Top Left Link Buttons
  • Englisch
  • Deutsch

Video – Oberst a.D. Richard Black: Die USA führen die Welt in den Atomkrieg

Video – Oberst a.D. Richard Black: Die USA führen die Welt in den Atomkrieg

Die USA führen die Welt in den Atomkrieg

BILLINGTON: Hallo, ich bin Mike Billington von Executive Intelligence Review und dem Schiller-Institut. Ich spreche heute mit Oberst a.D. und Senator Richard Black, der nach 31 Jahren bei den Marines und in der Armee von 1998 bis 2006 dem Abgeordnetenhaus von Virginia und von 2012 bis 2020 dem Senat von Virginia angehörte. Ich werde Colonel Black bitten, seinen Militärdienst selbst zu beschreiben.

Also, Colonel Black, herzlich willkommen. Der Stellvertreterkrieg der USA, Großbritanniens und der NATO gegen Russland, der in der Ukraine stattfindet, und der Wirtschaftskrieg, der direkt gegen Russland geführt wird, wird von einem Informationskrieg begleitet, der Russland und insbesondere Präsident Wladimir Putin dämonisieren soll. Ein immer wiederkehrendes Thema ist, dass das russische Militär rücksichtslos gegen die Zivilbevölkerung vorgeht und die Wohngebiete zerstört, wobei oft auf die russischen Militäroperationen in Syrien verwiesen wird und behauptet wird, dass Rußland genauso in Syrien, insbesondere in Aleppo, vorgegangen sei. Dies sind angeblich Beispiele für russische Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Sie sind seit vielen Jahren ein führender internationaler Sprecher, der die Lügen über die Vorgänge in Syrien und den Krieg gegen Syrien aufgedeckt hat. Lassen Sie mich zunächst fragen: Wie und warum hat sich Russland in Syrien militärisch engagiert? Und wie steht das im Gegensatz zu den angeblichen Rechtfertigungen der USA und der NATO für ihre militärische Intervention in Syrien?

BLACK: Nun, ich möchte damit beginnen, unseren Zuhörern zu sagen, dass ich sehr patriotisch bin: Ich habe mich freiwillig zu den Marines gemeldet und bin freiwillig nach Vietnam gegangen. Ich kämpfte in den blutigsten Feldzügen der Marines während des gesamten Krieges. Ich war Hubschrauberpilot und flog 269 Kampfeinsätze. Bei vier Einsätzen wurde meine Maschine von Bodenfeuer getroffen. Ich kämpfte dann am Boden mit der Ersten Marinedivision, und während einer der 70 Kampfpatrouillen, die ich machte, wurden beide meiner Funker getötet, und ich wurde verwundet, als wir angriffen und versuchten, einen umzingelten Außenposten zu retten.

Ich bin also sehr pro-amerikanisch. Ich war sogar Teil der NATO und war bereit, in Deutschland zu sterben, um einen Angriff der Sowjetunion abzuwehren.

Aber Russland ist keineswegs die Sowjetunion. Die Menschen verstehen das nicht, weil die Medien es nicht deutlich gemacht haben. Aber Russland ist kein kommunistischer Staat; die Sowjetunion war ein kommunistischer Staat.

Eine der Behauptungen, die ich gesehen habe, hat mich aufgrund meiner Erfahrungen mit Syrien besonders irritiert: Ich war in der Stadt Aleppo. Aleppo ist die größte Stadt in Syrien, zumindest war sie das, bevor der Krieg begann. Und dort gab es eine gewaltige Schlacht. Manche nennen sie das „Stalingrad des syrischen Krieges“, was kein schlechter Vergleich ist. Es war ein furchtbar erbitterter Kampf, der von 2012 bis 2016 andauerte. Im Verlauf der Häuserkämpfe sind alle kämpfenden Seiten gezwungen, Gebäude zu zerstören. Gebäude werden massenhaft dem Erdboden gleichgemacht. Das passiert immer dann, wenn es zu Kämpfen in Städten kommt. Ich bin also durch die Straßen von Aleppo gelaufen, während die Kämpfe noch im Gange waren. Ich habe durch einen Schlitz in den Sandsäcken auf das vom Feind kontrollierte Gebiet geblickt; ich habe auf Panzern gestanden, die zerstört worden waren, und dergleichen mehr.

Was ich weiß und was ich Ihnen über Aleppo sagen kann, ist, dass Russland äußerst zurückhaltend war, sich an Kampfhandlungen in Syrien zu beteiligen. Der Krieg begann 2011, als die Vereinigten Staaten CIA-Leute einflogen, um sich mit Al-Qaida und anderen terroristischen Gruppen abzustimmen. Al-Qaida haben wir schon vor dem offiziellen Kriegsbeginn unablässig unterstützt. Wir unterstützen Al-Qaida auch heute noch, wo sie in der Provinz Idlib eingeschlossen sind. Die CIA hat sie im Rahmen der geheimen Operation Timber Sycamore ausgestattet. Wir haben ihnen alle ihre Panzerabwehrwaffen und alle ihre Luftabwehrraketen beschafft. Al-Qaida war immer unsere Stellvertreter-Truppe vor Ort. Zusammen mit ISIS hat Al-Qaida die Ziele der Vereinigten Staaten verfolgt, zusammen mit einer Vielzahl von Zweigorganisationen, die im Grunde genommen austauschbar sind. Die Soldaten der Freien Syrischen Armee wechseln fließend von ISIS zu Al-Qaida zur Freien Syrischen Armee. Und so hat dieser Krieg begonnen.

Die Vereinigten Staaten verfolgen eine strategische Politik des Einsatzes von Stellvertretern, um Krieg zu führen. Und unser Ziel war es, die rechtmäßige Regierung Syriens zu stürzen, und um das zu erreichen, haben wir Stellvertreter eingesetzt, die die abscheulichsten aller Terroristen waren. Etwas ganz Ähnliches geschieht derzeit in der Ukraine.

Aber zurück nach Aleppo: Die syrische Armee, zusammen mit der Hisbollah, war sehr effektiv; es gab auch einige vom Iran organisiert Truppen, aber es war vor allem eine syrische Aktion, von syrischen Generälen geleitet. Sie lieferten sich einen erbitterten Kampf in den Städten, sehr brutal, sehr blutig. Die Kämpfe hielten vier Jahre an, bevor Russland in die Schlacht eingriff. Nach vier Jahren war die Stadt Aleppo also völlig zerstört. Und zu diesem Zeitpunkt traten die Russen auf Einladung der rechtmäßigen syrischen Regierung in den Krieg ein. Im Gegensatz zu vielen Medienberichten traten sie jedoch nicht mit Bodentruppen in den Krieg ein. Sie hatten zwar einige kleine Bodentruppen, sie verfügten über Militärpolizei, ein paar Artillerieeinheiten, ein paar Spezialeinheiten und eine ganze Reihe von Beratern und so weiter. Aber das war keine bedeutende Bodentruppe.

