{"id":83966,"date":"2022-01-14T08:33:35","date_gmt":"2022-01-14T13:33:35","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=83966"},"modified":"2022-01-14T08:33:38","modified_gmt":"2022-01-14T13:33:38","slug":"ein-interview-mit-jens-jorgen-nielsen-wie-koennen-wir-einen-krieg-zwischen-usa-nato-und-russland-vermeiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/01\/14\/ein-interview-mit-jens-jorgen-nielsen-wie-koennen-wir-einen-krieg-zwischen-usa-nato-und-russland-vermeiden\/","title":{"rendered":"Ein Interview mit Jens J\u00f8rgen Nielsen: Wie k\u00f6nnen wir einen Krieg zwischen USA\/NATO und Ru\u00dfland vermeiden?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der d\u00e4nische Ru\u00dfland-Experte Jens J\u00f8rgen Nielsen hat einen Hochschulabschlu\u00df in Ideengeschichte und Kommunikation. Ende der 90er Jahre war er Moskau-Korrespondent der gro\u00dfen d\u00e4nischen Tageszeitung Politiken. Er ist Autor mehrerer B\u00fccher \u00fcber Ru\u00dfland und die Ukraine und Leiter der Organisation \u201eRussisch-D\u00e4nischer Dialog\u201c. Dar\u00fcber hinaus ist er au\u00dferordentlicher Professor f\u00fcr Kommunikation und kulturelle Unterschiede am Niels Brock Business College in D\u00e4nemark. Michelle Rasmussen, die Vizepr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts in D\u00e4nemark, f\u00fchrte am 30. Dezember 2021 mit ihm ein Interview \u00fcber die wachsenden Spannungen zwischen dem Westen und Ru\u00dfland.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Interview with Russia expert Jens J\u00f8rgen Nielsen\u2014How to avoid war between the U.S.\/NATO and Russia\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_AHMlFTUSyY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Michelle Rasmussen:<\/strong> (\u2026)In den letzten Tagen haben Pr\u00e4sident Putin und andere hochrangige russische Sprecher erkl\u00e4rt, Ru\u00dflands rote Linien seien fast \u00fcberschritten, und haben zu Vertragsverhandlungen aufgerufen, um vom Abgrund wegzukommen. Was sind diese roten Linien und wie gef\u00e4hrlich ist die derzeitige Situation?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jens J\u00f8rgen Nielsen:<\/strong> Ich danke Ihnen f\u00fcr die Einladung. Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich sagen, da\u00df ich die von Ihnen aufgeworfene Frage nach den roten Linien und auch die Frage, ob wir in einen neuen Krieg schlafwandeln, f\u00fcr sehr wichtig halte. Denn als Historiker wei\u00df ich, was 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs geschah: eine Art Schlafwandeln. Niemand wollte den Krieg wirklich, aber es endete mit einem Krieg, zig Millionen Menschen kamen um, und die ganze Welt l\u00f6ste sich zu dieser Zeit auf, die Welt war nie mehr dieselbe. Ich denke also, da\u00df die Frage, die Sie hier stellen, sehr, sehr relevant ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben mich speziell nach Putin und den roten Linien gefragt. Man kann den Standpunkt vertreten &#8211; ich habe geh\u00f6rt, da\u00df Bill und Hillary Clinton, John Kerry und viele andere amerikanische Politiker das behaupten -, da\u00df es so etwas wie rote Linien nicht mehr gibt. Es g\u00e4be keine Einflu\u00dfzonen mehr, weil wir eine neue Welt haben, eine neue liberale Welt, in der solche Dinge nicht mehr existieren. Das geh\u00f6re in ein anderes Jahrhundert und ein anderes Zeitalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man k\u00f6nnte die Frage stellen, was die Amerikaner eigentlich in der Ukraine tun, wenn nicht ihre eigenen roten Linien verteidigen? Ich denke, wenn da eine Supermacht ist, eine Gro\u00dfmacht wie Ru\u00dfland, dann ist es ganz nat\u00fcrlich, da\u00df jede Supermacht gewisse rote Linien hat. Denn man kann sich vorstellen, was passieren w\u00fcrde, wenn China, der Iran und Ru\u00dfland ein Milit\u00e4rb\u00fcndnis eingehen und sich in Mexiko, Kanada und Kuba breitmachen und dort vielleicht auch Raketen aufstellen w\u00fcrden. Ich glaube nicht, da\u00df irgendjemand daran zweifelt, was passieren w\u00fcrde &#8211; die Vereinigten Staaten w\u00fcrden das nat\u00fcrlich niemals akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Russen w\u00fcrden also normalerweise fragen: Warum sollten wir akzeptieren, da\u00df die Amerikaner mit der Ukraine verhandeln und sich darauf vorbereiten, vielleicht milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung in der Ukraine aufzustellen? Warum sollten wir das tun? Ich halte das f\u00fcr eine sehr wichtige Frage. Und im Grunde sehen die Russen das heute als eine Frage der Macht, denn die Russen haben sich tats\u00e4chlich seit, ich w\u00fcrde sagen, 30 Jahren sehr bem\u00fcht. Sie haben sich wirklich bem\u00fcht. Ich war vor 30 Jahren in Ru\u00dfland. Ich spreche Russisch. Ich bin mir ziemlich sicher, da\u00df die Russen damals davon tr\u00e4umten, Teil der westlichen Gemeinschaft zu sein, und sie hatten eine sehr, sehr hohe Meinung von den westlichen L\u00e4ndern, die Amerikaner waren zu dieser Zeit \u00e4u\u00dferst beliebt. 80% der russischen Bev\u00f6lkerung hatten 1990 eine sehr positive Einstellung zu den Vereinigten Staaten. Sp\u00e4ter, heute und auch schon seit einigen Jahren, haben 80%, derselbe Prozentsatz, eine negative Einstellung zu den Amerikanern. Es ist also etwas passiert, und zwar nichts sehr Positives, denn vor 30 Jahren gab es begr\u00fcndete Aussichten auf eine neue Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab wirklich Ideen in diese Richtung, aber in den 90er Jahren wurde tats\u00e4chlich etwas vermasselt. Ich habe eine Vorstellung davon. Vielleicht k\u00f6nnen wir das im Detail besprechen. Aber man hat es vermasselt. Normalerweise denken heute viele Menschen im Westen, an den Universit\u00e4ten, in der Politik usw., an allem w\u00e4re Putin schuld. \u201eEs ist Putins Schuld. Was auch immer passiert ist, ist Putins Schuld.\u201c Und nun befinden wir uns in einer Situation, die der von Ihnen erw\u00e4hnten Kubakrise sehr nahe kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube aber nicht, da\u00df es ganz so ist. Ich denke, zum Tango geh\u00f6ren immer zwei. Das wissen wir nat\u00fcrlich, aber ich glaube, viele westliche Politiker haben nicht erkannt, da\u00df der Westen eine Mitschuld an dieser Situation tr\u00e4gt, denn hier spielen viele Dinge eine Rolle, die wir uns in einer solchen Situation jetzt vorstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fehler des Westens<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, das wichtigste, wenn man es aus russischer Sicht betrachtet, ist die Ausdehnung der NATO nach Osten. Ich halte das f\u00fcr eine wirklich schlechte Sache, denn Ru\u00dfland war von Anfang an dagegen. Sogar Boris Jelzin, der als Mann des Westens, des demokratischen Ru\u00dflands galt, war sehr, sehr dagegen, da\u00df dieses NATO-B\u00fcndnis nach Osten bis an die Grenzen Ru\u00dflands vorr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wir k\u00f6nnen das jetzt sehen, denn k\u00fcrzlich wurde in Amerika neues Material ver\u00f6ffentlicht, ein Briefwechsel zwischen Jelzin und Clinton zu dieser Zeit. Wir wissen daher genau, da\u00df Jelzin und Andrej Kosyrew, der damalige russische Au\u00dfenminister, sehr dagegen waren. Und dann kam Putin. Putin kam nicht, um dem russischen Volk seinen Willen aufzuzwingen, er kam, weil es in Ru\u00dfland den Willen gab, sich dieser NATO-Erweiterung nach Osten zu widersetzen. Ich denke also, da\u00df die Dinge an diesem Punkt begannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4ter gab es dann die Georgien-Krise 2008 und nat\u00fcrlich die Ukraine-Krise 2014, mit der Krim und dem Donba\u00df usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt sind wir sehr, sehr nahe daran &#8211; ich glaube nicht, da\u00df es sehr wahrscheinlich ist, da\u00df es einen Krieg geben wird, aber wir sind sehr nahe daran. Denn ich glaube, da\u00df Kriege oft durch irgendeinen Fehler beginnen, durch einen Unfall. Jemand dr\u00fcckt versehentlich am Abzug oder dr\u00fcckt irgendwo einen Knopf, und pl\u00f6tzlich passiert etwas. Genau das ist 1914 passiert, zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Jemand wurde in Sarajewo erschossen. Jeder wei\u00df das, und solche Dinge k\u00f6nnen passieren. Und f\u00fcr uns, die wir in Europa leben, ist der Gedanke an einen Krieg schrecklich. Man kann Putin hassen. Man kann denken, was man will. Aber der Gedanke an einen Atomkrieg ist f\u00fcr uns alle furchtbar, und deshalb denke ich, da\u00df die Politiker zur Vernunft kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich halte auch diese D\u00e4monisierung Ru\u00dflands und Putins f\u00fcr sehr schlecht &#8211; nat\u00fcrlich f\u00fcr die Russen, aber es ist auch sehr schlecht f\u00fcr uns hier im Westen, f\u00fcr uns, in Europa und auch in Amerika. Ich glaube nicht, da\u00df das gut f\u00fcr unsere Demokratie ist. Ich glaube nicht, da\u00df es \u00fcberhaupt gut ist. Ich sehe darin nicht sehr viele gesunde Perspektiven. Ich sehe gar keine.