weitergeführt wurde, was bereits viele der Projekte, die jetzt Teil des Programms der Weltlandbrücke sind, mit einschloß.

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Abb. 6: Anführer der Meiji-Restauration in Japan, die die Industrialisierung des Landes einleitete: Okubo Toshimichi (1830-1878, links im Bild) und Okuma Shigenobu (1838-1922)

Eines dieser Projekte, der Kra-Kanal, der die Ausweitung der Warenströme in der Pazifikregion ermöglichen würde, ist heute wieder auf dem Tisch (Abbildung 7); in Nikaragua baut China einen zweiten Panamakanal; der Komplex des Mekong-Deltas muß immer noch dringend angepackt werden; das Transaqua-Projekt wird derzeit von mehreren afrikanischen Ländern reaktiviert, es läuft eine Machbarkeitsstudie.

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Abb. 7: Mögliche Strecken- führungen eines Kanals durch den Isthmus von Kra

Auch der Bau des Beringstraßen-Tunnels (Abbildung 8) ist jetzt, angesichts der Zusammenarbeit zwischen Rußland und China bei der Politik „Ein Gürtel, eine Straße“ und der Eurasischen Wirtschaftsunion, wieder aktuell, insbesondere für Sibirien und den Fernen Osten.

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Abb. 8: Durch den Bau des Beringstraßen-Tunnels würde der amerikanische Kontinent mit dem Netzwerk der Neuen Seidenstraße verbunden

2. Vereinigte Staaten: Die USA würden nicht nur davon profitieren, sich der Entwicklung Afrikas und Südwestasiens anzuschließen, sie brauchen auch selbst dringend ein Wiederaufbauprogramm. Wenn die USA der Methode der Neuen Seidenstraße folgen würden, dann bedeutete das den Bau eines kontinentalen Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetzes mit 50.000 km Streckenlänge (Abbildung 9), neue Wissenschaftsstädte (Abbildung 10) südlich und westlich der Rocky Mountains sowie verschiedene Programme, die neue Wetterabläufe schaffen.

Proposed high-speed rail for US lower 48 states.

Abb. 9: Vorgeschlagenes Streckennetz für Hochgeschwindigkeitsbahnen in den Vereinigten Staaten

 

3. Ukraine: Die Zusammenarbeit zwischen Europa, der Eurasischen Wirtschaftsunion und dem Plan „Ein Gürtel, eine Straße“ für den Bau von Infrastrukturkorridoren (Abbildung 11) könnte die Ukraine wieder einigen, indem das ganze Land Teil hat an einem Wirtschaftswunder, anstatt am gegenwärtigen wirtschaftlichen Kollaps.

4. Europa: Ganz Europa hat einen gewaltigen Rückstau an Infrastrukturinvestitionen. Allein in Deutschland beläuft er sich auf rund 2 Billionen Euro. Schon 2012 hat das Schiller-Institut einen „Plan für ein neues Wirtschaftswunder in Südeuropa, dem Mittelmeerraum und Afrika“ vorgelegt (Abbildung 12), als Alternative zu der verheerenden Austeritätspolitik der Troika.

Angesichts der Eskalation der Flüchtlingskrise würde dieses Entwicklungsprogramm als Verlängerung der Neuen Seidenstraße die Gesamtlage vollkommen verändern.

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Abb. 12: Die Infrastruktur- korridore des vom Schiller-Institut vorgelegten „Plan für ein Wirtschaftswunder in Süd- europa, dem Mittelmeerraum und Afrika“

5. Afrika: Wegen der Kombination von Kriegen und Verweigerung wirtschaftlicher Entwicklung aufgrund ökologischer und monetaristischer Ideologien erinnern große Teile des Kontinents viel mehr an eine Hölle auf Erden als an Heimatländer. Würde man eine internationale Zusammenarbeit an einem umfassenden Entwicklungsplan für den ganzen Kontinent ankündigen und mit dessen Umsetzung beginnen (Abbildung 13), dann wäre das für Millionen Menschen, die heute vor Krieg, Terrorismus, Hunger und Seuchen fliehen, eine mächtige Botschaft der Hoffnung.

