{"id":37718,"date":"2016-12-20T11:04:15","date_gmt":"2016-12-20T10:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/blog\/2016\/12\/20\/ein-vorgeschmack-auf-die-renaissance\/"},"modified":"2016-12-20T19:22:43","modified_gmt":"2016-12-20T18:22:43","slug":"ein-vorgeschmack-auf-die-renaissance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2016\/12\/20\/ein-vorgeschmack-auf-die-renaissance\/","title":{"rendered":"Ein Vorgeschmack auf die Renaissance"},"content":{"rendered":"<p><em>Stephan Ossenkopp berichtet von einem \u201eDialog der Kulturen\u201c, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete.<\/em><\/p>\n<div class=\"hr\">\n<hr \/>\n<\/div>\n<p>Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen f\u00fcr eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige klassische Renaissance lebendig wurden. Das Schiller-Institut hatte zum \u201eDialog der Kulturen\u201c eingeladen, um \u201eein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise\u201c zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Das sch\u00f6ne Kaminzimmer des Literaturhauses in der Berliner Fasanenstra\u00dfe war mit 60 G\u00e4sten und 30 Mitwirkenden vollst\u00e4ndig ausgebucht, als die ersten T\u00f6ne aus Ludwig van Beethovens Kantate \u201eMeeresstille und gl\u00fcckliche Fahrt\u201c erklangen. Die ungeheure Spannung, die sich aus dem Kontrast zwischen dem ruhigen und dem aufbrausenden Teil des St\u00fccks ergibt, war die perfekte Einstimmung auf das gesamte vierst\u00fcndige Programm, das dem Publikum zwei v\u00f6llig gegens\u00e4tzliche Paradigmen vor Augen f\u00fchrte, die derzeit im Wettstreit um die Zukunft liegen.<\/p>\n<p>Dazu nahmen drei Redner aus ihren jeweiligen Perspektiven Stellung: Helga Zepp-LaRouche, die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des internationalen Schiller-Instituts, Harley Schlanger, Vorstandsmitglied im Schiller-Institut in den Vereinigten Staaten von Amerika, und Jochen Heibertshausen, Kontrabassist und Dirigent. So machten sowohl die Musik als auch die Vortr\u00e4ge dem Publikum deutlich, da\u00df der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Menschheit l\u00e4ngst eine \u201eNeue Welt\u201c aufbaut, die sich an einer gemeinsamen, positiven Zukunftsvision im Interesse aller Nationen und V\u00f6lker ausrichtet. Nur in Deutschland herrscht noch eine gewisse \u201eFlaute\u201c, und keiner will so recht glauben, da\u00df l\u00e4ngst eine alles umw\u00e4lzende Bewegung in die Welt getreten ist.<\/p>\n<p>Das direkt im Anschlu\u00df an Beethovens Komposition mit Chor und Kammerorchester vorgetragene Werk \u201eAmerican Cantata\u201c folgte derselben Idee. Wie der Sch\u00f6pfer des Werks, Benjamin Lylloff, in seiner Einleitung vortrug, geht es darin prim\u00e4r um die unver\u00e4u\u00dferlichen Rechte und Freiheiten des Menschen in Geist und Gesellschaft. Lylloff verband Teile aus Dvoraks Symphonie \u201eAus der Neuen Welt\u201c und des Spirituals \u201eGoing Home\u201c mit dem Text von Abraham Lincolns Gettysburg-Rede und Benjamin Franklins Siegelspruch \u201eRebellion to tyrants is obedience to God\u201c (Rebellion gegen Tyrannen ist Gehorsam gegen\u00fcber Gott).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/h4Nfz78eq1M?