Helga Zepp-LaRouche eröffnete das EIR-Krisenforum „Die Einwanderungskrise durch Entwicklung lösen: Was Sie über die strategische Bedeutung der Enzyklika von Papst Leo wissen müssen“ am 31. Juli 2026 mit dem folgenden Vortrag. (Übersetzung aus dem Englischen, Zwischentitel wurden hinzugefügt.)
Hallo an Sie alle auf allen Kontinenten, wo auch immer Sie gerade zuschauen mögen. Was uns hier zusammenbringt, um darüber nachzudenken, was zu tun ist, ist das Bewußtsein, daß die Welt tatsächlich vor einer beispiellosen politischen, militärischen, wirtschaftlichen, sozialen und, würde ich sagen, vor allem moralischen Krise steht, für die es ganz klar Lösungen gibt. Aber um der sich eindeutig abzeichnenden Katastrophe zu entkommen, brauchen wir einen grundlegenden politischen Kurswechsel. Und der muß genau so kommen, wie Lyndon LaRouche es in seiner Rede in Sao Paulo gesagt hat (die zu Beginn des Forums gezeigt wurde): Er muß außerhalb der Regeln des etablierten Denkens stattfinden, und außerhalb der Axiome, die uns in diese Krise geführt haben. Um einen solch radikalen Umdenkprozeß anzustoßen, veranstalten wir dieses gemeinsame Forum der Internationalen Friedenskoalition und von EIR.
Gestern drangen fast 50.000 Flüchtlinge in die spanische Exklave Ceuta in Marokko ein. Die meisten von ihnen waren die Küste entlang geschwommen. Einige berichteten, daß sie zwei Stunden schwimmen mußten, offensichtlich handelten sie aus völliger Verzweiflung.
Es gibt Berichte, wonach dies durch die jüngste Entscheidung der spanischen Regierung ausgelöst wurde, 500.000 Einwanderer zu legalisieren, was vollkommen im Einklang mit der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 steht. Tatsächlich ist Spanien ein leuchtendes Beispiel für die Einhaltung dieser Genfer Flüchtlingskonvention, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Europa.
Es könnte auch durch eine neue Entscheidung des Verfassungsgerichts ausgelöst worden sein, wonach Migranten, die Ceuta auf dem Seeweg erreichen, nicht automatisch abgewiesen werden dürfen. Einige Helfer von Nichtregierungsorganisationen sagten jedoch, daß die Menschen, die dort hingeschwommen sind, davon nichts wußten.
Jedenfalls ist Ceuta eine Stadt mit etwas mehr als 80.000 Einwohnern und verfügt offensichtlich über keinerlei Infrastruktur, um 50.000 Flüchtlinge aufzunehmen.
Doch damit war es noch nicht vorbei. Letzte Nacht wurde eine zweite spanische Exklave in Marokko, Melilla, praktisch von weiteren 400 bis 500 Migranten gestürmt, und an der Grenze versuchen es noch Tausende weitere. Sie werden gerade von den Sicherheitskräften zurückgedrängt.
Wenn wir nun auf die Vereinigten Staaten blicken: Die Trump-Regierung hat angeordnet, daß ab dem 3. August 300.000 Haitianer, die unter einem vorübergehenden Schutzstatus in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten, nach Haiti zurückkehren müssen. Sie arbeiten in Pflegeheimen, Gesundheitseinrichtungen, im Hotelgewerbe, Baugewerbe und so weiter.
Der republikanische Gouverneur von Ohio, Mike DeWine, sagte dazu, Trump mache einen großen Fehler, weil die Wirtschaft von Ohio ohne die Hilfe dieser haitianischen Arbeitskräfte nicht funktionieren werde.