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe andere Perspektiven, denn wir k\u00f6nnten auf andere Weise zusammenarbeiten. Es gibt nat\u00fcrlich M\u00f6glichkeiten, die bisher nicht genutzt oder umgesetzt werden, die man aber sehr wohl nutzen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Also ja, Ihre Frage ist sehr, sehr relevant und wir k\u00f6nnen ausf\u00fchrlich dar\u00fcber sprechen. Ich bin sehr froh, da\u00df Sie diese Frage stellen, denn wenn man diese Fragen heute in den d\u00e4nischen und westlichen Medien \u00fcberhaupt stellt &#8211; da denken alle, es reicht, zu sagen, Putin ist ein Schurke, Putin ist ein Gauner, und damit ist alles gut. Nein, wir m\u00fcssen miteinander auskommen. Wir m\u00fcssen Wege finden, um zu kooperieren, denn sonst wird das unser aller Untergang sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen: <\/strong>K\u00f6nnen Sie die Geschichte der NATO-Osterweiterung noch einmal kurz erl\u00e4utern? Bei den von Ru\u00dfland vorgeschlagenen Vertr\u00e4gen geht es erstens darum, die Ukraine daran zu hindern, formell Mitglied der NATO zu werden, und zweitens darum, die allgemeine Ausweitung der NATO nach Osten zu verhindern, sowohl in Bezug auf Soldaten als auch auf milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung. K\u00f6nnen Sie etwas dazu sagen, auch im Hinblick auf die gebrochenen Versprechen von westlicher Seite?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja. Eigentlich geht die Geschichte bis zum Anfang der neunziger Jahre zur\u00fcck. Ich hatte 1999 ein langes Gespr\u00e4ch mit Michail Gorbatschow, dem ehemaligen Staatschef der Sowjetunion, gerade als die NATO begann, Serbien zu bombardieren, und als sie Polen, die Tschechische Republik und Ungarn in die NATO aufnahm. Zu der Zeit f\u00fchrte ich ein langes Gespr\u00e4ch mit Gorbatschow. Man sollte nicht vergessen, da\u00df Gorbatschow ein sehr netter Mensch ist. Er ist ein sehr lebhafter Mensch, gut gelaunt, und ein erfahrener Mensch. Aber als wir anfingen zu reden, fragte ich ihn nach der NATO-Erweiterung, die genau an dem Tag stattfand, als wir uns unterhielten. Er wurde sehr d\u00fcster, sehr traurig, und er sagte: \u201eNun, ich habe mit James Baker, Helmut Kohl aus Deutschland und einigen anderen gesprochen, und sie alle haben mir versprochen, sich keinen Zentimeter nach Osten zu bewegen, wenn die Sowjetunion Deutschland die Vereinigung der DDR und Westdeutschlands erlaubt, ein Land zu werden, und Mitglied der NATO zu werden &#8211; sie w\u00fcrden sich keinen Zentimeter nach Osten bewegen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke auch, einige der neuen Materialien, die ver\u00f6ffentlicht wurden &#8211; ich habe einige davon gelesen, einiges auf <em>WikiLeaks<\/em>, anderes kann man finden, es ist freigegeben &#8211; sind sehr interessant. Es besteht \u00fcberhaupt kein Zweifel. Es gab mehrere m\u00fcndliche pers\u00f6nliche Versprechen an Michail Gorbatschow. Sie wurden nicht schriftlich festgehalten, denn wie er sagte: \u201eIch habe ihnen geglaubt. Ich erkenne jetzt, da\u00df ich naiv war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, das ist ein Schl\u00fcssel zu Putin heute, um zu verstehen, warum Putin nicht nur sch\u00f6ne Worte will. Er will etwas, das auf einem Vertrag basiert, weil er dem Westen im Grunde genommen nicht glaubt. Das Vertrauen zwischen Ru\u00dfland und den NATO-L\u00e4ndern ist heute sehr, sehr gering. Und das ist nat\u00fcrlich ein Problem, und ich glaube nicht, da\u00df wir es in wenigen Jahren \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Es braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen, aber im Moment ist das Vertrauen noch nicht da.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls hat sich die NATO-Erweiterung Schritt f\u00fcr Schritt vollzogen. Zuerst waren es die drei L\u00e4nder Polen, Ungarn und die Tschechische Republik, und dann, 2004, sechs Jahre sp\u00e4ter, kamen unter anderem die baltischen Republiken, die Slowakei, Rum\u00e4nien und Bulgarien hinzu. Sp\u00e4ter kamen dann die anderen hinzu, Albanien, Kroatien usw. Und dann gab es 2008 einen NATO-Gipfel in Bukarest, auf dem George W. Bush, der Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten, Georgien und der Ukraine die Mitgliedschaft in der NATO versprach. Putin war anwesend. Zu dem Zeitpunkt war er nicht Pr\u00e4sident. Er war Ministerpr\u00e4sident Ru\u00dflands, der Pr\u00e4sident war Medwedjew. Er war damals sehr w\u00fctend. Doch was konnte er tun? Er sagte aber damals sehr, sehr deutlich: \u201eDas akzeptieren wir nicht, weil hier unsere roten Linien \u00fcberschritten w\u00fcrden. Wir haben die baltischen Staaten [in der NATO] akzeptiert. Wir weichen zur\u00fcck. Wir weichen seit Jahren zur\u00fcck, aber jetzt kommt das nicht auf den Tisch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es kam, wie es kam, weil Deutschland und Frankreich, Merkel und Hollande, damals nicht akzeptierten, da\u00df die Ukraine und Georgien Mitglied der NATO werden. Aber die Vereinigten Staaten dr\u00e4ngten darauf, und es steht immer noch auf der Tagesordnung der Vereinigten Staaten, da\u00df Georgien und die Ukraine Mitglied der NATO werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im August desselben Jahres, einige Monate nach diesem NATO-Gipfel, kam es dann zu einem kleinen Krieg, bei dem Georgien S\u00fcdossetien angriff, das fr\u00fcher ein selbstverwalteter Teil Georgiens war. Der amtierende georgische Pr\u00e4sident Micheil Saakaschwili wollte den autonomen Status S\u00fcdossetiens nicht akzeptieren, also griff Georgien S\u00fcdossetien an. In S\u00fcdossetien waren russische Soldaten stationiert, und 14 von ihnen wurden von der georgischen Armee get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>Man k\u00f6nnte folgendes sagen: George W. Bush hatte dem georgischen Pr\u00e4sidenten Saakaschwili versprochen, die Amerikaner w\u00fcrden die Georgier unterst\u00fctzen, falls Ru\u00dfland Vergeltung \u00fcben sollte &#8211; was auch geschah. Die russische Armee war nat\u00fcrlich viel gr\u00f6\u00dfer als die georgische Armee, sie zerschlug die georgische Armee in f\u00fcnf Tagen und zog sich dann zur\u00fcck. Die Vereinigten Staaten haben den Georgiern nicht geholfen. Und ich denke, da\u00df das vom moralischen Standpunkt aus gesehen keine sehr kluge Politik ist, denn man kann nicht sagen: \u201eMacht einfach weiter, wir werden euch helfen\u201c &#8211; und dann, wenn es ernst wird, \u00fcberhaupt nicht helfen. Vom moralischen Standpunkt aus betrachtet ist das nicht sehr fair.