Bericht vom 166. Online-Treffen der Internationalen Friedenskoalition
Die 166. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) fand am 7. August 2026 statt – 81 Jahre nach dem 6. und 9. August 1945, als der erste Atomwaffeneinsatz der Welt die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki verwüstete und mindestens 110.000 Zivilisten unmittelbar und viele weitere später an den Folgen der Strahlenbelastung starben. Da westliche Regierungen, allen voran die von US-Präsident Donald Trump, derzeit offen ihre Nukleardoktrin „überarbeiten“ und damit den Einsatz von Atomwaffen in Kriegen gegen Rußland und China wahrscheinlicher machen, lautete der treffende Titel der Veranstaltung „Die Kunst, unseren kriminellen Kurs umzukehren“.
Helga Zepp-LaRouche, die IPC-Initiatorin und Gründerin des Schiller-Instituts, eröffnete das Treffen mit der Warnung, wir seien einem Atomkrieg näher als jemals zuvor in der Geschichte, sogar während der Kubakrise im Oktober 1962. Es gebe keine Rüstungskontrollverträge mehr, das Vertrauen zwischen den Staaten sei selbst unter nominellen Verbündeten zusammengebrochen, und die alte Ordnung existiere nicht mehr.
Vor diesem Hintergrund sei es ungeheuerlich, daß der „stellvertretende US-Kriegsminister“ Elbridge Colby sich laut NBC News darüber ausließ, daß das Pentagon erwägt, seine Nukleardoktrin zu überarbeiten, um von der atomaren Abschreckung zur tatsächlichen Führung eines Atomkriegs überzugehen – und das in einer Zeit, in der es bereits zwei regionale Konflikte in der Ukraine und in Südwestasien gibt, bei denen der Einsatz von Atomwaffen im Raum steht, und die Gefahr wächst, daß weitere Länder beschließen könnten, sich ebenfalls Atomwaffen zu verschaffen.
Der Iran habe der mächtigsten Militärmacht der Welt, den Vereinigten Staaten – unterstützt von einer weiteren starken Militärmacht, Israel – getrotzt und sie sogar besiegt. Trotz aller lauten Worte Trumps gehe dem Westen die Munition für die endlosen Kriege aus. Das neue Militärabkommen zwischen Saudi-Arabien, der Türkei (einem NATO-Mitglied) und Pakistan (einer Atommacht) verdeutliche die dramatischen Veränderungen, die sich in der gesamten Region vollziehen. Damit diese Kriege beendet und keine neuen begonnen werden, brauche die Welt eine neue Architektur, die allen Ländern Sicherheit und Entwicklung und Gerechtigkeit für alle gewährleistet.
Die tiefere Ursache der Krise sei die mittlerweile über zwei Billiarden Dollar hohe Verschuldung der transatlantischen Volkswirtschaften. Anstatt ein neues System aufzubauen, werde auf die Methoden von Hitlers Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht der Zeit von 1933 bis 1937 zurückgegriffen, indem aller verfügbarer Kredit von der Realwirtschaft in die Rüstung und Kriegsführung umgeleitet wird. All dem liege die malthusianische Mentalität einer Bevölkerungsreduktion zugrunde. Beispielhaft dafür stehe der jüngste Aufruf im Sustainable Development Magazine für eine Halbierung der Weltbevölkerung auf weniger als vier Milliarden bis 2200.
Die erste Rednerin war Dr. Akiko Mikamo, Autorin des Buches 8:15 – Eine wahre Geschichte von Überleben und Vergebung aus Hiroshima, das nun unter dem Titel The Hiroshima Boy neu aufgelegt wurde, und Produzentin des Dokumentarfilms 8:15 Hiroshima, From Father to Daughter, der anschaulich die Auswirkungen und das Leid ihres Vaters und ihrer Mutter schildert, die beide in der Todeszone des Atombombenabwurfs auf Hiroshima waren, aber überlebten. Sie berichtete, daß beim diesjährigen Gedenken in Hiroshima zum 6. August 1945 Vertreter aus 127 Ländern anwesend waren und weltweit Gedenkveranstaltungen stattfanden. Sie beschrieb die Ereignisse anhand von Bildern, die die Zerstörung von Gebäuden und Menschen zeigen. Ihr Vater, Shinji Mikamo, habe nie den Vereinigten Staaten allein die Schuld gegeben, sondern dem Krieg an sich. Abschließend merkte sie an, daß Menschen auf Verletzungen oder Ängste oft mit Gegenangriffen reagieren, was auch der Rechtfertigung von Kriegen diene. Dieser Teufelskreis müsse durchbrochen werden.