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Abb. 13: Vorgeschlagenes Netz von Infrastrukturkorridoren und Standorten für agroindustrielle Komplexe in Afrika

Die Weltlandbrücke als konkrete Grundlage einer Friedensordnung des 21. Jahrhunderts setzt jedoch ein neues Paradigma des Denkens voraus. Die „Legitimierung“ der Geopolitik – die Vorstellung, ein Land oder eine Gruppe von Ländern habe ein Eigeninteresse, das es oder sie gegenüber anderen Ländern verfolgt, notfalls auch mit militärischen Mitteln – ist im Zeitalter thermonuklearer Waffen offensichtlich überholt – es sei denn, man will die Vernichtung der gesamten menschlichen Gattung riskieren. Die Annahme, auf der Grundlage einer Erstschlagsdoktrin einen „begrenzten“ Nuklearkrieg „gewinnen“ zu können, ist grotesk, und wurde durch einwandfreie militärische Analysen widerlegt. So etwas sollte nach den Nürnberger Statuten gerichtlich verfolgt werden.

Die Menschheit wird die gegenwärtige Existenzkrise nur überstehen können, wenn wir den qualitativen Sprung schaffen, die gemeinsamen Interessen der Menschheit als Bezugspunkt zu definieren. Die Frage „Wo sollte die Menschheit insgesamt in hundert, in tausend Jahren und danach sein?“ muß die Entscheidungen leiten. Die Weltlandbrücke vollendet nicht nur die infrastrukturelle Erschließung der landeingeschlossenen Gebiete aller Kontinente, sie definiert auch die nächste Phase der Evolution der menschlichen Gattung, indem sie die Idee der Infrastruktur auf den Weltraum ausdehnt (Abbildung 14).

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Abb. 14: Durch die Raumfahrt wird das Infrastrukturnetz der Seidenstraße bis in den Weltraum erweitert

Wenn im Idealfall ein Sondergipfel der Vollversammlung der Vereinten Nationen, sonst ein vorgezogener G20-Gipfel oder als Minimum ein Treffen der am meisten zukunftsorientierten Führungspersönlichkeiten der Welt, aus Regierungsämtern wie gegenwärtigen und früheren Vertretern von Wissenschaft, Industrie, Diplomatie und Kultur, einen solchen weltweiten Marshallplan als Friedensplan für das 21. Jahrhundert auf den Tisch bringen würde, gäbe dies der Welt plötzlich eine hoffnungsvolle Perspektive.

Die Idee der Weltlandbrücke schafft eine höhere Ebene der Vernunft, auf der alle historischen und ethnischen Konflikte verschwinden oder in der höheren Geometrie entschärft sind. So scheinen beispielsweise die Spannungen zwischen Japan und China manchmal unüberwindlich; aber im Kontext der Zusammenarbeit mit Indien, Rußland und den Nationen Südostasiens und Europas für einen Plan des Friedens durch Entwicklung würde der gegenseitige Nutzen einer solchen Win-Win-Perspektive zum überwältigenden Anreiz, lieber die Zukunft zu gestalten, als die Vergangenheit zu wiederholen.

Es gibt offensichtlich Unterschiede zu der Lage im Dreißigjährigen Krieg, aber was die verschiedenen Parteien damals motivierte, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und den berühmten Westfälischen Frieden zu schließen, war die Erkenntnis, daß es, wenn dieser Religionskrieg weiterginge, bald niemanden mehr geben würde, der sich an einem Sieg erfreuen könnte. Der Westfälische Friedensvertrag hielt erstmals in der europäischen Geschichte fest, daß der Frieden nur erhalten bleiben kann, wenn die Außenpolitik immer die „Interessen des anderen“ berücksichtigt, und daß sie nicht auf Rache beruhen kann, sondern auf Liebe beruhen muß. Der Vertrag wurde zur Grundlage des Völkerrechts und dann der UN-Charta, und er muß auch, anders als manche denken, in Südwestasien angewandt werden.