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Putsch in der Ukraine<\/p>\n\n\n\n<p>Aber im Grunde ist es das Gleiche, was jetzt offenbar in der Ukraine passiert. In der Ukraine gab es 2014 einen Staatsstreich, so w\u00fcrde ich es nennen, einen orchestrierten Staatsstreich. Ich wei\u00df, da\u00df es dazu v\u00f6llig unterschiedliche Meinungen gibt, aber meine Meinung ist, da\u00df es eine Art Putsch war, um den amtierenden Pr\u00e4sidenten Viktor Janukowitsch zu st\u00fcrzen und ihn durch jemanden zu ersetzen, der sehr stark daran interessiert war, in die NATO zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Janukowitsch war nicht besonders an einem NATO-Beitritt interessiert, aber er hatte immer noch die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung. Und das ist interessant. In der Ukraine gab es viele Meinungsumfragen, die von Deutschen, Amerikanern, Franzosen, Europ\u00e4ern, Russen und Ukrainern durchgef\u00fchrt wurden; und alle diese Meinungsumfragen zeigen, da\u00df eine Mehrheit der ukrainischen Bev\u00f6lkerung nicht der NATO beitreten wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ging alles bekanntlich sehr schnell, denn die Krim war f\u00fcr Ru\u00dfland aus vielen Gr\u00fcnden eine sehr, sehr heikle Frage. Erstens war die Krim ein umstrittenes Gebiet, das war es von Anfang an, seit 1991, als die Ukraine unabh\u00e4ngig wurde. Es gab keine Einstimmigkeit \u00fcber die Krim und ihren Status, weil der gr\u00f6\u00dfte Teil der Krim russischsprachig war und Ru\u00dfland kulturell, historisch sehr nahe steht. Sie steht Ru\u00dfland sehr nahe, es ist sogar einer der patriotischsten Teile Ru\u00dflands. Es ist also insofern ein sehr merkw\u00fcrdiger Teil der Ukraine, das war schon immer so &#8211; ein sehr merkw\u00fcrdiger Teil der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so habe ich keinen Zweifel daran, bezogen auf die Mehrheit der Menschen in einem Konflikt, wenn das erste, was die neue Regierung im Februar 2014 tat, war, die russische Sprache zu verbieten, als eine Sprache, die in der lokalen Verwaltung verwendet wurde, und \u00e4hnliches: Das war eines der d\u00fcmmsten Dinge, die man in einer so angespannten Situation tun konnte. Die Ukraine ist im Grunde eine sehr gespaltene Gesellschaft. Der \u00f6stliche, s\u00fcdliche Teil liegt sehr nah an Ru\u00dfland. Sie sprechen Russisch und sind der russischen Kultur sehr nahe. Der westliche Teil, der westlichste Teil um Lemberg, liegt sehr nahe an Polen und \u00d6sterreich und solchen Gebieten. Es ist also eine gespaltene Gesellschaft. Und in einer solchen Gesellschaft hat man mehrere M\u00f6glichkeiten. Eine M\u00f6glichkeit ist, alle verschiedenen Teile der Gesellschaft einzubinden. Oder man kann, und das ist dann auch passiert, einem Teil seinen Willen aufzwingen, gegen dessen Willen. Und genau das ist passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt also mehrere Krisen. Es gibt die Krise in der Ukraine, mit zwei ungef\u00e4hr gleich gro\u00dfen Teilen der Ukraine. Aber auf der anderen Seite gibt es auch die Frage zwischen Ru\u00dfland und der NATO. Da waren also zwei Krisen, die zusammenkamen und 2014 zugespitzt wurden. Sie hatten also eine sehr explosive Situation, die bis heute nicht gel\u00f6st ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was die Ukraine betrifft, so sage ich, da\u00df es unm\u00f6glich ist, diesen Konflikt zwischen Ru\u00dfland und der NATO zu l\u00f6sen, solange es sich um eine der korruptesten und \u00e4rmsten Gesellschaften in Europa handelt. Viele Menschen kommen von dort nach D\u00e4nemark, wo wir jetzt sind, nach Deutschland und auch nach Ru\u00dfland. Millionen von Ukrainern sind ins Ausland gegangen, um dort zu arbeiten, denn es gibt wirklich viele, viele soziale Probleme, wirtschaftliche Probleme und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist der Grund, warum Putin sagte &#8211; erinnern wir uns, was Gorbatschow mir \u00fcber die Dinge auf dem Papier sagte, \u00fcber Vertr\u00e4ge, die unterzeichnet werden &#8211; ,was Putin tats\u00e4chlich zum Westen sagte: \u201eIch glaube euch nicht wirklich, denn ihr betr\u00fcgt, wenn ihr damit durchkommt.\u201c Er hat es zwar nicht so ausgedr\u00fcckt, aber genau so hat er es gemeint. \u201eDeshalb sage ich euch jetzt sehr, sehr, sehr, sehr deutlich, was unsere Standpunkte sind. Wir haben rote Linien, so wie ihr rote Linien habt. Versucht nicht, sie zu \u00fcberschreiten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und mir scheint, da\u00df das vielen Menschen im Westen nicht gef\u00e4llt. Ich denke, es ist sehr klar, denn wenn man es historisch vergleicht, sind die roten Linien sehr vern\u00fcnftig. Wenn man es mit den Vereinigten Staaten und ihrer Monroe-Doktrin vergleicht, die in den USA immer noch g\u00fcltig ist, dann sind das sehr, sehr vern\u00fcnftige rote Linien. Ich w\u00fcrde sagen, da\u00df die Ukraine, viele Ukrainer, Ru\u00dfland sehr nahe stehen. Ich habe viele ukrainische Freunde. Manchmal vergesse ich, da\u00df sie Ukrainer sind, denn ihre Muttersprache ist eigentlich Russisch, das dem Ukrainischen \u00e4hnlich ist. Da\u00df solche L\u00e4nder Teil eines antirussischen Milit\u00e4rpakts sind, ist deshalb einfach Wahnsinn. Das kann nicht funktionieren. Es wird nicht funktionieren. Ein solches Land w\u00fcrde f\u00fcr viele, viele Jahre oder sogar nie wieder ein normales Land sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, ein Gro\u00dfteil der Schuld liegt bei der NATO-Erweiterung und bei den Politikern, die seit Jahren darauf dr\u00e4ngten. In erster Linie waren es zuerst Bill Clinton und Madame Albright ab 1993. Zu der Zeit haben sie die Politik der gro\u00dfen Osterweiterung beschlossen. Und auch George W. Bush dr\u00e4ngte darauf, da\u00df die Ukraine und Georgien Mitglieder der NATO werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und je mehr das passiert, desto mehr sammeln sich die Menschen in Ru\u00dfland um die Fahne. So k\u00f6nnte man es ausdr\u00fccken, denn es wird Druck ausge\u00fcbt. Und je mehr Druck wir mit der NATO aus\u00fcben, desto mehr werden sich die Russen um die Fahne scharen, und desto autorit\u00e4rer wird Ru\u00dfland sein. Wir befinden uns also in dieser Situation. Es geschehen auch Dinge in Ru\u00dfland, die ich zugegebenerma\u00dfen nicht gut finde, wie die Schlie\u00dfung einiger B\u00fcros, die Schlie\u00dfung einiger Medien &#8211; das gef\u00e4llt mir ganz und gar nicht. Aber in einer Zeit der Konfrontation halte ich das f\u00fcr rational und verst\u00e4ndlich, auch wenn ich es nicht verteidigen w\u00fcrde. Aber es ist verst\u00e4ndlich. Denn die Vereinigten Staaten haben nach dem 11. September 2001 auch eine Menge Verteidigungsma\u00dfnahmen ergriffen, eine Art Zensur und dergleichen. So etwas passiert also, wenn man solche angespannten Situationen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten auch nicht vergessen, da\u00df Ru\u00dfland und die Vereinigten Staaten die beiden L\u00e4nder sind, die 90 Prozent der weltweiten Atomwaffen besitzen. Allein der Gedanke, da\u00df sie etwas davon einsetzen k\u00f6nnten, ist eine Weltuntergangsperspektive, denn das wird kein \u201ekleiner\u201c Krieg sein wie der Zweite Weltkrieg, sondern es w\u00fcrde den Zweiten Weltkrieg in den Schatten stellen, Milliarden Menschen w\u00fcrden sterben. Und es ist nicht sicher, ob die Menschheit \u00fcberleben wird. Es ist also eine sehr, sehr ernste Frage. Und ich glaube, wir sollten uns fragen, ob das Recht der Ukraine auf eine NATO-Mitgliedschaft, die ihre eigene Bev\u00f6lkerung nicht wirklich will, wirklich das Risiko eines Atomkriegs wert ist. So w\u00fcrde ich es formulieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich werde Ru\u00dfland nicht von aller Schuld freisprechen. Darum geht es mir hier nicht. Mir geht es darum, da\u00df diese Frage zu wichtig ist. Sie ist sehr, sehr wichtig. Es ist sehr wichtig, da\u00df wir eine Art Modus Vivendi schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein Problem f\u00fcr den Westen. Ich glaube auch, es ist sehr wichtig ist, da\u00df wir im Westen lernen, mit Menschen umzugehen, die nicht so sind wie wir. Wir neigen dazu, zu denken, da\u00df die Menschen Demokraten werden sollten, wie wir Demokraten sind, und nur dann k\u00f6nnen wir mit ihnen klarkommen. \u201eWenn sie keine Demokraten sind wie wir, werden wir alles tun, um sie zu Demokraten zu machen. Wir werden Leute unterst\u00fctzen, die eine Revolution in diesem Land machen wollen, damit sie so werden wie wir.