Bericht vom 163. Treffen der Internationalen Friedenskoalition
Die 163. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC, IFK) am 17. Juli begann mit einem Überblick über die Weltlage von Helga Zepp-LaRouche, der Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der IPC. Die Vereinigten Staaten hätten bereits den sechsten Tag in Folge den Iran massiv bombardiert und dabei zivile Infrastruktur ins Visier genommen. Der Iran antworte darauf mit Angriffen auf US-Stützpunkte und habe die Huthi im Jemen aufgerufen, die Meerenge von Bab al-Mandab am Roten Meer – eine weiterer wichtiger Engpaß neben der Straße von Hormus – zu sperren. Dies könne die Welt schon im August in „eine Depression, eine Hungerkatastrophe und eine Energiekrise“ stürzen, warnte Zepp-LaRouche.
In Europa „haben die Ukrainer begonnen, russische Einrichtungen am Schwarzen Meer massiv anzugreifen, und als Vergeltungsmaßnahme hat Rußland begonnen, Häfen in der Region Odessa zu treffen, was massive Auswirkungen auf Getreide, Öl und Düngemittel hat“. Das sei eine Bedrohung für die weltweite Nahrungsmittelversorgung, weil allein Rußland schon über 10% der weltweiten Getreideexporte liefere.
Zepp-LaRouche verurteilte die wahnwitzige Entscheidung Deutschlands, von den USA Tomahawk-Marschflugkörper zu kaufen und auf deutschem Boden zu stationieren. Damit stünden wir vor einer Wiederholung der Mittelstreckenraketenkrise der 1980er Jahre.
In Amerika sei Präsident Trump „zunehmend delirierend“, wie man an seiner jüngsten Fernsehansprache sehe, in der er behauptete, China hätte 2020 rund 220 Millionen Datensätze über US-Wähler gestohlen.
Diesem düsteren Bild stünden einige positive Entwicklungen entgegen. Rußland, China und der Vatikan arbeiteten daran, Mißbrauch künstlicher Intelligenz (KI) einzudämmen. Rußland und China hätten vereinbart, zu diesem Zweck eine Weltorganisation für Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Sitz in Shanghai zu gründen. In ähnlicher Weise hätten sich 30 Nobelpreisträger und führende Experten bei einem dreitägigen Treffen in der Sommerresidenz von Papst Leo XIV. im italienischen Castel Gandolfo auf die „Römische Erklärung zu Atomwaffen und KI“ geeinigt.
Unterdessen hätten in den USA 104 Kongreßabgeordnete für die Streichung der Finanzhilfen für Israel gestimmt. Auch wenn das nicht ausreichte, um den Änderungsantrag zu verabschieden, sei das sehr wichtig, weil es das erste Mal war, daß sich eine größere Zahl von Abgeordneten den Wünschen der Israel-Lobby widersetzte.
Jack Gilroy ist regelmäßiger IPC-Teilnehmer und aktiv bei Veterans for Peace, Pax Christi im Staat New York und Pax Christi International. Er gab einen aktuellen Bericht über die Initiative, die Diplomatie von Papst Johannes XXIII. während der Kubakrise im Oktober 1962 nachzuahmen, als der Papst als Vermittler zwischen US-Präsident Kennedy und dem sowjetischen Staatschef Chruschtschow fungierte und dazu beitrug, eine Situation zu entschärfen, in der die Welt kurz vor einem Atomkrieg stand.
Nahrungsmittelkrise
Joe Maxwell war Vizegouverneur von Missouri, Rechtsanwalt und Offizier der Nationalgarde von Missouri und ist ein führender Vertreter der Landwirte-Organisationen Farm Action und Farm Action Fund. Er würdigte zunächst das Schiller-Institut und die IPC für ihre wichtige Arbeit seit nunmehr 163 Wochen. Dann gab er einen umfassenden Bericht über die negativen Folgen der Kriege in der Ukraine und im Iran für Amerikas Landwirte und ländliche Gemeinden – zusätzlich zu einer ohnehin schon schwierigen Lage für unabhängige Familienbetriebe. In den USA gingen täglich 63 kleine und mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe verloren, während gleichzeitig viele Familien im Land Schwierigkeiten haben, Lebensmittel noch zu bezahlen. Vier Konzerne teilten sich 85% des US-Rindfleischmarkts. Maxwell legte ähnliche Statistiken für andere Erzeugnisse vor. Die Kosten für die Landwirte in den USA seien stark gestiegen, so haben sich die Düngemittelpreise verdoppelt und Diesel ist 40% teurer geworden. Wegen der Kriege und der Monopolpolitik der internationalen Agrarkonzerne hätten Amerikas Landwirte in diesem Jahr Verluste in Höhe von 31 Milliarden Dollar.
