{"id":63844,"date":"2020-11-04T17:17:35","date_gmt":"2020-11-04T16:17:35","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=63844"},"modified":"2020-11-04T17:17:38","modified_gmt":"2020-11-04T16:17:38","slug":"kreativitaet-im-zeitalter-der-kuenstlichen-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2020\/11\/04\/kreativitaet-im-zeitalter-der-kuenstlichen-intelligenz\/","title":{"rendered":"Kreativit\u00e4t im Zeitalter der k\u00fcnstlichen Intelligenz"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Ch\u00e9rine Sultan<\/em><\/strong> <em>vom franz\u00f6sischen Schiller-Institut hielt bei der Internationalen Jugendkonferenz des Schiller-Instituts am 26. September 2020 den folgenden Vortrag. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was ist die Sucht der n\u00e4chsten Generation?<\/p>\n\n\n\n<p>Experten der Neurowissenschaften ist es gelungen, unseren inneren Abschaltknopf zu entfernen: unsere F\u00e4higkeit, aufzuh\u00f6ren, etwas anderes zu tun und unseren Willen und unser Handeln miteinander zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Junge Menschen verbringen auf <em>TikTok<\/em> Stunden damit, sich Videos anzusehen, die weniger als eine Minute lang sind! Hier gibt es ein Paradoxon! Man mu\u00dfte sogar eigens eine Option hinzuf\u00fcgen, um die Anwendung nach 45 Minuten zu blockieren. Die Leute k\u00f6nnen ganze Tage (und N\u00e4chte) vor Fernsehserien verbringen, die nichts bringen. \u201eEs kotzt mich an, aber ich schaue mir trotzdem die n\u00e4chste Folge an\u201c &#8211; wie oft habt Ihr das schon geh\u00f6rt? Wir tappen in die Falle, weil das Drehbuch und der Schnitt alles tun, um unseren Appetit zu kitzeln und das Bed\u00fcrfnis zu wecken, das N\u00e4chste zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition einer Sucht besteht darin, eine T\u00e4tigkeit weiter auszu\u00fcben oder ein Produkt weiter zu konsumieren bis zu dem Punkt, an dem wir nicht mehr Freude empfinden, wenn wir es konsumieren, sondern Leid, wenn wir damit aufh\u00f6ren. Das Gef\u00fchl des kulturellen Leidens entsteht durch unsere Unf\u00e4higkeit, die Kontrolle \u00fcber uns selbst zur\u00fcckzuerlangen. Das bringen die Opfer der digitalen Technologie selbst zum Ausdruck, die sehr wohl erkennen, da\u00df sie sich nicht mehr zur\u00fcckhalten k\u00f6nnen, wenn sie der Versuchung nachgeben, am Bildschirm zu kleben: \u201eWir wissen, da\u00df es nicht gut f\u00fcr uns ist, ja, wir wissen das, aber wir tun es trotzdem.\u201c Jawohl, wir sehen, da\u00df wir weniger kreativ sind, wenn wir in diese Sucht verfallen &#8211; und genau das will die Oligarchie erreichen. Wir werden sehen, wie konsequent die digitalen Giganten dabei sind, ein antikreatives Mittel f\u00fcr einen antikreativen Zweck einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Brot und Spiele<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings wurde das nicht erst im Zeitalter der digitalen Bildschirme erfunden: Schon der antike Zirkus nutzte diese Schw\u00e4che, um die R\u00f6mer zu unterhalten. Das ist die Bedeutung des Ausdrucks \u201eBrot und Spiele\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint, da\u00df blo\u00dfes Moralisieren nutzlos ist, weil der Abschaltknopf nicht mehr vom Willen gesteuert wird &#8211; n\u00e4mlich jenem inneren moralischen Gef\u00fchl, das sich in dem \u201ewir wissen, da\u00df es nicht gut f\u00fcr uns ist\u201c ausdr\u00fcckt. Daher wird auch der \u00e4u\u00dfere moralische Druck eines Freundes, der uns mitf\u00fchlend r\u00e4t, den Bildschirm abzuschalten, nicht wirksam sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal jedoch bedeutet N\u00e4chstenliebe, dem N\u00e4chsten einen freundlichen Tritt in den Hintern