Top Left Link Buttons
  • Deutsch

Helga Zepp-LaRouche: Entweder wir schaffen das Unmögliche oder wir suchen uns einen anderen Planeten!

Helga Zepp-LaRouche: Entweder wir schaffen das Unmögliche oder wir suchen uns einen anderen Planeten!

Auf der Internetkonferenz des internationalen Schiller-Instituts am 18. Juni 2022 hielt die Gründerin und Präsidentin des Instituts die folgende Rede (Original Englisch, Zwischenüberschriften von der Redaktion hinzugefügt).

Meine Damen und Herren, liebe Freunde des Schiller-Instituts in aller Welt, stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem rasenden Schnellzug, der mit tausend Stundenkilometern fährt. Sie wissen, daß die Bahn in wenigen Minuten eine Klippe erreichen wird, das heißt, daß der Zug in einen Abgrund stürzen wird, wo der Zug mitsamt allen Passagieren in einem Höllenfeuer vernichtet wird. Und Sie wissen, daß der Lokführer völlig verrückt ist und absolut nichts tut, um diesen sicheren Untergang zu verhindern.

Das ist in etwa die Situation, in der sich die Menschen in den Vereinigten Staaten, in Europa und damit leider in der ganzen Welt befinden. Nur ist es viel schlimmer, denn das Zugunglück ist eigentlich ein Atomkrieg. Das Höllenfeuer ist fünfmal heißer als das Zentrum unserer Sonne, das 100 Millionen Grad Kelvin hat – denn das ist die Temperatur, die eine nukleare Explosion verursacht. Danach folgt, wenn wir nicht die Notbremse finden und rechtzeitig ziehen, ein nuklearer Winter, und es wird niemanden geben, der noch untersuchen könnte, wie es zu diesem letzten Moment in der Geschichte der einst so vielversprechenden menschlichen Spezies gekommen ist.

Der Zug, den ich hier beschreibe, ist die Politik der NATO, der USA, der EU und der Länder, die auf ihrer Seite stehen, sowie ihrer Zentralbanken. Der verhängnisvolle Zug ist auf das falsche Gleis geraten, das an Klippe endet, wo er abstürzt wegen der Hybris mit der Absicht, eine „unipolare Welt“ auf der Grundlage der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zu errichten.

Als die Sowjetunion zerfiel, erklärte sich der Westen arrogant zum Sieger des Kalten Krieges. Es ist wichtig zu erkennen, daß die Absicht, „Rußland zu ruinieren“, schon seit dem Ende der Sowjetunion besteht. Das ist keine russische Propaganda, das ist eine sehr gut dokumentierte historische Tatsache. Hinter der vom Westen eingeleiteten „Schocktherapie“ gegen die russische Wirtschaft in der Jelzin-Periode stand ausdrücklich die Absicht, eine nukleare Supermacht in ein Rohstoffe exportierendes Dritte-Welt-Land zu verwandeln, deshalb sank russische Industriekapazität von 1991 bis 1994 auf nur 30%. Dies führte zu einem demographischen Zusammenbruch, es gab jedes Jahr eine Million weniger Russen. George Soros setzte alles daran, einen „Brain Drain“ zu organisieren, um Rußland als potentiellen Konkurrenten auszuschalten.

Fünf NATO-Osterweiterungen, einschließlich der Stationierung des Aegis-Assure-Raketenabwehrsystems in Polen und Rumänien sowie der MK-41-Abschußrampen, mit denen Tomahawk-Raketen und andere Angriffssysteme abgeschossen werden können, waren Teil einer kontinuierlichen Einkreisungspolitik, gegen die Rußland immer wieder rote Linien zog, wo es seine existentiellen Sicherheitsinteressen bedroht sah. Und gegen die Rußland die neuen nuklearen Waffensysteme entwickelte, wie den Hyperschallflugkörper Avangard, einen hochmanövrierfähigen Interkontinentalflugkörper mit einer Geschwindigkeit von Mach 20, den Hyperschall-Marschflugkörper Kinschal, schnelle Unterwasserdrohnen, den Hyperschall-Marschflugkörper Zirkon usw.

Auf dem Weg dorthin wurden weitere Waggons angehängt, einer davon die „Farbrevolution“, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der ehemaligen Warschauer-Pakt-Länder, die vom NED [National Endowment for Democracy], dem IRI [International Republican Institute] oder dem US-Außenministerium mit Milliardenbeträgen finanziert wird. Oder auch der vom Westen unterstützte Putsch in der Ukraine 2014, der Nazi-Gruppen ins Spiel brachte, die seit dem Zweiten Weltkrieg die von westlichen Geheimdiensten gelenkt waren und denen sich die russischsprachige Bevölkerung der Krim und des Donbaß nicht unterwerfen wollte.