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Rede von Harley Schlanger, Vizepr\u00e4sident des Schiller Institutes in den USA, bei der Konferenz des Schiller-Instituts &#8222;Dialog der Kulturen \u2013 Ein neues Paradigma als Ausweg aus der Krise&#8220;<\/em><\/p>\n<h3>Das neue Paradigma kommt<\/h3>\n<p>Helga Zepp-LaRouche w\u00e4hlte als Auftakt zu ihrem Vortrag noch ein weiteres Bild: W\u00fcrde man die Nationen der Erde mit einem Chor gleichsetzen, dann singe Deutschland gerade in einem v\u00f6llig falschen Takt. Anstatt das Muster der ungeheuren Ver\u00e4nderungen weltweit als chancenreich und positiv zu sehen, s\u00e4hen die Deutschen \u00fcberall nur Bedrohliches. Von Trump in Amerika bis Duterte in den Philippinen, von Putin in Ru\u00dfland bis Xi in China sehe die deutsche \u00d6ffentlichkeit nichts als \u201eR\u00fcpel und Schurken\u201c.<\/p>\n<p>Dabei sehe die reale Welt vollkommen anders aus. Das System der Globalisierung gehe derzeit in Rekordzeit krachend unter, da es mit der W\u00fcrde des Menschen \u00fcberhaupt nicht vereinbar sei. Die Armut sei selbst in Europa unertr\u00e4glich geworden, der Lebensstandard und die Lebenserwartung der amerikanischen Arbeiter- und Mittelschicht falle stetig ab, und die auf L\u00fcgen aufgebauten Regimewechsel-Interventionen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien etc. sorgten f\u00fcr endloses Chaos und Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me. Die Ideologie, die dieses System hervorgebracht habe, kollidiere nun mit der Realit\u00e4t, sagte Frau LaRouche, n\u00e4mlich, da\u00df die Menschen sich in einem Zustand der Revolte bef\u00e4nden, die so lange anhalten werde, bis die begangenen Ungerechtigkeiten vollst\u00e4ndig beseitigt seien.<\/p>\n<p>Das neue Paradigma l\u00e4\u00dft gerade, fuhr Frau Zepp-LaRouche in ihrem Vortrag fort, unter dem gefl\u00fcgelten Wort der \u201eNeuen Seidenstra\u00dfe\u201c eine internationale Win-Win-Zusammenarbeit bei Infrastruktur, Grundlagenforschung und Wissenschaft entstehen. Der neue Faktor in dieser beispiellosen Dynamik sei nun Donald Trump, der f\u00fcr seine kommende Amtszeit als US-Pr\u00e4sident ein umfangreiches Infrastruktur-Aufbauprogramm f\u00fcr die Vereinigten Staaten, das Ende der Regimewechselpolitik und ein gutes Verh\u00e4ltnis zu Ru\u00dfland und China angek\u00fcndigt habe. Zepp-LaRouche verwies in diesem Zusammenhang auf \u00c4u\u00dferungen der stellvertretenden chinesischen Au\u00dfenministerin Fu Ying, die Trumps Infrastrukturplan als m\u00f6gliches Verbindungsglied zur Neuen Seidenstra\u00dfe bezeichnet hatte. Die USA h\u00e4tten die Chance zu einer umfassenden Kurskorrektur, um sich nun an den vier Wirtschaftsprinzipien, die ihr Ehemann Lyndon LaRouche als Leitfaden aufgestellte hatte, zu orientieren.<\/p>\n<p>In ihrem Vortrag wolle sie auf das vierte Prinzip, n\u00e4mlich die menschliche Kreativit\u00e4t als Quelle allen Wohlstandes, besonderen Wert legen. China habe dies im Rahmen seiner Seidenstra\u00dfen-Initiative l\u00e4ngst erkannt und deswegen sein Budget f\u00fcr die Kernfusion und die bemannte Raumfahrt enorm aufgestockt, um die Grundlagen f\u00fcr die neue \u00c4ra einer Helium-3-basierten Realwirtschaft zu legen, in der Energie- und Rohstoffsicherheit gew\u00e4hrleistet seien.