{"id":33607,"date":"2016-03-17T18:52:44","date_gmt":"2016-03-17T17:52:44","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/de\/?p=33607"},"modified":"2016-03-17T19:07:27","modified_gmt":"2016-03-17T18:07:27","slug":"aufbau-der-wirtschaft-statt-geopolitik-und-malthusianismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2016\/03\/17\/aufbau-der-wirtschaft-statt-geopolitik-und-malthusianismus\/","title":{"rendered":"Aufbau der Wirtschaft statt Geopolitik und Malthusianismus"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"autor\">Das Schiller-Institut veranstaltete am 13. und 14. Juni in Paris eine internationale Konferenz zum Thema \u201eWiederaufbau der Welt in der BRICS-\u00c4ra\u201c.<\/h3>\n<p class=\"autor\"><em>von Christine Bierre und Alexander Hartmann<\/em><\/p>\n<p>Am 13. und 14. Juni sprachen in Paris hochrangige Vertreter aus drei der f\u00fcnf L\u00e4nder der BRICS-Gruppe (Brasilien, Ru\u00dfland, Indien, China und S\u00fcdafrika) und mit ihr kooperierender Staaten auf einer au\u00dfergew\u00f6hnlichen internationalen Konferenz des Schiller-Instituts mit dem Titel \u201eWiederaufbau der Welt in der BRICS-\u00c4ra\u201c.<\/p>\n<p>An dem zweit\u00e4gigen, intensiven Austausch beteiligten sich mehrere hundert Franzosen und Delegationen aus Deutschland, D\u00e4nemark, Schweden, Spanien, Italien, Australien, Polen, Rum\u00e4nien, Ru\u00dfland, China, Peru sowie weiteren Staaten. Die Versammelten erkannten, da\u00df dies nicht \u201eeine Konferenz von vielen\u201c war, sondern da\u00df sie selbst Teil eines internationalen Kampfes f\u00fcr ihr eigenes \u00dcberleben und das der ganzen Menschheit sind, und sie beschlossen daher, ihr Schicksal aktiv selbst mitzugestalten.<\/p>\n<p>Die Konferenz sollte den frischen Wind des Fortschritts, der von den BRICS und ihren Verb\u00fcndeten ausgeht, nach Frankreich und ganz Europa holen und die Europ\u00e4er anregen, sich gegen eine Weltordnung zu erheben, die nichts mehr zu bieten hat au\u00dfer der R\u00fcckkehr zu Imperien, Kriegen aller gegen alle und der systematischen Auspl\u00fcnderung der V\u00f6lker und des \u00f6ffentlichen Besitzes. Sie wandte sich auch scharf gegen den Malthusianismus, der im Zusammenhang mit dem Schwindel vom \u201emenschengemachten Klimawandel\u201c und der Ende des Jahres in Frankreich geplanten Weltklimakonferenz (COP21) verbreitet wird. Dieser Malthusianismus ist der Todfeind der Entwicklung der BRICS und der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Da es an dieser Stelle den Rahmen sprengen w\u00fcrde, auf s\u00e4mtliche Konferenzbeitr\u00e4ge im einzelnen einzugehen, die auf der Internetseite<a href=\"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/de\/<\/a> umfassend dokumentiert werden, konzentrieren wir uns im folgenden auf die zentralen Punkte der Konferenz.<\/p>\n<h3>Krieg &#8211; oder Frieden durch wirtschaftliche Entwicklung<\/h3>\n<p>Helga Zepp-LaRouche, die Gr\u00fcnderin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, er\u00f6ffnete die Konferenz und beschrieb die vor uns liegenden Gefahren: eine Finanzkrise, aus der sehr schnell die Implosion des Finanzsystems folgen kann, wenn die Griechenlandkrise Ende Juni ihren H\u00f6hepunkt erreicht, sowie die wachsende Gefahr eines Krieges, sogar eines thermonuklearen Krieges, gegen Ru\u00dfland und China. Der Ursprung dieser Kriegspolitik im anglo-amerikanischen Lager liege in der neokonservativen Ideologie des \u201eProjekts f\u00fcr ein Neues Amerikanisches Jahrhundert\u201c (Project for a New American Century, PNAC), wonach verhindert werden m\u00fcsse, da\u00df sich irgendeine Macht auf der Welt herausbildet, die die globale Macht der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung des Britischen Empire gef\u00e4hrden kann.