Bericht vom 155. Treffen der Internationalen Friedenskoalition.
Die 155. wöchentliche Onlinesitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 22. Mai begann mit einem Lageüberblick der IPC-Initiatorin und Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche. Das nächste Ziel der Mobilisierung der IPC sei die offene Sonderdebatte im UN-Sicherheitsrat am 26. Mai zum Thema „Wahrung der Ziele und Grundsätze der UN-Charta und Stärkung des auf die UN ausgerichteten internationalen Systems“, die Wang Yi als Außenminister Chinas, das in diesem Monat den Vorsitz des Sicherheitsrats innehat, persönlich leiten wird.
Zepp-LaRouche beschrieb die Vorschläge des EIR-Krisenforums vom 15. Mai und fügte hinzu, es sei ermutigend, daß mehr Vorschläge auftauchen wie der Plan „Afrika 2063“, die solche Ideen der IPC-Sitzungen ergänzen.
Zepp-LaRouche hat für die Sitzung des UN-Sicherheitsrats einen Offenen Brief verfaßt. „Uns geht es darum, einen ganz neuen Ansatz auf den Tisch zu bringen“ statt der üblichen Geopolitik, sagte sie, einen Ansatz, der die langfristige Überlebensfähigkeit aller beteiligten Länder in Südwestasien sichert. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) habe diese Woche gewarnt, daß die Welt aufgrund der Ressourcenknappheit infolge des Iran-Krieges zusätzlich zum laufenden wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch das Anfangsstadium eines „Lebensmittelpreisschocks“ erreicht hat, der zu Hungersnöten führen kann. Diejenigen, die den Krieg geplant hätten, hätten ein solches Ergebnis vorausgesehen. „Im Hintergrund stehen all diese verrückten malthusianischen Ideen“, wie die Politik der sogenannten „kontrollierten Desintegration“.
Wissenschaft und Religion
Dr. Abdullah Ahsan aus Pakistan, Professor für Vergleichende Zivilisationswissenschaften an der Istanbuler Sehir-Universität in der Türkei, identifizierte drei Phasen einer Lösung für die aktuelle Krise: Kurzfristig gäbe es den Vorschlag des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu, ein neutrales drittes Gremium – Davutoglu schlug die Ländergruppe Pakistan, Indonesien, Türkei und Malaysia vor – mit der Verwaltung der Straße von Hormus zu betrauen, da die Vereinigten Staaten und der Iran in eine Sackgasse geraten seien und die ganze Welt „Opfer dieser Hormus-Situation“ geworden sei. Mittelfristig müsse man das Konzept eines „Dialogs der Zivilisationen“ wiederbeleben, das in verschiedenen Formen von mehreren Seiten, darunter dem Schiller-Institut und der iranischen Regierung, befürwortet worden ist. Und langfristig müsse man sich mit der Ansicht auseinandersetzen, daß es einen Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion gebe.
Der moderne Säkularismus, so Dr. Ahsan, gehe auf die Ideen des deutschen Philosophen Immanuel Kant zurück. Seine eigenen Studien deuteten jedoch darauf hin, „daß alle Zivilisationen der Geschichte in göttlicher Führung verwurzelt sind“. Als ein Beispiel dafür, wo Wissenschaft und Glaube scheinbar auseinandergehen, führte er das Thema Evolution an.
Im weiteren Verlauf der Diskussion stellte der Co-Moderator Dennis Small eine Lösung für diesen scheinbaren Konflikt vor: Der Mensch habe die Fähigkeit, das physikalische Universum schöpferisch zu verändern, und das sei ein Beweis für den freien Willen und damit für moralische Fähigkeiten – eine „metaphysische Dimension“ in dem, was die meisten Menschen als Physik betrachten, deren Existenz Kants Theorien widerlege. Small nannte Lyndon LaRouches „Oasenplan“ als Beispiel für eine schöpferische Idee, die das physische Universum verändert.
Später äußerte sich Zepp-LaRouche zu dem Thema und stellte der dogmatischen Sicht die philosophische Sicht in der Religion gegenüber. Der Heilige Augustinus habe darauf hingewiesen, daß Platon schon Jahrhunderte vorher zu ähnlichen Schlußfolgerungen wie Jesus Christus gelangt war, was zeige, daß es keinen Widerspruch zwischen Glauben und Wissen gibt. Kardinal Nikolaus von Kues habe im 15. Jahrhundert gesagt, die Evolution bestehe darin, daß eine niedere Sphäre durch das höher entwickelte Organisationsprinzip der nächsthöheren Sphäre „angehoben“ wird. Der russisch-ukrainische Wissenschaftler Wladimir Wernadskij sei mit seinem Konzept der „Noosphäre“ zu der gleichen Schlußfolgerung gelangt. Die Idee spiegle sich auch im Buch Genesis wider, wo der Mensch aufgrund seiner Schöpferkraft als imago viva Dei, als lebendiges Abbild Gottes bezeichnet wird.
