{"id":83704,"date":"2022-01-07T05:06:10","date_gmt":"2022-01-07T10:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=83704"},"modified":"2022-01-07T05:06:13","modified_gmt":"2022-01-07T10:06:13","slug":"ein-interview-mit-dr-shah-mehrabi-die-us-politik-erstickt-das-afghanische-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/01\/07\/ein-interview-mit-dr-shah-mehrabi-die-us-politik-erstickt-das-afghanische-volk\/","title":{"rendered":"Ein Interview mit Dr. Shah Mehrabi: \u201eDie US-Politik erstickt das afghanische Volk\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der folgende Text ist die bearbeitete Abschrift eines Interviews mit Dr. Shah Mohammad Mehrabi, das Gerald Belsky und Michael Billington von EIR am 15. Dezember 2021 f\u00fchrten. Dr. Mehrabi ist seit 2002 Mitglied des Gouverneursrats der Da Afghanistan Bank, der afghanischen Zentralbank. Seit 1992 ist er Professor f\u00fcr Betriebs- und Volkswirtschaftslehre am Montgomery College in Maryland und seit 2003 Dekan des Fachbereichs.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"U.S. Policy Is \u2018Suffocating the Afghan People\u2019 \u2014 Interview with Dr. Shah Mehrabi\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/43wHU4M9uXE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>Gerald Belsky:<\/strong><\/em> Herr Dr. Mehrabi, k\u00f6nnen Sie uns etwas \u00fcber Ihren Hintergrund und Ihr Verh\u00e4ltnis zur derzeitigen Taliban-Regierung erz\u00e4hlen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich danke Ihnen, Gerry, und ich m\u00f6chte auch dem Schiller-Institut danken f\u00fcr alle seine Bem\u00fchungen, etwas f\u00fcr die Freigabe der afghanischen Reserven zu tun und ein positives Ergebnis bei der Beseitigung der Armut zu erzielen, die entstanden ist und fortbestehen wird, wenn die Vereinigten Staaten und die europ\u00e4ischen L\u00e4nder, die zum jetzigen Zeitpunkt die gesamten Auslandsreserven Afghanistans halten, keine konkreten Ma\u00dfnahmen ergreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Wirtschaftswissenschaftler, und als solcher war ich fast 20 Jahre lang Mitglied des sogenannten Obersten Rates, des Leitungsgremiums der Zentralbank von Afghanistan. Au\u00dferdem war ich als leitender Wirtschaftsberater f\u00fcr zwei Finanzminister t\u00e4tig und befa\u00dfte mich mit der Erzielung von Einnahmen, aber auch mit den Staatsausgaben, als ich im Finanzministerium war. W\u00e4hrend meiner T\u00e4tigkeit im Finanzministerium blieb ich weiter Mitglied des Obersten Rates der Zentralbank, eines Gremiums, das dem Board of Governors der Federal Reserve Bank der Vereinigten Staaten sehr \u00e4hnlich ist. Er besteht aus sieben Vorstandsmitgliedern, und ich bin auch Vorsitzender des Pr\u00fcfungsausschusses der Zentralbank von Afghanistan.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich sehr aktiv um Reformen bem\u00fcht, so wie wir es bei meiner R\u00fcckkehr taten, als ich zum ersten Mal nach Afghanistan eingeladen wurde und versucht habe, diese Finanzinstitution zu reformieren und insbesondere daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df wir zumindest eine funktionierende und effektive Zentralbank haben. Vor 2003-04 hatte die Zentralbank eine Doppelfunktion. Sie war sowohl eine Gesch\u00e4ftsbank als auch eine Staatsbank. Die Gesch\u00e4ftsbankfunktion wurde den neu gegr\u00fcndeten Gesch\u00e4ftsbanken \u00fcbertragen, und die Zentralbank Afghanistans wurde als unabh\u00e4ngige Einrichtung neu strukturiert und nahm ihre T\u00e4tigkeit Anfang der 2000er Jahre auf, 2003, 2004 und 2005.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Folgen des Einfrierens der Devisenreserven<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Das Hauptthema, mit dem Sie sich ebenso wie wir befassen, ist die Tatsache, da\u00df bei der US-Notenbank und mehreren europ\u00e4ischen Banken Reserven in H\u00f6he von 9,5 Milliarden Dollar liegen, die der afghanischen Zentralbank geh\u00f6ren. Dieses Geld geh\u00f6rt nicht den Banken, die es halten, sondern wird aus politischen Gr\u00fcnden und wegen Meinungsverschiedenheiten mit der neuen Regierung in Kabul eingefroren, was im Grunde genommen eine Form der illegalen Wirtschaftskriegf\u00fchrung darstellt. K\u00f6nnen Sie beschreiben, wie sich das auf die Menschen in Afghanistan auswirkt und welche Schritte Sie ergriffen haben, um zu versuchen, diese Gelder freizubekommen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Das Einfrieren der afghanischen Devisenreserven ist ein wichtiger Punkt. Es hat zur wirtschaftlichen Instabilit\u00e4t beigetragen, die ich bereits im September vorausgesagt hatte. Ich habe eine Reihe von Ereignissen vorhergesagt und sie sind alle eingetreten, denn jetzt gibt es Daten, die meine Vorhersagen vom September best\u00e4tigen. Damals sagte ich voraus, da\u00df die W\u00e4hrung abgewertet w\u00fcrde &#8211; seit August wurde sie um mehr als 14% abgewertet. Ich sagte auch voraus, da\u00df die Lebensmittelpreise zweistellig steigen w\u00fcrden &#8211; und auch das ist eingetreten. Der Weizenpreis ist um mehr als 20% gestiegen, der Mehlpreis um \u00fcber 30%, der Preis f\u00fcr Speise\u00f6l um 60% und der Benzinpreis um 74%.