zu geben. Kennen Sie die Geschichte von Alypius, dem Freund des heiligen Augustinus? Der hatte sich immer geweigert, Gladiatorenk\u00e4mpfe anzusehen &#8211; bis zu dem Tag, an dem ihn eine Gruppe von Freunden fast gewaltsam in den Zirkus schleppte. Seine H\u00e4nde, die seine Augen bedeckten, in der Hoffnung, sich dieses Grauen zu ersparen, konnten seine Seele nicht sch\u00fctzen. Als er das schreckliche Schauspiel sah, wurde er Teil der blutr\u00fcnstigen Menge. Sein Geist wurde unabl\u00e4ssig an diesen Zirkus erinnert, was es ihm schwer machte, sich bei Augustinus auf seine Studien zu konzentrieren. Erst an dem Tag, an dem Augustinus die Zuschauer verspottete, indem er sie mit Sklaven verglich, nachdem er schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, Alypius zu ver\u00e4ndern, begann bei dem jungen Mann der Abschaltknopf wieder zu funktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In Alypius gewann die Vernunft schlie\u00dflich wieder die Oberhand, weil er schon vorher Zugang zu etwas anderem gehabt hatte. Bei Kindern erfordert ihr kindlicher Grad an Autonomie und intellektueller Erfahrung, da\u00df die Eltern ihnen bereichernde Aktivit\u00e4ten und Freizeitm\u00f6glichkeiten bieten und eine legitime Zeit der Unterhaltung regeln, weil ihre Emotionen Achterbahn fahren und sie ein Ventil zur Entspannung ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ab einem gewissen Alter ist die L\u00f6sung anders, anspruchsvoller &#8211; und schwieriger umzusetzen. Die Emotionen junger Erwachsener m\u00f6gen immer noch Achterbahn fahren, aber ihr Intellekt beginnt, die Grenzen zu \u00fcberschreiten, die er in der Kindheit hatte, und er verlangt nicht mehr, sich zu entspannen, er will sich immer mehr entwickeln und herausgefordert werden. Deshalb stellen Zeit und Art der Unterhaltung, die ein Kind befriedigt, einen Erwachsenen nicht mehr zufrieden: Wir wollen, da\u00df unsere Unterhaltung uns auch intellektuell n\u00e4hrt. Viele Menschen lieben <em>Netflix<\/em>, weil es bereichernde Geschichten bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem der Kultur bei jungen Erwachsenen und bei Erwachsenen \u00fcberhaupt steht im Einklang mit dem, was viele als sch\u00e4dliche Auswirkungen der Konsumgesellschaft erkennen: der Wunsch, sich pers\u00f6nlich zu bereichern, w\u00e4hrend man nichts f\u00fcr andere tut. Wenn es jedoch um Kultur geht, ist es viel klarer, da\u00df wir andere nicht bereichern werden, indem wir den Konsum reduzieren. \u00dcber das Teilen des Reichtums hinaus besteht daher die Notwendigkeit, die kulturelle Produktion neu zu beleben und zu \u00fcberdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sind auch die scheinbar intellektuellen Teile unserer Kultur Fallen, die viele von denen einfangen, die behaupten, \u00fcber den Tellerrand hinauszuschauen, indem sie \u201ealternative\u201c Autoren lesen und \u201edissidente\u201c Kan\u00e4le schauen. Sie stellen eine Denkweise nicht in Frage, die durch diese beiden Kulturen &#8211; Massenkultur und Dissidentenkultur &#8211; induziert wird: Ich spreche vom Pessimismus. Wir werden darauf zur\u00fcckkommen, aber wir k\u00f6nnen schon jetzt sagen, da\u00df die Alternative zur Sucht 2.0, um diesen \u201eAbschaltknopf\u201c wiederherzustellen, das <em>Engagement<\/em> ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u201eFu\u00dfabdruck\u201c der digitalen Welt<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viel vom weltweiten Stromverbrauch wird Ihrer Meinung nach vom digitalen Sektor verbraucht? Zehn Prozent! In Bezug auf die Treibhausgase entspricht das dem Luftverkehrssektor. Wenn ich also h\u00f6re, der Lockdown sei ein Geschenk des Himmels f\u00fcr den Planeten, mu\u00df ich lachen, denn s\u00e4mtliche Aktivit\u00e4ten werden auf die Bildschirme verlagert, sowohl f\u00fcrs Home Office als auch f\u00fcr die Freizeit. So viele junge Leute haben mir gesagt: \u201eWei\u00dft du, <em>Netflix<\/em> war w\u00e4hrend des Lockdown sehr n\u00fctzlich f\u00fcr uns.