\u201c Das ist eine sehr, sehr gef\u00e4hrliche und zerst\u00f6rerische Denkweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, wir im Westen sollten vielleicht ein wenig mehr studieren, was in anderen Organisationen passiert, in denen der Westen nicht dominiert. Ich denke dabei an die BRICS als eine Organisation. Ich denke auch an die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit, in der die asiatischen L\u00e4nder zusammenarbeiten, ohne auf die anderen Einflu\u00df zu nehmen. Die Chinesen fordern nicht, da\u00df wir alle Konfuzianer sein sollen. Und die Russen verlangen nicht, da\u00df alle Menschen auf der Welt orthodoxe Christen sein sollen, usw. Ich glaube, es ist sehr, sehr wichtig, da\u00df wir uns vor Augen halten, da\u00df wir so miteinander auskommen sollten, wie wir sind, und keine Ver\u00e4nderungen fordern. Ich halte das f\u00fcr ein wirklich gef\u00e4hrliches und dummes Spiel, das wir da spielen. Ich glaube, die Europ\u00e4ische Union ist auch sehr aktiv in diesem Spiel. Diese Art zu denken hat meiner Meinung nach \u00fcberhaupt keine positive Perspektive.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Heute [am 30.12. 2021] werden die Pr\u00e4sidenten Biden und Putin miteinander telefonieren, und f\u00fcr Mitte Januar sind wichtige diplomatische Treffen geplant. Wovon wird es abh\u00e4ngen, ob die Diplomatie eine Katastrophe wie die Kuba-Raketenkrise verhindern kann? Helga Zepp-LaRouche hat es gerade eine \u201eumgekehrte Kubakrise\u201c genannt. Wird Ru\u00dfland das Gef\u00fchl haben, da\u00df es keine Alternative zu einer milit\u00e4rischen Antwort hat, so wie es das offen erkl\u00e4rt hat? Was mu\u00df sich auf westlicher Seite \u00e4ndern? Wenn Sie mit Pr\u00e4sident Biden oder anderen Staatschefs von NATO-L\u00e4ndern allein in einem Raum w\u00e4ren, was w\u00fcrden Sie ihnen sagen?<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich Pr\u00e4sident Biden sagen w\u00fcrde<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ich w\u00fcrde sagen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eH\u00f6ren Sie, Joe, ich verstehe Ihre Bedenken. Ich verstehe, da\u00df Sie sich als Verfechter der Freiheit und solcher Dinge in der Welt sehen. Ich verstehe das Positive daran, aber sehen Sie, das Spiel, das Sie jetzt mit Ru\u00dfland spielen, ist ein sehr, sehr gef\u00e4hrliches Spiel. Und Sie k\u00f6nnen die Russen, ein sehr stolzes Volk, nicht zwingen. Das ist keine Option. Ich meine, Sie k\u00f6nnen es nicht. Es war zwar die Politik der USA und bis zu einem gewissen Grad auch der Europ\u00e4ischen Union, Ru\u00dfland umzukrempeln, so da\u00df es einen anderen Pr\u00e4sidenten bekommt und Putin gegen einen anderen Pr\u00e4sidenten austauscht. Aber ich kann Ihnen versichern\u201c &#8211; wenn ich mit Joe Biden spreche &#8211; \u201eJoe Biden, seien Sie sicher, wenn Sie Erfolg haben oder wenn Putin morgen stirbt oder sie irgendwie einen neuen Pr\u00e4sidenten bekommen &#8211; ich kann Ihnen versichern, da\u00df der neue Pr\u00e4sident genauso hart sein wird wie Putin, vielleicht sogar h\u00e4rter. Denn in Ru\u00dfland gibt es viel h\u00e4rtere Leute.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele, ich w\u00fcrde sogar sagen, die meisten Menschen in Ru\u00dfland, die Putin Vorw\u00fcrfe machen, werfen ihm vor, er sei dem Westen gegen\u00fcber nicht hart genug. Er sei dem Westen gegen\u00fcber weich, zu liberal, und viele Menschen machen ihm Vorw\u00fcrfe, da\u00df er den \u00f6stlichen, s\u00fcdlichen Teil der Ukraine noch nicht \u00fcbernommen hat, sie meinen, er h\u00e4tte das tun sollen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter w\u00fcrde ich Biden sagen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch denke, es w\u00e4re klug von Ihnen, Putin jetzt zu unterst\u00fctzen oder mit ihm zu verhandeln, sich auf Putin einzulassen und etwas Diplomatie zu betreiben, denn die Alternative ist ein m\u00f6glicher Krieg, und Sie sollten nicht als der amerikanische Pr\u00e4sident in die Geschichte eingehen, der f\u00fcr die Ausl\u00f6schung der Menschheit gesorgt hat. Das w\u00e4re ein sehr schlechtes Zeugnis f\u00fcr Sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es gibt M\u00f6glichkeiten, denn ich glaube nicht, da\u00df Putin unvern\u00fcnftig ist. Ru\u00dfland hat sich nicht unvern\u00fcnftig verhalten. Ich glaube, es hat eine Kehrtwende vollzogen. Denn 1991 waren es die Russen selbst, die die Sowjetunion aufl\u00f6sten. Es waren die Russen, Moskau, die den Warschauer Pakt aufl\u00f6sten. Es waren die Russen, die den baltischen L\u00e4ndern und allen anderen Sowjetrepubliken die Freiheit schenkten, ohne einen Schu\u00df, und die eine halbe Million sowjetischer Soldaten nach Ru\u00dfland zur\u00fcckholten. Es wurde kein einziger Schu\u00df abgefeuert. Ich denke, das ist au\u00dfergew\u00f6hnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man es damit vergleicht, was nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Aufl\u00f6sung des franz\u00f6sischen und des britischen Kolonialreichs geschah, war es in vieler Hinsicht sehr, sehr zivilisiert. H\u00f6ren Sie also auf, Ru\u00dfland als unzivilisiertes, dummes Volk zu betrachten, das nichts anderes versteht als blo\u00dfe Macht. Die Russen sind ein gebildetes Volk. Sie verstehen viele Argumente, und sie sind an einer Zusammenarbeit interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Vereinigten Staaten, aber auch f\u00fcr den Westen allgemein und die EU w\u00e4re es von gro\u00dfem Vorteil, eine produktivere, pragmatischere Beziehung und Zusammenarbeit aufzubauen. Es gibt viele Dinge in Bezug auf Energie, Klima, Terrorismus und vieles andere, bei denen eine Zusammenarbeit mit ihnen eine Win-Win-Situation darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das einzige, worum Ru\u00dfland bittet, ist, da\u00df wir unsere milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung nicht in seinem Hinterhof stationieren. Es sollte uns doch nicht schwer fallen, das zu akzeptieren &#8211; und schon gar nicht, zu verstehen, warum die Russen so denken. Man sollte sich an die Geschichte erinnern, da\u00df Armeen aus dem Westen Ru\u00dfland angegriffen haben. Deshalb ist das in ihren Genen. Ich glaube nicht, da\u00df es in Ru\u00dfland auch nur einen Menschen gibt, der die enormen Verluste, die die Sowjetunion in den 1940er Jahren im Zweiten Weltkrieg durch Nazi-Deutschland erlitt, vergessen hat oder sich dessen nicht bewu\u00dft ist. Und auch Napoleon hat versucht, Ru\u00dfland zu erobern. Diese Erfahrungen mit westlichen Armeen, die in Ru\u00dfland einmarschierten, gibt es reichlich. Das ist also sehr, sehr gro\u00df und steckt sehr, sehr tief.