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe damals auch gesagt, da\u00df der Bankensektor Liquidit\u00e4t braucht, und um Liquidit\u00e4t zu schaffen, ist es sehr wichtig, da\u00df die Reserven freigegeben werden, um die Preise zu stabilisieren und einen weiteren Verfall des Afghani, der Landesw\u00e4hrung, zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 14%ige W\u00e4hrungsabwertung trifft vor allem die Kaufkraft der Verbraucher. Sie bringt die Menschen in eine Lage, in der sie die grundlegenden Dinge des Lebens nicht mehr kaufen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sind die Preise f\u00fcr all diese G\u00fcter gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe auch gesagt, da\u00df die Importe zur\u00fcckgehen w\u00fcrden, und das ist eingetreten. Die Nachfrage nach diesen importierten G\u00fctern ist zur\u00fcckgegangen, und der Verbrauch ist erheblich gesunken, weil die Menschen keinen Zugang zu ihrem eigenen Geld auf der Bank haben. Hinzu kommt, da\u00df sie keine Arbeit haben. Viele haben ihre Arbeit verloren; sie haben kein Einkommen, und dann haben die h\u00f6heren Preise die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen weiter ged\u00e4mpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist es also, was Sie sehen: Es entstanden Hunger und Verhungern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe auch gesagt, da\u00df Handel gar nicht stattfindet. Tats\u00e4chlich sind die Einfuhren aus Pakistan im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 46% zur\u00fcckgegangen. Die Exporte sind sehr d\u00fcrftig &#8211; Trockenfr\u00fcchte, Teppiche usw. Das ist zwar einigerma\u00dfen stabil geblieben, hat aber keine ausreichenden Devisenreserven geschaffen. Die L\u00f6hne sind gesunken.<\/p>\n\n\n\n<p>Um auf die Auswirkungen des Einfrierens der afghanischen Devisenreserven zur\u00fcckzukommen: Wir sehen bereits, da\u00df dies zu gro\u00dfer Armut gef\u00fchrt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schlage vor, der afghanischen Zentralbank einen begrenzten, \u00fcberwachten und bedingten Zugang zu ihren eigenen Reserven zu gew\u00e4hren. Das sind die Reserven Afghanistans, sie geh\u00f6ren niemand anderem, sondern dem afghanischen Volk. Sie sollten Zugang zu ihren Reserven haben, und diese Devisenreserven sollten f\u00fcr Versteigerungen verwendet werden. Warum? Weil Versteigerungen dazu dienen, die Abwertung des Afghani gegen\u00fcber dem Dollar und anderen ausl\u00e4ndischen W\u00e4hrungen zu verhindern und auch die Kaufkraft der Afghanen zu erh\u00f6hen und zu verhindern, da\u00df sie Tag f\u00fcr Tag weiter sinkt. Die afghanische Zentralbank wird ohne Versteigerungen nicht in der Lage sein, die Preisstabilit\u00e4t im Inland zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne die Freigabe dieser Reserven wird keine Preisstabilit\u00e4t zustande kommen. Eine der Hauptaufgaben der afghanischen Zentralbank ist es, die Preisstabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, und das kann sie nicht. Damals schlug ich vor, und ich schlage es immer noch vor, von den 7,1 Mrd. Dollar [die bei der US-Notenbank liegen] monatlich 150 Millionen Dollar freizugeben; heute sage ich 200 Mio. Dollar, weil die Reserven Afghanistans erheblich geschrumpft sind. Das entspricht etwa der H\u00e4lfte der Reserve, die monatlich zur Stabilisierung der Wirtschaft erforderlich ist. Ich habe auch gesagt, da\u00df die Vereinigten Staaten in der Lage sein werden, die ausschlie\u00dfliche Verwendung dieser Mittel f\u00fcr die Stabilisierung der W\u00e4hrung zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auktionen werden elektronisch durchgef\u00fchrt und die Transaktionen zwischen der Zentralbank und den Gesch\u00e4ftsbanken werden automatisch aufgezeichnet. Dar\u00fcber hinaus habe ich vorgeschlagen, da\u00df die Verwendung der Mittel von einer internationalen Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft kontrolliert werden k\u00f6nnte, die derzeit in Afghanistan t\u00e4tig ist. Sollte es zu einer Veruntreuung kommen, k\u00f6nnte man die Mittel sperren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein wichtiger Punkt dabei ist, da\u00df wir versuchen wollen, mit den Mitteln den Wert des afghanischen Geldes zu st\u00fctzen, damit die Menschen wichtige Waren und Dienstleistungen kaufen k\u00f6nnen. St\u00e4ndig rufen mich Leute an, die sagen, da\u00df sie sich Brot, das Grundnahrungsmittel f\u00fcr alle, nicht leisten k\u00f6nnen. Mein eigener Bruder ist Dekan an der Universit\u00e4t. Er wird zwar bezahlt, aber selbst er kann es sich nicht leisten, ohne unsere Hilfe durch Geld\u00fcberweisungen auszukommen &#8211; er kann nicht einmal das N\u00f6tigste kaufen. Es gibt viele Afghanen, die st\u00e4ndig dar\u00fcber sprechen, da\u00df sie keine normalen Waren kaufen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen also in der Lage sein, die Bed\u00fcrfnisse der einfachen Afghanen zu befriedigen, denn die Preise f\u00fcr Lebensmittel steigen. Und das l\u00e4\u00dft sich problemlos bew\u00e4ltigen, wenn wir die Freigabe dieser Reserve gestatten. Wichtig ist, da\u00df wir aus Erfahrung wissen, was wir in der Vergangenheit im Hinblick