<\/p>\n<p>In diesem Kontext sprach ihr Ehemann, der amerikanische Staatsmann und \u00d6konom Lyndon LaRouche, per Video zu der Konferenz und unterst\u00fctzte den Protest der fr\u00fcheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schr\u00f6der sowie des amtierenden Au\u00dfenministers Frank-Walter Steinmeier gegen die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin nicht zum j\u00fcngsten G-7-Gipfel einzuladen.<\/p>\n<p>Aber Zepp-LaRouche beschrieb auch optimistisch die BRICS und das von Chinas Pr\u00e4sidenten Xi Jinping und der Eurasischen Union vorangetriebene Projekt der Neuen Seidenstra\u00dfe als Alternative zu diesen Gefahren. Das Schiller-Institut arbeite schon seit mehr als 25 Jahren am Aufbau dieser Alternative, seit es diese nach dem Fall der Berliner Mauer erstmals vorgeschlagen hatte: eine internationale Friedensordnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert auf der Grundlage des Aufbaus von Infrastrukturkorridoren durch ganz Eurasien.<\/p>\n<h3>Ru\u00dfland, China und Indien<\/h3>\n<p>Vertreter aus Ru\u00dfland, China und Indien vermittelten den Konferenzteilnehmern eine greifbare Vorstellung einer \u201epolyzentrischen\u201c Welt, dem Embryo der neuen, gerechteren Weltwirtschaftsordnung, die die BRICS fordern und die jetzt in atemberaubendem Tempo entsteht. Der iranische Botschafter in Frankreich, Seine Exzellenz Ali Ahani, \u00fcbermittelte eine Botschaft, in der er andeutete, da\u00df die Islamische Republik Iran \u201ezu einer Kooperation mit den BRICS-Staaten willens und bereit ist und ihre Hilfe und Unterst\u00fctzung bei der L\u00f6sung der regionalen und weltweiten Probleme anbietet\u201c.<\/p>\n<p>Seit April hat Ru\u00dfland die turnusm\u00e4\u00dfige Pr\u00e4sidentschaft der BRICS inne, und Leonid Kadyschew, Botschaftsrat an der russischen Botschaft in Paris, beschrieb die Priorit\u00e4ten, die die russische Pr\u00e4sidentschaft beim bevorstehenden Gipfeltreffen der BRICS am 9. und 10. Juli in Ufa verk\u00fcnden wird.<\/p>\n<p>Noch vor diesem Gipfel werden die Neue Entwicklungsbank (NDB) und das Notfall-Reserve-Arrangement (CRA), die beim BRICS-Gipfel 2014 im brasilianischen Fortaleza beschlossen wurden, auf den Weg gebracht sein, berichtete Kadyschew, der Ratifizierungsproze\u00df schreite sehr gut voran. Dann soll ein Fahrplan beschlossen werden, der konkrete Investitionen in Infrastrukturprojekte und eine neue Achse der Zusammenarbeit in Bereichen wie Bergbau, Energie und Kommunikation definiert.<\/p>\n<p>Professor Shi Ze vom China Institute of International Studies (CIIS) beschrieb dann die Kombination von Zielen, die China mit der Neuen Seidenstra\u00dfe verfolgt: Abbau des internen wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen den \u00f6stlichen und den westlichen Regionen Chinas und Verbesserung des Au\u00dfenhandels mit den westlichen Nachbarn (Zentralasien, Indien und Ru\u00dfland), die zur Deckung von Chinas gewaltigem Energiebedarf f\u00fcr seine Entwicklung beitragen k\u00f6nnen. Aber wie Prof. Shi betonte, ist die Strategie \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c auch ein Beitrag Chinas zur Welt in der konfuzianischen Tradition, da die Entwicklung des eurasischen Kontinents eine \u201eneue Wachstumslokomotive f\u00fcr die Welt\u201c schaffen und Frieden und Sicherheit weltweit f\u00f6rdern werde.