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Deutschlands entscheidende Rolle für die Neue Seidenstraße

Deutschlands entscheidende Rolle für die Neue Seidenstraße

von Helga Zepp-LaRouche

Die Neue Seidenstraße ist nicht nur eine sehr wichtige wirtschaftliche Initiative. Als Win-Win-Perspektive ist sie auch als eine Antwort auf die zwei größten gegenwärtigen Gefahren zu verstehen: Die Gefahr eines Finanzkollapses des transatlantischen Sektors und die Gefahr eines globalen Krieges. Wenn die Troika weiter darauf besteht, daß Griechenland die Schulden in voller Höhe zahlt – Schulden in Höhe von 360 Mrd. Dollar, die Griechenland nie und nimmer zahlen kann – dann wird diese harte Linie die Derivatblase des europäischen und amerikanischen Bankensystems zum Platzen bringen. Vor zwei Tagen hat die Schulden-Wahrheits-Kommission des griechischen Parlaments festgestellt, daß die Schulden Griechenlands illegitim, sittenwidrig und unbezahlbar sind.

Der unkontrollierte Kollaps der Schulden kann verhindert werden, wenn es zu einer Schuldenneuverhandlung in der Tradition des Londoner Schuldenabkommens von 1953 über die damaligen deutschen Schulden käme, das die Voraussetzung für das deutsche Wirtschaftswunder schuf, und wenn eine Kreditpolitik in Gang gesetzt würde in der Tradition der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg spielte. Das bedeutet, man muß zur Tradition des Industriebankings eines Hermann Abs oder Alfred Herrhausens zurückkehren, die wiederum in der Tradition des Begründers des Amerikanischen Systems der Ökonomie, Alexander Hamilton, stehen.

Der deutschen Wirtschaft kommt in der gegenwärtigen Lage eine Schlüsselstellung zu, da es viele Leute gibt – in der Industrie, in Bundeswehrkreisen und zwei ehemalige Bundeskanzler, Schmidt und Schröder, sowie Außenminister Steinmeier -, die inzwischen begreifen, daß die G7 in ein geopolitisches Werkzeug der Konfrontation mit Rußland verwandelt worden ist. Und viele von ihnen sehen, daß Deutschland genau wie Rußland Ziel dieser geopolitischen Konfrontation ist. Denn die deutsche Industrie hat einen Rückgang der Exporte nach Rußland um 28 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres zu verzeichnen. Und trotz der Schwächung der deutschen Volkswirtschaft durch den Ausstieg aus der Atomkraft vor vier Jahren stellt Deutschland immer noch die Zugmaschine innerhalb Europas dar. Wenn jetzt Deutschland die Sanktionen beenden würde, indem man zugibt, daß der Grund für die Krise nicht bei Rußland, sondern im Drängen der EU zu einem Assoziierungsabkommens (mit der Ukraine) liegt, dann kann diese Krise beendet werden.

Das kommende Gipfeltreffen des Europäischen Fonds für strategische Investitionen am 29. Juni, an dem auch [Chinas Premierminister] Li Keqiang teilnehmen wird, könnte einen Ausweg weisen, in dem man die Ko-Finanzierung einer Verlängerung der Neuen Seidenstraße nach Südeuropa übernimmt. Bereits 2012 hat das Schiller-Institut ein umfassendes Programm für große Infrastrukturprojekte im Mittelmeerraum veröffentlicht, als eine Verlängerung der Neuen Seidenstraße in alle südeuropäischen Länder. Es basierte im Wesentlichen auf den zehn Infrastrukturkorridoren, die von der EU bereits 1994 in Kreta beschlossen, aber auf Grund der Austeritätspolitik nie realisiert worden waren. Das war auch Thema großer Konferenzen in Bukarest und Belgrad 2013 und 2014, an denen auch Premierminister Li Keqiang teilnahm. Wenn dieses Programm umgesetzt wird, könnte Griechenland die Brücke von Europa zu den BRICS-Nationen werden, die sich auf die Fundamente der griechisch-chinesischen Zusammenarbeit in der Antike zur Zeiten der historischen Seidenstraße und die Verbindung dieser beiden großen Kulturen gründet.

