{"id":88591,"date":"2022-06-22T16:30:12","date_gmt":"2022-06-22T20:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=88591"},"modified":"2022-06-22T16:30:14","modified_gmt":"2022-06-22T20:30:14","slug":"helga-zepp-larouche-entweder-wir-schaffen-das-unmoegliche-oder-wir-suchen-uns-einen-anderen-planeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/06\/22\/helga-zepp-larouche-entweder-wir-schaffen-das-unmoegliche-oder-wir-suchen-uns-einen-anderen-planeten\/","title":{"rendered":"Helga Zepp-LaRouche: Entweder wir schaffen das Unm\u00f6gliche oder wir suchen uns einen anderen Planeten!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Auf der <a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/05\/30\/schiller-institut-konferenz-weltweiter-dialog-fuer-eine-neue-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur-fuer-alle-nationen\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/05\/30\/schiller-institut-konferenz-weltweiter-dialog-fuer-eine-neue-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur-fuer-alle-nationen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Internetkonferenz des internationalen Schiller-Instituts <\/a>am 18. Juni 2022 hielt die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des Instituts die folgende Rede (Original Englisch, Zwischen\u00fcberschriften von der Redaktion hinzugef\u00fcgt).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Damen und Herren, liebe Freunde des Schiller-Instituts in aller Welt, stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem rasenden Schnellzug, der mit tausend Stundenkilometern f\u00e4hrt. Sie wissen, da\u00df die Bahn in wenigen Minuten eine Klippe erreichen wird, das hei\u00dft, da\u00df der Zug in einen Abgrund st\u00fcrzen wird, wo der Zug mitsamt allen Passagieren in einem H\u00f6llenfeuer vernichtet wird. Und Sie wissen, da\u00df der Lokf\u00fchrer v\u00f6llig verr\u00fcckt ist und absolut nichts tut, um diesen sicheren Untergang zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist in etwa die Situation, in der sich die Menschen in den Vereinigten Staaten, in Europa und damit leider in der ganzen Welt befinden. Nur ist es viel schlimmer, denn das Zugungl\u00fcck ist eigentlich ein Atomkrieg. Das H\u00f6llenfeuer ist f\u00fcnfmal hei\u00dfer als das Zentrum unserer Sonne, das 100 Millionen Grad Kelvin hat &#8211; denn das ist die Temperatur, die eine nukleare Explosion verursacht. Danach folgt, wenn wir nicht die Notbremse finden und rechtzeitig ziehen, ein nuklearer Winter, und es wird niemanden geben, der noch untersuchen k\u00f6nnte, wie es zu diesem letzten Moment in der Geschichte der einst so vielversprechenden menschlichen Spezies gekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zug, den ich hier beschreibe, ist die Politik der NATO, der USA, der EU und der L\u00e4nder, die auf ihrer Seite stehen, sowie ihrer Zentralbanken. Der verh\u00e4ngnisvolle Zug ist auf das falsche Gleis geraten, das an Klippe endet, wo er abst\u00fcrzt wegen der Hybris mit der Absicht, eine \u201eunipolare Welt\u201c auf der Grundlage der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Sowjetunion zerfiel, erkl\u00e4rte sich der Westen arrogant zum Sieger des Kalten Krieges. Es ist wichtig zu erkennen, da\u00df die Absicht, \u201eRu\u00dfland zu ruinieren\u201c, schon seit dem Ende der Sowjetunion besteht. Das ist keine russische Propaganda, das ist eine sehr gut dokumentierte historische Tatsache. Hinter der vom Westen eingeleiteten \u201eSchocktherapie\u201c gegen die russische Wirtschaft in der Jelzin-Periode stand ausdr\u00fccklich die Absicht, eine nukleare