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Waren es etwa 20 Millionen Menschen, die w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs starben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> In der Sowjetunion. Es gab auch Ukrainer und andere Nationalit\u00e4ten, aber es waren etwa 18 Millionen Russen, wenn man sie z\u00e4hlen kann, weil es die Sowjetunion war, aber insgesamt 27 Millionen Menschen. Das ist riesig. Ru\u00dfland hat Erfahrung mit Krieg, die Russen werden daher sicherlich keinen Krieg m\u00f6gen. Ich denke, die Russen haben Erfahrungen mit dem Krieg, die auch die Europ\u00e4er bis zu einem gewissen Grad haben, die aber die Vereinigten Staaten nicht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, woran ich mich in j\u00fcngster Zeit erinnere, ist der Anschlag vom 11. September [2001] auf die Zwillingst\u00fcrme in New York. Ansonsten haben die Vereinigten Staaten diese Erfahrungen nicht gemacht. Sie neigen dazu, eher ideologisch zu denken, w\u00e4hrend sicherlich die Russen, aber auch bis zu einem gewissen Grad einige Leute in Europa, eher pragmatisch denken, da\u00df wir um jeden Preis einen Krieg vermeiden sollten, weil ein Krieg mehr Probleme schafft als l\u00f6st. Wir sollten also eine pragmatische Zusammenarbeit anstreben. Es wird nicht unbedingt eine Liebesheirat sein, das nat\u00fcrlich nicht. Aber es wird auf einer sehr pragmatischen Ebene ablaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Auch im Hinblick auf die Reaktion auf die schreckliche humanit\u00e4re Lage in Afghanistan und die Zusammenarbeit bei der Bek\u00e4mpfung der Pandemie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja. Nat\u00fcrlich gibt es M\u00f6glichkeiten. Im Moment ist es so, da\u00df wir nicht einmal in Bezug auf Impfstoffe zusammenarbeiten k\u00f6nnen, und vieles verh\u00e4rtet sich auf beiden Seiten, weil wir sehr, sehr wenig Kontakt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Zusammenarbeit zwischen d\u00e4nischen und russischen Universit\u00e4ten in Bezug auf die Entwicklung von Unternehmen und dergleichen, aber es stellte sich heraus, da\u00df daf\u00fcr keine einzige Krone da war &#8211; das ist unsere W\u00e4hrung. Projekte in S\u00fcdamerika, Afrika und allen anderen L\u00e4ndern w\u00e4ren m\u00f6glich, aber nicht in Ru\u00dfland. Das ist schlichtweg dumm.<\/p>\n\n\n\n<p>Westliche Vorurteile gegen\u00fcber Ru\u00dfland<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Ich wollte Sie noch etwas mehr dazu fragen, denn Sie haben k\u00fcrzlich zwei B\u00fccher \u00fcber Ru\u00dfland geschrieben. Das eine tr\u00e4gt den Titel \u201eZu seinen Bedingungen: Putin und das neue Ru\u00dfland\u201c und das neueste, das gerade erst im September erschienen ist, \u201eRu\u00dfland gegen den Strich\u201c. Viele Menschen im Westen stellen Ru\u00dfland als den Feind dar, der allein f\u00fcr die aktuelle Situation verantwortlich ist, und Putin als einen Diktator, der seine Nachbarn milit\u00e4risch bedroht und die Demokratie der freien Welt gef\u00e4hrdet. Stimmt das &#8211; \u00fcber das hinaus, was Sie bereits gesagt haben -, oder haben Sie eine andere Sichtweise?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Nat\u00fcrlich habe ich eine andere Sichtweise. Ich denke, Ru\u00dfland ist kein perfektes Land, denn ein solches Land gibt es nicht &#8211; nicht einmal D\u00e4nemark. Manche meinen, da\u00df D\u00e4nemark das ist, aber so etwas wie eine perfekte Gesellschaft gibt es nicht. Denn Gesellschaften entwickeln sich immer von irgendwoher irgendwohin, so auch Ru\u00dfland.<\/p>\n\n\n\n<p>Ru\u00dfland ist ein sehr, sehr gro\u00dfes Land. Man kann also durchaus Dinge finden, die in Ru\u00dfland nicht sehr sympathisch sind. Definitiv. Darum geht es mir hier nicht. Aber ich habe in meinem letzten Buch versucht, herauszufinden, wie westliche Philosophen und Kirchenleute in den vergangenen Jahrhunderten Ru\u00dfland betrachtet haben. Und es gab so etwas wie einen roten Faden, eine Art st\u00e4ndige Fortsetzung. Denn Ru\u00dfland wurde sehr, sehr, sehr oft als unser Gegner charakterisiert, als ein Land, das gegen grundlegende europ\u00e4ische Werte ist. Vor 500 Jahren war es gegen die r\u00f6misch-katholische Kirche, im 17. und 18. Jahrhundert war es gegen die Philosophen der Aufkl\u00e4rung, und im 20. Jahrhundert ging es um den Kommunismus, der auch die Menschen im Westen gespalten hat und als Bedrohung angesehen wurde. Auch heute noch wird er als Bedrohung angesehen, obwohl Putin kein Kommunist ist. Er ist kein Kommunist, er ist ein gem\u00e4\u00dfigter Konservativer, w\u00fcrde ich sagen. Selbst zu Zeiten Jelzins galt er als liberal und fortschrittlich, und er liebte den Westen und folgte dem Westen in fast allem, was er vorschlug.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gibt es etwas in Bezug auf Ru\u00dfland, von dem ich denke, da\u00df es aus philosophischer Sicht sehr wichtig ist, festzustellen &#8211; da\u00df wir einige sehr tief verwurzelte Vorurteile \u00fcber Ru\u00dfland haben. Und ich glaube, das spielt eine Rolle. Denn wenn ich mit Leuten spreche, h\u00f6re ich sie sagen: \u201eRu\u00dfland ist ein schreckliches Land, und Putin ist einfach ein sehr, sehr b\u00f6ser Mensch, ein Diktator.\u201c &#8211; \u201eWaren Sie schon einmal in Ru\u00dfland? Kennen Sie irgendwelche Russen?\u201c &#8211; \u201eNein, nicht wirklich.\u201c &#8211; \u201eOkay. Aber worauf st\u00fctzen Sie Ihre Ansichten?\u201c &#8211; \u201eNa ja, auf das, was ich in den Zeitungen lese, nat\u00fcrlich, was man mir im Fernsehen erz\u00e4hlt.\u201c Und ich spreche sehr oft mit russischen Politikern und anderen Menschen, und die Russen haben die Nase voll von dieser Vorstellung, da\u00df der Westen etwas Besseres sei. \u201eWir sind auf einem h\u00f6heren Niveau, und wenn die Russen vom Westen akzeptiert werden wollen, m\u00fcssen sie so werden wie wir. Oder zumindest sollten sie zugeben, da\u00df sie sich auf einem niedrigeren Niveau befinden, im Vergleich zu unserem sehr hohen Niveau.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der Grund, warum die Russen, wenn sie mit China oder Indien zu tun haben oder mit afrikanischen L\u00e4ndern und auch lateinamerikanischen L\u00e4ndern, nicht auf eine solche Haltung sto\u00dfen, sie sind auf gleicher Augenh\u00f6he. Jeder ist anders, ja, aber man betrachtet ihn nicht als auf einer h\u00f6heren Ebene stehend.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, deshalb ist die Zusammenarbeit in den BRICS-Staaten, \u00fcber die wir gesprochen haben, und in der Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit recht erfolgreich. Und ich wei\u00df nicht, wie die Zukunft aussieht, aber ich habe das Gef\u00fchl, da\u00df Afghanistan, wenn es auf die eine oder andere Weise in eine solche Organisation integriert werden kann, wahrscheinlich erfolgreicher w\u00e4re als die 20 Jahre, die die NATO-L\u00e4nder dort waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, da\u00df die kulturelle Einstellung eine Rolle spielt, wenn wir \u00fcber Politik sprechen, denn ein Gro\u00dfteil der Politik von amerikanischer und europ\u00e4ischer Seite ist sehr emotional. Wir haben gewisse Empfindungen. Wir haben Angst vor Ru\u00dfland. \u201eWir m\u00f6gen es nicht\u201c oder \u201eWir finden es furchtbar.\u201c Und: \u201eWir wissen viel besser, wie man eine Gesellschaft organisiert, als die Russen und die Chinesen und die Inder und die Muslime usw.