{"id":85163,"date":"2022-02-21T11:12:46","date_gmt":"2022-02-21T16:12:46","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=85163"},"modified":"2022-02-21T11:12:47","modified_gmt":"2022-02-21T16:12:47","slug":"helga-zepp-larouche-langfristiges-ueberleben-eine-neue-sicherheitsarchitektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/02\/21\/helga-zepp-larouche-langfristiges-ueberleben-eine-neue-sicherheitsarchitektur\/","title":{"rendered":"Helga Zepp-LaRouche: Langfristiges \u00dcberleben: eine neue Sicherheitsarchitektur"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Folgende Rede hielt Helga Zepp-LaRouche, Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts am 19. Februar w\u00e4hrend der internationalen Schiller-Institut Konferenz <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/02\/09\/internationale-internetkonferenz-des-schiller-instituts-100-sekunden-vor-mitternacht-auf-der-atomkriegsuhr-wir-brauchen-eine-neue-sicherheitsarchitektur\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/02\/09\/internationale-internetkonferenz-des-schiller-instituts-100-sekunden-vor-mitternacht-auf-der-atomkriegsuhr-wir-brauchen-eine-neue-sicherheitsarchitektur\/\" target=\"_blank\"><strong>&#8222;100 Sekunden vor Mitternacht auf der Atomkriegsuhr &#8211; Wir brauchen eine neue Sicherheitsarchitektur!&#8220;<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Guten Tag oder guten Abend, je nachdem, an welchem Ort auf der Welt Sie gerade sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die gegenw\u00e4rtige strategische Situation von oben, vom langen historischen Bogen der Geschichte aus, wie sollte sich die Menschheit Institutionen geben, die ihr langfristiges \u00dcberleben garantieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Von der gegenw\u00e4rtigen Dynamik zwischen einem aufstrebenden China und Asien im allgemeinen und einem scheiternden westlichen liberalen System aus gesehen, scheint es offensichtlich, da\u00df das Ergebnis dieser historischen \u00c4ra ein neues Paradigma in den internationalen Beziehungen sein mu\u00df. Die Geopolitik, deren Fortsetzung uns gegenw\u00e4rtig an den Rand eines Atomkrieges gebracht hat und deren Wahnsinn nirgendwo deutlicher zum Ausdruck kommt als in der Milit\u00e4rdoktrin, die dem Man\u00f6ver \u201eGlobal Lightning\u201c zugrunde liegt und die von einer langwierigen nuklearen Kriegsf\u00fchrung ausgeht, diese Geopolitik, die der Welt im 20. Jahrhundert zwei Weltkriege beschert hat und die im Zeitalter der thermonuklearen Waffen zur Vernichtung der Menschheit f\u00fchren w\u00fcrde, mu\u00df ersetzt werden. Sie mu\u00df ersetzt werden durch eine neue internationale Sicherheitsarchitektur, die die Sicherheitsinteressen aller Staaten der Erde, einschlie\u00dflich Ru\u00dflands und Chinas, sowie der Entwicklungsl\u00e4nder gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n\n\n\n<p>Konfuzius wird der Gedanke zugeschrieben, da\u00df man ein Problem nur dann l\u00f6sen kann, wenn man die Begriffe in Ordnung bringt. Denn wenn die Begriffe in Unordnung sind, f\u00fchrt das zu Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen, die zu Streit f\u00fchren, was wiederum die Grundfesten des Staates ins Wanken bringt, und es kann keine Harmonie in der Welt geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb ist es eine der dringlichsten Aufgaben, den Unterschied zu kl\u00e4ren zwischen der historischen Wahrheit \u00fcber das, was in den letzten mehr als 30 Jahren seit dem Zerfall der Sowjetunion geschehen ist, und der offiziellen Darstellung, wie sie in den westlichen Mainstream-Medien erz\u00e4hlt wird, und auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, wo in diesen Tagen eine Gutteil der Elite der NATO-Fraktion vertreten ist und wo Au\u00dfenminister Tony Blinken und die deutsche Au\u00dfenministerin Baerbock scheinbar unzertrennlich sind &#8211; ein erstaunliches Schauspiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die offizielle Linie dieser Kr\u00e4fte ist, Putin sei der Aggressor, Ru\u00dfland sei das einzige Land, das in der Nachkriegszeit mit Gewalt die Grenzen in Europa ver\u00e4ndert hat, n\u00e4mlich auf der Krim, und der einzige relevante Kampf sei der zwischen den \u201eliberalen Demokratien\u201c und den aggressiven autokratischen Staaten; da\u00df die NATO nie etwas falsch gemacht habe und Ru\u00dfland souver\u00e4nen L\u00e4ndern wie der Ukraine das Recht abspreche, das B\u00fcndnis zu w\u00e4hlen, dem sie angeh\u00f6ren wollen. Das letzte, was einige dieser Medien und Politiker wollen, ist eine genaue historische Untersuchung, wie es zu der jetzigen Situation kam. Aber diese Aufarbeitung ist die unabdingbare Voraussetzung, um zu einer positiven L\u00f6sung der gegenw\u00e4rtigen Situation zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat nicht die \u00dcberlegenheit des westlichen liberalen Modells bewiesen. Sie ist genau aus den Gr\u00fcnden zusammengebrochen, die Lyndon LaRouche 1984 benannt hat: das Festhalten an der Ogarkow-Doktrin, die Weigerung, Pr\u00e4sident Reagans Angebot zur Zusammenarbeit bei der sp\u00e4teren SDI anzunehmen, und das Festhalten an den Prinzipien dessen, was der sowjetische \u00d6konom Preobraschenski als \u201eprimitive sozialistische Akkumulation\u201c bezeichnet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Johannes Paul II. warnte nachdr\u00fccklich, der Westen solle nicht den Schlu\u00df ziehen, da\u00df er moralisch \u00fcberlegen sei, und verwies als Beweis auf den Zustand des Entwicklungssektors, der als Nebenprodukt dieses westlichen liberalen Systems arm und unterentwickelt sei.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit, zwischen dem Fall der Berliner Mauer und der Aufl\u00f6sung des Warschauer Paktes, gab es die reale Chance f\u00fcr etwas v\u00f6llig Neues. Der Kommunismus verschwand, der Westen hatte keinen Feind mehr, Lyndon LaRouche und seine Bewegung schlugen zun\u00e4chst das \u201eProduktive Dreieck Paris-Berlin-Wien\u201c und dann die \u201eEurasische Landbr\u00fccke\u201c als Grundlage f\u00fcr die Schaffung einer Friedensordnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ehemalige US-Botschafter in Moskau, Jack Matlock, hat immer wieder mit Nachdruck darauf hingewiesen, da\u00df die Sowjetunion in den letzten Jahren ihres Bestehens keine Bedrohung mehr darstellte und da\u00df der Kalte Krieg nicht mit der Sowjetunion endete, sondern bereits zwei Jahre zuvor zu Ende gegangen war. Gorbatschow hatte der Demokratisierung Osteuropas und verschiedenen internen Reformen zugestimmt, weshalb ein gro\u00dfer Teil der russischen Bev\u00f6lkerung ihn ha\u00dfte und als Verr\u00e4ter betrachtete, anders als die Menschen im Westen, die \u201eGorby, Gorby, Gorby\u201c skandierten.<\/p>\n\n\n\n<p>NATO-L\u00fcge entlarvt<\/p>\n\n\n\n<p>Das Argument, es habe nie ein Versprechen an Ru\u00dfland gegeben, da\u00df die NATO nicht nach Osten expandieren w\u00fcrde, ist eine eklatante L\u00fcge, die von Zeitzeugen wie Matlock entlarvt worden ist. Es gibt die Diskussion des damaligen US-Au\u00dfenministers James Baker III am 9. Februar 1990, in der er Gorbatschow best\u00e4tigte, da\u00df \u201edie NATO sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen\u201c w\u00fcrde, und erst k\u00fcrzlich best\u00e4tigte dies auf spektakul\u00e4re Weise Roland Dumas, der damalige franz\u00f6sische Au\u00dfenminister. Offensichtlich wegen der akuten Kriegsgefahr brach er vor f\u00fcnf Tagen sein jahrelanges Schweigen und bezeugte in einem langen Interview auf der franz\u00f6sischen Internetseite <em>Les Crises<\/em>, was er unserem franz\u00f6sischen Vertreter Jacques Cheminde schon vor drei Jahren unter vier Augen gesagt hatte, da\u00df in jenen Tagen die sehr wichtigen Verhandlungen \u00fcber die Abr\u00fcstung und Entmilitarisierung des Warschauer Paktes liefen. Dumas