{"id":61376,"date":"2020-08-01T16:52:19","date_gmt":"2020-08-01T14:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=61376\/"},"modified":"2020-08-01T16:52:19","modified_gmt":"2020-08-01T14:52:19","slug":"die-welt-mus-sich-vom-kriegskurs-pompeos-gegen-china-distanzieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2020\/08\/01\/die-welt-mus-sich-vom-kriegskurs-pompeos-gegen-china-distanzieren\/","title":{"rendered":"Die Welt mu\u00df sich vom Kriegskurs Pompeos gegen China distanzieren!"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Von Helga Zepp-LaRouche<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p style=\"text-align: center;\">\n<p>In einer markersch\u00fctternden Rede mit dem Titel \u201eDas kommunistische China und die Zukunft der freien Welt\u201c in der Richard Nixon Presidential Library in Yorba Linda\/Kalifornien verlangte der amerikanische Au\u00dfenminister Pompeo am 23. Juli nichts weniger als den Abbruch der Beziehungen zu China und die Schaffung einer internationalen antichinesischen Allianz, mit der klaren Absicht, einen Regimewechsel in Beijing herbeizuf\u00fchren. Wenn die Welt irgend etwas aus der Vorgeschichte der beiden Weltkriege des 20. Jahrhundert gelernt haben sollte, dann ist es die Erkenntnis, da\u00df ein solcher systematischer Aufbau eines Feindbildes stets zur akuten Kriegsvorbereitung geh\u00f6rt. Alle friedliebenden Kr\u00e4fte auf der ganzen Welt &#8211; einschlie\u00dflich der USA selbst &#8211; m\u00fcssen dieser Gefahr entgegenwirken, ehe es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>Da\u00df Pompeo ausgerechnet diesen Ort f\u00fcr seine Rede w\u00e4hlte, in der er gro\u00dfspurig die 1971 eingef\u00e4delte Politik Nixons gegen\u00fcber China f\u00fcr gescheitert erkl\u00e4rte, gibt lebhaften Ausdruck f\u00fcr die Gewohnheit Pompeos, da\u00df er historische Wahrheiten ebenso zu Boden zu ringen versucht, wie er dies mit Parteifreunden, Verb\u00fcndeten und Gegnern tut. Er behauptete, Nixon habe recht gehabt als er 1967 schrieb, \u201edie Welt k\u00f6nne nicht sicher sein, solange sich China nicht \u00e4ndert\u201c. Chas Freeman, der Nixon auf seiner historischen Reise 1972 als \u00dcbersetzer begleitete, korrigierte Pompeo. Er habe falsch dargestellt, was Nixon 1967 in <i>Foreign Affairs<\/i> geschrieben habe, Nixon habe vielmehr gesagt: \u201eWir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, China auf immer und ewig au\u00dferhalb der Gemeinschaft der Nationen zu halten.\u201c<\/p>\n<p>In der Tat ging es Nixon nicht um eine Ver\u00e4nderung des politischen Systems in China, sondern darum, die internationale Stellung Chinas angesichts der Verschlechterung des Verh\u00e4ltnisses zwischen der Sowjetunion und China zu st\u00e4rken. Als Kissinger im Juli 1971 in China eintraf &#8211; einem Land, das noch unter der Drangsal der \u201eViererbande\u201c litt -, um die Reise des zutiefst antikommunistischen Nixons im folgenden Jahr vorzubereiten, galten die USA noch als \u201ePapiertiger\u201c und es sollte noch bis 1979, also drei Jahre nach dem Ende der Kulturrevolution dauern, bis die USA und China diplomatische Beziehungen aufnahmen.<\/p>\n<p>Hinter der Aufnahme Chinas in die WTO 2001 stand die erkl\u00e4rte Absicht, da\u00df China mit einer Integration in den Welthandel schrittweise auch das westliche, liberale Wirtschafts- und das politische System \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Genau dies aber war zu keinem Zeitpunkt die Absicht Chinas, das zwar die Politik der Reform und \u00d6ffnung nutzte, um die Wirtschaftspolitik auf die Basis einer permanenten Innovation zu stellen &#8211; China ist inzwischen das Land mit den meisten Patentanmeldungen weltweit -, aber politisch und kulturell st\u00e4rkte es dagegen die Tradition seiner 5000 Jahre alten Geschichte. Reisende in China k\u00f6nnen \u00fcberall die sorgf\u00e4ltig restaurierten Zeugnisse der verschiedensten Epochen &#8211; von der Gro\u00dfen Mauer, Pagoden, Konfuzius-Statuen, Pal\u00e4sten bis zu Buddhistischen Tempeln &#8211; besichtigen. China ist eben eine vollst\u00e4ndig andere Kultur als die der USA und Europas, und sein \u201eSozialismus mit chinesischen Kennzeichen\u201c hat so gut wie nichts mit dem Kommunismus etwa der Sowjetunion oder der DDR zu tun, sondern es reflektiert die \u00fcber 2000 Jahre kontinuierliche Tradition des Konfuzianismus.