<\/p>\n<p>Die zuk\u00fcnftige Rolle des Menschen im Universum sei aber von niemandem so umfassend ausgestaltet worden wie von dem deutschen Raumfahrt- und Technikpionier Krafft Arnold Ehricke, aus dessen Schriften vom \u201eextraterrestrischen Imperativ\u201c Frau Zepp-LaRouche zitierte. Das Potential des Menschen und des Kosmos, in dem er lebt, sei grenzenlos, und deswegen grenzenlos vervollkommnungsf\u00e4hig. Das Ideal, das sich das Schiller-Institut f\u00fcr die Zukunft vorstelle, sei, da\u00df alle Kinder eine universelle Bildung im Sinne von Wilhelm von Humboldt genie\u00dfen k\u00f6nnen, um die von Friedrich Schiller so bezeichnete \u201esch\u00f6ne Seele\u201c zu entwickeln, f\u00fcr die Pflicht und Neigung, wie beim Genie, in eins fallen w\u00fcrden. Ihre Antwort auf die vielen Fragen des Publikums zum Vortrag war die Herausforderung, sich wie Moses Mendelssohn m\u00f6glichst viele Wissensgebiete anzueignen, um sich so die h\u00f6here Ebene der Vernunft, auf der die konstruktive Zusammenarbeit aller Nationen m\u00f6glich ist, zu erschlie\u00dfen. Sie bat das Publikum, diese Alternative des neuen Paradigmas bekannter zu machen und selbst zu Veranstaltern und Multiplikatoren zu werden.<\/p>\n<h3>Was bedeutet die Wahl Trumps wirklich?<\/h3>\n<p>Mit Harley Schlanger kam jemand zu Wort, der seit rund vier Jahrzehnten auf der Seite der Ideen Lyndon LaRouches in der US-amerikanischen und internationalen Politik t\u00e4tig ist. Er kennt wesentliche Elemente, die die Wahl Donald Trumps am 8. November \u00fcberhaupt m\u00f6glich gemacht haben. Wir h\u00e4tten es mit dem Ph\u00e4nomen des Erwachens breiter Schichten des amerikanischen Bev\u00f6lkerung zu tun. Man wisse zumindest sehr genau, was man nicht mehr wolle: Kriege, Bankenrettung, Arbeitslosigkeit und ein unbezahlbares Bildungs- und Gesundheitssystem. Wut und Frust auf 16 Jahre Bush und Obama h\u00e4tten sich bei dieser Wahl entladen. Auch wenn noch nicht ganz klar sei, was Trump ab dem 20. Januar, wenn er ins Amt eingef\u00fchrt wird, tun werde, habe er bei den Dankensreden an seine W\u00e4hler immerhin neben dem Infrastrukturprogramm auch die R\u00fcckkehr zum Glass-Steagall-Trennbankensystem und die Wiederbelebung von Wissenschaft und Raumfahrt in den USA angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Diese wachere Art zu denken habe viel mit dem historischen Einflu\u00df von herausragenden kreativen Pers\u00f6nlichkeiten wie Percy Shelley, Abraham Lincoln und Alexander Hamilton zu tun. Shelley hatte den Dichter als wahren Gesetzgeber bezeichnet, weil nur der Dichter verst\u00fcnde, nach welchen Ideen das Volk in einer Krise hungrig seien. Wir lebten in einer Phase des fundamentalen Umbruchs, machte Harley Schlanger deutlich, in der die Menschen neue fundamentale Vorstellungen anzunehmen in der Lage w\u00e4ren. Unsere Aufgabe sei es, diese Gelegenheit zu nutzen, um LaRouches Prinzipien in den USA zu verankern. Die Deutschen h\u00e4tten keinen Grund mehr, in ihrem Pessimismus zu verharren, denn, auch wenn sie es noch nicht glauben k\u00f6nnten, sei das alte System, zu welchem auch das \u201eMerkel-Regime\u201c geh\u00f6re, besiegbar.