{"id":83701,"date":"2022-01-07T05:00:23","date_gmt":"2022-01-07T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=83701"},"modified":"2022-01-07T05:00:24","modified_gmt":"2022-01-07T10:00:24","slug":"interview-mit-dem-chinesischen-oekonomen-justin-yifu-lin-china-und-hamiltons-wirtschaftslehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/01\/07\/interview-mit-dem-chinesischen-oekonomen-justin-yifu-lin-china-und-hamiltons-wirtschaftslehre\/","title":{"rendered":"Interview mit dem chinesischen \u00d6konomen Justin Yifu Lin: China und Hamiltons Wirtschaftslehre"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der folgende Text ist das bearbeitete und leicht gek\u00fcrzte Transkript eines Interviews mit Justin Yifu Lin, das der EIR-Redakteur Michael Billington am 20. Dezember 2021 f\u00fchrte. Dr. Lin war von 2008 bis 2012 Chef\u00f6konom und Senior-Vizepr\u00e4sident der Weltbank und ist heute Dekan des Instituts f\u00fcr Neue Strukturelle \u00d6konomie und des Instituts f\u00fcr S\u00fcd-S\u00fcd-Kooperation und Entwicklung sowie Professor und Ehrendekan der Nationalen Schule f\u00fcr Entwicklung an der Universit\u00e4t Peking. Zwischen\u00fcberschriften und Fu\u00dfnoten wurden hinzugef\u00fcgt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"EIR Interview with Justin Lin: China and Hamiltonian Economics\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Pm-61Pw9iCw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Was verhindert eine Zusammenarbeit der USA und Chinas im Entwicklungsbereich?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist Mike Billington von <em>Executive Intelligence Review<\/em>, dem Schiller-Institut und der LaRouche-Organisation. Ich spreche mit Dr. Justin Yifu Lin.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Vielen Dank f\u00fcr die Gelegenheit, dieses Gespr\u00e4ch mit Ihnen zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Wie Sie wahrscheinlich wissen &#8211; ich habe Ihnen etwas davon geschickt -, gibt es mehrere hochrangige Diplomaten und Geheimdienstexperten in den Vereinigten Staaten &#8211; darunter Botschafter Chas Freeman, der \u00fcber gro\u00dfe Erfahrung in China verf\u00fcgt, und der ehemalige CIA-Beamte Graham Fuller -, die davor warnen, da\u00df die US-Au\u00dfenpolitik zur \u201eWaffe\u201c geworden ist, da\u00df die Diplomatie verlorengegangen ist, und da\u00df das die Gefahr eines Krieges der USA gegen China und Ru\u00dfland erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben in der Vergangenheit f\u00fcr etwas pl\u00e4diert, das man als \u201ewirtschaftliche Abschreckung\u201c bezeichnen k\u00f6nnte: Wenn Chinas Wirtschaft deutlich gr\u00f6\u00dfer wird als die der USA, dann k\u00f6nne \u201edie eigene Entwicklung der Vereinigten Staaten die M\u00f6glichkeiten des chinesischen Marktes nicht ignorieren\u201c, und dies w\u00fcrde zu einer \u201efriedlichen und gemeinsamen Entwicklung zwischen China und den Vereinigten Staaten\u201c f\u00fchren. Was steht Ihrer Meinung nach dieser friedlichen und gemeinsamen Entwicklung jetzt im Wege?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Vielen Dank f\u00fcr diese f\u00fcr unsere heutige Welt sehr wichtige Frage. Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen wir verstehen, da\u00df die Zusammenarbeit zwischen den USA und China f\u00fcr viele globale Herausforderungen von entscheidender Bedeutung ist, denn die USA sind das gr\u00f6\u00dfte und st\u00e4rkste Land der Welt, und China ist die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft, was die wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfe angeht. Ihre Zusammenarbeit bildet die Grundlage f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Klimawandels, die Eind\u00e4mmung von Pandemien und die Unterst\u00fctzung anderer L\u00e4nder bei der \u00dcberwindung ihrer Armut, um die [UN-] Ziele f\u00fcr nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen. Die Zusammenarbeit ist also wichtig, und unsere Zusammenarbeit ist sicherlich gut f\u00fcr die USA, f\u00fcr China und f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir haben nicht erlebt, da\u00df die Zusammenarbeit zustande kam. In den letzten Jahren gab es viele Spannungen. Ich glaube, das liegt daran, da\u00df die USA das Vertrauen in sich selbst verloren haben. Die USA waren das ganze 20. Jahrhundert hindurch die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Welt. Gemessen an der Kaufkraftparit\u00e4t hat China die USA 2014 \u00fcberholt, aber die USA haben aus eigenem Interesse versucht, ihre Dominanz aufrechtzuerhalten, wirtschaftlich, politisch und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so gibt es nun einige, die an der Strategie der USA beteiligt sind, die versuchen, China einzud\u00e4mmen. Und diese Strategie spiegelt sich nat\u00fcrlich in der Diplomatie und Au\u00dfenpolitik der USA gegen\u00fcber China wider. Das bedroht nat\u00fcrlich die Stabilit\u00e4t der Welt, denn erstens brauchen wir Zusammenarbeit, um globale Probleme anzugehen, aber zweitens ist diese Art von Spannung eine Bedrohung f\u00fcr die Grundlage der Zusammenarbeit; sie tr\u00e4gt zur Unsicherheit in der Welt bei. Das ist sehr schlecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann die Schwierigkeit behoben werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen wir das verbessern? Nun, eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re, da\u00df China seine wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfe reduziert. Wenn China sein BIP um die H\u00e4lfte reduzieren w\u00fcrde, dann w\u00fcrden sich die USA nicht bedroht f\u00fchlen. Aber das ist unm\u00f6glich, denn Entwicklung ist ein Menschenrecht. Das steht in der UN-Charta und diese Charta wird von den USA und vielen anderen L\u00e4ndern seit Jahrzehnten bef\u00fcrwortet. Es gibt also keinen Grund, warum China sein Einkommen um die H\u00e4lfte oder mehr k\u00fcrzen sollte, um den USA zu gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere Weg ist die Fortsetzung von Entwicklung und Wachstum. Ich habe einen Artikel geschrieben, in dem ich behaupte, wenn China die H\u00e4lfte des Pro-Kopf-BIP der USA erreichen kann &#8211; ich denke, das