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Aufruf an Papst Leo XIV., einen Weltgipfel zu organisieren, um die Fragen des Friedens und der nuklearen Abrüstung anzugehen

Aufruf an Papst Leo XIV., einen Weltgipfel zu organisieren, um die Fragen des Friedens und der nuklearen Abrüstung anzugehen

Der folgende Offene Brief an Papst Leo XIV. wurde am 19. August veröffentlicht.

Wir appellieren an Sie, Papst Leo, als die führende Persönlichkeit, die sich mehr als alle anderen bemüht, für die ganze Menschheit zu sprechen, statt nur für bestimmte Nationen, Religionen oder Wählergruppen, einen internationalen Notgipfel einzuberufen, um die Welt von ihrem derzeitigen Kriegskurs und einer potentiellen nuklearen Katastrophe abzubringen und um die größten Krisen, denen die Menschheit heute gegenübersteht, friedlich zu lösen. Eine solche Initiative stünde im Einklang mit Ihren wiederholten Aufrufen zu Frieden und Gerechtigkeit seit Ihrem Amtsantritt als Papst – Aufrufe, die Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen auf unserem Planeten inspirieren und ihnen Hoffnung geben.

Am 10. Juni 2025 veröffentlichte die damalige Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste der USA (DNI), Tulsi Gabbard, ein kurzes aber erschreckendes Video, das mit Bildern von Hiroshima begann und in dem sie warnte: „Wir sind dem Abgrund der nuklearen Vernichtung näher als je zuvor“ und „Kriegstreiber aus der politischen Elite schüren leichtfertig Angst und Spannungen zwischen den Atommächten“. Gabbard schloß: „Es liegt an uns, dem Volk, uns zu Wort zu melden und ein Ende dieses Wahnsinns zu fordern. Wir müssen diesen Marsch in den Atomkrieg ablehnen und auf eine Welt hinarbeiten, in der niemand in Angst vor einem atomaren Holocaust leben muß.“

Am 20. Oktober 2025 warnte der Leiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin: „Die Welt erlebt derzeit den fragilsten Moment für die internationale Sicherheit seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Naryschkin fuhr fort: „Unsere gemeinsame und vielleicht wichtigste Aufgabe ist es, sicherzustellen, daß die Anpassung an die neue Realität ohne einen großen Krieg vonstattengeht, wie es in früheren historischen Phasen der Fall war.“ Inzwischen ist es viele Monate her, seit diese beiden Geheimdienstchefs Alarm schlugen, und wir sind der nuklearen Vernichtung nur noch näher gekommen – viel näher.

Als Gabbard und Naryschkin diese Warnungen äußerten, tobte der Krieg in der Ukraine, Israel verübte seinen Völkermord im Gazastreifen, und die Spannungen zwischen China und den USA um Taiwan und das Südchinesische Meer waren hoch. Seitdem ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hinzugekommen, und die Gefahr eines Dritten Weltkriegs ist damit exponentiell gewachsen.

Es tauchen immer wieder Anzeichen dafür auf, daß Regierungen für eine solche Eventualität planen, obwohl wir seit mehr als vier Jahrzehnten wissen, daß selbst ein begrenzter Atomkrieg – geschweige denn ein großer – weltweit unvorstellbare Schäden auslösen kann, darunter einen nuklearen Winter, der alles Leben auf unserem Planeten vernichten könnte. Am 20. August 2024 veröffentlichte die New York Times einen Artikel auf der Titelseite, in dem gewarnt wurde, daß sich die USA auf einen gleichzeitigen Atomkrieg an drei Fronten gegen Rußland, China und Nordkorea vorbereiteten. Am selben Tag berichtete das Bulletin of the Atomic Scientists, daß immer mehr Nuklearstrategen überzeugt sind, ein Atomkrieg könne geführt und gewonnen werden, womit sie die jahrzehntelange Erkenntnis, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf, faktisch auf den Kopf stellen.

Im November 2024 erklärte der US-Admiral Thomas Buchanan, die USA bereiteten sich darauf vor, einen Atomkrieg zu führen und zu gewinnen und dabei genügend Atomwaffen in Reserve zu halten, um ihre globale Vorherrschaft auch danach aufrechterhalten zu können.

Vor kurzem erklärte der politische Planungschef des US-Verteidigungsministeriums, Elbridge Colby, falls es zwischen den USA und China zu Kampfhandlungen in der Taiwanstraße kommen sollte, müßten die USA zusätzlich zum Einsatz von Truppen aus Südkorea und Japan taktische Atomwaffen einsetzen.