Andererseits verfügten sie über eine bedeutende und sehr effektive Luftwaffe, die die syrische Luftwaffe ergänzte. Aber erst im letzten Jahr des Krieges, in der Schlacht um Aleppo, kamen sie ins Spiel und ihre Luftstreitkräfte waren sehr effektiv. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Syrer die terroristischen Kräfte bereits ziemlich aufgerieben. Und die russische Hilfe konnte das Blatt endgültig wenden, und Aleppo war der große Sieg des gesamten syrischen Krieges.

Aber den Russen die Schuld an der massiven Zerstörung in Aleppo zu geben, ist bizarr: Denn sie waren nicht dort, sie waren nicht einmal anwesend, als dies geschah. Das ist also nur ein weiterer Teil des Propaganda-Narrativs, das sich für den Westen als sehr effektiv erwiesen hat: Russland zu dämonisieren und Behauptungen aufzustellen, die keine Substanz haben. Aber die Leute erinnern sich meist nicht an die Vorgeschichte dieser Dinge – sie sind ziemlich komplex. Also, nein: Russland war in keiner Weise für die massive Zerstörung der Stadt Aleppo verantwortlich.

BILLINGTON: Wie würden Sie die Methoden der Kriegsführung Russlands im Vergleich zu denen der USA und der verbündeten Streitkräfte in Syrien bewerten?

BLACK: Zunächst einmal ist die amerikanische Beteiligung, der Krieg der Vereinigten Staaten gegen Syrien, ein Angriffskrieg. Es wurde ein hochgeheimes CIA Special Activities Center eingesetzt – das sind sozusagen die James-Bond-Typen der Central Intelligence Agency, total machiavellistisch, die machen alles, die haben keine Hemmungen. Wir haben sie hingeschickt und haben den Krieg in Syrien begonnen. Der Krieg begann erst, als wir die CIA schickten, um sich mit Al-Qaida-Elementen abzusprechen. Der Krieg wurde also von uns begonnen, und wir wurden nicht nach Syrien eingeladen.

In der Tat haben die Vereinigten Staaten zwei wichtige Teile Syriens in Besitz genommen. Der eine Teil ist sehr groß, wobei der Fluss Euphrat etwa ein Drittel des nördlichen Teils Syriens begrenzt: Die Vereinigten Staaten haben diesen Teil besetzt. Wir haben tatsächlich Truppen vor Ort stationiert, was illegal war – entgegen jedem internationalen Kriegsrecht. Es war eine reine Besatzung. Das hatte John Kerry, der damalige US-Außenminister, angesprochen; er war frustriert über den enormen Sieg der syrischen Streitkräfte gegen Al-Qaida und ISIS. Er sagte, wir müssten nun wahrscheinlich zu Plan B übergehen. Er gab nicht bekannt, was Plan B war, aber dieser entfaltete sich im Laufe der Zeit. Plan B war die amerikanische Einnahme des nördlichen Teils von Syrien. Die Bedeutung, diesen Teil Syriens einzunehmen, lag darin, daß dies der Brotkorb für das gesamte syrische Volk ist. Dort wächst der Weizen – Syrien erzeugte tatsächlich einen erheblichen Weizenüberschuss und die Menschen in Syrien waren vor dem Krieg sehr gut ernährt. Wir wollten ihnen den Weizen wegnehmen, um eine Hungersnot unter der syrischen Bevölkerung auszulösen.

Außerdem ist es uns gelungen, den größten Teil der Erdöl- und Erdgasfelder einzunehmen. Auch diese lagen im nördlichen Teil jenseits des Euphrats. Die Idee war, dass wir durch den Diebstahl des Öls und des Erdgases das Transportsystem lahmlegen könnten, und gleichzeitig sollte die syrische Zivilbevölkerung, die in vielen Fällen in Trümmern lebte, während des syrischen Winters erfrieren, denn die terroristischen Armeen mit ihren mechanisierten Divisionen hatten die Städte völlig zerstört, so dass die Menschen nur noch in Trümmerhaufen lebten.

Wir wollten die Menschen in Syrien verhungern und erfrieren lassen, und das war Plan B.

Irgendwann setzte Frustration ein, dass diese Syrer, diese verflixten Syrer – es ist ein winzig kleines Land, und warum sind diese Menschen so widerstandsfähig? Sie kämpfen gegen zwei Drittel der gesamten militärischen und industriellen Macht der Welt. Wie kann eine Nation mit 23 Millionen Einwohnern dies über ein Jahrzehnt lang aushalten? Und so beschlossen wir, dass etwas unternommen werden musste, sonst würden wir Syrien insgesamt verlieren. Und so verhängte der US-Kongress die Caesar-Sanktionen. Die Caesar-Sanktionen waren die brutalsten Sanktionen, die jemals gegen ein Land verhängt wurden. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Sanktionen nicht annähernd so streng, wie sie gegen Syrien verhängt wurden.

Wir befanden uns nicht im Krieg mit Syrien! Und doch verhängten wir eine Seeblockade um das Land. Wir gingen gegen ihre Währung vor mit dem SWIFT-System für den internationalen Zahlungsverkehr, so dass es für sie unmöglich war, Medikamente zu kaufen. So erkrankten syrische Frauen an Brustkrebs, genau wie auch bei uns im Land. Aber im Gegensatz dazu ist Brustkrebs bei uns inzwischen relativ gut behandelbar, doch die medizinische Versorgung in Syrien war gekappt, so dass die Frauen an Brustkrebs starben, weil sie die Medikamente nicht bekommen konnten, weil wir ihre Gelder über das SWIFT-System blockierten.

Eines der letzten Dinge, die wir getan haben, und die Beweise dafür sind vage, aber es gab eine mysteriöse Explosion im Hafen von Libanon – die massive Explosion eines Schiffes mit Ammoniumnitratdünger. Dabei wurden Hunderte von Libanesen getötet. Tausende und Abertausende wurden verletzt, und die Wirtschaft des Libanon wurde zerstört. Vor allem wurde das Bankensystem des Libanon zerstört, das eine der wenigen verbliebenen Lebensadern zu Syrien war. Ich glaube nicht, dass diese Explosion zufällig war. Ich glaube, dass sie inszeniert war, und ich vermute, dass die Central Intelligence Agency von dem Land wusste, das diese Aktion zur Zerstörung des Beiruter Hafens durchführte.

