{"id":73163,"date":"2021-04-23T06:20:57","date_gmt":"2021-04-23T10:20:57","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=73163"},"modified":"2021-04-23T06:21:00","modified_gmt":"2021-04-23T10:21:00","slug":"chas-freeman-warnt-eindringlich-vor-der-verschlechterung-der-beziehungen-zwischen-den-usa-und-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2021\/04\/23\/chas-freeman-warnt-eindringlich-vor-der-verschlechterung-der-beziehungen-zwischen-den-usa-und-china\/","title":{"rendered":"Chas Freeman warnt eindringlich vor der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China."},"content":{"rendered":"\n<p>Chas Freeman, ehemaliger Verteidigungsbeamter und Diplomat mit umfassenden Kenntnissen der Beziehungen zwischen China und den USA, warnte die USA in einer Rede an der Universit\u00e4t von Idaho am 15. April eindringlich vor einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Superm\u00e4chten. Er bemerkte: &#8222;China ist heute in mancher Hinsicht international st\u00e4rker vernetzt als die Vereinigten Staaten. Es ist der gr\u00f6\u00dfte Au\u00dfenhandelspartner der meisten Volkswirtschaften der Welt, einschlie\u00dflich der gr\u00f6\u00dften unter ihnen \u2013 der Europ\u00e4ischen Union (EU). Seine Vormachtstellung in den globalen Handels- und Investitionsstr\u00f6men w\u00e4chst. Die 700.000 chinesischen Studenten, die heute in Studieng\u00e4ngen im Ausland eingeschrieben sind, stellen die weniger als 60.000 Studenten aus den Vereinigten Staaten in den Schatten. Amerikanische Universit\u00e4ten ziehen immer noch mehr als eine Million ausl\u00e4ndische Studenten j\u00e4hrlich an, aber fast eine halbe Million internationaler Studenten entscheiden sich jetzt f\u00fcr ein Studium in China. Die Rolle Chinas in der globalen Wissenschaft und technologischen Innovation w\u00e4chst, w\u00e4hrend die Amerikas abnimmt. Chinesen stellen mittlerweile mehr als ein Viertel der weltweiten technischen Fachkr\u00e4fte. Sie f\u00fchren die Welt bei den Patentanmeldungen mit immer gr\u00f6\u00dferem Abstand an. Nur vier Prozent der amerikanischen Schulen bieten Unterricht in Mandarin an, aber alle chinesischen Schulen unterrichten (mit zunehmender Kompetenz) Englisch &#8211; die globale Lingua franca &#8211; ab der dritten Klasse. Amerikas fremdenfeindliche Schlie\u00dfung der von der chinesischen Regierung gef\u00f6rderten &#8222;Konfuzius-Institute&#8220; verspricht, selbst das derzeitige erb\u00e4rmliche Niveau der Besch\u00e4ftigung der Sch\u00fcler mit der chinesischen Sprache in den US-Schulen zu l\u00e4hmen. In der Zwischenzeit hat die zunehmend unfreundliche Atmosph\u00e4re auf dem US-Campus die Bewerbungen chinesischer und anderer ausl\u00e4ndischer Studenten an amerikanischen Universit\u00e4ten reduziert, besonders in den Natur- und Ingenieurwissenschaften.&#8220;<br><br>Milit\u00e4risch, sagt er, basierte die &#8222;Eind\u00e4mmung&#8220; Chinas durch die USA in der Vergangenheit, besonders in Bezug auf Taiwan, auf einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Vorteil auf Seiten der USA. Diese Eind\u00e4mmung hinderte China daran, &#8222;althergebrachte Anspr\u00fcche auf Inseln in seinen nahegelegenen Meeresregionen effektiv durchzusetzen und \u00f6ffnete gleichzeitig den Weg f\u00fcr andere Anspruchsteller, diese zu besetzen.&#8220; Nun aber &#8222;kann das chinesische Milit\u00e4r sein Land gegen jeden denkbaren ausl\u00e4ndischen Angriff verteidigen. Sie scheinen auch in der Lage zu sein, Taiwan selbst gegen amerikanischen Widerstand einzunehmen \u2013 wenn auch nur zu enormen Kosten f\u00fcr sie selbst, Taiwan und die Vereinigten Staaten.