{"id":84520,"date":"2022-02-05T12:07:06","date_gmt":"2022-02-05T17:07:06","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=84520"},"modified":"2022-02-09T05:37:36","modified_gmt":"2022-02-09T10:37:36","slug":"artikel-von-helga-zepp-larouche-100-sekunden-vor-zwoelf-auf-der-atomkriegsuhr-wir-brauchen-eine-neue-sicherheitsarchitektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/02\/05\/artikel-von-helga-zepp-larouche-100-sekunden-vor-zwoelf-auf-der-atomkriegsuhr-wir-brauchen-eine-neue-sicherheitsarchitektur\/","title":{"rendered":"Artikel von Helga Zepp-LaRouche: 100 Sekunden vor Zw\u00f6lf auf der Atomkriegsuhr: Wir brauchen eine neue Sicherheitsarchitektur!"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eEin Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf nie gef\u00fchrt werden\u201c, versicherten die f\u00fcnf Atomm\u00e4chte und permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung am 3. Januar dieses Jahres. Da der Einsatz von Atomwaffen immer das Risiko des Einsatzes des gesamten nuklearen Arsenals mit einschlie\u00dft, und schon ein Prozentsatz davon ausreicht, um damit die Ausl\u00f6schung der menschlichen Gattung zu verursachen, sollte die Best\u00e4tigung dieser fundamentalen Einsicht eigentlich praktische Implikationen f\u00fcr die Milit\u00e4rstrategie aller Atomm\u00e4chte haben. Aber ungeachtet dieser gemeinsamen Erkl\u00e4rung lancierte das US Strategic Command in der letzten Januarwoche das Man\u00f6ver \u201eGlobal Lightning\u201c, das die Funktion hat, die Einsatzbereitschaft der US-Nuklearstreitkr\u00e4fte zu testen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es sich dabei um ein sogenanntes \u201eRoutine\u201c- Man\u00f6ver handelte, das dieses Jahr zusammen mit dem US-Indo-Pacific Command integriert und demzufolge auf eine m\u00f6gliche Konfrontation mit China ausgerichtet war, konnte es im Kontext der erh\u00f6hten Spannungen zwischen Ru\u00dfland und den USA und der NATO nur als ein weiteres, aber vielleicht das gef\u00e4hrlichste Element des Spiels mit dem Feuer gesehen werden, das der Westen derzeit mit Ru\u00dfland und China treibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zeitpunkt des Man\u00f6vers traf haargenau zusammen mit den bis dato unbewiesenen Anschuldigungen seitens der USA und Gro\u00dfbritanniens, Ru\u00dfland plane f\u00fcr den Zeitraum zwischen Ende Januar &#8211; Mitte Februar einen Milit\u00e4rangriff auf die Ukraine, was die russische Regierung wiederholt zur\u00fcckgewiesen hat. Der nuklearen Truppenf\u00fchrungs-\u00dcbung liegt der aktuelle nukleare Kriegsplan des US Strategic Command zugrunde. Hans. M. Kristensen, Direktor des Nuklearen Informationsprojekts der F\u00f6deration Amerikanischer Wissenschaftler, war in der Lage, auf der Basis des Freedom of Information Acts das Titelblatt dieses Plans mit dem Namen \u201eStratcom Conplan 0810-12, Stragegic Deterrence and Force Deployment, Change 1\u201c zu erlangen. Kristensen, einer der kompetentesten Spezialisten im Bereich von Nuklearstrategie und -waffen, erl\u00e4uterte gegen\u00fcber <em>Newsweek<\/em>, da\u00df bei der \u00dcbung \u201eGlobal Lightning\u201c nicht nur von einem nuklearen Erstschlag der einen oder anderen Seite ausgegangen wird, sondern von einem fortgesetzten Nuklearkrieg, der nach dem ersten Schlagaustausch weitergef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die einzelnen Komponenten dieses neuen Kriegsplans, der seit dem 30. April 2019 operationell ist, den h\u00f6chsten Geheimhaltungsstufen unterliegen, so ergeben sich doch die Umrisse dieser Konzeption. Die Annahme ist, da\u00df die USA und die NATO in der Lage seien, einen nuklearen Erstschlag Ru\u00dflands oder Chinas zu \u00fcberleben, dann Vergeltungsschl\u00e4ge ausf\u00fchren, weitere