Einladung zum Online-Krisenforum des Schiller-Instituts am 1. September 2026, 17.00 Uhr
| Programm: Helga Zepp-LaRouche: Auswirkungen der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Dynamik auf Deutschlands Volkswirtschaft Rainer Apel: Moderne Infrastruktur — Rückgrat jeder Industrienation Claudio Celani: Automotive, Maschinenbau, Energie: Wie kann der Kollaps verhindert werden? Christoph Mohs: Raumfahrtsektor: Schlüssel zum wirtschaftlichen Wiederaufbau. Stephan Ossenkopp: Warum die BRICS für Deutschland überlebenswichtig sind |
Schiller-Institut veranstaltet Forum zur Lage Deutschlands
Ein Online-Seminar des Schiller-Instituts diskutierte darüber, wie der freie Fall der deutschen Wirtschaft gestoppt werden kann.
„Der freie Fall der deutschen Wirtschaft muß gestoppt werden! Deutschland muß vor dem Ausverkauf gerettet werden!“ lautete der Titel eines Online-Seminars des Schiller-Instituts am 1. September. Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hielt die Eröffnungsrede und fungierte zudem als Moderatorin. Ziel des Seminars sei es, erklärte sie zu Beginn, in allen Institutionen und Schichten der Gesellschaft eine Diskussion über Lösungen für die tiefe Krise in Deutschland anzustoßen. Es entwickelte sich eine außerordentlich lebendige Veranstaltung. Nach jedem Redner gab es Zeit für Diskussion, und zahlreiche Teilnehmer des Seminars meldeten sich mit Fragen oder Anmerkungen zu Wort.
In ihrer Eröffnungsrede umriß Zepp-LaRouche die weltweite politische und strategische Lage und ging dabei auch auf die erschreckende wirtschaftliche und soziale Situation in Deutschland ein. Besonders bedrohlich seien die Situation des Bundeshaushalts und die angehäuften Schulden. Zwar habe die Verschuldung in Deutschland noch nicht das Niveau der Vereinigten Staaten erreicht, doch die Entwicklung gehe in dieselbe Richtung, was sie anhand einiger Diagramme aufzeigte. Hinzu kämen massive Preissteigerungen aufgrund des Krieges gegen den Iran und der Sperrung der Straße von Hormus, so daß sich die deutsche Wirtschaft derzeit im freien Fall befinde.
Es gebe Wege aus der Krise, betonte sie, doch dies erfordere eine öffentliche Debatte. Deutschland sei seit Bismarck eine Exportnation, es habe zwar immer über wenig Ressourcen verfügt, doch eine hohe Qualität in Bildung und Wissenschaft sowie ein hohes Exportniveau hätten das Land erfolgreich gemacht. Um das erneut zu erreichen, müsse Deutschland mit China und dem gesamten Globalen Süden nach dem Vorbild der „Belt and Road“-Initiative zusammenarbeiten; dabei hob sie insbesondere den „Erweiterten Oasenplan“ hervor. (Die Mitschrift ihrer Ausführungen finden Sie in dieser Ausgabe.)
Rainer Apel sprach als nächster Redner über die Infrastruktur und stellte unmißverständlich fest, in der politischen Elite verstehe niemand, was Infrastruktur eigentlich ist. Dem Infrastrukturbericht aus dem Jahr 2022 zufolge müßten 7000 Kilometer Autobahn, 8000 Brücken und 10.000 Kilometer Bundes- und Landesstraßen saniert werden, zusätzlich zu 60.000 Brücken in den Städten. Dabei sei der Finanzbedarf für die Sanierungsmaßnahmen doppelt so hoch wie das gesamte Budget, das derzeit für die Infrastruktur vorgesehen ist.
Als Beispiel für wichtige große Infrastrukturprojekte nannte Apel die von dem badischen Ingenieur Johann Gottfried Tulla durchgeführte Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert, welche die Möglichkeit eröffnete, Land im Norden zu entwässern, den Kohlebergbau im Ruhrgebiet zu entwickeln und südlich von Bingen die chemische Industrie aufzubauen.
Zepp-LaRouche ergänzte anschließend, Kreditvergabe für Infrastrukturprojekte und Industrieaufbau sei nicht inflationär, wie bereits 1931 im Lautenbach-Plan dargelegt wurde – im Gegensatz zu den derzeitigen massiven Militärausgaben.
