Top Left Link Buttons
  • en
  • de
  • fr

Helga Zepp-LaRouche

Präsidentin des Schiller-Instituts


 

Audio (mp3):

 

herunterladen

 


Die Menschheit steht vor einer großartigen Zukunft – wenn wir dem Schicksal der Dinosaurier entgehen!

Verehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste, liebe Freunde des Schiller-Instituts, ich denke, wir alle sind zu dieser Konferenz gekommen, weil jeder in diesem Raum weiß, daß wir eine beispiellose systemische und existentielle Krise der Zivilisation erleben. Wir erleben eine Kriegsgefahr, da die NATO Rußland in äußerst aggressiver Weise gegenübertritt, was zu einem Dritten Weltkrieg führen kann. Es gibt eine Konfrontation der USA gegen China im Südchinesischen Meer. Es gibt die Gefahr einer neuen Finanzkrise wie 2008, die das Finanzsystem sprengen könnte. Und natürlich war da auch vor zwei Tagen der Brexit – Großbritannien stimmte für den Austritt aus der Europäischen Union. Und wir alle wissen, daß dies kein Votum gegen Europa an sich war, sondern ein Votum gegen ein vollkommen ungerechtes System und eine korrupte Elite.

Diese Konferenz hat ein übergreifendes Thema, und das ist, Lösungen für diese Krisen zu finden, darüber zu diskutieren, was das neue Paradigma sein soll, und ob die Menschheit in der Lage ist, eine solche existentielle Krise zu meistern.

Wir haben hier hervorragende Redner aus vier Kontinenten und vielen, vielen Ländern, die offensichtlich alle zu den Menschen gehören, die fest entschlossen sind, Lösungen zu finden.

Und bevor ich auf diese verschiedenen tödlichen Gefahren näher eingehe, sage ich: Die Lösung ist einfach. Seien Sie also ruhig und gefaßt. Wenn die Menschheit sich auf einen guten Plan einigt und in Solidarität mutig handelt, dann kann jede Krise der menschlichen Zivilisation überwunden werden, denn das ist die Natur des Menschen: Wenn wir durch ein großes Übel herausgefordert werden, dann wird eine noch größere Kraft des Guten in unserer Seele wachgerufen.

Betrachten wir nun die Lage. Am Donnerstag hat Großbritannien mit 52% dafür gestimmt, die EU zu verlassen. Unmittelbar danach, in den Morgenstunden des Freitag, gab es einen Absturz auf den Finanzmärkten, fünf Billionen Pfund wurden vernichtet. Es hätte ein Schwarzer Freitag werden können. Die Turbulenzen gehen weiter.

Einige Leute sind nun völlig bestürzt und fragen: „Wie konnten wir uns so irren? Noch bis Mitternacht sagten uns die Buchmacher das Gegenteil, daß alles gut verlaufen würde. Wie konnten die uns so auf dem falschen Fuß erwischen?“

Nun, ich werde darüber noch sprechen, aber lassen Sie mich vorausschicken, daß dieser Brexit vielleicht doch ein Segen ist. Denn er ist ein Votum gegen eine supranationale Bürokratie, eine seelenlose Brüsseler Diktatur. Er ist ein Votum gegen den Raub der nationalen Souveränität, gegen eine völlig herzlose Europäische Kommission, die vollkommen entfremdet ist von den Menschen in Europa, einer Europäischen Union, die niemandem nützt, die keine humanitären Werte kennt. Der Brexit schafft nun die Gelegenheit, ein ganz neues Europa aufzubauen.

Ich erinnere mich, daß ich bei einer Konferenz des Schiller-Instituts 2003 – das war an dem Tag, als der Irakkrieg begann – meiner Rede die Bemerkung vorausschickte: „Sind diese Leute verrückt? Wissen sie nicht, daß man, wenn man auf der Grundlage von Lügen Krieg gegen ein Land anfängt, die Erinnyen, die [Rache-]Göttinnen des Naturrechts, herausfordert? Selbst wenn die vielleicht nicht sofort eingreifen, es existiert eine höhere Gerechtigkeit, die die Dinge korrigiert.“ Und ich sehe eine Art historische Ironie in dem Zusammenhang zwischen dem Votum der Briten gegen die EU-Mitgliedschaft und dem illegalen Krieg gegen den Irak. Vergessen Sie nicht, daß dieser Irakkrieg eine der Ursachen der Flüchtlingskrise war, eine der Ursachen, warum Europa heute in so großen Schwierigkeiten ist. Und nun beschließt ausgerechnet die britische Bevölkerung etwas, was das Ende des Britischen Empire bedeuten und dazu führen kann, daß aus Großbritannien ein sehr kleines Britannien wird, wenn nämlich Schottland und [Nord-]Irland [aus dem Vereinigten Königreich] austreten. Ich denke, das ist eine höhere Gerechtigkeit und der Beweis, daß die Nemesis eine Kraft in der Geschichte ist.

