{"id":92809,"date":"2022-11-13T03:18:04","date_gmt":"2022-11-13T08:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=92809"},"modified":"2022-11-13T03:20:59","modified_gmt":"2022-11-13T08:20:59","slug":"die-rolle-der-blockfreien-bewegungin-einem-neuen-paradigma-der-internationalen-beziehungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/11\/13\/die-rolle-der-blockfreien-bewegungin-einem-neuen-paradigma-der-internationalen-beziehungen\/","title":{"rendered":"Die Rolle der Blockfreien-Bewegung<br>in einem neuen Paradigma der internationalen Beziehungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Helga Zepp-LaRouche<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es \u00fcbertrieben zu sagen, da\u00df die Menschheit mit der schwersten Krise ihrer Geschichte konfrontiert ist, wenn sich das Potential f\u00fcr einen globalen thermonuklearen Krieg und damit die wahrscheinliche Vernichtung der menschlichen Gattung von Tag zu Tag beschleunigt, wenn f\u00fchrende Experten davor warnen, da\u00df die Situation gef\u00e4hrlicher ist als auf dem H\u00f6hepunkt der Kuba-Krise \u2013 und das dennoch die F\u00fchrung einiger westlicher L\u00e4nder nicht \u00fcberzeugt, ihre Politik der Konfrontation von sogenannten \u201eDemokratien gegen Autokratien\u201c aufzugeben?<\/p>\n\n\n\n<p>Die treibende Kraft hinter dieser Kriegsgefahr ist der drohende Zerfall des neoliberalen Finanzsystems, das infolge jahrelanger Liquidit\u00e4tsspritzen in das Geldsystem und der Politik des \u201eGreat Reset\u201c, die der ehemalige tschechische Pr\u00e4sident Vaclav Klaus als \u201egr\u00fcnes Delirium\u201c bezeichnet, nun in die hyperinflation\u00e4re Phase eingetreten ist. Nahrungsmittel und Energie werden immer unerschwinglicher, so da\u00df nach Angaben des Weltern\u00e4hrungsprogramms kurzfristig 1,7 Milliarden Menschen von einer Hungersnot bedroht sind. Dar\u00fcber hinaus hat die Pandemie die Kluft zwischen den wenigen, die \u00fcber ein Milliardenverm\u00f6gen verf\u00fcgen, und den Milliarden, die ohne Gesundheitssystem, ohne Energie, sauberes Wasser oder ausreichend Nahrung mit Krankheiten und Hunger konfrontiert sind, erneut vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch 67 lange Jahre nach der Konferenz von Bandung m\u00fcssen wir also \u2013 wie Pr\u00e4sident Sukarno in seiner Er\u00f6ffnungsrede am 18. April 1955 \u2013 feststellen, da\u00df der Kolonialismus nicht tot ist, auch wenn er formal und angeblich nicht mehr existiert. Formal wurde zwar die Unabh\u00e4ngigkeit gew\u00e4hrt, aber die Souver\u00e4nit\u00e4t wird vielen Nationen verwehrt durch die W\u00e4hrungsstrukturen, die Handelsbedingungen und den fehlenden Zugang zu den Ressourcen, die eine Selbstbestimmung im Zuge wirtschaftlicher Entwicklung erm\u00f6glichen w\u00fcrden. Sanktionen, die aus geopolitischen Gr\u00fcnden gegen Drittl\u00e4nder verh\u00e4ngt werden, f\u00fchren immer wieder zu \u201ehumanit\u00e4ren Krisen\u201c, die darauf abzielen, die Not der Bev\u00f6lkerung so sehr zu vergr\u00f6\u00dfern, da\u00df sie sich gegen ihre Regierung erhebt und die Voraussetzungen f\u00fcr einen Regimewechsel schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentliche Konfrontation findet also nicht zwischen \u201eDemokratien\u201c und \u201eAutokratien\u201c statt, sondern zwischen jenen Kr\u00e4ften, die das Kolonialsystem in modernem Gewand aufrechterhalten wollen, und den L\u00e4ndern, die weiter f\u00fcr ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der Folgen, die eine weitere Eskalation zwischen den Atomm\u00e4chten h\u00e4tte \u2013 die zum wirklichen \u201eEnde der Geschichte\u201c