{"id":49578,"date":"2018-11-11T09:15:18","date_gmt":"2018-11-11T08:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=49578\/"},"modified":"2018-11-11T09:15:18","modified_gmt":"2018-11-11T08:15:18","slug":"die-tiefe-moralische-krise-des-westens-oder-warum-wir-eine-renaissance-der-klassischen-kultur-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2018\/11\/11\/die-tiefe-moralische-krise-des-westens-oder-warum-wir-eine-renaissance-der-klassischen-kultur-brauchen\/","title":{"rendered":"Die tiefe moralische Krise des Westens, oder warum wir eine Renaissance der klassischen Kultur brauchen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Anl\u00e4\u00dflich des 259. Geburtstags von Friedrich Schiller: <\/em><\/p>\n<p>Von Helga Zepp-LaRouche<\/p>\n<p>Es ist typisch f\u00fcr das kurzsichtige Denken unserer Zeit, da\u00df sich der BDI zwar derzeit dar\u00fcber sorgt, da\u00df es einen \u201eSystemwettbewerb\u201c zwischen \u201eunserem Modell der offenen Markwirtschaft und Chinas staatlich gelenkter Wirtschaft\u201c gebe, da\u00df die Chancen des wirtschaftlichen Austauschs zwar genutzt, die Abh\u00e4ngigkeiten vom chinesischen Markt aber verringert werden sollten, da\u00df selbst die mittelfristigen Wettbewerbschancen jedoch vollkommen ignoriert werden. Und diese haben offensichtlich nicht zuletzt mit den menschlichen Eigenschaften der k\u00fcnftigen Arbeitskr\u00e4fte zu tun, also der heutigen Kinder und Jugendlichen. Der Westen befindet sich von diesem Standpunkt betrachtet in einer tiefen kulturellen Krise, die gerade das Resultat jener \u201ewestlichen Werte\u201c ist, die uns angeblich anderen Kulturkreisen so absolut \u00fcberlegen machen sollen.<br \/>\n13 Tote und viele Verletzte bei einer Schie\u00dferei in einer Bar in Thousand Oaks in Kalifornien, in der Ian David Long, ein Veteran des US Marine Corps, Amok lief, sind nur das j\u00fcngste Beispiel in einem endlosen Alptraum in den USA, der so gut wie t\u00e4glich eine Fortsetzung findet. 2015 gab es 209 Massenschie\u00dfereien, 2017 bereits 346, und dieses Jahr schon \u00fcber 300 &#8211; inzwischen gibt es schon Personen, die knapp zwei solcher Horrorsituationen entkommen sind.<br \/>\nDie liberalen Medien sind schnell bei der Hand, die vermeintlich Verantwortlichen zu finden: die National Rifle Association (NRA), und der zweite Zusatz zur amerikanischen Verfassung, n\u00e4mlich das Recht, Waffen zu tragen. Aber diese Erkl\u00e4rung tr\u00e4gt nicht all den anderen Ausdrucksformen der Verrohung Rechnung, vor allem bei immer j\u00fcngeren Kindern. Beispielhaft sei hier nur der Fall eines 15j\u00e4hrigen in Florida erw\u00e4hnt, der seine Mutter erw\u00fcrgte, weil ihm ihre Kritik an seinen Schulnoten mi\u00dffiel, um sie dann in einer Schubkarre zu einem Lieferwagen zu fahren, mit dem er sie zu einer Kirche in der N\u00e4he fuhr und dort unter einer Feuerstelle begrub. Mit Hilfe zweier Freunde inszenierte er dann einen Einbruch und machte laut seinen eigenen Worten einen \u201eGrammy-gewinnenden Anruf an 911\u201c, die allgemeine Notrufnummer in den USA.<br \/>\nSogenannte \u201eRoheitsdelikte\u201c finden nicht nur auf der anderen Seite des Atlantiks statt, in Berlin wurde k\u00fcrzlich ein Zehnj\u00e4hriger von einem anderen Zehnj\u00e4hrigen nach Vorank\u00fcndigung auf einer Klassenfahrt vergewaltigt. Zwei Elfj\u00e4hrige hielten das Opfer fest, zwei unbeteiligte Sch\u00fcler sahen zu.<br \/>\nNat\u00fcrlich gab es schon immer schockierende F\u00e4lle kriminellen Verhaltens, aber niemand kann bestreiten, da\u00df der durchweg ungehinderte Zugang selbst junger Kinder zu allen Formen der Gewalt und Pornographie im Internet bei dem gleichzeitigen Fehlen einer Erziehung, die ihnen ein inneres moralisches Urteilsverm\u00f6gen vermitteln w\u00fcrde, zu einer katastrophalen Verrohung gef\u00fchrt hat.