Angriffe zu absorbieren, wieder zu vergelten usw., in einer fortgesetzten milit\u00e4rischen Auseinandersetzung. Dieser nukleare Kriegsplan umfa\u00dft nicht nur Kernwaffen, sondern diverse andere letale Systeme, wie Raketenabwehrsysteme, gerichtete Energiewaffen wie z.B. elektromagnetische Impulswaffen und Laser, Cyber-Attacken, Angriffe der Space Force aus dem Weltraum. Wer soll in der Lage sein, einen solchen fortgesetzten Atomkrieg zu \u00fcberleben? Die wenigen Personen, die sich in tiefen unterirdischen Bunkern einnisten k\u00f6nnen? Die morbiden Phantasien des Dr. Strangelove nehmen sich daneben wie ein Kindergeburtstag aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Global Lightning-Man\u00f6ver im letzten Jahr, im April 2021, fokussierten auf den potentiellen Konflikt mit Ru\u00dfland, dieses Jahr war es der m\u00f6glichen Auseinandersetzung mit China gewidmet. Die verschiedenen Strategie-Papiere des Pentagon seit 2017 hatten Ru\u00dfland und China zunehmend als geopolitische Rivalen und Gegner definiert und den Kampf gegen den globalen Terrorismus durch die Konkurrenz zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten als strategische Priorit\u00e4t ersetzt. Gleichzeitig wurde die von der Obama-Administration begonnene Modernisierung der nuklearen Triade fortgesetzt und die Schwelle des Einsatzes von Nuklearwaffen durch die Stationierung von Sprengk\u00f6pfen mit geringer Sprengkraft u.a. auf Trident U-Booten zunehmend abgesenkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der strategische Konflikt<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es von offizieller Seite kaum kommentiert wurde, war Pr\u00e4sident Putins Ank\u00fcndigung am 1. M\u00e4rz 2018 \u00fcber die neuen russischen Nuklearsysteme &#8211; die Hyperschallrakete Awangard, eine Interkontinentalrakete mit 20facher Schallgeschwindigkeit und ausgezeichneter Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit, die das amerikanische Raketenabwehrsystem wesentlich obsolet macht, den Hyperschall-Marschflugk\u00f6rper Kinschal sowie nuklearbetriebene Marschflugk\u00f6rper, schnelle Unterwasser-Drohnen und Laserwaffen &#8211; ein Schock f\u00fcr das westliche Milit\u00e4restablishment. Inzwischen hat auch China seine eigenen \u00dcberschallraketen mit Infrarot-Zielsuch-Technologie entwickelt, eine Kapazit\u00e4t, \u00fcber die das amerikanische Milit\u00e4r vielleicht erst in zwei bis drei Jahren verf\u00fcgen wird. Amerikanische Satellitenaufnahmen haben weiterhin etwa 300 im Bau befindliche Raketensilos an verstreuten Orten in China lokalisiert, von denen einige wom\u00f6glich leer bleiben, in anderen jedoch Nuklearraketen in einem Zustand des \u201elaunch on warning\u201c sind, um einem entwaffnenden \u00dcberraschungsangriff vorzubeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist in groben Z\u00fcgen der strategische Hintergrund, vor dem Putin am 17. Dezember den USA und der NATO zwei Vertr\u00e4ge mit der Aufforderung vorlegte, da\u00df darin legal verbindlich niedergelegt werden solle, da\u00df sich die NATO nicht weiter nach Ost ausdehnen und keine offensiven Waffensysteme an Ru\u00dflands Grenzen installieren w\u00fcrde, und das gleichfalls Garantien gegeben w\u00fcrden, da\u00df die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu vielen transatlantischen Politikern und Medien ist General Kujat, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, der Auffassung, da\u00df die Ansammlung von etwa 120.000 Mann russischer Truppen in der N\u00e4he der ukrainischen Grenze, teilweise allerdings Hunderte von Kilometern entfernt, nicht auf einen bevorstehenden Angriff auf die Ukraine schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft, sondern da\u00df Ru\u00dfland mit dieser