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Eine neue Ebene der Menschlichkeit schaffen!

Eine neue Ebene der Menschlichkeit schaffen!

Helga Zepp-LaRouche, Präsidentin des Schiller-Instituts, hielt am 12. April in einem Internetforum des Manhattan-Projekts des LaRouche-Aktionskomitees folgende Rede über die COVID-19-Pandemie. Daran nahmen auch teil: der Ökonom und Journalist Dr. Mario Roberto Morales  aus Guatemala, Ramasimong Phillip Tsokolibane (LaRouche-Bewegung Südafrika), sowie Harley Schlanger (Schiller-Institut) und Kesha Rogers (LaRouchePAC, Texas).

„Die Meisten ahnen gar nicht, wie schwer die Krise ist“

Wir erleben eine Zeit voller dramatischer Veränderungen. Viele Dinge, die die Bevölkerung für selbstverständlich hielt, haben sich in nur wenigen Wochen komplett verändert. Einige erahnen es, aber die meisten Menschen haben nicht einmal den Hauch einer Ahnung, wie schwerwiegend diese Krise sein wird.

Am 1. April wurden eine Million COVID-19-Infizierte und 80.000 Tote gemeldet. Nur elf Tage später waren es 1,7 Millionen Infizierte und 103.000 Tote. Die Infektionsrate hat sich in elf Tagen somit fast verdoppelt, und dieser Anstieg könnte in Zukunft noch größer werden, wenn man bedenkt, daß viele Länder, wo es dringend nötig wäre, gar nicht die Möglichkeit haben, Tests durchzuführen. Die Pandemie hat die Entwicklungsländer der Südhalbkugel noch gar nicht erreicht, und dennoch trifft diese Pandemie uns bereits jetzt schon wie ein schwerer Sturm.

In den USA wurden wegen des Lockdowns in nur drei Wochen 18 Millionen Menschen arbeitslos. Nach Angaben der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) wird für Deutschland ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 30%, in anderen europäischen Ländern zwischen 25 bis 29% erwartet. Viele Kleinbetriebe und Restaurants sind bereits pleite oder fürchten es zu werden. Menschen können ihre Miete nicht bezahlen, und wegen fehlender Einnahmen können Vermieter ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Bauern verlieren ihre Abnehmer in den Restaurants, die schließen mußten. Supermärkte sind nicht mehr in der Lage, den Tafeln übrig gebliebene Lebensmittel zu überlassen. Obdachlose drängen sich vor den Ausgabestellen der Tafeln, nur um mit noch weniger als sonst oder gar nichts in der Hand wieder gehen zu müssen. Gleichzeitig verteilen die USA und die europäischen Länder dreistellige Milliardenbeträge in Form von Krediten und Zuwendungen an Hauseigentümer, Kleinbetriebe und Selbständige, die sonst kein Einkommen hätten. Aber die Angst ist groß. Viele Betroffene haben keinerlei Hilfe erhalten und fürchten, leer auszugehen.

Der WHO-Vorsitzende Dr. Tedros sagte erst vor kurzem, daß nach dem konsequenten Lockdown ein Stagnieren der Infektionsrate in Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland festzustellen sei, aber es noch lange keinen Grund zur Entwarnung gebe, da er einen enormen Anstieg der Infektionsrate in Afrika vor allem in ländlichen Gebieten erwarte. Von 54 afrikanischen Ländern sind bereits 52 vom Coronavirus betroffen, und dort ist die Gesundheitsgrundversorgung extrem schlecht. Sollten die Quarantänemaßnahmen zu früh aufgehoben werden, warnt Dr. Tedros, könnte das ein verheerendes Wiederaufflammen der Pandemie bedeuten.

Inmitten dieser Lage hat Präsident Trump angekündigt, einen Beraterstab von 35 Personen einzuberufen – bestehend aus Geschäftsleuten, Wissenschaftlern und Ärzten -, die ihm helfen sollen, die „schwerste Entscheidung seines Lebens“ zu treffen, nämlich, wann und wie weit man die Quarantänemaßnahmen wieder lockern könne. In den USA, aber auch in Europa gibt es viele neoliberale Ökonomen, die meinen, die Maßnahmen müßten sofort wieder gelockert werden, denn sollte die Wirtschaft weiter still stehen, wären die wirtschaftlichen Schäden schlimmer als die Folgen der Pandemie. Dies ist jedoch sehr zu bezweifeln, denn eine zu frühe Lockerung der Maßnahmen bedeutet, eine zweite und dritte Welle der Pandemie mit unabsehbaren Folgen zu riskieren. Einige dieser Ökonomen meinen auch, es müsse massiv in den Klimaschutz, den Green New Deal etc. investiert werden, sobald die Pandemie vorbei ist. Ich muß sagen, man braucht kein Hellseher sein, um festzustellen, daß dieses Denken eine absolute Katastrophe heraufbeschwört, denn es bedeutete die Auslöschung der Menschheit.