f\u00fchren w\u00fcrde, n\u00e4mlich zu einem dritten, diesmal thermonuklearen Weltkrieg, gefolgt von einem nuklearen Winter \u2013, ist die gegenw\u00e4rtige Renaissance der Bewegung der Blockfreien Staaten das wichtigste Element, das den Weg zu einem neuen Paradigma weisen kann. Um die geopolitische Blockbildung und das fehlerhafte Denken im Sinne eines Nullsummenspiels zu \u00fcberwinden, ist es notwendig, das h\u00f6here Eine zu konzeptualisieren, das von v\u00f6llig anderer Qualit\u00e4t und h\u00f6herer Macht sein mu\u00df als die Vielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Interessen aller Parteien ber\u00fccksichtigen<\/h3>\n\n\n\n<p>Es ist ein in der Geschichte bew\u00e4hrtes Prinzip, da\u00df Friedensvertr\u00e4ge nur dann funktionieren, wenn sie die Interessen aller Parteien ber\u00fccksichtigen, wie es beim Westf\u00e4lischen Frieden der Fall war. Tun sie das nicht, wie beim Versailler Vertrag, f\u00fchren sie zu neuen Kriegen. Angesichts der vielen miteinander verwobenen Regionalkonflikte und der globalen Dimension der gegenw\u00e4rtigen Konfrontation zwischen den Atomm\u00e4chten ist die Lehre aus diesem historischen Prinzip die dringende Notwendigkeit einer neuen globalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die die Interessen eines jeden Landes auf dem Planeten ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Option eines funktionierenden europ\u00e4ischen Sicherheitssystems oder eines \u201egemeinsamen europ\u00e4ischen Hauses\u201c, wie sie von Gorbatschow am Ende der Sowjetunion beschworen wurde, besteht angesichts der sechsten NATO-Osterweiterung eindeutig nicht mehr. Die Absicht, eine \u201eglobale NATO\u201c zu schaffen, wie sie auf dem j\u00fcngsten Gipfel des B\u00fcndnisses in Madrid verk\u00fcndet wurde, einschlie\u00dflich der Einrichtung eines indopazifischen Hauptquartiers irgendwo in Asien, droht die Konfrontation zwischen den L\u00e4ndern, die einem solchen Milit\u00e4rb\u00fcndnis angeh\u00f6ren, und denjenigen, die politische, wirtschaftliche oder milit\u00e4rische Beziehungen zu Ru\u00dfland und China unterhalten wollen, zu verst\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Der chinesische Pr\u00e4sident Xi Jinping hat mit seiner Globalen Sicherheitsinitiative bereits einen Vorschlag zur \u00dcberwindung der geopolitischen Konfrontation unterbreitet, der zusammen mit seiner Globalen Entwicklungsinitiative ein Konzept f\u00fcr den erforderlichen Ansatz darstellt. Da jedoch einige westliche L\u00e4nder China als Hauptbedrohung f\u00fcr ihre Interessen hinstellen, werden sie auf diese Idee wahrscheinlich nicht positiv reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses geopolitische und historische Ungl\u00fcck macht die Wiederbelebung des \u201eGeistes von Bandung\u201c um so dringlicher. Die aus der Tradition der Bewegung der Blockfreien (Non-Aligned Movement, NAM) hervorgegangene Weigerung vieler L\u00e4nder, sich in eine Geometrie des Blockdenkens hineinziehen zu lassen, hat sich in letzter Zeit sehr deutlich gezeigt. Die Tatsache, da\u00df der n\u00e4chste G20-Gipfel in Indonesien stattfinden wird, k\u00f6nnte eine historische Chance bieten, der politischen Agenda eine konzeptionelle Komponente hinzuzuf\u00fcgen, die dar\u00fcber entscheidet, ob das Aussterben der Zivilisation droht oder ob die Menschheit in eine strahlende, sch\u00f6ne Zukunft geht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blockbildung f\u00fchrt zum Krieg<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Tradition der Konferenz von Bandung und der nachfolgenden Konferenzen der Bewegung der Blockfreien Staaten