{"id":48917,"date":"2018-10-24T12:52:13","date_gmt":"2018-10-24T10:52:13","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=48917\/"},"modified":"2018-10-24T12:52:13","modified_gmt":"2018-10-24T10:52:13","slug":"die-welt-braucht-nicht-die-dekarbonisierung-sondern-kernfusion-und-ein-neues-bretton-woods","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2018\/10\/24\/die-welt-braucht-nicht-die-dekarbonisierung-sondern-kernfusion-und-ein-neues-bretton-woods\/","title":{"rendered":"\u201eDie Welt braucht nicht die Dekarbonisierung, sondern Kernfusion und ein Neues Bretton Woods\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\">Von Alexander Hartmann<\/p>\n<p class=\"western\">\u201eDie Neue Seidenstra\u00dfe und das Ende des Kolonialismus: eine neue gemeinsame Zukunft f\u00fcr die Menschheit\u201c lautete das Thema eines Forums in Washington mit Helga Zepp-LaRouche, das vom Schiller-Institut am 17. Oktober f\u00fcr Diplomaten und andere geladene G\u00e4ste veranstaltet wurde. Sie beschrieb in ihrem Vortrag den Gegensatz zwischen dem Neuen Paradigma f\u00fcr Frieden durch \u201eWin-Win-Kooperation\u201c souver\u00e4ner Staaten zur gegenseitigen Entwicklung, wie es sich dank Chinas G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative ausbildet, und dem alten Paradigma der Geopolitik.<\/p>\n<p class=\"western\">Typisch f\u00fcr diese Geopolitik ist die Politik des Britischen Empire, und beispielhaft f\u00fcr das Vorgehen des Empire ist das sog. Russiagate, wo behauptet wurde, Trump habe im Wahlkampf 2016 ein Komplott mit dem russischen Pr\u00e4sidenten Putin geschmiedet, um die Pr\u00e4sidentschaftswahl zu gewinnen. Nun zeigt sich, da\u00df in Wahrheit die Regierung Obama mit den britischen Geheimdiensten konspirierte, um Trumps Wahlsieg zu verhindern, und als das scheiterte, versucht hat, diesen Wahlausgang ungeschehen zu machen und Trump zu st\u00fcrzen. \u201eDas h\u00e4ngt unmittelbar damit zusammen, da\u00df Trump im Wahlkampf versprochen hat, die Beziehungen zu Ru\u00dfland zu reparieren. Und bei dem sehr erfolgreichen Treffen, das er in Helsinki mit Pr\u00e4sident Putin hatte, konnten Sie sehen, da\u00df er trotz der unglaublichen Geschichten, die ihm im Russiagate vorgeworfen wurden, tats\u00e4chlich auf diesem Kurs ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Auch andere britische Operationen werden aufgedeckt, wie die False-Flag-Operationen gegen die syrische Regierung und die dubiose Skripal-Aff\u00e4re. \u201eAlle diese britischen Operationen waren darauf ausgerichtet, die Vereinigten Staaten immer mehr in eine Konfrontation gegen Ru\u00dfland zu treiben.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Die Lage in den USA ist vollkommen polarisiert. \u201eDie Demokraten tun alles, um bei der Kongre\u00dfwahl die Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus und m\u00f6glichst auch Sitze im Senat zu gewinnen, denn nach ihren Pl\u00e4nen wollen sie einige neokonservative Republikaner in ihr Lager ziehen und dann gleich ein Verfahren zur Absetzung von Pr\u00e4sident Trump anstreben. Wenn es dazu k\u00e4me, w\u00e4ren wir sofort wieder ganz auf dem Kriegspfad gegen Ru\u00dfland und China. Dazu mu\u00df man nur die kriegerischen Erkl\u00e4rungen beispielsweise von General Scaparrotti h\u00f6ren, dem Oberkommandeur der NATO-Truppen in Europa, der im Grunde sagte, der Westen sei bereits im Krieg gegen Ru\u00dfland &#8211; da werde zwar noch nicht geschossen, aber das sei ein Krieg&#8230; Wir sind also wirklich in einem ganz entscheidenden Kampf, in dem der Weltfrieden davon abh\u00e4ngt, da\u00df Trump die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Amerika in der Thukydides-Falle?<\/p>\n<p class=\"western\">Die zweite wichtige Frage neben dem internen Machtkampf in den USA ist der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China. \u201eEs ist die alte Frage der ,Thukydides-Falle\u2019: Wie reagiert die bisher dominierende Macht, n\u00e4mlich die Vereinigten Staaten, auf den Aufstieg einer sekund\u00e4ren Macht, wenn die schlie\u00dflich die bisher dominierende Macht \u00fcberholt? Was bringt Leute wie Bannon und Kissinger, die anscheinend ein B\u00fcndnis geschlossen haben, und viele Denkfabriken dazu, v\u00f6llig durchzudrehen?