{"id":48397,"date":"2018-09-01T17:33:54","date_gmt":"2018-09-01T15:33:54","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=48397\/"},"modified":"2018-09-01T17:33:54","modified_gmt":"2018-09-01T15:33:54","slug":"xi-jinping-die-asthetische-erziehung-und-afrika-und-die-tiefe-moralische-krise-des-westens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2018\/09\/01\/xi-jinping-die-asthetische-erziehung-und-afrika-und-die-tiefe-moralische-krise-des-westens\/","title":{"rendered":"Xi Jinping, die \u00e4sthetische Erziehung und Afrika &#8211; und die tiefe moralische Krise des Westens"},"content":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das politische Establishment in Europa immer noch meint, im Besitz der allein seligmachenden Weisheit zu sein, was die angebliche \u00dcberlegenheit der \u201ewestlichen Werte\u201c angeht, haben mehr und mehr sogenannte \u201enormale B\u00fcrger\u201c l\u00e4ngst gemerkt, da\u00df es eine immer tiefere Kluft gibt zwischen der offiziellen Darstellung der Ereignisse durch Politik und Medien, und der Realit\u00e4t, wie sie sich in den verschiedensten Aspekten des Lebens darstellt. So manchen beschleicht die Ahnung, da\u00df die negative Medienberichterstattung \u00fcber China und die Neue Seidenstra\u00dfe vielleicht auch Fake News sind. In der Tat haben wir es bei den sogenannten \u201ewestlichen Werten\u201c und dem Konzept der \u201eNeuen Seidenstra\u00dfe\u201c mit dem Aufeinanderprallen zweier diametral entgegengesetzter Wertvorstellungen und einem v\u00f6llig unterschiedlichen Menschenbild zu tun.<\/p>\n<p>Seitdem sich China seit rund zehn Jahren und verst\u00e4rkt in den letzten f\u00fcnf Jahren im Rahmen seiner Seidenstra\u00dfen-Initiative in vielen Infrastrukturprojekten engagiert, u.a. Eisenbahnlinien, Industrieparks, Wasserkraftwerke und Industrialisierung der Landwirtschaft in Afrika, hat viele afrikanische Staatschefs ebenso wie die Bev\u00f6lkerung ein v\u00f6llig neues Selbstbewu\u00dftsein erfa\u00dft: Sie sehen zum ersten Mal die realistische Chance, Armut und Unterentwicklung in absehbarer Zukunft zu \u00fcberwinden. Dank der chinesischen Hilfe setzen sich eine ganze Reihe afrikanischer Staaten das Ziel, mittelfristig einen sehr guten Lebensstandard f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung zu erreichen.<\/p>\n<p>Am Vorabend des FOCAC-Gipfels (Forum on China-Africa Cooperation), zu dem 53 afrikanische Staats- und Regierungschefs in Beijing erwartet werden, gab der Botschafter Ghanas in China, Edward Boateng, in einem Kommentar in Global Times dem Geist der Neuen Seidenstra\u00dfe Ausdruck, der den afrikanischen Kontinent erfa\u00dft hat: \u201eDie Chinesen sind \u00fcberzeugt, da\u00df es f\u00fcr ein Land wie Ghana m\u00f6glich ist, innerhalb einer Generation in eine technologisch entwickelte, moderne Volkswirtschaft transformiert zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Boateng hat in dem einen Jahr, seitdem er in China akkreditiert ist, mehr als 16 Provinzen und viele St\u00e4dte besucht, um den Erfolg des \u201echinesischen Wirtschaftswunders\u201c zu studieren und um dann in dem GT-Kommentar das Res\u00fcmee zu ziehen: \u201eIch glaube, da\u00df Ghana China als Spiegel benutzen kann, um widerzuspiegeln, wie wir einen \u00e4hnlich erfolgreichen Entwicklungsweg einschlagen k\u00f6nnen. Dabei betone ich vor allem, da\u00df China in ein bedeutendes wirtschaftliches und technologisches Powerhouse transformiert worden ist, und wie es gleichzeitig in der Lage war, klare Aspekte seiner reichen Kultur zu erhalten.\u201c Boateng unterstrich, da\u00df dazu der Aufbau einer starken Industriebasis, Investitionen in das menschliche Kapital, eine verbreitete Disziplin, eine ernsthafte Herangehensweise an die L\u00f6sung von Problemen auf allen Ebenen, unerm\u00fcdliche Innovation, Wirtschaftswachstum und der Ausbau von Infrastruktur beigetragen haben, und da\u00df eine aufgabenbezogene Disziplin und ein Vertrauen in die traditionellen kulturellen und humanistischen Werte zu der Geisteshaltung geh\u00f6ren, von deren Inspiration Ghana sehr profitieren k\u00f6nne. Er erinnerte daran, da\u00df Ghana als erstes afrikanisches Land das Joch des Kolonialismus abgeworfen habe und dessen Gr\u00fcndungspr\u00e4sident, Dr. Kwame Nkrumah, der Vater des Panafrikanismus gewesen sei, der sich tief in das Bewu\u00dftsein Afrikas und der Afrikaner eingegraben habe.