Dr. Theodore Postol, emeritierter Professor für Wissenschaft, Technologie und internationale Sicherheit am Massachusetts Institute of Technology und weltweit anerkannter Experte für die Auswirkungen von Atomwaffen, verglich das Handeln des amtierenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit dem von Adolf Hitler gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Hätte Hitler nach der Operation Bagration (Juni 1944) seine Niederlage eingestanden – als die russischen Truppen innerhalb von drei Wochen 28 von 32 deutschen Armeedivisionen in Weißrußland vernichtet hatten, an der polnischen Grenze standen und klar war, daß der Krieg für Deutschland hoffnungslos war -, dann hätte das zwei oder drei Millionen Deutschen das Leben gerettet. Ähnlich verhalte es sich heute mit Selenskyj, der sich weigert, seine Niederlage einzugestehen.
Zur vorgeschlagenen neuen US-Atomdoktrin sagte Dr. Postol, niemand könne einen Atomkrieg gewinnen, man könne damit nur die globale Zerstörung auslösen. Davor habe er bereits vor einigen Jahren gewarnt, als die US-Regierung von Präsident Joe Biden die Entwicklung von „Superzündern“ für ihre Atomwaffen für Blitzangriffe genehmigte. Eine drastische Verbesserung der Zielgenauigkeit der Sprengköpfe soll dabei die Zerstörungskraft gegen besonders widerstandsfähige Ziele verdoppeln, und das soll es ermöglichen, mit Atomwaffen mit niedriger Sprengkraft russische Atomraketen in ihren Silos zu zerstören. Die Kriegstreiber würden sich das in ihrer Phantasie vielleicht so vorstellen, sagte Postol, aber tatsächlich gebe es so etwas wie eine „taktische“ Atomwaffe nicht. Selbst viele sonst intelligente Wissenschaftler verstünden dies nicht und behaupteten, sie könnten einen Atomkrieg „gewinnen“.
Postol fügte hinzu, auch die wachsende Verbreitung von Atomwaffen sei eine ernste Gefahr. Die USA drohten offen damit, die iranische Gesellschaft und Kultur zu zerstören, und vor diesem Hintergrund könnte der Iran vielleicht glauben, daß nur der Bau einer Atomwaffe dies verhindern kann. Es sei zwar unwahrscheinlich, daß der Iran das versucht, aber wenn er dazu gedrängt wird, könnte er eine solche Waffe bauen, indem er sein zu 60% angereichertes Uran weiter aufbereitet. Allerdings könnte der Iran schon mit seinen heutigen Waffen das kleine Israel praktisch vernichten, und eine solche Operation würde auch Israel in eine existentielle Krise stürzen, was zum Einsatz von dessen Atomwaffen führen könnte.
Selbst die Saudis fürchteten eine iranische Atombombe, während sie zugleich der Ansicht seien, daß sie sich für ihre Verteidigung nicht mehr auf die Vereinigten Staaten verlassen können, und daher ihre eigenen Atomwaffenpläne überdenken. Auch die Japaner, die Südkoreaner und Taiwan, die Chinas Atomwaffen im Blick haben, könnten die Beschaffung von Atomwaffen in Erwägung ziehen, so Dr. Postol.
Zepp-LaRouche entgegnete, China habe als einziges Land einen Plan, der ihren eigenen „Zehn Prinzipien einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ ähnele, insbesondere mit Chinas vier Globalen Initiativen für Entwicklung, Sicherheit, Zivilisation und Regierungsführung.