\u201c Alle diese Energie dient kurz gesagt dem Datentransfer und der Speicherung auf den Servern.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zahlen zur Veranschaulichung meines Standpunktes:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Online-Videos machen \u00fcber alle Plattformen hinweg 75% des Internetverkehrs aus &#8211; in zwei Jahren werden es sch\u00e4tzungsweise 82% sein.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <em>Netflix<\/em> liegt bei 13%, <em>YouTube<\/em> bei 9% und <em>Facebook<\/em> bei 3%.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Ein zehnst\u00fcndiges HD-Video (eine ein- bis zweit\u00e4gige Konferenz) erfordert so viele Daten wie die gesamte englischsprachige <em>Wikipedia<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; In Frankreich entf\u00e4llt die H\u00e4lfte des Datenflusses auf vier Betreiber, darunter <em>Netflix<\/em>, auf das ebenso viele Daten entfallen wie auf die drei anderen, <em>Google, Facebook<\/em> und <em>Akamai Technologies<\/em>, wo zahlreiche Webseiten angesiedelt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Welchen Nutzen haben all die von diesen Plattformen gesendeten Daten? Ihre Gewinne stammen aus der Werbung. Die Werbung richtet sich an den einzelnen Benutzer, und das bedeutet, da\u00df man den Geschmack des Benutzers kennen mu\u00df. Je mehr Videos angeschaut werden, desto mehr Daten \u00fcber die digitalen Vorlieben der Benutzer werden analysiert, und desto mehr M\u00f6glichkeiten gibt es, gezielt Werbung zu senden, und desto mehr Aufrufe! Also&#8230; je mehr Werbung finanziert werden mu\u00df, desto mehr wird es geben. Das ist ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt!<\/p>\n\n\n\n<p>Der freie Wille in den digitalen Plattformen<\/p>\n\n\n\n<p>Reed Hastings, der Gr\u00fcnder von <em>Netflix<\/em>, gibt dies zu: \u201eWir konkurrieren mit dem Schlaf.\u201c Die Plakatkampagne \u201eU-Bahn &#8211; Arbeit &#8211; <em>Netflix<\/em>\u201c war wohldurchdacht. Dieser Ausdruck ersetzt den Refrain \u201eU-Bahn &#8211; Arbeit &#8211; Schlaf\u201c \u00fcber das Leben abgestumpfter Arbeiter. Und das wird nicht aufh\u00f6ren, denn der Datenverkehr nimmt jedes Jahr um 25% zu, d.h. er verdoppelt sich in drei Jahren und verdreifacht sich in f\u00fcnf Jahren. Wir sind in die \u00c4ra des \u201eDataismus\u201c eingetreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret ist die Werbung nicht genug. Wie funktionieren digitale Plattformen, um Sie s\u00fcchtig zu machen? Kennen Sie die Namen der Waffen, die den Abschaltknopf zerst\u00f6rt haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei Techniken, die in Kombination funktionieren:<\/p>\n\n\n\n<p>1. <em><strong>Unendlichkeit<\/strong><\/em>: der unendliche Faden, der auf <em>Facebook<\/em> auf Ihrer Seite l\u00e4uft, sowie die Autoplay-Funktion f\u00fcr <em>YouTube<\/em> oder <em>Google<\/em>, die direkt das folgende Video startet. (Ich habe von einem System namens <em>Minimal<\/em> geh\u00f6rt, das dazu dient, Autoplay zu blockieren: Es lohnt sich, sich damit auseinanderzusetzen.)