Die Bedrohungen

Lassen Sie mich auf die zugrundeliegende Gefahr eingehen, die durch den Brexit zwar nicht beseitigt wird, der aber, wie ich schon sagte, neue Öffnungen schafft, um eine Lösung zu finden.

Wir sitzen auf einem Pulverfaß, und jede der verschiedenen aktuellen strategischen Krisen könnte einen thermonuklearen Krieg auslösen. Es gibt Menschen – nicht viele, aber wenigstens einige, vor allem Militärexperten -, die sagen, daß wir jetzt in einer Lage sind, die gefährlicher ist als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Das war natürlich die Kubakrise. Danach bestand die Kriegsgefahr aus verschiedenen Gründen noch lange weiter. Aber erst in den letzten Tagen sprechen die Menschen plötzlich darüber. [Außenminister] Steinmeier bezeichnete die NATO-Manöver im Baltikum als Kriegsgeheul und Säbelrasseln. Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz und entschiedener Atlantiker, sagt, daß die Gefahr einer Eskalation zu einer militärischen Konfrontation besteht. Die NATO müsse sich mäßigen – wohlgemerkt, die NATO.

Gernot Erler, der Koordinator der deutschen Rußlandpolitik, sagt, die NATO eskaliere die Lage bis hin zu einem Krieg, das müsse aufhören. Professor Stephen Cohen von der Universität New York nennt die Vereinigten Staaten die größte Bedrohung für die Welt, und wenn die Regierung Obama das tun würde, was die 51 Dissidenten im US-Außenministerium gerade in ihrem Offenen Brief an Obama gefordert haben – nämlich, Assad zu stürzen -, dann würde ISIS innerhalb kurzer Zeit in Damaskus herrschen und die USA befänden sich in einem Krieg mit Syrien, dem Iran und Rußland.

Bis zum NATO-Gipfel in Warschau im Juli gibt es fünf NATO-Manöver an der russischen Grenze in Polen und den baltischen Staaten, an denen etwa 50-60.000 Soldaten beteiligt sind. Gleichzeitig verlegen die Vereinigten Staaten Flugzeugträger-Kampfgruppen ins Mittelmeer, Kriegsschiffe der Aegis-Klasse ins Schwarze Meer, andere Kriegsschiffe in die Ostsee. Nach dem Warschauer Gipfel werden vier Bataillone in den baltischen Staaten stationiert. Es ist ein voller Rüstungswettlauf im Gang, auf beiden Seiten werden die gesamten Kernwaffenarsenale modernisiert.

Die gleiche Dynamik vollzieht sich, mit anderen Prädikaten, am Südchinesischen Meer zwischen den Vereinigten Staaten und China. Es gab keine Probleme im Südchinesischen Meer, bis die [letzte] Regierung der Philippinen auf Druck der Vereinigten Staaten unter völliger Mißachtung des Völkerrechts den Territorialstreit vor den Schiedshof in Den Haag brachte. Die Vereinigten Staaten verletzen unter dem Vorwand der Freiheit der Meere mit ihren Schiffsoperationen ständig die Zwölfmeilenzone und überfliegen chinesische Inseln und Riffe. Die Propagandalinie lautet in beiden Fällen, im Konflikt mit Rußland und mit China, gleich: Rußland habe illegal die Krim annektiert und China habe sich im Südchinesischen Meer aggressiv Land angeeignet, und alle Schritte der Vereinigten Staaten und der NATO seien bloß Reaktionen auf das aggressive Verhalten Rußlands und Chinas.

Aber das ist reine Lüge. Die Frage, von der man ausgehen muß, ist die: Wie kommt es, daß wir 71 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Welt in Ruinen lag, feierlich gelobten: „Nie wieder Völkermord, nie wieder Krieg“, und 25 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion heute am Rande des Dritten Weltkrieges stehen?

Es sind jetzt neue Transkripte zugänglich, aus denen klar ersichtlich ist, daß es in der Zeit zwischen 1989 und 1991 eine ganze Reihe von Treffen gab, in denen die Vereinigten Staaten der Sowjetunion versprochen haben, daß die NATO nicht bis an die Grenzen Rußlands erweitert werden würde. Am 9. Februar 1990 sagte der damalige amerikanische Außenminister James Baker, wenn Deutschland als Teil des Westens wiedervereinigt werde und der NATO beitrete, dann gäben die Vereinigten Staaten „eine unantastbare Garantie, daß die NATO nicht einen Zoll weit ostwärts expandieren wird“.1

Das war ein entscheidendes Element, warum der sowjetische Präsident Gorbatschow den Vereinigungsgesprächen zugestimmt hat. Es wurde zwar kein formelles Abkommen darüber geschlossen, aber viele Zeitzeugen, wie der frühere US-Botschafter in Moskau Jack Matlock und andere, haben erklärt, daß Baker am 18. Mai 1990 das Versprechen gab, daß die USA mit der Sowjetunion beim Aufbau eines neuen Europa kooperieren werden. Im Juni 1990 versprach [US-Präsident G.] Bush der sowjetischen Führung, daß die USA auf ein inklusives Europa hinarbeiten würden.