Nicht nur die Experten der Weltuntergangsuhr des Bulletin of the Atomic Scientists sind der Ansicht, daß sich die Welt immer mehr der nuklearen Vernichtung nähert. Und zusätzlich zu den Drohungen der USA haben mehrere einflußreiche russische Politiker Wladimir Putin dazu aufgefordert, Atomwaffen einzusetzen, um die Ukraine zu besiegen.

Wir, die Unterzeichner aus aller Welt, halten den Zeitpunkt für günstig, einen internationalen Notgipfel einzuberufen, der sich mit den großen Konflikten in der Welt befaßt, und mit der Notwendigkeit, dem nuklearen Abgrund zu entkommen. Rußland steckt seit fast fünf Jahren in der Ukraine fest. Auch wenn Rußland unter hohen Kosten weiterhin schrittweise Geländegewinne erzielt, ist die Lage an der Front weitgehend ins Stocken geraten, und beide Seiten fügen durch ihren Drohnen- und Raketenkrieg der Energieinfrastruktur und der Schifffahrt erheblichen Schaden zu, was zu globalen Energie- und Nahrungsmittelengpässen führt und innerhalb wie außerhalb beider Länder Leid verursacht. Wenn die von der NATO unterstützte Ukraine immer weiter Rußlands rote Linien überschreitet, kann und will Putin dann die russischen Falken noch eindämmen?

Gleichzeitig finden die USA keinen diplomatischen Ausweg aus ihrem Krieg gegen den Iran, der seinerseits keinerlei Anstalten macht, den USA zu erlauben, die Krise zu beenden, die sie und Israel durch den Angriff auf den Iran ausgelöst haben. Während China darauf besteht, daß die Einheit mit Taiwan seine ultimative rote Linie ist, würde jeder in der Region davon profitieren, wenn sich die Spannungen legen und Ressourcen in Entwicklung – im Sinne von Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative – statt in Kriegshandlungen fließen würden.

Dieser letzte Punkt sollte universell gelten. Es ist schmerzlich zu sehen, wie viele Nationen Ressourcen aus Ernährung, Wohnen, Bildung und Gesundheit in die Aufrüstung ihrer Streitkräfte umleiten. Das gilt ganz besonders für Nordamerika, Europa und Asien, wo Gespräche über friedliche Konfliktlösungen dem Gerede über Kriegsvorbereitungen weichen müssen.

Wie Sie selbst vor einigen Monaten weise und eindringlich betont haben: „Ich habe mehr als einmal den eindringlichen Appell wiederholt, den der heilige Paul VI. an die Vollversammlung der Vereinten Nationen richtete – Was mich verbindet, so bemerkte mein verehrter Vorgänger, ist ein Pakt, besiegelt ‚mit einem Eid, der die zukünftige Geschichte der Welt verändern soll: Nie wieder Krieg, nie wieder Krieg! Es ist der Frieden, der Frieden, der das Schicksal der Nationen der gesamten Menschheit leiten muß‘! Gerade im Atomzeitalter muß sich die Wahrheit durchsetzen: Nicht Atomwaffen schaffen Frieden, sondern Abrüstung. Diese Wahrheit, die in vergangenen Jahrzehnten, als wir eine nukleare Deeskalation erlebten, klar zu sein schien, wurde durch einen Rüstungswettlauf verdeckt, der heute Angst und Schrecken verbreitet.“

Es war in der Tat Papst Paul VI., der erste Papst, der im Oktober 1965 vor den Vereinten Nationen sprach und in dieser außergewöhnlichen Ansprache Präsident Kennedy zitierte: „Die Menschheit muß dem Krieg ein Ende setzen, sonst wird der Krieg der Menschheit ein Ende setzen.“ Er zitierte das Buch Jesaja: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Sicheln.“ In seiner Enzyklika Populorum Progressio von 1967 betonte Papst Paul VI.: „Entwicklung ist der neue Name für Frieden.“

Auch andere Päpste haben in Krisenzeiten mutige Initiativen ergriffen, um die Menschheit zu retten. Im Oktober 1962 plädierte Papst Johannes XXIII. für eine friedliche Lösung der Kubakrise und trug dazu bei, sowohl Präsident Kennedy als auch Generalsekretär Chruschtschow eine Möglichkeit zu bieten, das Gesicht zu wahren und die Krise diplomatisch statt militärisch zu lösen – zu einem Zeitpunkt, als ein Krieg unmittelbar bevorzustehen schien. Ein ähnliches Unterfangen könnte heute Erfolg haben, in einer Situation, in der die beiden großen Konflikte der Welt scheinbar unüberwindbar festgefahren sind.