auf die Freigabe der Mittel getan haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedes Mal, wenn wir eine Auktion durchf\u00fchrten, gelang es uns, die W\u00e4hrung zu stabilisieren und Preisstabilit\u00e4t zu erreichen. Die Bilanz der Zentralbank ist darin eindeutig. Die Zentralbank war in der Lage, den Preisanstieg in den beiden letzten Jahrzehnten meistens im einstelligen Bereich zu halten. Sehen Sie sich die empirischen Fakten an: Die Taliban versteigerten vor etwa drei Wochen 2,5 Mio. Dollar der 10 Mio. Dollar, die sie versteigern wollten, und diese Auktion resultierte noch am selben Tag in einer Aufwertung der W\u00e4hrung. Der Wert des Afghani stieg und blieb dann zwei Tage lang so. Aber 2,5 Mio. Dollar sind nicht ausreichend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zentralbank mu\u00df st\u00e4ndig intervenieren, um die Preisstabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten. Wenn sie das nicht tut, kommt es zu der Krise, die wir jetzt erleben. Wenn die Preise steigen, werden die Menschen verhungern, und dann wird es auch noch zu einer Hungersnot infolge der D\u00fcrre kommen. Die Menschen werden Afghanistan verlassen, und sie werden an die europ\u00e4ischen T\u00fcren klopfen, um aufgenommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorgeschlagene Modifizierung der Sanktionspolitik<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Sie fordern die Freigabe von 150 Millionen Dollar pro Monat aus den eingefrorenen Reserven, um mit Dollarauktionen den Wert der W\u00e4hrung zu stabilisieren. Wir glauben, damit k\u00f6nnten die westlichen L\u00e4nder rechtfertigen, afghanische Gelder weiter einzubehalten, wozu sie weder rechtlich noch moralisch berechtigt sind. Sind Sie nicht auch der Meinung, da\u00df sie aus Prinzip und moralischer Verpflichtung alle Gelder freigeben m\u00fcssen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich habe gesagt, da\u00df das Finanzministerium der Vereinigten Staaten seine Sanktionsgesetze kl\u00e4ren und \u00e4ndern mu\u00df. Ob das US-Finanzministerium die R\u00fccklagen eines anderen Landes rechtm\u00e4\u00dfig einbehalten kann, ist meiner Meinung nach nicht klar. Das mu\u00df also gekl\u00e4rt werden. Im Bereich der humanit\u00e4ren Hilfe hat das Finanzministerium ein gewisses Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t bewiesen, aber die Ausnahmeregelungen m\u00fcssen weiter gefa\u00dft werden als nur f\u00fcr humanit\u00e4re Zwecke. Das Finanzministerium hat Bedenken hinsichtlich der Finanzierung des Terrorismus, und andere haben die Frage nach der Kompetenz der [afghanischen] Regierung und ihrer F\u00fchrungskr\u00e4fte aufgeworfen. Ich denke, \u00fcber all diese Fragen kann man diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Reihe von Modellen, die die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit angewendet haben. Dem Iran wurde die Freigabe von Geldern f\u00fcr Handelszwecke gestattet. Das U.S. Office of Foreign Asset Control wird ein gewisses Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t zulassen m\u00fcssen, um sicherzustellen, da\u00df Ausnahmen gemacht werden, nicht nur f\u00fcr humanit\u00e4re Zwecke, sondern auch, um der Zentralbank Zugang zu ihren Reserven zu erm\u00f6glichen. Ich denke, man kann die Afghanen nicht bestrafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir reden \u00fcber das Problem der Frauen usw. Frauen und Kinder sind die ersten, die darunter leiden. Sie sind nicht in der Lage, Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Wenn wir einerseits argumentieren, da\u00df wir humanit\u00e4re Hilfe leisten wollen, andererseits aber auch die Wirtschaft abw\u00fcrgen, dann sind das zwei gegens\u00e4tzliche Argumente. Die Argumente ergeben nicht wirklich einen Sinn. Einerseits sagt man, ich will humanit\u00e4re Hilfe leisten, aber andererseits werde ich die Wirtschaft abw\u00fcrgen, so da\u00df die einfachen Afghanen keinen Zugang zu Lebensmitteln und grundlegenden G\u00fctern haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Humanit\u00e4re Hilfe ist gut, aber keine L\u00f6sung<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Sie haben meine n\u00e4chste Frage bereits implizit beantwortet, aber ich werde sie trotzdem stellen. Wie Sie wissen, plant die Weltbank jetzt die Wiederherstellung der Hilfe in H\u00f6he von 230 Mio. Dollar. Aber selbst dieser kleine Betrag soll \u00fcber UNICEF und die Weltgesundheitsorganisation abgewickelt werden, statt \u00fcber das afghanische Bankensystem zu laufen. Was halten Sie davon?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich wei\u00df nicht, wof\u00fcr UNICEF das Geld verwenden wird, f\u00fcr welche Zwecke. Das habe ich bereits gesagt. Oder die WHO, und sogar das Weltern\u00e4hrungsprogramm. Wenn es f\u00fcr den Kauf von Getreide und anderen Grundbed\u00fcrfnissen verwendet wird, ist das gut. Aber humanit\u00e4re Hilfe ist keine L\u00f6sung, um die Wirtschaftst\u00e4tigkeit wieder anzukurbeln. Humanit\u00e4re Hilfe ist, wie ich schon die ganze Zeit gesagt habe, zwar notwendig, aber eine \u00dcberbr\u00fcckungsma\u00dfnahme, und keine ausreichende Ma\u00dfnahme, um die Wirtschaft insgesamt so weit zu bringen, da\u00df die Gesamtnachfrage steigt, was f\u00fcr das Funktionieren der Wirtschaft und die Erzielung ausreichender Einnahmen f\u00fcr die t\u00e4gliche Wirtschaftst\u00e4tigkeit sehr wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Soweit ich wei\u00df, wird durch eine oder einige der Sanktionen Afghanistan der Zugang zum Geldtransaktionssystem SWIFT verwehrt. Welche Folgen hat das f\u00fcr das Land?