„Das Glas ist halb voll“

Bericht vom 178. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Bei der 178. wöchentlichen Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 30. Oktober sagte Dennis Small vom Iberoamerika-Referat von Executive Intelligence Review zu Beginn: „Das Glas ist halb voll“ – man dürfe nicht nur den gegenwärtigen Zustand betrachten, sondern auch das Geschehen dahinter: Wird das Glas leerer oder voller?

Die vergangene Woche habe faszinierende Entwicklungen gebracht: das Global Governance Forum in China, die Präsidentschaftswahl in Brasilien, das Friedenstreffen in Assisi unter Beteiligung von Papst Leo und den Rußland-Afrika-Gipfel in Moskau. Small kündigte an, daß in der Sitzung Teilnehmer von drei dieser Treffen berichten würden.

Negativ zu vermerken sei, daß die Wahlen in Israel zu keinem eindeutigen Ergebnis führten und Ministerpräsident Netanjahu vorerst im Amt bleibe, was eine Bedrohung für den Weltfrieden darstelle. Und die Trump-Regierung erwäge eine Wiederaufnahme des Krieges gegen den Iran. Rußlands führender Ökonom, Sergei Glasjew, habe in einem aktuellen Interview erklärt: ,Der Krieg in der Ukraine wird enden, wenn die Finanzblase der künstlichen Intelligenz platzt.“

  • In der neuen Stadt Xiong’an in China fand das Global Governance Forum statt, und die IPC-Initiatorin Helga Zepp-LaRouche nahm daran teil (siehe unten).
  • In Brasilien gewann Präsident Lula überraschend die Wiederwahl, was verhindere, daß ganz Iberoamerika unter dem sog. „Schild der Amerikas“ zum Vasallen der Trump-Regierung wird. Der ehemalige Präsident von Guyana, Donald Ramotar, habe zu der Wahl gesagt: „Souveränität macht eben einen Unterschied.“ Nach der Wahl habe sofort ein Finanzkrieg der Londoner City und ihrer Finanz-Satrapen gegen Brasilien begonnen.
  • Papst Leo, der sich noch von seiner Krebsoperation erholt, hat zu dem Treffen in Assisi per Video gesprochen, plant jedoch, seine große Südamerikareise im November wie geplant durchzuführen. In seinen Ausführungen habe er den „Geist von Assisi“ hervorgehoben, wonach es keine religiöse Rechtfertigung für Kriege geben kann.
  • Das Rußland-Afrika-Treffen war der dritte Gipfel dieser Art. Präsident Putin habe dort gewarnt: „Die Westmächte unternehmen einen aggressiven Versuch, die Afrikaner zurück in die finanzielle Knechtschaft zu treiben…“

Die Jugend steht auf

Estevão Damacena von der Jugendbewegung des Schiller-Instituts in Brasilien berichtete: „Lulas Wahlsieg war nicht leicht zu erringen“, und die Massenmobilisierung junger Menschen auf den Straßen sei entscheidend gewesen. Er zeigte ein Foto einer Kundgebung mit einem Plakat: „Wer in einer Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf.“ Damacena las aus der Erklärung der US-Präsidentschaftskandidatin Diane Sare zur brasilianischen Wahl vor und betonte, dieser Sieg „kann eine Botschaft der Hoffnung für die Jugend und die Menschen auf der ganzen Welt sein“.

Jose Vega, unabhängiger US-Kongreßkandidat im New Yorker Stadtteil Bronx, gab einen Überblick über die sozialen Unruhen in aller Welt, darunter den berühmten Fall von „Maricarmen“, der 87jährigen María del Carmen Abascal, die in Spanien gewaltsam aus ihrer Wohnung geworfen wurde, und die Mißbräuche der US-Einwanderungsbehörde ICE in seinem eigenen Wahlbezirk.

Er plädierte dafür, daß die USA den BRICS beitreten, um gemeinsam mit dem Globalen Süden die Lösungen umzusetzen, für die sich die LaRouche-Bewegung seit langem einsetzt. Er hob die Bedeutung der aktuellen Wahlen in aller Welt hervor, darunter auch seine Kandidatur.

