{"id":98987,"date":"2023-09-12T14:07:04","date_gmt":"2023-09-12T18:07:04","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=98987"},"modified":"2023-09-12T14:11:43","modified_gmt":"2023-09-12T18:11:43","slug":"brics-eine-groessere-veraenderung-als-das-ende-des-kalten-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2023\/09\/12\/brics-eine-groessere-veraenderung-als-das-ende-des-kalten-krieges\/","title":{"rendered":"BRICS: Eine gr\u00f6\u00dfere Ver\u00e4nderung als das Ende des Kalten Krieges"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Von Helga Zepp-LaRouche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf der <strong><a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2023\/08\/14\/konferenzeinladung-lasst-uns-gemeinsam-mit-der-globalen-mehrheit-ein-neues-kapitel-der-weltgeschichte-aufschlagen\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2023\/08\/14\/konferenzeinladung-lasst-uns-gemeinsam-mit-der-globalen-mehrheit-ein-neues-kapitel-der-weltgeschichte-aufschlagen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Internetkonferenz des Schiller-Instituts am 9. September<\/a><\/strong> hielt die Gr\u00fcnderin und Vorsitzende des Instituts die folgende Rede. (\u00dcbersetzung aus dem Englischen, Zwischen\u00fcberschriften wurden von der Redaktion hinzugef\u00fcgt.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist dringend notwendig, da\u00df wir den normalen B\u00fcrgern der europ\u00e4ischen Nationen und der USA &#8211; die t\u00e4glich mit einer Flut von Nachrichten in den Mainstream-Massenmedien bombardiert werden, die im allgemeinen so verdreht sind, da\u00df sie eine fast v\u00f6llig fiktive parallele Realit\u00e4t schaffen &#8211; den tektonischen Wandel bewu\u00dft machen, der sich in diesem historischen Moment vollzieht. Denn nur wenn sie die Entscheidungen erkennen, die eindeutig vor uns liegen, besteht Hoffnung auf einen positiven Ausweg aus der gegenw\u00e4rtigen existentiellen Krise der Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist h\u00f6chste Zeit, den Erfolg bzw. das Scheitern der offiziellen Politik der letzten Zeit zu \u00fcberpr\u00fcfen, um die G\u00fcltigkeit oder die Fehler der eigenen Denkprinzipien zu beurteilen. Wenn es eine Lehre daraus gibt, wie es im 20. Jahrhundert zu zwei Weltkriegen gekommen ist, dann sind das die unz\u00e4hligen Fehlkalkulationen seitens der Teilnehmer an diesen Kriegen. Angesichts dieser Parallele kann man die Alarmglocken nur so schrill wie m\u00f6glich l\u00e4uten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geopolitische Konfrontation der US-gef\u00fchrten NATO \u00fcber die Ukraine, die keineswegs \u201eunprovoziert\u201c am 23. Februar 2022 begann, sondern eigentlich schon mit der von der NED [National Endowment for Democracy] finanzierten \u201eOrangenen Revolution\u201c 2004, und die mit Victoria Nulands Maidan-Putsch 2014 eskalierte, funktioniert eindeutig nicht so, wie es beabsichtigt war. Die beispiellose Serie von Sanktionen hat Ru\u00dfland nicht \u201eruiniert\u201c, wie Annalena Baerbock es sich gew\u00fcnscht hatte, sondern eine weitreichende Neuausrichtung Ru\u00dflands nach Osten und S\u00fcden bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch Ru\u00dflands Erwartung, da\u00df die Milit\u00e4rische Sonderoperation nur von kurzer Dauer sein w\u00fcrde, hat sich nicht erf\u00fcllt, da die russische F\u00fchrung offensichtlich die Auswirkungen der NATO-Operationen in der Ukraine seit dem