Bericht vom 173. Treffen der Internationalen Friedenskoalition
Die 173. wöchentliche Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 25. September begann mit einer Einführung von Helga Zepp-LaRouche, der Gründerin des Schiller-Instituts und Initiatorin der IPC. Sie äußerte die Hoffnung, daß das Treffen der Präsidenten Trump und Xi einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den USA und China darstellen könnte. Xi habe richtig gesagt, daß die Lösung vieler Probleme in der Welt eine Zusammenarbeit der beiden größten Volkswirtschaften erfordert. Die Militärdoktrin der USA und der anglophilen Nationen sei es, Rußland und China einzukreisen, so Zepp-LaRouche, doch wenn es Trump gelänge, die Beziehungen zu diesen Ländern zu normalisieren, würde er sich einen positiven Platz in der Geschichte sichern. Das beherrschende Thema bei der UN-Vollversammlung in New York sei die Frage, ob die Welt künftig nach dem „Gesetz des Dschungels“ regiert wird oder ob wir eine zivilisierte Welt mit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur haben werden. Die westlichen Mächte hätten keine Ahnung davon, daß sich die Mehrheit der Welt auf ein neues Paradigma des Friedens durch Entwicklung ausrichtet. „Wir befinden uns in einem jener Momente, in denen alles vom Mut einzelner Menschen abhängt, die Fahne des Friedens hochzuhalten.“
Harley Schlanger, Präsident der LaRouche-Organisation (TLO), stellte Dr. Seyed Mohammad Marandi vor, einen iranisch-amerikanischen Wissenschaftler, Intellektuellen und politischen Analysten, der als Professor für Englische Literatur und Orientalistik an der Universität Teheran tätig ist und Berater des iranischen Verhandlungsteams in der Atomfrage war. Marandi erklärte, das Hauptmotiv für den gegenwärtigen Krieg sei vielleicht die Unabhängigkeit des Iran und seine Entscheidung für die Blockfreiheit. Der Iran habe auch die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika unterstützt und setze sich für die Sache der Palästinenser ein, was ihn zur Zielscheibe der Anglosphäre mache. Die christliche und jüdische Ausprägung des Zionismus sei vergleichbar mit dem IS und Al-Kaida: Alle seien radikale Sekten, die in Wahrheit nicht die Religionen widerspiegeln, die sie angeblich vertreten. So habe Israel sogar eine Synagoge im Zentrum der jüdischen Gemeinde in Teheran bombardiert.
Zepp-LaRouche sagte darauf hin, die eigentliche Ursache für die militärischen Konflikte in der heutigen Welt sei der verzweifelte Versuch der Anglosphäre, eine unipolare Welt aufrechtzuerhalten. Die wahre Geschichte des Iran bekannt zu machen, sei entscheidend, um die Dinge richtigzustellen.
Garland Nixon, ein erfahrener progressiver Radio- und Fernseh-Talkshow-Moderator, wies auf den inneren Widerspruch der verbreiteten Darstellung hin, Rußland verliere den Krieg gegen die Ukraine, gleichzeitig aber kurz davor stehe, in ganz Europa bis zum Ärmelkanal einzumarschieren. In Wirklichkeit habe die westliche Elite Angst vor einem Aufstand im Inneren wegen der sich rapide verschlechternden Lebensbedingungen in ihren Ländern. „Je aggressiver die US-Außenpolitik ist, desto mehr leiden die Leute darunter.“ Ein Beispiel seien die kürzlich verkündeten neuen Wirtschaftssanktionen gegen andere Länder, die sich negativ auf den Lebensstandard in den USA auswirken werden. Die Politik und Rhetorik der herrschenden Eliten sei so extrem und schockierend geworden, daß die Masse der Bevölkerung darauf reagieren und sich weigern könnte, zu tun, was sie von ihnen fordern.
Donald Ramotar war von 2011 bis 2015 Staatspräsident von Guyana. Er erinnerte im Gespräch mit Prof. Marandi daran, daß die Mossadegh-Regierung im Iran 1953 von der CIA gestürzt wurde, im selben Jahr, in dem in Guyana die Regierung seiner Partei, der PPP, durch eine ähnliche Operation von Großbritannien gestürzt wurde. Seitdem habe sich eine Verbundenheit zwischen den beiden Nationen entwickelt. Ramotar warf den USA „Operationen im Gangster-Stil“ vor, z.B., daß der Iran an den Verhandlungstisch eingeladen und anschließend bombardiert wurde. Er beklagte, daß technologische Innovationen wie künstliche Intelligenz für militärische Aggressionen genutzt werden, statt dafür, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern.