Leider ist die Achtung vor dem Völkerrecht verschwunden. Die höchste Autorität der UN, der UN-Sicherheitsrat, funktioniert seit der Regimewechseloperation gegen Gaddafi nicht mehr.

Deshalb muß das Völkerrecht weiterentwickelt werden. Das Prinzip, auf das man sich einigen  und als Präambel aller weiteren Aspekte einschließen muß, ist das der gemeinsamen Ziele der Menschheit – daß es kein legitimes Interesse irgendeiner Nation geben kann, das nicht mit dem Interesse der gesamten Menschheit für ihre gegenwärtige und zukünftige Existenz vereinbar wäre.

Die Prinzipien der UN-Charta bleiben gültig, aber diese Präambel muß eine höhere Gesetzmäßigkeit berücksichtigen, die in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich bezeichnet wird: in der europäischen Philosophie als „Naturrecht“, in der asiatischen Philosophie als „kosmische Ordnung“. Es drückt die Idee aus, daß die Menschheit als ganze im physischen Universum nur überleben kann, wenn die Methoden in Politik und Wirtschaft auf dem Planeten Erde in Übereinstimmung mit den Gesetzen unseres Universums gebracht werden.

Der Mensch ist kein Tier, das dazu verurteilt ist, die Existenzweise der Vergangenheit fortzusetzen. Die Menschheit besitzt die Eigenschaft der Kreativität, sie kann immer mehr grundlegende Prinzipien unseres Universums entdecken, die ihren Charakter als Gattung immer wieder neu definieren. Als Kepler das einigende Prinzip unseres Sonnensystems entdeckte, schuf er die Grundlage dafür, daß die Menschheit eine vollkommen andere Gattung wird, die nicht länger an die Erde gebunden ist, sondern Teil des Sonnensystems ist.

Als Einstein die allgemeine Relativitätstheorie entdeckte, schuf er die Voraussetzungen dafür, daß der Mensch den Weltraum erforschen kann. Wir wissen heute aus der Erdgeschichte, daß es hier Einflüsse aus der Wechselbeziehung unseres Sonnensystems zur Galaxis gibt, die Zyklen der Klimaveränderung und Variationen im evolutionären Prozeß des Lebens bewirken. Wir müssen das einigende Prinzip unserer Galaxis noch entdecken, so wie Kepler das einigende Prinzip unseres Sonnensystems entdeckte.

Was also ist die Bedeutung der Kreativität des menschlichen Geistes als integralem Bestandteil der Gesetze unseres Universums? Und wo liegt die Zukunft der Menschheit? Die nächste Phase der Arbeit im Weltraum, in der Galaxis und darüber hinaus erfordert eine Zusammenarbeit der führenden Wissenschaftler der großen Nationen, um die Gesetze unseres Universums als neues Pioniergebiet der Forschung zu entdecken. Wir müssen Fähigkeiten der Menschheit entdecken, die uns bisher noch gänzlich unbekannt sind – so wie das Helium-3 auf dem Mond zu Keplers Zeit noch nicht bekannt war -, wenn die Menschheit fortbestehen soll.

Es gibt kein geschlossenes System Erde, vielmehr ist das Leben auf der Erde durch die Gesetzmäßigkeiten der Interaktion des Sonnensystems mit der Galaxis bestimmt, und das zugrundeliegende Prinzip aller dieser Milliarden von Galaxien müssen wir noch entdecken. Die Bedeutung des Lebens liegt im Fortschritt der menschlichen Fähigkeit, die Herausforderungen der Entdeckungen auf dem Weg zu meistern, damit die Menschheit noch in Millionen und Milliarden Jahren weiter existieren kann. Bisher haben wir nur die Schatten dieses Prinzips entdeckt.