hat mit den F\u00fcnf Prinzipien der friedlichen Koexistenz und den zehn Grunds\u00e4tzen der NAM den Rahmen f\u00fcr die Schaffung einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur f\u00fcr die heutige Welt geschaffen. Die 120 Mitgliedsl\u00e4nder plus 17 Beobachterl\u00e4nder der NAM stehen f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der Menschheit, n\u00e4mlich 4,511 Milliarden Menschen in der NAM und 2,061 Mrd. als Beobachter, also 6,572 von rund 8 Milliarden Menschen. Und wie Pr\u00e4sident Sukarno in seiner Er\u00f6ffnungsrede auf der Konferenz von Bandung 1955 sagte, werden die Ozeane und Meere, die die Entwicklungsl\u00e4nder von den L\u00e4ndern trennen, die einen neuen Weltkrieg f\u00fchren k\u00f6nnten, die L\u00e4nder, die auf keiner Seite stehen und kein Interesse an dem Konflikt haben, nicht sch\u00fctzen. Auch Ministerpr\u00e4sident Nehru \u00e4u\u00dferte sich besorgt dar\u00fcber, da\u00df die milit\u00e4rische St\u00e4rke einiger gro\u00dfer Nationen sie dazu verleiten k\u00f6nnte, in milit\u00e4rischen Kategorien zu denken und vom richtigen Weg abzuweichen: \u201eWenn die ganze Welt zwischen diesen beiden gro\u00dfen Bl\u00f6cken aufgeteilt w\u00fcrde, was w\u00e4re dann das Ergebnis? Das unvermeidliche Ergebnis w\u00e4re Krieg.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist daher v\u00f6llig legitim und angemessen, da\u00df die NAM-L\u00e4nder bei der n\u00e4chsten Gelegenheit, bei der G20-Konferenz in Indonesien im November (oder bei einer au\u00dferordentlichen Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen, falls diese im Notfall einberufen wird), mit einer Stimme sprechen und eine neue Sicherheits- und Wirtschaftsarchitektur fordern, die den Interessen aller L\u00e4nder Rechnung tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Autorit\u00e4t der NAM, eine aktivere Rolle bei der Gestaltung der Weltordnung zu \u00fcbernehmen, ergibt sich aus den Lehren, die sie aus ihrer Geschichte gezogen hat. Auf der Konferenz von Bandung wurden die <em>Pancheel<\/em> \u2013 die F\u00fcnf Prinzipien der friedlichen Koexistenz \u2013 festgelegt, und auf den nachfolgenden Konferenzen wurde versucht, diesen erhabenen Geist beizubehalten. Doch am n\u00e4chsten kam die NAM der Formulierung, wie diese neue Ordnung wirtschaftlich aussehen sollte, auf der Konferenz in Colombo, Sri Lanka, 1976. Indira Gandhi stellte die Forderungen vor, die dann in die endg\u00fcltige Resolution aufgenommen wurden, n\u00e4mlich:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>die Aussetzung der Schuldenzahlung f\u00fcr die \u00e4rmsten L\u00e4nder,<\/li><li>ein neues universelles W\u00e4hrungssystem, das die Weltbank und den Internationalen W\u00e4hrungsfonds ersetzt,<\/li><li>die Schaffung eines neuen Kreditsystems, das an die globale Entwicklung gekoppelt sein sollte,<\/li><li>Dreieckshandelsabkommen zwischen dem Entwicklungssektor, den sozialistischen Staaten und den OECD-L\u00e4ndern.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Diese Resolution war fast identisch mit dem Vorschlag f\u00fcr eine Internationale Entwicklungsbank (IDB), den der amerikanische Staatsmann und \u00d6konom Lyndon LaRouche ein Jahr zuvor gemacht hatte, n\u00e4mlich den IWF durch ein neues Kreditsystem zu ersetzen, um die globale Entwicklung zu erleichtern.