{"id":86802,"date":"2022-04-15T04:01:36","date_gmt":"2022-04-15T08:01:36","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=86802"},"modified":"2022-04-15T04:01:38","modified_gmt":"2022-04-15T08:01:38","slug":"zum-100-jahrestag-von-rapallo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/04\/15\/zum-100-jahrestag-von-rapallo\/","title":{"rendered":"Zum 100. Jahrestag von Rapallo"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Von Alexander Hartmann, Chefredakteur der <a href=\"https:\/\/solidaritaet.com\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/solidaritaet.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Neuen Solidarit\u00e4t<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor 100 Jahren, am 16. April 1922, schlossen Deutschland, vertreten durch seinen Au\u00dfenminister Walther Rathenau, und der Russischen F\u00f6derativen Sowjetrepublik, vertreten durch den russischen Au\u00dfenminister Georgi Tschitscherin den Vertrag von Rapallo, in dem sie die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen nach dem Prinzip der Meistbeg\u00fcnstigung vereinbarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals sollte Deutschlands wirtschaftliche Existenzgrundlage, mit Hilfe des Vertrags von Versailles, \u201evernichtet\u201c werden, um das anglo-amerikanische Finanzsystem mit Hilfe der Deutschland aufgezwungenen Reparationszahlungen am Leben zu erhalten. Wie Ru\u00dfland heute, wurden auch damals Ru\u00dfland und Deutschland wirtschaftlich \u201eisoliert\u201c. Beide Seiten versuchten, dieser Isolation durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Weise gab es damals Bestrebungen aus der deutschen Industrie, angef\u00fchrt von dem Industriellen Otto Wolff, mit der damals von Sun Yat-sen angef\u00fchrten jungen chinesischen Republik zusammenzuarbeiten, insbesondere beim Aufbau eines chinesischen Eisenbahnnetzes, wie es Yun Yat-sen in seiner Schrift \u201eDie internationale Entwicklung Chinas\u201c konzipiert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Chance eines friedlichen Auswegs aus der Krise wurde 1922 verpa\u00dft. Walter Rathenau wurde nur zwei Monate nach dem Abschlu\u00df des Rapallo-Vertrages ermordet, der Versuch, Deutschlands Reparationsschulden mit Hilfe der Geldpresse zu begleichen, scheiterte 1923 in der ber\u00fcchtigten Hyperinflation, die deutsche Bev\u00f6lkerung verarmte und wurde so zum Spielball extremistischer Kr\u00e4fte. Die gleichen Kr\u00e4fte, Deutschland schon den Versailler Vertrag aufgezwungen hatten, halfen nun, in Italien, Deutschland, Spanien und Frankreich faschistische Regime zu installieren, und ebneten so den Weg in den Zweiten Weltkrieg, der je nach Sch\u00e4tzung zwischen 60 und100 Millionen Menschen weltweit das Leben kostete. Die Wirtschaftspolitik lief darauf hinaus, da\u00df der Bev\u00f6lkerung eine Sparpolitik aufgezwungen wurde, w\u00e4hrend gleichzeitig die Hochr\u00fcstung f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg begann.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Lage heute, in vielen Aspekten eine ganz andere. Der Versuch, Ru\u00dfland zu isolieren, ist zum Scheitern verurteilt, weil das Land eng mit China zusammenarbeitet. Tats\u00e4chlich beteiligen sich au\u00dferhalb der EU nur sieben L\u00e4nder an den Ru\u00dfland-Sanktionen, und es ist vielmehr der Westen, der sich zunehmend selbst isoliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt etliche, fatale Parallelen, aus denen wir dringend Lehren und Konsequenzen ziehen m\u00fcssen, wenn die Geschichte sich nicht wiederholen soll. Die Gelddruckpolitik der letzten Jahre (insbesondere seit 2019) hat den Boden f\u00fcr eine Hyperinflation bereitet, die nun, nachdem die Ru\u00dfland-Sanktionen den Finanzspekulanten den Weg in die Warenspekulation gewiesen haben, in einer gewaltigen Welle \u00fcber die Welt hereinzubrechen beginnt. Wie 1922 l\u00e4uft die wirtschaftliche Perspektive, wie sie von Br\u00fcssel und Washington verfochten wird &#8211; heute nicht als Versailler Diktat, sondern unter dem Vorwand der Bek\u00e4mpfung des Klimawandels -, darauf hinaus, den Lebensstandard der eigenen Bev\u00f6lkerung drastisch zu senken &#8211; und heute wird die Aufr\u00fcstung sogar schon eingeleitet, bevor der Protest der Bev\u00f6lkerung extremistische Regierungen an die Macht gebracht hat. Und diese Proteste d\u00fcrften angesichts der anstehenden Energiepreissteigerungen nicht mehr lange auf sich warten lassen, nur diesmal nicht nur in Deutschland, sondern in allen L\u00e4ndern, die von den Folgen dieser Politik getroffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich weist uns Rapallo den Weg aus der Krise &#8211; den der internationalen Kooperation. Dieser Ansatz wird von Ru\u00dfland und China bereits verfolgt, in Form der Belt and Road Initiative, an der sich bereits mehr als 100 Nationen beteiligen. Es w\u00e4re also sehr einfach, die Chance von 2022 am Schopf zu ergreifen und sich dieser Initiative anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anstatt k\u00fcnstlich neue Eiserne Vorh\u00e4nge zu schaffen, die uns den Ausweg aus der Krise versperren, sollten wir mit der Politik der m\u00f6rderischen und selbstm\u00f6rderischen Sanktionen brechen, die nur in den wirtschaftlichen und wahrscheinlich auch milit\u00e4rischen Untergang f\u00fchren kann. Wir sollten die Scheinverm\u00f6gen der Spekulanten, die auf finanziellen Forderungen beruhen, die nur durch Gelddrucken scheinbar \u201eam Leben erhalten\u201c werden k\u00f6nnen, einem wohlverdienten Insolvenzverfahren unterziehen, und ein Kreditsystem schaffen, das einen globalen wirtschaftlichen Aufbau erm\u00f6glicht, und uns gemeinsam der L\u00f6sung der gemeinsamen Probleme der Welt zuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir das tun, dann haben wir die richtigen Lehren aus Rapallo gezogen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexander Hartmann, Chefredakteur der Neuen Solidarit\u00e4t Vor 100 Jahren, am 16. 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