Supermacht in ein Rohstoffe exportierendes Dritte-Welt-Land zu verwandeln, deshalb sank russische Industriekapazit\u00e4t von 1991 bis 1994 auf nur 30%. Dies f\u00fchrte zu einem demographischen Zusammenbruch, es gab jedes Jahr eine Million weniger Russen. George Soros setzte alles daran, einen \u201eBrain Drain\u201c zu organisieren, um Ru\u00dfland als potentiellen Konkurrenten auszuschalten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcnf NATO-Osterweiterungen, einschlie\u00dflich der Stationierung des Aegis-Assure-Raketenabwehrsystems in Polen und Rum\u00e4nien sowie der MK-41-Abschu\u00dframpen, mit denen Tomahawk-Raketen und andere Angriffssysteme abgeschossen werden k\u00f6nnen, waren Teil einer kontinuierlichen Einkreisungspolitik, gegen die Ru\u00dfland immer wieder rote Linien zog, wo es seine existentiellen Sicherheitsinteressen bedroht sah. Und gegen die Ru\u00dfland die neuen nuklearen Waffensysteme entwickelte, wie den Hyperschallflugk\u00f6rper Avangard, einen hochman\u00f6vrierf\u00e4higen Interkontinentalflugk\u00f6rper mit einer Geschwindigkeit von Mach 20, den Hyperschall-Marschflugk\u00f6rper Kinschal, schnelle Unterwasserdrohnen, den Hyperschall-Marschflugk\u00f6rper Zirkon usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Weg dorthin wurden weitere Waggons angeh\u00e4ngt, einer davon die \u201eFarbrevolution\u201c, die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der ehemaligen Warschauer-Pakt-L\u00e4nder, die vom NED [National Endowment for Democracy], dem IRI [International Republican Institute] oder dem US-Au\u00dfenministerium mit Milliardenbetr\u00e4gen finanziert wird. Oder auch der vom Westen unterst\u00fctzte Putsch in der Ukraine 2014, der Nazi-Gruppen ins Spiel brachte, die seit dem Zweiten Weltkrieg die von westlichen Geheimdiensten gelenkt waren und denen sich die russischsprachige Bev\u00f6lkerung der Krim und des Donba\u00df nicht unterwerfen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Putin am 17. Dezember auf die zunehmenden milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten der ukrainischen Armee &#8211; die, wie sich jetzt herausstellt, jahrelang vom amerikanischen und britischen Milit\u00e4r ausgebildet wurde &#8211; sowie auf die Man\u00f6ver, bei denen atomwaffenf\u00e4hige US-Bomber bis an die russische Grenze geflogen wurden, mit der Forderung nach rechtlich bindenden Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten und der NATO reagierte, erhielt er keine Antworten auf die Kernforderungen &#8211; n\u00e4mlich Garantien, da\u00df die Ukraine nicht Mitglied der NATO wird und keine Angriffswaffen an der russischen Grenze stationiert werden. Aber nicht nur das, namentlich nicht genannte Beamte des Wei\u00dfen Hauses erkl\u00e4rten in einem anonymen \u201eHintergrundbriefing\u201c am 25. Januar &#8211; also vor der milit\u00e4rischen Invasion in der Ukraine &#8211; ausdr\u00fccklich, da\u00df das Ziel des Sanktionsregimes darin bestehe, \u201edie russische Wirtschaft zu ruinieren und jeden Versuch der Modernisierung und Diversifizierung weg von der Rohstoffproduktion zu verhindern\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. M\u00e4rz frohlockte die <em>Financial Times<\/em>, die \u201eBewaffnung der Finanzarchitektur\u201c durch den Westen werde Ru\u00dfland in den Staatsbankrott treiben. Und dann ist da noch das Zitat des franz\u00f6sischen Finanzministers Bruno Le Maire mit einer Aussage, die so bissig war, da\u00df er sie zur\u00fcckziehen mu\u00dfte: \u201eWir werden den Zusammenbruch der russischen Wirtschaft herbeif\u00fchren. Wir f\u00fchren einen totalen wirtschaftlichen