Bericht vom 161. Treffen der Internationalen Friedenskoalition
Die 161. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 4. Juli begann eine Stunde später als üblich, damit die Teilnehmer die Videoansprache von Papst Leo XIV. verfolgen konnten, als dieser die 38. Liberty Medal (Freiheitsmedaille) vom National Constitution Center in Philadelphia entgegennahm. Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin des Schiller-Instituts und IPC-Initiatorin, betonte: „In seiner Person und Lehre verkörpert der Papst die Werte der Amerikanischen Revolution und der Gründerväter.“ Sie empfahl allen, die jüngste Enzyklika Magnifica Humanitas zu lesen, weil die US-Politik viel zu weit von diesen Werten abgewichen sei.
Andere Teilnehmer reagierten auf die Ansprache des Papstes unterschiedlich. Der ehemalige CIA-Analyst Ray McGovern, Mitbegründer der „Geheimdienstveteranen für Vernunft“ (VIPS), erklärte, er sei „seit meiner Geburt Katholik“, kritisierte jedoch, Papst Leo äußere sich zu sehr in „Abstraktionen und Allgemeinplätzen“, ohne frei über das „blutige Gesicht der Geschichte“ zu sprechen. Er verglich dies mit Pius XII., der sich während des Zweiten Weltkriegs ebenfalls in Abstraktionen äußerte.
Im weiteren Verlauf der Sitzung räumte Zepp-LaRouche ein, der Papst hätte sich „vielleicht deutlicher gegen den Krieg aussprechen können“. Aber die Kriegstreiber in den USA hätten schon auf das, was er sagte, sehr scharf reagiert: „Getroffene Hunde bellen.“ Diese hysterischen Reaktionen seien ein Beweis dafür, daß die Worte des Papstes ihre Wirkung haben.
McGovern blieb allerdings bei seiner Ansicht. Die Vereinigten Staaten seien an einem Angriffskrieg und einem Völkermord beteiligt, und der Papst habe es nicht gewagt, dies direkt anzusprechen – im Gegensatz zu Jesus, der „nicht in Plattitüden sprach“.
Pater Harry Bury, seit 70 Jahren ein bekannter katholischer Priester und lebenslanger Friedensaktivist, sagte, dies sei eine gefährliche Zeit, in der wir auf einen Dritten Weltkrieg zusteuern. Aber zwei Dinge machten ihm Hoffnung: der „Oasenplan“ des Schiller-Instituts und die jüngste Enzyklika des Papstes.
In der Diskussionsrunde wies Co-Moderator Dennis Small darauf hin, daß die spanische Regierung eine Amnestie für 1,3 Millionen Migranten angekündigt hat. Zwei Wochen zuvor sei der Papst in Spanien gewesen und habe dort erklärt, man brauche wirtschaftliche Entwicklung, damit Menschen in ihren Heimatländern bleiben können und nicht gezwungen sind, sie zum Überleben zu verlassen. Der mexikanische Agraraktivist Alberto Vizcarra fügte hinzu, daß der Papst die Doktrin des „Gemeinwohls“ auf die Landwirtschaft anwende: Die Bedürfnisse der Menschheit müßten Vorrang haben vor dem Profit von Spekulanten.
In ihren abschließenden Bemerkungen sagte Zepp-LaRouche, die Enzyklika sei „eine sehr machtvolle Intervention“. Was Leo über die Amerikanische Revolution gesagt habe, sei scharfsichtiger als alle anderen Kommentare außer denen von Lyndon LaRouche und dessen Mitarbeitern. „Wir müssen den Amerikanern ihre Seele zurückgeben“, sagte sie.
Ein anderer Teilnehmer merkte an, daß Palantir-Chef Peter Thiel dem Papst vorwirft, ein „Agent des Kommunismus“ zu sein, nur weil er eine Regulierung der künstlichen Intelligenz fordert.
Die aktuelle strategische Lage
Zepp-LaRouche konstatierte, es sei schwer zu sagen, welcher Kriegsschauplatz jetzt gefährlicher ist – der Nahe Osten oder die Ukraine. Wahrscheinlich sei es die Ukraine, weil es sich dort um einen direkten Konflikt zwischen der NATO und Rußland handelt. Der russische Außenminister Lawrow habe öffentlich die Frage gestellt, ob die US-Seite bei dem Treffen der Präsidenten Trump und Putin im August 2025 in Alaska ehrlich war. Anfangs habe es so ausgesehen, als könne dieser Gipfel einen Weg zur Lösung des Konflikts bieten, aber nun fragten sich führende russische Politiker, ob es sich dabei um eine strategische Täuschung des Westens handelte, ähnlich wie bei den Minsker Abkommen 2014-15.
In Südwestasien liege die Absichtserklärung der USA und des Iran vom 17. Juni nun in Trümmern. „Täglich und stündlich verschärft sich die Energie- und Düngemittelkrise weltweit“, sagte Zepp-LaRouche. Die Strategie der USA und Israels, gemäßigte iranische Führungspersönlichkeiten zu ermorden, sei eine Dummheit gewesen, denn nun hätten die Hardliner die Kontrolle.