Aber überall sieht man diesen machiavellistischen Ansatz, bei dem wir unbegrenzte Gewalt anwenden. Gleichzeitig kontrollieren wir die globalen Medien, so dass alle Diskussionen über das, was wirklich passiert, unterbleiben. Die Leute auf der Straße denken also, dass alles in Ordnung ist. Alles geschehe aus altruistischen Gründen, aber das ist nicht der Fall.

BILLINGTON: Ein Teil Ihres Militärdienstes war als Offizier der Militärstaatsanwaltschaft, und eine Zeit lang waren Sie der Leiter der Strafrechtsabteilung der Armee im Pentagon. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Caesar-Sanktionen aus der Perspektive des Völkerrechts und des Militärrechts?

BLACK: Nun, ich bin kein Völkerrechtsexperte. Ich bin Experte für Strafrecht. Aber ich würde sagen, dass ein Krieg gegen die Zivilbevölkerung ein schwerwiegendes Verbrechen im Kriegsrecht ist.

Wir haben uns mit Al-Qaida verbündetet und immer wieder auch mit ISIS; ich meine, wir bekämpften ISIS auf sehr ernsthafte Weise, aber gleichzeitig setzten wir sie oft ein, um gegen die syrische Regierung vorzugehen. Es ist also eine Art Hassliebe. Aber wir haben immer mit den Terroristen zusammengearbeitet. Sie waren der Hauptakteur.

Unter der extremen Version des Islams, dem Wahhabismus, gibt es die Vorstellung, dass man eine Frau besitzt, die man mit seinem starken rechten Arm im Kampf ergriffen hat. Das geht bis ins 7. Jahrhundert zurück. Auf diese Weise förderten wir die Bewegung von islamischen Terroristen aus 100 Ländern, und sie kamen und schlossen sich ISIS an, sie schlossen sich Al-Qaida an, sie schlossen sich der Freien Syrischen Armee an – all diesen verschiedenen Gruppen. Als sie ankamen, wussten sie eines: Ihnen stand das Recht zu, Ehemänner zu ermorden – ich spreche nicht von Militärs, ich spreche von Zivilisten -, sie konnten Ehemänner ermorden, sie konnten sie töten, um dann ihre Frauen und ihre Kinder zu besitzen. Und das taten sie in großer Zahl.

Es gab also eine Welle von Vergewaltigungen, eine organisierte Vergewaltigungskampagne im ganzen Land Syrien. In einigen dieser Rebellengebiete entstanden sogar Sklavenmärkte, auf denen Preislisten für verschiedene Frauen erstellt wurden. Interessanterweise wurden die höchsten Preise für die jüngsten Kinder gezahlt, da es eine Vielzahl von Pädophilen gab. Die Pädophilen wünschten sich kleine Kinder, denn nach den geltenden Gesetzen war es ihnen erlaubt, diese Kinder wiederholt zu vergewaltigen. Sie konnten die Witwen der getöteten Soldaten oder der getöteten Zivilisten vergewaltigen und sie besitzen und kaufen und untereinander verkaufen. Das ging immer weiter.

Ich behaupte nicht, dass die CIA diese Politik ins Leben gerufen hat, aber sie wusste, dass diese Praktiken weit verbreitet waren, und sie duldete sie. Das wurde nie in irgendeiner Weise kritisiert.

Das war so schlimm, dass ich mit Präsident Assad darüber sprach, der mir mitteilte, als ich 2016 zu Besuch war… Ich war in einer Reihe von Kampfgebieten und in der Hauptstadt. Ich traf mich mit dem Präsidenten, und er sagte, dass sie damals im Parlament an einer Gesetzgebung arbeiteten, um das Staatsbürgerschaftsrecht zu ändern. Die Regierung hatte sich stets an das islamische Recht gehalten, das besagte, dass sich die Staatsbürgerschaft eines Kindes vom Vater ableitet. Aber es gab so viele zehn- oder hunderttausende syrische Frauen, die von diesen nach Syrien importierten Terroristen geschwängert worden waren, dass es notwendig war, das Gesetz zu ändern, damit sie die syrische Staatsbürgerschaft behielten und nicht zu ihrem ISIS-Vater nach Saudi-Arabien oder Tunesien zurückgebracht werden mussten. Sie könnten in Syrien bleiben. Ich habe später nachgefragt, und dieses Gesetz wurde tatsächlich verabschiedet und umgesetzt.

Aber das zeigt nur die völlige Grausamkeit. Wenn wir diese Kriege führen, gibt es keine Grenzen für Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten, die wir bereit sind, den Menschen zuzufügen, sie leiden zu lassen, damit das irgendwie zum Sturz der Regierung führt und vielleicht ihr Öl und ihre Ressourcen zu rauben.

BILLINGTON: Das ist eindeutig die heutige amerikanische Politik gegenüber Russland.

BLACK: Ja. Wissen Sie, Russland ist vielleicht mehr mit natürlichen Ressourcen gesegnet als jede andere Nation der Erde. Es ist ein bedeutender Produzent von Getreide, Öl, Aluminium, Düngemitteln, einer immensen Anzahl von Dingen, die in die gesamte Weltwirtschaft eingebunden sind. Und zweifellos gibt es Leute, die sich das ansehen und sagen: „Wenn wir Russland irgendwie aufbrechen könnten, würden wir ein Vermögen machen, und es gäbe Dutzende von Billionären.“ Und das hat durchaus seinen Reiz. Sicherlich ist einiges davon schon vorgekommen, als ausländische Interessen die Ukraine übernahmen und ihre enormen Ressourcen an sich rissen.

Aber wir begannen fast unmittelbar nach der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 mit einem Vorstoß in Richtung Russland. Die Sowjetunion löste sich auf, der Warschauer Pakt löste sich auf. Und leider ist es eine der großen Tragödien der Geschichte, dass wir es versäumt haben, auch die NATO aufzulösen. Der einzige Zweck der NATO war die Verteidigung gegen die Sowjetunion. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr. Die NATO stand auf Augenhöhe mit dem Warschauer Pakt. Der Warschauer Pakt ist verschwunden; er existiert nicht mehr. Es gab keinen Grund für die weitere Existenz der NATO. Wir haben sie jedoch beibehalten, und sie konnte nur weiterexistieren, wenn sie einen Feind hatte. Aber Russland wollte unbedingt Teil des Westens werden.