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Das ist es, wor\u00fcber sich die Gesch\u00e4ftsbanken beschweren. Die Gesch\u00e4ftsbanken hatten ein Fenster, durch das sie mit den entsprechenden Banken [in anderen L\u00e4ndern] in Kontakt treten konnten. Und das wurde gestoppt. Das wurde vom US-Finanzministerium blockiert. Das Finanzministerium wollte es nicht zulassen. Und die Korrespondenzbanken z\u00f6gern und z\u00f6gern, sich an irgendwelchen Aktivit\u00e4ten zu beteiligen, es sei denn, sie erhalten eine Genehmigung vom Finanzministerium.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange das US-Finanzministerium nicht f\u00fcr ein gewisses Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t sorgt, einige Ausnahmen von den Sanktionen zul\u00e4\u00dft und dieser SWIFT-Einheit erlaubt, die Transaktionen durchzuf\u00fchren, werden wir wieder in dieselbe Situation geraten. Die Liquidit\u00e4t wird nicht vorhanden sein. Wir werden die Wirtschaft insgesamt abw\u00fcrgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht die Zentralbank umgehen!<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Herr Dr. Mehrabi, viele Personen und Organisationen haben erkannt, worauf Sie hinauswollen, n\u00e4mlich da\u00df humanit\u00e4re Hilfe ohne ein Bankensystem nicht funktionieren wird. Eine Person hat jedoch einen konkreten Vorschlag unterbreitet. 2019 hat Alex Yerden, der ehemalige Finanzattach\u00e9 des US-Finanzministeriums in Kabul, einen Vorschlag unterbreitet, der m\u00f6glicherweise hinter den Kulissen diskutiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schl\u00e4gt vor, die Zentralbank zu umgehen, um zu vermeiden, da\u00df die derzeitige afghanische Regierung Geld erh\u00e4lt, und eine private Zentralbank zu gr\u00fcnden, oder eine Gesch\u00e4ftsbank wie die Afghanistan International Bank oder eine andere Bank zu nutzen, in die ein Teil dieser illegal einbehaltenen Gelder flie\u00dfen kann. Es wird vorgeschlagen, eine private Bank zu gr\u00fcnden, die einige der von Ihnen beschriebenen Aufgaben \u00fcbernehmen soll, wie z.B. die Versteigerung von Geld zur St\u00fctzung der W\u00e4hrung. Was halten Sie von dieser Idee, eine private Zentralbank zu gr\u00fcnden, um die derzeitige Zentralbank zu umgehen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Wir haben etwa 20 Jahre in die Modernisierung und den Aufbau einer Zentralbank investiert, die verwaltungstechnisch in der Lage ist, auf der Grundlage des Gesetzes alle Aufgaben einer Zentralbank zu erf\u00fcllen. Dazu geh\u00f6ren die Aufsicht \u00fcber die Zentralbank, die Ausgabe von Banknoten, die Funktion als Kreditgeber der letzten Instanz und die Bereitstellung von Liquidit\u00e4t f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsbanken.<br>Diese Funktionen k\u00f6nnen nicht von einer Gesch\u00e4ftsbank \u00fcbernommen werden. Eine Gesch\u00e4ftsbank ist dazu da, Gewinne zu erzielen, w\u00e4hrend die Hauptfunktion einer Zentralbank nicht in der Rentabilit\u00e4t besteht. Auch kann eine Gesch\u00e4ftsbank nicht mit der Verantwortung einer Zentralbank betraut werden. Eine Zentralbank hat gut ausgebildetes Personal, das \u00fcber die n\u00f6tige Ausbildung und Erfahrung verf\u00fcgt, um alle ihre besonderen Aufgaben auf der Grundlage des Gesetzes zu erf\u00fcllen. Das wurde bisher nicht ge\u00e4ndert, es wird immer noch praktiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zulassung einer anderen Einrichtung oder einer parallelen Institution w\u00fcrde in hohem Ma\u00dfe zu einer Situation f\u00fchren, die viel Verwirrung stiften wird und auf die eine oder andere Weise die Glaubw\u00fcrdigkeit der Zentralbank in der \u00d6ffentlichkeit untergraben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgabe von Geld ist Sache der Zentralbank. Eine Gesch\u00e4ftsbank hat weder rechtlich noch anderweitig die Befugnis, Geld auszugeben oder dem System Liquidit\u00e4t zuzuf\u00fchren. Sie kann keine W\u00e4hrung als Tauschmittel ausgeben. Dagegen wird die von der Zentralbank ausgegebene W\u00e4hrung akzeptiert, weil die Menschen dieser W\u00e4hrung als Tauschmittel oder Wertaufbewahrungsmittel vertrauen und sie als Rechnungseinheit verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Denken Sie daran, da\u00df nicht nur der US-Dollar, sondern auch die afghanische W\u00e4hrung ein wichtiges Element ist, um Liquidit\u00e4t in die Wirtschaft zu bringen. Die Einrichtung einer parallelen Institution, um die Zentralbank abzuschaffen, wie es einige dieser Leute bef\u00fcrworten, ist also kein Schritt, der die armen Menschen, die einfachen Afghanen, aus der Misere retten wird, in der sie sich unverschuldet befinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aussicht auf einen Bankenkollaps<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Die UNO hat sich mit der Krise des Bankensystems befa\u00dft. Die UN-Sonderbeauftragte f\u00fcr Afghanistan, Deborah Lyons, hat dem UN-Sicherheitsrat am 17. November einen Bericht vorgelegt, in dem es hei\u00dft: \u201eDie katastrophale humanit\u00e4re Lage im Land ist vermeidbar, da sie gr\u00f6\u00dftenteils auf die Finanzsanktionen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die die Wirtschaft lahmgelegt haben.