{"id":43900,"date":"2017-12-10T15:09:45","date_gmt":"2017-12-10T14:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?p=43900\/"},"modified":"2017-12-10T15:09:45","modified_gmt":"2017-12-10T14:09:45","slug":"helga-zepp-larouche-zhuhai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2017\/12\/10\/helga-zepp-larouche-zhuhai\/","title":{"rendered":"Helga Zepp-LaRouche in Zhuhai"},"content":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des internationalen Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hielt eine der Hauptreden bei einem Forum \u00fcber die \u201eMaritime Seidenstra\u00dfe des 21. Jahrhunderts\u201c, das vom 28.-30. November 2017 in Zhuhai in der chinesischen Provinz Guangdong (gegen\u00fcber Hongkong und Macao) stattfand. Sie hielt ihre Rede auf Englisch, es folgt eine deutsche \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Sie, das chinesische Volk, befinden sich derzeit in einem ganz entscheidenden Moment in der Geschichte, und ich wei\u00df, da\u00df Sie &#8211; seit Pr\u00e4sident Xi Jinping vor gut vier Jahren die G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative auf die Tagesordnung setzte, und nach dem erstaunlichen Erfolg der Politik der Neuen Seidenstra\u00dfe seither &#8211; sich vollkommen bewu\u00dft dar\u00fcber sind, welche au\u00dferordentliche Rolle China aus Sicht der Universalgeschichte der Menschheit jetzt spielt. Aber lassen Sie mich mit Ihnen meine Sicht als Deutsche teilen &#8211; d.h. eigentlich betrachte ich mich als Weltb\u00fcrgerin, die das, was China tut, von au\u00dfen her, aus einer internationalen Perspektive betrachtet.<\/p>\n<p>In allen Jahrhunderten bis heute, seit den fr\u00fchesten Zeugnissen menschlicher Zivilisation, verfolgen St\u00e4mme, ethnische Gruppen, Nationen oder B\u00fcndnisse von Nationen ihre vermeintlichen Interessen mit verschiedenen Mitteln &#8211; durch Verhandlungen, Diplomatie, und wenn das nicht weiterhalf, durch bewaffnete Konflikte und Krieg. Die Geopolitik &#8211; die Vorstellung, da\u00df eine Nation oder Gruppe von Nationen das Recht h\u00e4tte, ihre Interessen gegen andere Nationen durchzusetzen &#8211; hat im 20. Jahrhundert zu zwei Weltkriegen gef\u00fchrt. Es sollte f\u00fcr jedermann offensichtlich sein, da\u00df der Krieg im Zeitalter thermonuklearer Waffen keine Methode zur Beilegung von Konflikten mehr sein kann, wenn wir uns als menschliche Gattung nicht selbst vernichten wollen.<\/p>\n<p>Die Menschheit unterscheidet sich von allen anderen bisher bekannten Gattungen im Universum dadurch, da\u00df wir zur sch\u00f6pferischen Vernunft f\u00e4hig sind. Das bedeutet, da\u00df wir, anders als Tiergattungen, unsere Existenzweise bewu\u00dft \u00e4ndern k\u00f6nnen, immer wieder neue universelle Prinzipien in der Wissenschaft und der Kultur entdecken k\u00f6nnen, ein tieferes und gr\u00fcndlicheres Wissen \u00fcber das physische Universum entwickeln k\u00f6nnen, von dem wir der wichtigste Teil sind. In gewissem Sinne ist es also gesetzm\u00e4\u00dfig, da\u00df die Menschheit auf eine Idee kommen w\u00fcrde, wie man die Geopolitik \u00fcberwinden und ein System der Selbstregierung finden kann, das ein langfristiges \u00dcberleben der Menschheit erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Das Konzept einer \u201eGemeinschaft der gemeinsamen Zukunft der Menschheit\u201c, wie Pr\u00e4sident Xi Jinping es vorgestellt hat, ist genau diese Idee. Indem man das Konzept der einen Menschheit, definiert vom Standpunkt einer gemeinsamen Zukunft, als Referenzpunkt daf\u00fcr w\u00e4hlt, wie man politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Fragen betrachtet, schuf Pr\u00e4sident Xi eine h\u00f6here Ebene der Vernunft, eine konzeptionelle