Claudio Celani sprach dann über die Krise der Automobilindustrie in Deutschland, die lange Zeit das Rückgrat der deutschen Wirtschaft war und eng mit dem Maschinen- und Anlagenbau verbunden ist. Alle Unternehmen, auch der VW-Vorstand, wüßten, daß der Ausstieg aus der Kernenergie, dann der Ausstieg aus der Kohle und schließlich der Verzicht auf russisches Gas Deutschland in den Zustand eines „Dritte-Welt-Landes“ versetzt hätten. Durch den „Green Deal“, die grüne Politik und die explodierenden Energiepreise sei alles, was bisher kostengünstig war, für viele unerschwinglich geworden, so daß die Verkaufszahlen für Autos in Deutschland zurückgegangen seien und die Menschen zunehmend alternde Autos benutzten.
Als nächster sprach Christoph Mohs – basierend auf einer Studie von Dean Andromidas – über die Vergangenheit und Zukunft der europäischen und deutschen Raumfahrt, wobei er die überspitzte Frage stellte: Sind Investitionen in die Raumfahrt verschwendetes Geld? Dies sei leider eine verbreitete irrige Ansicht, der Mohs entgegenhielt, daß die Weltraumforschung und der Raumfahrtsektor es der Gesellschaft ermöglichen, über den engen irdischen Horizont hinauszublicken. Unter Verweis auf „Raumfahrtpioniere“ wie Johannes Kepler, Hermann Oberth, Wernher von Braun und Krafft Ehricke, der das Konzept des „extraterrestrischen Imperativs“ entwickelte, unterstrich Mohs, daß die Raumfahrt immer als Motor für Wissenschaft, Technologie, Bildung und Infrastrukturentwicklung gedient habe.
Der letzte Redner war Stephan Ossenkopp, der – vor kurzem von einer Chinareise zurückgekehrt – die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit Deutschlands mit den BRICS-Staaten betonte. Eine langfristige Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten könne das Überleben Deutschlands als Industrienation sichern und die industrielle Entwicklung vorantreiben, da Deutschland als Exportnation auf langfristige Verträge und Abkommen angewiesen sei. Es sei offensichtlich, daß die BRICS-Staaten mit den westlichen Ländern zusammenarbeiten wollen – sie sind nicht unsere Feinde, betonte Ossenkopp. Was sie wollen, seien gleichberechtigte Beziehungen auf Augenhöhe. Deutschland könnte beispielsweise mit Rußland im Bereich der Kernenergie zusammenarbeiten. Eine Abkopplung von China wäre „wirtschaftliches Harakiri“. Er hob hervor, daß alle BRICS-Staaten auch in der Weltraumforschung arbeiten und ihre Raumfahrtsektoren vorantreiben.
Am Ende des fast dreistündigen Seminars äußerten viele Teilnehmer ihre Absicht, in Kürze weitere ähnliche Treffen zu veranstalten oder daran mitzuwirken. Den Mitschnitt des Seminars finden Sie im Youtube-Kanal des Schiller-Instituts.
mfm/wol
Täglich überschlagen sich die Nachrichten: Werkschließungen, Verlust von Arbeitsplätzen im sechsstelligen Bereich, wirtschaftliche Verödung ganzer Regionen, Zerfall der Infrastruktur, Bildungsmisere, Sozialabbau vom Gesundheitssektor bis zur Familienpolitik und Rente. Vor unseren Augen wird gerade so ziemlich alles demontiert, was wir in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hatten! Wenn wir verhindern wollen, daß unser Land in der kommenden Zeit von sozialer Zerrüttung und Spannungen destabilisiert wird, müssen wir dringend eine neue Zukunftsperspektive erkennbar machen.
Dabei ist es absolut möglich, das Ruder herumzureißen. Die geopolitischen Veränderungen erfordern eine Neuorientierung: Wenn Amerika wiederholt die Grundlagen der Partnerschaft in Frage stellt – Zollkrieg und Grönland seien hier nur stellvertretend erwähnt -, wenn die EU-Politik des „Green Deal“ und einer geopolitisch motivierten Außenpolitik uns von einer Wachstumsperspektive abschneiden, dann müssen wir unsere Interessen neu definieren.
Die gigantischen Aufrüstungsprogramme, die mit sogenannten Sondervermögen finanziert werden, tragen nichts zur wirklichen Wertschöpfung bei, außer bei den Spekulationsgewinnen sogenannter Investoren. In Wirklichkeit ist die Militarisierung eine Wette mit dem Teufel, an deren Ende die Existenz Deutschlands der Einsatz ist.