Deshalb ist es eine Voraussetzung für unsere Existenz, zu den Prinzipien physischer Wirtschaft und wirklicher Wissenschaft zurückzukehren und den Monetarismus abzuschaffen. Wir müssen das historische Wissen über die theoretischen Grundlagen der verschiedenen industriellen Revolutionen, das aus den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern westlicher Universitäten fast völlig ausgemerzt wurde, wieder herstellen.

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Abb. 15: Setzten sich für die Prinzipien der physischen Wirtschaft ein: Henry Carey (o.l), Graf Witte (o.r.), Friedrich List (u.l) und Gottfried Wilhelm Leibniz (u.r.)

Denn es ist eine Tatsache, daß die industriellen Revolutionen in den Vereinigten Staaten, in Deutschland, Japan und Rußland wie jüngst das chinesische Wirtschaftswunder stets auf den Prinzipien der physischen Wirtschaft von Gottfried Wilhelm Leibniz, Friedrich List, dem Amerikanischen System von Mathew und Henry Carey und von Graf Witte beruhten (Abbildung 15).

Die Meiji-Restauration schaffte es dank der Theorien Alexander Hamiltons und Friedrich Lists, Japan schnell in eine der wirtschaftlichen Weltmächte zu verwandeln. (Erasmus Smith, ein enger Mitarbeiter von Lincolns Wirtschaftsberater Henry Carey, wurde von der Regierung Ulysses Grant als offizieller Wirtschaftsberater zur Meiji-Restauration entsandt.)

Die schnelle Umwandlung Deutschlands aus einem Feudalstaat in ein wirtschaftliches Kraftzentrum basierte ganz auf der Tradition Friedrich Lists und auf Bismarcks Begegnung mit dem Wirtschaftsmodell Henry C. Careys, vermittelt durch den damaligen Chef des deutschen Industrieverbands, Wilhelm von Kardorff. Deutschland wäre keine Industrienation geworden, wenn Bismarck nicht vom Anhänger der Freihandelstheorien zu einem Vorkämpfer der protektionistischen Politik von List und Carey bekehrt worden wäre.

Das chinesische Wirtschaftswunder der letzten 30 Jahre, allen voran die Strategie der Neuen Seidenstraße und das alternative Bankensystem mit der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB), der Neuen Entwicklungsbank und den Fonds für die Seidenstraße und die Maritime Seidenstraße, folgt der gleichen Tradition. Beim 5. Weltkongreß für Chinastudien im Frühjahr 2013 in Shanghai und bei der List-Konferenz in Reutlingen 2014 wurde nachdrücklich hervorgehoben, daß der deutsche Ökonom, und nicht etwa Adam Smith, der populärste Wirtschaftstheoretiker in China ist.

List war die Entwicklung der produktiven Kräfte der Arbeiter und der industriellen Kapazitäten wichtiger als statistischer Reichtum – er wäre heute ein vehementer Kritiker der auf bloße Vermögenswerte fixierten Volkswirtschaften. In einem Papier, das er 1837 einem Wettbewerb der Französischen Akademie der Wissenschaften vorlegte, entwickelte er die Vision der zukünftigen Rolle der Verkehrsnetze, eine „Raum- und Zeitökonomie“, die Ideen enthält, die noch heute für die Weltlandbrücke Gültigkeit haben.

Er sah in der ständigen Vervollkommnung der Verkehrs- und Kommunikationssysteme die Voraussetzung für den Fortschritt der Menschheit, das sie den Menschen erlauben, alle ihnen von der Natur gegebenen Potentiale zunehmend zu entfalten. Je mehr Talente ihre Ideen austauschen und in allen Bereichen zusammenarbeiten könnten, desto größer werde der Fortschritt in allen Bereichen des Wissens sein und desto mehr würden die Wissenschaften und Künste angeregt und sich in alle Bereiche und Disziplinen des Wissens ausbreiten. Unser heutiges Zeitalter der Düsenjets vorausnehmend sagte er, je leichter es für den Menschen werde, sich von einem Ort zum anderen zu bewegen, desto mehr Zeit würde er sparen und mehr Raum dicht zusammendrängen, und desto mehr würde er die Entwicklung und Effizienz ihrer Kräfte steigern und den materiellen Reichtum der Natur für seine Zwecke nutzen.