<\/p>\n<p>Kolonialistisches Denken im Westen<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4tten die Europ\u00e4er seit langem und wie China jetzt seit zehn Jahren den afrikanischen Kontinent infrastrukturell und industriell entwickeln k\u00f6nnen. Was sie daran hinderte, war ein Fortbestehen des kolonialistischen Denkens, wie es in den brutalen Kreditauflagen des IWF und der eine Entwicklung unterdr\u00fcckenden Politik der Weltbank zum Ausdruck kam. W\u00e4hrend China und die afrikanischen Staaten die sie tief verbindende Freundschaft betonen, scheinen die wenigen Europ\u00e4er, die allm\u00e4hlich angesichts der gigantischen Ver\u00e4nderungen in Afrika aufwachen, aber bestenfalls Sorge zu haben, da\u00df China und andere asiatische Staaten sich den Zugang zu Afrikas Rohstoffen sichern.<\/p>\n<p>Der deutsche Entwicklungsminister M\u00fcller kritisierte w\u00e4hrend seiner j\u00fcngsten Afrikareise, die ihn durch sieben Staaten f\u00fchrte, die Afrikapolitik der EU und der deutschen Regierung, die bisher nur darin bestanden habe, Mauern gegen die Fl\u00fcchtlinge zu errichten: \u201eIn den n\u00e4chsten zehn Jahren wird in Afrika mehr gebaut als in ganz Europa in den letzten hundert Jahren\u201c, betonte M\u00fcller. In Mosambik habe er gesehen, \u00fcber welch gro\u00dfe Ressourcen dieser Kontinent verf\u00fcge, die Chinesen, Indien, Japan und die Amerikaner seien schon hier, nur die Deutschen nicht, die viele Chance liegen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Bundeskanzlerin Merkel, die zur gleichen Zeit Senegal, Nigeria und Ghana bereiste, wo sie mit M\u00fcller zusammentraf, hatte dort nach einem Treffen mit Ghanas Pr\u00e4sident Nana Akufo-Addo die pl\u00f6tzliche Erkenntnis, da\u00df die EU nur eine wohlhabende Zukunft haben werde, wenn man die Frage der Migration und die Frage einer Partnerschaft mit Afrika \u201emanagen\u201c k\u00f6nne; sie glaube nicht, da\u00df der Zusammenhalt der EU andernfalls garantiert werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Nun bleibt aber zu sehen, was dieses \u201eManagen\u201c konkret bedeutet, und ob es \u00fcber die zynische bisherige Politik, nur Abkommen mit afrikanischen Regierungen \u00fcber den Stopp der Migration und den Bau von Lagern, die Papst Franziskus schon mit Konzentrationslagern verglichen hat, hinausgeht. Wenig Gutes verhei\u00dft der j\u00fcngste Vorschlag des Sonderbeauftragten der deutschen Regierung f\u00fcr afrikanische Angelegenheiten, G\u00fcnter Nooke, der allen Ernstes einen neuen Kolonialismus vorschl\u00e4gt (Reuters, 29.8.): \u201eWarum schafft man da nicht Sonderentwicklungszonen, in denen die Staaten f\u00fcr 50 Jahre ihre Hoheitsrechte abgeben und vielleicht die EU den Rechtsrahmen f\u00fcr Investitionen von Firmen aus dem Ausland garantiert?\u201d <\/p>\n<p>Noch ungeheuerlicher ist allerdings der Artikel \u201eAuf dem Weg nach ,Eurafrika\u2019\u201c im Bayernkurier vom 26. August, der im wesentlichen die absolut horrenden Thesen des j\u00fcngsten Buchs von Stephen Smith La Ruee vers L\u2019Europe (\u201eAnsturm auf Europa: Das junge Afrika auf dem Weg zum Alten Kontinent\u201c) nachleiert. Afrika erlebe das \u201erasendste Bev\u00f6lkerungswachstum\u201c, das die Welt je gesehen habe, es gebe eine \u201eBev\u00f6lkerungsexplosion\u201c und einen \u201eJugend\u00fcberschu\u00df\u201c; mit ihrer Entwicklungshilfe \u201eschie\u00dfen sich die reichen L\u00e4nder selbst ins Bein\u201c, wird Smith zitiert, \u201eindem sie den armen L\u00e4ndern helfen, die Wohlstandsschwelle zu erreichen, die den Menschen erlaubt, sich \u00fcberhaupt auf den Weg zu machen, sch\u00fctten sie eine Pr\u00e4mie auf die Migration aus.\u201c F\u00fcr die \u201eR\u00fcckkehr zum Protektorat\u201c (so wie es auch Nooke fordert), in der er die einzige M\u00f6glichkeit sieht, die \u201eMigranten-Sturmflut\u201c abzuwehren, sieht er durchaus Ans\u00e4tze in den EU-Bem\u00fchungen um Vertr\u00e4ge mit afrikanischen \u201eDiktatoren\u201c.