{"id":80604,"date":"2021-10-10T02:53:32","date_gmt":"2021-10-10T06:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=80604"},"modified":"2021-10-19T12:56:02","modified_gmt":"2021-10-19T16:56:02","slug":"schiller-institut-veroeffentlicht-plan-fuer-den-wiederaufbau-von-haiti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2021\/10\/10\/schiller-institut-veroeffentlicht-plan-fuer-den-wiederaufbau-von-haiti\/","title":{"rendered":"Schiller-Institut ver\u00f6ffentlicht Plan f\u00fcr den Wiederaufbau von Haiti"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Schiller-Institut hat anl\u00e4\u00dflich der Krise um die haitianischen Fl\u00fcchtlinge ein Programm f\u00fcr den Wiederaufbau Haitis als Teil eines regionalen Entwicklungsprogramms f\u00fcr die Karibik und Mittelamerika ausgearbeitet. Es erschien in der Ausgabe von <em>Executive Intelligence Review (EIR)<\/em> vom 1. Oktober und war am 25. September Gegenstand eines <a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2021\/09\/27\/dialog-des-schiller-instituts-wiederaufbau-von-haiti-amerikas-weg-aus-der-global-britain-falle\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2021\/09\/27\/dialog-des-schiller-instituts-wiederaufbau-von-haiti-amerikas-weg-aus-der-global-britain-falle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Seminars des Manhattan-Projekts<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/solidaritaet.com\/neuesol\/2010\/11\/marcia.htm\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/solidaritaet.com\/neuesol\/2010\/11\/marcia.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der Plan spiegelt die moralische Mission wider, die der verstorbene Lyndon LaRouche vor einem Jahrzehnt definiert hat<\/a>. Die zus\u00e4tzliche Voraussetzung heute ist, da\u00df China und die Vereinigten Staaten bei der Umsetzung im Rahmen der G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative zusammenarbeiten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Seminar vom 25. September und die Ver\u00f6ffentlichung des Aufbauplans haben eine lebhafte Diskussion in der haitianischen Diaspora in den USA ausgel\u00f6st, ebenso wie unter haitianischen und dominikanischen Freunden des Schiller-Instituts in der Dominikanischen Republik, wo zwei Tageszeitungen einen hervorragenden Bericht \u00fcber das Programm ver\u00f6ffentlichten.<\/p>\n\n\n<p><div class=\"big-title\"><div class=\"bar\"><\/div><h2>Der Plan des Schiller-Instituts zur Entwicklung Haitis<\/h2><p class=\"sub-title\">Von Richard Freeman und Cynthia Rush<\/p><\/div><\/p>\n\n\n<p>\u2013 Erster Teil \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder moralische, mitf\u00fchlende Mensch war entsetzt \u00fcber die Bilder, die am Wochenende des 18. und 19. September durch die Weltmedien gingen, als 12.000 haitianische Migranten unter der Del Rio International Bridge in Texas unter unmenschlichen Bedingungen zusammengepfercht wurden, w\u00e4hrend sie verzweifelt hofften, in den Vereinigten Staaten Asyl zu finden. Nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 waren Zehntausende Haitianer aus ihrem zerst\u00f6rten Land geflohen und hatten Zuflucht in anderen iberoamerikanischen L\u00e4ndern gesucht, die sie nun wieder verlie\u00dfen, als das Ger\u00fccht aufkam, die USA b\u00f6ten haitianischen Migranten einen Sonderstatus.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war nicht der Fall, und die Regierung Biden, die sich gerne ihrer \u201ehumanen\u201c Einwanderungspolitik br\u00fcstet, begann am 19. September, Haitianer wie Vieh in Flugzeuge zu verfrachten, um sie alle in den n\u00e4chsten sechs Wochen in ihre \u201eHeimat\u201c zur\u00fcckzubringen \u2013 obwohl Haiti von einer w\u00fctenden COVID-Pandemie, einem Zusammenbruch der Wirtschaft und zus\u00e4tzlich den Folgen des Erdbebens der St\u00e4rke 7,2 vom 14. August geplagt ist. Von den vielen verschiedenen Nationalit\u00e4ten von Migranten, die sich an der US-Grenze versammelt haben, wurden nur die Haitianer sofort abgeschoben. Viele, die am 20. September in der Hauptstadt Port-au-Prince landeten, berichteten, da\u00df man ihnen beim Einsteigen nicht einmal sagte, wohin die Reise ging. Einige erkl\u00e4rten, sie seien w\u00e4hrend des Fluges an H\u00e4nden, H\u00fcften oder F\u00fc\u00dfen gefesselt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Man f\u00fchlt sich fast schon an die Judentransporte im Dritten Reich erinnert, die auf Eisenbahnwaggons verladen und in den Tod geschickt wurden. Jedenfalls erinnert es an den Rassisten Thomas Jefferson, der verk\u00fcndete, nachdem er 1801 Pr\u00e4sident geworden war, sobald die kriegf\u00fchrenden Nationen Gro\u00dfbritannien und Frankreich Frieden geschlossen h\u00e4tten, w\u00fcrden die Vereinigten Staaten zusammen mit ihnen daran gehen, \u201edie Pest\u201c (der Schwarzen) auf die Insel Saint Domingue \u2013 das heutige Hispaniola, wo Haiti liegt \u2013 \u201ezu verbannen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonders ersch\u00fctterndes Video der aktuellen Krise zeigt einen US-Grenzschutzbeamten zu Pferd, der haitianische Migranten im Wasser des Rio Grande (dem Grenzflu\u00df zu Mexiko) mit den Z\u00fcgeln bedroht und sie zusammentreibt, als w\u00e4ren sie entflohene Sklaven einer S\u00fcdstaatenplantage des 19. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser \u201everwerflichen Gleichg\u00fcltigkeit\u201c einer Regierung, welche die Folgen ihrer m\u00f6rderischen Politik bewu\u00dft ignoriert, flehen die haitianischen Beh\u00f6rden die Vereinigten Staaten vergeblich an, die Abschiebungen zu stoppen, weil sie unter den derzeitigen Krisenbedingungen keinen solchen Zustrom von Menschen bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 20. September zitierte der <em>Miami Herald<\/em> den Leiter des haitianischen Migrationsamtes, Jean Negot Bonheur Delva: \u201eWenn man in diesem Moment Menschen nach Haiti zur\u00fcckf\u00fchrt, angesichts von COVID-19, sollten die USA versuchen, Haiti mit einem humanit\u00e4ren Moratorium zu helfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die schreckliche Situation schreit nach dringender humanit\u00e4rer Hilfe, aber auch nach einem Schnellprogramm f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung. Die USA und andere m\u00fcssen die Mission annehmen, die der verstorbene amerikanische Staatsmann und \u00d6konom Lyndon LaRouche kurz nach dem Erdbeben von 2010 skizzierte, als er die US-Regierung aufforderte, einen 25-j\u00e4hrigen Vertrag mit Haiti zu unterzeichnen, um beim Wiederaufbau der Wirtschaft zu helfen. Das haitianische Volk sei \u201eeiner schrecklichen Geschichte ausgesetzt gewesen. Man hat ihm dies versprochen und es betrogen, man hat ihm das versprochen und es betrogen, und wieder versprochen und betrogen. Aber nie erf\u00fcllt.\u201c Jetzt sei es an der Zeit, die Zusagen zu erf\u00fcllen, betonte LaRouche damals. Keine Trostpflaster oder Flickschusterei. \u201eWir schlie\u00dfen einen Vertrag mit der Regierung, einen Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Haiti, um den Wiederaufbau ihres Landes in einer Form zu gew\u00e4hrleisten, in der es tats\u00e4chlich ein funktionierendes Land sein wird, das \u00fcberleben kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, kann und mu\u00df die von LaRouche beschriebene Mission erf\u00fcllt werden, und jetzt mu\u00df auch China als wichtiger Partner einbezogen werden, um Haiti aus der erdr\u00fcckenden Armut zu befreien und es zum Modellfall f\u00fcr die wirtschaftliche Entwicklung der westlichen Hemisph\u00e4re und der Welt zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig ist, da\u00df Haiti im Einzugsbereich von Erdbeben und Wirbelst\u00fcrmen liegt. Das ist ein Problem, das man mit moderner Technik in den Griff bekommen kann. Die gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeit ist, da\u00df das Land unter einem ungeheuren Mangel an moderner Infrastruktur leidet, die f\u00fcr den Aufbau eines universellen Gesundheits- und Abwassersystems unverzichtbar ist. F\u00fcr ein solches System ben\u00f6tigt man sauberes Wasser, funktionierende Stra\u00dfen- und Schienenkorridore, Bildung, Stromversorgung, H\u00e4fen und Flugh\u00e4fen. Alle diese Infrastrukturen erfordern erdbebensichere St\u00e4dte, mit Strukturen, wie man sie in Japan gebaut hat, und den Aufbau einer landwirtschaftlichen Infrastruktur mit Hochtechnologie, damit die Landwirte ein wachsendes, nahrhaftes Nahrungsmittelangebot erzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wiederaufbau Haitis ist eine gewaltige Aufgabe, weil das Land zwei Jahrhunderte lang absichtlich mit malthusianischer Politik zerst\u00f6rt wurde. Jeder einzelne Sektor der physischen Wirtschaft mu\u00df von Grund auf neu oder wieder aufgebaut werden, um der verarmten Bev\u00f6lkerung zu helfen. Aber das ist keine unl\u00f6sbare Aufgabe, wenn China und die Vereinigten Staaten zusammen mit anderen L\u00e4ndern des Karibischen Beckens und Mittelamerikas im Rahmen einer erweiterten G\u00fcrtel- und Stra\u00dfeninitiative in der gesamten Region zusammenarbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu mu\u00df Haiti diplomatische Beziehungen zu China aufnehmen. Es ist noch eines der wenigen L\u00e4nder der Welt, das stattdessen diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterh\u00e4lt. China besteht zu Recht darauf, nur mit L\u00e4ndern zusammenzuarbeiten, die das Ein-China-Prinzip anerkennen, und Haiti w\u00e4re gut beraten, dem Vorbild der benachbarten Dominikanischen Republik zu folgen, die k\u00fcrzlich mit Taiwan brach und Beziehungen zu China aufnahm, wenn es Hoffnung auf eine chinesische Beteiligung am Wiederaufbau haben will.