Maidan-Putsch und die darauf folgende Haltung der Bev\u00f6lkerung sowie die weitreichende Bereitschaft des Westens zum milit\u00e4rischen Engagement in der Ukraine untersch\u00e4tzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist eine milit\u00e4rische Pattsituation erreicht, und die Fortsetzung der Milit\u00e4roperationen kann trotz aller neuen Waffenlieferungen nur zur v\u00f6lligen Zerm\u00fcrbung der menschlichen Ressourcen der Ukraine f\u00fchren, die bereits horrende Opferzahlen zu beklagen hat, und zur Gefahr einer Eskalation bis hin zur nuklearen Ebene, wenn entweder Ru\u00dfland seine territoriale Integrit\u00e4t bedroht sieht oder jemand glaubt, ein begrenzter Atomkrieg sei m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Europ\u00e4er davon \u00fcberzeugt waren, da\u00df ihr Nachgeben gegen\u00fcber den Forderungen nach immer \u201emehr Waffen\u201c f\u00fcr die Ukraine zu einem Sieg der Ukraine auf dem Schlachtfeld f\u00fchren w\u00fcrde, dann hat auch das nicht funktioniert. Statt dessen finden sich die europ\u00e4ischen Nationen v\u00f6llig abgeschnitten von jeglichen Beziehungen zu ihrem Nachbarn Ru\u00dfland wieder, die \u201eEnergieabh\u00e4ngigkeit\u201c hat sich von Ru\u00dfland auf die viel teurere amerikanische Energie verlagert, und Deutschland hat inzwischen selbst den Anschein eines Restes von Souver\u00e4nit\u00e4t und damit den Respekt der ganzen Welt verloren. Deutschland, das einstige wirtschaftliche Kraftzentrum Europas, durchl\u00e4uft einen rasanten Proze\u00df der Deindustrialisierung, verursacht durch die exorbitanten Preise f\u00fcr Energie, die die wunderbare Schutzmacht, der \u201eVerb\u00fcndete\u201c USA liefert, die nicht z\u00f6gern, die angeschlagenen deutschen Industriebetriebe mit Hilfe des Inflation Reduction Act in die USA umzusiedeln &#8211; ganz zu schweigen von den NordStream-Pipelines, wo niemand die nachtr\u00e4glich erfundene Geschichte \u00fcber die Segelyacht Andromeda glaubt. Ein beliebtes Sprichwort dieser Tage lautet: \u201eWozu braucht man Feinde, wenn man solche Freunde hat?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland hat sich in einen Fu\u00dfabtreter verwandelt, auf dem die NATO-Stiefel herumtrampeln, w\u00e4hrend die derzeitige politische F\u00fchrung mit ihrer gr\u00fcn-atlantischen Ideologie, f\u00fcr die es ein Euphemismus w\u00e4re, sie \u201edeutsch\u201c zu nennen, so ziemlich alles verspielt, was all die Generationen aus den Tr\u00fcmmerfeldern nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut haben. Die H\u00e4lfte des deutschen Mittelstandes, der das gesamte Sozialsystem des Landes speist, geht entweder in Konkurs oder verl\u00e4\u00dft das Land, um in den USA oder in China neu zu investieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00fcberw\u00e4ltigende Stimmung im Land ist verzweifelt; Restaurantbesitzer, Landwirte, Handwerker, Ladenbesitzer, Krankenschwestern, alle Arten von Dienstleistungsbranchen &#8211; sie alle haben das Gef\u00fchl, da\u00df ihnen der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weggezogen wird. Und diejenigen, die nicht zur Alternative f\u00fcr Deutschland, einer rechten Partei mit einigen guten Punkten, aber auch inakzeptablen Elementen, \u00fcberlaufen wollen, haben das Gef\u00fchl, da\u00df sie keine Stelle haben, an die sie sich wenden k\u00f6nnen. \u201eAlles wird gegen die Wand gefahren\u201c, ist einer der meistgeh\u00f6rten S\u00e4tze in vielen privaten Gespr\u00e4chen. Die Menschen f\u00fchlen sich v\u00f6llig verraten. Wir sollten uns daran erinnern, da\u00df es genau dieses Gef\u00fchl des Verrats nach dem Versailler Vertrag war, das der Weimarer Republik den Todessto\u00df versetzte!