Drohkulisse St\u00e4rke demonstrieren will, um Verhandlungen mit den USA und der NATO auf Augenh\u00f6he zu erzwingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher haben die USA und die NATO Zusagen bez\u00fcglich der Hauptforderungen Putins abgelehnt und scheinen lediglich bereit, von Ru\u00dfland als sekund\u00e4r eingestufte Zusagen \u00fcber neue Abr\u00fcstungsgespr\u00e4che zu machen. Putin hat f\u00fcr den Fall einer endg\u00fcltigen Absage \u201emilit\u00e4risch-technische Ma\u00dfnahmen\u201c angek\u00fcndigt. Angesichts der Tatsache, da\u00df die mit der NATO-Osterweiterung verbundene Stationierung von potentiell offensiven Waffensystemen in der N\u00e4he der russischen Grenzen &#8211; dazu geh\u00f6rt z.B. das in Polen und Rum\u00e4nien stationierte Aegis-Raketenabwehrsystem &#8211; eine f\u00fcr Ru\u00dfland mit der Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba vergleichbare Situation geschaffen hat, stellt sich die Frage, wie diese \u201eMa\u00dfnahmen\u201c aussehen k\u00f6nnten. Der amerikanische Ru\u00dflandexperte Gilbert Doctorow vermutet, dabei k\u00f6nne es sich um die Stationierung von nuklearbewaffneten SS-26 Iskander-M-Kurzstreckenraketen in Wei\u00dfru\u00dfland und Kaliningrad handeln, um so die NATO-Frontstaaten und Ostdeutschland im Gegenzug zu bedrohen. Er vermutet weiterhin, Ru\u00dfland k\u00f6nnte seegest\u00fctzte nuklearbewaffnete Zirkon-\u00dcberschall-Marschflugk\u00f6rper vor der K\u00fcste von Washington DC platzieren, von denen russische Experten zuvor gesagt h\u00e4tten, sie k\u00f6nnten die amerikanische Hauptstadt so schnell zerst\u00f6ren, da\u00df der Pr\u00e4sident keine Zeit mehr h\u00e4tte, auf der Air Force One zu entkommen. Theoretisch k\u00f6nnten die Zirkon-\u00dcberschallraketen nat\u00fcrlich auch \u00fcberall auf den Weltmeeren eingesetzt werden und sind f\u00fcr die herk\u00f6mmliche Luftabwehr angesichts ihrer neunfachen Schallgeschwindigkeit und Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit im Flug nur sehr schwer auszumachen und abzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also nur folgerichtig, wenn die \u201eDoomsday Clock\u201c des <em>Bulletin of Atomic Scientists<\/em> am 20. Januar 2022 nur noch 100 Sekunden vor Zw\u00f6lf anzeigte. Das sind nur noch etwa eineinhalb Minuten bis zur atomaren Apokalypse. Auch wenn es seit der Eskalation der Krise um die Ukraine nach einem beinah vierzigj\u00e4hrigen Tiefschlaf der Antikriegsbewegung eine ganze Reihe von Appellen, Aufrufen und Offenen Briefen gibt &#8211; zuletzt von 100 Organisationen in den USA mit der Forderung an Pr\u00e4sident Biden, die Spannungen mit Ru\u00dfland zu deeskalieren -, ist das ungeheure Ausma\u00df der Bedrohung noch keineswegs ins \u00f6ffentliche Bewu\u00dftsein eingedrungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unklarheit \u00fcber die Ursachen<\/p>\n\n\n\n<p>Aber selbst bei den meisten Personen im Westen, die die akute Gefahr erkennen, herrscht Unklarheit \u00fcber die zugrundeliegenden Ursachen f\u00fcr die existentielle Gefahr f\u00fcr die Existenz der Menschheit. Sie liegen einerseits in dem systemischen Charakter der Krise des neoliberalen Finanzsystems, das jetzt in seine hyperinflation\u00e4re Endphase eingetreten ist, und andererseits in dem Anspruch des Establishments dieses Finanzsystems in der Londoner City, der Wall Street und des Silikon Valleys auf eine unipolare Welt, in der allein die Machtinteressen dieses Establishments dar\u00fcber bestimmen, was in der \u201eregelbasierten Ordnung\u201c zu geschehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dilemma besteht nun in einer gegenl\u00e4ufigen Dynamik. In der transatlantischen Welt herrscht seit dem von Lyndon LaRouche prophetisch erkannten Paradigmenwechsel