<\/p>\n<p>Die Kommunistische Partei Chinas ist daher auch kein Eliteclub wie das transatlantische Establishment, das sich aus den Vorstandsetagen der Londoner City, der Wall Street, der DAX 500-Unternehmen, \u201eInside the Beltway\u201c oder der EU-B\u00fcrokratie zusammensetzt, sondern ihr geh\u00f6ren 93 Millionen Mitglieder an, und sie beruht auf dem Prinzip der Meritokratie. Weit \u00fcber 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung haben Vertrauen in die Regierung, was nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken ist, da\u00df in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 850 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden sind, und Xi Jinpings Devise, da\u00df der Schutz des menschlichen Lebens erste Priorit\u00e4t hat, soeben im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie bewiesen worden ist.<\/p>\n<p>Angesichts der historischen und kulturellen Situation in China wirkt Pompeos \u201eNixon-Rede\u201c allerdings wie das sprichw\u00f6rtliche Auftreten des \u201eElefanten im Porzellanladen\u201c &#8211; im Englischen passenderweise \u201ethe Bull in the China-Shop\u201c: \u201eDas Verhalten der KP China zu \u00e4ndern, kann nicht allein die Mission des chinesischen Volks sein&#8230; Um die Schrift zu zitieren, frage ich, ,ist unser Geist willig, aber unser Fleisch schwach?\u2019 &#8230; Die Sicherung der Freiheiten vor der Chinesischen Kommunistischen Partei ist die Mission unserer Zeit\u201c, orakelte Pompeo weiter in seiner Rede.<\/p>\n<p>Dieser offene Aufruf zu einem Regimewechsel in Beijing und zur Schaffung einer internationalen antichinesischen Allianz kommt nicht nur gef\u00e4hrlich nahe an eine Kriegserkl\u00e4rung heran. Wenn sich der Au\u00dfenminister der st\u00e4rksten Milit\u00e4rmacht auf die Heilige Schrift als Motivierung f\u00fcr seine Politik bezieht, sollten die Alarmglocken l\u00e4uten. Bei einer Rede auf der \u201eKundgebung f\u00fcr Gott und das Land\u201c 2015 sagte Pompeo ausdr\u00fccklich, da\u00df er auf eine biblische Entr\u00fcckung (\u201ebiblical rapture\u201c) hinarbeitet. F\u00fcr diese Art des evangelikalen Fundamentalismus ist die Annahme des Armageddon quasi Teil der Glaubensstruktur. Es ist die Vorstellung, da\u00df in der \u201eEndzeit\u201c alle wirklich Gl\u00e4ubigen in den Himmel emporgehoben werden, w\u00e4hrend der Rest der Welt untergeht.<\/p>\n<p>Andererseits gab Pompeo in einer Diskussion bei der Texas A&amp;M University zu, da\u00df er als CIA-Direktor die Philosophie vertrat: \u201eWir haben gelogen, betrogen, gestohlen. Es war wie &#8211; wir hatten Trainingskurse. Es erinnerte an den Ruhm des Amerikanischen Experiments.\u201c Man kann also bei Pompeo nie so genau wissen, ob er wirklich ein Armaggedon als Resultat seiner Politik in Kauf nimmt, oder ob er gerade wieder einmal gelogen hat. Aber das wu\u00dfte man bei Elmer Gantry bis zum bitteren Ende auch nicht so genau. Pompeo hat jedenfalls mit dazu beigetragen, da\u00df die L\u00fcgen \u00fcber das Russiagate \u00fcber drei Jahre weitergestrickt werden konnten, indem er die forensischen Beweise, die Bill Binney ihm schon 2017 pr\u00e4sentierte, da\u00df es kein russisches Hacken gab, unterdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall haben die Tiraden der Pompeos, Espers, Navarros, Bannons, die Pr\u00e4sident Trump umranken, und der Mainstream-Medien gegen China eine gef\u00e4hrliche Wirkung auf die Ansichten der amerikanischen Bev\u00f6lkerung. Laut