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Zepp-LaRouche fordert Papst Leo XIV. auf, auf der Ebene von Nikolaus von Kues zu intervenieren

9. März 2026 (EIRNS) – Helga Zepp-LaRouche, Gründerin des Schiller-Instituts, veröffentlichte am 9. März den folgenden offenen Brief, den sie an Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. geschickt hat.

Heiliger Vater

ich schreibe Ihnen in dieser für die Menschheit so schweren Stunde, da Sie möglicherweise die einzige Person sind, die noch hoffen kann, einen Absturz in das zu verhindern, was Sie selbst als „unwiderruflichen Abgrund“ bezeichnet haben, nämlich eine Eskalation des unprovozierten Krieges gegen den Iran zu einem potenziell globalen Atomkrieg, der alles Leben auf der Erde beenden würde.

In der letzten Zeit ist die Welt in eine radikal verschlimmerte Phase eingetreten, in der das Völkerrecht für nicht existent erklärt wurde, die sogenannte „regelbasierte Ordnung“ als reine Farce entlarvt wurde und das Prinzip „Macht geht vor Recht“ zum Privileg der Mächtigen erhoben wird. Infolgedessen leiden bereits Milliarden von Menschen unter einer dramatischen Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen, unzählige Menschen bezahlen bereits mit ihrem Leben. Aber noch schlimmer ist, dass, wenn der derzeitige Kurs nicht geändert wird, die ultimative Sünde begangen werden könnte: die Auslöschung der menschlichen Spezies um der satanischen Wahnvorstellungen willen.

Millionen von einfachen Menschen fragen sich in völliger Verzweiflung, was getan werden kann, um den Lauf der Geschichte zu ändern, wenn viele Regierungen, insbesondere im Westen, offensichtlich nicht in der Lage sind, ihrer Verpflichtung nachzukommen, Schaden von den Menschen abzuwenden, für die sie verantwortlich sind. Wo sind die Institutionen, die in dieser späten Stunde Abhilfe schaffen können?

Ein positiver, vielleicht sogar entscheidender Schritt, um das Bewusstsein der Welt zu wecken, wäre – im Geiste des Konzils von Florenz und der von Nikolaus von Kues herbeigeführten Einheit der Kirche, der die Delegationen der orthodoxen Kirche zu den Konzilien von Florenz und Ferrara zusammenbrachte –, dass Sie, Eure Heiligkeit, und Patriarch Kirill von Moskau sowie Patriarch Bartholomäus I. von Konstantinopel den mutigen Schritt unternehmen und alle religiösen Führer der Welt sowie alle Menschen guten Willens, Gläubige und Nichtgläubige gleichermaßen, aufriefen, sich für die Verteidigung des Friedens einzusetzen.

Am 25. Oktober letzten Jahres haben Sie in Ihrer Angelus-Predigt den großen Philosophen und Kardinal Nikolaus von Kues und seine Vorstellung von der Coincidentia Oppositorum als notwendige Denkweise, um die Dinge in der heutigen Welt miteinander zu verbinden, herangezogen. Es war dieselbe Denkweise, die seinem wunderschönen Dialog De Pace Fidei („Über den Frieden im Glauben“) zugrunde lag, den er als Antwort auf den Fall Konstantinopels verfasste und der das Denken der Menschen seiner Zeit auf die höchstmögliche Ebene hob – einschließlich des Verständnisses, dass es nur einen Gott und eine Wahrheit gibt, die für Gläubige aller Religionen erkennbar ist, trotz ihrer unterschiedlichen Riten und Praktiken.

In einer Zeit, in der die Gefahr eines Weltkrieges besteht und einige den Mantel der Religion nutzen, um für ein baldiges Armageddon zu argumentieren, muss dieselbe Stimme der Vernunft erhoben und dieselbe Frage gestellt werden, wie sie die Vertreter von 17 Nationen und Religionen in De Pace Fidei an Gott stellten, dass es nicht sein kann, dass Menschen sich im Namen Gottes gegenseitig töten.

Die Glocken aller Kirchen sollten zu läuten beginnen, der Adhan aller Moscheen sollte gerufen werden, das Shofar aller Synagogen sollte geblasen werden, in der ganzen Welt, in diesem Moment äußerster Dringlichkeit, um die Menschheit vor ihrer endgültigen Tragödie zu retten.

Wenn als erster Schritt die Kirchen des Westens und des Ostens sich zusammenschlössen und sich täglich aktiv für den Weltfrieden einsetzen würden, könnte dies die Mehrheit der Menschen dazu bewegen, sich für den Frieden zu engagieren und so eine Veränderung in der Weltgeschichte herbeiführen und den Willen Gottes erfüllen, der die Welt sicherlich nicht geschaffen und der Menschheit die Vernunft geschenkt hat, damit sie durch deren Fehlen zerstört wird.

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin des Schiller-Instituts


Kämpfen wir für die Schönheit der menschlichen Seele!

Von Helga Zepp-LaRouche

Das abgrundtiefe Ausmaß der Verderbtheit der Kundschaft des verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein sendet Schockwellen um den ganzen Globus. Den Menschen wird langsam klar, daß diese Form der modernen Sklaverei nicht nur eine große Gruppe von Millionären und Milliardären betrifft, die danach streben, Billionäre zu werden, sondern daß Teile des Establishments – die oberen Ränge des inneren Kreises – diese weitreichende moderne Sklaverei toleriert, ja sogar befürwortet haben.

Die Menschen erkennen, daß nicht nur die auffällig vielen Milliardäre waren, die diese Verbrechen vertuschten, sondern auch die Establishments in praktisch allen Regierungen des kollektiven Westens, indem sie jahrzehntelang keinerlei Ermittlungen durchführten.

Es ist wichtig zu verstehen, daß die Einstellung der Täter, die unzählige junge Frauen, Mädchen und Kinder sexuell mißbrauchten, dieselbe Einstellung ist wie die hinter der räuberischen Wirtschaftspolitik der internationalen Finanzinstitutionen, sowohl gegenüber den Entwicklungsländern als auch gegenüber den ärmeren Teilen der eigenen Gesellschaft, und daß dieselbe Einstellung auch für die skrupellose Profitgier im Militärisch-Industriellen Komplex verantwortlich ist, wo Profit gleichbedeutend mit Krieg und dem Töten von Millionen Menschen ist. Tatsächlich sind es oft ein und dieselben Personen, die in diesen verschiedenen Bereichen das Sagen haben.

Wenn man sich fragt, warum die Welt heute in einem so schrecklichen Zustand ist – mit offenem Völkermord, der Zerstörung der Gesundheitssysteme und der völligen Mißachtung menschlichen Lebens und menschlicher Werte –, dann muß man erkennen, daß all das auf die Einstellung dieser Milliardäre zurückzuführen ist, die Billionäre werden möchten.

Wenn man mit solch unglaublichen Greueltaten konfrontiert wird, gibt es zwei mögliche Reaktionen. Die eine ist, mit Verzweiflung zu reagieren und sich schließlich an eine Gesellschaft anzupassen, die nicht mehr menschlich ist. Oder man sagt, „Genug ist genug, eine Grenze hat Tyrannenmacht“, und beschließt, eine neue weltweite Renaissance zu schaffen.

Die Verfasserin hat „Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ verfaßt, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigen muß – nicht als endgültiger Wortlaut, sondern als Denkanstoß, wie eine solche neue Architektur geschaffen werden kann.1 Das Zehnte Prinzip lautet:

„Die Grundannahme des neuen Paradigmas ist, daß der Mensch grundsätzlich gut ist und fähig ist, die Kreativität seines Geistes und die Schönheit seiner Seele unendlich zu vervollkommnen, und daß er die am weitesten entwickelte geologische Kraft im Universum ist, was beweist, daß die Gesetzmäßigkeit des Geistes und die des physischen Universums in Übereinstimmung und Kohäsion stehen und daß alles Böse das Ergebnis eines Mangels an Entwicklung ist und daher überwunden werden kann.“

Derzeit entsteht eine neue Weltwirtschaftsordnung, an der die überwiegende Mehrheit der Länder des Globalen Südens beteiligt ist. Die europäischen Länder und die USA dürfen sich diesen Bemühungen nicht widersetzen, sondern müssen sich mit den Entwicklungsländern zusammenschließen und gemeinsam daran arbeiten, die nächste Epoche der Entwicklung der Menschheit zu einer Renaissance der höchsten und edelsten Ausdrucksformen der Kreativität zu gestalten!