vom August 1971, als Nixon faktisch das Bretton-Woods-System durch die Abschaffung fester Wechselkurse beendete und damit der spekulativen Profitmaximierung den Weg freimachte, eine zunehmende Verschiebung vor, weg von Investitionen in die produktive physische \u00d6konomie und hin zur Spekulation in immer exotischer werdende, derivatbasierte Finanzprodukte, deren j\u00fcngste Torheit im \u201eshifting the trillions\u201c in den Green New Deal besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damit assoziierten Investitionen in Industrien mit einer m\u00f6glichst geringen Energieflu\u00dfdichte stellen vom Standpunkt der physischen \u00d6konomie letztlich ebenso eine weitgehende Kapitalvernichtung dar wie Investitionen in die Milit\u00e4rproduktion von Waffensystemen und die Armee. Da\u00df dieser Effekt meist nicht erkannt wird, h\u00e4ngt mit der Verwechslung von monet\u00e4ren Werten, von Geld mit realem Reichtum zusammen, und der Illusion, da\u00df die Aktienwerte von b\u00f6rsennotierten Unternehmen etwas \u00fcber die Produktivit\u00e4t der Wirtschaft aussagen. Nat\u00fcrlich liegt es im Interesse der yachtbesitzenden Milliard\u00e4re, von denen einige l\u00e4ngst Eigentumswohnungen in tiefliegenden Bunkern in Australien und anderswo erworben haben, da\u00df die Blasen-Wirtschaft so lange wie m\u00f6glich aufrecht erhalten wird, auch wenn der Anteil der verarmenden Bev\u00f6lkerung immer mehr zunimmt und der Mittelstand immer mehr schrumpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich die Sowjetunion 1991 aufl\u00f6ste und das transatlantische Establishment allen Warnungen &#8211; z.B. von Papst Johannes Paul II &#8211; zum Trotz der Phantasie erlag, den Kalten Krieg \u201egewonnen\u201c zu haben, und das \u201eEnde der Geschichte\u201c dahingehend interpretierte, die ganze Welt m\u00fcsse sich nun der neoliberalen regelbasierten Ordnung unterwerfen, sah man auch keine Notwendigkeit mehr, sich an irgendwelche Versprechen gegen\u00fcber Ru\u00dfland zu halten, die NATO nicht nach Osten auszuweiten. Das ganze Spektrum von Instrumenten f\u00fcr die Zementierung der unipolaren Welt wurde zur Anwendung gebracht: Regimewechsel entweder durch Farbrevolutionen oder \u201ehumanit\u00e4re\u201c Kriege gegen alle Regierungen, die noch anderen Wertvorstellungen anhingen. Viktoria Nuland prahlte \u00f6ffentlich, das State Department habe f\u00fcnf Milliarden Dollar allein f\u00fcr die NGOs in der Ukraine ausgegeben, was zun\u00e4chst zur \u201eOrangen Revolution\u201c 2004 f\u00fchrte. Als sich Pr\u00e4sident Janukowitsch Ende 2013 weigerte, dem EU-Assoziierungsabkommen beizutreten, nicht zuletzt, weil die EU vertrags- und sicherheitstechnisch vollkommen mit der NATO vernetzt ist, kam die nicht so demokratische Seite der regelbasierten Ordnung in der Form des Nazi-Putsches des Maidan vom Februar 2014 zum Vorschein. Als Folge davon gab es keine Annexion der Krim durch Putin, sondern ein Referendum durch die Bev\u00f6lkerung der Krim, die sich der faschistischen Politik Kiews entziehen wollte. Schon damals konstatierte Putin, da\u00df es dem Westen eigentlich um die Eind\u00e4mmung Ru\u00dflands gehe und da\u00df man, wenn nicht die Ukraine, eben einen anderen Vorwand dazu gefunden h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die entscheidende Verh\u00e4rtung gegen\u00fcber Ru\u00dfland und China wurde sp\u00e4testens 2017 in der ver\u00e4nderten Sprachregelung in den Sicherheitsdoktrinen des Pentagon und der Charakterisierung dieser beiden L\u00e4nder als \u201eGegner\u201c und \u201eAutokratien\u201c sichtbar. W\u00e4hrend die westlichen Institutionen auf die Ank\u00fcndigung der Neuen Seidenstra\u00dfe durch Xi Jinping im September 2013 zun\u00e4chst erstaunliche vier Jahre mit einem