Martin Kaptein, ein junger, in Deutschland und international tätiger klassischer Pianist und Musikpädagoge, sprach über China, das er diesen Sommer besucht hat, um Konzerte zu organisieren. Er habe sich selbst für belesen und sachkundig über China gehalten, aber das sei nichts gewesen im Vergleich zu dem, was er dort vorfand. Neben den spektakulären Errungenschaften in Infrastruktur und Stadtplanung beeindruckten ihn besonders die kulturelle Einstellung der Chinesen, ihr Sinn für soziale Verantwortung und ihre Wertschätzung der Künste. Das Klavier, sein Instrument, werde in China hoch geschätzt, und der Kultur im allgemeinen werde große Bedeutung beigemessen. Anschließend ging er näher auf Friedrich Schillers Ideen zum Schönen und deren Bedeutung für den Fortschritt der Menschheit ein.

Sébastien Drochon ist Aktivist der französischen Partei Solidarité et Progrès. Er erklärte, Frankreich stehe derzeit im Epizentrum der Weltkrise. Es habe eine lange Geschichte von Gewaltausbrüchen in Zeiten politischer Krisen; heute gehe die Polizei gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor. Die Ursache der gegenwärtigen Krise sei die zusammenbrechende Wirtschaft. Solidarité et Progrès interveniere in die Demonstrationen, setze sich für Gewaltfreiheit ein und werbe für Lösungen für den wirtschaftlichen Zusammenbruch. „Die wahren Plünderer und Randalierer sind die Großbanken“, sagte er.

Claudio Celani ist Mitherausgeber des EIR Strategic Alert Service. Er berichtete, daß in seinem Heimatland Italien gerade ein Generalstreik stattfindet, bei dem eine Million Menschen auf die Straße gingen. Dies wurde durch die Proteste in Frankreich inspiriert und begann mit einer Mobilisierung von Bauern, Fischern und Lkw-Fahrern in Süditalien wegen der steigenden Kraftstoffpreise. Er hatte an der Konferenz „Ein unbewaffneter und entwaffnender Frieden“ in Assisi teilgenommen und beschrieb, wie Kardinal Matteo Zuppi dort gegen europäische Regierungen polemisierte, die Stellvertreterkriege befürworten. Kardinal Zuppi habe gewarnt, ein vorherrschender Strudel treibe die Welt in Aufrüstung und Krieg, und diese falsche Realität führe in einen Abgrund der Gewalt. Sein Kollege Christophe Lavernhe vom Schiller-Institut berichtete, wie sie Material des Schiller-Instituts an die Konferenzteilnehmer verteilten. Er gab einen Überblick über die Konferenz und sprach über katholische Friedensaktivisten in der Geschichte und über das Erbe des Westfälischen Friedens von 1648.

Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin des Schiller-Instituts und IPC-Initiatorin, sandte einen Videobericht über ihre Teilnahme am Global Governance Forum in China. Die Stimmung auf dieser Konferenz, die von Präsident Xis Vorschlägen für eine Weltordnung harmonischer Zusammenarbeit zwischen souveränen Nationen geprägt war, sei „unglaublich optimistisch“ gewesen. Die Konferenz fand in der neuen Stadt Xiong‘an in der Nähe von Beijing statt, einer beeindruckenden „Smart City“, die erst in den letzten neun Jahren gebaut wurde.

Diskussion

Ein Teilnehmer fragte, was man tun könne, um zu verhindern, daß Präsident Trump seinen Krieg gegen den Iran vor einem möglichen Dreiertreffen mit Putin und Xi auf dem APEC-Gipfel im November wieder aufnimmt. Small antwortete, derzeit scheine ein solcher Dreiergipfel sehr wahrscheinlich, und wir müßten die entstehenden neuen Strukturen, die einen umfassenden Paradigmenwechsel begünstigen, energisch fördern, im Einklang mit Zepp-LaRouches Vorschlägen für eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur.

Small schloß mit der Warnung, die Unruhen, die man mit den Demonstrationen auf der ganzen Welt sehe, seien allein nicht ausreichend, um die Gefahr eines Weltkriegs abzuwenden: „Unruhen allein schaffen noch kein neues Paradigma.“ Nur Ideen könnten dafür sorgen, daß das Glas gefüllt und nicht geleert wird.

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