Als Putin am 17. Dezember auf die zunehmenden militärischen Aktivitäten der ukrainischen Armee – die, wie sich jetzt herausstellt, jahrelang vom amerikanischen und britischen Militär ausgebildet wurde – sowie auf die Manöver, bei denen atomwaffenfähige US-Bomber bis an die russische Grenze geflogen wurden, mit der Forderung nach rechtlich bindenden Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten und der NATO reagierte, erhielt er keine Antworten auf die Kernforderungen – nämlich Garantien, daß die Ukraine nicht Mitglied der NATO wird und keine Angriffswaffen an der russischen Grenze stationiert werden. Aber nicht nur das, namentlich nicht genannte Beamte des Weißen Hauses erklärten in einem anonymen „Hintergrundbriefing“ am 25. Januar – also vor der militärischen Invasion in der Ukraine – ausdrücklich, daß das Ziel des Sanktionsregimes darin bestehe, „die russische Wirtschaft zu ruinieren und jeden Versuch der Modernisierung und Diversifizierung weg von der Rohstoffproduktion zu verhindern“.

Am 4. März frohlockte die Financial Times, die „Bewaffnung der Finanzarchitektur“ durch den Westen werde Rußland in den Staatsbankrott treiben. Und dann ist da noch das Zitat des französischen Finanzministers Bruno Le Maire mit einer Aussage, die so bissig war, daß er sie zurückziehen mußte: „Wir werden den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft herbeiführen. Wir führen einen totalen wirtschaftlichen und finanziellen Krieg gegen Rußland, Putin und seine Regierung. Und lassen Sie es uns klar sagen – auch das russische Volk wird die Konsequenzen tragen.“

Das Royal United Services Institute (RUSI), nach eigener Aussage die älteste militärische Denkfabrik der britischen Monarchie, beschrieb die westliche Rußlandpolitik als „den russischen Frosch kochen“. (Sie kennen dieses Bild, daß der Frosch nicht aus dem Wasser springt, wenn man die Temperatur langsam erhöht.) Und RUSI ruft dazu auf, über einen ukrainischen Vorstoß, die Krim militärisch zurückzuerobern, eine „Kubakrise auf Steroiden“ zu provozieren sowie kreative und nuancierte Vorschläge zu unterbreiten, wie man eingefrorene russische Vermögenswerte stehlen kann. Wie aufs Stichwort erklärte der ukrainische General Dmytro Martschenko, die Zerstörung der Brücke von Kertsch, die Rußland mit der Krim verbindet, sei nun das oberste Ziel, und sobald die erforderlichen Waffen eingetroffen seien, würden sie zur Rückeroberung der Krim eingesetzt.

Die Lieferung von US-Langstreckenwaffen, wie z.B. die hochmobilen Raketensysteme, an die Ukraine und deren möglicher Einsatz für Angriffe auf russisches Territorium, macht die USA völkerrechtlich unmittelbar zu einem Kriegsteilnehmer, was sofort einen heißen Krieg zwischen Rußland und den USA auslösen könnte, den keine Seite verlieren möchte. Eine Eskalation bis hin zu einem vollständigen nuklearen Schlagabtausch könnte daher sehr schnell erfolgen.

Gleichgeschaltete Kriegspropaganda

Um auf das Bild des verrückten Lokomotivführers in unserem Zug zurückzukommen: Die erschreckende Realität scheint zu sein, daß das Establishment des Westens dieses thermonukleare Chickengame („Angsthasenspiel“) spielt, ohne anscheinend die Intelligenz zu besitzen, zu durchdenken, daß die Folge dieses rücksichtslosen Abenteurertums die Vernichtung von uns allen, einschließlich ihrer selbst, sein kann.