Heute ist klar, daß die Neokonservativen in den Vereinigten Staaten, schon während dieses Versprechen gegeben wurde, am PNAC-Projekt arbeiteten; die Doktrin dieses „Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert“ besagt, daß die Vereinigten Staaten nun, nach dem Zerfall der Sowjetunion, auf einer „unipolaren“ Welt bestehen werden, d.h. daß sie keiner anderen Nation oder Gruppe von Nationen jemals erlauben werden, die Macht der Vereinigten Staaten wirtschaftlich oder politisch zu überflügeln.

Schon ab Mitte der 90er Jahre wurden osteuropäische Länder, frühere Mitgliedstaaten des Warschauer Paktes, in die NATO hereingeholt: Polen, Ungarn, die Tschechische Republik, die baltischen Staaten und andere. Jelzin, Medwedjew und Gorbatschow protestierten dagegen, sowohl privat als auch öffentlich. Die Vereinigten Staaten verletzten die Vereinbarung, nicht zu expandieren und sich nach Osten auszuweiten. Sie setzten auf Regimewechsel. [Staatssekretärin] Victoria Nuland hat öffentlich zugegeben, daß das US-Außenministerium allein für die Farbenrevolution in der Ukraine 5 Milliarden Dollar ausgegeben hat. Und der kürzlich verstorbene frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte, eigentlich habe die Krise in der Ukraine schon mit dem Maastricht-Abkommen begonnen, weil sich die EU in diesem Moment in ein Empire verwandelte, mit der Idee, immer weitere Mitglieder aufzunehmen. Und die Osterweiterung der EU erfolgte parallel zur Osterweiterung der NATO.

Was die Krise in der Ukraine auslöste und damit auch die Krise mit Rußland (die schwelte zwar schon vorher, aber dann brach sie auch ganz formell aus) war, daß die EU Ende 2013 beim Gipfel in Vilnius ihr Projekt der Östlichen Partnerschaft vorantreiben und die Ukraine mit der EU assoziieren wollte. Da erkannte der ukrainische Präsident Janukowitsch im letzten Moment, daß dies der NATO Zugang zur Ukraine verschafft und Rußland für alle Produkte

der EU geöffnet hätte, was für die russische Wirtschaft ruinös gewesen wäre. Deshalb sprang er im letzten Moment ab, und dann wurden die NGOs aktiviert, die vom US-Außenministerium finanziert werden, darunter auch Nazis in der Tradition von Stepan Bandera.

Das führte dann zum Putsch vom 22. Februar 2014 und in der Folge zum Referendum auf der Krim. Das war keine Annexion durch Rußland, es war ein Referendum der Mehrheit der Menschen auf der Krim als Reaktion auf den faschistischen Putsch in Kiew. Das muß man klarstellen, denn wenn man diese Chronologie nicht sieht, dann ist man in der Kriegspropaganda gefangen, die zum Dritten Weltkrieg führt.

Seit einigen Jahren hat sich die NATO-Doktrin verändert, weg von der „gegenseitig garantierten Zerstörung“ (Mutually Assured Destruction, MAD) – das war die Idee, daß niemand Kernwaffen einsetzen konnte, weil das zur Vernichtung der Menschheit führen würde – hin zur utopischen Idee eines gewinnbaren, begrenzten Nuklearkrieges. Das ist die Grundlage für die NATO-Doktrin „Prompt Global Strike“. Das ist die Logik hinter der Schaffung des weltweiten amerikanischen Raketenabwehrsystems. Daß dieses System nicht die Aufgabe hat, iranische Raketen zu bekämpfen, sollte spätestens seit dem erfolgreichen Abschluß des P5+1-Abkommens mit dem Iran klar sein.

Die Idee eines gewinnbaren Erstschlags ist auch die Logik hinter der Air-Sea-Battle-Doktrin gegen China.

Derselbe Obama, der 2009 der Welt versprochen hatte, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen, hat tausend Milliarden Dollar für die Modernisierung aller Nukleararsenale zugesagt. Darunter sind die B61-12-Bomben, von denen vermutlich 200 Stück in europäischen Ländern stationiert sind. Die Idee ist, daß diese modernisierten taktischen Nuklearwaffen einsetzbarer werden sollen, indem man sie auf Stealth-Bomber laden und die Luftverteidigung des Gegners durchbrechen kann. Das gilt auch für die Long-Range-Stand-Off-Waffen (LRSW-Marschflugkörper). Senatorin Dianne Feinstein und die Unterstaatssekretärin für Abrüstung und internationale Sicherheit schrieben vor einigen Wochen in einem Offenen Brief in der New York Times, diese Waffen sollten nicht gebaut werden, weil dies Teil der Vorbereitung eines Angriffskrieges ist, was vom Nürnberger Tribunal zum größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit überhaupt erklärt wurde.