Generalleutnant Russel Honoré schrieb in einem Gastbeitrag in der New York Times: „Das ist nicht das Amerika, für das ich gekämpft habe.“
Vilès Dorsainvil, der Leiter des „Ohio Haitian Community Help and Support Center“, sagte, er und andere seien durchaus bereit, nach Haiti zurückzukehren – nur gäbe es kein Land mehr, in das sie zurückkehren könnten. Wie Sie alle wissen, herrschen in Haiti völliges Chaos, Kriminalität, Bandenkriege und Verbrechen, es ist einfach unerträglich, dort zu leben. Nun hat das US-Heimatschutzministerium eine neue Fluggesellschaft für Abschiebungen ins Leben gerufen, die von nun an rund um die Uhr im Einsatz ist, um mit sieben Boeing 737 und zwei großen Gulfstream-Jets Migranten abzuschieben.
Der Charakter der Vereinigten Staaten verändert sich also gerade grundlegend. John F. Kennedy sagte noch, Amerika sei ein Einwanderungsland, aber das ist es nicht mehr. Präsident Reagan sagte damals, die Vereinigten Staaten seien eine „leuchtende Stadt“, in die Menschen aus der ganzen Welt kommen.
Nun ist die Migrationskrise nur eines, aber eines der offensichtlichsten Symptome des völligen Scheiterns der Politik der politischen Ordnung, die gerade vor unseren Augen zusammenbricht. Ich möchte diese Krise und die verfügbaren Lösungen in den richtigen strategischen Kontext einordnen.
Seit Jahrzehnten warnte Lyndon LaRouche, daß es so kommen würde. Seit Präsident Nixon am 15. August 1971 von festen zu flexiblen Wechselkursen überging, warnte LaRouche, wenn diese Geldpolitik des westlichen Systems der liberalen Wirtschaft fortgesetzt würde, dann werde sie zu einer neuen Depression, einem neuen Faschismus und sogar zu einem neuen Weltkrieg führen. Er hat diese Prognose viele, viele Male aktualisiert. Jedesmal, wenn sich die Lage zum Schlechteren änderte – an einem Scheideweg, an dem der liberale Charakter des Wirtschaftssystems durch Deregulierung der Märkte und noch mehr Begünstigung der Spekulanten verstärkt wurde -, hat er mit absoluter Klarheit auf diese Folgen hingewiesen.
Und gerade weil er so unverblümt war, wurde er juristisch verfolgt, verleumdet und verteufelt. Ramsey Clark, der ehemalige Justizminister der Johnson-Regierung, der sich für LaRouche einsetzte, sagte, das sei der schlimmste Fall politischer Beeinflussung des Justizsystems in den Vereinigten Staaten, den er in seiner gesamten Laufbahn erlebt habe. Denn LaRouche wagte es, in Hunderten und Aberhunderten von Artikeln, Reden, Interviews und so weiter auf die Folgen dieser Politik hinzuweisen. Wie Sie gerade im Video gehört haben, befaßte er sich mit den zugrunde liegenden Denkweisen, die dazu führen, daß Menschen diese falschen Vorstellungen haben, und mit Lösungen, um daraus herauszukommen.
Heute bewahrheiten sich seine Prognosen auf erschreckende Weise und deuten auf die Möglichkeit eines vollständigen Zusammenbruchs der Zivilisation hin.
Zwei Kriege verschmelzen zu einem
Wir sehen derzeit zwei regionale Kriege, in der Ukraine und im Iran, und nun verschmelzen beide Kriege miteinander. In den letzten Tagen gab es einen Angriff der Ukraine auf Bandar Anzali, den größten iranischen Hafen am Kaspischen Meer und einen Knotenpunkt für den Handel mit Rußland. Der indische pensionierte Diplomat und Kommentator Bhadrakumar erklärte dazu: „Das ist kein Einzelfall, es könnte durchaus von Washington inszeniert worden sein.“ Eine ähnliche Analyse stammt von der iranischen Nachrichtenagentur IRNA, die dem iranischen Sicherheitsrat nahesteht. Dort heißt es, all die verschiedenen Ereignisse – von den aktuellen Geschehnissen im Jemen über den Libanon bis hin zur Ukraine – seien miteinander verbundene Teile eines Gesamtplans.