weitgehenden Blackout reagiert hatten, reagierten diese Institutionen jetzt auf dieses gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Menschheit, als handle es sich um eine existentielle Bedrohung &#8211; n\u00e4mlich f\u00fcr die unipolare Welt! So gut wie alle Sanktionen, die irgendwo auf der Welt unilateral, also ohne UN-Sicherheitsratsbeschl\u00fcsse, verh\u00e4ngt worden sind, hatten letztlich den Hauptzweck, den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und Ru\u00dflands Wiedererlangung des Status als Weltspieler zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Transkript des Hintergrund-Pressebriefings zweier namentlich nicht genannter Offizieller des Wei\u00dfen Hauses vom 25. Januar legt diese Absicht auf schockierende Weise offen. Sie stellen dort ein ganzes Spektrum von \u201eschwerwiegenden \u00f6konomischen Ma\u00dfnahmen vor\u201c &#8211; angefangen mit der h\u00f6chsten Eskalationsstufe -, um Putins strategische Ambitionen, seine Wirtschaft zu industrialisieren, zu vereiteln, indem man ihm den Zugang zu allen modernen, entwickelten Technologien, wie KI, Quantum-Computer und alle Technologien, die mit Verteidigung oder Luft- und Raumfahrt zu tun haben, verwehrt, um ihn daran zu hindern, die Wirtschaft \u00fcber den Export von \u00d6l und Gas hinaus zu \u201ediversifizieren\u201c, und eine Atrophie der russischen Wirtschaft zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese in unglaublich brutaler Sprache formulierte Politik ist nichts anderes als die Fortsetzung der sogenannten \u201eSchocktherapie\u201c Jeffrey Sachs\u2018 aus den 90er Jahren, deren ausdr\u00fcckliches Ziel es war, Ru\u00dfland vom Status einer Supermacht zu Zeiten der Sowjetunion auf den eines rohstoffexportierenden Dritte-Welt-Landes zu reduzieren. Diese Politik war damals wie heute eine Kriegserkl\u00e4rung &#8211; nur mit dem Unterschied, da\u00df Putin nicht eine erb\u00e4rmliche, vom Westen aus geopolitischen Motiven geh\u00e4tschelte Figur wie Jelzin ist, sondern ein brillanter Stratege, der die Interessen Ru\u00dflands zu verteidigen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die nicht minder ha\u00dferf\u00fcllten Tiraden gegen China, die heute von Hof-Schreiberlingen des Empires ebenso zu h\u00f6ren sind wie von ehemaligen Maoisten der SDS-Zeit, die heute zu Spitzenpositionen bei den Gr\u00fcnen aufgestiegen sind, k\u00f6nnen jedoch nichts an dem \u00fcberragenden Erfolg der chinesischen Wirtschaft \u00e4ndern, die 2021 trotz Corona eine Wachstumsrate von \u00fcber 8 Prozent zu verzeichnen hatte. China hat mehr f\u00fcr die Menschenrechte getan als irgendein Land der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft, indem es 850 Millionen Menschen im eigenen Land aus der Armut befreit hat &#8211; einschlie\u00dflich der Uiguren, die sich jetzt eines wesentlich besseren Lebensstandards und \u00fcberdurchschnittlichem Bev\u00f6lkerungswachstum erfreuen -, und indem es vielen Entwicklungsl\u00e4ndern zum ersten Mal die Chance der \u00dcberwindung der Armut er\u00f6ffnet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schweigen der gleichen Kreise zu der durch die westlichen Sanktionen ausgel\u00f6sten gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Katastrophe in Afghanistan, in der akut eine Million Kinder am Verhungern sind und insgesamt 24 Millionen Menschen diesen Winter der Tod droht, besiegelt ihre vollkommene Diskreditierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsame Erkl\u00e4rung von Putin und Xi<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn diverse Autoren gewarnt haben, da\u00df die Kampagnen gegen Ru\u00dfland und China dazu f\u00fchren k\u00f6nnten, da\u00df sich diese beiden L\u00e4nder noch enger zusammenschlie\u00dfen, dann k\u00f6nnen