ist sehr moderat, nur die H\u00e4lfte der USA -, sp\u00e4testens dann werden die USA China akzeptieren, und zwar aus drei Gr\u00fcnden:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens, wenn Chinas Pro-Kopf-BIP halb so hoch ist wie das der USA &#8211; wir h\u00e4tten sicherlich immer noch ein Gef\u00e4lle im Land -, dann haben unsere entwickelteren Regionen, wie die gro\u00dfen St\u00e4dte Peking und Shanghai und die entwickelteren Gebiete, unsere K\u00fcstenprovinzen wie Shandong, Jiangsu, Zhejiang, Fujian und Guangdong zusammen eine Bev\u00f6lkerung von etwas mehr als 400 Millionen. Die Bev\u00f6lkerung der USA liegt derzeit bei etwa 340 Millionen, aber die Bev\u00f6lkerung der USA wird sicherlich weiter wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den st\u00e4rker entwickelten Regionen Chinas wird das Pro-Kopf-BIP dann etwa so hoch sein wie in den USA. Sowohl das Pro-Kopf-BIP als auch die wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfe werden in etwa so hoch sein wie in den USA. Wir wissen, da\u00df das Pro-Kopf-BIP die durchschnittliche Arbeitsproduktivit\u00e4t dieses Teils der Wirtschaft widerspiegelt, und die durchschnittliche Arbeitsproduktivit\u00e4t spiegelt die industrielle Leistung, die technologische Leistung wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zeitpunkt werden die USA also nicht mehr die technologische \u00dcberlegenheit haben, mit der sie die chinesische Entwicklung abw\u00fcrgen k\u00f6nnten. Gegenw\u00e4rtig haben die USA eine Reihe von Hightech-Unternehmen aus China auf ihre sogenannte Entity List<sup>1<\/sup> gesetzt, ohne konkrete Beweise f\u00fcr ihre Anschuldigungen zu haben. Das liegt nur daran, da\u00df die USA ihre technologische \u00dcberlegenheit nutzen wollen, um Chinas Entwicklung abzuw\u00fcrgen. Aber wenn zu diesem sp\u00e4teren Zeitpunkt die fortgeschritteneren Regionen in China das gleiche Einkommensniveau, das gleiche technologische Niveau h\u00e4tten, dann w\u00e4ren die USA dazu nicht mehr in der Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens ist unsere Bev\u00f6lkerungszahl etwa viermal so gro\u00df wie die der USA. Wenn unser BIP pro Kopf halb so gro\u00df ist wie das der USA, dann wird Chinas wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfe doppelt so gro\u00df sein wie die der USA. Das ist eine Tatsache.<\/p>\n\n\n\n<p>Und drittens wird China zu diesem Zeitpunkt die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft sein, und China wird weiter wachsen. Wenn die USA zum Beispiel die Unternehmen auf der Fortune-500-Liste behalten wollen, d\u00fcrfen sie den chinesischen Markt nicht verlieren. Und auch im Handel ist es sicherlich eine Win-Win-Situation. Aber wir wissen, da\u00df im Handel die kleinere Wirtschaft mehr profitiert als die gr\u00f6\u00dfere Wirtschaft. Bis dahin wird Chinas Wirtschaft doppelt so gro\u00df sein wie die der USA, so da\u00df die USA im Handel mit China mehr gewinnen werden. Wenn den US-Politikern also wirklich etwas an ihrem eigenen Volk liegt, dann sind freundschaftliche Beziehungen zu China notwendig. Es w\u00e4re f\u00fcr die USA notwendig, das Wohlergehen ihrer eigenen Bev\u00f6lkerung zu verbessern und die Spitzenposition ihrer Unternehmen in der Welt zu erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die wirtschaftliche Unterdr\u00fcckung durch die USA<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Sie haben schon einmal argumentiert, da\u00df die USA die japanische Wirtschaft in den 80er und 90er Jahren absichtlich unterdr\u00fcckt haben, um, wie Sie sagten, \u201ezu verhindern, da\u00df sie den wirtschaftlichen Status der USA bedrohen\u201c. Und wie Sie gerade sagten, tun sie jetzt so ziemlich das Gleiche gegen\u00fcber China, indem sie diese chinesischen Unternehmen mit Anschuldigungen etc. unterdr\u00fccken. Wie wehrt China sich heute dagegen? Sie haben bereits gesagt, was Sie f\u00fcr die Zukunft vorschlagen, aber wie kann China diesem Angriff auf Huawei und andere Unternehmen heute begegnen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich denke, das erste, was wir tun m\u00fcssen, ist, ruhig und offen zu bleiben. Wir m\u00fcssen unsere Wirtschaft dazu bringen, ihre Markteffizienz weiter zu verbessern. Die USA haben heute eine gewisse \u00dcberlegenheit, einen Vorsprung bei bestimmten Technologien, aber die USA sind nicht das einzige Land, das \u00fcber derartige Technologien verf\u00fcgt. Die fortgeschrittenen L\u00e4nder in Europa &#8211; Deutschland, Frankreich und Italien &#8211; sowie Japan und Korea verf\u00fcgen ebenfalls \u00fcber viele fortschrittliche Technologien. China sollte offen bleiben, um Zugang zu den Technologien anderer fortschrittlicher L\u00e4nder zu haben, solange es sich nicht um Technologien handelt, bei denen die USA das Monopol haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hochentwickelte Technologien erfordern eine eigene intensive Forschung und Entwicklung &#8211; das ist ein bi\u00dfchen teuer, und wenn solche technologischen Durchbr\u00fcche erzielt werden, h\u00e4ngt die Rentabilit\u00e4t dieser Unternehmen davon ab, wie gro\u00df der Markt ist. Gemessen an der Kaufkraftparit\u00e4t ist China bereits der gr\u00f6\u00dfte Markt der Welt. Seit 2008 hat China jedes Jahr etwa 30% zum globalen Marktwachstum beigetragen. Solange China seinen Markt \u00f6ffnen kann, denke ich, werden andere Hightech-Unternehmen bereit stehen, die L\u00fccke zu f\u00fcllen, die entsteht, wenn die USA ihre Unternehmen daran hindern, solche Technologien nach China zu exportieren. China mu\u00df sich nur auf einige wenige Technologien konzentrieren, f\u00fcr die die USA weltweit der einzige Anbieter sind. Auf diese Weise werden wir nicht abgew\u00fcrgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens m\u00fcssen wir unsere Volkswirtschaften weiter entwickeln. Derzeit betr\u00e4gt unser BIP, gemessen an der Kaufkraftparit\u00e4t, etwa 25% des US-BIP, und nach dem Marktwechselkurs betr\u00e4gt unser BIP etwa ein Sechstel des US-BIP. Wie gesagt, wenn wir unser Markt-Momentum aufrechterhalten, werden wir das Dilemma l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIndustriepolitik\u201c contra \u201eFreihandel\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Sie schreiben seit Jahren \u00fcber die Tatsache, da\u00df die fortgeschrittenen Industrienationen den Stand, auf dem sie sich heute befinden, dadurch erreicht haben, da\u00df sie staatlich gelenkte Kredite und das, was Sie \u201eIndustriepolitik\u201c nennen, eingesetzt haben, um aufstrebende Industrien und die f\u00fcr solche Entwicklung notwendige Forschung zu sch\u00fctzen und zu f\u00f6rdern. Doch nun verweigern diese fortgeschrittenen L\u00e4nder den heutigen Schwellenl\u00e4ndern unter dem Vorwand des \u201eFreihandels\u201c die gleichen Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der koreanische Wirtschaftswissenschaftler Chang Ha-joon bezeichnet das als \u201eWegsto\u00dfen der Leiter\u201c. Lyndon LaRouche hat es als den Hauptunterschied zwischen dem britischen System des \u201eFreihandels\u201c und dem urspr\u00fcnglichen Amerikanischen System des staatlichen Schutzes und gelenkten Kredits herausgestellt. Ich habe auch geschrieben, da\u00df das chinesische Wirtschaftsmodell, f\u00fcr das Sie heute werben, dem Amerikanischen System &#8211; Leuten wie Alexander Hamilton, Friedrich List und Henry Carey &#8211; n\u00e4her steht als dem, das heute in den USA selbst praktiziert wird. Wie sehen Sie das?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich stimme dem voll und ganz zu, keine Frage. In der Tat haben nicht nur die USA ihre eigenen Industrien w\u00e4hrend der Aufholphase gesch\u00fctzt, sondern auch Gro\u00dfbritannien praktizierte dasselbe. Vor dem 17. Jahrhundert versuchte Gro\u00dfbritannien, mit den Niederlanden gleichzuziehen, denn damals war der niederl\u00e4ndische Wolltextilsektor weiter entwickelt als der britische. Das BIP der Niederlande war etwa 30% h\u00f6her als das britische. Gro\u00dfbritannien wandte also \u00e4hnliche Strategien an, um seine eigene Wolltextilindustrie zu sch\u00fctzen, und schuf alle m\u00f6glichen Anreize, um die Ausr\u00fcstung aus den Niederlanden nach Gro\u00dfbritannien zu schmuggeln und Anreize zu schaffen, um Handwerker des Textilsektors aus den Niederlanden nach Gro\u00dfbritannien zu holen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist genau derselbe Proze\u00df, wie ihn Hamilton und List darlegen. Erst nach der industriellen Revolution wandte Gro\u00dfbritannien sich dem Freihandel zu. Gro\u00dfbritannien war damals das fortschrittlichste Land der Welt, und seine Industrie war die fortschrittlichste der Welt. Sie wollten ihre Produkte in andere L\u00e4nder exportieren und begannen daher, den Freihandel zu bef\u00fcrworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals wollten die USA aufholen, und so verfolgten sie genau dieselbe Politik wie Gro\u00dfbritannien im 17. Jahrhundert, als Gro\u00dfbritannien die Niederlande einholen wollte. Wenn man sich die Geschichte ansieht, waren nur wenige L\u00e4nder in der Lage, sich zu industrialisieren und aufzuholen. Man kann sehen, da\u00df alle L\u00e4nder bei ihrem Aufholproze\u00df die aktive Unterst\u00fctzung der Regierung in Anspruch nahmen, um ihre industrielle Modernisierung voranzutreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfbritannien und die USA haben, nachdem sie zu den fortschrittlichsten L\u00e4ndern aufgestiegen waren, einerseits ihren W\u00e4hlern gegen\u00fcber f\u00fcr den Freihandel pl\u00e4diert, gleichzeitig aber auch aktiv Forschung und Entwicklung gef\u00f6rdert, um ihre Technologie weiter zu verbessern. Auf diese Weise konnten sie ihre Technologie weiter verbessern und auch neue, h\u00f6herwertige Industrien entwickeln. Ihre Technologien waren an der Weltspitze, und wenn sie neue Technologien haben wollten, mu\u00dften sie diese selbst erfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfindung von Technologien besteht aus zwei Teilen. Der eine ist die Grundlagenforschung, der andere die Entwicklung neuer Produkte auf der Grundlage von Durchbr\u00fcchen in der Grundlagenforschung. Privatunternehmen haben nat\u00fcrlich einen Anreiz, neue Technologien und neue Produkte zu entwickeln, denn wenn sie erfolgreich sind, k\u00f6nnen sie Patente erhalten und dann bis zu 17 oder 20 Jahre lang eine Monopolstellung auf dem Weltmarkt haben. Wenn man aber gleichzeitig keine Durchbr\u00fcche in der Grundlagenforschung erzielt, wird es f\u00fcr sie sehr schwierig oder sogar unm\u00f6glich, neue Produkte und Technologien zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wissen Sie, die Grundlagenforschung ist ein \u00f6ffentliches Gut, und deshalb hat der private Sektor keinen Anreiz, Grundlagenforschung zu betreiben. Wenn man sich die L\u00e4nder mit hohem Einkommen anschaut, sieht man, da\u00df deren Regierungen alle die Grundlagenforschung f\u00f6rdern. Das ist f\u00fcr sie eine Notwendigkeit, um weiterhin neue Technologien, neue Produkte und so weiter zu entwickeln. Sie nutzen immer noch die Industriepolitik. Der Unterschied besteht jedoch darin, da\u00df sie sich an der Weltspitze [neuer Technologien] befinden, und deshalb ist eine Industriepolitik in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern, die Marktversagen beheben soll, anders als Industriepolitik, die Marktversagen in einem Entwicklungsland beheben soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Wesen her ist es dasselbe, aber die Bereiche, in denen der Staat seinen Beitrag leisten mu\u00df, sind unterschiedlich. Vor einigen Jahren erschien ein ber\u00fchmtes Buch mit dem Titel <em>The Entrepreneurial State<\/em> von Mariana Mazzucato.<sup>2<\/sup> Ihr Thema ist: Alle wichtigen und wettbewerbsf\u00e4higen Industriezweige in den USA sind heute das Ergebnis der aktiven Unterst\u00fctzung der Regierung f\u00fcr die Grundlagenforschung in der vorangegangenen Periode. Der Bereich, in dem die Regierung eines Landes ihre Anstrengungen verst\u00e4rken mu\u00df, ist also je nach Entwicklungsstand unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Hamilton vs. Jefferson<\/p>\n\n\n\n<p>In den Vereinigten Staaten gibt es zwei Traditionen: Die eine Tradition ist die Hamilton-Tradition, die argumentiert, da\u00df der Staat Unterst\u00fctzung leisten sollte, um die Hindernisse f\u00fcr die weitere Entwicklung zu \u00fcberwinden. Die andere Tradition ist die Jefferson-Tradition, die besagt, da\u00df der Staat nichts tun und dem Markt das Funktionieren \u00fcberlassen sollte &#8211; der Staat sollte minimal sein.