Ich habe mich kurz nach dem Ende der Sowjetunion mit dem Chef von Gazprom getroffen, dem größten Unternehmen Russlands, und er beschrieb mir, wie sehr sie sich darum bemühten, dass ihre Medien so frei waren wie im Westen. Sie hielten uns für viel freier und offener als wir es waren. Er sagte, es gebe hier ein Problem, weil ein Aufstand in Tschetschenien begonnen habe, das zu Russland gehört. Er sagte, die tschetschenischen Rebellen schickten Videos an das russische Fernsehen und wir sendeten sie im russischen Fernsehen, denn so funktioniere die Redefreiheit.

Und ich sagte: „Wollen Sie mich zum Narren halten?“ Ich fragte: „Sie veröffentlichen die Propagandafilme des Feindes?“ Er sagte: „Ja.“ Er fragte: „Macht ihr das in den Vereinigten Staaten nicht auch so?“ Ich sagte: „Nein. Im Zweiten Weltkrieg haben wir den Leiter von Associated Press mit der Kriegszensur betraut, und die war sehr streng.“

Aber das ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr sie zu kämpfen hatten. Von einem offiziell atheistischen Land wurde Rußland zur mit Abstand am stärksten christianisierten Nation in Europa. Die Menschen waren nicht nur die am stärksten christianisierten Menschen in allen großen Ländern Europas, sondern die Regierung selbst unterstützte die Kirche und den christlichen Glauben sehr. Sie änderten ihre Verfassung und legten fest, dass die Ehe die Verbindung von einem Mann und einer Frau ist. Die Praxis der Abtreibung wurde sehr restriktiv gehandhabt. Sie beendeten die Praxis von Auslandsadoptionen, bei denen Leute nach Russland kamen, um kleine Jungen zu unmoralischen Zwecken zu adoptierten. Rußland entwickelte also eine völlig andere Kultur.

Auf jeden Fall verfolgen die Vereinigten Staaten seit langem eine politisch-militärische Strategie, um ihr Imperium zu erweitern. Das geschah im Nahen Osten, wo wir versucht haben, ein riesiges neokoloniales Imperium zu schaffen. Es ist ziemlich brüchig geworden. Die Menschen wollten es nicht. Und es scheint irgendwann dem Untergang geweiht zu sein – aber es kann noch 100 Jahre weitergehen. Aber auf jeden Fall versuchen wir das gleiche wieder, wenn wir uns nach Osten bewegen, praktisch bis zur russischen Grenze.

BILLINGTON: Die Position der USA und Großbritanniens zum Krieg in der Ukraine ist in den letzten Wochen nicht nur zu einer Unterstützung des Krieges, sondern zu einem Sieg um jeden Preis geworden. Dies wurde von Verteidigungsminister Austin und anderen erklärt. Dem Kiewer Regime werden riesige Mengen nicht nur an Verteidigungs-, sondern auch an Angriffswaffen geliefert. Was ist Ihrer Meinung nach die Konsequenz aus dieser Politik?

BLACK: Ich denke, das wird unter anderem dafür sorgen, dass eine große Zahl unschuldiger ukrainischer Soldaten unnötig sterben wird. Eine Menge russischer Soldaten werden unnötig sterben. Es sind Kinder. Wissen Sie, Kinder ziehen in den Krieg. Ich bin als Kind in den Krieg gezogen. Man denkt, dass das, was das eigene Land tut, in Ordnung ist. Es bricht mir das Herz, wenn ich die Gesichter junger Russen sehe, die – in einigen Fällen auf sehr kriminelle Weise – von ukrainischen Streitkräften niedergeschossen wurden. Und ebenso sehe ich ukrainische junge Männer, die auf dem Schlachtfeld niedergemetzelt werden.

Das kümmert uns nicht! Den Vereinigten Staaten und der NATO ist es egal, wie viele Ukrainer sterben. Nicht die Zivilisten, nicht die Frauen, nicht die Kinder, nicht die Soldaten. Es ist uns egal. Es ist ein großes Fußballspiel geworden. Wir haben unser Team. Sie haben ihr Team, hurrah, hurrah. Wir wollen die meisten Punkte holen und die anderen in die Ecke treiben. Und es ist uns egal, wie viele unserer Spieler auf dem Spielfeld verkrüppelt werden, solange wir nur gewinnen.

Jetzt liefern wir fantastische Mengen an Waffen, und das hat dazu geführt, dass die Aktien von Raytheon, das Raketen herstellt, und Northrop Grumman, das Flugzeuge und Raketen herstellt, in die Höhe schießen, und alle diese Rüstungsbetriebe weren mit Steuergeldern enorm aufgebläht. Ich glaube nicht, dass dies letztlich etwas am Ergebnis ändern wird. Ich glaube, dass Russland sich durchsetzen wird. Die Ukrainer befinden sich im Osten in einer sehr ungünstigen strategischen Lage.

Aber wenn man sich anschaut, wie sich das Ganze entwickelt hat, dann hat Präsident Putin im Dezember 2021 verzweifelt versucht, den Krieg zu verhindern. Er ging sogar so weit, dass er der NATO konkrete schriftliche Vorschläge unterbreitete, Friedensvorschläge, um das, was sich anbahnte, zu entschärfen. Denn zu diesem Zeitpunkt zog die Ukraine Truppen zusammen, um den Donbas anzugreifen. Er versuchte, dies zu verhindern. Er wollte keinen Krieg. Doch die NATO hat die Sache einfach abgetan, hat Putin nicht ernst genommen und ist nicht in ernsthafte Verhandlungen eingetreten.

Als Putin sah, dass Ukrainer mit tödlichen Waffen buchstäblich an seiner Grenze standen, beschloss er, zuerst zuzuschlagen. Man konnte sehen, dass dies kein im Voraus geplanter Angriff war. Dies war nicht wie Hitlers Angriff auf Polen, bei dem eine Faustregel besagt, dass man als Angreifer immer einen Vorteil von 3:1 hat. Man muss dreimal so viele Panzer, Artillerie, Flugzeuge und Männer aufbieten, wie die andere Seite hat. Als Russland einmarschierte, tat es das mit dem, was es hatte, was es kurzfristig zusammenschustern konnte. Sie waren den ukrainischen Streitkräften zahlenmäßig unterlegen. Die ukrainischen Streitkräfte hatten etwa 250.000 Mann. Die Russen hatten vielleicht 160.000. Sie hatten also nicht dreimal so viele, sondern eigentlich weniger Truppen als die Ukrainer. Aber sie waren gezwungen anzugreifen, um der sich abzeichnenden Schlacht zuvorzukommen, als die Ukrainer ihre Truppen gegen den Donbass zusammengezogen hatten.