<\/p>\n\n\n\n<p>2. <em><strong>\u00c4hnlichkeit: <\/strong><\/em>Benachrichtigungen und Empfehlungen \u00e4hnlicher Inhalte, die Sie auf das beschr\u00e4nken, was Sie bereits wissen und m\u00f6gen. Weil sie es \u201eVorschl\u00e4ge\u201c nennen, lassen sie Sie glauben, da\u00df Sie etwas Neues entdecken werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlichkeit &#8211; auch dieses Wort ist wichtig. Es wurde den antikreativen Prinzipien von John Lockes Ideen \u00fcber \u201eKontakt, \u00c4hnlichkeit und Ursache und Wirkung\u201c entnommen. \u00c4hnlichkeit kombiniert mit Unendlichkeit ist der Schl\u00fcssel zum Erfolg der Kybernetik.<\/p>\n\n\n\n<p>Haben Sie den Begriff Kybernetik schon einmal geh\u00f6rt? Er stammt aus dem Team von Norbert Wiener &#8211; dem Mann, den LaRouche als ersten grundlegend widerlegt hat. Ich ermutige Sie, diese Geschichte zu studieren, die die Frage der menschlichen Kreativit\u00e4t mit gro\u00dfer wissenschaftlicher Strenge aufwirft.<\/p>\n\n\n\n<p>Einfach ausgedr\u00fcckt, versuchte Wiener, ein Programm zu schaffen, das menschliches Verhalten in Situationen vorhersagen kann, die er als nichtlinear bezeichnet. Mit \u201enichtlinear\u201c meint er, da\u00df Menschen im Gegensatz zu repetitiven mechanischen Systemen Entscheidungen nach ihrem freien Willen treffen. So weit, so gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb m\u00fcsse im Falle des freien Willens per Definition eine Wahl getroffen werden. Im Hinblick auf die Kommunikation entspreche diese Wahl einem Mangel an Information. Um eine Vorhersage treffen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse man sie in Information umsetzen und durch R\u00fcckkopplung verifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wiener verwendet das Argument der statistischen Gastheorie, die zur Entropie f\u00fchrt. Entropie wird gleichgesetzt mit Unordnung, wie z.B. einem Mangel an Information.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sicher, da\u00df Sie hier nicht ganz folgen konnten, denn diese Begriffe sind etwas abstrakt und kompliziert. Daher begn\u00fcgen Sie sich mit dem, was Sie verstehen, n\u00e4mlich mit dem \u201efreien Willen\u201c, einem Konzept, das in der Mitte des 20. Jahrhunderts, in dem dieser Wiener aufgewachsen ist, in Frage gestellt wurde. Sie k\u00f6nnen also gl\u00fccklich sein, weil wir ein System haben, das den freien Willen anerkennt und in seinen Vorhersagen ber\u00fccksichtigt, und das von sehr hochrangigen Forschern. Das ist der Gipfel der Demokratie und des Fortschritts?!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Vorsicht. Ich m\u00f6chte eine Bemerkung zum freien Willen machen. In der Kybernetik wird der freie Wille tats\u00e4chlich durch den Programmierer begrenzt, der begrenzte und bereits existierende Arten von Entscheidungen in seine Analyse integriert. Wie k\u00f6nnte es anders sein? Letztendlich mu\u00df man ja ein Programm erstellen!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgabe des Programms erfolgt dann mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitstheorie und der Statistik. Welche Entscheidung wird mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit getroffen als eine andere? Um immer genauere Ergebnisse zu erhalten, mu\u00df die Maschine eine immer gr\u00f6\u00dfere Datenmenge einbeziehen. Und wenn ein Fehler auftritt, wird der Programmierer zu dem Urteil kommen, da\u00df die Daten unzureichend sind. Wieder einmal jagt der Hund seinen eigenen Schwanz.