Was nun die Lage in der Ukraine betrifft, wo die NATO seit 2014, also seit zwölf Jahren, gegen Rußland kämpft, warnte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, vor einigen Tagen, die gegenwärtige Lage habe erschreckende Parallelen zum August 1914.
All das ist das Ergebnis des Versuchs, nach dem Ende des Kalten Krieges eine unipolare Welt zu schaffen, als – wie wir oft geschrieben haben – die große historische Chance von 1989, als die Berliner Mauer fiel und die Möglichkeit bestand, eine Friedensordnung zu schaffen, auf schreckliche Weise verpaßt wurde. Was folgte, war das gebrochene Versprechen, die NATO keinen Zoll nach Osten zu erweitern, gefolgt von zahlreichen „Farbrevolutionen“, versuchten Regimewechseln, Interventionskriegen und einseitigen Sanktionen. Und insbesondere die NATO-Erweiterung nach Osten führte schließlich dazu, daß offensive Waffensysteme nahe der russischen Grenze stationiert wurden, was eine umgekehrte Kubakrise schuf. Und in letzter Zeit setzt die Ukraine mit Hilfe der NATO und der USA Langstreckenwaffen ein, tief in das russische Territorium hinein.
Inzwischen dauert dieser Krieg, der immer als „Militärische Sonderoperation“ bezeichnet wurde, schon viereinhalb Jahre. Aber vor etwa einem Monat sagte der Sprecher der russischen Regierung, Peskow: „Wir befinden uns nicht mehr in einer Militärischen Sonderoperation, wir befinden uns im Krieg.“ Und es ist offensichtlich, daß Rußland beginnt, auf diese Eskalationen der NATO zu reagieren, mit der sichtlichen Entschlossenheit, diesen Krieg mit militärischen Mitteln zu beenden. Ein Aspekt davon ist, daß sie Odessa vom Meer abschneiden und die Ukraine damit praktisch zu einem Binnenstaat machen.
Wenn man sich nun den Iran ansieht: Anders als im Falle Rußlands handelt es sich hier um einen unprovozierten Angriffskrieg, das Versprechen, auf diplomatischem Wege zu handeln, wurde zweimal gebrochen. Hinzu kam die grundlose Aufkündigung des am 17. Juni unterzeichneten Memorandum of Understanding. Nun flammt dieser Krieg erneut auf. Nach drei Tagen vermeintlicher Pause weitet er sich nun aus. Erstmals fand auch ein Drohnenangriff in Ägypten statt. Da sind die Angriffe der USA und Saudi-Arabiens auf Milizen im Irak. Da ist die Blockade des Roten Meeres durch die Huthi. Es besteht die Gefahr, daß all dies zu einem allgemeinen regionalen Krieg eskaliert.
Strategische Lage hat sich verändert
Nun hat dieser Krieg die strategische Lage bereits unwiderruflich verändert, denn die Vereinigten Staaten, die stärkste Militärmacht der Welt, haben zusammen mit einer weiteren sehr starken Militärmacht, nämlich Israel, diesen Krieg verloren. Sie konnten nicht gewinnen, weil der Iran eine unglaublich starke Widerstandskraft bewies. Es gab keinen Regimewechsel. Ein mittelgroßes Land konnte nicht besiegt werden. Das bedeutet jedoch nicht, daß der Iran gewonnen hat, er erleidet enorme Schäden und Verluste.
Im Grunde genommen kam es zu einem Neustart des Krieges, 13 Nächte lang wurden iranische Ziele unerbittlich angegriffen. Dann hörte es auf. Es wird allgemein berichtet – und es klingt sehr glaubwürdig -, daß das Pentagon Trump zu dem Zeitpunkt mitteilte, die Vereinigten Staaten hätten nur noch sehr wenige Munitionsvorräte, insbesondere bei Raketenabwehrsystemen wie den Patriots, THAADS und so weiter.