<\/p>\n<p>Dem folgte ein sehr wichtiger Beitrag des indischen Botschafters H.H.S. Viswanathan, Senior Fellow der Observer Research Foundation und Koordinator f\u00fcr alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit den BRICS. Er verurteilte den \u201ev\u00f6llig anachronistischen Charakter\u201c des Weltw\u00e4hrungsfonds (IWF), der Weltbank und des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen angesichts der Tatsache, da\u00df die BRICS 25% des Weltwirtschaftsprodukts stellen, aber nur \u00fcber 11% der Stimmrechte im IWF verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Daher h\u00e4tten die BRICS, nachdem sie als Gruppe anfangs die vorhandene Weltordnung verbessern wollten, nun beschlossen, selbst die Agenda der aktuellen Weltordnung zu bestimmen. Die Gr\u00fcndung der NDB und des CRA best\u00e4tige das, da sie als die ersten globalen Institutionen seit 200 Jahren ohne Beteiligung des Westens gegr\u00fcndet wurden.<\/p>\n<p>Der BRICS stehe eine gl\u00e4nzende Zukunft bevor, sagte Botschafter Viswanathan, erinnerte aber daran, da\u00df die Gruppe \u201ein Arbeit und kein Endprodukt\u201c sei.<\/p>\n<h3>L\u00f6sungen f\u00fcr die Schulden Griechenlands und Afrikas<\/h3>\n<p>Ein zentrales Thema der Konferenz war das Problem der Schulden und des Aufbaus einer produktiven Wirtschaft im Unterschied zu dem Finanzsystem, das die transatlantische Wirtschaft beherrscht. Die Frage ist, welche Form die Weltwirtschaft in der BRICS-\u00c4ra haben mu\u00df, um die Welt wirklich menschlich zu machen.<\/p>\n<p>Jacques Cheminade, Pr\u00e4sident von Solidarit\u00e9 und Progr\u00e8s, er\u00f6ffnete den zweiten Tag der Konferenz, der sich der Frage \u201eStaatskredit und Schuldenerla\u00df, die politische Herausforderung an Europa\u201c widmete. Er f\u00fchrte zahlreiche Beispiele f\u00fcr ein Weltfinanzsystem an, das \u201everr\u00fcckt und kriminell geworden ist\u201c: die Forderung der EU, da\u00df L\u00e4nder auch Prostitution und Gl\u00fccksspiel in ihr Wirtschaftsprodukt mit einrechnen, die inzestu\u00f6sen Beziehungen zwischen den Banken und dem \u201esiebten Kontinent\u201c GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon), den Hochfrequenzhandel ohne juristische \u00dcberwachung, Schattenbanken \u201ein alternativen Finanzm\u00e4rkten und 800.000 Milliarden Dollar an Derivat-Forderungen\u201c.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen wieder eine Welt des realen Wachstums schaffen, sagte Cheminade. Es sei besser, auf dem Zug der BRICS mitzufahren, als zur\u00fcckzubleiben oder, noch schlimmer, sie als Feinde zu behandeln, wie es die Oligarchen m\u00f6chten. Unsere wahre Herausforderung sei es jedoch, \u201ezum Impuls der BRICS einen \u00dcberschu\u00df an Kraft und einen gr\u00f6\u00dferen Horizont hinzuzuf\u00fcgen\u201c. Cheminade beschrieb in diesem Zusammenhang Lyndon LaRouches Ma\u00dfstab f\u00fcr eine produktive Wirtschaft, f\u00fcr den der russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow einst die Einheit \u201eLa\u201c (f\u00fcr \u201eLaRouche\u201c) vorgeschlagen habe. Das bedeute, zu verstehen, da\u00df der Mensch \u201ekein geopolitisches Tier ist, das versucht, gegen andere Menschen Territorien zu erobern und sich Rohstoffe zu sichern\u201c, sondern ein kreatives Wesen, das in der Lage ist, universelle Prinzipien zu entdecken und die Gesellschaft durch Anwendung h\u00f6herer Technologien zum Besseren zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<h3>Griechenland: ein stiller Putsch ist im