und finanziellen Krieg gegen Ru\u00dfland, Putin und seine Regierung. Und lassen Sie es uns klar sagen &#8211; auch das russische Volk wird die Konsequenzen tragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das Royal United Services Institute (RUSI), nach eigener Aussage die \u00e4lteste milit\u00e4rische Denkfabrik der britischen Monarchie, beschrieb die westliche Ru\u00dflandpolitik als \u201eden russischen Frosch kochen\u201c. (Sie kennen dieses Bild, da\u00df der Frosch nicht aus dem Wasser springt, wenn man die Temperatur langsam erh\u00f6ht.) Und RUSI ruft dazu auf, \u00fcber einen ukrainischen Vorsto\u00df, die Krim milit\u00e4risch zur\u00fcckzuerobern, eine \u201eKubakrise auf Steroiden\u201c zu provozieren sowie kreative und nuancierte Vorschl\u00e4ge zu unterbreiten, wie man eingefrorene russische Verm\u00f6genswerte stehlen kann. Wie aufs Stichwort erkl\u00e4rte der ukrainische General Dmytro Martschenko, die Zerst\u00f6rung der Br\u00fccke von Kertsch, die Ru\u00dfland mit der Krim verbindet, sei nun das oberste Ziel, und sobald die erforderlichen Waffen eingetroffen seien, w\u00fcrden sie zur R\u00fcckeroberung der Krim eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lieferung von US-Langstreckenwaffen, wie z.B. die hochmobilen Raketensysteme, an die Ukraine und deren m\u00f6glicher Einsatz f\u00fcr Angriffe auf russisches Territorium, macht die USA v\u00f6lkerrechtlich unmittelbar zu einem Kriegsteilnehmer, was sofort einen hei\u00dfen Krieg zwischen Ru\u00dfland und den USA ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, den keine Seite verlieren m\u00f6chte. Eine Eskalation bis hin zu einem vollst\u00e4ndigen nuklearen Schlagabtausch k\u00f6nnte daher sehr schnell erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichgeschaltete Kriegspropaganda<\/p>\n\n\n\n<p>Um auf das Bild des verr\u00fcckten Lokomotivf\u00fchrers in unserem Zug zur\u00fcckzukommen: Die erschreckende Realit\u00e4t scheint zu sein, da\u00df das Establishment des Westens dieses thermonukleare Chickengame (\u201eAngsthasenspiel\u201c) spielt, ohne anscheinend die Intelligenz zu besitzen, zu durchdenken, da\u00df die Folge dieses r\u00fccksichtslosen Abenteurertums die Vernichtung von uns allen, einschlie\u00dflich ihrer selbst, sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend den Regierungen zahlreicher L\u00e4nder der Welt in Afrika, Lateinamerika und Asien klar ist, da\u00df die aktuelle strategische Krise nicht am 24. Februar mit \u201ePutins unprovoziertem Angriffskrieg\u201c begonnen hat, spiegelt die gleichgeschaltete Kriegspropaganda fast aller Politiker, Medien und Denkfabriken in den Vereinigten Staaten und Europa eine tiefsitzende ha\u00dferf\u00fcllte Mentalit\u00e4t gegen Ru\u00dfland und zunehmend auch gegen China wider, die nichts mit der Realit\u00e4t dieser L\u00e4nder zu tun hat &#8211; wie jeder wei\u00df, der sie kennt. Sie ist vielmehr das Ergebnis der Fortf\u00fchrung der Mentalit\u00e4t des Kalten Krieges ist, die jederzeit bereit ist, einen hei\u00dfen Krieg zu riskieren, und offenbar in den letzten drei Jahrzehnten als Gruppendenken in den Institutionen des Mainstreams kultiviert wurde. Der Wunsch, \u201eRu\u00dfland zu ruinieren\u201c, wie es die von der NATO eingesetzte, uns\u00e4gliche deutsche Au\u00dfenministerin ausdr\u00fcckt, ist eine R\u00fcckkehr zur Barbarei in den internationalen Beziehungen und spiegelt ein tief verwurzeltes Problem in ihrem Verst\u00e4ndnis von Diplomatie wider, das sie als erste Diplomatin des Landes haben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Angebot an die Ukraine, der