Die Qualität der Führung im Westen nehme ab, weil die Macht zunehmend bei privaten Konzernen statt bei gewählten Regierungen liege. Ramotar kritisierte, daß UN-Generalsekretär Guterres sich weigert, die Ereignisse in Gaza als Völkermord zu bezeichnen, und erklärte, die UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, Francesca Albanese, hätte für ihre Bemühungen den Nobelpreis verdient.
Marandi betonte, der Iran sei eine normale Nation und kein Märtyrerkult. Der Iran unterstütze die palästinensische Sache, weil die Iraner die Menschenwürde der Palästinenser anerkennen.
Richard Black, UN-Vertreter des Schiller-Instituts, berichtete über die Aktivitäten seiner Organisation im Kontext der Vollversammlung und verlas Auszüge aus Zepp-LaRouches offenem Brief an die UN, in dem sie eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur „im Geiste von Bandung, im Geiste von Shanghai und im Geiste von Beethovens Neunter Sinfonie“ fordert. Er hob die Bedeutung der unabhängigen Präsidentschaftskampagne von Diane Sare in den USA hervor, u.a. Sares Kritik an der delphischen Initiative „Partners for Multilateralism“ (P4M) des internationalen Bankers und kanadischen Premierministers Mark Carney, deren Ziel es sei, die BRICS zu untergraben und die echte Bewegung für Multilateralismus zu sabotieren.
Diskussion
Der Diskussionsteil begann mit einem Video eines französischen Aktivisten aus Paris, wo er mit anderen anwesend war, um den Papst zu begrüßen, dessen Friedensbotschaft im Kontrast zur Kriegsrhetorik der französischen Regierung steht.
Co-Moderator Dennis Speed äußerte die These: „Wir erleben das Ende der Doktrin der Dominanz“, und bat die Sprecher um ihre Kommentare dazu. Garland Nixon merkte an, in Rußland werde Geschichte und Kultur mehr Aufmerksamkeit geschenkt als im Westen, aber es gebe auch im Westen ein wiedererwachtes Interesse an diesen Themen, das die Weltsicht der Menschen verändere.
Zepp-LaRouche erinnerte daran, daß die CIA den „Kongreß für kulturelle Freiheit“ als eine Operation gründete, um die klassische Kultur im Westen zu zerstören. Und die Briten verbreiteten eine verkürzte Version der Geschichte, die Beiträge von weit älteren Kulturen systematisch ausblende.
Richard Black beschrieb einen Besuch in einem historischen Museum in China, wo er sehr viele chinesische Familien sah, die sich leidenschaftlich darum bemühen, ihren Kindern die lange Geschichte ihres Landes zu vermitteln.
Ein Teilnehmer warnte davor, daß die USA die Kandidatur von Rafael Mariano Grossi zum neuen UN-Generalsekretär unterstützen, und erinnerte an Grossis korrupte Rolle als Leiter der IAEO, u.a., wie er den Iran besuchte und wahrscheinlich von dort Geheimdienstinformationen an Israel weitergab, die zur Ermordung iranischer Wissenschaftler benutzt wurden.
Zepp-LaRouche erinnerte an die Beteiligung von Palantir an der Verbreitung von Desinformation über das iranische Atomprogramm, um Zustimmung für den Krieg zu erzeugen, und fragte, ob Grossi daran mitschuldig sei. Wenn Grossi Generalsekretär werden wolle, „darf er keine solchen Flecken auf der weißen Weste haben“.
Ramotar sagte, Venezuela sei jetzt „voll und ganz eine Kolonie der Vereinigten Staaten“, dies sei beispielhaft für die kolonialistische US-Politik, im Gegensatz zu Chinas freundschaftlichem Ansatz. Er kritisierte auch das neue Abkommen, das den USA erhebliche Kontrolle über Grönland einräumt.
Der Co-Moderator Dennis Small definierte „Neokolonialismus“ als ein System, in dem Ländern zwar nominelle politische Unabhängigkeit gewährt wird, aber ihre Wirtschaft vollständig unter externer Kontrolle bleibt.
Zepp-LaRouche bekräftigte in ihrer Antwort auf eine Frage ihre Ansicht, daß Trump sich einen positiven Platz in der Geschichte sichern würde, wenn er wieder normale Beziehungen zu Rußland und China herstellt. Die Vorstellung, daß Sicherheit aus militärischer Stärke resultiere, sei die Ansicht einer schrumpfenden Minderheit – der „Geist der Zeit“ hingegen sei, daß der Weg zum Frieden über Entwicklung führt. Diese Ansicht sei mittlerweile bei der globalen Mehrheit verbreitet, wie die BRICS und die SCO zeigten. Sie kam zu dem Schluß, daß wir an einem Scheideweg stehen: auf der einen Seite die Tendenz zu Neokolonialismus oder Neofeudalismus, wo sich die Macht auf private Unternehmen oder Personen verlagert, und auf der anderen Seite die Zukunftsperspektive, für die sich die Friedenskoalition einsetzt. eir