Grundlage f\u00fcr einen Frieden auf dem gesamten Planeten. Es ist kein Zufall, da\u00df dieses Konzept f\u00fcr ein v\u00f6llig neues Paradigma in der Menschheitsgeschichte aus China kommt, da es mit der 2500 Jahre alten konfuzianischen Tradition \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Dimension dieser Idee kommt in der G\u00fcrtel- und Stra\u00dfen-Initiative (BRI) zum Ausdruck, dem Vorschlag der Neuen Seidenstra\u00dfe, den Xi im September 2013 in Kasachstan vorstellte. Innerhalb der sehr kurzen Zeit von vier Jahren wurde aus dieser Initiative f\u00fcr \u201eWin-Win-Kooperation\u201c das gr\u00f6\u00dfte Infrastrukturprogramm der Geschichte, mit dem Bau von sechs Wirtschaftskorridoren, zahllosen Eisenbahnstrecken in Eurasien und Afrika, H\u00e4fen, Flugh\u00e4fen, Industrieparks, Kraftwerksprojekten, Wasserregulierung etc. Mehr als 70 Nationen sind beteiligt, und insgesamt ist es schon jetzt zw\u00f6lfmal so gro\u00df wie der Marshallplan f\u00fcr den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, und es ist unbegrenzt.<\/p>\n<p>In Afrika hat der \u201eGeist der Neuen Seidenstra\u00dfe\u201c die Haltung der beteiligten L\u00e4nder vollkommen ver\u00e4ndert. Zum ersten Mal nach Jahrhunderten des Leidens unter kolonialer Unterdr\u00fcckung und mangelnder Finanzierung gibt es nun dank der chinesischen Investitionen eine Perspektive, Armut und Unterentwicklung schon in naher Zukunft zu \u00fcberwinden. Das l\u00f6st einen bespiellosen Optimismus aus.<\/p>\n<p>Auf dem 19. Nationalkongre\u00df der Kommunistischen Partei hat Xi f\u00fcr China das Ziel vorgegeben, bis zum Jahr 2050 \u201eein starkes, demokratisches, zivilisiertes, harmonisches und sch\u00f6nes Land\u201c zu werden. Er erkl\u00e4rte es zum Ziel der Politik, ein besseres und gl\u00fccklicheres Leben f\u00fcr die Menschen zu schaffen, und er forderte die Menschen in allen L\u00e4ndern auf, zusammenzuarbeiten, um eine Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft f\u00fcr die Menschheit aufzubauen, um eine offene, inklusive, saubere und sch\u00f6ne Welt zu schaffen, die dauerhaften Frieden, universelle Sicherheit und gemeinsamen Wohlstand genie\u00dft. Kurz nach dieser bemerkenswerten Veranstaltung markierte der hocherfolgreiche Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten Trump einen historischen Fortschritt der Bem\u00fchungen zur Erreichung dieses Ziels.<\/p>\n<p>Mit dieser globalen Perspektive f\u00fcr die n\u00e4chsten 33 Jahre hat Pr\u00e4sident Xi Jinping eine Vision auf die Tagesordnung gesetzt, die viele Menschen in vielen L\u00e4ndern, ganz besonders in den Entwicklungsl\u00e4ndern, mit einem beispiellosen Funken des Optimismus begeistert. Die Reaktionen einiger Politiker und der Establishment-Medien in einigen westlichen L\u00e4ndern variierten zwischen kompletter Zensur dessen, was Pr\u00e4sident Xi Jinping tats\u00e4chlich sagte, bis hin zu den abstrusesten Behauptungen \u00fcber die wahren Motive hinter Chinas BRI-Politik. In einigen dieser Erkl\u00e4rungen wurde sogar behauptet, Chinas Politik sei eine Gefahr f\u00fcr die liberale Ordnung des Westens.<\/p>\n<p>Hei\u00dft das, da\u00df die Idee, eine harmonische Welt zu schaffen, in der alle Nationen gemeinsam f\u00fcr die gemeinsamen Ziele der Menschheit arbeiten k\u00f6nnen, eine Utopie ist, die niemals Realit\u00e4t werden kann?