Der Donbas grenzt an Russland. Er ist ein Teil der Ukraine, der sich nicht der revolutionären Regierung angeschlossen hat, die 2014 den Staatsstreich durchführte und die Regierung der Ukraine stürzte. Sie weigerten sich, Teil der neuen revolutionären Regierung der Ukraine zu werden. Und so erklärten sie ihre Unabhängigkeit. Die Ukraine hatte eine riesige Armee aufgestellt, um den Donbas anzugreifen. Und so war Russland gezwungen, diesem geplanten Angriff der Ukraine zuvorzukommen. Man konnte sehen, dass Russland sehr hoffte, diese spezielle Operation durchzuführen, ohne den Ukrainern übermäßig viele Verluste zuzufügen, denn die Ukrainer gelten als slawische Brüder, mit denen man gute Beziehungen haben wollte.

Es gibt ein berühmtes Bild mit einem russischen Panzer, der von einer Gruppe von vielleicht 40 Zivilisten gestoppt wurde, die einfach auf die Straße liefen und die Straße blockierten, woraufhin der Panzer stehen blieb. Ich kann Ihnen sagen, wenn wir in Vietnam auf Leute getroffen wären, die sich einem amerikanischen Panzer in den Weg gestellt hätten, hätte der Panzer nicht angehalten! Er hätte kein Warnsignal gegeben, er hätte nichts getan, er hätte keinen Warnschuss abgefeuert. Er wäre einfach weitergefahren. Und ich denke, das ist durchaus typisch – ich kritisiere die Amerikaner nicht. Ich war dort und habe gekämpft, und ich wäre mit dem Panzer wahrscheinlich selbst weitergefahren.

Ich will damit sagen, dass die Einsatzregeln der Russen sehr, sehr zurückhaltend waren. Sie wollten nicht zu viel Hass und Feindseligkeit erzeugen. Die Russen gingen nicht hinein – sie bombardierten nicht das Stromnetz, die Mediensysteme, die Wassersysteme, die Brücken und so weiter. Sie haben versucht, die Infrastruktur der Ukraine in gutem Zustand zu erhalten, weil diese weiter benutzt werden sollte. Sie wollten einfach nur, dass es vorbei ist und die Normalität zurückkehrt. Das hat nicht geklappt. Der Widerstand der Ukrainer war unerwartet hart. Die ukrainischen Soldaten kämpften mit großem, großem Mut, großem Heldentum. Und. Und jetzt wurde die Gangart verschärft und alles ist viel ernster geworden.

Aber es ist erstaunlich, zu sehen, dass Russland den Luftraum beherrscht. Sie haben die Bahngleise noch nicht ausgeschaltet. Sie haben keine Kraftwerke ausgeschaltet. Sie haben so viele Dinge nicht ausgeschaltet. Sie haben kein Gebäude im Zentrum von Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, bombardiert; sie haben nicht das Gebäude bombardiert, in denen das Parlament tagt. Sie waren in diesen Dingen unglaublich zurückhaltend und haben gegen jede Hoffnung gehofft, dass ein Frieden erreicht werden könnte.

Ich glaube nicht, dass die Ukraine etwas mit der Entscheidung über Frieden oder Krieg zu tun hat. Ich denke, die Entscheidung über Krieg oder Frieden wird in Washington, D.C. getroffen. Solange wir wollen, dass der Krieg weitergeht, werden wir diesen Krieg führen, indem wir die Ukrainer als Stellvertreter einsetzen, und wir werden ihn bis zum letzten toten Ukrainer führen.

BILLINGTON: Wie schätzen Sie die Möglichkeit ein, daß ein Krieg direkt zwischen den Vereinigten Staaten und Russland ausbricht? Und wie würde das aussehen?

BLACK: Wenn man auf den Ersten Weltkrieg im Jahr 1914 zurückblickt, war es zur Ermordung des Erzherzogs von Österreich-Ungarn gekommen. Er und seine Frau wurden getötet. Diese Tat löste einen Dominoeffekt von Allianzen, Wut und Medienhysterie aus. Als alles vorbei war, sind, glaube ich, 14 Millionen Menschen umgekommen. Es ist immer schwierig, das mit genauen Zahlen zu belegen, aber es waren auf jeden Fall viele Millionen Menschen, die dadurch starben.

Wir müssen uns des Risikos bewusst sein, wenn wir uns auf solche Hasardspiele einlassen. Die türkischen Medien haben zum Beispiel gerade gemeldet, dass die Russen große Belagerung von Mariupol letztendlich gewonnen haben. Das einzige Gebiet, das sie nicht eingenommen haben, ist dieses riesige Stahlwerk. Dort haben sich viele ukrainische Soldaten verschanzt. Und jetzt wurde bekannt, dass offenbar 50 hochrangige französische Offiziere zusammen mit den Ukrainern in diesem Stahlwerk eingeschlossen sind. Die französischen Soldaten haben vor Ort gekämpft und den Kampf geleitet. Und dies wurde wegen der französischen Wahlen, die gerade stattgefunden haben, streng geheim gehalten. Hätten die Franzosen gewusst, dass viele französische Offiziere in diesem Stahlwerk eingeschlossen waren und wahrscheinlich sterben würden, wären die Wahlen anders ausgegangen: Marine Le Pen hätte gewonnen. Deswegen war es für den gesamten Deep State sehr wichtig, dass nicht ans Licht kam, dass die französischen Offiziere dort waren.

Wir wissen, dass NATO-Offiziere als Berater und so weiter in der Ukraine vor Ort sind. Wir gehen das Risiko ein. Ich vermute, dass das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, die Moskwa, durch einen Treffer von Anti-Schiffs-Raketen versenkt wurde, aber das ist nur eine Vermutung. Ich vermute, dass diese Raketen höchstwahrscheinlich von den Franzosen abgefeuert wurden. Ich könnte mich irren, aber diese Raketen sind so extrem empfindlich und so gefährlich für unsere Schiffe, dass ich nicht glaube, dass die NATO die Raketen den Ukrainern oder irgendjemand anderem anvertrauen würde. Sie müssen demnach unter der Kontrolle der NATO bleiben. Deswegen denke ich, dass es wahrscheinlich NATO-Kräfte waren, die die Moskwa versenkt haben.

Man sieht also, dass wir sehr rücksichtslosen Maßnahmen ergreifen, und jedes Mal, wenn wir weiter eskalieren… Ich bin zufällig Republikaner, aber es gibt zwei republikanische US-Senatoren, die gesagt haben: „Jetzt müssen wir vielleicht Atomwaffen gegen Russland einsetzen.“ Das ist wahnsinnig. Ich denke, es ist wichtig, dass wir anfangen zu diskutieren, was ein thermonuklearer Krieg bedeuten würde.