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist sich der Bayernkurier knapp sieben Wochen vor der Landtagswahl nicht zu schade, ganz im Geiste Bj\u00f6rn H\u00f6ckes mobil zu machen. Also mit anderen Worten: Entwicklungshilfe geschweige denn Investitionen sollen unterbleiben, die Menschen lieber arm bleiben und m\u00f6glichst fr\u00fch sterben. Und mit diese \u201echristlichen Werten\u201c will der Bayernkurier Wahlhelfer f\u00fcr die CSU sein?<\/p>\n<p>Ganz anders dagegen die f\u00fchrende Nachrichtenagentur Chinas, Xinhua, die am 31. August als die Top-Meldung des Tages berichtete, da\u00df Pr\u00e4sident Xi Jinping in einem Brief an die Professoren der Chinesischen Akademie der Sch\u00f6nen K\u00fcnste (CAFA) die Bedeutung der \u00e4sthetischen Erziehung f\u00fcr die gesunde physische und geistige Entwicklung der Jugend betont habe. Die \u00e4sthetische Erziehung spiele eine wichtige Rolle in der Ausformung eines sch\u00f6nen Geistes, einer sch\u00f6nen Seele.<\/p>\n<p>Auch wenn die Scheinwelt, die die Mainstream-Medien in Deutschland aufrecht zu erhalten suchen, es nie vermuten lie\u00dfe: Die Welt bewegt sich mit schnellen Schritten in die Richtung, die Lyndon LaRouche und die mit ihm verbundene Assoziation seit Jahrzehnten zu verwirklichen sucht. So verwirklicht China heute die Politik, die wir schon 1980 in einem Buch zur Industrialisierung Afrikas ver\u00f6ffentlicht und seitdem in vielen Konferenzen pr\u00e4sentiert haben, u.a. im Landtagswahlkampf der B\u00fcSo 2009 mit dem Slogan: \u201e<a href=\"https:\/\/solidaritaet.com\/neuesol\/2008\/52\/hessen.htm\">Hessens Zukunft liegt in Afrika!<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Und die Betonung der \u00e4sthetischen Erziehung durch Pr\u00e4sident Xi beweist auch die Richtigkeit der These der Autorin in einer Rede in New York im April 2017, da\u00df es eine gro\u00dfe Affinit\u00e4t zwischen dem Menschenbild und der Methode der \u00e4sthetischen Erziehung zwischen <a href=\"https:\/\/solidaritaet.com\/neuesol\/2017\/17\/hzl.htm\">Konfuzius und Friedrich Schiller <\/a>gibt. Der Unterschied besteht darin, da\u00df China seine klassische Tradition hoch h\u00e4lt, w\u00e4hrend wir uns in Deutschland weit von unserer klassisch- humanistischen Kultur entfernt haben. Aber vielleicht ist es ja noch nicht zu sp\u00e4t &#8211; wir m\u00fcssen nur Nikolaus von Kues, Kepler, Leibniz, Bach, Beethoven, Schiller, von Humboldt, um nur einige zu nennen, im Geist und in den Seelen unserer Jugend lebendig werden lassen und mehr Betonung auf ihre \u00e4sthetische Erziehung legen als auf Karriere, m\u00f6glichst viel Geld zu verdienen, und die Befriedigung aller Begierden im Hier und Jetzt. Wenn Sie, verehrter Leser, diesen Zeilen beipflichten k\u00f6nnen, dann sollten sie bei dem Schiller-Institut aktiv werden.<br \/>\nzepp-larouche@eir.de<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche W\u00e4hrend das politische Establishment in Europa immer noch meint, im Besitz der allein seligmachenden Weisheit zu sein, was die angebliche \u00dcberlegenheit der \u201ewestlichen Werte\u201c angeht, haben mehr und mehr sogenannte \u201enormale B\u00fcrger\u201c l\u00e4ngst gemerkt, da\u00df es eine immer tiefere Kluft gibt zwischen&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":39208,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[37,438],"tags":[],"class_list":["post-48397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-de","category-helga-zepp-larouche-de"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2012\/12\/helga-zepp-larouche_2013_0.png","author_info":{"display_name":"Jason Ross","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/jason\/"},"modified_by":null,"cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48397"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48397\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48399,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48397\/revisions\/48399"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/39208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}