Während den Regierungen zahlreicher Länder der Welt in Afrika, Lateinamerika und Asien klar ist, daß die aktuelle strategische Krise nicht am 24. Februar mit „Putins unprovoziertem Angriffskrieg“ begonnen hat, spiegelt die gleichgeschaltete Kriegspropaganda fast aller Politiker, Medien und Denkfabriken in den Vereinigten Staaten und Europa eine tiefsitzende haßerfüllte Mentalität gegen Rußland und zunehmend auch gegen China wider, die nichts mit der Realität dieser Länder zu tun hat – wie jeder weiß, der sie kennt. Sie ist vielmehr das Ergebnis der Fortführung der Mentalität des Kalten Krieges ist, die jederzeit bereit ist, einen heißen Krieg zu riskieren, und offenbar in den letzten drei Jahrzehnten als Gruppendenken in den Institutionen des Mainstreams kultiviert wurde. Der Wunsch, „Rußland zu ruinieren“, wie es die von der NATO eingesetzte, unsägliche deutsche Außenministerin ausdrückt, ist eine Rückkehr zur Barbarei in den internationalen Beziehungen und spiegelt ein tief verwurzeltes Problem in ihrem Verständnis von Diplomatie wider, das sie als erste Diplomatin des Landes haben sollte.

Das Angebot an die Ukraine, der EU beizutreten, und sei es auch nur als Kandidat, das Scholz, Macron, Draghi und Iohannis bei ihrer jüngsten Reise nach Kiew gemacht haben, ist ein weiterer Schritt zur Eskalation. In Wirklichkeit kommt das einem Angebot an die Ukraine zur NATO-Mitgliedschaft gleich, denn seit 2007 gibt es im EU-Vertrag die Pflicht zum militärischen Beistand, und die Ukraine könnte von allen EU-Mitgliedstaaten, von denen bis auf vier alle auch Mitglied der NATO sind, militärischen Beistand verlangen. Das heißt, wenn auch nur ein Land militärisch in einen Krieg verwickelt wird, kann dieses Land automatisch die Beistandspflicht der NATO in Anspruch nehmen.

Hinzu kommen die Lieferungen schwerer Waffensysteme und die Ausbildung der ukrainischen Truppen sowie der Einsatz ausländischer Söldner in der Ukraine, der die USA, Großbritannien und andere beteiligte Länder nach Ansicht des amerikanischen Verfassungsexperten Bruce Fein bereits zu Mitkriegsparteien gemacht hat.

Um beim Bild des Zuges zu bleiben: Die Vorderräder der Lokomotive hängen vielleicht schon über der Klippe. Natürlich konnten Rußland und andere Länder nicht umhin zu bemerken, daß die USA und ihre Verbündeten weit über die einfache Eindämmung der Sowjetunion während des Kalten Krieges hinausgegangen sind, sondern daß der Westen jetzt offen davon spricht, „Rußland zu ruinieren“ und die Beziehungen „für immer“ abzubrechen, als ob wir nicht auf demselben eurasischen Kontinent leben würden. In dieser Geometrie gibt es keinen Raum für ein diplomatisch ausgehandeltes Ende des Krieges in der Ukraine, sondern nur einen Sieg der Ukraine und eine Niederlage Rußlands. Die angestrebte Dezimierung Rußlands schafft in diesem Szenario dann Raum für eine Eindämmungsstrategie gegen China, in dem die USA und Großbritannien den schwierigsten Konkurrenten betrachten. Die Kampagne, sich auch von China wirtschaftlich zu lösen, begleitet von einer ähnlichen Dämonisierung, ist bereits in vollem Gange.

Wirtschaftliche Selbstzerstörung

Das Ergebnis ist nicht nur, daß wir am Rande eines globalen Atomkrieges stehen, sondern auch, daß wir uns in einem gigantischen Prozeß der Selbstzerstörung unserer Wirtschaft, unserer sozialen Stabilität und der Grundlagen unserer Gesellschaft befinden. Diese Politik wird auch die Wirtschaft der USA und Großbritanniens ruinieren, aber die Auswirkungen auf Deutschland werden absolut katastrophal sein.

Die Tendenz zu einem hyperinflationären Platzen der „Alles-Blase“ war bereits im Gange, als Ergebnis des rücksichtslosen Gelddruckens der Zentralbanken und der wiederholten Rettungsaktionen für die Banken und Spekulanten seit 2008 – ein systemischer Zusammenbruch des Systems, noch lange bevor der Krieg in der Ukraine begann. Doch die Auswirkungen der Alles-Sanktionen und selbstmörderischen Kapitulationen Deutschlands wie im Fall von Nord Stream 2 und geplanten Embargos gegen russisches Öl und Gas werden in den nächsten Wochen und Monaten die Preise für Gas, Energie, Lebensmittel und alle anderen lebensnotwendigen Güter in die Höhe treiben.