sie zufrieden sein, denn genau dies ist jetzt im Rahmen von Putins Besuch bei den in China stattfindenden Olympischen Spielen geschehen. Es ist allerdings dringend geboten, die ideologischen Brillen abzusetzen und die au\u00dfergew\u00f6hnliche Chance zu erkennen, die sich in der gemeinsamen Erkl\u00e4rung f\u00fcr die ganze Welt in dieser extrem gef\u00e4hrlichen Weltlage bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem 16 Seiten langen Dokument mit dem Titel \u201eGemeinsame Erkl\u00e4rung der Russischen F\u00f6deration und der Volksrepublik China zu den internationalen Beziehungen in einer neuen \u00c4ra und globaler nachhaltiger Entwicklung\u201c wird ein Aufruf formuliert, geopolitische Konfrontation durch wirtschaftliche Kooperation als Basis f\u00fcr eine gemeinsame Sicherheitspolitik zu ersetzen. Beide Nationen appellieren an die NATO, von weiteren Expansionspl\u00e4nen abzusehen, das Denken in Kategorien des Kalten Krieges zu \u00fcberwinden und die von Ru\u00dfland geforderten langfristigen Sicherheitsgarantien zu verankern. Die Rolle internationaler Organisationen wie der G20, BRICS, APEC und ASEAN soll gest\u00e4rkt werden. Ru\u00dfland wird bei der Verwirklichung der von China vorgeschlagenen \u201eGlobalen Entwicklungs-Initiative\u201c mitarbeiten und hebt die Bedeutung des Konzepts der \u201eeinen Schicksalsgemeinschaft der Menschheit\u201c hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Denken wir an die hundert Sekunden vor Zw\u00f6lf der Atomkriegsuhr zur\u00fcck: Wer will bestreiten, da\u00df wir eine unteilbare Schicksalsgemeinschaft sind? In den vergangenen Wochen sind besonnenere Stimmen laut geworden und haben sich f\u00fcr eine neue gesamteurop\u00e4ische Sicherheitsarchitektur unter Einschlu\u00df von Ru\u00dfland und der Ukraine ausgesprochen, die in einem neuen Helsinki-Abkommen beschlossen werden k\u00f6nnte. Angesichts der Komplexit\u00e4t der Weltlage, die alle Staaten betreffende Gef\u00e4hrdung des Weltfriedens und der Untrennbarkeit der Sicherheit aller, mu\u00df man jedoch \u00fcber Helsinki hinausgehen und eine internationale Sicherheitsarchitektur schaffen, die Sicherheitsinteressen aller Staaten auf der Erde umfa\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Architektur mu\u00df auf den Prinzipien des Westf\u00e4lischen Friedens aufbauen, d.h. die Interessen aller Staaten und vor allem ihr Recht auf wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung garantieren. Die Erhaltung des Weltfriedens setzt eine vollkommene und endg\u00fcltige Absage an die malthusianische Politik voraus und erfordert den ungeteilten Zugang zu den Errungenschaften des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts f\u00fcr alle Nationen. Diese neue Ordnung &#8211; die Voraussetzung f\u00fcr das \u00dcberleben der menschlichen Gattung &#8211; erfordert ein neues Paradigma im Denken, das sich die besten Traditionen aller Kulturen auf dem h\u00f6chsten humanistischen Niveau zu Nutzen machen mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben die Wahl: entweder wir lassen die Uhr weiter ticken, bis die letzte der hundert Sekunden geschlagen hat, und dann wird niemand mehr da sein, der das Ergebnis noch kommentieren k\u00f6nnte. Oder wir erinnern uns daran, da\u00df wir die einzig bisher bekannte kreative Gattung im Universum sind, und gestalten unsere gemeinsame Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p><em>zepp-larouche@eir.de<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf nie gef\u00fchrt werden\u201c, versicherten die f\u00fcnf Atomm\u00e4chte und permanenten Mitglieder des UN-Sicherheitsrates in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung am 3. Januar dieses Jahres. 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