Gang<\/h3>\n<p>Das krasse Gegenbeispiel zu dieser Sichtweise ist das brutale Verhalten der Oligarchie gegen\u00fcber Griechenland. Stelios Kouloglou, Europaabgeordneter der griechischen SYRIZA-Partei, berichtete in bewegenden Worten, wie die Troika &#8211; Weltw\u00e4hrungsfonds (IWF), Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) und Europ\u00e4ische Union (EU) &#8211; die Frage der Schulden dazu nutzen will, die neugew\u00e4hlte griechische Regierung zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die Lage sei vergleichbar mit der von Chile unter Allende, sagte Kouloglou. Bevor Pinochet mit seinen Panzern die Macht \u00fcbernahm, hatte US-Pr\u00e4sident Nixon der CIA gesagt: \u201eSorgt f\u00fcr einen Aufschrei der Wirtschaft!\u201c Und die Banken stoppten alle Kredite an Chile. Heute w\u00fcrden Putsche nicht mehr mit Panzern, sondern mit Banken durchgef\u00fchrt (\u201enot with tanks, but with banks\u201c). Sobald SYRIZA an die Macht gekommen war, habe \u201eHerr Draghi\u201c von der EZB \u201eohne die geringste Rechtfertigung die wichtigste Finanzierungsquelle der griechischen Banken gesperrt und sie durch die Notfall-Liquidit\u00e4tshilfe (Emergency Liquidity Assistance, ELA) ersetzt, ein Kreditfenster, das viel teurer ist und w\u00f6chentlich erneuert werden mu\u00df. Wie ein Damoklesschwert h\u00e4ngt sie \u00fcber den K\u00f6pfen der griechischen F\u00fchrung.\u201c<\/p>\n<p>Kouloglou machte bei der Gelegenheit auch eine bitteren Bemerkung \u00fcber Frankreich: \u201eVon den Kr\u00e4ften im Stich gelassen, auf deren Unterst\u00fctzung es gesetzt hatte, wie z.B. der franz\u00f6sischen Regierung, kann Griechenland aus seiner unterlegenen Position heraus das gro\u00dfe Problem des Landes, die unertr\u00e4gliche Schuldenlast, nicht l\u00f6sen. Der Vorschlag einer internationalen Konferenz wie der, die 1953 Deutschland von der Hauptlast seiner Schulden-Reparationen befreite, was den Weg f\u00fcr das Wirtschaftwunder freimachte, wurde in einem Meer von Drohungen und Ultimaten ertr\u00e4nkt.\u201c In diesem spannungsgeladenen Klima, sagte Kouloglou, sei Ru\u00dflands positive Antwort auf Griechenlands Wunsch, der BRICS-Bank beizutreten, \u201evon der \u00f6ffentlichen Meinung in Griechenland wirklich mit einem Sto\u00dfseufzer der Erleichterung und mit Optimismus\u201c aufgenommen worden.<\/p>\n<p>Herr Kouloglou erhielt von den 450 Teilnehmern gro\u00dfen Applaus. \u201eWir werden Widerstand leisten\u201c, schlo\u00df er seine Rede, dabei m\u00fcsse man schnell handeln: \u201eGute W\u00fcnsche f\u00fcr die griechische Regierung reichen nicht mehr. Die Solidarit\u00e4t, die sie verdient, mu\u00df sich in Taten ausdr\u00fccken. Die Zeit l\u00e4uft uns davon.\u201c<\/p>\n<p>Karel Vereycken erg\u00e4nzte Kouloglous Ausf\u00fchrungen mit einer kurzen Darstellung der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 &#8211; bei der Deutschlands Schulden gegen\u00fcber den ausl\u00e4ndischen Gl\u00e4ubigern stark reduziert und neu geordnet wurden &#8211; als ein Beispiel, wie man mit dem Schuldenproblem umgehen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Der <i>EIR<\/i>-Redakteur Dean Andromidas, der soeben Griechenland besucht hatte, berichtete \u00fcber seine Eindr\u00fccke. Seine Schlu\u00dffolgerung lautete: Griechenland wehrt sich. Was es von uns braucht, sind nicht gute Ratschl\u00e4ge, sondern Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<h3>Der Mythos der Unabh\u00e4ngigkeit Afrikas<\/h3>\n<p>Diog\u00e8ne Senny, der Generalsekret\u00e4r der Panafrikanischen Bewegung UMOJA, zeigte auf, wie Afrika durch eine \u201eschlau eingef\u00e4delte R\u00fcckeroberungspolitik der neokolonialen Kr\u00e4fte\u201c in Schulden gest\u00fcrzt wurde. Diese Schulden seien &#8211; \u00e4hnlich wie die Schulden Griechenlands &#8211; als \u201eillegal, illegitim und sittenwidrig\u201c zu betrachten.