<\/p>\n\n\n\n<p>Eine viel folgenreichere Entwicklung<\/p>\n\n\n\n<p>Aber was die meisten B\u00fcrger des Westens nicht ahnen, ist, da\u00df sich anderswo, in den Teilen der Welt, die von den Vorg\u00e4ngen zwischen der NATO und Ru\u00dfland auch betroffen sind, eine viel gr\u00f6\u00dfere, viel folgenreichere Entwicklung vollzieht. Die \u201eKollateralsch\u00e4den\u201c, wie hohe Energie- und Lebensmittelpreise in diesen L\u00e4ndern, wurden [im Westen] als \u201evernachl\u00e4ssigbar\u201c angesehen, und dieses Versehen erweist nun sich als die gr\u00f6\u00dfte Fehleinsch\u00e4tzung \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einseitigen &#8211; und damit illegalen &#8211; Sanktionen gegen Ru\u00dfland und eine ganze Reihe anderer L\u00e4nder, die Beschlagnahmung von Staatsverm\u00f6gen und der Mi\u00dfbrauch des Dollars als Waffe, zus\u00e4tzlich zu den langj\u00e4hrigen Erfahrungen mit unfairen Handels- und Kreditbedingungen, haben zu einem gigantischen R\u00fcckschlag in den L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens gef\u00fchrt, der sich inzwischen zur Globalen Mehrheit entwickelt hat und mehr als 85% der Weltbev\u00f6lkerung darstellt. Die massiven Versuche der NATO-Staaten, L\u00e4nder in Lateinamerika, Asien und Afrika unter Druck zu setzen, damit sie sich im Ukraine-Konflikt auf die Seite der \u201eDemokratien\u201c der \u201eregelbasierten Ordnung\u201c gegen die vermeintlichen \u201eAutokratien\u201c und \u201eDiktaturen\u201c stellen, sind gr\u00fcndlich nach hinten losgegangen. Die Identit\u00e4t dieser L\u00e4nder als Teil der Blockfreien-Bewegung [NAM] und des \u201eGeistes von Bandung\u201c, des gro\u00dfen B\u00fcndnisses zwischen asiatischen und afrikanischen L\u00e4ndern der Konferenz von 1955, wurde wieder lebendig und damit auch die Erinnerung daran, da\u00df es die Sowjetunion war, die viele Entwicklungsl\u00e4nder in ihrem Unabh\u00e4ngigkeitskampf gegen die Kolonialm\u00e4chte unterst\u00fctzt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Lyndon LaRouche, mein verstorbener Ehemann, 1975 mit dem Vorschlag f\u00fcr die Internationale Entwicklungsbank (International Development Bank, IDB), die j\u00e4hrlich 400 Milliarden Dollar an Krediten f\u00fcr industrielle Entwicklungsprojekte ausgeben sollte, erstmals eine Alternative zum IWF und seinen Konditionalit\u00e4ten vorschlug, wurde dieser Vorschlag von der NAM, die bereits 75% der Weltbev\u00f6lkerung vertrat, aus vollem Herzen unterst\u00fctzt und in ihre Abschlu\u00dfresolution in Colombo, Sri Lanka, aufgenommen. Die Reaktion der damaligen Finanzm\u00e4chte war brutal: Indira Gandhi und Frau Bandaranaike wurden von der Macht verdr\u00e4ngt, Pr\u00e4sident Ali Bhutto und Premierministerin Indira Gandhi wurden einige Jahre sp\u00e4ter ermordet. Infolge dieser Angriffe spielte die NAM viele Jahre lang eine geschw\u00e4chte Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Lyndon LaRouche, dessen 101. Geburtstag wir gestern feierten, und seine internationale Bewegung schrieben unerm\u00fcdlich Entwicklungspl\u00e4ne:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>einen umfassenden Infrastrukturplan f\u00fcr den gesamten afrikanischen Kontinent, der 1976 auf einer Konferenz in Paris vorgestellt