&#8220; Die heutige US-Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Region, schreibt Freeman, &#8222;hat den Effekt, da\u00df sie Taiwans Weigerung, \u00fcber eine Beziehung mit dem Rest Chinas zu sprechen \u2013 geschweige denn zu verhandeln \u2013 die den minimalen Anforderungen des chinesischen Nationalismus entsprechen und dadurch den Frieden aufrechterhalten k\u00f6nnte, unterst\u00fctzt und best\u00e4rkt.&#8220;<br><br>Was die USA betrifft, die ihre &#8222;Freunde und Verb\u00fcndeten&#8220; gegen China aufbringen wollen, &#8222;werden sie feststellen, dass nur wenige von jenen die allumfassende Feindseligkeit gegen China teilen, der so viele Amerikaner verfallen sind&#8230;. Die paradoxe Realit\u00e4t ist, dass die Europ\u00e4er sich von China nicht milit\u00e4risch bedroht f\u00fchlen. S\u00fcdost- und S\u00fcdasiaten sehen (den Konflikt um) Taiwan als einen Kampf unter Chinesen, aus dem sie sich raushalten sollten. Selbst L\u00e4nder wie Japan, die ein direktes strategisches Interesse am Status Taiwans haben, wollen nicht riskieren, in einen Kampf um Taiwan hineingezogen zu werden\u2026 Wenn die USA in einen Krieg mit China verwickelt w\u00fcrden, w\u00e4re Amerika wahrscheinlich auf sich allein gestellt oder zumindest beinahe.&#8220;<br><br>In Bezug auf die BRI macht Freeman einen interessanten Punkt: &#8222;Die Griechen erfanden das Konzept eines &#8218;Europas&#8216;, das sich von dem unterscheidet, was sie &#8218;Asien&#8216; nannten. Die chinesischen Verbindungsprogramme (der &#8218;Belt and Road&#8216;) stellen wieder ein zusammenh\u00e4ngendes &#8218;Eurasien&#8216; her. Viele L\u00e4nder in diesen weit ausgedehnten Gebieten sehen ein zunehmend wohlhabendes und m\u00e4chtiges China als unausweichlichen Teil ihrer eigenen Zukunft und ihres Wohlstandes. Einige scheinen \u00fcber Kollateralsch\u00e4den durch aggressive Aktionen der Vereinigten Staaten mehr besorgt zu sein, als \u00fcber einen ausgepr\u00e4gten Han-Chauvinismus. Nur wenige finden die Ungerechtigkeiten des gegenw\u00e4rtigen chinesischen Autoritarismus attraktiv, aber noch weniger sind geneigt, sich mit den Vereinigten Staaten gegen China zu verb\u00fcnden.&#8220; Und er f\u00fcgt hinzu: &#8222;Washington hat das Interesse vermissen lassen, das Niveau des diplomatischen Dialogs mit den L\u00e4ndern des indopazifischen Raums, Zentralasiens, Ostafrikas, Russlands oder den EU-Mitgliedsstaaten aufrechtzuerhalten, das n\u00f6tig w\u00e4re, um es mit Peking aufzunehmen. Sogar in Lateinamerika gelingt dies nicht. Es kann nicht mit blo\u00dfer Rhetorik funktionieren, und das ist im Moment alles, was die Vereinigten Staaten anzubieten haben.&#8220;<br><br>Er verweist auf Chinas gro\u00dfe Fortschritte in Wissenschaft und Bildung im Vergleich zu den USA, die sich in einem &#8222;chronischen Haushaltsdefizit befinden, durch politischen Stillstand gel\u00e4hmt sind und sich in nicht enden wollenden Kriegen verstricken, die Gelder, die f\u00fcr die heimische Verj\u00fcngung ben\u00f6tigt werden, in das Pentagon umleiten. Amerikas menschliche und physische Infrastruktur ist bereits in einem traurigen Zustand, und sie verschlechtert sich weiter. Wenn diese Schw\u00e4chen nicht korrigiert werden, werden China und andere bald die jahrhundertelange Vorrangstellung der USA bei der globalen Wissenschaft, Technologie und Bildung in den Schatten stellen.