EU beizutreten, und sei es auch nur als Kandidat, das Scholz, Macron, Draghi und Iohannis bei ihrer j\u00fcngsten Reise nach Kiew gemacht haben, ist ein weiterer Schritt zur Eskalation. In Wirklichkeit kommt das einem Angebot an die Ukraine zur NATO-Mitgliedschaft gleich, denn seit 2007 gibt es im EU-Vertrag die Pflicht zum milit\u00e4rischen Beistand, und die Ukraine k\u00f6nnte von allen EU-Mitgliedstaaten, von denen bis auf vier alle auch Mitglied der NATO sind, milit\u00e4rischen Beistand verlangen. Das hei\u00dft, wenn auch nur ein Land milit\u00e4risch in einen Krieg verwickelt wird, kann dieses Land automatisch die Beistandspflicht der NATO in Anspruch nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kommen die Lieferungen schwerer Waffensysteme und die Ausbildung der ukrainischen Truppen sowie der Einsatz ausl\u00e4ndischer S\u00f6ldner in der Ukraine, der die USA, Gro\u00dfbritannien und andere beteiligte L\u00e4nder nach Ansicht des amerikanischen Verfassungsexperten Bruce Fein bereits zu Mitkriegsparteien gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Um beim Bild des Zuges zu bleiben: Die Vorderr\u00e4der der Lokomotive h\u00e4ngen vielleicht schon \u00fcber der Klippe. Nat\u00fcrlich konnten Ru\u00dfland und andere L\u00e4nder nicht umhin zu bemerken, da\u00df die USA und ihre Verb\u00fcndeten weit \u00fcber die einfache Eind\u00e4mmung der Sowjetunion w\u00e4hrend des Kalten Krieges hinausgegangen sind, sondern da\u00df der Westen jetzt offen davon spricht, \u201eRu\u00dfland zu ruinieren\u201c und die Beziehungen \u201ef\u00fcr immer\u201c abzubrechen, als ob wir nicht auf demselben eurasischen Kontinent leben w\u00fcrden. In dieser Geometrie gibt es keinen Raum f\u00fcr ein diplomatisch ausgehandeltes Ende des Krieges in der Ukraine, sondern nur einen Sieg der Ukraine und eine Niederlage Ru\u00dflands. Die angestrebte Dezimierung Ru\u00dflands schafft in diesem Szenario dann Raum f\u00fcr eine Eind\u00e4mmungsstrategie gegen China, in dem die USA und Gro\u00dfbritannien den schwierigsten Konkurrenten betrachten. Die Kampagne, sich auch von China wirtschaftlich zu l\u00f6sen, begleitet von einer \u00e4hnlichen D\u00e4monisierung, ist bereits in vollem Gange.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftliche Selbstzerst\u00f6rung<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ergebnis ist nicht nur, da\u00df wir am Rande eines globalen Atomkrieges stehen, sondern auch, da\u00df wir uns in einem gigantischen Proze\u00df der Selbstzerst\u00f6rung unserer Wirtschaft, unserer sozialen Stabilit\u00e4t und der Grundlagen unserer Gesellschaft befinden. Diese Politik wird auch die Wirtschaft der USA und Gro\u00dfbritanniens ruinieren, aber die Auswirkungen auf Deutschland werden absolut katastrophal sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tendenz zu einem hyperinflation\u00e4ren Platzen der \u201eAlles-Blase\u201c war bereits im Gange, als Ergebnis des r\u00fccksichtslosen Gelddruckens der Zentralbanken und der wiederholten Rettungsaktionen f\u00fcr die Banken und Spekulanten seit 2008 &#8211; ein systemischer Zusammenbruch des Systems, noch lange bevor der Krieg in der Ukraine begann. Doch die Auswirkungen der Alles-Sanktionen und selbstm\u00f6rderischen Kapitulationen Deutschlands wie im Fall von Nord Stream 2 und geplanten Embargos gegen russisches \u00d6l und Gas werden in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten die Preise f\u00fcr Gas, Energie, Lebensmittel und alle anderen lebensnotwendigen G\u00fcter in die H\u00f6he treiben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr weite Teile der