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„Das Glas ist halb voll – vielleicht mehr als halb voll“

„Das Glas ist halb voll – vielleicht mehr als halb voll“

Bericht vom 138. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Die 138. wöchentliche Onlinesitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPD) am 23. Januar begann mit einem Vortrag der Gründerin des Schiller-Instituts und IPC-Initiatorin Helga Zepp-LaRouche. Sie warnte vor den Folgen der Rede von US-Präsident Trump in Davos, in der er seine Verachtung für das Völkerrecht deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Sie bedauerte besonders seine „typisch mafiösen“ Drohungen gegenüber dem Iran.

Angesichts des Treffens von Trumps Gesandten Jared Kushner und Steve Witkoff mit Präsident Putin in Moskau am 22. Januar über einen von den USA unterstützten Friedensplan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine sei das metaphorische Glas jedoch halb voll, „vielleicht sogar mehr als halb voll“. Der Kreml habe dieses Treffen als „nützlich und konstruktiv“ bezeichnet. Wichtig sei nun, daß der Dialog weitergeht und der „Geist von Anchorage“ nicht auf der Strecke geblieben ist. „Wenn das fortgesetzt wird, kann es wirklich zu einer Verschiebung des Gleichgewichts kommen“, sagte Zepp-LaRouche.

Rußland sei bereit, eine Milliarde Dollar für den Wiederaufbau des Gazastreifens bereitzustellen. Putin habe auf Trumps Einladung, dessen „Friedensrat” für eine Milliarde Dollar Mitgliedsgebühr beizutreten, verschmitzt geantwortet, sie dürften die Milliarde aus den eingefrorenen russischen Vermögenswerten nehmen. Putin habe angeboten, den letzten noch geltenden Rüstungskontrollvertrag START, der in wenigen Wochen ausläuft, zu verlängern, doch von Trump gebe es noch keine Antwort.

Zepp-LaRouche erwähnte einige positive Initiativen und lobte insbesondere einen neuen Vorschlag einer Gruppe aus Frankreich für eine Petition zur Rückbesinnung auf die Gründungscharta der Vereinten Nationen, die von den IPC-Teilnehmern geprüft und überarbeitet und nächste Woche zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

Der nächste Hauptredner war Dr. Ted Postol, emeritierter Professor am MIT und einer der weltweit führenden Kernwaffenexperten. Er analysierte den von Trump groß angekündigten Plan für eine Raketenabwehr, „die mythische Idee vom Goldenen Dom“. Satelliten in der Umlaufbahn mit Abfangraketen sollen dabei Interkontinentalraketen in der Startphase abfangen. „Dieser Idee liegt die Erkenntnis zugrunde, daß die bestehenden, bodengestützten Abwehrsysteme kaum oder gar keine Wirkung haben“, weil sie zwischen den echten Sprengköpfen und den Hunderten von Attrappen, die während der Absinkphase eingesetzt werden, nicht unterscheiden können. Satelliten im Orbit hätten weniger als drei Minuten Zeit, um Raketen in der Startphase abzufangen, wenn ihre Geschwindigkeit noch relativ langsam ist und noch keine Attrappen abgeworfen wurden. Um dieses Zeitfenster zu maximieren, müsse die Umlaufbahn der Satelliten niedrig sein, wobei es Luftwiderstand gibt und ihre Lebensdauer auf nur etwa sechs Jahre begrenzt ist, bevor sie auf die Erde fallen.

Um an das Abfangen einer Interkontinentalrakete (ICBM) überhaupt zu denken, bräuchte man 1100-1200 Satelliten in der Umlaufbahn. Das System skaliere 1000:1, d.h. bei einem Start von hundert Raketen wären zur Abwehr 120.000 Satelliten erforderlich. Aber die andere Seite könnte Abfangraketen starten, die ein Loch in die Satellitenkonstellation des Goldenen Doms schlagen – „dann verläuft Ihr Raketenstart ungehindert“.

Postol äußerte seine Besorgnis, daß Donald Trump „in den letzten Monaten irgendwie anders ist, irgendwie extremer“. Einige Experten vermuteten, er habe möglicherweise einen leichten Schlaganfall gehabt. Gegenwärtig seien die Vereinigten Staaten „unter der Kontrolle einer kriminellen Regierung“.

Nachdem Postol den Plan für den Goldenen Dom dermaßen zerpflückt hatte, fragte Zepp-LaRouche ihn, warum niemand in Trumps Team dem Präsidenten sagt, daß das Ganze nicht funktionieren kann. Postol antwortete: „Diese Leute folgen Befehlen, ohne Fragen zu stellen.“ Es folgte noch ein Austausch über den Unterschied zwischen Lyndon LaRouches Entwurf der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) auf der Grundlage von „neuen physikalischen Prinzipien“ ab Ende der 70er Jahre und dem, was aus Präsident Reagans SDI-Programm unter dem Einfluß von LaRouches Gegnern wurde.