einer Studie des PEW Surveil Centers glauben inzwischen drei Viertel aller Amerikaner, da\u00df China f\u00fcr die weltweite Verbreitung des Coronavirus verantwortlich ist, und \u00fcber 60 Prozent glauben, da\u00df China auf diesen Ausbruch schlecht reagiert hat. Unter medizinischen Wissenschaftlern und \u00c4rzten hingegen besteht weitgehender Konsens, da\u00df China neue Ma\u00dfst\u00e4be bei der Bek\u00e4mpfung von Pandemien gesetzt hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Pr\u00e4sident Trump zu Beginn seiner Amtszeit oft Respekt f\u00fcr China, Bewunderung f\u00fcr die chinesische Kultur ausdr\u00fcckte und von \u201emeinem Freund Xi Jinping\u201c sprach, \u00e4nderte sich der Ton im milit\u00e4rischen Establishment sp\u00e4testens mit der \u201eNationalen Sicherheits-Strategie\u201c von 2018, und China mutierte vom strategischen Konkurrenten zum Gegner, zum Feind und zur gr\u00f6\u00dften Bedrohung. Grund hierf\u00fcr war nicht irgend etwas in der chinesischen Politik, das dies rechtfertigen w\u00fcrde, sondern der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas und die offensichtliche Attraktivit\u00e4t des chinesischen Modells, das China mit seiner \u201eBelt &amp; Road-Iniative\u201c, der neuen Seidenstra\u00dfe, den Entwicklungsl\u00e4ndern anbot. Pr\u00e4sident Xi und andere Regierungsvertreter Chinas betonten in unz\u00e4hligen Reden, da\u00df es nicht ihre Absicht sei, die USA als hegemoniale Macht zu ersetzten, sondern da\u00df China eine Partnerschaft auf der Basis des Respekts f\u00fcr die Souver\u00e4nit\u00e4t und des verschiedenen sozialen Systems anstrebe.<\/p>\n<p>Als sp\u00e4testens ab M\u00e4rz dieses Jahres deutlich wurde, da\u00df China es nicht nur wesentlich besser als die USA (und die meisten anderen westlichen Staaten) verstand, die Pandemie einzud\u00e4mmen, sondern auch als einziges Land wieder positive Wachstumszahlen bei seiner Wirtschaft zu erzielen, eskalierten die Angriffe. Ausgehend von den ehemaligen MI6-Chefs Sir Richard Dearlove und John Sawers und dann dem ganzen Chor der Neokons in der Regierung Trump, wurde China immer heftiger f\u00fcr die Verbreitung der Pandemie verantwortlich gemacht, die in London ans\u00e4ssige Henry Jackson Society verstieg sich sogar dazu, neun Billionen Schadensersatz von China zu fordern. In einem Wahlkampfstrategiepapier der Republikanischen Partei wird den Kandidaten f\u00fcr den Senat empfohlen, nicht Trump zu verteidigen, sondern China f\u00fcr die Pandemie verantwortlich zu machen.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend hat sich der Ton der chinesischen Reaktionen dramatisch versch\u00e4rft. Verschiedene Artikel warnten, man d\u00fcrfe nicht die Fehler der 1910er und 1930er Jahre wiederholen, und China m\u00fcsse sein Atomwaffenarsenal ausbauen, als einziges Mittel, das die amerikanische Arroganz in Grenzen halten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Jedem denkenden Menschen mu\u00df klar sein, da\u00df die Zukunft der ganzen Welt ganz wesentlich davon abh\u00e4ngen wird, ob die USA auf den unvermeidlichen Aufstieg Chinas mit dem aussichtslosen Versuch reagieren wird, diese Entwicklung zu unterbinden, was nur zum Dritten Weltkrieg f\u00fchren kann, oder ob die beiden gr\u00f6\u00dften \u00d6konomien der Welt ihre Potentiale zusammenbringen, um gemeinsam mit dem Rest der Welt die gro\u00dfen Herausforderungen wie Pandemie, Wirtschaftskrise, Welthunger und Armut zu bek\u00e4mpfen. Der gef\u00e4hrlichen Hetzkampagne Pompeos gegen China mu\u00df eine klare Abfuhr erteilt werden.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche In einer markersch\u00fctternden Rede mit dem Titel \u201eDas kommunistische China und die Zukunft der freien Welt\u201c in der Richard Nixon Presidential Library in Yorba Linda\/Kalifornien verlangte der amerikanische Au\u00dfenminister Pompeo am 23. 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