sagte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd die Diskussion begann folgenderma\u00dfen: Es war der russische Diplomat, der sich f\u00fcr Gorbatschow, aber auch f\u00fcr den russischen Au\u00dfenminister Schewardnadse zu Wort meldete und sagte: Wir, die russische Delegation, wollen wissen, was im Rahmen der Abr\u00fcstung mit den Waffen der NATO geschehen wird. Und wir fordern &#8211; ich erinnere mich sehr gut, er war f\u00f6rmlich -, da\u00df die alliierten Truppen zwei Verpflichtungen einhalten. Die erste, die sehr sentimental war, betrifft die Erhaltung von Denkm\u00e4lern in allen sowjetischen L\u00e4ndern zum Ruhme der Sowjetarmee. Die zweite ist, da\u00df es eine Verpflichtung der Truppen des Warschauer Paktes und der NATO geben sollte, da\u00df es keine Bewegung von NATO-Truppen in den Regionen des Sowjetpaktes geben sollte, die abger\u00fcstet werden sollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und auf die Frage, warum das nicht in den Vertr\u00e4gen festgehalten wurde, antwortete er: \u201eEs wurde nicht erw\u00e4hnt. Das hei\u00dft, da\u00df Leute, die so vorsichtig sind wie die Amerikaner und die Leute von der atlantischen Allianz, nicht darum gebeten haben, da\u00df dies festgehalten wird. Es ist m\u00f6glich &#8211; aber in Bezug auf den Charakter der allgemeinen Diskussion, d.h. den Versuch, abzur\u00fcsten, um die Kriegsgefahr zu beseitigen &#8211; denn das war es, was z\u00e4hlte &#8211; und sich auf eine andere Periode vorzubereiten, im Kontext der damaligen Zeit, die Abr\u00fcstung war, war es logisch. Also fand diese Diskussion statt. Sie fand vor allem deshalb statt, weil die Russen darum baten, weil wir sie unterst\u00fctzten, ich selbst zuerst und die Amerikaner auch. Und die Deutschen nat\u00fcrlich auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Jack Matlock betont, da\u00df das Versprechen, das schon vor dem Ende der Sowjetunion allgemein akzeptiert wurde &#8211; da\u00df Sicherheit \u201eSicherheit f\u00fcr alle\u201c bedeuten mu\u00df -, das Argument war, mit dem Gorbatschow die Reduzierung der Bewaffnung des sowjetischen Milit\u00e4rs rechtfertigte. Matlock erz\u00e4hlt auch, da\u00df Pr\u00e4sident Bush senior in einer seiner letzten Reden in Kiew, als es noch eine Sowjetunion gab, den Ukrainern riet, sich Gorbatschows freiwilliger F\u00f6deration anzuschlie\u00dfen, die er vorschlug, und er warnte die Ukrainer vor \u201eselbstm\u00f6rderischem Nationalismus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen wir uns ein Video mit dem deutschen Au\u00dfenminister Hans-Dietrich Genscher an, der das klar best\u00e4tigte.<\/p>\n\n\n\n<p>* * *<\/p>\n\n\n\n<p>(Videoausschnitt:)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Sprecherin:<\/em> Im Gegenzug zur deutschen Einheit verspricht der Westen, die NATO nicht weiter nach Osten vorr\u00fccken zu lassen. In Washington macht der damalige Au\u00dfenminister weitreichende Zusagen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hans-Dietrich Genscher:<\/em> Wir waren uns einig, da\u00df nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt \u00fcbrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern gilt ganz generell.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die n\u00e4chste Szene zeigt US-Au\u00dfenministerin Madeleine Albright mit drei europ\u00e4ischen Ministern im Jahr 1999 auf einem Podium. Hinter ihnen sind die Flaggen der NATO, der USA und anderer Staaten zu sehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sprecherin:<\/em> Ein Versprechen von kurzer Lebensdauer. Die ersten osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder werden in die NATO aufgenommen. [US-]Au\u00dfenministerin Albright strahlt, als sie ihre Amtskollegen aus Polen, Tschechien und Ungarn im Arm h\u00e4lt. Ein bedrohlicher Griff aus Sicht Moskaus. Doch man ist zu schwach, um zu reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>(Ende des Videos.