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Praxis haben sich die USA seit der Gr\u00fcndung der Nation an Hamilton orientiert. Aber in der Rhetorik sind sie v\u00f6llig von der Jefferson-Tradition beherrscht. Ich glaube, es gibt eine Kluft zwischen der Realit\u00e4t und ihrer Rhetorik, aber leider war ihre Rhetorik so m\u00e4chtig, da\u00df sie sich auf die Entwicklungsl\u00e4nder auswirkte. Ihnen wurde von Ihrer Regierung geraten, nichts zu tun, und das Ergebnis war &#8211; mit Ausnahme einiger weniger L\u00e4nder, deren Regierungen der Hamilton-Tradition folgten und in der Lage waren, sich zu industrialisieren und aufzuholen -, da\u00df andere L\u00e4nder von der Jefferson-Tradition dazu verleitet wurden, nichts zu tun, und deshalb nicht in der Lage waren, den Abstand zu den fortgeschrittenen L\u00e4ndern zu verringern.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGeldrechnung\u201c contra \u201eVerm\u00f6gensrechnung\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Sie und andere chinesische Vertreter, darunter auch Ministerpr\u00e4sident Li Keqiang, fordern eine neue Methode zur Erfassung der St\u00e4rke von Nationen. Sie argumentieren, da\u00df die ausschlie\u00dfliche Betrachtung des BIP und der Schulden &#8211; also der Geldseite &#8211; Ihrer Meinung nach \u201eschwerwiegende M\u00e4ngel\u201c aufweist, da nur monet\u00e4re Daten ber\u00fccksichtigt werden, aber die zugrundeliegenden nationalen Verm\u00f6genswerte, einschlie\u00dflich Humankapital, Naturkapital und produziertem Kapital, unber\u00fccksichtigt bleiben. Sie nennen diese alternative Methode \u201eVerm\u00f6gensrechnung\u201c (<em>wealth accounting<\/em>). Wie weit ist diese Idee in China oder anderswo entwickelt und umgesetzt worden?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Zun\u00e4chst einmal freue ich mich, da\u00df in einigen L\u00e4ndern die Bereitschaft zur Ver\u00e4nderung w\u00e4chst. Das BIP ist ein Flu\u00dfkonzept &#8211; wieviel man jedes Jahr produziert. Aber die j\u00e4hrliche Produktion h\u00e4ngt vom Bestand des Reichtums ab, einschlie\u00dflich des Humankapitals, der nat\u00fcrlichen Ressourcen, der biologischen Vielfalt sowie des produzierten Kapitals: Ausr\u00fcstung, Maschinen und auch Infrastruktur. All dies ist der Reichtum einer Nation und die Grundlage f\u00fcr die Produktion von Waren und Dienstleistungen, die das BIP erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Vergangenheit haben wir uns nur mit dem Flu\u00dfkonzept, dem BIP, befa\u00dft, ohne auf den Zustand der Grundlage f\u00fcr die Erzeugung des Flusses zu achten. Die Grundlage sollte auf dem Reichtum beruhen &#8211; dem Verm\u00f6gen, das wir gerade beschrieben haben. Ich freue mich, da\u00df die Notwendigkeit einer \u00c4nderung des Konzepts zunehmend anerkannt wird, auch vom IWF, der k\u00fcrzlich ein Papier vorgelegt hat, in dem es hei\u00dft, da\u00df eine Regierung, die Schulden zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen einsetzt, Verm\u00f6gen schafft, anders als eine Regierung, die diese Schulden zur Finanzierung von Konsum einsetzt &#8211; das sind reine Schulden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir also die Verschuldung danach berechnen, ob die Regierung die Schulden zur Finanzierung von Infrastruktur oder anderen Verbesserungen des Humankapitals verwendet, dann tr\u00e4gt das dazu bei, da\u00df das Land neue Einkommensstr\u00f6me generieren kann und damit die F\u00e4higkeit zur R\u00fcckzahlung ihrer Schulden verbessert. In der Vergangenheit, als wir \u00fcber den Rahmen f\u00fcr die Schuldentragf\u00e4higkeit sprachen, wurde in diesem Rahmen nur die Bruttoverschuldung berechnet, ohne die Verm\u00f6gensseite zu ber\u00fccksichtigen. Der IWF forderte heute eine \u00dcberarbeitung seines Rahmens f\u00fcr die Schuldentragf\u00e4higkeit. Wir freuen uns also dar\u00fcber, da\u00df dieses umfassendere Konzept nun zunehmend anerkannt und in die politischen \u00dcberlegungen einbezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Waren Sie und andere chinesische Wirtschaftswissenschaftler an dieser \u00c4nderung im IWF beteiligt?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Als ich bei der Weltbank war, habe ich angefangen, mich daf\u00fcr einzusetzen. Ich schrieb Grundsatzpapiere, um das zu f\u00f6rdern. Die \u00dcberzeugungen und Verhaltensweisen der Menschen zu \u00e4ndern, braucht nat\u00fcrlich Zeit. Ich war von 2008 bis 2012 Chefvolkswirt der Weltbank. Der Vorschlag, auf den neuen Rahmen umzustellen, kam erst etwa vier Jahre nach meinem Ausscheiden! Ich denke also, wenn wir die Welt ver\u00e4ndern wollen, sollten Gespr\u00e4che wie dieses mit Ihnen und mir und Menschen mit einem besseren Konzept, mit besseren Ideen, nicht aufh\u00f6ren, sich daf\u00fcr einzusetzen. Und je mehr Menschen das verstehen, desto mehr denke ich, da\u00df sich die Welt letztendlich zum Besseren ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Sie greifen die neoliberale Orthodoxie an. Aber als Sie zwischen 2008 und 2012 bei der Weltbank waren, haben Sie diese als die vorherrschende Ideologie bei der Weltbank und dem IWF hautnah erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich vermute, Sie erkl\u00e4ren jetzt, wie Sie damals damit umgegangen sind und wie Ihre Argumente l\u00e4ngerfristig wirken. Ist das so richtig?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ja, das ist ganz richtig. Als ich zum Beispiel bei der Weltbank anfing, sagte ich: \u201eOkay, der Strukturwandel ist die Grundlage f\u00fcr eine inklusive und nachhaltige Entwicklung in jedem Land. Aber wenn man sich den Strukturwandel ansieht, mu\u00df man sich nicht nur auf die Unternehmer verlassen, um Innovationen zu haben, sondern die Unternehmer m\u00fcssen, wenn sie erfolgreich sein wollen, mit einer angemessenen Infrastruktur ausgestattet werden. Man mu\u00df eine angemessene finanzielle Unterst\u00fctzung bereitstellen. Es bedarf einer Verbesserung der Infrastruktur, der Institutionen und so weiter. Auch rechtlicher Institutionen. All diese Dinge sind f\u00fcr einzelne Unternehmen nicht zu bew\u00e4ltigen. Sie brauchen dazu den Staat.