Zwischen Himmel und Hölle

Bericht über das 177. Treffen der Internationalen Friedenskoalition

Die 177. wöchentliche Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) in Folge wurde von Dennis Small, dem Leiter der Iberoamerika-Abteilung der Nachrichtenagentur EIR, eröffnet. Er berichtete, daß Papst Leo XIV. vor einer Woche, am 16. Oktober, kurz nach einer Krebsoperation an seiner Lunge, vom Krankenhausbett aus den russischen Präsidenten Wladimir Putin angerufen hat — angeblich, um die Notwendigkeit eines fortwährenden, von gegenseitigem Respekt geprägten Dialogs zwischen Kulturen, Zivilisationen und Religionen zu erörtern, mit dem Ziel, Lösungen für die globale Krise zu finden. Small bezeichnete Medienberichte, wonach der Papst anschließend den amtierenden ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angerufen habe und mit beiden Seiten spreche, um zu prüfen, was gegen den Krieg in der Ukraine unternommen werden könne, als „Legende“ — und deutete an, es stecke „weitaus mehr dahinter“, als wir aus den Medienberichten erfahren.

Er wies darauf hin, daß die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Rußland historisch gesehen sehr schwierig waren und daß der Vatikan zudem nicht der Vermittler in einer etwaigen Einigung zwischen Rußland und der Ukraine ist und auch nicht sein kann — allerdings haben die Russen berichtet, daß die jüngsten Besuche von Erzbischof Paul Gallagher und Kardinal Matteo Zuppi in Rußland den Auftakt zu den notwendigen Gesprächen bilden.

Noch wichtiger, so Small, sei das vom Vatikan veranstaltete internationale Friedenstreffen über „Unbewaffneten und Entwaffnenden Frieden“ vom 25. bis 27. Oktober in Assisi, Italien, bei dem es um die Gefahren eines Atomkriegs gehen werde, für die der Papst ein starkes Interesse gezeigt habe.

Small wandte sich dann der humorvollen Seite der derzeit angespannten Beziehungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Selenskyj zu, die darauf zurückzuführen sind, daß Trump sich  — wenige Wochen vor den Kongreßwahlen — verzweifelt an Putin gewandt hat, um Dieselkraftstoff für die US-Bürger zu sichern, nachdem sein eigener wahnwitziger Krieg mit dem Iran die weltweite Verknappung nicht nur von Öl und Benzin, sondern insbesondere von Dieselkraftstoff verursacht hatte, von dem nicht nur die US-Wirtschaft, sondern die Weltwirtschaft abhängt.

Er merkte an, ein Dreiergipfel zwischen den Präsidenten Donald Trump, Wladimir Putin und Xi Jinping auf dem Gipfel-Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation (APEC) in Shenzhen am 18. und 19. November 2026 werde immer wahrscheinlicher — eine vielversprechende Entwicklung, die enorme Chancen sowohl zur Bewältigung der strategischen Krise als auch der zugrunde liegenden wirtschaftlichen Probleme eröffne.

Er sagte jedoch, wir müßten „unsere Erwartungen dämpfen“, und zwar aus mehreren Gründen.

Erstens antwortete Putin kürzlich in einem Interview auf die Frage nach seiner Reaktion auf Selenskys „großartiges Angebot“, den Konflikt mit Rußland entlang der aktuellen Frontlinien einzufrieren — selbst wenn dies den Verlust von 25% des ukrainischen Territoriums bedeute-, dies sei, nachdem diese Provinzen im Donbaß und in Noworossija 2022 für den Beitritt zur Russischen Föderation gestimmt hätten, „nicht ihr Territorium [der Ukraine] — eine Tatsache, die von unseren Neidern in Europa ignoriert wird, die ständig von der russischen Bedrohung sprechen und die Kriegsausgaben gegen den Willen ihrer eigenen Bevölkerung in die Höhe treiben.“

Zweitens ließ Putin, als er nach den Aussichten für ein Dreiergespräch zwischen den Vereinigten Staaten, Rußland und der Ukraine gefragt wurde, „die Tür offen“ — allerdings erst nach den US-Wahlen am 3. November und unter der Voraussetzung, daß das Ziel der Gespräche darin besteht, die langfristige Sicherheit der Ukraine und Rußlands zu gewährleisten. Schließlich haben trotz Trumps derzeitiger Neigung, die Sanktionen teilweise aufzuheben, um russische Dieselkraftstoffimporte zu ermöglichen, weder die Vereinigten Staaten, noch die Wall Street, noch die Londoner City die geringste Bereitschaft gezeigt, die katastrophale Wirtschaftspolitik zu ändern, die die eigentliche Ursache der Kriegsgefahr darstellt.