Wir müssen diese Denkweise verstehen: „Oh, wir sind groß und böse und haben all diese Sachen“. Russland ist als Nuklearmacht in etwa mit den Vereinigten Staaten vergleichbar. Sie haben Hyperschallraketen, die wir nicht haben. Diese können sich jeder rechtzeitigen Entdeckung entziehen, und von Russland aus können Raketen abgefeuert werden, die San Francisco, Los Angeles, Chicago, Detroit, Baltimore, Washington, D.C., New York City erreichen.

Wenn man nur einmal an Virginia denkt, wo ich zufällig lebe. Wenn es zu einem Atomkrieg käme – und man darf nicht vergessen, dass Rußland auch eine sehr große und effektive Flotte von Atom-U-Booten haben, die vor der Küste der Vereinigten Staaten liegen. Sie verfügen über eine große Anzahl von Atomraketen, die sich jeder unserer Verteidigungsanlagen entziehen können. Allein in Virginia würde ganz Nordvirginia im wesentlichen ausgelöscht werden. Es gäbe kaum noch menschliches Leben in Loudoun County, Prince William County, Fairfax County, Arlington, Alexandria. Das Pentagon liegt in Arlington County: Das Pentagon wäre nur noch eine glühende Masse aus geschmolzenem Sand. Es gäbe dort kein menschliches Leben mehr. Und im Umkreis von vielen Meilen gäbe es auch kein menschliches Leben. Auf der anderen Seite des Potomac gäbe es kein Leben mehr in der Hauptstadt der Nation. Das Kapitolgebäude würde für immer verschwinden. All die Denkmäler, all diese prächtigen Dinge – nichts würde bleiben.

An der Küste von Virginia liegt die Norfolk Marinewerft und der Hafen von Norfolk. Dort ist die größte Ansammlung von Marineschlagkraft auf der Erde. Hier parken wir alle unsere Flugzeugträger, unsere Atom-U-Boote, all diese Dinge. Es würde nichts übrig bleiben. Von den Schiffswerften wäre nichts mehr übrig.

Man kann das beliebig fortsetzen. In New York City würde wahrscheinlich nicht nur jeder Einwohner getötet, sondern es wäre wahrscheinlich für Hunderte von Jahren kein Leben mehr dort möglich. Die Stadt würde nicht nur aufhören, ein Ort pulsierenden menschlichen Lebens zu sein, sondern sie würde wahrscheinlich ein halbes Jahrtausend lang keine Zivilisation mehr hervorbringen.

Wir müssen uns über die Schwere unseres Handelns im Klaren sein. Wenn es für die Vereinigten Staaten um Leben und Tod ginge, was in der Ukraine geschieht, wäre das vielleicht eine Sache. Als die Sowjetunion Raketen auf Kuba stationierte, die auf die Vereinigten Staaten gerichtet waren, war es das Risiko wert, weil es direkt an unserer Grenze lag und uns bedrohte. Es war ein Kampf, für den es sich zu kämpfen und ein Risiko einzugehen lohnte. Die Russen befinden sich in einer spiegelbildlichen Situation, denn für sie hängt das Leben Russlands davon ab, dass die NATO daran gehindert wird, weiter in die Ukraine vorzustoßen, bis an ihre Grenzen. Sie können es sich nicht leisten, diesen Krieg nicht zu führen. Sie können es sich nicht leisten, diesen Krieg nicht zu gewinnen.

Daher denke ich, dass wir mit einer ständigen Eskalation in einem Krieg spielen, der für die Amerikaner eigentlich keine Bedeutung hat – die Ukraine ist für die Amerikaner bedeutungslos; sie hat keinen Einfluss auf unser tägliches Leben. Und doch spielen wir dieses rücksichtslose Spiel, das das Leben aller Menschen in den Vereinigten Staaten und Westeuropa aufs Spiel setzt! Und das für nichts!

BILLINGTON: Viele hochrangige Offiziere verstehen sicherlich die Konsequenzen, die Sie gerade auf ziemlich haarsträubende Weise beschrieben haben. Warum melden sich zwar einige Generäle aus Italien, Frankreich und Deutschland zu Wort und warnen davor, dass der jetzige Kurs zu einem Atomkrieg führen könnte, aber warum gibt es keine solchen Stimmen von hochrangigen Offizieren – vielleicht im Ruhestand –, die das sagen, was Sie heute hier sagen?

BLACK: Wissen Sie, die Qualität der Offiziere hat sich enorm verschlechtert, und zwar schon seit den 1990er Jahren. Wir hatten sehr, sehr gute Offiziere in der Zeit, als ich im aktiven Dienst war – ich bin 1994 ausgeschieden – einfach Leute von hervorragender Qualität. Aber dann hatte Präsident Clinton das Amt übernommen, und später Obama. Jetzt haben wir Biden. Es gilt eine sehr strenge politische Kontrolle für Militäroffiziere. Es gibt jetzt praktisch nur noch „Ja-Sager“. Das sind keine Leute, deren Hauptanliegen die Vereinigten Staaten und ihr Volk sind. Ihr Hauptanliegen ist ihre Karriere und ihre Fähigkeit, nach ihrer Pensionierung mit anderen Militäroffizieren in Kontakt zu treten. Es gibt ein sehr starkes Netzwerk, das Militärgeneräle in Denkfabriken unterbringen kann, wo sie für den Krieg werben, in Konzernen wie Raytheon und Northrop Grumman und all diesen Rüstungsunternehmen, wo sie in Vorstände und dergleichen kommen können. Man zahlt also einen hohen persönlichen Preis, wenn man sagt: „Hey, hört auf. Krieg ist nicht im Interesse des amerikanischen Volkes.“ Hätten wir eine bessere Qualität im Militär, dann hätten wir Leute, die den Mut hätten zu sagen: „Es ist mir egal, was es mich persönlich kostet.“ Aber es ist sehr schwierig, in die höheren Ränge zu kommen, wenn man sich von Prinzipien, Patriotismus und Hingabe an das Volk dieser Nation leiten läßt. So funktioniert das einfach nicht. Und irgendwann brauchen wir einen Präsidenten, der an dem Baum rüttelt und viele dieser Leute zu Fall bringt, denn sie sind gefährlich. Sie sind sehr gefährlich für Amerika.