Die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, in anderen Teilen der Welt militärisch präsent zu sein, ist also stark eingeschränkt. Es wird berichtet, Trump sei verzweifelt, weil er offensichtlich in Netanjahus Falle getappt ist und keinen Ausweg sieht.
Ein neuer Weltkrieg?
Nun hat die Gesamtlage alle Anzeichen eines neuen Weltkriegs. Denn die Vorstellung, man könnte Rußland eine strategische Niederlage zufügen, ist absoluter Wahnsinn. Rußland ist die stärkste Atommacht auf dem Planeten. Und man beobachtet dort eine Militarisierung Europas, wie es sie seit 85 oder 90 Jahren nicht mehr gegeben hat. In Rußland wird darüber diskutiert, daß der Nationalsozialismus zurückkehrt. Putin hat in einem kürzlich erschienenen Artikel im Grunde gesagt, dieses Neuaufleben des Nationalsozialismus sei das Ergebnis der westlichen Politik nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben viele alte nationalsozialistische Netzwerke integriert, was kein Geheimnis ist; darunter den Antibolschewistischen Block, die Organisation Gehlen und viele andere Operationen, in denen diese nationalsozialistischen Netzwerke erhalten blieben und offensichtlich in neuer Form weiterfunktionierten.
Wir stehen also vor einer äußerst ernsten Situation. Denn wenn Rußland davon überzeugt ist, daß der Nationalsozialismus zurückkehrt oder bereits zurückgekehrt ist, dann ruft das die Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg wach und an das, was dieser an Verlusten mit sich brachte. 27 Millionen Menschen in der Sowjetunion kamen dabei ums Leben, und das hat ungeheure Auswirkungen auf die Mentalität in Rußland.
Hungerkatastrophe droht
Sollte nun die Straße von Hormus nicht bald wieder geöffnet werden, und das Rote Meer, das kürzlich von den Huthi gesperrt wurde, ebenfalls nicht, wird dies enorme Folgen für die Energiepreise und die Hungerkrise haben. Eine große Hungersnot ist schon vorprogrammiert. Die UNO hat gerade ihren neuesten Welternährungsbericht The State of Food Security and Nutrition in the World (SOFI) veröffentlicht und darin absolut schockierende Zahlen genannt: 80% aller Babys in Afrika im Alter zwischen 6 und 23 Monaten sind unterernährt. Achtzig Prozent! 2025 litt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Afrika unter mittlerer bis schwerer Ernährungsunsicherheit. Das bedeutet, daß jeder fünfte Afrikaner hungert. Im vergangenen Jahr litten 7,8% der Weltbevölkerung an Hunger. Aber das ist völlig unnötig, weil wir problemlos alle benötigten Nahrungsmittel produzieren könnten.
Wenn diese Engpässe nicht beseitigt werden, droht die Welt in eine umfassende Depression zu stürzen, die schlimmer ist als die der 1930er Jahre, mit Hunger und sozialen Unruhen.
Einschränkungen der Bürger- und Menschenrechte
Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, daß all die Maßnahmen, die wir derzeit beobachten – die Einschränkung der Meinungsfreiheit, die Beschneidung von Bürger- und Menschenrechten, wie wir sie in den Vereinigten Staaten und in Europa sehen -, in Vorwegnahme der kommenden Unruhen durch die Behörden passieren, denn die können nicht die Augen davor verschließen, daß sie eintreten werden.
Es gibt noch eine weitere Ebene: das Denken der Malthusianer, für eine Entvölkerung. John D. Rockefeller sprach damals von der „Bevölkerungsbombe“, der Überbevölkerung, und Schellnhuber, der ehemalige Leiter des Potsdamer Klimainstituts, sagte in vielen Reden, seiner Meinung könne nach die Welt nur ein bis zwei Milliarden Menschen ernähren, wobei er nichts dazu sagte, was mit allen anderen passieren soll.