<br \/>\nDie Folge ist ein v\u00f6llig verkommenes Menschenbild, insbesondere von Frauen und von Sexualit\u00e4t. Nimmt man noch die F\u00e4lle hinzu, in denen exzessives Videospielen zu einem mehr oder minder autistischen sozialen Verhalten gef\u00fchrt hat, dann ergibt sich f\u00fcr einen nicht geringen Anteil der n\u00e4chsten Generationen eine sehr negative Perspektive bez\u00fcglich ihres kreativen Potentials.<br \/>\nDer Verband Bildung und Erziehung (VBE) gab soeben \u201eangesichts der Verrohung der Umgangsformen und aktueller Ereignisse wie j\u00fcngst in Chemnitz\u201c eine Forsa-Umfrage in Auftrag, wie es um die Sicht von Eltern und Lehrern bez\u00fcglich der Werteerziehung in Deutschland bestellt sei. \u00dcber 90 Prozent beider Gruppen betonten, da\u00df diese ihnen sehr wichtig sei, da\u00df es aber bei der Umsetzung hapere. Andere Umfragen ergaben, da\u00df die Gewalt gegen Lehrer ein erschreckendes Ausma\u00df angenommen habe. Lehrer w\u00fcrden zunehmend beschimpft, bedroht und attackiert, Ergebnisse der Umfragen ergaben, \u201eda\u00df der Ton in der Gesellschaft rauher wird, die Sprache verroht, Konflikte \u00f6fter und schneller eskalieren, Autorit\u00e4ten nicht mehr anerkannt werden\u201c. Es handele sich um ein \u201egesamtgesellschaftliches Ph\u00e4nomen\u201c und gehe keineswegs vorrangig von Menschen mit Migrationshintergrund aus.<br \/>\nOb es sich um Veteranen handelt, die nach Kriegseins\u00e4tzen im Nahen Osten an Posttraumatischem Stre\u00dfsyndrom leiden &#8211; in den USA begeht alle 65 Minuten einer dieser Veteranen Selbstmord -, oder um die virtuelle Erfahrung der Gewalt bei Videospielen oder sogenannter Unterhaltung, in beiden F\u00e4llen wird die Hemmschwelle gegen\u00fcber Gewalt bis hin zum T\u00f6ten eines anderen Menschen auf gef\u00e4hrliche Weise heruntergesetzt. Und obwohl dieser Trend seit langem offensichtlich ist, wird in einer Gesellschaft, die so viel auf ihre \u201eliberalen Werte\u201c h\u00e4lt &#8211; sprich: \u201eAlles ist erlaubt\u201c &#8211; nichts unternommen, um diesem Absturz in die grenzenlose Dekadenz Einhalt zu gebieten.<br \/>\nIm v\u00f6lligen Kontrast dazu hat die chinesische Regierung k\u00fcrzlich Hip-Hop-Musik und banale Quiz-Shows verboten, da die Schlagertexte ein degradierendes Frauenbild vermittelten und die Shows die Kreativit\u00e4t der Zuschauer verhinderten. Noch wichtiger: Pr\u00e4sident Xi Jinping betonte vor kurzem in einem Brief an acht Professoren der Zentralen Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste (CAFA) die au\u00dferordentliche Bedeutung der \u00e4sthetischen Erziehung f\u00fcr das gesunde Wachstum der Jugend Chinas, sowohl in physischer als auch geistiger Hinsicht. Die \u00e4sthetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines sch\u00f6neren Geistes, sie erf\u00fclle die Studenten mit Liebe und f\u00f6rdere das Schaffen gro\u00dfer Kunstwerke.<br \/>\nIn China geht die Bedeutung der \u00e4sthetischen Erziehung auf Konfuzius zur\u00fcck, aber auch in der modernen Geschichte widmeten sich bedeutende Gelehrte und Erzieher der Anwendung dieser Methode mit dem Ziel der moralischen Veredlung der Sch\u00fcler und Studenten.<br \/>\nEiner der Begr\u00fcnder der modernen \u00c4sthetik, Wang Gouwei, ein Gelehrter am Qinghua-Institut f\u00fcr chinesische Studien, verschrieb sich der Erforschung des Elends der Menschen, das seiner Erkenntnis nach von der Begierde komme. Die Begehrlichkeit mache die Menschen ungl\u00fccklich, sie treibe sie dazu an, Dinge haben zu wollen, was zu zwanghaften Verhalten f\u00fchren k\u00f6nne, und beim Verlust der angestrebten Objekte zum innerlichen Ungl\u00fccklichsein und zu \u00e4u\u00dferlichen sozialen \u00dcbeln f\u00fchre. Ob es einen Weg gebe, diese Begehrlichkeit zu besiegen? Ja, sagt Wang Guowei, das sei die Sch\u00f6nheit.