Für weite Teile der Bevölkerung werden sie eine unbezahlbare Höhe erreichen. Es droht ein totaler sozialer Zusammenbruch, ein Massenbankrott für kleine und mittlere Unternehmen. Schon jetzt sind die Lieferketten in vielen Bereichen unterbrochen, wofür Chinas COVID-Politik nur einen sehr geringen Teil der Verantwortung trägt. Aber die Rußland-Sanktionen betreffen fast alle Bereiche. Es gibt kein Bauholz mehr aus Rußland, die Versicherungen für Öltanker werden nicht bezahlt, es fehlt an Düngemitteln usw.

Die Auswirkungen auf die Entwicklungsländer sind noch um Größenordnungen verheerender. Nach Angaben der UNO und des Welternährungsprogramms sind 1,7 Milliarden Menschen in nächster Zeit von einer Hungersnot bedroht. In vielen Ländern wie dem Libanon oder Peru und vielen anderen bricht die gesamte Wirtschaft völlig zusammen. Die galoppierende Inflation bedroht bereits ganze Bereiche der Industrie und der Landwirtschaft. Im ehemals reichen Deutschland läßt bereits jeder Sechste wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise eine Mahlzeit pro Tag ausfallen.

Nachdem die US-Notenbank die Zinsen um 0,75% angehoben hat, haben die anderen Zentralbanken im Juli damit begonnen, die Zinssätze zu erhöhen. Das birgt die unmittelbare Gefahr einer schweren Schuldenkrise in den Schwellenländern und einer Kettenreaktion von Firmenzusammenbrüchen im ehemals fortgeschrittenen Sektor. Wir befinden uns inmitten eines Zusammenbruchs des gesamten transatlantischen Finanzsystems. Wenn hier nicht bald Abhilfe geschaffen wird, könnten wir noch vor Ende des Jahres in ein totales Chaos stürzen, was sogar der Präsident der Weltbank David Malpass eingeräumt hat.

Die Sanktionen schaden Rußland natürlich, aber viel weniger als dem Westen, wie Putin gerade auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum triumphierend erklärt hat. Sie sind eigentlich fast ein Segen, denn sie haben den Aufbau eines völlig neuen Finanz- und Wirtschaftssystems beschleunigt, in dem viele der von meinem verstorbenen Mann Lyndon LaRouche definierten Prinzipien Anwendung finden. Auf der Grundlage von Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative sind mehrere Organisationen dabei, aus dem Dollar auszusteigen – eine Währung, die nach der Beschlagnahme von Vermögenswerten mehrerer Länder durch das US-Finanzministerium nicht mehr als sicher gilt. Und der multilaterale Handel wird nun in Rubel, Rupien, Renminbi und anderen nationalen Währungen abgewickelt.

Für Rußland ergibt sich daraus eine breit angelegte Verlagerung der geographischen Struktur seiner Außenwirtschaftsbeziehungen nach Asien, die den Einschnitt im Handel mit der EU fast vollständig kompensiert. In Bischkek fand die Konferenz des Eurasischen Wirtschaftsforums statt, auf der unter anderem die Einführung eines digitalen Rubels für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, die Umgehung eines unter Sanktionsdruck stehenden Bankensystems und ernsthafte Investitionen in Forschung und Entwicklung zum Aufbau unabhängiger Kapazitäten in allen Bereichen diskutiert wurden.

Die BRICS-Staaten werden in wenigen Tagen, am 24. Juni, ihren Gipfel in China abhalten, wo sie über die Aufnahme neuer Mitglieder beraten werden. Laut Duma-Präsident Wolodin haben die aufstrebenden „G8-Staaten“ Rußland, China, Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko, Iran und die Türkei die G7-Staaten im Hinblick auf das BIP bereits überholt. Andere Organisationen und Nationen arbeiten auf ein neues Modell einer globalen Ordnung hin, wie die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, ASEAN und viele Nationen des globalen Südens.

Was alle diese Länder vereint, ist der Wunsch nach gemeinsamer Armutsbekämpfung, echter Entwicklung ihrer Volkswirtschaften, nationaler Souveränität, dem Recht, ihr eigenes Modell der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zu wählen, und Zusammenarbeit in ihrem gemeinsamen Interesse. Das haben sie im wesentlichen in der Zusammenarbeit mit China und Rußland gefunden, weshalb sich viele von ihnen dem Druck nicht beugen und sich der Verurteilung Rußlands für die Geschehnisse in der Ukraine nicht anschließen.