\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Seit Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping 2013 in Kasachstan die Neue Seidenstra\u00dfen-Initiative (BRI) ank\u00fcndigte, haben sich rund hundert L\u00e4nder angeschlossen. \u201eIn allen diesen L\u00e4ndern wurde investiert, zw\u00f6lfmal so viel wie im Marshallplan, alles auf der Grundlage einer Win-Win-Kooperation, in eine enorme Zahl von Infrastrukturkorridoren, Industrieparks, Kraftwerken; es wurden verschiedenste landwirtschaftliche Projekte aufgebaut.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Es entwickelt sich ein v\u00f6llig neues System der internationalen Beziehungen auf der Grundlage der Achtung der Souver\u00e4nit\u00e4t, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen Landes und des Respekts f\u00fcr die Perspektiven anderer Gesellschaftssysteme, und dies hat eine v\u00f6llig andere Dynamik in der Welt ausgel\u00f6st. So ist die Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO) vollst\u00e4ndig in die G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative integriert, es entsteht eine neue Form der S\u00fcd-S\u00fcd-Beziehungen, was k\u00fcrzlich beim Jahrestreffen der BRICS sehr deutlich wurde, wo sich die Gruppe \u201eGlobaler S\u00fcden\u201c (Global South) bildete. \u201eDas sind praktisch alle Organisationen des Entwicklungssektors, die G-77, die Organisation der Islamischen L\u00e4nder, Mercosur, die Afrikanische Union und viele regionale Organisationen.\u201c Und beim FOCAC-Treffen Anfang September in Beijing nahmen mehr als 50 afrikanische Staats- und Regierungschefs teil, die eine neue \u00c4ra der Freundschaft und der historischen Beziehungen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent verk\u00fcndeten.<\/p>\n<p class=\"western\">Dieser Geist der Neuen Seidenstra\u00dfe \u00fcberwindet nun die geopolitischen Konflikte in vielen Teilen der Welt, beispielsweise in Korea, wo Nord- und S\u00fcdkorea auf dem besten Wege sind, noch in diesem Jahr einen Friedensvertrag anzuk\u00fcndigen und Kurs auf die Wiedervereinigung zu nehmen. \u00c4hnliches entwickelt sich am Horn von Afrika, \u201edort schaffen jetzt Somalia, Dschibuti, Eritrea und \u00c4thiopien neue diplomatische Beziehungen und eine Kooperation, die noch vor kurzem v\u00f6llig undenkbar war\u201c.<\/p>\n<p class=\"western\">Im Kontext der Neuen Seidenstra\u00dfe gibt es zahlreiche strategische Neuausrichtungen zwischen L\u00e4ndern, die bisher aus strategischen Gr\u00fcnden und aufgrund fr\u00fcherer Kriege v\u00f6llig zerstritten waren. Ein Beispiel ist die neue Kooperation zwischen Japan und China, die \u00fcbereinstimmend erkl\u00e4ren, da\u00df sie in Drittl\u00e4ndern kooperieren k\u00f6nnen, insbesondere in Thailand. Auch lateinamerikanische L\u00e4nder sind sehr daran interessiert, mit China zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber in Europa sind die Reaktionen sehr gemischt: Die Europ\u00e4ische Union und Berlin insistieren auf dem \u201eeurop\u00e4ischen Weg\u201c, aber viele in Europa sehen die Vorteile der Kooperation mit der Neuen Seidenstra\u00dfe. \u201eDie 16+1, das sind die ost- und mitteleurop\u00e4ischen L\u00e4nder plus China, schaffen viele Infrastrukturprojekte, und das hat Optimismus ausgel\u00f6st, beispielsweise in den Visegrad-L\u00e4ndern &#8211; Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn -, deren Verkehrsminister sich gerade getroffen haben und sagten, da\u00df sie ihre Hauptst\u00e4dte durch Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetze miteinander verbinden wollen.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Ein weiteres Beispiel der Kooperation mit der Neuen Seidenstra\u00dfe ist \u00d6sterreich, wo Bundeskanzler Sebastian Kurz noch vor Jahresende ein gro\u00dfes Europa-Afrika-Forum veranstalten wird, da \u00d6sterreich im laufenden Halbjahr die EU-Pr\u00e4sidentschaft innehat. Viele Institutionen in Wien und ganz \u00d6sterreich sind begeistert. Der Pr\u00e4sident der Wiener Wirtschaftskammer setzt sich f\u00fcr die Integration \u00d6sterreichs in die Neue Seidenstra\u00dfe ein &#8211; die Neue Seidenstra\u00dfe sei \u201eunsere wirtschaftliche Zukunft\u201c.<\/p>\n<p class=\"western\">Auch die italienische Regierung strebt ein strategisches B\u00fcndnis mit China an, sie hat gro\u00dfe Gesch\u00e4fte mit China abgeschlossen und China eingeladen, sich am Wiederaufbau der italienischen Infrastruktur zu beteiligen. Frau Zepp-LaRouche verwies besonders auf die Vereinbarung \u00fcber die Kooperation zwischen China und Italien im \u201eTransaqua\u201c-Projekt zur Wiederauff\u00fcllung des austrocknenden Tschadsees in Zentralafrika als ein Modell f\u00fcr alle westlichen L\u00e4nder.