\u201c Ebenfalls im November erkl\u00e4rte das UN-Entwicklungsprogramm: \u201eDas kommerzielle Bankensystem ist von entscheidender Bedeutung, selbst um die humanit\u00e4ren und anderen grundlegenden Programme fortzusetzen, die von den Vereinten Nationen, einigen NROs und anderen Partnern gef\u00f6rdert werden. Die wirtschaftlichen Kosten eines Zusammenbruchs des Bankensystems mit den damit verbundenen negativen sozialen Folgen w\u00e4ren also enorm.\u201c Das ist die Aussage des UN-Entwicklungsprogramms. Hat die UNO irgendwelche nennenswerten Schritte unternommen, um diese Katastrophe, die sie beschreiben, zu verhindern?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Das ist eine gute Frage. Schauen wir uns an, was wir wissen. Ich m\u00f6chte auch erw\u00e4hnen, da\u00df die UNAMA, die Hilfsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan, 16 Mio. Dollar in bar als Teil der humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr Afghanistan bereitstellen konnte. Diese Ma\u00dfnahme haben sie also ergriffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch die UNAMA hat in den Augen vieler Afghanen keinen besonders guten Ruf, was Effizienz, Glaubw\u00fcrdigkeit und Rechenschaftspflicht angeht. Wie dem auch sei, es wurden zweimal 16 Mio. Dollar zur Verf\u00fcgung gestellt. Es wurden also etwa 32 Mio. Dollar in bar bereitgestellt, die fast ausschlie\u00dflich f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe in Afghanistan bestimmt waren. Sie wurden nicht \u00fcber die Zentralbank eingebracht. Die UNO spricht eindeutig vom Zusammenbruch des Systems, und ich denke, wenn sie \u00fcber den Finanzsektor und die Zw\u00e4nge redet, mit denen er konfrontiert ist, dann erkennen sie, da\u00df die Liquidit\u00e4t sowohl der Gesch\u00e4ftsbanken als auch der Zentralbank erodiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber sie haben immer noch nicht gen\u00fcgend Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Weiterleitung dieser Mittel an die Zentralbank zum Zweck der Versteigerung zu regeln. Wir sagen also, <em>talk the talk, but walk the walk:<\/em> La\u00dft den Worten Taten folgen. Ich glaube, das ist ein Thema, das in der UN zur Sprache gebracht werden mu\u00df. Die Erkl\u00e4rung der UN-Sonderbeauftragten zeigt deutlich, da\u00df man sich dessen bewu\u00dft ist und versteht, da\u00df es zu einem Zusammenbruch des Bankensystems kommen kann. Aber man mu\u00df konkrete Ma\u00dfnahmen ergreifen, um den Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern. Was tut man in diesem Fall? Es wird nichts passieren, wenn man sich nur mit humanit\u00e4rer Hilfe besch\u00e4ftigt. Unternehmen und Haushalte werden keinen Zugang zu Bankeinlagen haben. Zun\u00e4chst einmal haben sie gegenw\u00e4rtig keinen Zugang zu ihren Bankeinlagen. Die Zentralbank hat strenge Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Geldabhebungen verh\u00e4ngt, weil sie nicht gen\u00fcgend Liquidit\u00e4t im System hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich also die bereits erw\u00e4hnten internationalen Transaktionen ansieht, SWIFT usw. &#8211; all das ist weitgehend blockiert worden. Die Unternehmen sind nicht in der Lage, Gelder ins Ausland zu \u00fcberweisen, um Importe zu bezahlen. Es kommt zu Engp\u00e4ssen in jeder erdenklichen Richtung. Die Aussichten sind nat\u00fcrlich sehr d\u00fcster, es sei denn, die Vereinigten Staaten ergreifen Ma\u00dfnahmen &#8211; in diesem Fall die Freigabe dieser Gelder, damit sie an die Zentralbank weitergeleitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Stadium hat die Ersch\u00f6pfung der internationalen Reserven zu einem Schlamassel gef\u00fchrt. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, da\u00df die UN-Sonderbeauftragte sich genau ansieht, was wir in diesem Fall vorgeschlagen haben. Betrachten Sie eine ganz einfache Sache: \u00d6konomen betrachten in der Regel die Kosten und den Nutzen. Wie hoch sind die Kosten eines Zusammenbruchs des Bankensystems, und welchen Nutzen h\u00e4tte es, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df das System gerettet wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Wieviel w\u00fcrden wir, d.h. Europa und die Vereinigten Staaten, dadurch gewinnen, wenn wir daf\u00fcr sorgen, da\u00df die Wirtschaft normal funktioniert, indem wir ihnen Zugang zu ihren Reserven gew\u00e4hren und den Menschen, die vom EFRE [Europ\u00e4ischer Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung] finanziert werden, weitere Liquidit\u00e4t in Form von Bargeld zukommen lassen. Der EFRE verf\u00fcgt \u00fcber eine Menge Mittel, die man f\u00fcr die Geh\u00e4lter dieser Menschen verwenden k\u00f6nnte, die derzeit nicht bezahlt werden, so da\u00df sie, wenn sie ihr Gehalt bekommen, es