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Kapazit\u00e4ten und Ressourcen des Staates sind begrenzt. Man mu\u00df die begrenzten Kapazit\u00e4ten und Ressourcen strategisch einsetzen. Das hei\u00dft, man mu\u00df sich bestimmte Bereiche aussuchen, die man f\u00f6rdern will. Und die erfordern nat\u00fcrlich die sogenannte Industriepolitik. Zu Beginn war Industriepolitik in den internationalen Entwicklungsorganisationen, einschlie\u00dflich der Weltbank, ein Tabu. Aber ich habe angefangen, daf\u00fcr zu werben. Es freut mich zu sehen, da\u00df immer mehr Menschen akzeptieren, da\u00df eine Industriepolitik notwendig ist &#8211; die US-Regierung eingeschlossen, die jetzt offen sagt: Wir sind f\u00fcr eine Industriepolitik f\u00fcr unsere zuk\u00fcnftige Entwicklung. Ein Beispiel ist die Infrastruktur. Seit 2008 pl\u00e4diere ich daf\u00fcr, in die Infrastruktur zu investieren, um einerseits der Notwendigkeit antizyklischer Ma\u00dfnahmen gerecht zu werden, andererseits aber auch, um die Grundlage f\u00fcr eine langfristige Entwicklung in den Entwicklungsl\u00e4ndern zu schaffen. So werden also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damals bestand die antizyklische Intervention haupts\u00e4chlich in der Bereitstellung von Rettungspaketen f\u00fcr entlassene Arbeitnehmer und \u00e4hnliches. Ich sehe nat\u00fcrlich ein, da\u00df es wichtig ist, die Wirtschaft zu stabilisieren. Aber wenn man nur, sagen wir mal, Arbeitslosenunterst\u00fctzung bereitstellt, dann geht es zwar um den Konsum, aber man tr\u00e4gt nicht dazu bei, das Wachstumspotential in der Zukunft zu erh\u00f6hen. Wenn man in die Infrastruktur investiert, schafft man [nicht nur] Arbeitspl\u00e4tze, sondern verringert den Bedarf an Arbeitslosenunterst\u00fctzung und legt gleichzeitig den Grundstein f\u00fcr langfristiges Wachstum.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang waren die Menschen sehr zur\u00fcckhaltend. Aber ich freue mich, da\u00df die Weltbank, der IWF und die Europ\u00e4ische Union und bis zu einem gewissen Grad auch die USA die Idee akzeptieren und begonnen haben, die Notwendigkeit von Infrastrukturen zu bef\u00fcrworten. K\u00fcrzlich hat die Regierung Biden dem Kongre\u00df Mittel zur Unterst\u00fctzung von Infrastrukturinvestitionen vorgeschlagen &#8211; diese Art von Ideen meine ich. Als ich bei der Weltbank anfing, daf\u00fcr zu pl\u00e4dieren, war das f\u00fcr viele Leute ein Fremdwort. Sie dachten, Infrastruktur ist eine Investition, also wird der Markt das schon regeln. Aber wie wir sehen, ist der Markt dazu nicht in der Lage, und deshalb brauchen wir eine aktive Beteiligung der Regierung. Nach und nach begannen die Menschen, viele Ideen, die ich bei der Weltbank vertreten hatte, aufzugreifen und in ihre Programme aufzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Macht der gro\u00dfen Ideen<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Auf der anderen Seite behandeln die USA und Europa ihre enorme Schuldenkrise weiterhin so, da\u00df sie einfach Geld drucken &#8211; durch Quantitative Lockerung (QE) und andere Programme. Obwohl sie also das riesige Defizit in der Infrastruktur erkennen und einige kleine Anstrengungen in dieser Richtung unternehmen, fahren sie mit der QE fort, so da\u00df heute eine Hyperinflation droht, und ich glaube, sogar die Insider-Gurus der Wall Street und der City erkennen, da\u00df die sehr gro\u00dfe Gefahr einer Hyperinflation besteht. Was ist Ihre Meinung dazu?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ja, ich denke, um ihre Politik zu \u00e4ndern, ist es unerl\u00e4\u00dflich, ihre Ideen, ihre politischen Orientierungen zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Punkt stimme ich mit Keynes \u00fcberein. Im letzten Satz seiner <em>Allgemeinen Theorie <\/em>sagt er: \u201eAber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter sind es die Ideen, nicht die Besitzst\u00e4nde, die zum Guten oder zum B\u00f6sen gef\u00e4hrlich sind.\u201c In der Vergangenheit wurde die Welt durch solche unangemessenen neoliberalen Ideen beeinflu\u00dft, so da\u00df die Regierungspolitik von solchen fehlgeleiteten Ideen gepr\u00e4gt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher ist es f\u00fcr Ihr Institut und f\u00fcr Wissenschaftler wie mich sehr wichtig, f\u00fcr alternative Ideen einzutreten und diese vorzustellen, um die Probleme anzugehen und unsere Arbeitsweise in den einzelnen L\u00e4ndern und auch auf der Welt zu verbessern. Am Ende werden die Menschen den Nutzen erkennen und anfangen, etwas zu \u00e4ndern. Am Anfang sind es vielleicht nur ganz kleine Schritte. Aber wenn sie erst einmal die Macht der richtigen Interventionen, die Macht der richtigen Politik sehen, bin ich hoffnungsvoll. Ich glaube, da\u00df sich die Welt zum Besseren wenden wird. Ich w\u00fcnsche mir, da\u00df die richtige Idee am Ende die Debatte gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Als ich Ihre Idee der \u201eVerm\u00f6gensrechnung\u201c betrachtete, die \u00fcber die monet\u00e4ren Zahlen von BIP und Schulden hinausgeht, erinnerte mich das an Lyndon LaRouches Idee eines nicht-monet\u00e4ren Ma\u00dfes f\u00fcr wirtschaftlichen Fortschritt, das er \u201erelative potentielle Bev\u00f6lkerungsdichte\u201c nannte. Er vertrat die Auffassung, da\u00df dieses Ma\u00df von der Verwandlung der physischen Wirtschaft durch die Rate der Entwicklung neuer physikalischer Prinzipien bestimmt wird, die in der Natur entdeckt und dann durch neue Werkzeugmaschinen, die diese neuen Prinzipien nutzen, auf den Produktionsproze\u00df angewandt werden. Sehen Sie darin eine \u00c4hnlichkeit mit Ihrer Idee der \u201eVerm\u00f6gensrechnung\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ja, ich glaube, diese Idee liegt dem sehr nahe, was wir gerade besprochen haben und wof\u00fcr ich schon seit langem eintrete. Und wir sehen, da\u00df wir dieselbe Weisheit teilen und unsere Ideen, unsere Vorschl\u00e4ge in dieselbe Richtung gehen. Wir m\u00fcssen uns also zusammentun, um durch