Qualität und Dichte der Infrastruktur sind die Voraussetzung für die Produktivität einer Volkswirtschaft. Eine moderne Volkswirtschaft sollte 50 Prozent ihrer Ausgaben in die Infrastruktur investieren. Wir sprechen hier nicht über bloße Verbindungen zwischen zwei Orten A und B, sondern von Korridoren, die Hochgeschwindigkeitsbahnen, Wasserwege, Autobahnen, Energieerzeugung und Verteilung sowie Kommunikationsnetze beinhalten, weil das alles zusammen die Bedingungen schafft, unter denen die Entwicklung industrieller und landwirtschaftlicher Produktion stattfindet.

Ziel dieser Korridore ist die Erhöhung der Produktivität der Bevölkerung. Die Verbindung der verschiedenen Anfangspunkte der Neuen Seidenstraße in Yiwu, in Lianyungang oder auch anderen Städten nach Duisburg ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, daß Geschwindigkeit und Effizienz des Transports um so wichtiger werden, je höher Entwicklungsgrad und Produktivität einer Volkswirtschaft sind. Dann arbeiten Fertig- und Halbfertigprodukte wie in einer komplexen Maschine zusammen, in der jedes Teil als Teil eines harmonischen Ganzen funktioniert. Die Dichte der Infrastruktur im Ruhrgebiet, in Baden Württemberg oder dem Rhein-Main-Gebiet könnte als Vorbild für die Balkanregion, Süditalien oder die ägäische Halbinsel dienen.

Um die Welt mit Xi Jinpings Win-Win-Seidenstraßen-Strategie aus der geostrategischen Konfrontation herauszuführen, ist die Einbindung der deutschen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Da Deutschland in der Staatengemeinschaft, gemessen an allen eingereichten Patenten, den vierten Platz einnimmt – und das mit nur 80 Mio. Einwohnern -, ist es die mittelständische Industrie, gerade aus dem höchst innovativen Maschinenbausektor, die die Welt aus der gegenwärtigen Krise befreien kann. Das Schiller-Institut hat eine 370seitige Studie mit dem Titel. „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“ produziert, die einen entscheidenden Entwurf darstellt, wie in den nächsten zehn Jahren die Unterentwicklung großer Gebiete der Erde überwunden werden kann. Dies sind die Korridore, die die Welt verbinden werden – von der südlichsten Region Chiles, quer durch die Amerikas über die Beringstraße und dann weiter bis zur Südspitze Afrikas.

Das bedeutet Zusammenarbeit in Industrien hoher Energieflußdichte wie Biophysik oder Weltraumforschung. Dieses Projekt gewährt unbegrenzte Möglichkeiten der Win-Win-Zusammenarbeit der ganzen Welt. Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb schon vor 300 Jahren:

“Durch einzigartige Entscheidung des Schicksals, wie ich glaube, ist es dahin gekommen, daß die höchste Kultur und die höchste technische Zivilisation der Menschheit heute gleichsam gesammelt sind an zwei äußersten Enden unseres Kontinents, in Europa und China, das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert. Vielleicht verfolgt die höchste Vorsehung dabei das Ziel – während die zivilisierten und gleichzeitig am weitesten voneinander entfernten Völker sich die Arme entgegenstrecken – alles, was sich dazwischen befindet, allmählich zu einem vernunftgemäßen Leben zu führen.“

Diese Vision gilt heute für die ganze Welt. Zusammen können wir eine neue Ära in der Menschheitsgeschichte beginnen, in der die menschliche Spezies ein für alle Mal die Geopolitik überwinden und zu ihrer wahren Natur als einzig kreative Gattung in dem uns bekannten Universum finden kann.