Die strategische Landkarte hat sich verändert: Die Staaten des Globalen Südens sind entschlossen, 500 Jahre Kolonialzeit hinter sich zu lassen, und haben damit begonnen, vor allem durch die Kooperation mit China die Wertschöpfungskette in ihren eigenen Ländern aufzubauen, mit der Perspektive, in naher Zukunft Nationen mit mittlerem Einkommen zu werden. Damit erschließen sich für exportorientierte Länder wie die Bundesrepublik Deutschland expandierende Märkte mit großem Wachstumspotential.
Die Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten liegt im natürlichen Eigeninteresse Europas. Die Kooperation mit den Staaten von ASEAN, CELAC, der SCO, der EAEU, der AU und weiteren Organisationen des Globalen Südens wird von diesen Institutionen gewünscht und eröffnet den Zugang zu den Märkten von 85 Prozent der Weltbevölkerung.
Ohne die Zusammenarbeit mit China würden wir uns von allen Zukunftstechnologien abschneiden. Laut dem australischen ASPI (Australian Strategic Policy Institute) liegt China nach dem aktuellsten ASPI Critical Technology Tracker (Datenjahr 2025) bei 69 von 74 untersuchten kritischen Technologien weltweit auf Platz 1. Das sind rund 93% der erfaßten Bereiche.
Wenn Deutschland, das einmal als das Volk der Denker, Dichter und Erfinder galt, wieder im internationalen Wettbewerb aufholen will, müssen wir Zukunftsbereiche wie Raumfahrt und Fusionstechnologie priorisieren. Um Investitionslücken zu schließen, brauchen wir eine erhebliche Aufstockung der ESA-Beiträge, eine Stärkung des nationalen Raumfahrtprogramms, wie z.B. des European Launcher Challenge (ELC), Investitionen in die Serienfertigung; Europa braucht einen unabhängigen Zugang zum All, und die Satellitensysteme Galileo und Copernicus müssen resilienter gemacht werden.
Im Bereich Fusionsforschung ist Deutschland mit den drei nationalen „Fusionshubs“ – dem Stellarator-Konzept in Greifswald, dem Laserfusions-Modell in Biblis und dem Tritium-Brennstoffkreislauf-Modell in Karlsruhe – im Prinzip gut aufgestellt, aber der „Aktionsplan Fusion“ der Bundesregierung sollte massiv aufgestockt und die Zusammenarbeit mit Industrie und innovativen Startups massiv ausgebaut werden.
Deutschland braucht dringend eine Renaissance des Humboldtschen Erziehungsmodells. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, daß Deutschland im internationalen Wettbewerb abgehängt wird – rund ein Viertel der 15-Jährigen erreicht nicht einmal die Mindeststandards in Kernkompetenzen. Gefördert werden müssen frühkindliche Bildung und Sprachförderung, Überwindung des Lehrkräftemangels und deren Weiterbildung gemäß des Humboldtschen Bildungsideals. Die Bildungsungerechtigkeit muß aktiv bekämpft werden.
Anstatt die Eskalationsspirale mit Rußland bis zum Punkt ohne Wiederkehr zu steigern, müssen wir die Diplomatie und Kooperation mit Rußland wiederherstellen – einem Land mit elf Zeitzonen, das auf seinem riesigen, nur teilweise erschlossenen Territorium über alle Elemente des Periodensystems verfügt -, was uns Zugang zu Rohstoffen und billiger Energie ermöglichen würde.
Anstatt Frontex gegen Flüchtlinge einzusetzen, sollten wir auf Papst Leo XIV. hören und dafür sorgen, daß in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Bedingungen geschaffen werden, damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Das heißt, wir sollten uns gemeinsam mit China und anderen Nationen an Joint Ventures bei der Industrialisierung Afrikas, den ärmeren Teilen Asiens und Lateinamerikas beteiligen. Afrika z.B. wird 2050 ein Kontinent mit 2,5 Milliarden Menschen mit einem Durchschnittsalter von ca. 20 Jahren sein (Deutschland 47 Jahre). Das heißt, wir müssen Afrika helfen, in den nächsten 24 Jahren rund eine Milliarde neuer produktiver Arbeitsplätze zu schaffen.