Ihr Institut und mein Institut die richtigen Ideen vorzuschlagen und sie mehr Menschen zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die G\u00fcrtel- und Stra\u00dfeninitiative<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Sie haben vor kurzem zusammen mit Ihrer Mitarbeiterin Dr. Wang Yan, die auch auf einer der Konferenzen des Schiller-Instituts gesprochen hat, einen Artikel mit dem Titel \u201eEntwicklung beginnt zu Hause\u201c verfa\u00dft,<sup>3<\/sup> in dem Sie den Ansatz des IWF und der Weltbank zur Entwicklung Afrikas mit dem chinesischen Ansatz vergleichen und dabei Ihre Idee der \u201eVerm\u00f6gensbuchhaltung\u201c verwenden. In diesem Artikel sagten Sie, da\u00df trotz jahrzehntelanger Entwicklungshilfe aus dem Westen die Engp\u00e4sse in der Infrastruktur nicht \u00fcberwunden wurden, und das sei der Hauptgrund daf\u00fcr, da\u00df die afrikanischen L\u00e4nder chinesische Investitionen sehr sch\u00e4tzen, weil dabei die Infrastruktur als Mittel zur Steigerung der Produktivit\u00e4t des gesamten Landes und zur \u00dcberwindung der Armut besonders betont wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Sie wissen, haben das Schiller-Institut und <em>EIR<\/em> seit den 90er Jahren, eigentlich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die Idee der Neuen Seidenstra\u00dfe als Mittel zum Erreichen von \u201eFrieden durch Entwicklung\u201c stark gef\u00f6rdert. Die von Pr\u00e4sident Xi Jinping [2013] ins Leben gerufene G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative (BRI) ist nat\u00fcrlich ganz in diesem Sinne zu sehen. Wie bewerten Sie die bisherigen Fortschritte der BRI in Afrika und anderswo?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Es freut mich zu sehen, da\u00df diese neuen Ideen angenommen und auch in der Praxis umgesetzt werden. Zum Beispiel die G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative: Es gibt bereits 145 L\u00e4nder und mehr als 30 internationale Organisationen, die das strategische Kooperationsabkommen mit China unterzeichnet haben. Ich freue mich, da\u00df diese Idee in der Welt breite Akzeptanz gefunden hat.<\/p>\n\n\n\n<p>China hat auch trotz der Pandemie die Verbesserung der Infrastruktur auf der Welt weiter gef\u00f6rdert, und solche Investitionen schaffen sicherlich die Grundlagen f\u00fcr die Zukunft, verbessern aber gleichzeitig auch die Besch\u00e4ftigung und die wirtschaftliche Entwicklung, selbst in diesen Pandemiezeiten. Ich freue mich auch, da\u00df die europ\u00e4ischen L\u00e4nder jetzt mit dem European Gateway eine \u00e4hnliche Strategie vorschlagen, um die Infrastruktur zu verbessern und Verbindungen zu anderen L\u00e4ndern herzustellen. Ich denke, die Welt bewegt sich in die gleiche Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die L\u00fccke der Infrastruktur ist so gro\u00df, da\u00df kein Land allein das alles schaffen kann. Deshalb ist es w\u00fcnschenswert, da\u00df wir uns die H\u00e4nde reichen mit allen Initiativen &#8211; von China, von europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, von Japan, von den USA, denn im Grunde genommen geht es uns um die Menschheit, um die Zukunft der Erde, um die Zukunft der Menschen. Solange wir dazu beitragen, sollten wir uns die H\u00e4nde reichen. Wir sollten nicht in jedem Land f\u00fcr politische Zwecke Hindernisse f\u00fcr unsere Zusammenarbeit schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein modernes, globales Gesundheitssystem<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> In dem Artikel \u00fcber die Entwicklung Afrikas machen Sie den IWF und die Weltbank direkt verantwortlich f\u00fcr die \u201eneoliberale Orthodoxie\u201c und deren Ergebnis, da\u00df viele L\u00e4nder mit niedrigem und mittlerem Einkommen immer noch unter grundlegenden M\u00e4ngeln leiden, wie dem Mangel an Personal und Ressourcen im Gesundheitswesen. Sie stellen fest, selbst nach 70 Jahren Entwicklungshilfe herrsche immer noch eine \u201eUnf\u00e4higkeit, sauberes Wasser, Strom und sanit\u00e4re Anlagen bereitzustellen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Sie wissen, hat die Pr\u00e4sidentin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, das \u201eKomitee f\u00fcr den Zusammenfall der Gegens\u00e4tze\u201c gegr\u00fcndet, ausgehend von einer Idee des Genies Nikolaus von Kues aus dem 15. Jahrhundert, das zu einer weltweiten Mobilisierung aufruft, um die von Ihnen beschriebene Gesundheitskrise anzugehen und in jedem Land ein modernes Gesundheitssystem zu schaffen, damit diese Pandemie und k\u00fcnftige Pandemien besiegt werden k\u00f6nnen. Ich wei\u00df, da\u00df China als Teil seiner Initiative eine \u201eGesundheits-Seidenstra\u00dfe\u201c ins Leben gerufen hat. Was denken Sie \u00fcber die globale Zusammenarbeit, um ein solches Gesundheitssystem in jedem Land zu schaffen?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich glaube, da\u00df angesichts dieser Pandemie ein enormer Bedarf besteht, und China tr\u00e4gt sicherlich zu dem bei, was Sie \u00fcber die Gesundheitsversorgung insgesamt gesagt haben. China hat bereits zwei Milliarden Dosen Impfstoff f\u00fcr Afrika und andere Teile der Welt bereitgestellt &#8211; ein Drittel aller weltweiten Impfstoffdosen au\u00dferhalb Chinas. Aber das reicht nicht aus. Wir m\u00fcssen uns also mehr anstrengen und zusammenarbeiten. Andernfalls k\u00f6nnte sich die COVID-19-Pandemie hinziehen, und je l\u00e4nger sie andauert, desto schwieriger wird es, sie in den Griff zu bekommen, weil st\u00e4ndig neue Mutationen auftauchen werden, die die Wirksamkeit der Impfstoffe beeintr\u00e4chtigen. Wir m\u00fcssen uns also zusammentun, um die Pandemie einzud\u00e4mmen, und je fr\u00fcher, desto besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen auch die Grundlagen daf\u00fcr schaffen, \u00e4hnliche Herausforderungen in der Zukunft zu bew\u00e4ltigen. Wenn ein solches bedrohliches Virus auftaucht, sollten wir umgehend damit fertig werden. Wir sollten es sofort unterdr\u00fccken. Und dazu brauchen wir eine weltweite Zusammenarbeit. Daher halte ich die Forderung [nach einem modernen Gesundheitssystem in jedem Land] f\u00fcr sehr wichtig, und wir sollten uns