Die unabhängige US-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare zählte die Engpässe auf, die jetzt die ganze Weltwirtschaft gefährden: die Straße von Hormus, die Straße von Bab al-Mandab am Roten Meer, die Übernahme Albaniens an der Adria durch die „Epstein-Klasse“ sowie die Angriffe der Ukraine auf russische Schifffahrtsrouten im Schwarzen Meer. Während sich diese Gefahren immer mehr verschärften, würden die Vereinigten Staaten von einem „hirnlosen, bösartigen Narzißten“ im Weißen Haus geführt. Die Weltwirtschaft nutze derzeit noch das Öl, das vor der Sperrung der Straße von Hormus auf den Meeren unterwegs war, sodaß die Folgen der Sperrung erst verzögert eintreten, doch bald werde man die vollen Auswirkungen zu spüren bekommen.
Ein entscheidender Schauplatz sei der Kampf um das Verteidigungsbudget 2027 (National Defense Authorization Act, NDAA) im Kongreß in Washington. Der Republikaner Thomas Massie und der Demokrat Ro Khanna hätten beantragt, den mittlerweile berüchtigten Abschnitt 219, der Militär und Nachrichtendienste der USA und Israels faktisch verschmelzen soll, aus dem NDAA zu streichen, und Sare unterstützt ihren Vorstoß. Sie berichtete, wie der Abgeordnete Adam Smith Massies Antrag, geplante 3,3 Milliarden Dollar Militärhilfe an Israel zu streichen, zunächst ablehnte, dann aber zustimmte. Das sei der Beweis dafür, wie sich der Kongreß ändern kann, um auf die Wünsche der Wähler einzugehen.
Zepp-LaRouche fragte Maxwell, welche verzögerten Auswirkungen der weltweite Engpaß bei Düngemitteln habe. Er antwortete, wenn die Versorgung mit Stickstoffdünger ausfalle, dauere es etwa ein Jahr, bis höhere Preise und Engpässe eintreten. Die Folge davon seien weniger Nahrungsmittel und verbreiteter Hunger. Co-Moderator Dennis Speed knüpfte daran an und schlug vor, daß die IPC den Zusammenhang zwischen Angriffen auf die Landwirtschaft und der Migrationskrise untersucht, weil Nahrungsmittelmangel Menschen zwingt, auf der Suche nach Essen umzuziehen, um zu überleben. Zepp-LaRouche stimmte zu und sagte, die Verhinderung von Entwicklung werde zu einer „Explosion der Migrationskrise“ führen.
Iran im Vorteil
Speed stellte dann den regelmäßigen IPC-Teilnehmer Larry Johnson vor, der sich nach Abschluß einer anderen Verpflichtung angemeldet hatte. Johnson war CIA-Beamter und ist Mitglied der kritischen Gruppe „Geheimdienstveteranen für Vernunft“ (Veteran Intelligence Professionals for Sanity, VIPS). Er merkte zunächst an, seit seinem Vortrag beim letzten IPC-Treffen vor einer Woche habe der Iran sechs Tage lang ständige Bombardements erlebt. Entgegen dem hysterischen Triumphgeschrei der Trump-Regierung „ist der Iran in diesem Kampf strategisch im Vorteil“. Johnson zeichnete ein verheerendes Bild vom Schwund der militärischen Fähigkeiten der USA unter den Bedingungen des Irankriegs: Bei dem Tempo, mit dem dort Raketen verbraucht werden, würden die Raketen, die Lockheed Martin im vergangenen Jahr herstellte, ganze sieben Tage reichen. Amerika gehe die Munition aus.
„Die Vereinigten Staaten stecken in einem selbstverschuldeten Zermürbungskrieg“, sagte Johnson. „Der Iran muß nur jeden Tag US-Stützpunkte mit ballistischen Raketen beschießen, dann … werden die Vereinigten Staaten praktisch aus dem Persischen Golf vertrieben.“ Nachdem die USA China in den 90er Jahren den Zugang zu ihrem Satelliten-Navigationssystem GPS verwehrt hatten, habe China sein eigenes, unabhängiges System BeiDou entwickelt, auf das der Iran nun zugreife. „Die Vereinigten Staaten zehren sich selbst auf.“ Die USA hätten weltweite Engpässe bei Diesel und Flugzeugkraftstoff verursacht, was sich unweigerlich auch auf die eigenen militärischen Fähigkeiten auswirke.
Zepp-LaRouche fragte Johnson, ob es im Pentagon Leute gibt, die die Folgen dieser Politik verstehen und intelligent darauf reagieren könnten. Johnson antwortete, man habe die Entschlossenheit des Iran unterschätzt. Es werde nicht lange dauern, bis Präsident Trump gezwungen ist, erhebliche Zugeständnisse zu machen und Wege zu finden, dies seiner Anhängerschaft gesichtswahrend zu verkaufen, indem er behauptet, auf iranische „Gnadengesuche“ großmütig zu reagieren. Unterdessen seien die USA schon dabei, ihre Streitkräfte systematisch aus der Region zu verlegen, um sie außerhalb der Reichweite iranischer Raketen zu bringen.
In der Diskussion wurde Zepp-LaRouche auch darauf angesprochen, daß im Iran 41 bis 43 Millionen Menschen an der Beerdigung des ermordeten Staatsführers Ajatollah Ali Chamenei teilnahmen. Sie antwortete, dies sei die größte Demonstration der Weltgeschichte und eine Bekräftigung der „Jahrtausende langen Identität einer Zivilisation“.
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