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COVID erreicht kritische Masse in Afrika

Ein langer Bericht in der New York Times unterstreicht die absolut katastrophale COVID-Situation in Afrika, das von einen „zweiten Welle“ der Pandemie erfaßt wird. In den letzten Monaten hieß es immer wieder, die Pandemie sei in Afrika nicht so schwerwiegend wie in den USA und Europa, obwohl an solchen Behauptungen aufgrund mangelnder Statistiken und Informationen schon länger Zweifel angebracht waren. Auch ist gut möglich, daß viele Fälle einfach unentdeckt geblieben sind. Aber jetzt ist die Katastrophe unübersehbar da.

Der Bericht stammt von der NYT-Reporterin Sheri Fink, die bereits vor Jahren über die Ebola-Krise in Afrika berichtet hatte. Sie schreibt, daß sich in Südafrika die Infektionen von Port Elizabeth ausgehend im ganze Land verbreiten. Nigeria, Mali und Uganda verzeichneten tägliche Rekordsterbefälle in diesem Jahr. In Südafrika wird zugegeben, dass man nicht wirklich weiß, wie viele Menschen an COVID gestorben sind. Eine Analyse der Regierung zeigt, dass die mehr als doppelt so hohe Übersterblichkeit durch die Zahl der bestätigten COVID-Fälle nicht erklärt werden könne. „Wir wissen nicht, wie hoch die tatsächliche Zahl ist“, sagt Dr. John Black, der einzige Spezialist für Infektionskrankheiten in Port Elizabeth.

Die meisten COVID-Fälle und Todesfälle gab es in Südafrika, wo das Krankenhaussystem über seine Grenzen hinaus belastet ist. Dazu gehören auch Fälle, bei denen der Verdacht besteht, dass es sich um die neue mutierte COVID-Variante handelt, die jetzt in Großbritannien gefunden wurde.

Zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 hatten viele afrikanischen Länder starke Eindämmungsmaßnahmen und Lockdowns eingeleitet, die sich aber als wirtschaftlich so einschneidend erwiesen, dass man die Maßnahmen wieder zu lockern begann. Südafrika holte 200 Ärzte aus Kuba, medizinisches Personal von Ärzte ohne Grenzen und Wissenschaftler der WHO ins Land. Bis Ende August waren die Zahlen gesunken.

Die geschlossenen Grenzen und gestrichene Flüge verhinderten auch eine schnelle Versorgung mit Hilfsgütern von außen. In Somalia wurden in einigen Gebieten überhaupt keine Fälle gemeldet. Doch Untersuchungen in von der Terrorgruppe Shabab kontrollierten Gebieten zeigten, wenn sie denn durchgeführt werden konnten, eine weite Verbreitung der Pandemie.

In den Krankenhäusern Südafrikas, die von allen afrikanischen Ländern südlich der Sahara noch am besten ausgerüstet ist, müssen Ärzte Triage praktizieren, was Beatmungsgeräte und andere Therapien für schwerere COVID-Fälle angeht.

Das andere Dilemma, das sich stellt, wenn jetzt ein Impfstoff verfügbar ist, ihn zu den Afrikanern zu bringen und Massenimpfungen durchzuführen. Hier stellt der Bericht fest, dass es auch in Afrika wie bei uns im Westen eine verbreitete „Impfskepsis“ gibt. Außerdem betrachten viele Menschen COVID immer noch als eine Krankheit, die nur Europäer befällt und keine Bedrohung für Afrikaner darstellt. Und der afrikanische Kontinent ist logistisch auf eine Massenimpfung überhaupt nicht vorbereitet. Außerdem steht Afrika bei dem intensiven Gerangel zwischen den Ländern um die Impfstoffe der verschiedenen Hersteller nicht oben auf der Prioritätenliste. Lediglich China hat versprochen, Entwicklungsländer bei der Beschaffung des Impfstoffs zu bevorzugen. Letztlich kann nur eine konzertierte Aktion von außen mit Hilfe militärischer Logistik die Impfstoffe schnell genug zu den Menschen in Afrika bringen, um eine totale Katastrophe zu vermeiden.

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Mr. Jackson
@mrjackson