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vors\u00e4tzlicher V\u00f6lkermord&#8230;<\/h3>\n\n\n\n<p>Jedesmal, wenn eine \u201eNaturkatastrophe\u201c das Land heimsuchte, wurde Haiti einer vors\u00e4tzlichen Entv\u00f6lkerungspolitik unterworfen. Seit 125 Jahren wird Haiti von der Londoner City, der Wall Street und anderen transatlantischen Banken (besonders franz\u00f6sischen) ausgepl\u00fcndert, sp\u00e4ter kamen der Weltw\u00e4hrungsfonds (IWF) und andere multilaterale Kreditgeber hinzu, und dem Land wird systematisch das Recht verweigert, sich zu einer modernen Nation zu entwickeln. Angesichts wiederholter Katastrophen hat man es immer wieder schutzlos sich selbst \u00fcberlassen \u2013 das Erdbeben vom 14. August 2021 ist nur der j\u00fcngste Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Programm des Schiller-Instituts f\u00fcr den Wiederaufbau und Aufbau Haitis, dessen erster Entwurf hier vorgestellt wird, umfa\u00dft einen einheitlichen Infrastrukturplan, der \u00fcber ein Hamiltonisches System \u2013 das als zentrales Element einer Konkurssanierung des zerfallenden internationalen Finanzsystems eingerichtet werden mu\u00df \u2013 mit gro\u00dfz\u00fcgigen projektgebundenen Krediten finanziert wird. Nach vorl\u00e4ufigen Sch\u00e4tzungen des Schiller-Instituts wird ein tragf\u00e4higes Wiederaufbauprogramm f\u00fcr Haiti zwischen 175 und 200 Milliarden Dollar kosten, also 17,5-20 Mrd. Dollar j\u00e4hrlich \u00fcber zehn Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Staatsmann und Wirtschaftswissenschaftler Lyndon LaRouche sagte in einem internationalen Internetforum am 13. M\u00e4rz 2010 \u00fcber die Priorit\u00e4ten der Entwicklung:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSchauen Sie sich den Fall [der Erdbeben] in Kalifornien an, das ist in gewissem Sinne ein vergleichbarer Fall\u2026 Schauen Sie sich die Zahl der Todesopfer, Verletzten und anderes bei den kalifornischen Beben im Vergleich zu Haiti an. Was macht den Unterschied? Die Infrastruktur!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher hatte LaRouche in einem Radiointerview am 4. M\u00e4rz 2004 \u00fcber Haiti folgendes gesagt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eMeiner Meinung nach sollte man immer vom schlimmsten Fall ausgehen, um eine Strategie festzulegen. Im eigenen Land schaut man sich die \u00e4rmste Bev\u00f6lkerungsschicht an und fragt sich: ,Wird diese Strategie f\u00fcr ihre Kinder und Enkel funktionieren?\u2018 Und wenn sie f\u00fcr die \u00c4rmsten funktioniert, dann wird sie wahrscheinlich f\u00fcr alle funktionieren. So wie Franklin Roosevelt das definiert hat: Wendet euch immer an den ,vergessenen Mann\u2018. Nehmt die Menschen, die am meisten Opfer von Ungerechtigkeit oder Vernachl\u00e4ssigung sind, und fangt dort an; und beweist, da\u00df ihr euch wirklich f\u00fcr das Allgemeinwohl der Menschen einsetzt, indem ihr zeigt, da\u00df ihr bereit seid, euch diesem Problem zu stellen. Seht dem Problem ins Auge und sprecht dar\u00fcber, wie es zu l\u00f6sen ist.\u201c<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die dramatischen Defizite der haitianischen Infrastruktur, insbesondere in den Bereichen Energie und Gesundheitswesen, nicht \u00fcberwunden werden, ist die Bev\u00f6lkerung zu einer Zukunft in Primitivit\u00e4t, Unterentwicklung und endloser Armut verurteilt. Gegenw\u00e4rtig hat dieses Land mit elf Millionen Einwohnern die h\u00f6chste Sterblichkeitsrate bei S\u00e4uglingen und Kindern unter f\u00fcnf Jahren sowie die h\u00f6chste M\u00fcttersterblichkeit in der westlichen Hemisph\u00e4re, sogar schlimmer als die vieler afrikanischer L\u00e4nder. Die Lebenserwartung liegt bei 64,3 Jahren und ist mit Abstand die niedrigste in ganz Iberoamerika. Berichten zufolge sind 40% der Arbeitskr\u00e4fte arbeitslos, aber die Realit\u00e4t ist weitaus schlimmer: 59% der Bev\u00f6lkerung verdienen weniger als 2,43 Dollar pro Tag, ein \u201eLohn\u201c, der die Mehrheit in ein Leben unterhalb des Existenzminimums getrieben hat, das menschenunw\u00fcrdig ist. Einigen schockierenden Sch\u00e4tzungen zufolge sind 80% der Bev\u00f6lkerung von Armut betroffen. Das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen berichtet, da\u00df 40% der haitianischen Bev\u00f6lkerung, 4,4 Millionen Menschen, von Ern\u00e4hrungsunsicherheit betroffen sind, wobei auch diese Zahl wahrscheinlich eher zu niedrig angesetzt ist. Im vergangenen Jahr belegte Haiti auf dem Welthunger-Index Platz 104 von 107 L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei hier vorgestellten Diagramme ausgew\u00e4hlter vergleichender physisch-\u00f6konomischer Parameter (siehe <em>Abbildungen 1a, 1b<\/em> und <em>1c<\/em>) geben eine Momentaufnahme dieser Zerst\u00f6rung. Sie basieren auf den neuesten verf\u00fcgbaren Daten (in der Regel aus der Mitte der 2010er Jahre) der Vereinten Nationen, der Weltbank und anderer multilateraler Organisationen, um konsistente Zeitreihen f\u00fcr die verglichenen L\u00e4nder darzustellen. Bei einigen Parametern wird die schreckliche Realit\u00e4t in Haiti noch deutlich untertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gef\u00fchl der Hoffnungslosigkeit, das diese Situation hervorgerufen hat, und die kriminelle Gleichg\u00fcltigkeit, die die Weltgemeinschaft \u00fcber Jahrzehnte und Jahrhunderte an den Tag gelegt hat, hatten zur Folge, da\u00df gro\u00dfe Teile der haitianischen Wirtschaft vom internationalen Drogenhandel (der von der Londoner City aus organisiert wird) und seinen kriminellen Banden \u00fcbernommen wurden. In immer neuen Fl\u00fcchtlingswellen flohen die Menschen von der Insel. Heute leben etwa zwei Millionen Haitianer im Ausland, die H\u00e4lfte davon in den USA, die andere H\u00e4lfte in L\u00e4ndern Iberoamerikas und in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p> \u00a9 EIR  <em>Abb. 1: Parameter der physischen \u00d6konomie<\/em>  <div class=\"one-third\"><\/p>\n\n\n<div id=\"attachment_80610\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-80610\" class=\"wp-image-80610 size-medium\" src=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/haiti1a-300x197.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/haiti1a-300x197.jpg 300w, https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/haiti1a.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-80610\" class=\"wp-caption-text\"><em>a) Hunger, Armut, Analphabetenrate<\/em><\/p><\/div>\n<p><\/div><br><div class=\"one-third\"><\/p>\n<div style=\"width: 308px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"fl b1\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti1b.jpg\" alt=\"\" width=\"298\" vspace=\"3\" height=\"188\"><p class=\"wp-caption-text\">b) Zugang zu Kanalisation und Elektrizit\u00e4t<\/p><\/div>\n<p><\/div><br><div class=\"one-third last\"><\/p>\n<div style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"fl b1\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti1c.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" vspace=\"3\" height=\"202\"><p class=\"wp-caption-text\">c) Ausbau der Eisenbahnen (km\/km2 Landfl\u00e4che) und Kindersterblichkeit (pro 1000 Geburten)<\/p><\/div>\n<p><\/div><div class=\"clearfix\"><\/div><\/p>\n\n\n<p>Die sanit\u00e4ren Einrichtungen in Haiti sind v\u00f6llig unzureichend, erst recht angesichts der COVID-19-Pandemie; sauberes Wasser und Abfallbehandlung sind fast nicht vorhanden. Der Aufruf der Gr\u00fcnderin und Vorsitzenden des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche, die Pandemie durch den Aufbau moderner Gesundheitssysteme in allen L\u00e4ndern der Welt zu bek\u00e4mpfen, mu\u00df in Haiti umgesetzt werden. Wie sie in einer Grundsatzrede am 8. Mai 2021 sagte: \u201eDer Aufbau eines modernen Gesundheitssystems in jedem Land kann und mu\u00df der Anfang sein, um die Unterentwicklung der Entwicklungsl\u00e4nder dauerhaft zu \u00fcberwinden.\u201c Die Armut, der Mangel an zureichender Ern\u00e4hrung und die au\u00dfer Kontrolle geratene COVID-19-Pandemie machen dies dringend erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fehlen eines angemessenen Gesundheitssystems in Verbindung mit dem Fehlen erdbebensicherer Geb\u00e4ude f\u00fchrte zu der Situation, die der UNICEF-Vertreter in Haiti, Bruno Maes, am 2. September beschrieb: \u201eDas Leben von Tausenden vom Erdbeben betroffenen Kindern und Familien ist jetzt in Gefahr, nur weil sie keinen Zugang zu sicherem Wasser, sanit\u00e4ren Einrichtungen und Hygiene haben.\u201c Unter Berufung auf UNICEF berichteten die Vereinten Nationen am selben Tag, da\u00df mehr als eine halbe Million Kinder im S\u00fcdwesten Haitis keinen Zugang zu Unterkunft, Trinkwasser und sanit\u00e4ren Einrichtungen haben und \u201ezunehmend von akuten Atemwegsinfektionen, Durchfallerkrankungen, Cholera und Malaria bedroht sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist erschreckend, da\u00df Haiti unter den 200 L\u00e4ndern der Welt den letzten Platz beim Stromverbrauch pro Kopf einnimmt und 75% seiner Energie aus Holzkohle (die durch Verbrennung von Holz gewonnen wird) bezieht, einer Technologie aus dem 16. Jahrhundert, die wirtschaftlichen Fortschritt unm\u00f6glich macht und eine gef\u00e4hrliche Umweltverschmutzung sowie ein Gesundheitsrisiko darstellt. Die installierte Stromerzeugungskapazit\u00e4t betr\u00e4gt gerade einmal 350 MW, und der durchschnittliche j\u00e4hrliche Stromverbrauch pro Kopf liegt bei 37 Kilowattstunden. Zum Vergleich: In Spanien lag der j\u00e4hrliche Pro-Kopf-Stromverbrauch im Jahr 2020 bei 5275 Kilowattstunden, mehr als 140 Mal h\u00f6her als in Haiti.