Bev\u00f6lkerung werden sie eine unbezahlbare H\u00f6he erreichen. Es droht ein totaler sozialer Zusammenbruch, ein Massenbankrott f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen. Schon jetzt sind die Lieferketten in vielen Bereichen unterbrochen, wof\u00fcr Chinas COVID-Politik nur einen sehr geringen Teil der Verantwortung tr\u00e4gt. Aber die Ru\u00dfland-Sanktionen betreffen fast alle Bereiche. Es gibt kein Bauholz mehr aus Ru\u00dfland, die Versicherungen f\u00fcr \u00d6ltanker werden nicht bezahlt, es fehlt an D\u00fcngemitteln usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auswirkungen auf die Entwicklungsl\u00e4nder sind noch um Gr\u00f6\u00dfenordnungen verheerender. Nach Angaben der UNO und des Weltern\u00e4hrungsprogramms sind 1,7 Milliarden Menschen in n\u00e4chster Zeit von einer Hungersnot bedroht. In vielen L\u00e4ndern wie dem Libanon oder Peru und vielen anderen bricht die gesamte Wirtschaft v\u00f6llig zusammen. Die galoppierende Inflation bedroht bereits ganze Bereiche der Industrie und der Landwirtschaft. Im ehemals reichen Deutschland l\u00e4\u00dft bereits jeder Sechste wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise eine Mahlzeit pro Tag ausfallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die US-Notenbank die Zinsen um 0,75% angehoben hat, haben die anderen Zentralbanken im Juli damit begonnen, die Zinss\u00e4tze zu erh\u00f6hen. Das birgt die unmittelbare Gefahr einer schweren Schuldenkrise in den Schwellenl\u00e4ndern und einer Kettenreaktion von Firmenzusammenbr\u00fcchen im ehemals fortgeschrittenen Sektor. Wir befinden uns inmitten eines Zusammenbruchs des gesamten transatlantischen Finanzsystems. Wenn hier nicht bald Abhilfe geschaffen wird, k\u00f6nnten wir noch vor Ende des Jahres in ein totales Chaos st\u00fcrzen, was sogar der Pr\u00e4sident der Weltbank David Malpass einger\u00e4umt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sanktionen schaden Ru\u00dfland nat\u00fcrlich, aber viel weniger als dem Westen, wie Putin gerade auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum triumphierend erkl\u00e4rt hat. Sie sind eigentlich fast ein Segen, denn sie haben den Aufbau eines v\u00f6llig neuen Finanz- und Wirtschaftssystems beschleunigt, in dem viele der von meinem verstorbenen Mann Lyndon LaRouche definierten Prinzipien Anwendung finden. Auf der Grundlage von Chinas G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative sind mehrere Organisationen dabei, aus dem Dollar auszusteigen &#8211; eine W\u00e4hrung, die nach der Beschlagnahme von Verm\u00f6genswerten mehrerer L\u00e4nder durch das US-Finanzministerium nicht mehr als sicher gilt. Und der multilaterale Handel wird nun in Rubel, Rupien, Renminbi und anderen nationalen W\u00e4hrungen abgewickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Ru\u00dfland ergibt sich daraus eine breit angelegte Verlagerung der geographischen Struktur seiner Au\u00dfenwirtschaftsbeziehungen nach Asien, die den Einschnitt im Handel mit der EU fast vollst\u00e4ndig kompensiert. In Bischkek fand die Konferenz des Eurasischen Wirtschaftsforums statt, auf der unter anderem die Einf\u00fchrung eines digitalen Rubels f\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Zahlungsverkehr, die Umgehung eines unter Sanktionsdruck stehenden Bankensystems und ernsthafte Investitionen in Forschung und Entwicklung zum Aufbau unabh\u00e4ngiger Kapazit\u00e4ten in allen Bereichen diskutiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die BRICS-Staaten werden in wenigen Tagen, am 24. Juni, ihren Gipfel in China abhalten, wo sie \u00fcber die Aufnahme neuer Mitglieder beraten werden. Laut Duma-Pr\u00e4sident Wolodin haben die aufstrebenden \u201eG8-Staaten\u201c Ru\u00dfland, China, Indien, Indonesien, Brasilien, Mexiko, Iran und die T\u00fcrkei die G7-Staaten im Hinblick auf das BIP bereits \u00fcberholt. Andere Organisationen und Nationen arbeiten auf ein neues Modell einer globalen Ordnung hin, wie die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit, die Organisation des Vertrags \u00fcber kollektive Sicherheit, ASEAN und viele Nationen des globalen S\u00fcdens.