<\/p>\n<p>Mehrere Ph\u00e4nomene h\u00e4tten dazu beigetragen, die afrikanische Auslandsverschuldung aufzubl\u00e4hen: 1. private Schulden in Form \u00fcbersch\u00fcssiger Eurodollars und Petrodollars, die seit Anfang der 60er Jahre und nach dem \u00d6lschock 1973 nach Afrika geflossen seien; 2. \u00f6ffentliche Schulden in Verbindung mit \u201eEntwicklungshilfe\u201c, wo Hilfen anderer Staaten daran gebunden waren, da\u00df Auftr\u00e4ge an Unternehmen aus diesen Staaten vergeben wurden; 3. multilaterale Schulden gegen\u00fcber IWF und Weltbank. Zwischen 1970 und 1980 wuchsen Afrikas Auslandsschulden auf 89 Mrd. Dollar.<\/p>\n<p>Nach Angaben der UN-Organisation f\u00fcr Handel und Entwicklung (UNCTAD) erhielt Afrika zwischen 1970 und 2002 insgesamt 540 Mrd.$ an Krediten, 550 Mrd.$ wurden zur\u00fcckbezahlt, dennoch liegen die Schulden heute immer noch bei 295 Mrd.$. Studien des Komitees f\u00fcr den Schuldenerla\u00df f\u00fcr die Dritte Welt (CADTM) zeigen, da\u00df im Jahr 2012 aus Schwarzafrika 5% des BIP als Gewinne ausl\u00e4ndischer Konzerne und f\u00fcr Schuldendienst herausflossen, aber nur 1% des BIP als Entwicklungshilfe hineinflossen.<\/p>\n<p>\u201eWer hilft da wem?\u201c fragte Senny. Die \u00dcberpr\u00fcfung und Streichung der Schulden, f\u00fcr die UMOJA k\u00e4mpfe, seien \u201ekeine Bitte um Gro\u00dfz\u00fcgigkeit der Gl\u00e4ubiger, sondern eine Entsch\u00e4digung und ein Akt der Gerechtigkeit f\u00fcr Menschen, die verraten wurden\u201c.<\/p>\n<h3>Der malthusianische Klimaschwindel<\/h3>\n<p>Ein Schwerpunkt der Konferenz war der Kampf gegen die menschen- und wissenschaftsfeindlichen Ziele der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Paris (COP21). COP21 ist ein massiver Vorsto\u00df Gro\u00dfbritanniens, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, \u00fcber den Schwindel der angeblichen \u201emenschengemachten Klimaerw\u00e4rmung\u201c eine weltweite Entv\u00f6lkerungspolitik durchzusetzen &#8211; was unmittelbar gegen die Entwicklungspolitik der BRICS-Staaten gerichtet ist. Im letzten Abschnitt der Konferenz sprachen mehrere Redner, die verschiedene Aspekte dieses Klimaschwindels widerlegten.<\/p>\n<p>Schon in ihrer Eingangsrede hatte Helga Zepp-LaRouche das eigentliche Ziel dieser Politik angeprangert. Der j\u00fcngste G-7-Gipfel in Deutschland habe die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2030 beschlossen, berichtete sie. Das bedeute, da\u00df man sich dann nur noch auf Wind- und Solarkraft st\u00fctzen k\u00f6nne, weil ja auch die Kernkraft abgelehnt werde. In der Praxis bedeute dies, da\u00df man das Programm des Herrn Schellnhuber &#8211; dem Umweltberater der Bundesregierung vom Potsdamer Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung &#8211; umsetzen will. \u201eUnd wenn man erkennt, da\u00df es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Energieflu\u00dfdichte im Produktionsproze\u00df und der Zahl der Menschen, die mit dieser Energieflu\u00dfdichte versorgt werden k\u00f6nnen, dann mu\u00df man zu dem Schlu\u00df gelangen, da\u00df die Zahl der Menschen, die damit erhalten werden k\u00f6nnen, bei etwa einer Milliarde Menschen liegt.