Die Wirkung dieser Eigenschaft der „Raum- und Zeitökonomie“, wie er sie nannte, würde sich am Reichtum der Nationen zeigen, die ein fortgeschrittenes Verkehrs- und Kommunikationssystem aufbauen, auch wenn ihr „natürliches Umfeld“ ungünstig ist. Das hohe Maß an Geschwindigkeit, Regelmäßigkeit und Kosteneffizienz des Verkehrs werde neue Ebenen der Entwicklung der geistigen und materiellen Produktionskräfte ermöglichen.

In einer beinahe prophetischen Vorhersage sah er voraus, daß diese Entwicklung auf die Einigung aller Nationen zu einer Menschheit, einer „Republik des Planeten“ auf der Grundlage der „Ökonomie der Menschheit“ hinführen werde.

Die Verwirklichung der Weltlandbrücke, ausgehend von den gemeinsamen Zielen der Menschheit, ist schon in naher Zukunft völlig machbar. Sie muß jedoch mit einem Dialog zwischen den Hochphasen der verschiedenen Kulturen der Welt einhergehen. Für viele asiatische Länder bedeutet dies Konfuzius; für Indien bedeutet es die Gupta-Periode und die indische Renaissance; für Rußland Alexander Puschkin und Wladimir Wernadskij, für Italien die italienische Renaissance, für Deutschland die Klassik der Musik und Dichtung. Aus der Kenntnis der anderen Kulturen wird Liebe und Bewunderung erwachsen. Nur so erhalten die Vertreter der verschiedenen Kulturen Zugang zu den Grundlagen ihrer Identität als Mitglieder der einzigen uns bekannten schöpferischen Gattung im Universum, die bisher zwar noch in den Kinderschuhen steckt, die aber eine unsterbliche Gattung werden kann und muß.

Um diese Vision zu verwirklichen, brauchen wir heute Persönlichkeiten, die von einer leidenschaftlichen Liebe zur Menschheit geleitet sind.


Eine Resolution zur Verteidigung des Lebens von Milliarden Menschen: Wir sagen Nein zum CO2-Reduktionplan der Pariser COP21-Konferenz!

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Die folgende Resolution wurde am 2. November vom Schiller-Institut veröffentlicht, in der Absicht, weltweit schnell viele Unterstützungsunterschriften qualifizierter Fachleute, Politiker und Bürger zu sammeln.

Die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen hängen davon ab, daß die Agenda, die auf der Pariser UN-Klimakonferenz (COP21) im Dezember 2015 vorgelegt werden soll, zurückgewiesen wird. Die Pariser COP21-Initiative für eine rechtlich bindende Verpflichtung zur Senkung der CO2-Emissionen muß aus zwei Gründen zurückgewiesen werden:

1. Es ist eine wissenschaftliche Tatsache, daß menschliche Aktivitäten keinen katastrophalen Klimawandel auslösen, und

2. das geforderte Programm zur CO2-Reduzierung hat sehr reale, tödliche Konsequenzen.

Es gibt keine legitime Grundlage, die COP21-Konferenz überhaupt zu veranstalten. Sie muß sofort abgesagt werden!

Entgegen der Propaganda, die die Klimafanatiker mit einer extrem gut finanzierten, von oben organisierten Kampagne verbreiten, gibt es eine immense Menge stichhaltiger wissenschaftlicher Belege, die den Behauptungen über eine angeblich bevorstehende Klimakatastrophe aufgrund menschlicher Treibhausgas-Emissionen widersprechen und/oder sie widerlegen. So zeigen beispielsweise Satellitenmessungen, daß die globalen Durchschnittstemperaturen seit mehr als 18 Jahren nicht mehr angestiegen sind, obwohl die Menge menschlicher Treibhausgas-Emissionen immer schneller zugenommen hat. Dies unterstreicht die Tatsache, daß das Klima schlicht und einfach nicht so auf CO2-Konzentrationen reagiert, wie es die Panikmacher behaupten. Anders gesagt: Das Klimasystem der Erde ist nicht sehr empfindlich gegenüber Änderungen der CO2-Konzentration in der Atmosphäre.