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele in den Entwicklungsl\u00e4ndern werden sich daran erinnern, wie diese Forderung, die den Wunsch von damals 75 L\u00e4ndern und der Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung darstellte, mit brutaler Gewalt beantwortet wurde. Zulfikar Ali Bhutto wurde wenig sp\u00e4ter ermordet, Frau Ghandi wurde von der Macht verdr\u00e4ngt, Frau Bandaranaikes Regierung in Sri Lanka wurde destabilisiert, der Zusammenhalt der NAM wurde geschw\u00e4cht, und nat\u00fcrlich wurde die Forderung nach einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung nie erf\u00fcllt. Man k\u00f6nnte eine lange Liste weiterer Opfer unter den Staatsf\u00fchrern des sogenannten Globalen S\u00fcdens anf\u00fchren. Und heute sind wir bei der eingangs erw\u00e4hnten, in der Weltgeschichte beispiellosen Krise angelangt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ganz klar: W\u00fcrde man den V\u00f6lkern der Welt ehrlich und objektiv die Gefahren vor Augen f\u00fchren, die ein nuklearer Weltkrieg mit sich br\u00e4chte \u2013 n\u00e4mlich eine Vernichtung in einem solchen Ausma\u00df, da\u00df keine Erinnerung an all die enormen K\u00e4mpfe der Menschheit um Fortschritt und Freiheit, an all die wunderbaren Sch\u00f6pfungen von Wissenschaft und Kunst auf der ganzen Welt \u00fcbrigbliebe \u2013, dann w\u00fcrden mehr als 99 Prozent von ihnen diesen Krieg ablehnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin mir auch sicher: Wenn sie die M\u00f6glichkeit h\u00e4tten, die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ungerechtigkeiten in der Welt wirklich zu verstehen und die Situation in jedem Land sowohl vom Standpunkt der besten Tradition dieser Nation als auch des Potentials, das sie und die Menschheit als Ganzes haben, zu betrachten, dann w\u00fcrden mehr als 99 Prozent der Menschen der Perspektive einer gerechten neuen Weltwirtschaftsordnung von ganzem Herzen zustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beides bleibt dem \u201eeinfachen Volk\u201c derzeit verwehrt, weil den meisten von ihnen das historische Wissen \u00fcber andere Kulturen oder pers\u00f6nliche Reiseerfahrungen fehlen und die Massenmedien in vielen L\u00e4ndern dazu neigen, Vorurteile \u00fcber andere Kulturen zu n\u00e4hren, die den geopolitischen Zielen des jeweiligen Establishments entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Blockfreie m\u00fcssen intervenieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Es ist daher dringend notwendig, da\u00df die F\u00fchrung der NAM fr\u00fchzeitig eine Gelegenheit findet, auf der B\u00fchne der Weltgeschichte zu intervenieren, indem sie in aller Deutlichkeit auf die Gefahren hinweist, die sich aus der geopolitischen Blockbildung ergeben, so wie es Ministerpr\u00e4sident Nehru in seiner Rede in Bandung getan hat, indem er aufzeigte, da\u00df \u201edas unvermeidliche Ergebnis ein Krieg w\u00e4re\u201c. Die Regierungen sollten auch das Bewu\u00dftsein der Weltbev\u00f6lkerung wecken und sie auf die Notlage der Menschen in den Entwicklungsl\u00e4ndern aufmerksam machen, indem sie das Leiden des Hungertods veranschaulichen, den Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung, als die grausamste und schmerzhafteste Art des Todes bezeichnet. In seinem 2012 erschienenen Buch <em>Wir lassen sie verhungern: Die Massenvernichtung in der Dritten Welt<\/em> spricht Ziegler von einer kannibalistischen Weltordnung, in der zehn globale Kartelle, die 85 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion beherrschen, dar\u00fcber entscheiden, wer i\u00dft und lebt, hungert und stirbt. Infolge von Nahrungsmittelspekulation, Landraub, \u00dcberschuldung und Biokraftstoffen stirbt alle f\u00fcnf Sekunden ein Kind unter zehn Jahren, sterben t\u00e4glich 57.000 Menschen an Hunger, und das in einer Welt, in der die globale Landwirtschaft nach Angaben des UN-Weltern\u00e4hrungsprogramms (WFP) problemlos Nahrungsmittel f\u00fcr 12 Milliarden Menschen produzieren k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, zehn Jahre sp\u00e4ter, sind 1,7 Milliarden Menschen vom Hungertod bedroht, doch die EU und andere westliche Regierungen bestehen immer noch darauf, bis zu 30% der Ackerfl\u00e4chen stillzulegen und den Einsatz von D\u00fcngemitteln und Pestiziden einzuschr\u00e4nken, was zu einem R\u00fcckgang der Ernten um 50% f\u00fchren wird. Dahinter steckt die malthusianische Denkweise der Politiker, die Malthus zu einer sich selbst erf\u00fcllenden Prophezeiung machen, indem sie solche menschenverachtenden Ma\u00dfnahmen durchsetzen \u2013 auch hier aus \u201egr\u00fcnem Wahn\u201c und Profitmaximierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser himmelschreienden Ungerechtigkeiten haben die F\u00fchrer der NAM jedes Recht und sogar die Pflicht, das Bewu\u00dftsein der Weltbev\u00f6lkerung daf\u00fcr zu wecken, da\u00df dieser Zustand von Hunger, Armut und Unterentwicklung in der Welt nicht das Ergebnis unvermeidlicher nat\u00fcrlicher Bedingungen ist, sondern der Durchsetzung eines Finanz- und Wirtschaftssystems, das die Reichen beg\u00fcnstigt und die Kluft zu den Armen vergr\u00f6\u00dfert, bis hin zum V\u00f6lkermord.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Weltfinanzsystem fordert \u201eSchmerzen\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses System ist jedoch am Ende seiner Kr\u00e4fte, wie der Vorsitzende der Federal Reserve Jerome Powell auf dem j\u00e4hrlichen wirtschaftspolitischen Symposium in Jackson Hole am 26. August dieses Jahres deutlich machte. Dort k\u00fcndigte er eine Politik brutaler Austerit\u00e4t an, die \u201eeinige Schmerzen\u201c verursacht, um die Inflation zu bek\u00e4mpfen. \u201eUm die Inflation zu bek\u00e4mpfen, wird wahrscheinlich eine anhaltende Periode mit einem Wachstum unter dem Trend erforderlich sein\u201c, behauptete er und k\u00fcndigte eine Hochzinspolitik f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit an, indem er auf die \u201eerfolgreiche Volcker-Desinflation in den fr\u00fchen 1980er Jahren\u201c verwies, Jahre, in denen die Zinss\u00e4tze auf \u00fcber 20% anstiegen. Diese \u00c4u\u00dferungen l\u00f6sten sofort eine t\u00f6dliche Kapitalflucht aus den M\u00e4rkten der Entwicklungsl\u00e4nder und zur\u00fcck in den Dollar aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Generaldirektor der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Agustin Carstens, warnte davor, da\u00df zuviel und zu schneller \u201eSchmerz\u201c das gesamte System zum Absturz bringen k\u00f6nnte, und verglich dies mit der sogenannten \u201eSargecke\u201c, in der ein Flugzeug unter seine Mindestgeschwindigkeit abbremst und nicht mehr gen\u00fcgend Auftrieb erzeugen kann, um seine H\u00f6he zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>In die gleiche Richtung wiesen der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Macron, der beklagte, da\u00df die \u201eZeiten des \u00dcberflusses\u201c vorbei seien, und der belgische Premierminister Alexander De Croo, der sagte, da\u00df die \u201en\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Winter schwierig sein werden\u201c. W\u00e4hrend die R\u00fcckkehr zur Schachtschen Wirtschaft \u2013 der Politik von Hitlers Finanzminister Hjalmar Schacht \u2013 f\u00fcr die \u201eehemals industrialisierten L\u00e4nder\u201c, wie man sie fast nennen mu\u00df, \u201eschwierig\u201c sein mag, w\u00e4re sie f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder m\u00f6rderisch und w\u00fcrde zu einem Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang in Milliardenh\u00f6he f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein neues Finanzsystem<\/h3>\n\n\n\n<p>Es ist daher zwingend erforderlich, da\u00df eine geeignete Plattform gefunden wird, um das derzeitige, kollabierende Finanzsystem zu reorganisieren. Dies kann im Rahmen der G20 geschehen oder, falls dies nicht m\u00f6glich ist, in einem anderen geeigneten Rahmen, wie den BRICS-L\u00e4ndern, der SCO oder einer anderen Institution des Globalen S\u00fcdens. Es mu\u00df ein neues Bretton-Woods-System mit den Modalit\u00e4ten geschaffen werden, wie sie urspr\u00fcnglich von Pr\u00e4sident Franklin D. Roosevelt beabsichtigt waren, aber wegen seines fr\u00fchen Todes nie verwirklicht wurden. Das vorrangige und unumst\u00f6\u00dfliche Ziel dieses neuen Systems mu\u00df die qualitative und quantitative Anhebung des Lebensstandards der Bev\u00f6lkerung im Entwicklungssektor und der Armen in der Welt im allgemeinen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das neue Kreditsystem mu\u00df langfristige, zinsg\u00fcnstige Kredite bereitstellen, die f\u00fcr Investitionen in die Basisinfrastruktur, die Landwirtschaft und die Industrie bestimmt sind, mit dem Ziel, die Produktivit\u00e4t der physischen Wirtschaft in jedem Land zu steigern. Was eine solche produktive Investition ist und was nicht, sollte anhand der wissenschaftlichen Prinzipien der physischen \u00d6konomie bestimmt werden, wie sie vom amerikanischen \u00d6konomen Lyndon LaRouche entwickelt wurden, d.h. sie m\u00fcssen auf eine Erh\u00f6hung der Energieflu\u00dfdichte im Produktionsproze\u00df abzielen, was zu einer Erh\u00f6hung der relativen potentiellen Bev\u00f6lkerungsdichte jeder Nation f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo immer dieses Wirtschaftssystem angewandt wurde, f\u00fchrte es zu einer erfolgreichen Industrialisierung des Landes. Das war der Fall beim Amerikanischen Wirtschaftssystem von Alexander Hamilton, bei der Anwendung der Theorien von Hamilton und Friedrich List durch den deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck, bei der Meiji-Restauration in Japan, bei der Industrialisierung Ru\u00dflands durch Graf Witte, beim New Deal von Roosevelt, beim deutschen Wirtschaftswunder des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, beim Wirtschaftswunder der s\u00fcdostasiatischen L\u00e4nder und nicht zuletzt beim Wirtschaftswunder Chinas, das 850 Millionen Menschen aus der Armut befreite.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptmerkmal dieses Systems besteht darin, da\u00df der Staat die hoheitliche Befugnis hat, Kredite zu vergeben, und solange dieser Kredit strikt auf produktive Investitionen ausgerichtet ist, ist er nicht inflation\u00e4r, vielmehr wird die Schaffung von realem materiellem Reichtum aufgrund der F\u00e4higkeit der Arbeitskraft, Mehrwert zu schaffen, immer gr\u00f6\u00dfer sein als der urspr\u00fcnglich geliehene Betrag. Da die einzige Quelle gesellschaftlichen wirtschaftlichen Wertes weder der Besitz nat\u00fcrlicher Ressourcen noch die F\u00e4higkeit ist, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, sondern ausschlie\u00dflich die Kreativit\u00e4t des einzelnen, ist es die Aufgabe des Staates, das kreative Potential aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bestm\u00f6glich zu f\u00f6rdern. Dazu haben Investitionen in ein modernes Gesundheitssystem und ein exzellentes allgemeines Bildungssystem hohe Priorit\u00e4t. Nat\u00fcrlich mu\u00df der Einsatz aller verf\u00fcgbaren Ressourcen, wie z.B. der nat\u00fcrlichen Ressourcen, und eine internationale Arbeitsteilung unter Ber\u00fccksichtigung geographischer oder klimatischer Gegebenheiten f\u00fcr eine optimale erweiterte Reproduktion der Wirtschaft mobilisiert werden. Das Ziel der Wirtschaft ist nicht die Bereicherung einiger weniger, sondern das Wohlergehen und Gl\u00fcck aller.