Die „Demokratien“ sind also in Wirklichkeit nur die USA, Großbritannien, die EU (die allerdings gespalten ist), Japan, Australien und Südkorea. Wenn also Ende dieses Monats der jährliche NATO-Gipfel in Madrid zusammentrifft, um einen Plan für eine globale NATO und eine neue Sicherheitsdoktrin vorzulegen – natürlich ohne einen echten Plan für wirtschaftliche Entwicklung, den es mit Sicherheit nicht geben wird -, wird er an den tatsächlichen Bedürfnissen einer Welt, die mit Hungersnöten, Pandemien und wirtschaftlichem Chaos konfrontiert ist, vorbeigehen. Die NATO wird großspurig auftreten, aber sie wird ein Koloß auf tönernen Füßen sein.

LaRouches Vorhersage

1971 machte mein verstorbener Mann Lyndon LaRouche die wahrscheinlich wichtigste und vorausschauendste Analyse, die je in der Geschichte gemacht wurde. Als Präsident Nixon das Bretton-Woods-System aufgab, indem er den Dollar aus dem Goldstandard herausnahm und die festen Wechselkurse durch freie Wechselkurse ersetzte, sagte er vor einem halben Jahrhundert voraus, daß eine Fortsetzung dieser Politik unweigerlich zu einer neuen Depression, einem neuen Faschismus und einem neuen Weltkrieg führen würde, wenn nicht ein völlig anderes System eingeführt würde. Das ist genau der Punkt, an dem wir uns jetzt befinden.

Er hat auch schon lange die Abhilfe in vier grundlegenden Punkten beschrieben.

Erstens: Wenn das transatlantische System nicht den Weg der Hyperinflation von Weimar-Deutschland 1923 einschlagen oder einen plötzlichen Zusammenbruch erleiden soll, muß es zuerst eine globale Glass-Steagall-Bankentrennung geben; genau das, was Roosevelt 1933 tat.

Das bedeutet, daß die Geschäftsbanken einer Konkurssanierung unterzogen werden müssen. Sobald sie von verschiedenen Kategorien von Schrott, wie z. B. der Beteiligung an Derivaten, befreit sind, müssen sie unter Gläubigerschutz gestellt werden. Die anderen Banken und Finanzinstitute müssen ihre Bücher in Ordnung bringen, aber sie dürfen auf keinen Fall weitere Rettungspakete erhalten, unter welchem Deckmantel auch immer. Wenn sie ohne Steuergelder nicht auskommen, sollen sie dichtmachen.

Zweitens muß jedes Land seine eigene Nationalbank gründen, in der Tradition von Alexander Hamilton, wie es mit der Reconstruction Finance Corporation unter Roosevelt und der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die der Reconstruction Finance Corporation nachempfunden war, erfolgreich geschehen ist. Das war der Hauptmotor für das deutsche Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit. Auf diese Weise wird die Macht der Kreditschöpfung für Investitionen in Projekte für das Gemeinwohl an die souveränen Regierungen zurückgegeben, anstatt die „Bazooka“ der privaten Bankiers zu sein.

Drittens müssen zwischen diesen Nationalbanken langfristige multilaterale Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden für Investitionen in internationale Infrastrukturprojekte wie Entwicklungskorridore, Industrieparks, Landwirtschaft, Wassermanagementsysteme, Energieerzeugung und -verteilung, ein modernes Gesundheitssystem in jedem Land, Bildungssysteme usw. Diese Kreditverträge mit langer Laufzeit und niedrigen Zinssätzen stellen bereits ein neues Kreditsystem dar. In diesem System muß es periodisch festgelegte Wechselkurse der nationalen Währungen, eine begrenzte Konvertibilität, Devisen- und Kapitalkontrollen und ein Verbot der Schaffung von Märkten für Währungsspekulation geben.

Viertens muß es ein internationales Crash-Programm geben, um die kommerzielle Nutzung der Fusionstechnologie zu erreichen, denn das wird der Menschheit Energie- und Rohstoffsicherheit geben und damit einen Hauptgrund für Kriege in der Vergangenheit beseitigen. Zusammen mit der Zusammenarbeit im Weltraum und großen Investitionen in die Grundlagenforschung und die Forschung und Entwicklung der Biowissenschaften wird dies für die Weltwirtschaft die nächste wirtschaftliche Plattform mit einer höheren Produktivität schaffen, die die Produktivitätsverluste aufgrund der monetaristischen und falsch verstandenen ökologischen Politik des neoliberalen Modells ausgleichen wird.