<\/p>\n<h3>Furtw\u00e4ngler als Chance<\/h3>\n<p>\u201eF\u00fcr mich war er Beethoven\u201c, zitierte der Kontrabassist Jochen Heibertshausen eine der ber\u00fchmtesten Operns\u00e4ngerinnen, Maria Callas, die dies \u00fcber den Dirigenten Wilhelm Furtw\u00e4ngler gesagt hatte, dessen Auff\u00fchrungen sie im Italien der Nachkriegszeit erlebte. F\u00fcr Heibertshausen ist Furtw\u00e4ngler einfach der beste Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen, da f\u00fcr Furtw\u00e4ngler die Wahrhaftigkeit im musikalischen Kunstwerk und seiner Auff\u00fchrung der leitende Gedanke gewesen sei &#8211; ein Begriff, der aus der heutigen Kultur verbannt worden ist. Ein Kunstwerk sei nur lebendig, wenn es organisch sei, wenn der Dirigent seine emotionalen Entscheidungen stets f\u00fcr das Ganze f\u00e4lle, und nicht seinen eigenen Gef\u00fchlsrausch nach vorne stelle.<\/p>\n<p>Furtw\u00e4ngler habe, so Heibertshausen, die Parameter des Klanges wie kein zweiter in ihrer Gesamtheit beherrscht. Mit Ausschnitten aus historischen Aufnahmen von u.a. Schuberts vierter und Beethovens erster und dritter Symphonie f\u00fchrte er die \u201eunerreichten Interpretationen\u201c Furtw\u00e4nglers vor die Ohren der Zuh\u00f6rer. Das \u201eGeheimnis\u201c Furtw\u00e4nglers sei eigentlich sein Festhalten an der Tugend und dem Streben nach dem Menschlichen, sagt Heibertshausen.<\/p>\n<p>Heute herrsche eine \u201eKultur der Unruhe\u201c, in der jeder dem Erfolg hinterher jage. Das habe etwas damit zu tun, da\u00df in der Nachkriegsordnung Deutschlands eine Vernichtung der Geistigkeit betrieben wurde, in der auch Wilhelm Furtw\u00e4ngler schwer angegriffen und in den Entnazifizierungsprozessen geradezu gekreuzigt worden ist, w\u00e4hrend \u201eDas Wunder Karajan\u201c (so hie\u00df es 1938 in Berlin), der sogar zweimal der NSDAP beitrat, dieser Prozedur enthoben wurde und pl\u00f6tzlich eine Blitzkarriere hinlegte. Heute, so Heibertshausen, w\u00fcrde das Genie von Furtw\u00e4ngler dringend gebraucht, weshalb er derzeit auch eine Internetplattform mit Furtw\u00e4ngler-Zitaten und H\u00f6rbeispielen aufbaue.<\/p>\n<h3>Musikalische Gr\u00fc\u00dfe aus Asien<\/h3>\n<p>Zum musikalischen Programm des Nachmittags geh\u00f6rten auch noch die von der aus Japan stammenden Mezzosopranistin Mayumi Nakamura gesungenen Lieder \u201eOyasumi\u201c und \u201eHatsu Koi\u201c, und das von der in China geborenen Sopranistin Lini Gong vorgetragene Schubert-Lied \u201eDas Veilchen\u201c, die allesamt vom Publikum mit freudigem Applaus belohnt wurden.<\/p>\n<p>In der Gesamtschau ist dieser \u201eDialog der Kulturen\u201c des Schiller-Instituts ein lebendiges Forum um die Ideen und Aktivit\u00e4ten f\u00fcr den Paradigmenwandel zu einer neuen Weltwirtschaftsordnung, in der die kreativen Kr\u00e4fte der Menschheit zur raschen vollen Entfaltung gelangen k\u00f6nnen. Denn, so sagte Frau Zepp-LaRouche in ihrem Schlu\u00dfwort, selbst wenn Krieg und Hunger nun \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, geht es um eine sich immer weiter entwickelnde Zukunftsvision, in der wir uns darauf verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen, wie wir als Menschheit die kommenden hundert, tausend, sogar zehntausend Jahre gestalten wollen.<\/p>\n<p><em>von Stephan Ossenkopp<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephan Ossenkopp berichtet von einem \u201eDialog der Kulturen\u201c, den das Schiller-Institut am 10. Dezember im Berliner Literaturhaus veranstaltete. Am 10. Dezember wurde das Berliner Literaturhaus zu einem Ort, an dem die Ideen f\u00fcr eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige klassische Renaissance lebendig wurden. 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