ausgeben k\u00f6nnen, um Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Das wird helfen. Die Gesamtnachfrage w\u00fcrde aktiviert, und die Wirtschaft k\u00f6nnte den Multiplikatoreffekt nutzen, um Wirtschaftswachstum zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein direkter Appell an Pr\u00e4sident Biden<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Dr. Mehrabi, Sie haben sich mit Mitgliedern des Kongresses getroffen, um sie zu dr\u00e4ngen, Pr\u00e4sident Biden aufzufordern, die afghanischen Verm\u00f6genswerte freizugeben. Ich wei\u00df, da\u00df ein Brief in Umlauf gebracht wurde. Ich habe eine E-Mail von der Maryland Peace Action Group erhalten, und ich wei\u00df, da\u00df Friedensgruppen in den ganzen Vereinigten Staaten einen Appell an die Menschen verbreiten, ihre Kongre\u00dfabgeordneten aufzufordern, diesen Brief zu unterzeichnen. Das Schreiben wird von den Abgeordneten Pramila Jayapal, Sarah Jacobs und Jes\u00fas Garc\u00eda in Umlauf gebracht, um Pr\u00e4sident Biden aufzufordern, die eingefrorenen afghanischen Reserven in H\u00f6he von 9,5 Mrd. Dollar freizugeben. Was k\u00f6nnen Sie \u00fcber Ihre Bem\u00fchungen im Kongre\u00df und in den Medien sagen, diese Politik zu f\u00f6rdern?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Diesen Brief haben wir, glaube ich, im Oktober geschrieben, aber damals war der Kongre\u00df sehr besch\u00e4ftigt. Wir haben unsere Treffen mit Kongre\u00dfabgeordneten und Senatoren fortgesetzt. Durch diese Treffen und Bem\u00fchungen ist es uns gelungen, eine Reihe von Unterst\u00fctzern f\u00fcr diesen Brief zu gewinnen. Bisher haben 23 Personen den Brief unterzeichnet. Urspr\u00fcnglich hatten Jayapal, Jacobs und Garc\u00eda unterzeichnet. Aber jetzt haben sich auch andere Kongre\u00dfmitglieder dem Zug angeschlossen und unterschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte heute ein Treffen mit Mitarbeitern des Kongresses und des Senats, bei dem ich einen Vortrag hielt und die Idee dieses Briefes vorstellte und weitere Unterschriften erhielt. Wir hatten gehofft, noch mehr Unterschriften zu bekommen und dann dieses zweiseitige Schreiben Pr\u00e4sident Biden zu \u00fcberreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir machen deutlich, was getan werden mu\u00df und warum es getan werden sollte, und wie wichtig es ist, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df die Menschen in Afghanistan nicht verhungern, und es nicht zu Hungersn\u00f6ten und allgemeiner Armut kommt. Das liegt im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird argumentiert, die Vereinigten Staaten h\u00e4tten viel Schwei\u00df und Geldmittel aufgewendet, um sicherzustellen, da\u00df diese Institutionen aufgebaut wurden. Und jetzt sollten wir diese spezielle Institution nicht abbauen. Die Afghanen verdienen es, Zugang zu ihren W\u00e4hrungsreserven zu haben. Sie verdienen ein Leben in Frieden und Wohlstand in einem Land, das 40 Jahre lang unter einem Krieg gelitten hat. Alle diese Argumente sind in dem Brief an Pr\u00e4sident Biden klar formuliert. Er wird Pr\u00e4sident Biden bald vorgelegt werden, wahrscheinlich am Montag oder Dienstag n\u00e4chster Woche.<\/p>\n\n\n\n<p>Operation Ibn Sina<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Helga Zepp-LaRouche, die Gr\u00fcnderin der internationalen Schiller-Institute, wendet sich, wie Sie wissen, entschieden gegen diese Politik des V\u00f6lkermords, die von den USA und den verb\u00fcndeten NATO-Staaten gegen Afghanistan betrieben wird. Sie betont, da\u00df \u00fcber die Soforthilfe hinaus die Einf\u00fchrung eines modernen Gesundheitssystems notwendig ist, mit allem, was dazu geh\u00f6rt, d.h. sauberes Wasser, Elektrizit\u00e4t, Transportmittel sowie medizinische Einrichtungen. Zepp-LaRouche nennt dieses Projekt der internationalen Zusammenarbeit \u201eOperation Ibn Sina\u201c, nach dem ber\u00fchmten medizinischen Genie, Dichter, Astronomen und Philosophen des 11. Jahrhunderts, der in der Region des heutigen Afghanistan geboren wurde und in der gesamten islamischen Welt sehr beliebt ist. Was halten Sie von diesem Vorhaben, und was k\u00f6nnen Sie \u00fcber Ibn Sina sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich danke Ihnen besonders f\u00fcr diese Frage. Wir haben es hier mit dem aktuellen Afghanistan zu tun, mit dem Zusammenbruch einer Regierung, die im Entstehen begriffen ist, und Afghanistan steht vor wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Herausforderungen &#8211; vor gewaltigen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen. Jede Bem\u00fchung um Entwicklung und Wirtschaftswachstum ist willkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, die Bem\u00fchungen von Frau LaRouche, die Gesundheitsversorgung sicherzustellen &#8211; Afghanistan hat eine sehr hohe Sterblichkeitsrate &#8211; ein Schritt sind, der zumindest das Leben vieler Menschen verl\u00e4ngern wird, die aufgrund ihrer Krankheiten und des fehlenden Zugangs zur Gesundheitsversorgung ein k\u00fcrzeres Leben h\u00e4tten. Und es geht nat\u00fcrlich auch um Zugang zu sauberem Wasser und Strom. Zurzeit kann Afghanistan nicht viel Strom importieren und kann ihn auch nicht