Prof. Richard A. Falk ist emeritierter Professor für Völkerrecht an der Universität Princeton, Vorsitzender des Kuratoriums des Euro-Mediterranean Human Rights Monitor und war 2008-14 UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten. Er sagte, es sei eine Ironie, daß die aktuelle Krise sich mit den „Scheinfeierlichkeiten“ zum 250. Jahrestag der Amerikanischen Revolution überschneidet. Regierungen seien einer gefährlichen Ideologie verfallen, die „in militaristischer Geopolitik wurzelt“. Weil sie die Realität nicht akzeptieren können, daß militärische Überlegenheit zur politischen Niederlage führt, würden sie uns immer näher an den nuklearen Abgrund treiben. Sie weigerten sich, aus den Grenzen militärischer Macht Lehren zu ziehen. Hinzu komme das verhängnisvolle Problem des Militarismus in der Privatwirtschaft: „Kriege sind profitabel, egal ob sie gewonnen oder verloren werden.“ Die Gründerväter der Vereinigten Staaten hätten verstanden, daß eine demokratische Republik Militarismus in Friedenszeiten nicht verträgt.
McGovern ergänzte, es gebe einen weiteren gefährlichen Faktor in der Konfrontation zwischen der NATO und Rußland: Finnland und Litauen hätten angekündigt, Atomwaffen auf ihrem Territorium zu stationieren, und es sei wahrscheinlich, daß die anderen baltischen Staaten Estland und Lettland diesem Beispiel folgen.
Bassam el Hachem, Professor für Politische Soziologie an der Universität des Libanon, sagte, der Libanon sei mehr denn je gegen die amerikanisch-israelische Aggression mobilisiert. Die Hisbollah werde nur deshalb als „terroristisch“ bezeichnet, weil sie Widerstand gegen Israel leistet. Israel gebe sich mit der Besetzung Palästinas nicht zufrieden, sondern wolle mit Plänen für ein „Groß-Israel“ noch weiter gehen. Der Angriff auf den Iran inmitten von Verhandlungen sei ein „schmutziger Dolchstoß in den Rücken der Iraner“ gewesen.
Co-Moderator Dennis Speed verlas eine Botschaft des ehemaligen US-Kongreßabgeordneten und Präsidentschaftskandidaten Dennis Kucinich, der nicht persönlich teilnehmen konnte. Kucinich konzentrierte sich auf Abschnitt 219 des Gesetzentwurfs zum nächsten Verteidigungsbudget (NDAA), der die Verteidigungs- und Geheimdienstkapazitäten der USA mit denen Israels zusammenführen soll. Speed berichtete, Kucinich und er seien in einem Telefonat übereingekommen, daß man diese Initiative nach dem in den USA geborenen israelischen Spion Jonathan Pollard benennen sollte, der 1987 in den USA wegen Spionage für Israel zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, 2015 freigelassen wurde, heute in Israel lebt und dazu aufgerufen hat, daß Israel Atomwaffen gegen den Iran einsetzt. Der Kongreß sollte nicht über das 901 Milliarden Dollar teure NDAA abzustimmen, bevor es eine Debatte über Änderungsanträge gibt. Kucinich forderte alle auf, einen Artikel von ihn vom 2. Juli zu lesen, der Titel lautet „Militärische Fusion zwischen den USA und Israel verzögert: Hier sind die Gründe und wie Sie sie verhindern können“.
Berichte aus Mexiko und aus Philadelphia
Baltazar Valdez Armentía, Vorsitzender eines Bauernverbands aus dem mexikanischen Bundesstaat Sinaloa und Vorstandsmitglied der Nationalen Front zur Rettung des Ländlichen Mexiko, erklärte, die mexikanische Landwirtschaft sei durch drei Faktoren bedroht: die geopolitische Krise – u.a. mit dem Irankrieg, der zu Engpässen bei Energie und Düngemitteln führt -, den ökologischen Kollaps sowie räuberische Finanziers, die aus Hunger ein Geschäft machen. Die Landwirte erhielten für ihre Ernte nur einen Hungerlohn, während Spekulanten den Handel manipulieren, um ihre Gewinne zu maximieren. Seine Bewegung fordert Mexikos Regierung auf, gegen die transnationalen Agrar- und Finanzkonzerne vorzugehen; sie fordern Paritätspreise und Schutzzölle, ein hartes Vorgehen gegen Spekulation und den Aufbau einer angemessenen Infrastruktur.
Der unabhängige US-Kongreßkandidat Jose Vega aus New York berichtete, er befinde sich an „einem geheimen Ort in Philadelphia“. Die öffentliche Übertragung der Ansprache des Papstes sei wegen einer Hitzewelle abgesagt worden, also nutze er die Gelegenheit, um die Menschen zu organisieren, die diese Rede hören wollten. Er erwähnte die jüngsten Wahlsiege von Anti-Establishment-Kandidaten in der Demokratischen Partei und stellte fest, man könne denselben Prozeß in Maine, Michigan, New York und Colorado beobachten. Man dürfe aber nicht darauf warten, bis neue Kongreßabgeordnete vereidigt werden. Amerika müsse „darüber nachdenken, wie wir die Teile der Welt, die wir zerstört haben, wiederaufbauen können“, insbesondere mit dem Oasenplan. „Man darf sich nicht nur darüber definieren, wogegen man ist.“
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