\u201c<\/p>\n<p>Frau LaRouche wies auch auf das omin\u00f6se Treffen Pr\u00e4sident Obamas mit Sir David Attenborough unmittelbar vor dem G-7-Gipfel hin. Attenborough ist einer der Hauptberater der britischen Krone in Umwelt- und Energiefragen und bekannt daf\u00fcr, da\u00df er die Menschheit mit einer Krankheit vergleicht. Attenborough sei mit dem Optimum Population Trust\/Population Matters verbunden, der fordere, die Zahl der Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts auf die H\u00e4lfte zu reduzieren &#8211; das w\u00e4ren 3,5 Milliarden!<\/p>\n<p>Zepp-LaRouche stimmt vollkommen mit Jean Zieglers Charakterisierung \u00fcberein, der das gegenw\u00e4rtige System der Globalisierung als \u201ekannibalistisch\u201c bezeichnet hat. Sie zitierte Friedrich Schillers Schrift <i>Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon,<\/i> in der Schiller Sparta als das oligarchische Modell darstellt und sagt, da\u00df im oligarchischen Modell Heloten beseitigt werden k\u00f6nnen &#8211; man d\u00fcrfe sie t\u00f6ten, wenn es zu viele von ihnen gibt.<\/p>\n<p>Diese Haltung vertrete auch Bertrand Russell, der in seinem Buch <i>The Impact of Science on Society<\/i> (1952, dt.: <i>Wissenschaft wandelt das Leben<\/i>) in bester malthusianischer Tradition schreibe: \u201eW\u00e4hrend der Flitterwochen der Industrialisierung war dieses Verfahren mehr oder weniger richtig; wenn sich aber die Bev\u00f6lkerungszunahme nicht mehr erheblich verlangsamen l\u00e4\u00dft, dann verliert dieser Einwand an Bedeutung&#8230; Der Krieg hat sich bisher, wie bemerkt, als entt\u00e4uschender Versager erwiesen, aber vielleicht ist der bakteriologische Krieg wirkungsvoller. W\u00fcrde man in jeder Generation einmal den Schwarzen Tod \u00fcber die Welt schicken, dann d\u00fcrften die \u00dcberlebenden fr\u00f6hlich weiterzeugen, ohne die Welt allzu eng zu machen&#8230; Es w\u00fcrden sich zwar etwas unangenehme Zust\u00e4nde entwickeln, aber was macht das schon? Die in Wahrheit hochherzigen Leute sind gegen das Gl\u00fcck immun, vor allem, wenn es das Gl\u00fcck anderer ist.\u201c<\/p>\n<h3>Globale Erw\u00e4rmung nicht nachgewiesen<\/h3>\n<p>Der vierte Konferenzabschnitt befa\u00dfte sich mit der Beziehung der Menschheit zur Natur und konkret dem Klima. Benjamin Deniston vom Wissenschaftsteam des LaRouche-Aktionskomitee in den Vereinigten Staaten zeigte die galaktischen Einfl\u00fcsse auf den Wasserkreislauf der Erde auf und pr\u00e4sentierte Vorschl\u00e4ge, wie sich auf dieser Grundlage die D\u00fcrre in den Vereinigten Staaten durch Vermehrung und Steuerung der Niederschl\u00e4ge bek\u00e4mpfen l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Nach ihm sprachen Fran\u00e7ois Gervais, Professor an der Fran\u00e7ois-Rabelais-Universit\u00e4t und kritischer Berichterstatter des Weltklimarates (IPCC), und Professor Carl-Otto Weiss, Berater des Europ\u00e4ischen Instituts f\u00fcr Klima und Energie (EIKE) und fr\u00fcherer Direktor und Professor an der Physikaliasch-Technischen Bundesanstalt. Beide kamen zu dem gleichen Schlu\u00df, da\u00df es derzeit keinen Erw\u00e4rmungstrend im Weltklima gibt, sondern vielmehr eine schon seit 20 Jahren langsam voranschreitende Abk\u00fchlung, und da\u00df die Temperaturen auf der Erde nicht das Resultat menschlicher Aktivit\u00e4ten sind, sondern durch solare und terrestrische Zyklen bestimmt sind. \u201eBest\u00e4tigt das reale Klima die virtuellen Klimamodell?\u201c fragte Prof. Gervais. Das sei eine ganz entscheidende Frage, nicht zuletzt, weil die Weltbank ein 89.000-Mrd.