<br \/>\nZu einer \u00e4hnlichen Ansicht war schon der ehemalige Pr\u00e4sident der Peking Universit\u00e4t, Cai Yuanpei, gekommen, der in einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb: \u201eIch glaube, da\u00df die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine h\u00f6here moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die \u00e4sthetische Erziehung.\u201c<br \/>\nIn der gleichen philosophischen Tradition schrieb Zhu Guangqian in seiner Schrift: \u201e\u00c4sthetik erkl\u00e4rt\u201c, da\u00df die Probleme der Gesellschaft darin l\u00e4gen, da\u00df die Herzen der meisten Menschen schlecht seien. Um die Herzen der Menschen zu reinigen, m\u00fcsse man den Geist und die Seele kultivieren, h\u00f6here und reinere Ziele setzen, als nur reich werden oder sch\u00f6ne Kleider oder eine hohe Regierungsposition haben zu wollen. Um den Geist einer Person zu l\u00e4utern, m\u00fcsse man zuerst ihr Leben versch\u00f6nern.<br \/>\nDieser Aufgabe ist das gesamte Werk Friedrich Schillers gewidmet; der Veredlung des Menschen durch die \u00e4sthetische Erziehung. Aber vor allem in seinen \u00c4sthetischen Briefen, die er als Reaktion auf die absolute Verrohung der Franz\u00f6sischen Revolution durch den Terror der Jakobiner geschrieben hatte, besch\u00e4ftigte er sich mit der Frage, woher die Veredlung der Menschen kommen k\u00f6nne, wenn die Regierungen korrupt und die Massen verroht seien. Einzig und allein die gro\u00dfe klassische Kunst sei dazu in der Lage, weil sie den unfehlbaren Schl\u00fcssel zu den h\u00f6chsten Regungen der menschlichen Seele besitze und das h\u00f6chste Ideal der Menschlichkeit \u00fcberhaupt aufstellen k\u00f6nne. In der Vorrede zur \u201eBraut von Messina\u201c f\u00fchrte Schiller aus, da\u00df die gro\u00dfe klassische Kunst in der menschlichen Seele eine Kraft wecke, die auch bleibe, wenn das Erleben des Kunstwerks bereits abgeschlossen ist.<br \/>\nWenn der Westen mit seiner Kultur des \u201eAlles ist erlaubt\u201c so weitermacht, dann ist schon jetzt klar, wer den \u201eSystemwettbewerb\u201c, von dem der BDI spricht, gewinnen wird. Denn China tut enorm viel, um die 5000 Jahre alte Kultur m\u00f6glichst vielen B\u00fcrgern nahe zu bringen, und Xi Jinping setzt sich pers\u00f6nlich f\u00fcr die Verbreitung der konfuzianischen Philosophie in alle Poren der Gesellschaft ein.<br \/>\nWir im Westen haben in jedem Fall ein riesiges Problem, weil wir seit dem durch den Kongre\u00df f\u00fcr Kulturelle Freiheit, die Frankfurter Schule und die 68er bewirkten Paradigma- Wandel bereits mehrere Generation hatten, die sich bewu\u00dft gegen die Ideale unserer klassisch- humanistischen Tradition gerichtet haben. Trotzdem wird es nur m\u00f6glich sein, die kulturelle und moralische Krise zu \u00fcberwinden, wenn wir zu den Idealen von Nikolaus von Kues, Leibniz, Lessing, Schiller und von Humboldt, Bach und Beethoven &#8211; um nur einige zu nennen &#8211; zur\u00fcckkehren und diese einschlie\u00dflich der gro\u00dfen Werke der klassischen Kunst an die gegenw\u00e4rtige und die kommenden Generationen vermitteln.<br \/>\nSie, lieber Leser, k\u00f6nnen den 259. Geburtstag von Friedrich Schiller nicht besser feiern, als sich dem Schiller-Institut anzuschlie\u00dfen.<br \/>\nzepp-larouche@eir.de<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4\u00dflich des 259. 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