BILLINGTON: Helga Zepp-LaRouche und das Schiller-Institut haben eine Petition verfaßt – und wir haben am 9. April eine Konferenz zum gleichen Thema abgehalten –, daß der einzige Weg, diesen Abstieg in die Hölle und in einen möglichen nuklearen Holocaust wirklich zu stoppen, ein neuer Westfälischer Friede ist. Wir brauchen eine internationale Konferenz, um eine neue Sicherheitsarchitektur und eine neue Entwicklungsarchitektur zu schaffen, das Recht auf Entwicklung für alle Länder. Und wie beim Westfälischen Frieden müssen sich alle Seiten zusammensetzen, die souveränen Interessen der anderen anerkennen und alle Verbrechen der Vergangenheit vergeben. Alles andere würde dazu führen, dass die Welt weiterhin in kriegerische Blöcke geteilt wird. So wie ich gefragt habe, was die Generäle davon abhält, sich zu äußern: Was ist nötig, damit die Amerikaner erkennen, dass wir uns mit den Russen, den Chinesen und allen anderen Nationen zusammensetzen, um eine wahre, gerechte Welt zu schaffen, die auf der Würde des Menschen und dem Recht auf Entwicklung und Sicherheit beruht?

BLACK: Ich denke, es muß leider noch viel schmerzhafter werden, um das zu bewirken, genauso wie es beim Westfälischen Frieden der Fall war. Ein Atomkrieg würde dies bewirken; eine wirtschaftliche Katastrophe ungeahnten Ausmaßes, die aus dem ungezügelten Drucken von Geld resultiert, das wir in den letzten 20 Jahren betrieben haben, könnte dies bewirken. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sind die Medien so total zensiert und so voreingenommen, dass das amerikanische Volk wirklich keine Vorstellung von der Notwendigkeit solcher Dinge hat. Es wird schwierig werden.

Doch es ist etwas Interessantes passiert. Hier in diesem Land würde man denken, die ganze Welt sei gegen Russland. Dem ist aber nicht so. Tatsächlich gibt es wichtige Länder in der Welt, die sich in diesem Krieg auf die Seite Russlands stellen, angefangen bei China, aber auch Brasilien, Südafrika, Saudi-Arabien – eine breite Palette von Ländern, auch. Indien. Indien unterstützt Russland in hohem Maße. Die Vorstellung, dass wir irgendwie eine absolut gerechte Sache vefolgen, scheint einem großen Teil der Welt nicht bewußt zu sein, denn ein großer Teil der Welt akzeptiert die neueste Propaganda über Kriegsverbrechen nicht: etwa die Sache mit Butscha. Das ist wahrscheinlich die herausragendste aller Auseinandersetzungen über Kriegsverbrechen.

Was war Butscha? Es gibt einen Film, in dem ein Fahrzeug die Straße in dem Ort Butscha entlangfuhr, das von den Russen aufgegeben wurde. Etwa alle hundert Meter war ein Mensch zu sehen, auf dem Rücken mit Klebeband gefesselt, der offenbar getötet wurde. All das wurde erst vier Tage nach der Rückeroberung von Butscha durch die Ukrainer bekannt gemacht.

Tatsächlich weiß man so gut wie nichts darüber. Es gibt nicht einmal einen Beweis dafür, dass Menschen getötet worden waren. Aber selbst wenn sie getötet worden wären, ist nicht bekannt, wo sie getötet wurden. Man weiß nicht, wer sie waren. Man weiß nicht, wer sie getötet hat. Man weiß nicht, warum sie getötet wurden. Niemand konnte ein plausibles Motiv für die Tötung durch die Russen nennen. Die Russen hielten Butscha einen Monat lang besetzt. Wenn sie sie töten wollten, warum haben sie sie dann nicht während dieses Monats getötet? Und wenn man mehrere Menschen abschlachten will, sollte man sie dann nicht alle an einem Ort versammeln und sie dort erschießen? Warum sollten sie am Straßenrand verteilt sein, einen Kilometer entlang des Weges? Das ergibt doch keinen Sinn!

Was wir wissen, ist, dass vier Tage, nachdem der Bürgermeister von Butscha freudig verkündet hatte, dass die Stadt befreit sei, vier Tage, nachdem die ukrainische Armee eingerückt und die Sonderpropagandaabteilung des ukrainischen Militärs vor Ort war, plötzlich diese toten Menschen auf der Straße zu finden waren. Wie kommt es, dass sie nicht da waren, als die Russen dort waren? Wie kommt es, dass sie erst auftauchten, nachdem die Russen weg waren?

Wenn ich den Fall als einen normalen Kriminalfall betrachten würde und mit den Ermittlern, dem FBI oder der Militärpolizei sprechen würde, würde ich sagen: „OK, schauen wir uns als erstes die Ukrainer an.“ Meine Vermutung wäre, und man fängt mit einer Vermutung an, wenn man ein Verbrechen untersucht – meine Vermutung ist, dass die Ukrainer diese Leute umgebracht haben, nachdem sie eingerückt waren, und nachdem sie herausgefunden haben: „OK, wer war freundlich zu den russischen Truppen, während die Russen hier waren? Wir werden sie hinrichten.“ Das wäre meine Vermutung. Denn ich sehe kein Motiv für die Russen, auf ihrem Weg aus der Stadt einfach ein paar Leute zu töten.

Niemand stellt das in Frage, weil die Medienkonzerne so monolithisch sind. Wir wissen aus dem Mund des Leiters eines ukrainischen Krankenhauses, dass er damit geprahlt hat, dass er allen seinen Ärzten strikte Anweisungen gegeben hat, dass verwundete russische Kriegsgefangene, wenn sie eingeliefert werden, kastriert werden müssen. Dies ist ein schreckliches Kriegsverbrechen, das aus dem Mund des Krankenhauschefs zugegeben wurde, und die ukrainische Regierung sagte: „Wir werden das irgendwie untersuchen“, als ob das keine große Sache wäre. Ich kann mir kein schrecklicheres Kriegsverbrechen vorstellen als dieses. Wo haben Sie davon gehört, auf ABC und MSNBC und CNN und FOX News? Nicht ein Sterbenswörtchen. Und doch sind die Beweise unbestreitbar.

