{"id":76235,"date":"2021-07-05T06:55:38","date_gmt":"2021-07-05T10:55:38","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=76235"},"modified":"2021-07-05T06:55:40","modified_gmt":"2021-07-05T10:55:40","slug":"helga-zepp-larouche-im-interview-mit-dem-chinesischen-fernsehsender-cgtn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2021\/07\/05\/helga-zepp-larouche-im-interview-mit-dem-chinesischen-fernsehsender-cgtn\/","title":{"rendered":"Helga Zepp-LaRouche im Interview mit dem chinesischen Fernsehsender CGTN"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 3. Juli wurde Helga Zepp-LaRouche im Rahmen der CGTN-Sendung <em>Asia Today<\/em> zur Lage in Afghanistan interviewt. Moderator Zhong Shi berichtete, da\u00df es in der nordafghanischen Provinz Badakhshan zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Streitkr\u00e4ften der Regierung und den Taliban kam, nachdem sich die US-Streitkr\u00e4fte aus ihrem Hauptmilit\u00e4rst\u00fctzpunkt zur\u00fcckgezogen haben. Sie k\u00f6nnen die ganze Sendung in englisch <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.cgtn.com\/tv\/replay?id=CCfBcA\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.cgtn.com\/tv\/replay?id=CCfBcA\" target=\"_blank\">hier ansehen<\/a>.  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZHONG SHI:<\/strong> Ich m\u00f6chte jetzt auch Helga Zepp-LaRouche zuschalten, die Pr\u00e4sidentin und Gr\u00fcnderin des Schiller-Instituts, einer Denkfabrik zu politischen und wirtschaftlichen Themen mit Sitz in Deutschland. Frau Zepp-LaRouche, willkommen in der Sendung. Ich freue mich, Sie heute hier begr\u00fc\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Pentagon sagt, die R\u00fcckgabe des St\u00fctzpunktes Bagram an die afghanischen Sicherheitskr\u00e4fte sei ein wichtiger Meilenstein beim Abzug der US-Streitkr\u00e4fte. Die Frage ist nun, was f\u00fcr ein Meilenstein das f\u00fcr Afghanistan sein wird? Wie wird sich das auf die F\u00e4higkeit des Landes auswirken, gegen die Taliban zu k\u00e4mpfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>HELGA ZEPP-LAROUCHE: <\/strong>Ich denke, die Lage ist sehr ernst. Es besteht die Gefahr eines B\u00fcrgerkriegs, nicht nur zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, sondern auch auf Grund der Tatsache, auf die der russischen Au\u00dfenminister Lawrow gestern hinwies, da\u00df sich jetzt ISIS-Kr\u00e4fte im Norden Afghanistans sammeln. Ich denke, es besteht die Gefahr, da\u00df der Krieg weitergeht, wobei diesmal Afghanen Afghanen t\u00f6ten. Deswegen brauchen wir meines Erachtens einen anderen Ansatz \u2013 etwas ganz anderes, als einfach abzuziehen und den Ort so zu lassen, wie er ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZHONG SHI:<\/strong> Die Welt beobachtet nun, wie sich die Lage in Afghanistan entwickelt. Wir wissen, da\u00df die Taliban in die Bereiche vordringen, aus denen sich die ausl\u00e4ndischen Truppen zur\u00fcckgezogen haben. Wenn die Vereinigten Staaten verfolgen, was gerade in Afghanistan passiert, wie w\u00fcrden Sie Joe Bidens Politik gegen\u00fcber Afghanistan nach dem Abzug der US-Truppen charakterisieren? Er hatte ja weitere Unterst\u00fctzung zugesagt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEPP-LAROUCHE:<\/strong> Da bin ich mir nicht so sicher. Es ist offensichtlich eine komplizierte Situation. Zwanzig Jahre Krieg und verlorene Leben und verlorenes Geld f\u00fcr nichts. Ich denke, da\u00df der R\u00fcckzug aus Afghanistan \u00e4hnliche Gr\u00fcnde hat wie die Reduzierung der amerikanischen Logistik in anderen Teilen des Persischen Golfs. Meiner Meinung nach ist er Teil der neuen Konzentration auf den Pazifik, auf Ru\u00dfland und China. Es ist also nicht per se eine Afghanistan-Politik, sondern eher eine Politik, die von geostrategischen \u00dcberlegungen geleitet wird. Ich glaube, auch das ist ein Weg in die Katastrophe.