<br \/>\nPhilosophische \u00dcbereinstimmungen in der Universalgeschichte<\/p>\n<p>Ich glaube, da\u00df die Universalgeschichte der Menschheit eine Antwort auf diese Frage geben kann, denn sie zeigt, da\u00df es einige grundlegende Charakteristiken gibt, wie das Ideal der h\u00f6chsten Menschheit, das den edelsten Erscheinungsformen der verschiedenen Kulturen gemeilsam ist. Es herrscht eine erstaunliche \u00c4hnlichkeit zwischen einigen der herausragenden Denker, die aus v\u00f6llig verschiedenen kulturellen Hintergr\u00fcnden kommen und trotzdem zu den gleichen Erkenntnissen \u00fcber die Natur des Menschen und den Zweck seiner Existenz gelangen. Diese Philosophen, Dichter und Wissenschaftler teilen einen fundamentalen Optimismus in Bezug auf die Rolle des Menschen im Universum: da\u00df die menschliche Kreativit\u00e4t an sich eine Kraft ist, die die Entwicklung des physischen Universums vorantreibt, und da\u00df es eine \u00dcbereinstimmung gibt zwischen der harmonischen Entwicklung aller mentalen und spirituellen F\u00e4higkeiten des Menschen, der harmonischen Entwicklung des Staates und zwischen den Staaten, und den Gesetzes des Kosmos.<\/p>\n<p>In China ist dieses Bild des Menschen und der Harmonie im Staat und zwischen den Staaten vor allem mit Konfuzius und seiner 2500j\u00e4hrigen Tradition in der chinesischen Kultur verbunden, was meines Erachtens den Kern dessen bildet, was man im allgemeinen als \u201eSozialismus chinesischer Pr\u00e4gung\u201c bezeichnet. Konfuzius hatte ein Menschenbild, das den Menschen grunds\u00e4tzlich als gut betrachtet, mit der Verpflichtung, sich unerm\u00fcdlich geistig und moralisch selbst zu verbessern, was ihm m\u00f6glich ist durch Aus\u00fcbung seiner inneren Willensst\u00e4rke und durch eine \u00e4sthetische Erziehung durch Poesie, klassische Musik und andere K\u00fcnste. Wenn das Individuum sich selbst zu einem solchen Junzi entwickelt, dann kann es eine harmonische Entwicklung der Familie geben, und wenn die Regierung von Junzi geleitet wird, dann gedeiht das Gemeinwohl.<\/p>\n<p>Der deutsche Dichter der Freiheit, wie er auch genannt wird, Friedrich Schiller, nach dem unser Schiller-Institut benannt ist, hat bemerkenswerte \u00dcbereinstimmungen mit Konfuzius, obwohl er mehr als 2000 Jahre sp\u00e4ter lebte und wirkte. Auch er entwickelte das Konzept der \u00e4sthetischen Erziehung des Menschen, als die einzige Methode wirklichen politischen Fortschritts, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Poesie und den Sch\u00f6nen K\u00fcnsten. Sein Konzept der \u201eSch\u00f6nen Seele\u201c ist Konfuzius\u2019 Vorstellung des Junzi sehr \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Seele, sagte Schiller, ist jemand, der seine Freiheit in der Notwendigkeit findet, der seine Pflicht mit Neigung tut und der seine Leidenschaften soweit veredelt hat, da\u00df er blind seinen Impulsen folgen kann, weil sie ihn niemals zu etwas verleiten w\u00fcrden, das der Vernunft widersprechen w\u00fcrde. Wilhelm von Humboldt, der das beste Bildungssystem der Welt geschaffen hat, sagte \u00fcber Schiller, er habe eine ganz besondere Kategorie geschaffen, in der er Philosophie und Dichtkunst wie kein anderer auf einer h\u00f6heren Ebene verband.<\/p>\n<p>Der Konfuzius wohl am n\u00e4chsten stehende, fast zeitgen\u00f6ssische Philosoph in der europ\u00e4ischen Kultur ist Platon, der ebenfalls eine philosophische Schule schuf, die durch die Jahrhunderte &#8211; wenn auch mit etlichen Unterbrechungen hinsichtlich ihres Einflusses &#8211; bis heute weiterbesteht. Auch er hatte die Vorstellung eines harmonisch geordneten Universums, da\u00df in die Sch\u00f6pfung des Universums eine Entwicklung eingebettet ist, in der Weise, da\u00df es sich vom Chaos hin zur Harmonie entwickelt, und in dem man diese Harmonie nicht nur erkennen kann, sondern auch sein eigenes Handeln zum Wohle aller in \u00dcbereinstimmung mit den Gesetzen des Universums bringen kann. In seinem ber\u00fchmten Werk Timaios schreibt er:<\/p>\n<p>\u201eDa n\u00e4mlich Gott wollte, da\u00df, soweit es m\u00f6glich, alles gut und