Da viele Klimamodelle von der falschen Annahme einer solchen hohen CO2-Empfindlichkeit ausgehen, sind deren Vorhersagen durchweg falsch, und mit jedem Jahr weichen sie immer stärker von der Realität ab. Die graduellen Änderungen des Klimas, die in den letzten Jahrzehnten eingetreten sind, und die graduellen Änderungen, die auch in der Zukunft eintreten werden, sind und waren kein Grund zur Panik. Diese Änderungen sind zum größten Teil natürlich, und denkbare menschliche Einwirkungen wären nur relativ geringfügig. Eine gesunde und wachsende Weltwirtschaft kann sich leicht auf diese Änderungen einstellen.

Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß CO2 kein Schadstoff, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Biosphäre ist. Da der gegenwärtige CO2-Gehalt der Atmosphäre weit unter dem Optimum für das Pflanzenwachstum liegt, hat die vom Menschen verursachte CO2-Zunahme schon jetzt dazu beigetragen, die landwirtschaftliche Produktivität und das natürliche Pflanzenwachstum zu steigern – wodurch ein meßbar grünerer Planet entsteht.

Aber beim Pariser Klimagipfel geht es nicht nur darum, daß viele Länder möglicherweise Zeit und Ressourcen für ein Scheinproblem verschwenden, das nur in Computermodellen existiert. Die häßliche Wahrheit ist, daß die vorgeschlagenen Programme zur CO2-Reduktion weltweit die Armut vergrößern, die Lebensbedingungen verschlechtern und die Sterblichkeit erhöhen würden. Eine wachsende Weltbevölkerung wird keine verbesserten Lebensbedingungen entwickeln können, wenn nur Sonnen-, Wind- und andere sogenannte „grüne“ Energieformen genutzt werden.

Tatsache ist, daß dieser Plan von den heutigen Anhängern der Ideologie der Bevölkerungsreduzierung, die von Thomas Malthus bekannt gemacht wurde, intensiv gefördert wird. Organisationen wie der World Wildlife Fund/Worldwide Fund for Nature (WWF) haben wiederholt erklärt, daß die derzeitige Weltbevölkerung die „Tragfähigkeit“ der Erde um Milliarden von Menschen übersteige und daher um mehrere Milliarden reduziert werden müsse. Der gegenwärtige Vorstoß für ein Programm zur CO2-Reduzierung ist tief in dieser malthusianischen Ideologie verwurzelt. Aber Malthus lag schon im 18. Jahrhundert falsch, und seine heutigen Anhänger liegen ebenso falsch.

Energieintensives, wissenschaftliches, technisches und wirtschaftliches Wachstum ist für die menschliche Existenz unverzichtbar. Dies läßt sich an den Übergängen zu höheren Energieflußdichten pro Kopf und pro Flächeneinheit messen. Fortschritt, Wachstum und Entwicklung sind ein universelles Menschenrecht, und CO2-Emissionen sind derzeit für die überwältigende Mehrheit der Weltbevölkerung ein wesentlicher Teil dieses Prozesses. Wenn bei der Pariser COP21-Konferenz rechtlich bindende Vorschriften zur CO2-Reduktion beschlossen würden, dann würde man damit den Lebensstandard von Milliarden Menschen absenken, die Sterblichkeit erhöhen, mehr Armut erzeugen und den Menschen ihr unveräußerliches Menschenrecht nehmen, eine bessere Zukunft für die gesamte Gesellschaft zu schaffen.

Das ist zutiefst unmoralisch.

Aus diesem Grunde müssen die Pläne der Pariser COP21-Konferenz zur CO2-Reduktion zurückgewiesen werden.

IHRE UNTERSCHRIFT

 

Bestätigung

 


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