Zur Lage im Iran verwies Small auf den jüngsten Artikel des pensionierten US-Armeeobersts Douglas Macgregor mit dem Titel „Erwägt Trump die nukleare Option?“ Der Artikel zitiert den US-Unterstaatssekretär im „Kriegministerium“ und Atomkriegsbefürworter Elbridge Colby.

Small ging auf die massive Unruhe in der Bevölkerung der „atlantischen“ Nationen ein und hob insbesondere die Bedeutung der öffentlich verkündeten Entscheidung des American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) hervor, keine Kandidaten mehr zu unterstützen, da diese Unterstützungsbekundungen zum „Todeskuß“ geworden seien.

Abschließend erklärte er, das physikalische Universum funktioniere in einer Weise, die mit der Vorstellung des Kardinals Nikolaus von Kues aus dem 15. Jahrhundert von der „Koinzidenz der Gegensätze“ übereinstimmt. „Wir müssen eine Politik verfolgen, die im gemeinsamen Interesse der Menschheit liegt.“

Prof. Georgij Toloraja ist Direktor des Zentrums für asiatische Strategie am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften. Er sprach sich dafür aus, bei den bevorstehenden Gesprächen in Shenzhen eine neue strategische Architektur zu erörtern. Er erklärte, er arbeite an einer „globalen Taxonomie der Macht“. Die Vereinigten Staaten und China würden zwar „derzeit die Regeln festlegen“, es gebe jedoch die Möglichkeit für neue Vereinbarungen. Er widersprach der Charakterisierung des Gipfels als mögliches „Neues Jalta“ und äußerte die Sorge, daß die europäischen Regierungen „Haß“ gegenüber Rußland schüren und Europa „zum kranken Mann der Welt geworden“ sei.

Anschließend wurde ein Videointerview mit Peter Kuznick, Professor für Geschichte und Direktor des Nuclear Studies Institute an der American University in Washington, D.C., gezeigt. Er gab einen Überblick über Äußerungen führender Persönlichkeiten verschiedener Nationen, in denen die Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen offen diskutiert wird. Iranische Führer fordern nun die Entwicklung von Atomwaffen als einziges Mittel, das weitere Angriffe der Vereinigten Staaten und Israels abschrecken könnte. Laut aktuellen Umfragedaten lehnen 87% der Amerikaner einen Krieg mit dem Iran ab. Er bezeichnete den Papst als „eine Stimme der Vernunft, die für den Planeten spricht“ und forderte die Einbeziehung Selenskyjs in die Verhandlungen zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten über die Ukraine.

Prof. Richard Anderson Falk ist emeritierter Professor für Völkerrecht an der Princeton University, Vorsitzender des Kuratoriums des Euro-Mediterranean Human Rights Monitor und war von 2008 bis 2014 Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zur Menschenrechtslage in den palästinensischen Gebieten. Er erklärte, die Assisi-Initiative von Papst Leo XIV. zeige, daß das Zentrum moralischer Klarheit in der heutigen Welt nicht mehr beim Generalsekretär der Vereinten Nationen oder bei den säkularen Staatsführern liegt — mit Ausnahme Chinas. Trumps Unterstützung für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin „Bibi“ Netanjahu weise Trump offiziell als Befürworter des offensichtlichsten Falls von Völkermord seit dem Holocaust der Nazis aus, und stellte die Frage, welche Botschaft dies an die jüngere Generation sende. Er schloß mit der Feststellung, es sei ein Zeichen von Wahnsinn, wenn man so viel in Kriegstreiberei investiere und gleichzeitig schutzbedürftige Mitglieder der eigenen Gesellschaft vertreibe.

Jacques Cheminade, Vorsitzender der französischen Partei Solidarité et Progrès und dreimaliger Kandidat für das Amt des französischen Staatspräsidenten, bezeichnete Frankreich als „das Epizentrum eines globalen Erdbebens“ ziviler Unruhen. Er schilderte die Entstehung der Straßendemonstrationen, die mit berechtigten Beschwerden begannen, auf die jedoch der Einsatz von Provokateuren folgte, um die Bewegung durch gewalttätige Angriffe zu diskreditieren. „Die Rechte und die extreme Rechte reagierten darauf, indem sie Studenten mit Plünderern gleichsetzten.“ Er beschrieb die „zunehmende Militarisierung der Ordnungskräfte“, die brutale Taktiken gegen Demonstranten anwandten und Mitglieder eines Orchesters, das bei einer Kundgebung friedlich Musik aufführen wollte, mit Tränengas attackierten.