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierf\u00fcr wurde eine Art Subunternehmer geschaffen: der Konsument mit seinen \u201eKlicks\u201c, die die Maschine korrigieren m\u00fcssen, damit sie besser lernt (im sogenannten \u201eTiefen Lernen\u201c). Es gibt viele andere digital verwandte Subunternehmer, wie Verk\u00e4ufer auf Kommissionsbasis oder Paketzusteller, die in Filmen wie <em>Sorry We Missed You<\/em> von Ken Loach dargestellt werden &#8211; und die Ironie dabei ist, da\u00df man solche Filme im Streaming ansehen oder bei <em>Amazon<\/em> bestellen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Um auf das Problem von Daten und Menge zur\u00fcckzukommen, kann man sich einen Grund vorstellen, warum die Trump-Administration <em>TikTok<\/em> und <em>WeChat<\/em> verbieten will: Neben der Angst vor Spionage und Einmischung ist das vor allem die Angst, China Zugang zu einem Ozean von Daten zu verschaffen, der ihm Durchbr\u00fcche in der k\u00fcnstlichen Intelligenz erm\u00f6glichen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind also Ihrer Meinung nach die Ziele der Kybernetik? Kybernetik kommt von dem griechischen Wort \u03ba\u03c5\u03b2\u03b5\u03c1\u03bd\u03ae\u03c4\u03b7\u03c2<em> (kybernetes)<\/em>, was \u201eregieren\u201c bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat schon oft \u00fcber die kommerziellen Anwendungen gesprochen: Produkte zu verkaufen ist nichts Neues. Ein weiterer zugegebener Aspekt von <em>Netflix<\/em>, der leicht zu verstehen ist, ist politischer Natur: Menschen in Schlaf versetzen, ihre Aufmerksamkeit ablenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Aspekt ist die soziale Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die \u00dcberwachung, die ja nicht alle beunruhigt, wie diejenigen, die denken: \u201eIch habe nichts zu verbergen. Beobachtet mich ruhig, beobachtet, was ich tue, ich lasse mich nicht manipulieren, da k\u00f6nnen Sie sicher sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stimme dieser Geisteshaltung zu und unterst\u00fctze sie. Aber Vorsicht! Denn soziale Kontrolle bedeutet mehr als nur \u00dcberwachung: Sie ist auch Orientierung, der Akt, der die Menschen dazu bringt, in einer bestimmten Weise zu denken. Genau wie in der Werbung wollen sie nicht nur wissen, was Sie m\u00f6gen, und Ihren Geschmack \u00fcberwachen, um Ihnen zu verkaufen, was Sie m\u00f6gen, sie werden sogar voraussagen, was Ihnen gefallen wird, noch bevor Sie selbst es wissen. Genau wie in der Massenkultur wollen sie nicht nur wissen, welche Fernsehserie Sie an den Bildschirm fesselt und von Widerstand und politischem Handeln ablenken wird, sie werden Sie auch von bestimmten Meinungen \u00fcberzeugen, noch bevor Sie selbst sie formulieren k\u00f6nnen, und ohne da\u00df Sie \u00fcberhaupt verstehen k\u00f6nnen, wie Sie zu einer solchen Schlu\u00dffolgerung kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Optimismus wird zerst\u00f6rt<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist das vorrangige Ziel der Oligarchie, um uns zu einer bestimmten Denkweise zu bewegen? Den Optimismus zu zerst\u00f6ren! Denn es ist Ihre Sicht der Welt, die bestimmt, ob Sie zum Handeln getrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und vor allem: Auf welcher Ebene k\u00f6nnen wir eingreifen &#8211; bei den Ursachen oder bei den Wirkungen? Ja, die Folgen der Pandemie sind katastrophal. Ja, der Mensch zerst\u00f6rt und richtet Schaden an. Ja, die Auswirkungen sind schlimm. Ja, wir m\u00fcssen die Folgen bek\u00e4mpfen, um die negativen Auswirkungen zu verringern. Aber ist das die Ebene, auf der wir wirksam handeln k\u00f6nnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Engagieren Sie sich im humanit\u00e4ren und sozialen Bereich, wenn Sie die physische und moralische Energie dazu haben &#8211; ja und dreimal ja! Aber stellen Sie sich vor, da\u00df Sie eines Tages frustriert sein werden, weil Ihre Handlungen, selbst wenn sie durch das Engagement weiterer Personen verzehnfacht werden, niemals ausreichen werden, um die Maschinerie der Zerst\u00f6rung aufzuhalten, Ihre Energie wird dazu nicht ausreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konzentrieren Sie sich statt dessen auf die <em>Ursachen<\/em> und geben Sie nicht auf. Das ist der Auftrag, den uns Lyndon LaRouche gegeben hat. Handeln Sie auf dieser Ebene &#8211; dreitausend Mal ja!