bezahlen, weil die W\u00e4hrung knapp ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, das sind alles Schritte, die wir alle unterst\u00fctzen sollten, und wir sollten alle in der einen oder anderen Form sehr dankbar daf\u00fcr sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Gesundheit erlebt Afghanistan eine dritte COVID-19-Welle, die im April begann. Die Infektionsraten haben ein sehr hohes Niveau erreicht. In Verbindung mit einem R\u00fcckgang der ausl\u00e4ndischen Hilfe ist der Staat nicht in der Lage, gen\u00fcgend Geld f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der Gesundheitsprobleme aufzubringen. Hinzu kommt, da\u00df die Weltbank, die die Mitarbeiter des Gesundheitssektors bezahlte, die Zahlungen eingestellt hat. All dies zusammen hat zu einer wirklich katastrophalen Situation f\u00fcr die Wirtschaft Afghanistans gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist ein Schritt wie dieser, der von Frau LaRouche eingeleitet wurde, zu begr\u00fc\u00dfen. Und ich denke, Ibn Sina ist, wie Sie bereits erw\u00e4hnten, in diesem Teil der Region und auch in Afghanistan sehr bekannt. Es gibt ein Ibn-Sina-Krankenhaus im Herzen von Kabul, das von vielen Patienten besucht wird. Die Menschen w\u00fcrden die Modernisierung dieser Einrichtung mit Hilfe von Frau LaRouche und anderen sehr sch\u00e4tzen und w\u00fcrdigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00df angelegte Infrastruktur f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Das andere wichtige Thema, f\u00fcr das wir vom Schiller-Institut und von <em>EIR<\/em> uns einsetzen, ist der Aufbau einer gro\u00dfangelegten Infrastruktur, besonders mit Hilfe der G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative. Wir haben gerade erfahren, da\u00df Pakistan mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung von Quetta nach Kandahar begonnen hat. Und wir wissen, da\u00df im Februar letzten Jahres ein Plan akzeptiert wurde, zwischen Pakistan, Afghanistan und Usbekistan, als Teil von G\u00fcrtel und Stra\u00dfe, eine Bahnverbindung vom China-Pakistan-Wirtschaftskorridor (CPEC) von Islamabad \u00fcber den Khyberpa\u00df nach Kabul und weiter nach Taschkent zu bauen, die allen zentralasiatischen L\u00e4ndern erstmals Zugang zum Arabischen Meer verschaffen und auch Afghanistan grundlegend ver\u00e4ndern w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht Ihre Vision f\u00fcr die Entwicklung Afghanistans aus, und halten Sie es f\u00fcr m\u00f6glich, da\u00df diese Projekte fortgesetzt werden k\u00f6nnen, ohne erst die Bankenkrise zu l\u00f6sen und die Zusammenarbeit mit China und anderen Nachbarl\u00e4ndern zu suchen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich glaube, das sollten wir. Zus\u00e4tzlich zur humanit\u00e4ren Hilfe k\u00f6nnte die chinesische G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative Afghanistan langfristige wirtschaftliche Lebensf\u00e4higkeit verschaffen. Ich glaube, das ist ein wichtiger Punkt, den man im Auge behalten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine M\u00f6glichkeit ist nat\u00fcrlich, da\u00df Afghanistan sich dem Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridor anschlie\u00dft, der ein zentraler Bestandteil der G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative ist. Ich glaube, Beijing hat \u00fcber 60 Milliarden Dollar f\u00fcr die Infrastruktur in Pakistan zugesagt. Urspr\u00fcnglich war es Afghanistan nicht erlaubt, sich daran zu beteiligen, aber ich glaube, jetzt wurde es eingeladen. Diese Initiative, der Chinesisch-Pakistanische Wirtschaftskorridor, ist eine gute Option f\u00fcr die Entwicklung Afghanistans.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist auch wichtig zu bedenken, da\u00df die Erdgaspipeline Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien (TAPI) im Gespr\u00e4ch ist. Die TAPI k\u00f6nnte Afghanistan eine ganze Menge Geld einbringen &#8211; die Transitgeb\u00fchren werden auf \u00fcber 400 Mio. Dollar gesch\u00e4tzt. Diese Pipeline ist zweifellos auch ein wichtiges Projekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es gibt auch andere Entwicklungsbereiche, die zwar angesprochen, aber noch nicht vollst\u00e4ndig erforscht und umgesetzt wurden, wie z.B. Mineralien. Als ich 2008 im Finanzministerium in Afghanistan war, wurde ein Vertrag mit der Metallurgical Corporation of China \u00fcber die Erschlie\u00dfung der Kupfermine Mes Aynak unterzeichnet, aber wegen der Sicherheitslage konnte dort nicht viel produziert werden. Dann sprachen wir \u00fcber die Eisenerzmine Hajigak, die erschlossen werden mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben \u00d6lvorkommen, die China ebenfalls zu erschlie\u00dfen versucht. Es gibt also viele weitere M\u00f6glichkeiten. Au\u00dferdem verf\u00fcgt Afghanistan neben anderen Mineralien \u00fcber gro\u00dfe Lithiumvorkommen, die, wenn sie abgebaut w\u00fcrden, erhebliche Devisenreserven einbringen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sanktionen schaden nur den einfachen Menschen<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Gibt es noch andere Gedanken, die Sie uns mitteilen m\u00f6chten?