<\/p>\n\n\n\n<p>Was alle diese L\u00e4nder vereint, ist der Wunsch nach gemeinsamer Armutsbek\u00e4mpfung, echter Entwicklung ihrer Volkswirtschaften, nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t, dem Recht, ihr eigenes Modell der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung zu w\u00e4hlen, und Zusammenarbeit in ihrem gemeinsamen Interesse. Das haben sie im wesentlichen in der Zusammenarbeit mit China und Ru\u00dfland gefunden, weshalb sich viele von ihnen dem Druck nicht beugen und sich der Verurteilung Ru\u00dflands f\u00fcr die Geschehnisse in der Ukraine nicht anschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eDemokratien\u201c sind also in Wirklichkeit nur die USA, Gro\u00dfbritannien, die EU (die allerdings gespalten ist), Japan, Australien und S\u00fcdkorea. Wenn also Ende dieses Monats der j\u00e4hrliche NATO-Gipfel in Madrid zusammentrifft, um einen Plan f\u00fcr eine globale NATO und eine neue Sicherheitsdoktrin vorzulegen &#8211; nat\u00fcrlich ohne einen echten Plan f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung, den es mit Sicherheit nicht geben wird -, wird er an den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen einer Welt, die mit Hungersn\u00f6ten, Pandemien und wirtschaftlichem Chaos konfrontiert ist, vorbeigehen. Die NATO wird gro\u00dfspurig auftreten, aber sie wird ein Kolo\u00df auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>LaRouches Vorhersage<\/p>\n\n\n\n<p>1971 machte mein verstorbener Mann Lyndon LaRouche die wahrscheinlich wichtigste und vorausschauendste Analyse, die je in der Geschichte gemacht wurde. Als Pr\u00e4sident Nixon das Bretton-Woods-System aufgab, indem er den Dollar aus dem Goldstandard herausnahm und die festen Wechselkurse durch freie Wechselkurse ersetzte, sagte er vor einem halben Jahrhundert voraus, da\u00df eine Fortsetzung dieser Politik unweigerlich zu einer neuen Depression, einem neuen Faschismus und einem neuen Weltkrieg f\u00fchren w\u00fcrde, wenn nicht ein v\u00f6llig anderes System eingef\u00fchrt w\u00fcrde. Das ist genau der Punkt, an dem wir uns jetzt befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat auch schon lange die Abhilfe in vier grundlegenden Punkten beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Wenn das transatlantische System nicht den Weg der Hyperinflation von Weimar-Deutschland 1923 einschlagen oder einen pl\u00f6tzlichen Zusammenbruch erleiden soll, mu\u00df es zuerst eine globale Glass-Steagall-Bankentrennung geben; genau das, was Roosevelt 1933 tat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet, da\u00df die Gesch\u00e4ftsbanken einer Konkurssanierung unterzogen werden m\u00fcssen. Sobald sie von verschiedenen Kategorien von Schrott, wie z. B. der Beteiligung an Derivaten, befreit sind, m\u00fcssen sie unter Gl\u00e4ubigerschutz gestellt werden. Die anderen Banken und Finanzinstitute m\u00fcssen ihre B\u00fccher in Ordnung bringen, aber sie d\u00fcrfen auf keinen Fall weitere Rettungspakete erhalten, unter welchem Deckmantel auch immer. Wenn sie ohne Steuergelder nicht auskommen, sollen