Einladung zum Online-Krisenforum des Schiller-Instituts am 1. September 2026
Täglich überschlagen sich die Nachrichten: Werkschließungen, Verlust von Arbeitsplätzen im sechsstelligen Bereich, wirtschaftliche Verödung ganzer Regionen, Zerfall der Infrastruktur, Bildungsmisere, Sozialabbau vom Gesundheitssektor bis zur Familienpolitik und Rente. Vor unseren Augen wird gerade so ziemlich alles demontiert, was wir in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut hatten! Wenn wir verhindern wollen, daß unser Land in der kommenden Zeit von sozialer Zerrüttung und Spannungen destabilisiert wird, müssen wir dringend eine neue Zukunftsperspektive erkennbar machen.
Dabei ist es absolut möglich, das Ruder herumzureißen. Die geopolitischen Veränderungen erfordern eine Neuorientierung: Wenn Amerika wiederholt die Grundlagen der Partnerschaft in Frage stellt – Zollkrieg und Grönland seien hier nur stellvertretend erwähnt -, wenn die EU-Politik des „Green Deal“ und einer geopolitisch motivierten Außenpolitik uns von einer Wachstumsperspektive abschneiden, dann müssen wir unsere Interessen neu definieren.
Die gigantischen Aufrüstungsprogramme, die mit sogenannten Sondervermögen finanziert werden, tragen nichts zur wirklichen Wertschöpfung bei, außer bei den Spekulationsgewinnen sogenannter Investoren. In Wirklichkeit ist die Militarisierung eine Wette mit dem Teufel, an deren Ende die Existenz Deutschlands der Einsatz ist.
Die strategische Landkarte hat sich verändert: Die Staaten des Globalen Südens sind entschlossen, 500 Jahre Kolonialzeit hinter sich zu lassen, und haben damit begonnen, vor allem durch die Kooperation mit China die Wertschöpfungskette in ihren eigenen Ländern aufzubauen, mit der Perspektive, in naher Zukunft Nationen mit mittlerem Einkommen zu werden. Damit erschließen sich für exportorientierte Länder wie die Bundesrepublik Deutschland expandierende Märkte mit großem Wachstumspotential.
Die Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten liegt im natürlichen Eigeninteresse Europas. Die Kooperation mit den Staaten von ASEAN, CELAC, der SCO, der EAEU, der AU und weiteren Organisationen des Globalen Südens wird von diesen Institutionen gewünscht und eröffnet den Zugang zu den Märkten von 85 Prozent der Weltbevölkerung.
Ohne die Zusammenarbeit mit China würden wir uns von allen Zukunftstechnologien abschneiden. Laut dem australischen ASPI (Australian Strategic Policy Institute) liegt China nach dem aktuellsten ASPI Critical Technology Tracker (Datenjahr 2025) bei 69 von 74 untersuchten kritischen Technologien weltweit auf Platz 1. Das sind rund 93% der erfaßten Bereiche.
Wenn Deutschland, das einmal als das Volk der Denker, Dichter und Erfinder galt, wieder im internationalen Wettbewerb aufholen will, müssen wir Zukunftsbereiche wie Raumfahrt und Fusionstechnologie priorisieren. Um Investitionslücken zu schließen, brauchen wir eine erhebliche Aufstockung der ESA-Beiträge, eine Stärkung des nationalen Raumfahrtprogramms, wie z.B. des European Launcher Challenge (ELC), Investitionen in die Serienfertigung; Europa braucht einen unabhängigen Zugang zum All, und die Satellitensysteme Galileo und Copernicus müssen resilienter gemacht werden.
Im Bereich Fusionsforschung ist Deutschland mit den drei nationalen „Fusionshubs“ – dem Stellarator-Konzept in Greifswald, dem Laserfusions-Modell in Biblis und dem Tritium-Brennstoffkreislauf-Modell in Karlsruhe – im Prinzip gut aufgestellt, aber der „Aktionsplan Fusion“ der Bundesregierung sollte massiv aufgestockt und die Zusammenarbeit mit Industrie und innovativen Startups massiv ausgebaut werden.
Deutschland braucht dringend eine Renaissance des Humboldtschen Erziehungsmodells. Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen, daß Deutschland im internationalen Wettbewerb abgehängt wird – rund ein Viertel der 15-Jährigen erreicht nicht einmal die Mindeststandards in Kernkompetenzen. Gefördert werden müssen frühkindliche Bildung und Sprachförderung, Überwindung des Lehrkräftemangels und deren Weiterbildung gemäß des Humboldtschen Bildungsideals. Die Bildungsungerechtigkeit muß aktiv bekämpft werden.
Anstatt die Eskalationsspirale mit Rußland bis zum Punkt ohne Wiederkehr zu steigern, müssen wir die Diplomatie und Kooperation mit Rußland wiederherstellen – einem Land mit elf Zeitzonen, das auf seinem riesigen, nur teilweise erschlossenen Territorium über alle Elemente des Periodensystems verfügt -, was uns Zugang zu Rohstoffen und billiger Energie ermöglichen würde.
Anstatt Frontex gegen Flüchtlinge einzusetzen, sollten wir auf Papst Leo XIV. hören und dafür sorgen, daß in den Herkunftsländern der Flüchtlinge Bedingungen geschaffen werden, damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Das heißt, wir sollten uns gemeinsam mit China und anderen Nationen an Joint Ventures bei der Industrialisierung Afrikas, den ärmeren Teilen Asiens und Lateinamerikas beteiligen. Afrika z.B. wird 2050 ein Kontinent mit 2,5 Milliarden Menschen mit einem Durchschnittsalter von ca. 20 Jahren sein (Deutschland 47 Jahre). Das heißt, wir müssen Afrika helfen, in den nächsten 24 Jahren rund eine Milliarde neuer produktiver Arbeitsplätze zu schaffen.
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