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehen Sie, in Afghanistan ist die Opiumproduktion im letzten Jahr um 45% gestiegen. Afghanistan produziert 85% des weltweiten Opiums. Wenn das einfach so bleibt, werden die Taliban diese Produktion mit Sicherheit steigern, um ihre milit\u00e4rischen Operationen zu finanzieren. Die vielen S\u00fcchtigen werden in den Stra\u00dfen der Vereinigten Staaten und Europas sterben. In Afghanistan gibt es 3,5 Millionen Drogenabh\u00e4ngige, aber das zeigt nur, da\u00df man einen ganz anderen Ansatz braucht, um dieses Problem zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Milit\u00e4risch ist Afghanistan nicht zu gewinnen. Das hat die Sowjetunion bewiesen, die es 10 Jahre lang versucht hat, und jetzt die Vereinigten Staaten und die NATO seit 20 Jahren. Ich denke, es ist h\u00f6chste Zeit, umzudenken, da\u00df man einen v\u00f6llig anderen Ansatz braucht, als st\u00e4ndig nur das gleiche fortzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZHONG SHI:<\/strong> Wie Sie sagen, 20 Jahre Krieg w\u00e4ren umsonst, wenn Afghanistan schnell wieder im Chaos versinkt; dort, wo es sich vor dem Krieg befand. Manche bef\u00fcrchten, da\u00df dies sehr wahrscheinlich zur Realit\u00e4t wird, sobald die ausl\u00e4ndischen Truppen erst einmal weg sind. Wie hoch sch\u00e4tzen Sie die Chancen ein, da\u00df das passiert? Da\u00df Afghanistan noch tiefer in einem B\u00fcrgerkrieg versinkt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEPP-LAROUCHE:<\/strong> Wie ich schon sagte, wenn nichts unternommen wird, wird es ein Alptraum sein. Der Terrorismus wird zunehmen und sich nicht nur in der Region, sondern auch dar\u00fcber hinaus ausbreiten. Ich denke, es mu\u00df eine \u00c4nderung in der Herangehensweise geben. Die einzige M\u00f6glichkeit, die Situation zu stabilisieren, besteht darin, Afghanistan, aber auch der gesamten Region Irak, Syrien, Jemen, all diesen L\u00e4ndern, die durch die endlosen Kriege zerst\u00f6rt wurden, eine echte wirtschaftliche Entwicklung anzubieten. [Alle diese L\u00e4nder] k\u00f6nnte man als eine Region betrachten, und man sollte verstehen, da\u00df der Terrorismus wie auch der Drogenhandel ein und dasselbe Problem ist, um das sich alle L\u00e4nder k\u00fcmmern sollten \u2013 die Vereinigten Staaten, Ru\u00dfland, China, Iran, Indien. Sie alle sollten f\u00fcr eine wirtschaftliche Entwicklungsperspektive eintreten. Man k\u00f6nnte die Belt and Road Initiative, die Neue Seidenstra\u00dfe, ausbauen. Der vorherige Pr\u00e4sident Karsai sagte, er sehe die einzige Hoffnung f\u00fcr Afghanistan in Entwicklung. Und der neue Name f\u00fcr Frieden ist Entwicklung, auch in Afghanistan. Mein Wunsch w\u00e4re, da\u00df dies das Thema einer Sonderkonferenz des UN-Sicherheitsrates werden k\u00f6nnte. Pr\u00e4sident Putin hat ja ohnehin gefordert, da\u00df die st\u00e4ndigen F\u00fcnf [Mitglieder] des UN-Sicherheitsrates zusammenkommen sollten. Das w\u00e4re einer der dringenden Punkte: Wie kann man verhindern, da\u00df Afghanistan zu einer Quelle des Terrorismus, des Drogenhandels und einfach zu einem Albtraum f\u00fcr alle wird? Wie kann man aufh\u00f6ren, in Begriffen geopolitischer Konfrontation zu denken, und sich auf die gemeinsamen Ziele der Menschheit konzentrieren? Ich denke, in Afghanistan scheiden sich die Wege. Es ist aber auch ein Scheideweg in der Geschichte der Menschheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZHONG SHI:<\/strong> Dieses Thema wird von Tag zu Tag dringlicher. Helga Zepp-LaRouche, wir sch\u00e4tzen Ihre heutige Analyse sehr; vielen Dank, da\u00df Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. Juli wurde Helga Zepp-LaRouche im Rahmen der CGTN-Sendung Asia Today zur Lage in Afghanistan interviewt. 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