François Martin, französischer Geheimdienststratege, sagte, daß wir bei den bevorstehenden französischen Wahlen „den Kampf um den zweiten Platz“ miterleben. Er lieferte eine detaillierte und komplexe Analyse der Machtmanöver der verschiedenen französischen Parteien und Persönlichkeiten. Anschließend brachte er seine Zufriedenheit über die jüngsten Verhandlungen zwischen den USA und Rußland zum Ausdruck und beschrieb sie als den Beginn eines Weges zur Deeskalation in der Ukraine, deren Regime er als „fast am Ende“ bezeichnete. Er schloß sich der Beschreibung eines möglichen Gipfeltreffens zwischen Trump, Putin und Xi als „Neues Jalta“ an und kommentierte die europäische Haltung dazu wie folgt: „Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte.“

Dennis Small lobte Kuznicks Ausführungen, merkte jedoch humorvoll an, er vertrete in der Frage der Beteiligung von Selenskyj an den Verhandlungen eine andere Meinung.

Larry Johnson, ehemaliger CIA-Geheimdienstmitarbeiter und Mitglied der „Veteran Intelligence Professionals for Sanity“ (VIPS), antwortete Small mit den Worten: „Ich stimme Ihnen in Bezug auf den Kokain-Clown aus Kiew voll und ganz zu.“ Er warnte, die Evakuierung von US-Personal aus dem Nahen Osten sei ein klares Anzeichen dafür, daß die Vereinigten Staaten eine massive Eskalation planten. Auch die saudische Elite sei mit einer überstürzten Evakuierung beschäftigt. Die 31 Regionalkommandeure des Iranischen Revolutionsgardekorps (IRGC) im Iran seien ermächtigt worden, im Falle eines größeren Angriffs autonom zu handeln und aus eigener Initiative Angriffe auf US-amerikanische und israelische Ziele zu starten. Die jemenitischen Ansar Allah (Houthis) „verprügeln die Saudis gerade nach Strich und Faden“. Johnson widerlegte zudem die Behauptung der Trump-Regierung, daß Öl ungehindert durch die Straße von Hormus fließe. „Ich kann mich an keine Zeit in der Geschichte erinnern, in der es eine solche Kluft zwischen politischen Führern und der Bevölkerung gab.“ Trump hatte eigentlich vor, mit einem Angriff auf den Iran bis nach den Wahlen zu warten, doch dann reiste Hegseth nach Israel, wo er der „Bibi-Täuschung“ zum Opfer fiel und mit der Forderung nach sofortigen militärischen Maßnahmen zurückkehrte.

Small kommentierte diese „Entfremdung“ mit den Worten, genau dies führe zu revolutionären Situationen, die die Tür für Veränderungen öffnen — sei es zum Guten oder zum Schlechten. „Genau hier kommt dem Handeln des Papstes besondere Bedeutung zu.“

Larry Johnson prognostizierte, daß die Zwischenwahlen für Trump „eine völlige Katastrophe“ werden. Er rechnet zudem mit einer massiven Gegenreaktion auf die Korruption der Mitglieder der Trump-Familie, die sich auf außerordentlich arrogante Weise auf Kosten der Öffentlichkeit bereichert haben.

Diskussion

Dennis Small äußerte sich zu den Wahlen in Brasilien am Sonntag, dem 25. Oktober, wobei er auf den massiven und eindeutig spontanen Aufschwung des jugendlichen Aktivismus hinwies und diesen in den Kontext globaler Unruhen stellte. Er präsentierte eine Grafik, die das Korruptionsnetzwerk um den brasilianischen Präsidentschaftskandidaten Flávio Bolsonaro darstellt, zu dem unter anderem Susana Cordeiro Guerra gehört, die Patin der Kinder von Präsident Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und Ehefrau des bereits erwähnten Atomkriegsbefürworters Elbridge Colby.

Small schloß mit der Feststellung: „Die größte Korruption ist das bestehende Finanzsystem.“ Er bezeichnete den Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 und die Terroranschläge vom 11. September 2001 als „empörende, verzweifelte Provokationen“, die von Kräften inszeniert wurden, die angesichts eines herannahenden Finanzkollapses an der Macht bleiben wollten. Er stellte die Möglichkeit einer Zusammenarbeit zwischen den Nationen des Nordens und des Südens als Ausweg aus der gegenwärtigen Krise in den Raum. Die Einbringung dieser Idee in die gegenwärtige Massenbewegung könne den Ausschlag für ein positives Ergebnis geben.

            eir

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