nichts schlecht sei, da er aber alles, was sichtbar war, nicht in Ruhe, sondern in regelloser und ungeordneter Bewegung vorfand, so f\u00fchrte er es denn aus der Unordnung in die Ordnung hin\u00fcber, weil er der Ansicht war, da\u00df dieser Zustand schlechthin besser als jener sei. Es war aber und ist recht, da\u00df der Beste nichts anderes als das Sch\u00f6nste vollbringe, und da fand er nun, indem er es bei sich erwog, da\u00df unter den ihrer Natur nach sichtbaren Dingen kein vernunftloses Werk jemals sch\u00f6ner sein werde als ein vernunftbegabtes, wenn man beide als Ganze einander gegen\u00fcberstellt, da\u00df aber wiederum Vernunft ohne Seele unm\u00f6glich irgend einem Gegenstande zuteil werden k\u00f6nne. In dieser Erw\u00e4gung bildete er die Vernunft in eine Seele und die Seele in einen K\u00f6rper ein und f\u00fcgte so aus ihnen den Bau des Weltalls zusammen, um so naturgem\u00e4\u00df das m\u00f6glichst sch\u00f6nste und beste Werk vollendet zu sehen. Und so darf man es denn mit Wahrscheinlichkeit aussprechen, da\u00df diese Welt als ein wirklich beseeltes und vern\u00fcnftiges Wesen durch Gottes Vorsehung entstanden ist.\u201c (Platon: S\u00e4mtliche Werke. Band 3, Berlin, 1940, nach der \u00dcbersetzung von Franz Susemihl von 1856.)<\/p>\n<p>Diese wundersch\u00f6ne Idee, da\u00df Gott die beste aller m\u00f6glichen Welten geschaffen hat, wurde ausdr\u00fccklich von Gottfried Wilhelm Leibniz ausgearbeitet. Demnach stellt jeder Mensch eine Monade dar, die im Kleinen alle Eigenschaften des Universums in sich einschlie\u00dft, und im Universum herrscht eine umfassende, vorherbestimmte (pr\u00e4stabilierte) Harmonie. Die Welt ist die beste aller m\u00f6glichen Welten, weil sie so konstruiert ist, da\u00df jedes \u00dcbel das Potential hat, ein noch gr\u00f6\u00dferes Gutes zu provozieren, wof\u00fcr der Mensch sich entscheiden kann, weil er einen freien Willen hat. Auf diese Weise w\u00e4chst der Freiheitsgrad des Guten trotz der Existenz des B\u00f6sen, woraus sich f\u00fcr den Menschen die Verpflichtung ergibt, sich selbst zu veredeln, um zum Fortschritt der gesamten Menschheit und sogar zur Entwicklung des gesamten Kosmos beizutragen.<\/p>\n<p>Um dieses Ziel zu f\u00f6rdern, schuf Leibniz Akademien und gelehrte Gesellschaften, um das gesamte geistige, wissenschaftliche und kulturelle Wissen aller Menschen zu sammeln und es in den Dienst aller Nationen zu stellen. Sein Konzept war im Grunde dasselbe, das auch im Zentrum f\u00fcr die Entwicklung des Internationalen Wissens1 zum Ausdruck kommt, das als eine Plattform dienen wird, \u00fcber die Nationen Ideen teilen k\u00f6nnen, damit ihre Entwicklung nicht durch den fehlenden Zugang zu neuen Erkenntnissen aufgehalten wird.<\/p>\n<p>Dieser Geist bewog viele Wissenschaftler in der Geschichte, die Fr\u00fcchte ihrer Erfindungskraft dem Land zu \u00fcberlassen, das diese Entdeckungen am besten nutzen w\u00fcrde. Ein gutes Beispiel hierf\u00fcr ist die Zusammenarbeit deutscher Wissenschaftler mit China in der Kerntechnik. Schon Leibniz schrieb an Zar Peter den Gro\u00dfen: \u201eIch gehe lieber auf den Nutzen des ganzen menschlichen Geschlechts, und es ist mir lieber, bei den Russen viel Gutes auszurichten, als bei den Deutschen oder anderen Europ\u00e4ern wenig, denn meine Neigung und Lust geht auf das allgemeine Beste.\u201c (16.1. 