Das gleiche gilt für das nukleare Wettrüsten, wo die neun Atommächte ihre Arsenale nicht nur modernisieren, sondern auch ausbauen – nach Jahrzehnten vernünftiger, wenn auch viel zu langsamer Abrüstung. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind die beiden großen nuklearen Rivalen durch keine Verträge zur nuklearen Rüstungskontrolle mehr gebunden. Andere Länder, darunter Japan, Südkorea, Polen, Saudi-Arabien, Taiwan und die Ukraine, diskutieren über die Anschaffung eigener Atomwaffen, was die Welt nur zu einem noch größeren nuklearen Pulverfaß machen würde.

Ein päpstlicher Aufruf zu einem Krisengipfel, um die aktuellen Kriege zu beenden und die Tendenz zu Kriegen und Atomwaffen umzukehren, könnte den Regierungen der Welt die Chance für einen Kurswechsel bieten, weg von der derzeitigen Entwicklung zu einem Atomkrieg, der die Erde zerstört. Wir fordern Sie, Papst Leo, dringend auf, Ihre einzigartige moralische Autorität zu nutzen, um ein solches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Welt, einschließlich der Staatschefs der drei wichtigsten Atommächte, einzuberufen, damit sie zusammenkommen und auf die Bitten der Menschheit reagieren, unsere Welt in eine grundlegend andere Richtung zu lenken, bevor es zu spät ist.

Erstunterzeichner:

  • Peter Kuznick, Professor für Geschichte und Direktor des Nuclear Studies Institute, American University, Washington
  • Jack Gilroy, Pax Christi New York State Council; Veterans for Peace; Ban Killer Drones; Internationale Friedenskoalition des Schiller-Instituts
  • Ivana Nicolic Hughes, Präsidentin der Nuclear Age Peace Foundation, Senior-Dozentin für Chemie an der Columbia University (NYC)
  • Naledi Pandor, ehemalige Ministerin für internationale Beziehungen und Zusammenarbeit, Südafrika (2019-2024)
  • S.E. Donald Ramotar, ehemaliger Präsident von Guyana, 2011–2015
  • Richard Falk, emeritierter Professor für Völkerrecht an der Princeton University; ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten; Vizepräsident der Nuclear Age Peace Foundation
  • Chandra Muzaffar, islamischer Reformer und Aktivist, Präsident der Internationalen Bewegung für eine gerechte Welt (JUST); Koordinatorin von SHAPE (Save Humanity and Planet Earth)
  • Kathy Kelly, Pax-Christi-Friedenslehrerin 1998; Vorstandsvorsitzende von „World Beyond War“
  • David Swanson, Geschäftsführer von „World Beyond War“; Autor von „War is Still a Lie“
  • Marjorie Cohn, emeritierte Professorin an der Thomas-Jefferson-Rechtsfakultät; Dekanin der People’s Academy of International Law
  • Bandy X. Lee, Präsidentin der World Mental Health Coalition; Mitbegründer von „Preventing Violence Now“
  • James C. Cobey, Gründer von „Health Volunteers Overseas“; Mitglied des Lenkungsausschusses von „Voices from the Holy Land“; Mitglied des Internationalen Komitees zum Verbot von Landminen (ICBLM), das 1997 den Friedensnobelpreis erhielt
  • Dr. Mohammad A. Toor, Vorsitzender des Kuratoriums des Pakistani American Congress; Präsident der „American Pakistani Physicians for Justice & Democracy“; Vorsitzender der „American Muslim Alliance“
  • Ann Wright, Oberst der US-Armee (a. D.) und ehemalige US-Diplomatin (die im März 2003 aus Protest gegen den US-Krieg gegen den Irak zurücktrat); Mitglied bei „Veterans for Peace“, „World Beyond War“, „CODEPINK“ und „Hawaii Peace and Justice“
  • Susan Schnall, Präsidentin von „Veterans for Peace“ (USA)
  • Norman Solomon, nationaler Direktor von „Roots Action“; Autor
  • Helga Zepp-LaRouche, Gründerin und Präsidentin des internationalen Schiller-Instituts
  • Martin Sheen, mit Golden Globe und Emmy ausgezeichneter Schauspieler; Pax Christi „Teacher of the Year“ (1999)
  • Setsuko Thurlow, Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima; Friedensnobelpreisträgerin; Trägerin des Order of Canada
  • Glenn Diesen, Professor an der University of South-Eastern Norway
  • Frida Stranne, Professorin und Expertin für Außenpolitik, Schweden
  • Ray McGovern, Mitbegründer von Veteran Intelligence Professionals for Sanity

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