sie dichtmachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens mu\u00df jedes Land seine eigene Nationalbank gr\u00fcnden, in der Tradition von Alexander Hamilton, wie es mit der Reconstruction Finance Corporation unter Roosevelt und der Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau, die der Reconstruction Finance Corporation nachempfunden war, erfolgreich geschehen ist. Das war der Hauptmotor f\u00fcr das deutsche Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit. Auf diese Weise wird die Macht der Kreditsch\u00f6pfung f\u00fcr Investitionen in Projekte f\u00fcr das Gemeinwohl an die souver\u00e4nen Regierungen zur\u00fcckgegeben, anstatt die \u201eBazooka\u201c der privaten Bankiers zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens m\u00fcssen zwischen diesen Nationalbanken langfristige multilaterale Kooperationsvereinbarungen geschlossen werden f\u00fcr Investitionen in internationale Infrastrukturprojekte wie Entwicklungskorridore, Industrieparks, Landwirtschaft, Wassermanagementsysteme, Energieerzeugung und -verteilung, ein modernes Gesundheitssystem in jedem Land, Bildungssysteme usw. Diese Kreditvertr\u00e4ge mit langer Laufzeit und niedrigen Zinss\u00e4tzen stellen bereits ein neues Kreditsystem dar. In diesem System mu\u00df es periodisch festgelegte Wechselkurse der nationalen W\u00e4hrungen, eine begrenzte Konvertibilit\u00e4t, Devisen- und Kapitalkontrollen und ein Verbot der Schaffung von M\u00e4rkten f\u00fcr W\u00e4hrungsspekulation geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Viertens mu\u00df es ein internationales Crash-Programm geben, um die kommerzielle Nutzung der Fusionstechnologie zu erreichen, denn das wird der Menschheit Energie- und Rohstoffsicherheit geben und damit einen Hauptgrund f\u00fcr Kriege in der Vergangenheit beseitigen. Zusammen mit der Zusammenarbeit im Weltraum und gro\u00dfen Investitionen in die Grundlagenforschung und die Forschung und Entwicklung der Biowissenschaften wird dies f\u00fcr die Weltwirtschaft die n\u00e4chste wirtschaftliche Plattform mit einer h\u00f6heren Produktivit\u00e4t schaffen, die die Produktivit\u00e4tsverluste aufgrund der monetaristischen und falsch verstandenen \u00f6kologischen Politik des neoliberalen Modells ausgleichen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine neue internationale Architektur<\/p>\n\n\n\n<p>Warum habe ich diesem Vortrag den Titel \u201eMission Impossible\u201c gegeben &#8211; \u201eDas Unm\u00f6gliche schaffen\u201c? Weil buchst\u00e4blich alles &#8211; der Fortbestand der gesamten Menschheit &#8211; von der Aussicht abh\u00e4ngt, da\u00df wir die Vereinigten Staaten und die europ\u00e4ischen Nationen davon \u00fcberzeugen k\u00f6nnen, ihre wahnsinnige, kostspielige und selbstzerst\u00f6rerische Politik der Konfrontation mit Ru\u00dfland und China zu beenden, sich f\u00fcr einen sofortigen Waffenstillstand und eine diplomatische L\u00f6sung in der Ukraine einzusetzen und den Proze\u00df des Wiederaufbaus der Weltwirtschaft einzuleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausweg aus der Kriegsgefahr und dem finanziellen Kollaps ist eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur, die die Interessen aller L\u00e4nder der Erde ber\u00fccksichtigt: die Interessen Ru\u00dflands, Chinas, der Vereinigten Staaten, der europ\u00e4ischen Nationen und vor allem die der Entwicklungsl\u00e4nder. Angesichts der derzeitigen Politik der \u201eDemokratien\u201c erscheint das unm\u00f6glich, das ist es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In den kommenden Wochen und Monaten wird das v\u00f6llige Scheitern