gemeinsam daf\u00fcr einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Operation Ibn Sina<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Lassen Sie mich die schreckliche Situation in Afghanistan ansprechen, wo, wie Sie wissen, 40 Jahre Krieg und nun das Einfrieren der sehr knappen Reserven dieses Landes durch die US-Notenbank und mehrere europ\u00e4ische Banken sowie die Verh\u00e4ngung von Sanktionen und sogar die Einstellung der Hilfe von IWF und Weltbank zu einer Bedrohung gef\u00fchrt haben, die man nur als einen V\u00f6lkermord durch Hunger und Krankheiten in diesem Land bezeichnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret hat die Weltbank in den letzten 20 Jahren w\u00e4hrend des Krieges und der Besatzung durch die USA und die NATO das Gesundheitssystem des Landes gest\u00fctzt, aber diese Unterst\u00fctzung wurde komplett gestrichen, so da\u00df das Land praktisch \u00fcberhaupt kein \u00f6ffentliches Gesundheitssystem mehr hat. Dazu hat Helga Zepp-LaRouche ein weiteres Projekt ins Leben gerufen, sie nennt es \u201eProjekt Ibn Sina\u201c, nach dem persischen Medizingenie aus dem 11. Jahrhundert, der aus dieser Region, aus Afghanistan stammte. Unser Vorschlag fordert nicht nur Nothilfe und die Freigabe der Gelder, sondern auch den Aufbau der Infrastruktur des Landes, den Sie auch betonen, durch die Einbindung Afghanistans in die BRI und insbesondere die Ausweitung des Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridors (CPEC) nach Afghanistan. Glauben Sie, da\u00df das m\u00f6glich ist?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich denke, es ist m\u00f6glich, wenn uns die Menschheit wirklich am Herzen liegt. Ich denke, da\u00df die Unterst\u00fctzung in der Gesundheitsversorgung, in der medizinischen Situation, bedingungslos sein sollte. Die Bedingungen in Afrika, in Afghanistan und anderen Entwicklungsl\u00e4ndern werden sich verbessern, sobald sich ihre Gesundheit und ihre wirtschaftliche Entwicklung verbessern. Dann kann die soziale und politische Stabilit\u00e4t dort aufrechterhalten werden. Ich bin mir sicher, da\u00df das nicht nur f\u00fcr das einzelne Land gut ist, sondern auch f\u00fcr die globale Gemeinschaft, weil wir dann in einer besseren Situation sind, um zusammenzuarbeiten und mehr Kooperation zu haben, und es wird auch die Zahl der Fl\u00fcchtlinge, legal und illegal, in die L\u00e4nder mit hohem Einkommen reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Sie wissen, da\u00df dies auch eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die L\u00e4nder mit hohem Einkommen sein wird. In einigen Bereichen sollte die Unterst\u00fctzung also bedingungslos sein, denn nur so kann man Menschlichkeit erreichen. Wenn uns die Menschen wirklich am Herzen liegen, dann sollten wir diese Grundbed\u00fcrfnisse unterst\u00fctzen, egal unter welchen Bedingungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aussichten auf eine \u201egr\u00f6\u00dfere Harmonie\u201c und Frieden<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Richtig. Wie Sie wissen, haben die USA und China im Januar 2020 die \u201ePhase eins\u201c eines Handelsabkommens zwischen den USA und China geschlossen. [Vizepremier] Liu He war im Wei\u00dfen Haus anwesend, und Pr\u00e4sident Xi Jinping telefonierte mit Pr\u00e4sident Donald Trump. Damals k\u00fcndigte Trump an, er werde China bald einen zweiten Besuch abstatten, und er freue sich darauf, \u201eweiterhin eine Zukunft von gr\u00f6\u00dferer Harmonie, Wohlstand und Handel zu schmieden\u201c, was zu einem \u201enoch st\u00e4rkeren Weltfrieden\u201c f\u00fchren w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, das ist offensichtlich nicht geschehen. Als es den USA nicht gelang, die COVID-19-Pandemie einzud\u00e4mmen, verfiel Trump schlie\u00dflich auf die antagonistische Haltung gegen\u00fcber China, die sein Au\u00dfenminister Mike Pompeo zum Ausdruck brachte, indem er China f\u00fcr praktisch jeden Mi\u00dferfolg in den Vereinigten Staaten verantwortlich machte. Und obwohl der derzeitige Au\u00dfenminister Tony Blinken die gleiche feindselige Haltung gegen\u00fcber China einnimmt, hat Pr\u00e4sident Biden mehrere lange Gespr\u00e4che mit Pr\u00e4sident Xi gef\u00fchrt. Sehen Sie eine Chance, da\u00df die Zusammenarbeit zwischen den Pr\u00e4sidenten Biden und Xi zu einer \u201egr\u00f6\u00dferen Harmonie\u201c f\u00fchrt?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich glaube, da\u00df Chinas T\u00fcr immer offen ist, und wie wir zu Beginn sagten, wird die Zusammenarbeit zwischen China und den USA die Grundlage f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung vieler globaler Herausforderungen bilden, denen wir heute gegen\u00fcberstehen. Sie wird also von entscheidender Bedeutung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Gr\u00fcnden, warum sie nicht zustande gekommen ist: Es liegt wohl an den Problemen in den Vereinigten Staaten. Wenn man in die Vergangenheit schaut, haben die USA immer gerne andere L\u00e4nder als S\u00fcndenbock f\u00fcr ihre eigenen Probleme benutzt. Das mag den Politikern zwar kurzfristig einen gewissen politischen Nutzen verschaffen, aber langfristig verschlimmert sich die Angelegenheit dadurch nur.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher hoffe ich, da\u00df die Politiker und die intellektuellen Kreise in den USA die Weisheit haben, die Wurzeln ihrer eigenen Probleme zu verstehen, statt andere L\u00e4nder als Ausrede oder S\u00fcndenbock f\u00fcr ihre eigenen Probleme zu benutzen. Einige wenige Politiker haben kurzfristigen politischen Gewinn, aber auf Kosten des Wohlergehens der ganzen Nation. Ich hoffe, da\u00df sich diese Situation bessern wird. Wenn diese Gewohnheit, andere L\u00e4nder zum S\u00fcndenbock f\u00fcr die eigenen Probleme zu machen, abgelegt wird, dann wird die Zusammenarbeit zwischen den USA und China sicherlich gut f\u00fcr Amerika, f\u00fcr China und f\u00fcr die Welt sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Schaffung einer Kultur von Wissenschaft und Kunst<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Lyndon LaRouche hat sich in seiner eigenen Arbeit sehr auf die Eigenschaft der Kreativit\u00e4t