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">&#8230; keine \u201enat\u00fcrlichen\u201c Katastrophen<\/h3>\n\n\n\n<p>Neoliberale Politik, \u201eStrukturanpassungen\u201c und Privatisierungsprogramme des IWF hatten Haitis Wirtschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts bereits weitgehend ruiniert. Doch das verheerende Erdbeben der St\u00e4rke 7,0 am 12. Januar 2010, bei dem 319.000 Menschen ums Leben kamen, war nochmals ein Wendepunkt. Im Oktober jenes Jahres folgte eine schreckliche \u2013 und vorhersehbare \u2013 Cholera-Epidemie, und in den Jahren danach folgten eine Reihe weiterer extremer Wetterereignisse. Zusammen versetzten sie einer schwachen Nation t\u00f6dliche Schl\u00e4ge. Als sich das Erdbeben ereignete, dessen Epizentrum Port-au-Prince war, fl\u00fcchteten fast zwei Millionen Einwohner aus der Hauptstadt und wurden obdachlos in elenden, unhygienischen Lagern zusammengepfercht, deren einziger Schutz Zelte, oft aber auch nur Planen oder Bettlaken waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach dem 12. Januar warnte Lyndon LaRouche, es werde zu einer Gesundheitskatastrophe kommen, wenn nicht sofort Ma\u00dfnahmen ergriffen w\u00fcrden, um die Obdachlosen zu evakuieren, sie in h\u00f6her gelegene Gebiete zu bringen und in Notunterk\u00fcnften unterzubringen, bevor die Regenzeit beginnt. Er forderte, das Pionierkorps der US-Armee einzusetzen, um die notwendigen Unterk\u00fcnfte und medizinischen Einrichtungen zu bauen und sauberes Wasser bereitzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>US-Pr\u00e4sident Barack Obama lehnte LaRouches Vorschl\u00e4ge ab und lie\u00df statt dessen zu, da\u00df Port-au-Prince von einem Heer gut finanzierter Nichtregierungsorganisationen (NGOs) \u00fcberflutet wurde, die mit Millionen um sich warfen, aber nichts Konkretes leisteten. Es geschah nichts, um die gef\u00e4hrlichen, erb\u00e4rmlichen Bedingungen in der Hauptstadt und anderen vom Erdbeben betroffenen St\u00e4dten zu verbessern. Armselige \u201eprovisorische\u201c Unterk\u00fcnfte wurden nach dem Beben zum jahrelangen Dauerzustand, und der Choleraausbruch im Oktober des Jahres war vorprogrammiert. Selbst heute noch sind in einigen Gebieten am Stadtrand von Port-au-Prince die nach dem Erdbeben von 2010 errichteten \u201eprovisorischen\u201c Lager dauerhafte Gemeinschaften, darunter die urspr\u00fcnglichen Zelte f\u00fcr die Opfer und andere aus Ziegelsteinen und allerlei minderwertigen Materialien zusammengebastelte \u201eH\u00e4user\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erdbeben, das Haiti am 14. August dieses Jahres ersch\u00fctterte und dessen Epizentrum 150 km westlich von Port-au-Prince nahe der Stadt Petit-Trou-de-Nippes lag, richtete in dem Land, das sich nie von der Katastrophe von 2010 erholt hatte, erneut enorme Zerst\u00f6rungen an. Haiti hatte keine Technologien zum Erdbebenschutz oder irgendwelche andere Hilfe erhalten, um sich mit modernen Methoden von dem Erdbeben von 2010 zu erholen.<\/p>\n\n\n\n<p>So folgte auf diese Katastrophe die durch das El-Ni\u00f1o-Ph\u00e4nomen verursachte D\u00fcrre von 2015 bis 2017, die den mangels Mechanisierung und Bew\u00e4sserung ohnehin schwachen Landwirtschaftssektor ausl\u00f6schte und in einigen Landesteilen Ernteverluste bis zu 70% verursachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 2016 w\u00fctete der Hurrikan Matthew im S\u00fcdwesten Haitis und zerst\u00f6rte rund 200.000 H\u00e4user teilweise oder vollst\u00e4ndig, so da\u00df 1,4 Millionen Menschen humanit\u00e4re Hilfe ben\u00f6tigten. In zwei der zehn haitianischen Departements, Grand`Anse und Sud, wurde die Ernte fast vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt, was die bestehende Nahrungsmittelknappheit erheblich versch\u00e4rfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der endg\u00fcltige Schlag kam im Februar 2018, als der IWF strategisch intervenierte, um die Wirtschaft gezielt zu zerst\u00f6ren, indem er ein mageres Paket von 96 Millionen Dollar an zinsg\u00fcnstigen Darlehen und Zusch\u00fcssen unter der Bedingung anbot, da\u00df die Regierung die Treibstoffsubventionen k\u00fcrzte. Als die Regierung im Juli dieser Forderung nachkam, scho\u00df der Benzinpreis f\u00fcr den Durchschnittsb\u00fcrger um 38% in die H\u00f6he und lag mit 4,60 Dollar pro Gallone sogar \u00fcber dem Preis in den Vereinigten Staaten. Der Preis f\u00fcr Dieselkraftstoff stieg um 47%, der f\u00fcr Kerosin um 51%. Die Folge waren verbreitete und oft gewaltt\u00e4tige Stra\u00dfendemonstrationen.<\/p>\n\n\n\n<p>So war das Land nicht in der Lage, sich gegen das Erdbeben vom 14. August 2021 zu wehren, bei dem nach Regierungsangaben mehr als 2200 Menschen starben und mehr als 300 vermi\u00dft werden, die vermutlich unter Tr\u00fcmmern begraben sind. Mehr als 12.000 Menschen wurden verletzt, und sch\u00e4tzungsweise 600.000 Menschen ben\u00f6tigen humanit\u00e4re Hilfe; mehr als 50.000 H\u00e4user sind v\u00f6llig zerst\u00f6rt und weitere 77.000 besch\u00e4digt, insgesamt also 127.000. Seit Jahrzehnten werden H\u00e4user in Haiti nicht vorschriftsm\u00e4\u00dfig gebaut, weil Bauherren die Kosten f\u00fcr so wichtige, aber teure Materialien wie Zement scheuen. Daher waren die H\u00e4user nicht erdbebensicher, und viele dieser schlampig gebauten H\u00e4user st\u00fcrzten innerhalb von Minuten unter einer Staubwolke ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei kann eine moderne Infrastruktur und grundlegende wirtschaftliche Entwicklung die schlimmsten Folgen von St\u00fcrmen, Erdbeben und D\u00fcrren zu fast 95% oder mehr beseitigen oder abmildern. Japan zum Beispiel hat gro\u00dfe Summen in die Erdbebenvorsorge investiert und die Forschung dazu vorangetrieben. Von den 14 oder 15 bekannten tektonischen Platten der Welt laufen vier in Japan zusammen, wo es \u00fcber 2000 aktive Verwerfungen gibt; jedes Jahr ereignen sich mehrere Erdbeben, doch meistens mit geringen Folgen. Japans Geheimnis: Grundlagenforschung und Investitionen in die Infrastruktur \u2013 was sich im Falle Haitis leicht wiederholen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftliche Soforthilfe ist der einzige Weg, um chronische Armut, Unterern\u00e4hrung und Krankheiten zu beenden und den Haitianern die Chance zu bieten, ihre sch\u00f6pferischen F\u00e4higkeiten zu entfalten, um ihre Wirtschaft auf eine h\u00f6here Entwicklungsstufe zu heben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein grundlegendes chinesisches Projekt<\/h3>\n\n\n\n<p>Chinas Engagement ist von zentraler Bedeutung f\u00fcr ein haitianisches und regionales Wiederaufbau- und Entwicklungsprogramm, das zwangsl\u00e4ufig die Dominikanische Republik, die sich die Insel Hispaniola mit Haiti teilt, und die anderen Nationen des Karibischen Beckens und Mittelamerikas einbeziehen mu\u00df, die gemeinsam als Teil der Weltlandbr\u00fccke fungieren werden. Wie China mit den vielen Projekten, die es im Rahmen seiner G\u00fcrtel- und Stra\u00dfeninitiative (BRI) in anderen Teilen der Welt finanziert, bewiesen hat, verf\u00fcgt es \u00fcber die finanziellen Mittel, das technologische Know-how und vor allem den Willen, die gewaltigen Herausforderungen von Situationen wie der auf Haiti zu bew\u00e4ltigen \u2013 \u00e4hnlich dem, was China in Afrika unternimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Haiti Chinas diplomatischen Status \u00e4ndert, kann China sofort mit bereits fertig geplanten Projekten beginnen, um in Port-au-Prince die Kanalisation, die Wasser- und Abwasseraufbereitung, das Verkehrsnetz und moderne Wohnungen komplett neu aufzubauen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 SMEDRIC\/Bati Ayiti Video<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti2.jpg\"> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Abb. 2: Komponente des SMEDRIC-Entwicklungsplans: Bau von Abwasserkan\u00e4len und einer Kl\u00e4ranlage f\u00fcr 180.000 m<sup>3<\/sup> Abwasser t\u00e4glich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti3.jpg\"><br><em>Abb. 3: Komponente des SMEDRIC-Entwicklungsplans: Bau einer Wasseraufbereitungsanlage f\u00fcr 225.000m<sup>3<\/sup> Trinkwasser t\u00e4glich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti4.jpg\"><br><em>Abb. 4: Komponente des SMEDRIC-Entwicklungsplans: Stra\u00dfen und Eisenbahnen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti5.jpg\"><br><em>Abb. 5: Komponente des SMEDRIC-Entwicklungsplans: Regenwassersammlung und -ableitung. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti6.jpg\"><br><em>Abb. 6: Komponente des SMEDRIC-Entwicklungsplans: Stromerzeugung und -verteilung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im August 2017 haben zwei chinesische Unternehmen \u2013 das Southwest Municipal Engineering and Design Research Institute of China (SMEDRIC) und die Metallurgical Corporation of China (MCC) \u2013 eine Reihe detaillierter Projekte im Wert von 4,7 Mrd. Dollar f\u00fcr den Wiederaufbau der Hauptstadt und ihrer Umgebung vorgeschlagen. Bei der Ver\u00f6ffentlichung seines Vorschlags und in einem dazu produzierten kurzen Video wies das Unternehmen SMEDRIC darauf hin, da\u00df diese Projekte f\u00fcr Haitis Hauptstadt Teil eines umfassenderen 30-Milliarden-Dollar-Vorschlags f\u00fcr das gesamte Land seien. Einem <em>Telesur<\/em>-Artikel vom 1. September 2017 zufolge entstand die Idee f\u00fcr diese Reihe von Projekten auf dem BRI-Gipfeltreffen vom 14.-15. Mai 2017 in Peking. Kurz darauf unternahm eine chinesische Delegation einen achtt\u00e4gigen Planungsbesuch in Haiti und traf sich mit lokalen Beamten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorschl\u00e4ge von SMEDRIC f\u00fcr Port-au-Prince sind beeindruckend, wie die folgenden Grafiken veranschaulichen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Bau einer neuen Kl\u00e4ranlage in Port-au-Prince, die 180.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag behandeln kann (siehe <em>Abbildung 2<\/em>). Die Kl\u00e4ranlage wird nach dem dreistufigen Prinzip von Vorbehandlung, Erstbehandlung und biologischer Zweitbehandlung arbeiten. Bisher gibt es in der Stadt, in deren Gro\u00dfraum mehr als drei Millionen Menschen leben, keine einzige Kl\u00e4ranlage. Weder in Port-au-Prince noch in anderen haitianischen St\u00e4dten gibt es eine zentrale Kanalisation.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Bau einer Wasseraufbereitungsanlage, die 225.000 Kubikmeter pro Tag zu sicherem und reinem Trinkwasser aufbereiten kann (siehe <em>Abbildung 3<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Installation von 450 \u00f6ffentlichen Toiletten, drei pro km\u00b2, Einrichtung einer geordneten M\u00fcllabfuhr und Bau einer M\u00fclldeponie, die 1500 Tonnen pro Tag aufnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Wie in dem Kurzvideo von SMEDRIC dargestellt wird, ist ein weiterer Teil des Plans \u201eStra\u00dfenbau, wie z.B. Aus- und Wiederaufbau, Verbreiterung, Sanierung und Verkehrseinrichtungen. Der Bereich umfa\u00dft zw\u00f6lf Hauptstra\u00dfen mit begleitenden Einrichtungen mit einer Gesamtl\u00e4nge von 100 km, wobei die Stra\u00dfenentw\u00e4sserung ein wichtiger Bestandteil der Arbeiten ist.