Dann sprach Jens Jørgen Nielsen, ehemaliger Moskau-Korrespondent der dänischen Tageszeitung Politiken, Autor mehrerer Bücher über Rußland und die Ukraine sowie Direktor des Russisch-Dänischen Dialogs und Assistenzprofessor für Kommunikation und kulturelle Vielfalt. Nielsen beschäftigte sich mit der von Präsident Trump angestrebten Annexion Grönlands. Er betonte, Grönland habe eine eigene Regierung, und die Grönländer seien sehr besorgt über die Möglichkeit einer amerikanischen Besetzung. Einige Fraktionen dort forderten die sofortige Unabhängigkeit von Dänemark, was würde Trump unter diesen Umständen tun? Für die meisten Dänen und Grönländer sei es keine Erleichterung, daß Trump und NATO-Generalsekretär Rutte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eine Vereinbarung über Grönland trafen, ohne sie zu fragen.

Anschließend wurde ein Ausschnitt aus einem Videointerview mit Alberto Vizcarra eingespielt, einem führenden Mitglied der Nationalen Front zur Rettung der Mexikanischen Landwirtschaft. Vizcarra beschrieb die desolate Lage der mexikanischen Landwirtschaft, deren Exporte aufgrund neoliberaler Wirtschaftspolitik zusammengebrochen sind. Er beschrieb frühere Vorschläge Lyndon LaRouches für Projekte im gemeinsamen Interesse Mexikos und der USA.

Daniel Burke vom Schiller-Institut kündigte eine neue Online-Vortragsreihe für junge Menschen in aller Welt an.1 Die Jugendbewegung sei „unsere entscheidende strategische Flanke“.

Diskussion

Es gab einen weiteren Austausch zwischen Nielsen und Zepp-LaRouche über eine „rechtsbasierte” im Gegensatz zu einer „regelbasierten Ordnung”, wie Nielsen es formulierte. Zepp-LaRouche meinte, „regelbasierte Ordnung” klinge wie etwas Willkürliches. Beide waren sich einig, daß die Aufkündigung von Rüstungskontrollverträgen in Kombination mit der möglichen Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa die ganze Welt in Alarmbereitschaft versetzt.

Ein Teilnehmer fragte, was man gegen die Übergriffe der Einwanderungsbehörde ICE in den USA tun könne; darauf gab es mehrere Antworten. Co-Moderator Dennis Speed bemerkte, Amerika sei seit langem ein Spielball der Geheimdienste, insbesondere der britischen, und die Vorgänge in Minnesota hingen eng mit den katastrophalen Fehlern der US-Außenpolitik zusammen. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, bräuchten wir nicht nur gewaltfreie Aktionen, sondern müßten auch Lösungen bieten. Der andere Co-Moderator Dennis Small erklärte, Einwanderung sei nur deshalb ein so großes Thema, weil die Außenpolitik der USA die Wirtschaft der südlichen Nachbarländer ruiniert und damit Flüchtlingswellen ausgelöst hat.

Der regelmäßige IPC-Teilnehmer John Steinbach merkte an, Atomwaffen seien niemals defensiver Natur, und die Raketenabwehr (ABM-Systeme) diene nur dazu, Vergeltung nach einem Erstschlag zu verhindern.

Zu Grönland sagte Small, die Arktis sei viel mehr als eine militärische Angelegenheit, sie böte eine einmalige Chance für internationale Zusammenarbeit bei der wirtschaftlichen Entwicklung.

Zepp-LaRouche merkte an, die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney in Davos habe viel Lob erhalten, sei aber nur eine verschleierte Wiedergabe der Linie des imperialen Chatham House in London. Immerhin habe er „etwas Offensichtliches gesagt, nämlich daß eine regelbasierte Ordnung ein Betrug ist“. Diejenigen, die ihn loben, hätten jedoch keine Ahnung von Wirtschaft, denn Carney sei der Urheber des „Great Reset“ („Der Große Neustart“), einem Plan für eine grüne Diktatur der Zentralbanken.

In ihren abschließenden Bemerkungen berichtete Zepp-LaRouche über die Arbeit im Anschluß an das jüngste EIR-Seminar „Es ist schlimmer als Sie denken: die strategischen Auswirkungen des Angriffs auf Venezuela und wie man die Welt vor dem Abgrund rettet“2. Die Teilnehmer hätten ein Komitee gebildet, das die Verantwortung für die weltweite Organisation eines neuen Paradigmas übernimmt. Es werde unter dem Motto „Weltbürger, vereinigt euch!“ arbeiten.

eir


Anmerkungen

1. 2026 International Youth Class Series, Internetseite des Schiller-Instituts (englisch).

2. EIR Emergency Roundtable Mobilizes Global Response To ‚Bring the World Back from the Brink‘,
    Internetseite der EIR (englisch).

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