konzentriert, die den Menschen vom Tier unterscheidet, und zwar sowohl in wissenschaftlichen Untersuchungen als auch in k\u00fcnstlerischen Entdeckungen, insbesondere in der klassischen Musik. In diesem Sinne betonte er, da\u00df wissenschaftliche Bildung und \u00e4sthetische Erziehung Hand in Hand gehen m\u00fcssen, um die volle Entfaltung der sch\u00f6pferischen Kr\u00e4fte unserer Jugend und unserer Bev\u00f6lkerung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mir pers\u00f6nlich ist besonders aufgefallen, da\u00df es in China nach den dunklen Tagen der Kulturrevolution eine neue Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die klassischen Traditionen Chinas gibt, f\u00fcr Konfuzius und Menzius und die gro\u00dfen Denker der Renaissance der Song-Dynastie, wie Zhu Xi und Shen Guo, und da\u00df das parallel zu den unglaublichen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entwicklungen in China geschieht, und gleichzeitig Chinas zunehmende Anerkennung der gro\u00dfen kulturellen Entwicklungen in der westlichen Kultur, der westlichen klassischen Musik usw. Wie sehen Sie die Beziehung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und der \u00e4sthetischen Seite der kulturellen Entwicklung?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich sehe, da\u00df Wissenschaft und Kunst sich gegenseitig erg\u00e4nzen, es sind beides Bereiche, in denen wir Menschen unser Potential ganz entfalten k\u00f6nnen. Wir sollten uns also nicht nur auf eines konzentrieren und andere vernachl\u00e4ssigen, wenn wir eine bessere Gesellschaft haben wollen. Wir wollen den Menschen auch die M\u00f6glichkeit geben, sich selbst mit gr\u00f6\u00dferen Potentialen zu entwickeln. Und wie Sie beschrieben haben, versuchen wir in China jetzt, unsere traditionelle Kultur &#8211; die Wertsch\u00e4tzung von Kunst, Musik, Klassikern, nicht nur aus China, sondern auch aus anderen Kulturen &#8211; in unsere Bildungsprogramme einzubringen. Das ist ein gutes Zeichen. Ich bin sicher, da\u00df das Chinas Verj\u00fcngung auf eine h\u00f6here Stufe heben wird, nicht nur in materieller, sondern auch in kultureller und geistiger Hinsicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Ich danke Ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es noch andere Gedanken, die Sie den Lesern und Unterst\u00fctzern der LaRouche-Organisation mitteilen m\u00f6chten?<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Ich freue mich sehr \u00fcber diese Gelegenheit und hoffe, da\u00df unsere Stimme in noch mehr Ecken der Welt geh\u00f6rt wird, denn im Grunde geht es uns allen um die Menschen, und wir alle wollen eine bessere Gesellschaft f\u00fcr jedes Land der Welt. Und so hoffe ich, da\u00df unsere Botschaft in der Welt Geh\u00f6r findet und ankommt.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>EIR:<\/strong><\/em> Ich danke Ihnen vielmals. Ich hoffe, da\u00df wir diese Zusammenarbeit weiter ausbauen k\u00f6nnen. Helga Zepp-LaRouche hat immer wieder betont, wenn wir ein neues Paradigma f\u00fcr die Menschheit schaffen wollen, dann bedeutet das, da\u00df jede Kultur auf ihre gr\u00f6\u00dften Momente zur\u00fcckgreift und da\u00df wir zusammenarbeiten, um eine wahrhaft menschliche Renaissance herbeizuf\u00fchren &#8211; nicht nur eine europ\u00e4ische Renaissance oder eine chinesische Renaissance oder eine islamische Renaissance -, sondern da\u00df wir die Menschheit zusammenbringen, um uns mit unserem gemeinsamen Menschsein auseinanderzusetzen. Das ist die einzige Grundlage, auf der wir diesen Abstieg in Konflikte, Krieg und Depression beenden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Dr. Lin:<\/strong><\/em> Sehr gut. Ich danke Ihnen vielmals.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Die \u201eEntity List\u201d ist eine Liste von Handelsrestriktionen des B\u00fcros f\u00fcr Industrie und Sicherheit des US-Handelsministeriums, die ausl\u00e4ndische Personen, Einrichtungen und Regierungen auff\u00fchrt, die besonderen Auflagen f\u00fcr den Export oder Transfer bestimmter US-Technologien unterworfen sind; darunter Einrichtungen, die Aktivit\u00e4ten betreiben, \u201edie vom US-Au\u00dfenministerium sanktioniert sind oder gegen die nationale Sicherheit und\/oder au\u00dfenpolitische Interessen der USA gerichtet sind\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>2. Dt.: <em>Das Kapital des Staates: Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum<\/em>, Kunstmann, M\u00fcnchen 2014.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Siehe <em><a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/focac-china-investment-in-africa-sustainable-development-by-justin-yifu-lin-and-yan-wang-2-2021-12\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/focac-china-investment-in-africa-sustainable-development-by-justin-yifu-lin-and-yan-wang-2-2021-12<\/a><\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist das bearbeitete und leicht gek\u00fcrzte Transkript eines Interviews mit Justin Yifu Lin, das der EIR-Redakteur Michael Billington am 20. Dezember 2021 f\u00fchrte. Dr. Lin war von 2008 bis 2012 Chef\u00f6konom und Senior-Vizepr\u00e4sident der Weltbank und ist heute Dekan des Instituts f\u00fcr&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":83247,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[651],"tags":[],"class_list":["post-83701","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-651"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/justin-lin-headshot.jpg","author_info":{"display_name":"madeleine","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/madeleine\/"},"modified_by":"madeleine","cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=83701"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83701\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":83703,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/83701\/revisions\/83703"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/83247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=83701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=83701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=83701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}