Laßt uns daher eine internationale Bewegung von Weltbürgern ins Leben rufen, die gemeinsam daran arbeiten, die nächste Phase in der Evolution der Menschheit, eine neue Epoche, zu gestalten! Weltbürger aller Länder, vereinigt euch!

Es hat sich herausgestellt, daß die Vorstellung, daß der Mensch von Natur aus gut ist, sehr umstritten ist und von vielen Menschen angezweifelt wird. Aber der Mensch ist natürlich mit einem freien Willen ausgestattet und kann mindestens bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, ob er ein Mensch werden will, der sich selbst vervollkommnet, oder ob er sich bewußt für das Böse entscheidet.

Ich denke, daß es nur sehr wenige Menschen sind, die sich bewußt dafür entscheiden, böse zu sein und auf satanische Weise zu handeln. Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist gut, wenn man sie läßt, aber sie sind so sehr von den Lasten ihres Alltags niedergedrückt, daß sie weder die Zeit noch die Mittel haben, alle ihnen gegebenen Möglichkeiten zu entfalten.

Doch jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns angesichts des modernen Sklavensystems, das uns die Epstein-Klasse aufgezwungen hat, an die Ideen erinnern müssen, die Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell zum Ausdruck gebracht hat:

„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht! Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last – greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel, und holt herunter seine ew‘gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst. Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, wo Mensch dem Menschen gegenübersteht – zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben. Der Güter höchstes dürfen wir verteid‘gen gegen Gewalt. Wir steh‘n vor unser Land, wir steh‘n vor unsre Weiber, unsre Kinder!“

Genau die gleiche Idee findet sich in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:

„Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit. Um diese Rechte zu sichern, werden unter den Menschen Regierungen eingerichtet, die ihre gerechte Macht aus der Zustimmung der Regierten ableiten. Wenn eine Regierungsform diesen Zielen zuwiderläuft, hat das Volk das Recht, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solchen Grundsätzen beruht und deren Macht in einer Form organisiert ist, die ihm am ehesten geeignet erscheint, seine Sicherheit und sein Glück zu gewährleisten.“

Um eine solche Form des Oligarchentums zu besiegen, brauchen wir eine neue Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Der Schlüssel dazu ist das Konzept der ästhetischen Erziehung, das Friedrich Schiller entwickelt hat, als er sah, wie die Französische Revolution – die anfangs ein sehr hoffnungsvolles Unterfangen war und allen republikanischen Kreisen in Europa Hoffnung gab, das Beispiel der Amerikanischen Revolution könne in Europa wiederholt werden – durch den Jakobinerterror ruiniert wurde. Als Reaktion auf diese Erfahrung schrieb Schiller seine Ästhetischen Briefe und sagte: „Der große Moment findet ein kleines Geschlecht.“ Objektiv waren alle Voraussetzungen gegeben, aber subjektiv war das Volk zu kleingeistig. Er entwickelte die Ästhetische Erziehung als Methode zur Veredelung des Volkes, um sicherzustellen, daß nie wieder ein solches Scheitern kommen würde.

In den Briefen stellt er die Frage, woher die Veränderung kommen soll, wenn die Regierungen korrupt und verdorben sind und die Mehrheit der Menschen zu schwach und niedergedrückt ist, um die Veränderung herbeizuführen. Schiller beantwortete dieses Dilemma mit der Idee, daß die Veränderung nur durch Schönheit und klassische Kunst kommen kann, die den Menschen in seinen Momenten der Muße erhebt: Indem man immer wieder dem höchsten Ideal des Menschen ausgesetzt ist – wie es in den klassischen Kompositionen von Bach oder Beethoven zum Ausdruck kommt, in der Schönheit und den erhabenen Vorstellungen der Dramen von Shakespeare und Schiller, in der lyrischen Zärtlichkeit der Gedichte von Shelley und Heine, in dem hohen Maß an Selbstbewußtsein in den Gemälden von Rembrandt oder in dem erhebenden Geist der großen Kathedralen –, wird man zu einem besseren Menschen, vorausgesetzt, man nimmt die in diesen Werken zum Ausdruck kommende schöpferische Kraft zum Kompaß für die eigene Selbstvervollkommnung. Vor allem aber braucht es das Gefühl der Agapē, der selbstlosen Liebe zur Menschheit, sowohl als Leitstern für unser gesamtes Leben als auch als konkrete Orientierung in der Haltung gegenüber unseren Mitmenschen.

Schiller entwickelte von allen Dichtern und Philosophen das edelste Menschenbild, indem er die Idee definierte, daß jeder Mensch das Potential hat, eine schöne Seele zu werden – ein Mensch, für den Freiheit und Notwendigkeit, Leidenschaft und Pflicht eins sind und der seine Gefühle so weit geschult hat, daß er ihnen blind vertrauen kann, weil sie ihm niemals etwas anderes raten werden als das, was die Vernunft gebietet.

Der einzige Mensch, der diese Bedingung erfüllt, ist das Genie, denn nur das Genie verändert die Gesetze auf gesetzmäßige Art und Weise, indem es neue Freiheitsgrade und neue Konzepte in Wissenschaft und Kunst schafft.

Wir brauchen jetzt eine Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Sie müssen in einen Dialog der Zivilisationen treten, in dem diese durch das Kennenlernen der Schönheit und der Wunder von Poesie, Musik, Malerei und aller anderen Kunstformen der anderen Zivilisationen – durch die Entdeckung neuer Dimensionen der Architektur unseres Universums – sich gegenseitig inspirieren und durch den Dialog untereinander etwas noch Schöneres als alle bestehenden Kulturen und Zivilisationen schaffen werden.

Wir veröffentlichen diesen Bericht, um der Bevölkerung zu zeigen, wie ein und dieselbe Denkweise private Verbrechen, kriminelle Geschäftsmethoden und Kriegspolitik motiviert. Aber diese können wir nur besiegen, wenn wir die schöne Vision dessen aufrichten, was Menschen erreichen können, indem sie sich in dem Bestreben vereinen, die Menschenwürde zu retten.

Wenn wir uns als internationale Bewegung von Weltbürgern um dieses Konzept vereinen, dann werden wir in wenigen Jahren auf das obszöne Spektakel der Epstein-Klasse als letzte Phase des oligarchischen Systems zurückblicken können – als das letzte beschämende Kapitel einer Zeit, in der sich Menschen noch nicht wie Menschen verhalten haben. Wir werden bewiesen haben, wie solche Unmoral durch Entwicklung überwunden werden kann.

Schließen Sie sich also unserer Bewegung der Weltbürger an, und lassen Sie uns freudig und entschlossen eine neue, schönere Ära der Menschheit schaffen, die dem gerecht wird, was die menschliche Gattung wirklich ist – nämlich die einzige kreative Gattung, die bisher im Universum bekannt ist.

Anmerkung

  1. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur,
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.

Nach dem US-Angriff auf den Iran: Hat der Dritte Weltkrieg schon begonnen?

von Helga Zepp-LaRouche

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts eröffnete das Online-Krisenforum am 2. März mit den folgenden Bemerkungen. (Übersetzung aus dem Englischen.)

Sehr geehrte Damen und Herren, Weltbürger aus vielen Ländern, ich heiße Sie herzlich willkommen. Wir treffen uns hier in einem Moment, der wahrscheinlich der schwerwiegendste in der Weltgeschichte ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat. Mit dem unprovozierten Angriff der Vereinigten Staaten auf die Republik Iran sind wir nun in eine Eskalationsspirale geraten, die innerhalb kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg eskalieren könnte.

Es ist daher dringend erforderlich, daß alle Bürger guten Willens mobilisieren, um ihre Regierungen und Parlamente in allen Ländern der Welt aufzufordern, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen und zur Diplomatie zurückzukehren.

Laut einem Bericht von Reuters teilte das Pentagon dem US-Kongreß kurz vor dem Angriff mit, es gebe keine Anzeichen dafür, daß der Iran die Vereinigten Staaten zuerst angreifen werde. Es handelte sich also um einen Angriffskrieg. Mit dem Angriff auf den Iran und der Ermordung des Obersten Führers Ajatollah Chamenei – der nun zum Märtyrer erklärt wurde – kam diese Tötung der Ermordung des höchsten Führers des Christentums, des Papstes, gleich. Wir befinden uns nun in einer Dynamik, die zu einer Eskalation führen könnte, die, wenn sie nicht gestoppt wird, das Ende der Zivilisation in einem globalen Atomkrieg bedeuten würde, gefolgt von einem nuklearen Winter, in dem alles Leben auf der Erde ausgelöscht würde.