Leider glauben vieler dieser Ökonomen, es reiche aus, wenn die Zentralbanken Milliarden über Milliarden von Dollar und Euro ins System pumpen, wie z.B. die Federal Reserve, die nicht nur 2 Billionen Dollar in die Wirtschaft – Haushalte und Kleinbetriebe -, sondern zusätzlich auch 4 Billionen Dollar in das Finanzsystem gesteckt hat. Praktisch alle Zentralbanken haben beschlossen, unbegrenzt Geld ins System zu pumpen. Es ist unmöglich, daß dieses System eine Spekulationsblase von 1,8 Billiarden Dollar lange erhalten kann. Es ist gibt keine schnelle Lösung. Man kann nicht willkürlich die Quarantänemaßnahmen lockern oder weiter Geld ins System pumpen, sondern die fundamentalen Ursachen der Krise müssen gelöst werden.

Warum droht eine Katastrophe?

Was sind diese fundamentalen Gründe? Mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche hat 1971 vor einer solchen Katastrophe gewarnt. Er präzisierte 1974 diese Gefahr weiter: Sollte der Lebensstandard der Bevölkerung langfristig gesenkt werden, d.h. die Ernährung unter ein kritisches biologisches Minimum absinken, dann bestehe die Gefahr, daß die unterernährte Bevölkerung der Entwicklungsländer zur Brutstätte von Epidemien und Pandemien sowohl alter als auch neuer Krankheiten wird. Genau dieses Problem ist eingetreten, so daß die relative potentielle Bevölkerungsdichte unter die Zahl der tatsächlich lebenden Menschen abgesunken ist.

Genau diese Situation erleben wir vor allem in den Entwicklungsländern, wo sich nicht nur das Coronavirus ausbreitet, sondern die Bevölkerung bereits durch HIV, Tuberkulose und andere Krankheiten geschwächt ist. In Afrika kommt noch eine Heuschreckenplage dazu, und es leiden dort jetzt schon 60 Millionen Kinder an Hunger. Sollte sich die Corona-Pandemie dort weiter ausbreiten, sieht die Zukunft katastrophal aus.

Deswegen fordern wir den Aufbau eines vollständigen Weltgesundheitssystems. Das ist der einzige Weg, diese Krise grundlegend zu beenden. Es gibt dazu keine Alternative und keine Kompromisse. Jedes Land braucht einen Standard der Gesundheitsversorgung nach dem amerikanischen Hill-Burton-Gesetz von 1946. Unter anderem war darin vorgesehen, für je 1000 Einwohner 4,5 Krankenbetten vorzuhalten. Im Zuge der Privatisierung des Gesundheitssektors verfügen die USA heute nur noch über 2,8 Betten pro 1000 Einwohner. Südafrika hat 0,7 Betten. Nigeria, wo ein Fünftel der Bevölkerung südlich der Sahara lebt, hat 0,5 Betten.

Um das Ziel von 4,5 Betten pro 1000 Einwohner zu erreichen, müßten auf der ganzen Welt insgesamt 35 Millionen neue Krankenhausbetten entstehen. Das bedeutet eine knappe Verdoppelung der momentan verfügbaren Betten. Und natürlich werden nicht nur Krankenhausbetten benötigt, sondern auch medizinisches Personal wie Ärzte und Pflegekräfte. Auch entsprechende Medizinausrüstungen müßten produziert werden. In den USA gibt es momentan 170.000 Beatmungsgeräte für 330 Millionen Menschen. Das sind 515 Geräte pro eine Million Menschen. In Deutschland gibt es 25.000 Beatmungsgeräte für 83 Millionen Menschen oder 300 pro eine Million. Vergleicht man die amerikanischen Zahlen mit Nigeria, wo es gerade 500 Beatmungsgeräte für 200 Millionen Menschen gibt, so ist Nigeria 200mal schlechter versorgt als die USA. Es gibt aber auch Länder wie Liberia mit 4,7 Millionen Einwohnern, die nicht ein einziges Beatmungsgerät haben. Um die ganze Welt auf das Niveau der USA anzuheben, müßten global 40 Millionen Beatmungsgeräte produziert werden.