\u201c Und ich glaube, das ist ein Teil unseres Problems im Westen. Es geh\u00f6rt zu unserer Denkweise, unserer Philosophie, die wir meiner Meinung nach genauer unter die Lupe nehmen und kritisieren sollten. Aber das ist schwierig, denn es ist sehr tief verwurzelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich mit Menschen an Universit\u00e4ten, in den Medien und anderswo diskutiere, sto\u00dfe ich darauf. Deshalb habe ich das neueste Buch geschrieben, weil es sehr viel mit unserer Art \u00fcber Ru\u00dfland zu denken zu tun hat. Das Buch geht nat\u00fcrlich um Ru\u00dfland, aber es geht auch um uns, unsere Brille, wie wir Ru\u00dfland wahrnehmen &#8211; und nicht nur Ru\u00dfland, sondern auch China, denn das ist mehr oder weniger dasselbe. Es gibt viele \u00c4hnlichkeiten zwischen der Art und Weise, wie wir Ru\u00dfland sehen, und wie wir China und andere L\u00e4nder sehen und wahrnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte das f\u00fcr eine sehr, sehr wichtige Sache, mit der wir uns befassen m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen das tun, denn andernfalls, wenn Amerika und Ru\u00dfland sich entscheiden, das ganze Feuerwerk ihrer nuklearen Macht einzusetzen, dann ist das das Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das sehr scharf formulieren und es so sagen, und das wird den Leuten nicht gefallen. Aber im Grunde stehen wir vor diesen zwei Alternativen. Wir m\u00fcssen Wege finden, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die nicht so sind wie wir und auch nicht so sein werden, jedenfalls nicht zu meinen Lebzeiten. Wir m\u00fcssen akzeptieren, da\u00df sie nicht so sind wie wir, aber wir kommen miteinander aus, so gut wir k\u00f6nnen. Jeder beh\u00e4lt seine Unterschiede, aber wir respektieren uns gegenseitig. Ich denke, das ist es, was wir von den westlichen L\u00e4ndern brauchen. Das halte ich f\u00fcr das Grundproblem im Umgang mit anderen L\u00e4ndern heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das gleiche, was ich gesagt habe, gilt f\u00fcr China. Ich beherrsche die chinesische Sprache nicht. Ich bin in China gewesen, ich wei\u00df ein bi\u00dfchen was \u00fcber China. Ru\u00dfland kenne ich sehr gut. Ich spreche Russisch, also wei\u00df ich, wie die Russen dar\u00fcber denken, welche Gef\u00fchle sie dabei haben. Und ich halte es f\u00fcr wichtig, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Sie haben, glaube ich, auch darauf hingewiesen, da\u00df Putin 2001 nach dem Anschlag auf das World Trade Center, der erste war, der George W. Bush angerufen hat, und er hat ihm eine Zusammenarbeit gegen den Terrorismus angeboten. Ich glaube, Sie haben geschrieben, da\u00df er eine pro-westliche Kriegsphilosophie hatte, was aber nicht erwidert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, ja, ja. Danach wurde er vom [russischen] Milit\u00e4r und auch von Politikern kritisiert, zu Beginn seiner ersten Amtszeit &#8211; 2000, 2001, 2002 -, weil er sich zu sehr f\u00fcr Amerika begeisterte. Er sagte sogar in einem Interview mit der <em>BBC<\/em>, er h\u00e4tte gerne, da\u00df Ru\u00dfland Mitglied der NATO wird. Dazu ist es nicht gekommen, daf\u00fcr gibt es viele Gr\u00fcnde, aber er war wirklich scharf darauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist auch der Grund, warum er sich danach v\u00f6llig verraten f\u00fchlte. Auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz im Februar 2007 sagte er, er sei sehr entt\u00e4uscht, und es war ganz klar, da\u00df er sich vom Westen verraten f\u00fchlte. Er hatte gedacht, beide h\u00e4tten eine gemeinsame Agenda. Er war der Meinung, Ru\u00dfland sollte Mitglied werden. Aber wahrscheinlich ist Ru\u00dfland zu gro\u00df. Wenn man sich vorstellt, Ru\u00dfland w\u00fcrde Mitglied der Europ\u00e4ischen Union, dann w\u00fcrde sich die Europ\u00e4ische Union grundlegend ver\u00e4ndern. Aber es kam nicht dazu. Ru\u00dfland ist nicht Mitglied geworden. Das ist verst\u00e4ndlich. Aber dann h\u00e4tte die Europ\u00e4ische Union meiner Meinung nach wieder einen Modus Vivendi finden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Ein einvernehmliches Zusammenleben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, ein Zusammenleben. Es war eigentlich eine parallele Entwicklung der EU und der NATO gegen Ru\u00dfland. 2009 lud die Europ\u00e4ische Union Georgien, die Ukraine, Wei\u00dfru\u00dfland, Armenien und Aserbaidschan ein, Mitglied der Union zu werden, aber nicht Ru\u00dfland. Obwohl sie wu\u00dften, da\u00df es einen regen Handel der Ukraine und auch Georgiens mit Ru\u00dfland gab. Und das h\u00e4tte gest\u00f6rt. Aber sie haben sich nicht um Ru\u00dfland gek\u00fcmmert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ru\u00dfland blieb also damals au\u00dfen vor. Und so wandte sich Ru\u00dfland schlie\u00dflich China zu, was ganz verst\u00e4ndlich ist. Und durch die Zusammenarbeit mit China wurden sie st\u00e4rker. Sie wurden viel selbstbewu\u00dfter, und sie arbeiteten mit Menschen zusammen, die sie viel mehr respektierten. Ich finde das interessant, da\u00df die Chinesen es verstanden haben, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen, die Europ\u00e4er und Amerikaner aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Bevor wir zu unseren letzten Fragen kommen, m\u00f6chte ich noch einmal auf die Ukraine zur\u00fcckkommen, weil das so wichtig ist. [Jens J\u00f8rgen Nielsen hat ein Buch \u201eUkraine im Spannungsfeld\u201c geschrieben.] Sie sagten, das Problem habe nicht mit der sogenannten Annexion der Krim begonnen, sondern mit einem Putsch gegen den amtierenden Pr\u00e4sidenten. K\u00f6nnen Sie das etwas n\u00e4her erl\u00e4utern? Denn im Westen sagt jeder: \u201eDas Problem begann, als Ru\u00dfland die Krim annektierte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Nun, in der Ukraine gab es 2010 eine Pr\u00e4sidentschaftswahl, und die OSZE \u00fcberwachte die Wahl und sagte, sie sei sehr gut abgelaufen, und die Mehrheit w\u00e4hlte Wiktor Janukowitsch. Wiktor Janukowitsch wollte nicht, da\u00df die Ukraine Mitglied der NATO wird. Er wollte mit der Europ\u00e4ischen Union zusammenarbeiten. Aber er wollte auch weiterhin mit Ru\u00dfland zusammenarbeiten. Das war im wesentlichen seine Haltung. Nun hei\u00dft es sehr oft, er sei korrupt gewesen. Das bezweifle ich nicht, aber nennen Sie mir einen Pr\u00e4sidenten, der nicht korrupt war! Das ist nicht der gro\u00dfe Unterschied, das ist nicht die gro\u00dfe Sache, w\u00fcrde ich sagen. Aber 2012 gab es auch Parlamentswahlen in der Ukraine, und Janukowitschs Partei erlangte mit einigen anderen Parteien auch dort die Mehrheit. Es gab eine Koalition, die Janukowitschs Politik st\u00fctzte, nicht Mitglied der NATO zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es kam die Entwicklung, da\u00df die Europ\u00e4ische Union und die Ukraine einen Vertrag \u00fcber Zusammenarbeit unterzeichnen sollten. Doch es stellte sich heraus, da\u00df dieser Vertrag f\u00fcr die Ukraine sehr teuer w\u00fcrde, weil er die Grenzen f\u00fcr Unternehmen aus der EU \u00f6ffnen w\u00fcrde, aber die ukrainischen Unternehmen konnten mit den westlichen Unternehmen nicht konkurrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens, und das ist das wichtigste, exportierte die Ukraine vor allem Industrieg\u00fcter nach Ru\u00dfland, und zwar aus dem \u00f6stlichen Teil, aus Dniepropetrowsk oder Dniepro, wie es heute hei\u00dft, aus Donezk, aus Luhansk und aus Kryvyj Rih (Krivoj Rog), aus einigen anderen Gebieten, im wesentlichen aus dem \u00f6stlichen, industriellen Teil der Ukraine.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sie stellten Berechnungen an, was w\u00e4re, wenn Sie diesem Abkommen beitreten. Ru\u00dfland sagte: \u201eWir werden gewisse Z\u00f6lle auf den Export erheben m\u00fcssen, weil ihr gewisse zollfreie Importe aus der Europ\u00e4ischen Union h\u00e4ttet. Und wir haben bekanntlich kein Abkommen mit der Europ\u00e4ischen Union. Deshalb w\u00fcrde auf alles, was von euch kommt, Z\u00f6lle erhoben.