Wir schließen uns daher dem Appell von Papst Leo XIV. an, seinem Aufruf an die Welt, an alle Nationen, sich ihrer moralischen Verantwortung für die Suche nach Frieden zu erinnern. Der Papst sagte nach seinem jüngsten Sonntags-Angelus: „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen erreichen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog. Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie von enormem Ausmaß richte ich einen eindringlichen Appell an die beteiligten Parteien, die moralische Verantwortung zu übernehmen, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwindbaren Abgrund wird. Möge die Diplomatie ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker gefördert werden, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnen. Und beten wir weiterhin für den Frieden“, so der Papst.1

Der Angriff der USA auf den Iran ist eine Wiederholung des Angriffs der USA auf den Irak im Jahr 2003, wo nun durch die Aussagen aktiver Beteiligter zu 100% belegt ist, daß alle verantwortlichen US-Beamten im Voraus wußten, daß Saddam Hussein weder über Massenvernichtungswaffen verfügte noch eine Bedrohung für andere Länder darstellte. Es handelte sich um einen vorsätzlichen, mutwilligen Massenmord. Ebenso basierte der Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran im Juni 2025 auf Lügen, daß der Iran angeblich innerhalb weniger Tage über Atomwaffen verfügen werde, wobei die Fatwa des obersten religiösen Führers Chamenei ignoriert wurde, daß das Ziel, Atomwaffen zu besitzen, im Widerspruch zum islamischen Recht stehe und daher nicht verfolgt werde.

Bei ihrem jüngsten Angriff gaben die Vereinigten Staaten wieder vor, in Genf mit dem Iran zu verhandeln, während sie einen Angriff vorbereiteten, den Trump Quellen zufolge bereits viele Tage zuvor beschlossen hatte. Verschiedenen Berichten zufolge, darunter einem des Analysten John Helmer, hatte der Iran in den Verhandlungen den Bedingungen für die Urananreicherung zugestimmt und wahrscheinlich auch zugestimmt, die Hisbollah, die Iraker und die Huthis nicht mehr zu unterstützen. Offenbar war es für den Iran inakzeptabel, sein Raketenprogramm aufzugeben, das er offensichtlich als entscheidend für seine Selbstverteidigung ansah.

Diesen Quellen zufolge warnte General Daniel Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Präsident Trump, ein konventioneller Angriff auf den Iran und auf die Nuklearanlagen und Raketenvorräte werde nicht erfolgreich sein, und riet daher zu einem „Balanceakt”.

Unterdessen ist die Meldung eingetroffen, daß die kürzlich vom Pentagon durchgeführte Krisensimulation „2035 Overmatch Brief” Quellen zufolge gezeigt hat, daß chinesische Hyperschallraketen den US-Flugzeugträger USS General Ford versenken könnten. Und das französische Magazin Journal du Dimanche berichtete laut anderen Kontakten, daß die Chinesen diese CM-302-Raketen an den Iran geliefert haben. Die Frage sei, ob die Chinesen auch den Schlüssel zu deren Einsatz lieferten. Andere Quellen berichten, die Iraner hätten elektronische Störgeräte erhalten, um den Start amerikanischer F-35-Kampfflugzeuge vom Flugzeugträger zu verhindern.

Nun berichten auch viele Analysten, die mit den militärischen Aspekten der Ereignisse bestens vertraut sind, daß die Bestände an US-Abfangraketen nur für etwa ein bis zwei Wochen reichen – während Präsident Trump nun angekündigt hat, daß dieser Krieg etwa vier Wochen dauern wird – und daß die amerikanischen Munitionsvorräte wegen der massiven Waffenlieferungen an Israel zur Zerstörung Gazas sowie an die Ukraine auf einen sehr kurzen Zeitraum, vielleicht ein bis zwei Wochen, geschrumpft sind.

Es wird auch berichtet, daß offenbar bei den jüngsten Treffen von Ministerpräsident Netanjahu mit Trump in Miami mitgeteilt wurde, Israel betrachte die iranischen Raketen als existenzielle Bedrohung und habe keine andere Wahl, als anzugreifen und dagegen Atomwaffen einzusetzen, unabhängig davon, ob die USA damit einverstanden sind oder nicht.

Natürlich sind sich Rußland und China all dessen sehr bewußt. Wenn Israel Atomwaffen gegen den Iran einsetzt, werden Rußland und China dann tatenlos zusehen können, wie eines ihrer BRICS-Länder zerstört wird?

Die Vorgeschichte
Machen wir einen Schritt zurück und betrachten, wie es zu dieser Situation gekommen ist.

Ich denke, wir müssen bis ins Jahr 1991 zurückgehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges erkannten die Vereinigten Staaten – und das ist erst 35 Jahre her – und alle anderen, daß es eine realistische Möglichkeit für eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert gab. Und viele Menschen – Hans-Friedrich Genscher, Gorbatschow, Jack Matlock und viele andere – haben darüber gesprochen. Sie erkannten, daß es eine Chance für eine neue Friedensordnung gab. Die Menschen sprachen von einem „gemeinsamen europäischen Haus“, einer Sicherheitsordnung von Wladiwostok bis Lissabon. Es war sogar die Rede davon, daß Rußland der NATO beitreten könnte, da es plötzlich keinen Feind mehr gab.

Aber diese historische Chance, eine dauerhafte Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen, wurde verpaßt, weil die Neokonservativen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien beschlossen, eine unipolare Welt auf der Grundlage der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zu schaffen, wobei sie das Britische Empire als Vorbild nahmen. Dies ging einher mit Farbrevolutionen, der sechsmalige Osterweiterung der NATO – entgegen dem Versprechen, „keinen Zentimeter“ nach Osten vorzustoßen –, Regimewechsel in vielen Ländern und den berüchtigten Interventionskriegen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usw.

All diese Versuche resultierten in einem dramatischen Rückschlag; die Länder des Globalen Südens, die heute eine Globale Mehrheit von 85% der Menschheit repräsentieren, beschlossen, ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zu behaupten und durchzusetzen. Dies wurde im wesentlichen durch den Aufstieg Chinas und durch Bemühungen wie die Gürtel- und Straßen-Initiative und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ermöglicht, die versuchen, ein neues Wirtschaftssystem zu schaffen.

Die jüngsten Sicherheitsdoktrinen der Vereinigten Staaten, wie die Nationale Sicherheitsstrategie und andere US-Doktrinen, lassen keinen Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten auch in der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung beabsichtigen, die dominierende Kraft in der Welt zu sein, und offensichtlich entschlossen sind, diese Bemühungen um die Schaffung eines Systems der gleichberechtigten Partnerschaft für alle zunichte zu machen.

Das Erstaunliche ist, daß die europäische „Koalition der Willigen“ – Großbritannien, Frankreich und Deutschland – nun nicht den Angriff der USA auf den Iran kritisiert, einen unprovozierten Akt der Aggression, der einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt, sondern sie behaupten, man müsse die Vergeltungsmaßnahmen des Iran gegen US-Stützpunkte in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens verurteilen. Sie behaupten sogar, in solchen Situationen könne nicht immer das Völkerrecht anwenden. Damit stehen sie sogar im Widerspruch zu den Demokraten in den USA, die Trumps Angriff scharf verurteilen. Haben diese drei europäischen Regierungen ihren moralischen Kompaß verloren, wenn sie argumentieren, in diesem Fall könne das Völkerrecht außer acht gelassen werden?

Der Kurs muß geändert werden!
Sagen wir es ganz klar: Wir befinden uns möglicherweise bereits mitten im Dritten Weltkrieg und müssen daher dringend den Kurs umkehren und zur Diplomatie zurückkehren. Das ist es, was wir tun müssen! Ich bitte daher die Teilnehmer dieser Konferenz – also Sie alle –, einen dringenden Appell an alle Regierungen, Parlamente, den UN-Sicherheitsrat und die UN-Generalversammlung zu richten, zum Völkerrecht und zur Diplomatie zurückzukehren. Diese Rückkehr zur Diplomatie muß im Geiste des Westfälischen Friedens erfolgen, der zustande kam, weil die Kriegsparteien erkannten, daß niemand mehr einen Sieg genießen könnte, wenn sie den Krieg fortsetzen, weil alle tot wären.