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>* * *<\/p>\n\n\n\n<p><em>Zepp-LaRouche:<\/em> Man sieht also, Dumas, Genscher, Matlock, sie alle best\u00e4tigen, da\u00df diese Versprechungen gemacht wurden, und sie widersprechen eindeutig der offiziellen Darstellung, solche Versprechungen seien nie gemacht worden, die NATO-Generalsekret\u00e4r Jens Stoltenberg st\u00e4ndig wiederholt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gerade heute berichtet <em>Der Spiegel<\/em> \u00fcber ein k\u00fcrzlich aufgetauchtes, bisher \u201egeheimes\u201c Geheimdokument im britischen Nationalarchiv, das der US-Politologe Joshua Shifrinson entdeckt hat, \u00fcber ein Treffen zwischen den politischen Direktoren der Au\u00dfenministerien der USA, Gro\u00dfbritanniens, Frankreichs und Deutschlands am 6. M\u00e4rz 1991 in Bonn. In dem Dokument hei\u00dft es, da\u00df alle darin \u00fcbereinstimmten, da\u00df eine NATO-Mitgliedschaft f\u00fcr osteurop\u00e4ische L\u00e4nder nicht in Frage k\u00e4me. J\u00fcrgen Chrobog, Vertreter der Bonner Regierung, wird zitiert, da\u00df eine Ausweitung der NATO \u00fcber die Elbe hinaus nicht in Frage k\u00e4me und deshalb Polen und anderen L\u00e4ndern keine NATO-Mitgliedschaft angeboten werden k\u00f6nne. Der US-Vertreter auf dem Treffen, Raymond Seitz, stimmte zu, da\u00df man den Sowjets in den Zwei-plus-Vier-Gespr\u00e4chen versprochen habe, da\u00df die NATO weder formell noch informell nach Osten expandieren werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Spiegel <\/em>weist darauf hin, da\u00df die Russen schon 1993, also lange vor Putin, beklagt haben, da\u00df die Osterweiterung der NATO den Geist der Zwei-plus-Vier-Gespr\u00e4che verletze. Es wurde zwar nicht schriftlich festgehalten, aber beide Seiten handelten 1990 in gutem Glauben, was heute v\u00f6llig vergessen scheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eEnde der Geschichte\u201c bleibt aus<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser gute Glaube wurde jedoch nicht von allen geteilt. Anstelle eines neuen Systems, das Sicherheit f\u00fcr alle bieten w\u00fcrde, was auch der Beitritt Ru\u00dflands zur NATO h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, starteten die Neocons in den USA und ihre britischen Kollegen das PNAC, das \u201eProjekt f\u00fcr ein Neues Amerikanisches Jahrhundert\u201c, um eine unipolare Welt aufzubauen. Der \u201eirrationale \u00dcberschwang\u201c \u00fcbernahm nicht nur die M\u00e4rkte, wie Alan Greenspan zu einem bestimmten Zeitpunkt feststellte, sondern es war die Euphorie, da\u00df das westliche liberale System den Kalten Krieg \u201egewonnen\u201c habe, was zum Narrativ wurde, das die historischen Fakten ersetzte. Das alberne und v\u00f6llig falsche Argument von Francis Fukuyama vom \u201eEnde der Geschichte\u201c, wonach sich die liberale Demokratie auf jedes Land der Erde ausbreiten w\u00fcrde, begann einen Nebelschleier \u00fcber die K\u00f6pfe der westlichen Institutionen zu legen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mittel, mit denen diese unipolare Welt entstehen sollte, waren allerdings weniger sch\u00f6n: Farben-Revolutionen &#8211; orange, rosa, wei\u00df, gelb, arabisch, also fast das gesamte Spektrum des Regenbogens &#8211; wurden mit Milliarden von Dollar gef\u00f6rdert, f\u00fcnf Milliarden f\u00fcr die Ukraine schon vor 2014, wie Victoria Nuland offen prahlte. Dazu geh\u00f6rte auch die Unterst\u00fctzung des Putsches in Kiew 2014, der offen bekennende Nazi-Elemente in der Tradition von Stepan Bandera an die Macht brachte &#8211; Netzwerke, die von den Geheimdiensten der NATO in der Nachkriegszeit in Organisationen wie dem \u201eAntibolschewistischen Block der Nationen\u201c f\u00fcr eine potentielle Konfrontation mit der Sowjetunion gepflegt worden waren. Diese Geheimdienste wu\u00dften also genau, wer den Putsch auf dem Maidan durchf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Reaktion auf die brutale