Das ist also die Lage. Und es macht mich wütend, daß wir eine Lage haben, die aus verschiedenen Gründen gefährlicher ist als die Krise um die Raketen auf Kuba im Kalten Krieg – weil es um thermonukleare Waffen geht, weil der Verhaltenskodex zwischen der NATO und dem Osten zusammengebrochen ist und es kein „Rotes Telefon“ mehr zwischen Obama und Putin gibt -, und die Öffentlichkeit schläft! Die Menschen schlafwandeln wieder in einen Weltkrieg, wie schon in den Ersten Weltkrieg. Und eine der Aufgaben dieser Konferenz ist es, das zu ändern und eine öffentliche Debatte darüber in Gang zu bringen, daß wir [die Bevölkerung] so etwas nicht wollen.

Deshalb fordere ich zusammen mit Kollegen in anderen Ländern: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, aus der NATO auszutreten. Ich habe das früher nicht getan, trotz aller Kritik an der NATO, aber wenn die klare Gefahr besteht, daß die Fortsetzung der jetzigen Politik der NATO zur Auslöschung der Menschheit führen könnte, dann kann es, denke ich, darauf nur eine Antwort geben: Geht heraus aus einer Organisation, die an der kriminellen Vorbereitung eines Weltkrieges beteiligt ist! (Applaus.)

Es gibt noch eine zweite existentielle Krise, wie wir alle wissen: die akute Möglichkeit eines Krachs des transatlantischen Finanzsystems. Wells Fargo, Bank of America und andere sind beteiligt an den gleichen Geschäften wie 2008, indem sie nachrangige Hypothekenkredite vergeben. Die „Too-big-to-fail“-Banken haben allesamt gigantische Kreditblasen bei Schieferöl und -gas. Sie haben auch in anderen Bereichen Blasen – Automobile z.B. Der einzige Unterschied zu 2008 ist, daß die Zentralbanken alle ihre Instrumente aufgebraucht haben. Senkung der Zinsraten? Man könnte die negativen Zinsen noch weiter senken. Man

kann die Menschen zwingen, 10% zu bezahlen, wenn sie ihr Geld auf die Bank bringen, wir sind schon fast soweit. Deshalb zahlen die Commerzbank und viele Unternehmen ihr Geld schon nicht mehr bei der Zentralbank ein, sondern lagern es unter ihren Matratzen oder in ihren Tresoren oder sonstwo. Dazu kommt die Idee des Helikoptergeldes. Die Federal Reserve, die EZB und die Bank von England arbeiten rund um die Uhr daran, zu entscheiden, wieviel Helikoptergeld sie drucken müssen, um den Kollaps des Systems zu verhindern.

Das ist das Ende der Fahnenstange, und man muß wirklich die Tatsache begreifen, daß dieses System absolut am Ende ist.

Die Neue Seidenstraße

Nun, das ist, wie ich gesagt habe, noch kein Grund zur Verzweiflung, denn der Brexit eröffnet eine Chance, daß wir uns einem ganz neuen strategischen System anschließen. Seit 2013, als Präsident Xi Jinping die Neue Seidenstraße ankündigte, wirbt das Schiller-Institut dafür, daß aus diesem Ansatz ein globales Programm zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft werden muß, und wir veröffentlichten eine Studie mit dem Titel „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“.

Betrachten Sie nur, was seit der Ankündigung der Neuen Seidenstraße geschehen ist: In weniger als drei Jahren hat dieses System eine enorme Dynamik entwickelt. Schon jetzt sind mehr als 70 Länder an der AIIB [Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank] beteiligt, einem Bankensystem, das mit der Neuen Seidenstraße zusammenhängt. Man geht davon aus, daß sich bis Ende des Jahres hundert Länder dem neuen System angeschlossen haben werden. Schon jetzt sind 18 Länder Teil der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), die sich mit den BRICS und der Seidenstraße überschneidet. Es gibt neue Bankensysteme wie die AIIB, die Neue Entwicklungsbank, die Bank der Shanghaier Kooperation, den Fonds für die Maritime Seidenstraße, den Seidenstraßen-Fonds, die SAARC-Bank, das ist die Bank der Südasiatischen Vereinigung für regionale Kooperation.