Gilt das nicht auch heute, im Zeitalter der thermonuklearen Waffen, wo niemand mehr am Leben sein wird, wenn es so weitergeht? Wir stehen daher vor einer Bewährungsprobe für die Menschheit. Sind wir moralisch fähig zu überleben? Wir müssen die dringende Notwendigkeit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf diesem Planeten berücksichtigt.

Ich habe Zehn Prinzipien verfaßt,2 in denen ich darlege, worum es bei solchen Verhandlungen gehen muß. Dazu gehört dringend eine geordnete Neuordnung des völlig bankrotten Weltfinanzsystems, wie mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche in dem Videoclip, den Sie zu Beginn gesehen haben, gewarnt hat.

Laßt uns daher das schönste Menschenbild hervorrufen, das jeder von uns in sich trägt und an das er jemals gedacht hat, um mit Mut und Liebe für die Menschheit zu handeln! Fordern wir die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und verantwortungsbewußt zu handeln, denn unsere Existenz als Menschheit steht auf dem Spiel. Vielen Dank.

Anmerkungen

  1. Angelus, Papst Leo XIV., Petersplatz am 01.03.2026, Website des Vatikans.
  2. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.


Austritt aus der NATO! Neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA erfordert neue Sicherheitsarchitektur

Die folgende Erklärung wurde vom Schiller-Institut zur sofortigen internationalen Verbreitung veröffentlicht. Sie wurde als Aufruf zum Handeln in diesen Zeiten des Wandels und neuer strategischer Möglichkeiten verfasst, und Einzelpersonen werden aufgefordert, sich ihr anzuschließen. Darüber hinaus werden Webseitenbetreiber und Zeitschriften aufgefordert, diesen Artikel ganz oder teilweise unter Angabe der Quelle „Schiller-Institut“ zu veröffentlichen.

Von Helga Zepp-LaRouche, 8. Dezember 2025

Obwohl die kürzlich veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) der USA von einigen führenden Kreisen in Europa mit einer Mischung aus Zähneknirschen, Wutanfällen und Verzweiflung aufgenommen wurde, sollte sie unter den gegebenen Umständen als nützlicher Auslöser einer längst überfälligen Krise betrachtet werden. Sie stellt einen Bruch mit der Sicherheitsdoktrin der Biden-Regierung hinsichtlich der Führungsrolle der USA in einer unipolaren Weltordnung zugunsten einer ausgewogeneren Politik gegenüber Russland dar. Gleichzeitig befürwortet sie jedoch die zum Scheitern verurteilte Strategie, China einzudämmen und insbesondere seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Ländern des Globalen Südens, vor allem in der westlichen Hemisphäre, zu unterbinden. Angesichts der heutigen Bedingungen einer finanziellen Kernschmelze des transatlantischen Systems hat das neue Dokument die Möglichkeit geschaffen, die eigenen Sicherheitsinteressen rational neu zu bewerten und die internationale Sicherheitsarchitektur neu zu gestalten.

Das Dokument verbietet ausdrücklich die weitere Expansion der NATO – damit ist ein Beitritt der Ukraine zur NATO faktisch vom Tisch, da die sogenannte „Koalition der Willigen“ eine solche Mitgliedschaft gegen den Willen der USA nicht durchsetzen kann. Damit ist im Prinzip auch das Konzept einer „Globalen NATO“ beendet, ebenso wie die diesbezügliche „Interoperabilität“ der EU mit dieser Globalen NATO natürlich entfällt.

Anstatt sich nur darüber zu echauffieren, daß man keinen „Rat von außen“ benötige, so Außenminister Wadephul, sollten die Europäer lieber den zugegebenermaßen unsanften Weckruf des NSS-Papiers ernst nehmen, daß der europäische Kontinent in 20 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein werde, wenn sich die gegenwärtigen Trends des wirtschaftlichen Niedergangs fortsetzen. Es warnt sogar vor einer „zivilisatorischen Auslöschung“.

Der größte Fehler, den wir in Europa jetzt machen könnten, wäre eine arrogante Zurückweisung dieser Warnung, indem wir sie nur als weiteren Beweis der Unberechenbarkeit von Präsident Trump abqualifizieren. Denn die „zivilisatorische Auslöschung“ Europas droht nicht nur bei einer Fortsetzung der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik – massive Austerität in allen sozialen Bereichen zugunsten einer gewissenlosen Rüstungsindustrie -, diese Auslöschung droht sogar kurzfristiger bei dem absolut ebenso verantwortungslosen wie aussichtslosen Versuch, Rußland eine „strategische Niederlage“ beizufügen.

Die neue US-NSS bietet die dringend benötigte Gelegenheit, aus der NATO auszutreten, denn diese verfolgt eine Strategie, die mit den fundamentalen Sicherheitsinteressen Deutschlands schon seit geraumer Zeit nicht mehr übereinstimmt. Die NATO hat sich seit dem Ende des Kalten Krieges, als sie sich eigentlich genauso wie der Warschauer Pakt 1991 zugunsten einer damals absolut möglichen Friedensordnung für das 21. Jahrhundert hätte auflösen müssen, von einem vormals defensiven Verteidigungsbündnis in eine offensive Allianz verwandelt.

Das Faß zum Überlaufen brachte nun eine Ankündigung des ranghöchsten NATO-Militärs, dem Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses Admiral Giuseppe Cavo Dragone, als er in einem Interview eine „aggressivere Reaktion der NATO auf den Krieg in der Ukraine“ forderte. Denkbar sei auch ein „Präventivschlag“ der NATO gegen Rußland, der natürlich als „Verteidigungsmaßnahme“ zu verstehen sei. George Orwell läßt grüßen: „Angriff ist Verteidigung, Krieg ist Frieden!“

Präsident Putin antwortete mit unmißverständlicher Deutlichkeit: Rußland habe keinerlei Absicht, einen Krieg mit Europa zu beginnen; das habe er bereits hunderte Male betont. Sollte Europa allerdings selbst einen solchen Krieg auslösen, sei Rußland „sofort bereit“, und ein solcher Konflikt würde sehr schnell zugunsten Rußlands beendet, anders als bei dem „chirurgischen“ Vorgehen in der Ukraine. Noch direkter war der russische Politikwissenschaftler Sergej Karaganow in einem Interview mit Eva Peli am 30. Oktober in Moskau, in dem er konstatierte, wenn es in Europa zu einem großen Krieg kommt, werde Europa aufhören zu existieren.

Während zwischen der amerikanischen und der russischen Regierung ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, den Krieg in der Ukraine auf dem Verhandlungsweg zu beenden, setzt die europäische „Koalition der Willigen“, bestehend aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, den baltischen Staaten und der EU-Kommission, weiterhin darauf, Rußland eine „strategische Niederlage“ zuzufügen. Es muß jedem denkenden Menschen klar sein, daß dies gegenüber der inzwischen stärksten Nuklearmacht der Welt unmöglich ist, wenn man nicht zugleich das Ende der Menschheit in Kauf nehmen will.

Der ungarische Außenminister Szijjarto beschuldigt diese europäischen Kräfte nach dem jüngsten Treffen der NATO-Außenminister in Brüssel, sie versuchten, die Friedensbemühungen zu verhindern und Europa in einen Krieg mit Rußland hineinzuziehen. Der ungarische Ministerpräsident Orban warnte am Samstag in Kecskemet sogar, europäische Spitzenpolitiker hätten bereits beschlossen, gegen Rußland in den Krieg zu ziehen. Eine große ungarische Delegation werde in den kommenden Tagen Moskau besuchen.

Ungeachtet der Tatsache, daß man in Deutschland bei jeder Aussage über den Ukraine-Krieg das Mantra wiederholen muß, es handle sich um einen „unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Putins“, wenn man nicht als dessen Marionette bezeichnet werden will, besteht überall in den Staaten des Globalen Südens und unter amerikanischen Experten wie Jeffrey Sachs, John Mearsheimer, Ray McGovern, Chas Freeman und vielen anderen mehr die uneingeschränkte Auffassung, daß es die fünffache Ostausdehnung der NATO um 1000 km war – entgegen dem Versprechen am Ende des Kalten Krieges, die NATO „keinen Zoll“ nach Osten auszudehnen -, die den Krieg ausgelöst hat. Anfang 2022 war mit offensiven Waffensystemen in der Nähe der russischen Grenze faktisch eine umgekehrte Kuba-Krise entstanden, und Putins Appelle nach rechtlich bindenden Sicherheitsgarantien wurden schlichtweg ignoriert.