Die sich verschärfende Krise in der Landwirtschaft
Als nächstes sprachen zwei führende Vertreter von Viehzuchtverbänden aus den USA. Jesus Holguin Cazares, Präsident der Kansas Cattlemen’s Association, berichtete, daß die Kosten für die notwendigen Chemikalien in der Landwirtschaft wegen des Iran-Krieges dramatisch gestiegen sind. Dies stelle für kleinere, unabhängige Erzeuger eine außerordentliche, untragbare Belastung dar. Darüber hinaus gefährde die Kartellbildung in der Landwirtschaft kleinere Erzeuger, die mit den riesigen Agrarkonzernen nicht konkurrieren können, was sich in höheren Preisen für die Verbraucher niederschlägt. Die Konzerne kaufen notleidende Farmen auf, was die Kartellbildung verstärkt.
Jon Baker, Vizepräsident der Iowa Stockgrowers Association, berichtete ebenfalls über die Krise der Farmer und Rancher, die sich infolge des Iran-Kriegs erheblich verschärft habe, beispielsweise durch den Anstieg der Preise für Diesel, der für die Landwirtschaft unverzichtbar ist. Er kritisierte zudem die Ausbeutung durch Spekulanten und die Agrarindustrie. Baker führte das Beispiel seines eigenen Betriebs an, der allein aufgrund sogenannter „Marktfaktoren“ in den letzten zwei Tagen 80.000 Dollar an Wert verloren habe. Die Mega-Agrarkartelle vergrößerten ihre Konzentration, während die Zahl unabhängiger landwirtschaftlicher Betriebe schrumpft.
Small berichtete über Aktivitäten der Nationalen Front zur Rettung der Mexikanischen Landschaft, die gerade in Mexiko-Stadt eine Demonstration mit 3500 Teilnehmern abgehalten hat und sich mit dem Landwirtschaftsminister traf, um politische Lösungen für die Agrarkrise zu erörtern. Die Gruppe fordert für Mexiko eine Agrarpolitik, die der Ernährung der Bevölkerung Vorrang einräumt, statt die Spekulanten an der Chicagoer Warenbörse reich zu machen – gegen die destruktive neoliberale Wirtschaftspolitik, wie sie z.B. mit Ludwig von Mises von der Österreichischen Schule verbunden ist. Sie fordern zwar von der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum eine andere Politik, wollen aber nicht den US-Spekulanten und der Trump-Regierung dabei helfen, Sheinbaums Regierung zu destabilisieren.
Jose Vega, unabhängiger Kandidat für den US-Kongreß im New Yorker Stadtteil Bronx, berichtete über den Fortschritt seiner Kampagne und betonte, daß es für die Bürger wichtig sei, sich die tiefgreifenden Ideen zu eigen zu machen, die bei den IPC-Treffen diskutiert werden. Er hatte am Vortag eine Kundgebung vor den Vereinten Nationen geleitet, um die Diskussion bei der Sondersitzung des Sicherheitsrats am 26. Mai entscheidend zu beeinflussen.
Diskussion: Kampf gegen die Oligarchie
Zepp-LaRouche erwähnte verschiedene Facetten der Kriegspolitik der führenden „westlichen“ Fraktion und betonte: „Einseitige Sanktionen sind eine Form des Krieges“. Sie äußerte die Hoffnung, daß diese Konflikte durch eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur gelöst werden können. Auf eine Frage hin rief sie zu weltweiter Unterstützung für Kuba auf, einem der Hauptopfer der US-Sanktionen, insbesondere angesichts Kubas lobenswerter Rolle bei der medizinischen Unterstützung anderer Länder. Zepp-LaRouche erklärte, die „Männer von Davos“, auch bekannt als die „Epstein-Klasse“ oder „die Superklasse der toten Seelen“, seien daran interessiert, die Krisen ständig weiter zu schüren, um ihre geopolitische Agenda voranzutreiben.
Dr. Ahsan warf die Frage auf, wie die oligarchische Kontrolle über die Politik beendet werden kann, und nannte als Beispiel die Kampagne Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS), die wirtschaftlichen Druck auf das israelische Regime ausübt, als kleinen Schritt in die richtige Richtung.
Abschließend wiederholte Zepp-LaRouche ihre Warnung, sowohl der Rußland-Ukraine-Konflikt als auch die von Israel ausgelösten Kriege in Südwestasien könnten zum Auslöser eines Atomkriegs werden. Co-Moderator Dennis Speed merkte an, daß das IPC-Treffen nächste Woche, das 156. wöchentliche Treffen, den dritten Jahrestag der Gründung der IPC markiert. Die Beharrlichkeit der IPC bei der Durchführung dieser Treffen werde entscheidend sein, um eine Basisbewegung aufzubauen, die die Politik der Vereinigten Staaten und Europas verändern kann.