Und die Seidenstraße macht schnelle Fortschritte. Es gibt jetzt sieben oder acht neue Zugverbindungen zwischen China und Europa, von Chengdu, Xi’an, Chonking, Yiwu, Lianyungang zu Städten wie Madrid, Lyon, Herne, Duisburg, Hamburg und Rotterdam, und die Liste wächst. Präsident Xi Jinping war in der Tschechischen Republik, in Polen, in Serbien, in Deutschland, Frankreich und anderswo, und überall entwickelt die Idee einer Kooperation Chinas mit diesen Ländern an der Seidenstraße eine mächtige Dynamik. Der Schweizer Präsident besuchte China, Österreich will ein Knotenpunkt der Neuen Seidenstraße werden. Griechenland schließt sich der Maritimen Seidenstraße an: China baut den Hafen Piräus aus, und nun baut China auch eine Bahnverbindung zwischen Budapest und Belgrad, die letztlich nach Piräus zur Maritimen Seidenstraße verlängert werden soll, um noch mehr Waren darüber zu transportieren.

Der indische Präsident Mukherjee war in China und hat dort sehr mutig über die strategische Partnerschaft zwischen Indien und China gesprochen. Sie können also all das Gerede über große Spannungen zwischen Indien und China vergessen, das ist alles westliche Propaganda. Präsident Xi Jinping war im Iran und hat dort vereinbart, die Seidenstraße von China in den Iran zu bauen. Kurz danach war [Indiens] Premierminister Modi zusammen mit dem afghanischen Präsidenten Ghani im Iran, und sie sprachen nicht nur darüber, daß der Hafen Tschabahar ausgebaut wird, der zu einem wesentlichen Element der Seidenstraße werden und diese letztendlich mit Indien verbinden soll, sondern auch, daß Afghanistan der Knotenpunkt für den Bau der Seidenstraße zwischen China und Europa werden will, um auf diese Weise Afghanistan wiederaufzubauen.

Xi Jinping bot schon 2013 allen Ländern der Welt an, sich der „Win-Win-Kooperation“ anzuschließen. Und Präsident Putin hat schon oft die Integration Eurasiens vom Atlantik bis zum Pazifik, von Wladiwostok bis Lissabon, angeboten.

Welches Europa brauchen wir?

Nun, wie müssen wir diese Lage betrachten, und wie soll es weitergehen? Welchen Geist und welche historischen Vorbilder brauchen wir, damit es möglich wird, daß die europäischen Nationen ein Bündnis mit der Eurasischen Wirtschaftsunion und dem Seidenstraßenplan „Ein Gürtel, eine Straße“ eingehen und in eine neue Geometrie eintreten?

Als erstes muß man von der Erkenntnis ausgehen, daß sich die EU weit von Adenauers und de Gaulles ursprünglichem Konzept einer politischen Union von Nationalstaaten (wie dies im ursprünglichen Elysée-Vertrag zum Ausdruck kam, der leider durch eine Präambel verfälscht wurde) wegentwickelt hat und jetzt eine EU der Verträge von Maastricht und Lissabon ist. Und dieses Modell ist jetzt am Ende.

Es ist gescheitert. Man muß nur das empörende Verhalten der Troika gegenüber Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern betrachten, aber vor allem, wenn man sieht, wie die EU mit der Flüchtlingskrise umgegangen ist, dann sieht man den völligen moralischen Bankrott von Brüssel. Schengen gibt es nicht mehr, es ist vorbei! Wenn es Stacheldrahtzäune um die Grenzen der Balkanstaaten gibt, dann gibt es kein offenes Reisen in Europa mehr. Es gibt keine Einheit in der Europäischen Union, keine Solidarität, keine Lösungen und keine Visionen.

Das Abkommen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan – daß man dem Mann, der bis zum heutigen Tage ISIS finanziert, 6 Mrd. Euro gibt, damit er die Menschen in Lagern festhält, um sie aufzuhalten, und das ohne Garantien für die Rechte dieser Flüchtlinge, das ist absolut empörend und eine Verletzung ihrer Menschenrechte. (Applaus.) Die Ärzte ohne Grenzen haben vollkommen recht, wenn sie jetzt wegen dieses Verhaltens kein Geld mehr von der EU annehmen.

Das Aufkommen rechter Populisten bis hin zu den offen faschistischen Organisationen in Europa ist das Resultat des Versagens der europäischen Eliten und ihrer Unterwerfung unter die Diktatur der EU.

Ambrose Evans-Pritchard, ein Sprachrohr des MI5 beim Daily Telegraph, schrieb vor einiger Zeit, diese Brüsseler EU setze die britische Politik exakt um. Was man mit der EU sieht, sei genau das, was Churchill immer wollte. Er wollte ein geeintes Europa, aber eines, in dem die Briten außerhalb stehen, damit sie von außen manipulieren können, um dann auf der Grundlage der Sonderbeziehung der Anglo-Amerikaner die Welt zu regieren.