\u201c Hundert Kilometer m\u00f6gen nicht viel erscheinen, aber wenn es sie in und um Port-au-Prince gibt, mit Entw\u00e4sserung und verbreitert, ist das sehr wichtig (siehe <em>Abbildung 4<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; In einer Reihe von Pl\u00e4nen wird der Bau von Entw\u00e4sserungsanlagen vorgeschlagen, die \u00dcberschwemmungen bei \u201e100- und 50-j\u00e4hrlichen Hochwassern\u201c verhindern k\u00f6nnen, d.h. \u00dcberflutungen, die als solche eingestuft werden, weil sie so au\u00dfergew\u00f6hnlich sind und so viel Wasser ansammeln, da\u00df sie nur einmal in 100 oder 50 Jahren auftreten. Das Regenwasser wird in Rohren aufgefangen und in die Fl\u00fcsse und das Meer abgeleitet. Dies ist ein erster wichtiger Schritt zur Eind\u00e4mmung von \u00dcberschwemmungen, insbesondere angesichts der Tatsache, da\u00df Port-au-Prince in einem extrem gef\u00e4hrdeten \u00dcberschwemmungsgebiet liegt (siehe <em>Abbildung 5<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Bau eines 600-Megawatt-Erdgaskraftwerks, das auf 2000 Megawatt erweitert werden kann (siehe <em>Abbildung 6<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Bau eines neuen Rathauses als zentrales Wahrzeichen im Rahmen des Wiederaufbaus der Altstadt von Port-au-Prince.<\/p>\n\n\n\n<p>Der B\u00fcrgermeister von Port-au-Prince, Ralph Youri Chevery, bef\u00fcrwortete den Plan in einem Schreiben vom 25. August 2017 an Xie Yong Jian, Berater des Southwest Municipal Engineering Design and Research Institute of China, enthusiastisch: \u201eWir freuen uns, den Vorschlag f\u00fcr die Bauplanung des Port-au-Prince Municipal Renovation Project zu akzeptieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zur gleichen Zeit, als SMEDRIC seine Vorschl\u00e4ge machte, ver\u00f6ffentlichte das haitianische Ingenieurb\u00fcro Bati Ayiti, das mit der Metallurgical Corporation of China (MCC) zusammenarbeitet, eine eigene Brosch\u00fcre mit dem Titel \u201eEin Infrastrukturprojekt f\u00fcr Haiti in Zusammenarbeit mit der Metallurgical Corporation of China\u201c. Sie enthielt diese zus\u00e4tzliche Information: \u201eDer chinesische Staat und weitere chinesische Privatinvestoren streben ein Investitionsziel von 30 bis 70 Milliarden Dollar in Haiti und bis zu 100 Milliarden Dollar auf dem karibischen Markt an, mit dem Ziel, Haiti in den n\u00e4chsten zehn Jahren zu einem wichtigen Entwicklungszentrum zu machen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese wundervollen Vorschl\u00e4ge, deren Umsetzung den Proze\u00df der v\u00f6lligen Verwandlung von Port-au-Prince und dem ganzen Land eingeleitet h\u00e4tte, sind nie \u00fcber das Planungsstadium hinausgekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiller-Institut erfuhr damals, da\u00df der Internationale W\u00e4hrungsfonds und die damit verbundenen Wall-Street-Interessen Druck auf Haiti aus\u00fcbten, die Vorschl\u00e4ge abzulehnen. Die US-Regierung und ihr Au\u00dfenministerium, die bereits nerv\u00f6s waren, weil Panama nur zwei Monate zuvor, am 13. Juni, mit Taiwan gebrochen hatte, wollten keinen Plan tolerieren, f\u00fcr den Haiti mit Taiwan brechen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Eisenbahnlinie Haiti-Dominikanische Republik<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein Vorschlag der China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) f\u00fcr den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik erweitert die Diskussion \u00fcber die Umgestaltung Haitis mit chinesischer Hilfe um eine weitere Dimension. Am 20. Februar 2018 ver\u00f6ffentlichte die haitianische Online-Publikation <em>Hougansydney.com<\/em> einen Artikel mit dem Titel \u201eProjekt zum Bau einer internationalen Eisenbahnlinie zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik, das dem [dominikanischen] Pr\u00e4sidenten Danilo Medina vorgeschlagen wurde\u201c. Darin wird der Vorschlag des Dominikanischen Regionalen Entwicklungsrats (CRD) aus der Region Cibao an Medina beschrieben, eine Bahnstrecke zu bauen, die im S\u00fcdosten des Landes in der Hafenstadt Haina beginnt, gegen den Uhrzeigersinn verlaufend die Hafenst\u00e4dte miteinander verbindet und durch den Norden der Dominikanischen Republik f\u00fchrt, bis \u201edie Reise in Haiti endet\u201c. Damit dies funktioniert, mu\u00df es in Haiti eine Eisenbahn geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorschlag ist nicht neu, er wird seit Jahren diskutiert und geht bereits auf das Jahr 2008 zur\u00fcck. Aber nachdem die dominikanische Regierung am 1. Mai 2018 bekannt gegeben hatte, da\u00df sie mit Taiwan gebrochen und diplomatische Beziehungen zu Peking aufgenommen hatte, legten der CRD und die China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) im September desselben Jahres Medina einen offiziellen Vorschlag f\u00fcr den Bau einer internationalen Eisenbahnlinie vor. Sie sollte von der CCECC finanziert werden und die Dominikanische Republik mit Haiti verbinden; der Vorschlag umfa\u00dfte auch mehrere gro\u00dfe Infrastrukturprojekte, die in der Dominikanischen Republik gebaut werden sollten. Laut einem Bericht von <em>BNamericas<\/em> hat der CRD den Vorschlag im Mai 2021 wieder aufgegriffen, aber Quellen in der Dominikanischen Republik zufolge hat der derzeitige Pr\u00e4sident Luis Abinader, der seit seinem Amtsantritt im August 2020 von den USA unter Druck gesetzt wird, sich von China zu distanzieren, den Vorschlag nicht weiter verfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Da derartige Projekte stets von Chinas Nationaler Entwicklungs- und Reformkommission (der alten F\u00fcnfjahresplanbeh\u00f6rde) gepr\u00fcft und genehmigt werden, kann man davon ausgehen, da\u00df die Regierung den Plan f\u00fcr wichtig h\u00e4lt. Die von der Metallurgical Corporation of China genannte Investitionssumme von 30-70 Mrd. Dollar in Haiti entspricht den geplanten Investitionen f\u00fcr den gesamten strategischen China-Pakistan-Wirtschaftskorridor (CPEC), die sich auf 62 Mrd. Dollar belaufen. Das deutet darauf hin, da\u00df es den Chinesen ernst damit ist, Haiti \u201ein den n\u00e4chsten 10 Jahren zu einem wichtigen Entwicklungszentrum\u201c in der Karibik zu machen, wobei dies immer auchMittelamerika einschlie\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 EIR<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images24\/haiti7.jpg\"> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Abb. 7: Vorgeschlagene Projekte f\u00fcr eine Belt &amp; Road-Initiative in Mittelamerika und der Karibik.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pl\u00e4ne w\u00fcrden dann in eine Reihe von Vorschl\u00e4gen f\u00fcr die Seidenstra\u00dfe zu Lande und zu Wasser integriert. Sie w\u00e4ren verbunden mit dem erweiterten Panamakanal, dem vorgeschlagenen Gro\u00dfen Interozeanischen Kanal in Nikaragua, dem Bau einer Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnlinie durch die Darien-L\u00fccke, dem Bau einer bi-ozeanischen, transkontinentalen Eisenbahn (eine der Strecken w\u00fcrde im brasilianischen Hafen Santos am Atlantischen Ozean beginnen und Bolivien bis zum peruanischen Callao-Distrikt am Pazifischen Ozean durchqueren) sowie weiteren Projekten im Zusammenhang mit der Weltlandbr\u00fccke. China hat f\u00fcr mehrere dieser Projekte Entw\u00fcrfe entwickelt und die Finanzierung angeboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein neuer Tiefwasserhafen in Fort Libert\u00e9 an der Nordk\u00fcste Haitis wird zusammen mit \u00e4hnlichen Projekten in Ponce (Puerto Rico) und Mariel (Kuba) als Teil der Maritimen Seidenstra\u00dfe einen wichtigen Umschlagplatz f\u00fcr den weiteren Frachttransit zur Golf- und Atlantikk\u00fcste der USA bilden (siehe <em>Abbildung 7<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 Zweiter Teil \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden werden acht grundlegende Bereiche der Infrastruktur, Industrie und Landwirtschaft aufgef\u00fchrt, die den Kern der haitianischen Wirtschaft bilden. F\u00fcr jeden Bereich wird dargestellt, welche M\u00f6glichkeiten und Probleme bestehen und welche L\u00f6sungen im Rahmen eines Entwicklungsplans empfohlen werden.<em><br>1. Energie und Elektrizit\u00e4t,<br>2. ein universelles Gesundheitssystem,<br>3. Hunger und Landwirtschaft,<br>4. Eisenbahnen und Stra\u00dfen,<br>5. Flug- und Seeh\u00e4fen,<br>6. sanit\u00e4re Einrichtungen und Wasseraufbereitung,<br>7. Industrie und Arbeitskr\u00e4fte,<br>8. Bildung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I. Energie und Elektrizit\u00e4t<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Existenz der Menschheit beruht auf der Erh\u00f6hung der Energieflu\u00dfdichte. Die Einf\u00fchrung der Elektrizit\u00e4t schuf ein neues, h\u00f6heres Niveau der Energieflu\u00dfdichte, einen neuen Technologiesprung. Eine Wirtschaft, die \u00fcber eine reichliche Stromversorgung verf\u00fcgt, kann eine h\u00f6here Plattform der physischen Wirtschaft einf\u00fchren, mit f\u00fcnfachsigen Werkzeugmaschinen, elektrifizierten Hochgeschwindigkeitsbahnen, Supraleitung, Lasern und koh\u00e4renten Energiestrahlen, \u00fcberregionaler Kommunikation, Magnetresonanztomographie, Computertomographie etc. Derzeit verf\u00fcgt Haiti \u00fcber keine zuverl\u00e4ssige Energiequelle, und das wenige, was es hat, gr\u00f6\u00dftenteils aus Holzkohle, ist primitiv, stellt eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung dar und ist gef\u00e4hrlich. Das ist charakteristisch f\u00fcr die feudalen Zust\u00e4nde, in denen Haiti seit dem 16. Jahrhundert von der City und der Wall Street gehalten wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 USAID<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiller-institut.de\/seiten\/2021\/haiti3\/haiti8.jpg\"><br><em>Abb. 8: Da es in Haiti keine einheimischen Kohle-, \u00d6l- oder Erdgasvorkommen gibt, und auch keine Mittel vorhanden sind, sie zu importieren, ist Holzkohle \u2013 hier in S\u00e4cken abgef\u00fcllt \u2013 die Hauptenergiequelle.