<\/p>\n\n\n\n<p>So denken wie Kepler<\/p>\n\n\n\n<p>Wie meine keplerianischen Freunde vorhin gezeigt haben, besteht die wahre Rolle der Wissenschaft darin, die Ursachen der Ph\u00e4nomene unseres Universums zu verstehen. Und von diesem Standpunkt aus sind die Neurowissenschaften &#8211; \u201edank\u201c Norbert Wiener &#8211; wissenschaftsfeindlich, weil sie versuchen, menschliche Ph\u00e4nomene zu interpretieren, indem sie sie elektrisch beobachten und in digitale Sprache \u00fcbersetzen. Ist das die Art und Weise, wie Kreativit\u00e4t funktioniert?<\/p>\n\n\n\n<p>Kepler tat etwas zu seiner Zeit Unvorstellbares: Er bewies, da\u00df die Planetenbewegung keine Kreisbahn ist, obwohl der Kreis die perfekte Form hat und die Himmel perfekt sein m\u00fcssen, weil sie von Gott geschaffen wurden. Er revolutionierte die Wissenschaft, und das anhand einer kleinen Anzahl von Messungen. Drei Ma\u00dfe ergeben einen Kreis, jeder Satz von drei Ma\u00dfen ergibt einen anderen Kreis. Es bedurfte nur einer vierten Messung aus einem anderen Kreis, um zu beweisen, da\u00df die vom Planeten erzeugte Bewegung absolut kein Kreis sein kann, sonst w\u00e4ren es st\u00e4ndig wechselnde Kreise! Brahe konnte sehen, da\u00df seine Daten in dem einen oder anderen System unter den bestehenden Hypothesen nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen waren. Er war gezwungen, zu t\u00fcfteln, um die offensichtlichen Anomalien zu verbergen. Aber in Wirklichkeit waren die Anomalien keine Anomalien: die Denkweise selbst war eine Anomalie. Sobald man den wahren Weg des Planeten verstanden hatte, wurden die \u201eAnomalien\u201c auf einmal sehr koh\u00e4rent.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist der Geist der Hypothese, der es dem Menschen erlaubt, eine gezielte Herangehensweise, eine Absicht bei der Datenaufnahme zu verfolgen und vorhandene Messungen zu sortieren. Das erlaubt ihm, Rechenzeit zu sparen und eine entscheidende Demonstration zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Computer k\u00f6nnen nichts beweisen<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Computer verf\u00fcgt nicht \u00fcber diese F\u00e4higkeit. Er mag im Vergleich zum Menschen eine unerme\u00dfliche Rechenkapazit\u00e4t haben, aber seine Berechnungsmethode wird niemals ein Schl\u00fcssel zur Demonstration sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich ist es vergebliche M\u00fche, zu versuchen, mit einem Computer etwas zu beweisen, weil das eigentliche Prinzip der Demonstration die Suche nach der Wahrheit ist. Glauben Sie, ein Computer hat die geringste Vorstellung davon, was eine Wahrheit ist? Hat er die Idee einer Idee? Was ist ein Kreis? Ist ein Kreis eine Menge von Punkten? Nein, denn zwischen zwei Punkten wird es immer einen Raum geben, w\u00e4hrend ein Kreis zun\u00e4chst einmal eine ununterbrochene Linie ist. Es ist eine Bewegung, etwas, das in der Welt des Computers keine Bedeutung hat. F\u00fcr ein solches Berechnungssystem bedeutet auch ein Kreis nichts, sinnvoll sind dort nur durch Koordinaten definierte Punkte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im weiteren Sinne wird niemals eine Maschine den menschlichen Geist verstehen k\u00f6nnen. Deshalb wird die Strategie benutzt, uns mit den digitalen Riesen &#8211; <em>Apple, Amazon, Google, Microsoft,<\/em> <em>Facebook<\/em> &#8211; von allen Seiten einzuhegen, um uns von der Kreativit\u00e4t abzulenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Kreativit\u00e4t ist unvereinbar mit statistischen und Wahrscheinlichkeitssystemen. So hat