1712)<\/p>\n<p>Leibniz war ganz begeistert von China, und er versuchte, von den Jesuitenmissionaren soviel wie m\u00f6glich dar\u00fcber zu erfahren. Er war fasziniert davon, da\u00df Kaiser Kangxi zu den gleichen mathematischen Schl\u00fcssen gekommen war wie er selbst, und schlo\u00df daraus, da\u00df es universelle Prinzipien gibt, die allen Menschen und Kulturen zug\u00e4nglich sind. Er hielt die Chinesen sogar f\u00fcr moralisch \u00fcberlegen, er schrieb:<\/p>\n<p>\u201eJedenfalls scheint mir die Lage unserer hiesigen Verh\u00e4ltnisse angesichts des ins Unerme\u00dfliche wachsenden moralischen Verfalls so zu sein, da\u00df es beinahe notwendig erscheint, da\u00df man Missionare der Chinesen zu uns schickt, die uns Anwendung und Praxis einer nat\u00fcrlichen Theologie lehren k\u00f6nnten&#8230; Ich glaube daher: W\u00e4re ein weiser Mann zum Schiedsrichter nicht \u00fcber die Sch\u00f6nheit von G\u00f6ttinnen, sondern \u00fcber die Vortrefflichkeit von V\u00f6lkern gew\u00e4hlt worden, w\u00fcrde er den goldenen Apfel den Chinesen geben&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht nicht, da\u00df Leibniz ein Konzept hatte, wie die fortgeschritteneren L\u00e4nder den weniger entwickelten L\u00e4ndern helfen k\u00f6nnen, das der Idee der Neuen Seidenstra\u00dfe sehr \u00e4hnlich ist. 1697 ver\u00f6ffentlichte er sein Buch Novissima Sinica, dar\u00fcber, wie Europa und China zusammenarbeiten sollten, um alle L\u00e4nder, die dazwischen liegen, zu entwickeln. Er schrieb:<\/p>\n<p>\u201eDurch eine einzigartige Entscheidung des Schicksals, wie ich glaube, ist es dahin gekommen, da\u00df die h\u00f6chste Kultur und die h\u00f6chste technische Zivilisation der Menschheit heute gleichsam gesammelt sind an zwei \u00e4u\u00dfersten Enden unseres Kontinents, in Europa und China, das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert. Vielleicht verfolgt die h\u00f6chste Vorsehung dabei das Ziel &#8211; w\u00e4hrend die zivilisierten und gleichzeitig am weitesten voneinander entfernten V\u00f6lker sich die Arme entgegenstrecken &#8211; alles, was sich dazwischen befindet, allm\u00e4hlich zu einem vernunftgem\u00e4\u00dfen Leben zu f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Aus dieser optimistischen Idee der besten aller m\u00f6glichen Welten ergab sich f\u00fcr Leibniz das Recht des Individuums auf das Streben nach Gl\u00fcckseligkeit, eine Idee, die nichts mit der hedonistischen Idee vom \u201eSpa\u00df haben\u201c zu tun hat, sondern das Recht auf ein erf\u00fclltes Leben bedeutet, in dem man seine sch\u00f6pferischen Potentiale zum Wohl der gesamten Gesellschaft umfassend entwickelt. Dieses Leibnizsche Konzept wurde ganz ausdr\u00fccklich in die Amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung aufgenommen wurde, wonach alle Menschen das unver\u00e4u\u00dferliche Recht auf \u201eLeben, Freiheit und das Streben nach Gl\u00fcckseligkeit\u201c haben.<\/p>\n<p>Aber nicht nur Leibniz war ein Einflu\u00df auf die Gedanken der amerikanischen Verfassung, in deren Pr\u00e4ambel die Verpflichtung zum Gemeinwohl ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt wird, sondern auch Konfuzius. Der geistige Vater der Vereinigten Staaten, Benjamin Franklin, war ein \u00fcberzeugter konfuzianischer Gelehrter. Er ver\u00f6ffentlichte 1737 in der Pennsylvania Gazette eine Abhandlung \u00fcber die Moral des Konfuzius, und er gr\u00fcndete seine eigene, in seiner Aufz\u00e4hlung der \u201e13 Tugenden\u201c zusammengefa\u00dfte Moralphilosophie, ganz auf die Morallehre des Konfuzius. So h\u00e4ngt die \u201egute Chemie\u201c, die Pr\u00e4sident Trump zwischen sich und Pr\u00e4sident Xi konstatiert, der selbst einen starken konfuzianischen Geist zum Ausdruck bringt, vielleicht damit zusammen, da\u00df Pr\u00e4sident Trump wiederholt zu verstehen gab, da\u00df er das \u201eAmerikanische System\u201c wiederbeleben will, das mit der Philosophie der jungen amerikanischen Republik verbunden ist.