In diesem Zusammenhang sollte man das sogenannte „Projekt für die 1980er Jahre“ des Council on Foreign Relations nicht vergessen, das einen kontrollierten Zerfall der Weltwirtschaft forderte. Und Sie sollten sich das folgende Zitat anhören:
„Schlechte Zeiten sind Ausnahmezustände und können mit außergewöhnlichen Methoden bewältigt werden. Dies traf während der Blütezeit des Industrialismus mehr oder weniger zu, wird aber nicht länger zutreffen, es sei denn, das Bevölkerungswachstum kann drastisch eingedämmt werden. Derzeit wächst die Bevölkerung um etwa 58.000 Menschen pro Tag. Kriege hatten bislang keinen großen Einfluß auf dieses Wachstum, das sich durch alle Weltkriege hindurch fortsetzte.
Der Krieg hat sich bisher, wie bemerkt, als enttäuschender Versager erwiesen, aber vielleicht ist der bakteriologische Krieg wirkungsvoller. Würde man in jeder Generation einmal den Schwarzen Tod über die Welt schicken, dann dürften die Überlebenden fröhlich weiterzeugen, ohne die Welt allzu eng zu machen… Es würden sich zwar etwas unangenehme Zustände entwickeln, aber was macht das schon? Die in Wahrheit hochherzigen Leute sind gegen das Glück immun, vor allem, wenn es das Glück anderer ist.“
Dies schrieb Bertrand Russell 1953 in The Impact of Science on Society (dt: Wissenschaft wandelt das Leben).
Wir schlagen einen radikal entgegengesetzten Ansatz vor, nämlich, daß wir die Grundsätze der Unabhängigkeitserklärung – schließlich feiern wir in diesem Jahr den 250. Jahrestag der Gründung Amerikas – grundsätzlich als für die gesamte Bevölkerung der ganzen Welt gültig betrachten. Nämlich, daß „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ das unveräußerliche Recht jedes Menschen auf diesem Planeten sind.
Die Unabhängigkeitserklärung ist deshalb eigentlich das Gründungsdokument des Schiller-Instituts. Als wir es gründeten, habe ich die Unabhängigkeitserklärung nur um etwa sechs Wörter abgeändert, um sie auf die ganze Welt anwendbar zu machen. Der Grund dafür ist, daß jedes neugeborene Kind potentiell ein Genie ist, das grundlegende Prinzipien des physikalischen Universums entdecken kann und auf diese Weise die relative potentielle Bevölkerungsdichte der Erde und darüber hinaus erhöht und so die Entwicklung des Universums vorantreibt, dessen fortgeschrittenster Ausdruck der Mensch ist.
Unsere Aufbaupläne
Um die Flüchtlingskrise zu bewältigen, ist es im wesentlichen erforderlich, in diesen Ländern und Kontinenten – in Afrika, Asien, Lateinamerika, den ärmeren Teilen der Vereinigten Staaten, von denen viele wie ein Gebiet der Dritten Welt aussehen, und in den armen Regionen Europas – eine grundlegende Infrastruktur aufzubauen und diese Gebiete zu industrialisieren. Afrika wird 2050 2,5 Milliarden Menschen zählen. Davon werden eine Milliarde unter 24 Jahre alt sein. Das bedeutet, daß wir allein in Afrika in den nächsten 24 Jahren etwa eine Milliarde neue produktive Arbeitsplätze benötigen.
Das bedeutet, daß wir eine grundlegende Infrastruktur aufbauen müssen: integrierte kontinentale Verkehrsnetze, die Autobahnen, Hochgeschwindigkeitsbahnen, Wasserstraßen, Energieerzeugung und -verteilung sowie Kommunikation kombinieren, sowie bahnbrechende Projekte wie den Großen Äthiopischen Renaissance-Damm (GERD), das TransAqua-Projekt, das Wasser vom Kongobecken zum Tschadsee leitet, die beiden Inga-Staudämme im Kongo und andere derartige Projekte.