\u201c Und dann meinte Janukowitsch: \u201eNa, na, na, das klingt ja nicht gut\u201c, und er wollte, da\u00df Ru\u00dfland, die EU und die Ukraine sich zusammentun und ein \u201eDreiecksabkommen\u201c schlie\u00dfen. Aber die EU war strikt dagegen, sie wollte das nicht, obwohl man sagen k\u00f6nnte, da\u00df der \u00f6stliche Teil der Ukraine wirtschaftlich ein Teil Ru\u00dflands war. Sogar ein Teil der russischen R\u00fcstungsindustrie war im \u00f6stlichen Teil der Ukraine, und dort waren russischsprachige Menschen. Aber die Europ\u00e4ische Union sagte: \u201eNein, wir sollten in dieser Sache nicht mit Ru\u00dfland zusammenarbeiten\u201c, als Janukowitsch eine Zusammenarbeit zwischen der EU, der Ukraine und Ru\u00dfland anstrebte, was f\u00fcr mich sehr vern\u00fcnftig klingt. Das w\u00e4re nur nat\u00fcrlich, es w\u00e4re zum Vorteil aller drei. Aber die Europ\u00e4ische Union hatte einen sehr ideologischen Ansatz in dieser Frage. Sie sperrte sich also sehr gegen Ru\u00dfland. Das st\u00e4rkte auch den Verdacht der Russen, da\u00df die EU nur ein Sprungbrett zur NATO-Mitgliedschaft w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann kam es zu einem Konflikt. Es gab t\u00e4glich Demonstrationen auf dem Maidan-Platz in Kiew. Es waren viele Tausend Menschen dort, und es gab auch Schie\u00dfereien, weil viele der Demonstranten bewaffnet waren. Sie hatten Waffen aus Kasernen im Westen gestohlen. Zu dem Zeitpunkt, als hundert Menschen gestorben waren, trafen sich Au\u00dfenminister aus der EU, aus Frankreich, Deutschland und Polen, ein Vertreter Ru\u00dflands, Janukowitsch, ein Vertreter seiner Regierung und ein Vertreter der Opposition. Und sie schlossen eine Vereinbarung: \u201eNun gut, in einem halben Jahr sollen Wahlen stattfinden, und ihr sollt die Macht teilen. Leute aus der Opposition sollten Mitglieder der Regierung werden usw.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber pl\u00f6tzlich brach das alles zusammen, und Janukowitsch verlie\u00df das Land, denn man sollte nicht vergessen &#8211; im Westen wird oft vergessen -, da\u00df die Demonstranten bewaffnet waren. Sie haben Polizisten get\u00f6tet, sie t\u00f6teten Leute von Janukowitschs Partei der Regionen usw. Sie wurden immer als unschuldige, friedliebende Demonstranten dargestellt, aber das waren sie ganz und gar nicht. Und einige von ihnen hatten sehr zweifelhafte Ansichten, mit Nazi-Hakenkreuzen und dergleichen. Und Janukowitsch floh.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kamen sie an die Macht. Sie hatten keine legitime Regierung, weil viele der Parlamentsabgeordneten aus den Regionen, die Janukowitsch unterst\u00fctzt hatten, in den Osten geflohen waren. Das Parlament war also nicht in der Lage, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Trotzdem gab es einen neuen Pr\u00e4sidenten und eine neue Regierung, die im wesentlichen aus dem westlichen Teil der Ukraine stammte. Und das erste, was sie taten, war wie gesagt, die russische Sprache abzuschaffen, und dann sprachen sie \u00fcber die NATO-Mitgliedschaft. Und Victoria Nuland, die stellvertretende Au\u00dfenministerin der Vereinigten Staaten, war die ganze Zeit dabei. Es waren viele Leute aus dem Westen da, so da\u00df die Lage kollabierte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Und seither gibt es Anschuldigungen, da\u00df es Provokateure gab, die auf beiden Seiten Menschen t\u00f6teten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, genau. Und das Interessante daran ist, da\u00df es keinerlei Ermittlungen dazu gab, weil die neue Regierung nicht untersuchen wollte, wer sie get\u00f6tet hat. Es war also inszeniert. Ich habe keinen Zweifel daran, da\u00df es ein inszenierter Putsch war. Daran besteht kein Zweifel.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der grundlegende Kontext f\u00fcr Putins Entscheidung, die Krim als Teil Ru\u00dflands zu akzeptieren. Das sollte man sagen, aber gew\u00f6hnlich hei\u00dft es im Westen, da\u00df Ru\u00dfland die Krim einfach annektiert hat. Das ist nicht ganz richtig, denn es gab ein lokales Parlament, weil es ein autonomer Teil der Ukraine war, hatten sie ihr eigenes Parlament, und sie beschlossen, da\u00df sie ein Referendum abhalten sollten, was sie im M\u00e4rz [2014] taten. Und dann beantragten sie die Aufnahme in die Russische F\u00f6deration. Das ist keine \u00dcberraschung, auch wenn die ukrainische Armee nicht eingriff. Es gab eine ukrainische Armee, 21.000 ukrainische Soldaten waren dort. 14.000 dieser Soldaten traten in die russische Armee ein. Das sagt ein wenig dar\u00fcber aus, da\u00df es sich nicht um eine Annexion handelte, bei der ein Land einfach einen Teil des anderen Landes besetzt. Denn dieses zerkl\u00fcftete Land, besonders der s\u00fcdliche Teil, war sehr pro-russisch, das war schon immer so.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich in Bezug auf das V\u00f6lkerrecht eine Menge dazu sagen. Aber ich zweifle nicht daran, da\u00df man es anders sehen kann, wenn man es aus der Sicht der Menschen betrachtet, die auf der Krim lebten. 80-90 Prozent hatten f\u00fcr die Partei der Regionen gestimmt, Janukowitschs Partei, eine pro-russische Partei, k\u00f6nnte man sagen. Fast 87 Prozent oder so haben f\u00fcr diese Partei gestimmt. Diese Partei hatte ein Zentrum in einem zentralen Geb\u00e4ude in Kiew, das angegriffen und niedergebrannt wurde, wobei drei Menschen get\u00f6tet wurden. Sie k\u00f6nnen sich also vorstellen, da\u00df sie nicht sehr gl\u00fccklich dar\u00fcber waren, um es mal so zu formulieren. Sie waren nicht sehr gl\u00fccklich \u00fcber die neue Regierung und die neue Entwicklung. Nat\u00fcrlich nicht. Sie ha\u00dften es. Und was ich am Westen sehr kritisch finde, ist, da\u00df sie diese schrecklichen Dinge in der Ukraine einfach hingenommen haben, nur um diese Beute zu bekommen, die Ukraine in die NATO zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Putin war sich bewu\u00dft, da\u00df er nicht \u00fcberleben k\u00f6nnte, nicht einmal physisch, aber sicherlich auch nicht politisch, wenn Sewastopol, der Hafen f\u00fcr die russische Flotte, ein NATO-Hafen w\u00fcrde. Das war unm\u00f6glich. Ich kenne Leute aus dem Milit\u00e4r, die mir sagten: \u201eNein, niemals. Das ist undenkbar.\u201c K\u00f6nnten die Chinesen San Diego in den Vereinigten Staaten \u00fcbernehmen? Nein, nat\u00fcrlich nicht. Es versteht sich von selbst, da\u00df so etwas nicht passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dem Westen also fehlt, ist nur ein bi\u00dfchen Realismus, wie Superm\u00e4chte denken, und \u00fcber rote Linien von Superm\u00e4chten. Denn wir haben im Westen eine Vorstellung von der neuen liberalen Weltordnung, das klingt sehr sch\u00f6n, wenn man in einem B\u00fcro in Washington sitzt. Es h\u00f6rt sich so sch\u00f6n und einfach an, aber wenn man hinausgeht und diese liberale Weltordnung schaffen will, ist das nicht so einfach. So kann man es nicht machen, schon gar nicht so, wie sie es in der Ukraine gemacht haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Durch Regimewechsel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, Regimewechsel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Ich habe noch zwei Fragen, die letzten Fragen. Die Organisation Russisch-D\u00e4nischer Dialog, die Sie leiten, und das Schiller-Institut in D\u00e4nemark waren zusammen mit dem Chinesischen Kulturzentrum in Kopenhagen Mitveranstalter dreier sehr erfolgreicher Konzerte des musikalischen Dialogs der Kulturen, mit Musikern aus Ru\u00dfland, China und vielen anderen L\u00e4ndern. Und Sie sind au\u00dferordentlicher Professor f\u00fcr kulturelle Unterschiede. Wie sehen Sie das? Wie w\u00fcrde ein verst\u00e4rkter kultureller Austausch die Situation verbessern?