<\/p>\n<p>Um die Argumentation zusammenzufassen, warum es, trotz einiger gegenw\u00e4rtiger Widerst\u00e4nde im Westen gegen das Konzept einer \u201eGemeinschaft eines gemeinsamen Schicksals der Menschheit\u201c, trotzdem viel Grund zum Optimismus gibt, da\u00df diese wundersch\u00f6ne Vision tats\u00e4chlich Realit\u00e4t werden wird, lassen Sie mich folgendes sagen: Es gab in allen gro\u00dfen Kulturen Denker mit einem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die tieferen Zusammenh\u00e4nge zwischen einem optimistischen Menschenbild mit seiner unbegrenzten F\u00e4higkeit, sich moralisch und geistig zu vervollkommnen, dem Streben nach dem Gemeinwohl als Voraussetzung f\u00fcr das langfristige \u00dcberleben der Gesellschaft und der \u00dcbereinstimmung zwischen der menschlichen Kreativit\u00e4t und den Gesetzen des physischen Universums.<\/p>\n<p>Schon seit sehr langer Zeit haben diese Philosophen ihre Kulturen unabh\u00e4ngig voneinander beeinflu\u00dft, manchmal lebten sie sogar zur gleichen Zeit, ohne voneinander zu wissen, weil es viele Jahre dauerte, um von einem Land ins andere zu reisen, manchmal beeinflu\u00dften sie einander \u00fcber die Jahrhunderte und \u00fcber die nationalen Grenzen hinweg. So hat Platon die arabischen Philosophen Al-Kindi, Al-Farabi und Ibn Sina ebenso beeinflu\u00dft wie die christlichen Denker Augustinus, Nikolaus von Kues oder Leibniz.<\/p>\n<p>Man findet aber auch Entsprechungen zu ihren Ideen in den indischen Veden oder bei den Gelehrten von Timbuktu. Ohne den Austausch zwischen dem Kalifen Harun Al-Raschid und Karl dem Gro\u00dfen w\u00e4re vielleicht ein gro\u00dfer Teil des kulturellen und wissenschaftlichen Erbes des antiken Griechenland, \u00c4gypten, Spanien und Italien nach dem Zusammenbruch des R\u00f6mischen Reichs nicht gerettet worden.<\/p>\n<p>So wie die antike Seidenstra\u00dfe zu einem Austausch nicht nur von Waren und Technologien, sondern auch von Ideen und Kulturen f\u00fchrte, so wird die Neue Seidenstra\u00dfe zur Weitergabe der besten Sch\u00f6pfungen der menschlichen Kreativit\u00e4t zum Wohl der einen Menschheit f\u00fchren. Kommunikation, Reisen und Wissen \u00fcber den anderen haben sich gewaltig beschleunigt und werden dies auch weiterhin tun. Was in der Vergangenheit nur von den gr\u00f6\u00dften Philosophen mit metaphysischen Argumenten \u00fcber den Menschen und das physische Universum gesagt wurde, das kann heute die moderne Wissenschaft beweisen.<\/p>\n<p>Und es gibt keinen besseren Beweis f\u00fcr die \u00dcbereinstimmung des Mikrokosmos des menschlichen Geistes mit dem Makrokosmos des gesamten Universums als die Raumfahrt und Weltraumforschung. Die Tatsache, da\u00df der Mensch ins All reisen kann, ist der endg\u00fcltige Beweis daf\u00fcr, da\u00df eine immaterielle Idee, eine Erfindung, ein wissenschaftlicher Durchbruch, eine Wirkung im physischen Universum hat und die menschliche Gattung \u00fcber alle Beschr\u00e4nkungen der Sinneswahrnehmung erheben kann. Alle Astronauten, die im Weltraum waren, berichten das gleiche: Wenn man die Erde aus dem Weltraum betrachtet, dann sieht man keine nationalen Grenzen, man sieht nur eine einzige menschliche Gattung.<\/p>\n<p>Es gibt also sehr guten Grund f\u00fcr Optimismus, trotz der z\u00f6gerlichen Haltung einiger im Westen, da\u00df diese wundersch\u00f6ne Vision, der \u201eeine Traum der Menschheit\u201c, wahr werden wird.<br \/>\n<strong>Anmerkungen<\/strong><br \/>\n1Center for the International Knowledge Development, CIKD, im August 2017 von der chinesischen Regierung gegr\u00fcndet.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des internationalen Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, hielt eine der Hauptreden bei einem Forum \u00fcber die \u201eMaritime Seidenstra\u00dfe des 21. 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