Von Helga Zepp-LaRouche
Das abgrundtiefe Ausmaß der Verderbtheit der Kundschaft des verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein sendet Schockwellen um den ganzen Globus. Den Menschen wird langsam klar, daß diese Form der modernen Sklaverei nicht nur eine große Gruppe von Millionären und Milliardären betrifft, die danach streben, Billionäre zu werden, sondern daß Teile des Establishments – die oberen Ränge des inneren Kreises – diese weitreichende moderne Sklaverei toleriert, ja sogar befürwortet haben.
Die Menschen erkennen, daß nicht nur die auffällig vielen Milliardäre waren, die diese Verbrechen vertuschten, sondern auch die Establishments in praktisch allen Regierungen des kollektiven Westens, indem sie jahrzehntelang keinerlei Ermittlungen durchführten.
Es ist wichtig zu verstehen, daß die Einstellung der Täter, die unzählige junge Frauen, Mädchen und Kinder sexuell mißbrauchten, dieselbe Einstellung ist wie die hinter der räuberischen Wirtschaftspolitik der internationalen Finanzinstitutionen, sowohl gegenüber den Entwicklungsländern als auch gegenüber den ärmeren Teilen der eigenen Gesellschaft, und daß dieselbe Einstellung auch für die skrupellose Profitgier im Militärisch-Industriellen Komplex verantwortlich ist, wo Profit gleichbedeutend mit Krieg und dem Töten von Millionen Menschen ist. Tatsächlich sind es oft ein und dieselben Personen, die in diesen verschiedenen Bereichen das Sagen haben.
Wenn man sich fragt, warum die Welt heute in einem so schrecklichen Zustand ist – mit offenem Völkermord, der Zerstörung der Gesundheitssysteme und der völligen Mißachtung menschlichen Lebens und menschlicher Werte –, dann muß man erkennen, daß all das auf die Einstellung dieser Milliardäre zurückzuführen ist, die Billionäre werden möchten.
Wenn man mit solch unglaublichen Greueltaten konfrontiert wird, gibt es zwei mögliche Reaktionen. Die eine ist, mit Verzweiflung zu reagieren und sich schließlich an eine Gesellschaft anzupassen, die nicht mehr menschlich ist. Oder man sagt, „Genug ist genug, eine Grenze hat Tyrannenmacht“, und beschließt, eine neue weltweite Renaissance zu schaffen.
Die Verfasserin hat „Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ verfaßt, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigen muß – nicht als endgültiger Wortlaut, sondern als Denkanstoß, wie eine solche neue Architektur geschaffen werden kann.1 Das Zehnte Prinzip lautet:
„Die Grundannahme des neuen Paradigmas ist, daß der Mensch grundsätzlich gut ist und fähig ist, die Kreativität seines Geistes und die Schönheit seiner Seele unendlich zu vervollkommnen, und daß er die am weitesten entwickelte geologische Kraft im Universum ist, was beweist, daß die Gesetzmäßigkeit des Geistes und die des physischen Universums in Übereinstimmung und Kohäsion stehen und daß alles Böse das Ergebnis eines Mangels an Entwicklung ist und daher überwunden werden kann.“
Derzeit entsteht eine neue Weltwirtschaftsordnung, an der die überwiegende Mehrheit der Länder des Globalen Südens beteiligt ist. Die europäischen Länder und die USA dürfen sich diesen Bemühungen nicht widersetzen, sondern müssen sich mit den Entwicklungsländern zusammenschließen und gemeinsam daran arbeiten, die nächste Epoche der Entwicklung der Menschheit zu einer Renaissance der höchsten und edelsten Ausdrucksformen der Kreativität zu gestalten!
Laßt uns daher eine internationale Bewegung von Weltbürgern ins Leben rufen, die gemeinsam daran arbeiten, die nächste Phase in der Evolution der Menschheit, eine neue Epoche, zu gestalten! Weltbürger aller Länder, vereinigt euch!
Es hat sich herausgestellt, daß die Vorstellung, daß der Mensch von Natur aus gut ist, sehr umstritten ist und von vielen Menschen angezweifelt wird. Aber der Mensch ist natürlich mit einem freien Willen ausgestattet und kann mindestens bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, ob er ein Mensch werden will, der sich selbst vervollkommnet, oder ob er sich bewußt für das Böse entscheidet.
Ich denke, daß es nur sehr wenige Menschen sind, die sich bewußt dafür entscheiden, böse zu sein und auf satanische Weise zu handeln. Die überwiegende Mehrheit der Menschen ist gut, wenn man sie läßt, aber sie sind so sehr von den Lasten ihres Alltags niedergedrückt, daß sie weder die Zeit noch die Mittel haben, alle ihnen gegebenen Möglichkeiten zu entfalten.