Auf dem afrikanischen Kontinent leben 1,1 Milliarden Menschen, das sind 14% der Weltbevölkerung. Aber in Afrika gibt es 60% der extremen Armut der Welt; 70% der afrikanischen Bevölkerung hat keinen elektrischen Strom; 20% der Menschen in den Städten leben in Slums; und ähnliche Bedingungen herrschen in vielen anderen Teilen der Dritten Welt.

Schneller Aufbau notwendig

Was man zuallererst braucht, ist ein zentralisierter Ansatz in jedem Land, was oftmals nur vom Militär geleistet werden kann. Man müßte so vorgehen, wie es auch in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern praktiziert wird. Die infizierten Menschen müssen von den nicht infizierten Menschen getrennt werden. Industrie und Landwirtschaft müssen in etwa so aufgebaut werden, wie es Präsident Franklin Roosevelt während der Zeit des New Deal in den 1930er Jahren getan hat. Ein Vorbild muß das sein, was China in Afrika macht: Eisenbahnen und andere Infrastruktureinrichtungen bauen und die Neue Seidenstraße auf den afrikanischen Kontinent verlängern.

Wie das amerikanische Institute for Health Metrics berechnet hat, werden in den Vereinigten Staaten 575.000 zusätzliche Krankenhausbetten benötigt werden, um den nationalen Durchschnitt auf 4,5 Betten pro 1000 Bewohner zu erhöhen.

Natürlich brauchen diese zusätzlichen Krankenhäuser mehr Strom, mehr Wasser, sanitäre Einrichtungen und Transportkapazitäten. Um weltweit das Hill-Burton-Niveau zu erreichen, d.h. 30 Millionen weitere Krankenhausbetten für die Welt, bedeutet dies etwa 100.000 MW zusätzliche Stromerzeugungskapazität und 12 Billionen Liter sauberes Wasser, d.h. etwa die Hälfte des Wassers, das durch den Drei-Schluchten-Damm fließt. Außerdem die Produktion von 10 Millionen Beatmungsgeräten, Hunderten von Milliarden von Masken und persönlicher Schutzkleidung, Hunderte von Millionen von Tests, Impfstoffen, Medikamenten und so weiter.

Die einzige Möglichkeit, das zu erreichen, ist die sofortige Umrüstung der Unternehmen in den Industrieländern. Anstatt sich darüber zu entrüsten, daß der Automobilsektor und andere Industriezweige derzeit unterbeschäftigt sind oder geschlossen wurden, sollten diese wichtigen industriellen Kapazitäten für die Herstellung der genannten Güter umgerüstet werden. Einige der großen Automobilfirmen und andere haben bereits zugestimmt, genau dies zu tun, zum Beispiel General Motors, Ford, General Electric, McLaren, Jaguar, Landrover, VW, Rolls Royce, Airbus, SpaceX, Phillips.

Was durchgesetzt werden muß

Entscheidend ist, daß die Präsidenten der vier größten Weltmächte – der Vereinigten Staaten, Rußlands, Chinas und Indiens – zu einem sofortigen Gipfeltreffen zusammenkommen; und alle anderen Länder sind dazu aufgerufen, sich den Bemühungen zur radikalen Umgestaltung des Weltsystems anzuschließen. Die Präsidenten und die Länder der Welt müssen sich auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen einigen.

Ich denke, es ist offensichtlich, daß alle Sanktionen sofort aufgehoben werden müssen. Die EU zum Beispiel ist an Sanktionen gegen 35 Länder beteiligt, was es diesen Ländern praktisch unmöglich macht, die Pandemie wirksam zu bekämpfen. Die Sanktionen aufrechtzuerhalten, läuft derzeit auf einen Massenmord hinaus.

Alle Länder müssen auch dem Aufruf von UNO-Generalsekretär Guterres folgen, der zu einem sofortigen Waffenstillstand aufgerufen hat; alle militärischen Aktionen müssen eingestellt werden, damit die Pandemie bekämpft werden kann.