Unterdr\u00fcckung der russischsprachigen Bev\u00f6lkerung in der Ukraine stimmte die Bev\u00f6lkerung der Krim in einem Referendum daf\u00fcr, sich Ru\u00dfland anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich mu\u00dften im Zuge dieses Prozesses die UN-Charta und das V\u00f6lkerrecht durch die \u201eregelbasierte Ordnung\u201c ersetzt werden, und das geschah mit der gro\u00dfen Unterst\u00fctzung von Tony Blair, der 1999 in Chicago f\u00fcr die \u201ehumanit\u00e4ren Interventionskriege\u201c, f\u00fcr R2P (Schutzverantwortung), pl\u00e4dierte, die das Ende des Westf\u00e4lischen Friedens verk\u00fcnden sollten. Die Umst\u00e4nde des 11. September 2001 &#8211; vor denen Lyndon LaRouche neun Monate vorher als \u201ebevorstehendem Reichstagsbrand\u201c gewarnt hatte &#8211; beseitigten einen gro\u00dfen Teil der B\u00fcrgerrechte in den USA und schufen die Grundlage f\u00fcr die \u201eendlosen Kriege\u201c, beginnend mit Afghanistan, dem ersten Krieg, der auf L\u00fcgen basierte. Was folgte, waren die L\u00fcgen von Colin Powell vor der UNO im Jahr 2003 \u00fcber die Massenvernichtungswaffen im Irak, gefolgt von den Kriegen in Libyen, Syrien und direkt und indirekt vielen anderen milit\u00e4rischen Operationen. Millionen von Toten und Verletzten, Millionen von Fl\u00fcchtlingen waren die Folge. Diente dies alles dem Interesse der USA oder des Westens im allgemeinen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gigantischer R\u00fcckschlag war die Folge. Putin, der in den ersten Jahren seiner Pr\u00e4sidentschaft viele Bewunderer im Westen hatte, machte sich bei den Architekten der unipolaren Welt immer unbeliebter, weil er sich der regelbasierten Ordnung nicht unterwarf. Er begann, die Rolle Ru\u00dflands als Weltakteur wieder zu behaupten, 2008 in Georgien, 2015 in Syrien, und jetzt in j\u00fcngster Zeit mit der Forderung, die NATO-Osterweiterung nicht nur zu stoppen, sondern auf den Stand von 1997 zur\u00fcckzusetzen, und mit der Forderung nach schriftlichen, rechtsverbindlichen Garantien der USA und der NATO, da\u00df die Ukraine niemals Mitglied wird, da\u00df es keine offensiven Waffensysteme entlang der russischen Grenze gibt und da\u00df die NATO nicht weiter nach Osten vorr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die Geschichte der letzten 30 Jahre betrachtet, ist dies eigentlich eine recht bescheidene Forderung, auch angesichts der Tatsache, da\u00df die Ukraine die Anforderungen der NATO-Vertragsartikel 5 und 10 nicht erf\u00fcllt, wie General Kujat, der ehemalige Inspekteur der Bundeswehr, richtig argumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Zwischenzeit ist ein anderer Aspekt des R\u00fcckschlags gegen die regelbasierte Ordnung in den Vordergrund ger\u00fcckt. China, das seine eigenen Pl\u00e4ne f\u00fcr eine eurasische Landbr\u00fccke hatte, reagierte sehr positiv auf die vom Schiller-Institut vorgeschlagenen Programme f\u00fcr eine neue Seidenstra\u00dfe, f\u00fchlte sich aber nach der sogenannten Asienkrise 1997, in der die W\u00e4hrungen einiger asiatischer L\u00e4nder von Soros und Co. brutal verspekuliert wurden, wirtschaftlich nicht stark genug, um diese Pl\u00e4ne zu verwirklichen. Chinas Reaktion auf diese Erfahrung und die allgemeinen Ziele der Armutsbek\u00e4mpfung weltweit war die Ank\u00fcndigung der Neuen Seidenstra\u00dfe (BRI) durch Pr\u00e4sident Xi Jinping im Jahr 2013 in Kasachstan. Dieses gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturprojekt der Geschichte hat sich zu einer riesigen Erfolgsgeschichte entwickelt, an der sich fast 150 L\u00e4nder beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch vor allem dieser anhaltende wirtschaftliche Aufstieg Chinas als Lokomotive der BRI veranla\u00dfte die Bef\u00fcrworter des unipolaren Weltbildes und ihre Finanziers in der Londoner City, an der Wall Street und im Silicon Valley dazu, Ru\u00dfland und China immer h\u00e4ufiger als \u201eautokratisch\u201c, \u201eautorit\u00e4r\u201c und schlimmer zu bezeichnen. Und diese Angriffe hatten vorhersehbar den Effekt, der der Alptraum von Leuten wie Zbigniew Brzezinski, Dick Cheney und dergleichen war: Diese beiden L\u00e4nder haben eine beispiellose Partnerschaft geschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 4. Februar, zu Beginn der Olympischen Spiele in Peking, unterzeichneten Pr\u00e4sident Putin und Pr\u00e4sident Xi Jinping ein Dokument \u00fcber eine umfassende strategische Partnerschaft, die nach ihrer eigenen Beschreibung ein Modell f\u00fcr die k\u00fcnftigen internationalen Beziehungen zwischen den Nationen darstellt, das auf der gegenseitigen Verfolgung der Interessen des anderen im gesamten Spektrum wirtschaftlicher, politischer, kultureller und milit\u00e4rischer Bereiche beruhen wird. (<a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/supplement\/5770\"><em>http:\/\/en.kremlin.ru\/supplement\/5770<\/em><\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Abkommen hat die Idee einer unipolaren Welt formell beendet, es ist eine Tatsache der Geschichte, die bleiben wird, nicht zuletzt, weil es den marginalen milit\u00e4rischen Vorteil Ru\u00dflands mit der St\u00e4rke der chinesischen Wirtschaft verbindet und in der Praxis solche Drohungen, wie sie von zwei ungenannten Beamten des Wei\u00dfen Hauses ge\u00e4u\u00dfert wurden &#8211; da\u00df die USA Ru\u00dfland an der Diversifizierung weg von \u00d6l und Gas hindern und ihm den Zugang zu fortgeschrittenen Technologien verwehren w\u00fcrden -, obsolet macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geopolitik endg\u00fcltig beenden<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist jetzt an der Zeit, da\u00df alle klardenkenden und friedliebenden Menschen im Westen die strategische und historische Situation ohne Vorurteile oder ideologische Voreingenommenheit \u00fcberpr\u00fcfen. Wenn die Menschheit eine sichere und gl\u00fcckliche Zukunft haben soll, m\u00fcssen wir das geopolitische Denken in Begriffen der Konfrontation aufgeben und es durch ein Konzept der Zusammenarbeit aller Nationen f\u00fcr eine gemeinsame Zukunft der Menschheit ersetzen, denn das ist es, was wir haben, im Guten wie im Schlechten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist an der Zeit, die NATO f\u00fcr obsolet zu erkl\u00e4ren und sie durch eine internationale Sicherheitsarchitektur zu ersetzen, die die Sicherheitsinteressen aller Nationen auf dem Planeten gew\u00e4hrleistet. Anstatt die neue umfassende Partnerschaft Ru\u00dflands und Chinas als ein feindliches Gebilde zu behandeln, das mit einem neuen Wettr\u00fcsten bek\u00e4mpft werden mu\u00df, sollten die Nationen Europas, der USA und anderer Kontinente die Bereitschaft signalisieren, sich auf einen neuen Westf\u00e4lischen Frieden einzulassen, der auf dem Interesse des anderen und dem Gemeinwohl aller beruht.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Kr\u00e4ften, die diesen Vertrag in den Jahren 1644-48 aushandelten, war klar, da\u00df die Fortsetzung des 30j\u00e4hrigen Krieges &#8211; der in Wirklichkeit den H\u00f6hepunkt eines 150j\u00e4hrigen Religionskrieges in Europa darstellte -, in dem ein Drittel der Menschen und des Verm\u00f6gens vernichtet worden war, keinen Sieger haben konnte. Wieviel mehr sollte heute allen Seiten klar sein, da\u00df eine Fortsetzung der Konfrontation einschlie\u00dflich der drohenden thermonuklearen Ausl\u00f6schung der gesamten menschlichen Spezies niemanden als Gewinner dastehen lassen wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein solcher neuer Westf\u00e4lischer Friede mu\u00df auf Grunds\u00e4tzen beruhen, die mit dem Naturrecht und der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit des physikalischen Universums im Einklang stehen. Er mu\u00df die Sch\u00f6nheit der menschlichen Spezies widerspiegeln, die als einzige bisher bekannte Spezies mit einer sch\u00f6pferischen