Es gibt einen weiteren Clip über einen Sammelpunkt für Kriegsgefangene, wo die Ukrainer Gefangenen zu einem zentralen Punkt brachten – das ist ein etwa siebenminütiges Video – und die ukrainischen Soldaten haben sie einfach alle niedergeschossen. Wahrscheinlich 30 verwundete russische Soldaten lagen auf dem Boden, von denen einige offensichtlich an ihren Wunden starben. Einigen von ihnen haben sie Plastiktüten über den Kopf gestülpt. Männer liegen da, manche tödlich verwundet, mit auf dem Rücken gefesselten Händen, und sie haben Plastiksäcke über dem Kopf, die ihnen das Atmen erschweren. Und weil sie ihre Hände nicht bewegen können, können sie die Säcke nicht abnehmen, damit sie atmen können. Am Ende des Videos bringen die Ukrainer einen Lieferwagen mit drei unverwundeten russischen Kriegsgefangenen herein. Als die drei aussteigen und ihre Hände auf dem Rücken gefesselt sind, erschießen sie zwei von ihnen vor laufender Kamera, ohne zu zögern, und sie fallen um. Der dritte fällt auf die Knie und bettelt, dass sie ihm nicht wehtun. Und dann schießen sie auch ihn nieder! Das sind Verbrechen. Und diese wurden von der ukrainischen Regierung nicht widerlegt. Und man weiß nicht einmal, dass sie geschehen sind! Bis jetzt kann ich Ihnen sagen, dass die einzigen bewiesenen – ich sage nicht, dass es keine Kriegsverbrechen auf beiden Seiten gibt. Ich sage Ihnen nur, dass die einzigen, für die ich einigermaßen unwiderlegbare Beweise für Kriegsverbrechen gesehen habe, auf der ukrainischen Seite begangen worden sind.

Man hört oft, dass die Russen dieses oder jenes Gebäude zerstört haben. Dazu muss ich sagen: Schauen wir auf die Kriege zurück, die wir geführt haben, als wir in den Irak einmarschiert sind, dem „Shock and Awe“ – wir haben praktisch alles im Irak zerstört, alles von Bedeutung. Wir haben militärische und zivile Ziele bombardiert, ohne viel Unterschied. Die Koalition flog 100.000 Einsätze in 42 Tagen. Vergleichen Sie das mit den Russen, die im gleichen Zeitraum nur 8.000 Einsätze geflogen haben. 100.000 amerikanische Einsätze gegenüber 8.000 in etwa der gleichen Zeit. Ich denke, dass die Russen eher selektiv vorgegangen sind. Die Philosophie von Shock and Awe besteht darin, alles zu zerstören, was für die Aufrechterhaltung des menschlichen Lebens und für das Funktionieren einer Stadt notwendig ist. Man legt die Wasserversorgung, die Stromversorgung, die Heizung, das Öl, das Benzin lahm; man zerstört alle wichtigen Brücken. Man macht immer weiter und zerstört alles.

Es ist also wirklich ironisch. Und bedenken Sie, dass der Irak ein relativ kleines Land ist. Die Ukraine ist ein riesiges Land. 100.000 Einsätze in 42 Tagen, 8.000 Einsätze in etwa der gleichen Zeit. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem, was wir im Irak getan haben, und dem, was die Russen in der Ukraine getan haben, was die Gewaltanwendung angeht. Es gibt also einfach keine Glaubwürdigkeit, wenn man sich die Fakten ansieht und die Art und Weise, wie der Krieg geführt wurde.

BILLINGTON: Oberst Black, ich denke, Sie haben das Grauen sehr treffend beschrieben haben, das bereits stattfindet, und in Anbetracht der Tatsache, dass wir nicht auf einen Atomkrieg warten können, um einen neuen Westfälischen Frieden zu erzwingen, würde ich behaupten, dass das, was Sie beschrieben haben, bereits grauenhaft genug ist. In Verbindung mit dem hyperinflationären Zusammenbruch, der jetzt die westliche Welt überrollt und von dem alle betroffen sind, glauben wir, dass wir dies als sehr realen Schrecken und als Abstieg in ein dunkles Zeitalter betrachten müssen, um die Bürger in Europa und in den Vereinigten Staaten zu motivieren.

Wir stellen fest, dass es ein Aufwachen von Menschen gibt, die in der Vergangenheit ihre Verantwortung für die Menschheit als Ganzes nicht sehen wollten, die aber jetzt gezwungen sind, dies zu bedenken. Das ist die Grundlage, auf der wir in dieser Petition eine internationale Konferenz aller Nationen gefordert haben, mit den USA, Russland, China, Indien und so weiter, die einberufen werden muß, um diesen Horror zu beenden; aber auch um einen wahren Frieden für die Menschheit und eine Ära des Friedens durch Entwicklung herbeizuführen.

Wir danken Ihnen, dass Sie der Bevölkerung diesen Anflug der hässlichen Wahrheit vermittelt haben. Jeder muß ihn hören. Wenn Sie noch einen abschließenden Gedanken haben, bitte ich Sie, ihn jetzt zu äußern.

BLACK: Ich möchte nur noch eines hinzufügen: Ich danke dem Schiller-Institut für die enormen Anstrengungen, die Sie für den Weltfrieden unternommen haben. Das ist eine der wichtigsten Anstrengungen, die jemals unternommen wurden, und ich begrüße das sehr.

Schauen Sie sich Russland an: Die russischen Truppen, die in der Ukraine in die Schlacht zogen, hatten größtenteils noch keine Kampferfahrung. Dies ist eine Friedensarmee. Russland führt keine Kriege im Ausland. Syrien ist der einzige nennenswerte ausländische Einsatz, den sie bisher hatten. Vergleichen Sie das mit den Vereinigten Staaten, wo ein Soldat, der heute nach 30 Jahren Dienst in den Ruhestand geht, buchstäblich keinen einzigen Tag gedient hat, an dem die Vereinigten Staaten im Frieden waren. Das ist schon erstaunlich. Im Gegensatz dazu hat das russische Militär, von wenigen Ausnahmen abgesehen, immer in Frieden gelebt.

Wir müssen wirklich anfangen, über den Frieden und über die Grenzen der Kriegsführung nachzudenken, über diese Vorstellung, dass es irgendwie ein Nullsummenspiel braucht, bei dem sich der eine nimmt und der andere verliert. Wir leben in einer Welt, in der jeder vom Frieden profitieren und gedeihen kann. Aber ich befürchte, dass die Hyperinflation der Weckruf sein könnte, der die Welt aufrüttelt und zu der Erkenntnis führt, dass wir ein neues Paradigma für die Zukunft brauchen, und ich denke, dass der Westfälische Friede an diesem Punkt eine Möglichkeit werden könnte.

Ich danke Ihnen also nochmals für die Gelegenheit, hier zu sprehen. Es gibt immer Hoffnung, und ich glaube, dass es in der Zukunft mit dem Segen Gottes gut werden wird.

BILLINGTON: Vielen Dank an das Schiller-Institut, die LaRouche-Organisation und das EIR. Wir werden dies so schnell wie möglich veröffentlichen, weil es eine enorme Wirkung haben wird. Ich danke Ihnen.

BLACK: Ich danke Ihnen vielmals.

Leave a Reply

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Mr. Jackson
@mrjackson