-$-Programm fordere, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken und die Temperaturerh\u00f6hung bis 2030 unter 2\u00b0 zu halten! Tats\u00e4chlich gibt es aber gar keine \u00dcbereinstimmung zwischen der Temperaturentwicklung und dem Anstieg des CO<sub>2<\/sub>-Gehalts in der Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>In seinem Schlu\u00dfwort kommentierte Jacques Cheminade diese letzten Vortr\u00e4ge: Um die Menschen zu beherrschen, verbreite die Oligarchie die Vorstellung, da\u00df der Mensch f\u00fcr die Natur gef\u00e4hrlich und die Zeit etwas Absolutes sei, da\u00df alle Gattungen erhalten werden m\u00fcssen und da\u00df die Ressourcen knapp seien. Aber wenn man ins Museum gehe, k\u00f6nne man sehen, wie sich alles im Lauf hunderttausender Jahre ver\u00e4nderte. \u201eDie Idee einer Welt, die sich nicht \u00e4ndert, ist eine vollkommen infantile Vorstellung, die uns manipulierbar macht&#8230; Einstein hat gezeigt, da\u00df die Zeit relativ ist. Das einzig Best\u00e4ndige ist der Wandel, sagt Heraklit, \u00e4hnlich wie die Veden.\u201c Ver\u00e4nderung sei aber etwas Positives, sie gebe uns eine Zukunft. Mit einer derartigen Untersch\u00e4tzung der Natur werde die Reduzierung der Bev\u00f6lkerung gerechtfertigt. \u201eWenn wir uns einer Politik unterwerfen, so zu bleiben, wie wir sind, dann f\u00fchrt dies zum Kollaps der Kultur.\u201c<\/p>\n<p>Helga Zepp-LaRouche erinnerte in ihrem Schlu\u00dfwort, mit dem die Konferenz endete, an ihren jahrzehntelangen Kampf gegen den Malthusianismus. Schon bei der Bev\u00f6lkerungskonferenz 1974 habe sie den Plan f\u00fcr eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage des Friedens durch Entwicklung pr\u00e4sentiert. \u201eDavid Rockefeller pr\u00e4sentierte seinen Plan der angepa\u00dften Technologien, was damals eine neue Politik war&#8230; Ich sagte damals David Rockefeller: ,Sie sind hundertmal schlimmer als Hitler.\u2019\u201c Nun versuche Schellnhuber, die katholische Kirche f\u00fcr die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft zu gewinnen. \u201eDas bedeutet, da\u00df die Tragf\u00e4higkeit der Erde auf nur noch eine Milliarde Menschen reduziert w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Trotzdem sei sie optimistisch: \u201eIch denke, wir sind die einzige Organisation, die die Menschheit tausend Jahre oder sogar eine Milliarde Jahre in die Zukunft f\u00fchren kann&#8230; Wir m\u00fcssen das Leben so organisieren, da\u00df die Menschheit eine Zukunft hat.\u201c<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schiller-Institut veranstaltete am 13. und 14. Juni in Paris eine internationale Konferenz zum Thema \u201eWiederaufbau der Welt in der BRICS-\u00c4ra\u201c. von Christine Bierre und Alexander Hartmann Am 13. und 14. Juni sprachen in Paris hochrangige Vertreter aus drei der f\u00fcnf L\u00e4nder der BRICS-Gruppe (Brasilien,&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":33,"featured_media":33611,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[180],"tags":[],"class_list":["post-33607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-brics-de"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Paris-snap-01.png","author_info":{"display_name":"tobi","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/tobi\/"},"modified_by":"Motoki Kasai","cc_featured_image_caption":{"caption_text":false,"source_text":false,"source_url":false},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33607"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33607\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}