Der Krieg hätte schon im März 2022 mit dem Istanbul-Abkommen zwischen Putin und Selenskyj zu Ende kommen können, was bekanntermaßen von Boris Johnson sabotiert wurde. Jetzt nach fast vier Jahren zermürbendem Krieg und dem Verlust von Millionen Menschen ist nicht mehr zu leugnen, was der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Harald Kujat, mehrfach betont hat: daß die Ukraine zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen sei, die strategische Lage zu wenden – und jetzt schon gar nicht, wo ganze Frontabschnitte zusammenbrechen, Frontsoldaten und zwangsrekrutierte Ukrainer scharenweise desertieren und international Militärexperten darüber offen diskutieren, daß der Krieg verloren ist. Wenn der ranghöchste NATO-Offizier jetzt von Präventivschlägen spricht, ist dies im höchsten Maße verantwortungslos und kommt einem Aufruf zum kollektiven Selbstmord gleich.

In den beinahe vier Jahren, in denen dieser Zermürbungskrieg stattfindet, haben weder die EU-Kommission noch die europäischen Staatschefs auch nur ein einziges Mal den Versuch unternommen, den Krieg auf dem Verhandlungsweg zu beenden. Im Gegenteil, als eine diplomatische Lösung zwischen Putin und Selenskyj im März 2022 mit der Istanbul-Vereinbarung praktisch schon vereinbart war, haben Europa, und damals natürlich Biden, kommentarlos zugesehen, wie diese Chance von Boris Johnson hintertrieben wurde. Und jetzt, wo die berechtigte Aussicht besteht, daß der Krieg von Trump und Putin beendet und das Verhältnis zwischen den beiden größten Atommächten normalisiert werden kann, redet die NATO von Präventivschlägen!

Die NATO ist kein atlantisches Verteidigungsbündnis mehr, sondern versteht sich als militärischer Arm, um die nach dem Ende des Kalten Krieges angestrebte unipolare Weltordnung zu verteidigen. Doch diese ist längst abgelöst durch die Partnerschaft zwischen den Staaten des Globalen Südens, die sich nicht länger den imperialen und kolonialen Strukturen des kollektiven Westens unterwerfen wollen, sondern mit ihren Organisationen BRICS und SCO eine neue Weltwirtschaftsordnung bauen, die auf Souveränität und gegenseitige gleichberechtigte Entwicklung aufgebaut ist. Wir dürfen diese neue Weltordnung, die 500 Jahre Kolonialzeit zu Ende bringt und es den Nationen der Globalen Mehrheit zum ersten Mal erlaubt, Armut und Unterentwicklung zu überwinden, nicht bekämpfen, sondern wir müssen mit diesen Staaten kooperieren und damit ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufschlagen!

In diesen Zeiten eines epochalen Wandels haben mehrere regionale Krisen das Potential, zu einem großen Krieg zu eskalieren. Zu der nach wie vor andauernden Katastrophe im Nahen Osten ist seit kurzem noch eine neue, hochgradig gefährliche Eskalation zwischen Japan und China dazugekommen. Nachdem jetzt Premierministerin Takaichi die völkerrechtlich unbestreitbare Ein-China-Politik in Frage und sogar eine militärische Intervention Japans in Taiwan in den Raum gestellt hat, wächst im gesamten indopazifischen Raum die Sorge vor dem erneut erwachten Militarismus in Japan, der dem in Europa ganz genau gleicht und die furchtbarsten Erinnerungen an das gemeinsame Vorgehen der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg wachruft, das 27 Millionen Tote in der Sowjetunion und 35 Millionen Tote in China zu verantworten hat.

Wenn wir auch nur irgendetwas aus den beiden Weltkriegen gelernt haben, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, da anzuknüpfen, wo wir am Ende des Kalten Krieges die falsche Abzweigung genommen haben.

Damals gab es keinen Gegner mehr, man hätte also sehr einfach eine neue internationale Friedensordnung errichten können. Heute, 35 Jahre später, ist der völlige Irrtum der ebenso arroganten wie kurzlebigen Prognose des „Endes der Geschichte“ unübersehbar, ebenso wie der enorme Bumerangeffekt, den der Versuch hatte, eine unipolare Weltordnung zu errichten.

Deutschland muß seinen Austritt aus der NATO bekanntmachen und gleichzeitig eine neue Konferenz in der Tradition des Westfälischen Friedens einberufen, bei der eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur erarbeitet wird, die die Interessen einer jeden Nation auf diesem Planeten berücksichtigen muß.

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat mit seiner Globalen Governance-Initiative bereits einen ähnlichen Ansatz vorgeschlagen. Ebenso hat Präsident Putin die Idee einer eurasischen Sicherheitsarchitektur ins Gespräch gebracht. Hoffnung gibt auch, daß in Deutschland junge Menschen an einem Schulstreik gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht teilnehmen, weil sie weder Lust haben, in einem Krieg als Kanonenfutter zu dienen, noch auf Menschen in fremden Ländern zu schießen.

Wir sind an einem Punkt in der Universalgeschichte der Menschheit angekommen, an dem wir nicht nur ein halbes Jahrtausend Kolonialismus hinter uns lassen müssen, sondern auch die Geisteshaltung, der wir zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert zu verdanken haben: die Geopolitik. Wir müssen die barbarische Vorstellung, wir bräuchten immer einen Feind und der Mensch sei des Menschen Wolf, wie Thomas Hobbes als Ideologe des Britischen Empire behauptete, ein für alle Mal hinter uns lassen. Genau dieses barbarische Menschenbild kommt in dem Werbevideo der NATO From Foresight to Warfight zum Ausdruck, in dem es heißt: „Krieg wird immer eine wesentliche menschliche Bestrebung bleiben, die Manipulation der Emotionen und des Verständnisses wird genauso wichtig wie die militärische Verhinderung des Zugangs zu unseren Territorien, der menschliche Geist an sich wird das eigentliche Schlachtfeld sein…“

Wer dieses Video anschaut und nicht dieser kranken Weltanschauung eine Absage erteilen will, der hat den Kampf um seinen eigenen Geist bereits verloren. Wir sind die einzige bekannte Gattung im Universum, die mit kreativer Vernunft ausgestattet ist, und die gilt es jetzt einzusetzen, indem wir die Idee der einen Menschheit voranstellen, wenn wir uns eine neue Ordnung geben.

zepp-larouche@eir.de


Offener Brief von Helga Zepp-LaRouche: „Cusas Denken aufgreifen und eine neue Renaissance für unsere heutige Welt einleiten“

Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hat den folgenden offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Vertreter aller Religionen und Kulturen weltweit dazu aufruft, einen Dialog zur Lösung der strategischen Krisen der Menschheit zu beginnen, inspiriert von Nikolaus von Kues’ Methode des „Zusammenfalls der Gegensätze“, wie sie kürzlich von Papst Leo XIV. in seiner Ansprache vor Pilgern auf dem Petersplatz am 25. Oktober betont wurde. Relevante Dokumentationsmaterialien finden Sie weiter unten.

Sehr geehrte Damen und Herren!

In der heutigen Welt, die von Kriegsgefahr, geopolitischen Spannungen, Hungersnöten, Armut und kulturellen Krisen geprägt ist, kam eine der wichtigsten und ermutigendsten Interventionen von Papst Leo XIV. in seiner Jubiläumsaudienz am 25. Oktober 2025 vor Zehntausenden von Pilgern. Der Heilige Vater stellte in seiner Predigt Nikolaus von Kues, den Kardinal und herausragenden Denker des 15. Jahrhunderts, als jemanden vor, dessen Denkweise es dem Menschen ermöglicht, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu sehen und einen Weg zu finden, selbst die schwierigsten Probleme zu lösen.

Der ausführliche Verweis des Papstes auf Nikolaus von Kues und dessen Konzept der „coincidentia oppositorum“, des Zusammenfalls der Gegensätze, ist von höchster strategischer Bedeutung, da es den Schlüssel dazu liefert, für jedes Problem stets eine Lösung auf einer höheren Ebene zu finden als der, auf der das Problem entstanden ist. Cusa entwickelte in seiner „De Docta Ignorantia“ und anderen Schriften das Argument, dass der Mensch als „imago viva dei“, als lebendiges Abbild Gottes, immer seine schöpferischen Kräfte („vis creativa“) nutzen kann, um das höhere „Eine“ zu finden, das von größerer Kraft und Größe ist als das „Viele“. Diese Denkweise ermöglicht es dem menschlichen Verstand, zuerst an die Einheit der Menschheit zu denken und dann an deren Vielfalt, um auf diese Weise ansonsten scheinbar unlösbare Konflikte zu überwinden.