Offensichtlich kann man von den Entwicklungsländern auch nicht verlangen, in der schlimmsten Krise in unserem Leben und mit Sicherheit seit 1918 und vielleicht seit der Pest im 14. Jahrhundert weiterhin wucherische Schulden zu bezahlen, die ohnehin höchst unrechtmäßig sind. Was wir brauchen, ist ein allgemeines Schuldenmoratorium.

Um ein so gigantisches Projekt für das Weltgesundheitssystem zu finanzieren, müssen die vier Gesetze von Lyndon LaRouche umgesetzt werden. Das bedeutet ein neues Kreditsystem in Form eines Neuen Bretton-Woods-Systems, über das auch große, langfristige, zinsgünstige Kredite für die Entwicklungsländer vergeben werden können, was im Zusammenhang mit der bestehenden Kasinowirtschaft keinen Sinn macht. Zweitens braucht jedes Land eine Nationalbank, und die Zusammenarbeit zwischen diesen Nationalbanken begründet bereits ein Neues Bretton-Woods-System. Dann brauchen wir ein Crash-Programm internationaler Zusammenarbeit, die glücklicherweise bereits zwischen Wissenschaftlern aus China, den Vereinigten Staaten, Frankreich und anderen Ländern funktioniert.

Crash-Programme in drei grundlegenden Bereichen sind vordringlich: Zur Entwicklung der Kernfusion, in der biologischen Forschung zur Bekämpfung der Pandemie und anderer Krankheiten und drittens zur gemeinsamen internationalen Zusammenarbeit im Weltraum, wodurch zukunftsweisende Durchbrüche erzielt werden können, die wir unbedingt brauchen, um die Produktivität der Wirtschaft zu erhöhen. Darüber hinaus muß es eine sofortige internationale Vereinbarung zur Unterstützung der Entwicklungsländer geben, um das Pandemieproblem durch die Entsendung internationaler Brigaden von Ärzten, Pflegekräften, Ingenieuren und anderen Fachkräften zu lösen – in Abstimmung mit den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union und ähnlichen Organisationen und unter uneingeschränkter Achtung der Souveränität dieser Länder.

Wenn wir so vorgehen, besteht meines Erachtens die Möglichkeit, nicht nur die Corona-Pandemie erfolgreich zu bekämpfen, sondern eine neue Weltwirtschaftsordnung zu begründen, die die Unterentwicklung beseitigt, die der wahre Grund für die jetzige Krise ist. Es hätte für die ganze Weltbevölkerung offensichtlich sein müssen, daß es kein normaler Zustand der Menschheit ist, die Entwicklungsländer und sogar Bereiche im sogenannten entwickelten Sektor in einem Zustand von Verarmung, Hunger und Krankheiten zu belassen.

Wir müssen unser Verhalten ändern

Wir befinden uns jetzt an einem Scheideweg. Entweder wir ändern unser Verhalten oder wir versinken über einen längeren Zeitraum in einem finsteren Zeitalter. Wir sollten die Ostertage nutzen, um darüber nachzudenken, wie wir eine neue Ebene des Erhabenen, eine neue Ebene der Menschlichkeit erreichen können, welche für die Christen durch die Auferstehung Christi und die damit verbundene Hoffnung symbolisiert ist. Und auch Menschen, die keine Christen sind, können an dieser Hoffnung teilhaben.

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir unsere Menschlichkeit auf einer ganz anderen Ebene finden müssen. Wenn wir das tun, können wir die Geopolitik überwinden, können wir Konfrontation und Krieg als Weg der Konfliktlösung überwinden und einen neuen Weg für alle Nationen finden, um gemeinsam für die eine Menschheit zu arbeiten. Ich möchte, daß Sie sich alle diesen Bemühungen anschließen, denn die Lage wird sich noch weiter zuspitzen. Aber wenn wir uns der Aufgabe verschreiben, eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung, beginnend mit einem Weltgesundheitssystem, zu schaffen, können wir aus dieser Krise herauswachsen und menschlicher werden.

Wenn Sie dazu beitragen möchten, können Sie sich hier  zur Internetkonferenz des internationalen Schiller-Instituts am 25./26. April anmelden: Die Existenz der Menschheit hängt jetzt von der Schaffung eines neuen Paradigmas ab!

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