Vernunft ausgestattet ist, die uns von allen Tieren und anderen Lebensformen unterscheidet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich wird er sich wie der urspr\u00fcngliche Westf\u00e4lische Friede mit allen spezifischen Themen befassen m\u00fcssen, wie z.B. einem Minsk-II-Abkommen, anderen territorialen Streitigkeiten, aber auch mit den gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit, wie z.B. einem Weltgesundheitssystem zur Bek\u00e4mpfung von Pandemien, der L\u00f6sung der Welthungersnot von \u201ebiblischen Ausma\u00dfen\u201c, von der [der Direktor des Weltern\u00e4hrungsprogramms] David Beasley spricht, der weltweiten Armutsbek\u00e4mpfung und anderen Fragen des Gemeinwohls der gesamten Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die unmittelbare Aufgabe, die vor uns liegt, ist es, die Zusammenarbeit aller L\u00e4nder mit Projekten der G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative zu organisieren, die in dem von uns 2014 ver\u00f6ffentlichten Bericht \u201eDie neue Seidenstra\u00dfe wird zur Weltlandbr\u00fccke\u201c, einem vollst\u00e4ndigen Plan f\u00fcr die Entwicklung und Integration aller Kontinente des Planeten, bereits umfassend dargelegt sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Sie mu\u00df sich mit der unmittelbaren Gefahr eines systemischen Zusammenbruchs des transatlantischen Finanzsystems befassen, f\u00fcr den die von Lyndon LaRouche vor vielen Jahren entworfenen Vier Gesetze das Mittel der Wahl sind. Und sie mu\u00df die Bereiche der unverzichtbaren internationalen Zusammenarbeit definieren, wie die schnellstm\u00f6gliche Verwirklichung der neuen Wirtschaftsplattform auf der Grundlage der thermonuklearen Fusionsenergie, um Energie- und Rohstoffsicherheit f\u00fcr alle Nationen zu erreichen. Und sie mu\u00df die friedliche Zusammenarbeit in der Weltraumforschung, Weltraumfahrt und Weltraumkolonisation definieren. Wir sind die sch\u00f6pferische Spezies, und jetzt ist der Moment in unserer Geschichte, dies zu beweisen!<\/p>\n\n\n\n<p>Ein letzter Punkt: Wenn man den Erfolg des Westf\u00e4lischen Friedens mit dem v\u00f6lligen Scheitern des Versailler Vertrages vergleicht, der nicht die Interessen aller beteiligten Parteien ber\u00fccksichtigte, sondern nur das Vorspiel zum n\u00e4chsten Weltkrieg war, dann sollte es offensichtlich sein, da\u00df das Prinzip der Souver\u00e4nit\u00e4t aller Nationen, die durch ein h\u00f6heres Ziel der einen Menschheit vereint sind, aufrecht erhalten werden mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten uns also auf den Geist des Mauerfalls besinnen, der eine Sternstunde der Menschheit h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, und auf das Potential des Zwei-plus-Vier-Abkommens, das nicht nur de facto ein Friedensvertrag f\u00fcr Deutschland war, der die Nachkriegszeit beendete, sondern auch theoretisch die deutsche Souver\u00e4nit\u00e4t begr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie jeder wei\u00df, ist diese Souver\u00e4nit\u00e4t aufgrund der oben beschriebenen Entwicklungen nie in den K\u00f6pfen der Deutschen angekommen, wo im Gegensatz zu Frankreich, wo die Souver\u00e4nisten in der Mehrheit sind, das Wort Souver\u00e4nist dem Durchschnittsb\u00fcrger nicht einmal bekannt ist. Auch das mu\u00df also erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Verwandeln wir also diesen \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlichen Moment in eine Chance, eine neue \u00c4ra der Menschheit zu gestalten! La\u00dft uns eine echte Sternstunde der Menschheit schaffen, die der unsterblichen Spezies, f\u00fcr die wir geschaffen wurden, w\u00fcrdig ist!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich danke Ihnen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgende Rede hielt Helga Zepp-LaRouche, Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts am 19. 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