LaRouche Wiener widerlegt. W\u00e4hrend seines Studiums der mathematischen Biophysik stellte LaRouche in der Zeit von 1948-52 Paradoxien in Modellen lebender Prozesse fest. Ich zitiere aus seiner Autobiographie:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLebensprozesse funktionieren weiter, auch wenn die herk\u00f6mmliche mathematische Analyse der Entwicklung nicht mehr folgen kann. Ich folgerte daraus, da\u00df es eine Funktionenklasse h\u00f6herer Ordnung geben m\u00fcsse, die alle gew\u00f6hnlichen mathematischen Funktionen als Sonderfall enth\u00e4lt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus seinen Werken schlie\u00dft LaRouche folgendes: \u201eDa\u00df ich diesen Denkfehler Wieners begriff, erm\u00f6glichte meine Entdeckungen auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaft und ist mithin der Schl\u00fcssel zu meinem heutigen internationalen Einflu\u00df.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders witzig ist es, wenn ein Prinzip entdeckt wird, noch bevor man die entsprechenden Daten beobachtet hat. Und genau das hat Einstein mit der Allgemeinen Relativit\u00e4tstheorie getan, er stellte die Hypothese auf, da\u00df ein Ph\u00e4nomen mit Gravitationswellen auftritt, das erst ein Jahrhundert sp\u00e4ter beobachtet werden konnte. Eine Maschine h\u00e4tte das nie erreichen k\u00f6nnen. Der andere Witz: Wissen Sie, wer die erste Rechenmaschine konzipiert hat? Kepler und seine Freunde.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Sehen Sie hier das Video der Jugendkonferenz (engl.)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-wordpress wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-schiller-institut\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"IKfpbf6krp\"><a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/blog\/2020\/09\/24\/62768\/\">Youth Conference \u2014The World Has a Choice: Extinction, or Era of LaRouche<\/a><\/blockquote><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Youth Conference \u2014The World Has a Choice: Extinction, or Era of LaRouche&#8220; &#8212; Schiller-Institut\" src=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/blog\/2020\/09\/24\/62768\/embed\/#?secret=IKfpbf6krp\" data-secret=\"IKfpbf6krp\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ch\u00e9rine Sultan vom franz\u00f6sischen Schiller-Institut hielt bei der Internationalen Jugendkonferenz des Schiller-Instituts am 26. September 2020 den folgenden Vortrag. Was ist die Sucht der n\u00e4chsten Generation? Experten der Neurowissenschaften ist es gelungen, unseren inneren Abschaltknopf zu entfernen: unsere F\u00e4higkeit, aufzuh\u00f6ren, etwas anderes zu tun und&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":63846,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[37],"tags":[],"class_list":["post-63844","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-de"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Cherine.jpg","author_info":{"display_name":"madeleine","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/madeleine\/"},"modified_by":"madeleine","cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63844","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=63844"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63844\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63845,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/63844\/revisions\/63845"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/63846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=63844"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=63844"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=63844"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}