wurde,<\/li><li>die \u201eOperation Juarez\u201c f\u00fcr Lateinamerika in Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Pr\u00e4sidenten Lopez Portillo,<\/li><li>einen 50-Jahres-Plan f\u00fcr das Pazifikbecken angesichts der zu erwartenden Zunahme der Bev\u00f6lkerungsdichte in diesem Teil der Welt,<\/li><li>einen 40-Jahres-Plan f\u00fcr Indien, den Frau Gandhi umzusetzen begann,<\/li><li>den \u201eOasenplan\u201c f\u00fcr S\u00fcdwestasien sowie<\/li><li>1991, als die Sowjetunion zerfiel, die Eurasische Landbr\u00fccke oder Neue Seidenstra\u00dfe.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Alle diese Programme wurden auf buchst\u00e4blich Hunderten von Konferenzen und Seminaren auf f\u00fcnf Kontinenten vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Pr\u00e4sident Xi Jinping vor genau zehn Jahren und zwei Tagen in Kasachstan das Konzept der Neuen Seidenstra\u00dfe (BRI) vorgestellt hatte, ignorierten westliche Regierungen, Denkfabriken und Medien erstaunlicherweise dieses Programm, das eindeutig das gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturprogramm der Geschichte war, noch um Gr\u00f6\u00dfenordnungen gr\u00f6\u00dfer als der Marshallplan f\u00fcr Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber f\u00fcr die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens wurde die BRI zur gro\u00dfen Wende, sie erm\u00f6glichte es vielen von ihnen zum ersten Mal, ernsthaft Infrastrukturprogramme, Industrieparks, fortschrittliche Wissenschaftsprojekte usw. zu starten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab Ende 2017 wechselte die Haltung des Westens gegen\u00fcber der BRI abrupt von Gleichg\u00fcltigkeit zu Feindseligkeit. Erst in den Sicherheitspapieren des Pentagon und dann synchron in allen westlichen Medien und Denkfabriken wurde China in seinem Aufstieg als \u201eSystemrivale\u201c und \u201eGegner\u201c charakterisiert, was j\u00fcngst in der \u201eEntkopplung\u201c und dem \u201eDe-Risking\u201c gipfelte. Mit der j\u00fcngsten Erweiterung der BRICS zu BRICS-11 und dem bekundeten Interesse von rund 40 weiteren L\u00e4ndern, sich ebenfalls anzuschlie\u00dfen, ist die Idee einer vollst\u00e4ndigen Abkopplung von Ru\u00dfland und China mehr als absurd: Sie ist selbstm\u00f6rderisch. Die Perspektive, zwei mehr oder weniger getrennte Bl\u00f6cke zu schaffen, ist in der Realit\u00e4t nicht umsetzbar und kann nur als der vergebliche Versuch gesehen werden, einen Gegner vor einem geplanten milit\u00e4rischen Angriff wirtschaftlich zu schw\u00e4chen, der angesichts der Existenz von tausenden Atomraketen die Vernichtung der menschlichen Spezies und allen Lebens auf der Erde bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6konomie der Menschheit<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist an der Zeit, eine grundlegende strategische Neubewertung vorzunehmen. Liegt es jetzt nicht eher im Interesse der USA und der europ\u00e4ischen Nationen, die Initiative zu ergreifen, um mit allen L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens zusammenzuarbeiten und eine wohlhabende Welt f\u00fcr alle Nationen aufzubauen, als das Risiko einzugehen, eine Politik zu verfolgen, die zum \u201eEnde der Geschichte\u201c f\u00fchren k\u00f6nnte, allerdings auf ganz andere Weise, als Francis Fukuyama, der geistige Vater der gr\u00f6\u00dften politischen Fehleinsch\u00e4tzung, es sich vorgestellt hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Heute Morgen