Doch jetzt ist der Moment gekommen, in dem wir uns angesichts des modernen Sklavensystems, das uns die Epstein-Klasse aufgezwungen hat, an die Ideen erinnern müssen, die Friedrich Schiller in seinem Wilhelm Tell zum Ausdruck gebracht hat:
„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht! Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, wenn unerträglich wird die Last – greift er hinauf getrosten Mutes in den Himmel, und holt herunter seine ew‘gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst. Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, wo Mensch dem Menschen gegenübersteht – zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben. Der Güter höchstes dürfen wir verteid‘gen gegen Gewalt. Wir steh‘n vor unser Land, wir steh‘n vor unsre Weiber, unsre Kinder!“
Genau die gleiche Idee findet sich in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:
„Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit. Um diese Rechte zu sichern, werden unter den Menschen Regierungen eingerichtet, die ihre gerechte Macht aus der Zustimmung der Regierten ableiten. Wenn eine Regierungsform diesen Zielen zuwiderläuft, hat das Volk das Recht, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen, die auf solchen Grundsätzen beruht und deren Macht in einer Form organisiert ist, die ihm am ehesten geeignet erscheint, seine Sicherheit und sein Glück zu gewährleisten.“
Um eine solche Form des Oligarchentums zu besiegen, brauchen wir eine neue Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Der Schlüssel dazu ist das Konzept der ästhetischen Erziehung, das Friedrich Schiller entwickelt hat, als er sah, wie die Französische Revolution – die anfangs ein sehr hoffnungsvolles Unterfangen war und allen republikanischen Kreisen in Europa Hoffnung gab, das Beispiel der Amerikanischen Revolution könne in Europa wiederholt werden – durch den Jakobinerterror ruiniert wurde. Als Reaktion auf diese Erfahrung schrieb Schiller seine Ästhetischen Briefe und sagte: „Der große Moment findet ein kleines Geschlecht.“ Objektiv waren alle Voraussetzungen gegeben, aber subjektiv war das Volk zu kleingeistig. Er entwickelte die Ästhetische Erziehung als Methode zur Veredelung des Volkes, um sicherzustellen, daß nie wieder ein solches Scheitern kommen würde.
In den Briefen stellt er die Frage, woher die Veränderung kommen soll, wenn die Regierungen korrupt und verdorben sind und die Mehrheit der Menschen zu schwach und niedergedrückt ist, um die Veränderung herbeizuführen. Schiller beantwortete dieses Dilemma mit der Idee, daß die Veränderung nur durch Schönheit und klassische Kunst kommen kann, die den Menschen in seinen Momenten der Muße erhebt: Indem man immer wieder dem höchsten Ideal des Menschen ausgesetzt ist – wie es in den klassischen Kompositionen von Bach oder Beethoven zum Ausdruck kommt, in der Schönheit und den erhabenen Vorstellungen der Dramen von Shakespeare und Schiller, in der lyrischen Zärtlichkeit der Gedichte von Shelley und Heine, in dem hohen Maß an Selbstbewußtsein in den Gemälden von Rembrandt oder in dem erhebenden Geist der großen Kathedralen –, wird man zu einem besseren Menschen, vorausgesetzt, man nimmt die in diesen Werken zum Ausdruck kommende schöpferische Kraft zum Kompaß für die eigene Selbstvervollkommnung. Vor allem aber braucht es das Gefühl der Agapē, der selbstlosen Liebe zur Menschheit, sowohl als Leitstern für unser gesamtes Leben als auch als konkrete Orientierung in der Haltung gegenüber unseren Mitmenschen.
Schiller entwickelte von allen Dichtern und Philosophen das edelste Menschenbild, indem er die Idee definierte, daß jeder Mensch das Potential hat, eine schöne Seele zu werden – ein Mensch, für den Freiheit und Notwendigkeit, Leidenschaft und Pflicht eins sind und der seine Gefühle so weit geschult hat, daß er ihnen blind vertrauen kann, weil sie ihm niemals etwas anderes raten werden als das, was die Vernunft gebietet.
Der einzige Mensch, der diese Bedingung erfüllt, ist das Genie, denn nur das Genie verändert die Gesetze auf gesetzmäßige Art und Weise, indem es neue Freiheitsgrade und neue Konzepte in Wissenschaft und Kunst schafft.
Wir brauchen jetzt eine Renaissance der besten Traditionen aller Kulturen und Zivilisationen. Sie müssen in einen Dialog der Zivilisationen treten, in dem diese durch das Kennenlernen der Schönheit und der Wunder von Poesie, Musik, Malerei und aller anderen Kunstformen der anderen Zivilisationen – durch die Entdeckung neuer Dimensionen der Architektur unseres Universums – sich gegenseitig inspirieren und durch den Dialog untereinander etwas noch Schöneres als alle bestehenden Kulturen und Zivilisationen schaffen werden.
Wir veröffentlichen diesen Bericht, um der Bevölkerung zu zeigen, wie ein und dieselbe Denkweise private Verbrechen, kriminelle Geschäftsmethoden und Kriegspolitik motiviert. Aber diese können wir nur besiegen, wenn wir die schöne Vision dessen aufrichten, was Menschen erreichen können, indem sie sich in dem Bestreben vereinen, die Menschenwürde zu retten.
Wenn wir uns als internationale Bewegung von Weltbürgern um dieses Konzept vereinen, dann werden wir in wenigen Jahren auf das obszöne Spektakel der Epstein-Klasse als letzte Phase des oligarchischen Systems zurückblicken können – als das letzte beschämende Kapitel einer Zeit, in der sich Menschen noch nicht wie Menschen verhalten haben. Wir werden bewiesen haben, wie solche Unmoral durch Entwicklung überwunden werden kann.
Schließen Sie sich also unserer Bewegung der Weltbürger an, und lassen Sie uns freudig und entschlossen eine neue, schönere Ära der Menschheit schaffen, die dem gerecht wird, was die menschliche Gattung wirklich ist – nämlich die einzige kreative Gattung, die bisher im Universum bekannt ist.
Anmerkung
- Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur,
Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.