Der Papst erklärte, dass Nikolaus in den unruhigen Zeiten des 15. Jahrhunderts weder die Einheit der Kirche noch die Aussicht auf Frieden in einer Zeit sehen konnte, in der das Christentum von äußeren Kräften bedroht war. Aber Nikolaus verstand, dass „es Gegensätze gibt, die zusammengehalten werden müssen, und dass Gott ein Geheimnis ist, in dem alles, was in Spannung steht, seine Einheit findet… Welch großes Geschenk für die Kirche!“, sagte der Papst. „Welche Einladung zur Erneuerung des Herzens!“ Von Nikolaus, so fuhr er fort, könne die Kirche lernen, Raum zu schaffen, Gegensätze miteinander versöhnen und auf das zu hoffen, was noch nicht sichtbar ist.

Wir möchten Sie auf diese äußerst wichtige Intervention von Papst Leo XIV. aufmerksam machen, da sie einen neuen Ansatz für die oben genannten Herausforderungen bietet. Seit Jahrzehnten haben mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche, das Schiller-Institut und ich diesen Ansatz von Cusa stets gefördert, ein Umstand, den der amerikanische Pater Harry Bury kürzlich in einer wichtigen Stellungnahme hervorgehoben hat.

Das Schiller-Institut möchte Sie einladen, einen Dialog zwischen Vertretern verschiedener Religionen, aber auch zwischen Wissenschaftlern, Denkfabriken und generell Menschen guten Willens zu beginnen, um Cusas Methode des Zusammenfalls der Gegensätze auf die dringenden Probleme der gegenwärtigen Situation anzuwenden. So wie Nikolaus von Kues der wichtigste intellektuelle Einfluss für die Goldene Renaissance des 15. Jahrhunderts war, können wir sein Denken aufgreifen und eine neue Renaissance für unsere heutige Welt einleiten.

Helga Zepp-LaRouche

Gründerin, Schiller-Institut

5. November 2025


Zepp-LaRouche: „Eine neue internationale Jugendbewegung ist dringender denn je“

Im Mittelpunkt des zweiten Tages der Pariser Konferenz des Schiller-Instituts und der französischen Partei Solidarité et Progrès am 8. und 9. November stand der Aufbau einer internationalen Jugendbewegung, die sich um die bahnbrechenden Ideen von Lyndon LaRouche herum organisiert. Die intensive, ganztägige Kaderschule war „für die Jungen und die Motiviertesten unter euch“ konzipiert, wie es in der Einladung hieß. Es ging um Fragen wie: Was ist physische Wirtschaft und warum sollten wir sie studieren und lehren? Was bedeutet eine Kultur des Lebens und der Entdeckung? Wie können wir es jedem Menschen ermöglichen, seine Kreativität zu entwickeln und sie als Werkzeug für das Gemeinwohl einzusetzen? Wie könnte eine Kultur der Schönheit und Wahrheit aussehen?

Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hatte am Samstag zu Beginn des dritten Panels zum Thema „Jugend aus aller Welt für Frieden und gegenseitige Entwicklung“ die Herausforderung so formuliert:

„Ich denke, die Notwendigkeit, eine neue internationale Jugendbewegung zu schaffen, ist dringender denn je. Denn es ist ganz klar, dass wir im Hinblick auf den langen Bogen der Geschichte einen Punkt erreicht haben, an dem Historiker – wenn wir diese Zeit überstehen – zurückblicken und sagen werden, dass in dieser außergewöhnlichen Zeit die Entscheidung getroffen werden musste, entweder das System zu ändern oder nicht zu überleben. Denn noch nie zuvor in der Geschichte gab es eine Situation, in der die gesamte Zivilisation auf dem Spiel stand.“

Sie betonte das zentrale strategische Problem: „Solange wir diese geopolitische Konfrontation zwischen der NATO auf der einen Seite und Russland, China und möglicherweise anderen Ländern wie dem Iran und Nordkorea auf der anderen Seite aufrechterhalten, sitzen wir auf einem Pulverfass.“ Das könne die Welt an den Rand eines Atomkrieges bringen.

Sie fuhr fort: „Aber wenn man die Welt als Ganzes betrachtet, dann will man keinen geopolitischen Wettbewerb um Einfluss in Afrika zwischen dem Westen und China. Es ist genau das, was man nicht will. Was man will, ist ein kooperativer Ansatz, einschließlich gleichberechtigter Partner aus afrikanischen Nationen.

Gegen die Krise bieten „wir einen Plan an, mit dem wir eine internationale Jugendbewegung in Afrika und in so vielen Ländern wie möglich aufbauen wollen. Wir wollen überall, wo es möglich ist, Jugendbewegungen aufbauen – in Asien, in Lateinamerika… Dann werden wir diesen Plan für die Industrialisierung Afrikas und natürlich auch Lateinamerikas perfektionieren. Und dann gehen wir zur Industrie [im Westen] und sagen ihr, dass das die Optionen sind, in die sie investieren sollten.“

Zepp-LaRouche betonte, ein solcher Ansatz liege sowohl im Interesse des Westens als auch dem der Globalen Mehrheit: „Wenn Europa die Entscheidung treffen würde, Afrika zu industrialisieren, zusammen mit China und vielleicht Russland, Indien, Indonesien, Japan und Brasilien, dann kann es gelingen. Wir könnten den Kurs sehr schnell ändern.“

Sie schloss: „Das also ist meine Herausforderung an Sie und euch: Schließt euch jetzt sofort dieser Bewegung an und entscheidet euch, ein Teil davon zu sein.“


Die Notwendigkeit der Vision der Weltgemeinschaft, von Helga Zepp-LaRouche

Rede von Helga Zepp-LaRouche beim Kulturforum in Beijing

Die Weltgeschichte hat im Sinne der Dramentheorie Friedrich Schillers einen „punctum saliens“ erreicht, an dem gewissermaßen alle bisherigen Tendenzen an einen Punkt der Entscheidung gekommen sind: Hat die Menschheit, die dank thermonuklearer Waffen zum ersten Mal das Potential hat, sich und alles Leben auf der Welt auszulöschen, und die dank Internet zum ersten Mal einen nun seit 22 Monaten andauernden Genozid jeden Tag live miterleben kann, die moralische Fähigkeit zu überleben?

Es ist jedenfalls offensichtlich, daß die alte Weltordnung, so wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Ende des Kalten Krieges herausgebildet hat, und mit ihr das Völkerrecht zerbrochen ist. Selbst die UN, deren Charta das wichtigste Dokument der Völkergemeinschaft ist und bleibt, ist dringend reformbedürftig, weil sie sich in ihrer gegenwärtigen Konstitution als unfähig erwiesen hat, auf Kriegsgefahr und Genozid adäquat zu reagieren.

Nun hat Präsident Xi Jinping mit seiner Idee der Zukunftsgemeinschaft der Menschheit und den vier Globalen Initiativen – die Globale Entwicklungsinitiative (GDI), die Globale Sicherheitsinitiative (GSI), die Globale Zivilisationsinitiative (GCI) und nun die Globale Governanz-Initiative (GGI) – ein Konzept vorgelegt, das ganz eindeutig die nächste Phase der menschheitsgeschichtlichen Evolution definiert.

Dieses Konzept hat mit dem Entstehen einer neuen Weltordnung durch die BRICS, die BRI und vor allem auf der Konferenz der SCO in Tianjin Gestalt angenommen und für die Globale Mehrheit der Menschheit eine ungeheuer optimistische Perspektive eröffnet, die 500jährige Epoche des Kolonialismus endgültig zu überwinden. Die chinesisch-russische Partnerschaft ist der Felsen, auf den die neue Weltordnung gebaut ist. Die Überwindung von Spannungen zwischen China und Indien, zwei Wiegen der Menschheit, die zusammen bereits 35% der Weltbevölkerung repräsentieren, ist der Wegweiser für den positiven Wandel zwischen allen Nationen, deren Beziehung durch Manipulationen aus der Kolonialzeit belastet sind.