Im Sommer 1962, nachdem Adenauer Frankreich besucht hatte und nach dem phantastischen Besuch de Gaulles in Deutschland, wo er mit enormer Liebe und Bewunderung begrüßt wurde, schlugen sie eine Union ohne Großbritannien vor. De Gaulle fragte damals Adenauer: „Sind Sie bereit, mit Frankreich zusammenzuarbeiten, wenn es sein muß, nur unsere beiden Länder?“ Und Adenauer antwortete mit einem klaren „Ja“. Diese Union war das eigentliche Ziel des Elysée-Vertrags vom 22. Juni 1963, und davor des Fouchetplans. Aber leider verloren de Gaulle und Adenauer den Kampf gegen die Atlantiker im Deutschen Bundestag, und die Gaullisten wurden überstimmt. Adenauer war damals schon geschwächt, weil Ludwig Erhard bereits sein designierter Nachfolger war.

Am 16. Mai 1963 wurde dann eine Präambel durchgesetzt, die die folgenden Elemente hatte: eine enge Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten, eine gemeinsame Verteidigung in der NATO, Großbritanniens Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, ein Freihandelsabkommen (GATT). Die Atlantiker setzte sich also durch, und das war die verpaßte Chance Europas, die dann zur gegenwärtigen Krise führte.

Das führte auf einen steinigen Weg, aber es ist sehr klar, daß Europa Formen finden muß, wie es zusammenarbeiten kann. Und offensichtlich sind London und die Wall Street, die schon immer eine britische Dependence war, absolut gegen eine solche Lösung.

Es gab einen sehr interessanten Artikel des früheren Bildungsministers unter [Bundeskanzler] Brandt von 1972-74, Klaus von Dohnanyi, der am 17. Mai in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien; darin schreibt er über genau diese Zusammenarbeit zwischen Adenauer und de Gaulle und die Tatsache, daß die ursprüngliche Europäische Wirtschaftsgemeinschaft ohne Großbritannien bestand, ohne klare Integration in die NATO-Strukturen, und daß die Europäische Kommission und das Europäische Parlament im Grunde auch keine wirklichen Befugnisse hatten.2

Es war die Idee eines Europas der Vaterländer, das waren Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande und Luxemburg, und im Grunde wollte de Gaulle diese europäische politische Union souveräner Staaten, und er war sowieso darüber besorgt, daß die Vereinigten Staaten im Fall einer schweren Krise nur ihre eigenen Interessen verfolgen würden.

Klaus von Dohnanyi schreibt in seinem Papier, wie er als Leiter einer NATO-Übung erlebte, daß die Vereinigten Staaten, als die ersten sowjetischen Truppen auf deutsches Territorium vordrangen, ohne vorherige Warnung taktische Nuklearwaffen auf deutschem Boden einsetzten. Das war übrigens die Lage in der gesamten Zeit des Kalten Krieges, und jeder, der sich damit befaßt hat, weiß das. Und es ist im wesentlichen auch heute noch so.

Aber schon 1950 sagte Adenauer in einem berühmten Interview mit Kingsbury Smith, eine Union zwischen Frankreich und Deutschland würde einem schwerkranken Europa neues Leben und einen kraftvollen Auftrieb geben. Dohnanyi sagt, daß sogar Helmut Schmidt, der die Präambel anfangs unterstützte, 1983 erkannte, daß sie ein großer Fehler war, und daß es ohne das Bündnis von Deutschland und Frankreich keinen Fortschritt in Europa geben könne.

Kann die deutsche Regierung angesichts der völlig verpfuschten Lage heute eine solche Initiative ergreifen? Dohnanyi sagt, ja, aber die Debatte muß aus der Gesellschaft und aus den Parteien kommen. Das deutsch-französische Bündnis bleibt Europas Schicksal, und der einzige Weg, die pessimistische Stimmung in Europa zu überwinden, ist es, sich wieder auf diese beiden mutigsten Männer nach 1945 zu beziehen, de Gaulle und Adenauer.

Es mag ein Zufall sein, aber Steinmeier lud die sechs Gründungsmitglieder zu einem Gipfeltreffen in Deutschland ein: Deutschland ist schon da, Frankreich, Italien und die Benelux-Länder. Sie sagen, das sei ohnehin schon lange so geplant gewesen, dennoch halte ich das für sehr interessant.

Die höhere Ebene des Denkens bei Kues

Schauen wir uns vor diesem historischen Hintergrund die epistemologische Grundlage für ein neues Paradigma an. Wie erreichen wir, daß die Gesellschaft sich den gemeinsamen Zielen der Menschheit anschließt – daß sie bereit ist, die Geopolitik zu überwinden und sich einer globalen Entwicklungspartnerschaft anzuschließen?

Wer hat recht? Sind es die Leute, die sagen, daß es immer geopolitische Konflikte geben wird, daß man mit Chauvinismus gegenüber anderen Ländern, mit Xenophobie gegen andere Nationen oder sogar mit Haß auf andere ethnische Gruppen leben muß? Nun, ich sage Ihnen: das Problem ist, daß diese Leute auf einer niedrigen Ebene denken, nämlich der Ebene der Sinneswahrnehmungen, der aristotelischen Logik und Widersprüche.