des neoliberalen Modells f\u00fcr jedermann so deutlich werden, da\u00df weder \u201eFrieren f\u00fcr die Freiheit\u201c &#8211; wie es der deutsche Wirtschaftsminister Habeck vorschl\u00e4gt, der vorschreiben will, wie kalt es in den Wohnungen zu sein hat &#8211; noch \u201eHungern f\u00fcr die Demokratie\u201c viel Anklang finden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wir jetzt brauchen, ist eine Bewegung von Staatsb\u00fcrgern, von gew\u00f6hnlichen Menschen aus allen Schichten, die F\u00fchrung \u00fcbernehmen, wenn sie sehen, da\u00df ihr Land von einem politischen Establishment gekapert wurde, das sich nicht um sie k\u00fcmmert, das nur daran denkt, wie es seine Positionen und Privilegien sch\u00fctzen kann, und dessen Politik eine Klasse von Million\u00e4ren und Milliard\u00e4ren geschaffen hat, w\u00e4hrend die Lebensersparnisse der Mehrheit von der Hyperinflation aufgefressen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen in jeder Nation eine Bewegung von B\u00fcrgern, die den Mut haben zu handeln, um das zu korrigieren, von dem sie wissen, da\u00df es falsch ist, angefangen mit der Unterwerfung unter die gegenw\u00e4rtige unertr\u00e4gliche Meinungsdiktatur, die nur die Wiederholung des offiziellen NATO-Narrativs zul\u00e4\u00dft und jeden, der versucht, die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Krise zu erhellen, beschuldigt, ein Putin-Agent zu sein oder im Dienste der Kommunistischen Partei Chinas zu stehen. Warum laden wir in unsere Talkshows nicht Kommentatoren aus Ru\u00dfland, China, Indien, Mexiko, Afghanistan, Ghana, Syrien oder Pakistan ein, statt der immer gleichen Liga von gleichgeschalteten Experten, die uns weismachen wollen, die Erde sei flach und der Schnee sei schwarz? Ja, la\u00dft uns um der wunderbaren Demokratie und der Menschenrechte willen \u00fcber den Fall Julian Assange diskutieren und dar\u00fcber, welches Verbrechen er begangen hat. La\u00dft uns zur\u00fcckweisen, was in unserer Kultur verrottet ist: die Perversion und Banalit\u00e4t der Unterhaltungsindustrie, die uns dumm und passiv machen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Mission Impossible zu gewinnen, m\u00fcssen wir die beste kulturelle Tradition in jedem Land in Europa und in den Vereinigten Staaten wiederbeleben; die Asiaten tun es bereits. Die Deutschen m\u00fcssen wieder ein Volk von Dichtern und Philosophen werden; die Italiener gro\u00dfe Renaissance-K\u00fcnstler; die Franzosen Wissenschaftler der \u00c9cole Polytechnique. Die Amerikaner sollten ihr Land wieder in einen Tempel der Freiheit und ein Leuchtfeuer der Hoffnung verwandeln. Nur wenn wir bereit sind, uns auf diese Weise zu ver\u00e4ndern und bessere Menschen zu werden, die sich nicht wie wilde Tiere auff\u00fchren, die andere L\u00e4nder \u201eruinieren\u201c wollen, sondern die wollen, da\u00df sie sich bestm\u00f6glich entwickeln, die wollen, da\u00df sie aufbl\u00fchen und alle Talente ihrer Menschen zur Entfaltung kommen &#8211; nur dann werden wir eine sch\u00f6ne Zukunft f\u00fcr uns haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Haben wir den Mut, aufzustehen und die Notbremse dieses schrecklichen Zuges zu ziehen, in dem wir sitzen, und die Fahrt ins Armageddon zu stoppen. Ich danke Ihnen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Internetkonferenz des internationalen Schiller-Instituts am 18. Juni 2022 hielt die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des Instituts die folgende Rede (Original Englisch, Zwischen\u00fcberschriften von der Redaktion hinzugef\u00fcgt). 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