Der tektonische Umbruch, der mit der Herausbildung einer neuen Weltordnung stattfindet, die auf der Tradition der fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz und der Blockfreien Bewegung gegründet ist und jetzt mit den vier Initiativen Xi Jinpings fortgesetzt wird, schafft offensichtlich die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden in der Welt. Die Attraktivität dieses Modells, das allen Nationen wirtschaftlichen Fortschritt und kulturelle Entfaltungsmöglichkeiten bietet, reflektiert sich in der wachsenden Anzahl von Nationen des Globalen Südens, die sich als aktive und gleichberechtigte Teilnehmer verstehen. Wenn es nur diese Dynamik gäbe, stünde die Menschheit vor einer glänzenden, ungetrübten Zukunft.

Es wird aber alles darauf ankommen, einen Weg zu finden, wie die Nationen des vormals „kollektiven Westens“, der seit des Beginns der 2. Amtszeit Präsident Trumps, nicht mehr kollektiv ist, für die Kooperation mit der neuen entstehenden Weltordnung gewonnen werden können. Die Tatsache, daß es einer „Koalition der Willigen“ bedarf, die die Entscheidung im Konflikt um die Ukraine auf dem Schlachtfeld erzwingen wollen, zeigt, da sie selbst in Europa eine Minderheit darstellen, und selbst in dieser Koalition sind die Zustimmungsraten der jeweiligen Regierungen äußerst dürftig.

Die entstellende oder vollkommen abwesende Berichterstattung in den westlichen Mainstream-Medien über die entstehende neue Weltordnung, wie sie bei dem jüngsten SCO-Gipfel sichtbar wurde, hat zur Folge, daß die Bevölkerungen in den USA und Europa keinen Schimmer davon haben können. Statt dessen wird versucht, die Bevölkerung auf einen neuen Militarismus einzustimmen, mit Appellen wie „Deutschland muß kriegstüchtig werden“ (Pistorius), Deutschland muß die „konventionell stärkste Armee Europas“ aufbauen (Merz), und Rußland und China könnten „bis 2027 soweit erstarken, daß sie eine Konfrontation mit NATO und USA suchen“ (NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich).

Es wäre daher dringend, Wege zu finden, der Bevölkerung der europäischen Nationen die Gefahren eines neuen Militarismus und das Potential aufzuzeigen, das in der Kooperation mit der neuen Weltordnung liegt.

Sehr geeignet dazu wäre gerade angesichts der jüngsten Annäherung zwischen China und Indien der Ansatz, den Präsident Xi im Jahre 2014 in einer Rede in New Delhi wählte:

„Schon in antiken Zeiten kam man in China zu der Einsicht, daß ein kriegerischer Staat, so groß er auch sein mag, letztlich scheitern muß. Frieden ist von überragender Bedeutung. Harmonie ohne Gleichförmigkeit und universellen Frieden gilt es zu erringen. Die chinesischen Konzepte vom ,universellen Frieden‘ und ,universeller Liebe‘ sind den indischen Konzepten von ,Vasudhaiva Kutumbakum’ (die Welt als eine Familie) und ,Ahimsa’ (keine Verletzung zufügen) sehr ähnlich.“

Präsident Xis GCI bietet einen hervorragenden Ansatz, auch mit den Kulturen des Westens einen ähnlichen Dialog auf der Basis der entwickeltsten Konzepte und Ideen zu intensivieren.

Neben Gottfried Wilhelm Leibniz, der ein großer Bewunderer der chinesischen Kultur und Philosophie war, hatte Friedrich Schiller die schönste Idee einer visionären Idee einer vereinten Menschheit, die durch die ästhetische Erziehung und Selbstkultivierung zum höchsten Ideal der Menschheit mit einander verbunden ist. Schillers Erkenntnis, daß dieses Ideal durch die ästhetische Erziehung zu erreichen ist, hatte einen großen Einfluß in China dank der Intervention des Gelehrten Cai Yuanpei, dem ersten Erziehungsminister der provisorischen Republik Chinas und späteren Präsidenten der Beijing Universität. Cai Yuanpei führte das Konzept der ästhetischen Erziehung Schillers in das chinesische Bildungswesen ein und schuf dafür eigens ein neues Wort: „meiju“.

Gleichfalls inspiriert durch Schiller Idee, die in seiner Ode an die Freude– „Alle Menschen werden Brüder“-, zum Ausdruck kommt, entwarf er die Vision einer „großen Gemeinschaft“ der gesamten Welt, „datong shijie“, die friedlich und harmonisch, ohne Armee und Krieg, zusammenlebt. Cai sah im Dialog der Kulturen den Weg zur Erreichung dieses Ziels, daß eine Nation die Kulturen anderer Völker unbedingt aufnehmen müßte: „Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Geschichte, so sieht man, daß die Auseinandersetzung unterschiedlicher Kulturen immer zur Entstehung einer neuen führt.“

Es gilt also, in allen Kulturen und Zivilisationen jene Ideen und Entwürfe aufzuspüren, bei denen deren beste Geister, ihre größten Dichter und Denker Vorstellungen von der gemeinsamen Zukunft der einen Menschheit entwickelt haben. Diese Ideen sind nämlich heute im Westen fast vergessen, wenigstens bei den kriegstreiberischen Kreisen, die trotz der permanenten Beschwörung der „westlichen Werte“ keine Ahnung von den wirklich großen Ideen mehr haben. Ein Austausch über die schönsten Werke der verschiedenen Kulturen auf der Ebene der Völker wird nicht nur das Verständnis, sondern zugleich die Liebe zu ihnen erwecken.

Die chinesischen Initiativen haben bereits bewiesen, daß das Prinzip „Frieden durch Entwicklung“ wirklich tiefe Konflikte überwinden kann, wie man an der chinesischen Vermittlerrolle zwischen dem Iran und Saudi Arabien, oder kürzlich zwischen Pakistan und Afghanistan sehen kann. Es besteht also die berechtigte Hoffnung, daß es mit der Kombination von gemeinsamer wirtschaftlicher Entwicklung und dem Dialog der besten Traditionen der jeweiligen Kulturen auch gelingen wird, die europäischen Nationen und sogar Amerika in diese Weltgemeinschaft einzubeziehen! Auf jeden Fall ist dies ein Ziel, dem wir uns mit der ganzen Leidenschaft der Liebe zur Menschheit widmen sollten!


Zepp-LaRouche spricht bei Seminar zur Potsdamer Konferenz vor 80 Jahren

E.I.R. Strategic Alert, 31.7. 2025 – Am 24. Juli versammelten sich rund 40 Wissenschaftler, Wirtschaftsführer, Diplomaten und Journalisten in der chinesischen Botschaft in Berlin, um den 80. Jahrestag der Potsdamer Konferenz zu begehen. Chinas Botschafter Deng Hongbo, der Gastgeber der Veranstaltung mit dem Titel „Eine korrekte historische Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg und die internationale Nachkriegsordnung bewahren“, hielt eine Grundsatzrede und begrüßte die Podiumsteilnehmer und Gäste. Unter den neun hochrangigen Rednern war die Gründerin und Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche. Weitere Redner waren ein ehemaliger Botschafter, der Vorsitzende eines großen Wirtschaftsverbands sowie führende Akademiker deutscher Universitäten.

Auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 wurde, wie Zepp-LaRouche erklärte, die politische und geographische Neuordnung Deutschlands nach dem Krieg festgelegt, und eine separate Erklärung zu Japan sah die Rückgabe aller besetzten Gebiete an China und faktisch die Ein-China-Politik vor. Doch schon während der Verhandlungen hätten Briten und Amerikaner keinen dauerhaften Frieden geplant, sondern „das Vorspiel zum Kalten Krieg und eine Fortsetzung der Geopolitik“, das zeige Präsident Trumans Befehl zum Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, obwohl dies aus militärischer Sicht für den Sieg nicht mehr notwendig war. „Und Churchill hatte bereits zuvor, im Mai 1945, seinen Stab beauftragt, einen Plan für einen präemptiven Krieg gegen die Sowjetunion auszuarbeiten, der ihm am 22. Mai mit dem Namen ,Operation Unthinkable‘ von diesem Stab übergeben wurde.“

Viel später, nach dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung der Sowjetunion, hätte man eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert schaffen können, doch statt dessen wurde versucht, eine von den Anglo-Amerikanern dominierte unipolare Weltordnung zu etablieren, was zu der äußerst gefährlichen Situation heute geführt habe. Daher laute die große Frage: „Was also ist zu tun, wenn eine Eskalation zum Dritten und diesmal letzten Weltkrieg verhindert werden soll?“

Hier griff Zepp-LaRouche den Präzedenzfall des Westfälischen Friedens von 1648 auf, der 150 Jahre Religionskrieg in Europa beendete. „Damit wurde die Idee geboren, daß jede Friedensordnung immer das ,Interesse des anderen‘ berücksichtigen muß – und zwar aller ,anderen‘. Wir müssen deshalb dringend die Errichtung einer neuen globalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf die Tagesordnung setzen, die in der Tradition des Westfälischen Friedens ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen etabliert, das tatsächlich diese Interessen aller Staaten auf diesem Planeten in Betracht zieht.