Für Südwestasien brauchen wir den „Oasenplan“, der die gesamte Region vernetzt, von Indien bis zum Mittelmeer, vom Kaukasus bis zum Persischen Golf – eine Region, die im wesentlichen aus Wüste besteht. Wir können dabei Chinas enormen Erfolg bei der Begrünung der Wüsten anwenden, den es in Xinjiang und in Nordwestchina bewiesen hat, indem es Gebiete von der Größe Deutschlands begrünt hat. Wir müssen dort Kanäle anlegen, wir sollten Grundwasserleiter erschließen, wir können mit Hilfe der Weltraumtechnologie unterirdische Seen ausfindig machen, wir können die Feuchtigkeit in der Atmosphäre ionisieren usw., und könne auf diese Weise die Wüsten in Gärten, Wälder und Ackerland verwandeln.
Das sollten wir mit dem Ausbau bestehender Entwicklungskorridore verbinden, wie dem CPEC (China-Pakistan-Wirtschaftskorridor), dem Nord-Süd-Transportkorridor von St. Petersburg nach Indien; einem weiteren Korridor, der Iran, Irak, Jordanien, Israel, Palästina und Ägypten miteinander verbindet; sowie einem weiteren Korridor von Indien über die Türkei nach Europa. Auf diese Weise können wir diese Region wieder zum Knotenpunkt des Verkehrs und des Austauschs von Kultur und Ideen zwischen Asien, Afrika und Europa machen, so wie zu Zeiten der alten Seidenstraße.
Kooperation statt Konfrontation
Wir brauchen wirtschaftliche Kooperation statt geopolitischer Konfrontation! Statt an Bertrand Russells bestialischem Menschenbild müssen wir uns an dem erhabenen Menschenbild orientieren, das Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas zum Ausdruck bringt, wo er beschreibt, daß jeder Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist – wie Cusanus sagen würde, sogar ein Imago Viva Dei, denn Nikolaus von Cusa erklärte, daß die Schöpfung durch die Kreativität des Menschen fortbesteht.
Dabei muß auch den Ursachen der Migrationsproblematik Rechnung getragen werden, worauf der Papst in vielen Ansprachen hingewiesen hat, als er Anfang Juni in Spanien war. Er sagte dort, wir müßten die Migranten nicht nur unter Wahrung ihrer Würde integrieren, die jedem Menschen gleichermaßen zusteht – sondern wir müssen auch die Voraussetzungen dafür schaffen, daß sie in ihren Heimatländern bleiben können. Denn jeder möchte viel lieber in seinem Heimatland bleiben, als das Risiko einzugehen, in der Sahara zu verdursten, im Mittelmeer zu ertrinken oder in einem „Konzentrationslager“ rund um das Mittelmeer zu landen – das ist eine Formulierung des Papstes, der ich voll und ganz zustimme.
Wir uns müssen dringend der Tatsache bewußt werden, daß eine Eskalation der gegenwärtigen geopolitischen Konfrontation zu einem Weltkrieg führen wird – und das bedeutet mit fast hundertprozentiger Sicherheit die Vernichtung der Menschheit und von allem, was alle bisherigen Generationen geschaffen haben, denn die Folge wäre 50jähriger nuklearer Winter, in dem alles Leben auf dem Planeten verschwindet.
Wir müssen die strategische und historische Situation betrachten, in der wir uns befinden, und uns entschlossen dazu verpflichten, die 500jährige Ära des Kolonialismus zu beenden.
Wir müssen unsere Anstrengungen der Idee widmen, daß „der neue Name für Frieden Entwicklung ist“ und daß wir eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur schaffen werden, die das Interesse jedes Landes auf dem Planeten umsetzt.
Das ist also die große Herausforderung, die vor uns liegt. Aber ich bin absolut zuversichtlich, daß wir Erfolg haben und verhindern können, daß wir als Zivilisation aufhören zu existieren, wenn es uns gelingt, bei genügend Menschen auf der ganzen Welt die Leidenschaft zu wecken, dafür zu kämpfen.