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa 25 Jahren mu\u00dfte Haiti sich mangels Strom noch mehr auf Holzkohle als Hauptenergiequelle einstellen (<em>Abbildung 8<\/em>). Im USAID-Bericht <em>Strategic Framework<\/em> vom 23. Dezember 2020 hei\u00dft es, da\u00df die meisten Haushalte im l\u00e4ndlichen Haiti keinen Zugang zu Energie haben und deshalb Brennholz verwenden, wof\u00fcr W\u00e4lder abgeholzt werden. In Port-au-Prince und anderen Gro\u00dfst\u00e4dten verwenden fast 90% der Haushalte Holzkohle. Nur 30% der Fl\u00e4che Haitis sind noch von W\u00e4ldern bedeckt. Dagegen beschrieb Frederick Douglass am 2. Januar 1893 noch ein gr\u00fcnes Haiti: \u201eDie tropische Hitze und die Feuchtigkeit der Insel halten die Vegetation das ganze Jahr \u00fcber frisch, gr\u00fcn und kr\u00e4ftig. In einer H\u00f6he von achttausend Fu\u00df sind seine Berge noch immer mit W\u00e4ldern von gro\u00dfer Vielfalt und gro\u00dfem Wert bedeckt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Haiti nicht geholfen wird, aus diesem Gef\u00e4ngnis auszubrechen, wird alle Hilfe der Welt nichts n\u00fctzen; das Land wird sich nie weiterentwickeln, und seine Bev\u00f6lkerung wird nie wachsen. Um Haiti auf das Niveau des j\u00e4hrlichen Pro-Kopf-Stromverbrauchs eines Landes wie Spanien zu bringen, mu\u00df die installierte Stromerzeugungskapazit\u00e4t von derzeit 350 Megawatt um das 75fache auf etwa 27 Gigawatt erh\u00f6ht werden \u2013 von anderen relevanten Faktoren einmal abgesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies kann in zwei Stufen geschehen. Die H\u00e4lfte der ben\u00f6tigten Erzeugungskapazit\u00e4t, 13,5 Gigawatt, kann Haiti in den n\u00e4chsten zehn Jahren erreichen. Dies wird aus einer Mischung aus Kernkraft (einschlie\u00dflich schwimmender Anlagen), sauberer Kohle und Erdgas bestehen. Die Gr\u00f6\u00dfe der Anlagen wird zwischen 100 und 1000 Megawatt liegen. Dar\u00fcber hinaus kann die Stromerzeugungskapazit\u00e4t aus Wasserkraft, einschlie\u00dflich der 54 MW des P\u00e9ligre-Damms und neuer D\u00e4mme, um das Dreifache erh\u00f6ht werden. Diese verst\u00e4rkte Elektrifizierung wird die Blockade bei der Stromversorgung von H\u00e4usern und Krankenh\u00e4usern, Wasseraufbereitung, Wirtschaft und Industrie, Landwirtschaft und Transportwesen durchbrechen und das t\u00e4gliche Leben aller Haitianer grundlegend ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II. Ein universelles Gesundheitsversorgungssystem<\/h3>\n\n\n\n<p>Haiti braucht dringend ein modernes Gesundheitssystem, so wie es die Gr\u00fcnderin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, f\u00fcr die ganze Welt vorgeschlagen hat. In ihrer Grundsatzrede auf einer Konferenz des Schiller-Instituts am 8. Mai 2021 warnte Zepp-LaRouche angesichts der COVID-19-Pandemie:<\/p>\n\n\n<p><blockquote>\u201eDer einzige Weg, diese und k\u00fcnftige Pandemien zu stoppen, ist die Schaffung eines Weltgesundheitssystems, d.h. eines modernen Gesundheitssystems <i>in jedem einzelnen Land<\/i>. Denn wenn man die Pandemie selbst im \u00e4rmsten Land der Erde nicht aufh\u00e4lt, wird sie wiederkommen; es wird neue Varianten, neue St\u00e4mme geben, die schlie\u00dflich die bereits verteilten Impfstoffe obsolet machen k\u00f6nnten. Wir befinden uns also in einem Wettlauf mit der Zeit.\u201c<\/blockquote><\/p>\n\n<p>Zepp-LaRouche betonte, alle L\u00e4nder sollten die Mittel haben, zu tun, \u201ewas in Wuhan getan wurde, als die Pandemie ausbrach. Krankenh\u00e4user bauen! Man kann das mit dem Pionierkorps der Armee und Hilfsorganisationen machen. In einer Woche kann man ein Krankenhaus f\u00fcr tausend Menschen bauen. Dann brauchen diese modernen Krankenh\u00e4user gut ausgebildete \u00c4rzte und Krankenschwestern. Man braucht viel sauberes Wasser \u2013 zwei Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Man braucht viel Strom. Ohne Infrastruktur geht es nicht. Der Aufbau eines modernen Gesundheitssystems in jedem Land kann und mu\u00df also der Anfang sein, um die Unterentwicklung der Entwicklungsl\u00e4nder endg\u00fcltig zu \u00fcberwinden.\u201c<\/p>\n\n\n<p>Am 18. August, vier Tage nach dem Erdbeben, berichtete die Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation, Dr. Carissa Etienne, da\u00df in den drei vom Erdbeben am st\u00e4rksten betroffenen Departements 24 Gesundheitseinrichtungen zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt wurden. Sie forderte die internationale Gemeinschaft auf, sofort zu reagieren, um Haitis \u201eimmensen Bedarf\u201c an medizinischem Personal, Versorgungsg\u00fctern, Ausr\u00fcstung, Patiententransporten u.a.m. zu decken, damit die Gesundheitsversorgung in den betroffenen Gebieten wiederhergestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wies auch auf den dringenden Bedarf an COVID-19-Impfstoffen hin. Bislang sind weniger als 1% der 11,25 Millionen Einwohner Haitis geimpft worden, und \u00fcber die COVAX-Einrichtung, die Impfstoffe f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder bereitstellt, sind nur 500.000 Dosen des Impfstoffs eingetroffen. Die offizielle Zahl der COVID-19-F\u00e4lle ist niedrig, aber dabei handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um eine Untersch\u00e4tzung. Das Schiller-Institut fordert, Haiti 14 Millionen Impfdosen zur Verf\u00fcgung zu stellen, um die Impfquote schnell auf 60% zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Intensivstationen in Haiti sind kaum in der Lage, COVID-19-F\u00e4lle oder andere Notf\u00e4lle zu behandeln. Laut einer Studie, <em>Critical Care Capacity in Haiti: A Nation-wide Cross-sectional Survey<\/em> (Intensivbehandlungskapazit\u00e4ten: Eine landesweite Querschnittserhebung), die am 23. Juni 2019 in der Fachzeitschrift <em>Plos One<\/em> erschien, verf\u00fcgt Haiti landesweit nur \u00fcber 124 Betten f\u00fcr Intensivbehandlungen und weitere 53 Betten f\u00fcr schwerkranke Patienten, die meisten davon in Notaufnahmen. Der Mangel an medizinischem Personal und Krankenhausbetten ist erschreckend. In Haiti kommen 0,25 \u00c4rzte auf 1000 Einwohner, ein Zehntel des US-Niveaus von 2,3 \u00c4rzten pro 1000 Einwohner. Es gibt 0,11 Krankenschwestern pro 1000 Einwohner, ein Hundertstel des US-Niveaus von 11,7 Krankenschwestern pro 1000 Einwohner, was an sich schon unzureichend ist. Im ganzen Land gibt es 7982 Krankenhausbetten, das sind 0,71 Betten pro 1000 Einwohner.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Standard, den man in Haiti erreichen sollte, liegt bei etwa vier Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner in jeder Gemeinde. Das war die Vorgabe des modellhaften US-amerikanischen Hill-Burton-Gesetzes (Hospital Survey and Construction Act) aus dem Jahr 1946, welches vorgab, da\u00df die Gesundheitsbeh\u00f6rden auf der Grundlage moderner medizinischer Standards und der verf\u00fcgbaren Transportmittel festlegen, wie viele Betten pro 1000 Einwohner in den einzelnen Regionen ben\u00f6tigt werden. Moderne medizinische Einrichtungen und angemessenes Personal werden \u2013 zusammen mit modernen sanit\u00e4ren Einrichtungen und angemessener Ern\u00e4hrung \u2013 dazu beitragen, Haitis Kinder- und M\u00fcttersterblichkeit zu senken, die die h\u00f6chste in der westlichen Hemisph\u00e4re ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret bedeutet dies, da\u00df Haiti in den n\u00e4chsten acht Jahren \u2013 vor allem mit Unterst\u00fctzung der Vereinigten Staaten und Chinas \u2013 185 neue moderne Krankenh\u00e4user mit 47.000 neuen Betten bauen mu\u00df. Die Besch\u00e4ftigung von Bauarbeitern sowie von medizinischem und technischem Personal f\u00fcr den Bau und Betrieb der Krankenh\u00e4user wird 100.000 Menschen Arbeitspl\u00e4tze mit steigenden Qualifikationsniveaus bieten. Der Bau von Krankenh\u00e4usern wird dezentralisiert, so da\u00df in jedem der neun anderen Departements au\u00dfer dem Departement Ouest (West), in dem Port-au-Prince liegt und sich heute die H\u00e4lfte aller bestehenden Krankenh\u00e4user des Landes befinden, ein Krankenhaus mit 500-700 Betten gebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem braucht Haiti mindestens 50 MRT-, 50 CT- und 200 R\u00f6ntgenger\u00e4te f\u00fcr Diagnosezwecke und gr\u00fcndliche Untersuchungen. Es m\u00fcssen medizinische Fakult\u00e4ten eingerichtet werden, um die Zahl der \u00c4rzte von derzeit 2800 auf 20.000 und die Zahl der Krankenschwestern von derzeit 1200 auf 100.000 zu erh\u00f6hen. Die haitianische Diaspora in den USA und anderswo, die \u00fcber ein relativ h\u00f6heres Qualifikationsniveau als die einheimische Bev\u00f6lkerung verf\u00fcgt, mu\u00df ermutigt werden, zur\u00fcckzukehren und in diesem Bereich \u2013 wie auch in anderen \u2013 zu helfen (siehe unten in Abschnitt VII. Industrie und Arbeitskr\u00e4fte).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III. Hunger und Landwirtschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) stuft 4,4 Millionen Haitianer, d.h. 42% der Bev\u00f6lkerung, als \u201eern\u00e4hrungsunsicher\u201c ein, sie sind dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Bei einer Reise nach Haiti am 16. September berichtete WFP-Direktor David Beasley, da\u00df \u00fcber vier Millionen Menschen in dem Land \u201eauf dem Weg zum Hunger sind, und bei einer Million davon klopft der Hungertod die T\u00fcr\u201c. Aus dem Dorf Manich twitterte er: \u201eVier F\u00fcnftel der Menschen in diesem Dorf ben\u00f6tigen <em>jetzt<\/em> Zugang zu Nahrung, Unterkunft und medizinischer Versorgung. Ich spreche hier von den elementarsten Bed\u00fcrfnissen. Diese Familien hatten Gl\u00fcck, da\u00df sie es lebendig heraus geschafft haben. Jetzt brauchen sie unsere Hilfe.\u201c Das Erdbeben hat die schwere Krise der Ern\u00e4hrungssicherheit, die Haiti schon seit Jahren heimsucht, weiter versch\u00e4rft, indem es Ernten und Viehbest\u00e4nde vernichtete, M\u00e4rkte dem Erdboden gleichmachte und Wasserl\u00e4ufe, die als Trinkwasserquelle genutzt worden waren, verseuchte.<\/p>\n\n\n\n<p>Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Haitianer. Im Jahr 1985 belief sich die einheimische Reisproduktion Haitis auf 163.296 Tonnen, zus\u00e4tzlich wurden 7337 Tonnen aus den USA importiert, also insgesamt 170.663 Tonnen. Die einheimische Produktion deckte 96% des Verbrauchs ab, so da\u00df Haiti beim Reisverbrauch autark war \u2013 wenn auch auf einem erb\u00e4rmlich niedrigen Niveau. Doch in den 80er und 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends \u00e4nderte sich die Situation dramatisch durch politische und wirtschaftliche Manipulationen der US-Regierung und die m\u00f6rderischen \u201eStrukturanpassungsprogramme\u201c (SAP) des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF). 1984 setzte US-Pr\u00e4sident Ronald Reagan eine Freihandelsinitiative f\u00fcr das Karibische Becken durch, wodurch Haiti \u201ein den Weltmarkt integriert\u201c und bedr\u00e4ngt wurde, 30% seiner einheimischen Nahrungsmittelproduktion auf Exportkulturen umzustellen. Zwei Jahre sp\u00e4ter akzeptierte die damals herrschende Milit\u00e4rjunta unter General Henri Namphy einen IWF-Kredit \u00fcber 24,6 Mio. Dollar, der an die Bedingung gekn\u00fcpft war, da\u00df er einwilligte, die Reisz\u00f6lle von 150% auf 50% zu senken \u2013 die niedrigste Rate in der Karibik. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 UN\/Sophia Paris<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiller-institut.de\/seiten\/2021\/haiti3\/haiti9.jpg\"><br><em>Abb. 9: Da moderne landwirtschaftliche Techniken und Ger\u00e4te unerschwinglich sind, h\u00e4ngt Haitis Bev\u00f6lkerung von den Nahrungsmittellieferungen solcher Einrichtungen wie dem Weltern\u00e4hrungsprogramm und der franz\u00f6sischen Agentur f\u00fcr technische Zusammenarbeit und Entwicklung ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 NASA\/JPL\/NGA<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiller-institut.de\/seiten\/2021\/haiti3\/haiti10.jpg\"><br><em>Abb. 10: Topographische Karte der Insel Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alle haitianischen H\u00e4fen wurden f\u00fcr den internationalen Handel ge\u00f6ffnet, und die wenigen Preisst\u00fctzungen, die den Landwirten noch verblieben waren, wurden abgeschafft. In den darauffolgenden Jahren kam es zu wiederholten Sparauflagen des IWF, einem Wirtschaftsembargo der USA und einer Invasion, und 1994 wurden die Z\u00f6lle auf Reisimporte von 35% auf 3% gesenkt, was Haiti zur \u201eoffensten Wirtschaft\u201c in der gesamten Karibik machte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums f\u00fcr den Zeitraum Juli 2020 bis Juni 2021 geht davon aus, da\u00df Haiti 75.000 Tonnen Reis im Inland produziert und 495.000 Tonnen importiert (90% davon aus den USA), was den Selbstversorgungsgrad auf alptraumhafte 13% senkt (<em>Abbildung<\/em> 9)! Seit 1985 ist die einheimische Reiserzeugung in Haiti um 55% geschrumpft. Das landwirtschaftliche Einkommen brach ein; viele Bauern wurden von ihrem Land vertrieben und landeten oft in der sogenannten \u201eSchattenwirtschaft\u201c, darunter der m\u00f6rderische Drogenhandel. Die Folgen dieses \u201eFreihandels\u201c britisch-imperialer Art griffen immer weiter um sich, so da\u00df heute 40-50% oder noch mehr der haitianischen Ern\u00e4hrung, darunter Weizen und Gefl\u00fcgel, aus Importen stammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit Haiti gen\u00fcgend Nahrungsmittel f\u00fcr die eigene Bev\u00f6lkerung und eventuell auch f\u00fcr den Export erzeugen kann, braucht es Zugang zu modernen landwirtschaftlichen Methoden, auch f\u00fcr die f\u00fcnf Gebirgsketten, die 70% seines Territoriums durchziehen und auf denen einige Nahrungsmittel produziert werden \u2013 wenn auch ineffizient (siehe <em>Abbildung 10<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erzeuger m\u00fcssen in die Lage versetzt werden, Probleme wie die Bodenerosion in den Griff zu bekommen, die zum Teil durch die weitverbreitete Verwendung von Holzkohle verursacht wird, was zum Abholzen der W\u00e4lder und Verlust des Mutterbodens bei Regenf\u00e4llen f\u00fchrt. Den Landwirten fehlt es an Investitionsg\u00fctern wie Traktoren und anderen Landmaschinen, und sie haben kaum Zugang zu Kapital. Es gibt so gut wie keine Bew\u00e4sserung; von Haitis 16.000 km<sup>2<\/sup> landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4che sind nur 970 km<sup>2<\/sup>, ganze 6%, f\u00fcr die Bew\u00e4sserung ausger\u00fcstet. Die Ernteertr\u00e4ge und die Produktivit\u00e4t in der Landwirtschaft sind extrem niedrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei verf\u00fcgt das Land \u00fcber ein gro\u00dfes agro-klimatisches Potential, denn es k\u00f6nnen sowohl tropische als auch gem\u00e4\u00dfigte Pflanzen und B\u00e4ume angebaut werden; es gibt gute Niederschl\u00e4ge und zwei Wachstumsperioden. Mit gutem D\u00fcnger, Saatgut, landwirtschaftlichen Ger\u00e4ten, zeitlich abgestimmter Bew\u00e4sserung usw. lassen sich die Ertr\u00e4ge f\u00fcr die m\u00f6glichen Kulturen erheblich steigern: Reis, Mais, Sorghum (Hirse), Zuckerrohr und eine breite Palette von Obst und Gem\u00fcse (z.B. Mangos) sowie Spezialit\u00e4ten wie Kaffee, Sisal und Gew\u00fcrzkr\u00e4uter. Auch die Wiederaufforstung mu\u00df vorangetrieben werden, indem alle Arten von B\u00e4umen, von Kiefern bis hin zu Obstb\u00e4umen, die in den richtigen H\u00f6henlagen gedeihen, wieder angesiedelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedingungen f\u00fcr S\u00fc\u00dfwasserfische in Fl\u00fcssen und Seen k\u00f6nnen verbessert werden. Da Haiti von drei Seiten vom Meer umgeben ist, sollte das Potential f\u00fcr den Aufbau einer Fischereiindustrie sowohl f\u00fcr die einheimische Produktion als auch f\u00fcr den Export ganz erschlossen werden. Im Golf von Gonaives gibt es 270 verschiedene Fischarten, aber die bittere Armut in den l\u00e4ndlichen Gebieten hindert die Fischer daran, gr\u00f6\u00dfere Boote oder Schiffe zu erwerben, die f\u00fcr gro\u00dfe F\u00e4nge erforderlich sind. Die Fische w\u00e4ren auch eine hervorragende Quelle f\u00fcr tierisches Eiwei\u00df, das in der haitianischen Ern\u00e4hrung heute so sehr fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Internationale Hilfsprogramme haben zwar mehrere Milliarden Dollar f\u00fcr Haiti bereitgestellt, wovon ein Teil f\u00fcr sinnvolle, kurzfristige Zwecke verwendet wird, aber die Grundlagen der Wirtschaft haben sich dadurch nicht ver\u00e4ndert. Weniger als eine halbe Milliarde Dollar f\u00fcr den Kauf von 3000 gro\u00dfen Traktoren mit 100 PS und Vierradantrieb, einer Flotte von hundert kommerziellen Fischerbooten, Pumpen, Sprinklern usw. f\u00fcr Pivot- (Kreis-) oder Tropfbew\u00e4sserung, D\u00fcngemitteln und Saatgut sowie Hydro- und Aquakulturen w\u00fcrden einen viel st\u00e4rkeren und nachhaltigeren Entwicklungsschub bewirken.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IV. Eisenbahnen und Stra\u00dfen<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir haben bereits \u00fcber den Plan der China Civil Engineering Construction Corporation berichtet (vgl. <em>Neue Solidarit\u00e4t<\/em> 41\/2021), eine internationale Eisenbahnlinie zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti zu bauen, die beide miteinander verbinden soll. Die CCECC ist ein sehr kompetentes und erfahrenes Unternehmen. Wenn sie eine haitianisch-dominikanische Eisenbahnlinie vorschl\u00e4gt und bef\u00fcrwortet und sich verpflichtet, sie unter angemessenen Umst\u00e4nden zu finanzieren, dann hat sie mit ziemlicher Sicherheit bereits einen Plan f\u00fcr den haitianischen Teil der Strecke in groben Z\u00fcgen (und vielleicht auch in allen Einzelheiten) erstellt und entworfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 EIR<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"> <em><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schiller-institut.de\/seiten\/2021\/haiti3\/haiti11.jpg\"><br>Abb. 11: Ein Entwicklungsplan f\u00fcr Haiti: Vorschlag f\u00fcr ein Eisenbahnnetz f\u00fcr Haiti.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiller-Institut konnte bisher die Entw\u00fcrfe der CCECC f\u00fcr den haitianischen Teil der Bahnstrecke noch nicht einsehen, aber ein Eisenbahnnetz, das der Wirtschaft sehr zugute k\u00e4me, sollte sinnvollerweise viele oder alle Hafenst\u00e4dte an der 1770 km langen K\u00fcste Haitis miteinander verbinden. Die komplette Strecke w\u00fcrde in der Hafenstadt Fort Libert\u00e9 beginnen und westw\u00e4rts zur Hafenstadt Cap-Haitien, nach Port-de-Paix, dann s\u00fcdw\u00e4rts nach Anse Rouge, Gonaives und nach Port-au-Prince und dann westw\u00e4rts nach Jeremie, Port-Salut, Les Cayes und Laborieux f\u00fchren (siehe <em>Abbildung 11<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich zu den auf der Karte eingezeichneten Strecken k\u00f6nnten zwei Bahnlinien von Port-au-Prince aus gebaut werden: eine direkte Strecke nach Norden nach Fort Libert\u00e9 und eine weitere nach S\u00fcdwesten nach Jacmel. Beide sollten entweder elektrifizierte Hochgeschwindigkeitsstrecken oder Magnetschwebebahnen sein. Dies wird den G\u00fcter- und Personenverkehr in alle Teile des Landes beschleunigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist der Plan des Southwest Municipal Engineering Design and Research Institute of China (SMEDRIC), 100 km Stra\u00dfen im Raum Port-au-Prince zu modernisieren und zu verbreitern, ein guter Anfang, um ein Netz von etwa 1500 km modernen Hauptverkehrsstra\u00dfen aufzubauen, die sich durch ganz Haiti schl\u00e4ngeln, um alle Landesteile zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">V. Seeh\u00e4fen und Flugh\u00e4fen<\/h3>\n\n\n\n<p>Haiti hat heute nur drei internationale Seeh\u00e4fen. Der Port International de Port-au-Prince, \u00fcber den ein gro\u00dfer Teil des Verkehrs abgewickelt wird, ist veraltet und hat nur begrenzte Kapazit\u00e4ten. Um Haiti bei der Erholung vom Erdbeben 2010 zu helfen, gab die US-Beh\u00f6rde f\u00fcr internationale Entwicklung (USAID) 2011 eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, um zu pr\u00fcfen, ob ein oder zwei H\u00e4fen im Norden des Landes \u2013 der begrenzte Hafen von Cap-Haitien und der Hafen von Fort Libert\u00e9, der heute nur ein geringes Verkehrsaufkommen hat \u2013 vertieft und mit modernen Vollportalkr\u00e4nen usw. ausgestattet werden k\u00f6nnten, um ihre Kapazit\u00e4ten zu erh\u00f6hen. USAID bezifferte die Kosten f\u00fcr den Ausbau der beiden H\u00e4fen auf 185-250 Mio. Dollar, wovon die US-Regierung 70 Mio. bereitstellen w\u00fcrde, w\u00e4hrend die private Wirtschaft den Rest aufbringen sollte. Da der Hafen von Cap-Haitien nur \u00fcber begrenzte geeignete Fl\u00e4chen verf\u00fcgt, lag der Schwerpunkt auf dem Ausbau des Hafens von Fort Libert\u00e9.