Postol stimmte zu. Joe Biden habe Rußland mit dem Angriff auf die Ukraine im Grunde gezwungen, etwas zu tun, was es nicht tun wollte, und Trump habe (zusammen mit Israel) einen unprovozierten Angriffskrieg gegen den Iran begonnen. Wir sollten dankbar sein, daß der russische Präsident und der chinesische Präsident rational sind – das sei unsere größte Hoffnung, daß keiner von beiden Atomwaffen einsetzt.
Der Moderator Dennis Speed befragte Postol zu der „Bestandsaufnahme strategischer Bombardierungen der USA“ von 1946, die zu dem Schluß kam, daß Japan auch kapituliert hätte, wenn die USA die Atombombe nicht abgeworfen hätten, wenn Rußland nicht mit einem Kriegseintritt gegen Japan gedroht hätte und wenn die USA nicht mit einer Invasion gedroht hätten.
Postol glaubt, die USA hätten damals eine Invasion geplant, bei der Schätzungen zufolge Millionen von Amerikanern und noch mehr Japaner umgekommen wären. Daher hätten sie beschlossen, die Bombe abzuwerfen, in der Überzeugung, dadurch Leben zu retten. Unabhängig davon, ob dies richtig oder falsch sei, sei es nun einmal passiert, und der Schrecken des Ergebnisses müsse verhindern, daß so etwas jemals wieder geschieht.
Dies löste mehr Diskussion unter den Teilnehmern aus, und Zepp-LaRouche betonte, der Atomwaffeneinsatz sei völlig unnötig gewesen, weil Japan schon zur Kapitulation bereit war.
John Steinbach vom Washingtoner Hiroshima- und Nagasaki-Komitee erklärte, die Bestandsaufnahme der strategischen Bombardierungen von 1946 reflektiere im wesentlichen die Sichtweise des US-Generalstabs, in dem viele gegen den Einsatz der Atombombe waren. Doch Gen. Hap Arnold, ein Vertrauter Präsident Trumans, der als einziger den Einsatz befürwortete, habe sich in der Debatte durchgesetzt. Steinbach beschrieb auch, wie die Wissenschaftler Albert Einstein und Leo Szilard auf Präsident Roosevelt zugingen und ihm erklärten, eine Atomwaffe auf der Grundlage der neu entdeckten Prinzipien der Kerntechnik sei möglich, Deutschland versuche, eine solche Waffe zu bauen, und deshalb brauche man das Manhattan-Projekt zum Bau der Bombe. Als sich später herausstellte, daß die Deutschen dazu nicht in der Lage waren, wurde das Projekt aber nicht eingestellt, sondern das Ziel auf Japan verlagert.
Jack Gilroy beschrieb den offenen Brief an den Erzbischof von Santa Fe, John Wester, den er gemeinsam mit der IPC und dem Schiller-Institut verfaßt hat. Sie fordern Wester darin auf, sich bei Papst Leo XIV. dafür einzusetzen, daß der eine Friedenskonferenz einzuberuft, ähnlich wie Papst Johannes XXIII. 1962 auf Drängen Präsident Kennedys und seiner Mitarbeiter eingriff, um die Kubakrise zu beenden. Gilroy bat die Moderatorin Anastasia Battle, den Brief vorzulesen, was sie auch tat.
Die Diskussionsrunde bezog sich besonders auf einen Brief einer spanischen Nonne, Schwester Paz („Frieden“ auf Spanisch) zu der Frage, was man gegen die „Finsternis“ tun soll, die von der Finanz- und Militäroligarchie ausgeht, wobei sie andeutete, daß nur die Unendlichkeit diese Frage beantworten könne. Steinbach und Postol stimmten dem im wesentlichen zu. Zepp-LaRouche forderte, Gilroys Brief an den Papst als Sammelpunkt für Menschen weltweit zu nutzen, um die Aufmerksamkeit sowohl auf die Gefahr als auch auf die Lösung zu lenken, dem Beispiel von Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela zu folgen und im Sinne von Imago viva Dei, dem Menschen als lebendes Abbild Gottes, zu handeln.
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