<\/p>\n<p class=\"western\">Sie zitierte einen Kommentar in der <i>Neuen Z\u00fcrcher Zeitung<\/i> \u00fcber \u201eEuropas l\u00e4hmende Angst vor Afrika\u201c: Der entscheidende Unterschied zwischen der Herangehensweise Europas und Chinas sei, da\u00df Europa lediglich eine Bedrohung durch Fl\u00fcchtlinge und eine riesige Migrationskrise sieht, w\u00e4hrend China in Afrika vor allem wirtschaftliche Chancen sieht. In L\u00e4ndern wie Indien, der T\u00fcrkei, den Golfstaaten, Ru\u00dfland, Brasilien, Indonesien, Thailand, Japan und China laute das Gebot der Stunde \u201eAuf nach Afrika\u201c. Man spreche bereits von einem neuen China mit afrikanischem Charakter.<\/p>\n<p class=\"western\">Fortschrittsfeindlichkeit im Westen<\/p>\n<p class=\"western\">Das neue Paradigma ist ein neues System der Beziehungen zwischen den Nationen, das es den Entwicklungsl\u00e4ndern erlaubt, Spr\u00fcnge vorw\u00e4rts zu machen, ihre Unterentwicklung zu \u00fcberwinden und Zugang zu fortgeschrittenen Technologien zu erhalten. Das alte Paradigma hingegen beruht auf der Abkehr vom relativen industriellen Optimismus der Zeit Kennedys, de Gaulles und Adenauers der 1960er Jahre, und dem Versuch, eine nachindustrielle Utopie zu schaffen. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf die These des Club von Rom \u00fcber \u201eDie Grenzen des Wachstums\u201c und Henry Kissingers Memorandum NSSM-200, in dem er argumentierte, das Bev\u00f6lkerungswachstum m\u00fcsse beschr\u00e4nkt werden, weil zuviele Menschen zuviele Rohstoffe brauchen, die die USA f\u00fcr sich beanspruchen. Gleichzeitig h\u00e4tten Prinz Philips World Wildlife Fund und die Weltbank alles getan, um Entwicklungsprojekte im Entwicklungssektor zu verhindern.<\/p>\n<p class=\"western\">Nun, da sich zeigt, da\u00df die Neue Seidenstra\u00dfe eine unglaubliche Dynamik entfaltet, gibt es neue Angriffe, diesmal vom Weltklimarat (IPCC), der die v\u00f6llige Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2050 fordert. \u201eAber viele L\u00e4nder sind vollkommen von der Kohle abh\u00e4ngig, und sie werden es noch lange Zeit sein, bis sie neue Energiequellen wie die Kernfusion entwickelt haben.\u201c Wenn aus der Neuen Seidenstra\u00dfe in den kommenden zwei Generationen die Weltlandbr\u00fccke werden soll &#8211; und genau das ist nun im Gang -, dann braucht die Welt eine vollkommen neue Wirtschaftsplattform und mindestens eine Verzehnfachung des Energieverbrauchs, und das erfordert offensichtlich ein Eilprogramm zur Entwicklung der Kernfusion.<\/p>\n<p class=\"western\">Der IPCC fordert bis zum Jahr 2050 rund 122 Billionen Dollar an Investitionen, um die Weltwirtschaft zu dekarbonisieren. Statt dessen brauchen wir Lyndon LaRouches Vier-Punkte-Programm: die Glass-Steagall-Bankentrennung, um die Finanzspekulation zu unterbinden, Nationalbanksysteme in der Tradition Alexander Hamiltons und ein neues Bretton-Woods-System zur Finanzierung gro\u00dfer Aufbauprojekte sowie massive Produktivit\u00e4tssteigerungen der Weltwirtschaft durch gro\u00dfe Forschungsprogramme f\u00fcr die Weltraumfahrt und die Kernfusion. \u201eMein Ehemann hat schon vor vielen Jahren gesagt, da\u00df der einzige Weg, dies zu erreichen, der ist, da\u00df die vier wichtigsten M\u00e4chte, die Vereinigten Staaten, Ru\u00dfland, China und Indien, zusammenarbeiten, um ein solches Neues Bretton-Woods-System zu schaffen, denn nur sie haben die Macht, das gegenw\u00e4rtige System der finanziellen Herrschaft der Wall Street und der Londoner City zu beseitigen.\u201c<\/p>\n<p class=\"western\">Viele Menschen fragten, ob das \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Wenn die Kongre\u00dfwahl g\u00fcnstig f\u00fcr Trump ausgeht, dann hoffe und erwarte sie, da\u00df er in der zweiten H\u00e4lfte seiner ersten Amtszeit eine viel freiere Hand hat und positive Beziehungen zu Ru\u00dfland und China aufbauen wird.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Alexander Hartmann \u201eDie Neue Seidenstra\u00dfe und das Ende des Kolonialismus: eine neue gemeinsame Zukunft f\u00fcr die Menschheit\u201c lautete das Thema eines Forums in Washington mit Helga Zepp-LaRouche, das vom Schiller-Institut am 17. Oktober f\u00fcr Diplomaten und andere geladene G\u00e4ste veranstaltet wurde. 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