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorschlag der USAID f\u00fcr den Ausbau des Hafens von Fort Libert\u00e9 und die Aussicht auf die damit verbundene Entwicklung Haitis lie\u00dfen bei den internationalen Malthusianern die Alarmglocken schrillen. Kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung des ersten Berichts von 2011 warnten sie in einer absurden Argumentation, das Projekt gef\u00e4hrde die Korallenriffe in der gesamten Karibik. In einem Artikel in <em>Reef Relief<\/em> vom 1. Oktober 2012 hie\u00df es: \u201eEidechsen und seltene Korallenriffe erschweren das Multimillionen-Dollar-Hafenprojekt in Haiti\u201c. Es wurde eine \u201ed\u00fcstere Studie\u201c der Naturschutzorganisation International Union for the Conservation of Nature (IUCN) zitiert, deren \u201eUntersuchungen ergaben, da\u00df die Korallenriffe in der gesamten Karibik am Rande des Zusammenbruchs stehen\u201c. Es sei daran erinnert, da\u00df die IUCN von dem Eugeniker und Malthusianer Julian Huxley gegr\u00fcndet wurde, dessen erkl\u00e4rtes Ziel es war, den Anteil der \u201eminderwertigen Menschen\u201c in den Reihen der Menschheit auszud\u00fcnnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ver\u00f6ffentlichte der Rechnungshof der US-Regierung Government Accountability Office (GAO) \u2013 der viele Mitarbeiter hat, deren Spezialit\u00e4t es ist, Infrastrukturausgaben zu k\u00fcrzen \u2013 im Juni 2013 einen Bericht mit dem Titel \u201eHaiti-Wiederaufbau\u201c, der die Arbeit der USAID in Haiti kritisierte. In zwei Berichten der Internationalen Finanz-Corporation der Weltbank wurde vorgeschlagen, nichts zu tun und damit das Hafenerweiterungsprojekt Fort Libert\u00e9 zu stoppen. 2018 schlug USAID statt dessen nur relativ geringf\u00fcgige \u00c4nderungen am Hafen von Cap-Haitien vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Wunder, da\u00df das Projekt Fort Libert\u00e9 den Entv\u00f6lkerungsfanatikern sauer aufgesto\u00dfen ist: Die Bucht von Fort Libert\u00e9 hat eine Tiefe von 22 Metern \u2013 viel tiefer als die 16 Meter von Amerikas gr\u00f6\u00dftem Handelshafen, Los Angeles, der die gr\u00f6\u00dften Containerschiffe der Welt aufnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiller-Institut schl\u00e4gt vor, das Projekt zum Ausbau und zur Modernisierung des Hafens von Fort Libert\u00e9 als wesentliche Komponente des Plans zur Erneuerung Haitis aus der Schublade zu holen und zu aktualisieren. Ein n\u00fctzlicher Ausgangspunkt w\u00e4re es, die vom Pionierkorps der US-Armee erstellten Dokumente heranzuziehen, die 2011-12 in die Bewertung des Projekts einflossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitglieder der haitianischen Diaspora in den USA haben sich ebenfalls an der Diskussion \u00fcber dieses Projekt beteiligt. K\u00fcrzlich berichtete ein in den USA lebender haitianischer Ingenieur in einem Gespr\u00e4ch mit dem Schiller-Institut, da\u00df der Hafen von Fort Libert\u00e9, wenn er gro\u00df genug gebaut wird, Containerschiffe mit mehr als 16.000 Standardcontainern (TEU, Twenty-foot Equivalent Unit) abfertigen k\u00f6nnte, die derzeit in den beiden gr\u00f6\u00dften H\u00e4fen Floridas, Port Jacksonville und Port Everglades (maximal 9.000 TEU), nicht abgefertigt werden k\u00f6nnen. Dieser Ingenieur schlug vor, da\u00df gro\u00dfe internationale Containerschiffe zun\u00e4chst den Hafen von Fort Libert\u00e9 mit seiner gr\u00f6\u00dferen Kapazit\u00e4t anlaufen und dort entladen werden. Anschlie\u00dfend w\u00fcrde die Ladung in TEU-Containern auf Schiffen mit einer geringeren Containerkapazit\u00e4t nach Port Jacksonville und Port Everglades verschifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ausbau des Hafens wird nicht nur die Rolle Haitis als Handelsdrehscheibe f\u00fcr die Region erheblich st\u00e4rken, er w\u00e4re auch ein Anziehungspunkt f\u00fcr die Anwerbung und Ausbildung der f\u00fcr den Betrieb des Hafens erforderlichen Arbeitskr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb Haitis wird der Inlandstransport durch den Mangel an Flugh\u00e4fen (und brauchbaren Stra\u00dfen) stark behindert, was sich besonders deutlich bei den j\u00fcngsten Bem\u00fchungen von Hilfsorganisationen zeigt, Nothilfe in die vom Erdbeben am 14. August am st\u00e4rksten betroffenen Landesteile zu transportieren. Das Land verf\u00fcgt nur \u00fcber 14 Flugh\u00e4fen, von denen nur f\u00fcnf oder sechs \u00fcber befestigte Start- und Landebahnen und Linienfl\u00fcge verf\u00fcgen. Viele \u201eStart- und Landebahnen\u201c sind kaum mehr als unbefestigte Stra\u00dfen. Die Radarsysteme sind veraltet, wenn es sie \u00fcberhaupt gibt. Dem Flughafen von Port-de-Paix, der drittgr\u00f6\u00dfte des Landes in Bezug auf das Passagieraufkommen, fehlte zum Beispiel bis k\u00fcrzlich eine Radaranlage. Zum Vergleich: Der US-Bundesstaat Florida, der doppelt so viele Einwohner hat wie Haiti, verf\u00fcgt \u00fcber 520 Flugh\u00e4fen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das d\u00fcrftige Flughafennetz des Landes mu\u00df aufger\u00fcstet werden, was auch die Installation eines modernen, gut funktionierenden Radarsystems erfordert. Bis 2027 sollte Haiti \u00fcber 25 Flugh\u00e4fen verf\u00fcgen, auf denen Linienfl\u00fcge abgewickelt werden k\u00f6nnen, die H\u00e4lfte davon mit befestigten Start- und Landebahnen, die lang genug sind, um Boeing 787-Passagierjets und Boeing C17 Globemaster III-Milit\u00e4rtransporter aufzunehmen, die in Notf\u00e4llen Hilfe leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VI. Abwasserentsorgung und Wasseraufbereitung<\/h3>\n\n\n\n<p>In der Hauptstadt Port-au-Prince, in deren Stadtgebiet drei Millionen Menschen leben, gibt es keine einzige Kl\u00e4ranlage. Es gibt auch keine Abwasserkan\u00e4le, die die Abw\u00e4sser aus Waschbecken etc. aufnehmen. Viele Einwohner benutzen Plumpsklos; die Menschen kippen M\u00fcll und Abwasser in Kan\u00e4le, die mitten durch die Stadt verlaufen, Krankheiten verbreiten und bei Regen \u00fcberlaufen. Die Freiluftkl\u00e4ranlage in Morne a Cabrit, 65 km von Port-au-Prince entfernt, ist die einzige Kl\u00e4ranlage im ganzen Land! Abf\u00e4lle einschlie\u00dflich menschlicher Exkremente und M\u00fcll flie\u00dfen durch Fl\u00fcsse und B\u00e4che und \u00fcberschwemmen das Land. Durch Wasser \u00fcbertragene Krankheiten \u2013 vor allem Typhus, Cholera und Durchfallerkrankungen \u2013 machen einen erheblichen Anteil der Todesf\u00e4lle aus. Gleichzeitig m\u00fcssen die Bewohner von Wohnkomplexen das Wasser des Geb\u00e4udes oft selbst chloren, um sicher duschen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e42,3% der haitianischen Gesamtbev\u00f6lkerung haben derzeit keinen Zugang zu sauberem Wasser\u201c, gibt das Borgen Project an, das den Zugang der Entwicklungsl\u00e4nder zu grundlegenden Dienstleistungen verfolgt. Anderen Sch\u00e4tzungen zufolge liegt die Zahl sogar bei 50%. Das Borgen Project berichtet auch, da\u00df drei Viertel der haitianischen Haushalte keinen Zugang zu flie\u00dfendem Wasser haben. Hunderte von haitianischen D\u00f6rfern beziehen ihr Wasser aus Handpumpen, die oft nicht einmal funktionieren, oder aus Brunnen. D\u00f6rfer, in denen es weder Brunnen noch Handpumpen gibt, sind darauf angewiesen, da\u00df die Regierung oder NGOs Wasser in Lastwagen liefern, die mit 200 F\u00fcnf-Gallonen-Eimern (knapp 20 Liter) Wasser beladen sind, um insgesamt 4000 Liter sauberes Wasser zu liefern \u2013 wenn m\u00f6glich. In den St\u00e4dten trinken viele Menschen abgef\u00fclltes Wasser in Flaschen. Der Mangel an zuverl\u00e4ssigem, sauberem Wasser behindert den t\u00e4glichen Betrieb von Lebensmittelverarbeitungsbetrieben, B\u00e4ckereien und anderen Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorschlag von SMEDRIC und MCC sieht den Bau einer neuen Kl\u00e4ranlage in Port-au-Prince vor, die 180.000 Kubikmeter Abwasser pro Tag behandeln kann. Die Kl\u00e4ranlage wird nach der dreistufigen Methode von Vorbehandlung, Erstbehandlung und biologischer Zweitbehandlung arbeiten. Bis 2026 sollen in allen zehn Departements des Landes Kl\u00e4ranlagen mit dieser Kapazit\u00e4t gebaut werden, wodurch die Gesamtkapazit\u00e4t der Abwasserbehandlung auf 1,8 Mio. m\u00b3 pro Tag steigen wird. Dies ist ein guter Ausgangspunkt, k\u00f6nnte sich aber als unzureichend erweisen. Die Kl\u00e4ranlage in der US-Hauptstadt Washington, Blue Plains Advanced Wastewater Treatment, verarbeitet mindestens das Vierfache der f\u00fcr Haiti prognostizierten Kapazit\u00e4t, und das bei einer Bev\u00f6lkerung, die weniger als ein Drittel der haitianischen betr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vorschlag von SMEDRIC und MCC sieht auch den Bau einer Wasseraufbereitungsanlage vor, die t\u00e4glich 225.000 m\u00b3 reines, sicheres Trinkwasser in Port-au-Prince aufbereiten kann. Bis 2026 sollen im ganzen Land 15 solcher Anlagen mit der gleichen Kapazit\u00e4t gebaut werden, mindestens eine in jedem Departement. Um schnell eine ausreichende Versorgung mit sauberem Wasser zu erreichen, werden nukleare Entsalzungsanlagen und der Einsatz von Lasern zur modernen Wasserreinigung in Betracht gezogen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VII. Industrie und Arbeitskr\u00e4fte<\/h3>\n\n\n\n<p>Die haitianische Wirtschaft \u00e4hnelt heute am ehesten einer Wirtschaft, wie sie von der Britischen Ostindiengesellschaft im 18. Jahrhundert beherrscht wurde. Die informelle Wirtschaft, die sehr schlecht bezahlte Bekleidungs- und Textilindustrie und die Holzkohle produzierende Industrie sind typisch f\u00fcr eine Wirtschaft, die ihre Arbeitskr\u00e4fte entw\u00fcrdigt und unmenschlich behandelt. In einem Bericht der Weltbank vom Mai 2015 (<em>Haiti: Towards a New Narrative)<\/em> wird berichtet, da\u00df 47% der haitianischen Wirtschaft informell ist und die \u201eArbeitskr\u00e4fte\u201c darin alles verkaufen \u2013 von Kunsthandwerk, Stra\u00dfenessen und Kaugummi bis hin zu Schmuggelware, Diebesgut und Drogen. Insgesamt sind 65% der haitianischen Arbeitskr\u00e4fte entweder arbeitslos oder in der informellen Wirtschaft unterbesch\u00e4ftigt. Die Landwirtschaft macht 40% der Wirtschaft aus, und der Anteil der formellen Besch\u00e4ftigung \u2013 vor allem in der Industrie und im Dienstleistungssektor \u2013 betr\u00e4gt lediglich 13%.