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Entwicklungen gehen bereits in Richtung einer multipolaren Welt, in der sich L\u00e4nder f\u00fcr Wirtschaftsmodelle entscheiden, die mit ihren jeweiligen Kulturen und Traditionen in Einklang stehen. Es ist jedoch die einzigartige Aufgabe der NAM, zu versuchen, die gef\u00e4hrliche und kriegsf\u00f6rdernde Blockbildung zu \u00fcberwinden, indem sie ein allumfassendes Neues Bretton-Woods-System anbietet. In der Tradition von Pr\u00e4sident Sukarnos Rede auf der Bandung-Konferenz 1955 k\u00f6nnten sie seinen Hinweis auf den \u201eersten erfolgreichen antikolonialen Krieg in der Geschichte\u201c, d.h. den Amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg, und sein Zitat des Dichters Longfellow und seines Gedichts \u00fcber den ber\u00fchmten Ritt von Paul Revere aufgreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es gelingt, die Vereinigten Staaten und die europ\u00e4ischen Nationen an ihre besseren Traditionen zu erinnern, an die Politik von Benjamin Franklin oder John Quincy Adams, von Enrico Mattei, Charles de Gaulle oder die deutsch-indische Zusammenarbeit beim Bau des Stahlwerks in Rourkela, kann ein neues Paradigma der weltweiten Zusammenarbeit auf der Grundlage des Pancheel, der F\u00fcnf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher sollen wir den Optimismus nehmen, da\u00df der Geist von Bandung helfen wird, diese schwerste Krise der Menschheitsgeschichte zu \u00fcberwinden? Vielleicht, indem wir uns daran erinnern, was der deutsche Raketenwissenschaftler Krafft Ehricke, der \u201eVater der Centaur-Rakete\u201c des Apollo-Programms, als Erstes Gesetz der Raumfahrt formulierte: \u201eNiemand und nichts unter den Naturgesetzen dieses Universums setzt dem Menschen irgendwelche Grenzen, au\u00dfer der Mensch selbst.\u201c In diesem Sinne k\u00f6nnen wir ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit aufschlagen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Ist es \u00fcbertrieben zu sagen, da\u00df die Menschheit mit der schwersten Krise ihrer Geschichte konfrontiert ist, wenn sich das Potential f\u00fcr einen globalen thermonuklearen Krieg und damit die wahrscheinliche Vernichtung der menschlichen Gattung von Tag zu Tag beschleunigt, wenn f\u00fchrende Experten davor&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":63279,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[37,542,537,438],"tags":[],"class_list":["post-92809","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-de","category-hzl-text-de","category-hzl-video-de","category-helga-zepp-larouche-de"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/D7-HZL-profile-bueso-new.jpg","author_info":{"display_name":"madeleine","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/madeleine\/"},"modified_by":"madeleine","cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=92809"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92809\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92810,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/92809\/revisions\/92810"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/63279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=92809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=92809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=92809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}