&#8220; Der t\u00f6richte Schachzug der USA, &#8222;Peking von der internationalen Zusammenarbeit im Weltraum auszuschlie\u00dfen, (hat) zu zunehmend soliden Instrumenten selbstentwickelter chinesischer weltraumgest\u00fctzter F\u00e4higkeiten gef\u00fchrt, von denen viele von milit\u00e4rischer Relevanz sind. Die PLA-Marine hat viel mehr Schiffe als die USA, sie sind moderner, einige ihrer Waffen haben eine gr\u00f6\u00dfere Reichweite, und ihre heimische Gefechtsfeldunterst\u00fctzung ist viel n\u00e4her an der potenziellen Kriegszone. Die chinesischen Industriekapazit\u00e4ten \u00fcbertreffen inzwischen die der Vereinigten Staaten bei weitem.<br><br>Zu den US-Sanktionen f\u00fcgt er hinzu: &#8222;Sie erzeugen eine tats\u00e4chliche Bedrohung f\u00fcr die seit sieben Jahrzehnten bestehende Vorherrschaft des US-Dollars bei der Abwicklung des internationalen Handels. Die zunehmende Nutzung anderer W\u00e4hrungen bedroht sowohl die Wirksamkeit der US-Sanktionen, als auch die fortgesetzte Befreiung der amerikanischen Wirtschaft von Handelsbilanz- und Zahlungsbeschr\u00e4nkungen, die andere L\u00e4nder betreffen&#8230;. Die in- und ausl\u00e4ndischen K\u00e4ufer von US-Staatsschulden k\u00f6nnten zu dem Schluss kommen, da\u00df diese durch wenig mehr als die &#8222;moderne Geldtheorie&#8220; gedeckt sind und aufh\u00f6ren, sie zu kaufen. Dies allein w\u00fcrde das &#8218;exorbitante Privileg&#8216; der Vereinigten Staaten beenden, Washington der F\u00e4higkeit berauben, unilaterale Sanktionen durchzusetzen, und die amerikanische Dominanz im Indopazifik wirtschaftlich untragbar machen.&#8220;<br><br>Freeman schlie\u00dft mit der Zur\u00fcckweisung des Fukuyama-Mythos\u2018 vom &#8222;Ende der Geschichte&#8220;: &#8222;Ein tief verwurzelter Glaube an die liberal-demokratische Ideologie verleitete einige Amerikaner zu der Theorie, da\u00df sich die chinesische politische Kultur bei ausreichendem Kontakt mit den USA unweigerlich zu einer Version der amerikanischen entwickeln w\u00fcrde. Da\u00df dies nicht geschah, war kein Versagen des &#8222;Engagements&#8220;, wie amerikanische Sinophoben dies gerne darstellen. Chinas Beibehaltung seiner eigenen autorit\u00e4ren politischen Kultur spiegelt die Ergebnisse seines Systems wider, die die materiellen Bed\u00fcrfnisse des chinesischen Volkes mehr als befriedigten und gleichzeitig den Stolz auf seine Nation wiederherstellten.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ende der geopolitischen Konfrontation und die Schaffung eine Neuen Paradigmas werden am 8. Mai auf der internationalen Schiller-Institut\/ICLC Internetkonferenz thematisiert werden.<\/p>\n\n\n<p><div class=\"call-to-action-bar-wrapper\"><div class=\"call-to-action-bar\"><h3>Internationale Schiller-Institut\/ ICLC Internetkonferenz: <strong>Der moralische Bankrott der transatlantischen Welt schreit nach einem Neuen Paradigma<\/strong><\/h3><span>Samstag 8. Mai 2021, ab 15.00 Uhr<\/span><a href=\"https:\/\/forms.sbc30.net\/5f95e7f611ce6217f492b9ad\/wNH5nPm1R8Wi7PQW9vsuJA\/AOWpYss9RdO83dHKnZPyhg\/form.html\" class=\"custom-button medium\">Zur Anmeldung &#8211;&gt;<\/a><\/div><\/div><\/p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chas Freeman, ehemaliger Verteidigungsbeamter und Diplomat mit umfassenden Kenntnissen der Beziehungen zwischen China und den USA, warnte die USA in einer Rede an der Universit\u00e4t von Idaho am 15. April eindringlich vor einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Superm\u00e4chten. 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