Um die Menschheit zu retten, ist eine ganz andere Ebene des Denkens notwendig, und hierzu möchte ich mich Nikolaus von Kues zuwenden, dem wahrscheinlich leidenschaftlichsten Befürworter der Völkerverständigung, als Ausdruck der Beziehungen zwischen dem Einen und den Vielen, womit er eine revolutionäre neue Denkmethode entwickelte, die er als concordantia oppositorum bezeichnete. Für Nikolaus von Kues haben die Nationen, die durch ihre Sprachen gekennzeichnet sind, natürliche und unveräußerliche Rechte, denn sie sind legitime Nationen, aber sie sind auch geeint durch das, was er als den spiritus universorum bezeichnete, den universellen Geist, worüber er in De Docta Ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) spricht. Dieser Geist wirkt im gesamten Universum. Nationen sind Ausdruck

der Vielfalt und der Besonderheiten, aber ihre Einheit existiert vor ihrer Vielfalt. Das finden wir auch bei Konfuzius, der sagt, in der Vielfalt liegt Einheit.

Nikolaus sagt, das ganze Universum geht allen anderen Dingen voraus, als vollkommenste Ordnung der Dinge, die vor allem anderen kommt, damit alles in allem existieren kann (quod libet in quo libet). Das bedeutet konkret, daß jede Nation in eine höhere, inklusive Ordnung eingebunden werden kann, ohne ihre besonderen Eigenschaften zu verlieren, weil diese Einheit schon vor der Vielfalt existierte.

Für Nikolaus gibt es nur die eine Menschheit, alle nationalen Ausdrucksformen sind von geringerer Bedeutung. In einer berühmten Predigt sagte er: Der hellhäutige Deutsche und der dunkelhäutige Äthiopier sind gleichermaßen Menschen.

Und es ist nicht so, daß Nikolaus gar keine anderen Nationen gekannt hätte, denn er besuchte fast alle Länder Europas, er reiste nach Konstantinopel. Als aber Mehmet II. 1453 Konstantinopel eroberte und die Menschen dies als einen schrecklichen Kampf der Kulturen erlebten, reagierte er darauf mit einem wunderschönen ökumenischen Dialog, De Pace Fidei (Über den Frieden im Glauben), dessen Kernidee die ist, daß alle Religionsführer und alle Philosophen aller Nationen zustimmen können, daß es nur eine Wahrheit gibt, nur einen Gott, eine Religion, oder, wie Konfuzius gesagt hätte, „eine Harmonie“.

„Die Konkordanz ist die höchste Form der Wahrheit“, sagt Nikolaus in der Concordantia Catholica (Die katholische Konkordanz). Eine Verständigung zwischen den verschiedenen Nationen und Religionen ist möglich, weil sie alle universelle Entdeckungen machen können, die alle anderen nachvollziehen und erkennen können.

In Idiota de staticis experimentis (Der Laie und das Experiment mit der Waage) sagt er: Alle Entdeckungen, die in einem Land gemacht werden, müssen sofort der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden, damit alle anderen Zugang zu dem erhalten, was bisher noch verborgen ist.

Nikolaus brach bewußt mit den Axiomen und den verbreiteten Annahmen des Mittelalters, mit dem, was an den Universitäten und in den gebildeten Eliten gelehrt wurde, der Scholastik und den Peripatetikern, den Leuten, die nur an Logik und Widersprüche glauben.

Nikolaus sah in der Ebene der Sinne und des Verstandes nur ein Werkzeug, um die Dinge einzuordnen. Aber auf dieser Ebene wird niemals irgend etwas geschaffen werden. Die Schaffung von Neuem ist nur auf der Ebene der Vernunft möglich, dem Denken von oben, dem Denken auf der höheren Ebene, auf der die Widersprüche der niedrigeren Ebene aufgelöst sind. Im menschlichen Geist liegt ein unzerstörbares Vorwissen, denn wenn wir dieses nicht hätten, sagt er, würde niemand jemals versuchen, etwas zu finden, und wenn wir etwas fänden, wüßten wir nicht, daß es das ist, wonach wir gesucht haben. Denn dieses Vorwissen ist nicht das Resultat von Deduktionen, sondern eigentlich eine Form der Intuition, der Vorahnung, und sie führt die Kreativität zur Entdeckung wahrhaft universeller Prinzipien in der Wissenschaft und in der klassischen Kunst.

Alle Menschen haben eine natürliche Veranlagung, und in den meisten Kulturen gibt es Lehren, wie man diese Ebene der Kreativität und der Vernunft erreichen kann, und wie man die Barbarei der ungezähmten Leidenschaften und des logischen Denkens überwinden kann. Bei Konfuzius gibt es die Forderung nach ständigem Lernen und Selbstvervollkommnung: Jeder Mensch soll danach streben, ein Junzi zu werden, eine edler Mensch, der sich dem Gemeinwohl widmet.