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist mit 57.000 Besch\u00e4ftigten die treibende Kraft der primitiven Wirtschaft. Ein Textilarbeiter, der f\u00fcr den Export produziert, verdient in der Landesw\u00e4hrung 420 Gourdes, das entspricht etwa 5 US-Dollar am Tag. Die Textilexporte, die meisten davon in die Vereinigten Staaten, machen 90% aller Exporteinnahmen Haitis aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist kein neues Ph\u00e4nomen. Die Austerit\u00e4tsprogramme des IWF, die dem Land ab Mitte der 1980er Jahre auferlegt wurden, trugen dazu bei, Haiti in einen riesigen Ausbeuterbetrieb zu verwandeln, die zollfreien Montagebetriebe \u2013 die ber\u00fcchtigten Maquiladoras, wie man sie in Mexiko, Mittelamerika und vielen Entwicklungsl\u00e4ndern kennt \u2013 wurden die gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber im Land. 1985 lag Haiti bei der Herstellung von Waren f\u00fcr den US-Konsum weltweit an neunter Stelle und hatte die zweifelhafte Ehre, der weltgr\u00f6\u00dfte Produzent von Baseballs zu sein, und es geh\u00f6rte bei der Herstellung von Produkten wie Stofftieren, Puppen und Kleidung zu den drei f\u00fchrenden L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im USAID-Bericht \u00fcber den \u201eStrategischen Rahmen\u201c 2020-22 f\u00fcr Haiti wird festgestellt, da\u00df die Holzkohleproduktion landesweit mehr als 150.000 Menschen besch\u00e4ftigt. Abgesehen von der Landwirtschaft ist dies heute die gr\u00f6\u00dfte Quelle informeller Besch\u00e4ftigung in Haiti. Sie ist Teil der Holzkohlewirtschaft, die Haiti in einer feudalen, primitiven und massenm\u00f6rderischen Wirtschaft gefangen h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der haitianischen Industrie ist Leichtindustrie, da es fast keine mittelschweren oder schweren Investitionsg\u00fcter gibt. Die Arbeitskr\u00e4fte haben ein sehr niedriges Bildungsniveau und sind ungelernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ganzen Land werden f\u00fcnf Maschinenbauparks mit jeweils 5-10 Werkzeugmaschinenbetrieben mit jeweils 5-30 Besch\u00e4ftigten entstehen. Jedes Unternehmen wird von einem qualifizierten Werkzeugmaschinenf\u00fchrer geleitet, der aus den USA, China, Frankreich, Deutschland, der Schweiz oder Italien kommen kann. Die Ausbildung der Mitarbeiter umfa\u00dft vier bis f\u00fcnf Jahre kombinierten Schulunterricht und Ausbildung am Arbeitsplatz.<\/p>\n\n\n\n<p>2015 wurden Pl\u00e4ne f\u00fcr den Bau des 300-Millionen-Dollar-Zementwerks Siman Lakay in Gonaives bekanntgegeben, das einen gro\u00dfen Teil der von Haiti ben\u00f6tigten 4,5 Mio. Tonnen Zement pro Jahr produzieren und etwa 2200 qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze schaffen sollte. Das Projekt sollte von ausl\u00e4ndischen und haitianischen Investoren finanziert werden, wurde aber aus unklaren Gr\u00fcnden nie gebaut. Es soll nun im Rahmen des Entwicklungsprogramms gebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Haitis Nachbarland, die Dominikanische Republik, kann sich mit seiner Zementindustrie im Rahmen eines regionalen Entwicklungsplans an diesen Pl\u00e4nen beteiligen, da es \u00fcber 16 Zementwerke verf\u00fcgt und bereits mehr als die H\u00e4lfte seiner Jahresproduktion nach Haiti exportiert. Zwei Mini-Stahlwerke mit einer Kapazit\u00e4t von je 150 Tonnen werden ebenfalls f\u00fcr insgesamt 250 Mio. Dollar gebaut, einige weitere sollen sp\u00e4ter folgen, ebenso wie einige Fabrikationsanlagen. Diese Anlagen werden Haiti in die Lage versetzen, einige seiner grundlegendsten industriellen Bed\u00fcrfnisse selbst zu befriedigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Faktor, der die Entwicklung Haitis entscheidend vorantreiben wird, ist seine gro\u00dfe Diaspora. Eine Sch\u00e4tzung geht von 760.000 haitianischen Einwanderern aus, die in den Vereinigten Staaten leben, eine andere Sch\u00e4tzung, die auch die haitianischen US-Amerikaner einschlie\u00dft, von 1,3 Millionen Menschen. Au\u00dferdem leben insgesamt mehr als eine Million Haitianer in der Dominikanischen Republik, in Kuba, Kanada und Frankreich. Einige von ihnen haben ein starkes emotionales Engagement f\u00fcr die Entwicklung Haitis. Eine bedeutende Schicht der Diaspora sind Fachkr\u00e4fte, darunter Ingenieure, \u00c4rzte, Krankenschwestern, Architekten, Handwerker und einige Finanzfachleute.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Entwicklungsprogramm der Art, wie es das Schiller-Institut vorschl\u00e4gt, wird ein Anziehungspunkt sein, um viele dieser Fachkr\u00e4fte in ihr Land zur\u00fcckzuholen, entweder dauerhaft oder f\u00fcr k\u00fcrzere Zeitr\u00e4ume, wo sie mit chinesischen, US-amerikanischen und haitianischen Projektmanagern zusammenarbeiten oder ihre beruflichen F\u00e4higkeiten auf andere Weise einbringen werden. Sie werden einen wertvollen Beitrag zum Erfolg dieser Projekte leisten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VIII. Bildung<\/h3>\n\n\n\n<p>Das feudale Wirtschaftssystem, das Haiti w\u00e4hrend des gr\u00f6\u00dften Teils seiner Geschichte auferlegt wurde, hat das Land daran gehindert, die gebildeten Arbeitskr\u00e4fte hervorzubringen, die es f\u00fcr seine zuk\u00fcnftige Entwicklung braucht. Die Organisation Schools for Education in Haiti berichtet auf ihrer Webseite: \u201eDie Einschulungsrate f\u00fcr die Grundschule in Haiti betr\u00e4gt 57%, und weniger als 30% der Sch\u00fcler erreichen die sechste Klasse. In den Sekundarschulen werden 20% der Kinder im entsprechenden Alter eingeschult&#8230; Haiti liegt bei den nationalen Bildungsausgaben auf Platz 177 von 186 in der Welt.\u201c Die Alphabetisierungsrate wird mit 61,7% angegeben, aber wenn weniger als 30% der Sch\u00fcler die sechste Klasse erreichen, dann liegt die tats\u00e4chliche Alphabetisierungsrate wahrscheinlich darunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig werden 80-90% der Sch\u00fcler an internationalen Privatschulen unterrichtet, die haupts\u00e4chlich von Kanada, Frankreich oder den Vereinigten Staaten betrieben werden, sowie an Schulen in kirchlicher Tr\u00e4gerschaft und von NGOs. In Haiti gibt es insgesamt 15.200 Grundschulen, davon sind jedoch nur etwa 1800 \u00f6ffentlich. Das ist weit entfernt von dem, was die haitianische Verfassung von 1804-05 vorsah, als sie festlegte: \u201eBildung soll kostenlos sein. Die Grundschulbildung ist obligatorisch&#8230; Die staatliche Bildung ist auf allen Ebenen kostenlos.\u201c Einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2015 zufolge geben haitianische Eltern jedes Jahr durchschnittlich 130 Dollar aus, um ihr Kind auf eine (private) Schule zu schicken. In einem Land, in dem die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung weniger als 3 Dollar am Tag verdient, k\u00f6nnen sich die meisten Eltern die Kosten f\u00fcr eine Privatschule nicht leisten, doch viele k\u00e4mpfen darum, das Geld daf\u00fcr zusammenzukratzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres gro\u00dfes Problem ist die Abwanderung von Fachkr\u00e4ften. Die Weltbank hat dokumentiert, da\u00df 84% der Hochschulabsolventen das Land kurz nach dem Abschlu\u00df verlassen. Das Land hat viele talentierte Ingenieure, aber im Verh\u00e4ltnis zum Bedarf gibt es nur wenige.<\/p>\n\n\n\n<p>Das haitianische Schulsystem mu\u00df \u00fcberarbeitet werden, wobei der Rolle der \u00f6ffentlichen Schulen mehr Bedeutung beigemessen werden sollte. Dazu werden 2000 neue, modernisierte \u00f6ffentliche Schulgeb\u00e4ude gebaut und 1000 bestehende Geb\u00e4ude mit moderner Wasserversorgung, Toiletten, Bel\u00fcftungsanlagen, Essensr\u00e4umen usw. ausgestattet. Au\u00dferdem sollten sie erdbeben- und hurrikansicher gemacht werden, wobei man erfolgreiche Konzepte aus anderen erdbebengef\u00e4hrdeten L\u00e4ndern anwendet. Ein realistisches Ziel w\u00e4re es, die H\u00e4lfte dieses Programms innerhalb von f\u00fcnf Jahren abzuschlie\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus sollte der derzeitige niedrige durchschnittliche Monatslohn eines Grundschullehrers von 445 Dollar oder 47.300 Gourdes klar geregelt und verdoppelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am besten sollte der Unterricht in der Schule auf dem klassischen Lehrplan Wilhelm von Humboldts basieren, mit einer starken Betonung der Naturwissenschaften und der klassischen F\u00e4cher.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schiller-Institut schl\u00e4gt vor, mit der steigenden Zahl naturwissenschaftlicher Absolventen zwei Technische Hochschulen zu errichten, mit einer Anfangsklasse von jeweils 250 Studenten, wobei die Studentenzahl im Laufe der Jahre zunimmt. Es sollen Programme f\u00fcr haitianische Auszubildende im Werkzeugmaschinenbau eingerichtet werden, die etwa vier oder f\u00fcnf Jahre lang eine kombinierte Ausbildung in der Schule und am Arbeitsplatz umfassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unmittelbar nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 in Haiti schlug Lyndon LaRouche vor, ein Projekt in der Tradition des US-amerikanischen Civilian Conservation Corps aus den 1930er Jahren einzurichten, um haitianische und US-Jugendliche zu besch\u00e4ftigen. Heute schl\u00e4gt das Komitee f\u00fcr den Zusammenfall der Gegens\u00e4tze des Schiller-Instituts vor, sofort ein solches Projekt mit 5000 Jugendlichen aus der ganzen Welt einzurichten, die als Auszubildende in Wiederaufbauprojekten oder in COVID-19-Tracking- und Impfeins\u00e4tzen sowie im Krankenhausdienst arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zukunft Haitis, wie die der ganzen Welt, liegt in der Jugend. Das Schiller-Institut hat hiermit einen umfassenden Plan vorgelegt, um den herum mobilisiert werden mu\u00df, damit diese Zukunft Wirklichkeit wird.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schiller-Institut hat anl\u00e4\u00dflich der Krise um die haitianischen Fl\u00fcchtlinge ein Programm f\u00fcr den Wiederaufbau Haitis als Teil eines regionalen Entwicklungsprogramms f\u00fcr die Karibik und Mittelamerika ausgearbeitet. Es erschien in der Ausgabe von Executive Intelligence Review (EIR) vom 1. Oktober und war am 25. September&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":80405,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[651],"tags":[],"class_list":["post-80604","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-651"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/haiti_doctors.jpg","author_info":{"display_name":"madeleine","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/madeleine\/"},"modified_by":"madeleine","cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80604","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80604"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80604\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81135,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80604\/revisions\/81135"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80604"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80604"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80604"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}