Die Idee von Präsident Xi Jinping von der gemeinsamen Zukunft der Menschheit repräsentiert genau dieses neue Paradigma, bei dem die Konzeption der einen Menschheit der Vielheit der Nationen vorangestellt ist, also das Eine eine höhere Ordnung darstellt als das Viele. Wenn das Interesse der einzelnen Nationen in Affinität mit dem Interesse der gesamten Menschheit gebracht wird, dann ist der vermeintliche Widerspruch aufgehoben. Die konfuzianische Idee der harmonischen Entwicklung aller zu einem großen Ganzen und die Idee der Entwicklung aller Mikrokosmen als Voraussetzung der Konkordanz im Makrokosmos des Nikolaus von Kues entsprechen der gleichen Gesetzmäßigkeit und dem Prinzip von Papst Paul VI.: Der neue Name für Frieden heißt Entwicklung.“


Helga Zepp-LaRouche: Dritter Weltkrieg oder eine neue globale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur?

Keynote-Rede von Helga Zepp-LaRouche im 1.Panel: Die strategischen Herausforderungen und die entstehende neue Ordnung aus internationaler Perspektive – Teil 1 der internationalen Konferenz des Schiller-Instituts am 12.-13. Juli 2025 in Berlin Alle 4 Panel finden Sie hier.


„Was macht eine schöne Seele aus?“ – von Helga Zepp-LaRouche

Die Präsidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, war am 25.6.2025 Rednerin auf dem China-Europa-Menschenrechtssymposium 2025 in Madrid. Das hochaktuelle Thema ihres Beitrags war künstliche Intelligenz im Gegensatz zu wahrer menschlicher Kreativität, und sie stellte dies anhand der Entwicklungen im Nahen Osten vor.

Aufgrund aktueller Entwicklungen mußte ich meinen Text ändern. Die außerordentlichen Gefahren, die von einer unachtsamen oder böswilligen Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) ausgehen, wurden gerade auf dramatischste Weise deutlich. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) veröffentlichte am 12. Juni eine Resolution, in der sie erklärte, sie könnten der erneuten Behauptung des Iran, seine Urananreicherung diene ausschließlich friedlichen Zwecken, keinen Glauben schenken.

Der ehemalige britische Diplomat und Analyst Alastair Crooke berichtete am 20. Juni im „Conflict Forum“ auf Substack, daß diese Resolution der IAEO nicht auf von Menschen beschafften Geheimdienstinformationen beruhte, sondern aus einer von der IAEO verwendeten Software stammte, nämlich der „Mosaic“-Plattform von Palantir, einem KI-System, das nukleare Bedrohungen vorhersagt.

Das Modell wiederholte auf der Grundlage seiner Algorithmen Behauptungen, die seit Jahren immer wieder aufgestellt und immer wieder widerlegt wurden, und verwies auf „Anomalien“ in Fordow und Lavizan-Shian. Der Algorithmus untersucht Metadaten, Verhaltensmuster und Signalverkehr und postuliert auf dieser Grundlage, was Verdächtige denken oder planen könnten – keine Fakten. Dieser Bericht wurde dann von Medien und Politikern in den USA und Europa als Rechtfertigung für Israels umfassenden Angriff auf den Iran zwei Tage später zitiert.

IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi korrigierte die Einschätzung am 17. Juni in CNN, aber da war es zu spät. Die tragischen Ereignisse waren schon passiert, darunter die Zurückweisung der Erkenntnisse von DNI Tulsi Gabbard, daß der Iran keine Atomwaffen anstrebe, durch Präsident Trump und sein anschließender Befehl an die US-Streitkräfte, Atomanlagen im Iran zu bombardieren. So könnten wir aufgrund des unbedachten oder böswilligen Einsatzes von KI auf dem besten Weg in den Dritten Weltkrieg sein.

Künstliche Intelligenz hat in gewisser Weise das Fenster zu einem völlig neuen Kapitel in der Weltgeschichte der Menschheit geöffnet: Zum einen ist eine disruptive Technologie, die die Wirksamkeit des menschlichen Handelns im Universum um ein Vielfaches erhöht. Andererseits wirft sie moralische Fragen auf, die nicht ganz neu sind, nämlich die Frage nach der Beziehung zwischen dem Menschen und den von ihm geschaffenen Objekten. In Literatur und Kunst gibt es mehrere Beispiele, die den Traum des Menschen darstellen, etwas zu schaffen, das die Merkmale seiner eigenen Kreativität aufweist, beispielsweise in Ovids Metamorphosen oder mit dem jüdischen „Golem“, einer aus Lehm geformten Figur, die durch Magie zum Leben erweckt wird, und natürlich Mary Shelleys Frankensteins Monster.

Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebewesen durch seine schöpferische Vernunft, die es ihm ermöglicht, immer wieder axiomatisch-revolutionäre Verbesserungen im Wissen über die physikalischen Prinzipien, die unser Universum regieren, zu entdecken. Der menschliche Verstand ist die Kapazität, wo die schöpferische Hypothesenbildung stattfindet.

KI ist keine Entdeckung eines solchen revolutionären, neuen physikalischen Prinzips, sondern ein zusätzliches Instrument, das Daten mit quasi Lichtgeschwindigkeit sammeln kann, entweder durch Deduktion auf der Grundlage vergangener Erfahrungen, um zu einem neuen Konzept zu gelangen, oder durch „generative Intelligenz“, die zu einer neuen Konzeption gelangt, aber innerhalb des Rahmens zuvor festgelegter Regeln. Die oft gestellte Frage, ob KI jemals die menschliche Kreativität übertreffen wird, kann daher eindeutig verneint werden.

Der Nutzen der KI liegt darin, daß sie den Menschen zunehmend von aller repetitiven Arbeit befreit und unser erweitertes Sensorium erweitert, um in Bereichen zu arbeiten, die dem Menschen derzeit noch unzugänglich sind – wie beispielsweise Aufgaben im Zusammenhang mit der Raumfahrt –, und so dem Menschen die freie Energie für axiomatische neue Entdeckungen ermöglicht, ohne sie selbst zu inspirieren.

Ob sie zum Wohle der Menschheit eingesetzt wird oder nicht, hängt auch hier, wie bei allen anderen Technologien, ganz von der moralischen und ästhetischen Qualität des Menschen ab, der sie anwendet. Der oben erwähnte Mißbrauch der KI, der die Menschheit an den Rand der Selbstzerstörung gebracht hat, unterstreicht die Dringlichkeit, daß wir als Gattung viel mehr Sorgfalt in die ästhetische Erziehung zur Schönheit des menschlichen Charakters investieren müssen.

Wir sollten das Konzept der „schönen Seele“, das Friedrich Schiller als höchstes Ideal des Menschen etablierte, zum Gegenstand eines Dialogs zwischen den Zivilisationen machen, für den Präsident Xis Globale Zivilisations-Initiative einen perfekten Rahmen bieten würde.

Eine schöne Seele ist nach Friedrich Schiller ein Mensch, für den Freiheit und Notwendigkeit, Pflicht und Leidenschaft eins geworden sind und der seine Gefühle soweit zur Vernunft erzogen hat, daß er ihnen blind vertrauen kann, weil sie niemals etwas von ihm verlangen würden, was nicht der Vernunft entspricht. Die schöne Seele ist offensichtlich auch ein Mensch, der das, was Schiller als wichtigste Voraussetzung seiner Zeit bezeichnet, sein Empfindungsvermögen, seine allumfassende Empathie, voll entwickelt hat. Wie sehr brauchen wir heute eine leidenschaftliche oder vielleicht zärtliche Liebe zur Menschheit! Und diese Liebe, Chinesisch ren, kann nach Konfuzius und Schiller durch den Willen verwirklicht werden.


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