Im europäischen Humanismus hat meiner Meinung nach Schiller das grundlegendste und inspirierendste Programm zur Vervollkommnung der Menschheit durch ästhetische Erziehung. Er will die Emotionen erziehen, um sie auf die Ebene der Vernunft anzuheben, damit letztendlich jeder Mensch eine schöne Seele werden kann, für die Freiheit und Notwendigkeit, Pflicht und Neigung ein und dasselbe sind. Für Schiller umfaßt die Universalgeschichte die gesamte Menschheit. Die Fackel der Kultur und des qualitativen Fortschritts wird mal von dieser, mal von jener Kultur getragen, aber sie alle haben das

Potential zur Entwicklung, einen allgemeinen Zustand des Weltbürgertums zu erreichen, in dem alle ursprünglichen Potentiale der menschlichen Gattung entwickelt sind.

Schiller sagt: „Die Schranken sind durchbrochen, welche Staaten und Nationen in feindseligem Egoismus absonderten. Alle denkenden Köpfe verknüpft jetzt ein weltbürgerliches Band, und alles Licht seines Jahrhunderts kann nunmehr den Geist eines neuern Galilei und Erasmus bescheinen.“

Ich denke, die Menschheit ist nun tatsächlich an diesem Punkt angekommen. Wir stehen an dem Beginn einer neuen Ära, die bereits in greifbarer Nähe ist und erreicht werden kann, wenn wir richtig handeln. Die Menschheit kann das erreichen, was Krafft Ehricke als den „extraterrestrischen Imperativ“ bezeichnete, was bedeutet, daß der Mensch erwachsen werden muß. Krafft Ehricke, der deutsche Raketenwissenschaftler, hatte eine wunderbare Vision, daß die Kolonisierung des Weltraums die nächste natürliche Phase der Evolution im Universum sein wird. Er entwickelte sehr schön, wie die Evolution über lange Zeiträume voranschreitet, wie sich die Entwicklung des Lebens aus den Ozeanen ans Land vollzog, wie das pflanzliche Leben mit Hilfe der Photosynthese auf der Erde entstand, wie die Evolution voranschritt von den Amphibien und Reptilien zu den Säugetieren und schließlich zu den Menschen, wie die Menschen zunächst an den Meeren und Flüssen lebten und sich dann durch Infrastruktur die landeingeschlossenen Gebiete der Erde eröffnen. Die Neue Seidenstraße, die zur Weltlandbrücke wird, wird jetzt diese Phase der Evolution abschließen, indem sie alle landeingeschlossenen Gebiete der Welt erfaßt.

Und Krafft Ehricke sagte auch, daß die gemeinsame internationale Weltraumforschung und Raumfahrt die nächste notwendige Phase der Evolution der Menschheit im Universum ist – daß die Menschheit eine Gattung im Weltraum sein wird.

Ich denke daher, wir sollten uns vollkommen darüber im klaren sein, daß in dieser gegenwärtigen Krise auch eine enorme Chance liegt, eine neue Renaissance zu erreichen, die ebenso bedeutsam oder vielleicht noch bedeutender als der Übergang vom Mittelalter zur Moderne sein wird; daß wir, indem wir mit den Axiomen der Globalisierung, des deduktiven Denkens und allem, was uns in diese Krise hineinführte, brechen und uns auf die Kreativität der Menschheit als das konzentrieren, was uns von den anderen Gattungen unterscheidet; daß wir – wahrscheinlich viele von uns – noch eine Welt erleben können, in der jedes Kind eine universelle Bildung erhält und das Genie der Normalzustand der Menschheit sein wird! Dann wird das, was wahrhaft menschlich ist, vollkommen entwickelt sein, um alle Potentiale der menschlichen Gattung zu entfalten, wenn schöpferische Komponisten, Wissenschaftler, Ingenieure, außerordentliche Menschen Dinge entdecken, nach denen wir jetzt noch nicht einmal fragen, so wie die Chinesen zur erdfernen Seite des Mondes fliegen. Wir werden Geheimnisse des Universums verstehen, nach denen wir jetzt noch nicht einmal fragen können.

Und die Menschen werden bessere Menschen sein. Ich bin überzeugt, daß die wahre Natur des Menschen gut ist, daß jeder Mensch die unbegrenzte Fähigkeit hat, sich selbst zu vervollkommnen und eine schöne Seele zu sein – und zu erreichen, was erreichbar ist. Arbeiten wir gemeinsam darauf hin! (Applaus.)

Anmerkungen:

1. Siehe http://www.spiegel.de/international/world/nato-s-eastward-expansion-did-the-west-break-its-promise-to-moscow-a-663315.html

2. Siehe http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/klaus-von- dohnanyi-ueber-den-brexit-und-europa-14291266.html