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Nun, es kann sich nur verbessern, denn wie ich Ihnen schon sagte, haben wir sehr wenig davon. Daher bin ich sehr, sehr gl\u00fccklich \u00fcber diese Zusammenarbeit, weil ich denke, da\u00df solche musikalischen Veranstaltungen sehr unterhaltsam und sehr interessant sind, auch f\u00fcr viele D\u00e4nen. Denn wenn man die Sprache der Musik hat, ist das besser als die Sprache der Waffen, wenn ich das mal so sagen darf. Aber ich denke auch, wenn wir uns treffen, wenn wir die Musik des anderen h\u00f6ren und Kultur in Form von Filmen, Literatur, Gem\u00e4lden, was auch immer teilen, dann ist das etwas ganz Nat\u00fcrliches, und es ist unnat\u00fcrlich, das nicht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben sie nicht, vielleicht weil einige Leute das so wollen, weil sie eine Art angespannte Lage wollen. Sie m\u00f6chten das nicht. Aber ich denke &#8211; es ist nat\u00fcrlich nur eine Kleinigkeit -, doch ohne diesen kulturellen Austausch wird es uns sehr, sehr schlecht gehen. Wir werden eine Welt haben, die viel, viel schlechter ist, denke ich, und wir sollten lernen, die kulturellen Ausdrucksformen anderer Menschen zu genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten lernen, sie zu akzeptieren, und wir sollten auch lernen, zu kooperieren und gemeinsame Wege zu finden. Wir sind verschieden. Aber wir haben auch viele Gemeinsamkeiten, und es ist sehr wichtig, da\u00df wir nicht vergessen, wir haben auch mit den Russen und den Chinesen, mit allen anderen V\u00f6lkern viele Gemeinsamkeiten, die wir nie vergessen sollten. Im Grunde genommen haben wir die grundlegenden Werte gemeinsam, auch wenn man Hindu, Konfuzianer oder russisch-orthodox ist, wir haben viele Gemeinsamkeiten. Und wenn man solche Begegnungen hat, z.B. in der Kultur, in der Musik, dann glaube ich, da\u00df man sich dessen bewu\u00dft wird, denn pl\u00f6tzlich ist es viel einfacher, Menschen zu verstehen, wenn man ihre Musik h\u00f6rt. Vielleicht mu\u00df man ein paarmal hinh\u00f6ren, aber dann wird es sehr, sehr interessant. Man wird neugierig auf die Instrumente, auf die Art zu singen und was auch immer es ist. Ich hoffe also, da\u00df die Corona-Situation es uns bald erm\u00f6glicht, weitere Konzerte zu geben. Ich denke, das sollten wir, denn sie sind auch in D\u00e4nemark sehr beliebt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Ja. Wie Schiller schrieb, gelangen wir durch die Sch\u00f6nheit zur politischen Freiheit. Wir k\u00f6nnen auch sagen, da\u00df wir durch die Sch\u00f6nheit zum Frieden gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, ja, ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Das Schiller-Institut und Helga Zepp-LaRouche, seine Gr\u00fcnderin und internationale Pr\u00e4sidentin, f\u00fchren eine internationale Kampagne zur Verhinderung des Dritten Weltkriegs, f\u00fcr Frieden durch wirtschaftliche Entwicklung und einen Dialog zwischen den Kulturen. Wie sehen Sie die Rolle des Schiller-Instituts?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Nun, ich kenne es. Wir haben schon zusammengearbeitet. Ich denke, da\u00df Ihre grundlegenden Forderungen, die Appelle f\u00fcr eine globale Entwicklung, sehr, sehr interessant sind, und ich teile die grunds\u00e4tzliche Sichtweise. Es wird vielleicht ein bi\u00dfchen schwierig. Der Teufel steckt im Detail. Aber im Grunde denke ich, wenn man \u00fcber die Seidenstra\u00dfe spricht, \u00fcber diese chinesischen Programme, die G\u00fcrtel- und Stra\u00dfenprogramme, da sehe ich eine viel erfolgreichere Entwicklung, als wir sie zum Beispiel in Afrika mit der europ\u00e4ischen Entwicklungshilfe gesehen haben. Denn ich habe gesehen, wie viele westlich dominierte Entwicklungsprogramme die Entwicklung in Afrika und anderen Teilen der Welt verzerrt haben, sie verzerren die Entwicklung. Ich bin nicht unkritisch gegen\u00fcber China, aber ich sehe nat\u00fcrlich sehr positive Perspektiven im G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Programm. Ich sehe sehr, sehr gute Perspektiven. Schauen Sie sich zum Beispiel die Eisenbahnen in China an, die Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge: Es sind viel mehr als irgendwo sonst auf der Welt. Ich denke, es gibt einige Perspektiven, die vor allem f\u00fcr die Menschen in Asien interessant sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber letztendlich wird es auch Menschen in Europa ansprechen, denn ich glaube, da\u00df dieses Modell immer mehr an Bedeutung gewinnt. Es beginnt schon im \u00f6stlichen Teil, einige osteurop\u00e4ische L\u00e4nder sind daran interessiert. Ich glaube also, da\u00df es sehr interessant ist. Ihre Standpunkte, denke ich, sind sehr relevant, auch deshalb, weil wir im Westen in einer Sackgasse stecken, so da\u00df die Menschen sowieso nach neuen Perspektiven suchen. Und ich halte das, was Sie vorlegen, f\u00fcr sehr, sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie es in Zukunft aussehen k\u00f6nnte, das ist schwer zu sagen, weil die Dinge schwierig sind. Aber ich teile die grundlegenden Fragen, \u00fcber die Sie nachdenken, und was ich \u00fcber das Schiller-Institut geh\u00f6rt habe, auch weil Sie die Bedeutung von Toleranz betonen. Sie betonen die Bedeutung einer multikulturellen Gesellschaft &#8211; da\u00df wir den anderen nicht in unserem Sinn ver\u00e4ndern sollten. Wir sollten auf der Grundlage gegenseitiger Interessen zusammenarbeiten und uns nicht gegenseitig ver\u00e4ndern. Wie ich bereits sagte, sehe ich darin eines der wirklich gro\u00dfen Probleme der westlichen Denkweise, wonach wir entscheiden sollen, was in der Welt geschehen soll &#8211; so als d\u00e4chten wir immer noch, wir seien Kolonialm\u00e4chte, wie es etwa ein Jahrhundert lang war. Aber diese Zeiten sind vorbei. Es liegen neue Zeiten vor uns, und wir sollten neue Wege des Denkens finden. Wir sollten neue Perspektiven finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich glaube, es gilt auch f\u00fcr den Westen, da\u00df wir so nicht weiterleben k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen nicht so weitermachen, denn es wird entweder Krieg geben oder Sackgassen und \u00fcberall Konflikte.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte sich diese Dinge als Mensch aus dem Westen betrachten. Ich finde es traurig, wenn man sich Afghanistan, Irak, Libyen und diese L\u00e4nder ansieht, in gewissem Ma\u00dfe auch Syrien, wo der Westen versucht hat, Regimewechsel herbeizuf\u00fchren oder zu diktieren, was passiert. Das ist gescheitert. Ich denke, das ist f\u00fcr jedermann offensichtlich. Wir brauchen eine neue Denkweise. Und das, was das Schiller-Institut vorgelegt hat, ist in dieser Hinsicht sehr, sehr interessant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Wenn Sie davon sprechen, andere Menschen nicht zu ver\u00e4ndern, ist einer unserer wichtigsten Punkte, da\u00df wir uns selbst herausfordern m\u00fcssen, uns zu ver\u00e4ndern. Wir m\u00fcssen uns wirklich bem\u00fchen, unser kreatives Potential zu entwickeln und einen Beitrag zu leisten, der m\u00f6glicherweise auch internationale Auswirkungen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ja, auf jeden Fall.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Das Schiller-Institut wird in den n\u00e4chsten Wochen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Vereinigten Staaten und die NATO zu ernsthaften Verhandlungen zu bewegen. Und Helga Zepp-LaRouche hat die USA und die NATO aufgefordert, die von Ru\u00dfland vorgeschlagenen Vertr\u00e4ge zu unterzeichnen und andere Wege zur Verhinderung eines Atomkriegs zu beschreiten. Wir hoffen, da\u00df auch Sie, unsere Zuschauer, alles tun werden, was in Ihrer Macht steht, und unter anderem dieses Video verbreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es noch etwas, was Sie unseren Zuschauern sagen m\u00f6chten, bevor wir schlie\u00dfen, Jens J\u00f8rgen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Nein, nein. Ich glaube, wir haben jetzt schon eine Menge geredet. Nein, ich denke nur, da\u00df das, was Sie dar\u00fcber gesagt haben, die USA und Ru\u00dfland an den Verhandlungstisch zu bringen, f\u00fcr jeden vern\u00fcnftigen, klardenkenden Menschen im Westen offensichtlich ist, da\u00df dies das einzig Richtige ist. Deshalb unterst\u00fctzen wir es nat\u00fcrlich zu hundert Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rasmussen:<\/strong> Okay. Vielen Dank, Jens J\u00f8rgen Nielsen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nielsen:<\/strong> Ich danke Ihnen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der d\u00e4nische Ru\u00dfland-Experte Jens J\u00f8rgen Nielsen hat einen Hochschulabschlu\u00df in Ideengeschichte und Kommunikation. Ende der 90er Jahre war er Moskau-Korrespondent der gro\u00dfen d\u00e4nischen Tageszeitung Politiken. 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