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Nun, ich bin der festen \u00dcberzeugung, wie ich schon die ganze Zeit gesagt habe, da\u00df die Reserven freigesetzt werden m\u00fcssen und wir in der Lage sein sollten, daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df die einfachen Afghanen nicht in eine Lage kommen, in der sie nicht genug Nahrungsmittel haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Wirtschaftswissenschaftler und afghanischer Amerikaner bin ich zutiefst besorgt \u00fcber das Schicksal der 35 Millionen Menschen in Afghanistan, die ihr ganzes Leben lang nichts anderes als Krieg und Leid erlebt haben. Und wenn nun ein anderes Land diesen Menschen die Luft abdreht, wird das Ergebnis &#8211; wie Sie wissen &#8211; nur eine neue Fl\u00fcchtlingskrise sein, eine Fl\u00fcchtlingskrise, wie wir sie 2014 in Syrien gesehen haben, oder sogar noch schlimmer. Die Afghanen werden zu Fu\u00df fliehen. Sie werden ihre Babys in einer Hand tragen und alles, was sie haben, in der anderen, und sie werden nach Westen gehen, in den Iran, in der Hoffnung, es in die T\u00fcrkei und dann nach Europa zu schaffen. Ich denke, damit haben die Vereinigten Staaten versagt &#8211; und zwar nicht nur in kurzsichtiger Weise, sondern sie haben auch das afghanische Volk endg\u00fcltig im Stich gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte es f\u00fcr sehr wichtig, da\u00df die Vereinigten Staaten, die mit den Taliban \u00fcber die Evakuierung verhandelt haben, die dar\u00fcber verhandelt haben, wie sie den IS [Islamischen Staat] angreifen k\u00f6nnen, sich einerseits voll und ganz solchen Aktivit\u00e4ten widmen k\u00f6nnen, sich aber andererseits nicht voll und ganz auf die Freigabe dieser Geldmittel einlassen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht diese Politik, die jetzt betrieben wird. Sie schadet nie denen, auf die sie abzielt. Sie wird der derzeitigen Regierung nicht schaden. Das wissen wir aus vielen anderen F\u00e4llen. Sie schaden den einfachen Afghanen, die es verdient haben, \u00fcber ihr Geld zu verf\u00fcgen. Sie verdienen es, da\u00df ihre Ersparnisse nicht wertlos werden &#8211; wertlos, weil die Inflation sie auffri\u00dft, den Wert ihres Geldes, in einem Augenblick. Sie verdienen es, da\u00df sie ihre Familien ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Wie ich bereits sagte, ich halte dieses Vers\u00e4umnis, den Zugang zum Geld zu erm\u00f6glichen, f\u00fcr kurzsichtig.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns versuchen, so zu handeln, da\u00df wir diesen Menschen tats\u00e4chlich helfen. Die Vereinigten Staaten haben eine Menge Geld investiert. Versuchen wir, die Spirale von Preissteigerungen, Nahrungsmittelknappheit, W\u00e4hrungsabwertung und Bankschlie\u00dfungen zu vermeiden. Lassen Sie uns versuchen, den v\u00f6lligen Zusammenbruch der Wirtschaft zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Billington:<\/strong><\/em> Vielen Dank, Dr. Mehrabi. Wir wissen das zu sch\u00e4tzen. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um Ihre Botschaft mit unseren Bem\u00fchungen zu verbreiten, zusammen mit anderen, die sich Ihnen anschlie\u00dfen und versuchen, diese Greuel zu verhindern und zumindest die Zerst\u00f6rungen wiedergutzumachen, die in all diesen Jahren an Ihrem Land angerichtet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Mehrabi:<\/strong><\/em> Ich danke Ihnen vielmals. Ich danke Ihnen, Gerry, und ich danke Ihnen, Mike, f\u00fcr all Ihre Hilfe und Ihre Bem\u00fchungen in diesem Bereich. Ich bin sehr dankbar f\u00fcr Ihr Engagement in diesem Bereich. Ich bin Optimist. Es hat eine Weile gedauert, bis dieser Brief herauskam, aber wir haben es endlich geschafft, mit zwei-, drei- oder manchmal viermaligen Treffen pro Woche f\u00fcr verschiedene Gruppen. Wir haben jetzt einen Stand erreicht, bei dem wir mindestens 23 Mitunterzeichner haben. Hoffentlich wird die Anzahl noch gr\u00f6\u00dfer werden\u2026 Wir werden das versuchen. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, und wir bleiben in Kontakt. Und nochmals vielen Dank.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Belsky:<\/strong><\/em> Und ich danke Ihnen f\u00fcr Ihre Bem\u00fchungen, Dr. Mehrabi.<\/p>\n\n\n\n<p>(Der Brief an Pr\u00e4sident Biden wurde am 20. Dezember mit den Unterschriften von 46 demokratischen Abgeordneten des Kongresses \u00fcbermittelt und ver\u00f6ffentlicht, siehe <em><a href=\"https:\/\/progressives.house.gov\/_cache\/files\/7\/9\/79c380ca-661d-4158-9a88-f3a67ca24cdd\/0C4CB37A3A6799AA59E3FCF4E01FCF3F.12-20-21-afghanistan-humanitarian-crisis-letter-1-.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/progressives.house.gov\/_cache\/files\/7\/9\/79c380ca-661d-4158-9a88-f3a67ca24cdd\/0C4CB37A3A6799AA59E3FCF4E01FCF3F.12-20-21-afghanistan-humanitarian-crisis-letter-1-.pdf<\/a>)<\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist die bearbeitete Abschrift eines Interviews mit Dr. Shah Mohammad Mehrabi, das Gerald Belsky und Michael Billington von EIR am 15. Dezember 2021 f\u00fchrten. Dr. Mehrabi ist seit 2002 Mitglied des Gouverneursrats der Da Afghanistan Bank, der afghanischen Zentralbank. 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