Eine neue internationale Architektur

Warum habe ich diesem Vortrag den Titel „Mission Impossible“ gegeben – „Das Unmögliche schaffen“? Weil buchstäblich alles – der Fortbestand der gesamten Menschheit – von der Aussicht abhängt, daß wir die Vereinigten Staaten und die europäischen Nationen davon überzeugen können, ihre wahnsinnige, kostspielige und selbstzerstörerische Politik der Konfrontation mit Rußland und China zu beenden, sich für einen sofortigen Waffenstillstand und eine diplomatische Lösung in der Ukraine einzusetzen und den Prozeß des Wiederaufbaus der Weltwirtschaft einzuleiten.

Der Ausweg aus der Kriegsgefahr und dem finanziellen Kollaps ist eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die die Interessen aller Länder der Erde berücksichtigt: die Interessen Rußlands, Chinas, der Vereinigten Staaten, der europäischen Nationen und vor allem die der Entwicklungsländer. Angesichts der derzeitigen Politik der „Demokratien“ erscheint das unmöglich, das ist es aber nicht.

In den kommenden Wochen und Monaten wird das völlige Scheitern des neoliberalen Modells für jedermann so deutlich werden, daß weder „Frieren für die Freiheit“ – wie es der deutsche Wirtschaftsminister Habeck vorschlägt, der vorschreiben will, wie kalt es in den Wohnungen zu sein hat – noch „Hungern für die Demokratie“ viel Anklang finden werden.

Was wir jetzt brauchen, ist eine Bewegung von Staatsbürgern, von gewöhnlichen Menschen aus allen Schichten, die Führung übernehmen, wenn sie sehen, daß ihr Land von einem politischen Establishment gekapert wurde, das sich nicht um sie kümmert, das nur daran denkt, wie es seine Positionen und Privilegien schützen kann, und dessen Politik eine Klasse von Millionären und Milliardären geschaffen hat, während die Lebensersparnisse der Mehrheit von der Hyperinflation aufgefressen werden.

Wir brauchen in jeder Nation eine Bewegung von Bürgern, die den Mut haben zu handeln, um das zu korrigieren, von dem sie wissen, daß es falsch ist, angefangen mit der Unterwerfung unter die gegenwärtige unerträgliche Meinungsdiktatur, die nur die Wiederholung des offiziellen NATO-Narrativs zuläßt und jeden, der versucht, die Gründe für diese Krise zu erhellen, beschuldigt, ein Putin-Agent zu sein oder im Dienste der Kommunistischen Partei Chinas zu stehen. Warum laden wir in unsere Talkshows nicht Kommentatoren aus Rußland, China, Indien, Mexiko, Afghanistan, Ghana, Syrien oder Pakistan ein, statt der immer gleichen Liga von gleichgeschalteten Experten, die uns weismachen wollen, die Erde sei flach und der Schnee sei schwarz? Ja, laßt uns um der wunderbaren Demokratie und der Menschenrechte willen über den Fall Julian Assange diskutieren und darüber, welches Verbrechen er begangen hat. Laßt uns zurückweisen, was in unserer Kultur verrottet ist: die Perversion und Banalität der Unterhaltungsindustrie, die uns dumm und passiv machen soll.

Um die Mission Impossible zu gewinnen, müssen wir die beste kulturelle Tradition in jedem Land in Europa und in den Vereinigten Staaten wiederbeleben; die Asiaten tun es bereits. Die Deutschen müssen wieder ein Volk von Dichtern und Philosophen werden; die Italiener große Renaissance-Künstler; die Franzosen Wissenschaftler der École Polytechnique. Die Amerikaner sollten ihr Land wieder in einen Tempel der Freiheit und ein Leuchtfeuer der Hoffnung verwandeln. Nur wenn wir bereit sind, uns auf diese Weise zu verändern und bessere Menschen zu werden, die sich nicht wie wilde Tiere aufführen, die andere Länder „ruinieren“ wollen, sondern die wollen, daß sie sich bestmöglich entwickeln, die wollen, daß sie aufblühen und alle Talente ihrer Menschen zur Entfaltung kommen – nur dann werden wir eine schöne Zukunft für uns haben.

Also: Haben wir den Mut, aufzustehen und die Notbremse dieses schrecklichen Zuges zu ziehen, in dem wir sitzen, und die Fahrt ins Armageddon zu stoppen. Ich danke Ihnen.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Mr. Jackson
@mrjackson