kam die Nachricht, da\u00df Premierminister Modi auf dem laufenden G20-Gipfel in Neu-Delhi in einem l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen Schritt verk\u00fcndet hat, n\u00e4mlich da\u00df die Afrikanische Union in die G20 bzw. damit G21 aufgenommen wurde. Das ist zwar positiv, aber v\u00f6llig unzureichend. Um die Gefahr eines dritten, diesmal thermonuklearen Krieges zu beseitigen, m\u00fcssen wir eine v\u00f6llig neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur schaffen, die die Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen aller Nationen auf dem Planeten ber\u00fccksichtigt. Und das ist nur m\u00f6glich, wenn sie auf der Entwicklung aller, auf dem Interesse des anderen und der Schaffung einer gemeinsamen Zukunft beruht, die f\u00fcr die gesamte Menschheit vielversprechend und aufbauend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die umfassende Studie <em>Die Neue Seidenstra\u00dfe wird zur Weltlandbr\u00fccke<\/em>, die das Schiller-Institut 2014 als Reaktion auf Pr\u00e4sident Xis Ank\u00fcndigung in Kasachstan 2013 ver\u00f6ffentlicht hat, kann die Grundlage f\u00fcr eine solche Friedensordnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert sein. Sie gibt eine klare Orientierung f\u00fcr den wirtschaftlichen Aufbau aller Teile des Planeten, konkrete Pl\u00e4ne zur \u00dcberwindung der Unterentwicklung im Globalen S\u00fcden sowie konkrete Leitlinien f\u00fcr den Wiederaufbau der verfallenden Volkswirtschaften des Globalen Nordens. Zusammen mit den \u201eZehn Prinzipien\u201c, die ich f\u00fcr eine solche neue Architektur vorgeschlagen habe, k\u00f6nnten diese Vorschl\u00e4ge die Grundlage f\u00fcr jeden ernsthaften Versuch sein, eine L\u00f6sung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtige Krise zu finden. Warum nicht eine Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen einberufen, um eine solche neue internationale Architektur zu er\u00f6rtern, wo doch offensichtlich so viele Menschen auf der ganzen Welt \u00fcber die Bedrohung des Weltfriedens besorgt sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee ist eine Weltlandbr\u00fccke, die alle infrastrukturell erschlossenen Kontinente durch Tunnel und Br\u00fccken miteinander verbindet, so da\u00df man bald mit einer Magnetbahn von der S\u00fcdspitze Argentiniens oder Chiles nach Norden durch Amerika \u00fcber die Beringstra\u00dfe und die Transsibirische Eisenbahn bis nach Gibraltar und weiter durch Afrika zum Kap der Guten Hoffnung reisen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird die Verwirklichung der Vision des deutschen \u00d6konomen Friedrich List mit seiner \u201eRaum- und Zeit\u00f6konomie\u201c sein, in der er beschrieb, wie ein fortschrittliches Transport- und Kommunikationssystem mit hoher Geschwindigkeit, dichtem Zeitplan und Kosteneffizienz der Infrastruktur ein neues Niveau der geistigen und materiellen Produktivkr\u00e4fte erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Diese Entwicklung werde dann zu einer \u201eRepublik des Planeten\u201c f\u00fchren, die auf der \u201e\u00d6konomie der Menschheit\u201c basiert, die es erm\u00f6glichen w\u00fcrde, da\u00df alle Talente ihre Ideen austauschen und in allen Bereichen der Wissenschaft und Kunst und in allen Wissensbereichen zusammenarbeiten, was wiederum die Effizienz aller Kr\u00e4fte der Menschheit steigern w\u00fcrde. Das ist nat\u00fcrlich das genaue Gegenteil von \u201eEntkopplung\u201c und \u201eDerisking\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Vorstellung von der zuk\u00fcnftigen Entwicklung der Menschheit zu einer gro\u00dfen Gemeinschaft der ganzen Welt, einer \u201e<em>datong shijie<\/em>\u201c, findet man auch bei Cai Yuanpei, dem ersten Bildungsminister der Republik China und Pr\u00e4sidenten der Universit\u00e4t Peking, der Schillers Konzept der \u00e4sthetischen Erziehung in China einf\u00fchrte. Offensichtlich lag Nikolaus von Kues&#8216; Idee von der Harmonie im Makrokosmos, die auf der bestm\u00f6glichen gegenseitigen Entwicklung aller Mikrokosmen beruht, die gleiche evolution\u00e4re Grundidee zugrunde. Gottfried Wilhelm Leibniz&#8216; Idee einer vorgegebenen Harmonie im Universum verk\u00f6rpert die gleiche Idee, ebenso wie Wernadskijs Vorstellung von der zunehmenden Herrschaft der Noosph\u00e4re \u00fcber die Biosph\u00e4re. Und ich erinnere mich sehr gut daran, wie Lyndon LaRouche seine Mitarbeiter verbl\u00fcffte, als er davon sprach, da\u00df trotz der gegenw\u00e4rtigen Bedeutung der Souver\u00e4nit\u00e4t des Nationalstaates das nicht die letzte Stufe in der Entwicklung der Menschheit sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen Sie sich den j\u00fcngsten Durchbruch an, den China vor einer Woche bei der kontrollierten Kernfusionstechnologie f\u00fcr eine neue Generation einer \u201ek\u00fcnstlichen Sonne\u201c, der Huanliu-3, erzielt hat. Nach Angaben der China National Nuclear Corporation (CNNC) wurde zum ersten Mal der Betrieb im Hochverfl\u00fcssigungsmodus mit einem Plasmastrom von einer Million Ampere realisiert. Der Hocheinschlu\u00dfmodus wird auch als Standardmodus f\u00fcr den Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER) in Cadarache, Frankreich, verwendet, der von sieben Mitgliedsparteien betrieben wird: China, EU, Indien, Japan, Ru\u00dfland, S\u00fcdkorea und USA. Diese inh\u00e4rent sichere Form der Kernenergie ist, sobald sie vollst\u00e4ndig realisiert ist, eine der Technologien, die der geopolitischen Rivalit\u00e4t die Grundlage entziehen wird, denn sie wird Energie so reichlich und billig machen, da\u00df sie billiger sein wird als die Fortsetzung milit\u00e4rischer Konflikte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Perspektive f\u00fcr ein v\u00f6llig neues Paradigma in den internationalen Beziehungen zeichnet sich am Horizont ab, und das k\u00f6nnte viel schneller kommen, als die meisten sich vorstellen k\u00f6nnen. Ein Wechsel in den Vereinigten Staaten bei den n\u00e4chsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen k\u00f6nnte die USA wieder auf den Weg der Republik bringen. Wie Sergej Glasjew angedeutet hat, wird wahrscheinlich im Jahr 2024, w\u00e4hrend Ru\u00dflands BRICS-Vorsitz, eine neue BRICS-W\u00e4hrung entstehen, die sich als Rettungsboot f\u00fcr das globale Finanzsystem erweisen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also allen Grund f\u00fcr eine kulturell optimistische Sicht auf die Zukunft der Menschheit &#8211; vorausgesetzt, wir ersetzen Ha\u00df, Neid und Mi\u00dfgunst durch Liebe, Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Neugierde auf das Potential der anderen Kulturen. Noch haben wir Zeit, die Axiome unseres Denkens neu zu justieren.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Auf der Internetkonferenz des Schiller-Instituts am 9. September hielt die Gr\u00fcnderin und Vorsitzende des Instituts die folgende Rede. 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